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Experiences of the Supernatural
The Three Paths of the Soul to Christ
GA 143

11 January 1912, Munich

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Experiences of the Supernatural, tr. SOL
  1. Erfahrungen des Übersinnlichen, 4th ed.

1. Nervosität und Ichheit

1. Nervousness and the Ego

[ 1 ] Es sollen heute einige Anregungen gegeben werden im Zusammenhang mit manchem, was wir schon kennen, was aber doch für den einen oder den andern von uns nützlich sein kann, und was uns auch hineinführen kann in eine genauere Anschauung der Wesenheit des Menschen und seines Zusammenhanges mit der Welt. Es wird ja der Anthroposoph sehr häufig Gelegenheit haben können, daß ihm außer den Entgegnungen und Einwänden gegen die Geisteswissenschaft, von denen in den öffentlichen Vorträgen diesmal gesprochen worden ist, noch mancherlei anderes von Außenstehenden vorgebracht wird. So namentlich wird ja immer wieder und wiederum von gelehrten und ungelehrten Leuten vieles dagegen eingewendet, daß wir im Sinn der Geisteswissenschaft sprechen von einer Gliederung der ganzen menschlichen Wesenheit in jene vier Glieder, die wir immer anführen: in den physischen Leib, Äther- oder Lebensleib, Astralleib und das Ich. Und es kann ja dann wohl von Zweiflern eingewendet werden, es könne sich für einen Menschen, welcher gewisse, sonst verborgene Kräfte der Seele entwickelt, vielleicht ermöglichen lassen, etwas derartiges zu sehen wie diese Wesensglieder, aber für denjenigen, der so etwas nicht sieht, für den könnte es ja doch keine Gründe geben, sich einer solchen Meinung hinzugeben. Nun muß aber doch betont werden, daß das Leben des Menschen, wenn man aufmerksam ist, nicht nur Bestätigungen dessen gibt, was die Geist-Erkenntnis zu sagen hat, sondern daß, wenn man das anwendet, was man aus der Geist-Erkenntnis für das Leben lernen kann, sich solch eine Anwendung auf das Leben als außerordentlich nützlich erweist. Und man wird schon dahinterkommen, daß dieser Nutzen — ich meine jetzt nicht in einem niederen Sinne Nutzen, sondern jenen Nutzen, der ein Nutzen in einem höheren Sinne ist — uns allmählich eine Art von Überzeugung beibringen kann, auch wenn wir nicht auf das eingehen wollen, was sich der hellseherischen Beobachtung darbietet.

[ 1 ] Today I would like to offer a few suggestions regarding certain things we are already familiar with, but which may nevertheless be useful to some of us, and which can also lead us to a more precise understanding of the nature of the human being and his relationship to the world. The anthroposophist will, of course, very often have the opportunity to encounter, in addition to the objections and criticisms of Spiritual Science discussed in the public lectures this time, all manner of other things raised by outsiders. In particular, both learned and unlearned people repeatedly raise many objections to the fact that, in the sense of Spiritual Science, we speak of a division of the entire human being into those four members we always mention: the physical body, the etheric or Life-Body, the astral body, and the I. And skeptics may well object that while it might be possible for a person who develops certain otherwise hidden powers of the soul to perceive something akin to these members of the being, for those who do not see such things, there could be no reason to subscribe to such a view. Now, however, it must be emphasized that human life, if one is attentive, not only provides confirmation of what spiritual knowledge has to say, but that when one applies what one can learn from spiritual knowledge to life, such an application proves to be extraordinarily useful. And one will come to realize that this benefit—I do not mean benefit in a lower sense, but rather that benefit which is a benefit in a higher sense—can gradually instill in us a kind of conviction, even if we do not wish to delve into what presents itself to clairvoyant observation.

[ 2 ] Es ist ja nur allzu bekannt, daß in unserer Zeit viel geklagt wird über das, was mit dem vielgefürchteten Wort Nervosität umspannt wird, und man darf sich gar nicht wundern, wenn der oder jener sich zu dem Ausspruch hingedrängt fühlt: In unserer Zeit gibt es eigentlich keinen Menschen mehr, der nicht nervös wäre in irgendeiner Beziehung. Und wie sollten wir nicht einen solchen Ausspruch begreiflich finden. Ganz abgesehen von den sozialen Verhältnissen und Zuständen, denen wir diese oder jene Ursache bei dieser Nervosität zuschreiben können, sind eben solche Zustände, die als Nervosität bezeichnet werden können, auch sonst da, und sie äußern sich in der mannigfaltigsten Weise. Sie äußern sich vielleicht, man könnte sagen in der leichtesten Weise, in der am wenigsten unbequemen Weise dadurch, daß der Mensch das wird, was man einen seelischen Zappelfritzen nennen könnte. Einen solchen möchte ich denjenigen nennen, der unvermögend ist, einen Gedanken ordentlich festzuhalten und ihn wirklich in seinen Konsequenzen zu verfolgen, der immer überspringt von einem Gedanken zu dem andern, und wenn man versucht, ihn bei einem Gedanken festzuhalten, dann ist er schon längst zu einem andern übergesprungen. Eine Hast des seelischen Lebens, das ist oftmals die leichteste Art von Nervosität.

[ 2 ] It is all too well known that in our time there is much complaining about what is encompassed by the much-feared word “nervousness,” and one should not be at all surprised if this or that person feels compelled to say: In our time, there is actually no one left who is not nervous in some way or another. And how could we not find such a statement understandable? Quite apart from the social conditions and circumstances to which we might attribute this or that cause of such nervousness, precisely those states that can be described as nervousness are present in other contexts as well, and they manifest themselves in the most diverse ways. They manifest themselves, one might say, in the mildest way, in the least uncomfortable way, in that a person becomes what one might call a restless soul. I would call such a person one who is incapable of holding onto a thought properly and truly following it through to its consequences, who is always jumping from one thought to another, and when one tries to keep them focused on a single thought, they have long since jumped to another. A restlessness of the mental life—that is often the mildest form of nervousness.

[ 3 ] Eine andere Art von Nervosität ist diese, daß die Menschen mit sich selber nicht viel anzufangen wissen, daß sie sozusagen gegenüber Dingen, bei denen sie zu Entschlüssen kommen sollten, nicht zu Entschlüssen vorrücken können, und eigentlich niemals so recht wissen, was sie in der oder jener Angelegenheit tun sollen.

[ 3 ] Another kind of nervousness is this: people don’t quite know what to make of themselves; they are, so to speak, unable to make up their minds about matters that require a decision, and they never really know what to do in this or that situation.

[ 4 ] Dann können aber auch diese Zustände zu anderen, schon bedenklicheren führen, indem die Nervosität sich allmählich immer mehr und mehr in allerlei Krankheitsformen auslebt, für die man eigentlich keine organischen Ursachen angeben kann, die aber zuweilen organische Krankheiten in einer täuschenden Weise nachbilden, so daß man zum Beispiel glauben könnte, ein Mensch habe etwa ein schweres Magenleiden, während er nur unter dem leidet, was man recht trivial und nicht bedeutungsvoll zusammenfaßt unter dem Wort «Nervosität». Das sind Krankheitserscheinungen, unter denen der davon Betroffene natürlich ebenso leidet, wie wenn sie aus dem Bereich des Organischen herrührten. Und zahlreiche andere Zustände wären noch anzugeben wer kennt sie nicht, wer leidet nicht darunter, sei es, daß er sie selber — hat oder daß sie andere Menschen in seiner Umgebung haben. Man braucht ja — ich will jetzt nicht auf ein anderes Gebiet abschweifen nicht gleich so weit zu gehen, daß man in bezug auf die großen Ereignisse des äußeren Lebens von einem «politischen Alkoholismus» spricht; es ist ja in der letzten Zeit gesprochen worden von jener Art und Weise nervösen Treibens in dem öffentlichen Leben wie von einer Art von Gebaren, das sich sonst bei dem einzelnen Menschen eigentlich nur äußert, wenn er eben ein bißchen vom Alkoholismus angestochen ist. Das Wort ist gefallen für die Art und Weise, wie politische Angelegenheiten in den letzten Monaten in Europa getrieben worden sind. Da sehen Sie auch im äußeren Leben etwas, von dem man sagen könnte: Auch da merkt man nicht nur, daß die Nervosität da ist, sondern daß man diese in gewisser Beziehung als recht unbehaglich empfindet. Überall also ist so etwas wie diese Nervosität vorhanden.

[ 4 ] However, these conditions can also lead to others that are even more serious, as the nervousness gradually manifests itself more and more in all sorts of symptoms for which no organic causes can actually be identified, but which sometimes mimic organic diseases in a deceptive way, so that one might, for example, believe a person has a serious stomach ailment, when in fact they are suffering only from what is rather trivially and unimportantly summarized by the word “nervousness.” These are symptoms of illness from which the affected person naturally suffers just as much as if they originated from the organic realm. And numerous other conditions could be mentioned—who is not familiar with them, who does not suffer from them, whether they have them themselves or whether other people in their surroundings do. One need not—I do not wish to digress into another area—go so far as to speak of “political alcoholism” in relation to the major events of external life; after all, there has recently been talk of that kind of nervous agitation in public life as a sort of behavior that otherwise manifests itself in the individual only when he is, so to speak, slightly touched by alcoholism. The term has been used to describe the way political affairs have been conducted in Europe in recent months. There, too, you see something in public life of which one might say: Here, too, one not only notices that the nervousness is there, but that one finds it, in a certain sense, quite uncomfortable. So this kind of nervousness is present everywhere.

[ 5 ] Nun wird das, was damit angedeutet ist, ganz gewiß in den nächsten Zeiten für die Menschen nicht besser, sondern immer schlechter und schlechter werden. Gute Aussichten für die Zukunft, wenn die Menschen so bleiben, wie sie jetzt sind, können keineswegs irgendwie gegeben werden. Denn es gibt verschiedene Schädlichkeiten, die unser gegenwärtiges Leben in einer ganz außerordentlichen Weise beeinflussen und die sich, man möchte sagen epidemisch von einem Menschen auf den andern übertragen, so daß nicht nur der, der in dieser Richtung ein wenig krankhaft ist, davon befallen ist, sondern daß auch andere angesteckt werden, die vielleicht nur schwach, aber sonst gesund sind.

[ 5 ] What this implies is that, in the coming times, things will certainly not get better for people, but will instead get worse and worse. There is absolutely no way to offer any kind of positive outlook for the future if people remain as they are now. For there are various harmful influences that affect our present lives in an extraordinary way and that spread—one might say epidemically—from one person to another, so that not only those who are somewhat predisposed in this regard are affected, but others as well who may be only slightly weakened but are otherwise healthy.

[ 6 ] Etwas ungeheuer Schädliches für unsere Zeit ist, daß eine große Anzahl von denjenigen Menschen, die in hervorragende Stellungen hineinkommen für das öffentliche Leben, in der Art studieren, wie gegenwärtig studiert wird. Es gibt ja geradezu ganze Zweige des Studiums, wo man, sagen wir, so an der Universität lebt, daß man eigentlich das ganze Jahr hindurch ziemlich andere Sachen treibt als das Durchdenken und Durchstudieren dessen, was die Professoren in den Kollegien sagen; man geht ab und zu hinein, aber das, was man für die Prüfungen wissen muß, das eignet man sich in ein paar Wochen an, das heißt, man paukt sich das Nötigste ein. Das Schlimme dabei ist eine solche Einpaukerei. Und da in gewisser Beziehung das Einpauken bis in die niederen Schulen geht, so sind die Übel, die davon kommen, keineswegs so unbedenklich. Das Wesentliche bei dieser Einpaukerei ist, daß ja eine eigentliche Verbindung des Seeleninteresses, des innersten Wesenskernes mit dem, was man sich so einpaukt, gar nicht vorhanden ist. Es herrscht ja sogar auf den Schulen vielfach die Meinung bei den Schülern: Ach, wenn ich nur das, was ich mir aneigne, bald wieder vergessen hätte. — Also jenes vehemente Besitzenwollen dessen, was man sich angeeignet, ist nicht da. Ein geringes Band von Interesse verbindet sozusagen den menschlichen Seelenkern mit dem, was die Menschen annehmen.

[ 6 ] Something tremendously harmful to our times is that a large number of the people who rise to prominent positions in public life are educated in the manner in which education is currently conducted. There are, in fact, entire fields of study where one, let’s say, lives at the university in such a way that one actually spends the entire year doing things quite different from thinking through and studying what the professors say in their lectures; one goes in now and then, but what one needs to know for the exams is acquired in a few weeks—that is, one crams in the bare essentials. The problem with this is such rote learning. And since, in a certain sense, rote learning extends all the way down to the lower grades, the evils that result from it are by no means harmless. The crux of this rote learning is that there is no real connection between the soul’s interest, the innermost core of one’s being, and what one is cramming into one’s head. In fact, the prevailing opinion among students in schools is often: Oh, if only I could forget what I’ve learned as soon as possible. — So that vehement desire to possess what one has learned is not there. A tenuous thread of interest connects, so to speak, the core of the human soul with what people take in.

[ 7 ] Nun ist es gerade die Folge dieser Tatsache, daß eigentlich die Menschen auf diese Art sich gar nicht so entwickeln können, um mit genügender Wirksamkeit in das öffentliche Leben eingreifen zu können, weil sie dadurch, daß sie die Sachen eingepaukt haben, die sie lernen wollen, innerlich mit den Aufgaben ihres Berufes nicht verbunden sind; sie stehen seelisch dem fern, was sie mit ihrem Kopf treiben. Nun gibt es für die gesamte Wesenheit des Menschen kaum etwas Schlimmeres, als wenn man seelisch, mit seinem Herzen dem fernsteht, was der Kopf treiben muß. Das ist nicht nur etwas, was einem feineren, sensitiveren Menschen widerspricht, sondern etwas, was im höchsten Grade die Stärke und Energie des menschlichen Ätherleibes beeinflußt, gerade des Ätherleibes. Der Äther- oder Lebensleib wird immer schwächer und schwächer unter einem solchen Treiben wegen der geringen Verbindung, die besteht zwischen dem menschlichen Seelenkern und demjenigen, was der Mensch treibt. Je mehr der Mensch etwas treiben muß, was ihn nicht interessiert, desto mehr schwächt er seinen Äther- oder Lebensleib.

[ 7 ] Now, it is precisely the consequence of this fact that people cannot actually develop in this way to the point of being able to intervene effectively in public life, because by cramming the things they want to learn, they are not inwardly connected to the tasks of their profession; they are emotionally distant from what they are doing with their minds. Now there is hardly anything worse for the entire being of a human being than to be emotionally, with one’s heart, distant from what the mind must do. This is not only something that contradicts a finer, more sensitive person, but something that affects the strength and energy of the human etheric body to the highest degree—precisely the etheric body. The etheric or Life-Body grows weaker and weaker under such activity because of the tenuous connection that exists between the human soul core and what the person is doing. The more a person has to do something that does not interest them, the more they weaken their etheric or Life-Body.

[ 8 ] Nun sollte Anthroposophie auf diejenigen Menschen, welche in einer gesunden Weise sich diese Anthroposophie aneignen, ja so wirken, daß man nicht nur lernt: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib und so weiter, sondern es sollte diese Anthroposophie so wirken, daß im Menschen in einer gesunden Weise diese einzelnen Glieder der menschlichen Natur stark und kräftig zur Entfaltung kommen.

[ 8 ] Anthroposophy should now have such an effect on those people who assimilate it in a healthy way that they not only learn that the human being consists of a physical body, an etheric body, and so on, but that this anthroposophy should have such an effect that these individual aspects of human nature unfold strongly and vigorously within the person in a healthy way.

[ 9 ] Wenn nun der Mensch einen sehr einfachen Versuch macht, aber diesen Versuch mit Emsigkeit wiederholt, so kann eine Kleinigkeit geradezu Wunder wirken. Verzeihen Sie, wenn ich heute eben von einzelnen Beobachtungen spreche, von Kleinigkeiten, die aber sehr bedeutende Dinge sein und werden können für das Leben des Menschen. Es hängt nämlich innig zusammen mit dem, was ich eben jetzt charakterisiert habe, die leichte Vergeßlichkeit, die die Menschen zuweilen zeigen. Leichte Vergeßlichkeit, sie ist etwas Unbehagliches im Leben; Anthroposophie kann uns aber auch zeigen, daß diese Vergeßlichkeit etwas im eminentesten Sinne Gesundheitsschädliches ist. Und so sonderbar es klingt, es ist wahr: Viele, geradezu an das stark Krankhafte grenzende Ausbrüche der menschlichen Natur würden vermieden werden, wenn die Menschen weniger vergeßlich wären. Nun können Sie sagen: Sie sind eben vergeßlich, die Menschen; wer kann denn — wir werden das leicht uns klarmachen können, wenn wir einen Überblick über das Leben haben —, wer kann ganz und gar sich freisprechen von Vergeßlichkeit? — Nehmen wir einen kleinen, leicht vorkommenden Fall: Ein Mensch ertappt sich bei der Vergeßlichkeit, daß er nie weiß, wohin er die Dinge gelegt hat, die er braucht. Nicht wahr, es ist das etwas, was im Leben vorkommt. Der eine findet nie seinen Bleistift, der andere nie seine Manschettenknöpfe, die er abends abgelegt hat und so weiter. Es sieht sonderbar und banal aus, wenn man über diese Dinge spricht; aber sie kommen doch im Leben vor. Und es gibt nun gerade unter Beobachtung dessen, was wir aus der Anthroposophie lernen können, eine gute Übung, namentlich solche Vergeßlichkeit, wie sie gerade jetzt charakterisiert worden ist, allmählich bei sich zu bessern. Das ist ein sehr einfaches Mittel. Nehmen wir an, eine Dame legt abends meinetwillen eine Brosche oder ein Herr seine Manschettenknöpfe irgendwohin, und er entdeckt, daß er sie am nächsten Morgen nicht mehr findet. Nun könnten Sie ja sagen: Ja gewiß, man könnte sich ja angewöhnen, sie immer an einen und denselben Platz zu legen. Für alle Gegenstände wird man das nicht ausführen können; aber davon wollen wir auch im gegenwärtigen Moment nicht sprechen, sondern von einer viel wirksameren Art sich zu kurieren. Nehmen wir an, ein Mensch, der seine Vergeßlichkeit bei sich bemerkt, der würde, um sich davon zu kurieren, sagen: Ich will jetzt die betreffenden Gegenstände, die ich wiederfinden will, gerade an recht verschiedene Orte legen; ich will aber niemals einen Gegenstand anders an einen bestimmten Ort legen, als indem ich den Gedanken entwickele: Ich habe den Gegenstand an diesen Ort gelegt, ich merke mir das Bild der Umgebung nach Form, Farbe und so weiter, und ich versuche, mir das einzuprägen. Nehmen wir an, wir legen eine Sicherheitsnadel an eine Tischkante, wo eine Ecke ist; wir legen sie mit dem Gedanken hin: Ich lege diese Nadel an diese Kante hin, und ich präge mir als ein Bild den rechten Winkel ein, der sich darum herum zeigt dadurch, daß die Nadel an zwei Seiten von Kanten umgeben ist und so weiter. Nun gehe ich beruhigt von der Sache weg, und ich werde sehen — wenn ich das nur einmal mache, gelingt es mir vielleicht zunächst noch nicht in allen Fällen, die Sache wiederzufinden, aber wenn ich das öfter mache, wenn ich es mir zur Regel mache, meine Sachen mit solchen Gedanken hinzulegen —, daß meine Vergeßlichkeit nach und nach immer mehr und mehr schwindet. Dies beruht darauf, daß ein ganz bestimmter Gedanke gefaßt worden ist — der Gedanke: Ich lege die Nadel dorthin — und dadurch mein Ich in Verbindung gebracht worden ist mit dem Tun, mit dem, was ich ausführe, und dem noch ein Bild hinzugefügt wird. Klare Bildlichkeit im Denken, bildhaftes Vorstellen dessen, was ich tue, und außerdem, daß ich das Tun in Verbindung bringe mit meinem geistig-seelischen Wesenskern, mit meinem Ich, — das ist dasjenige, was unser Gedächtnis ganz wesentlich schärfen kann. Wir können auf diese Weise schon den einen Nutzen für das Leben haben, daß wir weniger vergeßlich werden. Man brauchte vielleicht gar nicht einmal besonders viel Wesens davon zu machen, wenn nur das erreicht werden könnte, es kann aber dadurch viel mehr erreicht werden.

[ 9 ] If a person conducts a very simple experiment, but repeats it diligently, even a small thing can work wonders. Please forgive me if I speak today of individual observations, of small things, which can, however, be and become very significant for human life. For the slight forgetfulness that people sometimes display is intimately connected with what I have just described. Slight forgetfulness is something unpleasant in life; but anthroposophy can also show us that this forgetfulness is, in the most profound sense, harmful to health. And as strange as it sounds, it is true: many outbursts of human nature that border on the seriously pathological would be avoided if people were less forgetful. Now you might say: People are simply forgetful; who can—we can easily see this if we take a broad view of life—who can completely absolve themselves of forgetfulness? — Let’s take a small, common example: A person catches themselves being forgetful, never knowing where they’ve put the things they need. Isn’t that something that happens in life? One person can never find their pencil, another their cufflinks that they took off in the evening, and so on. It seems strange and trivial to talk about these things; but they do happen in life. And, precisely by observing what we can learn from anthroposophy, there is a good exercise for gradually improving such forgetfulness as has just been described. It is a very simple method. Let’s suppose, for my sake, that a lady puts a brooch somewhere in the evening, or a gentleman his cufflinks, and he discovers that he can’t find them the next morning. Now you might say: Yes, certainly, one could get into the habit of always putting them in the same place. You won’t be able to do that for every object; but let’s not talk about that right now, but rather about a much more effective way to cure yourself. Let’s assume a person who notices their forgetfulness in themselves would, in order to cure themselves of it, say: I will now place the objects in question, which I want to find again, in quite different places; but I will never place an object in a specific spot without first forming the thought: I have placed the object in this spot; I will note the image of the surroundings in terms of shape, color, and so on, and I will try to commit this to memory. Let’s suppose we place a safety pin on the edge of a table where there is a corner; we place it with the thought: I am placing this pin on this edge, and I commit to memory as an image the right angle that appears around it because the pin is surrounded on two sides by edges, and so on. Now I walk away from the object with peace of mind, and I will see—if I do this just once, I may not succeed at first in finding the object again in every case, but if I do this more often, if I make it a rule to place my things with such thoughts—that my forgetfulness gradually diminishes more and more. This is based on the fact that a very specific thought has been formed—the thought: I am putting the needle there—and through this my “I” has been connected with the action, with what I am doing, and an image is added to it. Clear imagery in thinking, a pictorial mental image of what I am doing, and furthermore, connecting the action with the core of my spiritual and soul being, with my “I”—this is what can significantly sharpen our memory. In this way, we can already derive one benefit for life: that we become less forgetful. One might not even need to make a big deal out of it, if only that could be achieved; but much more can be achieved through it.

[ 10 ] Nehmen wir an, es würde eine Art von gewohnheitsmäßigem Gebrauch unter den Menschen, solche Gedanken zu hegen beim Ablegen bestimmter Gegenstände, so würde einfach durch diesen Gebrauch eine Stärkung des menschlichen Ätherleibes hervorgerufen. Der menschliche Ätherleib wird dadurch, daß man so etwas macht, tatsächlich immer mehr und mehr konsolidiert, immer stärker und stärker und stärker. Wir haben aus der Anthroposophie gelernt, daß der Äther- oder Lebensleib in einer gewissen Weise als Träger des Gedächtnisses uns zu gelten hat. Tun wir etwas, was die Gedächtniskräfte stärkt, so können wir es von vorneherein begreifen, daß eine solche Stärkung der Gedächtniskräfte unserem Äther- oder Lebensleibe von Nutzen ist. Als Anthroposophen brauchen wir uns nicht darüber zu wundern. Nehmen Sie einmal an, Sie würden eine solche Methode nicht nur einem vergeßlichen Menschen raten, sondern einem solchen Menschen, der Zustände von Nervosität zeigt. Nehmen Sie an, Sie raten einem zappeligen oder nervösen Menschen, er solle die Übung machen, das Ablegen von Gegenständen mit solchen Gedanken zu begleiten, wie sie eben charakterisiert worden sind, so werden Sie sehen, daß er durch ernsthaftes Üben nicht nur weniger vergeßlich wird, sondern daß er auch durch die Stärkung seines Ätherleibes allmählich fähig wird, seine nervösen Zustände zu überwinden. Da haben Sie durch das Leben den Beweis geliefert, daß die Dinge richtig sind, die die Anthroposophie vom Ätherleibe sagt. Wenn wir uns in der entsprechenden Weise gegen den Ätherleib verhalten, dann zeigt sich, daß er Kräfte annimmt. In der Erreichung solcher Erfolge können wir einen Beweis erblicken für die Richtigkeit der Annahme und der Charakterisierung des Ätherleibes.

[ 10 ] Suppose there were a kind of habitual practice among people of entertaining such thoughts when putting away certain objects; this practice alone would bring about a strengthening of the human etheric body. By doing such a thing, the human etheric body is in fact consolidated more and more, becoming stronger and stronger and stronger. We have learned from anthroposophy that the etheric or Life-Body must be regarded, in a certain sense, as the bearer of memory. If we do something that strengthens the powers of memory, we can understand from the outset that such a strengthening of the powers of memory is beneficial to our etheric or Life-Body. As anthroposophists, we need not be surprised by this. Suppose you were to recommend such a method not only to a forgetful person, but to someone who exhibits signs of nervousness. Suppose you advise a fidgety or nervous person to perform the exercise of placing objects down while accompanying the action with thoughts such as those just described; you will see that through earnest practice, they will not only become less forgetful, but that by strengthening their etheric body, they will gradually become capable of overcoming their nervous states. In this way, you have provided proof through life that what anthroposophy says about the etheric body is correct. When we relate to the etheric body in the appropriate manner, it becomes evident that it gains strength. In the attainment of such successes, we can see proof of the correctness of the concept and characterization of the etheric body.

[ 11 ] Gehen wir zu einer anderen Sache über, die wiederum scheinbar eine Kleinigkeit ist, die aber doch außerordentlich wichtig ist. Sie wissen, daß unmittelbar aneinandergrenzen in der menschlichen Wesenheit das, was wir nennen den physischen Leib und den Ätherleib. Der Ätherleib ist unmittelbar in den physischen eingeschaltet, das heißt, sie durchdringen sich innig. Nun können Sie in unserer heutigen Zeit eine Eigentümlichkeit beobachten, die gar nicht so selten ist, für deren Bestehen die Menschen, an denen man sie beobachtet, meistens nichts können. Indem wir diese Beobachtung machen und eine gesunde, mitleidige Seele in der Brust tragen, werden wir gerade Mitleid mit diesen Menschen haben, an denen wir eine solche Beobachtung machen können. Oder haben Sie noch nie zum Beispiel Beamte am Postschalter sitzen sehen oder andere vielschreibende Leute gesehen, welche ganz eigentümliche Bewegungen machen, bevor sie ansetzen, einen Buchstaben zu schreiben, die erst in der Luft eine Art Anlauf mit der Feder vollführen, bevor sie zum Schreiben ansetzen. Es braucht nicht einmal bis dahin zu kommen, denn das ist schon die Anlage zu einem üblen Zustand, wenn die Menschen in ihrem Beruf so etwas machen; es kann dabei bleiben — beobachten Sie es einmal —, daß die Menschen, wenn sie schreiben, sich erst sozusagen einen gewissen Ruck geben müssen zu jedem Strich und in der Tat ruckweise schreiben, nicht gleichmäßig hinauf- und herunterfahren, sondern ruckweise. Sie können das den Schriften ansehen, die so geschrieben sind.

[ 11 ] Let us move on to another matter, which again may seem like a minor detail, but is in fact of extraordinary importance. You know that what we call the physical body and the etheric body are in direct contact with one another within the human being. The etheric body is directly interwoven with the physical body; that is to say, they are intimately interpenetrated. Now, in our time, you can observe a peculiarity that is not at all rare, and for which the people in whom it is observed are usually not to blame. As we make this observation and carry a healthy, compassionate soul within us, we will feel compassion for these very people in whom we can make such an observation. Or have you never seen, for example, postal clerks sitting at the counter or other people who write a lot, making quite peculiar movements before they begin to write a letter—first performing a sort of run-up with the pen in the air before they actually start writing? It doesn’t even have to come to that, for this is already the beginning of a bad state of affairs when people do such things in their profession; it may simply be that—observe this for a moment—when people write, they first have to give themselves, so to speak, a certain jolt for every stroke and in fact write in jerks, not moving the pen up and down smoothly, but in jerks. You can see this in the handwriting that is written this way.

[ 12 ] Wir könnten einen solchen Zustand nun aus den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen heraus in der folgenden Art begreifen. Bei dem vollständig gesunden Menschen — gesund in bezug auf den physischen und Ätherleib — muß nämlich der Ätherleib, der vom astralischen Leib dirigiert wird, immer die absolute Fähigkeit haben, in den physischen Leib einzugreifen, und der physische Leib muß überall, in allen seinen Bewegungen, ein Diener, ein Werkzeug des Ätherleibes sein können. Wenn der physische Leib auf eigene Rechnung Bewegungen ausführt, die über das hinausgehen, was eigentlich die Seele wollen kann, was der ätherische und der astralische Leib wollen, dann ist das ein ungesunder Zustand, ein Übergewicht des physischen Leibes über den ätherischen Leib ist dann vorhanden. Bei all denjenigen, welche die eben beschriebenen Zustände haben, haben wir es mit einer Schwäche des ätherischen Leibes zu tun, die darin besteht, daß er den physischen Leib nicht mehr vollständig dirigieren kann. Dieses Verhältnis des ätherischen Leibes zum physischen Leibe liegt ja aus okkulter Sicht allen Krampfzuständen zugrunde. Diese hängen im wesentlichen damit zusammen, daß der ätherische Leib eine geringere Herrschaft über den physischen Leib ausübt, als er ausüben sollte, daher dominiert der physische Leib und führt auf eigene Faust allerlei Bewegungen aus, während ein Mensch, der in bezug auf seine Wesensglieder gesund ist, mit seinen Bewegungen dem Willen des ätherisch-astralischen Leibes unterstellt ist.

[ 12 ] We could now understand such a state from the perspective of Spiritual Science in the following way. In a completely healthy human being—healthy in terms of the physical and etheric bodies—the etheric body, which is directed by the astral body, must always have the absolute ability to intervene in the physical body, and the physical body must be able to be a servant, an instrument of the etheric body in all its movements. If the physical body carries out movements on its own initiative that go beyond what the soul can actually will, beyond what the etheric and astral bodies will, then this is an unhealthy condition; a predominance of the physical body over the etheric body is then present. In all those who have the conditions just described, we are dealing with a weakness of the etheric body, which consists in its no longer being able to fully direct the physical body. From an occult perspective, this relationship between the etheric body and the physical body underlies all states of spasm. These are essentially related to the fact that the etheric body exercises less control over the physical body than it should; consequently, the physical body dominates and carries out all sorts of movements on its own initiative, whereas a person who is healthy in terms of their constitutional elements is subject to the will of the etheric-astral body in their movements.

[ 13 ] Nun gibt es wiederum eine Möglichkeit, wenn dieser Zustand nicht gar zu sehr überhandgenommen hat bei einem Menschen, ihm zu helfen; nur muß man eben mit den okkulten Tatsachen rechnen. Man muß damit rechnen, daß der ätherische Leib als solcher gestärkt werden muß. Man muß gewissermaßen glauben an die Existenz und an die Stärkungsfähigkeit des Ätherleibes. Nehmen Sie an, ein armer Mensch habe sich wirklich so ruiniert, daß er mit den Fingern fortwährend zappelt, bevor er einen Ansatz zum Schreiben dieser oder jener Buchstaben macht. Nun wird es unter allen Umständen gut sein, wenn man dem Menschen den Rat gibt: Ja, nimm dir Urlaub, schreib eine Zeitlang weniger und du wirst über eine solche Sache wegkommen. Aber dieser Rat ist nur ein halber Rat; denn viel mehr könnte man tun, wenn man dem Menschen zugleich noch einen andern, den zweiten Teil des Rates dazu gäbe, wenn man ihm riete: Und bemühe dich ohne daß du dich dabei anstrengst, täglich eine viertel oder eine halbe Stunde genügen dazu —, bemühe dich, eine andere Schrift anzunehmen, deine Schriftzüge zu ändern, so daß du genötigt bist, nicht mechanisch so zu schreiben wie bisher, sondern achtzugeben, wie du die Buchstaben formst. Sagen wir, während du sonst in der Weise das F schreibst, schreib es nun steiler und in ganz anderer Form, so daß du achtgeben mußt. Gewöhne dir an, die Buchstaben sorgfältig zu malen.

[ 13 ] Now, if this condition has not become too severe in a person, there is a way to help them; one simply has to take occult realities into account. One must take into account that the etheric body as such needs to be strengthened. One must, so to speak, believe in the existence and the capacity for strengthening of the etheric body. Suppose a poor person has really ruined themselves to such an extent that they fidget constantly with their fingers before they even begin to write this or that letter. Now it would certainly be good under any circumstances to give this person the advice: “Yes, take a break, write less for a while, and you will get over this.” But this advice is only half-advice; for much more could be done if one were to give the person another, second part of the advice at the same time, if one were to advise him: And try—without straining yourself, a quarter or half an hour a day is enough—try to adopt a different handwriting, to change your strokes, so that you are forced not to write mechanically as before, but to pay attention to how you form the letters. Let’s say that while you would normally write the letter F in a certain way, you should now write it more steeply and in a completely different form, so that you have to pay attention. Get into the habit of carefully drawing the letters.

[ 14 ] Wenn sich Geisteserkenntnis mehr verbreiten würde, so würden die Prinzipale, wenn ein solcher Armer zurückkommt vom Urlaub und sich eine andere Schrift angewöhnt hat, auch nicht sagen: Was bist du für ein verrückter Kerl, du hast ja eine ganz andere Schrift. Ein anthroposophischer Chef würde einsehen, daß dies ein wesentliches Heilmittel ist. Der Mensch ist nämlich gezwungen, wenn er seine Schrift ändert, Aufmerksamkeit auf das zu verwenden, was er tut; und Aufmerksamkeit zu verwenden auf das, was man tut, heißt immer, seinen innersten Wesenskern mit seinem Tun in innigen Zusammenhang zu bringen. Alles das, was unseren innersten Wesenskern in Zusammenhang mit dem bringt, was wir tun, stärkt unseren Äther- oder Lebensleib, und wir werden dadurch gesündere Menschen. Und es wäre gar nicht einmal so töricht, wenn man geradezu systematisch in der Erziehung und in der Schule hinarbeiten würde auf eine Stärkung des Ätherleibes schon in der Jugend. Da muß Anthroposophie heute schon einen Vorschlag machen, der noch lange nicht ausgeführt werden wird, weil Anthroposophie noch lange bei den maßgebenden Faktoren, die die Erziehung zu leiten haben, als irgend etwas Verrücktes gelten wird; aber das macht nichts. Nehmen wir an, man würde, wenn man die Kinder schreiben lehrt, ihnen eine gewisse Schriftlage zunächst beibringen und dann darauf sehen, nachdem sie ein paar Jahre so geschrieben haben, daß sie einmal den Schriftcharakter ändern ohne andern Anlaß, so würde ein solches Ändern des Schriftcharakters und die verstärkte Aufmerksamkeit, die dabei geltend gemacht werden muß, einen ungeheuer stärkenden Einfluß auf den sich entwickelnden Ätherleib haben, und es würden bei diesen Menschen im späteren Leben weniger nervöse Zustände auftreten.

[ 14 ] If spiritual knowledge were more widespread, the principals would not say—when such a poor fellow returns from leave and has adopted a different handwriting—“What kind of crazy fellow are you? You have a completely different handwriting.” An anthroposophical leader would realize that this is an essential remedy. For when a person changes their handwriting, they are compelled to pay attention to what they are doing; and paying attention to what one does always means bringing one’s innermost core of being into intimate connection with one’s actions. Everything that connects our innermost core of being with what we do strengthens our etheric or Life-Body, and we thereby become healthier people. And it would not be at all foolish if, in education and in school, we were to work systematically toward strengthening the etheric body already in youth. Here, anthroposophy must already make a proposal today that is far from being implemented, because anthroposophy will long be regarded as something crazy by the influential figures who are to guide education; but that does not matter. Let us suppose that, when teaching children to write, one would first teach them a certain handwriting style and then ensure after they have written this way for a few years, that they change their handwriting style without any other reason, then such a change in handwriting style and the increased attention that must be applied in the process would have an immensely strengthening influence on the developing etheric body, and these people would experience fewer nervous conditions in later life.

[ 15 ] So sehen Sie, daß man durchaus im Leben etwas tun kann, um seinen Äther- oder Lebensleib zu stärken, und das ist von einer außerordentlichen Wichtigkeit; denn gerade die Schwäche des Äther- oder Lebensleibes ist es, die zahlreiche wirklich ungesunde Verhältnisse in unserer Gegenwart herbeiführt. Es darf sogar gesagt werden denn es ist wahrhaftig nicht zuviel gesagt —, daß auch gewisse Krankheitsformen, die ja in Dingen begründet sein können, gegen die zunächst nichts zu machen ist, ganz anders verlaufen würden, wenn der Ätherleib stärker wäre, als sie verlaufen bei dem geschwächten Ätherleib, der geradezu ein Kennzeichen des gegenwärtigen Menschen ist. Damit haben wir schon auf etwas hingewiesen, was man Bearbeitung des Ätherleibes nennen kann. Wir wenden gewisse Übungen zur Stärkung des Ätherleibes an. Auf etwas, was man geradezu ableugnet, auf etwas, was nicht da ist, kann man keine Übungen anwenden. Indem man zeigt, daß es nützlich ist, gewisse Übungen auf den Ätherleib anzuwenden, und beweisen kann, daß diese Übungen eine Wirkung haben, zeigt man, daß so etwas wie der Ätherleib vorhanden ist. Das Leben liefert überall die entsprechenden Beweise für das, was Anthroposophie zu geben hat.

[ 15 ] As you can see, there are certainly things one can do in life to strengthen one’s etheric or Life-Body, and this is of extraordinary importance; for it is precisely the weakness of the etheric or Life-Body that gives rise to numerous truly unhealthy conditions in our present time. It may even be said—for it is truly no exaggeration—that even certain forms of illness, which may indeed be rooted in factors against which nothing can initially be done, would take a very different course if the etheric body were stronger than they do in the weakened etheric body that is virtually a hallmark of modern humanity. With this, we have already pointed to something that can be called the cultivation of the etheric body. We apply certain exercises to strengthen the etheric body. One cannot apply exercises to something that is outright denied, to something that is not there. By showing that it is useful to apply certain exercises to the etheric body, and by proving that these exercises have an effect, one demonstrates that something like the etheric body does indeed exist. Life provides the corresponding evidence everywhere for what anthroposophy has to offer.

[ 16 ] Unseren Ätherleib kann auch wesentlich stärken, wenn wir noch etwas anderes tun zur Aufbesserung unseres Gedächtnisses. Das ist ja in anderem Zusammenhange vielleicht auch hier schon erwähnt worden, aber es soll hier wiederholt werden, denn bei allen Krankheitsformen, bei denen Nervosität mitspielt, sollte man zu diesen Ratschlägen greifen können. Man kann ungeheuer viel tun zur Stärkung des Äther- oder Lebensleibes, wenn man Dinge, die man weiß, nicht nur in Gedanken so durchläuft, wie man sie gewöhnlich weiß, sondern wenn man sie rückwärts durchläuft. Sagen wir zum Beispiel, man muß in der Schule eine Reihenfolge von Zeitereignissen lernen, von Schlachten oder Herrschern mit den dazugehörigen Jahreszahlen. Außerordentlich gut ist es nun, wenn man diese nicht nur lernen läßt oder selbst lernt in der Reihenfolge, die die ordentliche ist, sondern auch die Sache sich aneignet in der umgekehrten Reihenfolge, indem man alles sich vorführt von hinten nach vorne. Das ist eine außerordentlich wichtige Sache. Denn wenn wir in einem umfassenderen Maße so etwas machen, tragen wir wiederum bei zu einer ungeheuren Stärkung unseres Ätherleibes. Ganze Dramen von rückwärts nach vorne, das, was wir gelesen haben an Erzählungen oder dergleichen, vom Ende nach vorne durchdenken, das sind Dinge, die im höchsten Grade für die Konsolidierung des Ätherleibes von Wichtigkeit sind.

[ 16 ] We can also significantly strengthen our etheric body by doing something else to improve our memory. This may have already been mentioned here in another context, but it is worth repeating, because this advice should be followed for all forms of illness in which nervousness plays a role. One can do an immense amount to strengthen the etheric or Life-Body by not merely reviewing things one knows in one’s mind as one usually does, but by reviewing them in reverse order. Let’s say, for example, that one has to learn a sequence of historical events in school—battles or rulers with their corresponding dates. It is exceptionally beneficial not only to learn these in the standard order, but also to master the material in reverse order by reviewing everything from back to front. This is an extraordinarily important matter. For when we do something like this on a broader scale, we in turn contribute to an immense strengthening of our etheric body. Replaying entire dramas from back to front, thinking through what we have read in stories or the like from the end to the beginning—these are things that are of the utmost importance for the consolidation of the etheric body.

[ 17 ] Nun werden Sie so ziemlich von allem, was bis jetzt als besonders gut und wirksam für die Stärkung des Ätherleibes genannt worden ist, im heutigen Leben erfahren können, daß man es nicht tut, daß man es gar nicht oder nicht mit der erforderlichen Regelmäßigkeit anwendet. Man hat ja auch gar nicht viel Gelegenheit im gegenwärtigen rastlosen Treiben des Tages zu jener inneren Ruhe zu kommen, um solche Übungen auszuführen. Der Mensch ist gewöhnlich, wenn er in einem Berufe steht, abends so ermüdet, so abgehetzt, daß er nicht noch daran denkt, wo er seine Sachen hinlegt oder mit welchen Überlegungen. Wenn aber die Geisteswissenschaft in die Herzen und Seelen der Menschen wirklich eindringen wird, dann wird man sehen, daß unendlich vieles von dem, was heute geschieht, eigentlich erspart werden könnte und daß die Zeit, in der solche stärkenden Übungen vorgenommen werden können, eigentlich im Grunde genommen doch für jeden Menschen schon zu gewinnen ist. Man wird ja sehr bald merken, wenn man insbesondere auf dem Gebiet der Erziehung auf solche Dinge Sorgfalt legt, daß dann ungeheuer günstige Resultate die Folge davon sind.

[ 17 ] Now, regarding just about everything that has been mentioned so far as being particularly good and effective for strengthening the etheric body, you will find in modern life that people do not practice it, that they either do not practice it at all or do not do so with the necessary regularity. After all, in the present-day restless hustle and bustle of daily life, one hardly has the opportunity to attain the inner calm necessary to perform such exercises. People who are employed are usually so tired and harried in the evening that they don’t even think about where they put their things or with what intentions. But when Spiritual Science truly penetrates the hearts and souls of people, then we will see that an infinite amount of what happens today could actually be avoided, and that the time in which such strengthening exercises can be undertaken is, in fact, already within everyone’s reach. One will soon realize, especially when such matters are given careful attention in the field of education, that tremendously favorable results will follow.

[ 18 ] Noch eine Kleinigkeit sei erwähnt, die allerdings im späteren Leben nicht mehr soviel nützt, aber wenn der Mensch sie in früher Jugend nicht gepflegt hat, so ist es gut, wenn er sie im späteren Leben treibt. Das ist, daß wir gewisse Dinge, die wir vollbringen — gleichgültig ob die Dinge, die wir vollbringen, eine Spur hinterlassen oder nicht —, zugleich anschauen. Bei dem, was man schreibt, läßt sich das verhältnismäßig leicht machen. Ich bin überzeugt, daß mancher eine scheußliche Schrift sich abgewöhnen würde, wenn er versuchte, Buchstaben für Buchstaben anzuschauen von dem, was er geschrieben hat, wirklich das Auge noch einmal über das schweifen zu lassen, was er geschrieben hat. Beim Schreiben läßt es sich verhältnismäßig ganz gut ausführen, das, was man tut, zu gleicher Zeit anzuschauen. Aber übungsweise ist auch noch etwas anderes gut, das aber nicht lange fortgesetzt werden sollte. Das ist, wenn der Mensch versucht, sich zuzuschauen, wie er geht, wie er die Hand bewegt, seinen Kopf bewegt, bei der Art und Weise, wie er lacht und so weiter, kurz, wenn er versucht, sich von seinen Gebärden eine bildhafte Rechenschaft zu geben. Die wenigsten Menschen nämlich — davon können Sie sich durch genügende Lebensbeobachtung überzeugen — wissen eigentlich, wie sie gehen. Die wenigsten haben eine Vorstellung davon, wie es aussieht, wenn man das Auge auf sie richtet, während sie gehen. Es ist aber gut, so etwas zu tun, um so von der Wirkung seines Tuns eine Vorstellung zu gewinnen. Es darf aber, wie gesagt, nicht immer fortgesetzt werden, sonst trägt es zu stark zur menschlichen Eitelkeit bei. Abgesehen davon, daß wir ganz sicher viel an uns korrigierten, wenn wir eine solche Sache im Leben anwendeten, ist diese Übung wiederum von ungeheuer günstiger Wirkung auf die Konsolidierung des Äther- oder Lebensleibes und auch auf die Beherrschung des Ätherleibes durch den astralischen Leib. Wenn der Mensch seine Gebärden beobachtet, wenn er das anschaut, was er tut, sich eine Vorstellung von seinen Taten macht, so hat er den Erfolg, den Nutzen, daß die Herrschaft seines astralischen Leibes über den Ätherleib eine immer stärkere und stärkere wird. Dadurch kommt der Mensch in die Lage, wenn es nötig ist, auch einmal etwas mit Erfolg zu unterdrücken, zum Beispiel gewisse Handlungen oder Bewegungen willkürlich zu unterlassen oder anders zu machen als es in seiner Gewohnheit liegt. Es gehört gerade zu den größten Errungenschaften des Menschen, Dinge, die man tut, unter Umständen auch anders machen zu können. Es soll ja hier gewiß nicht entwickelt werden eine, sagen wir, Schule des Schriftverstellens; denn heute lernen eigentlich die Menschen die Schriftzüge nur dann anders zu gestalten, wenn sie das zu etwas Unrechtem anwenden wollen. Aber es ist, wenn man sich dabei vornimmt, durchaus ehrlich zu bleiben, für die Konsolidierung des Ätherleibes gut, einmal andere Schriftzüge anzunehmen. Es ist aber überhaupt gut, sich die Fähigkeit anzueignen, diese oder jene Verrichtung, die man vorzunehmen hat, auch einmal anders machen zu können, durchaus nicht darauf angewiesen sein zu müssen, daß man die Sache nur in einer Weise machen muß. Und so braucht ja der Mensch durchaus nicht gleich ein fanatischer Anhänger der gleichen Benützbarkeit der linken und der rechten Hand zu sein; aber wenn er doch in einer mäßigen Weise versucht, wenigstens gewisse Verrichtungen auch mit der linken Hand vornehmen zu können, die er sonst mit der rechten macht — er braucht das nicht weiter zu treiben, als daß er eben einmal imstande ist, das zu tun —, so übt das einen günstigen Einfluß aus auf die Herrschaft, die unser astralischer Leib auf den ätherischen ausüben soll. Stärkung des Menschen in dem Sinne, wie sie gegeben werden kann durch geisteswissenschaftliche Einsicht, das gehört zu dem, was unserer Kultur gebracht werden soll durch die Verbreitung der Geisteswissenschaft.

[ 18 ] One more small point should be mentioned; it is not particularly useful in later life, but if a person has not cultivated it in early youth, it is good to practice it later in life. That is, we should simultaneously observe certain things we do—regardless of whether the things we do leave a trace or not. When it comes to writing, this is relatively easy to do. I am convinced that many would break the habit of writing terribly if they tried to look at what they have written letter by letter, truly letting their eyes wander over what they have written once more. When writing, it is relatively easy to observe what one is doing at the same time. But as a form of practice, there is also something else that is good, though it should not be continued for long. This is when a person tries to observe themselves walking, moving their hand, moving their head, the way they laugh, and so on—in short, when they try to form a visual account of their gestures. Very few people, in fact—as you can see for yourself through sufficient observation of life—actually know how they walk. Very few have any mental image of what it looks like when someone watches them while they walk. But it is good to do such a thing in order to gain a mental image of the effect of one’s actions. However, as I said, it must not be done constantly, otherwise it contributes too much to human vanity. Apart from the fact that we would certainly correct a great deal about ourselves if we applied such a practice in life, this exercise, in turn, has an immensely beneficial effect on the consolidation of the etheric or Life-Body and also on the mastery of the etheric body by the astral body. When a person observes their gestures, when they look at what they are doing, and form a mental image of their actions, they achieve the benefit that the astral body’s control over the etheric body becomes ever stronger and stronger. This enables a person, when necessary, to successfully suppress certain things—for example, to voluntarily refrain from certain actions or movements, or to perform them differently than is customary. It is precisely one of humanity’s greatest achievements to be able, under certain circumstances, to perform actions differently than one usually does. Certainly, the intention here is not to develop, shall we say, a school of handwriting alteration; for today people generally learn to alter their handwriting only when they wish to use it for something wrong. But if one resolves to remain entirely honest in doing so, it is beneficial for the consolidation of the etheric body to occasionally adopt different handwriting styles. But it is generally good to acquire the ability to perform this or that task in a different way, so as not to be entirely dependent on having to do things only one way. And so a person certainly does not need to be a fanatical advocate of the equal use of the left and right hands; but if one does, in a moderate way, try to be able to perform at least certain tasks with the left hand that one would otherwise do with the right—one need not take this any further than simply being able to do so—this exerts a beneficial influence on the control that our astral body is meant to exert over the etheric body. Strengthening the human being in the sense that it can be achieved through spiritual scientific insight—this is part of what is to be brought to our culture through the dissemination of Spiritual Science.

[ 19 ] Und namentlich ist ja das von einem großen Belang, was man nennen könnte die Willenskultur. Es ist ja schon hervorgehoben worden, daß Nervosität sich vielfach gerade darin ausdrückt, daß die Menschen in der heutigen Zeit oftmals nicht recht wissen, wie sie eigentlich dazu kommen sollen, das wirklich zu tun, was sie eigentlich zu tun wünschen. Sie schrecken zurück, das auszuführen, was sie sich vorgenommen haben, sie kommen zu nichts Rechtem und dergleichen. Das, was wir als eine gewisse Willensschwäche auffassen können, das beruht auf einer geringen Herrschaft des Ichs über den astralischen Leib. Da ist immer eine ungenügende Beherrschung des astralischen Leibes durch das Ich vorhanden, wenn eine so geartete Willensschwäche eintritt, daß die Menschen etwas wollen und doch wiederum es nicht wollen oder wenigstens nicht dazu kommen, wirklich auch auszuführen, was sie wollen. Manche kommen nicht einmal dazu, das ernstlich zu wollen, was sie wollen sollen. Nun gibt es ein einfaches Mittel, den Willen zu stärken für das äußere Leben, und dieses Mittel ist, Wünsche, die vorhanden sind, zu unterdrücken, sie nicht zur Ausführung zu bringen, selbstverständlich, wenn die Nichtausführung der Wünsche keinen Schaden bringt. Wenn man sich prüft im Leben, so wird man schon vom Morgen bis zum Abend zahllose Dinge finden, die man wünscht, von denen es zwar nett wäre, wenn sie einem erfüllt würden, aber man wird auch zahlreiche solche Wünsche finden, bei denen man auch auf die Erfüllung Verzicht leisten kann, ohne daß einem selbst oder jemand anderem Schaden zugefügt wird, und ohne daß man eine Pflicht verletzt, Wünsche, deren Befriedigung einem vielleicht Freude macht, die aber ganz gut auch unbefriedigt bleiben können. Wenn man systematisch darauf ausgeht, unter mancherlei Wünschen auch solche zu finden, von denen man sagt: Nein, der Wunsch soll jetzt nicht erfüllt werden — man darf nur die Sache nicht am unrechtesten Ort anfassen, sondern es muß so etwas sein, was keinen Schaden bringt, was durch die Erfüllung weiter nichts bringt als Behaglichkeit, Freude, Lust —, wenn man solche Wünsche systematisch unterdrückt, dann bedeutet jede Unterdrückung irgendeines kleinen Wunsches einen Zufluß an Willensstärke, an Stärkung des Ich gegenüber dem astralischen Leib. Und wir werden, wenn wir im späteren Leben noch uns einer solchen Prozedur der Selbsterziehung unterwerfen, in dieser Beziehung manches nachholen können, was ja auch die Jugenderziehung gegenwärtig vielfach vernachlässigt.

[ 19 ] And of particular importance is what one might call the culture of the will. It has already been emphasized that nervousness often manifests itself precisely in the fact that people today frequently do not really know how to go about actually doing what they actually wish to do. They shy away from carrying out what they have set out to do; they accomplish nothing of substance, and so on. What we might perceive as a certain weakness of will is based on the ego’s insufficient control over the astral body. There is always an insufficient control of the astral body by the ego when a weakness of will of this kind arises, such that people want something and yet, at the same time, do not want it, or at least do not manage to actually carry out what they want. Some do not even manage to seriously want what they are supposed to want. Now there is a simple means of strengthening the will for external life, and this means is to suppress existing desires, not to carry them out—provided, of course, that the non-fulfillment of these desires causes no harm. If one examines one’s life, one will find countless things from morning to night that one desires, things that would be nice to have fulfilled, but one will also find numerous such desires where one can forgo their fulfillment without causing harm to oneself or anyone else, and without violating a duty—desires whose satisfaction might bring one joy, but which can just as well remain unfulfilled. If one systematically sets out to find, among various desires, those of which one says: No, this wish should not be fulfilled now—one must simply not tackle the matter in the most inappropriate way, but it must be something that causes no harm, something whose fulfillment brings nothing but comfort, joy, and pleasure—if one systematically suppresses such wishes, then every suppression of even a small wish signifies an influx of willpower, a strengthening of the ego against the astral body. And if we subject ourselves to such a process of self-education later in life, we will be able to make up for much in this regard, which is, after all, often neglected in contemporary youth education.

[ 20 ] Nun ist es ja im Grunde genommen schwierig, pädagogisch gerade auf dem Gebiet, das jetzt charakterisiert worden ist, zu wirken; denn man muß auch berücksichtigen, daß, wenn man selbst, sagen wir, als Erzieher in der Lage ist, irgendwelchen auftretenden Wunsch des zu erziehenden Kindes oder jungen Menschen zu befriedigen und man ihm den Wunsch versagt, daß man dann nicht nur einen Wunsch versagt, sondern auch eine Art Antipathie des Zöglings herbeiführt. Das kann aber in pädagogischer Hinsicht schlimm sein. So daß man vielleicht sagen könnte, es erscheint denn doch etwas zweifelhaft, in die Erziehungsprinzipien die Nichterfüllung der Wünsche der Zöglinge einzuführen, wenn man dadurch eine Antipathie der Zöglinge erweckt. Da steht man sozusagen vor einer Lebensklippe. Wenn ein Vater dadurch seinen Jungen erziehen will, daß er sagt: Nein, Karl, das bekommst du nicht, — so wird er doch in stärkerem Maße das erreichen, daß der Junge eine Abneigung gegen ihn hat, als daß er die gute Wirkung erreicht, die durch die Nichterfüllung der Wünsche erzielt werden könnte. Da kann man fragen: Was soll man da machen? — Es gibt ein sehr einfaches Mittel, man versagt nämlich nicht dem Zögling die Wünsche, sondern sich selber, aber so, daß der Zögling gewahr wird, daß man sich dieses oder jenes versagt. Nun herrscht ja in den ersten sieben Jahren des Lebens, aber auch später noch als Nachwirkung, ein starker Nachahmungstrieb, und wir werden sehen, wenn wir uns in Gegenwart derer, die wir zu erziehen haben, dieses oder jenes deutlich bemerkbar versagen, daß sie das nachmachen, wenn auch vielleicht unbewußt, daß sie es als etwas Erstrebenswertes empfinden. Damit werden wir etwas ungeheuer Bedeutungsvolles erreichen.

[ 20 ] Now, it is essentially difficult to have an educational impact precisely in the area that has just been described; for one must also take into account that if one, let us say, as an educator, is in a position to satisfy any desire that arises in the child or young person being educated, and one denies that desire, then one is not only denying a desire but also provoking a kind of antipathy in the pupil. But this can be detrimental from an educational standpoint. So one might say that it seems somewhat questionable to incorporate the non-fulfillment of pupils’ wishes into educational principles if this arouses antipathy in the pupils. One stands, so to speak, before a precipice of life. If a father seeks to educate his son by saying, “No, Karl, you won’t get that,” he is more likely to succeed in making the boy dislike him than in achieving the positive effect that could be gained by denying his wishes. One might ask: What should one do in such a case? — There is a very simple remedy: one does not deny the pupil’s wishes, but rather denies oneself, yet in such a way that the pupil becomes aware that one is denying oneself this or that. Now, during the first seven years of life—and even later as an aftereffect—there is a strong impulse to imitate, and we will see that if, in the presence of those we are educating, we clearly deny ourselves this or that, they will imitate us—even if perhaps unconsciously—and come to regard it as something desirable. In this way, we will achieve something of immense significance.

[ 21 ] So sehen wir, wie unsere Gedanken nur in der richtigen Weise gelenkt und geleitet zu werden brauchen durch das, was uns Geisteswissenschaft gibt. Dann wird Geisteswissenschaft nicht nur Theorie, dann wird sie Lebensweisheit werden, wirklich etwas, was uns trägt und führt im Leben.

[ 21 ] Thus we see that our thoughts need only be properly guided and directed by what Spiritual Science provides us. Then Spiritual Science will not merely be theory; it will become wisdom for living—truly something that sustains and guides us through life.

[ 22 ] Ein sehr wichtiges Mittel, die Herrschaft unseres Ichs über den astralischen Leib zu stärken, ist nun das, was man lernen kann aus den zwei öffentlichen Vorträgen, die ich hier gehalten habe. Das Eigenartige dieser zwei Vorträge war, daß das angeführt worden ist, was sich für und das, was sich wider eine Sache sagen läßt. Wenn Sie nun prüfen, wie die Menschen mit ihren Seelen sich in das Leben hineinstellen, so werden Sie sehen, daß die Menschen meistens, wenn sie handeln oder denken, eigentlich immer nur das eine sagen, was sich für oder was sich gegen eine Sache sagen läßt. Das ist das Gewöhnliche. Aber es gibt gar keine Sache im Leben, für die es ein absolutes Für oder Wider gäbe, keine einzige Sache. Für alles gibt es ein Für und ein Wider; und für alle Sachen ist es gut, wenn wir uns angewöhnen, sie so zu behandeln, daß wir nicht nur das eine, sondern auch das andere, nicht nur das Für oder das Wider, sondern das Für und das Wider berücksichtigen. Auch bei den Dingen, die wir tun, ist es gut, sich vorzuführen, warum wir sie unter gewissen Umständen besser unterließen, oder überhaupt, sich klarzumachen, daß es auch Gründe dagegen gibt. Die Eitelkeit und der Egoismus sprechen in vieler Beziehung dagegen, sich für etwas, was man tun will, die Gegengründe anzuführen, denn die Menschen möchten gar zu gerne nur gute Menschen sein; und man kann sich so recht das Zeugnis ausstellen, ein guter Mensch zu sein, wenn man nur das tut, wofür sich viel sagen läßt und das unterläßt, wo etwas dagegenspricht. Es ist etwas unbequem, daß man eigentlich fast gegen alles, was man im Leben tut, auch vieles einwenden kann. Man ist nämlich gar nicht so — ich sage das, weil es für das Leben außerordentlich wichtig ist —, gar nicht so gut, als man glaubt. Aber diese allgemeine Wahrheit hat erst dann einen Zweck, wenn man sich wirklich bei den einzelnen Dingen, die man tut — auch dann, wenn man sie ausführt, weil eben das Leben sie fordert —, auch das vor Augen führt, was zu ihrer Unterlassung führen könnte. Was man dadurch erreicht, können Sie sich in folgender einfacher Weise vor die Seele führen: Sie werden gewiß schon Menschen begegnet sein, die in der Weise willensschwach sind, daß sie eigentlich am liebsten selber sich gar nicht zu etwas entschlössen, sondern immer gerne hätten, daß ein anderer für sie den Entschluß faßt, und sie nur auszuführen haben, was sie tun sollen. Sie wälzen gleichsam die Verantwortung ab, fragen lieber, was sie tun sollen, als daß sie selbst die Gründe zu diesem oder jenem Tun finden. Nun, ich führe diesen Fall nicht deshalb an, um ihn selbst als bedeutungsvoll in diesem Augenblick hinzustellen, sondern um etwas anderes zu gewinnen.

[ 22 ] A very important means of strengthening the ego’s control over the astral body is what can be learned from the two public lectures I have given here. The distinctive feature of these two lectures was that they presented both the arguments for and against a given matter. If you now examine how people approach life with their souls, you will see that most of the time, when they act or think, they actually always say only what can be said for or against a matter. That is the norm. But there is not a single thing in life for which there is an absolute for or against, not a single thing. For everything there is a for and an against; and for all things it is good if we get into the habit of treating them in such a way that we take into account not only one side but also the other, not only the for or the against, but the for and the against. Even with the things we do, it is good to ask ourselves why we would be better off refraining from them under certain circumstances, or at the very least, to realize that there are also reasons against them. Vanity and selfishness often speak against citing the counterarguments for something one wants to do, for people are all too eager to be seen as good people; and one can truly prove oneself to be a good person by doing only what has many merits and refraining from what has any drawbacks. It is somewhat uncomfortable that one can actually find much to object to in almost everything one does in life. For one is not at all—I say this because it is extraordinarily important for life—not at all as good as one believes. But this general truth only serves a purpose if, in the individual things one does—even when one does them because life demands them—one also keeps in mind what might lead to refraining from them. You can visualize what this achieves in the following simple way: You have certainly already encountered people who are so weak-willed that they would actually prefer not to make any decisions themselves at all, but would always like someone else to make the decision for them, leaving them only to carry out what they are supposed to do. They shift the responsibility, as it were, preferring to ask what they should do rather than finding the reasons for this or that action themselves. Now, I do not cite this case in order to present it as significant in and of itself at this moment, but to gain something else.

[ 23 ] Nehmen wir einen solchen Menschen, der gerne andere fragt — aber das kann auch so aufgefaßt werden, daß das, was ich gesagt habe, etwas ist, wogegen sich viel vorbringen läßt, es läßt sich auch viel dafür sagen, man kann fast nichts im Leben aussprechen, ohne daß es in gewisser Weise widerlegt werden könnte —, nehmen wir solch einen Menschen, der gerne andere fragt. Er steht zwei Menschen gegenüber, die ihm Ratschläge in derselben Sache geben. Der eine sagt: Ja, tue das, — der andere sagt: Tue es nicht! — Da werden wir sehen im Leben, daß der eine Berater den entschiedenen Sieg erringt über den andern Berater. Der, der einen stärkeren Willen hat, der erringt mit seiner Meinung den Sieg und beeinflußt den Fragenden. Was für eine Erscheinung haben wir da eigentlich vorliegen? So unbedeutend es auch aussieht, es ist eine höchst bedeutungsvolle Erscheinung. Wenn ich zwei Menschen gegenüberstehe, von denen der eine sagt Ja, der andere Nein, und ich führe das Ja aus, so wirkt der Wille des einen Beraters in mir weiter, seine Willensstärke hat sich so geltend gemacht, daß sie mich zu meiner Tat erkraftete. Seine Willensstärke hat über den Willen des anderen Beraters den Sieg davongetragen, die Stärke also eines Menschen hat in mir gesiegt. Nehmen Sie einmal an: wenn ich jetzt nicht zwei andern Leuten gegenüberstehe, von denen der eine Ja und der andere Nein sagt, sondern wenn ich ganz allein dastehe und mir im eigenen Herzen das Ja oder Nein vorführe und mir dabei die Gründe anführe, wenn kein anderer zu mir kommt, sondern ich mir selber die Gründe für das Ja oder Nein anführe, und dann hingehe und sie ausführe, weil ich mir Ja gesagt habe, dann hat das eine starke Kraft entfaltet, aber jetzt in mir selber. Was früher der andere in mir ausgeübt hat, das habe ich jetzt selber getan und dadurch eine Stärke in meiner Seele ausgebildet. So daß also, wenn man sich innerlich vor eine Wahl stellt, man ja eine Stärke über eine Schwäche siegen läßt. Und das ist deshalb ungeheuer wichtig, weil es wiederum die Herrschaft des Ich über den astralischen Leib in ganz ungeheurer Weise stärkt. Das ist nun überhaupt etwas, was man nicht als eine Unbequemlichkeit betrachten soll, das Für und Wider in allen einzelnen Fällen, wo es nur sein kann, wirklich ernst zu prüfen. Man wird sehen, daß man für die Stärkung seines Willens sehr viel tut, wenn man in dieser Weise auszuführen sucht, was eben charakterisiert worden ist.

[ 23 ] Let’s take a person like that, who likes to ask others for advice—though this can also be interpreted to mean that what I have said is something against which much can be argued, yet much can also be said in its favor; one can hardly say anything in life without it being refutable in some way—let’s take such a person who likes to ask others for advice. He is faced with two people who give him advice on the same matter. One says: Yes, do that—the other says: Don’t do it!—Then we will see in life that one advisor wins a decisive victory over the other. The one with the stronger will wins the day with his opinion and influences the person asking. What kind of phenomenon are we actually dealing with here? As insignificant as it may seem, it is a highly significant phenomenon. When I am faced with two people, one of whom says yes and the other no, and I act on the yes, the will of one advisor continues to work within me; his strength of will has asserted itself to such an extent that it empowered me to act. His strength of will has triumphed over the will of the other advisor; thus, the strength of one person has prevailed within me. Suppose for a moment: if I am not now facing two other people, one of whom says “yes” and the other “no,” but if I stand there all alone and present the “yes” or “no” to myself in my own heart, giving myself the reasons for it—if no one else comes to me, but I give myself the reasons for the “yes” or “no”— and then go and carry them out because I have said yes to myself, then this has unleashed a powerful force, but now within myself. What the other person used to exert within me, I have now done myself and thereby developed a strength in my soul. So that when one faces a choice internally, one allows a strength to triumph over a weakness. And this is immensely important because it in turn strengthens the ego’s dominion over the astral body in a truly tremendous way. This is something that should not be regarded as an inconvenience: to seriously weigh the pros and cons in every single case where it is possible to do so. One will see that one does a great deal to strengthen one’s will when one seeks to carry out in this way what has just been described.

[ 24 ] Aber diese Sache hat auch eine Schattenseite, nämlich die, daß statt der Stärkung des Willens eine Schwächung eintreten kann, wenn man dann, nachdem man so die Gründe für oder wider eine Sache in sich geltend gemacht hat, nun — statt unter dem Einfluß des einen oder des anderen Grundes zu handeln — aus Nachlässigkeit gar nichts tut, weder dem einen noch dem anderen Grund folgt. Man ist dann scheinbar dem Nein gefolgt, aber in Wirklichkeit ist man bloß faul gewesen. Es wird gut sein — wenn man bis zu diesem Grade Geisteswissenschaft berücksichtigt —, daß man ein solches Vor-sich-Hinstellen des Für oder Wider nicht dann vornimmt, wenn man ermüdet ist und eine Entscheidung nicht dann trifft, wenn man in irgendeiner Weise ermattet ist, sondern zu warten, bis man sich stark genug fühlt und weiß: Du bist jetzt nicht ermattet, du kannst wirklich dem folgen, was du als Für oder Wider vor deine Seele stellst. Also man muß auf sich selbst achtgeben, damit man zur rechten Zeit solche Dinge vor seine Seele stellt.

[ 24 ] But there is also a downside to this: namely, that instead of strengthening one’s will, it can lead to a weakening if, after having weighed the reasons for or against a matter within oneself, one then—instead of acting under the influence of one reason or the other—does nothing at all out of laziness, following neither one reason nor the other. One has then seemingly followed the “no,” but in reality one has merely been lazy. It will be good—if one takes Spiritual Science into account to this degree—not to engage in such a weighing of the pros and cons when one is tired, and not to make a decision when one is in any way weary, but to wait until one feels strong enough and knows: You are not weary now; you can truly follow what you set before your soul as pros and cons. So one must take care of oneself so that one sets such things before one’s soul at the right time.

[ 25 ] Ferner gehört zu denjenigen Dingen, die im eminentesten Sinne die Herrschaft unseres Ichs über unseren astralischen Leib stärken, wenn wir alles dasjenige von unserer Seele wegweisen, was einen Gegensatz zwischen uns und der übrigen Welt aufrichtet, zwischen uns und unserer Umgebung, das sollte zu den Selbstverpflichtungen gehören, die sich der Anthroposoph auferlegt. Nicht etwa soll man berechtigte Kritik vermeiden; wenn die Kritik eine sachliche ist, so wäre es natürlich eine Schwäche, das Schlechte für gut auszugeben. Das soll man gar nicht tun. Aber man muß unterscheiden lernen zwischen dem, was man um seiner selbst willen tadelt, und dem, was man wegen seines Einflusses auf die eigene Persönlichkeit unbequem findet und benörgelt. Je mehr man sich angewöhnen kann, unabhängig zu machen die Beurteilung namentlich unserer Mitmenschen von der Art und Weise, wie sie sich zu uns stellen, je mehr man das kann, desto besser ist es für die Stärkung unseres Ichs in bezug auf seine Herrschaft über den astralischen Leib. Nicht um sich die Finger abzulecken und zu sagen: Du bist ein guter Mensch, wenn du deinen Mitmenschen nicht kritisierst —, sondern um sein Ich zu stärken, ist es gut, sich die Entsagung aufzuerlegen, die Dinge, die man nur deshalb übel findet, weil sie einem selber unangenehm sind, nicht übel zu finden und, gerade auf dem Gebiet, wo es sich um Menschenbeurteilung handelt, das Urteil lieber nur dort auszusprechen, wo man selber gar nicht in Frage kommt. Man wird finden, daß das als theoretischer Grundsatz sich leicht ausnimmt, daß es aber im Leben außerordentlich schwierig auszuführen ist. Es ist gut, wenn man zum Beispiel bei einem Menschen, der einen angelogen hat, mit seiner Antipathie gegen ihn zurückhält. Es handelt sich nicht darum, zu andern zu gehen und weiterzuerzählen, daß er uns angelogen hat, sondern es muß sich darum handeln, das Gefühl der Antipathie zurückzuhalten. Das, was wir an dem Menschen bemerken können an dem einen oder anderen Tag, wie seine eigenen Handlungen zusammenstimmen, das können wir sehr wohl zur Bildung eines Urteils über den Betreffenden gebrauchen. Wenn einer einmal so, das andere Mal anders redet, dann brauchen wir nur das, was er selber sagt, zu vergleichen, dann haben wir eine ganz andere Unterlage zu seiner Beurteilung, als wenn wir nur sein Verhalten uns selbst gegenüber betonen. Es ist wichtig, daß man die Dinge für sich selbst sprechen läßt und die Menschen nicht nach einzelnen Handlungen beurteilt, sondern nach dem, wie ihre Handlungen zusammenstimmen. Man wird schon finden, daß selbst bei demjenigen, den man für einen ausgepichten Schurken hält, der niemals etwas anderes als Böses tut, daß man selbst bei einem solchen sehr viel findet, was dem widerspricht, was er selbst sonst tut. Wir brauchen gar nicht sein Verhalten zu uns selbst ins Auge zu fassen, man kann von sich selbst absehen und sich den Menschen in seinem eigenen Verhalten vor die Seele stellen, wenn es überhaupt nötig ist, ein Urteil über ihn zu fällen. Gut ist es zur Stärkung des Ichs, darüber nachzudenken, daß wir einen großen Teil, neun Zehntel der Urteile, die wir fällen, in allen Fällen unterlassen können. Wenn man nur ein Zehntel von den Urteilen, die man über die Welt fällt, in seiner Seele erlebt, so genügt das reichlich für das Leben. Es wird das Seelenleben in keiner Weise beeinträchtigt dadurch, daß wir uns versagen, die übrigen neun Zehntel der Urteile zu fällen.

[ 25 ] Furthermore, among the things that most effectively strengthen the dominion of our ego over our astral body is the rejection of everything in our soul that creates a barrier between us and the rest of the world, between us and our surroundings; this should be one of the obligations that the anthroposophist imposes upon himself. This does not mean one should avoid justified criticism; if the criticism is objective, it would naturally be a weakness to pass off the bad as good. One should not do that at all. But one must learn to distinguish between what one criticizes for its own sake and what one finds uncomfortable and complains about because of its influence on one’s own personality. The more one can accustom oneself to making one’s judgment—especially of our fellow human beings—independent of the way they treat us, the better it is for strengthening our ego in relation to its dominion over the astral body. Not to pat oneself on the back and say: “You are a good person if you do not criticize your fellow human beings”—but rather to strengthen one’s ego, it is good to impose upon oneself the renunciation of finding fault with things that one finds objectionable solely because they are unpleasant to oneself, and, particularly in the realm of judging others, to pass judgment only where one is not oneself a party to the matter. One will find that this seems easy as a theoretical principle, but that it is extraordinarily difficult to put into practice in life. It is good, for example, to restrain one’s antipathy toward a person who has lied to you. It is not a matter of going to others and telling them that he has lied to us, but rather of holding back the feeling of antipathy. What we can observe about a person from time to time—how their own actions align—we can certainly use to form a judgment about them. If someone speaks one way at one time and another way at another, then we need only compare what they themselves say; then we have a completely different basis for judging them than if we focus solely on their behavior toward us. It is important to let things speak for themselves and not to judge people by individual actions, but by how their actions align. One will find that even in the case of someone one considers a complete scoundrel, who never does anything but evil, one will find much in such a person that contradicts what he otherwise does. We need not even consider his behavior toward us; one can set aside one’s own perspective and place the person before one’s soul in his own behavior, if it is at all necessary to pass judgment on him. It is good for strengthening the self to reflect on the fact that we can refrain from making a large portion—nine-tenths—of the judgments we pass in all cases. If one experiences in one’s soul only one-tenth of the judgments one passes on the world, that is more than enough for life. The life of the soul is in no way impaired by our refraining from passing the remaining nine-tenths of the judgments.

[ 26 ] Ich habe Ihnen heute scheinbar Kleinigkeiten angeführt; aber solche Dinge zu betrachten, muß auch ab und zu unsere Aufgabe sein. Denn gerade durch solche Dinge kann gezeigt werden, wie das Kleine in seinen Wirkungen groß ist, wie sozusagen wir an ganz andern Enden das Leben anfassen müssen, wenn wir unsere Leibeshüllen gesund und kräftig gestalten wollen, anders, als man es gewöhnlich anfaßt. Es ist doch nicht immer das Richtige, daß man sagt, wenn einer krank ist, soll man ihn in die Apotheke schicken, da wird er die richtige Medizin finden, die er braucht. — Das Richtige wird sein, das ganze Leben so einzurichten, daß die Menschen überhaupt weniger von Krankheiten befallen werden, oder daß die Krankheiten weniger drückend sind. Sie werden weniger drückend sein, wenn durch solche kleinen Übungen der Mensch den Einfluß des Ichs auf den Astralleib, des Astralleibes auf den Ätherleib und des Ätherleibes auf den physischen Leib stärkt. Selbsterziehung und Einwirkung auf die Erziehung sind Dinge, die aus unserer anthroposophischen Grundüberzeugung hervorgehen können.

[ 26 ] Today I have cited what may seem like trivialities; but it must also be our task, from time to time, to consider such things. For it is precisely through such things that we can see how the small is great in its effects, how, so to speak, we must approach life from entirely different angles if we wish to keep our physical bodies healthy and strong—in a way different from how it is usually approached. It is not always right to say that when someone is sick, one should send them to the pharmacy, where they will find the right medicine they need. — The right thing will be to organize one’s entire life in such a way that people are less prone to illness in the first place, or that illnesses are less burdensome. They will be less burdensome if, through such small exercises, a person strengthens the influence of the ego on the astral body, of the astral body on the etheric body, and of the etheric body on the physical body. Self-education and influence on education are things that can arise from our fundamental anthroposophical convictions.