From Akashic Research
The Fifth Gospel
GA 148
3 October 1913, Oslo
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From Akashic Research: The Fifth Gospel, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Wenn ich gestern davon gesprochen habe, daß diejenigen Persönlichkeiten, die man gewöhnlich die Apostel des Christus Jesus nennt, eine gewisse Auferweckung erlebt haben in dem Augenblick, der im sogenannten Pfingstfest seinen Ausgangspunkt hat, so ist damit durchaus nicht etwa behauptet, daß dasjenige, wovon ich zu sprechen habe als von dem Inhalt des sogenannten Fünften Evangeliums, gleich dazumal so, wie ich es jetzt erzähle, im Bewußtsein, im vollen Bewußtsein dieser Apostel gewesen sei. Allerdings, wenn sich das hellsichtige Bewußtsein in die Seelen dieser Apostel vertieft, dann erkennt es jene Bilder in diesen Seelen. Aber in den Aposteln selber lebte das dazumal schon weniger als Bild, sondern es lebte, nun, wenn ich sagen darf als Leben, als unmittelbares Erleben, als Gefühl und Macht der Seele. Und dasjenige, was die Apostel dann haben sprechen können, wodurch sie sogar die Griechen in der damaligen Zeit hingerissen haben, wodurch sie den Anstoß gegeben haben zu dem, was wir die christliche Entwickelung nennen, dasjenige, was sie so als Macht der Seele, als Macht des Gemütes in sich trugen, das erblühte aus dem, was in ihrer Seele lebte als lebendige Kraft des Fünften Evangeliums. Sie konnten so reden, wie sie redeten, sie konnten so wirken, wie sie wirkten, weil sie die Dinge, die wir jetzt als Fünftes Evangelium entziffern, lebendig in ihrer Seele trugen, auch wenn sie die Dinge nicht so in Worten erzählten, wie man jetzt dieses Fünfte Evangelium erzählen muß. Denn sie hatten ja empfangen, wie durch eine Auferweckung, die Befruchtung durch die allwaltende kosmische Liebe, und unter dem Eindruck dieser Befruchtung wirkten sie nun weiter. Was in ihnen wirkte, war dasjenige, wozu der Christus geworden ist nach dem Mysterium von Golgatha. Und hier stehen wir an einem Punkte, wo wir im Sinne des Fünften Evangeliums über das Erdenleben des Christus sprechen müssen.
[ 1 ] When I spoke yesterday about how those figures commonly referred to as the apostles of Christ Jesus experienced a certain resurrection at the moment that marks the beginning of what is known as the Feast of Pentecost, this by no means implies that what I am about to describe as the content of the so-called Fifth Gospel was already present in the consciousness—in the full consciousness—of these apostles at that time, exactly as I am now recounting it. However, when clairvoyant consciousness penetrates the souls of these apostles, it recognizes those images within them. But in the apostles themselves, this lived at that time less as an image; rather, it lived—if I may say so—as life, as direct experience, as feeling and power of the soul. And that which the Apostles were then able to speak—through which they even captivated the Greeks of that time, through which they gave the impetus to what we call Christian development—that which they carried within themselves as a power of the soul, as a power of the spirit, blossomed from what lived in their souls as the living power of the Fifth Gospel. They were able to speak as they did, they were able to work as they did, because they carried the things we now decipher as the Fifth Gospel alive within their souls, even if they did not describe these things in words as one must now describe this Fifth Gospel. For they had indeed received, as through a resurrection, the fertilization by the all-ruling cosmic love, and under the influence of this fertilization they now continued to work. What was at work within them was that which Christ had become following the Mystery of Golgotha. And here we stand at a point where we must speak of Christ’s earthly life in the spirit of the Fifth Gospel.
[ 2 ] Es ist für heutige Begriffe, für Begriffe der Gegenwart, nicht ganz leicht, das in Worte zu fassen, um was es sich dabei handelt. Aber wir können uns mit mancherlei Begriffen und Ideen, die wir schon gewonnen haben durch unsere geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, diesem größten Erdengeheimnisse nähern. Wenn man das ChristusWesen verstehen will, dann muß man manche Begriffe, die wir schon haben durch unsere geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzungen, in etwas veränderter Form auf die Christus-Wesenheit anwenden.
[ 2 ] It is not entirely easy, in terms of today’s concepts—the concepts of the present—to put into words what this is all about. But we can approach this greatest of earthly mysteries through various concepts and ideas we have already gained through our spiritual scientific reflections. If one wishes to understand the Christ Being, then one must apply certain concepts we already possess from our spiritual scientific investigations to the Christ Being in a somewhat modified form.
[ 3 ] Gehen wir einmal, um zu einiger Klarheit zu kommen, aus von demjenigen, was man gewöhnlich nennt die Johannestaufe im Jordan. Sie stellt sich im Fünften Evangelium dar in bezug auf das Erdenleben des Christus wie etwas, was gleich ist wie eine Empfängnis bei einem Erdenmenschen. Das Leben des Christus von da ab bis zu dem Mysterium von Golgatha verstehen wir, wenn wir es vergleichen mit demjenigen Leben, das der Menschenkeim im Leibe der Mutter durchmacht. Es ist also gewissermaßen ein Keimesleben der ChristusWesenheit, das diese Wesenheit durchmacht von der Johannestaufe bis zum Mysterium von Golgatha. Das Mysterium von Golgatha selber müssen wir verstehen als die irdische Geburt, also den Tod des Jesus als die irdische Geburt des Christus. Und sein eigentliches Erdenleben müssen wir suchen »ach dem Mysterium von Golgatha, da der Christus seinen Umgang gehabt hat, wie ich gestern angedeutet habe, mit den Aposteln, als diese Apostel in einer Art von anderem Bewußtseinszustand waren. Das war dasjenige, was der eigentlichen Geburt der Christus-Wesenheit folgte. Und was beschrieben wird als die Himmelfahrt und die darauf folgende Ausgießung des Geistes, das müssen wir bei der Christus-Wesenheit auffassen als dasjenige, was wir beim menschlichen Tode als das Eingehen in die geistigen Welten anzusehen gewohnt sind. Und das Weiterleben des Christus in der Erdensphäre seit der Himmelfahrt oder seit dem Pfingstereignis müssen wir vergleichen mit dem, was die Menschenseele durchlebt, wenn sie im sogenannten Devachan, im Geisterlande ist.
[ 3 ] To gain some clarity, let us begin with what is commonly referred to as the baptism of John in the Jordan. In the Fifth Gospel, this event is presented, in relation to the earthly life of Christ, as something akin to the conception of an earthly human being. We can understand the life of Christ from that point onward until the Mystery of Golgotha by comparing it to the life that the human embryo undergoes in the mother’s womb. It is, so to speak, an embryonic life of the Christ Being that this Being undergoes from the baptism by John until the Mystery of Golgotha. We must understand the Mystery of Golgotha itself as the earthly birth—that is, the death of Jesus as the earthly birth of the Christ. And we must seek his actual earthly life “after the Mystery of Golgotha, when the Christ had his dealings, as I indicated yesterday, with the Apostles, while these Apostles were in a kind of altered state of consciousness.” That was what followed the actual birth of the Christ Being. And what is described as the Ascension and the subsequent outpouring of the Spirit, we must understand in the case of the Christ Being as that which we are accustomed to regard, in the case of human death, as the entry into the spiritual worlds. And the continued life of the Christ in the earthly sphere since the Ascension or since the event of Pentecost must be compared to what the human soul experiences when it is in the so-called Devachan, in the spirit realm.
[ 4 ] Wir sehen also, meine lieben Freunde, daß wir in der ChristusWesenheit eine solche Wesenheit vor uns haben, gegenüber welcher wir alle Begriffe, die wir sonst uns angeeignet haben über die Aufeinanderfolge der Zustände des menschlichen Lebens, vollständig verändern müssen. Der Mensch geht nach der kurzen Zwischenzeit, die man gewöhnlich nennt Läuterungszeit, Kamalokazeit, in die geistige Welt über, um sich vorzubereiten zum nächsten Erdenleben. Der Mensch durchlebt also nach seinem Tode ein geistiges Leben. Vom Pfingstereignisse an erlebte die Christus-Wesenheit dasjenige, was für sie dasselbe bedeutete, wie für den Menschen der Übergang ins Geisterland: das Aufgehen in die Erdensphäre. Und anstatt in ein Devachan, anstatt in ein geistiges Gebiet zu kommen, wie der Mensch nach dem Tode, brachte die Christus-Wesenheit das Opfer, ihren Himmel gleichsam auf der Erde aufzuschlagen, auf der Erde zu suchen. Der Mensch verläßt die Erde, um, wenn wir mit den gebräuchlichen Ausdrücken sprechen, seinen Wohnplatz mit dem Himmel zu vertauschen. Der Christus verließ den Himmel, um diesen seinen Wohnplatz mit der Erde zu vertauschen. Das bitte ich Sie im rechten Lichte sich anzuschauen und daran zu knüpfen dann die Empfindung, das Gefühl, was geschehen ist durch das Mysterium von Golgatha, was geschehen ist durch die Christus-Wesenheit, worin das eigentliche Opfer der Christus-Wesenheit bestanden hat, nämlich im Verlassen der geistigen Sphären, um mit der Erde und mit den Menschen auf der Erde zu leben, und die Menschen, die Evolution auf der Erde durch den ihr so gegebenen Impuls weiterzuführen. Das besagt schon, daß vor der Johannestaufe im Jordan diese Wesenheit nicht der Erdensphäte angehörte. Sie ist also hereingewandert aus den überirdischen Sphären in die Erdensphäre. Und dasjenige, was erlebt wurde zwischen der Johannestaufe und dem Pfingstereignis, das mußte erlebt werden, um umzuwandeln die himmlische Wesenheit des Christus in die irdische Wesenheit des Christus.
[ 4 ] We see, then, my dear friends, that in the Christ-Being we are faced with a Being in whose presence we must completely revise all the concepts we have otherwise acquired regarding the succession of states in human life. After the brief interim period, commonly called the time of purification or the time of Kamaloka, the human being passes into the spiritual world to prepare for the next earthly life. Thus, after death, the human being lives a spiritual life. From the event of Pentecost onward, the Christ Being experienced what meant for it the same as the transition to the spirit realm does for the human being: the ascension into the earthly sphere. And instead of entering a Devachan, instead of entering a spiritual realm, as humans do after death, the Christ Being made the sacrifice of, so to speak, establishing its heaven on earth, of seeking it on earth. Humans leave the earth in order, to use the common expressions, to exchange their dwelling place for heaven. Christ left heaven to exchange his dwelling place for the earth. I ask you to view this in the proper light and to connect to it the sense, the feeling, of what happened through the Mystery of Golgotha, what happened through the Christ Being, in what the actual sacrifice of the Christ Being consisted, namely in leaving the spiritual spheres to live with the Earth and with the people on Earth, and to continue human evolution on Earth through the impulse thus given to them. This already implies that before the baptism by John in the Jordan, this Being did not belong to the Earth sphere. It therefore migrated from the super-earthly spheres into the Earth sphere. And what was experienced between the baptism by John and the event of Pentecost had to be experienced in order to transform the heavenly being of Christ into the earthly being of Christ.
[ 5 ] Es ist unendlich viel gesagt, wenn dieses Geheimnis hier ausgesptochen wird mit den Worten: Seit dem Pfingstereignis ist die Christus-Wesenheit bei den menschlichen Seelen auf der Erde; vorher war sie nicht bei den menschlichen Seelen auf der Erde. Das, was die Christus-Wesenheit durchgemacht hat zwischen der Johannestaufe und dem Pfingstereignis, ist geschehen, damit der Wohnsitz eines Gottes in der geistigen Welt vertauscht werden konnte mit dem Wohnsitz in der irdischen Sphäre. Das ist geschehen, damit diese göttlich-geistige Christus-Wesenheit die Gestalt annehmen konnte, welche notwendig war für sie, um mit den menschlichen Seelen fortan Gemeinschaft zu haben. Warum sind also die Ereignisse von Palästina vollzogen worden? Damit die göttlich-geistige Wesenheit des Christus die Gestalt annehmen konnte, die sie brauchte, um mit den menschlichen Seelen auf der Erde Gemeinschaft zu haben.
[ 5 ] It says an infinite amount when this mystery is expressed here with the words: Since the event of Pentecost, the Christ-Being has been with human souls on Earth; before that, it was not with human souls on Earth. What the Christ-essence went through between the baptism by John and the event of Pentecost happened so that a God’s dwelling in the spiritual world could be exchanged for a dwelling in the earthly sphere. This happened so that this divine-spiritual Christ-being could take on the form necessary for it to henceforth be in communion with human souls. Why, then, were the events in Palestine carried out? So that the divine-spiritual being of Christ could take on the form it needed to be in communion with human souls on Earth.
[ 6 ] Es ist damit zugleich darauf hingewiesen, daß dieses Ereignis von Palästina ein einzigartiges ist, worauf ich ja schon öfter aufmerksam gemacht habe: es ist das Herabsteigen einer höheren, nicht irdischen Wesenheit in die Erdensphäre und das Zusammenbleiben dieser nicht irdischen Wesenheit mit der Erdensphäre, bis unter ihrem Einfluß die Erdensphäre die entsprechende Umgestaltung erfahren haben wird. Seit jener Zeit ist also die Christus-Wesenheit auf der Erde wirksam.
[ 6 ] This also serves to highlight that this event in Palestine is a unique one, a point I have already emphasized on several occasions: it is the descent of a higher, non-earthly being into the earthly sphere and the continued presence of this non-earthly being within the earthly sphere until, under its influence, the earthly sphere has undergone the corresponding transformation. Since that time, therefore, the Christ Being has been active on Earth.
[ 7 ] Wollen wir nun das Pfingstereignis im Sinne des Fünften Evangeliums vollständig verstehen, so müssen wir die Begriffe zu Hilfe nehmen, die wir in der Geisteswissenschaft ausgearbeitet haben. Aufmerksam gemacht worden ist darauf, daß es in den alten Zeiten Mysterieneinweihungen gegeben hat, daß die Menschenseele durch diese Einweihung heraufgehoben worden ist zur Teilnahme am spirituellen Leben. Am anschaulichsten wird dieses vorchristliche Mysterienwesen, wenn man ins Auge faßt die sogenannten persischen oder Mithrasmysterien. Da gab es sieben Stufen der Einweihung. Da wurde derjenige, der heraufgeführt werden sollte in die höheren Grade des geistigen Erlebens, zuerst zu dem geführt, was man symbolisch einen «Raben» nannte. Dann wurde er ein «Okkulter», ein «Verborgener». Im dritten Grade wurde er ein «Streiter», im vierten ein «Löwe», im fünften übertrug man ihm den Namen desjenigen Volkes, dem er angehörte. Im sechsten Grade wurde er ein «Sonnenheld», im siebenten Grade ein «Vater». Für die vier ersten Grade genügt es heute, wenn wir sagen, daß der Mensch allmählich immer tiefer und tiefer in das geistige Erleben hineingeführt wurde. Im fünften Grade erlangte der Mensch die Fähigkeit, ein erweitertes Bewußtsein zu haben, so daß dieses erweiterte Bewußtsein ihm die Fähigkeit gab, ein geistiger Behüter des ganzen Volkes zu werden, dem er angehörte. Deshalb übertrug man ihm auch den Namen des betreffenden Volkes. Wenn jemand in diesen alten Mysterien in den fünften Grad eingeweiht war, dann hatte er eine bestimmte Art der Teilnahme an dem geistigen Leben.
[ 7 ] If we are to fully understand the event of Pentecost in the light of the Fifth Gospel, we must draw upon the concepts we have developed in spiritual science. Attention has been drawn to the fact that in ancient times there were mystery initiations, through which the human soul was raised to participate in spiritual life. This pre-Christian mystery system becomes most vivid when one considers the so-called Persian or Mithraic mysteries. There were seven stages of initiation. The one who was to be led up into the higher degrees of spiritual experience was first led to what was symbolically called a “raven.” Then he became an “Occultist,” a “Hidden One.” In the third degree he became a “Warrior,” in the fourth a “Lion,” and in the fifth he was given the name of the people to whom he belonged. In the sixth degree he became a “Sun Hero,” and in the seventh degree a “Father.” For the first four degrees, it suffices today to say that the individual was gradually led deeper and deeper into spiritual experience. In the fifth degree, the individual attained the ability to possess an expanded consciousness, so that this expanded consciousness gave him the capacity to become a spiritual guardian of the entire people to whom he belonged. That is why he was also given the name of the people in question. When someone was initiated into the fifth degree in these ancient mysteries, he had a specific kind of participation in spiritual life.
[ 8 ] Wir wissen gerade aus einem Vortragszyklus, den ich hier gehalten habe, daß die Erdenvölker geführt werden von dem, was wir in den Hierarchien der geistigen Wesenheiten die Archangeloi oder Erzengel nennen. In diese Sphäre wurde hinaufgehoben der in den fünften Grad Eingeweihte, so daß er teilnahm an dem Leben der Erzengel. Man brauchte solche Eingeweihte in den fünften Grad, man brauchte sie im Kosmos. Daher gab es auf Erden eine Einweihung in diesen fünften Grad. Wenn solch eine Persönlichkeit in die Mysterien eingeweiht wurde und alle die inneren Seelenerlebnisse durchmachte, den Seeleninhalt bekam, der dem fünften Grade entsprach, dann blickte gleichsam der Erzengel des betreffenden Volkes, dem diese Persönlichkeit angehörte, hinab auf diese Seele und las in dieser Seele, wie wir in einem Buche lesen, das uns gewisse Dinge mitteilt, die wir wissen müssen, damit wir diese oder jene Tat vollbtingen können. Was einem Volke notwendig war, was ein Volk brauchte, das lasen die Archangeloi in den Seelen derjenigen, die in den fünften Grad eingeweiht worden waren. Man muß, damit die Archangeloi in der richtigen Weise führen können, auf der Erde Eingeweihte des fünften Grades schaffen. Diese Eingeweihten sind die Vermittler zwischen den eigentlichen Volksführern, den Archangeloi, und dem Volke selber. Sie tragen gleichsam hinauf in die Sphäre der Archangeloi dasjenige, was dort gebraucht wird, damit das Volk in der richtigen Weise geführt werden kann.
[ 8 ] We know from a series of lectures I gave here that the peoples of the earth are guided by what we call the Archangeloi, or Archangels, in the hierarchies of spiritual beings. The initiate of the fifth degree was raised into this sphere, so that he participated in the life of the Archangels. Such initiates of the fifth degree were needed; they were needed in the cosmos. That is why there was an initiation into this fifth degree on Earth. When such a personality was initiated into the Mysteries and underwent all the inner soul experiences, receiving the soul content corresponding to the fifth degree, then the Archangel of the people to whom this personality belonged looked down, as it were, upon this soul and read within it, just as we read in a book that tells us certain things which we must know in order to perform this or that deed. What was necessary for a people, what a people needed—this is what the Archangels read in the souls of those who had been initiated into the fifth degree. In order for the Archangels to guide in the right way, initiates of the fifth degree must be created on Earth. These initiates are the mediators between the actual leaders of the people, the Archangels, and the people themselves. They carry, as it were, up into the sphere of the Archangels that which is needed there so that the people may be guided in the right way.
[ 9 ] Wie konnte nun dieser fünfte Grad erlangt werden in alten vorchristlichen Zeiten? Nicht konnte er erlangt werden, wenn die Seele des Menschen im Leibe blieb. Die Seele des Menschen mußte aus dem Leibe herausgehoben werden. Die Einweihung bestand gerade darin, daß die Seele des Menschen aus dem Leibe herausgeholt worden ist. Und außerhalb des Leibes machte dann die Seele durch, was ihr den Inhalt gab, den ich soeben beschrieben habe. Die Seele mußte verlassen die Erde, mußte in die geistige Welt hinaufsteigen, um dasjenige zu erreichen, was sie erreichen sollte.
[ 9 ] How, then, could this fifth degree be attained in ancient pre-Christian times? It could not be attained if the human soul remained within the body. The human soul had to be lifted out of the body. The initiation consisted precisely in the soul being taken out of the body. And outside the body, the soul then underwent what gave it the content I have just described. The soul had to leave the earth, had to ascend into the spiritual world in order to attain what it was meant to attain.
[ 10 ] Wenn nun der sechste Grad der alten Einweihung erreicht wurde, der Grad des Sonnenhelden, dann wurde in der Seele eines solchen Sonnenhelden dasjenige rege, was nicht nur zur Führung, zur Leitung und Lenkung eines Volkes notwendig ist, sondern was höher ist als die bloße Lenkung und Leitung eines Volkes. Wenn Sie den Blick hinwenden auf die Entwickelung der ganzen Menschheit auf der Erde, so sehen Sie, wie Völker entstehen und wieder hinschwinden, wie Völker sich gleichsam verwandeln. Wie die einzelnen Menschen, so werden Völker geboren und sterben. Dasjenige aber, was ein Volk für die Erde geleistet hat, muß fortbewahrt werden für die ganze Entwickelung der Menschheit auf Erden. Es muß nicht nur ein Volk geleitet und gelenkt werden, sondern es muß dasjenige, was dieses Volk als irdische Arbeit leistet, weitergeführt werden über das Volk hinaus. Damit eine Volksleistung herausgeführt werden kann über das Volk hinaus von den Geistern, die höherstehen als die Erzengel, von den Zeitgeistern, waren notwendig die Eingeweihten des sechsten Grades, die Sonnenhelden. Denn in dem, was in der Seele eines Sonnenhelden lebte, konnten die Wesen der höheren Welten dasjenige lesen, was die Arbeit eines Volkes hinübertrug in die Arbeit des ganzen Menschengeschlechtes. So konnte man die Kräfte gewinnen, die in der richtigen Weise die Arbeit eines Volkes herübertragen in die Arbeit der ganzen Menschheit. Über die ganze Erde wurde hingetragen dasjenige, was in dem Sonnenhelden lebte. Und so wie derjenige, der in den fünften Grad in den alten Mysterien eingeweiht werden sollte, aus seinem Leibe herausgehen mußte, um das Notwendige durchzumachen, so mußte derjenige, der ein Sonnenheld werden sollte, herausgehen aus seinem Leibe und zum Wohnplatz während der Zeit seines Herausgegangenseins wirklich die Sonne haben.
[ 10 ] Once the sixth degree of the ancient initiation had been attained—the degree of the Solar Hero—then something stirred within the soul of such a Solar Hero that was not only necessary for the leadership, guidance, and direction of a people, but was higher than the mere guidance and direction of a people. If you turn your gaze to the development of all humanity on Earth, you will see how peoples arise and fade away again, how peoples, as it were, transform themselves. Just as individual human beings are born and die, so too are peoples. But what a people has accomplished for the Earth must be preserved for the entire development of humanity on Earth. It is not merely a matter of guiding and directing a people; rather, what this people accomplishes as earthly work must be carried forward beyond the people themselves. In order for a people’s achievement to be carried beyond the people by the spirits who stand higher than the archangels—by the spirits of the age—the initiates of the sixth degree, the Sun Heroes, were necessary. For in what lived within the soul of a Sun Hero, the beings of the higher worlds could read that which carried the work of a people over into the work of the entire human race. Thus the forces could be gained that carry the work of a people over into the work of all humanity in the right way. That which lived within the Sun Hero was carried out over the whole earth. And just as the one who was to be initiated into the fifth degree of the ancient mysteries had to leave his body in order to undergo the necessary trials, so too must the one who was to become a Sun Hero leave his body and truly have the Sun as his dwelling place during the time of his departure.
[ 11 ] Das sind allerdings Dinge, die für das heutige Zeitbewußtsein fast fabelhaft klingen, ja, vielleicht als eine Torheit gelten. Aber dafür gilt auch das Paulinische Wort, daß was Weisheit vor den Göttern, oftmals Torheit ist für die Menschen. Der Sonnenheld lebte also für diese Zeit seiner Einweihung mit dem ganzen Sonnensystem zusammen. Die. Sonne ist sein Wohnplatz, wie der gewöhnliche Mensch auf der Erde als auf seinem Planeten lebt. Wie um uns Berge und Flüsse sind, sind für den Sonnenhelden während seiner Einweihung um ihn die Planeten des Sonnensystems. Entrückt auf die Sonne mußte der Sonnenheld während der Einweihung sein. Das konnte man in den alten Mysterien nur außerhalb des Leibes erreichen. Und wenn man zurückkehrte in seinen Leib, erinnerte man sich daran, was man außerhalb seines Leibes erlebt hatte und konnte es verwenden als Wirkenskräfte für dieEvolution der ganzen Menschheit, für das Heil der ganzen Menschheit. Die Sonnenhelden verließen also während der Einweihung ihren Leib; hatten sie sich mit diesen Kräften erfüllt, dann traten sie wiederum in ihren Leib zurück. Wenn sie zurückgekehrt waren, dann hatten sie die Kräfte in ihrer Seele, welche die Arbeit eines Volkes herausführen konnten in die ganze Entwickelung der Menschheit.
[ 11 ] These are, however, things that sound almost fantastical to today’s sense of time—indeed, they may even be regarded as folly. But the Pauline saying also applies here: what is wisdom with God is often folly to human beings. The Sun Hero thus lived together with the entire solar system during this time of his initiation. The Sun is his dwelling place, just as the ordinary human being lives on Earth as his planet. Just as mountains and rivers surround us, so the planets of the solar system surround the Sun Hero during his initiation. The Sun Hero had to be transported to the Sun during the initiation. In the ancient mysteries, this could only be achieved outside the body. And when one returned to one’s body, one remembered what one had experienced outside the body and could use it as active forces for the evolution of all humanity, for the salvation of all humanity. The Sun Heroes thus left their bodies during the initiation; once they had filled themselves with these forces, they returned to their bodies. When they had returned, they possessed within their souls the forces capable of guiding a people’s work toward the entire development of humanity.
[ 12 ] Und was erlebten diese Sonnenhelden während der dreieinhalb Tage ihrer Einweihung? Während sie — wir können es schon so nennen wandelten nicht auf der Erde, sondern auf der Sonne, was erlebten sie? Die Gemeinsamkeit mit dem Christus, der vor dem Mysterium von Golgatha noch nicht auf der Erde war! Alle alten Sonnenhelden waren so in die Sonnensphäre hinaufgegangen, denn nur da konnte man in den alten Zeiten die Gemeinsamkeit mit dem Christus erleben. Aus dieser Welt, in die hinaufsteigen mußten während ihrer Einweihung die alten Eingeweihten, ist der Christus herabgestiegen auf die Erde. Wir können also sagen: Dasjenige, was durch die ganze Prozedur der Einweihung in alten Zeiten für einzelne Wenige hat erreicht werden können, das wurde erreicht wie durch ein naturgemäßes Ereignis in den Pfingsttagen von denjenigen, welche die Apostel des Christus waren. Während früher die Menschenseelen hatten hinaufsteigen müssen zu dem Christus, war jetzt der Christus zu den Aposteln herabgestiegen. Und die Apostel waren in gewisser Weise solche Seelen geworden, die in sich trugen jenen Inhalt, den die alten Sonnenhelden in ihren Seelen gehabt haben. Die geistige Kraft der Sonne hatte sich ausgegossen über die Seelen dieser Menschen und wirkte fortan weiter in der Menschheitsevolution. Damit dies geschehen konnte, damit das Wirken einer ganz neuen Kraft auf die Erde kommen konnte, mußte das Ereignis von Palästina, mußte das Mysterium von Golgatha sich vollziehen.
[ 12 ] And what did these Sun Heroes experience during the three and a half days of their initiation? While they—we might as well call it that—were not walking on Earth but on the Sun, what did they experience? The communion with the Christ, who was not yet on Earth before the Mystery of Golgotha! All the ancient sun heroes had ascended into the solar sphere in this way, for only there could one experience communion with the Christ in ancient times. From this world, into which the ancient initiates had to ascend during their initiation, the Christ descended to Earth. We can therefore say: What could be attained by a select few through the entire process of initiation in ancient times was attained, as through a natural event, during the days of Pentecost by those who were the Apostles of Christ. Whereas in the past human souls had to ascend to Christ, now Christ had descended to the Apostles. And the Apostles had, in a certain sense, become souls who carried within themselves that content which the ancient Sun Heroes had held in their souls. The spiritual power of the Sun had poured out over the souls of these people and continued to work in the evolution of humanity from then on. For this to happen, for the working of a completely new power to come upon the Earth, the event in Palestine, the Mystery of Golgotha, had to take place.
[ 13 ] Aus was heraus aber ist das Erdensein des Christus erwachsen? Es ist erwachsen aus dem tiefsten Leiden, aus einem Leiden, das hinausgeht über alle menschliche Vorstellungsfähigkeit vom Leiden. Um an dieser Stelle richtige Begriffe über die Sache zu bekommen, sind auch wieder einige Widerstände des gegenwärtigen Bewußtseins hinwegzuräumen. Ich muß nun einmal manche Einschaltung machen in die Erklärung des Fünften Evangeliums.
[ 13 ] But from what did Christ’s earthly existence arise? It arose from the deepest suffering, from a suffering that transcends all human conception of suffering. In order to gain a proper understanding of the matter at this point, we must once again overcome certain obstacles posed by our present consciousness. I must now make a few digressions in the explanation of the Fifth Gospel.
[ 14 ] Vor kurzem ist ein Buch erschienen, das ich recht sehr zur Lektüre empfehlen möchte, weil es von einem sehr geistreichen Manne herrührt und beweisen kann, welchen Unsinn geistreiche Menschen in bezug auf geistige Dinge aussprechen können. Ich meine das Buch Maurice Maeterlincks «Vom Tode». Unter mancherlei unsinnigen Dingen, die darin stehen, ist auch die Behauptung, daß wenn der Mensch einmal gestorben sei, er nicht mehr leiden könne, da er ja dann ein Geist sei, keinen physischen Leib mehr habe. Ein Geist aber könne nicht leiden. Der Leib sei es allein, der leide. — Maeterlinck, der geistvolle Mann, gibt sich also der Illusion hin, daß nur das Physische leiden könne und ein Toter deswegen nicht leiden könne. Er merkt gar nicht den phänomenalen, fast unglaublichen Unsinn, der darin liegt, zu behaupten, daß der physische Leib, der aus physischen Kräften und chemischen Stoffen besteht, allein leidet. Als ob Leiden an physische Stoffe und Kräfte gebunden sei! Stoffe und Kräfte leiden überhaupt nicht. Wenn diese leiden könnten, dann müßte auch ein Stein leiden können. Der physische Leib kann nicht leiden; was leidet, das ist doch eben der Geist, das Seelische. Es ist heute so weit gekommen, daß die Menschen über die einfachsten Dinge das Gegenteil von dem denken, was Sinn hat. Es gäbe kein Kamalokaleiden, wenn das geistige Leben nicht leiden könnte. Weil es entbehrt, wirklich entbehrt den physischen Leib, gerade darin besteht das Kamalokaleiden. Wer nun der Meinung ist, daß ein Geist nicht leiden könne, der wird auch nicht die richtige Vorstellung bekommen können von dem unendlichen Leiden, das der Christus-Geist durchmachte während der Jahre in Palästina. |
[ 14 ] A book has recently been published that I would highly recommend reading, because it was written by a very witty man and serves to demonstrate the nonsense that witty people can spout when it comes to spiritual matters. I am referring to Maurice Maeterlinck’s book *On Death*. Among the various nonsensical things it contains is the assertion that once a person has died, they can no longer suffer, since they are then a spirit and no longer have a physical body. But a spirit cannot suffer. It is the body alone that suffers. — Maeterlinck, the witty man, thus succumbs to the illusion that only the physical can suffer and that a dead person therefore cannot suffer. He does not even notice the phenomenal, almost unbelievable nonsense involved in claiming that the physical body, which consists of physical forces and chemical substances, suffers alone. As if suffering were bound to physical substances and forces! Substances and forces do not suffer at all. If these could suffer, then a stone would also have to be able to suffer. The physical body cannot suffer; what suffers is precisely the spirit, the soul. Things have come to such a pass today that people think the opposite of what makes sense about the simplest things. There would be no kamaloka suffering if spiritual life could not suffer. Because the physical body is lacking—truly lacking—that is precisely what kamaloka suffering consists of. Anyone who believes that a spirit cannot suffer will also be unable to form a correct conception of the infinite suffering that the Christ Spirit endured during the years in Palestine. |
[ 15 ] Bevor ich aber von diesem Leiden spreche, muß ich Sie noch auf etwas anderes aufmerksam machen. Ins Auge fassen müssen wir, daß mit der Johannestaufe im Jordan ein Geist auf die Erde herabgekommen ist, fortan drei Jahre in einem irdischen Leib gelebt und in diesem dann den Tod auf Golgatha durchgemacht hat, ein Geist, der vor der Johannestaufe im Jordan in ganz anderen als irdischen Verhältnissen gelebt hat. Und was heißt das, dieser Geist habe in ganz anderen als irdischen Verhältnissen gelebt? Das heißt, anthroposophisch gesprochen, dieser Geist habe auch kein irdisches Karma gehabt. Was das bedeutet, bitte ich ins Auge zu fassen. Ein Geist lebte drei Jahre im Leibe des Jesus von Nazareth, der diese Laufbahn auf der Erde durchgemacht hat, ohne ein irdisches Karma in seiner Seele zu haben. Damit gewinnen alle irdischen Erfahrungen und Erlebnisse, die der Christus durchgemacht hat, eine ganz andere Bedeutung als die Erfahrungen, die etwa eine Menschenseele durchmacht. Leiden “wir, haben wir diese oder jene Erfahrung, so wissen wir, daß Leiden im Karma begründet sind. Für den Christus-Geist aber war es nicht so. Er hatte eine dreijährige Erdenerfahrung durchzumachen, ohne daß ein Karma auf ihm lastete. Was war also das für ihn? Leiden ohne karmischen Sinn, wirklich unverdientes Leiden, ein unschuldiges Leiden! Das Fünfte Evangelium ist das anthroposophische Evangelium und zeigt uns, daß das dreijährige Christus-Leben das einzige Leben in einem menschlichen Leibe ist, das ohne Karma gelebt wurde, auf welches der Begriff von Karma im menschlichen Sinne nicht anwendbar ist.
[ 15 ] But before I speak of this suffering, I must draw your attention to something else. We must bear in mind that with John’s baptism in the Jordan, a spirit descended to Earth, lived for three years in an earthly body, and then underwent death on Golgotha in that body—a spirit who, prior to John’s baptism in the Jordan, had lived in circumstances entirely different from earthly ones. And what does it mean that this spirit lived in circumstances entirely different from earthly ones? This means, in anthroposophical terms, that this spirit also had no earthly karma. I ask you to consider what this means. A spirit lived for three years in the body of Jesus of Nazareth, who underwent this earthly life without having any earthly karma in his soul. Thus, all the earthly experiences and events that Christ went through take on a completely different meaning than the experiences that, say, a human soul goes through. When “we” suffer, or have this or that experience, we know that suffering is rooted in karma. But for the Christ Spirit, it was not so. He had to go through a three-year earthly experience without any karma weighing upon him. What, then, was this for him? Suffering without karmic meaning, truly undeserved suffering, innocent suffering! The Fifth Gospel is the anthroposophical Gospel and shows us that the three-year life of the Christ is the only life lived in a human body that was lived without karma, to which the concept of karma in the human sense does not apply.
[ 16 ] Aber die weitere Betrachtung dieses Evangeliums lehrt uns noch etwas anders dieses dreijährige Leben erkennen. Dieses ganze dreijährige Leben auf der Erde, das wir betrachtet haben wie ein Embryonalleben, das erzeugte auch kein Karma, das lud auch keine Schuld auf sich. Es wurde also auf der Erde ein dreijähriges Leben gelebt, das nicht durch Karma bedingt war und auch kein Karma erzeugte. Man muß alle diese Begriffe und Ideen, die man damit empfängt, nur im ganz tiefen Sinne aufnehmen und man wird mancherlei gewinnen für ein richtiges Verständnis dieses außerordentlichen Ereignisses von Palästina, das sonst wirklich in mancher Hinsicht unerklärlich bleibt. Vieles muß man zusammentragen zu seinem Verständnis. Denn was alles hat es hervorgerufen an sich widersprechenden Erklärungen, in welcher Weise ist es mißverstanden worden! Und dennoch, wie hat es Impuls auf Impuls bewirkt in der Menschheitsentwickelung! Man nimmt diese Dinge nur nicht immer in der richtigen tiefen Bedeutung. Man wird einmal über diese Dinge ganz anders reden, wenn man das in seiner ungeheuren Tiefe einsehen wird, was wir hier angedeutet haben, indem wir davon sprachen, daß wir hier ein dreijähriges Erdenleben vor uns haben, das ohne Karma gelebt wurde.
[ 16 ] But a closer examination of this Gospel teaches us to view this three-year life in yet another light. This entire three-year life on Earth, which we have regarded as an embryonic life, did not generate any karma, nor did it incur any guilt. Thus, a three-year life was lived on Earth that was not conditioned by karma and did not generate any karma. One must simply take in all these concepts and ideas that one receives in connection with this in the deepest sense, and one will gain much for a proper understanding of this extraordinary event in Palestine, which otherwise truly remains inexplicable in many respects. Much must be gathered to understand it. For what a multitude of contradictory explanations it has given rise to, and in what ways it has been misunderstood! And yet, how it has brought about impulse upon impulse in the development of humanity! People simply do not always grasp these things in their true, profound significance. One day we will speak of these things quite differently when we come to realize, in all its immense depth, what we have hinted at here by saying that we have before us a three-year earthly life that was lived without karma.
[ 17 ] Wie gedankenlos geht vielfach der Mensch an Dingen vorbei, die eigentlich tief bedeutsam sind. Vielleicht hat mancher von Ihnen doch auch etwas gehört von dem im Jahre 1863 erschienenen Buche «Leben Jesu» von Ernest Renan. Man liest dieses Buch, ohne auf das Signifikante dieses Buches recht Rücksicht zu nehmen. Vielleicht werden sich später die Menschen wundern, daß unzählige Menschen bis heute dieses Buch gelesen haben, ohne zu empfinden, was eigentlich das Sonderbare, Merkwürdige an diesem Buche ist. Das Merkwürdige an diesem Buche ist, daß es ein Zwischending, ein Gemisch ist einer erhabenen Darstellung und eines Hintertreppenromans. Daß diese zwei Dinge zusammengemischt werden können, eine schöne Darstellung und eine richtige Hintertreppengeschichte, das wird man später einmal als höchste Absonderlichkeit ansehen. Lesen Sie mit diesem Bewußtsein einmal dieses «Leben Jesu» von Ernest Renan, lesen Sie, was er aus dem Christus macht, der für ihn natürlich hauptsächlich der Christus Jesus ist. Er macht einen Helden daraus, der erst ganz gute Absichten hat, ein großer Wohltäter der Menschheit ist, der aber dann gleichsam von der Volksbegeisterung mitgerissen wird und nachgibt immer mehr und mehr dem, was das Volk will und wünscht, was es so gerne hört und so gerne gesagt bekommt.
[ 17 ] How thoughtlessly people often pass by things that are actually deeply significant. Perhaps some of you have heard of Ernest Renan’s book *The Life of Jesus*, published in 1863. People read this book without really taking its significance into account. Perhaps people will later wonder that countless people have read this book to this day without sensing what is actually so peculiar and strange about it. What is strange about this book is that it is a hybrid, a mixture of a sublime portrayal and a back-alley novel. That these two things can be mixed together—a beautiful portrayal and a proper back-alley story—will one day be regarded as the height of strangeness. Read Ernest Renan’s *The Life of Jesus* with this in mind; read what he makes of Christ, who for him is, of course, primarily Jesus Christ. He turns him into a hero who initially has very good intentions, a great benefactor of humanity, but who is then, as it were, swept away by popular enthusiasm and yields more and more to what the people want and desire, to what they so love to hear and so love to be told.
[ 18 ] Im großen Stile wendet Ernest Renan dasjenige auf den Christus an, was man im kleineren Stile oftmals auf uns angewendet findet. Denn es kommt schon vor, daß Leute, wenn sie irgend etwas sich ausbreiten sehen, wie zum Beispiel die Theosophie, dann an dem Lehrer die folgende Kritik üben: Anfangs hatte er ganz gute Absichten, dann kamen die bösen Anhänger, die ihm schmeichelten und ihn verdarben. Da verfiel er in den Fehler, das zu sagen, was die Zuhörer gerne hören möchten. — So behandelt Renan das Christus-Leben. Er entblödet sich nicht, die Auferweckung des Lazarus wie eine Art Betrug darzustellen, den Christus Jesus hat geschehen lassen, damit ein gutes Agitationsmittel da seil Er entblödet sich nicht, Christus Jesus in eine Arte Rage, eine Leidenschaft hineinzuführen und immer mehr und mehr dem Volksinstinkt verfallen zu lassen! Dadurch ist ein Hintertreppenromanhaftes hineingemischt in die erhabenen Darstellungen, die auch in diesem Buche enthalten sind. Und das Eigentümliche ist, daß eigentlich ein etwas gesundes Empfinden - ja, ich will nur wenig sagen — zurückgeschreckt werden müßte, wenn es geschildert bekommt eine Wesenheit, die anfangs die besten Absichten hat, schließlich aber den Volksinstinkten verfällt und allerlei Schwindeleien geschehen läßt. Renan aber fühlt sich gar nicht abgeschreckt davon, sondern hat schöne Worte, hinreißende Worte für diese Persönlichkeit. Kurios, nicht wahr! Aber es ist ein Beispiel dafür, wie groß die Hinneigung der menschlichen Seelen zu dem Christus ist, ganz unabhängig davon, ob sie Verständnis hat für den Christus oder nicht, wenn sie auch nichts von dem Christus verstehen. Es kann so weit gehen, daß ein solcher Mensch das Leben Christi zu einem Hintertreppenroman macht und dennoch nicht bewundernde Worte genug findet, um die Menschen hinzulenken auf diese Persönlichkeit. Solche Dinge sind nur möglich gegenüber einer solchen Wesenheit, die in die Erdenentwickelung so eintritt wie die Christus-Wesenheit. Oh, es wäre viel Karma geschaffen worden in dem dreijährigen Leben Christi auf der Erde, wenn Christus so gelebt hätte, wie Renan es schildert. Das aber wird man erkennen in künftigen Tagen, daß eine solche Schilderung einfach zerbrechen muß, weil man erkennen wird, daß das Christus-Leben kein Karma mit sich brachte und auch keines geschaffen hat. Das ist die Verkündigung des Fünften Evangeliums.
[ 18 ] Ernest Renan applies to Christ, on a grand scale, what is often applied to us on a smaller scale. For it does happen that when people see something spreading, such as theosophy, they level the following criticism at the teacher: At first he had quite good intentions, but then the evil followers came along, flattered him, and corrupted him. Thus he fell into the error of saying what the listeners wanted to hear. — This is how Renan treats the life of Christ. He has no qualms about portraying the raising of Lazarus as a kind of deception that Christ Jesus orchestrated to serve as a powerful tool for agitation. He has no qualms about leading Christ Jesus into a kind of rage, a passion, and allowing him to succumb more and more to popular sentiment! As a result, a sensationalist novelistic element is mixed into the sublime depictions that are also contained in this book. And the peculiar thing is that a somewhat healthy sensibility—yes, I will say only a little—should actually recoil when presented with a being who initially has the best intentions but ultimately succumbs to popular instincts and allows all manner of swindles to take place. Renan, however, is not at all put off by this, but has beautiful words, captivating words for this personality. Curious, isn’t it! But it is an example of how great the human soul’s inclination toward Christ is, quite regardless of whether it has an understanding of Christ or not, even if it understands nothing of Christ. It can go so far that such a person turns the life of Christ into a sensational novel and yet cannot find enough words of admiration to draw people’s attention to this personality. Such things are only possible in relation to a being who enters earthly evolution in the way that the Christ-being does. Oh, much karma would have been created in the three-year life of Christ on Earth if Christ had lived as Renan describes. But this will be recognized in days to come: that such a description must simply crumble, because it will be recognized that the life of Christ brought no karma with it and created none. This is the proclamation of the Fifth Gospel.
[ 19 ] Es war also das Ereignis am Jordan, das wir als die Johannestaufe bezeichnen, etwas das man vergleichen kann einer Empfängnis beim Erdenmenschen. Das Fünfte Evangelium sagt uns, daß die Worte, so wie sie im Lukas-Evangelium stehen, eine richtige Wiedergabe sind dessen, was dazumal hätte gehört werden können, wenn ein entwikkeltes, hellsichtiges Bewußtsein zugehört hätte dem kosmischen Ausdruck dieses Geheimnisses, das sich da vollzog. Die Worte, die vom Himmel herabtönten, lauteten wirklich: «Dieser ist mein vielgeliebter Sohn, heute habe ich ihn gezeuget.» Das sind die Worte des LukasEvangeliums, und das ist auch die richtige Wiedergabe dessen, was damals geschehen ist: die Zeugung, die Empfängnis des Christus in die Erdenwesenheit. Das vollzog sich im Jordan.
[ 19 ] It was, then, the event at the Jordan—which we refer to as the baptism of John—that can be compared to a conception in the life of an earthly human being. The Fifth Gospel tells us that the words, as they appear in the Gospel of Luke, are an accurate rendering of what could have been heard at that time if a developed, clairvoyant consciousness had listened to the cosmic expression of this mystery that was unfolding there. The words that resounded from heaven were indeed: “This is my beloved Son; today I have begotten him.” These are the words of the Gospel of Luke, and this is also the accurate rendering of what happened at that time: the begetting, the conception of the Christ into earthly existence. This took place in the Jordan.
[ 20 ] Wollen wir vorläufig einmal davon absehen, auf welche irdische Persönlichkeit sich herabgesenkt hat dieser Geist des Christus in der Johannestaufe. Wir wollen in den nächsten Tagen davon sprechen. Halten wir uns heute zunächst nur daran, daß ein Jesus von Nazareth gekommen war, der den Leib gegeben hat der Christus-Wesenheit. Nun sagt uns das Fünfte Evangelium — und das ist, was wir lesen können durch den rückgewendeten hellsichtigen Blick -, daß sich nicht völlig mit dem Leibe des Jesus von Nazareth verbunden hatte, daß die Christus-Wesenheit vom ersten Augenblick an ihres irdischen Wandels zuerst nur eine lose Verbindung hatte mit dem Leibe des Jesus von Nazareth. Die Verbindung war nicht so, wie beim gewöhnlichen Menschen die Verbindung des Leiblichen und der Seele ist, so daß diese vollständig im Leibe wohnt, sondern so, daß jederzeit, zum Beispiel wenn es nötig war, die Christus-Wesenheit den Leib des Jesus von Nazareth wiederum verlassen konnte. Und während der Leib des Jesus von Nazareth irgendwo war wie schlafend, machte die ChristusWesenheit geistig den Weg da- oder dorthin, wo es eben gerade nötig war.
[ 20 ] Let us, for the time being, refrain from discussing which earthly personality this Spirit of Christ descended upon at the baptism by John. We will speak of that in the coming days. For now, let us simply hold fast to the fact that a Jesus of Nazareth had come, who gave his body to the Christ-being. Now the Fifth Gospel tells us—and this is what we can read through the reversed clairvoyant gaze—that the Christ-being had not yet fully united with the body of Jesus of Nazareth; that from the very first moment of his earthly life, the Christ-being initially had only a loose connection with the body of Jesus of Nazareth. The connection was not like the connection between the physical body and the soul in an ordinary human being, where the soul dwells completely within the body, but rather such that at any time—for example, when it was necessary—the Christ-being could leave the body of Jesus of Nazareth again. And while the body of Jesus of Nazareth was somewhere as if asleep, the Christ-Essence made its way spiritually to wherever it was needed at that very moment.
[ 21 ] Das Fünfte Evangelium zeigt uns, daß nicht immer, wenn die Christus-Wesenheit den Aposteln erschienen war, auch der Leib des Jesus von Nazareth dabei war, sondern daß oftmals die Sache so sich vollzogen hat, daß der Leib des Jesus von Nazareth irgendwo geblieben war und nur der Geist, eben der Christus-Geist, den Aposteln erschienen war. Aber er war dann so erschienen, daß sie die geistige Erscheinung verwechseln konnten mit dem Leibe des Jesus von Nazareth. Sie merkten wohl einen Unterschied, aber der Unterschied war zu gering, als daß sie ihn immer deutlich bemerkt hätten. In den vier Evangelien tritt das nicht so sehr hervor; das Fünfte Evangelium sagt es uns klar. Die Apostel konnten nicht immer deutlich unterscheiden: Jetzt haben wir den Christus im Leibe des Jesus von Nazareth vor uns, oder jetzt haben wir den Christus als geistige Wesenheit allein. Der Unterschied war nicht immer klar, sie wußten nicht immer, ob das eine oder das andere der Fall war. Sie hielten diese Erscheinung - sie dachten eben nicht viel darüber nach - zumeist für den Christus Jesus, das heißt für den Christus-Geist, insofern sie ihn als solchen erkannten in dem Leibe des Jesus von Nazareth. Aber was sich nach und nach vollzog im dreijährigen Erdenleben, das war, daß gewissermaßen in den drei Jahren der Geist sich an den Leib des Jesus von Nazareth immer enger und enger band, daß die Christus-Wesenheit immer ähnlicher und ähnlicher wurde als ätherische Wesenheit dem physischen Leibe des Jesus von Nazareth.
[ 21 ] The Fifth Gospel shows us that whenever the Christ-Essence appeared to the apostles, the body of Jesus of Nazareth was not always present; rather, it often happened that the body of Jesus of Nazareth remained somewhere else, and only the Spirit—namely, the Christ-Spirit—appeared to the apostles. But he appeared in such a way that they could confuse the spiritual apparition with the body of Jesus of Nazareth. They did notice a difference, but the difference was too slight for them to always perceive it clearly. This is not so evident in the four Gospels; the Fifth Gospel tells us this clearly. The Apostles could not always clearly distinguish: Now we have the Christ in the body of Jesus of Nazareth before us, or now we have the Christ as a spiritual being alone. The difference was not always clear; they did not always know whether one or the other was the case. They regarded this apparition—they simply did not think much about it—mostly as Christ Jesus, that is, as the Christ Spirit, insofar as they recognized him as such in the body of Jesus of Nazareth. But what gradually took place during the three-year earthly life was that, so to speak, over the course of those three years the Spirit bound itself ever more closely to the body of Jesus of Nazareth, so that the Christ-being became ever more like the physical body of Jesus of Nazareth as an etheric being.
[ 22 ] Bemerken Sie, wie hier wieder anderes eintrat in bezug auf die Christus-Wesenheit als beim Leibe des gewöhnlichen Menschen. Wenn wir dieses verstehen wollen, sagen wir richtig: Der gewöhnliche Mensch ist ein Mikrokosmos gegenüber dem Makrokosmos, ein kleines Abbild des ganzen Makrokosmos, denn dasjenige, was sich im physischen Leibe des Menschen ausdrückt, was der Mensch auf Erden wird, das spiegelt den großen Kosmos ab. Das Umgekehrte ist bei der Christus-Wesenheit der Fall. Die makrokosmische Sonnenwesenheit formt sich nach der Gestalt des menschlichen Mikrokosmos, drängt sich und engt sich, preßt sich immer mehr und mehr zusammen, so daß sie immer ähnlicher wird dem menschlichen Mikrokosmos. Gerade das Umgekehrte als beim gewöhnlichen Menschen ist da der Fall.
[ 22 ] Notice how, in this case, something different occurred with regard to the Christ-being than with the body of the ordinary human being. If we wish to understand this, we are correct in saying: The ordinary human being is a microcosm in relation to the macrocosm, a small image of the entire macrocosm, for that which is expressed in the human physical body—what the human being becomes on Earth—reflects the great cosmos. The opposite is true of the Christ-being. The macrocosmic solar being takes shape according to the form of the human microcosm, compressing and constricting itself, squeezing itself together more and more, so that it becomes ever more similar to the human microcosm. Precisely the opposite of what is the case with the ordinary human being is true here.
[ 23 ] Im Anfang des Erdenlebens des Christus, gleich nach der Taufe im Jordan, war die Verbindung mit dem Leibe des Jesus von Nazareth noch die am meisten lose. Noch ganz außer dem Leibe des Jesus von Nazareth war die Christus-Wesenheit. Da war dasjenige, was beim Herumwandeln auf Erden die Christus-Wesenheit wirkte, noch etwas ganz Überirdisches. Sie vollzog Heilungen, die mit keiner Menschenkraft zu vollziehen sind. Sie sprach mit einer Eindringlichkeit zu den Menschen, die eine göttliche Eindringlichkeit war. Die ChristusWesenheit, wie nur sich selber fesselnd an den Leib des Jesus von Nazareth, wirkte als überirdische Christus-Wesenheit. Aber immer mehr und mehr machte sie sich ähnlich dem Leibe des Jesus von Nazareth, preßte sich, zog sich immer mehr und mehr zusammen in irdische Verhältnisse hinein und machte das mit, daß immer mehr die göttliche Kraft hinschwand. Das alles machte die Christus-Wesenheit durch, indem sie sich dem Leibe des Jesus von Nazareth anähnlichte, eine Entwickelung, die in gewisser Beziehung eine absteigende Entwickelung war. Die Christus-Wesenheit mußte fühlen, wie Macht und Kraft des Gottes immer mehr und mehr entwich im Ähnlichwerden dem Leibe des Jesus von Nazareth. Aus dem Gotte wurde nach und nach ein Mensch.
[ 23 ] At the beginning of Christ’s earthly life, immediately after his baptism in the Jordan, the connection with the body of Jesus of Nazareth was still the loosest. The Christ-being was still entirely outside the body of Jesus of Nazareth. At that time, what the Christ-essence was working through as it walked upon the earth was still something entirely supernatural. It performed healings that no human power could accomplish. It spoke to people with an intensity that was a divine intensity. The Christ-Being, binding itself to the body of Jesus of Nazareth, worked as a super-earthly Christ-Being. But more and more it made itself like the body of Jesus of Nazareth, pressing itself, drawing itself ever more deeply into earthly conditions, and thereby causing the divine power to wane more and more. The Christ-Essence underwent all this by becoming like the body of Jesus of Nazareth, a development that was, in a certain sense, a descending development. The Christ-Essence had to feel how the power and strength of God increasingly slipped away as it became like the body of Jesus of Nazareth. Little by little, God became a human being.
[ 24 ] Wie jemand, der unter unendlichen Qualen immer mehr und mehr seinen Leib dahinschwinden sieht, so sah schwinden ihren göttlichen Inhalt die Christus-Wesenheit, indem sie immer ähnlicher wurde als ätherische Wesenheit dem irdischen Leibe des Jesus von Nazareth, bis sie diesem so ähnlich geworden war, daß sie Angst fühlen konnte wie ein Mensch. Das ist dasjenige, was auch die anderen Evangelien schildern beim Herausgehen des Christus Jesus mit seinen Jüngern auf den Ölberg, wo die Christus-Wesenheit in dem Leibe des Jesus von Nazareth den Angstschweiß auf der Stirn hatte. Das war die Vermenschlichung, das immer Menschlicher-und-menschlicher-Werden des Christus, die Anähnlichung an den Leib des Jesus von Nazareth. In demselben Maße, in dem diese ätherische ChristusWesenheit immer ähnlicher wurde dem Leibe des Jesus von Nazareth, in demselben Maße wurde der Christus Mensch. Es schwanden ihm die geistigen Wunderkräfte des Gottes dahin. Und da sehen wir den ganzen Passionsweg des Christus-Wesens, der begann von jenem Zeitpunkte an, wie er bald nach der Johannestaufe im Jordan kam, wo er die Kranken heilte und die Dämonen austrieb durch seine göttlichen Kräfte, wo die staunenden Menschen, die das gesehen hatten, was der Christus vermochte, sagten: Das habe noch nie ein Wesen auf Erden vollbracht. — Das war die Zeit, in der die ChristusWesenheit noch wenig ähnlich war dem Leibe des Jesus von Nazareth. Von diesem staunenden Aufsehen der ringsherum befindlichen Bewunderer vollzieht sich in drei Jahren der Weg bis dahin, wo die Christus-Wesenheit so ähnlich geworden ist dem Leibe des Jesus von Nazareth, daß sie in diesem siechen Leibe des Jesus von Nazareth, dem sie sich angeähnelt hatte, nicht mehr antworten konnte auf die Fragen des Pilatus, des Herodes und des Kaiphas. So ähnlich war sie geworden dem Leibe des Jesus von Nazareth, dem immer schwächer und schwächer werdenden, immer siecher und siecher werdenden Leibe, daß auf die Frage: Hast du gesagt, daß du den Tempel abbrechen und in drei Tagen wieder aufbauen werdest? — aus dem morschen Leibe des Jesus von Nazareth die Christus-Wesenheit nicht mehr sprach und stumm blieb vor dem Hohenpriester der Juden, daß sie stumm blieb vor Pilatus, der fragte: Hast du gesagt, du wärest der König der Juden? — Das war der Passionsweg von der Taufe im Jordan bis zur Machtlosigkeit. Und bald darauf stand die staunende Menge, die vorher die überirdischen Wunderkräfte der Christus-Wesenheit angestaunt hatte, nicht mehr bewundernd um ihn, sondern stand vor dem Kreuze, spottend über die Ohnmacht des Gottes, der Mensch geworden war, mit den Worten: Bist du ein Gott, so steige herab. Du hast anderen geholfen, jetzt hilf dir selber! - Von der göttlichen Machtfülle bis zur Machtlosigkeit, das war der Passionsweg des Gottes. Ein Weg unendlichen Leidens für den Mensch gewordenen Gott, zu dem hinzukam jenes Leid über die Menschheit, die sich so weit gebracht hatte, wie sie eben war zur Zeit des Mysteriums von Golgatha. Und das war zu der Zeit der hohen intellektuellen Entwickelung der Menschheit, wie es gestern angedeutet wurde.
[ 24 ] Just as someone who, in endless agony, sees his body wasting away more and more, so did the Christ-Essence see its divine content wasting away as it became, as an ethereal essence, ever more like the earthly body of Jesus of Nazareth, until it had become so similar to it that it could feel fear like a human being. This is what the other Gospels also describe when Christ Jesus went out with his disciples to the Mount of Olives, where the Christ-essence in the body of Jesus of Nazareth had beads of sweat on his brow. That was the humanization, the becoming ever more and more human of the Christ, the assimilation to the body of Jesus of Nazareth. To the same extent that this ethereal Christ-being became ever more like the body of Jesus of Nazareth, to that same extent did the Christ become human. His spiritual miraculous powers of God faded away. And there we see the entire Passion path of the Christ Being, which began from that moment on, when he came to the Jordan shortly after John’s baptism, where he healed the sick and cast out demons through his divine powers, where the astonished people who had seen what Christ was capable of said: No being on earth has ever accomplished this. — That was the time when the Christ-Being was still little like the body of Jesus of Nazareth. From this astonished sensation among the admirers all around, the path unfolds over three years to the point where the Christ-Being had become so similar to the body of Jesus of Nazareth that, in this ailing body of Jesus of Nazareth to which it had become like, it could no longer answer the questions of Pilate, Herod, and Caiaphas. So much had it come to resemble the body of Jesus of Nazareth—the body that was growing ever weaker and weaker, ever more frail and frail—that in response to the question: “Did you say that you would tear down the temple and rebuild it in three days?” — the Christ-Essence no longer spoke from the decaying body of Jesus of Nazareth and remained silent before the high priest of the Jews, that she remained silent before Pilate, who asked: “Did you say that you are the King of the Jews?” — That was the path of the Passion from the baptism in the Jordan to powerlessness. And soon afterward, the astonished crowd, which had previously marveled at the supernatural miraculous powers of the Christ-Essence, no longer stood admiringly around him, but stood before the cross, mocking the powerlessness of the God who had become man, with the words: “If you are a God, come down.” You have helped others; now help yourself! — From divine power to powerlessness, that was the Passion of God. A path of infinite suffering for the God who had become human, to which was added the suffering for humanity, which had brought itself to the state it was in at the time of the Mystery of Golgotha. And that was at a time of high intellectual development for humanity, as was indicated yesterday.
[ 25 ] Dieses Schmerz-Erleiden aber gebar jenen Geist, der beim Pfingstfeste ausgegossen worden ist auf die Apostel. Aus diesen Schmerzen herausgeboren ist die allwaltende kosmische Liebe, die herabgestiegen ist bei der Taufe im Jordan aus den außerirdischen, himmlischen Sphären in die irdische Sphäre hinein, die ähnlich geworden ist dem Menschen, ähnlich einem menschlichen Leibe, und die durchmachte das unendliche Leiden, das sich kein Menschendenken ausdenken kann, die durchmachte den Augenblick der höchsten, göttlichen Ohnmacht, um jenen Impuls zu gebären, den wir dann als den ChristusImpuls in der weiteren Evolution der Menschheit kennen.
[ 25 ] But this suffering gave birth to the Spirit that was poured out upon the apostles at Pentecost. Born of this suffering is the all-pervading cosmic love, which descended at the baptism in the Jordan from the extraterrestrial, heavenly spheres into the earthly sphere, which became like a human being, like a human body, and which endured the infinite suffering that no human mind can conceive, which endured the moment of the highest, divine powerlessness, in order to give birth to that impulse which we then know as the Christ impulse in the further evolution of humanity.
[ 26 ] Das sind die Dinge, die wir ins Auge fassen müssen, wenn wir den tiefen Sinn verstehen wollen, die ganze Bedeutung des ChristusImpulses, wie sie wird verstanden sein müssen in die Zukunft der Menschheit hinein, was die Menschenzukunft brauchen wird, um auf ihrem Kultur-, auf ihrem Entwickelungspfade weiterzukommen.
[ 26 ] These are the things we must take into account if we are to understand the deeper meaning, the full significance of the Christ impulse, as it will need to be understood in the future of humanity—what the future of humanity will require in order to move forward on its path of culture and development.
