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Experiences of the Supernatural
The Three Paths of the Soul to Christ
GA 143

3 February 1912, Wrocław

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Erfahrungen des Übersinnlichen, 4th ed.
  1. Experiences of the Supernatural, tr. SOL

4. Anthroposophie Als Empfindungs-, Erkenntnis- und Lebensgehalt

4. Anthroposophie Als Empfindungs-, Erkenntnis- und Lebensgehalt

[ 1 ] Es wird vielleicht gut sein, wenn wir heute, da wir so selten zusammenkommen können, Fragen berühren, bei denen sich Anthroposophie unmittelbar berührt mit dem Leben. Es wird recht oft an den Anthroposophen die Frage herantreten: Wie verhält sich Anthroposophie zu dem, der noch nicht in der Lage ist, durch ein hellsichtiges Bewußtsein hineinzublicken in die geistigen Welten? — Denn im wesentlichen ist ja dieser geisteswissenschaftliche Inhalt der Mitteilungen empfangen, entnommen und mitgeteilt worden aus den Forschungen des hellsichtigen Bewußtseins.

[ 1 ] Es wird vielleicht gut sein, wenn wir heute, da wir so selten zusammenkommen können, Fragen berühren, bei denen sich Anthroposophie unmittelbar berührt mit dem Leben. Es wird recht oft an den Anthroposophen die Frage herantreten: Wie verhält sich Anthroposophie zu dem, der noch nicht in der Lage ist, durch ein hellsichtiges Bewußtsein hineinzublicken in die geistigen Welten? — Denn im wesentlichen ist ja dieser geisteswissenschaftliche Inhalt der Mitteilungen empfangen, entnommen und mitgeteilt worden aus den Forschungen des hellsichtigen Bewußtseins.

[ 2 ] Es muß hierbei immer und immer wieder betont werden, daß alles, was da an Tatsachen und Zusammenhängen aus hellsichtiger Erkenntnis erforscht und mitgeteilt werden kann, mit dem gesunden Menschenverstand eingesehen werden muß. Denn wenn die durch hellseherisches Bewußtsein gefundenen Dinge einmal da sind, so können sie begriffen und verstanden werden mit der jedem natürlichen Menschen eingeprägten Logik, wenn nur die Beurteilung vorurteilsfrei genug dabei vorgeht.

[ 2 ] Es muß hierbei immer und immer wieder betont werden, daß alles, was da an Tatsachen und Zusammenhängen aus hellsichtiger Erkenntnis erforscht und mitgeteilt werden kann, mit dem gesunden Menschenverstand eingesehen werden muß. Denn wenn die durch hellseherisches Bewußtsein gefundenen Dinge einmal da sind, so können sie begriffen und verstanden werden mit der jedem natürlichen Menschen eingeprägten Logik, wenn nur die Beurteilung vorurteilsfrei genug dabei vorgeht.

[ 3 ] Darüber hinaus kann aber noch gefragt werden: Gibt es denn nichts, gibt es denn nicht gewisse Tatsachen im normalen Menschenleben, gewisse Erlebnisse dieses normalen Menschenlebens, die von vornherein hinweisen auf die Behauptung der geistigen Forschung, daß unserer physischen Welt und allen ihren Erscheinungen eine geistige Welt zugrunde liegt? — Nun, es gibt schon im gewöhnlichen Leben viele solche Tatsachen, von denen wir sagen können, der Mensch wird sie niemals begreifen können — obgleich er sie hinnehmen muß —, wenn er nichts weiß von dem Bestande einer geistigen Welt.

[ 3 ] Darüber hinaus kann aber noch gefragt werden: Gibt es denn nichts, gibt es denn nicht gewisse Tatsachen im normalen Menschenleben, gewisse Erlebnisse dieses normalen Menschenlebens, die von vornherein hinweisen auf die Behauptung der geistigen Forschung, daß unserer physischen Welt und allen ihren Erscheinungen eine geistige Welt zugrunde liegt? — Nun, es gibt schon im gewöhnlichen Leben viele solche Tatsachen, von denen wir sagen können, der Mensch wird sie niemals begreifen können — obgleich er sie hinnehmen muß —, wenn er nichts weiß von dem Bestande einer geistigen Welt.

[ 4 ] Heute wollen wir im Beginne unserer Betrachtungen hinweisen auf zwei Tatsachen des gewöhnlichen normalen Bewußtseins im Menschenleben, die einfach etwas Unerklärliches sein müssen, wenn der Mensch nicht die Tatsache des Vorhandenseins einer geistigen Welt annimmt. Wovon gesprochen werden soll, sind zwei Tatsachen, die der Mensch ja allerdings als etwas Alltägliches kennt, aber die er in der Regel gar nicht in das richtige Licht rückt; denn wenn er das täte, dann würde irgendeine Notwendigkeit für eine materialistische Weltanschauung nicht vorliegen. Wenn wir somit zunächst die eine der beiden Tatsachen uns vor die Seele führen wollen, so sei es die folgende, und es geschehe in der Weise, daß wir an sehr gewöhnliche Ereignisse des gewöhnlichen Lebens anknüpfen.

[ 4 ] Heute wollen wir im Beginne unserer Betrachtungen hinweisen auf zwei Tatsachen des gewöhnlichen normalen Bewußtseins im Menschenleben, die einfach etwas Unerklärliches sein müssen, wenn der Mensch nicht die Tatsache des Vorhandenseins einer geistigen Welt annimmt. Wovon gesprochen werden soll, sind zwei Tatsachen, die der Mensch ja allerdings als etwas Alltägliches kennt, aber die er in der Regel gar nicht in das richtige Licht rückt; denn wenn er das täte, dann würde irgendeine Notwendigkeit für eine materialistische Weltanschauung nicht vorliegen. Wenn wir somit zunächst die eine der beiden Tatsachen uns vor die Seele führen wollen, so sei es die folgende, und es geschehe in der Weise, daß wir an sehr gewöhnliche Ereignisse des gewöhnlichen Lebens anknüpfen.

[ 5 ] Wenn ein Mensch vor eine Tatsache hingestellt wird, die er sich nicht erklären kann mit denjenigen Begriffen, die er sich bis dahin angeeignet hat, so geschieht es, daß er sich in Verwunderung setzt. In der Tat, um ein ganz konkretes Beispiel zu gebrauchen, müßte doch derjenige, der zum erstenmal ein Automobil oder eine Eisenbahn fahren sieht — wenn auch das bald sogar im Inneren Afrikas nichts Ungewöhnliches mehr sein wird —, im höchsten Grade erstaunt sein, weil in seiner Seele etwa folgender Denkinhalt vor sich geht: Nach allem, was mir bisher entgegengetreten ist, erscheint es mir doch unmöglich, daß etwas über die Erde brausen kann, ohne daß da etwas vorgespannt ist, was dieses zieht. Dennoch aber sehe ich, daß es daherbraust, ohne gezogen zu werden! Das ist erstaunlich. — Also das, was der Mensch noch nicht kennt, ruft Verwunderung hervor, und was er schon gesehen hat, ruft keine Verwunderung mehr hervor. Nur solche Dinge, die der Mensch nicht anknüpfen kann an das, was er schon erlebt hat, verwundern. Diese Tatsache des gewöhnlichen Lebens wollen wir einmal fest im Auge behalten.

[ 5 ] Wenn ein Mensch vor eine Tatsache hingestellt wird, die er sich nicht erklären kann mit denjenigen Begriffen, die er sich bis dahin angeeignet hat, so geschieht es, daß er sich in Verwunderung setzt. In der Tat, um ein ganz konkretes Beispiel zu gebrauchen, müßte doch derjenige, der zum erstenmal ein Automobil oder eine Eisenbahn fahren sieht — wenn auch das bald sogar im Inneren Afrikas nichts Ungewöhnliches mehr sein wird —, im höchsten Grade erstaunt sein, weil in seiner Seele etwa folgender Denkinhalt vor sich geht: Nach allem, was mir bisher entgegengetreten ist, erscheint es mir doch unmöglich, daß etwas über die Erde brausen kann, ohne daß da etwas vorgespannt ist, was dieses zieht. Dennoch aber sehe ich, daß es daherbraust, ohne gezogen zu werden! Das ist erstaunlich. — Also das, was der Mensch noch nicht kennt, ruft Verwunderung hervor, und was er schon gesehen hat, ruft keine Verwunderung mehr hervor. Nur solche Dinge, die der Mensch nicht anknüpfen kann an das, was er schon erlebt hat, verwundern. Diese Tatsache des gewöhnlichen Lebens wollen wir einmal fest im Auge behalten.

[ 6 ] Und nun können wir sie zusammenhalten mit einer anderen Tatsache, die auch sehr merkwürdig ist. Der Mensch wird nämlich im täglichen Leben vor sehr viele Dinge gestellt, die er noch nie gesehen hat und die er dennoch hinnimmt, ohne daß er erstaunt. Zahlreiche derartige Ereignisse gibt es. Was sind das für Ereignisse? Nun, es würde doch zum Beispiel gewiß etwas sehr Erstaunliches sein, wenn es der Mensch im gewöhnlichen Zusammenhange der Dinge erlebte, daß er plötzlich, während er bisher ruhig auf dem Stuhle gesessen hätte, anfinge, durch den Schornstein in die Luft zu fliegen. Das wäre in der Tat sehr erstaunlich, aber wenn das im Traume auftritt, dann macht er das mit, ohne daß er sich wundert. Und noch viel tollere Sachen erleben wir im Traume, denen gegenüber wir gar nicht erstaunt sind, obgleich sie sich gar nicht anknüpfen lassen an die täglichen Ereignisse. Im Wachen sind wir schon erstaunt, wenn jemand einmal einen hohen Luftsprung tut, und im Traume fliegen wir und sind gar nicht erstaunt. Da stehen wir vor der Tatsache, daß wir im Wachen verwundert sind über Dinge, die wir noch nicht erlebten, während wir im Traum gar nicht in Erstaunen geraten.

[ 6 ] Und nun können wir sie zusammenhalten mit einer anderen Tatsache, die auch sehr merkwürdig ist. Der Mensch wird nämlich im täglichen Leben vor sehr viele Dinge gestellt, die er noch nie gesehen hat und die er dennoch hinnimmt, ohne daß er erstaunt. Zahlreiche derartige Ereignisse gibt es. Was sind das für Ereignisse? Nun, es würde doch zum Beispiel gewiß etwas sehr Erstaunliches sein, wenn es der Mensch im gewöhnlichen Zusammenhange der Dinge erlebte, daß er plötzlich, während er bisher ruhig auf dem Stuhle gesessen hätte, anfinge, durch den Schornstein in die Luft zu fliegen. Das wäre in der Tat sehr erstaunlich, aber wenn das im Traume auftritt, dann macht er das mit, ohne daß er sich wundert. Und noch viel tollere Sachen erleben wir im Traume, denen gegenüber wir gar nicht erstaunt sind, obgleich sie sich gar nicht anknüpfen lassen an die täglichen Ereignisse. Im Wachen sind wir schon erstaunt, wenn jemand einmal einen hohen Luftsprung tut, und im Traume fliegen wir und sind gar nicht erstaunt. Da stehen wir vor der Tatsache, daß wir im Wachen verwundert sind über Dinge, die wir noch nicht erlebten, während wir im Traum gar nicht in Erstaunen geraten.

[ 7 ] Die zweite Tatsache, auf welche wir heute zur Einleitung unserer Betrachtungen die Aufmerksamkeit richten wollen, ist die Frage nach dem Gewissen. Bei dem, was der Mensch tut — und bei einem fein empfindenden Menschen schon, wenn der Mensch denkt —, regt sich in uns etwas, was wir Gewissen nennen. Von dem, was die Ereignisse draußen bedeuten, ist das Gewissen eigentlich ganz unabhängig. Denn wir könnten beispielsweise etwas getan haben, das uns vielleicht recht nützlich wäre, und dennoch könnte diese Tat von unserem Gewissen verurteilt werden. Bei der Regung des Gewissens aber fühlt jeder Mensch, daß da in die Beurteilung einer Tat etwas hineinfließt, das nichts zu tun hat mit deren Nützlichkeit. Es ist wie eine Stimme, die in uns spricht: Du hättest das eigentlich tun — oder: Du hättest es nicht tun sollen! — Da stehen wir vor der Tatsache des Gewissens, und wir wissen, wie stark die warnende Macht des Gewissens sein kann und wie es uns verfolgen kann im Leben, und wir wissen auch, daß man das Vorhandensein des Gewissens nicht ableugnen kann.

[ 7 ] Die zweite Tatsache, auf welche wir heute zur Einleitung unserer Betrachtungen die Aufmerksamkeit richten wollen, ist die Frage nach dem Gewissen. Bei dem, was der Mensch tut — und bei einem fein empfindenden Menschen schon, wenn der Mensch denkt —, regt sich in uns etwas, was wir Gewissen nennen. Von dem, was die Ereignisse draußen bedeuten, ist das Gewissen eigentlich ganz unabhängig. Denn wir könnten beispielsweise etwas getan haben, das uns vielleicht recht nützlich wäre, und dennoch könnte diese Tat von unserem Gewissen verurteilt werden. Bei der Regung des Gewissens aber fühlt jeder Mensch, daß da in die Beurteilung einer Tat etwas hineinfließt, das nichts zu tun hat mit deren Nützlichkeit. Es ist wie eine Stimme, die in uns spricht: Du hättest das eigentlich tun — oder: Du hättest es nicht tun sollen! — Da stehen wir vor der Tatsache des Gewissens, und wir wissen, wie stark die warnende Macht des Gewissens sein kann und wie es uns verfolgen kann im Leben, und wir wissen auch, daß man das Vorhandensein des Gewissens nicht ableugnen kann.

[ 8 ] Nun verfolgen wir wiederum die Tatsache des Traumes, daß wir da die sonderbarsten Sachen machen, die, wenn wir sie im Wachen täten, uns die fürchterlichsten Gewissensbisse machen würden. Jeder kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß er im Traume Dinge tut ohne die geringste Regung des Gewissens. Dinge, die, wenn er sie im Wachen täte, seine Gewissensstimme erklingen lassen würden. Also die beiden Tatsachen, die Tatsache des Staunens und der Verwunderung und die Tatsache des Gewissens, sind merkwürdigerweise im Traume ausgeschaltet. Solche Dinge läßt der Mensch im gewöhnlichen Leben zwar unbeachtet vorübergehen, dennoch aber leuchten sie tief hinein in die Untergründe unseres Daseins.

[ 8 ] Nun verfolgen wir wiederum die Tatsache des Traumes, daß wir da die sonderbarsten Sachen machen, die, wenn wir sie im Wachen täten, uns die fürchterlichsten Gewissensbisse machen würden. Jeder kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß er im Traume Dinge tut ohne die geringste Regung des Gewissens. Dinge, die, wenn er sie im Wachen täte, seine Gewissensstimme erklingen lassen würden. Also die beiden Tatsachen, die Tatsache des Staunens und der Verwunderung und die Tatsache des Gewissens, sind merkwürdigerweise im Traume ausgeschaltet. Solche Dinge läßt der Mensch im gewöhnlichen Leben zwar unbeachtet vorübergehen, dennoch aber leuchten sie tief hinein in die Untergründe unseres Daseins.

[ 9 ] Um diese Dinge ein wenig zu beleuchten, möchte ich noch auf eine andere Tatsache hinweisen, welche weniger das Gewissen als die Verwunderung betrifft. Im alten Griechenland ist der Satz aufgekommen, daß alles Philosophieren von dem Staunen, von der Verwunderung ausgeht. Die Empfindung, die in diesem Satze liegt — und gemeint ist die Empfindung, die die alten Griechen dabei hatten —, sie kann man in den älteren Zeiten der griechischen Entwickelung nicht nachweisen; sie findet sich erst von einem gewissen Zeitpunkt ab in der Geschichte der Philosophie. Das liegt daran, daß die älteren Zeiten noch nicht so empfunden haben. Woher kommt es denn, daß just im alten Griechenland von einer bestimmten Zeit an es aufkommt, festzustellen, daß wir erstaunt sind? Nun, wir hatten ja soeben gesehen, daß wir erstaunen über das, was nicht hineinpaßt in unser bisheriges Leben. Aber wenn wir nur dieses Erstaunen haben, das Erstaunen des gewöhnlichen Lebens, so liegt darin noch nichts Besonderes, nicht mehr als eben gerade das Staunen über das Nichtgewohnte. Wer über Automobil und Eisenbahn erstaunt, ist noch nicht gewöhnt, das zu sehen, und sein Staunen ist nichts anderes als das Staunen über das Nichtgewohnte. Viel verwunderlicher als das Staunen über Automobil und Eisenbahn, als das Staunen über das Nichtgewohnte, ist die Tatsache, daß der Mensch auch anfangen kann sich zu verwundern über das Gewohnte. Da ist zum Beispiel die Tatsache, daß die Sonne jeden Morgen aufgeht. Diejenigen Menschen, die mit dem gewöhnlichen Bewußtsein an diese Tatsache gewöhnt sind, erstaunen nicht darüber. Aber wenn es ein Erstaunen gibt über die alltäglichen Dinge, die man zu sehen gewöhnt ist, dann entsteht Philosophie und Erkenntnis. Die erkenntnisreicheren Menschen sind diejenigen, welche Verwunderung haben können über Dinge, die der gewöhnliche Mensch hinnimmt. Erst in diesem Falle wird man ein erkenntnisstrebender Mensch, und aus diesem Grunde haben die alten Griechen den Satz geprägt: Alles Philosophieren kommt vom Staunen.

[ 9 ] Um diese Dinge ein wenig zu beleuchten, möchte ich noch auf eine andere Tatsache hinweisen, welche weniger das Gewissen als die Verwunderung betrifft. Im alten Griechenland ist der Satz aufgekommen, daß alles Philosophieren von dem Staunen, von der Verwunderung ausgeht. Die Empfindung, die in diesem Satze liegt — und gemeint ist die Empfindung, die die alten Griechen dabei hatten —, sie kann man in den älteren Zeiten der griechischen Entwickelung nicht nachweisen; sie findet sich erst von einem gewissen Zeitpunkt ab in der Geschichte der Philosophie. Das liegt daran, daß die älteren Zeiten noch nicht so empfunden haben. Woher kommt es denn, daß just im alten Griechenland von einer bestimmten Zeit an es aufkommt, festzustellen, daß wir erstaunt sind? Nun, wir hatten ja soeben gesehen, daß wir erstaunen über das, was nicht hineinpaßt in unser bisheriges Leben. Aber wenn wir nur dieses Erstaunen haben, das Erstaunen des gewöhnlichen Lebens, so liegt darin noch nichts Besonderes, nicht mehr als eben gerade das Staunen über das Nichtgewohnte. Wer über Automobil und Eisenbahn erstaunt, ist noch nicht gewöhnt, das zu sehen, und sein Staunen ist nichts anderes als das Staunen über das Nichtgewohnte. Viel verwunderlicher als das Staunen über Automobil und Eisenbahn, als das Staunen über das Nichtgewohnte, ist die Tatsache, daß der Mensch auch anfangen kann sich zu verwundern über das Gewohnte. Da ist zum Beispiel die Tatsache, daß die Sonne jeden Morgen aufgeht. Diejenigen Menschen, die mit dem gewöhnlichen Bewußtsein an diese Tatsache gewöhnt sind, erstaunen nicht darüber. Aber wenn es ein Erstaunen gibt über die alltäglichen Dinge, die man zu sehen gewöhnt ist, dann entsteht Philosophie und Erkenntnis. Die erkenntnisreicheren Menschen sind diejenigen, welche Verwunderung haben können über Dinge, die der gewöhnliche Mensch hinnimmt. Erst in diesem Falle wird man ein erkenntnisstrebender Mensch, und aus diesem Grunde haben die alten Griechen den Satz geprägt: Alles Philosophieren kommt vom Staunen.

[ 10 ] Wie ist es nun mit dem Gewissen? Wiederum ist es interessant, daß das Wort «Gewissen» — also offenbar der Begriff, denn erst wenn eine Vorstellung von etwas auftaucht, taucht auch das Wort auf — im alten Griechenland auch nur von einer gewissen Zeit an zu finden ist. Es gibt keine Möglichkeit, in der älteren griechischen Literatur, ungefähr zu Äschylos’ Zeiten, ein Wort zu finden, welches mit dem Wort «Gewissen» zu übersetzen wäre. Dagegen finden wir ein solches bei den jüngeren Schriftstellern Griechenlands, zum Beispiel bei Euripides. Somit kann man wie mit Fingern darauf hinweisen, daß ebenso wie das Staunen über das Gewohnte auch das Gewissen etwas ist, wovon der Mensch erst von einem gewissen Zeitpunkt des alten Griechenlands an etwas wußte. Was später von einem gewissen Zeitpunkt an als Gewissensregungen eintrat, das war bei den Griechen der alten Zeit etwas ganz anderes. In den älteren Zeiten geschah es nicht, daß Gewissenspein eintrat, wenn der Mensch etwas Unrechtes getan hatte. Damals hatten die Menschen ein ursprüngliches, elementares Hellsehen, und wenn wir nur kurze Zeit zurückgehen würden vor die christliche Zeitrechnung, dann würden wir finden, daß alle Menschen dieses ursprüngliche Hellsehen noch hatten. Wenn da der Mensch etwas Unrechtes getan hatte, gab es keine Gewissensregung, sondern es erschien für das alte Hellsehen eine dämonische Gestalt, die ihn peinigte, und diese Gestalten bezeichnete man mit den Namen Erinnyen und Furien. Erst dann, als die Menschen die Fähigkeit, diese dämonischen Gestalten zu sehen, verloren hatten, da bekamen sie, wenn sie etwas Unrechtes getan hatten, die Fähigkeit, das Gewissen als ein inneres Erlebnis zu fühlen.

[ 10 ] Wie ist es nun mit dem Gewissen? Wiederum ist es interessant, daß das Wort «Gewissen» — also offenbar der Begriff, denn erst wenn eine Vorstellung von etwas auftaucht, taucht auch das Wort auf — im alten Griechenland auch nur von einer gewissen Zeit an zu finden ist. Es gibt keine Möglichkeit, in der älteren griechischen Literatur, ungefähr zu Äschylos’ Zeiten, ein Wort zu finden, welches mit dem Wort «Gewissen» zu übersetzen wäre. Dagegen finden wir ein solches bei den jüngeren Schriftstellern Griechenlands, zum Beispiel bei Euripides. Somit kann man wie mit Fingern darauf hinweisen, daß ebenso wie das Staunen über das Gewohnte auch das Gewissen etwas ist, wovon der Mensch erst von einem gewissen Zeitpunkt des alten Griechenlands an etwas wußte. Was später von einem gewissen Zeitpunkt an als Gewissensregungen eintrat, das war bei den Griechen der alten Zeit etwas ganz anderes. In den älteren Zeiten geschah es nicht, daß Gewissenspein eintrat, wenn der Mensch etwas Unrechtes getan hatte. Damals hatten die Menschen ein ursprüngliches, elementares Hellsehen, und wenn wir nur kurze Zeit zurückgehen würden vor die christliche Zeitrechnung, dann würden wir finden, daß alle Menschen dieses ursprüngliche Hellsehen noch hatten. Wenn da der Mensch etwas Unrechtes getan hatte, gab es keine Gewissensregung, sondern es erschien für das alte Hellsehen eine dämonische Gestalt, die ihn peinigte, und diese Gestalten bezeichnete man mit den Namen Erinnyen und Furien. Erst dann, als die Menschen die Fähigkeit, diese dämonischen Gestalten zu sehen, verloren hatten, da bekamen sie, wenn sie etwas Unrechtes getan hatten, die Fähigkeit, das Gewissen als ein inneres Erlebnis zu fühlen.

[ 11 ] Wir müssen uns nun fragen, was uns solche Tatsachen zeigen und was da eigentlich vor sich geht bei der alltäglichen Tatsache des Erstaunens, wie sie zum Beispiel ein Wilder aus unkultivierter Gegend Afrikas erleben würde, den man nach Europa versetzt und der nun hier Eisenbahnen und Automobile fahren sehen würde. Sein eintretendes Erstaunen setzt voraus, daß da in sein menschliches Leben etwas hineintritt, was früher nicht da war, etwas, was er früher anders gesehen hat.

[ 11 ] Wir müssen uns nun fragen, was uns solche Tatsachen zeigen und was da eigentlich vor sich geht bei der alltäglichen Tatsache des Erstaunens, wie sie zum Beispiel ein Wilder aus unkultivierter Gegend Afrikas erleben würde, den man nach Europa versetzt und der nun hier Eisenbahnen und Automobile fahren sehen würde. Sein eintretendes Erstaunen setzt voraus, daß da in sein menschliches Leben etwas hineintritt, was früher nicht da war, etwas, was er früher anders gesehen hat.

[ 12 ] Wenn nun gerade der vorgerückte Mensch den Drang hat, sich vieles zu erklären, sich Alltägliches zu erklären, weil er auch über Alltägliches zu staunen vermag, so setzt das in gleicher Weise voraus, daß er früher die Sache anders gesehen hat. Niemand würde zu einer anderen Erklärung des Sonnenaufganges gekommen sein als eben zu derjenigen des bloßen Augenscheines, daß die Sonne aufgeht, wenn nicht in seiner Seele die Empfindung liegt, daß er es früher anders gesehen habe. Aber, so könnte man einwenden, den Sonnenaufgang sehen wir doch von frühester Jugend an in der gleichen Weise sich abspielen, und wäre es da nicht geradezu tölpelhaft, darüber in Erstaunen zu geraten? — Dafür gibt es keine andere Erklärung als diese, daß, wenn wir dennoch darüber in Erstaunen geraten, wir es früher in einem anderen Zustande einmal anders erlebt haben müssen als heute, als jetzt in diesem Leben. Denn wenn eben die Geisteswissenschaft sagt, daß der Mensch zwischen der Geburt und einem vorhergehenden Leben in einem anderen Zustand vorhanden war, so haben wir in der Tatsache des Erstaunens über einen so alltäglichen Vorgang wie denjenigen des gewohnten Sonnenaufgangs nichts anderes als einen Hinweis auf diesen früheren Zustand, in welchem der Mensch auch diesen Sonnenaufgang wahrgenommen hat, aber in einer anderen Weise, ohne körperliche Organe. Da hat er alles dieses mit Geistesaugen und mit Geistesohren wahrgenommen. Und in dem Augenblicke, wo er dunkel fühlend sich sagt: Du stehst gegenüber der aufgehenden Sonne, gegenüber dem brausenden Meer, gegenüber der sprossenden Pflanze, und du bist erstaunt! — liegt in dem Erstaunen die Erkenntnis, es einmal anders wahrgenommen zu haben als mit dem leiblichen Auge. Es sind eben seine geistigen Organe, mit denen er das geschaut hatte, bevor er hereingetreten ist in die physische Welt. Er fühlt nun dunkel, daß es doch anders ausschaut, als er es früher gesehen hat. Das war und kann nur gewesen sein vor der Geburt. Diese Tatsachen nötigen uns anzuerkennen, daß eine Erkenntnis überhaupt nicht möglich wäre, wenn der Mensch in dieses Leben nicht aus einem vorhergehenden übersinnlichen Dasein einträte. Sonst gäbe es keine Erklärung für das Staunen und für die dadurch bedingte Erkenntnis. Natürlich erinnert sich der Mensch nicht in klaren Vorstellungen an das, was er vorgeburtlich anders erlebte, aber wenn es auch gedanklich nicht klar ist, so tritt es eben im Gefühl auf. Nur durch die Einweihung kann es als klare Erinnerung mitgebracht werden.

[ 12 ] Wenn nun gerade der vorgerückte Mensch den Drang hat, sich vieles zu erklären, sich Alltägliches zu erklären, weil er auch über Alltägliches zu staunen vermag, so setzt das in gleicher Weise voraus, daß er früher die Sache anders gesehen hat. Niemand würde zu einer anderen Erklärung des Sonnenaufganges gekommen sein als eben zu derjenigen des bloßen Augenscheines, daß die Sonne aufgeht, wenn nicht in seiner Seele die Empfindung liegt, daß er es früher anders gesehen habe. Aber, so könnte man einwenden, den Sonnenaufgang sehen wir doch von frühester Jugend an in der gleichen Weise sich abspielen, und wäre es da nicht geradezu tölpelhaft, darüber in Erstaunen zu geraten? — Dafür gibt es keine andere Erklärung als diese, daß, wenn wir dennoch darüber in Erstaunen geraten, wir es früher in einem anderen Zustande einmal anders erlebt haben müssen als heute, als jetzt in diesem Leben. Denn wenn eben die Geisteswissenschaft sagt, daß der Mensch zwischen der Geburt und einem vorhergehenden Leben in einem anderen Zustand vorhanden war, so haben wir in der Tatsache des Erstaunens über einen so alltäglichen Vorgang wie denjenigen des gewohnten Sonnenaufgangs nichts anderes als einen Hinweis auf diesen früheren Zustand, in welchem der Mensch auch diesen Sonnenaufgang wahrgenommen hat, aber in einer anderen Weise, ohne körperliche Organe. Da hat er alles dieses mit Geistesaugen und mit Geistesohren wahrgenommen. Und in dem Augenblicke, wo er dunkel fühlend sich sagt: Du stehst gegenüber der aufgehenden Sonne, gegenüber dem brausenden Meer, gegenüber der sprossenden Pflanze, und du bist erstaunt! — liegt in dem Erstaunen die Erkenntnis, es einmal anders wahrgenommen zu haben als mit dem leiblichen Auge. Es sind eben seine geistigen Organe, mit denen er das geschaut hatte, bevor er hereingetreten ist in die physische Welt. Er fühlt nun dunkel, daß es doch anders ausschaut, als er es früher gesehen hat. Das war und kann nur gewesen sein vor der Geburt. Diese Tatsachen nötigen uns anzuerkennen, daß eine Erkenntnis überhaupt nicht möglich wäre, wenn der Mensch in dieses Leben nicht aus einem vorhergehenden übersinnlichen Dasein einträte. Sonst gäbe es keine Erklärung für das Staunen und für die dadurch bedingte Erkenntnis. Natürlich erinnert sich der Mensch nicht in klaren Vorstellungen an das, was er vorgeburtlich anders erlebte, aber wenn es auch gedanklich nicht klar ist, so tritt es eben im Gefühl auf. Nur durch die Einweihung kann es als klare Erinnerung mitgebracht werden.

[ 13 ] Wir wollen nun auf die Tatsache eingehen, warum wir im Traum nicht erstaunen. Da müssen wir zunächst die Frage beantworten, was der Traum denn eigentlich ist. Der Traum ist ein altes Erbstück aus früheren Inkarnationen. Die Menschen haben in früheren Inkarnationen andere Bewußtseinszustände hellseherischer Art durchgemacht. Im weiteren Verlauf der Entwickelung hat jedoch der Mensch die Fähigkeit, hellseherisch in die geistig-seelische Welt hineinzuschauen, verloren. Es war ein dämmerhaftes Hellsehen, und die Entwickelung ging aus dem früheren dämmerhaften Hellsehen allmählich zu unserem jetzigen klaren Wachbewußtsein hin, das sich in der physischen Welt entfalten konnte, um dann, wenn es voll entwickelt ist, wieder hinaufzusteigen in die geistig-seelischen Welten mit den Fähigkeiten, die der Mensch mit dem Ich sich in dem Wachbewußtsein erworben hat. Was aber hat sich denn der Mensch damals im alten Hellsehen erworben? Davon ist etwas zurückgeblieben, und das ist eben der Traum. Der Traum unterscheidet sich aber von dem alten Hellsehen dadurch, daß er ein Erlebnis des jetzigen Menschen ist, und dieser jetzige Mensch hat ein Bewußtsein ausgebildet, das den Drang nach Erkenntnis enthält. Der Traum als Rest eines früheren Bewußtseins enthält nicht den Drang nach Erkenntnis, und deshalb empfindet der Mensch den Unterschied zwischen Wachbewußtsein und Traumbewußtsein. Aber, was früher im alten dämmerhaften Hellsehen nicht darinnen war, das Staunen, das kann auch heute nicht hinein in das Traumbewußtsein. Das Erstaunen, die Verwunderung kann nicht hinein in den Traum, aber wir haben es im Wachbewußtsein, wenn wir zu der äußeren Welt hingewendet sind. Im Traum ist der Mensch nicht in der äußeren Welt; der Traum ist ein Hineingestelltsein in die geistige Welt, da erlebt der Mensch nicht die:Dinge der physischen Welt. Aber gerade gegenüber der physischen: Welt hat sich der Mensch das Erstaunen angelernt. Im Traum:nimmt er alles so hin, wie er es im alten Hellsehen hingenommen hat. Damals konnte er auch das so hinnehmen, weil die geistigen Gestaltem kamen und ihm zeigten, was er Gutes oder Böses getan hatte; deswegen brauchte der Mensch damals die Verwunderung nicht. So zeigt uns gerade der Traum durch das, wie er ist, daß er ein Erbstück aus alten Zeiten ist, wo es noch kein Erstaunen gegenüber den alltäglichen Dingen gab und noch kein Gewissen.

[ 13 ] Wir wollen nun auf die Tatsache eingehen, warum wir im Traum nicht erstaunen. Da müssen wir zunächst die Frage beantworten, was der Traum denn eigentlich ist. Der Traum ist ein altes Erbstück aus früheren Inkarnationen. Die Menschen haben in früheren Inkarnationen andere Bewußtseinszustände hellseherischer Art durchgemacht. Im weiteren Verlauf der Entwickelung hat jedoch der Mensch die Fähigkeit, hellseherisch in die geistig-seelische Welt hineinzuschauen, verloren. Es war ein dämmerhaftes Hellsehen, und die Entwickelung ging aus dem früheren dämmerhaften Hellsehen allmählich zu unserem jetzigen klaren Wachbewußtsein hin, das sich in der physischen Welt entfalten konnte, um dann, wenn es voll entwickelt ist, wieder hinaufzusteigen in die geistig-seelischen Welten mit den Fähigkeiten, die der Mensch mit dem Ich sich in dem Wachbewußtsein erworben hat. Was aber hat sich denn der Mensch damals im alten Hellsehen erworben? Davon ist etwas zurückgeblieben, und das ist eben der Traum. Der Traum unterscheidet sich aber von dem alten Hellsehen dadurch, daß er ein Erlebnis des jetzigen Menschen ist, und dieser jetzige Mensch hat ein Bewußtsein ausgebildet, das den Drang nach Erkenntnis enthält. Der Traum als Rest eines früheren Bewußtseins enthält nicht den Drang nach Erkenntnis, und deshalb empfindet der Mensch den Unterschied zwischen Wachbewußtsein und Traumbewußtsein. Aber, was früher im alten dämmerhaften Hellsehen nicht darinnen war, das Staunen, das kann auch heute nicht hinein in das Traumbewußtsein. Das Erstaunen, die Verwunderung kann nicht hinein in den Traum, aber wir haben es im Wachbewußtsein, wenn wir zu der äußeren Welt hingewendet sind. Im Traum ist der Mensch nicht in der äußeren Welt; der Traum ist ein Hineingestelltsein in die geistige Welt, da erlebt der Mensch nicht die:Dinge der physischen Welt. Aber gerade gegenüber der physischen: Welt hat sich der Mensch das Erstaunen angelernt. Im Traum:nimmt er alles so hin, wie er es im alten Hellsehen hingenommen hat. Damals konnte er auch das so hinnehmen, weil die geistigen Gestaltem kamen und ihm zeigten, was er Gutes oder Böses getan hatte; deswegen brauchte der Mensch damals die Verwunderung nicht. So zeigt uns gerade der Traum durch das, wie er ist, daß er ein Erbstück aus alten Zeiten ist, wo es noch kein Erstaunen gegenüber den alltäglichen Dingen gab und noch kein Gewissen.

[ 14 ] Da stehen wir nun an dem Punkte, wo wir uns fragen, weshalb es denn notwendig gewesen sei, daß der Mensch, wenn er schon einmal hellsichtig war, es nicht bleiben konnte. Weshalb ist er heruntergestiegen? Haben ihn die Götter etwa in nutzloser Weise heruntergejagt? — Nun, es ist tatsächlich so, daß der Mensch das, was im Erstaunen liegt, und das, was im Gewissen liegt, nie hätte erlangen können, wenn er nicht heruntergestiegen wäre. Damit er sich Erkenntnis und Gewissen aneignen konnte, ist der Mensch heruntergestiegen; denn er kann sie sich nur erwerben, wenn er von diesen Geisteswelten eine Weile getrennt ist. Und er hat sich Erkenntnis und Gewissen hier unten erworben, um mit ihnen wieder hinaufsteigen zu können.

[ 14 ] Da stehen wir nun an dem Punkte, wo wir uns fragen, weshalb es denn notwendig gewesen sei, daß der Mensch, wenn er schon einmal hellsichtig war, es nicht bleiben konnte. Weshalb ist er heruntergestiegen? Haben ihn die Götter etwa in nutzloser Weise heruntergejagt? — Nun, es ist tatsächlich so, daß der Mensch das, was im Erstaunen liegt, und das, was im Gewissen liegt, nie hätte erlangen können, wenn er nicht heruntergestiegen wäre. Damit er sich Erkenntnis und Gewissen aneignen konnte, ist der Mensch heruntergestiegen; denn er kann sie sich nur erwerben, wenn er von diesen Geisteswelten eine Weile getrennt ist. Und er hat sich Erkenntnis und Gewissen hier unten erworben, um mit ihnen wieder hinaufsteigen zu können.

[ 15 ] Geisteswissenschaft zeigt uns, daß der Mensch jedesmal zwischen dem Tode und einer neuen Geburt eine gewisse Zeitspanne in einer rein geistigen Welt durchlebt. Zuerst nach dem Tode erleben wir die Kamalokazeit, den Zustand im läuternden Ort der Begierden in der Seelenwelt, wo der Mensch sozusagen erst halb in der geistigen Welt steht, weil er da noch auf seine Triebe und Sympathien herunterblickt und dadurch noch angezogen wird von dem, was ihn mit der physischen Welt verband. Dann erst, wenn diese Kamalokazeit ausgelöscht ist, erlebt er ganz das rein geistige Leben oder Devachan.

[ 15 ] Geisteswissenschaft zeigt uns, daß der Mensch jedesmal zwischen dem Tode und einer neuen Geburt eine gewisse Zeitspanne in einer rein geistigen Welt durchlebt. Zuerst nach dem Tode erleben wir die Kamalokazeit, den Zustand im läuternden Ort der Begierden in der Seelenwelt, wo der Mensch sozusagen erst halb in der geistigen Welt steht, weil er da noch auf seine Triebe und Sympathien herunterblickt und dadurch noch angezogen wird von dem, was ihn mit der physischen Welt verband. Dann erst, wenn diese Kamalokazeit ausgelöscht ist, erlebt er ganz das rein geistige Leben oder Devachan.

[ 16 ] Wenn der Mensch in diese rein geistige Welt eintritt, was erlebt er denn da? Wie erlebt sie ein jeder Mensch? Nun, schon eine ganz gewöhnliche Verstandesüberlegung zeigt, daß es zwischen dem Tode und der neuen Geburt in unserer Umgebung ganz anders aussehen muß als hier bei uns im physischen Leben. Hier sehen wir Farben, weil wir Augen haben; hier hören wir Töne, weil wir Ohren haben. Aber wenn wir nach dem Tode im geistigen Dasein keine Augen, keine Ohren haben, dann können wir diese Farben, diese Töne nicht wahrnehmen. Wir sehen und hören ja hier schon schlecht oder gar nicht, wenn wir keine guten Augen und Ohren haben. Für den, der nur ein wenig darüber nachdenkt, sollte das selbstverständlich sein. Es ist ganz klar, daß wir uns die geistige Welt ganz anders vorzustellen haben als die Welt, in der wir zwischen Geburt und Tod hier leben. Wie diese Welt sich verändern muß, wenn wir die Pforte des Todes überschreiten, davon können Sie sich eine Vorstellung machen an einem kleinen Vergleich, den wir anstellen wollen. Nehmen wir einmal an, der Mensch sieht ein Lamm und einen Wolf. Der Mensch kann dieses Lamm und diesen Wolf wahrnehmen mit all den Wahrnehmungsorganen, die ihm im physischen Leben zur Verfügung stehen. Da sieht er eben dieses Lamm als materielles Lamm und den Wolf als materiellen Wolf. Auch andere Lämmer und Wölfe erkennt er wieder und nennt sie Lamm und Wolf. Er hat dann ein Begriffsbild vom Lamm und auch ein solches vom Wolf. Man könnte nun sagen und man sagt es auch: Das Begriffsbild des Tieres ist nicht sichtbar, das lebt im Tiere darinnen; man sieht materiell eigentlich nicht, was das Wesen von Lamm und Wolf ist. Man bildet sich Vorstellungen vom Wesen des Tieres; aber das Wesen des Tieres ist ja unsichtbar.

[ 16 ] Wenn der Mensch in diese rein geistige Welt eintritt, was erlebt er denn da? Wie erlebt sie ein jeder Mensch? Nun, schon eine ganz gewöhnliche Verstandesüberlegung zeigt, daß es zwischen dem Tode und der neuen Geburt in unserer Umgebung ganz anders aussehen muß als hier bei uns im physischen Leben. Hier sehen wir Farben, weil wir Augen haben; hier hören wir Töne, weil wir Ohren haben. Aber wenn wir nach dem Tode im geistigen Dasein keine Augen, keine Ohren haben, dann können wir diese Farben, diese Töne nicht wahrnehmen. Wir sehen und hören ja hier schon schlecht oder gar nicht, wenn wir keine guten Augen und Ohren haben. Für den, der nur ein wenig darüber nachdenkt, sollte das selbstverständlich sein. Es ist ganz klar, daß wir uns die geistige Welt ganz anders vorzustellen haben als die Welt, in der wir zwischen Geburt und Tod hier leben. Wie diese Welt sich verändern muß, wenn wir die Pforte des Todes überschreiten, davon können Sie sich eine Vorstellung machen an einem kleinen Vergleich, den wir anstellen wollen. Nehmen wir einmal an, der Mensch sieht ein Lamm und einen Wolf. Der Mensch kann dieses Lamm und diesen Wolf wahrnehmen mit all den Wahrnehmungsorganen, die ihm im physischen Leben zur Verfügung stehen. Da sieht er eben dieses Lamm als materielles Lamm und den Wolf als materiellen Wolf. Auch andere Lämmer und Wölfe erkennt er wieder und nennt sie Lamm und Wolf. Er hat dann ein Begriffsbild vom Lamm und auch ein solches vom Wolf. Man könnte nun sagen und man sagt es auch: Das Begriffsbild des Tieres ist nicht sichtbar, das lebt im Tiere darinnen; man sieht materiell eigentlich nicht, was das Wesen von Lamm und Wolf ist. Man bildet sich Vorstellungen vom Wesen des Tieres; aber das Wesen des Tieres ist ja unsichtbar.

[ 17 ] Es gibt Theoretiker, die der Ansicht sind, daß das, was wir uns an Begriffen von Wolf und Lamm bilden, nur in uns lebe, und daß das mit dem Wolf und dem Lamm selbst nichts zu tun habe. Einen Mann, der solches behauptet, sollte man veranlassen, einen Wolf so lange Zeit mit Lämmern zu füttern, bis nach wissenschaftlichen Forschungen alle materiellen Teilchen des Wolfskörpers sich erneuert haben, der Wolf also ganz aus Lamm-Materie aufgebaut sei. Und nun sollte dieser Mann einmal sehen, ob aus dem Wolf ein Lamm geworden ist! Wenn es sich herausstellt, daß der Wolf kein Lamm geworden ist, so ist erwiesen, daß das, was Objekt «Wolf» ist, sich unterscheidet von dem materiellen Wolf, und daß das Objektive am Wolfe über das Materielle hinausgeht.

[ 17 ] Es gibt Theoretiker, die der Ansicht sind, daß das, was wir uns an Begriffen von Wolf und Lamm bilden, nur in uns lebe, und daß das mit dem Wolf und dem Lamm selbst nichts zu tun habe. Einen Mann, der solches behauptet, sollte man veranlassen, einen Wolf so lange Zeit mit Lämmern zu füttern, bis nach wissenschaftlichen Forschungen alle materiellen Teilchen des Wolfskörpers sich erneuert haben, der Wolf also ganz aus Lamm-Materie aufgebaut sei. Und nun sollte dieser Mann einmal sehen, ob aus dem Wolf ein Lamm geworden ist! Wenn es sich herausstellt, daß der Wolf kein Lamm geworden ist, so ist erwiesen, daß das, was Objekt «Wolf» ist, sich unterscheidet von dem materiellen Wolf, und daß das Objektive am Wolfe über das Materielle hinausgeht.

[ 18 ] Dieses Unsichtbare, was man sich im gewöhnlichen Leben nur als einen Begriff bildet, das sieht man nach dem Tode. Nicht die weiße Farbe des Lammes sieht man da und nicht die Töne, die das Lamm von sich gibt, hört man da, sondern das schaut man, was als das unsichtbar Waltende im Lamme wirkt, das ebenso wirklich ist und das da ist für den, der in der geistigen Welt lebt. An derselben Stelle, an der das Lamm steht, steht auch ein real Geistiges, das man dann nach dem Tode sieht. Und so ist es mit allen Erscheinungen der physischen Umwelt. Man sieht die Sonne anders, den Mond anders, alles anders; und davon bringt man etwas mit, wenn man durch die Geburt ins neue Dasein tritt. Und wenn einen hierdurch dann die Empfindung ergreift, man habe das einmal ganz anders gesehen, dann kommt mit dem Staunen, mit der Verwunderung die Erkenntnis herunter.

[ 18 ] Dieses Unsichtbare, was man sich im gewöhnlichen Leben nur als einen Begriff bildet, das sieht man nach dem Tode. Nicht die weiße Farbe des Lammes sieht man da und nicht die Töne, die das Lamm von sich gibt, hört man da, sondern das schaut man, was als das unsichtbar Waltende im Lamme wirkt, das ebenso wirklich ist und das da ist für den, der in der geistigen Welt lebt. An derselben Stelle, an der das Lamm steht, steht auch ein real Geistiges, das man dann nach dem Tode sieht. Und so ist es mit allen Erscheinungen der physischen Umwelt. Man sieht die Sonne anders, den Mond anders, alles anders; und davon bringt man etwas mit, wenn man durch die Geburt ins neue Dasein tritt. Und wenn einen hierdurch dann die Empfindung ergreift, man habe das einmal ganz anders gesehen, dann kommt mit dem Staunen, mit der Verwunderung die Erkenntnis herunter.

[ 19 ] Ein anderes ist es, wenn man die Handlung eines Menschen betrachtet. Da kommt das Gewissen hinzu. Wollen wir wissen, was das ist, so müssen wir auf eine Tatsache des Lebens achten, die feststellbar ist, ohne daß man Hellsehen entwickelt hat. Man muß da auf den Moment des Einschlafens achtgeben. Das kann man lernen ohne alles Hellsehen, und was dabei erlebt werden kann, könnte jeder Mensch erleben. Wenn man im Begriff ist einzuschlafen, da verlieren zuerst die Dinge ihre scharfen Konturen, die Farben erblassen, die Töne werden nicht nur schwächer, sondern es ist, als ob sie fortgehen, weit weggehen; wie aus der Ferne kommen sie, wie ein Sich-Entfernen kann man sich dieses Schwächerwerden erklären. Das ganze Weniger-deutlichWerden der sinnlichen Welt ist eine Verwandlung, wie wenn Nebel eintreten. Es werden dann auch die Glieder schwerer. Man fühlt in ihnen etwas, was man vorher im Wachen nicht an den Gliedern gefühlt hatte, es ist, als ob sie ein Gewicht, eine Schwere erhielten. Im Tageswachen, wenn man sich darüber Rechenschaft gäbe, sollte man eigentlich die Empfindung haben, daß das Bein, wenn man so dahingeht, oder die Hand, die man so erhebt, für uns selbst kein Gewicht hat. Man sollte sich eigentlich sagen: Wenn ich so gehe und meine Hand hebe, so hat meine Hand kein Gewicht. Warum hat die Hand kein Gewicht? Weil das Glied zu meinem Körper gehört. Denken wir uns nun, daß wir in jeder Hand einen Zentner tragen, weshalb fühlen wir den Zentner als Gewicht? Die Hand gehört zu mir, deswegen verspüren wir nicht ihre Schwere; aber der Zentner ist außer mir, und weil er nicht zu mir gehört, hat er Gewicht. Denken wir uns den Fall, ein Marswesen würde herunterkommen auf die Erde, ohne daß ihm von den Dingen der Erde etwas bekannt wäre, und das erste, was dieses Marswesen erblicken würde, wäre ein Mensch, der in jeder Hand ein Gewicht hielte. Das Marswesen würde zunächst der Meinung sein müssen, daß die beiden Gewichte zu dem Menschen gehören so, als ob sie ein Teil seiner Hände, ein Teil des ganzen Menschen wären. Wenn es dann später die Vorstellung aufnehmen müßte, daß der Mensch einen Unterschied empfindet zwischen Zentner und Hand, so müßte es erstaunt sein. Es ist wirklich so, daß wir nur das als Gewicht erst empfinden, was außer uns ist. Wenn der Mensch also beim Einschlafen seine Glieder als schwer zu empfinden beginnt, so ist das ein Anzeichen, daß der Mensch aus seinem Körper herauskommt, aus seinem physischen Leib hinausgeht.

[ 19 ] Ein anderes ist es, wenn man die Handlung eines Menschen betrachtet. Da kommt das Gewissen hinzu. Wollen wir wissen, was das ist, so müssen wir auf eine Tatsache des Lebens achten, die feststellbar ist, ohne daß man Hellsehen entwickelt hat. Man muß da auf den Moment des Einschlafens achtgeben. Das kann man lernen ohne alles Hellsehen, und was dabei erlebt werden kann, könnte jeder Mensch erleben. Wenn man im Begriff ist einzuschlafen, da verlieren zuerst die Dinge ihre scharfen Konturen, die Farben erblassen, die Töne werden nicht nur schwächer, sondern es ist, als ob sie fortgehen, weit weggehen; wie aus der Ferne kommen sie, wie ein Sich-Entfernen kann man sich dieses Schwächerwerden erklären. Das ganze Weniger-deutlichWerden der sinnlichen Welt ist eine Verwandlung, wie wenn Nebel eintreten. Es werden dann auch die Glieder schwerer. Man fühlt in ihnen etwas, was man vorher im Wachen nicht an den Gliedern gefühlt hatte, es ist, als ob sie ein Gewicht, eine Schwere erhielten. Im Tageswachen, wenn man sich darüber Rechenschaft gäbe, sollte man eigentlich die Empfindung haben, daß das Bein, wenn man so dahingeht, oder die Hand, die man so erhebt, für uns selbst kein Gewicht hat. Man sollte sich eigentlich sagen: Wenn ich so gehe und meine Hand hebe, so hat meine Hand kein Gewicht. Warum hat die Hand kein Gewicht? Weil das Glied zu meinem Körper gehört. Denken wir uns nun, daß wir in jeder Hand einen Zentner tragen, weshalb fühlen wir den Zentner als Gewicht? Die Hand gehört zu mir, deswegen verspüren wir nicht ihre Schwere; aber der Zentner ist außer mir, und weil er nicht zu mir gehört, hat er Gewicht. Denken wir uns den Fall, ein Marswesen würde herunterkommen auf die Erde, ohne daß ihm von den Dingen der Erde etwas bekannt wäre, und das erste, was dieses Marswesen erblicken würde, wäre ein Mensch, der in jeder Hand ein Gewicht hielte. Das Marswesen würde zunächst der Meinung sein müssen, daß die beiden Gewichte zu dem Menschen gehören so, als ob sie ein Teil seiner Hände, ein Teil des ganzen Menschen wären. Wenn es dann später die Vorstellung aufnehmen müßte, daß der Mensch einen Unterschied empfindet zwischen Zentner und Hand, so müßte es erstaunt sein. Es ist wirklich so, daß wir nur das als Gewicht erst empfinden, was außer uns ist. Wenn der Mensch also beim Einschlafen seine Glieder als schwer zu empfinden beginnt, so ist das ein Anzeichen, daß der Mensch aus seinem Körper herauskommt, aus seinem physischen Leib hinausgeht.

[ 20 ] Es kommt nun auf eine feine Beobachtung an, die in dem Augenblick des Schwerwerdens der Glieder angestellt werden kann. Eine ganz merkwürdige Empfindung tritt hierbei auf. Sie besteht darin, daß sie zu uns spricht: Das hast du getan, das hast du unterlassen. — Wie ein lebendiges Gewissen treten so die Taten des verflossenen Tages heraus. Und wenn darinnen etwas ist, was wir nicht billigen können, dann wälzen wir uns auf unserem Lager und können nicht einschlafen. Wenn wir aber zufrieden sein können mit unseren Taten, da kommt beim Einschlafen ein seliger Augenblick, in dem der Mensch sich sagt: O könnte es doch immer so bleiben! — Und dann kommt ein Ruck das ist, wenn der Mensch heraustritt aus seinem physischen und ätherischen Leib, und dann ist der Mensch in der geistigen Welt.

[ 20 ] Es kommt nun auf eine feine Beobachtung an, die in dem Augenblick des Schwerwerdens der Glieder angestellt werden kann. Eine ganz merkwürdige Empfindung tritt hierbei auf. Sie besteht darin, daß sie zu uns spricht: Das hast du getan, das hast du unterlassen. — Wie ein lebendiges Gewissen treten so die Taten des verflossenen Tages heraus. Und wenn darinnen etwas ist, was wir nicht billigen können, dann wälzen wir uns auf unserem Lager und können nicht einschlafen. Wenn wir aber zufrieden sein können mit unseren Taten, da kommt beim Einschlafen ein seliger Augenblick, in dem der Mensch sich sagt: O könnte es doch immer so bleiben! — Und dann kommt ein Ruck das ist, wenn der Mensch heraustritt aus seinem physischen und ätherischen Leib, und dann ist der Mensch in der geistigen Welt.

[ 21 ] Wir wollen den Augenblick, in welchem wir die Erscheinung haben, die wie ein lebendiges Gewissen auftritt, genauer ins Auge fassen. Ohne daß der Mensch eigentlich die Kraft hat, irgend etwas Vernünftiges zu tun, wälzt er sich auf seinem Lager herum. Das ist ein ungesunder Zustand, er verhindert ihn am Einschlafen. Das fällt in den Augenblick, wo wir beim Einschlafen den physischen Plan zu verlassen im Begriff sind, um hinaufzugehen in eine andere Welt, die aber nicht aufnehmen will das, was wir «schlechtes Gewissen» nennen. Der Mensch kann nicht einschlafen, weil er zurückgestoßen wird von der Welt, in die er beim Einschlafen eintreten soll. Daher bedeutet der Ausspruch: eine Handlung in bezug auf sein Gewissen zu betrachten — nichts anderes, als eine Vorahnung zu haben davon, wie man als Mensch in Zukunft sein soll, um in die geistige Welt eintreten zu können.

[ 21 ] Wir wollen den Augenblick, in welchem wir die Erscheinung haben, die wie ein lebendiges Gewissen auftritt, genauer ins Auge fassen. Ohne daß der Mensch eigentlich die Kraft hat, irgend etwas Vernünftiges zu tun, wälzt er sich auf seinem Lager herum. Das ist ein ungesunder Zustand, er verhindert ihn am Einschlafen. Das fällt in den Augenblick, wo wir beim Einschlafen den physischen Plan zu verlassen im Begriff sind, um hinaufzugehen in eine andere Welt, die aber nicht aufnehmen will das, was wir «schlechtes Gewissen» nennen. Der Mensch kann nicht einschlafen, weil er zurückgestoßen wird von der Welt, in die er beim Einschlafen eintreten soll. Daher bedeutet der Ausspruch: eine Handlung in bezug auf sein Gewissen zu betrachten — nichts anderes, als eine Vorahnung zu haben davon, wie man als Mensch in Zukunft sein soll, um in die geistige Welt eintreten zu können.

[ 22 ] So haben wir im Staunen einen Ausdruck für das, was wir früher gesehen haben, und so ist das Gewissen der Ausdruck für ein späteres Schauen in der geistigen Welt. Das Gewissen gibt an, ob wir zurückschrecken werden, oder ob wir beseligt sein werden, wenn wir im Devachan unsere Handlungen werden schauen können. So ist das Gewissen ein Vorgefühl prophetischer Art, wie wir unsere Taten nach dem Tode erleben werden.

[ 22 ] So haben wir im Staunen einen Ausdruck für das, was wir früher gesehen haben, und so ist das Gewissen der Ausdruck für ein späteres Schauen in der geistigen Welt. Das Gewissen gibt an, ob wir zurückschrecken werden, oder ob wir beseligt sein werden, wenn wir im Devachan unsere Handlungen werden schauen können. So ist das Gewissen ein Vorgefühl prophetischer Art, wie wir unsere Taten nach dem Tode erleben werden.

[ 23 ] Erstaunen und Erkenntnistrieb einerseits und Gewissen andererseits, sie sind lebendige Zeichen der geistigen Welt. Man kann diese Erscheinungen nicht erklären, wenn man nicht die geistigen Welten zur Erklärung heranzieht. Es wird derjenige Mensch leichter geneigt sein, Anthroposoph zu werden, der gegenüber den Tatsachen der Welt so empfinden kann, daß ihn Ehrfurcht ankommt; Ehrfurcht und Verwunderung vor den Tatsachen der Welt. Gerade die entwickelteren Seelen sind es, die sich immer mehr und mehr verwundern können. Je weniger man sich verwundern kann, desto weniger vorgerückt ist die betreffende Seele. Nun ist es ja so, daß der Mensch demjenigen, was er am Tage erlebt — den alltäglichen Erscheinungen des Lebens —, weit weniger Verwunderung entgegenstellt, als es zum Beispiel der Fall ist, wenn er den Sternenhimmel in seiner Pracht bewundert. Aber die eigentlich höhere Entwickelung der Seele beginnt dann erst, wenn man sich über die kleinste Blume, über das kleinste Blumenblatt, über das unscheinbarste Käferchen oder Würmchen so wundern kann wie über die größten kosmischen Vorgänge. Es ist im Grunde genommen ganz merkwürdig mit diesen Dingen. Im allgemeinen wird der Mensch leicht bewogen werden, eine Erklärung solcher Dinge zu verlangen, die ihn sensationell berühren. Die Umwohner eines Vulkans zum Beispiel werden nach Erklärung der Ursachen vulkanischer Ausbrüche verlangen, weil die Menschen dort auf solche Sachen besonders aufmerksam sein müssen und daher auch mehr Aufmerksamkeit aufwenden als bei alltäglichen Vorgängen. Und auch die Menschen, die fern von Vulkanen wohnen, verlangen darüber eine Erklärung, weil diese Ereignisse auch für sie überraschend und sensationell sind. Aber wenn ein Mensch mit einer so gearteten Seele ins Leben tritt, daß er über alles staunt, weil er von allem, was ihn umgibt, etwas Geistiges ahnt, so ist er über den Vulkan nicht besonders mehr erstaunt als etwa über die kleinen Bläschen und Kraterchen, die er in der Tasse Milch oder Kaffee seines Frühstückstisches bemerkt. Genauso interessiert ist er über das Kleine wie über das Große. |

[ 23 ] Erstaunen und Erkenntnistrieb einerseits und Gewissen andererseits, sie sind lebendige Zeichen der geistigen Welt. Man kann diese Erscheinungen nicht erklären, wenn man nicht die geistigen Welten zur Erklärung heranzieht. Es wird derjenige Mensch leichter geneigt sein, Anthroposoph zu werden, der gegenüber den Tatsachen der Welt so empfinden kann, daß ihn Ehrfurcht ankommt; Ehrfurcht und Verwunderung vor den Tatsachen der Welt. Gerade die entwickelteren Seelen sind es, die sich immer mehr und mehr verwundern können. Je weniger man sich verwundern kann, desto weniger vorgerückt ist die betreffende Seele. Nun ist es ja so, daß der Mensch demjenigen, was er am Tage erlebt — den alltäglichen Erscheinungen des Lebens —, weit weniger Verwunderung entgegenstellt, als es zum Beispiel der Fall ist, wenn er den Sternenhimmel in seiner Pracht bewundert. Aber die eigentlich höhere Entwickelung der Seele beginnt dann erst, wenn man sich über die kleinste Blume, über das kleinste Blumenblatt, über das unscheinbarste Käferchen oder Würmchen so wundern kann wie über die größten kosmischen Vorgänge. Es ist im Grunde genommen ganz merkwürdig mit diesen Dingen. Im allgemeinen wird der Mensch leicht bewogen werden, eine Erklärung solcher Dinge zu verlangen, die ihn sensationell berühren. Die Umwohner eines Vulkans zum Beispiel werden nach Erklärung der Ursachen vulkanischer Ausbrüche verlangen, weil die Menschen dort auf solche Sachen besonders aufmerksam sein müssen und daher auch mehr Aufmerksamkeit aufwenden als bei alltäglichen Vorgängen. Und auch die Menschen, die fern von Vulkanen wohnen, verlangen darüber eine Erklärung, weil diese Ereignisse auch für sie überraschend und sensationell sind. Aber wenn ein Mensch mit einer so gearteten Seele ins Leben tritt, daß er über alles staunt, weil er von allem, was ihn umgibt, etwas Geistiges ahnt, so ist er über den Vulkan nicht besonders mehr erstaunt als etwa über die kleinen Bläschen und Kraterchen, die er in der Tasse Milch oder Kaffee seines Frühstückstisches bemerkt. Genauso interessiert ist er über das Kleine wie über das Große. |

[ 24 ] Überall mit der Verwunderung hinkommen zu können, das ist eine Erinnerung an das Schauen vor der Geburt. Überall mit dem Gewissen hinkommen zu können zu unseren Taten, das heißt, die lebendige Ahnung haben, daß jede Tat, die wir vollbringen, uns in der Zukunft in einer anderen Gestalt erscheinen wird. Menschen, die so fühlen, sind mehr als andere dazu prädestiniert, an die Geisteswissenschaft heranzukommen.

[ 24 ] Überall mit der Verwunderung hinkommen zu können, das ist eine Erinnerung an das Schauen vor der Geburt. Überall mit dem Gewissen hinkommen zu können zu unseren Taten, das heißt, die lebendige Ahnung haben, daß jede Tat, die wir vollbringen, uns in der Zukunft in einer anderen Gestalt erscheinen wird. Menschen, die so fühlen, sind mehr als andere dazu prädestiniert, an die Geisteswissenschaft heranzukommen.

[ 25 ] Nun leben wir ja in einer Zeit, in der gewisse Dinge sich enthüllen, die nur durch die Geisteswissenschaft sich erklären lassen. Gewisse Dinge trotzen jeder anderen Erklärung. Und solchen Dingen gegenüber verhalten sich die Menschen recht verschieden. In unserer Zeit haben wir ja zweifellos viele Menschencharaktere zu beobachten, doch werden uns innerhalb der verschiedensten Charakternuancen hauptsächlich zwei Naturen entgegentreten.

[ 25 ] Nun leben wir ja in einer Zeit, in der gewisse Dinge sich enthüllen, die nur durch die Geisteswissenschaft sich erklären lassen. Gewisse Dinge trotzen jeder anderen Erklärung. Und solchen Dingen gegenüber verhalten sich die Menschen recht verschieden. In unserer Zeit haben wir ja zweifellos viele Menschencharaktere zu beobachten, doch werden uns innerhalb der verschiedensten Charakternuancen hauptsächlich zwei Naturen entgegentreten.

[ 26 ] Wir können die einen als sinnige Naturen, als zur Betrachtung neigende Naturen bezeichnen, die überall Erstaunen fühlen können und überall das Gewissen sich regen fühlen. So manches Leid, so manche düstere, melancholische Stimmung kann unter unbefriedigter Erklärungssehnsucht sich in der Seele ablagern. Ein zartes Gewissen kann das Leben sehr erschweren. Aber auch eine andere Art von Menschen ist in der Gegenwart vorhanden. Sie will nichts wissen von einer solchen Erklärung der Welt. Für sie ist es schrecklich langweilig, was da alles vorgebracht wird an Erklärungen der Dinge aus geistiger Forschung, und sie leben lieber robust darauf los, als daß sie nach Erklärungen verlangen, und wenn man nur anfängt von Erklärungen zu sprechen, da fangen sie auch schon an zu gähnen. Und das ist gewiß wahr, daß bei so gearteten Naturen das Gewissen sich weniger regt als bei den anderen. Wie aber kommt es, daß solche Charaktergegensätze sich zeigen? Geisteswissenschaft ist geneigt, darauf einzugehen, woher es kommt, daß der eine Charakterzug durch seine Sinnigkeit mit dem Durst nach Erkenntnis sich auszeichnet, während der andere darauf ausgeht, das Leben nur zu genießen, ohne nach Erklärung zu verlangen.

[ 26 ] Wir können die einen als sinnige Naturen, als zur Betrachtung neigende Naturen bezeichnen, die überall Erstaunen fühlen können und überall das Gewissen sich regen fühlen. So manches Leid, so manche düstere, melancholische Stimmung kann unter unbefriedigter Erklärungssehnsucht sich in der Seele ablagern. Ein zartes Gewissen kann das Leben sehr erschweren. Aber auch eine andere Art von Menschen ist in der Gegenwart vorhanden. Sie will nichts wissen von einer solchen Erklärung der Welt. Für sie ist es schrecklich langweilig, was da alles vorgebracht wird an Erklärungen der Dinge aus geistiger Forschung, und sie leben lieber robust darauf los, als daß sie nach Erklärungen verlangen, und wenn man nur anfängt von Erklärungen zu sprechen, da fangen sie auch schon an zu gähnen. Und das ist gewiß wahr, daß bei so gearteten Naturen das Gewissen sich weniger regt als bei den anderen. Wie aber kommt es, daß solche Charaktergegensätze sich zeigen? Geisteswissenschaft ist geneigt, darauf einzugehen, woher es kommt, daß der eine Charakterzug durch seine Sinnigkeit mit dem Durst nach Erkenntnis sich auszeichnet, während der andere darauf ausgeht, das Leben nur zu genießen, ohne nach Erklärung zu verlangen.

[ 27 ] Wenn man mit den Mitteln der geistigen Forschung den Umfang der menschlichen Seele prüft- und man kann nur einzelne Andeutungen machen, da man viele Stunden brauchte, um ausführlicher darauf einzugehen —, so findet man, daß viele Menschen von denen, die mit sinnigem Leben begabt sind, die gar nicht leben können ohne sich aufzuklären, in früheren Verkörperungen so gelebt haben, daß sie unmittelbar in der Seele etwas gewußt haben von der Tatsache der Wiederverkörperung. Es gibt ja auch heute noch zahlreiche Menschen auf der Erde, die davon wissen und denen die Wiederverkörperung eine absolute Tatsache ist. Man denke nur an die Asiaten. Also solche Menschen, die in der Gegenwart ein sinniges Leben haben, schließen ihr jetziges Leben an — wenn auch nicht unmittelbar —, aber sie schließen es dennoch an ein anderes Leben einer vorhergehenden Verkörperung an, wo sie von der Wiederverkörperung etwas wußten.

[ 27 ] Wenn man mit den Mitteln der geistigen Forschung den Umfang der menschlichen Seele prüft- und man kann nur einzelne Andeutungen machen, da man viele Stunden brauchte, um ausführlicher darauf einzugehen —, so findet man, daß viele Menschen von denen, die mit sinnigem Leben begabt sind, die gar nicht leben können ohne sich aufzuklären, in früheren Verkörperungen so gelebt haben, daß sie unmittelbar in der Seele etwas gewußt haben von der Tatsache der Wiederverkörperung. Es gibt ja auch heute noch zahlreiche Menschen auf der Erde, die davon wissen und denen die Wiederverkörperung eine absolute Tatsache ist. Man denke nur an die Asiaten. Also solche Menschen, die in der Gegenwart ein sinniges Leben haben, schließen ihr jetziges Leben an — wenn auch nicht unmittelbar —, aber sie schließen es dennoch an ein anderes Leben einer vorhergehenden Verkörperung an, wo sie von der Wiederverkörperung etwas wußten.

[ 28 ] Aber die anderen, robusteren Menschennaturen, sie kommen aus solchen Leben herüber, in denen man nichts gewußt hat von früheren Erdenleben. Bei ihnen ist kein Drang vorhanden, sich viel mit Gewissen zu belasten über die Taten ihres Lebens, noch auch sich viel um Erklärungen zu kümmern. So geartet sind bei uns im Abendlande sehr viele Menschen, und es ist eben der Charakter der abendländischen Kultur, daß die Menschen sozusagen vergessen haben ihre früheren Erdenleben. Ja, sie haben sie vergessen; aber wir stehen mit der Kultur an einem Wendepunkt, wo die Erinnerung wieder aufleben wird an die vergangenen Erdenleben. Daher gehen diejenigen Menschen, welche heute leben, einer solchen Zukunft entgegen, die man als ein Wiederherstellen des Zusammenhanges mit der geistigen Welt charakterisieren kann.

[ 28 ] Aber die anderen, robusteren Menschennaturen, sie kommen aus solchen Leben herüber, in denen man nichts gewußt hat von früheren Erdenleben. Bei ihnen ist kein Drang vorhanden, sich viel mit Gewissen zu belasten über die Taten ihres Lebens, noch auch sich viel um Erklärungen zu kümmern. So geartet sind bei uns im Abendlande sehr viele Menschen, und es ist eben der Charakter der abendländischen Kultur, daß die Menschen sozusagen vergessen haben ihre früheren Erdenleben. Ja, sie haben sie vergessen; aber wir stehen mit der Kultur an einem Wendepunkt, wo die Erinnerung wieder aufleben wird an die vergangenen Erdenleben. Daher gehen diejenigen Menschen, welche heute leben, einer solchen Zukunft entgegen, die man als ein Wiederherstellen des Zusammenhanges mit der geistigen Welt charakterisieren kann.

[ 29 ] Heute ist es noch bei wenigen Menschen der Fall, aber es wird ganz gewiß noch im Laufe des 20. Jahrhunderts eine allgemeine Eigenschaft der Menschen werden. Und das wird so sein: Nehmen wir einmal an, ein Mensch habe dieses oder jenes getan, und es plagte ihn hinterher das böse Gewissen. So ist es jetzt. Später aber, wenn der geistige Zusammenhang sich wieder herstellen wird, dann wird der Mensch, wenn er dieses oder jenes getan hat, den Drang empfinden, sich wie mit zugebundenen Augen etwas zurückzubewegen von seiner Tat. Und da wird dem Menschen auftauchen wie ein Bild, wie eine Art Traumbild, aber doch wie ein ganz lebendiges Traumbild etwas, das wegen seiner Tat in Zukunft zu geschehen hat. Und die Menschen werden sich, wenn sie dieses Bild erleben, sagen, etwa so: Ja, ich bin es, der das erlebt, aber das habe ich doch noch nicht erlebt, was ich da sehe!

[ 30 ] Für alle Menschen, die nichts von Geisteswissenschaft gehört haben, wird das etwas Furchtbares sein. Diejenigen Menschen aber, die sich vorbereitet haben auf das, was an alle herantreten wird, werden sich sagen: Ja, das habe ich zwar noch nicht erlebt, aber ich werde es noch in der Zukunft erleben als karmischen Ausgleich für das, was ich soeben getan habe.

[ 29 ] Heute ist es noch bei wenigen Menschen der Fall, aber es wird ganz gewiß noch im Laufe des 20. Jahrhunderts eine allgemeine Eigenschaft der Menschen werden. Und das wird so sein: Nehmen wir einmal an, ein Mensch habe dieses oder jenes getan, und es plagte ihn hinterher das böse Gewissen. So ist es jetzt. Später aber, wenn der geistige Zusammenhang sich wieder herstellen wird, dann wird der Mensch, wenn er dieses oder jenes getan hat, den Drang empfinden, sich wie mit zugebundenen Augen etwas zurückzubewegen von seiner Tat. Und da wird dem Menschen auftauchen wie ein Bild, wie eine Art Traumbild, aber doch wie ein ganz lebendiges Traumbild etwas, das wegen seiner Tat in Zukunft zu geschehen hat. Und die Menschen werden sich, wenn sie dieses Bild erleben, sagen, etwa so: Ja, ich bin es, der das erlebt, aber das habe ich doch noch nicht erlebt, was ich da sehe!

[ 30 ] Für alle Menschen, die nichts von Geisteswissenschaft gehört haben, wird das etwas Furchtbares sein. Diejenigen Menschen aber, die sich vorbereitet haben auf das, was an alle herantreten wird, werden sich sagen: Ja, das habe ich zwar noch nicht erlebt, aber ich werde es noch in der Zukunft erleben als karmischen Ausgleich für das, was ich soeben getan habe.

[ 31 ] Wir stehen jetzt wie in einem Vorhof der Zeit, wo der karmische Ausgleich im prophetischen Traumbild dem Menschen erscheinen wird. Und nun denken Sie sich dieses Erleben im Laufe der Zeit immer gesteigerter und gesteigerter werdend, dann haben Sie den Zukunftsmenschen, der schauen wird, wie seine Taten karmisch gerichtet werden.

[ 31 ] Wir stehen jetzt wie in einem Vorhof der Zeit, wo der karmische Ausgleich im prophetischen Traumbild dem Menschen erscheinen wird. Und nun denken Sie sich dieses Erleben im Laufe der Zeit immer gesteigerter und gesteigerter werdend, dann haben Sie den Zukunftsmenschen, der schauen wird, wie seine Taten karmisch gerichtet werden.

[ 32 ] Wodurch tritt denn so etwas ein, daß die Menschen fähig werden, diesen karmischen Ausgleich zu sehen? Das hängt zusammen mit der Tatsache, daß die Menschen früher kein Gewissen gehabt haben, sondern daß sie nach schlechten Taten von den Furien gequält wurden. Das war altes Hellsehen, das ist vergangen. Dann kam die Zeit, wo sie die Furien nicht mehr sahen, die mittlere Zeit, wo aber das, was die Furien früher verrichteten, innerlich als Gewissen auftrat. Und nun kommen wir allmählich an eine Zeit heran, in der wir wieder etwas sehen werden, und zwar den karmischen Ausgleich. Daß der Mensch einmal das Gewissen erworben hat, das befähigt ihn, nunmehr bewußt in die geistige Welt zu schauen.

[ 32 ] Wodurch tritt denn so etwas ein, daß die Menschen fähig werden, diesen karmischen Ausgleich zu sehen? Das hängt zusammen mit der Tatsache, daß die Menschen früher kein Gewissen gehabt haben, sondern daß sie nach schlechten Taten von den Furien gequält wurden. Das war altes Hellsehen, das ist vergangen. Dann kam die Zeit, wo sie die Furien nicht mehr sahen, die mittlere Zeit, wo aber das, was die Furien früher verrichteten, innerlich als Gewissen auftrat. Und nun kommen wir allmählich an eine Zeit heran, in der wir wieder etwas sehen werden, und zwar den karmischen Ausgleich. Daß der Mensch einmal das Gewissen erworben hat, das befähigt ihn, nunmehr bewußt in die geistige Welt zu schauen.

[ 33 ] Wenn gewisse Menschen in der Gegenwart sinnige Naturen wurden dadurch, daß sie in früheren Verkörperungen Kräfte erworben haben, die im Staunen als Erinnerung an frühere Leben sich offenbaren, so werden auch die heutigen Menschen in die nächsten Inkarnationen Kräfte mitnehmen, wenn sie heute ein Wissen von den geistigen Welten erwerben. Aber denen, die sich jetzt gesträubt haben, eine Erklärung von dem Gesetz der Inkarnationen aufzunehmen, wird es im Gegenteil recht übel ergehen in der zukünftigen Welt. Für diese Seelen wird das eine furchtbare Tatsache sein. Heute stehen wir gerade in einem Zeitalter, wo die Menschen noch auskommen im Leben, auch wenn sie keine Erklärungen des Lebens haben mit Beziehung auf die geistigen Welten. Aber dieses Zeitalter, welches die kosmischen Mächte sozusagen einmal erlaubt haben, das hört wieder auf, und zwar so, daß die Menschen, die keinen Zusammenhang mit der geistigen Welt haben, im nächsten Leben so aufwachsen werden, daß ihnen die Welt, in die sie bei der nächsten Verkörperung wieder hineingeboren werden, unverständlich ist. Und wenn sie dann weiter das ihnen unverständlich gewesene physische Dasein im Tode wieder verlassen, dann werden sie nach ihrem Tode auch kein Verständnis mehr haben für die geistige Welt, in die sie hineinwachsen. Es ist ja selbstverständlich, daß sie hineinkommen in die geistige Welt, aber begreifen werden sie sie nicht. Sie befinden sich dann eben in einer Umgebung, die sie nicht begreifen und die ihnen so vorkommt, als ob sie nicht zu ihnen gehörte, und die sie so quält, wie ein böses Gewissen nur quälen kann. Und wenn sie dann wieder in eine neue Verkörperung hineinkommen, ist es ebenso schlimm; denn da werden sie allerlei Triebe und Leidenschaften haben und in diesen werden sie, weil sie kein Erstaunen entwickeln können, wie in Illusionen und Halluzinationen leben. Die Materialisten der heutigen Zeit sind es, die einer Zukunft entgegengehen, wo sie von Halluzinationen und Illusionen in furchtbarer Weise werden gequält werden; denn, was der Mensch heute in diesem Leben denkt, das erlebt er dann als Illusion und Halluzination.

[ 33 ] Wenn gewisse Menschen in der Gegenwart sinnige Naturen wurden dadurch, daß sie in früheren Verkörperungen Kräfte erworben haben, die im Staunen als Erinnerung an frühere Leben sich offenbaren, so werden auch die heutigen Menschen in die nächsten Inkarnationen Kräfte mitnehmen, wenn sie heute ein Wissen von den geistigen Welten erwerben. Aber denen, die sich jetzt gesträubt haben, eine Erklärung von dem Gesetz der Inkarnationen aufzunehmen, wird es im Gegenteil recht übel ergehen in der zukünftigen Welt. Für diese Seelen wird das eine furchtbare Tatsache sein. Heute stehen wir gerade in einem Zeitalter, wo die Menschen noch auskommen im Leben, auch wenn sie keine Erklärungen des Lebens haben mit Beziehung auf die geistigen Welten. Aber dieses Zeitalter, welches die kosmischen Mächte sozusagen einmal erlaubt haben, das hört wieder auf, und zwar so, daß die Menschen, die keinen Zusammenhang mit der geistigen Welt haben, im nächsten Leben so aufwachsen werden, daß ihnen die Welt, in die sie bei der nächsten Verkörperung wieder hineingeboren werden, unverständlich ist. Und wenn sie dann weiter das ihnen unverständlich gewesene physische Dasein im Tode wieder verlassen, dann werden sie nach ihrem Tode auch kein Verständnis mehr haben für die geistige Welt, in die sie hineinwachsen. Es ist ja selbstverständlich, daß sie hineinkommen in die geistige Welt, aber begreifen werden sie sie nicht. Sie befinden sich dann eben in einer Umgebung, die sie nicht begreifen und die ihnen so vorkommt, als ob sie nicht zu ihnen gehörte, und die sie so quält, wie ein böses Gewissen nur quälen kann. Und wenn sie dann wieder in eine neue Verkörperung hineinkommen, ist es ebenso schlimm; denn da werden sie allerlei Triebe und Leidenschaften haben und in diesen werden sie, weil sie kein Erstaunen entwickeln können, wie in Illusionen und Halluzinationen leben. Die Materialisten der heutigen Zeit sind es, die einer Zukunft entgegengehen, wo sie von Halluzinationen und Illusionen in furchtbarer Weise werden gequält werden; denn, was der Mensch heute in diesem Leben denkt, das erlebt er dann als Illusion und Halluzination.

[ 34 ] Man kann sich das schon recht real vorstellen. Nehmen wir beispielsweise an, es gehen heute zwei Menschen auf der Straße zusammen. Es sei ein Materialist und ein Nichtmaterialist. Dieser sagt zum Beispiel zu jenem etwas über die geistige Welt. Der andere aber sagt oder denkt: Ach, das ist ja Unsinn! Das sind ja nur Illusionen! — Ja, für diesen sind es Illusionen, aber für jenen, der die Äußerung über die geistige Welt machte, sind es keine Illusionen. Schon nach dem Tode werden für den Materialisten die Folgen eintreten und erst recht dann noch später bei dem nächsten Erdenleben. Da wird es dann für ihn so sein, daß er die geistigen Welten als quälend empfindet, so daß sie ihm ein lebendiger Vorwurf sind. In seiner Kamalokazeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt wird er sozusagen keinen Unterschied empfinden zwischen Kamaloka und Devachan. Und wenn er wieder geboren ist, und die geistige Welt tritt vor ihn hin in der geschilderten Weise, dann erscheint sie ihm als etwas Unwirkliches, als Illusion, als Halluzination.

[ 34 ] Man kann sich das schon recht real vorstellen. Nehmen wir beispielsweise an, es gehen heute zwei Menschen auf der Straße zusammen. Es sei ein Materialist und ein Nichtmaterialist. Dieser sagt zum Beispiel zu jenem etwas über die geistige Welt. Der andere aber sagt oder denkt: Ach, das ist ja Unsinn! Das sind ja nur Illusionen! — Ja, für diesen sind es Illusionen, aber für jenen, der die Äußerung über die geistige Welt machte, sind es keine Illusionen. Schon nach dem Tode werden für den Materialisten die Folgen eintreten und erst recht dann noch später bei dem nächsten Erdenleben. Da wird es dann für ihn so sein, daß er die geistigen Welten als quälend empfindet, so daß sie ihm ein lebendiger Vorwurf sind. In seiner Kamalokazeit zwischen dem Tode und der neuen Geburt wird er sozusagen keinen Unterschied empfinden zwischen Kamaloka und Devachan. Und wenn er wieder geboren ist, und die geistige Welt tritt vor ihn hin in der geschilderten Weise, dann erscheint sie ihm als etwas Unwirkliches, als Illusion, als Halluzination.

[ 35 ] Geisteswissenschaft ist nichts, was unsere bloße Neugier befriedigen soll. Nicht, weil wir in bezug auf die übersinnliche Welt bloß neugieriger sind als andere Leute, sitzen wir hier zusammen, sondern weil wir mehr oder weniger ahnen, daß die Menschen der Zukunft gar nicht werden leben können ohne Geisteswissenschaft. Alle anderen Bestrebungen, die diese Tatsache nicht berücksichtigen, gehen der Dekadenz entgegen. Nun, es ist ja so eingerichtet, daß diejenigen, die sich heute sträuben, Geisteswissenschaft anzunehmen, in späteren Verkörperungen noch Gelegenheit haben werden, an sie heranzukommen. Vorposten aber müssen sein. Menschen, die durch ihr Karma schon heute Sehnsucht haben nach Geisteswissenschaft, haben dadurch Gelegenheit, Vorposten zu werden. Diese Gelegenheit tritt an sie heran, eben weil sie Vorposten sein müssen und werden müssen.

[ 35 ] Geisteswissenschaft ist nichts, was unsere bloße Neugier befriedigen soll. Nicht, weil wir in bezug auf die übersinnliche Welt bloß neugieriger sind als andere Leute, sitzen wir hier zusammen, sondern weil wir mehr oder weniger ahnen, daß die Menschen der Zukunft gar nicht werden leben können ohne Geisteswissenschaft. Alle anderen Bestrebungen, die diese Tatsache nicht berücksichtigen, gehen der Dekadenz entgegen. Nun, es ist ja so eingerichtet, daß diejenigen, die sich heute sträuben, Geisteswissenschaft anzunehmen, in späteren Verkörperungen noch Gelegenheit haben werden, an sie heranzukommen. Vorposten aber müssen sein. Menschen, die durch ihr Karma schon heute Sehnsucht haben nach Geisteswissenschaft, haben dadurch Gelegenheit, Vorposten zu werden. Diese Gelegenheit tritt an sie heran, eben weil sie Vorposten sein müssen und werden müssen.

[ 36 ] Die anderen Menschen werden mehr aus dem allgemeinen Menschheitskarma heraus die Sehnsucht nach Geisteswissenschaft entstehen sehen.

[ 36 ] Die anderen Menschen werden mehr aus dem allgemeinen Menschheitskarma heraus die Sehnsucht nach Geisteswissenschaft entstehen sehen.