The Bhagavad Gita and the Epistles of St. Paul
GA 142
30 December 1912, Cologne
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The Bhagavad Gita and the Epistles of St. Paul, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Die ganze Bedeutung einer solchen philosophischen Dichtung, wie sie uns in der Bhagavad Gita gegeben ist, wird nur der richtig würdigen können, dem Dinge, wie sie in der Bhagavad Gita oder in ähnlichen Werken der Weltliteratur niedergelegt sind, nicht eine bloße Theorie, sondern dem sie ein Schicksal sind; und ein Schicksal können Weltanschauungen für die Menschheit sein.
[ 1 ] Only those for whom the things set forth in the Bhagavad Gita or in similar works of world literature are not mere theory but a destiny—and worldviews can indeed be a destiny for humanity—will be able to truly appreciate the full significance of such philosophical poetry as is presented to us in the Bhagavad Gita.
[ 2 ] Entgegengetreten sind uns in den Auseinandersetzungen der letzten Tage zwei Weltanschauungsnuancen außer der dritten, der Vedarichtung, nämlich die Sankhyaphilosophie und der Yoga, zwei Weltanschauungsnuancen, die uns, wenn wir sie richtig ins Auge fassen, im eminentesten Sinne zeigen können, wie Weltanschauungen eben ein Schicksal für die menschliche Seele werden können. Mit dem Begriff der Sankhyaphilosophie können wir alles das verbinden, was dem Menschen werden kann an Wissen, Erkenntnis in Ideen, Überschau über die Erscheinungen der Welt, in denen sich das seelische Leben zum Ausdruck bringt. Und wenn wir das, was sozusagen unserer Zeit für den normalen Menschen geblieben ist von einer solchen Erkenntnis, von einer solchen in Ideen ausdrückbaren Weltanschauung in wissenschaftlicher Form, wenn wir das, obzwar es geistig viel niedriger steht als die Sankhyaphilosophie, auch als eine solche Erkenntnisnuance bezeichnen, dann können wir sagen: Auch in unserer Zeit kann noch empfunden werden schicksalsmäßig dasselbe, was gegenüber der Sankhyaphilosophie schicksalsmäßig empfunden werden kann. - Allerdings wird schicksalsmäßig nur der empfinden, welcher in einseitiger Weise einer solchen Weltanschauungsnuance sich hingibt, von dem wir in gewisser Weise sagen können: Er ist in einseitiger Weise Wissenschafter oder Sankhyaphilosoph. — Wie steht ein solcher der Welt gegenüber? Wie kann er in seiner Seele empfinden? Das ist eine Frage, die sich im Grunde genommen nur erfahrungsgemäß beantworten laßt. Man muß kennen das, was einer Seele passiert, wenn sie in solch einseitiger Weise sich einer Weltanschauungsnuance hingibt, wenn sie alle ihre Kräfte daransetzt, eine in dem charakterisierten Sinn gehaltene Weltanschauung zu haben. Es kann ja dann diese Seele bis in die Einzelheiten der Formen der Welterscheinungen eintreten, kann sozusagen in ausgiebigster Weise Verständnis haben für alles, was sich an Kräften ausdrückt in der Welt, was sich an Formen wandelt in der Welt. Wenn eine Seele nur so sich der Welt hingeben würde, sagen wir, in einer Inkarnation nur Gelegenheit fande, durch ihre Fähigkeiten und ihr Karma so sich in die Welterscheinungen einzuleben, daß sie vor allen Dingen, ob durchglänzt von hellseherischer Kraft oder nicht, Vernunftwissen hat, so führt eine solche Seelenrichtung unter allen Umständen zu einer gewissen Art Kälte des ganzen Seelenlebens. Und je nachdem dann das Temperament der Seele geartet ist, werden wir finden, daß diese Seele entweder mehr oder weniger den Charakter unbefriedigter Ironie gegenüber den Welterscheinungen annimmt oder der Interesselosigkeit, des Unbefriedigt-Seins im allgemeinen an einem solchen Wissen, das von Erscheinung zu Erscheinung schreitet. Alles das, was so viele Seelen in unserer Zeit auch fühlen können, wenn an sie ein Wissen herantritt, das bloß in gelehrtenhafte Art geprägt ist, die Kälte, die Ödigkeit, die da eine Seele befällt, das Unbefriedigte im Gemüte, alles das kann vor unsere Seele treten, wenn wir eine solche Seelenrichtung ins Auge fassen, wie sie angegeben worden ist. Verödet, ihrer selber ungewiß, wird sich eine solche Seele fühlen. Was hätte ich, wenn ich die ganze Welt gewänne und über meine eigene Seele nichts wissen, nichts fühlen, nichts empfinden, nichts erleben könnte, wenn es da drinnen leer bliebe! — so könnte eine solche Seele sagen. Vollgepfropft sein mit dem ganzen Wissen der Welt und in sich selber leer sein, das kann ein bitteres Schicksal werden; das kann wie ein Verlorensein an die Welterscheinungen werden, wie ein Verlust alles dessen, was im Inneren selber wertvoll werden kann.
[ 2 ] In the discussions of the past few days, we have encountered two worldviews in addition to the third, the Vedic tradition, namely Sankhya philosophy and Yoga—two worldviews that, if we consider them properly, can show us in the most eminent sense how worldviews can indeed become a destiny for the human soul. With the concept of Sankhya philosophy, we can connect everything that can become part of the human being in terms of knowledge, insight into ideas, and an overview of the phenomena of the world in which spiritual life expresses itself. And if we take what has, so to speak, remained for the ordinary person of our time of such insight, of such a worldview expressible in ideas in scientific form—even though it stands spiritually far lower than Sankhya philosophy—and designate it as a nuance of such insight, then we can say: Even in our time, one can still feel, as a matter of destiny, the same thing that can be felt as a matter of destiny in relation to Sankhya philosophy. — However, only those who devote themselves in a one-sided manner to such a nuance of worldview will feel this as a matter of destiny; of them we can say, in a certain sense: They are, in a one-sided way, scientists or Sankhya philosophers. — How does such a person relate to the world? How can they feel in their soul? This is a question that, fundamentally, can only be answered through experience. One must know what happens to a soul when it devotes itself in such a one-sided way to a particular nuance of worldview, when it applies all its powers to holding a worldview in the sense described. Such a soul can then penetrate into the very details of the forms of worldly phenomena; it can, so to speak, have the most comprehensive understanding of everything that expresses itself as forces in the world, of everything that transforms itself into forms in the world. If a soul were to devote itself to the world in this way alone—say, if in a single incarnation it found the opportunity, through its abilities and karma, to become so attuned to worldly phenomena that, above all else, whether illuminated by clairvoyant power or not, it possesses rational knowledge—then such an orientation of the soul leads, under all circumstances, to a certain kind of coldness in the soul’s entire life. And depending on the nature of the soul’s temperament, we will find that this soul either more or less assumes the character of dissatisfied irony toward worldly phenomena or of disinterest, of general dissatisfaction with such knowledge that proceeds from phenomenon to phenomenon. All that which so many souls in our time may also feel when confronted with knowledge that is merely of a scholarly nature—the coldness, the desolation that befalls a soul, the dissatisfaction in the mind—all of this can present itself to our soul when we consider such a disposition of the soul as has been described. Desolate, uncertain of itself, such a soul will feel. “What would I have if I gained the whole world yet knew nothing of my own soul, felt nothing, sensed nothing, experienced nothing, if it remained empty within!”—so such a soul might say. To be stuffed full of all the knowledge in the world and yet be empty within oneself—that can become a bitter fate; it can become like being lost to the phenomena of the world, like a loss of everything that can become valuable within oneself.
[ 3 ] Das, was eben jetzt geschildert worden ist, wir finden es bei vielen Leuten, welche uns mit irgendeiner Art von Gelehrsamkeit entgegentreten, mit einer abstrakten Philosophie. Wir finden es, entweder indem diese Seelen selber unbefriedigt und ihre Leerheit fühlend, interesselos an ihrem vielen Wissen, uns wie elend entgegentreten; oder aber wir finden es, wenn jemand mit einer abstrakten Philosophie an uns herantritt und uns Auskünfte geben kann mit abstrakten Worten über das Wesen der Gottheit, der Kosmologie, der menschlichen Seele, und wir doch fühlen: Das ruht im Kopf; das Herz ist nicht beteiligt, das Gemüt ist leer! - Kalt weht es uns an, wenn wir einer solchen Seele begegnen. Sankhyaphilosophie kann so zum Schicksal werden, zum Schicksal, das dem Menschen nahebringt, ein für sich selbst verlorenes Wesen zu sein, ein Wesen, das nichts von sich hat und von dessen Individualität die Welt nichts haben kann.
[ 3 ] What has just been described, we find in many people who confront us with some kind of erudition, with an abstract philosophy. We encounter it either when these souls, feeling unsatisfied and aware of their emptiness, indifferent to their vast knowledge, confront us with a sense of misery; or we encounter it when someone approaches us with an abstract philosophy and can provide us with information in abstract terms about the nature of the divine, cosmology, and the human soul, yet we still feel: That rests in the head; the heart is not involved, the mind is empty!—It strikes us as cold when we encounter such a soul. Sankhya philosophy can thus become a fate, a fate that makes man realize he is a being lost to himself, a being who possesses nothing of his own and whose individuality offers nothing to the world.
[ 4 ] Und wiederum: nehmen wir eine Seele, die einseitig die Entwikkelung durch den Yoga sucht, die sozusagen weltverloren ist, es verschmäht, irgend etwas von der Außenwelt zu erkennen. Die sagt: Was hilft es mir zu erfahren, wie die Welt entstanden ist. Ich will alles aus mir heraus suchen; ich will selber durch die Entwickelung meiner Kräfte vorwärts kommen. — Sie wird im Inneren vielleicht sich warm fühlen, wird oftmals uns so entgegentreten, daß sie uns erscheint wie etwas in sich Geschlossenes, in sich Befriedigtes. Mag sein. Auf die Dauer wird es für eine solche Seele nicht so bleiben, sondern auf die Dauer ist eine solche Seele ausgesetzt der Vereinsamung. Wenn eine solche Seele, die, in das Eremitentum zurückgezogen, die Höhen des Seelenlebens sucht, dann hinaustritt in die Welt und überall an die Welterscheinungen anstößt, aber vielleicht da sich sagt: was kümmern mich alle diese Welterscheinungen und wenn sie dann doch, weil sie fremd gegenübersteht der Herrlichkeit der Offenbarungen und sie nicht versteht, sich vereinsamt fühlt, dann wird die Einseitigkeit wiederum zum verhängnisvollen Schicksal. Und wie kann uns oftmals eine solche Seele entgegentreten! Wie kann man sie kennenlernen, die Menschenwesen, die da alle Kraft verwenden auf die Evolution ihres eigenen Wesens, die kalt und gleichgültig an ihren Mitmenschen vorbeigehen, als ob sie nichts mit ihnen gemein haben wollten! Weltverloren kann sich eine solche Seele selber fühlen, und egoistisch bis zum Exzeß kann sie den anderen Seelen vorkommen.
[ 4 ] And again: let us consider a soul that seeks development solely through yoga, that is, so to speak, lost to the world, and spurns any attempt to understand the outside world. It says: What good does it do me to learn how the world came into being? I want to seek everything from within myself; I want to advance on my own through the development of my powers.”—It may feel warm within itself, and will often present itself to us in such a way that it appears to be self-contained and self-satisfied. Perhaps. In the long run, it will not remain that way for such a soul; rather, in the long run, such a soul is exposed to loneliness. When such a soul, having withdrawn into hermitage in search of the heights of spiritual life, then steps out into the world and encounters worldly phenomena everywhere, yet perhaps says to itself: “What do all these worldly phenomena matter to me?”—and then, because it stands alien to the glory of the revelations and does not understand them, feels isolated—then this one-sidedness in turn becomes a fateful destiny. And how often such a soul confronts us! How can one get to know these human beings who devote all their energy to the evolution of their own being, who pass by their fellow human beings coldly and indifferently, as if they wanted nothing in common with them! Such a soul may feel lost in the world, and to other souls it may appear selfish to the extreme.
[ 5 ] Wenn man diese Lebenszusammenhänge ins Auge faßt, dann erst empfindet man das Schicksalsmäßige von Weltanschauungen. Und im Hintergrunde solch großer Manifestationen, solch großer Weltanschauungen, wie wir sie in der Gita und auch in den Paulusbriefen finden, da tritt uns entgegen dieses Schicksalsmäßige. Man möchte sagen: Sowohl hinter der Gita wie hinter den Paulusbriefen, wenn wir nur ein wenig hinter sie blicken, schaut uns das an, was für uns unmittelbar schicksalsmäßig wird. Wie kann das Schicksal uns anschauen auch aus den Paulusbriefen?
[ 5 ] Only when we take these life contexts into account do we truly sense the fateful nature of worldviews. And in the background of such great manifestations, such great worldviews as we find in the Gita and also in the Epistles of Paul, this fateful quality confronts us. One might say: Behind both the Gita and the Epistles of Paul, if we only look a little beyond them, we see what immediately becomes fateful for us. How can fate look upon us even from the Epistles of Paul?
[ 6 ] Da finden wir so oftmals hingewiesen darauf, wie das eigentliche Heil der Seelenentwickelung in der sogenannten Glaubensgerechtigkeit besteht gegenüber der Wertlosigkeit der äußeren Werke, durch das, was der Seele werden kann, wenn sie den Zusammenschluß findet mit dem Christus-Impuls, wenn sie in sich aufnehmen kann die große Kraft, die da fließt aus der richtig verstandenen Auferstehung des Christus. Wenn uns das entgegentritt in den Paulusbriefen, dann fühlen wir auf der anderen Seite, wie da die menschliche Seele sozusagen in sich selber zurückgewiesen wird, wie da die menschliche Seele entfremdet werden kann dem äußeren Werk und sich ganz verlassen kann auf Gnade und Glaubensgerechtigkeit. Dann kommt das äußere Werk. Es ist in der Welt da, wir schaffen es dadurch nicht hinweg, daß wir es hinwegdekretieren. Wir stoßen in der Welt damit zusammen. Und das Schicksal tönt uns wiederum entgegen in all seiner gigantischen Größe. Nur wenn man die Sachen so faßt, dann steht einem vor Augen das Gewaltige solcher Menschheitsäußerungen.
[ 6 ] There we find so many references to how the true salvation of the soul’s development lies in what is called righteousness by faith, in contrast to the worthlessness of external works—through what the soul can become when it finds union with the Christ impulse, when it can take within itself the great power that flows from the correctly understood Resurrection of Christ. When we encounter this in the Epistles of Paul, we feel, on the other hand, how the human soul is, so to speak, turned inward upon itself, how the human soul can become estranged from external works and rely entirely on grace and righteousness by faith. Then there are the external works. They exist in the world; we cannot do away with them simply by decreeing it. We collide with it in the world. And fate, in turn, resounds toward us in all its gigantic grandeur. Only when one grasps things in this way does the power of such expressions of humanity become clear.
[ 7 ] Nun sind diese beiden Menschheitsäußerungen, die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe, äußerlich recht verschieden voneinander. Und diese äußerliche Verschiedenheit, sie wirkt, möchte ich sagen, in jedem Teil dieser Werke auf die Seele ein.
[ 7 ] Now, these two expressions of humanity—the Bhagavad Gita and the Epistles of Paul—are quite different from one another on the surface. And this outward difference, I would say, has an effect on the soul in every part of these works.
[ 8 ] Da stehen wir vor der Bhagavad Gita nicht nur bewundernd aus den Gründen, die wir kurz schon angeführt haben, sondern da stehen wir bewundernd auch aus dem Grunde, weil sie uns poetisch so groß und gewaltig anmutet, weil aus jedem Vers uns entgegenleuchtet Hochgesinnung der menschlichen Seele, weil in alledem, was da ausgesprochen wird aus dem Munde des Krishna oder seines Schülers Arjuna, wir etwas fühlen wie ein Hinausgehoben-Sein über die alltäglichen menschlichen Erlebnisse, über alles Leidenschaftliche, über alles, was mit Affekt zu tun hat, was der Seele Unruhe gibt. In eine Sphäre der Seelenruhe, der Abgeklärtheit, der Gelassenheit, der Leidenschaftslosigkeit und Affektlosigkeit, in eine Atmosphäre der Weisheit werden wir hineinversetzt, wenn wir auch nur ein Stück der Gita auf uns wirken lassen. Und wir fühlen überall unsere ganze Menschlichkeit schon durch die Lektüre der Gita wie auf eine höhere Stufe hinaufgehoben. Wir fühlen überall: wir müssen uns von manchem allzu Menschlichen freigemacht haben, wenn wir das erhabene Göttliche in der Gita in der richtigen Weise auf uns wollen wirken lassen.
[ 8 ] We stand before the Bhagavad Gita in admiration not only for the reasons we have briefly mentioned, but we stand in admiration also because it strikes us as so grand and mighty in its poetry, because the nobility of the human soul shines forth from every verse, because in all that is spoken there from the mouth of Krishna or his disciple Arjuna, we feel something like being lifted above everyday human experiences, above all that is passionate, above everything that has to do with emotion, everything that disturbs the soul. We are transported into a sphere of peace of mind, serenity, composure, dispassion, and detachment, into an atmosphere of wisdom, even if we allow just a small part of the Gita to take effect upon us. And we feel our entire humanity, simply through reading the Gita, as if lifted to a higher level. We feel everywhere: we must have freed ourselves from certain all-too-human traits if we wish to allow the sublime divine in the Gita to take its proper effect upon us.
[ 9 ] Anders ist das alles bei den Paulusbriefen. Das Erhabene der poetischen Sprache fehlt, selbst die Leidenschaftslosigkeit der Gita fehlt. Wir nehmen diese Paulusbriefe in die Hand, lassen sie auf uns wirken, und wir fühlen vielfach, wie uns aus ihnen entgegenweht, aus dem Munde des Paulus, ein leidenschaftlich empörtes Wesen über das, was passiert ist. Zuweilen ist der Ton polternd, könnte man sagen. Verurteilt, verdammt wird vielfach dieses oder jenes in den Paulusbriefen, gescholten wird. Und die Dinge, die da vorgebracht werden über die großen Begriffe des Christentums, über die Gnade, über die Gesetzhaftigkeit, über den Unterschied des Mosaismus und des Christentums, über die Auferstehung, alles das wird vorgebracht in einem Ton, der gewissermaßen philosophisch sein soll, der philosophische Definition sein will und der es doch nicht ist, weil in jeden Satz hineinklingt eine Note des Paulus. Wir können bei keinem Satz vergessen, daß ein Mensch spricht, der entweder aufgeregt ist oder aus gerechtem Zorn sich über andere ausspricht, die das oder jenes getan haben; oder der über die höchsten Begriffe des Christentums so spricht, daß wir fühlen, er ist persönlich engagiert, er steht unter dem Eindruck, daß er ein Propagandist dieser Ideen ist.
[ 9 ] The situation is entirely different with Paul’s epistles. The sublimity of poetic language is absent; even the detachment of the Gita is missing. We pick up these Epistles of Paul, let them sink in, and we often feel how a passionately indignant spirit blows toward us from them, from the mouth of Paul, regarding what has happened. At times the tone is thunderous, one might say. This or that is frequently condemned and denounced in the Epistles of Paul; rebukes are issued. And the things that are brought up there regarding the great concepts of Christianity—grace, the law, the difference between Mosaic law and Christianity, the resurrection—all of this is presented in a tone that is meant to be philosophical, that aims to be a philosophical definition, yet is not, because a note of Paul resonates in every sentence. In every sentence, we cannot forget that we are hearing a man who is either agitated or speaking out of righteous anger against others who have done this or that; or who speaks of the highest concepts of Christianity in such a way that we sense he is personally committed, that he feels he is a propagandist for these ideas.
[ 10 ] Wie könnte es uns beim Lesen der Gita begegnen, daß sich etwa eine ähnliche Gesinnung persönlicher Natur ausspräche wie bei Paulus, wenn wir in seinen Briefen lesen, daß er an diese oder an jene Gemeinde schreibt: Wie sind wir selber eingetreten für den Christus Jesus! Erinnert euch, wie wir niemand zur Last gefallen sind, wie wir gearbeitet haben Tag und Nacht, damit wir niemand zur Last fielen. - Wie persönlich ist das alles! Ein Hauch des Persönlichen geht durch die Paulusbriefe. Eine wunderbar reine Sphäre, eine Äthersphäre, die ans Übermenschliche überall grenzt und zuweilen sich in das Übermenschliche hineinerstreckt, finden wir in der erhabenen Gita.
[ 10 ] How might we encounter, while reading the Gita, a similar sentiment of a personal nature to that expressed by Paul when we read in his letters that he writes to this or that congregation: “How we ourselves have stood up for Christ Jesus!” Remember how we were a burden to no one, how we worked day and night so that we might be a burden to no one. — How personal it all is! A touch of the personal runs through Paul’s letters. A wonderfully pure sphere, an ethereal sphere that borders on the superhuman everywhere and at times extends into the superhuman, we find in the sublime Gita.
[ 11 ] Äußerlich also sind gewaltige Unterschiede, und wir können sagen: Es wurde das blindeste Vorurteil sein, wenn man sich nicht gestehen wollte, daß durch das große Lied, durch das einstmals dem Hinduismus gegeben worden ist der Zusammenfluß schicksalsmächtiger Weltanschauungen, daß durch diese Gita den Hinduisten etwas erhaben Reines, etwas Unpersönliches, Gelassenes und Leidenschafts-, Affektloses gegeben worden ist, während das, was wie die Ur-Urkunde des Christentums, die Paulusbriefe, uns entgegentritt, einen ganz persönlichen, oft leidenschaftserfüllten und alle Gelassenheit entbehrenden Charakter trägt. Nicht dadurch kommt man zur Erkenntnis, daß man sich vor der Wahrheit verschließt und solche Dinge nicht gesteht, sondern dadurch, daß man sie begreift und im richtigen Sinn sie auffaßt. Diesen Gegensatz wollen wir daher durchaus wie eine eherne Tafel hingestellt sein lassen vor unsere folgende Betrachtung. |
[ 11 ] Externally, then, there are enormous differences, and we can say: It would be the blindest prejudice not to admit that through the great song, through the confluence of world views that once shaped Hinduism, that through this Gita the Hindus were given something sublime and pure, something impersonal, serene, and free from passion and emotion, whereas what confronts us as the original document of Christianity—the Epistles of Paul—bears a wholly personal character, often filled with passion and devoid of all serenity. One does not come to the realization that one is closing oneself off from the truth and does not acknowledge such things, but rather by comprehending them and grasping them in the proper sense. Let us therefore allow this contrast to stand before our subsequent consideration like a bronze tablet. |
[ 12 ] Wir haben schon gestern darauf aufmerksam gemacht, daß uns in der Gita die bedeutsame Unterweisung des Arjuna durch Krishna entgegentritt. Wer ist denn eigentlich nun Krishna? Diese Frage rauß uns vor allen Dingen interessieren. Man kann nicht verstehen, wer Krishna ist, wenn man sich nicht bekannt macht mit einer Sache, die ich gelegentlich schon da oder dort besprochen habe, bekannt macht damit, daß die ganze Art der Namengebung und -bezeichnung in früheren Zeiten eine andere war als jetzt. Jetzt ist im Grunde genommen die Art, wie man einen Menschen bezeichnet, etwas höchst Gleichgültiges. Denn schließlich wird man von einem Menschen in unserer heutigen Zeit nicht viel wissen, wenn man erfährt, daß er diesen oder jenen bürgerlichen Namen trägt, daß er Müller oder Schulze heißt. Man weiß auch schließlich nicht viel von einem Menschen — das wird sich auch jeder gestehen -, wenn man weiß, daß er Hofrat oder Geheimrat oder irgend etwas anderes von dieser Art ist. Man weiß also auch nicht viel von diesem Menschen, wenn man solch eine Bezeichnung seiner sozialen Rangordnung weiß. Und auch dadurch weiß man heute nicht viel von einem Menschen, wenn man weiß, daß man ihn anzureden hat mit «Euer Hochwohlgeboren» oder «Hochwürden» oder auch nur als «geehrter Herr», kurz, all diese Bezeichnungen, sie besagen nicht viel für den Menschen. Und Sie werden sich leicht überzeugen können, daß auch andere Bezeichnungen, die wir heute wählen, nicht sonderlich viel besagen. Anders war das in älteren Zeiten. Ob wir die Bezeichnungen der Sankhyaphilosophie nehmen, ob wir unsere eigenen anthroposophischen Bezeichnungen nehmen, wir können von beiden ausgehen und die folgende Betrachtung anstellen.
[ 12 ] We already pointed out yesterday that the Gita presents us with Krishna’s significant instruction to Arjuna. Who, then, is Krishna? This question interests us above all else. One cannot understand who Krishna is without becoming familiar with a point I have occasionally discussed here and there—namely, that the entire system of naming and designation in earlier times was different from what it is today. Nowadays, the way a person is named is, in essence, a matter of little consequence. After all, in our time, one does not learn much about a person simply by knowing that they bear this or that common surname, that their name is Müller or Schulze. Nor does one learn much about a person—and everyone will admit this—by knowing that they are a court councilor or a privy councilor or something of that sort. So one does not know much about this person even if one knows such a designation of their social rank. And likewise, one does not know much about a person today if one knows that one must address them as “Your Excellency” or “Reverend” or even just as “esteemed sir”; in short, all these titles do not say much about the person. And you will easily be able to see that other titles we use today do not mean very much either. It was different in earlier times. Whether we take the terms of Sankhya philosophy or our own anthroposophical terms, we can start from both and make the following observation.
[ 13 ] Wir haben gehört, daß im Sinne der Sankhyaphilosophie der Mensch aus dem groben physischen Leib besteht, dem feineren Elementenleib oder Ätherleib, dem Leib, der die gesetzmäßigen Kräfte der Sinne enthält, demjenigen, was das Manas genannt wird, Ahamkara und so weiter. Die anderen höheren Glieder brauchen wir nicht zu betrachten, weil sie im allgemeinen noch nicht ausgebildet sind. Aber wenn wir nun die Menschen nehmen so, wie sie uns entgegentreten in dieser oder jener Inkarnation, da können wir sagen: Die Menschen sind voneinander verschieden, so daß bei dem einen Menschen stark nur das hervortritt, was im ätherischen Leib sich ausdrückt, beim anderen mehr das hervortritt, was in der GesetzmäRigkeit der Sinne liegt, beim dritten mehr der innere Sinn, beim vierten mehr Ahamkara. Oder wenn wir in unserer Sprache reden: Wir finden Menschen, bei denen hervorragend tätig sind die Kräfte der Empfindungsseele; wir finden andere Menschen, bei denen hervorragend tätig sind die Kräfte der Verstandes- oder Gemütsseele, andere, bei denen die Kräfte der Bewußtseinsseele hervortreten, und wieder andere, bei denen etwas anderes hereinspielt dadurch, daß sie inspiriert sind von Manas und so weiter. Das sind Unterschiede, die gegeben werden durch die ganze Art, wie sich ein Mensch darlebt. Mit diesen Unterschieden ist auf das Wesen der Menschen selber hingewiesen.
[ 13 ] We have heard that, according to Sankhya philosophy, the human being consists of the gross physical body, the subtle elemental body or etheric body, the body containing the lawful powers of the senses, that which is called the Manas, Ahamkara, and so on. We need not consider the other higher members, because they are generally not yet developed. But if we now take human beings as they appear to us in this or that incarnation, we can say: Human beings differ from one another, so that in one person only what is expressed in the etheric body stands out strongly, in another more of what lies in the regularity of the senses stands out, in a third more of the inner sense, and in a fourth more of Ahamkara. Or to put it in our own terms: We find people in whom the powers of the feeling soul are particularly active; we find others in whom the powers of the intellectual or emotional soul are particularly active; others in whom the powers of the conscious soul stand out; and still others in whom something else comes into play because they are inspired by Manas, and so on. These are differences that are determined by the entire way a person lives their life. These differences point to the very nature of human beings themselves.
[ 14 ] In unserer Gegenwart geht es nicht, aus leicht begreiflichen Gründen, Bezeichnungen der Menschen zu wählen nach der Wesenheit, die in diesem Sinn ausgedrückt ist. Denn würde man heute bei der weitverbreiteten Gesinnung der Menschheit zum Beispiel zu sagen haben, daß das Höchste, was der Mensch erreichen kann im gegenwärtigen Menschheitszyklus, ein Anflug von Ahamkara sei, so würde jeder überzeugt sein, daß er in seiner Wesenheit am deutlichsten den Ahamkara ausdrückt, und es würde für ihn verletzend sein, wenn man zum Ausdruck brächte, daß das noch nicht der Fall ist, daß ein niedrigeres Glied bei ihm vorherrscht. So war es nicht in alten Zeiten. Da bezeichnete man schon den Menschen im wesentlichen, insbesondere wenn es darauf ankam, ihn herauszuheben aus der übrigen Menschheit, vielleicht ihm gar die Führerrolle zuzuerteilen, man bezeichnete den Menschen schon so, daß man Rücksicht nahm auf die eben charakterisierte Wesenheit.
[ 14 ] In our present time, for reasons that are easy to understand, it is not possible to choose terms for human beings based on the essence expressed in this sense. For if, given the widespread mindset of humanity today, one were to say, for example, that the highest a human being can attain in the present cycle of humanity is a hint of ahamkara, everyone would be convinced that they most clearly express ahamkara in their nature, and it would be hurtful to him if one were to suggest that this is not yet the case, that a lower aspect predominates in him. It was not so in ancient times. Back then, when describing a person—especially when it came to distinguishing them from the rest of humanity, or perhaps even assigning them a leadership role—one would describe them in a way that took into account the very nature just characterized.
[ 15 ] Nehmen wir an, in alten Zeiten wäre ein Mensch aufgetreten, der in umfassendstem, in wirklich umfassendstem Sinn das Manas zum Ausdruck gebracht hätte, der zwar in sich erlebt hätte den Ahamkara, aber diesen als individuelles Element mehr hätte zurücktreten lassen und um seiner Wirksamkeit nach außen willen den inneren Sinn, das Manas, zur Geltung gebracht hätte. Nach den Gesetzen älterer kleinerer Menschheitszyklen hätte ein solcher Mensch — und nur ganz seltene Menschen hätten ein solches Wesen darleben können — ein großer Gesetzgeber, ein Führer großer Völkermassen sein müssen. Und man hätte sich nicht begnügt, ihn so zu bezeichnen wie andere Menschen, sondern nach seinem hervorstechendsten Merkmal hätte man ihn bezeichnet als Manas-Träger, während man einen anderen nur als Sinnes-Träger bezeichnet hätte. Man würde gesagt haben: Der ist ein Manas-Träger, der ist ein Manu. Und wenn uns Bezeichnungen in jenen älteren Zeiten entgegentreten, so haben wir in ihnen dasjenige zu sehen, was den Menschen charakterisiert nach dem hervorragendsten Gliede der menschlichen Organisation, das gerade bei ihm in seiner entsprechenden Inkarnation zum Ausdruck kommt.
[ 15 ] Let us suppose that in ancient times a human being had appeared who, in the most comprehensive, truly comprehensive sense, would have expressed the Manas; who, while having experienced the Ahamkara within himself, would have allowed this to recede as an individual element and, for the sake of its outward effectiveness, would have brought the inner sense, the Manas, to the fore. According to the laws of older, smaller cycles of humanity, such a person—and only very rare individuals could have embodied such a being—would have had to be a great lawgiver, a leader of vast masses of people. And one would not have been content to designate him as one does other people, but according to his most striking characteristic, one would have designated him as a Manas-bearer, while another would have been designated merely as a sense-bearer. One would have said: He is a Manas-bearer, he is a Manu. And when we encounter such designations from those older times, we must see in them that which characterizes the human being according to the most outstanding element of the human organization, which is expressed in him precisely in his corresponding incarnation.
[ 16 ] Nehmen wir an, bei einem Menschen würde sich besonders zum Ausdruck gebracht haben, daß er in sich fühlte die göttliche Inspiration, daß er es abgelehnt hätte, sich bei seinen Erkenntnissen und Handlungen nur zu entscheiden nach dem, was die Außenwelt durch seine Sinne gibt und was sein an das Gehirn gebundener Verstand sagt, sondern daß er überall hingehorcht hätte auf das göttliche Wort, das sich ihm einsprach, daß er sich zum Verkündiger der göttlichen Substanz gemacht hätte, die aus ihm gesprochen hätte. Einen solchen Menschen würde man bezeichnet haben als einen Gottessohn. Und noch im Johannes-Evangelium werden diejenigen, die einmal so waren, als die Gottessöhne hingestellt gleich im Anfang des ersten Kapitels.
[ 16 ] Let us suppose that a person would have particularly expressed that he felt within himself the divine inspiration, that he would have refused to base his decisions regarding his insights and actions solely on what the external world conveys through his senses and what his brain-bound intellect tells him, but that he would have listened everywhere to the divine Word, which spoke to him, and that he had made himself a herald of the divine substance that spoke through him. Such a person would have been called a Son of God. And even in the Gospel of John, those who were once like this are presented as the Sons of God right at the beginning of the first chapter.
[ 17 ] Aber das Wesentliche war das, daß man alles andere dabei übersah, wenn man dieses Bedeutsame zum Ausdruck brachte. Alles andere war unbedeutend. Nehmen wir also an, man wäre zwei Menschen gegenübergetreten: Der eine wäre ein gewöhnlicher Sinnesmensch gewesen, der die Welt durch seine Sinne hätte auf sich wirken lassen und über sie mit seinem an das Gehirn gebundenen Verstand nachgedacht hätte; der andere wäre ein solcher Mensch gewesen, in den das Wort der göttlichen Weisheit hereingestrahlt hätte. Dann würde man sich im Sinne der alten Gesinnung so ausgesprochen haben, daß man gesagt hätte: Dieser eine Mensch ist ein Mensch; er ist geboren von Vater und Mutter, ist nach dem Fleisch gezeugt. Beim anderen Menschen, der der Verkündiger der göttlichen Substanz gewesen wäre, käme nicht in Betracht, was einfließt in eine gewöhnliche Biographie, wie bei jenem ersten, der die Welt mit den Sinnen und dem an das Gehirn gebundenen Verstand betrachtet. Eine solche Biographie zu schreiben, wäre bei ihm eine Torheit gewesen. Denn daß er einen fleischlichen Leib an sich trug, war nur das Gelegentliche, nicht das Wesentliche, das man ins Auge faßte; es war sozusagen nur das, wodurch er sich den anderen Menschen zum Ausdruck brachte. Und man sagt deshalb: Der Gottessohn, der ist nicht nach dem Fleisch geboren, der ist jungfräulich, unmittelbar aus dem Geist geboren. — Das heißt: das, worauf es bei ihm ankam, wodurch er Wert hatte für die Menschheit, das stammte aus dem Geist. Und nur das hob man hervor in den alten Zeiten. Bei gewissen Schülern von Eingeweihten wäre es die größte Sünde gewesen, gegenüber einer Persönlichkeit, von der man erkannt hatte, daß sie durch höhere Glieder der menschlichen Natur Bedeutung hatte, eine Biographie im landläufigen Sinn zu schreiben, die nur auf das gewöhnliche alltägliche Verhältnis Rücksicht nimmt. Wer noch ein wenig nur sich etwas bewahrt hat von der Gesinnung jener alten Zeiten, findet es höchst absurd, was heute meinetwillen an Goethe-Biographien geschrieben wird.
[ 17 ] But the essential point was that, when one expressed this significance, everything else was overlooked. Everything else was insignificant. So let us suppose one were to encounter two people: one would have been an ordinary sensory being who would have allowed the world to affect him through his senses and would have reflected on it with his intellect, which is bound to the brain; the other would have been a person into whom the word of divine wisdom had shone. Then, in the spirit of the old way of thinking, one would have expressed oneself by saying: This one person is a human being; he was born of a father and mother, conceived according to the flesh. In the case of the other person, who would have been the herald of the divine substance, what is included in an ordinary biography would not apply, as it does to the first, who views the world through the senses and the intellect bound to the brain. To write such a biography of him would have been folly. For the fact that he bore a physical body was merely incidental, not the essential point that was taken into account; it was, so to speak, merely the means by which he expressed himself to other people. And that is why it is said: The Son of God was not born of the flesh; he was born of a virgin, directly from the Spirit. — That is to say: what mattered in his case, what gave him value for humanity, came from the Spirit. And that alone was emphasized in ancient times. For certain disciples of initiates, it would have been the greatest sin to write a biography in the conventional sense—one that takes into account only the ordinary, everyday circumstances—about a personality whom they recognized as significant through higher aspects of human nature. Anyone who has retained even a little of the spirit of those old times finds it highly absurd what is written today in the name of Goethe biographies.
[ 18 ] Und nun stellen wir uns vor, daß die Menschheit der alten Zeiten mit solchen Empfindungen, mit solchen Gefühlen gelebt hat, dann können wir auch begreifen, wie durchdrungen diese alte Menschheit davon sein konnte, daß solch ein Manu, in dem hauptsächlich das Manas lebt, selten erscheint, daß er große Epochen abwarten muß, bis er auftreten kann.
[ 18 ] And now let us imagine that the people of ancient times lived with such perceptions, with such feelings; then we can also understand how deeply imbued those ancient people must have been with the realization that such a Manu—in whom the Manas lives primarily—appears only rarely, and that he must wait through great epochs before he can emerge.
[ 19 ] Wenn wir nun auf das hinschauen, was als die tiefste Wesenheit in dem Menschen leben kann in unserem Menschheitszyklus, wenn wir auf das hinschauen, was jeder Mensch ahnen kann von seinen geheimen Kräften, die ihn hinaufbringen können zu seelischen Höhen, wenn wir auf das hinschauen und uns die Vorstellung bilden, daß, was bei den anderen Menschen nur in der Anlage vorhanden ist, in ganz seltenen Fällen einmal das wesentliche Glied einer menschlichen Wesenheit wird, einer Wesenheit, die dann von Zeit zu Zeit auftritt, um Führer zu sein den anderen Menschen, die höher ist als alle Manus, die ihrer Wesenheit nach in jedem Menschen steckt, aber als reale äußere Persönlichkeit in einem Weltenalter nur einmal auftritt: wenn wir uns einen solchen Begriff bilden, dann nähern wir uns dem Wesen des Krishna.
[ 19 ] If we now look at what can live as the deepest essence within the human being in our human cycle, if we look at what every human being can sense of their secret powers that can lift them up to spiritual heights, if we look at this and form the idea that what is present in others only as a potential in very rare cases becomes the essential link of a human being—a being who then appears from time to time to be a guide to others, who is higher than all the Manus that lie within every human being by virtue of their nature, but who appears as a real outer personality only once in a world age: when we form such a concept, then we approach the essence of Krishna.
[ 20 ] Er ist der Mensch im allgemeinen; er ist, man möchte fast sagen, die Menschheit als solche, als einzelne Wesenheit aufgefaßt. Aber er ist kein Abstraktum. Wenn heute die Menschen von der Menschheit im allgemeinen sprechen, so sprechen sie als Abstraktlinge davon. Das abstrakte Wesen ist uns heute, wo man im übrigen ganz in der Sinneswelt befangen ist, zu einem allgemeinen Schicksal geworden. Wenn man von dem Menschen im allgemeinen spricht, so hat man einen verschwommenen Begriff, der gar nicht lebt. Diejenigen, die von Krishna sprechen als von dem Menschen im allgemeinen, sagen nicht: Das ist jene abstrakte Idee, die man heute im Auge hat, wenn man davon spricht -, sondern die sagen: Ja, diese Wesenheit lebt zwar der Anlage nach in jedem Menschen, aber sie tritt auch als einzelner Mensch in jedem Weltalter einmal auf und spricht durch Menschenmund. Nur daß es bei ihr nicht ankommt auf das äußere Fleischliche, auch nicht auf den feineren Elementenleib, auch nicht auf die Kräfte der Sinnesorgane, nicht auf Ahamkara und Manas, sondern ankommt auf das, was in der Buddhi und Manas unmittelbar zusammenhängt mit den großen allgemeinen Weltensubstanzen, mit dem durch die Welt lebenden und webenden Göttlichen.
[ 20 ] He is humanity in general; he is, one might almost say, humanity as such, conceived as a single entity. But he is not an abstraction. When people today speak of humanity in general, they speak of it as an abstraction. This abstract concept has become a common fate for us today, when we are, moreover, completely caught up in the sensory world. When one speaks of humanity in general, one has a vague concept that is not at all alive. Those who speak of Krishna as the human being in general do not say: “This is that abstract idea one has in mind today when speaking of it”—but rather they say: “Yes, this being does indeed live in potential within every human being, but it also appears once in every world age as an individual human being and speaks through a human mouth.” Only that for it, what matters is not the outer physical body, nor the subtle elemental body, nor the powers of the sense organs, nor Ahamkara and Manas, but rather that which in the Buddhi and Manas is directly connected with the great universal world substances, with the Divine that lives and weaves through the world.
[ 21 ] Zur Führung der Menschheit treten von Zeit zu Zeit die Wesenheiten auf, wie wir sie zu sehen haben in dem großen Lehrer des Arjuna, in dem Krishna. Der Krishna lehrt die höchste menschliche Weisheit, das höchste Menschentum, und er lehrt es als sein eigenes Wesen und wiederum doch so, daß es eine verwandte Saite anschlägt in jeglicher Menschennatur, weil in der Anlage alles das, was in den Worten des Krishna liegt, in jeder menschlichen Seele sich findet. So blickt der Mensch, indem er zu Krishna aufblickt, zugleich zu seinem eigenen höchsten Selbst hinauf; zugleich aber auch zu einem anderen, das wie ein anderer Mensch vor ihm stehen kann und in dem er als in einem anderen zugleich das verehrt, was er der Anlage nach ist und was doch ein anderer ist wie er, das zu ihm sich verhält wie ein Gott zu dem Menschen. So müssen wir uns das Verhältnis des Krishna zu seinem Schüler Arjuna vorstellen. Dann wird aber auch der Grundton angegeben, der uns entgegentönt aus der Gita, jener Grundton, der so klingt, als ob er jede Seele anginge, in jede Seele hineintönen könnte, der ganz menschlich, intim menschlich ist, so intim menschlich, daß eine jede Seele fühlt, sie müsse es sich zum Vorwurf machen, wenn sie sich nicht verwandt fühlte der Sehnsucht, hinzuhorchen auf die große Krishna-Lehre.
[ 21 ] From time to time, beings appear to guide humanity, such as we see in Arjuna’s great teacher, Krishna. Krishna teaches the highest human wisdom, the highest humanity, and he teaches it as his own essence, yet in such a way that it strikes a chord in every human nature, because the potential for all that lies in Krishna’s words is found in every human soul. Thus, when a person looks up to Krishna, they simultaneously look up to their own highest Self; yet at the same time, they also look to another who may stand before them as another human being, and in whom they venerate—as in another—that which they are in potential and yet which is different from them, that which relates to them as a god relates to a human being. This is how we must imagine the relationship between Krishna and his disciple Arjuna. But then the fundamental tone is also set, the one that resounds toward us from the Gita—that fundamental tone which sounds as if it addressed every soul, as if it could resonate within every soul, which is entirely human, intimately human, so intimately human that every soul feels it must reproach itself if it did not feel a kinship with the longing to listen to the great teachings of Krishna.
[ 22 ] Auf der anderen Seite erscheint uns alles so gelassen, so leidenschaftslos, so affektlos, so erhaben und weise, weil das Höchste spricht, was Göttliches ist in jeder Menschennatur und doch als göttlich-menschliche Wesenheit einmal in der Evolution der Menschheit verkörpert erscheint.
[ 22 ] On the other hand, everything seems so serene, so dispassionate, so unemotional, so sublime and wise to us, because the Highest is speaking—that which is divine in every human nature and yet appears, as a divine-human being, to be embodied once in the evolution of humanity.
[ 23 ] Und wie erhaben sind sie, diese Lehren! Sie sind wirklich so erhaben, daß mit Recht diese Gita den Namen des Erhabenen Sanges trägt, der Bhagavad Gita. Da tritt uns zunächst entgegen die große Lehre, von der schon im gestrigen Vortrag die Rede war, in erhabenen Worten und aus einer erhabenen Situation heraus: die Lehre, daß alles das, was sich in der Welt wandelt, und sei es selbst sich wandelnd in einer solchen Form, daß Entstehen und Vergehen, Geburt und Tod, Siegen oder Besiegtwerden äußerlich erscheint, daß in dem allen ein Unvergängliches, ein Ewiges, ein Bleibendes, ein Seiendes sich ausdrückt, und daß derjenige, der die Welt richtig anschauen will, sich hindurchringen muß von dem Vergänglichen zu diesem Unvergänglichen. Das tritt uns entgegen schon durch den Sankhya, also durch die vernünftige Überlegung von der Unvergänglichkeit in allem Vergänglichen, von dem, daß die besiegte Seele und die Siegerseele gleich sind vor Gott, wenn das Tor des Todes hinter beiden sich schließt.
[ 23 ] And how sublime they are, these teachings! They are truly so sublime that this Gita rightly bears the name of the Sublime Song, the Bhagavad Gita. Here we are first confronted with the great teaching already mentioned in yesterday’s lecture, expressed in sublime words and arising from a sublime context: the teaching that everything that changes in the world—even if it changes in such a way that birth and death, birth and death, victory or defeat appear outwardly, that in all of this an imperishable, an eternal, a lasting, a being expresses itself, and that whoever wishes to view the world correctly must force themselves through the transitory to this imperishable. This is already presented to us through Sankhya, that is, through the rational consideration of the imperishable in all that is perishable, of the fact that the defeated soul and the victorious soul are equal before God when the gate of death closes behind both.
[ 24 ] Dann aber sagt der Krishna weiter seinem Schüler Arjuna, daß auch auf einem anderen Wege die Seele von der Anschauung der Alltäglichkeit hinweggeführt werden kann: Das ist durch den Yoga. Wenn die Seele andächtig werden kann, so ist das die andere Seite der Seelenentwickelung. Die eine Seite ist die, wo man von Erscheinung zu Erscheinung geht und überall sein entweder vom Hellsehertum durchleuchtetes oder nicht durchleuchtetes Ideenvermögen anwendet. Die andere Seite ist die, wo man alle Aufmerksamkeit abwendet von der äußeren Welt, wo man das Tor der Sinne schließt, wo man schließt alles das, was Vernunft und Verstand von der Außenwelt sagen können, wo man schließt alle Tore gegenüber dem, woran man sich erinnern kann als im gewöhnlichen Leben erfahren, wo man in sein Inneres geht und heraufholt durch entsprechende Übungen das, was in der eigenen Seele ruht, wo man die Seele hinwendet zu dem, was man als das Höchste ahnen kann und aus der Kraft der Andacht heraus sich zu erheben versucht. Wo das geschieht, da kommt man durch den Yoga immer höher und höher, kommt zu den höheren Stufen, die man erreichen kann, wenn man sich zuerst bedient der leiblichen Werkzeuge, zu jenen höheren Stufen, in denen man lebt, wenn man frei geworden ist von allen leiblichen Werkzeugen, wenn man sozusagen außerhalb seines Leibes in seinen höheren Gliedern der menschlichen Organisation lebt. So lebt man sich hinauf, in eine ganz andere Form des Lebens hinein. Die Lebenserscheinungen und -betätigungen werden geistig, spirituell. Man nähert sich immer mehr und mehr dem eigenen göttlichen Sein und erweitert das eigene Sein zum Weltensein, erweitert den Menschen zum Gott, indem man die individuelle Beschränkung auf das eigene Sein verliert und aufgeht im All durch den Yoga.
[ 24 ] But then Krishna goes on to tell his disciple Arjuna that there is another way in which the soul can be led away from the perspective of everyday life: through yoga. If the soul can become devout, that is the other side of the soul’s development. One aspect is that in which one moves from phenomenon to phenomenon, applying one’s faculty of thought—whether illuminated by clairvoyance or not—everywhere. The other aspect is that in which one turns all attention away from the external world, closes the gate of the senses, and shuts out everything that reason and intellect can say about the external world, where one closes all doors to what one can recall as having been experienced in ordinary life, where one goes within and, through appropriate exercises, brings forth what rests within one’s own soul, where one turns the soul toward what one can intuit as the highest and attempts to rise through the power of devotion. Where this happens, one ascends ever higher and higher through yoga, reaching the higher stages attainable by first making use of the physical instruments, and those higher stages in which one lives once freed from all physical instruments—when, so to speak, one lives outside one’s body in the higher members of the human organism. Thus one lives one’s way upward, into an entirely different form of life. The manifestations and activities of life become mental, spiritual. One draws ever closer to one’s own divine being and expands one’s own being into the being of the world, expands the human being into God, by losing the individual limitation to one’s own being and merging with the universe through yoga.
[ 25 ] Dann werden die Mittel angegeben, durch welche der Schüler des großen Krishna hinaufgelangen kann in der einen oder anderen Art zu diesen geistigen Höhen. Da wird zunächst unterschieden zwischen dem, was die Menschen in der gewöhnlichen Welt zu tun haben. Ist es ja doch eine große Situation, an der uns gerade die Gita dies erörtert. Arjuna muß gegen seine Blutsverwandten kämpfen. Das ist sein äußeres Schicksal, das ist sein Wirken, sein Karma, das ist die Summe der Taten, die er zunächst unmittelbar in dieser Situation zu verrichten hat. In diesen Taten lebt er zunächst als außerer Mensch. Aber der große Krishna lehrt ihn, daß der Mensch erst weise wird, sich erst verbindet mit dem Göttlich-Unvergänglichen, wenn er seine Taten verrichtet, weil die Taten im äußeren Verlauf der Natur- und Menschheitsentwickelung sich als notwendig ergeben, daß aber der Weise sich loslösen muß von diesen Taten. Er tut die Taten; doch ist etwas in ihm, was zugleich wie ein Zuschauer ist gegenüber diesen Taten, was keinen Anteil nimmt an ihnen, was da sagt: Ich tue das Werk, aber ich könnte ebensogut sagen, ich lasse es geschehen.
[ 25 ] Then the means are described by which the disciple of the great Krishna can ascend, in one way or another, to these spiritual heights. First, a distinction is made between what people in the ordinary world are called upon to do. For it is indeed a momentous situation that the Gita is discussing here. Arjuna must fight against his blood relatives. That is his outer destiny, that is his work, his karma; that is the sum of the deeds he must first perform directly in this situation. In these deeds, he lives first and foremost as an outer human being. But the great Krishna teaches him that a person only becomes wise, only connects with the Divine and Imperishable, when he performs his deeds—because these deeds arise as necessary in the outer course of the development of nature and humanity—yet the wise person must detach himself from these deeds. He performs the actions; yet there is something within him that is at the same time like a spectator to these actions, that takes no part in them, that says: I do the work, but I might just as well say, I let it happen.
[ 26 ] Ein Weiser wird man dadurch, daß man gegenüber dem, was man selbst tut, steht, als wenn es ein anderer täte, und daß man selber nicht berührt wird von der Lust, die die Tat bereitet, oder von dem Leid, das die Tat verursacht. Gleichsam sagt der große Krishna seinem Schüler Arjuna: Ob du dastehst in der Reihe der Pandusöhne oder ob du drüben stehst in der Reihe der Kurusöhne: was du auch tust, du mußt dich als Weiser loslösen von dem Pandutum oder von dem Kurutum. Wenn es dich nicht berührt, wenn du Pandu-Taten verrichten könntest, als ob du ein Pandu wärst, oder Kuru-Taten, als ob du ein Kurusohn wärest; wenn du über alle dem stehst, wenn du nicht berührt wirst von deinen eigenen Taten, wenn du lebst in deinen eigenen Taten wie die Flamme brennt, die da ruhig brennt an einem vom Wind geschützten Orte, nicht berührt wird von irgend etwas Äußerem, wenn die Seele so wenig von ihren eigenen Taten berührt, innerlich ruhig lebt neben ihren Taten, dann wird die Seele zum Weisen, dann befreit sich die Seele von ihren Taten, dann fragt sie nicht nach dem, was diese Taten für Erfolge haben können. Denn wie die Taten ausgehen, das geht nur unsere engbegrenzte Seele an. Wenn wir aber die Taten tun, weil der Menschheits- oder Weltverlauf sie verlangen, dann tun wir die Taten, gleichgültig, ob sie zum Schauerlichen oder zum Feierlichen, zum Leid- oder zum Lustvollen für uns führen.
[ 26 ] One becomes a sage by viewing one’s own actions as if they were being performed by another, and by remaining unaffected by the pleasure the action brings or the suffering it causes. As it were, the great Krishna says to his disciple Arjuna: Whether you stand in the ranks of the Pandava sons or over there in the ranks of the Kuru sons—whatever you do, as a sage you must detach yourself from the Pandava nature or the Kuru nature. If it does not affect you, if you could perform Pandu deeds as if you were a Pandu, or Kuru deeds as if you were a son of Kuru; if you stand above all this, if you are not affected by your own deeds, if you live within your own deeds like the flame that burns there, burning calmly in a place sheltered from the wind, is not affected by anything external, when the soul is so little affected by its own actions, lives inwardly calm beside its actions, then the soul becomes the wise one, then the soul frees itself from its actions, then it does not ask what results these actions may have. For how the actions turn out concerns only our narrowly limited soul. But when we perform these deeds because the course of humanity or the world demands them, then we perform them regardless of whether they lead us to the dreadful or the solemn, to suffering or to pleasure.
[ 27 ] Dieses Sich-Herausheben aus den Taten, dieses Aufrecht-Stehen, was auch unsere Hände ausführen, was auch - um aus der Situation der Gita heraus zu sprechen — unser Schwert ausführt, was wir mit dem Munde sprechen, dieses Aufrechtstehen des inneren Selbstes gegenüber all dem, was wir mit unserem Munde sprechen, mit unseren Händen ausführen, das ist es, wozu der große Krishna seinen Schüler Arjuna anleitet.
[ 27 ] This detachment from our actions, this standing firm—no matter what our hands do, no matter what — to speak from the perspective of the Gita — our sword does, whatever we say with our mouths, this standing firm of the inner self in the face of all that we say with our mouths and do with our hands—that is what the great Krishna instructs his disciple Arjuna to do.
[ 28 ] So weist der große Krishna seinen Schüler Arjuna auf ein Menschheitsideal hin, das so dasteht, daß der Mensch sagt: Ich tue meine Taten. Aber ob ich sie tue oder ein anderer — ich sehe meine Taten an. Das, was durch meine Hand geschieht, durch meinen Mund gesprochen wird, ich sehe es so objektiv an, wie ich es ansehe, wenn ein Fels sich loslöst und den Berg hinunterrollt in die Tiefe. So stehe ich meinen Taten gegenüber. Und wenn ich in der Lage bin, dieses oder jenes zu wissen, zu erkennen und ich mir diesen oder jenen Begriff bilde von der Welt - ich stehe noch als etwas, was sich von diesen Begriffen unterscheidet, da, und ich kann sagen: In mir lebt zwar etwas mit mir verbunden, was erkennt, aber ich schaue zu, wie da ein anderer erkennt. Da werde ich frei selbst von meiner Erkenntnis. Frei kann ich werden von meinen Taten, frei kann ich werden von meinem Wissen, von meiner Erkenntnis. Ein hohes Ideal des menschlichen Weisen wird da vor uns hingestellt.
[ 28 ] Thus the great Krishna points out to his disciple Arjuna an ideal of humanity that is expressed as follows: I perform my actions. But whether I perform them or another does—I observe my actions. What happens through my hand, what is spoken through my mouth—I view it as objectively as I would watch a rock break loose and roll down the mountain into the depths. This is how I face my actions. And when I am able to know or recognize this or that, and I form this or that concept of the world—I still stand there as something distinct from these concepts, and I can say: Within me lives something connected to me that recognizes, but I watch as another recognizes. There I become free even from my own cognition. I can become free from my actions; I can become free from my knowledge, from my cognition. A lofty ideal of the human sage is set before us.
[ 29 ] Und endlich, wenn es hinaufgeht ins Spirituelle: Mögen da Dämonen mir entgegentreten, mögen heilige Götter mir entgegentreten, das alles ist etwas, was ich äußerlich anschaue, ich stehe da, frei von alledem, was sich abspielt selbst in spirituellen Welten um mich herum. Ich schaue zu und gehe meinen Weg, und das, woran ich beteiligt bin, bei dem bin ich ebensosehr nicht beteiligt, weil ich Zuschauer geworden bin. — Das ist die Krishna-Lehre.
[ 29 ] And finally, when I ascend into the spiritual realm: whether demons confront me or holy gods confront me, all of that is something I observe from the outside; I stand there, free from everything that is taking place around me, even in the spiritual worlds. I watch and go my own way, and in that in which I am involved, I am just as much not involved, because I have become a spectator. — That is the teaching of Krishna.
[ 30 ] Und wenn wir gehört haben, die Krishna-Lehre fußt auf der Sankhyaphilosophie, so wird es uns begreiflich sein, daß an vielen Stellen durch die Krishna-Lehre durchzublicken ist, daß der große Krishna seinem Schüler sagt: Die Seele, die in dir lebt, sie ist in verschiedener Weise verbunden: verbunden mit dem groben physischen Leib, verbunden mit den Sinnen, dem Manas, Ahamkara, der Buddhi. Aber du bist von dem allem unterschieden. Wenn du das alles als ein Äußeres betrachtest, als Hüllen, die sich um dich herumlegen, und du deiner bewußt bist, daß du unabhängig von all dem bist als Seelenwesen, dann hast du etwas von dem begriffen, was der Krishna dich lehren will. Und wenn du dir bewußt bist, daß deine Verhältnisse zur Außenwelt, zur Welt überhaupt, dir gegeben werden durch die Gunas, durch Tamas, Rajas, Sattva, so lerne erkennen, daß im gewöhnlichen Leben der Mensch durch Sattva verbunden ist mit der Weisheit und der Güte, daß der Mensch durch Rajas verbunden ist im gewöhnlichen Leben mit den Leidenschaften, Affekten, mit dem Durst zum Dasein, daß der Mensch verbunden ist durch Tamas im gewöhnlichen Leben mit der Faulheit, Lässigkeit, Schläfrigkeit.
[ 30 ] And once we have heard that Krishna’s teachings are based on Sankhya philosophy, it will become clear to us that in many places Krishna’s teachings reveal that the great Krishna tells his disciple: The soul that lives within you is connected in various ways: connected to the gross physical body, connected to the senses, the manas, ahamkara, and buddhi. But you are distinct from all of that. If you regard all of this as external, as sheaths that surround you, and you are conscious that you are independent of all of this as a soul, then you have grasped something of what Krishna wishes to teach you. And if you are conscious that your relationship to the external world, to the world in general, is given to you through the gunas—through tamas, Rajas, and Sattva, then learn to recognize that in ordinary life, human beings are connected through Sattva to wisdom and goodness; that through Rajas, human beings are connected in ordinary life to passions, emotions, and the thirst for existence; and that through Tamas, human beings are connected in ordinary life to laziness, indolence, and drowsiness.
[ 31 ] Warum geht ein Mensch im gewöhnlichen Leben dahin, enthusiasmiert für Weisheit und Güte? Weil er eine Beziehung zu der Naturgrundlage hat, die durch das Sattva angezeigt wird. Warum geht ein Mensch durch das gewöhnliche Leben mit einer Freude und Gier nach dem äußeren Leben, mit Lust an den äußeren Erscheinungen des Lebens? Weil er ein Verhältnis zum Leben hat, das durch Rajas angedeutet wird. Warum gehen Menschen im gewöhnlichen Leben dahin schlafrig, faul und lässig? Warum fühlen sie sich erdrückt von ihrer Körperlichkeit? Warum finden sie nicht die Möglichkeit, sich aufzuraffen und die Körperlichkeit in jedem Augenblick zu besiegen? Weil sie ein Verhältnis zur Welt der äußeren Formen haben, das in der Sankhyaphilosophie begriffen wird durch Tamas.
[ 31 ] Why does a person go through ordinary life filled with enthusiasm for wisdom and goodness? Because they have a connection to the natural foundation indicated by Sattva. Why does a person go through ordinary life with a joy and craving for the external world, taking pleasure in the outward appearances of life? Because they have a relationship with life indicated by Rajas. Why do people go about their ordinary lives feeling sleepy, lazy, and listless? Why do they feel weighed down by their physicality? Why do they not find the means to rouse themselves and overcome physicality in every moment? Because they have a relationship with the world of external forms that is understood in Sankhya philosophy as Tamas.
[ 32 ] Aber frei muß die Seele des Weisen werden von Tamas, lösen muß sich ihr Verhältnis zur Außenwelt, das in Schläfrigkeit, Faulheit und Lässigkeit sich äußert. Wenn alles Lässige, Schlafrige, wenn alle Faulheit gewichen ist von der Seele, dann hat diese nur noch ein Verhältnis von Rajas und Sattva zur Außenwelt. Und wenn der Mensch die Leidenschaften und Affekte, den Durst zum Dasein getilgt und sich bewahrt hat den Enthusiasmus für Güte, Mitleid und Erkenntnis, dann hat er nunmehr ein Verhältnis zur Außenwelt, das die Sankhyaphilosophie Sattva nennt. Wenn der Mensch aber auch freigeworden ist von jedem Hang an der Güte und Erkenntnis, wenn er zwar ein gütiger Mensch und ein weiser Mensch ist, aber in seinem Inneren nicht abhängig ist von dem, wie er sich äußerlich äußert, selbst seiner Güte und Erkenntnis gegenüber, wenn ihm die Güte eine selbstverständliche Pflicht und die Weisheit etwas ist, das ausgegossen ist über ihn, dann hat er auch das Sattvaverhältnis abgestreift. Aber wenn er so die drei Gunas abgestreift hat, dann hat er sich losgelöst von allen Verhältnissen zu allen äußeren Formen, dann hat er triumphiert in seiner Seele, dann hat er etwas begriffen von dem, wozu ihn der große Krishna machen will.
[ 32 ] But the soul of the wise must be freed from Tamas; its connection to the external world—which manifests as drowsiness, laziness, and indifference—must be severed. When all indifference, drowsiness, and all laziness have departed from the soul, then it has only a relationship of rajas and sattva to the external world. And when a person has eradicated passions and emotions, the thirst for existence, and has preserved enthusiasm for goodness, compassion, and knowledge, then he now has a relationship with the external world that Sankhya philosophy calls Sattva. But if a person has also become free from every inclination toward goodness and knowledge—even though he is a good and wise person— yet is not internally dependent on how they express themselves externally, not even toward their own goodness and knowledge—if goodness is a natural duty to them and wisdom is something that has been poured out upon them—then they have also shed the Sattva relationship. But when he has thus shed the three gunas, then he has detached himself from all relationships to all external forms; then he has triumphed in his soul; then he has grasped something of what the great Krishna wishes to make of him.
[ 33 ] Und was begreift dann der Mensch, wenn er also strebt, dasjenige zu werden, was der große Krishna ihm als Ideal vorhält? Begreift er dann die äußeren Weltformen genauer? Nein, die hat er schon früher begriffen; aber er hat sich über sie erhoben. Begreift er dann das Verhältnis der Seele zu diesen äußeren Formen genauer? Nein, das hat er schon früher begriffen, aber er hat sich darüber erhoben. Nicht was ihm da in der äußeren Welt entgegentreten kann in der Mannigfaltigkeit der Formen, und nicht sein Verhältnis zu diesen Formen begreift er dann, wenn er die drei Gunas abgestreift hat; denn das gehört alles früheren Stufen an. Solange man im 'Tamas, Rajas und Sattva bleibt, gewinnt man Verhältnisse zur Naturgrundlage des Seins, eignet man sich an soziale Zusammenhänge, eignet man sich an Erkenntnis, gewinnt man die Fähigkeit der Güte und des Mitleids. Wenn man aber über alles das hinausgelangt ist, so hat man ja auf den vorhergehenden Stufen alle diese Verhältnisse abgestreift. Was erkennt man dann, was tritt einem dann vor Augen? Das erkennt man dann, das tritt einem dann vor Augen, was das alles nicht ist. Das, was sich von all dem unterscheidet, was man sich auf dem Wege dahin innerhalb der Gunas aneignet, was kann das nur sein? Nichts anderes ist es, als das, was man zuletzt als seine eigene Wesenheit erkennt, denn alles andere, was Außenwelt sein kann, hat man auf den vorhergehenden Stufen abgestreift.
[ 33 ] And what does a person come to understand when he strives to become what the great Krishna holds up as an ideal? Does he then come to understand the forms of the external world more clearly? No, he had already understood them before; but he has risen above them. Does he then understand the relationship of the soul to these external forms more precisely? No, he has already understood that before, but he has risen above it. It is not what may confront him in the external world in the diversity of forms, nor his relationship to these forms, that he understands once he has shed the three gunas; for all that belongs to earlier stages. As long as one remains in Tamas, Rajas, and Sattva, one gains relationships to the natural foundation of being, one acquires social connections, one acquires knowledge, one gains the capacity for kindness and compassion. But once one has transcended all of that, one has, of course, shed all these relationships on the preceding stages. What does one then recognize, what then comes into view? One then recognizes, and it then comes into view, that which all of this is not. That which differs from all that one acquires along the way within the gunas—what can that possibly be? It is nothing other than that which one ultimately recognizes as one’s own essence, for everything else that could be the external world has been shed on the preceding stages.
[ 34 ] Im Sinne der eben gegebenen Betrachtungen, was ist es? Krishna selber ist es. Denn er selber ist der Ausdruck des eigenen Höchsten. Das heißt: Indem man sich hinaufarbeitet zu dem Höchsten, steht man Krishna gegenüber, der Schüler dem großen Lehrer, Arjuna dem Krishna selber, der in allem lebt, was ist, und der wahrhaft von sich sagen kann: Ich bin nicht ein einzelner Berg, ich bin, wenn ich überhaupt unter den Bergen bin, der gigantischste von ihnen; ich bin, wenn ich auf der Erde erscheine, nicht ein einzelner Mensch, sondern die höchste menschliche Erscheinung, die nur einmal in einem Weltalter als Führer der Menschen auftritt und so weiter; das Einheitliche in allen Formen, das bin ich, Krishna.
[ 34 ] In light of the considerations just given, what is it? It is Krishna himself. For he himself is the expression of one’s own Supreme. This means: As one works one’s way up to the Supreme, one stands before Krishna—the disciple before the great Teacher, Arjuna before Krishna Himself, who lives in all that is, and who can truly say of Himself: I am not a single mountain; if I am among the mountains at all, I am the most gigantic of them; when I appear on earth, I am not a single human being, but the highest human manifestation, who appears only once in a world-age as the guide of humanity, and so on; the One in all forms—that is I, Krishna.
[ 35 ] So tritt der Lehrer selber, seine Wesenheit darlebend, vor seinen Schüler hin. Aber zugleich wird in der Bhagavad Gita begreiflich gemacht, daß das etwas Gewaltiges ist, das Höchste, was der Mensch erreichen kann. So als Arjuna dem Krishna gegenüberzustehen, es könnte geschehen durch stufenweise Einweihung: dann würde es geschehen in den Tiefen einer Yogaschulung. Aber es kann auch hingestellt werden, wie es aus der Menschheitsevolution selber herausfließt, wie es dem Menschen gleichsam durch Gnade gegeben wird. So wird es hingestellt in der Gita. Wie wenn hinaufgehoben würde durch einen Ruck der Arjuna, so daß er leibhaftig den Krishna vor sich hat, so führt uns die Gita an einen bestimmten Punkt, an den Punkt, wo Krishna ihm gegenübersteht. Jetzt steht er ihm nicht gegenüber wie ein Mensch in Fleisch und Blut. Ein Mensch, der so gesehen wird wie andere Menschen, böte das dar, was unwesentlich ist an dem Krishna. Denn wesentlich ist, was in allen Menschen ist. Aber da die anderen Weltreiche gleichsam nur der zerstreute Mensch sind, so ist alles, was in der übrigen Welt ist, in dem Krishna. Die übrige Welt verschwindet und Krishna ist als Eins da. Der Makrokosmos gegenüber dem Mikrokosmos, der Mensch als solcher gegenüber dem kleinen alltäglichen Menschen, so steht Krishna dem einzelnen Menschen gegenüber.
[ 35 ] Thus the teacher himself, manifesting his true nature, stands before his disciple. But at the same time, the Bhagavad Gita makes it clear that this is something immense, the highest that a human being can attain. Just as Arjuna stands before Krishna, this could happen through gradual initiation: then it would take place in the depths of a yoga training. But it can also be presented as something that flows from the evolution of humanity itself, as something given to humanity, as it were, through grace. This is how it is presented in the Gita. Just as if Arjuna were lifted up by a sudden jolt so that he has Krishna physically before him, so the Gita leads us to a certain point, to the point where Krishna stands before him. Now he does not stand before him as a human being of flesh and blood. A human being seen in this way, like other human beings, would present what is non-essential about Krishna. For what is essential is what is in all human beings. But since the other realms of the world are, as it were, merely the scattered human being, everything that is in the rest of the world is in Krishna. The rest of the world disappears, and Krishna is there as the One. The macrocosm in contrast to the microcosm, the human being as such in contrast to the small, everyday human being—thus does Krishna stand in contrast to the individual human being.
[ 36 ] Da reicht zunächst, wenn dies durch Gnade den Menschen überkommt, die menschliche Fassungskraft nicht aus, weil der Krishna, wenn auf sein Wesentliches gesehen wird — was nur möglich ist durch die höchste hellseherische Kraft —, weil da der Krishna ganz anders erscheint als alles, was sonst der Mensch zu schauen gewohnt ist. Wie wenn herausgehoben würde das Anschauen des Menschen aus allem übrigen, das Anschauen des Krishna in seiner höchsten Natur, so tritt er uns entgegen einen Augenblick in der Gita als der große Mensch, neben dem alles andere in der Welt klein ist, vor dem Arjuna stand. Da geht dem Arjuna aus die Fassungskraft. Er schaut nur noch an, und er kann nur wie stammelnd aussprechen, was er schaut. Das ist begreiflich: denn er hat das alles mit seinen bisherigen Mitteln nicht gelernt anzuschauen und mit Worten zu bezeichnen. Und dem angemessen ist die Schilderung, die in diesem Moment, wo also der Krishna vor dem Arjuna steht, Arjuna gibt. Denn es gehört zu den größten Darstellungen, die einer Menschheit jemals gegeben worden sind, in künstlerischer und philosophischer Beziehung, wie Arjuna mit Worten, die er zum erstenmal spricht, die er ungewohnt spricht, die er früher niemals sprechen konnte, weil er keines solchen ansichtig war, wie er mit Worten aus seinen Tiefen hervorholt, was sich ihm ergibt im Anblick des großen Krishna: «Die Götter schau ich all in deinem Leib, o Gott; so auch die Scharen aller Wesen: Brahman, den Herrn, auf seinem Lotossitz, die Rishis all und die Himmelsschlange. Mit vielen Armen, Leibern, Mündern, Augen seh ich dich, überall, endlos gestaltet, nicht Ende, nicht Mitte und auch Anfang nicht seh ich an dir, o Herr des Alls. Du, der du in allen Formen mir erscheinst, der du mir erscheinst mit Diadem, mit, Keule und mit Schwert, ein Berg in Flammen, nach allen Seiten strahlend, so seh ich dich. Geblendet wird mein Schauen, wie strahlend Feuer in der Sonne Glanz und unermeßlich groß. Das Unvergängliche, das Höchste zu Erkennende, das größte Gut, so erscheinst du mir im weiten All. Des ewigen Rechtes ewiger Wächter, das bist du. Als ewiger Urgeist stehst du vor meiner Seele. Nicht Anfang, nicht Mitte, nicht Ende zeigst du mir. Unendlich bist du überall, unendlich an Kraft, unendlich an Raumesweiten. Wie der Mond, ja wie die Sonne selbst groß sind deine Augen und aus deinem Munde strahlt es wie von Opferfeuer. Ich seh dich an in deiner Glut, wie deine Glut das All erwärmt, was ich ahnen kann zwischen dem Erdenboden und den Himmelsweiten, deine Kraft erfüllt dies alles. Mit dir allein steh ich da, und jede Himmelswelt, allwo die drei Welten leben, sie auch ist in dir, wenn deine wundersame Schauergestalt sich meinen Blicken zeigt. Ich schau, wie ganze Scharen von Göttern zu dir treten, die dir lobsingen, und furchtsam steh ich da, die Hände faltend. Heil ruft vor dir aller Seher Schar und aller Seligen Schar. Sie preisen dich mit all ihrem Lobgesang. Es preisen dich die Rudras, Adityas, Vasus und Sadhyas, Allgötter, Ashvins, Maruts und Manen, Gandharvas, Yakshas, Asuras und alle Seligen. Sie schauen empor zu dir voll Staunen: ein Leib so riesenhaft mit vielen Mundern, vielen Armen, vielen Beinen, vielen Füßen, vielen Leibern, vielen Rachen voller Zähne. Vor all dem erbebt die Welt und ich auch bebe. Den Himmelerschütternden, Strahlenden, Vielarmigen, mit einem Mund, der da wirkt wie große Flammenaugen, schau ich dich. Da zittert meine Seele. Nicht finde ich Festigkeit, nicht Ruh, o großer Krishna, der mir Vishnu selber ist. Ich schau wie in dein drauendes Inneres, ich schau es, wie es ist dem Feuer gleich, wie es wirkt, wie das Sein wirkt, wie das Ende aller Zeiten. Ich schaue dich in einer Art, wie ich nicht wissen kann vor irgend etwas. O sei mir gnädig, Herr der Götter, der Welten wohnlich Haus.» Er wendet sich hinüberzeigend zu den Söhnen aus dem Kurustamme: «Und diese Söhne all des Kuru zusammen den Scharen königlicher Helden, zusammen Bhishma und Drona, zusammen den Unsrigen, den besten Kämpfern, sie alle liegen betend vor dir selber, staunend ob deiner Herrlichkeit. Dich, den Uranfang des Seins, möcht’ ich erkennen. Ich kann nicht begreifen, was mir erscheint, was sich mir offenbart.»
[ 36 ] When this comes upon a person through grace, human comprehension is initially insufficient, because when one looks at Krishna’s essential nature—which is possible only through the highest clairvoyant power—Krishna appears entirely different from anything else a person is accustomed to seeing. As if the human gaze were lifted out of everything else—the gaze upon Krishna in his highest nature—so he appears to us for a moment in the Gita as the great being before whom everything else in the world is small, before whom Arjuna stood. There Arjuna’s composure fails him. He can only gaze, and he can only stammer out what he sees. This is understandable: for he has not learned, with his previous means, to look upon all this and to describe it in words. And the description Arjuna gives at this very moment, when Krishna stands before him, is fitting. For it is one of the greatest depictions ever given to humanity, in both artistic and philosophical terms, how Arjuna, with words he speaks for the first time, which he speaks unaccustomed, which he could never have spoken before because he had never beheld anything like this, how he draws forth from his depths with words what arises within him at the sight of the great Krishna: “I see all the gods in your body, O God; so too the multitudes of all beings: Brahman, the Lord, on his lotus throne, all the Rishis, and the celestial serpent. With many arms, bodies, mouths, and eyes I see you, everywhere, endlessly formed; I see no end, no middle, nor beginning in you, O Lord of the Universe. You, who appear to me in all forms, who appear to me with a diadem, with a mace and a sword, a mountain in flames, radiating in all directions—thus I see you. My vision is dazzled, like radiant fire in the sun’s splendor and immeasurably vast. The Imperishable, the Highest to be known, the greatest good—thus do you appear to me in the vast cosmos. Eternal guardian of eternal law, that is you. As the eternal Primordial Spirit, you stand before my soul. You show me neither beginning, nor middle, nor end. Infinite are you everywhere, infinite in power, infinite in the vastness of space. Like the moon, yes, like the sun itself, great are your eyes, and from your mouth it shines as from a sacrificial fire. I look upon you in your blaze, how your blaze warms the universe—all that I can sense between the earth’s surface and the vastness of the heavens—your power fills all this. With you alone I stand here, and every heavenly realm, where the three worlds dwell, is also within you when your wondrous, awe-inspiring form reveals itself to my gaze. I see how whole hosts of gods approach you, singing your praises, and I stand there in awe, folding my hands. All the seers and all the blessed ones cry out “Hail” before you. They praise you with all their songs of praise. The Rudras, Adityas, Vasus, and Sadhyas, the All-Gods, Ashvins, Maruts, and Manes, the Gandharvas, Yakshas, Asuras, and all the blessed ones praise you. They gaze up at you in wonder: a body so colossal with many mouths, many arms, many legs, many feet, many bodies, many throats full of teeth. Before all this, the world trembles, and I too tremble. I behold you, the Heaven-shaking, Radiant, Many-armed One, with a mouth that appears like great flaming eyes. There my soul trembles. I find no steadfastness, no peace, O great Krishna, who is Vishnu himself to me. I gaze as if into your menacing inner being; I see it as it is, like fire, how it acts, how existence acts, like the end of all time. I behold you in a way I cannot fathom before anything. O be gracious to me, Lord of the gods, the dwelling place of the worlds.” He turns, pointing, to the sons of the Kuru clan: “And these sons of Kuru, together with the hosts of royal heroes, together with Bhishma and Drona, together with our own, the best of warriors—they all lie before you in prayer, marveling at your glory. You, the very beginning of being, I wish to know. I cannot comprehend what appears to me, what is revealed to me.”
[ 37 ] So spricht Arjuna, wenn er allein ist mit dem, das sein eigenes Wesen ist, wenn ihm dieses eigene Wesen objektiv erscheint. Wir stehen vor einem großen Weltengeheimnis, geheimnisvoll nicht wegen seines theoretischen Inhalts, geheimnisvoll wegen der überwältigenden Empfindung, die es in uns hervorrufen soll, wenn wir es richtig aufzufassen vermögen. Geheimnisvoll ist es, so geheimnisvoll, daß es zu allen menschlichen Empfindungen anders sprechen muß, als jemals irgend etwas in der Welt zu den menschlichen Empfindungen sprach.
[ 37 ] Thus speaks Arjuna when he is alone with that which is his own essence, when this essence appears to him objectively. We stand before a great mystery of the world, mysterious not because of its theoretical content, but because of the overwhelming sensation it is meant to evoke in us when we are able to grasp it correctly. It is mysterious, so mysterious that it must speak to all human sensibilities in a way that nothing else in the world has ever spoken to human sensibilities.
[ 38 ] Wenn Krishna selbst an das Ohr des Arjuna klingen laßt, was nun Krishna spricht, so klingt das also: «Ich bin die Zeit, die alle Welt vernichtet. Erschienen bin ich, die Menschen fortzuraffen. Und ob du auch ihnen in dem Kampfe bringen wirst den Tod auch ohne dich sind dem Tod verfallen all die Kämpfer, die dort in Reihen stehen. Drum erhebe dich furchtlos. Ruhm sollst du erwerben, den Feind besiegen. Frohlocke ob des winkenden Siegs und der Herrschaft. Nicht du wirst sie getötet haben, wenn sie hinfallen im Schlachtentod, durch mich sind sie alle schon getötet, bevor du ihnen den Tod bringen kannst. Du sei nur Werkzeug, du sei nur Kämpfer mit der Hand! Den Drona, den Jayadratha, den Bhishma, den Karna und die anderen Kampfeshelden, die ich getötet, die tot schon sind, nun töte du sie, daß mein Wirken im Schein nach außen sich entlade, wenn sie tot hinfallen in Maya, von mir getötet. Töte du sie. Und das, was ich getan, wird scheinbar durch dich geschehen sein. Zittere nicht! Du vermagst nichts zu tun, was ich nicht schon getan. Kämpfe! sie werden fallen durch dein Schwert, die ich getötet habe.»
[ 38 ] When Krishna himself speaks into Arjuna’s ear, what Krishna says sounds like this: “I am Time, who destroys the entire world. I have appeared to carry off mankind. And whether you bring them death in battle or not, all the warriors standing there in ranks are doomed to die. Therefore, rise up fearlessly. You shall gain glory by defeating the enemy. Rejoice at the victory that beckons and at the dominion. It is not you who will have killed them when they fall in battle; through me they are all already slain before you can bring death upon them. Be but an instrument, be but a warrior with the hand! Drona, Jayadratha, Bhishma, Karna, and the other heroes of battle whom I have slain, who are already dead—now you shall slay them, so that my work may be manifested outwardly when they fall dead in Maya, slain by me. Kill them. And what I have done will appear to have been done by you. Do not tremble! You cannot do anything that I have not already done. Fight! They will fall by your sword, those whom I have killed.”
[ 39 ] Wir wissen, daß das alles, was da drüben geschieht an Unterweisung unter den Pandusöhnen von seiten des Krishna zum Arjuna so erzählt wird, als ob es der Wagenlenker dem Dhritarashtra erzählte. Nicht erzählt ein Dichter direkt: So sprach Krishna zum Arjuna, sondern der Dichter erzählt, daß der Wagenlenker des Dhritarashtra, Sanjaya, das seinem blinden Helden erzählt, dem Könige aus dem Kurustamme. Nachdem erzählt hat Sanjaya alles dieses, da spricht er weiter: «Und als dieses Wort des Krishna Arjuna vernommen, die Hände faltend, zitternd, in verehrender Sprache wieder also Arjuna zu Krishna, nur stammelnd, ganz in Furcht vor Krishna tief sich neigend, sprach Arjuna: Mit Recht erfreuet sich an deinem Ruhm die Welt und ist in Ehrfurcht dir ergeben. Die Rakshas» — das sind Geister — «fliehen entsetzt nach allen Seiten. Die heiligen Scharen, alle neigen sich vor dir. Warum sollten sie sich nicht neigen vor dem ersten Schöpfer, der würdiger selbst ist als Brahma.»
[ 39 ] We know that everything happening over there—the instruction given by Krishna to Arjuna among the Pandava brothers—is recounted as if the charioteer were telling it to Dhritarashtra. A poet does not narrate directly: “Thus spoke Krishna to Arjuna,” but rather the poet relates that Dhritarashtra’s charioteer, Sanjaya, tells this to his blind hero, the king of the Kuru clan. After Sanjaya has told all this, he continues: “And when Arjuna had heard these words of Krishna, folding his hands, trembling, in reverent speech, Arjuna spoke again to Krishna, stammering, bowing deeply in great fear of Krishna: ‘Rightly does the world rejoice in your glory and is devoted to you in awe. The Rakshasas”—these are spirits—“flee in terror in all directions. The holy hosts, all bow down before you. Why should they not bow down before the first Creator, who is more worthy even than Brahma.”
[ 40 ] Wahrhaftig, wir stehen vor einem Weltengeheimnis. Denn was sagt Arjuna, indem er vor sich erblickt leibhaftig sein eigenes Wesen? So spricht er, daß er dieses eigene Wesen anredet, daß es höher ihm erscheine als Brahma selber. Wir stehen vor einem Geheimnisse. Denn wenn der Mensch sein eigenes Wesen also anspricht, dann muß ein solches Wort so verstanden werden, daß zum Verständnis keines der Gefühle, keine der Empfindungen, keine der Ideen und keiner der Gedanken genommen wird, die im gewöhnlichen Leben aufzutreiben sind. Denn es gibt nichts, was den Menschen in größere Gefahr bringen könnte, als wenn er heranbrächte an diese Worte des Arjuna ein Gefühl, wie er es sonstwie haben könnte im Leben. Würde er irgendein solches Gefühl des Alltagslebens heranbringen an das, was er da ausspricht, würde das nicht ein ganz Eigenartiges sein, würde er das nicht empfinden als das größte Weltengeheimnis, dann wäre Wahnsinn, Größenwahn eine Kleinigkeit gegen die Krankheit, in die er verfiele durch ein Heranbringen der gewöhnlichen Empfindungen gegenüber Krishna, das heißt seinem eigenen höheren Wesen. «Du Herr der Götter, du bist ohne Ende, du bist der Ewige, du bist der Höchste, du bist das Sein zugleich und auch das Nichtsein, du bist der oberste der Götter, du bist der älteste der Geister, du bist der höchste der Schätze des ganzen Alls, du bist der, der da weiß, und du bist das Höchste, das da bewußt werden kann, du umspannst das All, du hast in dir alle Gestalten, die es nur geben kann, du bist Wind, du bist Feuer, du bist der Tod, du bist das ewig wogende Weltenmeer, du bist der Mond, du bist der höchste der Götter, der Name selbst, Ahnherr bist du der höchsten der Götter. Verehrung muß dir sein, Verehrung tausend, tausendmal. Und mehr noch als alle diese Verehrung kommt dir zu. Verehrung muß dir sein von allen deinen Seiten. Du bist alles, was je ein Mensch kann sein. Du bist kraftvoll wie nur je die Summe aller Kräfte kann sein, alles vollendest du und selbst bist du zugleich das All. Wenn ungeduldig, für meinen Freund dich haltend, ich Krishna, ich Yadara, ich Freund dich nannte, unkundig deiner wunderbaren Großheit, unbedachtsam und vertraulich dich so nannte, und wenn in meiner Schwachheit ich dich nicht richtig ehrte, ich dich nicht richtig ehrte im Wandeln oder im Ruhen, im höchsten Göttlichen oder im Alltäglichsten, ob du allein warst oder mit anderen Wesen zusammen, wenn ich dich in all dem nicht richtig ehrte, so bitt ich deine Unermeßlichkeit um Verzeihung. Du Vater der Welt, der du bewegst die Welt, in ihr dich bewegst, der du bist der Lehrer, der mehr ist als jeder andere Lehrer, dem niemand gleich ist, der allen überlegen ist, dem unvergleichlich alles ist in allen dreien Welten, vor dir mich niederwerfend, suche ich deine Gnade, du Herr, der in allen Welten sich offenbart. Nie Geschautes schau ich an dir, in Ehrfurcht muß ich erbeben. Zeige die Gestalt, die du bist, mir, o Gott! O sei gnädig, du Herr der Götter, du Ursprungsstätte aller Welten.»
[ 40 ] Truly, we are faced with a cosmic mystery. For what does Arjuna say when he beholds his own essence in the flesh before him? He says that he addresses this very essence, that it appears to him to be higher even than Brahma himself. We are faced with a mystery. For when a person addresses his own being in this way, such a statement must be understood in such a way that none of the feelings, none of the sensations, none of the ideas, and none of the thoughts that can be found in ordinary life are brought into the understanding. For there is nothing that could put a person in greater danger than if he were to apply to these words of Arjuna a feeling such as he might otherwise have in life. If he were to bring any such feeling from everyday life to what he is uttering there, if that were not something quite peculiar, if he did not perceive it as the greatest mystery of the world, then madness and megalomania would be a trifle compared to the illness into which he would fall by applying ordinary sensations to Krishna—that is, to his own higher being. “You, Lord of the gods, you are without end, you are the Eternal One, you are the Supreme, you are both Being and Non-being, you are the highest of the gods, you are the oldest of the spirits, you are the greatest treasure of the entire universe, you are the one who knows, and you are the highest that can be known; you encompass the universe; you contain within yourself every form that can exist; you are wind, you are fire, you are death, you are the eternally surging ocean of worlds, you are the moon, you are the highest of the gods, the Name itself; you are the progenitor of the highest of the gods. Worship must be yours, worship a thousand, a thousand times over. And even more than all this worship is due to you. Worship must be yours from all sides. You are everything a human being can ever be. You are as powerful as only the sum of all powers can be; you perfect all things, and you yourself are at the same time the universe. If, in my impatience, regarding you as my friend, I—Krishna, I—Yadara, I—called you “friend,” ignorant of your wondrous greatness, thoughtlessly and familiarly calling you thus, and if in my weakness I did not honor you properly, if I did not honor you properly in walking or in resting, in the highest divine or in the most mundane, whether you were alone or together with other beings, if in all this I did not honor you properly, then I ask your immeasurability for forgiveness. You, Father of the world, who moves the world, who moves within it, who is the Teacher, who is more than any other teacher, to whom no one is equal, who is superior to all, to whom everything is incomparable in all three worlds—prostrating myself before you, I seek your grace, O Lord, who reveals yourself in all worlds. I behold in you what has never been seen; in awe I must tremble. Show me the form that you are, O God! O be merciful, you Lord of the gods, you source of all worlds.”
[ 41 ] Wahrlich, wir stehen vor einem Geheimnis, wenn menschliches Wesen zu menschlichem Wesen also spricht. Und wiederum spricht Krishna zu seinem Schüler: «Ich habe mich dir geoffenbart in Gnade. Vor dir steht mein höchstes Wesen, durch meine Allmacht vor dich hingezaubert, leuchtend, unermeßlich, uranfänglich. Wie du mich siehst, so hat kein anderer jemals mich gesehen. Wie du mit den Kräften, die jetzt in dir durch meine Gnade dir gegeben sind, wie du mit diesen Kräften mich jetzt siehst, so hat mich niemals gekündet das, was in den Veden steht. So hat mich niemals erreicht, was an Opfern gegeben wurde, niemals erreicht irgendeine Götterspende, nie erreicht ein Studium, so hat nie an mich herangereicht irgendeine Zeremonie. Nicht irgendeine furchtbare Büßung kann mich in meiner Form, wie ich nun bin, schauen, wie du mich jetzt erschaust in Menschenform, du großer Held. Doch Angst soll dir nicht werden und nicht Verwirrung beim Anblick meiner schrecklichen Gestalt. Furchtbefreit, voll hohen Sinns, sollst du mich wieder schauen, so wie ich dir in meiner jetztigen Gestalt bekannt werde.»
[ 41 ] Truly, we are faced with a mystery when one human being speaks thus to another. And once again, Krishna speaks to his disciple: “I have revealed myself to you in mercy. Before you stands my supreme being, conjured before you by my omnipotence, radiant, immeasurable, primordial. As you see me, so has no other ever seen me. As you now see me with the powers that have been given to you through my grace, as you now see me with these powers, so has what is written in the Vedas never revealed me. Thus, no sacrifice has ever reached me, no offering to the gods has ever reached me, no study has ever reached me; thus, no ceremony has ever reached me. No terrible penance can make one see me in my form as I am now, as you now behold me in human form, O great hero. Yet let there be no fear in you, nor confusion at the sight of my dreadful form. Free from fear, full of noble purpose, you shall behold me again, just as I am now revealed to you in my present form.”
[ 42 ] Nun erzählt Sanjaya dem blinden Dhritarashtra weiter: «Als so zum Arjuna der Krishna gesprochen, verschwand das Unermeßliche, Anfang- und Endlose, das über alle Kräfte Erhabene, und wieder zeigte Krishna sich in seiner menschlichen Form, als wollte er beruhigen den, der so erschrocken war, durch seine freundliche Gestalt.
[ 42 ] Sanjaya then continues his account to the blind Dhritarashtra: “When Krishna had thus spoken to Arjuna, the Immeasurable One, the Beginningless and Endless One, the One exalted above all powers, vanished; and once again Krishna appeared in his human form, as if to calm the one who was so terrified with his friendly appearance.
[ 43 ] Arjuna sprach: Da hab ich sie wieder vor mir, deine menschliche Gestalt, da kehrt zurück mir wieder Wissen und Besinnung, und wieder werde ich, der ich war.
[ 43 ] Arjuna said: Now I see you again in your human form; my knowledge and awareness are returning to me, and I am once more the man I used to be.
[ 44 ] Und Krishna sprach: Die Gestalt, die so schwer zu schauen, die du jetzt von mir gesehen hast, es ist die Gestalt, nach deren Anblick sich sogar die Götter ohne Ende sehnen. Nicht künden die Gestalt die Veden, nicht wird sie erreicht durch Büßung noch durch Spende, noch durch Opfer, noch durch irgendwelche Zeremonie. Durch alles dieses bin ich nicht in dieser Form zu schauen, die du jetzt gesehen hast. Nur wer hinwegzugehen weiß, frei von allen Veden, frei von aller Büßung, frei von allen Spenden, Opfern, frei von allen Zeremonien, und mich ganz allein verehrend mich im Auge haben kann, der kann in solcher Form mich schauen, der kann so mich erkennen, kann auch ganz eins werden mit mir. Wer so handelt, wie ich es ihm eingebe, wer mich ehrt und liebt, wer die Welt nicht achtet und allen Wesen liebevoll ist, der kommt zu mir, o du mein Sohn aus dem Pandustamme.»
[ 44 ] And Krishna spoke: "The form that is so difficult to behold, which you have now seen in me, is the form that even the gods long to see without end. The Vedas do not describe this form; it is not attained through penance, nor through almsgiving, nor through sacrifice, nor through any ceremony. Through all these means, I cannot be seen in this form that you have now seen. Only one who knows how to transcend, free from all the Vedas, free from all penance, free from all almsgiving and sacrifices, free from all ceremonies, and who, worshiping me alone, can keep me in mind—only such a one can see me in this form, can recognize me thus, and can also become completely one with me. Whoever acts as I instruct him, whoever honors and loves me, whoever does not regard the world and is loving toward all beings—he comes to me, O my son of the Pandu clan.”
[ 45 ] Wir stehen vor einem Weltengeheimnis, von dem uns die Gita erzählt, daß es in bedeutungsvoller Weltenstunde der Menschheit verkündet worden ist, in jener bedeutungsvollen Weltenstunde, da das ans Blut gebundene alte Hellsehen aufhörte, die Menschenseele neue Wege suchen mußte zum Unendlichen, zum Unvergänglichen. So wird uns dieses Geheimnis vorgeführt, daß wir zugleich wahrnehmen in dieser Vorführung alles das, was dem Menschen gefährlich werden kann, wenn er aus sich selber herausgeboren hat, schauend, sein eigenes Wesen. Fassen wir dieses tiefste menschliche und Weltengeheimnis, das von unserer eigenen Wesenheit durch wahre Selbsterkenntnis spricht, dann haben wir vor uns hingestellt das größte Weltenrätsel. Wir dürfen es aber nur vor uns hinstellen, wenn wir es in Demut verehren können. Und kein Fassungsvermögen reicht aus, um an das Weltengeheimnis heranzukommen. Dazu ist die richtige Empfindung notwendig. Keiner darf sich dem Weltengeheimnis nahen, das aus der Gita so spricht, der sich ihm nicht verehrend nahen kann. Dann erst haben wir es voll erfaßt, wenn wir es so empfinden können. Und wie es von diesen Ausgangspunkten aus in der Gita zu schauen ist auf einer gewissen Stufe der Menschheitsentwickelung, und wie es gerade durch das, was es uns in der Gita zeigt, wiederum beleuchtend wirkt für die andere Art, wie es uns in den Paulusbriefen entgegentritt, das soll uns im Verlaufe dieser Vorträge beschäftigen.
[ 45 ] We stand before a cosmic mystery, of which the Gita tells us that it was proclaimed at a momentous hour in the history of humanity—that momentous hour when the ancient clairvoyance bound to blood ceased, and the human soul had to seek new paths to the infinite, to the imperishable. Thus this mystery is presented to us, so that in this presentation we simultaneously perceive all that can become dangerous to a human being when he has, through inner vision, brought forth his own being from within himself. If we grasp this deepest human and cosmic mystery, which speaks of our own being through true self-knowledge, then we have before us the greatest cosmic enigma. But we may only set it before us if we can revere it in humility. And no capacity of understanding is sufficient to approach the mystery of the world. For this, the right feeling is necessary. No one may approach the mystery of the world, which speaks thus from the Gita, who cannot approach it with reverence. Only then have we fully grasped it, when we can feel it in this way. And how it is to be viewed in the Gita from these starting points at a certain stage of human development, and how, precisely through what it shows us in the Gita, it in turn sheds light on the other way in which it confronts us in the Epistles of Paul—this is what we shall explore in the course of these lectures.
