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Experiences of the Supernatural
The Three Paths of the Soul to Christ
GA 143

17 April 1912, Stockholm

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8. Die drei Wege der Seele zu Christus: Der Weg der Initiation

The Path of Initiation

[ 1 ] Wenn mit einigen Worten noch einmal kurz hingewiesen werden darf auf dasjenige, worin die gestrigen Darstellungen gipfelten, so möchte ich sagen, daß aus ihnen für jeden Menschen die Möglichkeit hervorgehen sollte, durch eine entsprechende Vertiefung seines Wesens, durch ein in die geistigen Welten gefaßtes Vertrauen eine solche Seelenstimmung, eine solche Seelenverfassung in sich aufkommen zu lassen, die ihm sagt: In den Menschen fließen nicht nur diejenigen Dinge ein, die in dem Umkreise der Erde vorhanden sind, nicht nur die Dinge, welche aus der Evolution der Erde selbst stammen, sondern es ist dem Menschen möglich, seine Seele so zu stimmen, daß er aus den geistigen Welten heraus Hilfskräfte erhält, die in ihn einfließen können, die einen Ausgleich herbeiführen zwischen dem einzelnen egoistischen Ich und der Gesamtheit unserer Organisation, wenn er dieser Möglichkeit sich öffnet, die in die Erdenmission eingeflossen ist. Wer erringen kann das Vertrauen an diesen Zufluß aus den geistigen Welten, der hat — wie er dies innere Ereignis, dies innere Erlebnis auch nennen mag — die persönliche Christus-Erfahrung im Inneren erlebt. Alles übrige über diese Sache wird sich uns ergeben, wenn wir heute einmal ausgehen von dem dritten Wege zu Christus, von dem Wege der Initiation.

[ 1 ] If I may indicate in a few words the point at which yesterday's considerations culminated, I would like to say that out of them the possibility should come to light for every man, through a deepening of his being, through a trust in the spiritual worlds, of causing to rise within him a soul-mood, a soul-disposition, which will say to him: “Into man flow not only the things which are in the periphery of the earth, not only those things which stem from the evolution of the earth itself, but it is possible for man to tune his soul in such a way that he receives out of the spiritual worlds helping forces which flow into him, which produce an equilibrium between the single egoistic I and the totality of his organization—if that possibility offers itself which has flowed into the earth-mission.” Whoever can attain this trust in this inflow from the spiritual worlds, no matter what he calls this inner event, this inner experience, has lived through the personal Christ-experience inwardly. The remainder of this matter will reveal itself to us if today we start by considering the third path to Christ, the path of initiation.

[ 2 ] Wenn wir so angeführt haben den Weg der Evangelien und den Weg der inneren Erfahrung, so haben wir die beiden Wege, die einem jeden Menschen zum Christus hin zugänglich sind; ich sage ausdrücklich: einem jeden Menschen. Zu dem Wege der Initiation gehört eine gewisse Vorbereitung, wie es jedem verständlich sein sollte. In unserer Zeit gehört zunächst dazu ein wirkliches, nicht nur theoretisches Vertiefen in die wahre, echte Geisteswissenschaft, die zunächst, wenigstens in unserer Gegenwart, immer der Ausgangspunkt sein muß, wenn wir verstehen wollen, was das ist: der Weg der Initiation. Nun ist es gut, wenn wir einige Worte über das Wesen der Initiation in einer gewissen Richtung vorausschicken. Die Initiation ist das Höchste, was der Mensch im Laufe der Erdenentwickelung zuletzt erlangen kann; denn sie führt den Menschen zu einem gewissen Verständnis, in eine wirkliche Einsicht in die Geheimnisse der geistigen Welt. Was vorgeht in den geistigen Welten, das ist ja der Inhalt, der Gegenstand der Initiation, und ein wirkliches Wissen, ein unmittelbares Wahrnehmen von Vorgängen in den geistigen Welten wird auf dem Wege der Initiation erreicht. Schon wenn in einer solchen Weise die Initiation charakterisiert wird, so muß einem jeden, der diese Charakteristik auf seine Seele wirken läßt, etwas ganz Besonderes auffallen. Es ist im Grunde genommen damit schon gesagt, daß die Initiation ein, gestatten Sie den Ausdruck, überreligiöser Weg ist. Nun sind die großen Religionen, welche über den Erdenkreis im Laufe der Menschheitsepochen sich verbreitet haben und heute noch in der Menschheit sind, alle, wenn wir sie bei ihrem Ausgangspunkte studieren, ursprünglich gestiftet von der Initiation, von den Initiierten aus. Sie sind aus dem geflossen, was große Eingeweihte den Menschen haben geben können. Aber die Religionen sind den Menschen so gegeben worden, daß in den Inhalten dieser Religionen die Menschen dasjenige empfingen, was für sie, je nach der Zeitepoche, in der sie lebten, je nach der Rasse, der sie angehörten, ja wohl gar nach dem Erdenstriche, in dem sie lebten, diesen Beziehungen angemessen war.

[ 2 ] With the path through the Gospels, and the path through inner experience, we have the two paths to Christ which are accessible to every man: I say expressly—to every man. But to the path of initiation there belongs a certain preparation, as should be understandable to everyone. In our time this requires us to go deeply, in a real and not merely theoretical way, into the true, genuine spiritual science which, at least in our present time, must always be the point of departure, if we wish to understand what the way of initiation is. Regarding the essence of initiation it would be well to give a few introductory remarks in a certain direction. You see, initiation is the highest which man can achieve in the course of the Earth-evolution, for it leads man to a certain understanding, to a real insight into the secrets of the spiritual world. What occurs in the spiritual worlds is really the content, the object, of initiation, and a real knowledge, an immediate perception, of events in the spiritual worlds is attained on the path of initiation. When initiation is characterized in this way, something very special must strike everyone who lets this characterization work on his soul. This is really to say, fundamentally, that initiation is—allow me the expression—a super-religious way. The religions which in the course of human epochs have spread over the surface of the earth, and which still prevail among men, all of these, in so far as they are great religions, and in so far as we study them at their points of origin, were originally founded upon initiation, by initiates. They have flowed out of what great initiates have been able to give to men. But the religions were given in such a form that, in their contents, men received what was suitable to the time in which they lived, to the race to which they belonged, even to the region of the earth in which they lived.

[ 3 ] Nun leben wir heute innerhalb der Menschheitsentwickelung in einer ganz besonderen Zeitepoche, und es ist gerade die Aufgabe der Geisteswissenschaft, zu verstehen, daß wir in einer besonderen Zeit leben. So wie heute Geisteswissenschaft für unsere Mitmenschen vorgetragen und verbreitet werden kann, so war das innerhalb der verflossenen Zeitepochen nirgends noch möglich. Anthroposophie als solche konnte nicht in der Öffentlichkeit gelehrt werden. Wir beginnen erst in unserer Zeit Anthroposophie zu lehren. Die Religionen waren eben die Wege, um in die Menschheit einfließen zu lassen die Geheimnisse der Initiation in einer jeweilig einer Gruppe von Menschen angemessenen Art. Aber heute sind wir in der Lage, durch Anthroposophie etwas zu geben, was nicht einer einzelnen Rasse, nicht einem einzelnen Erdstrich, nicht einer einzelnen Gruppe von Menschen angemessen ist, sondern was jedem Menschen, wo er sich auch findet auf der Erde, etwas bringen kann über jene Geheimnisse des Daseins, nach deren Erkenntnis die Seelen sich sehnen, die sie haben müssen, wenn die Herzen stark sein sollen in ihrem Wirken auf der Erde. Damit zeigt sich aber schon, daß durch Anthroposophie etwas gegeben sein soll, was einen höheren Standpunkt einnimmt als die religiösen Standpunkte waren und heute noch sind, da, wo diese religiösen Standpunkte geltend gemacht werden. Es ist Anthroposophie gewissermaßen dasjenige, was die Geheimnisse der Initiation allgemein menschlich heute auszubreiten hat, während in den verschiedenen alten Religionssystemen der Erde immer auf eine besondere Art, in einer differenzierten Weise, angemessen den einzelnen Menschengruppen, die Geheimnisse der Initiation ausgesprochen wurden.

[ 3 ] Now today we live in a very special epoch of human evolution, and it is just the task of spiritual science to understand that we live in a special time. The way in which among our contemporaries spiritual science can be brought forth and spread, this was nowhere possible in past times. Anthroposophy as such could not be publicly taught. Only in our time do we begin to teach anthroposophy. The religions were once the channels through which the secrets of initiation were to be allowed to flow into mankind; to be allowed to flow in a manner suitable at a given time to a given group of men. But today we are in a position to give through anthroposophy something which is not adapted to a single race, to a single region, to a single group of men, but which can bring to every man, no matter where he finds himself on earth, something of those secrets of existence, for knowledge of which souls are yearning and which souls must have if hearts are to be strong for work on earth. But this already shows that through anthroposophy something is to be given which takes a standpoint higher than the religious standpoints were, or still are where these religious standpoints continue to be accepted. In a certain way anthroposophy is that which must propagate the secrets of initiation in a universal human way, whereas in the various ancient religious systems of the earth the secrets of initiation were always announced in a special manner, in a different way, adapted to the particular human group.

[ 4 ] Was folgt daraus? Daraus folgt, daß wir die verschiedensten Religionen über die Erde hin verbreitet finden, die alle zurückweisen auf diesen oder jenen Religionsstifter. Wir finden erstens die KrishnaReligion auf Krishna zurückführend, zweitens die Buddha-Religion auf den Buddha zurückführend, drittens die althebräische Religion auf Moses zurückführend, und wir finden das Christentum auf Jesus von Nazareth zurückführend. Da die Religionen aus der Initiation geflossen sind, so müssen wir uns klarmachen, daß wir heute nicht auf dem Boden stehen können, der etwa von den aufgeklärt sein wollenden Religionsphilosophen eingenommen wird. Die vergleichenden Religionsphilosophen haben eine geheime Anschauung über die Religionen: sie sehen sie nämlich alle für falsch an oder für kindliche Stufen der Menschheitsentwickelung. Wir stehen aber als Anthroposophen, da wir erkennen lernen, daß die Religionen nur differenzierte Ausbildungen der Initiationswahrheiten sind, auf dem Boden, das Wahre und nicht das Falsche in den verschiedenen Religionssystemen zu verstehen. Wir lassen den Religionssystemen ihr volles Recht nebeneinander widerfahren. Wir sehen sie an als gleichberechtigte Offenbarungen der großen Initiationswahrheiten.

[ 4 ] What follows from this? It follows that we find the most varied religions spread out over the earth, all of which point back to this or that founder. We find first the Krishna religion, leading back to Krishna; second, the Buddha religion, leading back to Buddha; third, the ancient Hebrew religion, leading back to Moses; and we find Christianity, leading back to Jesus of Nazareth. The religions having all flowed out of initiation, we must be quite clear that we cannot today take the position taken by the philosophers of religion who consider themselves “enlightened.” The philosophers of comparative religion have a secret outlook on religions; they regard them all either as false or as childish stages of human development. But we, as anthroposophists, since we learn to know that the religions are only different formulations of the truths of initiation, are in a position to grasp the true and not the false in the various religious systems. We do justice to all the religious systems in comparison with one another. We regard them as equally justified revelations of the great truths of initiation.

[ 5 ] Und daraus folgt etwas ungeheuer Wichtiges für das praktische Gefühl und die praktische Betätigung. Und was ist dieses Wichtige? Daß aus der anthroposophischen Stimmung das volle Verständnis, die innige Achtung und die volle Anerkennung des Wahrheitskernes aller Religionen folgen wird, und daß diejenigen, die aus anthroposophischer Gesinnung heraus über die Welt und ihren Entwickelungsgang denken, respektieren werden die Wahrheiten, die in den einzelnen Religionssystemen vorhanden sind. Es wird die höchste Achtung sich ergeben und der höchste Respekt wird Platz greifen. Ja, meine lieben Freunde, das wird sich ergeben aus der anthroposophischen Geistesströmung für die einzelnen Religionsbekenntnisse auf Erden: Man wird hingehen zu den Bekennern der einzelnen Religionssysteme der Erde und man wird nicht glauben, ihnen aufpfropfen, einimpfen zu können andere Bekenntnisse. Wir werden vielmehr zu ihnen gehen und aus unserem eigenen Religionsbekenntrnisse heraus werden wir entwickeln, was in ihrem Bekenntnisse an Wahrheit ist. Und man wird, wenn man herausgeboren ist aus einer Gegend, wo eine bestimmte Religion herrscht, aus dieser Religion heraus nicht intolerant abweisen die anderen Religionen, sondern wird doch eingehen können auf das, was als Wahrheit in den verschiedenen Religionen enthalten ist. Nehmen wir ein Beispiel. Solch ein Beispiel kann nur verstanden werden von denen, die in ihrer tiefsten Seele Ernst machen mit der anthroposophischen Gesinnung, mit dem, was folgen muß aus der Erkenntnis der Grundbedingungen des Wesens der Initiation. Nehmen wir an, ein Abendländer sei aufgewachsen innerhalb des Christentums. Er wird das Christentum vielleicht dadurch kennengelernt haben, daß er die großen Wahrheiten seiner Evangelien in sich aufgenommen hat. Vielleicht ist er auch schon zu dem gelangt, was genannt wird der Weg der inneren Erfahrung zu dem Christus Jesus, vielleicht hat er schon in seiner inneren Erfahrung den Christus erlebt. Nehmen wir an, er lernt nun eine andere Religion kennen, zum Beispiel den Buddhismus. Er lernt bei denjenigen, welche ganz in den heiligen Wahrheiten und Erkenntnissen des Buddhismus darinnenstehen, kennen dasjenige, was dem materialistischen Abendländer ein Ärgernis ist, was wir Anthroposophen aber verstehen können, er lernt kennen, daß der Stifter ihrer Religion, nachdem er viele Inkarnationen auf Erden als Bodhisattva gelebt hat, wiedergeboren wurde als Königssohn, als Sohn des Shuddhodana; er lernt weiter erkennen, daß er im neunundzwanzigsten Jahre seines Lebens als Bodhisattva zum Buddha aufgerückt ist, daß mit diesem Aufsteigen zum Buddha gegeben ist in dieser Religion, da sie aus der Initiation stammt, die eine große Wahrheit, die nicht nur für den Buddhismus, die für alle Menschen gilt, die jeder Initiierte anerkennen wird, und die alle Menschen anerkennen, die den Buddhismus verstehen, er lernt erkennen, daß der Bekenner des Buddhismus mit Recht sagt: Wenn der Bodhisattva in einer menschlichen Inkarnation zum Buddha wird, so ist diese Inkarnation, die der Buddha auf Erden durchzumachen hat, die letzte; dann kommt er nicht wieder in einen menschlichen Leib zurück.

[ 5 ] And from this follows something terribly important for practical feeling and practical activity. What is this important thing? That out of the anthroposophical mood will proceed complete understanding, hearty respect, and full recognition of the core of truth in all religions; and that those who, out of an anthroposophical attitude, reflect on the world and its course of development, will respect the truths of the various religious systems. There will be the highest esteem and respect. Yes, my dear friends, from the anthroposophical spiritual stream will result the following for the various religious confessions on earth: A man will go to the adherents of any religious system, and he will not think himself able to graft on to them, or inoculate them with, other confessions. Much rather will we go to them and, out of our own religious faith, discern what there is of truth in their faith. And a man who is born in a region where a particular religion holds sway will not, on account of this religion, intolerantly reject all other religions, but he will be able to approach them on the basis of what, as truth, is contained in the different religions. Let us take an example. Such an example can be grasped only by those who, in the depths of their soul, take seriously the anthroposophical attitude and all that must follow from a knowledge of the fundamental conditions of initiation. Let us assume that an Occidental has grown up within Christianity. He will perhaps have learned to know Christianity through having taken into himself the great truths of the Gospels. Perhaps he has already attained also to what is called the path to Christ Jesus through inner experience; perhaps in his inner experience he has already experienced the Christ. Let us assume that he now becomes acquainted with another religion, Buddhism for example. From those who stand within the sacred truths and knowledge of Buddhism, he learns to know something which is an annoyance to the materialistic Occidental but which we anthroposophists can understand: He learns to know that the founder of this religion, after having lived through many incarnations on earth as a Bodhisatva, was reborn as the son of King Sudhodana; he learns to know that in the twenty-ninth year of his life as Bodhisatva he rose to Buddha, and that with this rising to Buddha there is given in this religion—since it stems from initiation—the one great truth which is valid not only for Buddhism but for all men, and which is acknowledged by every initiate and by all men who understand Buddhism; he learns to know that the adherent of Buddhism says justly: “When the Bodhisatva becomes Buddha in a human incarnation, then this incarnation which the Buddha has to go through on earth is the last. Then he does not come back again in a human body.”

[ 6 ] Demjenigen, der im Buddhismus drinnensteht, würde tiefer Schmerz zugefügt, wenn man behaupten wollte, daß der Buddha wiederkehren würde in einem fleischlichen Leibe. Tiefes Leid würde einem solchen Bekenner des Buddha zugefügt, wenn ihm von irgendeiner Macht bestritten würde diese Wahrheit, daß der Bodhisattva, der zum Buddha geworden ist, niemals wieder in einem physischen Leibe auf Erden erscheinen könnte. Wir Anthroposophen aber, wir erkennen den Wahrheitsgehalt der Religionen, wir stehen auf dem Boden, zu suchen die Wahrheit der verschiedenen Religionen und nicht ihren Irrtum. So gehen wir zu denen, die den Buddhismus verstehen, und lernen erkennen, oder lernen aus der Initiation erkennen, daß es wahr ist: Jene Individualität, welche als Bodhisattva gelebt hat auf der Erde und zum Buddha wurde, sie hat seit jener Zeit die geistigen Höhen erreicht, aus denen sie nicht wieder herabzusteigen hat auf dieses physische Erdenrund. Von dem Augenblicke an werden wir nicht mehr einem Buddhisten, wenn wir auf dem Boden der Reinkarnationslehre stehen, die Behauptung entgegenhalten, daß der Buddha in einem physischen Leibe wiederkehren könnte. Wahre, echte Erkenntnis wird ein Verständnis für eine jede aus der Iniitiation hervorgehende Religionsform schaffen. Wir respektieren die Religionsformen, die sich auf Erden entwickelt haben, indem wir erkennen, was sie als Wahrheit zu geben haben. Ja, ich bekenne es aufrichtig und ehrlich, so wie der strengste Buddhist sich zu dieser Wahrheit bekennen kann: daß der Bodhisattva, der auf Erden war und zum Buddha aufstieg, damit eine Höhe der menschlichen Entwickelung erreicht hat, die es ihm möglich macht, nicht mehr herunterzusteigen auf die Erde. Das heißt Verständnis haben für die verschiedenen Religionsformen der Erde.

[ 6 ] To one who stands within Buddhism it would be acutely painful, if it were asserted that the Buddha would return again in a fleshly body. Such an adherent of the Buddha would be deeply distressed, if anyone were to dispute this truth, saying that the Bodhisatva who became a Buddha could again at some time appear upon the earth in a physical body. But we anthroposophists recognize the truth in the religions; we take the position of seeking the truth of the various religions and not their error. So we go to those who understand Buddhism and we learn to know—or learn out of initiation to know—that it is true that that individuality who lived as Bodhisatva on earth and became a Buddha has since that time reached spiritual heights from which he need not again descend to this physical globe. From that moment on, if we stand on the ground of the doctrine of reincarnation, we shall no longer thrust upon the Buddhist the assertion that the Buddha could reappear in a physical body. Genuine knowledge will create an understanding for every form of religion proceeding out of initiation. We respect the religious forms which have been developed on earth, in that we recognize the truth which they have to give. Yes, my dear friends, I acknowledge as frankly and honestly as the strictest Buddhist this truth, that the Bodhisatva who was on earth and rose to Buddha reached therewith a height of human development which made it possible for him no longer to descend to earth. This is what we call having an understanding for the various forms of religion on the earth.

[ 7 ] Nehmen wir den entgegengesetzten Fall: daß ein Bekenner des Buddhismus sich aufschwingt zur anthroposophischen Erkenntnis. Er würde es in sich zur Klarheit bringen lassen, entweder aus der wirklichen Erkenntnis des Christentums oder aus dem Einweihungsprinzipe heraus, daß es für ein anderes Gebiet der Erde eine andere Religionsform gibt, wo diejenigen, die diese Religionsform verstehen, sich klar darüber sind, daß einstmals gelebt hat eine Persönlichkeit, die eigentlich keiner Nation angehört hat, am allerwenigsten dem Abendlande, daß von dem dreißigsten bis drerunddreißigsten Jahre gelebt hat in dieser Persönlichkeit ein solcher Impuls, eine solche Kraft des geistigen Lebens, auf welche wir schon gestern hinweisen konnten, auf welche hingewiesen haben die sieben heiligen Rishis in ihrem Vishvakarman, auf welche hingewiesen hat Zarathustra in seinem Ahura Mazdao, auf welche hingewiesen haben die Ägypter als auf ihren Osiris und welche die vierte nachatlantische Kulturperiode den Christus genannt hat. Aber darauf kommt es nicht an; es kommt darauf an, in dem Christus dasjenige zu erkennen, was drei Jahre lang als Impuls gelebt hat in der Persönlichkeit des Jesus von Nazareth, was vorher nicht da war auf Erden, was aus geistigen Höhen herabgestiegen ist in die Persönlichkeit des Jesus von Nazareth, was in dieser Persönlichkeit durchgemacht hat das Mysterium von Golgatha und was als solcher Christus-Impuls für die Erde ein einmaliger Impuls ist und nicht zusammenfällt mit irgendeiner gewöhnlichen Inkarnation der Menschheit; was also als Christus einmal da war und in keinem Menschen wiederkehren kann, sondern, wie die Bibel es nennt, kommen wird in den Wolken des Himmels, das heißt, als geistige Offenbarung sich der Menschheit zeigen wird. Das ist christliches Bekenntnis.

[ 7 ] Let us take the opposite case: That an adherent of Buddhism should make his way to anthroposophical knowledge. Either out of a real knowledge of Christianity or out of the principle of initiation, he would allow it to become clear to him that in another region of the earth there is another form of religion, and that those who understand this religion are quite clear about the following: That there once lived a personality who really belonged to no nation, least of all to the Occident, and that from his thirtieth to his thirty-third year there lived in this personality that impulse, that force of the spiritual life, to which we pointed yesterday; to which, in their Vishvakarman, the seven holy Rishis also pointed; to which, in his Ahura-Mazdao, Zarathustra also pointed; to which, as their Osiris, the Egyptians also pointed; and which the fourth post-Atlantean cultural period named Christ. But that is not the point: The point is to recognize in Christ that which lived as an impulse for three years in the personality of Jesus of Nazareth, that which was not previously present on earth, that which descended from spiritual heights into the personality of Jesus of Nazareth, that which in this personality went through the Mystery of Golgotha, and that which as such a Christ-impulse is a once-appearing impulse for the earth and is not connected with any ordinary incarnation of mankind; that which was thus once present as Christ and can never return in any man, but will come, as the Bible says, in the clouds of heaven—meaning that as a spiritual revelation it will show itself to men. This is a Christian avowal.

[ 8 ] Wer nun innerhalb des Buddhismus steht, durchdrungen von geisteswissenschaftlichem Ernste und geisteswissenschaftlicher Würde, wird bekennen müssen, daß er auch dies christliche Bekenntnis achten und respektieren muß, wie der Christ das seine zu respektieren hat. Derjenige Buddhist, der aufgestiegen ist zur Geisteswissenschaft und Ernst mit ihr macht, wird sagen: Wie du als Christ Vertrauen entgegenbringst der Lehre, daß der zum Buddha gewordene Bodhisattva nicht mehr zurückkehrt auf die Erde, wie es mir angemessen erscheint, daß du weißt, daß der Buddha nicht wiederkehren kann, so erkenne ich als Buddhist an, daß dasjenige, was ihr den Christus nennt, nicht wiederkehren kann in einer physischen Inkarnation, sondern als einmaliger Impuls nur während drei Jahren in einem physischen Menschenleib gelebt hat. — Finden wir in der Anthroposophie das gegenseitige Verständnis der Religionen so, daß das Initiationsprinzip eindringen kann in die Herzen der Menschen, daß der eine Mensch dem anderen keine fremde Sphäre auferlegen soll, dann bringen wir es zu einem Verständnis, das über die ganze Erde die Menschen vereint, dann stiften wir den Frieden unter den einzelnen Religionsbekenntnissen auf Erden.

[ 8 ] Now, one who stands within Buddhism, imbued with theosophical earnestness and theosophical dignity, will have to recognize that he must pay attention to and respect this Christian avowal just as the Christian must respect his. The Buddhist who has risen to theosophy and takes it seriously will say: “Just as you as a Christian approach with trust the teaching that the Bodhisatva who became a Buddha will no more return to the earth, just as it seems to me fitting that you know that the Buddha cannot return, so I as a Buddhist acknowledge that what you call Christ cannot return in a physical incarnation, but as a once-appearing impulse lived only for three years in a physical human body.”—If in anthroposophy we find the reciprocal understanding of the religions in such a way that the initiation-principle can penetrate into man's heart in such a way that one man shall not impose an alien opinion on others, then we produce an understanding which unites men over the whole earth, we establish peace between the single religions on earth.

[ 9 ] In dem Christentum lebt als Religionsstifter Jesus von Nazareth. Das christliche Initiationsprinzip hat mit dem Religionsstifter Jesus von Nazareth nur als mit einer Tatsache zu tun, einer Tatsache, die von den Okkultisten als eine Tatsache untersucht werden kann. Mit der gleichen Liebe, mit der gleichen Sorgfalt, wie untersucht wird das Leben des Buddha oder eines anderen Religionsstifters, wird von denen, die das Initiationsprinzip kennen, untersucht das Leben des Jesus von Nazareth. Wie sich dieses Leben des Jesus von Nazareth rein auf dem Boden des Okkultismus ergibt, das finden Sie dargestellt in meiner kleinen Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit». Das eigentliche christliche Initiationsprinzip bezieht sich aber darauf, den Christus zu erkennen, bezieht sich auf den Weg zum Christus. Und dieses christliche Religionsprinzip bereitete seit vielen Jahrhunderten das vor, was jetzt charakterisiert worden ist als ein Friedensprinzip über die ganze Erde hin, indem es überhaupt nicht ausgeht von einem Religionsstifter als solchem, sondern von einer Tatsache, die einmal geschehen ist in der Welt.

[ 9 ] In Christianity the founder of the religion is Jesus of Nazareth. The Christian initiation-principle is concerned with the religion's founder, Jesus of Nazareth, only as with a fact, as with a fact which can be examined by occultists as a fact. With the same love, with the same care, as are used in examining the life of Buddha or of another founder of a religion, the life of Jesus of Nazareth is examined by those who are acquainted with the principle of religion. How this life of Jesus of Nazareth appears from the standpoint of pure occultism you will find described in my pamphlet: The Spiritual Guidance of Mankind. But the true Christian initiation-principle concerns itself with recognizing Christ, with the way to Christ. And this Christian religious principle was preparing for many years what was just now described as a principle of peace for the whole earth, in that it clearly does not proceed from the founder of a religion as such, but from a fact which occurred once in the world.

[ 10 ] Das ist der Grundunterschied zwischen dem Christentum und den anderen Religionen: Dasjenige, was das Initiationsprinzip, das zum Christus führt, als Aufgabe hat in der Welt, ist verschieden von den Kulturen, die von den anderen Religionsprinzipien ausgegangen sind. Das, was das christliche Initiationsprinzip als Aufgabe innerhalb der Weltenmission hat, ging aus von einer Tatsache, von einem Geschehnis, nicht von einer Persönlichkeit. Zu verstehen wird das sein, wenn wir einige Vorbedingungen vorausschicken. Man kann ja einen einzigen Satz hinstellen, eine einzige Angabe machen, dann hat man, obwohl äußerlich, charakterisiert den Ausgangspunkt des esoterischen Christentums, der christlichen Initiation: Es ist der Tod, der erlebt worden ist in der Vereinigung des Christus mit dem Jesus von Nazareth. Die Tatsache jenes Todes, die wir nennen das Mysterium von Golgatha, ist das, was verstanden werden soll aus dem Prinzip der christlichen Initiation. Nun kann man ein wirkliches Verständnis dieses Todes nur dann gewinnen, wenn man sich die Mission des Todes innerhalb unserer Erdenentwickelung überhaupt klarmacht. Gestern wiesen wir darauf hin, daß Gebrechlichkeit, Siechtum, Krankheit und Tod zusammenhängen mit dem Nichtübereinstimmen unseres von dem luziferischen Prinzipe durchzogenen Ich mit unserer Organisation. Letzten Endes hängt der Tod zusammen mit dem luziferischen Prinzip, und zwar auf eine sehr besondere Weise. Es wäre eine ganz falsche Auffassung, wenn man annehmen würde, daß Luzifer den Tod gebracht hat. Luzifer hat nicht den Tod gebracht. Er hat gebracht, was wir nennen können die Möglichkeit des Irrtums, auch des moralischen, die Differenzierung der Menschen in Rassen und die Möglichkeit der Freiheit. Das hat Luzifer gebracht. Wenn alles das, was Luzifer gebracht hat, allein wirksam gewesen wäre in der Menschheit, wenn ihm nichts entgegengesetzt worden wäre, dann hätte dieses luziferische Prinzip dazu geführt, daß die Menschheit aus der fortlaufenden göttlichen Evolution herausgefallen, herausgebrochen wäre. Die Menschheit hätte sich zwar vergeistigt, aber nach einer ganz anderen Seite hin, als wohin die fortschreitende göttliche Evolution ging. Um die Menschheit innerhalb dieser göttlichen Evolution zu erhalten, um sie nicht verlorengehen zu lassen für die göttliche Evolution, mußte eine besondere Einrichtung getroffen werden: daß der Mensch immerfort daran gemahnt wird, was es für Folgen hat, wenn er die Möglichkeit des Irrtums und der Freiheit mißbraucht. Alle Krankheit, Gebrechlichkeit, Siechtum und Tod sind Mahnungen, daß der Mensch sich entfernen müßte von der fortlaufenden göttlichen Evolution, wenn er zu der Möglichkeit der luziferischen Freiheit auch noch gesund und kraftvoll wäre. So sind Krankheit, Siechtum und Tod nicht Gaben des Luzifer, sondern Gaben der guten, weisheitsvollen göttlichen Mächte, die damit einen Damm vorgesetzt haben den Einflüssen des Luzifer.

[ 10 ] That is the basic difference between Christianity and the other religions. What the initiation-principle which leads to Christ has as a task in the world is different from the cultures which have proceeded from the other religious principles. What the Christian initiation-principle has as a task within the world-mission proceeded from a fact, from an event, not from a personality. This will be understandable if we mention first some preliminary conditions. We can put forward a single sentence, a single statement, and we have then characterized, although externally, the starting point of esoteric Christianity, of Christian initiation: It is the death which was experienced in the uniting of Christ with Jesus of Nazareth. The fact of this death, which we call the Mystery of Golgotha, is what should be understood through the principle of Christian initiation. Now, a true understanding of this death can be won only if we make quite clear to ourselves the mission of death within our earth-evolution. Yesterday we pointed out that frailty, infirmity, illness, and death are connected with the lack of harmony between our Ego, permeated by the Luciferic principle, and our organization. Death, after all, is connected with the Luciferic principle, and that in a very special way. It would be an entirely false idea if we were to assume that Lucifer brought death. Lucifer did not bring death, he brought what we can call the possibility of error (also of moral error), the differentiation of men into races, and the possibility of freedom. Lucifer brought these things. If only what Lucifer brought had been efficacious in mankind, if nothing had been opposed to him, then this Luciferic principle would have led to the point where mankind would have fallen out, would have broken out, of the progressive divine evolution. Man would indeed have spiritualized himself, but in an entirely different direction from that to which the progressive divine evolution led. To retain mankind within this divine evolution, to prevent mankind's being lost for the divine evolution, a particular arrangement had to be set up: Man had to be continually reminded of what the consequences are if he misuses the possibility of error and of freedom. All illness, frailty, infirmity, and death are reminders that man would have to estrange himself from the progressive divine evolution if, in addition to having the Luciferic freedom, he were healthy and full of energy. Thus illness, infirmity, and death are not gifts of Lucifer, but gifts of the good, wisdom-filled divine powers, who have therewith set up a dike against the influences of Lucifer.

[ 11 ] So müssen wir sagen: Alles, was uns entgegentritt in der Welt als von außen kommendes fortgesetztes menschliches Übel, als Krankheit und Tod, das ist da, damit wir Menschen an das Erdendasein so lange gefesselt bleiben, bis wir Gelegenheit haben zum Gutmachen, damit wir eine Erziehung haben, uns an unsere Organisation anzupassen. Wir leiden, damit wir aus unserem Leid heraus die Erfahrungen schöpfen, den Ausgleich zu finden für unser von Luzifer durchzogenes Ich und unsere göttlich durchzogene Organisation. Unsere Organisation entfällt uns so oft, bis wir uns ganz durchdrungen haben in unserem Ich von den Gesetzen der im göttlichen Sinne fortschreitenden Evolution. Jeder Tod ist damit der Ausgangspunkt für erwas anderes. Es kann der Mensch nicht sterben, ohne daß er mitnimmt das, was ihm die Möglichkeit gibt, einstmals den Tod zu überwinden in seinen fortlaufenden Inkarnationen. Alle Schmerzen sind da, damit wir aus den Leiden heraus die Erfahrungen schöpfen, wie wir uns unserer fortlaufenden göttlichen Organisation anzupassen haben. Diese Frage kann aber nicht ohne weiteres außer dem Zusammenhange mit der ganzen Evolution behandelt werden.

[ 11 ] Thus we must say that all that confronts us in the world as continuous human tribulation coming from outside, as illness and death, is there in order that we men may remain fettered to earth-existence until we have an opportunity to make amends; in order that we may have an education which will adapt us to our organization. We suffer in order that out of our suffering we may gain experience and find an equilibrium between our Lucifer-permeated Ego and our divinely-permeated organization. Our organization falls away from us repeatedly, until we have completely imbued ourselves, in our Ego, with the laws of the evolution which is progressive in a divine sense. Every death is therefore a point of departure for something else. Man cannot die without taking with him that which gives him the possibility of sometime overcoming death in his successive incarnations. All our pains are there in order that out of suffering we may gain the experience of how we must adapt ourselves to our progressing divine organization. This question, however, cannot be discussed apart from its connection with all of evolution.

[ 12 ] Wir können eine solche Sache besonders gut studieren, wenn wir okkult prüfen die Beziehungen des Menschen zu dem nächst niederen Reiche, dem Tierreiche. Wir wissen, daß im Laufe der Entwickelung der Mensch immer den Tieren Schmerz zugefügt hat, daß er Tiere getötet hat. Derjenige, der für das Menschenleben Karma zu erkennen lernt, findet es oft sehr ungerecht, daß das Tier, das sich doch nicht reinkarniert, leiden sollte, Schmerzen ertragen sollte und sogar, was die höheren Tiere betrifft, mit einem gewissen Bewußtsein durch den Tod gehen sollte. Da soll kein karmischer Ausgleich stattfinden! Der Mensch hat natürlich karmischen Ausgleich im Kamaloka für die Schmerzen, die er den Tieren zugefügt hat, aber darüber will ich jetzt nicht sprechen, ich spreche von dem Ausgleich für die Tiere. Machen wir uns einen Gedanken klar. Wenn wir die Menschheitsentwickelung betrachten, so sehen wir, wie viele Schmerzen der Mensch über das Tierreich ausgestreut hat und wieviel Tiere er getötet hat. Was bedeuten diese Schmerzen, diese Tode im Laufe der Evolution?

[ 12 ] We can study such a thing especially well if we examine occultly the connections between man and the next lower kingdom, the animal kingdom. We know that in the course of evolution man has always inflicted pain on the animals, that he has killed the animals. One who learns to know the Karma of human life often finds it highly unjust that the animal, which does not reincarnate, should suffer, should bear pain, and even, in the case of the higher animals, should go through death with a certain consciousness. Should no Karmic compensation take place here? Naturally, the human being has to make a Karmic compensation in Kamaloka for the pain which he inflicts on animals, but I am not speaking of this now; I am speaking of the compensation for the animals. Let us make one thought clear: If we consider human evolution, we see how much pain man has strewn over the animal kingdom and how many animals he has killed. What do these pains and these deaths mean in the course of evolution?

[ 13 ] Da zeigt uns das okkulte Studium, daß jeder Schmerz, der einem schmerzempfindenden Wesen außer dem Menschen zugefügt wird, daß jeder Tod eine Aussaat ist für die Zukunft. So wie die Tiere gewollt sind durch die fortschreitende göttliche Entwickelung, sind sie nicht bestimmt, Inkarnationen zu haben wie die Menschen. Aber wenn eine Änderung eintritt in diesem weisheitsvollen Weltenplan, wenn der Mensch eingreift und die Evolution der Tiere nicht sein läßt, wie sie sein sollte ohne den Menschen, was geschieht dann? Nun, die okkulte Forschung lehrt uns, daß jeder Schmerz, jeder Tod, den der Mensch den Tieren zufügt, daß diese alle doch wiederkehren und auferstehen, nicht durch Reinkarnation, sondern weil den Tieren Schmerzen und Leiden zugefügt wurden. Diese Schmerzen, diese Leiden rufen die Tierheit wieder hervor. Die Tiere, denen Schmerz zugefügt wurde, werden zwar nicht in derselben Form wiedererstehen, aber das, was in ihnen Schmerz fühlt, das kommt wieder. Es kommt so wieder, daß die Schmerzen der Tiere ausgeglichen werden, so daß jedem Schmerze sein gegenteiliges Gefühl hinzugefügt wird. Diese Schmerzen, diese Leiden, dieser Tod, sie sind die Saat, die der Mensch gestreut hat; sie kommen so wieder, daß jedem Schmerze sein gegenteiliges Gefühl zugefügt wird in der Zukunft. Um ein konkretes Beispiel zu gebrauchen: Wenn die Erde vom Jupiter ersetzt sein wird, dann werden die Tiere in ihrer heutigen Form zwar nicht erscheinen, aber ihre Schmerzen und Leiden werden auferwecken die Empfindungskräfte der Schmerzen. Sie werden leben in den Menschen und sich in den Menschen verkörpern als parasitäre Tiere. Aus den Empfindungen und Gefühlen dieser Menschen heraus wird der Ausgleich geschaffen werden zu ihren Schmerzen. Das ist die okkulte Wahrheit, die man objektiv und ungeschminkt sagen kann, wenn es auch dem heutigen Menschen nicht angenehm ist. Der Mensch wird es einmal erleiden, und das Tier wird in einem bestimmten Wohlgefühl, in einer guten Empfindung den Ausgleich seiner Schmerzen haben. Das geschieht auch langsam und allmählich schon im Laufe des gegenwärtigen Erdenlebens, so sonderbar es scheint. Warum werden denn die Menschen gequält von Wesen, die eigentlich weder Tiere noch Pflanzen sind, sondern zwischen beiden stehen, die ein Wohlgefühl daran haben, wenn der Mensch leidet, von Bazillenarten und dergleichen Geschöpfen? Dieses Schicksal haben sie in früheren Inkarnationen dadurch, daß sie Leiden und Tod den Tieren zugefügt haben, sich geschaffen. Denn das Wesen, wenn es auch nicht in derselben Form erscheint, das empfindet hinüber über die Zeiten und empfindet den Ausgleich der Schmerzen in den Leiden, die der Mensch erfahren muß. So ist alles dasjenige, was an Leiden und Schmerzen geschieht, durchaus nicht ohne Folgen. Es ist eine Aussaat, aus der dasjenige hervorgeht, was durch Schmerz und Leid und Tod bewirkt worden ist. Es kann kein Leid, kein Schmerz, kein Tod geschehen, ohne daß dadurch etwas bewirkt wird, was später aufgeht.

[ 13 ] Occult study shows us that every pain which is inflicted on a pain-feeling being other than man, every death, is a seed for the future. Animals, as they are willed by the progressive divine evolution, are not destined to have incarnations like man. But, if a change comes into this wisdom-filled world-plan, if man intervenes and does not leave the evolution of the animals to be as it would have been without man, what happens then? Now, you see, occult research teaches us that every pain, every death, inflicted by man on the animals, will return and arise again, not through reincarnation, but because pain and death have been inflicted on the animals. This pain and suffering call up animality again. These animals on which pain has been inflicted will arise again, though not in the same form; but that which feels pain in them, that comes again. It comes again in such a way that the sufferings of the animals are compensated, so that to every pain its complementary feeling is added. These pains, these sufferings, this death, these are the seed which man has sown; they return in such a way that to every pain its contrary feeling is added in the future. To use a concrete example: When Earth is replaced by Jupiter, the animals will not appear in their present form, but their pains and sufferings will awaken the forces for the feeling of pain. They will live in men, and will embody themselves as parasitic animals in men. Out of the sensations and feelings of these men, out of their pains, the compensation will be created. This is the occult truth, which can be stated objectively and unadorned even if it is not pleasant to the man of today. Man will one day suffer this, and the animals will have, in a certain well-being, in a pleasant feeling, the compensation for their pains. This already happens slowly and gradually in the course of present-day earth-life, no matter how strange this seems. Why are men plagued by beings which are really neither animals nor plants, but stand between the two, by bacilli and similar creatures, which feel a well-being when man suffers? They have brought this upon themselves in earlier incarnations through inflicting pain and death on animals. For the being, though not appearing in the same form, feels this across time and feels the compensation for its pains in the suffering which man must undergo. Thus all the pain and suffering in the world are positively not without consequences. It is a seed from which proceeds what is caused by pain, suffering, and death. There can be no suffering, no pain, no death, without causing something which springs up later on.

[ 14 ] Betrachten wir in diesem Lichte den Tod auf Golgatha, der folgte aus der Vereinigung des Christus mit dem Jesus von Nazareth. Das erste, was demjenigen, der die entsprechende Initiation durchmacht, klar wird, ist, daß dieser Tod auf Golgatha kein gewöhnlicher Tod auf Erden war wie ein gewöhnlicher menschlicher oder ein anderer Tod. Diejenigen Menschen, die noch nicht an das Übersinnliche glauben, können sich überhaupt von diesem Tod auf Golgatha keinen Begriff machen. Denn schon äußerlich hat dieses Mysterium von Golgatha etwas sehr Eigentümliches, etwas, woraus für die Menschen viel zu erlernen ist. Von dem Mysterium von Golgatha nämlich erzählt keine Geschichtsschreibung, und die Evangelienkritiker behaupten, daß die Evangelien als historische Urkunden gar nicht maßgebend sind. Es sind Initiationsprinzipien auf das angewandt, was nicht aus historischer Beobachtung geschrieben worden ist. Was auf Golgatha geschehen ist, das können die Initiierten heute noch wahrnehmen, das können die Menschen, die das Initiationsprinzip durchmachen, noch heute sehen in der Akasha-Chronik. Die Evangelienschreiber haben es auch nur aus der Akasha-Chronik heraus geschrieben. Ein Ereignis ist beschrieben, aber die ursprünglichen Evangelienschreiber haben nicht daran gedacht, die Wahrnehmungen des physischen Planes dabei zu Rate zu ziehen. So stark war damals schon das Bewußtsein, daß man es zu tun habe mit etwas, das in Beziehung steht zu den übersinnlichen Welten, und daß es das Wichtigste sei, ein Verhältnis zu gewinnen zu den übersinnlichen Welten. Von der sinnlichen Welt aus kann ein richtiges Verhältnis zu diesen Ereignissen nicht gewonnen werden. Was geschehen ist, wird durch die Initiation klar. Man könnte sagen: Im Beginne unserer Zeitrechnung habe ein Mensch gelebt, Jesus von Nazareth, er hätte im dreißigsten Jahre seines Lebens eine bestimmte Veränderung erfahren durch die Aufnahme des Christus und wäre nach drei Jahren gekreuzigt worden — das würde ein Ereignis der fortlaufenden Menschheitsgeschichte bedeuten. Wenn man das sagen würde, so wäre es das Gegenteil von dem, was der Initiierte kennenlernt; es wäre eine Angelegenheit der Menschheit auf der Erde, wenn man es auch noch so sehr vergeistigte. Darauf kommt es bei dem Initiationsprinzip nicht an.

[ 14 ] Let us consider in this light the death on Golgotha, which followed from the uniting of Christ with Jesus of Nazareth. The first thing which becomes clear to anyone who goes through the requisite initiation is that this death on Golgotha was no ordinary death on earth, no ordinary human or other death. Persons who do not yet believe in the super-sensible can form no conception of this death on Golgotha. For even externally this Mystery of Golgotha has something very strange, something from which man has much to learn. This is that no historical writings tell of the Mystery of Golgotha, and the critics of the Gospels assert that the Gospels are in no way authoritative as historical documents. Principles of initiation are applied to that which was not written out of historical observation. What happened on Golgotha can still be perceived today by initiates, can still be seen today in the Akashic Record by people who undergo initiation. The writers of the Gospels also wrote only out of the Akashic Record; an event is described for which the original writers of the Gospels never thought of calling in the aid of perceptions on the physical plane. So strong was then the consciousness that one had to do here with something which stood in relation to the super-sensible worlds, and that the most important thing was to gain a relation to the super-sensible worlds. Out of the sense-world no right relation to these events can be won. What happened becomes clear through initiation. One could say that at the beginning of our era there lived a man, Jesus of Nazareth; that in the 30th year of his life he experienced a certain change through the reception of the Christ, and that after three years he was crucified. This would signify an event for the progressive history of mankind. If this were said, it would be the opposite of what the initiate learns to know; it would be an affair of men on earth, no matter how spiritualized it might become. With the initiation-principle, this is not the point.

[ 15 ] Im Grunde genommen könnte man sagen — aber Sie müssen mich nicht mißverstehen —, radikal könnte man sagen: Zunächst war das, was auf Golgatha geschah, kein Ereignis, das die Menschen etwa angeht, insofern sie auf dem physischen Plan sind. Zunächst! Nicht so, daß man erzählt, daß ein Mensch gelebt habe, Jesus von Nazareth, im Beginne unserer Zeitrechnung, der im dreißigsten Jahre seines Lebens eine bestimmte Veränderung erfahren habe durch die Aufnahme des Christus und dann gekreuzigt worden ist in seinem dreiunddreißigsten Jahre, nicht so erzählt man die Initiationswahrheit des Christentums. Man muß ungefähr so sagen: Der in das christliche Prinzip zu Initiierende erfährt das Folgende. Der Erde ging voran ein Mondenzustand. Während dieses Mondenzustandes blieben die luziferischen Wesenheiten zurück. Diese luziferischen Wesenheiten entwickelten sich neben den fortlaufenden göttlich-geistigen Wesenheiten weiter. In der lemurischen Zeit kam Luzifer an die Menschen heran, fügte sich in die menschliche Erdenentwickelung ein und bewirkte dasjenige, was gestern charakterisiert worden ist. So war Luzifer drinnen in der ganzen menschlichen Entwickelung. Wäre die Menschheitsevolution mit dem Luzifer so fortgegangen, so wäre es allmählich geschehen, daß die Mission der Erde nicht an ihr Ziel gekommen wäre. Die Menschheit wäre vertrocknet, das menschliche Ich hätte sich losgelöst, wäre herausgebrochen aus der göttlich-geistigen Evolution. Auf dem alten Monde haben eine Reihe von Wesenheiten, die den übersinnlichen Welten angehören, sozusagen erfahren, daß Luzifer abgefallen ist, sich ihnen feindlich gegenübergestellt hat. So mußten die Götter sehen, daß Luzifer der Gegner der fortschreitenden göttlichen Entwickelung geworden ist. Vollständig kann man zunächst außer acht lassen, was den Menschen dabei angeht. Betrachten wir das als eine Angelegenheit der Götter und ihrer Gegner, der luziferischen Wesenheiten, und betrachten wir das Menschengeschlecht wie eine Schöpfung der Götter. So war die Situation.

[ 15 ] Fundamentally, it might be said—but you must not misunderstand me—radically, it might be said that, at first glance, what happened on Golgotha was not an event which concerned men in so far as they are on the physical plane. At first glance! Not in the way in which it is related: A man once lived, Jesus of Nazareth, at the beginning of our era, who in the 30th year of his life experienced a certain change through the reception of the Christ, and was then crucified in his 33rd year—not so is the initiation-truth of Christianity told. It must be stated entirely differently. It must be stated approximately thus: One who is to be initiated into the Christian principle learns the following: Before this Earth there was a Moon-condition. During this Moon-condition the Luciferic beings remained behind. These Luciferic beings developed further, alongside the progressive divine spiritual beings. In the Lemurian time Lucifer drew near to men, injected himself into the human earth-evolution, and brought about what was characterized yesterday. Thus Lucifer was inside the whole human development. Had human evolution continued in this way with Lucifer, it would gradually have happened that the mission of the Earth would not have reached its goal; man would have dried up, the human Ego would have separated from, would have broken out of, the divine spiritual evolution. On the old Moon a series, so to speak, of beings belonging to the super-sensible worlds learned that Lucifer had become rebellious, that he had taken up a position hostile to them. Thus the gods were compelled to see that Lucifer had become the adversary of the progressive divine development.—One can at first completely ignore all that concerns man in this. Let us consider all this as the affair of the gods and of their adversaries, the Luciferic beings, and let us consider mankind as a creation of the gods. This was the situation.

[ 16 ] Nun gibt es ein gewisses Eigenartiges in den geistigen, den übersinnlichen Welten. Da ist eines nicht vorhanden, was auf der Erde vorhanden ist, da gibt es den Tod in allen seinen Formen nicht. In den übersinnlichen Welten verwandelt man sich, man stirbt aber nicht. Metamorphose, nicht Geburt und Tod ist da vorhanden. Zum Beispiel die Gruppenseelen, die in den übersinnlichen Welten sind, sie sterben nicht, sondern sie verwandeln, metamorphosieren sich. Geburt und Tod bestehen dort nicht, wo die physische Welt niemals hineingewirkt hat. Nur dort, wo die Eigenschaften der physischen Welt schon einigermaßen übergegangen sind in die Wesenheiten der übersinnlichen Welt, da ist etwas, was man als analog dem Tode betrachten kann, so wie bei den Naturgeistern; aber darauf können wir uns heute nicht einlassen. Bei der eigentlichen übersinnlichen Welt ist nicht Geburt und Tod, sondern nur Verwandlung, Metamorphose.

[ 16 ] Now, there is a certain peculiarity in the spiritual, in the super-sensible, worlds. One thing is not present there which is present on the earth; death, in all its forms, is not found there. In the super-sensible worlds one transforms oneself, but one does not die. Metamorphoses, not birth and death, are present there. For example, the group-souls which are in the super-sensible worlds do not die; they transform, metamorphose themselves. Birth and death do not exist there, where the effects of the physical world have never reached. Only where the traits of the physical world have already been transmitted to a certain extent to the beings of the spiritual world, there is something which may be regarded as analogous to death, as with the spirits of nature; but we cannot go into this today. In the real super-sensible world there is no birth or death, only transformation, metamorphosis.

[ 17 ] Bei den göttlich-geistigen Wesenheiten, die als die Schöpfer der Menschen zu bezeichnen sind, kommen Geburt und Tod nicht in Betracht. Luzifer inkarniert sich auch nicht als menschliches Wesen auf der physischen Welt. Er wirkt im Menschen, durch den Menschen, gebraucht die Menschen gleichsam als sein Vehikel. So haben wir es zu tun mit den Göttern und mit den luziferischen Wesenheiten, die auf ihre Schöpfungen sozusagen hinunterschauen. Wäre die Evolution so fortgegangen, wäre nichts geschehen in der Welt der Götter, so wäre die Absicht der Götter mit den Menschen nicht erfüllt worden. Dann hätte Luzifer den Plan der Götter durchkreuzt. Es mußten die Götter ein Opfer bringen — das war ihre Angelegenheit —, sie mußten etwas erleben, das in ihre Sphäre so hineinspielte, daß es eigentlich Götter gar nicht erleben können, wenn sie in ihrer Sphäre bleiben. Sie mußten aus ihren Reihen ein Wesen auf den physischen Plan schicken, das etwas erlebte, was sonst Götter in den geistigen Welten gar nicht erleben können. Die Götter mußten den Christus auf die Erde herunterschicken zur Bekämpfung des luziferischen Prinzips. Im Laufe der Zeit, als die Zeit erfüllet war, da schickten die Götter, die man unter dem Namen der göttlichen Vaterwelt zusammenfaßt, den Christus herab, daß er kennenlernte die unendlichen Schmerzen der Menschen, die für einen Gott noch etwas ganz anderes bedeuten als für einen Menschen. Eingetreten sind damit die Götter in die Erdensphäre zur Bekämpfung der luziferischen Geister. Erleiden mußte ein Gott den Tod am Kreuze, den schimpflichsten menschlichen Tod, wie Paulus besonders betont. Wir durften einmal in der Erdenentwickelung Zeugen werden, indem wir wie durch ein Fenster hineinschauten in die geistigen Welten, von einer Angelegenheit der Götter.

[ 17 ] For the divine spiritual beings who may be designated the creators of men, birth and death do not come into consideration. Lucifer also does not incarnate himself as a human being in the physical world. He works in man through man; uses men as his vehicle, as it were. Thus we have to do with the gods and with the Luciferic beings, who look down, so to speak, upon their creations. Had evolution continued in this way, had nothing happened in the world of the gods, then the intention of the gods for men would never have been fulfilled; Lucifer would have thwarted the plan of the gods. The gods had to make a sacrifice—that was their concern—they had to experience something which was related to their sphere in such a way that it really could not be experienced by gods if they remained in their own sphere: They had to send from their own ranks down to the physical plane a being who experienced something which otherwise gods in the spiritual worlds cannot experience. The gods had to send the Christ down to earth to do battle with the Luciferic principle. In the course of time, when the time was fulfilled, the gods, whom we group together under the name of the divine Father-world, sent down the Christ in order that he should learn to know the unending pains of men, which mean something entirely different for a god from what they mean for a man. Therewith the gods entered the earth-sphere to do battle with the Luciferic spirits. A god had to suffer death on the cross, the most disgraceful human death, as Paul especially emphasizes. We were allowed, once in the Earth's development, to be witnesses—because we looked as through a window into the spiritual worlds—of an affair of the gods.

[ 18 ] Vorher — so sagt das Initiationsprinzip — mußte der Mensch unter allen Umständen hinaufsteigen in die göttlich-geistigen Welten, um des Initiationsprinzipes teilhaftig zu werden. Vor der ganzen Menschheit steht da das Initiationsprinzip in dem Mysterium von Golgatha, ein Ereignis, das zugleich sinnlich auf dem physischen Plane — wenn die Menschen es nur sehen wollen — und übersinnlich ist, eine eigentliche Angelegenheit der Götter. Das ist das Wesentliche, daß einmal ein Gott durch den Tod gegangen ist, als Ausgleich für Luzifer, und die Menschen dabei haben zusehen dürfen. Das ist dasjenige, was das Initiationsprinzip als christliche Weisheit gibt, und was der eigentliche Ursprung des Vertrauens ist zu der Tatsache, daß den Menschen als Menschen etwas als Kraft zufließen kann, was sie über die Erdensphäre und über den Tod hinausbringen kann: weil einmal die Götter ihre Angelegenheit auf Erden ausgemacht haben und die Menschen dabei haben zusehen lassen. Deshalb ist dasjenige, was vom Mysterium von Golgatha ausströmt, etwas Allgemein-Menschliches. Und wenn schon jeder Schmerz, ein jedes Leid, ein jeder Tod seine Wirkung hat — sogar diejenigen, die die Menschen den Tieren zufügen —, so hat auch dieser Tod seine Wirkung. Dieser Tod war eine Saat, die von den Göttern ausgesät war, war etwas, was mit der Erde verbunden blieb und seitdem verbunden geblieben ist, so verbunden geblieben ist, daß jeder Mensch durch das Vertrauen, durch die Liebe zu den geistigen Welten es finden wird. Er findet es! Der Initiierte erkennt, daß es so ist; der gläubig-vertrauende Mensch fühlt, daß ihm aus den geistigen Welten Hilfe werden kann für sein Streben, wenn er nur genug Glauben und Vertrauen entwickeln kann. In einer ganz bestimmten Weise wird sich das entwickeln.

[ 18 ] Previously—so says the initiation-principle—man was compelled under all circumstances to rise into the divine-spiritual worlds in order to take part in the initiation-principle. The initiation-principle stands before the whole of mankind in the Mystery of Golgotha, an event which is at the same time sensible on the physical plane (if men would only see it) and super-sensible, a true affair of the gods. This is the essential thing, that a god once went through death, as a counterpoise to Lucifer, and that men were allowed to look on. This is what the initiation-principle gives as Christian wisdom, and this is the real origin of the faith that to men, as men, something can flow as a force which can take them beyond the earth-sphere and beyond death; because once the gods settled their affair on earth and allowed men to look on. Therefore that which streams out from the Mystery of Golgotha is something universally human. And if every pain, every suffering, every death has its effect (even those inflicted by men on animals) so does this death also have its effect. This death was a seed sown by the gods; it was something which remained bound up with the earth, and has remained bound up with it ever since, remained bound up with it in such a way that every man, through trust, through love for the spiritual worlds, will find it. He does find it! The initiate knows that this is so; the believing-trusting man feels that from the spiritual worlds help can come to him for his striving, if he can only develop enough belief and trust. This will develop itself in a very definite way.

[ 19 ] Da waren diejenigen, die Zeitgenossen der ägyptischen Eingeweihten waren. Diese Eingeweihten haben durch Initiation den Schülern die ganze Tragik des Konfliktes der Götter mit Luzifer klargemacht, indem sie in ihren Mysterien symbolisch die Osiris-Seth-Mythe vor die Menschen hinstellten. Schon gestern haben wir betrachtet, was für Empfindungen bei den Ägyptern die Osiris-Seth-Mythe hervorrief. Da lebte das Göttlich-Geistige, zu dem die Menschen gelangen wollten; das nannte man Osiris. Aber auf der Erde kann der Mensch sich mit Osiris nicht vereinigen, er muß erst durch die Pforte des Todes gehen. Auf der Erde konnte Osiris nicht leben, er wurde gleich zerstückelt; hier war nicht der Platz für das in Osiris Verkörperte. Wie zu einem Jenseits sah die letzte Kulturepoche vor der griechischlateinischen zu dem Christus, zu dem Osiris-Prinzip auf. Dann kam die griechische Zeit, die so ganz durchdrungen war von der Empfindung, daß es besser sei, ein Bettler zu sein auf der Oberwelt als ein König im Reiche der Schatten. In der Zeit, in der dies noch innerhalb Griechenlands gefühlt wurde, in der alten Heroenzeit, da fühlte man die ganze Diskrepanz des vom luziferischen Prinzip durchzogenen Ich mit der fortlaufenden menschlichen Organisation. Da fühlten die Menschen, daß die vierte nachatlantische Kulturperiode so ablief, daß sie viel hineinzudrängen hatten von dem, was man gerade auf dem Erdenrund erleben kann. Daher das Abnorme, das Sonderbare dieses Zeitraumes. In keinen anderen Zeitraum fallen so viel merkwürdige Inkarnationsfolgen, wie in diesen vierten Zeitraum. Da müssen die Menschen hier auf der Erde viel austragen, weil sie mehr auf die Erde schauen als auf die jenseitige Welt, wie noch die dritte Kulturepoche getan hatte. Die Griechen schätzten diese Einverleibung in den Osiris nicht, sie sahen mehr darauf, soviel wie möglich in die menschlichen Inkarnationen selbst hineinzulegen, sie wollten in den Inkarnationen möglichst viel ausleben. Daher die merkwürdige Tatsache, daß Pythagoras, der große Initiator einer gewissen Richtung der griechischen Kultur, in einer früheren Inkarnation als Trojanerheld mitgekämpft hat auf seiten der Trojaner, so wie er selbst sagt, daß er der trojanische Held war, der im Homer entsprechend angeführt wird, und daß er sich als Gegner der Griechen wiedererkannte, weil er seinen Schild wiedererkennt. Wenn Pythagoras erzählt, daß er Euphorbos gewesen ist, so lehrt Anthroposophie dies Bekenntnis voll verstehen. Die Griechen haben besonderen Wert gelegt auf das, was die einzelnen physischen Inkarnationen für sie bedeuten, auch die größten unter ihnen.

[ 19 ] There were those who were contemporaries of the Egyptian initiates. Through initiation these initiates had made quite clear to their pupils the whole tragedy of the conflict of the gods with Lucifer, by setting before men symbolically in their mysteries the Osiris-Set myth. Just yesterday we considered what feelings the Osiris-Set myth called forth in the Egyptians. There lived the divine-spiritual to which men wished to attain; this was called Osiris. But on earth the human being cannot unite himself with Osiris; he must first go through the gate of death. On earth Osiris could not live; he was immediately dismembered; this was not the place for what was incarnated in Osiris. The last culture epoch before the Graeco-Latin looked up to Christ, to the Osiris-principle, as to a Beyond. Then came the Greek time, which was so deeply imbued with the feeling that it was better to be a beggar on earth than a king in the realm of shades. In the time in which this was still felt in Greece, in the time of the old heroes, men felt the whole discrepancy between the Ego, permeated by the Luciferic principle, and the progressive human organization. Men felt then that the fourth post-Atlantean culture period ran its course in such a way that they had to crowd in a great deal of what man can experience just here on earth. Thence the abnormal, the singular, in this period. In no other time do so many remarkable series of incarnations occur as in this fourth period. Men had to do a great deal here on earth, because they now looked more on this world than on the worlds beyond, as the third culture epoch had still done. The Greeks did not prize this incorporation into Osiris; they were more occupied with cramming as much as possible into the human incarnations, they wanted to get as much as possible out of the incarnation. Thence the remarkable fact that Pythagoras, the great initiator of a certain line of Greek culture, in an earlier incarnation had fought as a Trojan hero on the side of the Trojans. He himself says that he was a Trojan hero, mentioned in Homer, and that he recognized himself as an enemy of the Greeks because he recognized his shield. When Pythagoras says that he had been Euphorbos, anthroposophy teaches a full understanding of this assertion. The Greeks, even the greatest among them, laid especial value on what the single physical incarnations meant for them.

[ 20 ] Aber der vierte nachatlantische Zeitraum sollte auch die Menschen dazu führen, die geistigen Welten in ihrer vollen Bedeutung zu empfinden, denn in jene Zeit fiel das Mystertum von Golgatha. Während im Griechentum die Menschen die äußere Welt am meisten schätzten, da ereignete sich in einem unbekannten Winkel der Erde das Mysterium von Golgatha, da machten die Götter auf dem irdischen Schauplatze, wo die Menschen sonst ihre menschlichen Angelegenheiten ausmachen, ihre eigenen Angelegenheiten aus.

[ 20 ] But the fourth post-Atlantean period had also to lead men to feel the spiritual worlds in their full significance, for in that time fell the Mystery of Golgotha. At the time when men in Greece were prizing the outer world most, there occurred in an unknown corner of the world the Mystery of Golgotha; on the earthly stage, where otherwise men carry out their human affairs, the gods carried out their own affairs.

[ 21 ] Sah der Ägypter zum Tode hinauf, wenn er an seinen Osiris dachte, so lernte man in dem vierten nachatlantischen Zeitraume kennen, wie eine zeitgenössische Religionsform da war, in welcher der Impuls lebte, der den Menschen die Empfindung bringen konnte, daß in dieser physischen Welt sich etwas abspielt, was eigentlich eine göttliche Angelegenheit ist, die lebendige Widerlegung dessen, was die Griechen bis jetzt geglaubt hatten: Es ist besser, ein Bettler zu sein auf der Oberwelt, als ein König im Reiche der Schatten. — Denn nun lernten die Griechen den kennen, der als König aus dem Reiche der Götter herabgestiegen war und als Bettler sein Schicksal auf der Erde unter den Menschen ausgelebt hatte. Das war die Antwort auf die Empfindung des vierten nachatlantischen Zeitraumes. Das ist aber auch jener Empfindungskomplex, von dem die Strahlen für die zukünftige Erdenentwickelung ausgehen können. Der Ägypter hatte aufgeschaut zu Osiris, der für ihn der Christus war, um sich mit ihm zu vereinigen nach dem Tode; im vierten nachatlantischen Zeitraume sah man auf das Mysterium von Golgatha als auf den zeitgenössischen Akt, der die Menschen lehrte, daß auf der physischen Welt ein Ereignis sich abgespielt hat, das eine Angelegenheit der Götter war.

[ 21 ] Just as the Egyptian learned to look up to death when he thought of his Osiris, so man learned to know, in the fourth post-Atlantean period, how a contemporary religious form was present, in which lived the impulse which could bring to men the feeling that in this physical world something takes place which is really an affair of the gods; that there takes place the living refutation of that which the Greeks had until then believed—“Better to be a beggar on earth than a king in the realm of shades.” For now the Greeks learned to know him who, as a king, had descended from the realm of the gods, and, as a beggar, had lived out his destiny on earth among men. That was the answer to the feeling of the fourth past-Atlantean period. But this is also that complex of feelings from which the rays for the future earth-development can proceed. The Egyptian had looked up to Osiris, who for him was the Christ, in order to unite himself with him after death; in the fourth post-Atlantean period man looked upon the Mystery of Golgotha as the contemporary act which taught men that in the physical world an event had taken place which was an affair of the gods.

[ 22 ] Wir leben im fünften nachatlantischen Zeitraume. In unserem fünften nachatlantischen Zeitraume werden die Menschen hinzufügen die großen Lehren von Karma zu dem anderen, sie werden lernen ihr Karma verstehen. In unserem fünften nachatlantischen Zeitraume erleben die Menschen den dritten Akt, der sich konsequent anschließt an den Osiris-Akt und an den Akt des Mysteriums von Golgatha. Sie werden lernen zu begreifen die Vorstellung: Ich bin auf die Erde durch die Geburt hineingestellt; mein Schicksal ist auf der Erde, ich erlebe Freude und Leid, ich muß verstehen, daß das, was ich erlebe als Freude und Leid, nicht umsonst an mich herantritt, daß es mein Karma ist und daß es zu mir kommt, weil es mein Karma ist, mein großer Erzieher. Ich blicke auf das, was vor meiner Geburt war, was mich in diese Inkarnation hineingestellt hat, weil dieses mein Schicksal für meine Weiterentwickelung notwendig ist. Wer hat mich hergeschickt? Wer wird mich so lange hineinstellen in mein Schicksal auf dieser Erde, bis ich mein Karma abgetragen habe? Ich werde dies danken dem Christus, daß die Menschen immer wieder berufen werden können zum Erleiden der Schicksale, bis sie ihr Karma auf Erden ausgetragen haben. Deshalb konnte Jesus von Nazareth, aus dem der Christus sprach, nicht zu den Menschen sagen: Versucht, so schnell wie möglich aus dem physischen Leibe herauszukommen —, sondern er mußte zu den Menschen sagen: Ich werde euch so lange in euer Schicksal auf diese Erde hineinstellen, bis ihr euer Karma abgetragen habt. Ihr müßt euer Karma austragen. — Die Menschen werden, je mehr wir uns der Zukunft nähern, lernen, daß sie mit dem Christus vereinigt waren vor der Geburt, daß sie von ihm die Gnade erlebt haben, ihr altes Karma in den Inkarnationen abzutragen.

[ 22 ] We are living in the fifth post-Atlantean period. In our fifth post-Atlantean period men will add the great teachings of Karma to the other teaching, they will learn to understand their karma. In our fifth post-Atlantean period, human beings are experiencing the third act which follows consistently after the Osiris act and the act of the Mystery of Golgotha. They will learn to grasp the idea: “I am placed on earth through birth; my destiny is on earth; I experience joy and sorrow; I must understand that what I experience as joy and sorrow does not approach me in vain, that it is my Karma, and that it comes to me because it is my Karma, my great educator. I look upon that which was before my birth, which placed me in this incarnation, because this, my destiny, is necessary for my further development. Who sent me hither? Who will continue to place me on this earth, into my destiny, until I have discharged my Karma? I shall owe this to the Christ that men can ever more be called to suffer their destinies, until they have discharged their Karma on earth.” Therefore Jesus of Nazareth, out of whom Christ spoke, could not say to men; “Try to escape as fast as possible out of the physical body”...but he had to say to men: “I will place you into your destinies on this earth so long as you have not discharged your Karma. You must discharge your Karma.” Men will learn as we approach the future that they were united with Christ before birth, that they have received from him the grace of discharging their old Karma in the incarnations.

[ 23 ] So schauten die Menschen des vierten nachatlantischen Zeitraumes zu dem Jesus von Nazareth auf als zu dem Träger des Christus. So werden die Menschen unserer Zeit lernen, daß der Christus immer übersinnlicher sich offenbaren wird und immer mehr regieren wird die Karmafäden in den Angelegenheiten der Erde. Sie werden kennenlernen jene geistige Macht als jenes Schicksal, das die Griechen noch nicht erkennen konnten: das die Menschen dazu bringen wird, auf die angemessenste Weise in den nächstfolgenden Inkarnationen ihr Karma auszutragen. Als zu einem Richter, als zu einem Herrn des Karma werden die Menschen in der Aufeinanderfolge der Inkarnationen aufschauen zu dem Christus, wenn sie ihr Schicksal erleben. So werden die Menschen zu ihrem Schicksal stehen, daß sie dadurch angeregt werden, ihre Seelen immer mehr zu vertiefen, bis sie sich sagen können: Mir wird dies Schicksal nicht zuerteilt durch eine unpersönliche Macht, mir wird dies Schicksal zugeteilt durch dasjenige, mit dem ich mich verwandt fühle in meinem innersten Wesen. Im Karma selbst nehme ich wahr, was mit meinem Wesen verwandt ist. Mein Karma habe ich gern, weil es mich besser und besser macht. — So lernt man Karma lieben, und dann ist dies der Impuls, den Christus zu erkennen. Ihr Karma lieben, lernten die Menschen erst durch das Mysterium von Golgatha. Und immer weiter und weiter wird dies gehen und immer mehr werden die Menschen lernen, daß unter Luzifers Einfluß allein die Erde niemals an ihr Ziel hätte kommen können, daß die Menschheitsentwickelung immer mehr hätte verderben müssen ohne den Christus.

[ 23 ] Thus did the men of the fourth post-Atlantean period look up to Jesus of Nazareth as the bearer of the Christ. Thus will the men of our time learn that the Christ will reveal himself ever more supersensibly, and will govern more and more the threads of Karma in the affairs of the earth. They will learn to know that spiritual power as that destiny which the Greeks could not yet recognize, which will bring men to the point of discharging their Karma in the most fitting way in the successive incarnations. As to a judge, as to a lord of Karma, men will look up to the Christ in the succession of incarnations, when they experience their destiny. Thus men will stand in such a relation to their destiny that they will be stimulated increasingly to deepen their souls, until they can say to themselves: “This destiny is not allotted to me through an impersonal power, this destiny is allotted to me through that with which I feel myself related in my inmost being. In Karma itself I perceive what is related to my being. My Karma is dear to me because it makes me better and better.” Thus one learns to love Karma, and then this is the impulse to know the Christ. Men first learned to love their Karma through the Mystery of Golgotha. And this will continue further and further, and men will learn more and more that under Lucifer's influence alone the earth would never have been able to reach its goal, that the evolution of mankind would have had to become more and more corrupt without the Christ.

[ 24 ] Aber das Christentum sieht nicht auf den Christus als auf eine Persönlichkeit, als auf den Stifter eines abstrakten Religionssystems. In unserer heutigen Zeit stiftet ein Religionsstifter nach den Anforderungen unserer Zeit nur Unfrieden. Nicht von einer Persönlichkeit geht die christliche Initiation aus, sondern von einer Tatsache, einem unpersönlichen Götterakt, der sich abgespielt hat vor den Augen der Menschen. Daher ist dies Geheimnis von Golgatha, von dem, was sich abgespielt hat am Anfange unserer Zeitrechnung, wovon ausgegangen ist die Saat dieses einzigartigen Todes, die nun aufgeht als die Liebe des Menschen zu seinem Schicksal, zu seinem Karma, in einer besonderen Art der Menschheit überliefert worden.

[ 24 ] But Christianity does not look upon the Christ as a personality, as the founder of an abstract religious system. In our present time the founder of a religion, in accordance with the demands of our time, only brings about discords. Not from a personality does the Christian initiation proceed, but from a fact, from an impersonal act of the gods which took place before the eyes of men. That is why this secret of Golgotha, this event which took place at the beginning of our era and from which went forth the seed of this unique death, the seed from which now grows man's love for his destiny, for his Karma, has been transmitted to mankind in a special way.

[ 25 ] Wir haben gesehen, daß der Tod, den die Menschen den Tieren zufügen, eine gewisse Folge hat. Der Tod auf Golgatha wirkt wie ein Same in der menschlichen Seele, die da fühlt ihre Beziehung zum Christus. So war es mit dem Mysterium von Golgatha: Der Eine ist gestorben, so wie wir den einen Samen nehmen können und ihn in die Erde legen können, daß er aufsprießt auf dem Acker und dasjenige sich vermehrt, was aus dem einen Samen aufgegangen ist. So wurde der Tod eines Gottes am Kreuze realisiert. Das Samenkorn wurde ausgestreut auf Golgatha, der Boden war die menschliche Seele; was aufsprießt, sind die Beziehungen des Menschen zum übersinnlichen Christus, der nie mehr verschwinden wird aus der Evolution der Erde, der immer auf die allerverschiedenste Weise den Menschen erscheinen wird. So wie die Menschen ihn physisch geschaut haben in der Zeit des Mysteriums von Golgatha, so werden sie in einer nahen Zukunft sich erheben zu einem ätherischen Christus-Bilde: sie werden den Christus schauen, wie Paulus ihn geschaut hat.

[ 25 ] We have seen that the death which man inflicts on animals has a certain consequence. The death on Golgotha works as a seed in the human soul which feels its relation to the Christ. So was it with the Mystery of Golgotha: The One died, and just as a single seed is laid in the earth, in order that it die and spring up in the field, and that there be an increase of that which proceeded from the one seed, so the death of a god was realized on the cross. The seed was strewn on Golgotha, the soil was the human soul; what springs up are the relations of man to the super-sensible Christ, who will never more disappear from the evolution of the earth, who will always appear to men in the most varied ways. As men were able to see him physically in the time of the Mystery of Golgotha, so will they be able to raise themselves to see in the near future an etheric Christ-image; they will see the Christ as Paul saw him.

[ 26 ] Dasjenige, was die christliche Initiation birgt, ist bewahrt worden im Sinnbilde des Heiligen Grales, es ist gebracht worden in diejenige Gemeinschaft, die die christliche Initiation erteilt. Für diejenigen, die die christliche Initiation erhalten, ist das, was hier gesagt ist, nicht eine abstrakte Theorie, nicht eine Hypothese, sondern eine Tatsache der übersinnlichen Welten. Die Pflege der christlichen Initiation, sie wurde übertragen denen, die Pfleger waren des Heiligen Grals und später den Pflegern der Gemeinschaft des Rosenkreuzes. Unpersönlich sollte wirken seiner ganzen Natur nach, was von der christlichen Initiation ausgeht. Alles Persönliche sollte dabei ausgeschlossen sein; denn das Persönliche hat nur Streit und Hader in die Menschheit gebracht und wird es in der Zukunft immer mehr bringen. Daher ist es ein strenges Gesetz für diejenigen, die — symbolisch gesprochen — dem Heiligen Gral dienen, oder — wirklich gesprochen — der Pflege der christlichen Initiation dienen, daß keiner von denen, die eine führende Rolle erster Ordnung zu spielen haben innerhalb der Brüderschaft des Heiligen Grals oder der Gemeinschaft des Rosenkreuzes, weder sie noch die in ihrer Umgebung leben, von den Geheimnissen, die in ihnen walten, sprechen dürfen, bevor hundert Jahre nach ihrem Tode verflossen sind. Es gibt keine Möglichkeit, zu erfahren, was es für eine Bewandtnis mit einer führenden Persönlichkeit erster Ordnung hat, bevor hundert Jahre nach ihrem Tode verflossen sind.

[ 26 ] That which is contained in the Christian initiation was preserved in the symbol of the Holy Grail; it was brought into that community which imparts the Christian initiation. For those who receive the Christian initiation what is said here is not an abstract theory, not an hypothesis, but a fact of the super-sensible worlds. The cultivation of the Christian initiation was entrusted to those who were the guardians of the Holy Grail, and later to the fosterers of the community of the Rose Cross. What proceeds from the Christian initiation should, according to its whole nature, work impersonally. Everything personal should be excluded therefrom; for the personal has brought only quarrels and strife into humanity, and will do this increasingly in the future. Therefore it is a strict rule for those who, symbolically speaking, serve the Holy Grail or, speaking literally, serve the cultivation of the Christian initiation, that none of those who have a leading part of the first order to play within the brotherhood of the Holy Grail or the community of the Rose Cross—neither they nor those who live in their surroundings—may speak of the secrets which they know and which work in them, before the passage of one hundred years after their deaths. There is no possibility of learning the complete truth about a leading personality of the first order until one hundred years have passed after his death.

[ 27 ] Das ist ein strenges Gesetz innerhalb der Rosenkreuzergemeinschaft seit ihrer Gründung. Wer ein Führer innerhalb der Rosenkreuzergemeinschaft ist, davon erfährt exoterisch nie jemand etwas, bevor nicht hundert Jahre verflossen sind nach seinem Tode. Dann ist das, was er gegeben hat, schon übergegangen in die Menschheit, ist ein objektives Gut der Menschheit geworden. Daher ist alles Persönliche ausgeschlossen. Niemals wird es möglich sein, auf eine Persönlichkeit im irdischen Leibe hinzuweisen als Träger des christlichen Geheimnisses. Erst hundert Jahre nach dem Tode einer solchen Persönlichkeit würde dieses möglich sein. Das ist ein Gesetz, das alle Brüder des Rosenkreuzes wohl beobachten. Nie wird ein Rosenkreuzerbruder hinweisen auf eine lebende Persönlichkeit als auf einen Führer erster Ordnung in bezug auf dasjenige, was als christliche Initiation einfließen soll in die Menschheit. So wie in den alten Zeiten schon prophetisch hingewiesen werden konnte auf diejenigen, die da kommen würden, so wie den Propheten ihre Vorläufer vorangingen, ihre Propheten, so wie diese Propheten hinwiesen auf die Religionsstifter, die später kommen sollten, so wie in der Zeit des Jesus von Nazareth die Zeitgenossen, zum Beispiel der Täufer, hinwiesen auf denjenigen, der ihr Zeitgenosse war, so wurde die geistige Organisation der Menschheit notwendigerweise nach dem Mysterium von Golgatha in der Weise verändert, daß es Prophetenart nicht mehr sein kann, hinzuweisen auf eine Persönlichkeit, die kommen wird oder da ist. Sondern es wird auf eine Persönlichkeit, die Träger war des christlichen Geheimnisses, jener geistigen Tatsache, die geprüft ist von den Menschenherzen, erst hundert Jahre nachdem sie durch die Pforte des Todes vom physischen Plane geschritten ist, hingewiesen werden.

[ 27 ] This has been a strict law within the Rosicrucian community since its foundation. Exoterically, no one knows who is a leader in the Rosicrucian community until one hundred years have passed after his death. Then what he has given has already passed over into humanity, has become the objective property of mankind. Thus everything personal is excluded. Never will it be possible to point to a personality in an earthly body as a carrier of the Christian mystery. Only a hundred years after the death of such a personality would this be possible. This is a law which all the brothers of the Rose-Cross well observe. Never will a Rosicrucian brother point to a living personality as a leader of the first order in relation to that which, as Christian initiation, should flow into humanity. In ancient times one could point prophetically to those who would come: The prophets were preceded by their forerunners, their prophets, and these prophets pointed to the founders of religions who should come later; in the time of Jesus of Nazareth the contemporaries, for example the Baptist, pointed to him who was their contemporary; but the spiritual organization of mankind, after the Mystery of Golgotha, of necessity became altered in such wise that it can no longer be the prophet's way to point to a personality who will come or who is already present. On the contrary, a person who was a bearer of the Christian mystery, of that spiritual fact which is tested by the hearts of men, will first be pointed out a hundred years after he has passed from the physical plane through the gates of death.

[ 28 ] Alle diese Dinge geschehen nicht aus menschlicher Willkür heraus, sondern aus dem Grunde, weil sie geschehen müssen. Sie müssen geschehen, weil die Menschheit jetzt vor einer Zeit steht, wo Liebe, Friede und Verständnis sich verbreiten müssen in dem Prozesse der Menschheitsentwickelung. Sie werden sich aber nur verbreiten, wenn wir das, was da ist, unpersönlich nehmen lernen, wenn wir das vertreten lernen, was der Menschheit gegeben worden ist im Laufe der Menschheitsentwickelung, worinnen die Wahrheit gewirkt hat. Nicht mehr werden wir jemals, wenn wir als Abendländer einem Buddhisten entgegentreten, ihn überredend oder zwangsweise zu einem Christen machen wollen, weil wir glauben, daß das, was ihm selbst gegeben ist und was als das Tiefste in seiner Religion enthalten ist, ihn schon zum Christus hinführen wird. Wir glauben vor allen Dingen seiner eigenen Wahrheit. Wir verletzen nicht das Gefühl des Buddhisten, indem wir sagen, es sei nicht wahr, daß sein Religionsstifter, nachdem er als Bodhisattva unter den Menschen gelebt hat, als Buddha keine Anwartschaft mehr hat auf physische Inkarnationen. Dadurch stiften wir Frieden innerhalb der Religionsbekenntnisse. So wird in Zukunft der Christ den Buddhisten, so wird der Buddhist den Christen verstehen. Der Buddhist, der das Christentum verstehen wird, wird sagen: Ich begreife, daß der Christ ein Unpersönliches zu seinem Religionsprinzip macht, eine unpersönliche Tatsache, die Tatsache des Mysteriums von Golgatha, eine Götterangelegenheit, wo der Mensch zusehen und aufnehmen darf, was ihn mit dem Göttlichen verbinden kann. — Kein verständiger Buddhist wird kommen und dem Christen sagen, daß der Christus verkörpert werden kann in einem physischen Leibe. Er wird vielmehr darin eine Übertretung des wahren Religionsprinzips sehen. Kein neues, Unfrieden stiftendes Bekenntnis mit einem religiösen Führer persönlicher Art wird auf diese Weise in die Welt gestellt werden, sondern das Einweihungsprinzip selbst mit seinem Frieden, seiner Harmonie, seiner Verständnis stiftenden Art, wird allen Religionen belebendes Verständnis entgegenbringen und nicht die Wahrheit einer Religion der anderen aufdrängen wollen. So wie der morgenländische Buddhist dem Abendländer, der ihm sagen würde, daß der Buddha im fleischlichen Leibe erscheinen könne, antworten würde: Dann verstehst du nichts davon, dann weißt du eben nicht, was ein Buddha ist —, so würde der Buddhist, der den wahren Nerv des Christentums erfaßt hat und Geist-Erkenntnis in Ernst und Würde vertritt, demjenigen, der ihm sprechen würde von einem im Fleische verkörperten Christus, antworten: Du verstehst das Christentum nicht, wenn du glaubst, daß der Christus wiederkommt im fleischlichen Leibe, du verstehst das Christentum ebensowenig, wie derjenige den Buddhismus versteht, der glauben würde, daß der Buddha in einem fleischlichen Leibe erscheinen könnte. — Was der Christ, wenn er Anthroposoph ist, dem Buddhisten immer zubilligen wird, das wird der Buddhist, wenn er Anthroposoph ist, dem Christen auch zubilligen. Und so jeder Bekenner jedes Religionsbekenntnisses der Erde. So wird Anthroposophie die große, verständnisvolle Vereinigung, die Synthese der religiösen Bekenntnisse auf der Erde bringen.

[ 28 ] All these things do not happen out of human caprice, but because they must happen. They must happen because humanity now stands before a time when love, peace, and understanding must spread in the process of the development of mankind. But they will spread only if we learn to take impersonally what is present, if we learn to champion the truth-containing element which has been given to mankind in the course of human evolution. Never more shall we, if as Occidentals we meet a Buddhist, seek to make him a Christian through persuasion or compulsion; for we believe that what has been given to him, and is the deepest thing in his religion, will surely lead him to the Christ. We believe above all things in his own truth; we will not injure the feelings of the Buddhist by saying it is not true that the founder of his religion, after he had lived among men as a Bodhisattva, has as a Buddha no expectation of further physical incarnations. Thereby we establish peace between the religious confessions. In this way, in the future the Christian will understand the Buddhist, and the Buddhist will understand the Christian. The Buddhist who will understand Christianity will say: “I understand that the Christian makes his religious principle something impersonal, an impersonal fact, the fact of the Mystery of Golgotha, an affair of the gods which man may watch and through which he may receive what can connect him with the divine.” No reasonable Buddhist will come to the Christian and say that the Christ can be incarnated in a physical body. On the contrary he would see in this a transgression of the true religious principle. And so no new discord-producing confession with a religious leader of a personal sort will be brought into the world, but the initiation principle itself with its peace, its harmony, its way of producing understanding, will meet all religions with vivifying understanding, and will not wish to force the truth of one religion upon another. As the Oriental Buddhist would answer to the Occidental who said to him that the Buddha could appear in a fleshly body: “Then you do not understand the matter, you do not know what a Buddha is” so would the Buddhist who had grasped the true heart of Christianity, and who stood for spiritual knowledge in earnestness and dignity, reply to one who should speak to him of a Christ incarnated in the flesh: “You do not understand Christianity if you believe that the Christ comes again in a physical body; you understand Christianity just as little as one understands Buddhism who believes that the Buddha would appear in a fleshly body.” What the Christian, if he is an anthroposophist, will always grant to the Buddhist; this will the Buddhist, if he is an anthroposophist, always grant also to the Christian. And so with every adherent of every religious confession of the earth. Thus will anthroposophy bring the great and understanding union, the synthesis of the religious confessions on the earth.