From Akashic Research
The Fifth Gospel
GA 148
2 October 1913, Oslo
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From Akashic Research: The Fifth Gospel, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Von dem sogenannten Pfingstereignis ist bei dieser Betrachtung zu beginnen. Im ersten Vortrag habe ich bereits angedeutet, daß der Blick der hellsichtigen Forschung zuerst auf dieses Ereignis wenigstens hingelenkt werden kann. Denn dieses Ereignis stellt sich dem nach rückwärts gerichteten hellseherischen Blick so dar wie eine Art Erwachen, das diejenigen Persönlichkeiten an einem gewissen Tage, an den eben das Pfingstfest erinnern soll, empfunden haben, die Persönlichkeiten, welche man gewöhnlich die Apostel oder Jünger des Christus Jesus nennt. Es ist nicht leicht, eine genaue Vorstellung von all diesen ja zweifellos seltsamen Erscheinungen hervorzurufen, und wir werden uns schon an manches sozusagen in den Untergründen unserer Seele erinnern müssen, was sich uns aus den bisherigen anthroposophischen Betrachtungen hat ergeben können, wenn wir genaue Vorstellungen mit all dem verbinden wollen, was gerade über dieses Thema unseres Vortragszyklus heute zu sagen ist.
[ 1 ] This discussion must begin with the so-called Pentecost event. In the first lecture, I already indicated that the gaze of clairvoyant research can at least be directed toward this event first. For this event presents itself to the clairvoyant gaze directed backward as a kind of awakening that was experienced on a certain day—the very day that the Feast of Pentecost is meant to commemorate—by those individuals whom we usually call the apostles or disciples of Christ Jesus. It is not easy to conjure up a precise picture of all these undoubtedly strange phenomena, and we will have to recall, so to speak, from the depths of our souls, what has emerged for us from our previous anthroposophical reflections if we wish to connect precise images with all that is to be said today on this very topic of our lecture series.
[ 2 ] Wie erwachend kamen sich die Apostel vor, wie Menschen, welche in diesem Augenblick das Empfinden hatten, daß sie lange Zeit - viele Tage hindurch - in einem ihnen ungewohnten Bewußtseinszustand gelebt hätten. Es war tatsächlich etwas wie eine Art Aufwachen aus einem tiefen Schlaf, allerdings einem merkwürdigen, traumerfüllten Schlaf, wie aus einem Schlaf, der aber so ist - ich bemerke ausdrücklich, ich spreche immer von der Art, wie es dem Bewußtsein der Apostel erschienen ist —, daß man daneben alle äußeren Verrichtungen des Tages vollbringt, als leiblich gesunder Mensch herumgeht, so daß gewissermaßen auch die anderen Menschen, mit denen man umgeht, einem gar nicht ansehen, daß man in einem anderen Bewußtseinszustand ist. Dennoch trat der Zeitpunkt ein, wo es den Aposteln so vorkam, als ob sie eine lange, tagelang dauernde Zeit verlebt hätten wie in einem traumerfüllten Schlafe, aus dem sie nun mit diesem Pfingstereignis erwachten. Und dieses Erwachen, schon das fühlten sie in einer eigentümlichen Weise: sie fühlten tatsächlich, wie wenn aus dem Weltenall niedergestiegen wäre auf sie etwas, was man nur nennen könnte die Substanz der allwaltenden Liebe. Wie gleichsam von oben herab befruchtet durch die allwaltende Liebe und wie auferweckt aus dem geschilderten traumhaften Lebenszustand, so fühlten sich die Apostel. Wie wenn durch alles dasjenige, was als die ursprüngliche Kraft der Liebe, die das Weltenall durchdringt und durchwärmt, sie auferweckt worden wären, wie wenn diese ursprüngliche Kraft der Liebe in die Seele eines jeden Einzelnen sich gesenkt hätte, so kamen sie sich vor. Und den anderen Menschen, die sie beobachten konnten, wie sie nun sprachen, kamen sie ganz fremdartig vor. Sie wußten, diese anderen Menschen, daß das Leute waren, die bisher in einer außerordentlich einfachen Weise gelebt hatten, von denen allerdings einige in den letzten Tagen sich etwas sonderbar, wie traumverloren, benommen hatten. Das wußte man. Jetzt aber kamen sie den Leuten wie verwandelt vor: wie Menschen, die in der Tat erlangt hatten eine ganz neue Verfassung, eine ganz neue Stimmung der Seele, wie Menschen, die alle Engigkeit des Lebens, alle Eigensüchtigkeit des Lebens verloren hatten, die ein unendlich weites Herz, eine umfassende Toleranz im Inneren gewonnen hatten, ein tiefes Herzensverständnis für alles, was menschlich auf der Erde ist, die sich so ausdrücken konnten, daß jeder, der da war, sie verstand. Man empfand gleichsam, daß sie in eines jeden Herz und Seele schauen konnten und aus dem tiefsten Inneren heraus Geheimnisse der Seele errieten, so daß sie einen jeden trösten konnten, dasjenige sagen konnten, was er gerade brauchte.
[ 2 ] The apostles felt as if they were waking up, like people who, at that very moment, had the sensation that they had been living for a long time—many days on end—in a state of consciousness that was unfamiliar to them. It was indeed something like waking from a deep sleep, albeit a strange, dream-filled sleep—like a sleep that is, however, such that—I expressly note I am always speaking of the way it appeared to the apostles’ consciousness—in which one carries out all the outward activities of the day, walks about as a physically healthy person, so that, in a sense, even the other people one interacts with do not notice at all that one is in a different state of consciousness. Nevertheless, the moment came when it seemed to the Apostles as though they had spent a long period of time, lasting for days, as if in a dream-filled sleep, from which they now awoke with this Pentecost event. And they sensed this awakening in a peculiar way: they actually felt as if something had descended upon them from the universe, something that could only be called the substance of all-pervading love. The apostles felt as if they had been, so to speak, fertilized from above by all-pervading love and as if they had been roused from the dreamlike state of life described. They felt as if they had been awakened by that which, as the primal force of love that permeates and warms the universe, had descended upon them; as if this primal force of love had sunk into the soul of each individual. And to the other people who could observe them as they now spoke, they seemed quite strange. These other people knew that these were folk who had hitherto lived in an extraordinarily simple manner, though some of them had behaved somewhat strangely in recent days, as if lost in a dream, dazed. That was known. But now they seemed transformed to the people: like people who had indeed attained a completely new state of being, a completely new mood of the soul, like people who had lost all the narrowness of life, all the selfishness of life, who had gained an infinitely broad heart, a comprehensive tolerance within, a deep heartfelt understanding for everything that is human on earth, who could express themselves in such a way that everyone present understood them. One sensed, as it were, that they could look into everyone’s heart and soul and, from the deepest depths, discern the secrets of the soul, so that they could comfort everyone and say exactly what each person needed at that moment.
[ 3 ] Es war natürlich im höchsten Grade verwunderlich für diese Beobachter, daß eine solche Umwandlung mit einer Anzahl von Menschen vorgehen konnte. Diese Menschen selber aber, die diese Umwandlung erfahren hatten, die gleichsam durch den Geist der Liebe des Kosmos auferweckt worden waren, diese Menschen fühlten jetzt in sich selber ein neues Verständnis, fühlten ein Verständnis für dasjenige, was sich allerdings in innigster Gemeinschaft mit ihren Seelen abgespielt hatte, das sie aber damals, als es sich abgespielt hatte, nicht begriffen hatten: Jetzt erst, in diesem Augenblick, da sie sich befruchtet fühlten mit der kosmischen Liebe, trat vor ihr Seelenauge ein Verständnis für das, was auf Golgatha eigentlich geschehen war. Und wenn wir in die Seele des einen dieser Apostel hineinsehen, desjenigen, der gewöhnlich in den anderen Evangelien Petrus genannt wird, so stellt sein Seeleninneres für den rückschauenden hellsichtigen Blick sich so dar, daß sein irdisches normales Bewußtsein in jenem Augenblicke gleichsam wie vollständig abgerissen war, von jenem Augenblicke an, der in den anderen Evangelien gewöhnlich bezeichnet wird als die Verleugnung. Er sah hin auf diese Verleugnungsszene, wie er gefragt worden war, ob er einen Zusammenhang habe mit dem Galiläer, und er wußte jetzt, daß er das dazumal abgeleugnet hatte, weil sein normales Bewußtsein begann sich herabzudämpfen, weil sich ausbreitete ein anomaler Zustand, eine Art Traumzustand, der eine Entrücktheit in eine ganz andere Welt bedeutete. Es war ihm jetzt an diesem Pfingstfest so zumute, wie einem zumute ist beim Aufwachen am Morgen und man sich da an die letzten Ereignisse am Abend vor dem Einschlafen erinnert; so erinnerte sich Petrus an die letzten Ereignisse, bevor dieser abnorme Zustand eintrat, an dasjenige, was man gewöhnlich die Verleugnung nennt, die dreimalige Verleugnung, bevor der Hahn zweimal gekräht hatte. Und dann erinnerte er sich, daß sich ausbreitete über seine Seele jener Zustand, so wie für den Schlafenden die Nacht sich ausbreitet. Aber er erinnerte sich auch, wie sich jener Zwischenzustand erfüllte nicht mit bloßen 'Traumbildern, sondern mit Gebilden, die eine Art höheren Bewußtseinszustand darstellten, die darstellten ein Miterleben von rein geistigen Angelegenheiten. Und alles, was geschehen war, was Petrus gleichsam verschlafen hatte seit jener Zeit, das trat wie aus einem hellschauenden Traum vor seine Seele. Vor allem lernte er jetzt schauen das Ereignis, von dem man wirklich sagen kann, er habe es verschlafen. Er hatte es nicht mit seinem Verständnis erlebt, weil zum vollen Verständnis für dieses Ereignis notwendig war die Befruchtung mit der allwaltenden kosmischen Liebe. Jetzt, wo diese erfolgt war, traten ihm vor Augen die Bilder des Mysteriums von Golgatha. So traten sie ihm vor Augen, wie wir sie wiederum erleben können, wenn wir sie wachrufen können mit rückschauendem hellsichtigem Bewußtsein, wenn wir die Bedingungen dazu herstellen.
[ 3 ] It was, of course, most surprising to these observers that such a transformation could take place in a number of people. But these people themselves, who had experienced this transformation, who had been, as it were, raised up by the Spirit of Cosmic Love, these people now felt within themselves a new understanding, felt an understanding of that which had indeed taken place in the deepest communion with their souls, but which they had not grasped at the time it had occurred: Only now, at this moment, as they felt themselves imbued with cosmic love, did an understanding of what had actually happened on Golgotha arise before their soul’s eye. And when we look into the soul of one of these apostles, the one who is usually called Peter in the other Gospels, his inner soul presents itself to the clairvoyant gaze looking back in such a way that his normal earthly consciousness was, as it were, completely severed at that moment, from that moment onward which is usually referred to in the other Gospels as the denial. He looked back upon this scene of denial, when he had been asked whether he had any connection with the Galilean, and he now knew that he had denied it at the time because his normal consciousness had begun to subside, because an anomalous state had spread, a kind of dream state that signified a transport into a completely different world. He now felt on this Pentecost just as one feels upon waking in the morning and recalling the last events of the evening before falling asleep; so Peter recalled the last events before this abnormal state set in, that which is usually called the denial, the threefold denial, before the rooster had crowed twice. And then he remembered that that state spread over his soul, just as night spreads over the sleeper. But he also remembered how that intermediate state was filled not with mere “dream images,” but with forms that represented a kind of higher state of consciousness, that represented a shared experience of purely spiritual matters. And everything that had happened, everything Peter had, so to speak, slept through since that time, stepped before his soul as if from a clairvoyant dream. Above all, he now learned to see the event of which one can truly say that he had slept through it. He had not experienced it with his understanding, because full understanding of this event required fertilization by the all-pervading cosmic love. Now that this had taken place, the images of the Mystery of Golgotha appeared before his eyes. Thus they appeared before him, just as we too can experience them if we can evoke them with a retrospective, clairvoyant consciousness, if we create the conditions for it.
[ 4 ] Offen gestanden: mit einem Gefühl, das ganz eigenartig ist, entschließt man sich, in Worte zu prägen dasjenige, was sich da eröffnet dem hellsichtigen Bewußtsein, wenn man hineinschaut in das Bewußtsein des Petrus und der anderen, die bei jenem Pfingstfeste versammelt waren. Mit einer heiligen Scheu nur kann man sich entschließen, von diesen Dingen zu reden. Man möchte sagen, man ist fast überwältigt von dem Bewußtsein, man betrete heiligsten Boden des menschlichen Anschauens, wenn man in Worten auszudrücken versucht, was sich dem Seelenblicke da eröffnet. Dennoch erscheint es aus gewissen Vorbedingungen unserer Zeit heraus notwendig, über diese Dinge zu sprechen; allerdings mit dem vollen Bewußtsein, daß andere Zeiten kommen werden als die unsrigen sind, in denen man mehr Verständnis entgegenbringen wird demjenigen, was gesagt werden muß über das Fünfte Evangelium, als man es heute schon kann. Denn um vieles von dem zu verstehen, was bei dieser Gelegenheit gesagt werden muß, muß die Menschenseele sich noch befreien von mancherlei Dingen, die sie ganz notwendig aus der Zeitkultur heraus heute noch erfüllen müssen.
[ 4 ] To be honest: it is with a feeling that is quite peculiar that one resolves to put into words what unfolds before the clairvoyant consciousness when one looks into the consciousness of Peter and the others who were gathered at that Pentecost. One can only bring oneself to speak of these things with a sense of sacred awe. One might say that one is almost overwhelmed by the awareness that one is treading upon the holiest ground of human perception when one attempts to express in words what is revealed to the soul’s gaze. Nevertheless, given certain conditions of our time, it seems necessary to speak of these things; though with the full awareness that times will come different from our own, in which there will be greater understanding for what must be said about the Fifth Gospel than is possible today. For in order to understand much of what must be said on this occasion, the human soul must still free itself from various things that, out of necessity, still fill it today as a result of the culture of the times.
[ 5 ] Zunächst stellt sich, wenn man hellsichtig zurückschaut auf das Ereignis von Golgatha, vor den hellsehenden Blick etwas hin, was — wenn man es in Worte faßt - sich ausnimmt wie eine Art Beleidigung des gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Bewußtseins. Dennoch fühle ich mich gezwungen, so gut es geht, dasjenige in Worte zu prägen, was sich dem hellsichtigen Blick also darstellt. Ich kann nichts dafür, wenn das, was da gesagt werden muß, etwa hinausdringen sollte in weniger vorbereitete Gemüter und Seelen hinein und das Ganze aufgebauscht würde wie etwas, was gegenüber den wissenschaftlichen Anschauungen, welche die Gegenwart nun einmal beherrschen, nicht standhalten könnte. Es fällt der hellsehende Blick zunächst auf ein Bild, das eine Realität darstellt, das auch in den anderen Evangelien angedeutet ist, das aber doch einen ganz besonderen Anblick darbietet, wenn man es gleichsam heraustreten sieht aus der Fülle der Bilder, die der hellsehende Blick in der Rückschau erhalten kann. Es fällt dieser hellsehende Blick tatsächlich auf eine Art von Verfinsterung der Erde. Und man fühlt, wie in diesem bedeutungsvollen Augenblick, der durch Stunden hindurch anhält, wie da die physische Sonne verfinstert war über dem Lande Palästina, über der Stätte von Golgatha. Man hat denselben Eindruck, den der geisteswissenschaftlich geschulte Blick jetzt noch nachprüfen kann, wenn wirklich eine äußere physische Sonnenfinsternis durch das Land geht. Für den Seelenblick nimmt sich die ganze Umgebung des Menschen während einer solchen mehr oder weniger starken Sonnenfinsternis folgendermaßen aus. Da sieht alles ganz anders aus. Ich möchte absehen von jenem Anblick, der sich bei einer Sonnenfinsternis darbietet, von all den Dingen, welche Menschenkunst und Menschentechnik hervorgebracht haben, denn es bedarf eines gewissen starken Gemütes und eines Durchdrungenseins von dem Bewußtsein der Notwendigkeit, daß das alles entstehen mußte, um den dämonischen Anblick zu ertragen, den diejenigen Wesen darbieten, die sich während einer Sonnenfinsternis aus der äußeren kunstlosen Technik erheben. Aber ich will auf diese Schilderung nicht weiter eingehen, sondern nur darauf aufmerksam machen, daß in einer solchen Zeit dasjenige lichtvoll erscheint, was man sonst nur durch sehr schwierige Meditationen erreichen kann: Man sieht dann alles Pflanzliche und Tierische anders, jeder Vogel, jeder Schmetterling sieht dann anders aus. Man bemerkt eine Herabdämpfung des Lebensgefühles. Es ist etwas, was im tiefsten Sinne die Überzeugung hervorrufen kann, wie innig zusammenhängt im Kosmos ein gewisses geistiges Leben, das zur Sonne gehört und das in dem, was man in der Sonne sieht, gleichsam seinen physischen Leib hat, mit dem Leben auf der Erde. Und man bekommt das Gefühl, wenn dem physischen Leben das physische Leuchten der Sonne gewaltsam verdunkelt wird durch den davortretenden Mond, so ist das etwas ganz anderes, als wenn die Sonne bloß nicht scheint in der Nacht. Ganz anders ist für den beobachtenden Seelenblick der Anblick der uns umgebenden Erde während einer Sonnenfinsternis als während einer bloßen Nacht. Man fühlt während einer Sonnenfinsternis etwas wie ein Aufstehen der Gruppenseelen der Pflanzen, der Gruppenseelen der Tiere, dagegen wie ein Mattwerden aller physischen Leiblichkeit der Pflanzen und Tiere. Es tritt etwas ein wie ein Hellwerden alles dessen, was geistig ist, was Gruppenseelenhaftigkeit darstellt.
[ 5 ] When one looks back clairvoyantly at the events of Golgotha, the first thing that presents itself to the clairvoyant gaze is something that—if put into words—seems like a kind of insult to the current scientific mindset. Nevertheless, I feel compelled to put into words, as best I can, what is thus revealed to the clairvoyant gaze. I cannot help it if what must be said here should reach less prepared minds and souls, and the whole matter were to be blown out of proportion as something that could not stand up to the scientific views that currently dominate our time. The clairvoyant gaze first falls upon an image that represents a reality, one that is also hinted at in the other Gospels, but which nevertheless presents a very special sight when one sees it, as it were, stepping out from the abundance of images that the clairvoyant gaze can perceive in retrospect. This clairvoyant gaze indeed falls upon a kind of eclipse of the Earth. And one feels, as in this momentous moment that lasts for hours, how the physical sun was eclipsed over the land of Palestine, over the site of Golgotha. One has the same impression that the spiritually trained gaze can still verify today when a real external physical solar eclipse passes over the land. To the soul’s eye, the entire surroundings of a human being during such a more or less intense solar eclipse appear as follows. Everything looks quite different there. I would like to set aside the sight that presents itself during a solar eclipse, all the things that human art and human technology have produced, for it requires a certain strength of character and a deep awareness of the necessity that all this had to come into being in order to endure the demonic spectacle presented by those beings who, during a solar eclipse, rise above the outer, unartful technology. But I do not wish to dwell further on this description, but only to point out that at such a time, that which can otherwise be attained only through very difficult meditations appears in a luminous light: one then sees all plant and animal life differently; every bird, every butterfly looks different. One notices a dimming of the sense of life. It is something that, in the deepest sense, can evoke the conviction of how intimately connected in the cosmos is a certain spiritual life—which belongs to the sun and which, in what one sees in the sun, has, as it were, its physical body—with life on Earth. And one gets the feeling that when the physical radiance of the sun is forcibly darkened for physical life by the moon stepping in front of it, this is something quite different from when the sun simply does not shine at night. For the observing soul’s gaze, the sight of the earth surrounding us during a solar eclipse is quite different from that during a mere night. During a solar eclipse, one senses something like a rising of the group souls of the plants and the group souls of the animals, and in contrast, a fading of all physical corporeality in plants and animals. Something occurs akin to a brightening of all that is spiritual, of that which constitutes group soulhood.
[ 6 ] Das alles stellt sich in einem hohen Maße dar, wenn der hellsehende Blick in der Rückschau hinsieht auf den Augenblick der Erdenevolution, den wir bezeichnen als das Mysterium von Golgatha. Und dann taucht etwas auf, was man nennen könnte: man lernt lesen, was dieses merkwürdige Naturzeichen, diese plötzlich auftretende Verfinsterung der Sonne, die der nach rückwärts gewendete, hellseherische Blick im Kosmos erschaut, was das eigentlich bedeutet. Ich kann wirklich nichts dafür, wenn ich genötigt bin, ein reines Naturereignis, wie es natürlich früher und später auch stattgefunden hat, gerade an diesem Punkte der Erdenevolution in okkulter Schrift so zu lesen - in Widerspruch mit allem gegenwärtigen materialistischen Bewußtsein -, wie es eben unmittelbar den Eindruck macht. Wie wenn man ein Buch aufschlägt und die Schrift liest, so fühlt man sich, wenn man dieses Ereignis vor sich hat, so daß einem wie aus dem Schriftzeichen entgegenkommt, was man lesen soll. So kommt einem aus diesem Schriftzeichen des Kosmos die Notwendigkeit entgegen, man solle etwas lesen, was die Menschheit kennenlernen soll. Wie ein in den Kosmos geschriebenes Wort kommt das einem vor, wie ein Lautzeichen im Kosmos.
[ 6 ] All of this becomes strikingly apparent when the clairvoyant gaze looks back upon that moment in Earth’s evolution which we call the Mystery of Golgotha. And then something emerges that one might call: one learns to read what this strange natural sign, this sudden eclipse of the sun—which the clairvoyant gaze, turned backward, beholds in the cosmos—actually signifies. I really cannot help it if I am compelled to read a purely natural event—such as has naturally occurred before and since—precisely at this point in Earth’s evolution in occult script—in contradiction to all present-day materialistic consciousness—in the way it immediately makes an impression. Just as when one opens a book and reads the text, so does one feel when faced with this event, as if what one is to read comes toward one from the very sign itself. Thus, from this sign of the cosmos, the necessity comes toward one that one should read something which humanity is meant to come to know. It appears to one like a word written in the cosmos, like a phonetic sign in the cosmos.
[ 7 ] Und was liest man dann, wenn man ihm seine Seele öffnet? Ich habe gestern aufmerksam gemacht, wie in die Griechenzeit hinein die Menschheit sich so entwickelt hat, daß sie in Plato und Aristoteles aufgestiegen ist zu einer ganz besonders hohen Ausbildung der Intellektualität der menschlichen Seele. In vieler Beziehung konnte dasjenige Wissen, das von Plato oder Aristoteles erreicht worden ist, in der späteren Zeit gar nicht überholt werden, denn es war für die Intellektualität der Menschheit damit in gewisser Beziehung ein Höchstes herangekommen. Man kann viel erkennen, wenn man dies wirklich erkennt. Und wenn sich die hellsichtig beobachtende Seele, die die Zeit von Palästina beobachtet, anschaut, wie dieses intellektuelle Wissen, zu dem sich die Menschheit heraufentwickelt hatte, das gerade in der Zeit des Mysteriums von Golgatha auf der griechischen und italischen Halbinsel durch Wanderprediger ungeheuer populär geworden war, wenn man das alles ins Auge faßt, wie dieses Wissen verbreitet worden war in einer Art, wie man es sich heute gar nicht vorstellen kann, dann bekommt diese hellsichtig beobachtende Seele die Möglichkeit eines Eindruckes, der sich wie ein Lesen jenes genannten, in den Kosmos hineingestellten Schriftzeichens ausnimmt. Man sagt sich dann, wenn man das hellsichtige Bewußtsein so herangezogen hat: Das alles, was die Menschheit da an Wissen gesammelt hat, wozu sie sich erhoben hat in der vorchristlichen Zeit, dafür ist ein Zeichen der Mond, der für den Erdengesichtspunkt durch das Weltenall geht, und deshalb der Mond, weil sich für alles höhere Erkennen der Menschheit dieses Wissen nicht wie aufschließend, wie Rätsel lösend verhalten hat, sondern für das höhere Erkennen wie verdunkelnd, so wie der Mond die Sonne verfinstert bei einer Sonnenfinsternis. Das liest man, wenn man das okkulte Schriftzeichen der Sonne, die vom Mond verdunkelt wird, liest.
[ 7 ] And what does one read when one opens one’s soul to him? Yesterday I pointed out how, by the time of the Greeks, humanity had developed to such an extent that, in Plato and Aristotle, it had attained a particularly high level of intellectual development of the human soul. In many respects, the knowledge attained by Plato or Aristotle could not be surpassed in later times, for in a certain sense it had reached a pinnacle for the intellectual development of humanity. One can perceive much if one truly recognizes this. And when the clairvoyantly observing soul, observing the time of Palestine, looks at how this intellectual knowledge—to which humanity had developed—had become immensely popular on the Greek and Italian peninsulas through itinerant preachers precisely at the time of the Mystery of Golgotha, when one takes all this in, how this knowledge had been disseminated in a way that is unimaginable today, then this clairvoyantly observing soul gains the possibility of an impression that resembles reading that aforementioned sign set into the cosmos. One then says to oneself, having drawn upon this clairvoyant consciousness: All that knowledge which humanity has gathered there, to which it rose in pre-Christian times—for this, the moon is a sign, passing through the universe from the Earth’s perspective, and the Moon specifically because, for all higher human knowledge, this knowledge has not behaved as if it were revealing or solving a riddle, but rather as if it were obscuring higher knowledge, just as the Moon eclipses the Sun during a solar eclipse. This is what one reads when one reads the occult symbol of the Sun being eclipsed by the Moon.
[ 8 ] Man weiß dann: So trat alles Wissen damals nicht aufklärend, sondern das Welträtsel verdunkelnd auf, und man fühlt als Hellseher die Verfinsterung der höheren, eigentlich spirituellen Regionen der Welt durch das Wissen der alten Zeit, das sich vor die wirkliche Erkenntnis hingestellt hat wie der Mond vor die Sonne bei einer Sonnenfinsternis. Und das äußere Naturereignis wird ein Ausdruck dafür, daß die Menschheit eine Stufe erreicht hat, innerhalb welcher sich das aus der Menschheit selbst geschöpfte Wissen vor das höhere Erkennen hingestellt hat wie der Mond vor die Sonne bei einer Sonnenfinsternis. Der Menschheit Seelenverdunkelung innerhalb der Erdenevolution fühlt man hingeschrieben in einem ungeheuren Zeichen der okkulten Schrift in den Kosmos in jener Verfinsterung der Sonne im Momente des Mysteriums von Golgatha. Ich habe gesagt, daß das Gegenwartsbewußtsein es wie eine Beleidigung empfinden kann, wenn man so etwas ausspricht, weil es kein Verständnis mehr hat für das Walten spiritueller Kräfte im Weltenall, die im Zusammenhang stehen mit dem, was in der Menschenseele als Kräfte waltet. Ich will nicht im gewöhnlichen Sinne von Wundern sprechen, von einem Durchbrechen der Naturgesetze, aber ich kann nicht anders als Ihnen mitteilen, wie man jene Verfinsterung der Sonne lesen muß — wie man nicht anders kann, als sich mit seiner Seele vor diese Verfinsterung der Sonne hinzustellen gleichsam wie lesend, was durch dieses Naturereignis ausgedrückt wird: Mit dem Mondenwissen ist eine Verfinsterung eingetreten gegenüber der höheren Sonnenbotschaft.
[ 8 ] One then realizes: At that time, all knowledge did not serve to enlighten, but rather to obscure the mystery of the world; and as a clairvoyant, one senses the eclipse of the higher, truly spiritual regions of the world by the knowledge of ancient times, which stood in the way of true insight just as the moon stands in the way of the sun during a solar eclipse. And the external natural phenomenon becomes an expression of the fact that humanity has reached a stage in which the knowledge created by humanity itself has placed itself before higher insight, just as the moon stands before the sun during a solar eclipse. One senses humanity’s spiritual darkening within Earth’s evolution inscribed in a tremendous sign of occult writing in the cosmos in that eclipse of the sun at the moment of the Mystery of Golgotha. I have said that contemporary consciousness may perceive it as an insult when one speaks of such things, because it no longer has any understanding of the working of spiritual forces in the universe that are connected with what works as forces within the human soul. I do not wish to speak in the ordinary sense of miracles, of a breaking of the laws of nature, but I cannot help but tell you how one must interpret that solar eclipse—how one cannot help but stand before this solar eclipse with one’s soul, as it were, reading what is expressed through this natural event: With the knowledge of the Moon, an eclipse has occurred in relation to the higher message of the Sun.
[ 9 ] Und dann — nachdem man diese okkulte Schrift gelesen hat - stellt sich in der Tat vor das hellsichtige Bewußtsein das Bild des erhöhten Kreuzes auf Golgatha, des an ihm hängenden Körpers des Jesus zwischen den beiden Räubern. Und es stellt sich ein — und ich darf wohl in Parenthese einfügen, je mehr man sich gegen dieses Bild wehrt, desto heftiger stellt es sich ein -, das Bild stellt sich ein der Kreuzabnahme und der Grablegung. Jetzt tritt ein zweites gewaltiges Zeichen ein, wodurch wieder wie in den Kosmos hineingeschrieben wird etwas, was man eben lesen muß, um es zu begreifen, als ein Symbolum dessen, was in der Evolution der Menschheit eigentlich geschehen ist: Man verfolgt das Bild des vom Kreuze herabgenommenen Jesus, der in das Grab gelegt wird, und man wird dann durchrüttelt, wenn man den Seelenblick darauf richtet, in der Seele von einem Erdbeben, das durch jene Gegend ging.
[ 9 ] And then—after reading this occult text—the image of the raised cross on Golgotha, with the body of Jesus hanging on it between the two thieves, does indeed appear before the clairvoyant consciousness. And it arises—and I may well add in parentheses that the more one resists this image, the more intensely it arises—the image of the taking down from the cross and the burial. Now a second powerful sign emerges, through which something is once again inscribed into the cosmos—something one must read in order to understand it—as a symbol of what has actually taken place in the evolution of humanity: One follows the image of Jesus being taken down from the cross and laid in the tomb, and when one directs the soul’s gaze upon it, one is shaken in the soul by an earthquake that passed through that region.
[ 10 ] Vielleicht wird man einmal den Zusammenhang jener Verfinsterung der Sonne mit diesem Erdbeben auch naturwissenschaftlich besser einsehen, denn gewisse Lehren, die heute schon, aber zusammenhanglos, durch die Welt ziehen, zeigen einen Zusammenhang zwischen Sonnenfinsternissen und Erdbeben und sogar schlagenden Wettern in Bergwerken. Jenes Erdbeben war eine Folge der Sonnenverfinsterung (siehe Hinweis). Jenes Erdbeben durchrüttelte das Grab, in das der Leichnam des Jesus gelegt war - und weggerissen wurde der Stein, der darauf gelegt worden war, und ein Spalt wurde aufgerissen in der Erde, und der Leichnam wurde aufgenommen von dem Spalt. Durch weitere Aufrüttelung wurde über dem Leichnam der Spalt wieder geschlossen. Und als die Leute am Morgen kamen, war das Grab leer, denn die Erde hatte aufgenommen den Leichnam des Jesus; nur der Stein lag noch da, hinweggeschleudert.
[ 10 ] Perhaps one day the connection between that solar eclipse and this earthquake will be better understood from a scientific perspective, for certain theories—which are already circulating around the world, albeit in a disjointed manner—suggest a link between solar eclipses and earthquakes, and even violent storms in mines. That earthquake was a consequence of the solar eclipse (see note). That earthquake shook the tomb where the body of Jesus had been laid—and the stone that had been placed over it was torn away, and a fissure was torn open in the earth, and the body was taken up by the fissure. Through further shaking, the fissure closed again over the body. And when the people came in the morning, the tomb was empty, for the earth had received the body of Jesus; only the stone lay there, cast aside.
[ 11 ] Verfolgen wir noch einmal die Bilderreihe! An dem Kreuze auf Golgatha verscheidet der Jesus. Finsternis bricht herein über die Erde. In das offene Grab wird der Leichnam des Jesus hineingelegt. Ein Beben durchrüttelt den Erdboden, und der Leichnam des Jesus wird aufgenommen von der Erde. Der durch das Beben entstandene Spalt schließt sich, der Stein wird danebengeschleudert. Das alles sind tatsächliche Ereignisse; ich kann nicht anders als sie so schildern. Mögen die Leute, die aus der Naturwissenschaft heraus solchen Dingen sich nähern wollen, urteilen wie sie wollen, alle möglichen Gründe dagegen vorbringen: Das, was der hellseherische Blick sieht, ist so, wie ich es geschildert habe. Und wenn jemand sagen wollte, so etwas könne nicht geschehen, daß aus dem Kosmos heraus wie in einer gewaltigen Zeichensprache ein Symbolum hingestellt wird dafür, daß etwas Neues eingezogen ist in die Menschheitsevolution, wenn jemand sagen wollte, so schreiben die göttlichen Gewalten dasjenige, was geschieht, nicht in die Erde hinein mit einer solchen Zeichensprache wie einer Verfinsterung der Sonne und einem Erdbeben, so könnte ich nur erwidern: Euer Glaube in allen Ehren, daß das nicht so sein kann! Aber es ist halt doch geschehen, es hat sich ereignet! - Ich kann mir denken, daß etwa ein Ernest Renan, der ja das eigenartige «Leben Jesu» geschrieben hat, kommen und sagen würde: An solche Dinge glaubt man nicht, denn man glaubt nur an dasjenige, was sich jederzeit im Experimente wieder herstellen läßt. -— Aber der Gedanke ist nicht durchführbar, denn würde zum Beispiel ein Renan nicht an die Eiszeit glauben, obschon es unmöglich ist, durch Experiment die Eiszeit wieder herzustellen? Das ist doch ganz gewiß unmöglich, die Eiszeit wieder über die Erde zu bringen, und dennoch glauben alle Naturforscher daran. So ist es unmöglich, daß dieses einmal geschehene kosmische Zeichen beim Ereignis von Golgatha jemals wieder vor die Menschen hintritt. Dennoch aber ist es geschehen.
[ 11 ] Let us follow the sequence of images once more! Jesus dies on the cross at Golgotha. Darkness falls over the earth. The body of Jesus is laid in the open tomb. An earthquake shakes the ground, and the body of Jesus is taken up from the earth. The fissure created by the earthquake closes, and the stone is hurled aside. All of these are actual events; I have no choice but to describe them this way. Let those who approach such matters from a scientific perspective judge as they will, and put forward all manner of arguments against it: what the clairvoyant gaze sees is exactly as I have described it. And if anyone were to say that such a thing could not happen—that a symbol is set forth from the cosmos, as in a mighty sign language, to indicate that something new has entered human evolution—if anyone were to say that the divine powers do not inscribe what happens into the earth with such a sign language as a solar eclipse and an earthquake, I could only reply: With all due respect to your belief that this cannot be so! But it has happened nonetheless; it has taken place! — I can imagine that someone like Ernest Renan, who wrote the peculiar *Life of Jesus*, might come and say: One does not believe in such things, for one believes only in that which can be reproduced at any time through experimentation. — But the idea is untenable, for would not a Renan, for example, believe in the Ice Age, even though it is impossible to recreate the Ice Age through experimentation? It is certainly impossible to bring the Ice Age back upon the earth, and yet all natural scientists believe in it. So it is impossible for this cosmic sign, which occurred once during the event at Golgotha, to ever appear before humanity again. Yet it did happen.
[ 12 ] Wir können zu diesem Ereignis nur vordringen, wenn wir hellseherisch den Weg einschlagen, den ich angedeutet habe, wenn wir uns zunächst etwa vertiefen in die Seele des Petrus oder eines der anderen Apostel, die beim Pfingstfeste sich befruchtet fühlten von der allwaltenden kosmischen Liebe. Nur, wenn wir in die Seelen jener Leute schauen und da sehen, was diese Seelen erlebt haben, finden wir auf diesem Umwege die Möglichkeit, hinzuschauen auf das auf Golgatha erhöhte Kreuz, auf die Verfinsterung der Erde zu jener Zeit und auf das Beben der Erde, das darauf folgte. Daß im äußeren Sinne diese Verfinsterung und dieses Beben ganz gewöhnliche Naturereignisse waren, das wird durchaus nicht geleugnet; daß aber für denjenigen, der diese Ereignisse hellseherisch verfolgt, sich diese Ereignisse so lesen, wie ich sie geschildert habe als gewaltige Zeichen der okkulten Schrift, das muß entschieden gesagt werden von demjenigen, der in seiner Seele die Bedingungen dazu hergestellt hat. Denn in der Tat war, was ich jetzt geschildert habe, für das Bewußtsein des Petrus etwas, das auf dem Felde des langen Schlafes sich herausktistallisierte. Auf dem Felde des durch mancherlei Bilder durchkreuzten Bewußtseins des Petrus hoben sich zum Beispiel heraus: das auf Golgatha erhöhte Kreuz, die Verfinsterung und das Beben. Das waren für den Petrus die ersten Früchte der Befruchtung mit der allwaltenden kosmischen Liebe beim Pfingstereignis. Und jetzt wußte er etwas, was er früher mit seinem normalen Bewußtsein tatsächlich nicht gewußt hatte: daß das Ereignis von Golgatha stattgefunden hat, und daß der Leib, der am Kreuze hing, derselbe Leib war, mit dem er oftmals im Leben gewandelt war. Jetzt wußte er, daß Jesus am Kreuze gestorben ist und daß dieses Sterben eigentlich eine Geburt war, die Geburt desjenigen Geistes, der als allwaltende Liebe sich jetzt ausgegossen hatte in die Seelen der beim Pfingstfeste versammelten Apostel. Und wie einen Strahl der urewigen, äonischen Liebe fühlte er in seiner Seele aufwachen den Geist als denselben, welcher geboren worden war, als der Jesus am Kreuze verschied. Und die ungeheuere Wahrheit senkte sich in die Seele des Petrus: Es ist nur Schein, daß am Kreuze ein Tod sich vollzogen hat, in Wahrheit war dieser Tod, dem unendliches Leiden vorangegangen war, die Geburt desjenigen, was wie in einem Strahle jetzt in seine Seele hineingedrungen war, für die ganze Erde. Für die Erde war mit dem Tode des Jesus geboren dasjenige, was früher allseitig außerhalb der Erde vorhanden war: die allwaltende Liebe, die kosmische Liebe.
[ 12 ] We can only gain access to this event if we take the path I have indicated through clairvoyance, if we first immerse ourselves, for example, in the soul of Peter or one of the other apostles who, at Pentecost, felt themselves inspired by the all-pervading cosmic love. Only by looking into the souls of those people and seeing there what those souls experienced can we, through this roundabout way, find the opportunity to look upon the cross raised on Golgotha, upon the eclipse of the sun at that time, and upon the earthquake that followed. That, in the outer sense, this eclipse and this earthquake were quite ordinary natural phenomena is by no means denied; but that for the one who follows these events clairvoyantly, they appear as I have described them—as mighty signs of the occult script—this must be stated decisively by the one who has created the conditions for this within his soul. For in fact, what I have now described was, for Peter’s consciousness, something that crystallized in the realm of deep sleep. In the realm of Peter’s consciousness, crisscrossed by various images, the following stood out, for example: the cross raised on Golgotha, the eclipse, and the earthquake. For Peter, these were the first fruits of the fertilization with the all-ruling cosmic love during the Pentecost event. And now he knew something that he had not actually known before with his normal consciousness: that the event of Golgotha had taken place, and that the body hanging on the cross was the same body with which he had often walked through life. Now he knew that Jesus had died on the cross and that this dying was actually a birth—the birth of that Spirit which, as all-pervading love, had now poured itself out into the souls of the Apostles gathered at the Feast of Pentecost. And like a ray of the eternal, aeternal love, he felt the Spirit awaken in his soul as the very same Spirit that had been born when Jesus passed away on the cross. And the immense truth sank into Peter’s soul: It is only an illusion that a death took place on the cross; in truth, this death, which had been preceded by infinite suffering, was the birth of that which had now penetrated his soul like a ray, for the whole earth. For the earth, with the death of Jesus, was born that which had previously existed everywhere outside the earth: the all-pervading love, the cosmic love.
[ 13 ] Solch ein Wort ist scheinbar abstrakt leicht auszusprechen, aber man muß sich einen Augenblick wirklich hineinversetzen in diese PetrusSeele, wie sie empfunden hat, in diesem Moment zum allerersten Male empfunden hat: Der Erde ist etwas geboren worden, was früher nur im Kosmos vorhanden war, in dem Augenblick, als Jesus von Nazareth verschied am Kreuze auf Golgatha. Der Tod des Jesus von Nazareth war die Geburt der allwaltenden kosmischen Liebe innerhalb der Erdensphäre.
[ 13 ] Such a statement may seem abstract and easy to utter, but one must truly put oneself in the shoes of Peter’s soul for a moment, to understand how he felt—how he felt for the very first time at that moment: Something was born on Earth that had previously existed only in the cosmos, at the very moment when Jesus of Nazareth died on the cross at Golgotha. The death of Jesus of Nazareth was the birth of all-pervading cosmic love within the Earth’s sphere.
[ 14 ] Das ist gewissermaßen die erste Erkenntnis, die wir herauslesen können aus dem, was wir das Fünfte Evangelium nennen. Mit dem, was im Neuen Testamente die Herabkunft, die Ausgießung des Heiligen Geistes genannt wird, ist gemeint dasjenige, was ich jetzt geschildert habe. Die Apostel waren nicht geeignet durch ihre ganze damalige Seelenverfassung, dieses Ereignis des Todes des Jesus von Nazareth anders mitzumachen als in einem abnormen Bewußtseinszustande.
[ 14 ] This is, in a sense, the first insight we can glean from what we call the Fifth Gospel. What is referred to in the New Testament as the descent, the outpouring of the Holy Spirit, is precisely what I have just described. Given their entire state of mind at the time, the apostles were not capable of experiencing the event of the death of Jesus of Nazareth in any way other than in an abnormal state of consciousness.
[ 15 ] Noch eines anderen Momentes seines Lebens mußte Petrus, auch Johannes und Jakobus, gedenken, jenes Momentes, der auch in den anderen Evangelien geschildert wird, der uns aber nur durch das Fünfte Evangelium in seiner vollen Bedeutung erst verständlich werden kann. Derjenige, mit dem sie auf der Erde gewandelt waren, hatte sie herausgeführt zum Ölberge, zum Garten Gethsemane und hatte gesagt: Wachet und betet! — Sie aber waren eingeschlafen und jetzt wußten sie: Dazumal war schon gekommen jener Zustand, der sich immer mehr und mehr ausbreitete über ihre Seelen. Das normale Bewußtsein schlief ein, sie versanken in Schlaf, der andauerte während des Ereignisses von Golgatha, und aus dem herausstrahlte dasjenige, was ich in stammelnden Worten zu schildern versuchte. Und Petrus, Johannes und Jakobus mußten gedenken, wie sie in diesen Zustand verfallen waren und wie jetzt, als sie zurückblickten, heraufdämmerten die großen Ereignisse, die sich um den irdischen Leib Desjenigen abgespielt hatten, mit dem sie umhergewandelt waren. Und allmählich, wie versunkene Träume herauftauchen im Menschenbewußtsein, in der Menschenseele, so tauchten die verflossenen Tage in dem Bewußtsein und den Seelen der Apostel auf. Während dieser Tage hatten sie das alles nicht mit normalem Bewußtsein miterlebt. Jetzt tauchte das in ihr normales Bewußtsein herein, und dasjenige, was hereintauchte, das war die ganze Zeit, die sie miterlebt hatten seit dem Ereignis von Golgatha bis zu dem Pfingstereignis, in den Untergründen ihrer Seele versunken geblieben. Das fühlten sie, wie diese Zeit ihnen vorkam wie eine Zeit tiefsten Schlafes. Besonders die zehn Tage von der sogenannten Himmelfahrt bis zum Pfingstereignis kamen ihnen vor wie eine Zeit tiefsten Schlafes. Rückwärtsschauend aber kam ihnen Tag für Tag herauf die Zeit zwischen dem Mysterium von Golgatha und der sogenannten Himmelfahrt des Christus Jesus. Das hatten sie miterlebt, das kam aber erst jetzt herauf, und in einer ganz merkwürdigen Weise kam es herauf.
[ 15 ] Peter, as well as John and James, had to recall yet another moment in his life—that moment which is also described in the other Gospels, but whose full significance can only be understood through the Fifth Gospel. The One with whom they had walked on earth had led them out to the Mount of Olives, to the Garden of Gethsemane, and had said: “Watch and pray!”—But they had fallen asleep, and now they knew: At that time, that state had already come upon them, a state that was spreading more and more over their souls. Normal consciousness fell asleep; they sank into a slumber that lasted throughout the events at Golgotha, and from which radiated that which I have attempted to describe in stammering words. And Peter, John, and James had to reflect on how they had fallen into this state, and how now, as they looked back, the great events that had unfolded around the earthly body of the One with whom they had walked were dawning upon them. And gradually, just as buried dreams surface in human consciousness, in the human soul, so did the days gone by surface in the consciousness and souls of the Apostles. During those days, they had not experienced all of this with normal consciousness. Now it emerged into their normal consciousness, and what emerged was the entire period they had lived through from the event at Golgotha to the event of Pentecost, which had remained submerged in the depths of their souls. They felt that this time seemed to them like a time of deepest sleep. Especially the ten days from the so-called Ascension to the event of Pentecost seemed to them like a time of deepest sleep. Looking back, however, the time between the Mystery of Golgotha and the so-called Ascension of Christ Jesus came up to them day by day. They had experienced that, but it was only now coming up, and it came up in a very strange way.
[ 16 ] Verzeihen Sie, wenn ich hier eine persönliche Bemerkung einschalte. Ich muß gestehen, daß ich selbst in höchstem Maße erstaunt war, als ich gewahr wurde, wie das in den Seelen der Apostel heraufkam, was sie erlebt hatten in der Zeit zwischen dem Mysterium von Golgatha und der sogenannten Himmelfahrt. Es ist ganz merkwürdig, wie das heraufkam, auftauchte in den Seelen der Apostel. -— Da tauchte auf in den Seelen der Apostel Bild nach Bild, und diese Bilder sagten ihnen: Ja, du warst ja beisammen mit dem, der am Kreuze gestorben oder geboren worden ist, du bist ihm ja begegnet. So wie man am Morgen beim Aufwachen sich erinnert an Träume und da weiß, du warst ja in diesem Traum zusammen mit diesem oder jenem, so kamen wie Träume herauf in die Seelen der Apostel die Erinnerungen. Aber ganz eigenartig war, wie die einzelnen Ereignisse ins Bewußtsein heraufkamen. Immer mußten sie sich fragen: Ja, wer ist denn das, mit dem wir da zusammen waren? — Und sie erkannten ihn immer wiederum und wiederum nicht. Sie fühlten, das ist eine geistige Gestalt; sie wußten, sie sind sicher in diesem schlafartigen Zustand mit ihm herumgewandelt, aber sie erkannten ihn nicht in der Gestalt, in der er ihnen jetzt aufgegangen war, nach der Befruchtung mit der allwaltenden Liebe. Sie sahen sich wandelnd mit demjenigen, den wir Christus nennen, nach dem Mysterium von Golgatha. Und sie sahen auch, wie er tatsächlich dazumal ihnen Lehren gab vom Reiche des Geistes, wie er sie unterwies. Und sie lernten verstehen, wie sie vierzig Tage lang mit diesem Wesen, das am Kreuze geboren war, herumgegangen waren, wie dieses Wesen - die aus dem Kosmos in die Erde geborene allwaltende Liebe - ihr Lehrer war, wie sie aber mit ihrem normalen Bewußtsein nicht reif gewesen waren, zu verstehen, was dieses Wesen zu sagen hatte, wie sie mit unterbewußten Kräften ihrer Seele das hatten aufnehmen müssen, wie sie wie Nachtwandler neben dem Christus gegangen waren und nicht hatten aufnehmen können mit dem gewöhnlichen Verstande, was dieses Wesen ihnen zu geben hatte. Und sie hörten auf ihn während dieser vierzig Tage, mit einem Bewußtsein, das sie nicht kannten, das jetzt erst in sie heraufdrang, nachdem sie das Pfingstereignis durchgemacht hatten. Wie Nachtwandler hatten sie zugehört. Als der geistige Lehrer war er ihnen erschienen und hatte sie unterwiesen in Geheimnissen, die sie nur verstehen konnten, indem er sie entrückte in einen ganz anderen Bewußtseinszustand. Und so sahen sie jetzt erst: Sie waren mit dem Christus, mit dem auferstandenen Christus gegangen. Jetzt aber erkannten sie erst, was mit ihnen geschehen war. Und wodurch erkannten sie, daß das wirklich Derjenige war, mit dem sie im Leibe vor dem Mysterium von Golgatha umhergegangen waren? Das geschah in der folgenden Weise.
[ 16 ] Please forgive me for inserting a personal remark here. I must confess that I myself was extremely astonished when I realized how what the Apostles had experienced in the period between the Mystery of Golgotha and the so-called Ascension arose within their souls. It is quite remarkable how this welled up, how it surfaced in the souls of the Apostles. — Image after image arose in the souls of the Apostles, and these images told them: Yes, you were indeed together with the One who died or was born on the cross; you did indeed encounter Him. Just as one remembers dreams upon waking in the morning and knows, ‘You were together with this or that person in this dream,’ so the memories arose like dreams in the souls of the Apostles. But it was quite peculiar how the individual events came to consciousness. They always had to ask themselves: Yes, who is this with whom we were together? — And time and again they failed to recognize him. They sensed that this was a spiritual being; they knew they had certainly walked with him in that sleep-like state, but they did not recognize him in the form in which he had now appeared to them, after being imbued with all-pervading love. They saw themselves walking with the one we call Christ, after the Mystery of Golgotha. And they also saw how he had indeed taught them about the Kingdom of the Spirit back then, how he had instructed them. And they came to understand how they had walked for forty days with this being who was born on the cross, how this being —the all-powerful love born from the cosmos into the earth—was their teacher, but how, with their normal consciousness, they had not been mature enough to understand what this being had to say, how they had had to take it in with the subconscious powers of their soul, how they had walked beside Christ like sleepwalkers and had not been able to grasp with their ordinary intellect what this being had to give them. And they listened to him during those forty days, with a consciousness they did not know, one that only now began to dawn upon them after they had gone through the Pentecost event. Like sleepwalkers, they had listened. He had appeared to them as a spiritual teacher and had instructed them in mysteries they could only understand by being transported into an entirely different state of consciousness. And so they saw only now: They had walked with Christ, with the risen Christ. But now they finally realized what had happened to them. And how did they recognize that this was truly the One with whom they had walked in the flesh before the Mystery of Golgotha? It happened in the following way.
[ 17 ] Nehmen wir an, solch ein Bild träte jetzt nach dem Pfingstfest vor die Seele eines der Apostel. Er sah, wie er gewandelt war mit dem Auferstandenen, wie der Auferstandene ihn unterrichtet hatte. Aber er erkannte ihn nicht. Er sah zwar ein himmlisches, geistiges Wesen, aber er erkannte es nicht. Da mischte sich ein anderes Bild herein. Ein solches Bild vermischte sich mit dem rein geistigen Bilde, das ein Erlebnis der Apostel darstellte, das sie wirklich durchgemacht hatten mit dem Christus Jesus vor dem Mysterium von Golgatha. Da gab es eine Szene, wo sie sich fühlten wie unterrichtet von dem Geheimnis des Geistes, von dem Christus Jesus. Aber sie erkannten ihn nicht. Sie schauten sich gegenüberstehend diesem geistigen Wesen, das sie unterrichtete, und damit sie das erkannten, verwandelte sich dieses Bild, indem es sich zugleich aufrechterhielt, in das Bild des Abendmahles, das sie miterlebt hatten mit dem Christus Jesus. Stellen Sie sich wirklich vor, daß solch ein Apostel vor sich hatte das übersinnliche Erlebnis mit dem Auferstandenen und, wie im Hintergrunde wirkend, das Bild des Abendmahles. Da erst erkannten sie, daß es Derselbe ist, mit dem sie einstmals gewandelt sind im Leibe, wie Derjenige, der sie jetzt unterrichtete in der ganz anderen Gestalt, die er angenommen hatte nach dem Mysterium von Golgatha. Es war ein vollständiges Zusammenfließen der Erinnerungen aus dem Bewußtseinszustand, der gleichsam ein Schlafzustand war, mit den Erinnerungsbildern, die vorangegangen waren. Wie zwei Bilder, die sich deckten, erlebten sie das: Ein Bild aus den Erlebnissen nach dem Mysterium von Golgatha, und eines vor demselben, wie hereinleuchtend aus der Zeit, bevor sich ihr Bewußtsein so getrübt hatte, daß sie nicht mehr miterlebten, was sich da abspielte. So erkannten sie, daß diese zwei Wesenheiten zusammengehören: der Auferstandene und Derjenige, mit dem sie einstmals, vor verhältnismäßig kurzer Zeit, im Leibe herumgewandelt waren. Und sie sagten sich jetzt: Bevor wir also aufgewacht sind durch die Befruchtung mit der allwaltenden kosmischen Liebe, waren wir wie hinweggenommen von unserem gewöhnlichen Bewußtseinszustand. Und der Christus, der Auferstandene war mit uns. Er hat uns gleichsam unwissend in sein Reich aufgenommen, wandelte mit uns und enthüllte uns die Geheimnisse seines Reiches, die jetzt, nach dem Pfingstmysterium, wie im Traume erlebt herauftauchen ins normale Bewußtsein.
[ 17 ] Let us suppose that such a vision now appeared before the soul of one of the apostles after the Feast of Pentecost. He saw how he had walked with the Risen One, how the Risen One had instructed him. But he did not recognize him. He saw a heavenly, spiritual being, but he did not recognize it. Then another image intermingled with it. Such an image mingled with the purely spiritual image that represented an experience the Apostles had truly undergone with Christ Jesus before the Mystery of Golgotha. There was a scene where they felt as though they were being instructed by the mystery of the Spirit, by Christ Jesus. But they did not recognize him. They stood facing this spiritual being who was instructing them, and so that they might recognize him, this image—while remaining intact—transformed into the image of the Last Supper that they had witnessed with Christ Jesus. Imagine truly that such an apostle had before him the supersensory experience with the Risen One and, as if acting in the background, the image of the Last Supper. Only then did they recognize that it was the same One with whom they had once walked in the flesh, as the One who was now instructing them in the entirely different form He had assumed after the Mystery of Golgotha. It was a complete merging of memories from the state of consciousness—which was, as it were, a state of sleep—with the images of memory that had preceded it. They experienced this as two images that coincided: one from the experiences following the Mystery of Golgotha, and one from before it, as if shining in from the time before their consciousness had become so clouded that they no longer witnessed what was taking place there. Thus they recognized that these two beings belong together: the Risen One and the One with whom they had once, relatively recently, walked about in the flesh. And they said to themselves now: So before we were awakened through the fertilization with the all-pervading cosmic love, we were as if taken away from our ordinary state of consciousness. And Christ, the Risen One, was with us. He took us, as it were, unknowingly into his kingdom, walked with us, and revealed to us the mysteries of his kingdom, which now, after the Pentecost mystery, emerge into normal consciousness as if experienced in a dream.
[ 18 ] Das ist dasjenige, was man als Staunen-Hervorrufendes erlebt: Dieses Zusammenfallen immer eines Bildes von einem Erlebnis der Apostel mit dem Christus »ach dem Mysterium von Golgatha mit einem Bilde vor dem Mysterium von Golgatha, das sie wirklich normal wissend im physischen Leibe erlebt hatten mit dem Christus Jesus.
[ 18 ] This is what one experiences as something that evokes wonder: this constant convergence of an image of an experience the Apostles had with Christ “after the Mystery of Golgotha” with an image from before the Mystery of Golgotha—an image they had truly experienced in their physical bodies with Christ Jesus.
[ 19 ] Wir haben den Anfang damit gemacht, mitzuteilen, was sich lesen läßt in dem sogenannten Fünften Evangelium, und ich darf am Ende dieser ersten Mitteilung, die ich heute zu machen hatte, vielleicht ein paar persönliche Worte zu Ihnen sprechen, die neben dieser Tatsache doch eben ausgesprochen werden müssen. Ich fühle mich gewissermaßen okkult verpflichtet, von diesen Dingen jetzt zu sprechen. Dasjenige aber, was ich sagen möchte, ist das Folgende: Ich weiß sehr wohl, daß wir gegenwärtig in einer solchen Zeit leben, in der sich mancherlei für die nächste Erdenzukunft der Menschheit vorbereitet, und daß wir innerhalb unserer - jetzt Anthroposophischen — Gesellschaft gleichsam als diejenigen uns fühlen müssen, denen eine Ahnung aufgeht, daß in den Seelen der Menschen etwas vorzubereiten ist für die Zukunft, was vorbereitet werden muß. Ich weiß, es werden Zeiten kommen, in denen man noch ganz anders, als es unsere heutige Zeit uns gestattet, wird über diese Dinge sprechen können. Denn wir alle sind ja Kinder der Zeit. Es wird aber eine nahe Zukunft kommen, in der man genauer, präziser wird sprechen können, in der vielleicht manches von dem, was heute nur andeutungsweise erkannt werden kann, viel, viel genauer wird erkannt werden können in der geistigen Chronik des Werdens. Solche Zeiten werden kommen, wenn es auch der heutigen Menschheit noch so unwahrscheinlich vorkommt. Dennoch liegt gerade aus diesem Grunde eine gewisse Verpflichtung vor, schon heute wie vorbereitend über diese Dinge zu sprechen. Und wenn es mich auch eine gewisse Überwindung gekostet hat, gerade über dieses Thema zu sprechen, so überwog denn doch die Verpflichtung gegenüber demjenigen, was sich in unserer Zeit vorbereiten muß. Das führte dazu, zum ersten Male gerade bei Ihnen hier über dieses Thema zu sprechen.
[ 19 ] We have begun by sharing what can be read in the so-called Fifth Gospel, and at the end of this first message I had to deliver today, I would like to say a few personal words to you that simply must be spoken alongside this fact. I feel, in a sense, occultly compelled to speak of these things now. But what I would like to say is this: I am well aware that we are currently living in a time when much is being prepared for humanity’s immediate future on Earth, and that within our—now Anthroposophical—Society we must, as it were, see ourselves as those who are beginning to sense that something must be prepared in the souls of human beings for the future. I know that times will come when we will be able to speak about these things in a way quite different from what our present age allows us. For we are all, after all, children of our time. But a near future will come in which one will be able to speak more accurately, more precisely, in which perhaps much of what can only be dimly perceived today will be able to be perceived much, much more clearly in the spiritual chronicle of becoming. Such times will come, even if it still seems so improbable to humanity today. Nevertheless, it is precisely for this reason that there is a certain obligation to speak about these things today, as a preparatory step. And even though it took some effort on my part to speak specifically on this topic, the obligation toward what must be prepared in our time ultimately prevailed. This led me to speak on this topic for the first time, right here with you.
[ 20 ] Wenn ich von Überwindung spreche, so fassen Sie dieses Wort wirklich so auf, wie es ausgesprochen wird. Ich bitte ausdrücklich, dasjenige, was ich gerade bei dieser Gelegenheit zu sagen habe, wirklich nur aufzufassen wie eine Art Anregung, wie etwas, was ganz gewiß in Zukunft viel besser und präziser wird ausgesprochen werden können. Und das Wort Überwindung werden Sie besser verstehen, wenn Sie mir gestatten, eine persönliche Bemerkung nicht zu unterdrücken: Es ist mir durchaus klar, daß für die Geistesforschung, der ich mich ergeben habe, zunächst manches außerordentlich schwierig und mühevoll herauszuholen ist aus der geistigen Schrift der Welt; gerade Dinge von dieser Art! Und ich würde mich gar nicht wundern, wenn das Wort «Andeutung», das ich gebrauchte, eine noch viel schwerere und weitere Bedeutung hätte, als es vielleicht jetzt aufgefaßt zu werden braucht. Ich will durchaus nicht sagen, daß ich heute schon imstande bin, alles das präzise zu sagen, was sich in der geistigen Schrift darstellt. Denn gerade ich fühle mancherlei Schwierigkeiten und Mühe, wenn es sich darum handelt, Bilder, die sich auf die Geheimnisse des Christentums beziehen, aus der Akasha-Chronik zu holen. Ich fühle Mühe, diese Bilder zu der nötigen Verdichtung zu bringen, sie festhalten zu können, und betrachte es gewissermaßen als mein Karma, daß mir die Pflicht auferlegt ist, dies zu sagen, was ich eben ausspreche. Denn ganz zweifellos würde ich weniger Mühe haben, wenn ich in der Lage gewesen wäre, in der mancher unserer Zeitgenossen ist, in meiner ersten Jugend eine wirklich christliche Erziehung erhalten zu haben. Das habe ich nicht gehabt; ich bin in einer vollständig freigeistigen Umgebung aufgewachsen, und auch mein Studium hat mich zum Freigeistigen geführt. Mein eigener Bildungsgang war ein rein wissenschaftlicher. Und das macht mir eine gewisse Mühe, diese Dinge jetzt zu finden, von denen ich zu sprechen verpflichtet bin.
[ 20 ] When I speak of “overcoming,” please take this word literally, just as it is spoken. I expressly ask that what I have to say on this occasion be understood merely as a kind of suggestion, as something that will certainly be expressed much better and more precisely in the future. And you will understand the word “overcoming” better if you allow me not to suppress a personal remark: It is quite clear to me that for the spiritual research to which I have devoted myself, it is initially extremely difficult and laborious to extract certain things from the spiritual writings of the world—precisely things of this kind! And I would not be at all surprised if the word “hint,” which I used, had an even much deeper and broader meaning than it perhaps needs to be understood now. I certainly do not mean to say that I am already able today to express precisely everything that is presented in the spiritual record. For I, in particular, feel many difficulties and struggles when it comes to extracting images relating to the mysteries of Christianity from the Akashic Records. I find it difficult to bring these images to the necessary level of conciseness, to be able to hold them fast, and I regard it, so to speak, as my karma that the duty has been imposed upon me to say what I am now expressing. For I would undoubtedly have less difficulty if I had been in the position of many of our contemporaries, having received a truly Christian upbringing in my early youth. I did not have that; I grew up in a completely free-thinking environment, and my studies also led me toward free-thinking. My own educational path was purely scientific. And that makes it somewhat difficult for me to find these things now, the things I am obliged to speak about.
[ 21 ] Gerade diese persönliche Bemerkung darf ich vielleicht machen aus zwei Gründen: aus dem Grunde, weil ja gerade durch eine ganz eigenartige Gewissenlosigkeit ein törichtes, albernes Märchen über meine Zusammenhänge mit gewissen katholischen Strömungen durch die Welt gesendet worden ist. Von allen diesen Dingen ist nicht ein einziges Wort wahr. Und wohin es gekommen ist mit dem, was sich heute vielfach Theosophie nennt, das kann man einfach daran ermessen, daß auf dem Boden der Theosophie solche gewissenlose Aufstellungen und Gerüchte in die Welt geschickt werden. Da wir aber gezwungen sind, nicht in nachsichtiger Weise, phrasenhaft darüber hinwegzugehen, sondern demgegenüber die Wahrheit hinzustellen, so darf diese persönliche Bemerkung gemacht werden. — Auf der anderen Seite fühle ich mich gerade dadurch, daß ich in meiner Jugend dem Christentum fernstand, diesem um so unbefangener gegenüber und glaube, da ich erst durch den Geist zu dem Christentum und der Christus-Wesenheit geführt worden bin, gerade auf diesem Gebiete ein gewisses Recht zu haben auf Vorurteilslosigkeit und Unbefangenheit, um über diese Dinge Aussagen zu machen. Vielleicht wird man gerade in dieser Stunde der Weltgeschichte - mehr geben können auf das Wort eines Menschen, der aus wissenschaftlicher Bildung kommt, der in seiner Jugend dem Christentum ferngestanden hat, als eines solchen, der seit der frühesten Jugend mit dem Christentum im Zusammenhang gewesen ist. Und ich glaube wahrhaftig nicht, daß das Christentum etwas verlieren kann, wenn es in seinen tieferen Elementen dargestellt wird von einem Bewußtsein, das erst aus dem Geist selber sich zu dem Christentum hingefunden hat. Aber wenn Sie diese Worte ernst nehmen, so werden Sie wie angedeutet fühlen, was in mir selber lebt, wenn ich jetzt spreche von den Geheimnissen, die ich bezeichnen möchte als die Geheimnisse des sogenannten Fünften Evangeliums.
[ 21 ] Perhaps I am permitted to make this personal remark for two reasons: first, because a foolish, ridiculous fairy tale about my connections to certain Catholic movements has been spread throughout the world due to a most peculiar lack of scruples. Not a single word of all this is true. And one can easily gauge what has become of what is often called Theosophy today simply by the fact that such unscrupulous fabrications and rumors are being spread into the world on the basis of Theosophy. But since we are compelled not to gloss over this in a lenient, clichéd manner, but rather to set the truth before it, this personal remark may be made. — On the other hand, precisely because I was distant from Christianity in my youth, I feel all the more unbiased toward it, and since I was led to Christianity and the Christ-being only through the Spirit, I believe I have a certain right, particularly in this area, to be free of prejudice and bias when making statements about these matters. Perhaps, especially at this moment in world history, one will be able to give more weight to the word of a person who comes from a scientific background and who was distant from Christianity in his youth than to that of someone who has been connected with Christianity since his earliest youth. And I truly do not believe that Christianity has anything to lose if its deeper elements are presented by a consciousness that has found its way to Christianity from the Spirit itself. But if you take these words seriously, you will sense, as I have indicated, what lives within me as I now speak of the mysteries I wish to describe as the mysteries of the so-called Fifth Gospel.
