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From Akashic Research
The Fifth Gospel
GA 148

6 October 1913, Oslo

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Fünfter Vortrag

Fifth Lecture

[ 1 ] Gestern haben wir einen Blick werfen können auf das Leben des Jesus von Nazareth in der Zeit, die für ihn verflossen war ungefähr seit seinem zwölften Lebensjahre bis etwa zum Ende seiner Zwanzigerjahre. Aus demjenigen, was ich erzählen durfte, konnten Sie gewiß die Empfindung haben, daß Tiefbedeutsames für die Seele des Jesus von Nazareth sich abgespielt hat in dieser Zeit, Tiefbedeutsames aber auch für die ganze Evolution der Menschheit. Denn Sie werden ja gewiß aus der Grundempfindung, die Sie sich durch ihre geisteswissenschaftlichen Studien haben bilden können, wissen, daß alles in der Menschheitsevolution zusammenhängt, und daß ein so bedeutsames Ereignis mit einem Menschen, in dessen Seelenleben so viel, so unendlich viel von den Angelegenheiten der ganzen Menschheit hineinspielt, eben auch von Bedeutung für die ganze Menschheitsevolution ist. Wir lernen dasjenige, was das Ereignis von Golgatha geworden ist für die Evolution der Menschheit, in der verschiedensten Weise kennen. In diesem Vortragszyklus handelt es sich darum, es erkennen zu lernen durch die Betrachtung des Christus Jesus-Lebens selber. Und so wenden wir den Blick, den wir gestern auf den charakterisierten Zeitraum gerichtet haben, der zwischen dem zwölften Jahre und der Johannestaufe liegt, heute noch einmal auf die Seele des Jesus von Nazareth hin und fragen uns: Was mag alles in dieser Seele gelebt haben, nachdem die bedeutsamen Ereignisse sich abgespielt hatten bis in das achtundzwanzigste, neunundzwanzigste Jahr hinein, von denen ich gestern gesprochen habe.

[ 1 ] Yesterday we were able to take a look at the life of Jesus of Nazareth during the period that spanned roughly from his twelfth year until the end of his twenties. From what I was able to share, you surely sensed that something profoundly significant took place during this time for the soul of Jesus of Nazareth—and something profoundly significant for the entire evolution of humanity as well. For you surely know, from the fundamental understanding you have gained through your studies in spiritual science, that everything in human evolution is interconnected, and that such a significant event involving a human being—in whose inner life so much, so infinitely much of the concerns of all humanity plays a part—is indeed also of significance for the entire evolution of humanity. We come to know in the most varied ways what the event of Golgotha has become for the evolution of humanity. In this lecture series, the aim is to learn to recognize this through the contemplation of the life of Christ Jesus himself. And so we turn the gaze that we directed yesterday toward the period I described—the time between the twelfth year and the baptism by John—back once more today to the soul of Jesus of Nazareth and ask ourselves: What might have been lived within this soul after the significant events had unfolded, extending into the twenty-eighth and twenty-ninth years, of which I spoke yesterday.

[ 2 ] Was in dieser Seele lebte, man wird vielleicht eine Empfindung, ein Gefühl davon erhalten, wenn erzählt werden darf eine Szene, die sich am Ende seiner Zwanzigerjahre bei Jesus von Nazareth abspielte. Diese Szene, die ich da zu erzählen habe, betrifft ein Gespräch, das Jesus von Nazareth geführt hat mit seiner Mutter, mit derjenigen also, die durch das Zusammenziehen der beiden Familien durch lange Jahre hindurch seine Mutter geworden war. Er hatte sich ja die ganzen Jahre her mit dieser Mutter ganz innig und vorzüglich verstanden, viel besser, als er sich verstehen konnte mit den anderen Gliedern der Familie, die im Hause zu Nazareth lebten, das heißt, er hätte sich schon gut mit ihnen verstanden, aber sie konnten sich nicht gut mit ihm verstehen. Es war ja auch schon früher zwischen ihm und seiner Mutter mancherlei von den Eindrücken, die sich allmählich in seiner Seele gebildet hatten, besprochen worden. Aber in dem genannten Zeitraum spielte sich einmal ein recht bedeutsames Gespräch ab, das wir heute betrachten werden, das uns tief hineinblicken läßt in seine Seele.

[ 2 ] One might perhaps get a sense of what lived within that soul if I may recount a scene that took place in the life of Jesus of Nazareth toward the end of his twenties. This scene I am about to describe concerns a conversation that Jesus of Nazareth had with his mother—that is, with the woman who, through the union of the two families, had become his mother over the course of many years. For all those years, he had gotten along with this mother very intimately and exceptionally well, much better than he could get along with the other members of the family who lived in the house in Nazareth; that is to say, he would have gotten along well with them, but they could not get along well with him. Indeed, many of the impressions that had gradually formed in his soul had already been discussed between him and his mother in the past. But during the period in question, a rather significant conversation took place, which we will examine today and which allows us to look deeply into his soul.

[ 3 ] Es war der Jesus von Nazareth nach und nach durch die gestern charakterisierten Erlebnisse allerdings umgewandelt worden, so daß unendliche Weisheit sich in seinem Antlitz ausprägte. Aber er war auch, wie das ja immer, wenn auch in geringerem Grade der Fall ist, wenn die Weisheit in einer Menschenseele zunimmt, zu einer gewissen inneren Traurigkeit gekommen. Die Weisheit hatte ihm zunächst die Frucht gebracht, daß der Blick, den er wenden konnte in seine menschliche Umgebung, ihn eigentlich recht traurig machte. Dazu kam noch, daß er in den letzten Zwanzigerjahren immer mehr in stillen Stunden an etwas ganz Bestimmtes hatte denken müssen: Immer wieder von neuem mußte er daran denken, wie in seinem zwölften Jahre ein solcher Umschwung, eine solche Revolution in seiner Seele stattgefunden hatte, wie sich das ergab durch das Herübertreten des Zarathustra-Ich in seine Seele. Er mußte daran denken, wie er in den ersten Zeiten nach seinem zwölften Jahre gewissermaßen nur den unendlichen Reichtum dieser Zarathustra-Seele in sich gefühlt hatte. Er wußte ja am Ende der Zwanzigerjahre noch nicht, daß er der wiederverkörperte Zarathustra war; aber er wußte, daß ein großer, gewaltiger Umschwung in seiner Seele in seinem zwölften Jahre vor sich gegangen war. Und jetzt hatte er oftmals das Gefühl: Ach, wie war es doch anders mit mir vor diesem Umschwung in meinem zwölften Jahre! - Er fühlte, wenn er jetzt zurückdachte an diese Zeit, wie unendlich warm es dazumal in seinem Gemüt war. Er war ja als Knabe ganz weltentrückt gewesen. Da hatte er zwar gehabt die lebhafteste Empfindung für alles, was aus der Natur heraus zum Menschen spricht, für alle Herrlichkeit und Größe der Natur, aber er hatte wenig Anlage für dasjenige, was menschliche Weisheit, menschliches Wissen sich angeeignet hatte. Er interessierte sich wenig für das, was man schulmäßig lernen konnte! Es wäre ein völliger Irrtum, wenn man glauben würde, daß dieser Jesusknabe, bevor der Zarathustra in seine Seele herübergezogen war, bis in sein zwölftes Jahr hinein etwa im äußeren Sinne eine besondere Begabung gehabt hätte, daß er besonders gescheit gewesen wäre. Dagegen hatte er besessen ein ungemein mildes, sanftmütiges Wesen, eine unendliche Liebefähigkeit, ein tiefes inneres Gemütsleben, ein umfassendes Verständnis für alles Menschliche, aber kein Interesse für alles dasjenige, was die Menschen an Wissen im Laufe der Jahrhunderte sich aufgespeichert haben. Und dann war es so, wie wenn nach diesem Moment im Tempel zu Jerusalem in seinem zwölften Jahre dies alles aus seiner Seele herausgestürmt und dafür alle Weisheit hineingeströmt wäre! Und jetzt mußte er oftmals denken und empfinden, wie so in ganz anderer Weise er mit allem tieferen Geiste der Welt früher vor seinem zwölften Jahre verbunden war, als ob da seine Seele offen gewesen wäre für die Tiefen der unendlichen Weiten! Und wie er seitdem gelebt hatte seit seinem zwölften Jahre, wie er da seine Seele geeignet fand für eine Art Aufnahme der hebräischen Gelehrsamkeit, die aber ganz ursprünglich wie aus sich heraus kam, wie er durchgemacht hatte die Erschütterung, daß die Bath-Kol nicht mehr in der alten Weise inspirierend wirken konnte; wie er dann auf seinen Reisen kennenlernte die heidnischen Kulte, wie ihm all das Wissen und die Religiosität des Heidentums in seinen verschiedenen Nuancierungen durch die Seele gezogen war. Er dachte daran, wie er da zwischen seinem achtzehnten und vierundzwanzigsten Jahre gelebt hatte in alledem, was die Menschheit sich äußerlich errungen hatte, und wie er dann eingetreten war in die Gemeinschaft der Essäer ungefähr um das vierundzwanzigste Jahr und dort eine Geheimlehre kennengelernt hatte und Menschen, die einer solchen Geheimlehre sich hingaben. Daran mußte er oftmals denken. Aber er wußte auch, daß im Grunde genommen nur dasjenige in seiner Seele aufgegangen war, was seit dem Altertum her Menschen an Wissen in sich aufgespeichert hatten; er lebte in dem, was Menschenschätze an Weisheit, Menschenschätze an Kultur, Menschenschätze an moralischen Errungenschaften darboten. Er fühlte, in dem Menschlichen auf Erden hatte er gelebt seit seinem zwölften Jahre. Und jetzt mußte er oftmals zurückdenken, wie er war vor diesem zwölften Jahre, wo er gleichsam sich mit den göttlichen Urgründen des Daseins verbunden fühlte, wo alles in ihm elementar und ursprünglich war, wo alles aus einem aufsprudelnden Leben, aus einem warmen, liebenden Gemüte kam und ihn innig zusammenschloß mit anderen Menschenseelen, während er jetzt vereinsamt und allein und schweigsam geworden war.

[ 3 ] Jesus of Nazareth had, however, been gradually transformed by the experiences described yesterday, so that infinite wisdom was reflected in his countenance. But he had also, as is always the case—albeit to a lesser degree—when wisdom increases in a human soul, come to feel a certain inner sadness. At first, wisdom had borne the fruit that the view he could cast upon his human surroundings actually made him quite sad. Added to this was the fact that, over the past twenty years, he had increasingly found himself thinking of something very specific during quiet moments: time and again he had to think of how, in his twelfth year, such a turning point, such a revolution had taken place in his soul, as a result of the Zarathustra-I stepping into his soul. He had to think of how, in the early years following his twelfth year, he had, so to speak, felt within himself only the infinite richness of this Zarathustra soul. After all, at the end of his twenties he did not yet know that he was the reincarnated Zarathustra; but he knew that a great, powerful upheaval had taken place in his soul in his twelfth year. And now he often had the feeling: Oh, how different things were for me before this upheaval in my twelfth year! - When he thought back to that time now, he felt how infinitely warm his heart had been back then. As a boy, he had been completely detached from the world. He had, indeed, had the liveliest feeling for everything that speaks to humanity from nature, for all the splendor and grandeur of nature, but he had little aptitude for what human wisdom and human knowledge had acquired. He had little interest in what could be learned in school! It would be a complete mistake to believe that this boy Jesus, before Zarathustra had entered his soul, had possessed any special talent in the conventional sense up until his twelfth year, or that he had been particularly clever. On the contrary, he possessed an extraordinarily gentle, meek nature, an infinite capacity for love, a deep inner emotional life, and a comprehensive understanding of all that is human, but no interest in all the knowledge that people have accumulated over the centuries. And then it was as if, after that moment in the Temple in Jerusalem in his twelfth year, all of this had burst out of his soul and all wisdom had flowed in to take its place! And now he often had to think and feel how, in a completely different way, he had been connected to all the deeper spirit of the world before his twelfth year, as if his soul had been open to the depths of the infinite expanses! And how he had lived since his twelfth year, how he found his soul suited for a kind of absorption of Hebrew scholarship, which, however, arose quite naturally from within him, how he had endured the shock that the Bath-Kol could no longer have an inspiring effect in the old way; how he then, on his travels, came to know the pagan cults, how all the knowledge and religiosity of paganism, in its various nuances, had permeated his soul. He thought of how he had lived between the ages of eighteen and twenty-four amidst all that humanity had outwardly achieved, and how he had then joined the community of the Essenes around the age of twenty-four and there had come to know a secret teaching and people who devoted themselves to such a secret teaching. He often had to think of this. But he also knew that, fundamentally speaking, what had blossomed in his soul was only what people had stored within themselves as knowledge since ancient times; he lived in what human treasures of wisdom, human treasures of culture, and human treasures of moral achievements offered. He felt that he had lived in the human realm on earth since the age of twelve. And now he often found himself thinking back to how he had been before that twelfth year, when he felt, as it were, connected to the divine foundations of existence, when everything within him was elemental and primal, when everything sprang from a bubbling life, from a warm, loving heart, and bound him intimately to other human souls, whereas now he had become lonely, alone, and silent.

[ 4 ] Alle diese Gefühle waren es, die zustande brachten, daß ein ganz bestimmtes Gespräch stattgefunden hat zwischen ihm und der Persönlichkeit, die ihm Mutter geworden war. Die Mutter liebte ihn ungeheuer, und sie hatte öfters mit ihm gesprochen über all das Schöne und Große, das sich seit seinem zwölften Jahre in ihm gezeigt hatte. Ein immer intimeres, edleres, schöneres Verhältnis hatte sich herausgebildet zu dieser Stiefmutter. Aber seinen inneren Zwiespalt hatte er bisher auch dieser Mutter verschwiegen, so daß sie nur das Schöne und Große gesehen hatte. Sie hatte nur gesehen, wie er immer weiser und weiser wurde, wie er immer tiefer eindrang in die ganze Menschheitsevolution. Deshalb war von demjenigen, was wie eine Art Generalbeichte mit diesem Gespräch stattfand, vieles neu für sie, aber sie nahm es auf mit innigem, warmem Herzen. Es war in ihr wie ein unmittelbares Verstehen für seine Traurigkeit, seine Gefühlsstimmung, dessen, daß er sich zurücksehnte zu dem, was er in sich hatte vor seinem zwölften Jahre. Deshalb suchte sie ihn zu erheben und zu trösten, indem sie anfing zu sprechen von allem, was seitdem in ihm so schön und herrlich zutage getreten sei. Sie erinnerte ihn an all das, was ihr durch ihn bekanntgeworden war von der Wiedererneuerung der groBen Lehren, Weisheitssprüche und Gesetzesschätze des Judentums. Was alles durch ihn zutage getreten ist, davon sprach sie mit ihm. Es wurde ihm aber nur immer schwerer ums Herz, wenn er so die Mutter sprechen hörte, so schätzend das, was er innerlich doch eigentlich als überwunden fühlte. Und endlich erwiderte er: Ja, das mag alles sein. Aber ob durch mich oder durch einen anderen heute erneuert werden können all die alten, herrlichen Weisheitsschätze des Judentums, was hätte das alles für eine Bedeutung für die Menschheit? Es ist im Grunde doch alles bedeutungslos, was in solcher Art zutage tritt. Ja, wenn es heute eine Menschheit gäbe um uns herum, die Ohren hätte, den alten Propheten noch zuzuhören, dann wäre es für diese Menschheit nützlich, wenn erneuert werden könnten die Weisheitsschätze des alten Prophetentums. Aber selbst wenn jemand so sprechen könnte, wie die alten Propheten gesprochen haben, selbst wenn Elias heute käme — so sagte Jesus von Nazareth - und unserer Menschheit verkünden wollte dasjenige, was er als Bestes erfahren hat in den Himmelsweiten: es sind ja nicht die Menschen da, die Ohren hätten zu hören die Weisheit des Elias, der älteren Propheten, auch des Moses, ja bis Abraham hinauf. Alles was diese Propheten verkündeten, wäre heute zu künden unmöglich. Ihre Worte würden ungehört im Winde verhallen! Und so ist ja alles, was ich in meiner Seele halte, wertlos.

[ 4 ] It was all these feelings that led to a very specific conversation taking place between him and the woman who had become his mother. His mother loved him dearly, and she had often spoken with him about all the beauty and greatness that had manifested itself in him since he was twelve. An ever more intimate, noble, and beautiful relationship had developed with this stepmother. But he had so far kept his inner conflict hidden from this mother as well, so that she had seen only the beautiful and the great. She had seen only how he was becoming wiser and wiser, how he was penetrating ever more deeply into the entire evolution of humanity. Therefore, much of what took place in this conversation—which was like a kind of general confession—was new to her, but she received it with a deep, warm heart. It was as if she immediately understood his sadness, his emotional state, and his longing to return to what he had within him before the age of twelve. That is why she sought to uplift and comfort him by beginning to speak of all that had since come to light within him so beautifully and magnificently. She reminded him of all that had become known to her through him regarding the renewal of the great teachings, words of wisdom, and treasures of the law of Judaism. She spoke with him of all that had come to light through him. But his heart grew ever heavier as he heard his mother speak in this way, so highly valuing what he inwardly actually felt he had overcome. And finally he replied: Yes, all that may be true. But whether through me or through someone else, if all the ancient, magnificent treasures of Jewish wisdom could be renewed today, what significance would all that have for humanity? Basically, everything that comes to light in this way is meaningless. Yes, if there were a humanity around us today that had ears to listen to the old prophets, then it would be useful for this humanity if the treasures of wisdom from the old prophetic tradition could be revived. But even if someone could speak as the ancient prophets spoke, even if Elijah were to come today—as Jesus of Nazareth said—and wanted to proclaim to our humanity what he has experienced as the best in the vastness of heaven: there are simply no people there who have ears to hear the wisdom of Elijah, of the older prophets, even of Moses, yes, all the way back to Abraham. Everything these prophets proclaimed would be impossible to proclaim today. Their words would fade away unheard in the wind! And so, everything I hold in my soul is worthless.

[ 5 ] So sprach Jesus von Nazareth und er wies darauf hin, wie vor kurzem erst eines wahrhaft großen Lehrers Worte im Grunde genommen verklungen seien, ohne eine große Wirkung zu hinterlassen. Denn, so sagte er, war das auch kein Lehrer, der heranreichte an die alten Propheten, so war er doch ein großer, bedeutsamer Lehrer, der gute alte Hillel. Jesus wußte genau, was dieser alte Hillel, der selbst in den so schweren Zeiten des Herodes als Geisteslehrer ein großes Ansehen zu gewinnen wußte, für viele bedeutet hatte innerhalb des Judentums. Er war ein Mann, der große Weisheitsschätze in seiner Seele gehabt hatte. Und Jesus wußte, wie wenig die innigen Worte, die der alte Hillel gesprochen hatte, Eingang gefunden hatten in die Herzen und Seelen. Dennoch hatte man von dem alten Hillel gesagt: die Thora, die Summe der ältesten, bedeutsamsten Gesetze des Judentums, ist verschwunden und Hillel hat sie wiederum hergestellt. —- Wie ein Erneuerer der ursprünglichen Judenweisheit erschien Hillel für diejenigen seiner Zeitgenossen, die ihn verstanden. Er war ein Lehrer, der auch herumwandelte wie ein wahrer Weisheitslehrer. Sanftmut war sein Grundcharakter, eine Art Messias war er. Das alles erzählt selbst der Talmud, und es läßt sich nachprüfen durch äußere Gelehrsamkeit. Die Leute waren des Lobes voll über Hillel und erzählten viel Gutes von ihm. Ich kann nur einzelnes herausgreifen, um hinzudeuten auf die Art, wie Jesus von Nazareth von Hillel zu seiner Mutter sprach, um seine Seelenstimmung anzudeuten.

[ 5 ] Thus spoke Jesus of Nazareth, pointing out how, only recently, the words of a truly great teacher had essentially faded away without leaving a lasting impact. For, as he said, even if this was not a teacher who could measure up to the ancient prophets, he was nonetheless a great and significant teacher, good old Hillel. Jesus knew exactly what this old Hillel—who had managed to gain great esteem as a spiritual teacher even during the difficult times of Herod—had meant to many within Judaism. He was a man who had possessed great treasures of wisdom in his soul. And Jesus knew how little the heartfelt words spoken by the old Hillel had found their way into people’s hearts and souls. Yet it had been said of the old Hillel: the Torah, the sum of Judaism’s oldest and most significant laws, had vanished, and Hillel had restored it. —- To those of his contemporaries who understood him, Hillel appeared as a renewer of the original Jewish wisdom. He was a teacher who also walked among people like a true teacher of wisdom. Gentleness was his fundamental character; he was a kind of Messiah. All this is recounted even in the Talmud, and it can be verified through external scholarship. People were full of praise for Hillel and spoke highly of him. I can only single out a few examples to illustrate the way Jesus of Nazareth spoke of Hillel to his mother, to convey his state of mind.

[ 6 ] Hillel wird als ein sanfter, milder Charakter geschildert, der Ungeheueres durch Milde und Liebe wirkte. Eine Erzählung hat sich erhalten, die besonders bedeutsam ist, um zu zeigen, wie Hillel der Mann der Geduld und Sanftmut war, der jedem entgegenkam. Zwei Menschen wetteten einstmals um die Möglichkeit, Hillel zum Zorn zu reizen, denn bekannt war, daß Hillel überhaupt nicht in Zorn geraten könne. Da wetteten nun zwei Männer, von denen der eine sagte: Ich will alles tun, um Hillel dennoch in Zorn zu bringen. - Er wollte dann seine Wette gewonnen haben. Als für Hillel die Zeit gerade am allerbesetztesten war, als er am meisten zu tun hatte mit der Vorbereitung für den Sabbat, wo ein solcher Mann am wenigsten gestört werden kann, da klopfte jener Mann, der die Wette eingegangen war, an die Türe Hillels und sagte nicht etwa in einem höflichen Ton oder mit irgendeiner Anrede - und Hillel war der Vorsitzende der obersten geistlichen Behörde, der gewohnt war, höflich angeredet zu werden -, sondern der Mann rief bloß: Hillel, komm heraus, komm schnell heraus! — Hillel warf sich seinen Mantel um und kam heraus. Der Mann sagte in scharfem Tone, wiederum ohne die geringste Höflichkeit: Hillel, ich habe dich etwas zu fragen. — Und gütig antwortete Hillel: Mein Lieber, was hast du denn zu fragen? — Ich habe dich zu fragen, warum die Babylonier so dünne Köpfe haben? — Da sagte Hillel mit dem sanftesten Tone: Nun, mein Lieber, die Babylonier haben so dünne Köpfe, weil sie so ungeschickte Hebammen haben. - Da ging der Mann fort und dachte, diesmal war Hillel sanftmütig geblieben. Hillel setzte sich wiederum an seine Arbeit. Nach ein paar Minuten kam der Mann zurück und rief wiederum barsch Hillel mitten aus seiner Arbeit heraus: Hillel, komm heraus, ich habe dich etwas Wichtiges zu fragen! — Hillel warf sich wieder seinen Mantel um, kam heraus und sprach: Nun, mein Lieber, was hast du wieder zu fragen? — Ich habe dich zu fragen, warum die Araber so kleine Augen haben? — Sanftmütig sagte Hillel: Weil die Wüste so groß ist, das macht die Augen klein, die Augen werden klein beim Betrachten der großen Wüste, deshalb haben die Araber so kleine Augen. — Wieder war Hillel sanftmütig geblieben. Da war der Mann recht ängstlich um seine Wette, und er kam wiederum und rief zum dritten Male in barschem Tone: Hillel, komm heraus, ich habe dich etwas Wichtiges zu fragen! — Hillel legte seinen Mantel um, kam heraus und fragte mit immer gleicher Sanftmut: Nun, mein Lieber, was hast du mich nun zu fragen? — Ich habe dich zu fragen, warum haben die Ägypter so platte Füße? — Weil die Gegenden da so sumpfig sind, deshalb haben die Ägypter so platte Füße. - Und ruhig und gelassen ging Hillel wieder an seine Arbeit. Nach ein paar Minuten kam der Mann wieder und erzählte Hillel, er wolle ihn jetzt nichts fragen; er habe eine Wette gemacht, daß er ihn in Zorn bringen wolle, aber er wüßte nicht, wie er ihn in Zorn bringen könnte. Da sagte Hillel sanftmütig: Mein Lieber, es ist besser, daß du deine Wette verlierst, als daß Hillel in Zorn gerate!

[ 6 ] Hillel is described as a gentle, mild-mannered man who accomplished extraordinary things through kindness and love. A story has been preserved that is particularly significant in demonstrating how Hillel was a man of patience and gentleness who was accommodating to everyone. Two men once made a bet on whether they could provoke Hillel into anger, for it was well known that Hillel was incapable of getting angry. So the two men made a bet, and one of them said: “I will do everything in my power to make Hillel angry.” —He wanted to win his bet. Just when Hillel was busiest, when he had the most to do with preparing for the Sabbath—a time when such a man should be disturbed the least— the man who had made the bet knocked on Hillel’s door and did not speak in a polite tone or with any form of address—and Hillel was the head of the supreme religious authority, accustomed to being addressed politely—but the man simply shouted: “Hillel, come out, come out quickly!”—Hillel threw on his cloak and came out. The man said in a sharp tone, again without the slightest courtesy: “Hillel, I have something to ask you.” — And Hillel replied kindly: “My dear fellow, what is it you wish to ask?” — “I wish to ask you why the Babylonians have such thin heads?” — Then Hillel said in the gentlest tone: Well, my dear friend, the Babylonians have such thin heads because they have such clumsy midwives. — Then the man walked away, thinking that this time Hillel had remained gentle. Hillel went back to his work. After a few minutes, the man returned and again called out harshly to Hillel in the middle of his work: “Hillel, come out, I have something important to ask you!” — Hillel threw his cloak on again, came out, and said: “Well, my friend, what do you want to ask now?” — “I want to ask you why the Arabs have such small eyes?” — Gently, Hillel said: “Because the desert is so vast; that makes the eyes small. The eyes grow small when gazing at the vast desert; that is why the Arabs have such small eyes.” — Hillel remained gentle once more. The man was quite anxious about his wager, so he came back and called out a third time in a harsh tone: “Hillel, come out, I have something important to ask you!” — Hillel put on his cloak, came out, and asked with the same gentleness as always: “Well, my dear friend, what do you have to ask me now?” — “I have to ask you, why do the Egyptians have such flat feet?” — “Because the regions there are so swampy; that is why the Egyptians have such flat feet.” — And calmly and serenely, Hillel went back to his work. After a few minutes, the man returned and told Hillel that he didn’t want to ask him anything after all; he had made a bet that he could make Hillel angry, but he didn’t know how to do it. Then Hillel said gently: “My dear friend, it is better that you lose your bet than that Hillel become angry!”

[ 7 ] Diese Legende wird erzählt zum Beweis dafür, wie sanftmütig und lieb Hillel selbst mit jedem war, der ihn quälte. Solch ein Mann ist so meinte Jesus von Nazareth zu seiner Mutter -, in vieler Beziehung etwas wie ein alter Prophet. Und kennen wir nicht viele Aussprüche Hillels, die wie eine Erneuerung des alten Prophetentums klingen? Manche schöne Aussprüche Hillels führte er an und dann sagte er: Siehe, liebe Mutter, von Hillel wird gesagt, daß er wie ein wiedererstandener alter Prophet ist. Ich habe noch ein besonderes Interesse an ihm, denn merkwürdig dämmert etwas auf in mir, als wenn noch ein besonderer Zusammenhang da sei zwischen Hillel und mir; mir dämmert etwas auf, wie wenn dasjenige, was ich weiß und was in mir lebt als große Offenbarung des Geistigen, nicht allein vom Judentum kommen würde. — Und ebenso war es ja auch bei Hillel; denn dieser war ja der äußeren Geburt nach ein Babylonier und war erst später in das Judentum hineingekommen. Aber auch er stammte aus dem Geschlechte Davids, war aus uralten Zeiten verwandt mit dem Davidsgeschlechte, von dem sich Jesus von Nazareth und die Seinigen selber auch herzuleiten hatten. Und Jesus sagte: Wenn ich auch so wie Hillel als Sohn aus dem Geschlechte Davids aussprechen wollte die hohen Offenbarungen, die wie eine Erleuchtung in meine Seele hineingegossen sind und die dieselben hohen Offenbarungen sind, die in alten Zeiten dem jüdischen Volke gegeben waren, heute sind die Ohren nicht da, sie zu hören!

[ 7 ] This legend is told to demonstrate how gentle and kind Hillel himself was even toward those who tormented him. Such a man, Jesus of Nazareth said to his mother, is in many ways something like an ancient prophet. And do we not know many of Hillel’s sayings that sound like a renewal of the ancient prophetic tradition? He quoted some of Hillel’s beautiful sayings and then said: Behold, dear mother, it is said of Hillel that he is like a resurrected ancient prophet. I have a special interest in him, for something strange is dawning within me, as if there were a special connection between Hillel and me; something is dawning on me, as if what I know and what lives within me as a great revelation of the spiritual did not come solely from Judaism. — And it was the same with Hillel, for he was, by outward birth, a Babylonian and had only later entered Judaism. But he, too, was of the house of David, related from time immemorial to the house of David, from which Jesus of Nazareth and his own people also traced their lineage. And Jesus said: “Even if I, like Hillel, as a son of the house of David, were to proclaim the high revelations that have been poured into my soul like an illumination—and which are the very same high revelations that were given to the Jewish people in ancient times—today there are no ears to hear them!”

[ 8 ] Tief hatten sich in seiner Seele abgeladen Schmerz und Leid darüber, daß ja einstmals dem hebräischen Volke die größten Wahrheiten der Welt gegeben waren, daß einstmals auch die Leiber dieses Volkes so waren, daß sie verstehen konnten diese Offenbarungen, daß aber jetzt die Zeiten anders geworden waren, daß auch die Leiber des hebräischen Volkes anders geworden waren, so daß sie nicht mehr verstehen konnten die alten Offenbarungen der Urväter.

[ 8 ] Deep within his soul lay a burden of pain and sorrow over the fact that once upon a time the greatest truths in the world had been given to the Hebrew people, that once upon a time the bodies of this people had been such that they could understand these revelations, but that now times had changed, that the bodies of the Hebrew people had also changed, so that they could no longer understand the ancient revelations of the forefathers.

[ 9 ] Ein ungeheuer einschneidendes, schmerzlichstes Erlebnis war das für Jesus, daß er sich sagen mußte: Einstmals ist verstanden worden, was die Propheten lehrten, verstanden worden ist vom hebräischen Volke die Sprache des Gottes, heute aber ist niemand da, der sie versteht; tauben Ohren würde man predigen. Solche Worte sind heute nicht mehr am Platze; es sind nicht mehr die Ohren da, sie zu verstehen! Wertlos und nutzlos ist alles, was man in solcher Weise sagen könnte. - Und wie zusammenfassend das, was er in dieser Richtung zu sagen hatte, sprach Jesus von Nazareth zu seiner Mutter: Es ist nicht mehr für diese Erde möglich die Offenbarung des alten Judentums, denn die alten Juden sind nicht mehr da, um sie aufzunehmen. Das muß als etwas Wertloses auf unserer Erde angesehen werden.

[ 9 ] It was an immensely profound and most painful experience for Jesus to have to admit to himself: Once upon a time, the teachings of the prophets were understood; the Hebrew people understood the language of God; but today there is no one who understands it; it would be like preaching to deaf ears. Such words are no longer appropriate today; there are no longer ears to understand them! Everything one might say in this way is worthless and useless. - And as a summary of what he had to say on this subject, Jesus of Nazareth spoke to his mother: The revelation of ancient Judaism is no longer possible on this earth, for the ancient Jews are no longer here to receive it. This must be regarded as something worthless on our earth.

[ 10 ] Und merkwürdigerweise hörte ihm die Mutter ruhig zu, wie er sprach von der Wertlosigkeit dessen, was ihr das Heiligste war. Aber sie hatte ihn innig lieb und fühlte nur ihre unendliche Liebe. Daher ging etwas über in sie von tiefem Gefühlsverständnis dessen, was er ihr zu sagen hatte. Und dann setzte er das Gespräch fort und kam darauf, von dem zu berichten, wie er gewandert war in die heidnischen Kultstätten und was er dort erlebt hatte. Es dämmerte herauf in seinem Geiste, wie er niedergefallen war am heidnischen Altar, wie et die veränderte Bath-Kol gehört hatte. Und da leuchtete ihm auf etwas wie eine Erinnerung der alten Zarathustra-Lehre. Er wußte noch nicht genau, daß er die Zarathustra-Seele in sich trug, aber die alte Zarathustra-Lehre, die Zarathustra-Weisheit, der alte ZarathustraImpuls stiegen während des Gespräches in ihm auf. In Gemeinschaft mit seiner Mutter erlebte er diesen großen Zarathustra-Impuls. All das Schöne und Große der alten Sonnenlehre kam in seiner Seele herauf. Und er erinnerte sich: Als ich am heidnischen Altar lag, da hörte ich etwas wie eine Offenbarung! — Und jetzt kamen in seine Erinnerung die Worte der umgewandelten Bath-Kol, die ich ja gestern gesprochen habe, und er sprach sie zur Mutter:

[ 10 ] And strangely enough, his mother listened calmly as he spoke of the worthlessness of what was most sacred to her. But she loved him dearly and felt only her boundless love. Therefore, she came to deeply understand, on an emotional level, what he had to say to her. And then he continued the conversation and came to recount how he had wandered into the pagan places of worship and what he had experienced there. It dawned on his mind how he had fallen down before the pagan altar, how he had heard the altered Bath-Kol. And then something like a memory of the ancient Zarathustra teaching dawned on him. He did not yet know for certain that he carried the Zarathustra soul within him, but the ancient Zarathustra teaching, the Zarathustra wisdom, the ancient Zarathustra impulse rose within him during the conversation. In communion with his mother, he experienced this great Zarathustra impulse. All the beauty and grandeur of the ancient Sun teaching welled up in his soul. And he remembered: When I lay at the pagan altar, I heard something like a revelation! — And now the words of the transformed Bath-Kol, which I spoke yesterday, came to his mind, and he spoke them to his mother:

Amen
Es walten die Übel
Zeugen sich lösender Ichheit
Von andern erschuldete Selbstheitschuld
Erlebet im täglichen Brote
In dem nicht waltet der Himmel Wille
Da der Mensch sich schied von Eurem Reich
Und vergaß Euren Namen
Ihr Väter in den Himmeln.

Amen
Evil reigns
Witnesses to a dissolving selfhood
Guilt of selfhood blamed on others
Experienced in our daily bread
In which the will of Heaven does not reign
Since man parted from Your Kingdom
And forgot Your name
You Fathers in Heaven.

[ 11 ] Und all die Größe auch des Mithrasdienstes lebte mit ihnen in seiner Seele auf und stellte sich wie durch innere Genialität ihm dar. Viel sprach er mit seiner Mutter über die Größe und Glorie des alten Heidentums. Viel sprach er von dem, was in den alten Mysterien der Völker lebte, wie zusammengeflossen waren die einzelnen Mysteriendienste Vorderasiens und Südeuropas in diesem Mithrasdienst. Aber zugleich trug er in seiner Seele die furchtbare Empfindung: wie sich nach und nach dieser Dienst gewandelt hatte und gekommen war unter dämonische Gewalten, die er selber erlebt hatte ungefähr in seinem vierundzwanzigsten Lebensjahre. Es kam ihm alles in den Sinn, was er damals erlebt hatte. Und da erschien ihm auch die alte Zarathustra-Lehre wie etwas, wofür die Menschen der heutigen Zeit nicht mehr empfänglich sind. Und unter diesem Eindruck sprach er zu seiner Mutter das zweite bedeutsame Wort: Wenn auch erneuert würden alle die alten Mysterien und Kulte, und alles das hineinflösse, was einstmals groß war in den Mysterien des Heidentums, es sind, dies zu vernehmen, die Menschen nicht mehr da! All das ist nutzlos. Und würde ich herausgehen und den Menschen dasjenige verkünden, was ich als die veränderte Stimme der alten Bath-Kol gehört habe, würde ich das Geheimnis kund tun, warum die Menschen in ihrem physischen Leben nicht mehr in Gemeinschaft mit den Mysterien leben können, oder würde ich verkündigen die alte Sonnenweisheit des Zarathustra, heute sind die Menschen nicht da, die dies verstehen würden. Heute würde sich alles das in den Menschen verkehren in dämonisches Wesen, denn es würde so hineinklingen in die Menschenseelen, daß die Ohren nicht da sind, solches zu verstehen! Die Menschen haben aufgehört, hören zu können auf dasjenige, was einstmals verkündet und gehört worden ist.

[ 11 ] And all the grandeur of the cult of Mithras, too, came alive within his soul and presented itself to him as if through an inner genius. He spoke at length with his mother about the grandeur and glory of ancient paganism. He spoke at length of what lived in the ancient mysteries of the peoples, of how the individual mystery cults of the Near East and Southern Europe had converged in this cult of Mithras. But at the same time, he carried within his soul the terrible realization of how this cult had gradually changed and fallen under demonic powers, which he himself had experienced around the age of twenty-four. Everything he had experienced back then came to mind. And then the ancient teachings of Zarathustra also appeared to him as something to which the people of today are no longer receptive. And under this impression, he spoke to his mother the second significant word: Even if all the old mysteries and cults were renewed, and everything that was once great in the mysteries of paganism were to flow into them, the people to hear this are no longer here! All of this is useless. And if I were to go out and proclaim to people what I have heard as the transformed voice of the ancient Bath-Kol, if I were to reveal the mystery of why people can no longer live in communion with the mysteries in their physical lives, or if I were to proclaim the ancient solar wisdom of Zarathustra, today there are no people who would understand this. Today, all of this would turn into a demonic being within people, for it would resonate so deeply within human souls that the ears are not there to understand such things! People have ceased to be able to hear what was once proclaimed and heard.

[ 12 ] Denn es wußte jetzt Jesus von Nazareth, daß dasjenige, was er damals gehört hatte als die veränderte Stimme der Bath-Kol, die ihm zugerufen hatte die Worte: «Amen, es walten die Übel» - eine uralt heilige Lehre war, ein allwaltendes Gebet war überall in den Mysterien, welches man in den Mysterienstätten gebetet hatte, daß es aber heute vergessen war. Er wußte jetzt, daß das, was ihm gegeben worden war, ein Hinweis war auf alte Mysterienweisheit, die über ihn gekommen war, als er am heidnischen Altar entrückt war. Aber er sah zugleich und drückte es auch in jenem Gespräch aus, daß es keine Möglichkeit gibt, das heute wiederum zum Verständnis zu bringen.

[ 12 ] For Jesus of Nazareth now knew that what he had heard back then as the transformed voice of the Bath-Kol, which had called out to him the words: “Amen, evil reigns”—was an ancient sacred teaching, a universal prayer found throughout the mysteries, which had been prayed in the mystery sites, but which had been forgotten today. He now knew that what had been given to him was a reference to ancient mystery wisdom that had come upon him when he was transported at the pagan altar. But he also saw, and expressed this in that conversation, that there is no way to bring this back into understanding today.

[ 13 ] Und dann führte er dies Gespräch mit der Mutter weiter und sprach von dem, was er im Kreise der Essäer in sich aufgenommen hatte. Er sprach von der Schönheit, Größe und Glorie der Essäerlehre, gedachte der großen Milde und des Sanftmutes der Essäer. Dann sagte er das dritte bedeutsame Wort, das ihm aufgegangen war in seinem visionären Gespräch mit dem Buddha: Es können doch nicht alle Menschen Essäer werden! Wie recht hatte doch Hillel, als er die Worte sprach: Sondere dich nicht von der Gesamtheit ab, sondern schaffe und wirke in der Gesamtheit, trage deine Liebe hin zu deinen Nebenmenschen, denn wenn du allein bist, was bist du dann? So machen es aber die Essäer; sie sondern sich ab, sie ziehen sich mit ihrem heiligen Lebenswandel zurück und bringen dadurch Unglück über die anderen Menschen. Denn die Menschen müssen dadurch unglücklich sein, daß sie sich von ihnen absondern. — Und dann sagte er zu der Mutter das bedeutsame Wort, indem er ihr das Erlebnis erzählte, das ich gestern besprochen habe: Als ich einstmals nach einem intimen, wichtigsten Gespräch mit den Essäern wegging, da sah ich am Haupttore, wie Luzifer und Ahriman davonliefen. Seit jener Zeit, liebe Mutter, weiß ich, daß die Essäer durch ihre Lebensweise, durch ihre Geheimlehre sich selber vor ihnen schützen, so daß Luzifer und Ahriman vor ihren Toren fliehen müssen. Aber sie schicken dadurch Luzifer und Ahriman weg von sich zu den anderen Menschen hin. Die Essäer werden glücklich in ihren Seelen auf Kosten der anderen Menschen; sie werden glücklich, weil sie sich selber vor Luzifer und Ahriman retten! -— Er wußte jetzt durch das Leben bei den Essäern: Ja, eine Möglichkeit gibt es noch, hinaufzusteigen dahin, wo man sich vereint mit dem Göttlich-Geistigen, aber nur Einzelne können es auf Kosten der großen Menge erreichen. Er wußte jetzt: Weder auf Juden- noch auf Heidenweise noch auf Essäerweise war der allgemeinen Menschheit der Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt zu bringen.

[ 13 ] And then he continued this conversation with the mother, speaking of what he had absorbed while among the Essenes. He spoke of the beauty, grandeur, and glory of the Essene teachings, recalling the great kindness and gentleness of the Essenes. Then he spoke the third significant word that had dawned on him during his visionary conversation with the Buddha: Surely not all people can become Essenes! How right Hillel was when he spoke these words: Do not separate yourself from the whole, but create and work within the whole; extend your love to your fellow human beings, for if you are alone, what are you then? But that is exactly what the Essenes do; they separate themselves, they withdraw with their holy way of life and thereby bring misfortune upon other people. For people must be unhappy because they separate themselves from them. — And then he spoke the significant words to the Mother, recounting to her the experience I discussed yesterday: Once, when I was leaving after an intimate, most important conversation with the Essenes, I saw at the main gate how Lucifer and Ahriman were running away. Since that time, dear Mother, I have known that the Essenes, through their way of life and their secret teachings, protect themselves from them, so that Lucifer and Ahriman must flee from their gates. But in doing so, they send Lucifer and Ahriman away from themselves toward other people. The Essenes become happy in their souls at the expense of other people; they become happy because they save themselves from Lucifer and Ahriman! — He now knew, through his life among the Essenes: Yes, there is still one possibility to ascend to where one unites with the Divine-Spiritual, but only individuals can achieve it at the expense of the great multitude. He now knew: Neither in the Jewish way, nor in the Gentile way, nor in the Essene way could the connection with the Divine-Spiritual world be brought to humanity at large.

[ 14 ] Dies Wort schlug furchtbar ein in die Seele der liebenden Mutter. Er war während dieses ganzen Gespräches vereint mit ihr, wie eins mit ihr. Die ganze Seele, das ganze Ich des Jesus von Nazareth lag in diesen Worten. Und hier möchte ich anknüpfen an ein Geheimnis, welches stattfand vor der Johannestaufe in diesem Gespräch mit der Mutter: Es ging etwas weg von Jesus zu dieser Mutter hinüber. Nicht nur in Worten rang sich das alles los von seiner Seele, sondern weil er so innig mit ihr vereint war seit seinem zwölften Jahre, ging mit seinen Worten sein ganzes Wesen zu ihr über, und er wurde jetzt so, daß er wie außer sich gekommen war, wie wenn ihm sein Ich weggekommen war. Die Mutter aber hatte ein neues Ich, das sich in sie hineinversenkt hatte, erlangt: sie war eine neue Persönlichkeit geworden. Und forscht man nach, versucht man herauszubekommen, was da geschah, so stellt sich folgendes Merkwürdige heraus.

[ 14 ] These words struck a terrible blow to the soul of the loving mother. Throughout this entire conversation, he was united with her, as one with her. The whole soul, the whole being of Jesus of Nazareth lay in these words. And here I would like to touch upon a mystery that took place before the baptism by John in this conversation with his mother: something passed from Jesus to this mother. Not only did all this break free from his soul in words, but because he had been so intimately united with her since his twelfth year, his whole being passed over to her with his words, and he now became as if he had lost himself, as if his self had departed from him. The mother, however, had attained a new self that had sunk into her: she had become a new personality. And if one investigates, if one tries to figure out what happened there, the following curious fact emerges.

[ 15 ] Der ganze furchtbare Schmerz, das furchtbare Leid des Jesus, das aus seiner Seele sich losrang, ergoß sich hinein in die Seele der Mutter und sie fühlte sich wie eins mit ihm. Jesus aber fühlte, als ob alles, was seit seinem zwölften Jahre in ihm lebte, fortgegangen wäre während dieses Gespräches. Je mehr er davon sprach, desto mehr wurde die Mutter voll von all der Weisheit, die in ihm lebte. Und alle die Erlebnisse, die seit seinem zwölften Jahre in ihm gelebt hatten, sie lebten jetzt auf in der Seele der liebenden Mutter! Aber von ihm waren sie wie hingeschwunden; er hatte gleichsam in die Seele, in das Herz der Mutter dasjenige hineingelegt, was er selber erlebt hatte seit seinem zwölften Jahre. Dadurch wandelte sich die Seele der Mutter um.

[ 15 ] All of Jesus’s terrible pain, the terrible suffering that tore itself from his soul, poured into his mother’s soul, and she felt at one with him. But Jesus felt as if everything that had lived within him since his twelfth year had departed during this conversation. The more he spoke of it, the more his mother was filled with all the wisdom that lived within him. And all the experiences that had lived within him since his twelfth year now came to life in the soul of his loving mother! But from him they had as it were vanished; he had, so to speak, placed into the soul, into the heart of his mother, that which he himself had experienced since his twelfth year. Through this, his mother’s soul was transformed.

[ 16 ] Wie verwandelt war auch er seit jenem Gespräche, so verwandelt, daß die Brüder oder Stiefbrüder und die anderen Verwandten, die in seiner Umgebung waren, die Meinung bekamen, er hätte den Verstand verloren. Wie schade, sagten sie, er wußte so viel; er war ja immer sehr schweigsam, jetzt aber ist er völlig von Sinnen gekommen, jetzt hat er den Verstand verloren! — Man sah ihn als einen Verlorenen an. Er ging in der Tat auch tagelang wie traumhaft im Hause umher. Das Zarathustra-Ich war eben dabei, diesen Leib des Jesus von Nazareth zu verlassen und in die geistige Welt überzugehen. Und ein letzter Entschluß entwand sich ihm: Wie durch einen inneren Drang, wie durch eine innere Notwendigkeit getrieben, bewegte er sich nach einigen Tagen wie mechanisch aus dem Hause fort, zu dem ihm schon bekannten Johannes dem Täufer hin, um von ihm die Taufe zu erlangen.

[ 16 ] How changed he, too, had become since that conversation—so changed that his brothers or half-brothers and the other relatives around him began to think he had lost his mind. What a pity, they said; he knew so much; he had always been very taciturn, but now he has completely lost his mind, now he has lost his reason! — He was regarded as a lost soul. Indeed, he wandered about the house for days on end as if in a dream. The Zarathustra-I was just in the process of leaving this body of Jesus of Nazareth and passing into the spiritual world. And a final resolution came to him: as if driven by an inner urge, as if by an inner necessity, after a few days he moved mechanically out of the house, toward John the Baptist, whom he already knew, in order to receive baptism from him.

[ 17 ] Und dann fand jenes Ereignis statt, das ich öfter beschrieben habe als die Johannestaufe im Jordan: das Christus-Wesen senkte sich hinab in seinen Leib.

[ 17 ] And then that event took place, which I have described more often than John’s baptism in the Jordan: the Christ-being descended into his body.

[ 18 ] So waren die Vorgänge. Jesus war jetzt durchdrungen von dem Christus-Wesen. Seit jenem Gespräche mit seiner Mutter war gewichen das Ich des Zarathustra und dasjenige, was vorher gewesen war, was er bis zum zwölften Jahre war, das war wiederum da, nur gewachsen, noch größer geworden. Und hinein in diesen Leib, der jetzt nur in sich trug die unendliche Tiefe des Gemütes, das Gefühl des Offenseins für unendliche Weiten, senkte sich der Christus. Der Jesus war jetzt durchdrungen vom Christus; die Mutter aber hatte auch ein neues Ich, das sich in sie hineinversenkt hatte, erlangt; sie war eine neue Persönlichkeit geworden.

[ 18 ] This is how things unfolded. Jesus was now permeated by the Christ-being. Since that conversation with his mother, the “I” of Zarathustra had receded, and what had been there before—what he had been up to the age of twelve—was present once more, only now grown, become even greater. And into this body, which now carried within itself only the infinite depth of the soul, the feeling of openness to infinite expanses, the Christ descended. Jesus was now permeated by the Christ; but the mother, too, had attained a new self that had sunk into her; she had become a new personality.

[ 19 ] Es stellt sich dem Geistesforscher folgendes dar: In demselben Augenblicke, als diese Taufe im Jordan geschah, fühlte auch die Mutter etwas wie das Ende ihrer Verwandlung. Sie fühlte - sie war damals im fünfundvierzigsten, sechsundvierzigsten Lebensjahre -, sie fühlte sich mit einem Male wie durchdrungen von der Seele jener Mutter, welche die Mutter des Jesusknaben war, der in seinem zwölften Jahre das Zarathustra-Ich empfangen hatte, und die gestorben war. So wie der Christus-Geist auf Jesus von Nazareth herabgekommen war, so war der Geist der anderen Mutter, die mittlerweile in der geistigen Welt weilte, herniedergekommen auf die Ziehmutter, mit der Jesus jenes Gespräch hatte. Sie fühlte sich seitdem wie jene junge Mutter, die einstmals den Lukas- Jesusknaben geboren hatte.

[ 19 ] The following picture emerges for the spiritual researcher: At the very moment this baptism took place in the Jordan, the mother also felt something like the culmination of her transformation. She felt—she was then in her forty-fifth or forty-sixth year—she suddenly felt as if she were permeated by the soul of that mother who had been the mother of the boy Jesus, who had received the Zarathustra-I in his twelfth year, and who had died. Just as the Christ Spirit had descended upon Jesus of Nazareth, so had the spirit of the other mother, who was now dwelling in the spiritual world, descended upon the foster mother with whom Jesus had had that conversation. From then on, she felt like that young mother who had once given birth to the Luke-Jesus child.

[ 20 ] Stellen wir uns in der richtigen Weise vor, was das für ein unendlich bedeutsames Ereignis ist! Versuchen wir das zu fühlen, aber auch zu fühlen, daß jetzt ein ganz besonderes Wesen auf der Erde lebte: die Christus-Wesenheit in einem Menschenleibe, eine Wesenheit, die noch nicht in einem Menschenleibe gelebt hatte, die bisher nur war in geistigen Reichen, die vorher kein Erdenleben hatte, die die geistigen Welten kannte, nicht die Erdenwelt! Von der Erdenwelt erfuhr diese Wesenheit nur dasjenige, was gleichsam aufgespeichert war in den drei Leibern, im physischen Leib, Ätherleib und Astralleib des Jesus von Nazareth. Sie senkte sich nieder in diese drei Leiber, wie sie geworden waren unter dem Einfluß des dreißigjährigen Lebens, das ich ja geschildert habe. So erlebte diese Christus-Wesenheit ganz unbefangen dasjenige, was sie zunächst auf Erden erlebte.

[ 20 ] Let us truly imagine what an infinitely significant event this is! Let us try to feel this, but also to feel that a very special being was now living on Earth: the Christ Being in a human body, a being who had not yet lived in a human body, who until then had existed only in the spiritual realms, who had no previous earthly life, who knew the spiritual worlds, not the earthly world! Of the earthly world, this Being learned only what was, as it were, stored up in the three bodies—the physical body, the etheric body, and the astral body—of Jesus of Nazareth. It descended into these three bodies, as they had become under the influence of the thirty years of life that I have described. Thus this Christ-being experienced quite impartially what it first experienced on Earth.

[ 21 ] Diese Christus-Wesenheit wurde zunächst geführt - das zeigt uns auch die Akasha-Chronik des Fünften Evangeliums - in die Einsamkeit. Der Jesus von Nazareth, in dessen Leib die Christus-Wesenheit war, hatte ja dahingegeben alles, was ihn früher mit der übrigen Welt verbunden hatte. Die Christus-Wesenheit war eben angekommen auf der Erde. Zunächst zog es diese Christus-Wesenheit zu dem hin, was durch die Eindrücke des Leibes, die wie im Gedächtnis geblieben waren, im Astralleibe am heftigsten sich eingegraben hatte. Gleichsam sagte sich die Christus-Wesenheit: Ja, das ist der Leib, der den fliehenden Ahriman und Luzifer erlebt hat, der gespürt hat, daß die strebenden Essäer Ahriman und Luzifer zu den anderen Menschen hinstoßen. — Zu ihnen fühlte der Christus sich hingezogen, zu Ahriman und Luzifer, denn er sagte sich: Das sind die geistigen Wesen, mit denen die Menschen auf Erden zu kämpfen haben. — So zog es die Christus-Wesenheit, die zum ersten Male in einem Menschenleibe, in einem Erdenleibe wohnte, zunächst hin zum Kampf mit Luzifer und Ahriman in der Einsamkeit der Wüste.

[ 21 ] This Christ-essence was initially led—as the Akashic Records of the Fifth Gospel also show us—into solitude. Jesus of Nazareth, in whose body the Christ-being resided, had indeed surrendered everything that had previously connected him to the rest of the world. The Christ-being had just arrived on Earth. At first, this Christ-being was drawn to that which, through the impressions of the body that had remained as if in memory, had become most deeply ingrained in the astral body. As it were, the Christ-being said to itself: Yes, this is the body that experienced the fleeing Ahriman and Lucifer, that sensed how the striving Essenes were driving Ahriman and Lucifer toward the other human beings. — Christ felt drawn to them, to Ahriman and Lucifer, for he said to himself: These are the spiritual beings with whom people on Earth must struggle. — Thus the Christ-being, dwelling for the first time in a human body, in an earthly body, was initially drawn to the struggle with Lucifer and Ahriman in the solitude of the desert.

[ 22 ] Ich glaube, daß die Szene von der Versuchung, so wie ich sie nun erzählen werde, durchaus richtig ist. Aber es ist sehr schwierig, solche Dinge in der Akasha-Chronik zu lesen. Deshalb bemerke ich ausdrücklich, daß das eine oder andere unbeträchtlich modifiziert werden könnte bei einer weiteren okkulten Untersuchung. Aber das Wesentliche ist da, und dieses Wesentliche habe ich Ihnen zu erzählen. Die Versuchungsszene steht ja in verschiedenen Evangelien. Aber diese erzählen von verschiedenen Seiten her. Das habe ich ja öfters hervorgehoben. Ich habe mich bemüht, diese Versuchungsszene so zu gewinnen, wie sie wirklich war und ich möchte unbefangen erzählen, wie sie wirklich war.

[ 22 ] I believe that the scene of the temptation, as I am about to recount it, is entirely accurate. But it is very difficult to read such things in the Akashic Records. Therefore, I expressly note that one or two details might be slightly modified upon further occult investigation. But the essential elements are there, and it is these essential elements that I have to tell you. The temptation scene appears in various Gospels, of course. But these tell the story from different perspectives. I have emphasized this many times. I have endeavored to reconstruct this temptation scene as it truly was, and I would like to recount it impartially, just as it was.

[ 23 ] Zuerst begegnete die Christus-Wesenheit im Leibe des Jesus von Nazareth in der Einsamkeit Luzifer, Luzifer, wie er waltet und wirkt und an die Menschen versuchend herankommt, wenn sie sich selbst überschätzen, wenn sie zu wenig Selbsterkenntnis und Demut haben. Herantreten an den falschen Stolz, den Hochmut, an die Selbstvergrößerung der Menschen: das will Luzifer ja immer versuchen. Jetzt trat Luzifer dem Christus Jesus entgegen und sagte zu ihm ungefähr die Worte, die ja auch in den anderen Evangelien stehen: Sieh mich an! Die anderen Reiche, in welche der Mensch versetzt ist, die von den anderen Göttern und Geistern gegründet worden sind, die sind alt. Ich aber will ein neues Reich gründen; ich habe mich losgelöst von der Weltordnung; ich will dir alles geben, was an Schönheit und Herrlichkeit in den alten Reichen ist, wenn du in mein Reich eintrittst. Aber abtrennen sollst du dich von den anderen Göttern und mich anerkennen! — Und alle Schönheit und Herrlichkeit der luziferischen Welt schilderte Luzifer, alles, was zur Menschenseele sprechen müßte, wenn sie auch nur ein wenig Hochmut in sich hätte. Aber die Christus-Wesenheit kam eben aus den geistigen Welten; sie wußte, wer Luzifer ist und wie das Verhalten der Seele zu den Göttern ist, die nicht auf Erden von Luzifer verführt werden will. Die ChristusWesenheit kannte zwar nichts von der luziferischen Verführung in der Welt, aus der sie kam; sie wußte aber, wie man den Göttern dient, und sie war so stark, um Luzifer zurückzuweisen.

[ 23 ] First, the Christ-being in the body of Jesus of Nazareth encountered Lucifer in solitude—Lucifer, as he reigns and works, approaching people with temptation when they overestimate themselves, when they lack self-knowledge and humility. Approaching false pride, arrogance, and the self-aggrandizement of human beings: that is what Lucifer always seeks to do. Now Lucifer approached Christ Jesus and said to him words similar to those found in the other Gospels: Look at me! The other realms into which humanity has been placed, those founded by other gods and spirits, are ancient. But I want to found a new kingdom; I have detached myself from the world order; I will give you all the beauty and glory found in the old kingdoms if you enter my kingdom. But you must separate yourself from the other gods and acknowledge me! — And Lucifer described all the beauty and glory of the Luciferic world, everything that would speak to the human soul if it had even a little pride within it. But the Christ-Being had just come from the spiritual worlds; it knew who Lucifer is and how the soul should behave toward the gods, not wanting to be seduced by Lucifer on Earth. The Christ-being knew nothing of the Luciferic temptation in the world from which it came; yet it knew how to serve the gods, and it was strong enough to reject Lucifer.

[ 24 ] Da machte Luzifer eine zweite Attacke, aber jetzt holte er sich Ahriman zu seiner Unterstützung heran, und sie sprachen jetzt beide zum Christus. Der eine wollte seinen Hochmut aufstacheln: Luzifer; der andere wollte zu seiner Furcht sprechen: Ahriman. Dadurch kam zustande, daß ihm der eine sagte: Durch meine Geistigkeit, durch das, was ich dir zu geben vermag, wenn du mich anerkennst, wirst du nicht bedürfen dessen, wessen du jetzt bedarfst, weil du als Christus in einen menschlichen Leib getreten bist. Dieser physische Leib unterwirft dich, du mußt in ihm das Gesetz der Schwere anerkennen. Er hindert dich, das Gesetz der Schwere zu übertreten, ich aber werde dich erheben über die Gesetze der Schwere. Wenn du mich anerkennst, werde ich die Folgen des Sturzes aufheben und es wird dir nichts geschehen. Stürze dich hinunter von der Zinne! Es steht ja geschrieben: Ich will den Engeln befehlen, daß sie dich behüten, daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. -— Ahriman, der wirken wollte auf seine Furcht, sprach: Ich werde dich behüten vor der Furcht! Stürze dich hinunter!

[ 24 ] Then Lucifer launched a second attack, but this time he enlisted Ahriman to support him, and both of them now spoke to the Christ. One sought to stir up his pride: Lucifer; the other sought to appeal to his fear: Ahriman. Thus it came to pass that one said to him: Through my spirituality, through what I can give you if you acknowledge me, you will not need what you now need, because you have entered a human body as Christ. This physical body subjugates you; you must acknowledge the law of gravity within it. It prevents you from transgressing the law of gravity, but I will lift you above the laws of gravity. If you acknowledge me, I will remove the consequences of the fall, and nothing will happen to you. Cast yourself down from the pinnacle! For it is written: I will command the angels to guard you, so that you do not strike your foot against a stone. — Ahriman, who sought to influence his fear, said: I will protect you from fear! Throw yourself down!

[ 25 ] Und beide drangen auf ihn ein. Aber da sie beide auf ihn einstürmten und sich gleichsam in ihrem Drängen die Waage hielten, konnte er sich vor ihnen retten. Und er fand die Kraft, die der Mensch finden muß auf Erden, um sich über Luzifer und Ahriman zu erheben.

[ 25 ] And both of them pressed in on him. But since they both rushed at him and, as it were, balanced each other out in their onslaught, he was able to save himself from them. And he found the strength that a human being must find on earth in order to rise above Lucifer and Ahriman.

[ 26 ] Da sagte Ahriman: Luzifer, ich kann dich nicht brauchen, du hemmst mich nur, du hast meine Kräfte nicht vermehrt, sondern vermindert, ich werde ihn allein versuchen. Du hast verhindert, daß diese Seele uns verfällt. - Da schickte Ahriman den Luzifer weg und machte die letzte Attacke, als er allein war, und er sagte dasjenige, was ja nachklingt im Matthäus-Evangelium: Wenn du dich göttlicher Kräfte rühmen willst, dann mache das Mineralische zu Brot, oder wie es im Evangelium steht: Mache die Steine zu Brot! — Da sagte die ChristusWesenheit zu Ahriman: Die Menschen leben nicht von Brot allein, sondern von dem, was als Geistiges aus den geistigen Welten kommt. — Das wußte die Christus-Wesenheit am besten, denn sie war ja eben erst herabgestiegen aus den geistigen Welten. Da antwortete Ahriman: Wohl magst du recht haben. Aber daß du recht hast und inwiefern du recht hast, das kann mich eigentlich nicht hindern, dich doch in einer gewissen Weise zu halten. Du weißt nur, was der Geist tut, der aus den Höhen heruntersteigt. Du warst aber noch nicht in der menschlichen Welt. Da unten in der menschlichen Welt gibt es noch ganz andere Menschen, die haben wahrhaftig nötig, Steine zu Brot zu machen, die können unmöglich sich bloß vom Geiste nähren.

[ 26 ] Then Ahriman said: “Lucifer, I have no use for you; you only hinder me. You have not increased my powers, but diminished them. I will tempt him alone. You have prevented this soul from falling into our hands.” - Then Ahriman sent Lucifer away and launched his final attack when he was alone, and he said what is echoed in the Gospel of Matthew: “If you wish to boast of divine powers, then turn the mineral into bread,” or as it says in the Gospel: “Turn the stones into bread!” — Then the Christ Being said to Ahriman: “People do not live by bread alone, but by what comes as the spiritual from the spiritual worlds.” — The Christ Being knew this best, for it had just descended from the spiritual worlds. Then Ahriman replied: You may well be right. But the fact that you are right, and to what extent you are right, cannot actually prevent me from restraining you in a certain way. You know only what the spirit does that descends from the heights. But you have not yet been in the human world. Down there in the human world there are quite different people who truly need to turn stones into bread; they cannot possibly nourish themselves solely on the spirit.

[ 27 ] Das war der Moment, wo Ahriman zu Christus etwas sprach, was man zwar auf der Erde wissen konnte, was aber der Gott, der eben erst die Erde betreten hatte, noch nicht wissen konnte. Er wußte nicht, daß es unten auf der Erde notwendig ist, das Mineralische, das Metall zu Geld zu machen, damit die Menschen Brot haben. Da sagte Ahriman, daß die armen Menschen da unten auf der Erde gezwungen sind, mit dem Gelde sich zu ernähren. Das war der Punkt, an dem Ahriman noch eine Gewalt hatte. Und ich werde - sagte Ahriman — diese Gewalt gebrauchen!

[ 27 ] That was the moment when Ahriman said something to Christ that, while it was known on Earth, the God who had only just set foot on Earth could not yet know. He did not know that down on Earth it is necessary to turn minerals and metals into money so that people may have bread. Then Ahriman said that the poor people down there on Earth are forced to sustain themselves with money. That was the point where Ahriman still held power. And I will—said Ahriman—use this power!

[ 28 ] Dies ist die wirkliche Darstellung der Versuchungsgeschichte. Es war also ein Rest geblieben bei der Versuchung. Nicht endgültig waren die Fragen gelöst; wohl die Fragen Luzifers, aber nicht die Fragen Ahrimans. Um diese zu lösen, war noch etwas anderes notwendig.

[ 28 ] This is the true account of the story of the Temptation. So something remained unresolved during the Temptation. The questions had not been definitively resolved; Lucifer’s questions, perhaps, but not Ahriman’s. To resolve these, something else was still needed.

[ 29 ] Als der Christus Jesus die Einsamkeit verließ, da fühlte er sich hinausgerückt über all das, was er durchlebt und gelernt hatte von seinem zwölften Jahre ab; er fühlte den Christus-Geist verbunden mit dem, was in ihm gelebt hatte vor seinem zwölften Jahre. Er fühlte sich eigentlich mit all dem, was alt und dürr geworden war im Menschheitswerden, nicht mehr verbunden. Selbst die Sprache, die in seiner Umgebung gesprochen wurde, war ihm gleichgültig geworden, und zunächst schwieg er auch. Er wanderte um Nazareth herum und noch weiter hinaus, immer weiter und weiter. Er besuchte viele derjenigen Orte, die er schon als Jesus von Nazareth berührt hatte, und da zeigte sich etwas höchst Eigentümliches. Ich bitte wohl zu beachten, ich erzähle die Geschichte des Fünften Evangeliums, und es würde nichts taugen, wenn irgend jemand sogleich Widersprüche aufsuchen wollte zwischen diesem und den vier anderen Evangelien. Ich erzähle so, wie die Dinge im Fünften Evangelium stehen.

[ 29 ] When the Christ Jesus left solitude behind, he felt himself transported beyond all that he had experienced and learned from the age of twelve onward; he felt the Christ Spirit connected to what had lived within him before the age of twelve. In fact, he no longer felt connected to all that had become old and barren in the course of human development. Even the language spoken in his surroundings had become indifferent to him, and at first he remained silent as well. He wandered around Nazareth and even further out, farther and farther. He visited many of the places he had already touched as Jesus of Nazareth, and there something most peculiar became apparent. Please note well: I am telling the story of the Fifth Gospel, and it would be of no use if anyone were to immediately look for contradictions between this and the other four Gospels. I am telling it as it stands in the Fifth Gospel.

[ 30 ] In rechter Schweigsamkeit, wie nichts gemein habend mit der Umgebung, wanderte zunächst der Christus Jesus von Herberge zu Herberge, überall bei den Leuten und mit den Leuten arbeitend. Und tiefen Eindruck hatte zurückgelassen auf ihn, was er durchlebt hatte mit dem Spruche des Ahriman vom Brote. Überall fand er die Menschen, die ihn schon kannten, bei denen er früher schon gearbeitet hatte. Die Menschen erkannten ihn wieder, und er fand unter diesen Menschen wirklich das Volk, diejenigen, bei denen Ahriman Zutritt haben muß, weil sie nötig haben, Steine, Mineralisches zu Brot zu machen, oder was dasselbe ist, Geld, Metall zu Brot zu machen. Bei denjenigen, die Hillels oder anderer Sittensprüche beachteten, brauchte er ja nicht einzukehren. Aber bei denen, welche die anderen Evangelien die Zöllner und Sünder nennen, kehrte er ein, denn das waren diejenigen, die darauf angewiesen waren, Steine zu Brot zu machen. Besonders bei diesen ging er viel herum.

[ 30 ] In quiet contemplation, as if having nothing in common with his surroundings, Christ Jesus first wandered from inn to inn, working everywhere among the people and with the people. And what he had experienced with Ahriman’s saying about the bread had left a deep impression on him. Everywhere he found people who already knew him, with whom he had worked before. The people recognized him, and among these people he truly found the common folk—those to whom Ahriman must have access, because they need to turn stones and minerals into bread, or, which is the same thing, to turn money and metal into bread. He had no need to stop with those who observed Hillel’s sayings or other moral maxims. But he did stop with those whom the other Gospels call tax collectors and sinners, for these were the ones who depended on turning stones into bread. He went about especially among these people.

[ 31 ] Aber jetzt war das Eigentümliche eingetreten: Viele von diesen Menschen kannten ihn schon aus der Zeit vor seinem dreißigsten Jahre, da er schon ein-, zwei- oder dreimal als Jesus von Nazareth bei ihnen gewesen war. Dazumal lernten sie kennen sein mildes, liebes, weises Wesen. Denn solch große Schmerzen, solch tiefes Leid, die er durchlebte seit seinem zwölften Jahre, wandelt sich zuletzt um in die Zauberkraft der Liebe, die in jedem Worte so ausströmt, wie wenn in seinen Worten noch eine geheimnisvolle Kraft waltete, die sich ausgoß über die Umstehenden. Wohin er kam, überall, in jedem Hause, in jeder Herberge, war er tief geliebt. Und diese Liebe blieb zurück, wenn er wiederum die Häuser verlassen hatte und weitergezogen war.

[ 31 ] But now something remarkable had happened: Many of these people already knew him from the time before he turned thirty, when he had been with them once, twice, or three times as Jesus of Nazareth. Back then, they had come to know his gentle, loving, and wise nature. For such great pain, such deep suffering, which he had endured since the age of twelve, was ultimately transformed into the magical power of love that radiated from every word, as if a mysterious power still reigned in his words, pouring out over those around him. Wherever he went, everywhere, in every home, in every inn, he was deeply loved. And this love remained behind when he had left the houses again and moved on.

[ 32 ] Viel sprach man in diesen Häusern von dem lieben Menschen, dem Jesus von Nazareth, der durchwandert hatte diese Häuser, diese Orte. Und wie durch das Hineinwirken kosmischer Gesetzmäßigkeit geschah das Folgende. Ich erzähle hier Szenen, die sich zahlreich wiederholten und die uns die hellsichtige Forschung oft und oft zeigen kann. Da war er in den Familien, bei denen Jesus von Nazareth gearbeitet hatte, die nach der Arbeit zusammensaßen und gerne redeten, wenn die Sonne untergegangen war, noch wie gegenwärtig! Da redeten sie von dem lieben Menschen, der als Jesus von Nazareth bei ihnen gewesen war. Vieles erzählten sie von seiner Liebe und Milde, vieles von ihren schönen, warmen Empfindungen, die durch ihre Seelen gezogen waren, wenn dieser Mensch unter ihrem Dache gelebt hatte. Und da geschah es — es war eine Nachwirkung jener Liebe, die da ausströmte -, in manchen dieser Häuser, wenn sie so stundenlang von diesem Gast gesprochen hatten, daß in die Stube hereintrat wie in einer gemeinsamen Vision für alle Familienmitglieder, das Bild dieses Jesus von Nazareth. Ja, er besuchte sie im Geiste, oder auch, sie schufen sich sein geistiges Bild.

[ 32 ] In these homes, there was much talk of that dear man, Jesus of Nazareth, who had walked through these homes, these places. And as if through the influence of cosmic laws, the following occurred. I am recounting here scenes that were repeated many times and that clairvoyant research can show us time and again. There he was in the families where Jesus of Nazareth had worked, who sat together after work and enjoyed talking, even after the sun had set—as if he were still present! There they spoke of the dear man who had been with them as Jesus of Nazareth. They told many stories of his love and gentleness, and of the beautiful, warm feelings that had stirred their souls while this person had lived under their roof. And then it happened—it was an aftereffect of that love that radiated forth—in many of these homes, after they had spoken of this guest for hours on end, the image of this Jesus of Nazareth entered the room as if in a shared vision for all family members. Yes, he visited them in spirit, or perhaps they created his spiritual image.

[ 33 ] Nun können Sie sich denken, wie es in solchen Familien empfunden wurde, wenn er ihnen in der gemeinsamen Vision erschienen war, und was es für sie bedeutete, wenn er jetzt wiederkam, nach der Johannestaufe im Jordan, und sie sein Äußeres wiedererkannten, nur war sein Auge leuchtender geworden. Sie sahen das verklärte Antlitz, das einstmals sie so lieb angeschaut hatte, diesen ganzen Menschen, den sie im Geiste bei sich sitzend gesehen hatten. Was da Außerordentliches geschah in solchen Familien, was da geschah bei den Sündern und Zöllnern, die wegen ihres Karma von all den dämonischen Wesen jener Zeit umgeben, geplagt waren, die da krank und beladen und besessen waren, wie diese Leute diese Wiederkehr empfunden haben, das können wir uns wohl denken!

[ 33 ] Now you can imagine how such families felt when he appeared to them in their shared vision, and what it meant to them when he returned after John’s baptism in the Jordan and they recognized his appearance—only his eyes had become more radiant. They saw the transfigured face that had once looked at them so lovingly, this whole person whom they had seen sitting with them in spirit. What extraordinary things happened in such families, what happened among the sinners and tax collectors who, because of their karma, were surrounded and tormented by all the demonic beings of that time—those who were sick, burdened, and possessed—how these people must have felt this return, we can well imagine!

[ 34 ] Jetzt zeigte sich die umgewandelte Natur des Jesus; es zeigte sich besonders an solchen Menschen, was durch die Einwohnung des Christus aus Jesus von Nazareth geworden war. Früher hatten sie nur seine Liebe, Güte und Milde empfunden, so daß sie nachher die Vision von ihm hatten; jetzt aber ging etwas von ihm aus wie eine Zauberkraft! Hatten sie sich früher nur getröstet gefühlt durch seine Gegenwart, so fühlten sie sich jetzt geheilt durch ihn. Und sie gingen zu ihren Nachbarn, holten sie herbei, wenn sie ebenso bedrückt und von dämonischen Gewalten geplagt waren, und brachten sie dem Jesus Christus. Und so geschah es, daß der Christus Jesus, nachdem er Luzifer besiegt und nur einen Stachel zurückbehalten hatte von Ahriman, bei den Menschen, die unter Ahrimans Herrschaft waren, dasjenige bewirken konnte, was immer geschildert wird in der Bibel als die Austreibung der Dämonen und Heilung der Kranken. Viele von jenen Dämonen, die er gesehen hatte, als er wie tot auf dem heidnischen Opferaltar gelegen hatte, wichen jetzt von den Leuten, wenn er als Christus Jesus den Menschen gegenübertrat. Denn so wie Luzifer und Ahriman in ihm ihren Gegner sahen, so sahen auch die Dämonen in ihm ihren Gegner. Und als er so durch das Land zog, da mußte er durch das Verhalten der Dämonen in den Menschenseelen oft und oft an dazumal denken, wie er dort am alten Opferaltar gelegen hatte, wo statt der Götter die Dämonen waren, und wo er nicht den Dienst verrichten konnte. Er mußte gedenken der Bath-Kol, die ihm das alte Mysteriengebet verkündet hatte, von dem ich Ihnen gesprochen habe. Und insbesondere kam ihm immer wieder und wieder in den Sinn die mittlere Zeile dieses Gebetes: «Erlebet im täglichen Brote.» — Jetzt sah er es: Diese Menschen, bei denen er eingekehrt war, mußten Steine zu Brot machen. Er sah: Unter diesen Menschen, bei denen er so gelebt hatte, sind viele, die nur vom Brot allein leben müssen. Und das Wort aus jenem urheidnischen Gebete: «Erlebet im täglichen Brote», senkte sich tief in seine Seele. Er fühlte die ganze Einkörperung des Menschen in die physische Welt. Er fühlte, daß es in der Menschheitsevolution wegen dieser Notwendigkeit so weit gekommen war, daß durch diese physische Einkörperung die Menschen vergessen konnten die Namen der Väter in den Himmeln, die Namen der Geister der höheren Hierarchien. Und er fühlte, wie jetzt keine Menschen mehr da waren, die hören konnten die Stimmen der alten Propheten und die Botschaft der Zarathustra-Weisheit. Jetzt wußte er, daß das Leben im täglichen Brote es ist, das die Menschen von den Himmeln getrennt hat, das die Menschen in den Egoismus treiben und Ahriman zuführen muß.

[ 34 ] Now the transformed nature of Jesus became evident; it was particularly evident in such people what had become of Jesus of Nazareth through the indwelling of Christ. Previously, they had only felt his love, goodness, and gentleness, so that they subsequently had a vision of him; but now something emanated from him like a magical power! Whereas they had previously felt only comforted by his presence, they now felt healed by him. And they went to their neighbors, brought them over when they were likewise oppressed and plagued by demonic forces, and brought them to Jesus Christ. And so it came to pass that Christ Jesus, having defeated Lucifer and retained only a thorn from Ahriman, was able to effect among the people who were under Ahriman’s rule that which is always described in the Bible as the casting out of demons and the healing of the sick. Many of those demons he had seen while lying as if dead on the pagan sacrificial altar now withdrew from the people when he stood before them as Christ Jesus. For just as Lucifer and Ahriman saw their adversary in him, so too did the demons see their adversary in him. And as he traveled through the land in this way, the behavior of the demons in human souls often and often reminded him of that time when he had lain there at the old sacrificial altar, where demons were in place of the gods, and where he could not perform the service. He had to recall the Bath-Kol, which had proclaimed to him the ancient mystery prayer of which I have spoken to you. And in particular, the middle line of this prayer came to his mind again and again: “Live in daily bread.” — Now he saw it: These people with whom he had stayed had to turn stones into bread. He saw: Among these people with whom he had lived, there are many who must live on bread alone. And the words from that ancient pagan prayer: “Live in daily bread,” sank deep into his soul. He felt the full embodiment of the human being in the physical world. He felt that, because of this necessity, human evolution had come so far that, through this physical embodiment, people could forget the names of the fathers in the heavens, the names of the spirits of the higher hierarchies. And he felt that there were now no longer any people who could hear the voices of the ancient prophets and the message of the wisdom of Zarathustra. Now he knew that it is life in daily bread that has separated people from the heavens, that drives people into selfishness and must lead them to Ahriman.

[ 35 ] Als er mit solchen Gedanken durch die Lande ging, da stellte sich heraus, daß diejenigen, die am tiefsten gefühlt hatten, wie Jesus von Nazareth verwandelt war, seine Jünger wurden und ihm folgten. Aus mancherlei Herbergen nahm er diesen oder jenen mit, der ihm jetzt folgte, folgte, weil er im höchsten Maße jene Empfindung hatte, die ich eben schilderte. So geschah es, daß bald eine Schar von solchen Jüngern schon zusammen kam. Da hatte er in diesen Jüngern Leute um sich herum, die nun in einer Grundseelenstimmung waren, die gewissermaßen ganz neu war, die durch ihn anders geworden waren als diejenigen Menschen, von denen er einstmals seiner Mutter hatte erzählen müssen, daß sie nicht mehr das Alte hören könnten. Und da leuchtete in ihm die Erdenerfahrung des Gottes auf: Ich habe den Menschen zu sagen, nicht wie die Götter den Weg herunterbahnten vom Geist zur Erde, sondern wie die Menschen hinauffinden können den Weg von der Erde zum Geist.

[ 35 ] As he traveled through the land with such thoughts, it turned out that those who had felt most deeply how Jesus of Nazareth had been transformed became his disciples and followed him. From various inns he took this or that person who now followed him, following because he had, to the highest degree, that feeling I just described. And so it came to pass that a group of such disciples soon gathered together. In these disciples, he had people around him who were now in a fundamental state of mind that was, in a sense, entirely new—people who, through him, had become different from those of whom he had once had to tell his mother that they could no longer hear the old ways. And then the earthly experience of God shone forth within him: I must tell people not how the gods blazed the trail down from the Spirit to the Earth, but how human beings can find their way up from the Earth to the Spirit.

[ 36 ] Und jetzt kam ihm die Stimme der Bath-Kol wieder in den Sinn, und er wußte, daß erneuert werden müßten die urältesten Formeln und Gebete; er wußte, daß nun der Mensch von unten hinauf suchen mußte den Weg in die geistigen Welten, daß er durch dieses Gebet den göttlichen Geist suchen konnte. Da nahm er die letzte Zeile des alten Gebetes:

[ 36 ] And now the voice of the Bath-Kol came back to his mind, and he knew that the most ancient formulas and prayers must be renewed; he knew that now man must seek the path to the spiritual worlds from below, that through this prayer he could seek the divine Spirit. So he took the last line of the old prayer:

«Ihr Väter in den Himmeln»

“Our Father in Heaven”

[ 37 ] und kehrte sie um, weil sie so jetzt angemessen ist für den Menschen der neuen Zeit und weil er sie nicht auf die vielen geistigen Wesenheiten der Hierarchien, sondern auf das eine Geistwesen zu beziehen hatte:

[ 37 ] and reversed it, because it is now appropriate for the people of the new age and because he had to relate it not to the many spiritual beings of the hierarchies, but to the one spiritual being:

«Unser Vater im Himmel.»

“Our Father in heaven.”

[ 38 ] Und die zweite Zeile, die er gehört hatte als die vorletzte Mysterienzeile:

[ 38 ] And the second line he had heard as the penultimate line of the mystery:

«Und vergaß Euren Namen»,

“And forgot your name,”

[ 39 ] er kehrte sie um, wie sie jetzt lauten mußte für die Menschen der neuen Zeit:

[ 39 ] he rephrased it to reflect what it must now mean for the people of the new era:

«Geheiliget werde Dein Name.»

“Hallowed be Thy name.”

[ 40 ] Und so wie die Menschen, die von unten hinaufsteigen müssen, sich fühlen müssen, wenn sie sich der Gottheit nahen wollen, so wandelte er um die drittletzte Zeile, die da hieß:

[ 40 ] And just as people who must climb up from below must feel when they wish to draw near to the deity, so he altered the third-to-last line, which read:

«Da der Mensch sich schied von Eurem Reich» in: «Zu uns komme Dein Reich!»

“Since Man Has Departed from Your Kingdom” in: “Thy Kingdom Come!”

[ 41 ] Und die folgende Zeile:

[ 41 ] And the following line:

«In dem nicht waltet der Himmel Wille»,

“In which the will of Heaven does not prevail,”

[ 42 ] er kehrte sie um, wie sie die Menschen jetzt allein hören konnten, denn die alte Wortstellung konnte kein Mensch mehr hören. Er kehrte sie um, denn eine völlige Umkehrung des Weges in die geistigen Welten sollte geschehen; er kehrte sie um in:

[ 42 ] He reversed them so that people could now hear them on their own, for no one could hear the old word order anymore. He reversed them because a complete reversal of the path to the spiritual worlds was to take place; he reversed them into:

«Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden.»

“Thy will be done on earth as it is in heaven.”

[ 43 ] Und das Geheimnis vom Brote, von der Einkörperung im physischen Leibe, das Geheimnis von alledem, was ihm jetzt durch den Stachel Ahrimans voll erschienen war, das wandelte er so um, daß der Mensch empfinden sollte, wie auch diese physische Welt aus der geistigen Welt kommt, wenn es der Mensch auch nicht unmittelbar erkennt. So wandelte er diese Zeile vom täglichen Brote um in eine Bitte:

[ 43 ] And the mystery of the bread, of incarnation in the physical body—the mystery of all that had now become fully apparent to him through the sting of Ahriman—he transformed in such a way that human beings might sense how this physical world, too, comes from the spiritual world, even if they do not immediately recognize it. Thus he transformed this line about daily bread into a prayer:

«Gib uns heute unser täglich Brot.»

“Give us this day our daily bread.”

[ 44 ] Und die Worte:

[ 44 ] And the words:

«Von andern erschuldete Selbstheitschuld» kehtte er um in die Worte: «Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern.»

He rephrased “the guilt of selfhood attributed to others” as: “Forgive us our debts, as we forgive our debtors.”

[ 45 ] Und diejenige Zeile, welche die zweite war in dem alten Gebet der Mysterien:

[ 45 ] And the line that was the second in the ancient Prayer of the Mysteries:

«Zeugen sich lösender Ichheit»,

“Witnesses to the Dissolution of the Self,”

[ 46 ] er kehrte sie um, indem er sagte:

[ 46 ] he turned the situation around by saying:

«Sondern erlöse uns»,

“But deliver us,”

[ 47 ] und die erste Zeile:

[ 47 ] and the first line:

«Es walten die Übel»,

“Evil reigns,”

[ 48 ] machte er zu:

[ 48 ] he changed it to:

«Von dem Übel. Amen.»

“From evil. Amen.”

[ 49 ] Und so wurde denn dasjenige, was das Christentum als das Vaterunser kennenlernte durch die Umkehrung dessen, was Jesus einstmals als die umgewandelte Stimme der Bath-Kol vernommen hatte bei seinem Fall am heidnischen Altar, zu dem, was Christus Jesus als das neue Mysteriengebet, das neue Vaterunser lehrte. In einer ähnlichen Weise - und es wird ja noch manches zu sagen sein — entstand auch die Verkündigung der Bergpredigt und andere Dinge, die der Christus Jesus seine Jünger lehrte.

[ 49 ] And so, what Christianity came to know as the Lord’s Prayer—through the reversal of what Jesus had once heard as the transformed voice of the Bath-Kol during his fall at the pagan altar—became what Christ Jesus taught as the new mystery prayer, the new Lord’s Prayer. In a similar way—and there will certainly be much more to say on this—the Sermon on the Mount and other things that Christ Jesus taught his disciples also came into being.

[ 50 ] In einer merkwürdigen Weise wirkte der Christus Jesus gerade auf seine Jünger. Ich bitte, wenn ich Ihnen, meine lieben Freunde, hiervon erzähle, immer im Auge zu behalten, daß ich einfach erzähle, was zu lesen ist in diesem Fünften Evangelium. Als er so durch die Lande zog, da war seine Wirkung auf die Umgebung eine ganz eigentümliche. Er war zwar mit den Aposteln, mit den Jüngern in Gemeinschaft, aber es war, weil er die Christus-Wesenheit war, so, als wenn er gar nicht bloß in seinem Leibe wäre. Wenn er so mit den Jüngern im Lande umherging, dann fühlte dieser oder jener manchmal, als ob er in ihm, in der eigenen Seele wäre, wenn er auch neben ihm ging. Mancher fühlte, wie wenn jene Wesenheit, die zu dem Christus Jesus gehörte, in der eigenen Seele wäre, und er fing dann an zu sprechen die Worte, die eigentlich der Christus Jesus selber nur sprechen konnte. Und da ging diese Schar herum und traf Leute, es wurde zu ihnen gesprochen und derjenige, der da sprach, war durchaus nicht immer Christus Jesus selber, sondern es sprach auch mancher der Jünger; denn er hatte alles gemeinsam mit den Jüngern, auch seine Weisheit.

[ 50 ] Christ Jesus had a peculiar effect on his disciples. As I tell you about this, my dear friends, I ask that you always keep in mind that I am simply recounting what is written in this Fifth Gospel. As he traveled through the countryside, his effect on his surroundings was quite peculiar. Although he was in fellowship with the apostles and the disciples, because he was the Christ-being, it was as if he were not merely in his physical body. When he went about the country with the disciples, this or that person would sometimes feel as if he were within them, within their own soul, even as he walked beside them. Many felt as if that essence belonging to Christ Jesus were within their own soul, and they would then begin to speak the words that Christ Jesus himself alone could actually speak. And so this group went about and met people; words were spoken to them, and the one who spoke was by no means always Christ Jesus himself, but many of the disciples also spoke; for he shared everything with the disciples, including his wisdom.

[ 51 ] Ich muß gestehen, ich war in hohem Maße erstaunt, als ich gewahr wurde, daß zum Beispiel das Gespräch mit dem Sadduzäer, von dem das Markus-Evangelium erzählt, gar nicht von dem Christus Jesus aus dem Jesusleibe gesprochen wurde, sondern aus einem der Jünger; aber natürlich sprach es der Christus. Und auch diese Erscheinung war häufig, daß wenn Christus Jesus einmal seine Schar verließ — er trennte sich zuweilen von ihnen -, er doch unter ihnen war. Entweder wandelte er geistig mit ihnen, während er weit weg war, oder er war auch nur in seinem ätherischen Leibe bei ihnen. Sein Ätherleib war unter ihnen, sein Ätherleib wandelte auch mit ihnen im Lande umher, und man konnte oftmals nicht unterscheiden, ob er sozusagen den physischen Leib mithatte, oder ob es nur die Erscheinung des Ätherleibes war.

[ 51 ] I must confess that I was greatly astonished when I realized that, for example, the conversation with the Sadducee described in the Gospel of Mark was not spoken by Christ Jesus from within the body of Jesus, but by one of the disciples; yet, of course, it was Christ who spoke. And this phenomenon was also common: that when Christ Jesus left his followers—he would sometimes separate himself from them—he was still among them. Either he walked with them spiritually while he was far away, or he was with them only in his etheric body. His etheric body was among them; his etheric body also walked with them throughout the land, and one could often not tell whether he had, so to speak, his physical body with him, or whether it was merely the appearance of the etheric body.

[ 52 ] So war der Verkehr mit den Jüngern und mit mancherlei Menschen aus dem Volke, als der Jesus von Nazareth zum Christus Jesus geworden war. Er selber erlebte allerdings das, was ich schon angedeutet habe: Während die Christus-Wesenheit in den ersten Zeiten verhältnismäßig unabhängig war von dem Leibe des Jesus von Nazareth, mußte sie sich ihm später immer mehr und mehr anähneln. Und je mehr das Leben vorrückte, desto mehr war er gebunden an den Leib des Jesus von Nazareth, und ein tiefster Schmerz kam in dem letzten Jahre über ihn von dem Gebundensein an den dazu noch siech gewordenen Leib des Jesus von Nazareth. Aber doch kam es immer noch vor, daß Christus, der jetzt schon mit einer großen Schar umherzog, wiederum hinausging aus seinem Leibe. Da und dort wurde gesprochen, hier sprach dieser, dort jener aus der Apostelschar, und man konnte glauben, daß der, der da sprach, der Christus Jesus sei, oder daß es nicht der Christus Jesus sei: der Christus sprach durch sie alle, so lange sie in inniger Gemeinschaft mit ihm herumzogen.

[ 52 ] Such was his interaction with the disciples and with various people from the masses after Jesus of Nazareth had become Christ Jesus. He himself, however, experienced what I have already hinted at: While the Christ-Essence was relatively independent of the body of Jesus of Nazareth in the early days, it later had to become more and more like him. And the further life progressed, the more he was bound to the body of Jesus of Nazareth, and in the final year a profound sorrow came over him because of his bondage to the body of Jesus of Nazareth, which had by then become infirm. Yet it still happened that Christ, who was now traveling about with a large crowd, would again step out of his body. Here and there, someone would speak—here one, there another from the group of apostles—and one might believe that the one speaking was Christ Jesus, or that it was not Christ Jesus: Christ spoke through them all as long as they traveled about in intimate communion with him.

[ 53 ] Man kann belauschen einmal ein Gespräch, wie die Pharisäer und jüdischen Schriftgelehrten miteinander sprachen und zueinander sagten: Zum Abschrecken für das Volk könnte man allerdings einen beliebigen aus dieser Schar herausgreifen und ihn töten; aber es könnte ebensogut ein falscher sein, denn alle sprechen sie gleich. Damit ist uns also nicht gedient, denn dann ist der wirkliche Christus Jesus vielleicht noch da. Wir müssen aber den wirklichen haben! — Nur die Jünger selber, diejenigen, die ihm schon nähergetreten waren, konnten ihn unterscheiden. Sie sagten aber ganz gewiß nicht dem Feinde, welcher der richtige sei.

[ 53 ] One can overhear a conversation between the Pharisees and the Jewish scribes as they spoke to one another and said: “To serve as a warning to the people, we could certainly pick out just anyone from this crowd and put him to death; but it might just as well be a false one, for they all speak the same way.” That would not serve our purpose, for then the real Christ Jesus might still be there. But we must have the real one! — Only the disciples themselves, those who had already drawn near to him, could distinguish him. But they certainly did not tell the enemy which one was the real one.

[ 54 ] Da war aber Ahriman stark genug geworden in bezug auf die Frage, die übriggeblieben war, die der Christus nicht in den geistigen Welten abmachen konnte, sondern nur auf Erden. Er mußte durch die schwerste Tat erfahren, was die Frage bedeutet, Steine zu Brot zu machen, oder was dasselbe ist, Geld zu Brot zu machen, denn Ahriman bediente sich des Judas aus Karioth.

[ 54 ] But Ahriman had become strong enough with regard to the question that remained—the one that Christ could not resolve in the spiritual worlds, but only on Earth. He had to learn through the most difficult deed what it means to turn stones into bread, or what is the same thing, to turn money into bread, for Ahriman made use of Judas of Karioth.

[ 55 ] So wie der Christus wirkte - kein geistiges Mittel hätte es gegeben, um ausfindig zu machen, welcher unter der Schar seiner Jünger, die ihn verehrten, der Christus war. Denn da, wo der Geist wirkte, wo auch noch das letzte von überzeugender Kraft wirkte, konnte man dem Christus nicht beikommen. Nur da, wo der war, der das Mittel anwendete, das der Christus nicht kannte, das er erst durch die schwerste Tat auf Erden kennenlernte, wo der Judas wirkte, konnte man ihm beikommen. Man hätte ihn nicht erkennen können durch etwas anderes als dadurch, daß sich einer fand, der sich in den Dienst des Ahriman stellte, der tatsächlich durch das Geld allein zu dem Verrat gekommen ist! Dadurch war Christus Jesus mit dem Judas verbunden, daß sich zugetragen hatte bei der Versuchungsgeschichte, was bei dem Gott begreiflich ist: daß der Christus, der eben herabgekommen war auf die Erde, nicht wußte, wie es nur für den Himmel richtig ist, daß man keine Steine zum Brot braucht. Weil Ahriman das als seinen Stachel behalten hatte, geschah der Verrat. Und dann mußte der Christus noch in die Herrschaft des Herrn des Todes kommen, insofern Ahriman der Herr des Todes ist. So ist der Zusammenhang von der Versuchungsgeschichte und dem Mysterium von Golgatha mit dem Verrat des Judas.

[ 55 ] Just as Christ worked—no spiritual means would have existed to identify which of the multitude of his disciples who revered him was the Christ. For where the Spirit worked, where even the last vestige of persuasive power was at work, one could not get the better of the Christ. Only where the one was who employed the means that Christ did not know—which he only came to know through the most grievous deed on earth—where Judas was at work, could one get the better of him. One could not have recognized him through anything other than the fact that there was one who placed himself in the service of Ahriman, who indeed came to betrayal through money alone! Thus Christ Jesus was connected to Judas in that what had occurred in the story of the temptation is understandable in the case of God: that Christ, who had just come down to earth, did not know that it is only right for heaven that one does not need stones for bread. Because Ahriman had kept this as his sting, the betrayal took place. And then the Christ still had to enter into the dominion of the Lord of Death, insofar as Ahriman is the Lord of Death. Thus is the connection between the story of the temptation and the Mystery of Golgotha with the betrayal of Judas.

[ 56 ] Viel mehr wäre zu sagen aus diesem Fünften Evangelium als das, was gesagt worden ist. Aber im Laufe der Menschheitsentwickelung werden ganz gewiß auch noch die anderen Teile dieses Fünften Evangeliums zutage treten. Mehr von der Art, wie es ist, versuchte ich durch die herausgerissenen Erzählungen Ihnen eine Vorstellung zu geben von diesem Fünften Evangelium. Es tritt mir auch am Ende dieser Vorträge dasjenige vor das Seelenauge, was ich am Schlusse der ersten Stunde gesagt habe, daß es ja nur herausgefordert ist durch die Notwendigkeiten unserer Zeit, in der Gegenwart schon von diesem Fünften Evangelium zu sprechen. Und ich möchte es Ihnen, meine lieben Freunde, ganz besonders ans Herz legen, dasjenige was vom Fünften Evangelium gesagt werden durfte, in der entsprechenden pietätvollen Weise zu behandeln.

[ 56 ] There is much more to be said about this Fifth Gospel than has been said so far. But as humanity evolves, the other parts of this Fifth Gospel will certainly come to light as well. Through the excerpts I have shared, I have tried to give you an idea of the nature of this Fifth Gospel. As these lectures draw to a close, what I said at the end of the first session comes to mind: that it is indeed only the necessities of our time that have compelled us to speak of this Fifth Gospel already in the present. And I would like to urge you, my dear friends, in a very special way, to treat what has been said about the Fifth Gospel with the appropriate reverence.

[ 57 ] Sehen Sie, wir haben heute schon gründlich genug Feinde, und die Art, wie sie vorgehen, ist ja eine ganz eigentümliche. Ich will über diesen Punkt nicht sprechen, Sie kennen ihn vielleicht aus den «Mitteilungen». Sie kennen ja auch die merkwürdige Tatsache, daß es seit längerer Zeit Menschen gibt, die davon sprechen, wie infiziert von allem möglichen engherzigen Christentum, ja sogar von Jesuitismus die Lehre ist, die von mir verkündet wird. Insbesondere sind es gewisse Anhänger der sogenannten Adyar-Theosophie, welche in der schlimmsten Weise eben diesen Jesuitismus verkünden und lauter gehässiges, gewissenloses Zeug reden. Aber dabei tritt auch noch das zutage, daß von einer Stelle aus, wo man recht sehr gewütet hat gegen das Engherzige, Verkehrte, Verwerfliche, unsere Lehre bodenlos gefälscht worden ist. Es hat unsere Lehre ein Mann, der aus Amerika kam, durch viele Wochen und Monate kennengelernt, aufgeschrieben und dann in verwässerter Gestalt nach Amerika getragen und dort eine Rosenkreuzer-Theosophie herausgegeben, die er, von uns übernommen hat. Er sagt zwar, daß er von uns hier manches gelernt habe, daß er aber dann erst zu den Meistern gerufen wurde und von ihnen mehr gelernt habe. Das Tiefere aber, was er aus den damals unveröffentlichten Zyklen gelernt hatte, verschwieg er als von uns gelernt. Daß so etwas in Amerika geschah - man könnte ja, wie der alte Hillel, in Sanftmut bleiben; man brauchte sich diese auch nicht nehmen lassen, wenn das auch nach Europa herüberspielt. Es wurde an der Stelle, wo man am meisten gegen uns gewütet hat, eine Übersetzung gemacht dessen, was über uns nach Amerika geliefert worden ist, und diese Übersetzung wurde eingeleitet damit, daß man sagte: Zwar träte eine rosenkreuzerische Weltanschauung auch in Europa zutage, aber in engherziger, jesuitischer Weise. Und erst in der reinen Luft Kaliforniens konnte sie weiter gedeihen. — Nun, ich mache Punkte ...! Das ist die Methode unserer Gegner. Wir können nicht nur mit Milde, sondern sogar mit Mitleid diese Dinge ansehen, aber wir dürfen den Blick nicht davor verschließen. Wenn solche Dinge geschehen, dann sollten auch diejenigen vorsichtig sein, die ja die Jahre her immer eine merkwürdige Nachsicht hatten mit denen, die in so gewissenloser Weise handelten. Vielleicht werden allen einmal die Augen aufgehen. Ich möchte wahrhaftig nicht über diese Dinge sprechen, wenn es nicht eben notwendig wäre im Dienste der Wahrheit. Man muß doch das alles ganz klar sehen.

[ 57 ] You see, we already have more than enough enemies today, and the way they operate is quite peculiar. I don’t want to discuss this point; you may be familiar with it from the “Mitteilungen.” You are also aware of the curious fact that for quite some time there have been people who speak of how the teaching I proclaim is infected by all manner of narrow-minded Christianity, even by Jesuitism. In particular, it is certain adherents of so-called Adyar Theosophy who, in the worst possible way, preach precisely this Jesuitism and spout nothing but hateful, unscrupulous nonsense. But in doing so, it also becomes clear that from a place where one has raged quite fiercely against the narrow-minded, the wrong, and the reprehensible, our teaching has been utterly falsified. A man who came from America spent many weeks and months getting to know our teaching, wrote it down, and then carried it back to America in a watered-down form, where he published a Rosicrucian Theosophy that he had adopted from us. He does say that he learned many things from us here, but that he was only then called to the Masters and learned more from them. But he concealed the deeper aspects of what he had learned from the cycles that were unpublished at the time, claiming them as his own. That such a thing happened in America—one could, like the old Hillel, remain gentle; one need not let this be taken away, even if it spills over into Europe. At the very place where the greatest fury was directed against us, a translation was made of what had been sent to America about us, and this translation was prefaced with the statement: Although a Rosicrucian worldview was also emerging in Europe, it did so in a narrow-minded, Jesuitical manner. And only in the pure air of California could it continue to flourish. — Well, I’m making my point...! That is the method of our opponents. We can view these things not only with leniency, but even with compassion, but we must not turn a blind eye to them. When such things happen, then even those who, for years, have shown a strange leniency toward those who acted in such an unscrupulous manner should be cautious. Perhaps everyone’s eyes will be opened one day. I truly would not wish to speak of these things if it were not absolutely necessary in the service of truth. One must, after all, see all of this very clearly.

[ 58 ] Wenn auch einerseits diese Dinge von anderen verbreitet werden, dann schützt uns das nicht davor, daß andrerseits diejenigen, denen in etwas ehrlicherer Weise diese Dinge unangenehm sind - denn es gibt ja auch solche Menschen -, den Kampf ausführen. Mit all dem törichten Zeug, was zwischen diesen beiden Parteien geschrieben wird, will ich Sie nicht behelligen. Denn all diese sonderbare Literatur, die in Deutschland jetzt erscheint von Freimark, Schalk, Maack und so weiter, wäre gar nicht notwendig zu beachten, weil die Inferiorität denn doch zu groß ist, Aber es gibt Leute, die gerade dasjenige nicht vertragen können, was von der Art ist wie dieses Fünfte Evangelium. Und vielleicht war kein Haß so ehrlich als derjenige, der hervorgetreten ist in den Kritiken, die gleich aufgetreten sind, als etwas von dem Geheimnis der beiden Jesusknaben, das ja auch schon zum Fünften Evangelium gehört, in die Öffentlichkeit gedrungen ist. Wirkliche Anthroposophen werden dieses Fünfte Evangelium, das in gutem Glauben gegeben ist, richtig behandeln. Nehmen Sie es mit, erzählen Sie davon in den Zweigen, aber sagen Sie den Leuten, wie es behandelt werden muß! Machen Sie, daß es nicht pietätlos hingeworfen wird unter diejenigen, die es vielleicht verhöhnen.

[ 58 ] Even if, on the one hand, these ideas are spread by others, that does not protect us from the fact that, on the other hand, those who are genuinely uncomfortable with them—for there are indeed such people—are waging the battle. I do not wish to bother you with all the foolish nonsense written between these two parties. For all this strange literature now appearing in Germany by Freimark, Schalk, Maack, and so on, need not be taken seriously at all, because the inferiority is simply too great. But there are people who cannot tolerate precisely that which is of the nature of this Fifth Gospel. And perhaps no hatred was as sincere as that which emerged in the reviews that appeared immediately after something of the mystery of the two Jesus children—which, after all, is already part of the Fifth Gospel—became public. True anthroposophists will treat this Fifth Gospel, which is given in good faith, properly. Take it with you, talk about it in the branches, but tell people how it must be treated! Make sure it is not thoughtlessly thrown among those who might mock it.

[ 59 ] Man steht mit solchen Dingen, die auf der für unsere Zeit schon notwendigen hellsichtigen Forschung beruhen, unserer ganzen Zeit gegenüber, und vor allem der tonangebenden Bildung unserer Zeit. Wir versuchten, uns das ja auch zu Herzen zu führen. Diejenigen, die wir beisammen waren bei der Grundsteinlegung unseres Baues, wissen, wie wir versuchten, uns vor die Seele zu rufen, wie notwendig die Verkündigung spiritueller Lehren ist mit treuem Einhalten der Wahrheit. Wir versuchten es uns vor die Seele zu führen, wie weitab unsere Zeitkultur von diesem Suchen nach der Wahrheit liegt. Man kann sagen, daß der Schrei nach dem Geiste durch unsere Zeit geht, daß aber die Menschen zu hochmütig oder beschränkt sind, um wirklich von wahrem Geiste etwas wissen zu wollen. Jener Grad von Wahrhaftigkeit, der notwendig ist, um die Verkündigung des Geistes zu vernehmen, der muß erst heranerzogen werden. Denn in dem, was heute Geistesbildung ist, ist dieser Grad von Wahrhaftigkeit nicht vorhanden und, was schlimmer ist, man merkt es nicht, daß er nicht vorhanden ist. Behandeln Sie das, was hier mit dem Fünften Evangelium gegeben worden ist, so, daß es in den Zweigen pietätvoll behandelt wird. Nicht aus Egoismus beanspruchen wir das, sondern aus einem ganz anderen Grunde, denn der Geist der Wahrheit muß in uns leben und der Geist muß in Wahrheit vor uns stehen.

[ 59 ] With such matters, which are based on the clairvoyant research that is already necessary in our time, we are confronting our entire era—and above all, the prevailing educational trends of our time. We tried to take this to heart as well. Those of us who were present at the laying of the cornerstone of our building know how we tried to bring to mind how necessary it is to proclaim spiritual teachings while faithfully upholding the truth. We tried to bring to mind how far removed our contemporary culture is from this search for truth. One could say that a cry for the Spirit runs through our time, but that people are too arrogant or narrow-minded to truly want to know anything of the true Spirit. That degree of truthfulness necessary to hear the proclamation of the Spirit must first be cultivated. For in what is today called spiritual education, this degree of truthfulness is not present, and, what is worse, people do not realize that it is not present. Treat what has been given here with the Fifth Gospel in such a way that it is treated with reverence in the branches. We do not make this claim out of selfishness, but for an entirely different reason, for the Spirit of Truth must live within us, and the Spirit must stand before us in truth.

[ 60 ] Die Menschen reden heute vom Geiste, aber sie ahnen, selbst wenn sie das tun, nichts vom Geiste. Da gibt es einen Mann — und warum soll man nicht Namen nennen -, der zu einem großen Ansehen gekommen ist, gerade weil er immer und immer vom Geiste spricht, Rudolf Eucken. Er redet immer vom Geiste, aber wenn man alle seine Bücher durchliest — versuchen Sie es nur einmal -, wird immer gesagt: Den Geist gibt es, man muß ihn erleben, man muß mit ihm zusammensein, man muß ihn empfinden - und so weiter. In unendlichen Phrasen geht es durch alle diese Bücher, wo man immer wieder schreibt: Geist, Geist, Geist! So redet man heute vom Geiste, weil man zu bequem oder zu hochmütig ist, zu den Quellen des Geistes selbst zu gehen. Und diese Menschen haben heute großes Ansehen. Dennoch wird es schwierig sein in der heutigen Zeit, mit dem, was so konkret aus dem Geiste geholt ist, wie es bei der Schilderung des Fünften Evangeliums geschehen mußte, durchzudringen. Dazu gehören Ernst und innere Wahrhaftigkeit. Eine der neuesten Schriften Euckens ist diese: «Können wir noch Christen sein?» Da lesen wir auf einer der Seiten, die nichts anderes sind als einzelne Glieder, die sich bandwurmartig aneinanderstücken aus Seele und Geist, und Geist und Seele, und durch viele Bände hindurch geschieht das, denn damit erwirbt man ungeheures Ansehen, Ruhm und Ruf, wenn man den Leuten erklärt, vom Geiste etwas zu wissen, denn die Leute merken heute nicht beim Lesen, was alles an innerer Unwahrhaftigkeit geleistet wird, und man möchte glauben, die Menschen müßten doch endlich lesen lernen — da lesen wir auf einer Seite den Satz: Die Menschheit ist heute darüber hinaus, an Dämonen zu glauben; an Dämonen zu glauben kann man den Menschen nicht mehr zumuten! — Aber an einer anderen Stelle liest man in demselben Buche den merkwürdigen Satz: «Die Berührung von Göttlichem und Menschlichem erzeugt dämonische Mächte.» Da spricht doch der Mann ernsthaft jetzt von Dämonen, der so, wie ich vorher gesagt habe, auf einer anderen Seite desselben Buches spricht. Ist das nicht tiefste innere Unwahrheit? Es müßte die Zeit endlich kommen, wo zurückgewiesen werden solche Lehren vom Geiste, die voll innerster Unwahrheit sind. Aber ich merke nichts davon, daß viele unserer Zeitgenossen diese innere Unwahrheit bemerken.

[ 60 ] People today talk about the Spirit, but even as they do so, they have no real sense of what the Spirit is. There is a man—and why not name names—who has gained great renown precisely because he speaks of the Spirit over and over again: Rudolf Eucken. He always speaks of the spirit, but if you read through all his books—just try it once—he always says: The spirit exists; one must experience it, one must be with it, one must feel it—and so on. Endless phrases run through all these books, where he writes over and over again: Spirit, spirit, spirit! This is how people speak of the Spirit today, because they are too lazy or too arrogant to go to the sources of the Spirit themselves. And these people are held in high esteem today. Nevertheless, it will be difficult in this day and age to make an impact with what has been so concretely drawn from the Spirit, as had to be done in the description of the Fifth Gospel. This requires seriousness and inner truthfulness. One of Eucken’s most recent writings is this: “Can We Still Be Christians?” There we read on one of the pages, which are nothing other than individual segments that are strung together like a tapeworm from soul and spirit, and spirit and soul, and this happens throughout many volumes, for in doing so one acquires immense prestige, fame, and reputation, when one explains to people that one knows something of the spirit, for people today do not notice while reading all that is accomplished through inner insincerity, and one might think that people must finally learn to read—there we read on one page the sentence: Humanity today has moved beyond believing in demons; one can no longer expect people to believe in demons! — But in another passage in the same book, one reads the curious sentence: “The contact between the divine and the human gives rise to demonic powers.” Yet here the man speaks earnestly of demons, the same man who, as I said before, speaks on another page of the same book. Is this not the deepest inner untruth? The time must finally come when such teachings of the spirit, which are full of innermost untruth, are rejected. But I see no sign that many of our contemporaries notice this inner untruth.

[ 61 ] So stehen wir heute noch, wenn wir der Wahrheit vom Geiste dienen, im Gegensatz zu unserer Zeit. Und es ist notwendig, sich an so etwas zu erinnern, um klar zu sehen, was wir in unseren Herzen zu tun haben, wenn wir sein wollen Mitträger der Verkündigung vom Geiste, Mitträger des der Menschheit notwendigen neuen Lebens vom Geiste. Wie kann man hoffen, wenn man versucht, durch die Geistlehre die menschliche Seele zu der Christus-Wesenheit zu führen, viel Anklang zu finden gegenüber der Zeitbildung, die sich heute begnügt mit solchen Wahrheiten, die alle gescheiten Philosophen und 'Theologen erzählen: daß es ein Christentum vor dem Christus gegeben habe! Denn sie weisen nach, daß der Kult, ja einzelne typische Erzählungen, in derselben Weise schon früher im Morgenlande gefunden wurden. Da erklären denn die gescheiten Theologen und erzählen es allen, die es hören wollen, daß das Christentum nichts anderes sei als die Fortsetzung dessen, was schon früher da war. Und ein großes Ansehen hat diese Literatur bei unseren Zeitgenossen. Ungeheures Ansehen hat sie gefunden, und die Zeitgenossenschaft merkt gar nicht, wie sich das alles zueinander verhält.

[ 61 ] Even today, when we serve the truth of the Spirit, we stand in contrast to our times. And it is necessary to remember this in order to see clearly what we must do in our hearts if we are to be co-bearers of the proclamation of the Spirit, co-bearers of the new life of the Spirit that humanity so desperately needs. How can one hope, when attempting to lead the human soul to the Christ-being through the teaching of the Spirit, to find much resonance with the prevailing mindset of our time, which today is content with such truths as all clever philosophers and ‘theologians’ proclaim: that there was a Christianity before Christ! For they demonstrate that the cult, indeed individual typical narratives, were already found in the same way earlier in the East. Then the clever theologians explain and tell everyone who wants to hear it that Christianity is nothing other than the continuation of what was already there before. And this literature enjoys great prestige among our contemporaries. It has gained immense prestige, and our contemporaries do not even notice how all this relates to one another.

[ 62 ] Wenn man von der Christus-Wesenheit spricht, wie sie in ihrer Geistigkeit heruntersteigt, und wenn man die Christus-Wesenheit später in denselben Kultformen verehrt findet wie früher die heidnischen Götter verehrt wurden, und wenn das verwendet werden soll, um die Christus-Wesenheit überhaupt wegzuleugnen, wie das ja heute auch schon da ist, so ist das eine Logik, die jemand gebraucht, dem folgendes passiert: Irgendein beliebiger Mensch geht in eine Herberge und hätte dann dort seine Kleider gelassen. Von den Kleidern weiß man, daß sie diesem Menschen gehören. Nachher wäre ein Mensch wie Schiller oder Goethe gekommen und hätte, durch irgendeinen Umstand genötigt, die zurückgelassenen Kleider angezogen und wäre herausgekommen mit den Kleidern, die dem anderen gehörten. Und nun würde jemand umhergehen, Goethe in den anderen Kleidern sehen und sagen: Ja, was redet man denn da? Was soll das für ein besonderer Mensch sein? Die Kleider habe ich ja ganz genau geprüft, die gehören dem und dem, der gar kein besonderer Mensch ist. — Weil die Christus-Wesenheit die Kleider der alten Kulte gewissermaßen benutzt hat, kommen die gescheiten Leute und erkennen nicht, daß die Christus-Wesenheit dies nur wie ein Kleid angezogen hat, und daß, was jetzt in den alten Kulten steckt, die Christus-Wesenheit ist.

[ 62 ] When speaking of the Christ Being as it descends in its spiritual nature, and when one finds the Christ-being later worshipped in the same ritual forms as the pagan gods were once worshipped, and if this is to be used to deny the Christ-being altogether—as is already the case today—then this is a line of reasoning employed by someone to whom the following happens: Some random person goes into an inn and leaves their clothes there. We know that the clothes belong to this person. Later, someone like Schiller or Goethe might have come along and, compelled by some circumstance, put on the clothes that had been left behind and walked out wearing the clothes that belonged to the other person. And now someone might walk around, see Goethe in those other clothes, and say: “Well, what on earth are they talking about? What kind of special person is this?” I have examined the clothes very carefully; they belong to so-and-so, who is not a special person at all. — Because the Christ-being has, so to speak, made use of the garments of the old cults, the clever people come along and fail to recognize that the Christ-being has merely put this on like a garment, and that what is now contained within the old cults is the Christ-being.

[ 63 ] Und nun nehmen Sie ganze Bibliotheken, nehmen Sie ganze Summen von heutigen wissenschaftlichen monistischen Betrachtungen: das sind Beweise vom Kleide der Christus-Wesenheit, die ja sogar wahr sind! Hoch im Werte steht heute der Beschnüffler der Kulturevolution und als tiefe Weisheit wird die Wissenschaft dieser Beschnüffler hingenommen. Dies Bild müssen wir uns vor die Seele malen, wenn wir nicht nur verstandesmäßig, sondern auch mit dem Gefühl aufnehmen wollen das, was mit diesem Fünften Evangelium gemeint ist. Denn gemeint ist, daß wir mit unserer Wahrheit in der richtigen Weise in unsere Zeit hineingestellt uns fühlen sollen, um zu begreifen, wie unmöglich es ist, der alten Zeit dasjenige begreiflich zu machen, was wieder als neue Verkündigung kommen muß. Deshalb darf ein Evangelienwort gesprochen werden, jetzt, wo wir wiederum Abschied nehmen voneinander: Mit dem Sinn, der heute in der Menschheit waltet, ist in der nächsten geistigen Entwickelung nicht weiterzukommen. — Darum muß dieser Sinn geändert werden, auf ein anderes gerichtet werden! Und die Kompromißnaturen, die sich kein klares Bild machen wollen von dem, was da ist und was da kommen muß, werden nicht gut dem dienen, was als geistige Lehre und geistiges Dienen der Menschheit notwendig ist. Ich war das Fünfte Evangelium, das mir heilig ist, schuldig. Und ich verabschiede mich von Ihren Herzen und Ihren Seelen mit dem Wunsche, daß das Band, das uns verbunden hat durch mancherlei anderes, gefestigt worden sei durch diese geistige Forschung über das Fünfte Evangelium, die mir besonders teuer ist. Und dies kann vielleicht in Ihren Herzen und Seelen eine warme Empfindung auslösen: Wenn wir auch physisch, räumlich und zeitlich getrennt sind, so wollen wir doch beisammen bleiben, zusammen fühlen, was wir in unseren Seelen zu erarbeiten haben und was gefordert ist durch die Pflicht, die der Geist in unserer Zeit den Menschenseelen auferlegt!

[ 63 ] And now take entire libraries, take the sum total of today’s scientific monistic perspectives: these are proofs of the garment of the Christ-Essence, which are indeed true! Today, the sniffer of cultural evolution is held in high esteem, and the science of these sniffers is accepted as profound wisdom. We must paint this picture in our souls if we wish to take in—not merely intellectually, but also with our feelings—what is meant by this Fifth Gospel. For what is meant is that we should feel ourselves placed in our time in the right way with our truth, in order to grasp how impossible it is to make comprehensible to the old age that which must come again as a new proclamation. Therefore, a word from the Gospel may be spoken now, as we take our leave of one another once more: With the mindset that prevails in humanity today, no further progress can be made in the next stage of spiritual development. — Therefore, this mindset must be changed, directed toward something else! And those of a compromising nature, who do not wish to form a clear picture of what is here and what must come, will not serve well what is necessary as spiritual teaching and spiritual service to humanity. I owed it to the Fifth Gospel, which is sacred to me. And I take my leave of your hearts and souls with the wish that the bond which has united us through many other things may be strengthened by this spiritual exploration of the Fifth Gospel, which is particularly dear to me. And this may perhaps evoke a warm feeling in your hearts and souls: even though we are physically, spatially, and temporally separated, let us nevertheless remain together, feeling together what we must work out in our souls and what is demanded by the duty that the Spirit imposes upon human souls in our time!

[ 64 ] Hoffentlich geht das, was wir erstreben, durch die Arbeit einer jeden Seele in der rechten Weise weiter. Ich glaube, daß mit diesem Wunsche der beste Abschiedsgruß gegeben sein darf, den ich am Ende gerade dieses Vortragszyklus hiermit bringen möchte.

[ 64 ] Hopefully, what we are striving for will continue in the right way through the work of every soul. I believe that this wish serves as the best farewell I could offer, and it is with this that I would like to conclude this series of lectures.