From Akashic Research
The Fifth Gospel
GA 148
5 October 1913, Oslo
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From Akashic Research: The Fifth Gospel, tr. SOL
Vierter Vortrag
Fourth Lecture
[ 1 ] Eine Art Beruhigung, wenn ich überhaupt darangehe, von demjenigen zu sprechen, wovon als zum Fünften Evangelium gehörig heute gesprochen werden soll, gibt gewissermaßen der Schluß des JohannesEvangeliums. Wir erinnern uns dieses Schlusses, wo da steht, daß ja in den Evangelien keineswegs aufgezeichnet sind alle Ereignisse, die geschehen sind um den Christus Jesus herum. Denn hätte man damals, so steht es da, alles aufzeichnen wollen, so hätte die Welt nicht genug Bücher aufweisen können, um alles das zu fassen. So also wird das eine nicht bezweifelt werden können: daß außer dem, was aufgezeichnet worden ist in den vier Evangelien, noch mancherlei anderes geschehen sein kann. Um mich verständlich zu machen in bezug auf alles dasjenige, was ich gerade in diesem Vortragszyklus aus dem Fünften Evangelium geben will, möchte ich heute beginnen mit Erzählungen aus dem Leben des Jesus von Nazareth, und zwar ungefähr von jenem Zeitpunkte an, auf den wir ja schon hingewiesen haben bei anderen Anlässen, wo kleine Teile aus dem Fünften Evangelium schon mitgeteilt worden sind.
[ 1 ] The conclusion of the Gospel of John offers a kind of reassurance, if I am to speak at all of what is to be discussed today as belonging to the Fifth Gospel. We recall this conclusion, where it states that by no means are all the events that took place concerning Jesus Christ recorded in the Gospels. For, as it says there, if one had wanted to record everything at that time, the world would not have had enough books to contain it all. Thus, one thing cannot be doubted: that apart from what has been recorded in the four Gospels, many other things may have happened. To make myself clear regarding all that I intend to present from the Fifth Gospel in this series of lectures, I would like to begin today with stories from the life of Jesus of Nazareth, starting roughly from the point in time to which we have already referred on other occasions, when small portions of the Fifth Gospel have already been shared.
[ 2 ] Ungefähr von dem zwölften Jahre an des Jesus von Nazareth möchte ich heute einiges erzählen. Es war, wie Sie wissen, dasjenige Jahr, in dem das Ich des Zarathustra, das verkörpert war in dem einen der beiden Jesusknaben, die in der damaligen Zeit geboren sind und dessen Herkunft Matthäus beschreibt, hinübergegangen ist durch einen mystischen Akt in den anderen Jesusknaben, in jenen Jesusknaben, der insbesondere im Anfang des Lukas-Evangeliums geschildert wird. So daß wir also beginnen mit unserer Erzählung von demjenigen Jahre im Leben des Jesus von Nazareth, in dem aufgenommen hatte dieser Jesus des Lukas-Evangeliums das Ich des Zarathustra. Wir wissen, daß angedeutet wird im Evangelium dieser Augenblick im Leben des Jesus von Nazareth durch die Erzählung, daß verlorengegangen war auf einer Reise nach Jerusalem zum Feste der Jesusknabe des Lukas-Evangeliums und, als er wieder gefunden wurde, es sich zeigte, daß er im Tempel zu Jerusalem mitten unter den Schriftgelehrten saß und bei diesen und den Eltern Staunen hervorrief durch die gewaltigen Antworten, die er gab. Wir wissen jedoch, diese bedeutsamen, gewaltigen Antworten kamen daher, daß das Ich des Zarathustra wirklich jetzt bei diesem Knaben auftauchte und aus der tiefen Überfülle der Erinnerung seine Weisheit aus dieser Seele heraus wirkte, so daß der Jesus von Nazareth dazumal jene alle überraschenden Antworten geben konnte. Wir wissen auch, daß die beiden Familien durch den Tod der nathanischen Mutter einerseits und des salomonischen Vaters anderseits zusammengekommen sind und fortan eine Familie gebildet haben, und daß der mit dem Ich des Zarathustra befruchtete Jesusknabe in der gemeinsam gewordenen Familie heranwuchs. |
[ 2 ] Today I would like to share a few things about Jesus of Nazareth, starting around the age of twelve. As you know, it was the year in which the I of Zarathustra—which was embodied in one of the two Jesus boys born at that time, whose origins are described by Matthew—passed over through a mystical act into the other Jesus boy, the one depicted particularly at the beginning of the Gospel of Luke. So we begin our account of that year in the life of Jesus of Nazareth in which this Jesus of the Gospel of Luke received the I of Zarathustra. We know that this moment in the life of Jesus of Nazareth is alluded to in the Gospel through the account that the Jesus-child of the Gospel of Luke had gone missing on a journey to Jerusalem for the feast and, when he was found again, it turned out that he was sitting in the temple in Jerusalem amidst the scribes and aroused amazement in them and his parents through the powerful answers he gave. We know, however, that these significant, powerful answers came about because the Self of Zarathustra truly appeared in this boy at that moment and, from the deep abundance of memory, worked his wisdom out of this soul, so that Jesus of Nazareth was able to give all those surprising answers at that time. We also know that the two families came together through the death of the Nathanic mother on the one hand and the Solomonic father on the other, and henceforth formed a single family, and that the boy Jesus, imbued with the I of Zarathustra, grew up in this united family. |
[ 3 ] Es war aber nun - so läßt es sich erkennen aus dem Inhalt des Fünften Evangeliums - ein ganz sonderbares, merkwürdiges Heranwachsen in den nächsten Jahren. Zuerst hatte ja die nächste Umgebung des jungen Jesus von Nazareth eine große, gewaltige Meinung bekommen von ihm, eben durch jenes Ereignis im Tempel, durch jene gewaltigen Antworten, die er den Schriftgelehrten gegeben hatte. Die nächste Umgebung sah sozusagen den kommenden Schriftgelehrten selber in ihm, sie sah heranwachsen in ihm denjenigen, der eine ganz hohe, besondere Stufe der Schriftgelehrsamkeit erreichen werde. Mit großen, ungeheueren Hoffnungen trug sich die Umgebung des Jesus von Nazareth. Man fing sozusagen an, jedes Wort von ihm aufzufangen. Dabei aber wurde er, trotzdem man förmlich danach jagte, jedes Wort aufzufangen, nach und nach immer schweigsamer und schweigsamer. Er wurde so schweigsam, daß es seiner Umgebung im höchsten Grade oftmals unsympathisch war. Er aber kämpfte in seinem Inneren, kämpfte einen gewaltigen Kampf, einen Kampf, der ungefähr in dieser seiner Innerlichkeit hineinfiel zwischen das zwölfte und achtzehnte Jahr seines Lebens. Es war wirklich etwas in seiner Seele wie ein Aufgehen innerlich liegender Weisheitsschätze, etwas, wie wenn aufgeleuchtet hätte in der Form der jüdischen Gelehrsamkeit die Sonne des einstigen Zarathustra-Weisheitslichtes.
[ 3 ] However, as can be seen from the content of the Fifth Gospel, the years that followed were marked by a very peculiar and remarkable process of growth. At first, the immediate circle of the young Jesus of Nazareth had formed a very high opinion of him, precisely because of that event in the temple, because of those powerful answers he had given to the scribes. His immediate circle saw, so to speak, the future scribe himself in him; they saw in him the one who would attain a very high, special level of scriptural scholarship. The circle around Jesus of Nazareth was filled with great, immense hopes. People began, so to speak, to catch every word he spoke. Yet despite the fact that they were literally chasing after every word he spoke, he gradually became more and more silent. He became so silent that it was often highly unwelcome to those around him. But he was struggling within himself, waging a tremendous battle, a battle that took place within his inner being roughly between the twelfth and eighteenth years of his life. There was truly something in his soul like the unfolding of inner treasures of wisdom, something as if the sun of the ancient wisdom of Zarathustra had shone forth in the form of Jewish scholarship.
[ 4 ] Zunächst äußerte sich das so, als ob dieser Knabe in der feinsten Weise alles, was die zahlreichen Schriftgelehrten, die in das Haus kamen, sprachen, mit größter Aufmerksamkeit aufnehmen sollte und wie durch eine ganz besondere Geistesgabe überall Antwort zu geben wüßte. So überraschte er auch noch anfangs zu Hause in Nazareth diejenigen, die als Schriftgelehrte da erschienen und ihn wie ein Wunderkind anstaunten. Dann aber wurde er immer schweigsamer und schweigsamer und hörte nur noch schweigend dem zu, was die anderen sprachen. Dabei gingen ihm aber immer große Ideen, Sittensprüche, namentlich bedeutsame, moralische Impulse in jenen Jahren in der eigenen Seele auf. Während er so schweigsam zuhörte, machte doch einen gewissen Eindruck, was er von den im Hause sich versammelnden Schriftgelehrten hörte, aber einen Eindruck, der ihm oftmals in der Seele Bitterkeit verursachte, weil er das Gefühl hatte wohlgemerkt schon in jenen jungen Jahren -, daß vieles Unsichere, leicht zum Irrtum Neigende stecken müsse in dem, was da jene Schriftgelehrten sprachen von den alten Traditionen, von den alten Schriften, die in dem Alten 'Testamente vereinigt sind. Ganz besonders aber bedrückte es in einer gewissen Weise seine Seele, wenn er hörte, daß in alten Zeiten der Geist über die Propheten gekommen sei, daß Gott selber inspirierend gesprochen hätte zu den alten Propheten, und daß jetzt die Inspiration von dem nachgeborenen Geschlechte gewichen sei. Besonders aber bei einem horchte er immer tief auf, weil er fühlte, daß dies, wovon die Rede war, bei ihm selber kommen würde. Es sagten jene Schriftgelehrten oftmals: Ja, jener hohe Geist, jener gewaltige Geist, der zum Beispiel über den Elias gekommen ist, der spricht nicht mehr; aber wer doch noch immer spricht — was auch noch mancher von den Schriftgelehrten zu vernehmen glaubte als Inspiration aus den geistigen Höhen -, was doch noch immer spricht, das ist eine schwächere Stimme zwar, aber eine Stimme, die manche doch noch zu vernehmen glauben als etwas, was der Geist Jahves selber gibt. -— Die Bath-Kol nannte man jene eigentümliche, inspirierende Stimme, zwar eine schwächere Stimme der Eingebung, eine Stimme minderer Art als der Geist, der die alten Propheten inspirierte, aber doch noch etwas Ähnliches stellte diese Stimme dar. So sprach mancher in der Umgebung des Jesus von der Bath-Kol. Von dieser Bath-Kol wird uns in späteren jüdischen Schriften manches erzählt.
[ 4 ] At first, it seemed as though this boy was, in the most refined manner, listening with the utmost attention to everything the numerous scribes who came into the house had to say, and as though, by some special spiritual gift, he knew how to respond to everything. Thus, even at home in Nazareth, he initially surprised those who appeared there as scribes and marveled at him as a child prodigy. But then he became increasingly silent, listening only in silence to what the others said. Yet during those years, great ideas, proverbs, and especially significant moral impulses continually arose within his own soul. While he listened so silently, what he heard from the scribes gathered in the house did make a certain impression on him, but an impression that often caused bitterness in his soul, because he had the feeling—mind you, even in those young years—that there must be much that is uncertain, easily prone to error, in what those scribes spoke of the ancient traditions, of the ancient writings gathered in the Old Testament. But it weighed particularly heavily on his soul in a certain way when he heard that in ancient times the Spirit had come upon the prophets, that God Himself had spoken with inspiration to the ancient prophets, and that now inspiration had departed from the later generations. But there was one thing in particular that always made him listen intently, because he felt that what was being spoken of would come upon him personally. Those scribes often said: Yes, that high Spirit, that mighty Spirit who came upon Elijah, for example, no longer speaks; but that which still speaks—which some of the scribes still believed they heard as inspiration from the spiritual heights—that which still speaks is indeed a weaker voice, but a voice that some still believe they hear as something given by the Spirit of Yahweh Himself. — That peculiar, inspiring voice was called the Bath-Kol; though a weaker voice of inspiration, a voice of a lesser kind than the Spirit that inspired the ancient prophets, this voice nevertheless represented something similar. Thus, many in Jesus’s circle spoke of the Bath-Kol. Later Jewish writings tell us much about this Bath-Kol.
[ 5 ] Ich schiebe nun etwas ein in dieses Fünfte Evangelium, was nicht eigentlich dazugehört, was nur zur Erklärung der Bath-Kol führen soll. Es war in etwas späterer Zeit, nach der Entstehung des Christentums, ein Streit ausgebrochen zwischen zwei Rabbinatschulen. Denn es behauptete der berühmte Rabbi Eheser ben Hirkano eine Lehre und führte zum Beweise dieser Lehre an — das erzählt auch der Talmud -, daß er Wunder wirken könne. Der Rabbi Elieser ben Hirkano ließ einen Karobbaum aus der Erde sich erheben - so erzählt der Talmud und hundert Ellen weiter sich an einem anderen Orte wieder einpflanzen, er ließ einen Fluß rückwärts laufen, und als drittes berief er sich auf die Stimme vom Himmel, als Offenbarung, die er von BathKol selber erhalte. Aber in der gegnerischen Rabbinatschule des Rabbi Josua glaubte man diese Lehre trotzdem nicht, und Rabbi Josua erwiderte: Mag auch Rabbi Elieser zur Bekräftigung seiner Lehre Karobbäume von einem Orte zum anderen sich verpflanzen lassen, mag er auch Flüsse nach aufwärts fließen lassen, mag er sich selbst berufen auf die große Bath-Kol - es steht geschrieben im Gesetz, daß die ewigen Gesetze des Daseins gelegt sein müssen in der Menschen Mund und in der Menschen Herz. Und wenn uns überzeugen will von seiner Lehre der Rabbi Elieser, so darf er sich nicht berufen auf die Bath-Kol, sondern er muß uns überzeugen von dem, was des Menschen Herz fassen kann. — Ich erzähle diese Geschichte aus dem Talmud, weil wir sehen, daß die Bath-Kol bald nach der Einführung des Christentums in gewissen Rabbinerschulen nur noch von einem geringeren Ansehen war. Aber sie hat in einer gewissen Weise geblüht als inspirierende Stimme unter den Rabbinern und Schriftgelehrten.
[ 5 ] I will now insert something into this Fifth Gospel that does not strictly belong here, but is intended solely to explain the Bath Kol. It was somewhat later, after the emergence of Christianity, that a dispute broke out between two rabbinical schools. For the famous Rabbi Eheser ben Hirkano asserted a doctrine and, as proof of this doctrine—as the Talmud also relates—claimed that he could perform miracles. Rabbi Eliezer ben Hyrcanus caused a carob tree to rise from the ground—so the Talmud relates—and to be replanted a hundred cubits away in another place; he caused a river to flow backward; and thirdly, he invoked the voice from heaven as a revelation that he himself received from the Bath Kol. But in the opposing rabbinical school of Rabbi Joshua, they did not believe this teaching nonetheless, and Rabbi Joshua replied: Even if Rabbi Eliezer causes carob trees to be transplanted from one place to another to confirm his teaching, even if he causes rivers to flow upstream, even if he invokes the great Bath-Kol himself—it is written in the Law that the eternal laws of existence must be laid in the mouth of man and in the heart of man. And if Rabbi Eliezer wishes to convince us of his teaching, he must not invoke the Bath Kol, but must convince us of what the human heart can comprehend. — I recount this story from the Talmud because we see that, soon after the introduction of Christianity, the Bath-Kol was held in only minor esteem in certain rabbinical schools. Yet in a certain sense, it flourished as an inspiring voice among the rabbis and scribes.
[ 6 ] Während in dem Hause des Jesus von Nazareth die dort versammelten Schriftgelehrten von dieser inspirierenden Stimme der BathKol sprachen, und der junge Jesus das alles hörte, fühlte und empfing er in sich selber die Inspiration durch die Bath-Kol. Das war das Merkwürdige, daß durch die Befruchtung dieser Seele mit dem Ich des Zarathustra in der Tat Jesus von Nazareth fähig war, rasch alles aufzunehmen, was die anderen um ihn herum wußten. Nicht nur, daß er den Schriftgelehrten in seinem zwölften Jahre die gewaltigen Antworten hatte geben können, sondern er konnte auch die Bath-Kol in der eigenen Brust vernehmen. Aber gerade dieser Umstand der Inspiration durch die Bath-Kol wirkte auf den Jesus von Nazareth, als er sechzehn, siebzehn Jahre alt war und er oftmals diese offenbarende Stimme der Bath-Kol fühlte, so daß er in bittere, schwere innere Seelenkämpfe dadurch geführt wurde. Denn ihm offenbarte die Bath-Kol — und das glaubte er alles sicher zu vernehmen -, daß nicht mehr fern wäre der Zeitpunkt, daß im Fortgang der alten Strömung des Alten Testamentes dieser Geist nicht mehr sprechen würde zu den alten jüdischen Lehrern, wie er früher zu ihnen gesprochen habe. Und eines Tages, und das war furchtbar für die Seele des Jesus, glaubte er, daß die Bath-Kol ihm offenbarte: Ich reiche jetzt nicht mehr hinauf zu den Höhen, wo mir wirklich der Geist offenbaren kann die Wahrheit über den Fortgang des jüdischen Volkes. — Das war ein furchtbarer Augenblick, ein furchtbarer Eindruck, den die Seele des jungen Jesus empfing, als die Bath-Kol ihm selber zu offenbaren schien, daß sie nicht Fortsetzer sein könne des alten Offenbarertums, daß sie sich selber sozusagen für unfähig erklärte, Fortsetzer der alten Offenbarungen des Judentums zu sein. So glaubte Jesus von Nazareth in seinem sechzehnten, siebzehnten Jahre, daß ihm aller Boden unter den Füßen entzogen wäre, und er hatte manche Tage, wo er sich sagen mußte: Alle Seelenkräfte, mit denen ich glaubte begnadet zu sein, sie bringen mich nur dazu, zu begreifen, wie in der Substanz der Evolution des Judentums kein Vermögen mehr besteht, heraufzureichen zu den Offenbarungen des Gottesgeistes.
[ 6 ] While the scribes gathered in the house of Jesus of Nazareth spoke of this inspiring voice of the Bath-Kol, and the young Jesus heard it all, he felt and received within himself the inspiration from the Bath-Kol. What was remarkable was that, through the fertilization of this soul with the I of Zarathustra, Jesus of Nazareth was indeed able to quickly absorb everything that those around him knew. Not only was he able to give the scribes powerful answers at the age of twelve, but he could also hear the Bath-Kol within his own breast. But it was precisely this circumstance of inspiration through the Bath-Kol that affected Jesus of Nazareth when he was sixteen or seventeen years old, and he often felt this revealing voice of the Bath-Kol, so that he was led through bitter, heavy inner soul struggles as a result. For the Bath-Kol revealed to him—and he was certain he heard it all—that the time was not far off when, in the course of the old current of the Old Testament, this Spirit would no longer speak to the ancient Jewish teachers as He had spoken to them before. And one day—and this was terrible for the soul of Jesus—he believed that the Bath-Kol revealed to him: “I no longer reach up to the heights where the Spirit can truly reveal to me the truth about the future of the Jewish people.” — That was a terrible moment, a terrible impression that the soul of the young Jesus received when the Bath-Kol seemed to reveal to him that it could not be the continuator of the old tradition of revelation, that it declared itself, so to speak, incapable of being the continuator of the old revelations of Judaism. Thus, in his sixteenth and seventeenth years, Jesus of Nazareth believed that all ground had been pulled from under his feet, and he had many days when he had to say to himself: All the spiritual powers with which I believed myself to be endowed only lead me to understand that, in the substance of Judaism’s evolution, there is no longer any capacity to reach up to the revelations of the Spirit of God.
[ 7 ] Versetzen wir uns einen Augenblick in seinen Geist, in die Seele des jungen Jesus von Nazareth, der solche Erfahrungen in seiner Seele machte. Es war das in derselben Zeit, in der dann der junge Jesus von Nazareth im sechzehnten, siebzehnten, achtzehnten Jahre, teilweise veranlaßt durch sein Handwerk, teilweise durch andere Umstände, viele Reisen machte. Auf diesen Reisen lernte er mannigfache Gegenden Palästinas kennen, und auch wohl manche Orte außerhalb Palästinas. Nun verbreitete sich in jener Zeit — das kann man ganz genau sehen, wenn man die Akasha-Chronik hellseherisch durchdringt — über die Gegenden Vorderasiens, ja sogar auch des südlichen Europas, ein asiatischer Kultus, der aus mancherlei anderen Kulten zusammengemischt war, der aber namentlich den Mithraskultus darstellte. An vielen Orten der verschiedensten Gegenden waren Tempel für den Mithrasdienst. An manchen Orten hatte er mehr Ähnlichkeit mit dem Attisdienst, aber im wesentlichen war es Mithrasdienst, Tempel, Kultusstätten waren es, in denen man überall die Mithrasopfer und Attisopfer verrichtete. Es war gewissermaßen ein altes Heidentum, aber in einer gewissen Art durchdrungen von den Gebräuchen, Zeremonien des Mithras- oder Attisdienstes. Wie sehr sich das verbreitete auch über die italienische Halbinsel, geht zum Beispiel daraus hervor, daß die Peterskirche in Rom an derselben Stelle steht, wo einstmals eine solche Kultstätte war. Ja, man muß auch das für manche Katholiken lästerliche Wort aussprechen: Der Zeremoniendienst der Peterskirche und alles dessen, was sich davon ableitet, ist in bezug auf die äußere Form gar nicht unähnlich dem Kult des alten Attisdienstes, der verrichtet wurde in dem Tempel, der damals auf derselben Stelle stand, auf deren Stätte die Peterskirche steht. Und der Kultus der katholischen Kirche ist in vieler Beziehung nur eine Fortsetzung des alten Mithraskultus.
[ 7 ] Let us for a moment put ourselves in his mind, in the soul of the young Jesus of Nazareth, who went through such experiences in his soul. This was during the same period when the young Jesus of Nazareth, at the age of sixteen, seventeen, and eighteen, undertook many journeys—partly prompted by his trade, partly by other circumstances. On these journeys, he came to know many regions of Palestine, and likely many places outside Palestine as well. Now, at that time—and this can be seen quite clearly when one penetrates the Akashic Records clairvoyantly—an Asian cult was spreading across the regions of the Near East, and even southern Europe; a cult that was a mixture of various other cults, but which essentially represented the cult of Mithras. In many places across the most diverse regions there were temples for the worship of Mithras. In some places it bore more resemblance to the cult of Attis, but essentially it was the cult of Mithras; these were temples and places of worship where the sacrifices to Mithras and Attis were performed everywhere. It was, in a sense, an ancient form of paganism, but in a certain way permeated by the customs and ceremonies of the cult of Mithras or Attis. Just how widespread this was across the Italian peninsula is evident, for example, from the fact that St. Peter’s Basilica in Rome stands on the very site where such a place of worship once stood. Indeed, one must also utter the word that is blasphemous to some Catholics: The ceremonial service of St. Peter’s Basilica and everything derived from it is, in terms of outward form, not at all dissimilar to the cult of the ancient Attis cult, which was performed in the temple that once stood on the very site where St. Peter’s Basilica now stands. And the cult of the Catholic Church is, in many respects, merely a continuation of the ancient Mithraic cult.
[ 8 ] Was an solchen Kultstätten vorhanden war, das lernte Jesus von Nazareth kennen, als er jetzt in seinem sechzehnten, siebzehnten, achtzehnten Jahre begann herumzuwandern. Und er setzte das noch später fort. Er lernte, wenn wir so sagen dürfen, auf diese Weise durch äußere, physische Anschauung die Seele der Heiden kennen. Und es war dazumal in seiner Seele wie auf eine natürliche Weise durch den gewaltigen Vorgang des Überganges des Zarathustra-Ich in seine Seele dasjenige in einem hohen Grade ausgebildet, was andere sich nur mühsam aneignen konnten, was aber bei ihm naturgemäß ausgebildet war: eine hohe hellseherische Kraft. Daher erlebte er, wenn er bei solchen Kulten zuschaute, etwas ganz anderes als die anderen Zuschauer. Manches erschütternde Ereignis hat er dort erlebt. Und wenn es auch fabelhaft erscheint, so muß ich doch hervorheben, daß, wenn an manchen heidnischen Altären der Priester den Kult verrichtete und sich Jesus von Nazareth dann mit seinen hellseherischen Kräften das Opfer anschaute, er sah, wie durch die Opferhandlung mancherlei dämonische Wesen herangezogen wurden. Er machte auch die Entdeckung, daß manches Götzenbild, das da angebetet wurde, das Abbild war nicht von guten geistigen Wesenheiten der höheren Hierarchien, sondern von bösen, dämonischen Mächten. Ja, er machte weiter die Entdeckung, daß diese bösen, dämonischen Mächte vielfach übergingen in die Glaubenden, in die Bekenner, die an solchen Kultushandlungen teilnahmen. Aus leicht begreiflichen Gründen sind diese Dinge nicht in die anderen Evangelien übergegangen. Und es ist im Grunde erst im Schoße unserer geistigen Bewegung möglich, über solche Dinge zu sprechen, weil die Menschenseele erst in unserer Zeit ein wirkliches Verständnis haben kann für jene ungeheueren, tiefen, gewaltigen Erlebnisse, wie sie sich schon in diesem jungen Jesus von Nazareth abspielten lange vor der Johannestaufe.
[ 8 ] Jesus of Nazareth came to know what existed in such places of worship when he began to wander about in his sixteenth, seventeenth, and eighteenth years. And he continued to do so even later. He came to know, if we may put it that way, the soul of the Gentiles in this way through external, physical observation. And at that time, through the powerful process of the Zarathustra-I’s transition into his soul, something had developed to a high degree within him that others could only acquire with great difficulty, but which had developed naturally in him: a high clairvoyant power. Therefore, when he observed such cults, he experienced something quite different from the other spectators. He experienced many a harrowing event there. And even if it seems fabulous, I must nevertheless emphasize that when the priest performed the ritual at certain pagan altars and Jesus of Nazareth then observed the sacrifice with his clairvoyant powers, he saw how various demonic beings were drawn forth through the sacrificial act. He also discovered that many an idol worshipped there was not the image of good spiritual beings of the higher hierarchies, but of evil, demonic powers. Indeed, he further discovered that these evil, demonic powers often passed into the believers, into the adherents who participated in such cultic acts. For reasons that are easy to understand, these things did not find their way into the other Gospels. And it is really only within the bosom of our spiritual movement that it is possible to speak of such things, because only in our time can the human soul have a true understanding of those immense, profound, and powerful experiences that were already taking place in this young Jesus of Nazareth long before the baptism by John.
[ 9 ] Diese Wanderungen dauerten fort bis ins zwanzigste, zweiundzwanzigste, vierundzwanzigste Jahr hinein. Es waren immer Bitternisse, die er in seiner Seele empfand, wenn er also das Walten sah der Dämonen, der gleichsam von Luzifer und Ahriman hervorgebrachten Dämonen, und sah, wie das Heidentum es in vieler Beziehung sogar so weit gebracht hatte, die Dämonen für Götter hinzunehmen, ja sogar in den Götzenabbildungen Bilder zu haben wilder dämonischer Mächte, die angezogen wurden von diesen Bildern, von diesen Kultushandlungen, und in die betenden Menschen übergingen, die betenden Menschen, die in gutem Glauben daran teilnahmen, von sich besessen machten. Es waren bittere Erfahrungen, die Jesus von Nazareth so machen mußte. Und diese Erfahrungen kamen zu einem bestimmten Abschluß etwa im vierundzwanzigsten Lebensjahre. Da hatte Jesus von Nazareth dasjenige Erlebnis, welches sich anschloß als ein neues, unendlich schweres Erlebnis an das andere von der Enttäuschung durch die Bath-Kol. Ich muß, da ich ja dieses Erlebnis des Jesus von Nazareth auch zu erzählen habe, sagen, daß ich heute noch nicht in der Lage bin anzugeben, an welchem Orte seiner Reisen sich dieses Ereignis zugetragen hat. Die Szene selbst in einem hohen Grade richtig zu entziffern war mir möglich. Allein den Ort gerade für diese Szene ist mir heute nicht möglich anzugeben. Es scheint mir aber, daß diese Szene sich zugetragen hat bei einer Wanderung des Jesus von Nazareth außerhalb Palästinas. Aber ich kann das nicht mit Bestimmtheit sagen, muß aber die Szene mitteilen.
[ 9 ] These wanderings continued into his twentieth, twenty-second, and twenty-fourth years. He always felt a deep bitterness in his soul when he saw the reign of the demons—the demons brought forth, as it were, by Lucifer and Ahriman— and saw how paganism had, in many respects, even gone so far as to accept the demons as gods—indeed, to have images of wild, demonic powers in their idols, which were drawn to these images and these cultic acts, and possessed the praying people, the praying people who participated in good faith. These were bitter experiences that Jesus of Nazareth had to endure. And these experiences came to a certain conclusion around the age of twenty-four. It was then that Jesus of Nazareth had the experience that followed, as a new, infinitely heavy experience, the one of disappointment through the Bath-Kol. Since I must also recount this experience of Jesus of Nazareth, I must say that I am still not in a position today to specify at which point in his travels this event took place. I was able to decipher the scene itself with a high degree of accuracy. However, I am unable to specify the exact location of this particular scene today. It seems to me, however, that this scene took place during a journey of Jesus of Nazareth outside of Palestine. But I cannot say this with certainty; I must, however, recount the scene.
[ 10 ] An einen Ort also kam Jesus von Nazareth, im vierundzwanzigsten Jahre seines Lebens, wo eine heidnische Kultstätte war, an der einer bestimmten Gottheit geopfert wurde. Ringsherum aber war nur trauriges, von allerlei furchtbaren seelischen und bis ins Körperliche gehenden Krankheiten behaftetes Volk. Von den Priestern war die Kultstätte längst verlassen worden. Und Jesus hörte das Volk jammern: Die Priester haben uns verlassen, die Segnungen des Opfers kommen nicht auf uns hernieder und wir sind aussätzig und krank, wir sind mühselig und beladen, weil uns die Priester verlassen haben. — Jesus sah mit tiefem Schmerze diese armen Menschen; es jammerte ihn dieses bedrückte Volk und eine unendliche Liebe zu diesen Bedrückten flammte in seiner Seele auf. Es muß von dieser unendlichen Liebe, die auflebte in seiner Seele, das Volk ringsherum etwas gemerkt haben; das muß einen tiefen Eindruck gemacht haben auf das jammernde Volk, welches von seinen Priestern und, wie es glaubte, auch von seinen Göttern verlassen worden war. Und nun entstand, man möchte sagen wie auf einen Schlag, in den Herzen der meisten dieses Volkes etwas, was darin zum Ausdruck kam, daß die Leute sagten, erkennend den Ausdruck der unendlichen Liebe auf dem Antlitz des Jesus: Du bist der neue uns gesandte Priester. — Sie drängten ihn zum Opferaltar hin, sie stellten ihn auf den heidnischen Altar. Und er stand auf dem heidnischen Altar, und sie erwarteten, ja sie verlangten von ihm, daß er die Opfer verrichte, damit der Segen ihres Gottes wieder über sie komme.
[ 10 ] So, in the twenty-fourth year of his life, Jesus of Nazareth came to a place where there was a pagan shrine at which sacrifices were offered to a certain deity. All around, however, were only sorrowful people afflicted with all manner of terrible spiritual and even physical illnesses. The priests had long since abandoned the place of worship. And Jesus heard the people lamenting: “The priests have forsaken us; the blessings of the sacrifice do not descend upon us, and we are lepers and sick; we are weary and burdened because the priests have forsaken us.” — Jesus looked upon these poor people with deep sorrow; he was moved by this oppressed people, and an infinite love for them flared up in his soul. The people all around must have sensed something of this infinite love that was kindled in his soul; it must have made a deep impression on the wailing people, who had been abandoned by their priests and, as they believed, by their gods as well. And now, one might say as if in an instant, something arose in the hearts of most of these people, which found expression in their saying—recognizing the expression of infinite love on the face of Jesus: “You are the new priest sent to us.” — They urged him toward the sacrificial altar; they placed him on the pagan altar. And he stood on the pagan altar, and they expected—indeed, they demanded—that he perform the sacrifices so that the blessing of their god might once again come upon them.
[ 11 ] Und während das geschah, während ihn das Volk auf den Opferaltar erhob, da fiel er wie tot hin, seine Seele wurde wie entrückt, und das Volk, das ringsherum glaubte seinen Gott wiedergekommen, sah das Furchtbare, daß derselbe, den es für den neuen, vom Himmel gesandten Priester gehalten hatte, wie tot hingefallen war. Die entrückte Seele des Jesus von Nazareth aber, sie fühlte sich erhoben in die geistigen Reiche, sie fühlte sich wie hineinversetzt in den Bereich des Sonnendaseins. Und jetzt hörte sie, wie aus den Sphären des Sonnendaseins herausklingend, Worte, wie diese Seele sie früher durch die Bath-Kol oftmals vernommen hatte. Aber jetzt war die Bath-Kol verwandelt, zu etwas völlig anderem geworden. Die Stimme kam ihm auch von ganz anderer Richtung her, und dasjenige, was Jesus von Nazareth jetzt vernahm, das kann man, wenn man es in unsere Sprache übersetzt, zusammenfassen in die Worte, die ich zum ersten Male mitteilen durfte, als wir vor kurzer Zeit den Grundstein legten für unseren Dornacher Bau.
[ 11 ] And while this was happening, while the people were lifting him up onto the sacrificial altar, he fell down as if dead; his soul was as if carried away, and the people standing all around, believing their God had returned, witnessed the terrible sight of the one they had regarded as the new priest sent from heaven having fallen down as if dead. But the rapt soul of Jesus of Nazareth felt itself lifted into the spiritual realms; it felt as if it had been transported into the realm of solar existence. And now it heard, resounding from the spheres of solar existence, words such as this soul had often heard before through the Bath-Kol. But now the Bath-Kol had been transformed, becoming something entirely different. The voice also came to him from a completely different direction, and what Jesus of Nazareth now heard can be summarized, when translated into our language, in the words I was first permitted to share when we recently laid the cornerstone for our building in Dornach.
[ 12 ] Es gibt ja okkulte Verpflichtungen! Und einer solchen okkulten Verpflichtung folgend hatte ich damals mitzuteilen, was durch die verwandelte Stimme der Bath-Kol Jesus von Nazareth vernahm dazumal, als dies geschah, was ich jetzt eben erzählt habe. Es vernahm Jesus von Nazareth die Worte: (Siehe unter Hinweise Seite 333.)
[ 12 ] There are, after all, occult obligations! And in accordance with such an occult obligation, I had to report at that time what Jesus of Nazareth heard through the transformed voice of the Bath-Kol back then, when what I have just recounted took place. Jesus of Nazareth heard the words: (See notes on page 333.)
Amen
Es walten die Übel
Zeugen sich lösender Ichheit
Von andern erschuldete Selbstheitschuld
Erlebet im täglichen Brote
In dem nicht waltet der Himmel Wille
Da der Mensch sich schied von Eurem Reich
Und vergaß Euren Namen
Ihr Väter in den Himmeln.
Amen
Evil reigns
Witnessing the dissolution of the self
Guilt of selfhood blamed on others
Experienced in our daily bread
In which the will of Heaven does not reign
Since man parted from Your Kingdom
And forgot Your name
You Fathers in Heaven.
[ 13 ] Nicht anders als so kann ich in die deutsche Sprache übersetzen dasjenige, was wie die verwandelte Stimme der Bath-Kol dazumal von Jesus von Nazareth vernommen worden ist. Nicht anders als so! Es waren diese Worte, welche die Seele des Jesus von Nazareth zurückbrachte, als sie aus der Betäubung wieder erwachte, durch die sie sich entrückt fühlte bei jener eben geschilderten Begebenheit. Und als Jesus von Nazareth wieder zu sich gekommen war, und die Augen rings herum richtete auf die Menge der Mühseligen und Beladenen, die ihn auf den Altar erhoben hatten, da war diese entflohen. Und als er den hellsichtigen Blick in die Ferne schweifen ließ, konnte er ihn nur richten auf eine Schar von dämonischen Gestalten, von dämonischen Wesen, die alle mit diesen Leuten verbunden waren.
[ 13 ] This is the only way I can translate into German what was heard by Jesus of Nazareth at that time as the transformed voice of the Bath-Kol. There is no other way! It was these words that brought the soul of Jesus of Nazareth back when it awoke from the stupor that had made it feel detached during the event just described. And when Jesus of Nazareth had come to his senses again and turned his eyes around to the crowd of the weary and the burdened who had lifted him onto the altar, they had fled. And when he let his clairvoyant gaze wander into the distance, he could only direct it toward a host of demonic figures, of demonic beings, all of whom were connected to these people.
[ 14 ] Das war das zweite bedeutsame Ereignis, der zweite bedeutsame Abschluß in den verschiedenen Perioden der Seelenentwickelung, die Jesus von Nazareth durchgemacht hat seit seinem zwölften Jahre. Ja, meine lieben Freunde, Ereignisse, die sozusagen durch ihr gemütliches Wesen die Seele nur in selige Stimmung versetzen, die waren es nicht, welche auf die Seele des heranwachsenden Jesus von Nazareth den größten Eindruck machten. Kennenlernen mußte diese Seele die Abgründe der Menschennatur schon in so jungen Jahren, bevor das Ereignis vom Jordan eingetreten war.
[ 14 ] This was the second significant event, the second significant milestone in the various stages of spiritual development that Jesus of Nazareth had undergone since the age of twelve. Yes, my dear friends, it was not the events that, so to speak, by their gentle nature put the soul in a blissful mood that made the greatest impression on the soul of the growing Jesus of Nazareth. This soul had to become acquainted with the depths of human nature at such a young age, even before the event at the Jordan had taken place.
[ 15 ] Und von dieser Reise kam Jesus von Nazareth nach Hause. Es war um jene Zeit, als der Vater, der zu Hause geblieben war, starb, etwa im vierundzwanzigsten Lebensjahre des Jesus von Nazareth. Als Jesus nach Hause kam, da hatte er in der Seele lebendig den gewaltigen Eindruck der dämonischen Wirkungen, die sich hineingesenkt hatten in manches, was in der alten Heidenreligion lebte. Wie es aber immer so ist, daß man gewisse Stufen der höheren Erkenntnis nur dadurch erreicht, indem man die Abgründe des Lebens kennenlernt, so war es in gewisser Weise auch bei Jesus von Nazareth, daß er - an einer Stelle, die ich nicht weiß - um sein vierundzwanzigstes Lebensjahr herum dadurch, daß er so unendlich tief in die menschlichen Seelen hineingeschaut, in Seelen, in die wie hineinkonzentriert war aller Seelenjammer der Menschheit der damaligen Zeit, auch besonders vertieft worden war in der Weisheit, die allerdings wie glühendes Eisen die Seele durchzieht, aber auch die Seele so hellsichtig macht, daß sie durchschauen kann die lichten Geistesweiten. Und dadurch, daß er die umgewandelte Stimme der Bath-Kol vernommen hatte, war er auch wie umgewandelt. So war er in verhältnismäßig jungen Jahren behaftet mit dem ruhigen, eindringlichen Geistesleseblick. Jesus von Nazareth war zu einem Menschen geworden, der tief in die Geheimnisse des Lebens hineinschaute, der so in die Geheimnisse des Lebens schauen konnte, wie bisher niemand auf der Erde, weil niemand vorher so wie er betrachten konnte, bis zu welchem Grade menschliches Elend sich steigern kann. Zuerst hatte er gesehen, wie man den Boden unter den Füßen verlieren kann durch bloße Gelehrsamkeit; dann hatte er erlebt, wie die alten Inspirationen verlorengingen; dann hatte er gesehen, wie die Kulte und Opferhandlungen, anstatt die Menschen in Verbindung zu bringen mit den Göttern, herbeizauberten allerlei dämonische Wesen, die die Menschen von sich besessen machten und sie dadurch in seelische und körperliche Krankheiten und Elend aller Art hineinbrachten. Gewiß hatte keiner auf der Erde all diesen menschlichen Jammer so tief geschaut als Jesus von Nazareth, keiner jene unendlich tiefe Empfindung in seiner Seele gehabt wie er, als er jenes von Dämonen besessene Volk geschaut hatte. Gewiß war keiner auf der Erde so vorbereitet auf die Frage: Wie, wie kann der Verbreitung dieses Jammers auf der Erde Einhalt getan werden?
[ 15 ] And from this journey, Jesus of Nazareth returned home. It was around that time that his father, who had remained at home, died, when Jesus of Nazareth was about twenty-four years old. When Jesus returned home, he carried within his soul a vivid impression of the demonic influences that had permeated many aspects of the ancient pagan religion. But just as it is always the case that certain levels of higher knowledge are attained only by coming to know the abysses of life, so it was in a certain sense with Jesus of Nazareth as well, that—at a point I do not know—around the age of twenty-four, by having looked so infinitely deeply into human souls, into souls in which was concentrated all the spiritual suffering of humanity at that time—he had also become particularly immersed in the wisdom that, while piercing the soul like red-hot iron, also makes the soul so clairvoyant that it can perceive the luminous expanses of the spirit. And because he had heard the transformed voice of the Bath-Kol, he too was transformed. Thus, at a relatively young age, he was endowed with the calm, penetrating gaze that reads the spirit. Jesus of Nazareth had become a man who looked deeply into the mysteries of life, who could look into the mysteries of life as no one on earth had done before, because no one before him could contemplate to what extent human misery can escalate. First he had seen how one can lose one’s footing through mere scholarship; then he had experienced how the ancient inspirations were lost; then he had seen how the cults and sacrificial rites, instead of connecting people with the gods, conjured up all manner of demonic beings that possessed people and thereby plunged them into mental and physical illnesses and misery of every kind. Certainly, no one on earth had looked so deeply into all this human misery as Jesus of Nazareth; no one had felt that infinitely deep emotion in his soul as he had when he saw that people possessed by demons. Certainly, no one on earth was as prepared for the question: How, how can the spread of this misery on earth be stopped?
[ 16 ] So war Jesus von Nazareth nicht nur ausgestattet mit dem Blick, mit dem Wissen des Weisen, sondern in gewisser Weise durch das Leben ein Eingeweihter geworden. Das lernten kennen Leute, die in jener Zeit zusammengetreten waren in einen gewissen Orden, der ja der Welt bekannt ist als der Essäerorden. Essäer waren Leute, welche eine Art Geheimdienst und Geheimlehre pflegten an bestimmten Orten Palästinas. Es war ein strenger Orden. Derjenige, der dem Orden beitreten wollte, mußte mindestens ein Jahr, zumeist aber mehrere Jahre strenge Probe durchmachen. Er mußte zeigen durch seine Aufführung, durch seine Gesittung, durch seinen Dienst gegenüber den höchsten geistigen Mächten, durch seinen Sinn für Gerechtigkeit, Menschengleichheit, durch seinen Sinn des Nichtachtens äußerer menschlicher Güter und dergleichen, daß er würdig war, eingeweiht zu werden. Wenn er dann aufgenommen wurde in den Orden, dann gab es verschiedene Grade, durch die man aufstieg zu jenem Essäerleben, das bestimmt war, mit einer gewissen Aus- und Absonderung von der übrigen Menschheit, in einer strengen klösterlichen Zucht und durch gewisse Reinheitsbestrebungen, durch die man alles Unwürdige körperlicher und seelischer Art beseitigen wollte, sich der geistigen Welt zu nähern. Das drückt sich schon in mancherlei symbolischen Gesetzen des Essäerordens aus. Die Entzifferung der Akasha-Chronik hat gezeigt, daß der Name Essäer kommt von oder jedenfalls zusammenhängt mit dem jüdischen Wort «Essin» oder «Assin». Und das bedeutet so etwas wie Schaufel, Schäufelchen, weil die Essäer als einziges symbolisches Zeichen stets eine kleine Schaufel als Abzeichen trugen, was sich in manchen Ordensgemeinschaften bis heute erhalten hat. In gewissen symbolischen Gepflogenheiten drückte sich auch das aus, was die Essäer wollten: daß sie keine Münzen bei sich tragen durften, daß sie nicht durch ein Tor gehen durften, das bemalt war oder in dessen Nähe Bilder waren. Und weil der Essäerorden in der damaligen Zeit in einer gewissen Weise auch äußerlich anerkannt war, hatte man in Jerusalem besondere Tore, unbemalte Tore gemacht, so daß auch sie in die Stadt gehen konnten. Denn wenn der Essäer an ein bemaltes Tor kam, mußte er immer wieder umkehren. Im Orden selbst gab es alte Urkunden und Traditionen, über deren Inhalt die Mitglieder des Ordens streng schwiegen. Sie durften lehren, aber nur, was sie innerhalb des Ordens gelernt hatten. Jeder, der in den Orden eintrat, mußte sein Vermögen dem Orden abgeben. Die Zahl der Essäer war damals zur Zeit des Jesus von Nazareth eine sehr große, etwa vierbis fünftausend. Es waren von allen Orten der damaligen Welt Leute zusammengekommen, die sich den strengen Regeln widmeten. Sie schenkten jedesmal, wenn sie irgendwo weit weg, in Kleinasien oder noch weiter, ein Haus hatten, dasselbe dem Essäerorden, und der Orden bekam überall kleine Besitzungen, Häuser, Gärten, ja weite Äcker. Keiner wurde aufgenommen, der nicht alles schenkte, was den Essäern Gemeingut wurde. Alles gehörte allen, kein einzelner hatte Besitz. Ein für unsere heutigen Verhältnisse außerordentlich strenges Gesetz, das aber begreiflich ist, war dieses, daB ein Essäer unterstützen durfte mit dem Gute des Ordens alle bedürftigen und belasteten Leute, nur diejenigen nicht, die seiner eigenen Familie angehörten.
[ 16 ] Thus, Jesus of Nazareth was not only endowed with the insight and knowledge of a sage, but had, in a certain sense, become an initiate through his life. This was recognized by people who, at that time, had gathered together in a certain order known to the world as the Essene Order. The Essenes were people who maintained a kind of secret society and secret teachings in certain places in Palestine. It was a strict order. Anyone who wished to join the order had to undergo at least one year, but usually several years, of rigorous testing. He had to demonstrate through his conduct, his manners, his service to the highest spiritual powers, his sense of justice and human equality, and his disregard for external human possessions and the like, that he was worthy of initiation. Once admitted to the Order, there were various degrees through which one ascended to that Essene way of life, which was intended to bring one closer to the spiritual world through a certain separation from the rest of humanity, within a strict monastic discipline, and through certain efforts toward purity aimed at eliminating all that was unworthy, both physically and spiritually. This is already expressed in various symbolic laws of the Essene Order. The deciphering of the Akashic Records has shown that the name “Essene” derives from, or is at least connected to, the Jewish word “Essin” or “Assin.” And this means something like “shovel” or “little shovel,” because the Essenes always wore a small shovel as their sole symbolic emblem, a practice that has been preserved in some monastic communities to this day. Certain symbolic customs also expressed what the Essenes sought: that they were not allowed to carry coins with them, that they were not allowed to pass through a gate that was painted or near which there were images. And because the Essene Order was, in a certain sense, also recognized externally at that time, special gates—unpainted gates—had been constructed in Jerusalem so that they too could enter the city. For whenever an Essene came upon a painted gate, he was always forced to turn back. Within the order itself, there were ancient documents and traditions, the contents of which the members of the order kept strictly secret. They were allowed to teach, but only what they had learned within the order. Everyone who joined the order had to surrender their wealth to the order. The number of Essenes at that time, during the time of Jesus of Nazareth, was very large, about four to five thousand. People had gathered from all corners of the then-known world, dedicating themselves to the strict rules. Whenever they owned a house somewhere far away, in Asia Minor or even further, they would donate it to the Essene Order, and the Order acquired small properties, houses, gardens, and even vast fields everywhere. No one was admitted who did not donate everything that became the common property of the Essenes. Everything belonged to everyone; no individual had any property. A law that is extraordinarily strict by today’s standards, but which is understandable, was that an Essene was permitted to support, with the order’s resources, all needy and burdened people—except those who belonged to his own family.
[ 17 ] In Nazareth gab es durch Schenkung eine solche Niederlassung des Essäerordens, und dadurch war gerade in den Gesichtskreis des Jesus von Nazareth dasjenige gekommen, was der Essäerorden war. In dem Zentrum des Ordens bekam man Kunde von der tiefen Weisheit, die sich in der beschriebenen Art in die Seele des Jesus von Nazareth gesenkt hatte, und gerade unter den Bedeutendsten, Weisesten der Essäer entstand eine gewisse Stimmung. Es hatte unter ihnen sich herausgebildet eine gewisse prophetische Anschauung: Wenn die Welt ihren richtigen Fortgang nehmen sollte, dann müsse eine besonders weise Seele erstehen, die wie eine Art Messias wirken müsse. Deshalb hatten sie Umschau gehalten, wo besonders weise Seelen wären. Und sie waren tief berührt, als sie Kunde erhielten von jener tiefen Weisheit, die in der Seele des Jesus von Nazareth entstanden war. Daher war es kein Wunder, daß die Essäer, ohne daß Jesus von Nazareth die Erprobung der niederen Grade durchzumachen hatte, ihn aufnahmen wie einen Externisten in ihre Gemeinschaft - ich will nicht sagen in den Orden selber - und daß in einer gewissen Weise zutraulich, offenherzig wurden selbst die weisesten Essäer in bezug auf ihre Geheimnisse gegenüber diesem weisen, jungen Menschen. In der Tat hörte in diesem Essäerorden der junge Jesus von Nazareth viel, viel Tieferes über die Geheimnisse, die vom Hebräertum bewahrt worden waren, als von den Schriftgelehrten im Hause seines Vaters. Manches auch hörte er, was er schon selber früher durch die Bath-Kol wie durch eine Erleuchtung in seiner Seele aufglänzend vernommen hatte. Kurz, es entstand ein reger Ideenaustausch zwischen Jesus von Nazareth und den Essäern. Und Jesus von Nazareth lernte kennen in seinem Verkehr mit den Essäern, im fünfundzwanzigsten, sechsundzwanzigsten, siebenundzwanzigsten, achtundzwanzigsten Lebensjahr und noch darüber hinaus, fast alles, was der Essäerorden zu geben hatte. Denn was ihm nicht durch Worte mitgeteilt wurde, das stellte sich ihm dar durch allerlei hellsichtige Impressionen. Wichtige hellsichtige Impressionen hatte Jesus von Nazareth entweder innerhalb der Gemeinschaft der Essäer selber oder einige Zeit darauf in Nazareth zu Hause, wo er in einem mehr beschaulichen Leben auf sich wirken ließ, was in seine Seele sich hineindrängte aus Kräften, die ihm gekommen waren, von denen die Essäer nichts ahnten, die aber als Folge der mit den Essäern geführten bedeutsamen Gespräche in seiner Seele erlebt wurden.
[ 17 ] In Nazareth, a branch of the Essene Order had been established through a donation, and as a result, the nature of the Essene Order had come to the attention of Jesus of Nazareth. News reached the center of the Order of the profound wisdom that had sunk into the soul of Jesus of Nazareth in the manner described, and a certain mood arose among the most prominent and wisest of the Essenes. A certain prophetic vision had taken shape among them: If the world were to take its proper course, then a particularly wise soul must arise who would act as a kind of Messiah. Therefore, they had been looking for places where particularly wise souls might be found. And they were deeply moved when they received word of that profound wisdom that had arisen in the soul of Jesus of Nazareth. It was therefore no wonder that the Essenes, without requiring Jesus of Nazareth to undergo the trials of the lower degrees, accepted him as an external member into their community—I will not say into the order itself—and that, in a certain sense, even the wisest Essenes became trusting and open-hearted regarding their secrets toward this wise young man. Indeed, within this Essene order, the young Jesus of Nazareth heard much, much deeper insights into the mysteries preserved by the Hebrews than he had from the scribes in his father’s house. He also heard many things that he had already perceived earlier through the Bath-Kol, as if illuminated in his soul. In short, a lively exchange of ideas developed between Jesus of Nazareth and the Essenes. And through his association with the Essenes, in the twenty-fifth, twenty-sixth, twenty-seventh, twenty-eighth years of his life and beyond, Jesus of Nazareth came to know almost everything the Essene order had to offer. For what was not communicated to him through words was revealed to him through all manner of clairvoyant impressions. Jesus of Nazareth received important clairvoyant impressions either within the Essene community itself or some time later at home in Nazareth, where, in a more contemplative life, he allowed to take effect upon him what pressed into his soul from forces that had come to him—forces of which the Essenes had no inkling, but which were experienced in his soul as a consequence of the significant conversations he had held with the Essenes.
[ 18 ] Eines von diesen Erlebnissen, von diesen inneren Impressionen muß besonders hervorgehoben werden, weil es hineinleuchten kann in den ganzen geistigen Gang der Menschheitsentwickelung. Es war eine gewaltige, bedeutsame Vision, die wie in einer Art Entrückung Jesus von Nazareth hatte, in der ihm Buddha wie in unmittelbarer Gegenwatt erschien. Ja, der Buddha erschien dem Jesus von Nazareth als Folge des Ideenaustausches mit den Essäern. Und man kann sagen, daß in jener Zeit zwischen Jesus und Buddha ein Geistgespräch stattgefunden hat. Es gehört zu meiner okkulten Verpflichtung, Ihnen den Inhalt dieses Geistgespräches mitzuteilen, denn wir dürfen, ja wir müssen heute diese bedeutsamen Geheimnisse der Menschheitsevolution berühren. In diesem bedeutsamen Geistgespräch erfuhr Jesus von Nazareth von dem Buddha, daß dieser etwa sagte: Wenn meine Lehre so, wie ich sie gelehrt habe, völlig in Erfüllung gehen würde, dann müßten alle Menschen den Essäern gleich werden. Das aber kann nicht sein. Das war der Irrtum in meiner Lehre. Auch die Essäer können sich nur weiter fortbringen, indem sie sich aussondern von der übrigen Menschheit; für sie müssen übrige Menschenseelen da sein. Durch die Erfüllung meiner Lehre müßten lauter Essäer entstehen. Das aber kann nicht sein. - Das war ein bedeutsames Erlebnis, das durch die Gemeinschaft mit den Essäern Jesus von Nazareth hatte.
[ 18 ] One of these experiences, one of these inner impressions, must be particularly emphasized because it sheds light on the entire spiritual course of human development. It was a powerful, significant vision that Jesus of Nazareth had, as if in a kind of rapture, in which Buddha appeared to him as if face to face. Indeed, the Buddha appeared to Jesus of Nazareth as a result of the exchange of ideas with the Essenes. And one can say that at that time a spiritual conversation took place between Jesus and the Buddha. It is part of my occult duty to share with you the content of this spiritual conversation, for we may—indeed, we must—touch upon these significant mysteries of human evolution today. In this significant spiritual conversation, Jesus of Nazareth learned from the Buddha that the latter said something to the effect: If my teaching were to be fulfilled completely as I taught it, then all people would have to become like the Essenes. But that cannot be. That was the error in my teaching. Even the Essenes can only advance by separating themselves from the rest of humanity; other human souls must be there for them. If my teaching were fully realized, everyone would become an Essene. But that cannot be. — This was a significant experience that Jesus of Nazareth had through his association with the Essenes.
[ 19 ] Ein anderes Erlebnis war dieses, daß Jesus von Nazareth die Bekanntschaft machte mit einem auch noch jüngeren Manne, mit einem fast gleichaltrigen Manne, der nahegetreten war, allerdings in einer ganz anderen Weise als Jesus von Nazareth, dem Essäerorden, der aber trotzdem auch nicht ganz Essäer geworden ist. Es war der, man möchte sagen, wie ein Laienbruder innerhalb der Essäergemeinschaft lebende Johannes der Täufer. Er trug sich wie die Essäer, denn diese trugen im Winter Kleider von Kamelhaar. Aber er hatte niemals die Lehre des Judentums vollständig in sich auswechseln können mit der Lehre der Essäer. Da aber die Lehre der Essäer, das ganze Leben der Essäer auf ihn einen großen Eindruck machte, lebte er als Laienbruder das Essäerleben, ließ sich anregen, ließ sich allmählich inspirieren und kam nach und nach zu dem, was ja von Johannes dem Täufer in den Evangelien erzählt ist. Viele Gespräche fanden statt zwischen Jesus von Nazareth und Johannes dem Täufer. - Da geschah es eines Tages - ich weiß, was es heißt, diese Dinge so einfach zu erzählen, aber nichts kann mich abhalten; ich weiß trotzdem, daß diese Dinge jener okkulten Verpflichtung zufolge jetzt erzählt werden müssen -, es geschah eines Tages, daß Jesus von Nazareth, während er mit Johannes dem 'Täufer sprach, wie verschwunden vor sich sah die physische Leiblichkeit des Täufers und die Vision des Elias hatte. Das war das zweite wichtige Seelenerlebnis innerhalb der Gemeinschaft des Essäerordens.
[ 19 ] Another experience was that of Jesus of Nazareth, who came into contact with an even younger man—a man of nearly the same age—who had joined, albeit in a very different way than Jesus of Nazareth, the Essene order, yet who nevertheless did not become a full-fledged Essene. It was John the Baptist, who lived, one might say, as a lay brother within the Essene community. He dressed like the Essenes, for they wore garments of camel hair in winter. But he had never been able to completely replace the teachings of Judaism within himself with the teachings of the Essenes. But since the teachings of the Essenes—the entire way of life of the Essenes—made a great impression on him, he lived the Essene life as a lay brother, allowed himself to be stimulated, gradually became inspired, and little by little arrived at what is indeed recounted about John the Baptist in the Gospels. Many conversations took place between Jesus of Nazareth and John the Baptist. - Then one day it happened—I know what it means to recount these things so simply, but nothing can deter me; I know nonetheless that these things must now be told in accordance with that occult obligation—it happened one day that Jesus of Nazareth, while speaking with John the Baptist, saw the physical form of the Baptist vanish before his eyes and had a vision of Elijah. This was the second significant spiritual experience within the community of the Essene Order.
[ 20 ] Da gab es aber noch andere Erlebnisse. Schon seit längerer Zeit hatte Jesus von Nazareth etwas Besonderes beobachten können: Wenn er an Orte kam, wo Essäertore waren, wo bildlose Tore waren, da konnte Jesus von Nazareth durch solche Tore nicht schreiten, ohne wiederum eine bittere Erfahrung zu machen. Er sah diese bildlosen Tore, aber für ihn waren geistige Bilder an diesen Toren; für ihn erschien zu beiden Seiten eines solchen 'Tores immer dasjenige, was wir jetzt kennengelernt haben in den verschiedenen geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzungen unter dem Namen Ahriman und Luzifer. Und allmählich hatte sich ihm das Gefühl, der Eindruck in der Seele gefestigt, daß die Abneigung der Essäer gegen die Torbilder etwas zu tun haben müsse mit dem Herbeizaubern solcher geistiger Wesenheiten, wie er sie an diesen Toren erschaute, daß Bilder an den Toren Abbilder von Luzifer und Ahriman seien. Und öfter hatte Jesus von Nazareth dieses bemerkt, öfter waren solche Gefühle in seiner Seele aufgestiegen.
[ 20 ] But there were other experiences as well. For quite some time, Jesus of Nazareth had noticed something peculiar: whenever he came to places where there were Essene gates—gates without images—he could not pass through them without having a bitter experience. He saw these gateways without images, but for him there were spiritual images at these gateways; for him, on either side of such a ‘gateway,’ there always appeared that which we have now come to know in the various spiritual-scientific discussions under the names of Ahriman and Lucifer. And gradually the feeling, the impression in his soul, had taken hold that the Essenes’ aversion to the gate images must have something to do with conjuring up such spiritual beings as he beheld at these gates, that the images on the gates were likenesses of Lucifer and Ahriman. And Jesus of Nazareth had noticed this on more than one occasion; such feelings had welled up in his soul on more than one occasion.
[ 21 ] Wer solches erlebt, der findet nicht, daß man über diese Dinge gleich viel grübeln sollte; denn diese Dinge wirken zu erschütternd auf die Seele. Man fühlt auch sehr bald, daß menschliche Gedanken nicht hinreichen, um sie tief genug zu ergründen. Die Gedanken hält man dann nicht für fähig, an diese Dinge heranzudringen. Aber die Eindrücke graben sich nicht nur tief in die Seele ein, sondern werden zu einem Teil des Seelenlebens selber. Man fühlt sich wie verbunden mit dem Teil seiner Seele, in dem man solche Erlebnisse gesammelt hat, wie verbunden mit den Erlebnissen selber, man trägt diese Erlebnisse weiter durchs Leben.
[ 21 ] Anyone who experiences such things does not feel that one should dwell on them too much; for these things have a deeply unsettling effect on the soul. One also soon realizes that human thoughts are not sufficient to fathom them deeply enough. One then does not consider thoughts capable of penetrating these things. But the impressions not only burrow deeply into the soul, they become a part of the soul’s life itself. One feels connected to the part of one’s soul in which such experiences have been gathered, as if connected to the experiences themselves; one carries these experiences forward through life.
[ 22 ] So hatte Jesus von Nazareth durchs Leben getragen die beiden Bilder von Luzifer und Ahriman, die er oftmals gesehen hatte an den Toren der Essäer. Es hatte zunächst nichts anderes bewirkt, als daß ihm bewußt wurde, daß ein Geheimnis walte zwischen diesen geistigen Wesenheiten und den Essäern. Und die Wirkung, die das auf seine Seele ausübte, trug sich hinein in die Verständigung mit den Essäern; man konnte sich seit diesen Erlebnissen in der Seele des Jesus von Nazareth nicht mehr so gut gegenseitig verstehen. Denn es lebte in seiner Seele etwas, von dem er nicht sprechen konnte gegenüber den Essäern, weil sich jedesmal etwas wie in der Rede verschlug, denn immer stellte sich dazwischen, was er an den Essäertoren erlebt hatte.
[ 22 ] Thus, throughout his life, Jesus of Nazareth had carried within him the two images of Lucifer and Ahriman, which he had often seen at the gates of the Essenes. At first, this had had no other effect than to make him aware that a mystery reigned between these spiritual beings and the Essenes. And the effect this had on his soul carried over into his communication with the Essenes; since these experiences, mutual understanding in the soul of Jesus of Nazareth was no longer as easy as before. For there lived in his soul something of which he could not speak to the Essenes, because each time something seemed to choke his speech, for what he had experienced at the gates of the Essenes always interposed itself.
[ 23 ] Eines Tages, als nach einer besonders wichtigen, bedeutsamen Unterredung, in der vieles Höchste, Geistige zur Sprache gekommen war, Jesus von Nazareth das Tor des Hauptgebäudes der Essäer verließ, da traf er, indem er durch das Tor ging, auf die Gestalten, von denen er wußte, daß sie Luzifer und Ahriman waren. Und er sah fliehen Luzifer und Ahriman von dem Tore des Essäerklosters. Und es senkte sich in seine Seele eine Frage. Aber nicht als ob er selber, nicht als ob er durch den Verstand früge, sondern mit tiefer elementarer Gewalt drängte sich herauf in seine Seele die Frage: Wohin fliehen diese, wohin fliehen Luzifer und Ahriman? — Denn er wußte, die Heiligkeit des Klosters der Essäer hatte sie zum Fliehen gebracht. Aber die Frage lebte sich in seine Seele ein: Wohin fliehen diese? — Und diese Frage brachte er nicht mehr los aus seiner Seele, diese Frage brannte wie Feuer in seiner Seele; mit dieser Frage ging er stündlich, ja minütlich sie erlebend in den nächsten Wochen umher. Als er nach dem geistigen Gespräch, das er geführt hatte, die Tore des Hauptgebäudes der Essäer verlassen hatte, da brannte in seiner Seele die Frage: Wohin fliehen Luzifer und Ahriman?
[ 23 ] One day, after a particularly important and significant conversation in which many of the highest, spiritual matters had been discussed, Jesus of Nazareth left the gate of the Essenes’ main building; as he passed through the gate, he encountered the figures he knew to be Lucifer and Ahriman. And he saw Lucifer and Ahriman fleeing from the gate of the Essene monastery. And a question sank into his soul. But not as if he himself were asking it, not as if he were asking it through his intellect; rather, with a deep, elemental force, the question surged up into his soul: Where are they fleeing to? Where are Lucifer and Ahriman fleeing to? — For he knew that the sanctity of the Essene monastery had driven them to flee. But the question took root in his soul: Where are they fleeing to? — And he could no longer shake this question from his soul; this question burned like fire in his soul; with this question he went about, experiencing it hourly, indeed minutely, in the weeks that followed. When, after the spiritual conversation he had had, he left the gates of the Essenes’ main building, the question burned in his soul: Where are Lucifer and Ahriman fleeing to?
[ 24 ] Was er unter dem Eindruck dieser in seiner Seele lebenden Frage weiter tat, nachdem er durchlebt hatte, daß die alten Inspirationen verlorengegangen waren, die Religionen und Kulte von dämonischen Gewalten verdorben waren und als er hingefallen war an dem Altare des Heidenkultus, die umgewandelte Stimme der Bath-Kol vernommen hatte, und sich fragen mußte, was die Worte der Bath-Kol zu bedeuten haben, und was das eben von mir Erzählte zu bedeuten hatte, daß die Seele des Jesus von Nazareth sich jetzt fragte: Wohin fliehen Luzifer und Ahriman? — davon wollen wir morgen weiter sprechen.
[ 24 ] What he did next, under the influence of this question that lived within his soul, after he had come to realize that the ancient inspirations had been lost, that religions and cults had been corrupted by demonic forces, and when he had fallen at the altar of the pagan cult and heard the transformed voice of the Bath-Kol, and had to ask himself what the words of the Bath-Kol meant, and what the story I just told meant—that the soul of Jesus of Nazareth was now asking: Where are Lucifer and Ahriman fleeing to?—we will speak further about this tomorrow.
