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Life Between Death and Rebirth
in Relation to Cosmic Realities
GA 141

11 February 1913, Berlin

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Achter Vortrag

Eighth Lecture

[ 1 ] Wenn wir das menschliche Leben im Zusammenhang mit dem Leben im übrigen Weltendasein betrachten, so wie wir es betrachten können mit dem gewöhnlichen, eben im äußeren Dasein des Menschen gegebenen Anschauen, so betrachtet man eigentlich nur den allergeringsten Teil desjenigen von der Welt, was sich auf den Menschen selbst bezieht. Mit andern Worten: Alles, was der Mensch beobachten kann, wenn er nicht hinter die Geheimnisse des Daseins dringen will, kann ihn eigentlich im Grunde genommen über sich selbst nicht aufklären. Denn wenn wir mit den gewöhnlichen menschlichen Wahrnehmungsorganen, mit dem Denkorgan, um uns herumschauen, so haben wir ja eigentlich nur dasjenige vor uns, was die tiefsten, die bedeutsamsten Geheimnisse des Daseins gar nicht umschließt. Am stärksten tritt einem das entgegen, wenn man dazu kommt, auch nur in verhältnismäßig geringem Maße die Fähigkeit zu entwickeln, sich das Leben, die Welt anzuschauen von der anderen Seite, nämlich vom Schlafe aus. Was man im Schlafe sehen kann, das verhüllt sich ja meistens für das gegenwärtige menschliche Anschauen. Denn sobald der Mensch in Schlaf versinkt, also in der ganzen Zeit dann auch zwischen dem Einschlafen und dem Aufwachen, sieht ja der Mensch eigentlich nichts. Wenn aber innerhalb der geistigen Entwickelung der Zeitpunkt eintritt, daß man auch dann beobachten kann, wenn man schläft, dann sieht man zum großen Teil zunächst dasjenige, was sich auf den Menschen selbst bezieht und was ihm während des alltäglichen Beobachtens ganz verborgen bleibt. Es ist leicht einzusehen, daß ihm dies während des alltäglichen Beobachtens verborgen bleiben muß. Denn das Gehirn ist ein Werkzeug des Urteilens, des Denkens. Man muß sich also des Gehirns bedienen, wenn man im gewöhnlichen Leben denken, urteilen will, muß wenigstens das Gehirn sozusagen in Tätigkeit versetzen; dadurch aber kann man es nicht anschauen, kann man es nicht beobachten. Es kann sich ja nicht einmal das Auge selbst beobachten, wenn es beobachtet. Und im Grunde ist es so mit dem ganzen Menschen. Wir tragen ihn an uns, aber wir können ihn nicht beobachten, wir können uns nicht in ihn vertiefen; so daß wir eigentlich den Blick in die Welt hinausrichten, aber im modernen Leben diesen Blick gar nicht in uns selbst richten können.

[ 1 ] When we consider human life in relation to life in the rest of the world, as we are able to do through ordinary perception—that is, through the external existence of human beings—we are actually observing only the very smallest part of the world that pertains to human beings themselves. In other words: Everything that a human being can observe, if they do not wish to penetrate the mysteries of existence, cannot, in essence, enlighten them about themselves. For when we look around us with the ordinary human organs of perception, with the organ of thought, we actually have before us only that which does not encompass the deepest, most significant mysteries of existence. This becomes most apparent when one manages to develop, even to a relatively small degree, the ability to view life and the world from the other side, namely from sleep. What one can see in sleep is, after all, usually veiled from present human perception. For as soon as a person sinks into sleep—and thus during the entire period between falling asleep and waking up—the person actually sees nothing. But when, in the course of spiritual development, the point is reached where one can observe even while asleep, then one initially sees, for the most part, that which pertains to the person themselves and which remains entirely hidden from them during everyday observation. It is easy to see that this must remain hidden from them during everyday observation. For the brain is an instrument of judgment, of thinking. One must therefore make use of the brain if one wishes to think and judge in ordinary life; one must, so to speak, set the brain in motion; but through this one cannot look at it, one cannot observe it. After all, not even the eye can observe itself when it is observing. And fundamentally, this is true of the whole human being. We carry it within us, but we cannot observe it; we cannot delve into it; so that while we actually direct our gaze out into the world, in modern life we are unable to direct this gaze inward at all.

[ 2 ] Nun sind die größten Geheimnisse des Daseins nicht draußen in der Welt, sondern sie sind im Menschen drinnen. Verfolgen wir einmal, was wir aus der Geheimwissenschaft kennen. Da wissen wir, daß eigentlich die drei Reiche der Natur, die uns umgeben, auf einem gewissen Zurückgebliebensein beruhen. Mineralisches Reich, pflanzliches Reich, tierisches Reich sind im Grunde genommen Wesenhaftigkeiten, die so, wie sie sind, darauf beruhen, daß etwas zurückgeblieben ist in der Entwickelung. Den normalen Fortschritt in der Entwickelung hat eigentlich nur dasjenige Wesenhafte gemacht, das während des Erdendaseins am Menschendasein beteiligt ist. Wenn der Mensch das mineralische, das pflanzliche oder das tierische Dasein betrachtet, so betrachtet er in der Welt eigentlich das, was in seinem eigenen Dasein demjenigen entspricht, woran er sich «erinnert», was seinem Gedächtnisse einverleibt ist. Wenn der Mensch einmal nur dasjenige überdenkt, was seinem Gedächtnisse einverleibt ist, was er also in der Seele erlebt hat, so betrachtet er eben dasjenige, was in der Vergangenheit sich abgespielt hat und noch fortbesteht, was noch ein gewisses Dasein fortfristet. Aber das lebendige unsichtbare Seelendasein der Gegenwart betrachtet man nicht, wenn man sich dem Gedächtnisse bloß hingibt. Das Gedächtnis mit allen seinen Vorstellungen stellt etwas dar, was sich wie eingelagert hat in unser lebendiges Seelendasein, was förmlich da drinnen steckt — diese Dinge sind natürlich alle bildlich gesprochen; aber es ist das, was an Gedächtnis dem Seelendasein einverleibt ist, nicht das unmittelbare, elementare gegenwärtige Seelendasein. — So ist es draußen in der Natur mit dem mineralischen, pflanzlichen und tierischen Reich. In diesen Reichen leben gleichsam die Gedanken der göttlich-geistigen Wesenheiten, die in der Vergangenheit gedacht worden sind; und sie setzen sich in das gegenwärtige lebendige Dasein so fort, wie unsere Erinnerungsvorstellungen in unser Seelendasein. Daher haben wir in der Welt um uns herum nicht die Gedanken der gegenwärtigen, unmittelbaren lebendigen göttlich-geistigen Wesenheiten vor uns, sondern die Erinnerungsvorstellungen der Götter, die auf bewahrten Gedanken der Götter.

[ 2 ] Now, the greatest mysteries of existence are not out there in the world, but lie within the human being. Let us consider what we know from esoteric science. There we learn that the three kingdoms of nature that surround us are, in fact, based on a certain state of underdevelopment. The mineral, plant, and animal kingdoms are, in essence, entities that, as they are, are based on the fact that something has remained behind in evolution. Only that which participates in human existence during earthly life has actually made normal progress in development. When a human being observes mineral, plant, or animal existence, they are actually observing in the world that which corresponds in their own existence to what they “remember,” to what is incorporated into their memory. When a person reflects solely on what is incorporated into their memory—that is, what they have experienced in the soul—they are observing precisely what has taken place in the past and still persists, what still maintains a certain existence. But one does not observe the living, invisible soul-life of the present when one merely surrenders to memory. Memory, with all its mental images, represents something that has, as it were, been stored within our living soul life, something that is literally lodged there—these things are, of course, all figurative; but it is that which, in terms of memory, is incorporated into the soul life, not the immediate, elemental, present soul life. — So it is out in nature with the mineral, plant, and animal kingdoms. In these kingdoms live, as it were, the thoughts of the divine-spiritual beings that were thought in the past; and they continue into present living existence just as our memories continue into our soul life. Therefore, in the world around us, we do not have before us the thoughts of the present, immediate, living divine-spiritual beings, but rather the memories of the gods, which are based on the preserved thoughts of the gods.

[ 3 ] Wenn wir unser Gedächtnis in seinem Inhalte anschauen, so kann uns dies in der Tat in einer gewissen Weise deshalb interessant sein, weil wir mit unserem Gedächtnis gewissermaßen an einem Zipfel das Weltenschaffen erfassen, dasjenige erfassen, was aus dem Schaffen in das Dasein übergeht. Es ist sozusagen die unterste Stufe des Geschaffenen, was da in unserer eigenen Seele als Gedächtnis, als Erinnerungsvorstellungen vorhanden ist; die allererste, flüchtigste Stufe des Geschaffenen. Wenn man aber gewissermaßen geistig aufwacht im Schlafe, dann sieht man etwas anderes. Dann sieht man gar nicht, was da draußen im Raume ist; man sieht gar nicht solche Vorgänge, wie sie einem entgegentreten im mineralischen, pflanzlichen oder tierischen Reiche, auch nicht im äußeren menschlichen Reiche. Sondern dann weiß man, daß eigentlich das Wesentlichste, was man da schaut, das Schaffende und Belebende am Menschen selber ist. Es ist förmlich so, wie wenn alles übrige ausgelöscht wäre und die Erde, die man da vom Gesichtspunkte des Schlafes aus betrachtet, nur den Menschen enthielte. Gerade das, was man bei Tage, beim Wachen niemals sehen würde, das enthüllt sich einem dann, wenn man vom Gesichtspunkte des Schlafes aus die Welt betrachtet. Und dann lernt man eigentlich erst die Gedanken kennen, welche sich die göttlich-geistigen Wesenheiten aufgespart haben, um über das mineralische, pflanzliche und tierische Dasein hinaus am Menschen zu schaffen. Während man also durch das physische Anschauen der Welt alles andere anschaut, nur nicht den Menschen, sieht man durch das geistige Anschauen vom Gesichtspunkt des Schlafes aus alles andere nicht an — und eigentlich nur den Menschen, insofern man von einer Schöpfung spricht, und das, was im Menschenreiche geschieht, also alles dasjenige, was sich dem gewöhnlichen täglichen Anschauen entzieht. Daher das zunächst Befremdende, das diese Anschauung hat, die in uns lebt, wenn wir vom Gesichtspunkte des Schlafes aus die Welt betrachten, das heißt, wenn wir innerhalb des Schlafes hellsichtig-schauend werden, geistig aufwachen.

[ 3 ] When we examine the contents of our memory, this can indeed be interesting to us in a certain way, because through our memory we grasp, as it were, a corner of the creation of the world—that which passes from creation into existence. It is, so to speak, the lowest level of the created world, what exists there in our own soul as memory, as recollections; the very first, most fleeting level of the created world. But when one, so to speak, awakens spiritually in sleep, then one sees something else. Then one does not see at all what is out there in space; one does not see at all such processes as those that meet one in the mineral, plant, or animal kingdoms, nor even in the outer human kingdom. Rather, one then knows that what one actually sees there is the creative and life-giving aspect of the human being itself. It is literally as if everything else were erased and the earth, viewed from the perspective of sleep, contained only human beings. Precisely what one would never see during the day, while awake, is revealed to one when one views the world from the perspective of sleep. And only then does one truly come to know the thoughts that the divine-spiritual beings have reserved for themselves in order to create in human beings beyond mineral, plant, and animal existence. So while through the physical observation of the world one observes everything else but the human being, through spiritual observation from the perspective of sleep one does not observe anything else—and in fact only the human being, insofar as one speaks of creation, and what takes place in the human realm, that is, everything that eludes ordinary daily observation. Hence the initially alienating quality of this perception that lives within us when we view the world from the perspective of sleep—that is, when we become clairvoyant within sleep and awaken spiritually.

[ 4 ] Ja, aber dieser Menschenleib — und ich betrachte jetzt als Menschenleib das, was im Schlafe überhaupt im Bette liegen bleibt, also physischer Leib und Ätherleib zusammen —, dieser Menschenleib bietet dann selber einen eigenartigen Anblick, einen Anblick, dessen Charakteristik man etwa in der folgenden Weise in Worte fassen kann: Nur bei dem im allerersten Lebensalter stehenden Kinde ist dieser schlafende Menschenleib in gewisser Beziehung ähnlich dem Weben und Leben und Treiben in den andern Reichen der Natur. Der Leib aber des erwachsenen Menschen, oder überhaupt des Kindes von einem bestimmten Lebensalter an, bietet vom Standpunkte des Schlafes aus gesehen eigentlich fortwährend einen Prozeß des Vergehens, des Zerstörens. Es werden zwar jede Nacht während des Schlafes die zerstörenden Kräfte wieder durch die Wachstumskräfte ertötet; es wird in der Nacht ausgeglichen, was der Tag zerstört, aber es ist immer ein Überschuß der zerstörenden Kräfte vorhanden. Und daß immer ein Überschuß von zerstörenden Kräften da ist, das macht es, daß wir überhaupt sterben. Es summieren sich die Differenzen, die da bleiben. Jede Nacht bleibt doch immer eine Differenz zurück. Die Kräfte, die während der Nacht ersetzt werden, sind nie genauso groß wie die, welche im Tagesleben verbraucht worden sind, so daß im normalen Leben des Menschen täglich immer ein gewisser Rest von zerstörenden Kräften zurückbleibt. Und da dieser Rest, der jeden Tag zurückbleibt, sich hinzurechnet zu dem andern, so tritt der natürliche Alterstod ein, wenn dann die Summe so groß ist, daß die zerstörenden Kräfte die aufbauenden überwiegen.

[ 4 ] Yes, but this human body—and by “human body” I now mean whatever remains in bed during sleep, that is, the physical body and the etheric body together—this human body then presents a peculiar sight, a sight whose nature can be described in words something like this: Only in the case of the child in the very earliest stages of life is this sleeping human body, in a certain sense, similar to the weaving, living, and activity in the other realms of nature. The body of the adult human, however—or indeed of the child from a certain age onward—actually presents, when viewed from the standpoint of sleep, a continuous process of decay and destruction. True, every night during sleep the destructive forces are once again overcome by the forces of growth; what the day destroys is balanced out at night, but there is always a surplus of destructive forces. And the fact that there is always a surplus of destructive forces is what causes us to die in the first place. The differences that remain accumulate. Every night, a difference always remains. The forces that are replenished during the night are never exactly as great as those that have been expended during the day, so that in the normal life of a human being, a certain residue of destructive forces remains every day. And since this residue, which remains every day, adds to the others, natural death from old age occurs when the sum becomes so great that the destructive forces outweigh the constructive ones.

[ 5 ] Also wenn wir den Menschen vom Gesichtspunkte des Schlafes aus betrachten, schauen wir eigentlich auf einen Zerstörungsprozeß. Wir schauen auf diesen Zerstörungsprozeß nicht mit Trauer. Denn die Gefühle, die man etwa im Tagesleben über diesen Zerstörungsprozeß haben könnte, hat man nicht, wenn man vom Gesichtspunkte des Schlafes aus diesen Zerstörungsprozeß überblickt, weil man dann weiß, daß dieser Zerstörungsprozeß die Bedingung ist der eigentlichen geistigen Entwickelung des Menschen. Kein Wesen, das nicht seinen Leib zerstörte, könnte denken, könnte inneres seelisches Leben entwickeln. Es wäre ganz unmöglich, daß bei bloßen Wachstumsprozessen, denen nicht Zerstörungsprozesse gegenüberständen, seelisches Leben entwickelt werden könnte in dem Sinne, wie der Mensch seelisches Leben erlebt. Man sieht also in den Zerstörungsprozessen, die im menschlichen Organismus vor sich gehen, die Bedingungen des menschlichen seelischen Lebens und empfindet den ganzen Fortgang als eine Wohltat. Beseligend sogar empfindet man von der andern Seite des Lebens aus die Tatsache, daß man seinen Leib nach und nach auflösen kann. Es stellt sich nicht nur der Anblick von ‘der andern Seite des Lebens aus anders dar, sondern es stellen sich auch alle Empfindungen, alle Auffassungen anders dar; man hat eigentlich von dieser andern Seite des Lebens, vom Standpunkte des Schlafbewußtseins aus immer vor sich den verfallenden Leib, den richtig verfallenden Leib.

[ 5 ] So when we look at human beings from the perspective of sleep, we are actually observing a process of destruction. We do not view this process of destruction with sadness. For the feelings one might have about this process of destruction in daily life are absent when one surveys this process from the perspective of sleep, because one then knows that this process of destruction is the condition for the actual spiritual development of the human being. No being that did not destroy its body could think, could develop an inner spiritual life. It would be quite impossible for spiritual life to develop—in the sense that human beings experience it—through mere growth processes that were not counterbalanced by processes of destruction. One thus sees in the processes of destruction taking place within the human organism the conditions of human soul life and perceives the entire process as a blessing. From the other side of life, one even feels a sense of bliss at the fact that one can gradually dissolve one’s body. Not only does the view from ‘the other side of life’ appear different, but all sensations and perceptions also appear different; from this other side of life, from the standpoint of the consciousness of sleep, one actually always has before one the decaying body, the truly decaying body.

[ 6 ] Wenn wir nun das Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt betrachten, so hat man etwas anderes vor sich. Eine Zeitlang dauert nach dem Tode eine gewisse Art des Zusammenlebens mit dem vorhergehenden Leben. Für die Kamalokazeit ist Ihnen ja das alles klar geworden; aber auch nach der Kamalokazeit dauert es noch eine Weile weiter: man lebt mit dem vorhergehenden Leben. Dann kommt aber eine Zeit, die immer eintritt in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Es kommt ein gewisser Zeitpunkt, wo tatsächlich in einem noch viel höheren Sinne als während des Schlafbewußtseins eine Umkehr alles Anschauens, alles Wahrnehmens gegenüber dem gewöhnlichen Anschauen und Wahrnehmen eintritt, eine Umkehr aus dem folgenden Grunde eben: Wenn man hier in diesem Erdendasein steht, blickt man aus seinem Leibe heraus in die andere Welt, die nicht unser Leib gerade ist; von diesem Zeitpunkte an zwischen Tod und neuer Geburt, auf den ich mich eben bezogen habe, blickt man eigentlich in sehr geringem Maße auf die Umwelt, auf das Universum. Man blickt aber um so mehr auf das, was man jetzt den Menschenleib nennen könnte, man kennt alle seine Geheimnisse. Also es kommt ein Zeitpunkt zwischen Tod und neuer Geburt, wo man sich insbesondere zu interessieren anfängt für den Menschenleib. Es ist ja ungeheuer schwierig, wenn man diese Verhältnisse charakterisieren will, und man kann es eigentlich nur mit stammelnden Worten. Es kommt ein Zeitpunkt zwischen Tod und neuer Geburt, wo man sich gegenüber dem ganzen Kosmos so fühlt, wie wenn man dieses Universum in sich hätte und außer sich nur den Menschenleib. Wie man dem Magen, der Leber, der Milz gegenüber fühlt, daß man sie innerlich hat, so fühlt man dann den Sternen und überhaupt den anderen Welten gegenüber von dem besagten Zeitpunkte an: man fühlt, man trägt sie innerhalb seines Wesens. Was für dieses Leben hier außen ist, das ist dann richtige innere Welt, und wie man jetzt hinausschaut auf Sterne, Wolken und so weiter, so sieht man dann auf den Menschenleib. Und zwar auf welchen Menschenleib?

[ 6 ] When we now consider the life between death and rebirth, we are faced with something different. For a time after death, there is a certain kind of coexistence with the previous life. You have already come to understand all this regarding the Kamaloka period; but even after the Kamaloka period, it continues for a while longer: one lives with one’s previous life. But then there comes a time that always occurs in the life between death and rebirth. There comes a certain point when, in fact, in a much higher sense than during sleep consciousness, a reversal of all seeing and all perceiving takes place in relation to ordinary seeing and perceiving—a reversal for the following reason: When one stands here in this earthly existence, one looks out from one’s body into the other world, which is not our body itself; from this point in time between death and new birth, to which I have just referred, one actually looks only to a very small extent at the environment, at the universe. But one looks all the more at what one might now call the human body; one knows all its secrets. So there comes a moment between death and new birth when one begins to take a particular interest in the human body. It is, of course, immensely difficult to characterize these conditions, and one can really only do so with stammering words. There comes a moment between death and new birth when one feels, in relation to the entire cosmos, as if one had this universe within oneself and, outside oneself, only the human body. Just as one feels toward the stomach, the liver, the spleen—that one has them within—so does one feel toward the stars and, in general, the other worlds from that moment on: one feels that one carries them within one’s being. What is the external world in this life is then the true inner world, and just as one now looks out at the stars, clouds, and so on, so does one then look upon the human body. And upon which human body, exactly?

[ 7 ] Wenn man wissen will, auf welchen Menschenleib man dann schaut, so muß man sich darüber klar sein, daß das, was als neuer Mensch durch eine nächste Geburt ins Dasein tritt, sich seinem Wesen nach lange, lange vor der Geburt vorbereitet. Es beginnt nicht mit der Geburt oder mit der Empfängnis, daß dieser Mensch sich sozusagen anschickt, auf der Erde wieder da zu sein, sondern lange vorher. Es sind ja dafür ganz andere Dinge wichtig als diejenigen, welche die heutige statistische Biologie annimmt. Diese nimmt an, daß, wenn ein Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt, er gewisse Eigenschaften von Vater, Mutter, Großvater und so weiter bis hinauf in die ganze Ahnenreihe vererbt erhält. Es gibt heute schon ein ganz niedliches Buch über Goethe, worin die Eigenschaften Goethes bis zu seinen Vorfahren hinauf verfolgt werden. Nun ist das im äußeren Sinne ganz richtig; absolut richtig ist es im äußeren Sinne, eben in dem Sinne, den ich schon öfter andeutete: daß durchaus kein Widerspruch ist zwischen irgendeiner naturwissenschaftlichen Tatsache, die mit Recht behauptet wird, und den geisteswissenschaftlich zu erörternden Tatsachen. Das verhält sich gerade so, wie wenn jemand kommt und sagt: Hier steht ein Mensch, warum lebt er? — Da kann jemand antworten: Ich weiß, warum der lebt: er lebt aus dem Grunde, weil er innen Lungen hat, und weil außen Luft ist. — Das ist ganz richtig, selbstverständlich richtig. Aber ein anderer kann kommen und sagen: Dieser Mensch lebt aus einem ganz anderen Grunde noch. Der ist vor vierzehn Tagen ins Wasser gefallen, und ich bin ihm nachgesprungen und habe ihn herausgezogen: deshalb lebt er; denn wenn ich nicht nachgesprungen wäre und ihn aus dem Wasser herausgezogen hätte, dann lebte er heute durchaus nicht! — Es ist diese Behauptung ganz richtig, aber die andere Behauptung ist ebenso richtig. So ist es ganz richtig, wenn man mit der äußeren Naturwissenschaft nachweist, jemand trage in sich die vererbten Merkmale seiner Ahnen; aber ebenso richtig ist es, wenn man auf sein Karma hinweist und auf die andern Dinge. Im Prinzip kann daher Geisteswissenschaft gar nicht intolerant sein; im Prinzip kann nur die äußere Wissenschaft intolerant sein, indem sie zum Beispiel die Geisteswissenschaft ablehnt. So kann jemand kommen und sagen, daß er die Merkmale der Vorfahrenreihe in sich aufbewahrt hat. Aber es besteht daneben auch noch die Tatsache, daß der Mensch von einem bestimmten Zeitpunkte zwischen dem Tode und der neuen Geburt Kräfte zu entwickeln beginnt, die auf seine Ahnen herunterwirken. Lange bevor ein Mensch ins physische Dasein tritt, steht er schon in einer geheimnisvollen Verbindung mit der gesamten Ahnenreihe. Und warum in einer Vorfahrenreihe ganz bestimmte Eigenschaften auftreten, das rührt davon her, daß aus dieser Ahnenreihe — vielleicht erst nach Jahrhunderten — ein ganz bestimmter Mensch hervorgehen soll. Dieser Mensch, der da nach Jahrhunderten vielleicht aus einer Ahnenreihe hervorgehen soll, regelt von der geistigen Welt aus die Eigenschaften seiner Ahnen. Goethe also — wenn wir dieses Beispiel noch einmal heranziehen wollen — zeigt die Merkmale seiner Vorfahren, weil er sich von der geistigen Welt aus fortwährend damit zu schaffen gemacht hat, seine Eigenschaften den Ahnen einzupflanzen. Und so wie es für Goethe gezeigt wurde, tut es jeder Mensch.

[ 7 ] If one wants to know which human body one is looking at, one must realize that what comes into being as a new human being through a subsequent birth has, in its essence, been preparing itself long, long before birth. It is not with birth or conception that this human being, so to speak, prepares to be here on earth again, but long before that. After all, quite different things are important for this than those assumed by modern statistical biology. The latter assumes that when a human being comes into existence through birth, they inherit certain characteristics from their father, mother, grandfather, and so on, all the way back through the entire ancestral line. There is already a rather charming book about Goethe in which Goethe’s characteristics are traced all the way back to his ancestors. Now, this is entirely correct in an external sense; it is absolutely correct in an external sense, precisely in the sense I have often hinted at: that there is absolutely no contradiction between any scientific fact that is rightly asserted and the facts to be discussed from a perspective of Spiritual Science. It is just as if someone were to come and say: Here stands a person, why is he alive? — To which someone might reply: I know why he is alive: he lives because he has lungs inside and because there is air outside. — That is quite correct, of course it is correct. But another person might come along and say: “This person is alive for an entirely different reason. He fell into the water two weeks ago, and I jumped in after him and pulled him out: that is why he is alive; for if I hadn’t jumped in after him and pulled him out of the water, he certainly wouldn’t be alive today!” — This statement is entirely correct, but the other statement is just as correct. So it is quite correct to demonstrate, using external natural science, that someone carries within them the inherited characteristics of their ancestors; but it is just as correct to point to their karma and other factors. In principle, therefore, Spiritual Science cannot be intolerant at all; in principle, only external science can be intolerant, for example, by rejecting Spiritual Science. So someone may come and say that they have preserved the characteristics of their ancestral line within themselves. But alongside this there is also the fact that, from a certain point in time between death and the new birth, a person begins to develop forces that work down upon their ancestors. Long before a person enters physical existence, they are already in a mysterious connection with the entire ancestral line. And the reason why very specific characteristics appear in an ancestral line stems from the fact that a very specific human being is to emerge from this ancestral line—perhaps only after centuries. This human being, who is to emerge from an ancestral line perhaps after centuries, regulates the characteristics of his ancestors from the spiritual world. Goethe, then—if we wish to refer to this example once more—exhibits the characteristics of his ancestors because, from the spiritual world, he has continually been at work implanting his characteristics into his ancestors. And just as it was shown for Goethe, so does every human being.

[ 8 ] Von einem ganz bestimmten Zeitpunkte ab ist also der Mensch zwischen dem Tode und der neuen Geburt schon beschäftigt mit der Vorbereitung seines späteren irdischen Daseins. Was der Mensch hier auf der Erde nämlich als seinen physischen Leib an sich trägt, rührt durchaus nicht alles von dem physischen Leben der Vorfahren her, rührt überhaupt nicht alles von dem her, was auf der Erde sich als Prozesse abspielen kann. Was wir als physischen Leib an uns tragen, ist eigentlich schon an sich eine viergliedrige Wesenheit. Wir haben ja unseren physischen Leib entwickelt durch die Saturn-, Sonnen-, Monden- und Erdenzeit. Veranlagt wurde er zuerst auf dem alten Saturn; während der Sonnenzeit hat sich der Ätherleib eingegliedert, während der Mondenzeit der astralische Leib, und während der Erdenzeit dann das Ich; und durch diese Eingliederungen ist der physische Leib immer umgeändert worden. So haben wir die umgeänderte Saturnanlage, die umgeänderten Sonnenverhältnisse, die umgeänderten Mondverhältnisse alle in uns. Wir könnten keinen physischen Menschenleib an uns tragen, wenn wir nicht die umgeänderten physischen Verhältnisse in uns tragen würden. Sichtbar ist von allem eigentlich nur das, was wir von der Erde an uns haben; die andern Glieder sind nämlich nicht sichtbar. Sichtbar wird der physische Leib des Menschen dadurch, daß er die Substanzen der Erde aufnimmt, in sein Blut verwandelt und ein Unsichtbares damit durchdringt. In Wirklichkeit sieht man nur das Blut und die Umwandelungsprodukte des Blutes, also nur ein Viertel des physischen Menschenleibes; die drei anderen Viertel sind unsichtbar. Denn da besteht zunächst ein unsichtbares Gerüst; in diesem unsichtbaren Gerüst sind unsichtbare Strömungen; das alles ist aber als Kräfte vorhanden. In diesen unsichtbaren Strömungen sind wieder unsichtbare Wirkungen der einzelnen Strömungen aufeinander. Das alles ist noch nicht sichtbar. Und jetzt wird dieses dreifache Unsichtbare durchdrungen von dem, was die Nahrungsmittel, die zum Blute verarbeitet werden, als Ausfüllung dieses dreifachen Unsichtbaren bilden. Dadurch wird erst der physische Leib sichtbar. Und erst mit den Gesetzen dieses Sichtbaren sind wir auf dem Gebiete, das von dem Irdischen stammt. Alles andere stammt nicht aus irdischen Verhältnissen; alles andere ist das, was aus kosmischen Verhältnissen kommt, und was uns bereits zubereitet ist, wenn die Empfängnis eintritt, wenn das erste physische Atom des Menschen ins Dasein tritt. Da ist in vorhergehenden Zeiten, ohne daß eine physische Verbindung mit Vater und Mutter da war, lange vorbereitet worden, was die spätere Leiblichkeit des Menschen sein soll. Die Vererbungsverhältnisse werden dann erst da hineingearbeitet.

[ 8 ] From a very specific point in time onward, therefore, the human being is already engaged, between death and rebirth, in preparing for his or her future earthly existence. For what a human being carries here on Earth as his physical body does not stem entirely from the physical lives of his ancestors, nor does it stem entirely from processes that can take place on Earth. What we carry as our physical body is, in fact, already a fourfold being in itself. We have, after all, developed our physical body through the Saturn, Sun, Moon, and Earth periods. It was first formed on ancient Saturn; during the Sun period the etheric body was integrated, during the Moon period the astral body, and during the Earth period the ego; and through these integrations the physical body has been continually transformed. Thus we have within us the transformed Saturn structure, the transformed Sun conditions, and the transformed Moon conditions. We could not bear a physical human body if we did not carry the transformed physical conditions within us. Of all this, only what we have from the Earth is actually visible; the other members are, in fact, invisible. The physical body of the human being becomes visible through the fact that it takes in the substances of the Earth, transforms them into blood, and permeates the invisible with them. In reality, one sees only the blood and the products of the blood’s transformation—that is, only a quarter of the physical human body; the other three quarters are invisible. For there is first an invisible framework; within this invisible framework are invisible currents; but all of this exists as forces. Within these invisible currents, there are in turn invisible interactions between the individual currents. All of this is not yet visible. And now this threefold invisible realm is permeated by what the foodstuffs, processed into blood, form as the substance filling this threefold invisible realm. Only through this does the physical body become visible. And only with the laws of this visible realm are we in the sphere that originates from the earthly. Everything else does not originate from earthly conditions; everything else is that which comes from cosmic conditions, and which is already prepared for us when conception occurs, when the first physical atom of the human being comes into existence. There, in times past, without there being a physical connection with father and mother, what is to become the human being’s later physicality has long been prepared. The laws of heredity are only then worked into it.

[ 9 ] Auf dies, was sich, man möchte sagen, als der geistige Embryo, als der geistige Lebenskeim vorbereitet, und was sich vorzubereiten beginnt von: dem herangezogenen Zeitpunkte ab zwischen Tod und neuer Geburt, auf das sieht eigentlich das Seelische des Menschen hinunter. Das ist seine Außenwelt! Merken Sie jetzt den Unterschied, wenn man hellseherisch im Schlafe aufwacht, wenn man hinschaut auf den entwerdenden Menschenleib, wenn man auf den eigentlich in einem fortwährenden Zerstörungsprozeß befindlichen Menschenleib sieht — und wenn man auf den Zeitpunkt sieht, wo man seine inneren Eingeweide als seine Außenwelt schaut. Aber dann ist der innere, werdende Mensch die Außenwelt! Also man sieht das umgekehrt, als wenn man es sonst hellseherisch während des Schlafes sieht. Während des Schlafes fühlt man, wie man seine Eingeweide als seine Außenwelt empfindet, sieht aber sonst nur auf einen zerfallenden Menschen hin; in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt blickt man von dem angedeuteten Zeitpunkte ab auf den entstehenden, auf den werdenden, auf den ins Dasein sich hineinschaffenden Menschenleib hin. Der Mensch hat nur nicht die Fähigkeit, sich eine Erinnerung an das zu bewahren, was er zwischen Tod und neuer Geburt sieht. Aber was er da sieht als zusammensetzend das Wunderwerk der menschlichen Leiblichkeit, das ist wahrhaftig großartiger als alles, was der Mensch schauen kann, wenn er sonst den gestirnten Himmel erblickt, oder wenn er mit irgendeiner Anschauung, die an den physischen Leib gebunden ist, auf die physische Außenwelt hinsieht. Groß sind die Geheimnisse des Daseins, auch wenn wir sie nur sinnlich betrachten, von unserem sinnlichen Standpunkte aus; größer aber ist das, was wir anschauen, wenn wir das, was wir sonst so äußerlich sehen, als Eingeweide in uns selber tragen, und was wir dann als den werdenden Menschenleib mit allen seinen Geheimnissen durchschauen! Da sehen wir, wie alles hintendiert, sich vorbereitet, um zuletzt das physische Dasein zu ergreifen, wenn der Mensch durch die Geburt in die physische Welt eintritt.

[ 9 ] It is toward this—what one might call the spiritual embryo, the spiritual seed of life—that is preparing itself, and which begins to prepare itself from the moment between death and new birth, that the human soul actually looks down. That is its outer world! Notice now the difference when one awakens clairvoyantly during sleep, when one looks upon the human body in the process of decay, when one sees the human body that is actually in a continuous process of destruction—and when one looks at the moment when one sees one’s inner viscera as one’s outer world. But then the inner, developing human being is the outer world! So one sees it in reverse, as compared to when one otherwise sees it clairvoyantly during sleep. During sleep, one feels how one perceives one’s internal organs as one’s outer world, but otherwise one looks only upon a decaying human being; in the time between death and new birth, one looks from the indicated point in time toward the emerging, the developing, the human body creating itself into existence. It is simply that the human being lacks the ability to retain a memory of what he sees between death and new birth. But what one sees there as the miracle of human physicality coming together is truly more magnificent than anything a human being can behold when gazing at the starry sky, or when looking at the physical external world through any perception bound to the physical body. Great are the mysteries of existence, even when we view them only sensually, from our sensory standpoint; but greater still is what we behold when we carry within ourselves, as our innermost being, that which we otherwise see so outwardly, and when we then perceive the developing human body with all its mysteries! There we see how everything tends toward and prepares itself to ultimately take hold of physical existence when the human being enters the physical world through birth.

[ 10 ] Nun gibt es nichts, was man in Wirklichkeit Seligkeit nennen kann, als das Anschauen des Schöpfungsprozesses, des Werdeprozesses. Alles Betrachten eines schon Daseienden ist nichts gegenüber dem Anschauen des Werdenden; und was gemeint ist mit den Seligkeiten, die der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt empfinden kann, das bezieht sich eigentlich darauf, daß der Mensch in dieser Zeit des Daseins das Werdende anschauen kann. Auf solche Dinge, die durch die Offenbarungen der Zeiten gegangen sind und von denen einzelne Geister ergriffen worden sind, die entsprechend vorbereitet waren, beziehen sich solche Worte, wie wir sie zum Beispiel im «Prolog im Himmel» in Goethes «Faust» haben:

[ 10 ] In reality, there is nothing that can truly be called bliss except the contemplation of the process of creation, the process of becoming. Any contemplation of what already exists is nothing compared to the contemplation of what is becoming; and what is meant by the bliss that a human being can experience between death and rebirth actually refers to the fact that during this time of existence, the human being can contemplate what is becoming. Words such as those found, for example, in the “Prologue in Heaven” in Goethe’s “Faust” refer to such things that have passed through the revelations of the ages and have been grasped by individual spirits who were suitably prepared:

Das Werdende, das ewig wirkt und lebt,
Umfaß’ euch mit der Liebe holden Schranken,
Und was in schwankender Erscheinung schwebt,
Befestiget mit dauernden Gedanken.

The emerging, which eternally acts and lives,
Encircle yourselves with love’s gentle barriers,
And what hovers in a wavering form,
Fortify with enduring thoughts.

[ 11 ] Das ist eben der Unterschied im Anschauen dieser Welt zwischen der Geburt und dem Tode und der Welt zwischen dem Tode und der neuen Geburt: daß wir hier Dasein und dann Werden schauen.

[ 11 ] That is precisely the difference in how we view the world between birth and death and the world between death and new birth: that here we see existence, and there we see becoming.

[ 12 ] Es könnte vielleicht jetzt jemandem der Gedanke einfallen: Aber dann beschäftigt sich ja der Mensch nur mit dem Anschauen seines eigenen Leibes? Das tut er nicht. Denn dieser eigene Leib ist in dem Stadium des Werdens wirklich Außenwelt, ist nicht der eigene Leib, er ist die Ausprägung der göttlichen Geheimnisse. Und da kommt es einem erst so recht in den Sinn, warum der physische Leib, den der Mensch zwischen Geburt und Tod ja in Wahrheit nur malträtiert, warum dieser Menschenleib, wenn man diesen ganzen Prozeß des Schauens ins Auge faßt, der Tempel der Weltengeheimnisse ist, denn er enthält mehr von dem Außendasein, als man erblickt, wenn man innen ist. Man hat dann das, was sonst Außenwelt ist, als Innenwelt; was man sonst Universum nennt, ist dann das, zu dem man Ego sagen kann — und das ist Außenwelt, was man da erblickt. Man muß sich nur nicht daran stoßen, daß man ja seinen Leib — das heißt denjenigen Leib, der dann der eigene Leib werden soll — erblickt, und daß daneben natürlich alle anderen entstehenden Leiber sein müssen. Das macht aber nichts aus. Es macht aus dem Grunde nichts aus, weil man es hier wieder zu tun hat mit der reinen Vervielfältigung. Und tatsächlich beginnt ein Unterschied der Menschenleiber, der einen interessieren kann und der bedeutsam sein kann, erst verhältnismäßig kurze Zeit bevor die Menschen in das physische Dasein eintreten. Die meiste Zeit zwischen dem Tod und der neuen Geburt, wenn man auf den werdenden Menschenleib hinabsieht, ist es wirklich so, daß sich die einzelnen Leiber nur der Zahl nach unterscheiden, und das überträgt sich auch richtig auf das eigene Erleben, auf das eigene Empfinden. Es ist ja wirklich schon kein großer Unterschied, wenn man ein Weizenkorn betrachten will, auf einen Acker geht und von irgendeiner Ähre ein Weizenkorn herausnimmt, oder ob man fünfzig Schritte weitergeht und dort aus einer Ähre ein Korn herausnimmt. Für das Wesentliche, das man am Weizenkorn betrachten kann, ist das eine Weizenkorn ebenso gut wie das andere. Aber dieses Empfinden hat man auch, wenn man den eigenen Leib betrachtet; daß er der eigene ist, hat eigentlich nur für die Zukunft Wert, weil man ihn später auf der Erde beziehen will; jetzt interessiert er einen nur als der Träger der höchsten Weltengeheimnisse, und darin besteht die Seligkeit, daß man ihn betrachten kann wie irgendeinen anderen Menschenleib auch. Man steht da vor dem Geheimnis der Zahl, das hier nicht weiter zu erörtern ist, aber unter vielen andern dabei in Betracht kommenden Dingen das hat, daß die Zahl — das heißt das vielfältige Dasein — vom geistigen Standpunkte aus überhaupt nicht mehr so empfunden wird wie vom physischen Standpunkte aus. Was in vielen Exemplaren empfunden wird, das wird doch wieder als Einheit empfunden.

[ 12 ] Perhaps someone might now think: But then isn’t the human being merely preoccupied with observing his own body? He is not. For at this stage of becoming, this body is truly the external world; it is not one’s own body, but rather the manifestation of divine mysteries. And that is when it really strikes one why the physical body—which, in truth, a person merely mistreats between birth and death—why this human body, when one takes this entire process of seeing into account, is the temple of the world’s mysteries, for it contains more of the outer existence than one perceives when one is within. One then has what is otherwise the outer world as the inner world; what one otherwise calls the universe is then that which one can call the ego—and what one beholds there is the outer world. One must simply not take offense at the fact that one beholds one’s own body—that is, the body that is to become one’s own—and that, naturally, all other bodies in the process of formation must be present alongside it. But that doesn’t matter. It doesn’t matter for the simple reason that we are dealing here once again with pure multiplication. And in fact, a distinction among human bodies—one that might interest us and that might be significant—only begins a relatively short time before people enter physical existence. For most of the time between death and the new birth, when one looks down upon the developing human body, it is truly the case that the individual bodies differ only in number, and this is correctly reflected in one’s own experience, in one’s own perception. After all, there really isn’t much difference between going out to a field, plucking a grain of wheat from any ear, and walking fifty steps further to pluck a grain from another ear. As far as the essential qualities of the grain of wheat are concerned, one grain is just as good as the other. But one has this same feeling when observing one’s own body; the fact that it is one’s own is actually of value only for the future, because one intends to relate to it later on earth; now it interests one only as the bearer of the highest mysteries of the world, and therein lies the bliss that one can regard it just as one would any other human body. One stands before the mystery of number, which need not be discussed further here, but which, among many other things involved in this, entails that number—that is, manifold existence—is no longer perceived from the spiritual standpoint in the same way as from the physical standpoint. What is perceived in many instances is nevertheless perceived again as a unity.

[ 13 ] Man fühlt sich durch seinen Leib im Universum darinnen, und durch das, was man im physischen Leben Universum nennt, fühlt man sich in seiner Ichheit drinnen. So verschieden ist das Wahrnehmen, wenn man einmal die Welt von hier, einmal von dort betrachtet.

[ 13 ] One feels oneself to be within the universe through one’s body, and through what is called the universe in physical life, one feels oneself to be within one’s own selfhood. Perception is so different when one views the world from here versus from there.

[ 14 ] Für den Seher ist jener Augenblick eigentlich der bedeutsamste zwischen Tod und neuer Geburt, wo der Mensch aufhört, sich bloß mit seinem letzten Leben zu befassen, und nun beginnt, auf das Werden hinzuschauen. Es ist der Eindruck, den der Seher bekommt, wenn er eine solche Seele beim Durchgang zwischen Tod und neuer Geburt verfolgt, wo die Seele in das Werden sich einzuleben beginnt, deshalb so erschütternd, weil die Seele selber, die durch diesen Moment durchgeht, eine bedeutsame Erschütterung erlebt. Es läßt sich das nur vergleichen mit dem Eintreten des Todes hier im physischen Leben. Wenn im physischen Leben der Tod eintritt, so geht man über vom Leben ins Sein; dort geht man über — obwohl es nicht genau bezeichnend ist, denn es läßt sich nicht ganz genau bezeichnen — von etwas, was mit einem früher erstorbenen Leben zusammenhängt, zu einem Werden, zu einem Erstehen. Man begegnet dem, was keimhaft ein ganz neues Leben in sich trägt. Es ist der umgekehrte Moment des Todes. Das ist so ungeheuer bedeutsam.

[ 14 ] For the seer, that moment is actually the most significant one between death and rebirth, when the human being ceases to concern himself solely with his last life and now begins to look toward the future. It is the impression the seer receives when following such a soul during its passage between death and new birth, as the soul begins to settle into the process of becoming—and it is so deeply moving because the soul itself, passing through this moment, experiences a profound upheaval. This can only be compared to the onset of death here in physical life. When death occurs in physical life, one passes from life into being; there one passes—though this is not an exact description, for it cannot be described quite precisely—from something connected with a life that has previously ended, to a becoming, to a coming into being. One encounters that which carries within itself, in a germinal state, a completely new life. It is the reverse moment of death. This is so immensely significant.

[ 15 ] Nun müssen wir im Zusammenhange damit einmal einen Blick werfen auf die menschliche Entwickelung, auf die menschliche Erdenevolution. Sehen wir zurück auf einen Zeitpunkt, in welchem unsere Seele zum Beispiel in der alten ägyptisch-chaldäischen Zeit war, wo sie, wenn sie durch den physischen Leib in die Welt hinaussah, nicht bloß die Sterne als physisch-sinnliche Himmelskörper erblickte, sondern wo sie noch — wenn auch nur in gewissen Zwischenzuständen im Leben zwischen Geburt und Tod — an den Sternen geistige Wesenheiten erschaute, die mit dem Sternendasein verknüpft sind. Das drang in die Seelen herein und die Seelen waren in jener Zeit erfüllt mit Eindrücken aus der geistigen Welt. Es mußte ja so geschehen, daß im Laufe der Entwickelung allmählich die Möglichkeit erstarb, das Geistige zu schauen, und der Blick auf die Sinnlichkeit beschränkt wurde. Das vollzog sich während der griechisch-lateinischen Zeit, wo der Blick des Menschen immer mehr von der geistigen Welt abgelenkt und auf die Sinneswelt beschränkt wurde. Und jetzt leben wir in der Zeit, wo für die Seele noch immer mehr die Möglichkeit erstirbt, im Leben der physischen Außenwelt Geistiges zu erblicken. Die Erde ist ja jetzt in ihrem Entwerdungsprozeß, in ihrem Absterbeprozeß, und man geht sehr stark in diesen Absterbeprozeß hinein. Während also zur ägyptisch-chaldäischen Zeit die Menschen noch Geistiges um sich erblickten, erblicken sie jetzt nur noch Sinnliches und sie sind stolz darauf, wenn sie eine Wissenschaft begründen können, die nur Sinnliches enthält. Dieser Prozeß wird noch weitergehen. Es wird eine Zeit kommen, in welcher der Mensch das Interesse für die unmittelbaren Eindrücke der Sinneswelt verlieren wird, und wo er gleichsam das Untersinnliche ins Auge fassen und sich dafür interessieren wird. Wir können das heute eigentlich schon bemerken, wie die Zeit heranrückt, daß sich der Mensch nur noch für das Untersinnliche interessiert. Manchmal tritt das sogar ganz bedeutsam hervor, zum Beispiel wenn die heutige Physik überhaupt nicht mehr Farben betrachtet. Denn in Wirklichkeit betrachtet heute die Physik nicht mehr die Qualität der Farbe, sondern sie will das, was unter der Farbe ist, was da unter der Farbe vibriert, unter der Farbe schwingt, betrachten. Sie können heute schon in manchen Büchern den Unsinn lesen, daß man sagt, eine gelbe Farbe zum Beispiel sei eine soundso große Schwingungszahl von Wellenlängen. Da wird also die Betrachtung schon abgelenkt von der Qualität der Farbe und zu dem hingelenkt, was nicht in der gelben Farbe ist, und was man dann als Realität vorstellt. Sie können heute Physikbücher, auch physiologische Bücher finden, in denen betont wird, daß nicht mehr das unmittelbare Sinnesbild die Aufmerksamkeit fesseln soll, sondern etwas, wo alles aufgelöst ist in Schwingungen und Schwingungszahlen. Und diese Art, die Welt zu betrachten, wird immer weitergehen. Die Menschen werden die Aufmerksamkeit verlieren für das sinnliche Dasein und nur dasjenige ins Auge fassen wollen, was als Kraftwirkungen vorhanden ist. Man braucht sich nur an eines zu erinnern, um sozusagen kulturhistorisch-empirisch die Sache zu beweisen. Schlagen Sie heute noch die Rede auf, die Du Bois-Reymond am 14. August 1872 «Über die Grenzen des Naturerkennens» gehalten hat. Da werden Sie einen eigentümlichen Ausdruck für eine Sache finden, die schon Laplare geschildert hat, den Ausdruck von der «astronomischen Kenntnis eines materiellen Systems», das ist, wenn man das, was hinter einem Licht- oder Farbenprozeß steckt, so darstellt wie etwas, was nur durch mathematisch-physikalische Kräfte bewirkt wird. Es wird einmal dahin kommen, daß die Menschenseelen so weit sein werden — und die besten Anlagen dazu haben für die nächste Inkarnation schon die, welche heute auf gewissen Schulen erzogen werden —, das richtige Interesse für die leuchtende Farbe und für die Lichtwelt verloren zu haben und nur zu fragen nach den Kräfteverhältnissen. Die Menschen ‘werden gar nicht mehr Interesse haben für Violett und Rot, sondern nur noch für diese oder jene Wellenlängen.

[ 15 ] In this context, we must now take a look at human development, at the evolution of humanity on Earth. Let us look back to a time when our soul was, for example, in the ancient Egyptian-Chaldean era, where, when it looked out into the world through the physical body, it did not merely see the stars as physical, sensory celestial bodies, but where it still—albeit only in certain intermediate states in the life between birth and death — perceived spiritual beings in the stars that are connected to the starry existence. This penetrated into the souls, and the souls were filled with impressions from the spiritual world in that time. It was inevitable that, in the course of evolution, the ability to perceive the spiritual would gradually fade, and the gaze would become limited to the sensory world. This took place during the Greco-Roman period, when human vision was increasingly diverted from the spiritual world and restricted to the sensory world. And now we live in a time when the soul’s ability to perceive the spiritual in the life of the physical external world is fading ever more. The Earth is, after all, now in the process of losing its spiritual character, in the process of dying, and we are entering very deeply into this process of dying. So while in the Egyptian-Chaldean era people still perceived the spiritual around them, they now perceive only the sensory, and they take pride in being able to establish a science that contains only the sensory. This process will continue. A time will come when human beings will lose interest in the immediate impressions of the sensory world, and when they will, as it were, turn their gaze to the sub-sensory and take an interest in it. We can actually already observe this today, as the time approaches when people will be interested only in the sub-sensory. Sometimes this even emerges quite significantly, for example when modern physics no longer considers colors at all. For in reality, physics today no longer considers the quality of color, but seeks to observe what lies beneath the color—what vibrates there beneath the color, what oscillates beneath the color. You can already read the nonsense in some books today that claim, for example, that the color yellow is a certain number of wave vibrations. Thus, attention is already diverted from the quality of the color and directed toward what is not in the yellow color, and what is then created as a mental image of reality. Today you can find physics books, and even physiological books, in which it is emphasized that attention should no longer be captured by the immediate sensory image, but rather by something where everything is dissolved into vibrations and vibration frequencies. And this way of viewing the world will continue to spread. People will lose their attention for sensory existence and will want to focus only on what is present as force effects. One need only recall one thing to prove the matter, so to speak, from a cultural-historical and empirical perspective. Open today the speech that Du Bois-Reymond delivered on August 14, 1872, “On the Limits of Knowledge of Nature.” There you will find a peculiar expression for a concept that Laplace had already described: the “astronomical knowledge of a material system”—that is, when one represents what lies behind a process of light or color as something brought about solely by mathematical-physical forces. It will come to pass that human souls will have reached a point—and those being educated today in certain schools already possess the best predispositions for this in their next incarnation—where they have lost the proper interest in luminous color and the world of light, and will ask only about the relationships of forces. People will no longer have any interest in violet and red, but only in this or that wavelength.

[ 16 ] Dieses Veröden der menschlichen Innenheit ist etwas, dem man entgegengeht, und Anthroposophie ist dazu da, dem entgegenzuarbeiten, in allen Einzelheiten entgegenzuarbeiten. Denn es arbeitet ja nicht etwa bloß die unmittelbare Pädagogik auf diese Verödung des Lebens hin, sondern dieser Zug ist im ganzen Leben vorhanden. Und es war ein gewisser Kontrast gegenüber dem gewöhnlichen Leben, wenn wir in unserer Anthroposophie den Seelen das geben wollen, was sie wieder befruchtet, was nicht nur aus der sinnlichen Maja sein soll; denn wir wollen der Menschenseele wieder das geben, was nicht nur die sinnliche Maja gibt, sondern was als Geist hervorquillt. Und das können wir, wenn wir ihr das geben, wodurch sie in den folgenden Inkarnationen wieder in der wahren Welt wird leben können. So war ein gewisser Kontrast darin, daß wir diese Dinge vortragen mußten in der Welt, die in der Gleichgültigkeit gegen Form und Farbe ein solches Gegenstück bildet zu dem, was wir wollen; denn besonders in bezug auf die Farben bereitet die heutige Welt die Seelen auch vor, dem entgegenzuwirken, was wir wollen. Wir müssen nicht nur mit Begriffen und Ideen arbeiten, sondern wir müssen mit Welten-Ideen arbeiten. Deshalb ist es nicht eine bloße Vorliebe von uns, wenn wir uns so umgeben, wie es hier in diesem Raume ist, sondern das hängt zusammen mit dem ganzen Wesen der Geisteswissenschaft. Es soll wieder in der Seele die Möglichkeit erwachen, unmittelbar das zu empfinden, was sich den Sinnen darbietet, damit von da aus auch wieder in der Seele das lebendige Leben im Geistigen ersprießen kann. Jetzt, in dieser Inkarnation, kann ein jeder von uns die Geisteswissenschaft aufnehmen. Er nimmt sie mit der Seele auf, verarbeitet sie mit der Seele; das aber, was er jetzt seelisch aufnimmt, geht hinein in seine Anlagen für die nächste Inkarnation. Wenn er also durch die Zeit zwischen dem Tode und der nächsten Geburt durchgeht, dann schickt er von seiner Seele aus in seinen werdenden Leib das hinein, was dann seine körperlichen Anlagen dazu bereitet, um wiederum die Welt geistiger zu sehen. Das kann er nicht, wenn er keine Anthroposophie aufnimmt. Denn, wenn er sie nicht aufnimmt, dann bereitet er seinen Leib dazu vor, nichts zu schauen als öde Verhältnisse, nicht einmal mehr ein Auge zu haben für die Sinneswelt.

[ 16 ] This desolation of the human inner life is something we must counteract, and anthroposophy exists to work against it, to counteract it in every detail. For it is not merely direct pedagogy that contributes to this desolation of life; rather, this tendency is present throughout all of life. And there was a certain contrast to ordinary life when, in our anthroposophy, we want to give the soul what will fertilize it anew, what is not merely derived from the sensory maya; for we want to give the human soul back what is not merely given by the sensory maya, but what springs forth as spirit. And we can do this when we give them that through which they will be able to live in the true world again in their subsequent incarnations. Thus there was a certain contrast in the fact that we had to present these things in a world whose indifference to form and color forms such a counterpoint to what we aim for; for especially with regard to colors, the modern world also prepares souls to counteract what we aim for. We must not only work with concepts and ideas, but we must work with world-ideas. That is why it is not merely a personal preference of ours to surround ourselves as we do here in this room, but this is connected to the very essence of Spiritual Science. The possibility must be reawakened in the soul to directly perceive what presents itself to the senses, so that from there the living life in the spiritual realm may once again spring forth in the soul. Now, in this incarnation, each of us can take in Spiritual Science. We take it in with our soul and process it with our soul; but what we now take in spiritually goes into our predispositions for the next incarnation. So as they pass through the time between death and the next birth, they send from their soul into their developing body that which then prepares their physical constitution to see the world in a more spiritual way. They cannot do this if they do not take in anthroposophy. For if he does not take it in, he prepares his body to see nothing but barren conditions, no longer even having an eye for the sensory world.

[ 17 ] Und nun sei etwas ausgesprochen, was sozusagen für den Seher ein Urteil abgibt über die Mission der Geisteswissenschaft.

[ 17 ] And now let us say something that, so to speak, serves as a judgment for the seer regarding the mission of Spiritual Science.

[ 18 ] Wenn der Seher heute den Blick auf das Leben richtet, welches die Seelen zwischen Tod und neuer Geburt führen, jene Seelen, die durch den vorhin charakterisierten Zeitpunkt schon gegangen sind und sich im Anschauen des werdenden Leibes auf ein künftiges Dasein vorbereiten, so kann er gewahren, daß die Seelen auf einen werdenden Leib hinblicken, der ihnen in zukünftigen Leben nicht mehr die Möglichkeit bieten wird, Anlagen zu entwickeln, um das Geistige aufzufassen, denn für das Leben im physischen Leibe muß man diese Anlagen schon hineingetan haben vor der Geburt. Daher werden schon in der nächsten Zukunft Menschen geboren werden, denen immer mehr und mehr — wie es für manche Seelen schon seit längerer Zeit ist — die Anlage für das Entgegennehmen des spirituellen Wissens fehlen wird. Es wird sich der Anblick bieten von Seelen, die in vorhergehenden Leben die Möglichkeit entbehrt haben, Spirituelles aufzunehmen, und die zwar ein Hinblicken auf ein Werden darstellen — nur ist das Furchtbare das: auf ein Werden, dem etwas fehlt und fehlen muß, Von diesen Anblicken geht das Begreifen der Mission der Anthroposophie aus. Es gehört in der Tat zu den erschütternden Anblicken, wenn man eine Seele sieht, die auf ihre künftige Inkarnation, auf ihren künftigen Leib sieht, die auf ein sprießendes, sprossendes Werden sieht, aber auf ein Werden, von dem sie sich sagen muß: Dem wird etwas fehlen! Aber was ihm fehlen wird, ich kann es ihm nicht geben, weil das von meiner vorhergehenden Inkarnation abhängt! — Im kleinen läßt sich das damit vergleichen, wie wenn man an etwas arbeiten müßte, von dem man wüßte: es muß unvollkommen werden, man ist dazu verurteilt, es unvollkommen zu machen. Versuchen Sie sich den Vergleich zu vergegenwärtigen: Sie können eine solche Arbeit vollkommen machen und können Ihre Freude an der Arbeit haben, oder Sie sind von vornherein dazu verurteilt, sie unvollkommen zu machen!

[ 19 ] When the seer today turns his gaze to the life that souls lead between death and rebirth—those souls who have already passed through the stage described earlier and are preparing for a future existence by contemplating the body-in-the-making—he can perceive that the souls are looking toward a body-in-the-making that will no longer offer them the opportunity in future lives develop the faculties to comprehend the spiritual, for these faculties must already have been instilled before birth for life in the physical body. Therefore, even in the near future, people will be born who will increasingly—as has been the case for some souls for quite some time—lack the capacity to receive spiritual knowledge. We will witness souls who, in previous lives, lacked the opportunity to absorb the spiritual, and who do indeed represent a glimpse of a becoming—but the terrible thing is this: a becoming in which something is missing and must be missing. It is from these visions that the understanding of the mission of anthroposophy arises. It is indeed one of the most harrowing sights to see a soul looking toward its future incarnation, toward its future body, looking toward a sprouting, budding becoming—but a becoming of which it must say to itself: Something will be missing from this! But what will be missing, I cannot give it, because that depends on my previous incarnation! — On a small scale, this can be compared to having to work on something about which one knows: it must be imperfect; one is condemned to make it imperfect. Try to visualize the comparison: you can make such a work perfect and take joy in the work, or you are condemned from the outset to make it imperfect!

[ 19 ] Das ist die große Frage: Soll die Menschenseele immer mehr und mehr dazu verurteilt sein, hinunterzublicken auf ihre unvollkommen bleibenden Leiber, oder soll sie das nicht? — Wenn sie nicht dazu verurteilt sein soll, dann muß sie hier in ihrem Leben in physischen Leibern die Kunde, die Botschaft von den spirituellen Welten aufnehmen.

[ 18 ] That is the big question: Is the human soul destined to be condemned, more and more, to look down upon its bodies, which remain imperfect, or is it not? — If it is not to be condemned to this, then it must, here in its life within physical bodies, receive the news, the message from the spiritual worlds.

[ 20 ] Es ist schon einmal das, was diejenigen als ihre Aufgabe ansehen, welche da die Botschaft von den geistigen Welten verkünden, nicht bloß den Erdenidealen entnommen! Es entspringt keinem Erdenideale, sondern es entspringt dem Anblick des Gesamtlebens, jenes Lebens, das sich uns darstellt, wenn wir zu dem Erdenleben erst die Zeit zwischen Tod und neuer Geburt dazunehmen. Und darinnen zeigt sich uns die Möglichkeit einer fruchtbaren Menschenzukunft, zeigt sich uns auch die Möglichkeit, der Verödung der Menschenseele entgegenzuarbeiten. Da kann man dann jenes Gefühl bekommen, welches einem sagt: Geisteswissenschaft muß da sein, sie muß kommen, muß existieren in der Welt. Wahre, wirkliche Geisteswissenschaft ist eben das, ohne das die Menschheit in der Zukunft nicht bestehen kann. Aber nicht in dem Sinne nicht bestehen kann, wie man ohne irgendein anderes Wissen nicht bestehen kann; sondern Geisteswissenschaft ist das, was nicht nur Begriffe und Ideen dem Menschen gibt, sondern was Leben gibt. Und was in einer Inkarnation für die Seele Begriffe und Ideen der Geisteswissenschaft sind, das ist für sie in der nächsten Inkarnation Leben, innerliche Lebenskraft und Lebenswirksamkeit. Daher ist es nicht bloß ein Leben in Begriffen und Ideen, was die Geisteswissenschaft dem Menschen gibt, sondern es ist Lebenselixier, Lebenskraft. Daher sollte man, wenn man sich zu einer geisteswissenschaftlichen Bewegung dazurechnet, diese Geisteswissenschaft als eine Lebensnotwendigkeit fühlen, nicht bloß als etwas, was begründet wird wie die Dinge, die in anderen Vereinen begründet werden. Dieses Fühlen des lebendigen Versetztseins in die Notwendigkeiten des Daseins ist das richtige Empfinden gegenüber der Geisteswissenschaft. Und wir haben diese Betrachtungen über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt angestellt, um von der anderen Seite aus den richtigen Impuls zu bekommen, der uns unmittelbar den Enthusiasmus für die Geisteswissenschaft geben kann.

[ 19 ] To begin with, what those who proclaim the message from the spiritual worlds regard as their task is not merely derived from earthly ideals! It does not spring from any earthly ideal, but from the view of life as a whole—that life which presents itself to us when we add to earthly life the time between death and new birth. And within this, the possibility of a fruitful human future reveals itself to us, as does the possibility of counteracting the desolation of the human soul. Then one can develop that feeling which tells one: Spiritual Science must be there; it must come; it must exist in the world. True, genuine Spiritual Science is precisely that without which humanity cannot survive in the future. But not in the sense that one cannot survive without some other kind of knowledge; rather, Spiritual Science is that which gives human beings not only concepts and ideas, but also life. And what concepts and ideas of Spiritual Science are for the soul in one incarnation, that is life for it in the next incarnation—inner life force and vitality. Therefore, it is not merely a life of concepts and ideas that Spiritual Science gives to human beings, but it is the elixir of life, life force. Therefore, if one counts oneself among a Spiritual Science movement, one should feel Spiritual Science as a necessity of life, not merely as something that is established in the same way as the things established in other associations. This feeling of being vividly immersed in the necessities of existence is the right attitude toward Spiritual Science. And we have made these reflections on life between death and new birth in order to receive, from the other side, the right impulse that can immediately give us enthusiasm for Spiritual Science.