From Akashic Research
The Fifth Gospel
GA 148
6 October 1913, Oslo
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Fünfter Vortrag
Lecture Five
[ 1 ] Gestern haben wir einen Blick werfen können auf das Leben des Jesus von Nazareth in der Zeit, die für ihn verflossen war ungefähr seit seinem zwölften Lebensjahre bis etwa zum Ende seiner Zwanzigerjahre. Aus demjenigen, was ich erzählen durfte, konnten Sie gewiß die Empfindung haben, daß Tiefbedeutsames für die Seele des Jesus von Nazareth sich abgespielt hat in dieser Zeit, Tiefbedeutsames aber auch für die ganze Evolution der Menschheit. Denn Sie werden ja gewiß aus der Grundempfindung, die Sie sich durch ihre geisteswissenschaftlichen Studien haben bilden können, wissen, daß alles in der Menschheitsevolution zusammenhängt, und daß ein so bedeutsames Ereignis mit einem Menschen, in dessen Seelenleben so viel, so unendlich viel von den Angelegenheiten der ganzen Menschheit hineinspielt, eben auch von Bedeutung für die ganze Menschheitsevolution ist. Wir lernen dasjenige, was das Ereignis von Golgatha geworden ist für die Evolution der Menschheit, in der verschiedensten Weise kennen. In diesem Vortragszyklus handelt es sich darum, es erkennen zu lernen durch die Betrachtung des Christus Jesus-Lebens selber. Und so wenden wir den Blick, den wir gestern auf den charakterisierten Zeitraum gerichtet haben, der zwischen dem zwölften Jahre und der Johannestaufe liegt, heute noch einmal auf die Seele des Jesus von Nazareth hin und fragen uns: Was mag alles in dieser Seele gelebt haben, nachdem die bedeutsamen Ereignisse sich abgespielt hatten bis in das achtundzwanzigste, neunundzwanzigste Jahr hinein, von denen ich gestern gesprochen habe.
[ ] Yesterday we looked at Jesus of Nazareth's life from when he was about twelve until the end of his twenty-first year. From what I was able to relate, you will certainly have the feeling that some very important things for Jesus of Nazareth's soul occurred during that period of time, most important also for the evolution of humanity. For you will certainly realize from the fundamental experience obtained from spiritual scientific studies that everything having to do with human evolution is interconnected, and that an event of such importance which happens in a human soul and is related to human history cannot be without importance for the whole of human evolution. We recognize just what the event of Golgotha means from the most varied viewpoints. In this lecture cycle we are attempting to obtain this knowledge through a consideration of Christ Jesus' life. Therefore we shall now again look at the same characteristic point in time we considered yesterday. What must have lived in Jesus of Nazareth's soul after all the important events that happened to him up until he was twenty-eight, twenty-nine years old, and which I described yesterday?
[ 2 ] Was in dieser Seele lebte, man wird vielleicht eine Empfindung, ein Gefühl davon erhalten, wenn erzählt werden darf eine Szene, die sich am Ende seiner Zwanzigerjahre bei Jesus von Nazareth abspielte. Diese Szene, die ich da zu erzählen habe, betrifft ein Gespräch, das Jesus von Nazareth geführt hat mit seiner Mutter, mit derjenigen also, die durch das Zusammenziehen der beiden Familien durch lange Jahre hindurch seine Mutter geworden war. Er hatte sich ja die ganzen Jahre her mit dieser Mutter ganz innig und vorzüglich verstanden, viel besser, als er sich verstehen konnte mit den anderen Gliedern der Familie, die im Hause zu Nazareth lebten, das heißt, er hätte sich schon gut mit ihnen verstanden, aber sie konnten sich nicht gut mit ihm verstehen. Es war ja auch schon früher zwischen ihm und seiner Mutter mancherlei von den Eindrücken, die sich allmählich in seiner Seele gebildet hatten, besprochen worden. Aber in dem genannten Zeitraum spielte sich einmal ein recht bedeutsames Gespräch ab, das wir heute betrachten werden, das uns tief hineinblicken läßt in seine Seele.
[ ] One can have a feeling for what lived in his soul from hearing about a scene that took place during his late twenties. The scene was of a conversation which Jesus had with his mother, with that person who had been his mother for many years through the consolidation of both families. An intimate and excellent understanding existed with her, a much better understanding than existed with the other family members who lived in the house; that is, he could get along well with them, but they didn't really understand him. Previously he spoke with his mother about many of the impressions which had developed in his soul.
[ 3 ] Es war der Jesus von Nazareth nach und nach durch die gestern charakterisierten Erlebnisse allerdings umgewandelt worden, so daß unendliche Weisheit sich in seinem Antlitz ausprägte. Aber er war auch, wie das ja immer, wenn auch in geringerem Grade der Fall ist, wenn die Weisheit in einer Menschenseele zunimmt, zu einer gewissen inneren Traurigkeit gekommen. Die Weisheit hatte ihm zunächst die Frucht gebracht, daß der Blick, den er wenden konnte in seine menschliche Umgebung, ihn eigentlich recht traurig machte. Dazu kam noch, daß er in den letzten Zwanzigerjahren immer mehr in stillen Stunden an etwas ganz Bestimmtes hatte denken müssen: Immer wieder von neuem mußte er daran denken, wie in seinem zwölften Jahre ein solcher Umschwung, eine solche Revolution in seiner Seele stattgefunden hatte, wie sich das ergab durch das Herübertreten des Zarathustra-Ich in seine Seele. Er mußte daran denken, wie er in den ersten Zeiten nach seinem zwölften Jahre gewissermaßen nur den unendlichen Reichtum dieser Zarathustra-Seele in sich gefühlt hatte. Er wußte ja am Ende der Zwanzigerjahre noch nicht, daß er der wiederverkörperte Zarathustra war; aber er wußte, daß ein großer, gewaltiger Umschwung in seiner Seele in seinem zwölften Jahre vor sich gegangen war. Und jetzt hatte er oftmals das Gefühl: Ach, wie war es doch anders mit mir vor diesem Umschwung in meinem zwölften Jahre! - Er fühlte, wenn er jetzt zurückdachte an diese Zeit, wie unendlich warm es dazumal in seinem Gemüt war. Er war ja als Knabe ganz weltentrückt gewesen. Da hatte er zwar gehabt die lebhafteste Empfindung für alles, was aus der Natur heraus zum Menschen spricht, für alle Herrlichkeit und Größe der Natur, aber er hatte wenig Anlage für dasjenige, was menschliche Weisheit, menschliches Wissen sich angeeignet hatte. Er interessierte sich wenig für das, was man schulmäßig lernen konnte! Es wäre ein völliger Irrtum, wenn man glauben würde, daß dieser Jesusknabe, bevor der Zarathustra in seine Seele herübergezogen war, bis in sein zwölftes Jahr hinein etwa im äußeren Sinne eine besondere Begabung gehabt hätte, daß er besonders gescheit gewesen wäre. Dagegen hatte er besessen ein ungemein mildes, sanftmütiges Wesen, eine unendliche Liebefähigkeit, ein tiefes inneres Gemütsleben, ein umfassendes Verständnis für alles Menschliche, aber kein Interesse für alles dasjenige, was die Menschen an Wissen im Laufe der Jahrhunderte sich aufgespeichert haben. Und dann war es so, wie wenn nach diesem Moment im Tempel zu Jerusalem in seinem zwölften Jahre dies alles aus seiner Seele herausgestürmt und dafür alle Weisheit hineingeströmt wäre! Und jetzt mußte er oftmals denken und empfinden, wie so in ganz anderer Weise er mit allem tieferen Geiste der Welt früher vor seinem zwölften Jahre verbunden war, als ob da seine Seele offen gewesen wäre für die Tiefen der unendlichen Weiten! Und wie er seitdem gelebt hatte seit seinem zwölften Jahre, wie er da seine Seele geeignet fand für eine Art Aufnahme der hebräischen Gelehrsamkeit, die aber ganz ursprünglich wie aus sich heraus kam, wie er durchgemacht hatte die Erschütterung, daß die Bath-Kol nicht mehr in der alten Weise inspirierend wirken konnte; wie er dann auf seinen Reisen kennenlernte die heidnischen Kulte, wie ihm all das Wissen und die Religiosität des Heidentums in seinen verschiedenen Nuancierungen durch die Seele gezogen war. Er dachte daran, wie er da zwischen seinem achtzehnten und vierundzwanzigsten Jahre gelebt hatte in alledem, was die Menschheit sich äußerlich errungen hatte, und wie er dann eingetreten war in die Gemeinschaft der Essäer ungefähr um das vierundzwanzigste Jahr und dort eine Geheimlehre kennengelernt hatte und Menschen, die einer solchen Geheimlehre sich hingaben. Daran mußte er oftmals denken. Aber er wußte auch, daß im Grunde genommen nur dasjenige in seiner Seele aufgegangen war, was seit dem Altertum her Menschen an Wissen in sich aufgespeichert hatten; er lebte in dem, was Menschenschätze an Weisheit, Menschenschätze an Kultur, Menschenschätze an moralischen Errungenschaften darboten. Er fühlte, in dem Menschlichen auf Erden hatte er gelebt seit seinem zwölften Jahre. Und jetzt mußte er oftmals zurückdenken, wie er war vor diesem zwölften Jahre, wo er gleichsam sich mit den göttlichen Urgründen des Daseins verbunden fühlte, wo alles in ihm elementar und ursprünglich war, wo alles aus einem aufsprudelnden Leben, aus einem warmen, liebenden Gemüte kam und ihn innig zusammenschloß mit anderen Menschenseelen, während er jetzt vereinsamt und allein und schweigsam geworden war.
[ ] But at the time in question a most meaningful talk took place between them, one which allows us to see deeply into his soul. He had become wiser over time as a result of the events already described, to the extent that an infinite wisdom was expressed in his face. But he also felt sadness, which is often the case, though to a lesser degree. Wisdom had the effect of causing him to be quite sad when he observed his human surroundings. Adding to this was the fact that whenever he had a minute to himself he thought back to how in his twelfth year a tremendous revolution took place in his soul—when Zarathustra's soul [ego] entered into his soul. When at first Zarathustra's soul entered into his soul he felt only the great richness of the former. At the end of his twenties he didn't yet know that he was the reincarnated Zarathustra; but he did know that a great change had taken place in his soul during his twelfth year. And now he often had the feeling: Oh, how different everything was before that change during my twelfth year! He thought about how infinitely warm his heart felt then. As a boy he had been detached from the world, but had the liveliest feelings for the speech of nature, for what was wonderful in nature. But he had little disposition for worldly learning. He showed little interest in school work. It would be completely mistaken to assume that the boy Jesus was gifted in any usual way before his twelfth year. He was kind-hearted, had a deep understanding of what is human, great capacity for feeling—an angelic, gentle being. Now it seemed as if all that had been eradicated from his soul when he was twelve years of age. And now he thought and felt about how previously he had been united with all the deeper universal spirits, how his soul had been open to the depths of infinite space. And how since his twelfth year he had suddenly become adept at Hebrew erudition, which had sprung from within him. He thought about how on his travels he encountered the pagan cults and the wisdom and religiosity of Paganism streamed through his soul. He remembered that between his eighteenth and twenty-fourth years he had been in contact with the activities and achievements of common humanity. He then entered the Essene community at approximately twenty-four years of age, where he learned an occult teaching and knew the people who dedicated themselves to that occult teaching. He thought often of those things. But he also knew that he had only learned what humanity had accumulated in wisdom since antiquity—treasures of human wisdom, culture and moral achievements. He often thought back on how, before that twelfth year, he felt united with the divine primeval ground of being and everything seemed spontaneous, welling up from his warm, expansive, loving heart and closely uniting him with the other strengths of the human soul.
[ 4 ] Alle diese Gefühle waren es, die zustande brachten, daß ein ganz bestimmtes Gespräch stattgefunden hat zwischen ihm und der Persönlichkeit, die ihm Mutter geworden war. Die Mutter liebte ihn ungeheuer, und sie hatte öfters mit ihm gesprochen über all das Schöne und Große, das sich seit seinem zwölften Jahre in ihm gezeigt hatte. Ein immer intimeres, edleres, schöneres Verhältnis hatte sich herausgebildet zu dieser Stiefmutter. Aber seinen inneren Zwiespalt hatte er bisher auch dieser Mutter verschwiegen, so daß sie nur das Schöne und Große gesehen hatte. Sie hatte nur gesehen, wie er immer weiser und weiser wurde, wie er immer tiefer eindrang in die ganze Menschheitsevolution. Deshalb war von demjenigen, was wie eine Art Generalbeichte mit diesem Gespräch stattfand, vieles neu für sie, aber sie nahm es auf mit innigem, warmem Herzen. Es war in ihr wie ein unmittelbares Verstehen für seine Traurigkeit, seine Gefühlsstimmung, dessen, daß er sich zurücksehnte zu dem, was er in sich hatte vor seinem zwölften Jahre. Deshalb suchte sie ihn zu erheben und zu trösten, indem sie anfing zu sprechen von allem, was seitdem in ihm so schön und herrlich zutage getreten sei. Sie erinnerte ihn an all das, was ihr durch ihn bekanntgeworden war von der Wiedererneuerung der groBen Lehren, Weisheitssprüche und Gesetzesschätze des Judentums. Was alles durch ihn zutage getreten ist, davon sprach sie mit ihm. Es wurde ihm aber nur immer schwerer ums Herz, wenn er so die Mutter sprechen hörte, so schätzend das, was er innerlich doch eigentlich als überwunden fühlte. Und endlich erwiderte er: Ja, das mag alles sein. Aber ob durch mich oder durch einen anderen heute erneuert werden können all die alten, herrlichen Weisheitsschätze des Judentums, was hätte das alles für eine Bedeutung für die Menschheit? Es ist im Grunde doch alles bedeutungslos, was in solcher Art zutage tritt. Ja, wenn es heute eine Menschheit gäbe um uns herum, die Ohren hätte, den alten Propheten noch zuzuhören, dann wäre es für diese Menschheit nützlich, wenn erneuert werden könnten die Weisheitsschätze des alten Prophetentums. Aber selbst wenn jemand so sprechen könnte, wie die alten Propheten gesprochen haben, selbst wenn Elias heute käme — so sagte Jesus von Nazareth - und unserer Menschheit verkünden wollte dasjenige, was er als Bestes erfahren hat in den Himmelsweiten: es sind ja nicht die Menschen da, die Ohren hätten zu hören die Weisheit des Elias, der älteren Propheten, auch des Moses, ja bis Abraham hinauf. Alles was diese Propheten verkündeten, wäre heute zu künden unmöglich. Ihre Worte würden ungehört im Winde verhallen! Und so ist ja alles, was ich in meiner Seele halte, wertlos.
[ ] These were the feelings which brought about a very special talk between him and the mother. His mother loved him terribly and often spoke with him about all the beautiful and great things which had become apparent in him since his twelfth year. At first he never spoke to her about the inner conflict which he experienced, so that she saw only the good and the beautiful. Therefore what he told her in this conversation, which was a kind of general confession, was all new to her, but she accepted it with a warm and gentle heart. She understood how he felt, that he was nostalgic for what he had before that twelfth year. So she tried to console him by speaking about the things which had become so beautiful and splendid about him since then. She reminded him of the renewal of the great teachings and wise sayings and treasures of the Jewish laws, which had come about through him. His heart was heavy when he heard his mother speak so enthusiastically about what he considered superseded. He said: That may well be, but whether all the wonderful old treasures of Judaism are renewed through me or some other, what does it mean for humanity? What has happened is essentially meaningless. Of course if the people had ears still capable of listening to the old prophets, then such a renewal of the prophets' wisdom would be of use to them. But even if Elias were to come – Jesus of Nazareth said – and wanted to announce to our humanity the wonders he experienced in the expanses of heaven, the people are not there who have ears to hear Elias's wisdom, or the older prophets, even Abraham and Moses. All that those prophets announced is impossible to announce today. The words would blow away in the wind. Everything I thought to have received is worthless today.
[ 5 ] So sprach Jesus von Nazareth und er wies darauf hin, wie vor kurzem erst eines wahrhaft großen Lehrers Worte im Grunde genommen verklungen seien, ohne eine große Wirkung zu hinterlassen. Denn, so sagte er, war das auch kein Lehrer, der heranreichte an die alten Propheten, so war er doch ein großer, bedeutsamer Lehrer, der gute alte Hillel. Jesus wußte genau, was dieser alte Hillel, der selbst in den so schweren Zeiten des Herodes als Geisteslehrer ein großes Ansehen zu gewinnen wußte, für viele bedeutet hatte innerhalb des Judentums. Er war ein Mann, der große Weisheitsschätze in seiner Seele gehabt hatte. Und Jesus wußte, wie wenig die innigen Worte, die der alte Hillel gesprochen hatte, Eingang gefunden hatten in die Herzen und Seelen. Dennoch hatte man von dem alten Hillel gesagt: die Thora, die Summe der ältesten, bedeutsamsten Gesetze des Judentums, ist verschwunden und Hillel hat sie wiederum hergestellt. —- Wie ein Erneuerer der ursprünglichen Judenweisheit erschien Hillel für diejenigen seiner Zeitgenossen, die ihn verstanden. Er war ein Lehrer, der auch herumwandelte wie ein wahrer Weisheitslehrer. Sanftmut war sein Grundcharakter, eine Art Messias war er. Das alles erzählt selbst der Talmud, und es läßt sich nachprüfen durch äußere Gelehrsamkeit. Die Leute waren des Lobes voll über Hillel und erzählten viel Gutes von ihm. Ich kann nur einzelnes herausgreifen, um hinzudeuten auf die Art, wie Jesus von Nazareth von Hillel zu seiner Mutter sprach, um seine Seelenstimmung anzudeuten.
[ ] He told how a great teacher had recently been more or less ignored. For although he had not the stature of the old prophets he was, nevertheless, a profound and important teacher – the good, old Hillel. Jesus well knew what Hillel meant for many within Judaism, even during Herod's rule, when it was hard to gain respect. And he knew what profound words Hillel had spoken. It was said of him: The Torah had died among the Jews, but Hillel revived it. He renewed the original Jewish wisdom, for those who understood him. Hillel was a wandering teacher of wisdom; he wandered among the Jewish people like a kind of new Messiah. Meekness was his main characteristic. The people praised him highly. I can only mention a few examples of how Jesus spoke to his mother about Hillel in order to indicate how he felt about him. He described Hillel as having a mild, gentle character and who accomplished great things through gentleness and love.
[ 6 ] Hillel wird als ein sanfter, milder Charakter geschildert, der Ungeheueres durch Milde und Liebe wirkte. Eine Erzählung hat sich erhalten, die besonders bedeutsam ist, um zu zeigen, wie Hillel der Mann der Geduld und Sanftmut war, der jedem entgegenkam. Zwei Menschen wetteten einstmals um die Möglichkeit, Hillel zum Zorn zu reizen, denn bekannt war, daß Hillel überhaupt nicht in Zorn geraten könne. Da wetteten nun zwei Männer, von denen der eine sagte: Ich will alles tun, um Hillel dennoch in Zorn zu bringen. - Er wollte dann seine Wette gewonnen haben. Als für Hillel die Zeit gerade am allerbesetztesten war, als er am meisten zu tun hatte mit der Vorbereitung für den Sabbat, wo ein solcher Mann am wenigsten gestört werden kann, da klopfte jener Mann, der die Wette eingegangen war, an die Türe Hillels und sagte nicht etwa in einem höflichen Ton oder mit irgendeiner Anrede - und Hillel war der Vorsitzende der obersten geistlichen Behörde, der gewohnt war, höflich angeredet zu werden -, sondern der Mann rief bloß: Hillel, komm heraus, komm schnell heraus! — Hillel warf sich seinen Mantel um und kam heraus. Der Mann sagte in scharfem Tone, wiederum ohne die geringste Höflichkeit: Hillel, ich habe dich etwas zu fragen. — Und gütig antwortete Hillel: Mein Lieber, was hast du denn zu fragen? — Ich habe dich zu fragen, warum die Babylonier so dünne Köpfe haben? — Da sagte Hillel mit dem sanftesten Tone: Nun, mein Lieber, die Babylonier haben so dünne Köpfe, weil sie so ungeschickte Hebammen haben. - Da ging der Mann fort und dachte, diesmal war Hillel sanftmütig geblieben. Hillel setzte sich wiederum an seine Arbeit. Nach ein paar Minuten kam der Mann zurück und rief wiederum barsch Hillel mitten aus seiner Arbeit heraus: Hillel, komm heraus, ich habe dich etwas Wichtiges zu fragen! — Hillel warf sich wieder seinen Mantel um, kam heraus und sprach: Nun, mein Lieber, was hast du wieder zu fragen? — Ich habe dich zu fragen, warum die Araber so kleine Augen haben? — Sanftmütig sagte Hillel: Weil die Wüste so groß ist, das macht die Augen klein, die Augen werden klein beim Betrachten der großen Wüste, deshalb haben die Araber so kleine Augen. — Wieder war Hillel sanftmütig geblieben. Da war der Mann recht ängstlich um seine Wette, und er kam wiederum und rief zum dritten Male in barschem Tone: Hillel, komm heraus, ich habe dich etwas Wichtiges zu fragen! — Hillel legte seinen Mantel um, kam heraus und fragte mit immer gleicher Sanftmut: Nun, mein Lieber, was hast du mich nun zu fragen? — Ich habe dich zu fragen, warum haben die Ägypter so platte Füße? — Weil die Gegenden da so sumpfig sind, deshalb haben die Ägypter so platte Füße. - Und ruhig und gelassen ging Hillel wieder an seine Arbeit. Nach ein paar Minuten kam der Mann wieder und erzählte Hillel, er wolle ihn jetzt nichts fragen; er habe eine Wette gemacht, daß er ihn in Zorn bringen wolle, aber er wüßte nicht, wie er ihn in Zorn bringen könnte. Da sagte Hillel sanftmütig: Mein Lieber, es ist besser, daß du deine Wette verlierst, als daß Hillel in Zorn gerate!
[ ] One meaningful story has been preserved which shows how Hillel was a patient man who was open to everyone. Two people bet on the possibility of angering Hillel, for it was well known that Hillel was never angry. One of them said: I will do all possible to anger him – in order to win the bet. At a time when Hillel was most occupied (he was preparing for the Sabbath) the man who made the wager knocked at his door and said in a less than polite way – and Hillel was the head of the highest priestly authority, one accustomed to being addressed with respect – the man called out: Hillel, come out, come out right now! Hillel threw something on and patiently went out. The man said sharply: I have something to ask you. Hillel said, My dear man, what is your question? My question is, Why do the Babylonians have such narrow heads? Hillel answered most gently, Well, my dear, the Babylonians have such narrow heads because their midwives are so clumsy. The man left. But after a few minutes he returned and rudely called Hillel out again: Hillel, come out, I have a question for you! Hillel put his cloak on, went out and said: Well, my dear man, what is your question? I want to ask you why the Arabs have such small eyes. Hillel answered gently: Because the desert is so large, it makes the eyes small, the eyes become small observing the vast desert. The man who had made the bet was becoming anxious now. Hillel went back to his work. After a few minutes the man came again and called out rudely: Hillel, come out, I have a question to ask you. Hillel threw on his cloak, went out and gently said: What do you wish to ask me? I want to ask you why the Egyptians have such flat feet. Because the area where they live is so marshy, Hillel said and went back inside. A few minutes later the man came again and told Hillel that he had something else to ask – that he had made a bet that he could anger him, but he knew not how to do it. Hillel said gently: My dear man, it is better that you lose your bet than that Hillel is angered.
[ 7 ] Diese Legende wird erzählt zum Beweis dafür, wie sanftmütig und lieb Hillel selbst mit jedem war, der ihn quälte. Solch ein Mann ist so meinte Jesus von Nazareth zu seiner Mutter -, in vieler Beziehung etwas wie ein alter Prophet. Und kennen wir nicht viele Aussprüche Hillels, die wie eine Erneuerung des alten Prophetentums klingen? Manche schöne Aussprüche Hillels führte er an und dann sagte er: Siehe, liebe Mutter, von Hillel wird gesagt, daß er wie ein wiedererstandener alter Prophet ist. Ich habe noch ein besonderes Interesse an ihm, denn merkwürdig dämmert etwas auf in mir, als wenn noch ein besonderer Zusammenhang da sei zwischen Hillel und mir; mir dämmert etwas auf, wie wenn dasjenige, was ich weiß und was in mir lebt als große Offenbarung des Geistigen, nicht allein vom Judentum kommen würde. — Und ebenso war es ja auch bei Hillel; denn dieser war ja der äußeren Geburt nach ein Babylonier und war erst später in das Judentum hineingekommen. Aber auch er stammte aus dem Geschlechte Davids, war aus uralten Zeiten verwandt mit dem Davidsgeschlechte, von dem sich Jesus von Nazareth und die Seinigen selber auch herzuleiten hatten. Und Jesus sagte: Wenn ich auch so wie Hillel als Sohn aus dem Geschlechte Davids aussprechen wollte die hohen Offenbarungen, die wie eine Erleuchtung in meine Seele hineingegossen sind und die dieselben hohen Offenbarungen sind, die in alten Zeiten dem jüdischen Volke gegeben waren, heute sind die Ohren nicht da, sie zu hören!
[ ] That legend is told in order to show Hillel's patience, even with those who antagonize him. Such a man is, Jesus of Nazareth said to his mother, in many respects like a prophet of old. And don't we know many of Hillel's sayings that sound reminiscent of the prophets of old? He repeated several of Hillel's beautiful sayings, and then said: You see, dear mother, that Hillel is considered to be an old prophet who has come again. It occurs to me that what I know does not come from Judaism alone. Now Hillel was born in Babylon and only occupied with Judaism later. But he descended from David, was related to the house of David from ancient times, as was Jesus. And Jesus said: If I could also speak as a son of David, as Hillel does, the people don't exist who could hear me; such words are no longer relevant. In ancient times yes, but not now. To speak thus now is useless and of no worth.
[ 8 ] Tief hatten sich in seiner Seele abgeladen Schmerz und Leid darüber, daß ja einstmals dem hebräischen Volke die größten Wahrheiten der Welt gegeben waren, daß einstmals auch die Leiber dieses Volkes so waren, daß sie verstehen konnten diese Offenbarungen, daß aber jetzt die Zeiten anders geworden waren, daß auch die Leiber des hebräischen Volkes anders geworden waren, so daß sie nicht mehr verstehen konnten die alten Offenbarungen der Urväter.
[ ] Not translated
[ 9 ] Ein ungeheuer einschneidendes, schmerzlichstes Erlebnis war das für Jesus, daß er sich sagen mußte: Einstmals ist verstanden worden, was die Propheten lehrten, verstanden worden ist vom hebräischen Volke die Sprache des Gottes, heute aber ist niemand da, der sie versteht; tauben Ohren würde man predigen. Solche Worte sind heute nicht mehr am Platze; es sind nicht mehr die Ohren da, sie zu verstehen! Wertlos und nutzlos ist alles, was man in solcher Weise sagen könnte. - Und wie zusammenfassend das, was er in dieser Richtung zu sagen hatte, sprach Jesus von Nazareth zu seiner Mutter: Es ist nicht mehr für diese Erde möglich die Offenbarung des alten Judentums, denn die alten Juden sind nicht mehr da, um sie aufzunehmen. Das muß als etwas Wertloses auf unserer Erde angesehen werden.
[ ] Then he summarized his position to his mother. These prophesies of ancient Judaism are no longer appropriate because the ancient Jews are no longer here. They must be seen as worthless now.
[ 10 ] Und merkwürdigerweise hörte ihm die Mutter ruhig zu, wie er sprach von der Wertlosigkeit dessen, was ihr das Heiligste war. Aber sie hatte ihn innig lieb und fühlte nur ihre unendliche Liebe. Daher ging etwas über in sie von tiefem Gefühlsverständnis dessen, was er ihr zu sagen hatte. Und dann setzte er das Gespräch fort und kam darauf, von dem zu berichten, wie er gewandert war in die heidnischen Kultstätten und was er dort erlebt hatte. Es dämmerte herauf in seinem Geiste, wie er niedergefallen war am heidnischen Altar, wie et die veränderte Bath-Kol gehört hatte. Und da leuchtete ihm auf etwas wie eine Erinnerung der alten Zarathustra-Lehre. Er wußte noch nicht genau, daß er die Zarathustra-Seele in sich trug, aber die alte Zarathustra-Lehre, die Zarathustra-Weisheit, der alte ZarathustraImpuls stiegen während des Gespräches in ihm auf. In Gemeinschaft mit seiner Mutter erlebte er diesen großen Zarathustra-Impuls. All das Schöne und Große der alten Sonnenlehre kam in seiner Seele herauf. Und er erinnerte sich: Als ich am heidnischen Altar lag, da hörte ich etwas wie eine Offenbarung! — Und jetzt kamen in seine Erinnerung die Worte der umgewandelten Bath-Kol, die ich ja gestern gesprochen habe, und er sprach sie zur Mutter:
[ ] Strangely enough his mother listened to him when he spoke about the worthlessness of what she considered to be most holy. But she loved him deeply and felt only her infinite love. So something of a profound intuitive understanding of what he meant reached her. He went on to tell her about his wanderings to the pagan places of worship and what he experienced there. He remembered falling unconscious on the pagan altar and hearing the transformed Bath-Kol. And then a renewal of the old Zarathustra teaching flashed before his mind. He didn't yet know for sure that he carried the Zarathustra soul within him, but the Zarathustra teaching and wisdom, the Zarathustra impulse arose within him during that talk with his mother. Together with his mother he experienced that great Zarathustra impulse. All the beautiful and great of the ancient Sun-Teaching arose in his soul. And he remembered the Bath-Kol words, which I recited yesterday, and he recited them to his mother:
Amen
Es walten die Übel
Zeugen sich lösender Ichheit
Von andern erschuldete Selbstheitschuld
Erlebet im täglichen Brote
In dem nicht waltet der Himmel Wille
Da der Mensch sich schied von Eurem Reich
Und vergaß Euren Namen
Ihr Väter in den Himmeln.
Amen!
Evil rules,
Witness of the severing I,
Selfhood's guilt by others owed,
Now lived in daily bread,
In which heaven's will be not done,
For man deserted your kingdom,
And forgot your names,
You fathers in the heavens.
[ 11 ] Und all die Größe auch des Mithrasdienstes lebte mit ihnen in seiner Seele auf und stellte sich wie durch innere Genialität ihm dar. Viel sprach er mit seiner Mutter über die Größe und Glorie des alten Heidentums. Viel sprach er von dem, was in den alten Mysterien der Völker lebte, wie zusammengeflossen waren die einzelnen Mysteriendienste Vorderasiens und Südeuropas in diesem Mithrasdienst. Aber zugleich trug er in seiner Seele die furchtbare Empfindung: wie sich nach und nach dieser Dienst gewandelt hatte und gekommen war unter dämonische Gewalten, die er selber erlebt hatte ungefähr in seinem vierundzwanzigsten Lebensjahre. Es kam ihm alles in den Sinn, was er damals erlebt hatte. Und da erschien ihm auch die alte Zarathustra-Lehre wie etwas, wofür die Menschen der heutigen Zeit nicht mehr empfänglich sind. Und unter diesem Eindruck sprach er zu seiner Mutter das zweite bedeutsame Wort: Wenn auch erneuert würden alle die alten Mysterien und Kulte, und alles das hineinflösse, was einstmals groß war in den Mysterien des Heidentums, es sind, dies zu vernehmen, die Menschen nicht mehr da! All das ist nutzlos. Und würde ich herausgehen und den Menschen dasjenige verkünden, was ich als die veränderte Stimme der alten Bath-Kol gehört habe, würde ich das Geheimnis kund tun, warum die Menschen in ihrem physischen Leben nicht mehr in Gemeinschaft mit den Mysterien leben können, oder würde ich verkündigen die alte Sonnenweisheit des Zarathustra, heute sind die Menschen nicht da, die dies verstehen würden. Heute würde sich alles das in den Menschen verkehren in dämonisches Wesen, denn es würde so hineinklingen in die Menschenseelen, daß die Ohren nicht da sind, solches zu verstehen! Die Menschen haben aufgehört, hören zu können auf dasjenige, was einstmals verkündet und gehört worden ist.
[ ] All the greatness of the Mithras worship lived in his soul with those words, rising up as from an inner genius. He spoke with his mother about the greatness and glory of paganism and about what lived in the ancient mysteries of the various peoples, much of which converged in the Mystery cults of Asia Minor and Southern Europe. But he also carried in his soul the feeling that this cult had gradually changed and had come under demonic power, which he had himself experienced when he was around twenty-four years of age. It also seemed to him that the old Zarathustra teaching was no longer appropriate for the people. The second important thing he said was: If all the Mysteries were united and contained everything which was once great – the people are not there to hear it. It is all useless. And if I were to go around announcing the transformed Bath-Kol, if I were to declare the secret of why people can no longer live in their physical bodies together with the Mysteries – the people are not there today who would understand. Nowadays it would be demonic. People can no longer hear what was once announced and heard.
[ 12 ] Denn es wußte jetzt Jesus von Nazareth, daß dasjenige, was er damals gehört hatte als die veränderte Stimme der Bath-Kol, die ihm zugerufen hatte die Worte: «Amen, es walten die Übel» - eine uralt heilige Lehre war, ein allwaltendes Gebet war überall in den Mysterien, welches man in den Mysterienstätten gebetet hatte, daß es aber heute vergessen war. Er wußte jetzt, daß das, was ihm gegeben worden war, ein Hinweis war auf alte Mysterienweisheit, die über ihn gekommen war, als er am heidnischen Altar entrückt war. Aber er sah zugleich und drückte es auch in jenem Gespräch aus, daß es keine Möglichkeit gibt, das heute wiederum zum Verständnis zu bringen.
[ ] Jesus of Nazareth knew that what he had heard as the transformed voice of Bath-Kol was an ancient holy teaching, an all-powerful prayer wherever the Mysteries were celebrated; it had been forgotten, but had come to him when he fell down on the pagan altar. He also saw, however – and he expressed it clearly in that discussion – that today it is impossible to make all that understood. Then he spoke of what he had learned in the Essene circles. He described the beauty, the greatness and the glory of the Essene teachings and remembered the Essenes' gentleness.
[ 13 ] Und dann führte er dies Gespräch mit der Mutter weiter und sprach von dem, was er im Kreise der Essäer in sich aufgenommen hatte. Er sprach von der Schönheit, Größe und Glorie der Essäerlehre, gedachte der großen Milde und des Sanftmutes der Essäer. Dann sagte er das dritte bedeutsame Wort, das ihm aufgegangen war in seinem visionären Gespräch mit dem Buddha: Es können doch nicht alle Menschen Essäer werden! Wie recht hatte doch Hillel, als er die Worte sprach: Sondere dich nicht von der Gesamtheit ab, sondern schaffe und wirke in der Gesamtheit, trage deine Liebe hin zu deinen Nebenmenschen, denn wenn du allein bist, was bist du dann? So machen es aber die Essäer; sie sondern sich ab, sie ziehen sich mit ihrem heiligen Lebenswandel zurück und bringen dadurch Unglück über die anderen Menschen. Denn die Menschen müssen dadurch unglücklich sein, daß sie sich von ihnen absondern. — Und dann sagte er zu der Mutter das bedeutsame Wort, indem er ihr das Erlebnis erzählte, das ich gestern besprochen habe: Als ich einstmals nach einem intimen, wichtigsten Gespräch mit den Essäern wegging, da sah ich am Haupttore, wie Luzifer und Ahriman davonliefen. Seit jener Zeit, liebe Mutter, weiß ich, daß die Essäer durch ihre Lebensweise, durch ihre Geheimlehre sich selber vor ihnen schützen, so daß Luzifer und Ahriman vor ihren Toren fliehen müssen. Aber sie schicken dadurch Luzifer und Ahriman weg von sich zu den anderen Menschen hin. Die Essäer werden glücklich in ihren Seelen auf Kosten der anderen Menschen; sie werden glücklich, weil sie sich selber vor Luzifer und Ahriman retten! -— Er wußte jetzt durch das Leben bei den Essäern: Ja, eine Möglichkeit gibt es noch, hinaufzusteigen dahin, wo man sich vereint mit dem Göttlich-Geistigen, aber nur Einzelne können es auf Kosten der großen Menge erreichen. Er wußte jetzt: Weder auf Juden- noch auf Heidenweise noch auf Essäerweise war der allgemeinen Menschheit der Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt zu bringen.
[ ] Then he spoke of the third important thing, which had come to him during his visionary talk with the Buddha: Not all people can be Essenes. Hillel was right when he said: Don't separate yourself from society, but live and work within it. For what am I if I am alone? That's what the Essenes do though; they separate themselves from the people, who are then necessarily unhappy. Then he told his mother about his experience after an intimate conversation with the Essenes. As he was at the gate leaving, he saw Lucifer and Ahriman running off.
[ 14 ] Dies Wort schlug furchtbar ein in die Seele der liebenden Mutter. Er war während dieses ganzen Gespräches vereint mit ihr, wie eins mit ihr. Die ganze Seele, das ganze Ich des Jesus von Nazareth lag in diesen Worten. Und hier möchte ich anknüpfen an ein Geheimnis, welches stattfand vor der Johannestaufe in diesem Gespräch mit der Mutter: Es ging etwas weg von Jesus zu dieser Mutter hinüber. Nicht nur in Worten rang sich das alles los von seiner Seele, sondern weil er so innig mit ihr vereint war seit seinem zwölften Jahre, ging mit seinen Worten sein ganzes Wesen zu ihr über, und er wurde jetzt so, daß er wie außer sich gekommen war, wie wenn ihm sein Ich weggekommen war. Die Mutter aber hatte ein neues Ich, das sich in sie hineinversenkt hatte, erlangt: sie war eine neue Persönlichkeit geworden. Und forscht man nach, versucht man herauszubekommen, was da geschah, so stellt sich folgendes Merkwürdige heraus.
[ ] Since that moment, my dear mother, I knew that the Essenes protect themselves by means of their way of life and their occult teachings to the extent that Lucifer and Ahriman must flee from their gates. But they send Lucifer and Ahriman to others in order to be happy themselves. Those words greatly impressed the loving mother, and she felt herself transformed, and as one with him. And Jesus of Nazareth felt as though everything which burdened him had been lifted from him by this conversation. He saw it and his mother saw it. The more he spoke, the more she heard, the more she knew of all the wisdom that had lived in him since his twelfth year.
[ 15 ] Der ganze furchtbare Schmerz, das furchtbare Leid des Jesus, das aus seiner Seele sich losrang, ergoß sich hinein in die Seele der Mutter und sie fühlte sich wie eins mit ihm. Jesus aber fühlte, als ob alles, was seit seinem zwölften Jahre in ihm lebte, fortgegangen wäre während dieses Gespräches. Je mehr er davon sprach, desto mehr wurde die Mutter voll von all der Weisheit, die in ihm lebte. Und alle die Erlebnisse, die seit seinem zwölften Jahre in ihm gelebt hatten, sie lebten jetzt auf in der Seele der liebenden Mutter! Aber von ihm waren sie wie hingeschwunden; er hatte gleichsam in die Seele, in das Herz der Mutter dasjenige hineingelegt, was er selber erlebt hatte seit seinem zwölften Jahre. Dadurch wandelte sich die Seele der Mutter um.
[ ] He also transplanted all his experiences into her own heart.
[ 16 ] Wie verwandelt war auch er seit jenem Gespräche, so verwandelt, daß die Brüder oder Stiefbrüder und die anderen Verwandten, die in seiner Umgebung waren, die Meinung bekamen, er hätte den Verstand verloren. Wie schade, sagten sie, er wußte so viel; er war ja immer sehr schweigsam, jetzt aber ist er völlig von Sinnen gekommen, jetzt hat er den Verstand verloren! — Man sah ihn als einen Verlorenen an. Er ging in der Tat auch tagelang wie traumhaft im Hause umher. Das Zarathustra-Ich war eben dabei, diesen Leib des Jesus von Nazareth zu verlassen und in die geistige Welt überzugehen. Und ein letzter Entschluß entwand sich ihm: Wie durch einen inneren Drang, wie durch eine innere Notwendigkeit getrieben, bewegte er sich nach einigen Tagen wie mechanisch aus dem Hause fort, zu dem ihm schon bekannten Johannes dem Täufer hin, um von ihm die Taufe zu erlangen.
[ ] He was also transformed by that talk, so much so that his stepbrothers and other relatives thought he had lost his mind. What a pity, they said, he knew so much; he was always very quiet, and now he has lost his mind. They considered him lost. In fact he did walk around the house dream-like for days on end. The Zarathustra-I was preparing to abandon that Jesus of Nazareth body. And his last resolve was to leave the house almost mechanically and go to John the Baptist, whom he already knew.
[ 17 ] Und dann fand jenes Ereignis statt, das ich öfter beschrieben habe als die Johannestaufe im Jordan: das Christus-Wesen senkte sich hinab in seinen Leib.
[ ] And then the event took place which I have often described: the baptism in the Jordan by John.
[ 18 ] So waren die Vorgänge. Jesus war jetzt durchdrungen von dem Christus-Wesen. Seit jenem Gespräche mit seiner Mutter war gewichen das Ich des Zarathustra und dasjenige, was vorher gewesen war, was er bis zum zwölften Jahre war, das war wiederum da, nur gewachsen, noch größer geworden. Und hinein in diesen Leib, der jetzt nur in sich trug die unendliche Tiefe des Gemütes, das Gefühl des Offenseins für unendliche Weiten, senkte sich der Christus. Der Jesus war jetzt durchdrungen vom Christus; die Mutter aber hatte auch ein neues Ich, das sich in sie hineinversenkt hatte, erlangt; sie war eine neue Persönlichkeit geworden.
[ ] During that talk with his mother, the I of Zarathustra withdrew. He was again what he was at twelve years of age, only grown up. And the Christ-Being descended into that body at the baptism in the Jordan.
[ 19 ] Es stellt sich dem Geistesforscher folgendes dar: In demselben Augenblicke, als diese Taufe im Jordan geschah, fühlte auch die Mutter etwas wie das Ende ihrer Verwandlung. Sie fühlte - sie war damals im fünfundvierzigsten, sechsundvierzigsten Lebensjahre -, sie fühlte sich mit einem Male wie durchdrungen von der Seele jener Mutter, welche die Mutter des Jesusknaben war, der in seinem zwölften Jahre das Zarathustra-Ich empfangen hatte, und die gestorben war. So wie der Christus-Geist auf Jesus von Nazareth herabgekommen war, so war der Geist der anderen Mutter, die mittlerweile in der geistigen Welt weilte, herniedergekommen auf die Ziehmutter, mit der Jesus jenes Gespräch hatte. Sie fühlte sich seitdem wie jene junge Mutter, die einstmals den Lukas- Jesusknaben geboren hatte.
[ ] And at the same moment as this baptism in the Jordan took place, the mother experienced the end of her transformation. She felt – at the time she was forty-five, forty-six years old -, she felt herself imbued with the soul of the woman who was Jesus' mother until he was twelve when he received the Zarathustra-I; and who had later died. The other mother's spirit had descended upon the mother with whom Jesus had the conversation. And she felt like that young mother who had given birth to the Luke-Jesus.
[ 20 ] Stellen wir uns in der richtigen Weise vor, was das für ein unendlich bedeutsames Ereignis ist! Versuchen wir das zu fühlen, aber auch zu fühlen, daß jetzt ein ganz besonderes Wesen auf der Erde lebte: die Christus-Wesenheit in einem Menschenleibe, eine Wesenheit, die noch nicht in einem Menschenleibe gelebt hatte, die bisher nur war in geistigen Reichen, die vorher kein Erdenleben hatte, die die geistigen Welten kannte, nicht die Erdenwelt! Von der Erdenwelt erfuhr diese Wesenheit nur dasjenige, was gleichsam aufgespeichert war in den drei Leibern, im physischen Leib, Ätherleib und Astralleib des Jesus von Nazareth. Sie senkte sich nieder in diese drei Leiber, wie sie geworden waren unter dem Einfluß des dreißigjährigen Lebens, das ich ja geschildert habe. So erlebte diese Christus-Wesenheit ganz unbefangen dasjenige, was sie zunächst auf Erden erlebte.
[ ] Imagine what a hugely important event that was! Let us try to feel it, but also let us feel that now a special being lived on the earth: the Christ-Being in a human body, a Being who had not yet lived in a human body, who heretofore had only been in spiritual regions, who previously had not lived on earth, who knew the spiritual worlds, but not the earth! That Being only knew of the earth what was stored in the three bodies – physical body, etheric and astral bodies – of Jesus of Nazareth. It descended into those three bodies, as they had become under the influence of the thirty years of life which I have already described. Therefore the Christ-Being was unbiased in respect to his first earthly experiences.
[ 21 ] Diese Christus-Wesenheit wurde zunächst geführt - das zeigt uns auch die Akasha-Chronik des Fünften Evangeliums - in die Einsamkeit. Der Jesus von Nazareth, in dessen Leib die Christus-Wesenheit war, hatte ja dahingegeben alles, was ihn früher mit der übrigen Welt verbunden hatte. Die Christus-Wesenheit war eben angekommen auf der Erde. Zunächst zog es diese Christus-Wesenheit zu dem hin, was durch die Eindrücke des Leibes, die wie im Gedächtnis geblieben waren, im Astralleibe am heftigsten sich eingegraben hatte. Gleichsam sagte sich die Christus-Wesenheit: Ja, das ist der Leib, der den fliehenden Ahriman und Luzifer erlebt hat, der gespürt hat, daß die strebenden Essäer Ahriman und Luzifer zu den anderen Menschen hinstoßen. — Zu ihnen fühlte der Christus sich hingezogen, zu Ahriman und Luzifer, denn er sagte sich: Das sind die geistigen Wesen, mit denen die Menschen auf Erden zu kämpfen haben. — So zog es die Christus-Wesenheit, die zum ersten Male in einem Menschenleibe, in einem Erdenleibe wohnte, zunächst hin zum Kampf mit Luzifer und Ahriman in der Einsamkeit der Wüste.
[ ] This Christ-Being was led at first into solitude. This is also indicated in the Akasha Record and the Fifth Gospel. Jesus of Nazareth, in whose body the Christ-Being now dwelled, gave up everything which had tied him to the world. The Christ-Being had come to the earth. At first he was drawn to what was impressed most strongly in the astral body, like a remaining memory. Yes, he thought, that is the body which experienced Ahriman and Lucifer fleeing and realized that the striving Essenes pushed Ahriman and Lucifer off onto other people. He felt himself drawn to Ahriman and Lucifer, for it is against them that humanity must fight. Therefore the Christ-Being, who had never existed in a human body, departed into solitude to do battle with Ahriman and Lucifer.
[ 22 ] Ich glaube, daß die Szene von der Versuchung, so wie ich sie nun erzählen werde, durchaus richtig ist. Aber es ist sehr schwierig, solche Dinge in der Akasha-Chronik zu lesen. Deshalb bemerke ich ausdrücklich, daß das eine oder andere unbeträchtlich modifiziert werden könnte bei einer weiteren okkulten Untersuchung. Aber das Wesentliche ist da, und dieses Wesentliche habe ich Ihnen zu erzählen. Die Versuchungsszene steht ja in verschiedenen Evangelien. Aber diese erzählen von verschiedenen Seiten her. Das habe ich ja öfters hervorgehoben. Ich habe mich bemüht, diese Versuchungsszene so zu gewinnen, wie sie wirklich war und ich möchte unbefangen erzählen, wie sie wirklich war.
[ ] I believe that the scene I am about to describe is essentially correct. But it is very difficult to observe such things in the Akasha Record. Therefore I would like to explicitly state that one or another detail may eventually be modified, but that the essential is there. The temptation scene appears in several Gospels, which describe it from different sides. I have often emphasized this. I have taken pains to investigate this temptation scene and would like to relate how it really was.
[ 23 ] Zuerst begegnete die Christus-Wesenheit im Leibe des Jesus von Nazareth in der Einsamkeit Luzifer, Luzifer, wie er waltet und wirkt und an die Menschen versuchend herankommt, wenn sie sich selbst überschätzen, wenn sie zu wenig Selbsterkenntnis und Demut haben. Herantreten an den falschen Stolz, den Hochmut, an die Selbstvergrößerung der Menschen: das will Luzifer ja immer versuchen. Jetzt trat Luzifer dem Christus Jesus entgegen und sagte zu ihm ungefähr die Worte, die ja auch in den anderen Evangelien stehen: Sieh mich an! Die anderen Reiche, in welche der Mensch versetzt ist, die von den anderen Göttern und Geistern gegründet worden sind, die sind alt. Ich aber will ein neues Reich gründen; ich habe mich losgelöst von der Weltordnung; ich will dir alles geben, was an Schönheit und Herrlichkeit in den alten Reichen ist, wenn du in mein Reich eintrittst. Aber abtrennen sollst du dich von den anderen Göttern und mich anerkennen! — Und alle Schönheit und Herrlichkeit der luziferischen Welt schilderte Luzifer, alles, was zur Menschenseele sprechen müßte, wenn sie auch nur ein wenig Hochmut in sich hätte. Aber die Christus-Wesenheit kam eben aus den geistigen Welten; sie wußte, wer Luzifer ist und wie das Verhalten der Seele zu den Göttern ist, die nicht auf Erden von Luzifer verführt werden will. Die ChristusWesenheit kannte zwar nichts von der luziferischen Verführung in der Welt, aus der sie kam; sie wußte aber, wie man den Göttern dient, und sie war so stark, um Luzifer zurückzuweisen.
[ ] At first the Christ-Being in Jesus of Nazareth's body encountered Lucifer in solitude – how Lucifer works on people when they overestimate themselves, have too little humility and self-knowledge. Take advantage of man's false pride and self-importance: that is what Lucifer wants to do! Lucifer approached Christ Jesus and said more or less the words which also appear in the other Gospels: Look at me! The other kingdoms in which man dwells, founded by the old gods and spirits – they are old. I want to found a new kingdom; I will give you everything that is beautiful and glorious in the old kingdoms if you will enter into my new kingdom. But you must separate yourself from the old and recognize me! And Lucifer showed him all the beauty of the Luciferic world, all that would attract a human soul that had even a trace of pride. But the Christ-Being came from the spiritual world. He knew who Lucifer is and how the soul must act not to be tempted on earth by him. He knew nothing of Luciferic temptation; he knew though how to serve the gods and was strong enough to reject Lucifer.
[ 24 ] Da machte Luzifer eine zweite Attacke, aber jetzt holte er sich Ahriman zu seiner Unterstützung heran, und sie sprachen jetzt beide zum Christus. Der eine wollte seinen Hochmut aufstacheln: Luzifer; der andere wollte zu seiner Furcht sprechen: Ahriman. Dadurch kam zustande, daß ihm der eine sagte: Durch meine Geistigkeit, durch das, was ich dir zu geben vermag, wenn du mich anerkennst, wirst du nicht bedürfen dessen, wessen du jetzt bedarfst, weil du als Christus in einen menschlichen Leib getreten bist. Dieser physische Leib unterwirft dich, du mußt in ihm das Gesetz der Schwere anerkennen. Er hindert dich, das Gesetz der Schwere zu übertreten, ich aber werde dich erheben über die Gesetze der Schwere. Wenn du mich anerkennst, werde ich die Folgen des Sturzes aufheben und es wird dir nichts geschehen. Stürze dich hinunter von der Zinne! Es steht ja geschrieben: Ich will den Engeln befehlen, daß sie dich behüten, daß du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. -— Ahriman, der wirken wollte auf seine Furcht, sprach: Ich werde dich behüten vor der Furcht! Stürze dich hinunter!
[ ] So Lucifer attacked a second time, but he came with Ahriman as support and they both spoke to Christ. One tried to goad his pride: Lucifer. The other spoke to his fear: Ahriman. The first said to him: Through my spirituality, through what I can give you, you will not need what you now need because you have entered into a human body as Christ. That body subjugates you, so you must obey the law of gravity. I can throw you down and the human body prevents you from overcoming the law of gravity. If you obey me I will annul the effects of the fall and nothing will happen to you. Ahriman said: I will protect you from fear, throw yourself down!
[ 25 ] Und beide drangen auf ihn ein. Aber da sie beide auf ihn einstürmten und sich gleichsam in ihrem Drängen die Waage hielten, konnte er sich vor ihnen retten. Und er fand die Kraft, die der Mensch finden muß auf Erden, um sich über Luzifer und Ahriman zu erheben.
[ ] They both closed in on him, but as they balanced the scales, so to speak, by their insistence, he was able to resist them. He found the strength which man needs to find on earth to raise himself above Lucifer and Ahriman.
[ 26 ] Da sagte Ahriman: Luzifer, ich kann dich nicht brauchen, du hemmst mich nur, du hast meine Kräfte nicht vermehrt, sondern vermindert, ich werde ihn allein versuchen. Du hast verhindert, daß diese Seele uns verfällt. - Da schickte Ahriman den Luzifer weg und machte die letzte Attacke, als er allein war, und er sagte dasjenige, was ja nachklingt im Matthäus-Evangelium: Wenn du dich göttlicher Kräfte rühmen willst, dann mache das Mineralische zu Brot, oder wie es im Evangelium steht: Mache die Steine zu Brot! — Da sagte die ChristusWesenheit zu Ahriman: Die Menschen leben nicht von Brot allein, sondern von dem, was als Geistiges aus den geistigen Welten kommt. — Das wußte die Christus-Wesenheit am besten, denn sie war ja eben erst herabgestiegen aus den geistigen Welten. Da antwortete Ahriman: Wohl magst du recht haben. Aber daß du recht hast und inwiefern du recht hast, das kann mich eigentlich nicht hindern, dich doch in einer gewissen Weise zu halten. Du weißt nur, was der Geist tut, der aus den Höhen heruntersteigt. Du warst aber noch nicht in der menschlichen Welt. Da unten in der menschlichen Welt gibt es noch ganz andere Menschen, die haben wahrhaftig nötig, Steine zu Brot zu machen, die können unmöglich sich bloß vom Geiste nähren.
[ ] Then Ahriman said: Lucifer, you are of no use to me, you have not increased my power, only diminished it. So Ahriman sent Lucifer away and carried out the last attack as Ahriman alone and said the words which resonate in the Gospel of Matthew: Turn minerals into bread! Turn stones to bread if you claim to have divine powers. And the Christ-Being said: Men do not live by bread alone, but by the spiritual which comes from the spiritual world. The Christ-Being knew that well, for he had recently descended from the spiritual world. Ahriman replied: You may be right. But that you are right and insofar as you are right does not stop me from stopping you in a certain way. You only know what the spirit does which descends from the heights. You were not yet in the human world. Below, in the human world, there are completely different people; they truly need to turn stones to bread, they cannot nourish themselves by the spirit alone.
[ 27 ] Das war der Moment, wo Ahriman zu Christus etwas sprach, was man zwar auf der Erde wissen konnte, was aber der Gott, der eben erst die Erde betreten hatte, noch nicht wissen konnte. Er wußte nicht, daß es unten auf der Erde notwendig ist, das Mineralische, das Metall zu Geld zu machen, damit die Menschen Brot haben. Da sagte Ahriman, daß die armen Menschen da unten auf der Erde gezwungen sind, mit dem Gelde sich zu ernähren. Das war der Punkt, an dem Ahriman noch eine Gewalt hatte. Und ich werde - sagte Ahriman — diese Gewalt gebrauchen!
[ ] That was the moment when Ahriman told Christ what one could know on the earth; which, however, the god who had just stepped upon the earth for the first time could not yet know. He did not know that it was necessary below to turn the mineral, metal to money, to bread. So Ahriman said that the people below are forced to nourish themselves with money. That was where Ahriman still had power. And, said Ahriman, I will use this power!
[ 28 ] Dies ist die wirkliche Darstellung der Versuchungsgeschichte. Es war also ein Rest geblieben bei der Versuchung. Nicht endgültig waren die Fragen gelöst; wohl die Fragen Luzifers, aber nicht die Fragen Ahrimans. Um diese zu lösen, war noch etwas anderes notwendig.
[ ] This is the correct description of the temptation story. The questions weren't definitively answered – Lucifer's questions perhaps, but not Ahriman's. Something more was required for that.
[ 29 ] Als der Christus Jesus die Einsamkeit verließ, da fühlte er sich hinausgerückt über all das, was er durchlebt und gelernt hatte von seinem zwölften Jahre ab; er fühlte den Christus-Geist verbunden mit dem, was in ihm gelebt hatte vor seinem zwölften Jahre. Er fühlte sich eigentlich mit all dem, was alt und dürr geworden war im Menschheitswerden, nicht mehr verbunden. Selbst die Sprache, die in seiner Umgebung gesprochen wurde, war ihm gleichgültig geworden, und zunächst schwieg er auch. Er wanderte um Nazareth herum und noch weiter hinaus, immer weiter und weiter. Er besuchte viele derjenigen Orte, die er schon als Jesus von Nazareth berührt hatte, und da zeigte sich etwas höchst Eigentümliches. Ich bitte wohl zu beachten, ich erzähle die Geschichte des Fünften Evangeliums, und es würde nichts taugen, wenn irgend jemand sogleich Widersprüche aufsuchen wollte zwischen diesem und den vier anderen Evangelien. Ich erzähle so, wie die Dinge im Fünften Evangelium stehen.
[ ] As Christ Jesus left the solitude of the wilderness he felt himself released from all he had experienced and learned from his twelfth year on; he felt the Christ-spirit to be more connected with what had lived in him before his twelfth year. In fact he felt no longer connected with what was old and arid in humanity. He was even indifferent to the language spoken around him and he was silent at first. He walked around Nazareth and farther a field, visited many of the places he knew as Jesus of Nazareth, and there something extremely peculiar happened. Please note that I am telling the story from the Fifth Gospel, and it would make no sense to look for contradictions with the other four gospels. I am relating what the Fifth Gospel says.
[ 30 ] In rechter Schweigsamkeit, wie nichts gemein habend mit der Umgebung, wanderte zunächst der Christus Jesus von Herberge zu Herberge, überall bei den Leuten und mit den Leuten arbeitend. Und tiefen Eindruck hatte zurückgelassen auf ihn, was er durchlebt hatte mit dem Spruche des Ahriman vom Brote. Überall fand er die Menschen, die ihn schon kannten, bei denen er früher schon gearbeitet hatte. Die Menschen erkannten ihn wieder, und er fand unter diesen Menschen wirklich das Volk, diejenigen, bei denen Ahriman Zutritt haben muß, weil sie nötig haben, Steine, Mineralisches zu Brot zu machen, oder was dasselbe ist, Geld, Metall zu Brot zu machen. Bei denjenigen, die Hillels oder anderer Sittensprüche beachteten, brauchte er ja nicht einzukehren. Aber bei denen, welche die anderen Evangelien die Zöllner und Sünder nennen, kehrte er ein, denn das waren diejenigen, die darauf angewiesen waren, Steine zu Brot zu machen. Besonders bei diesen ging er viel herum.
[ ] Silently, like having nothing to do with the surroundings, Christ Jesus went at first from inn to inn, working with the common people. Ahriman's saying about bread had left a deep impression on him. Everywhere he found the people who knew him from before, and these were the people to whom Ahriman had to gain access because they needed to turn stones to bread, or what is the same – turn money, metal to bread. He had no need to associate with those who observed Hillel's – or others' – moral teachings. But he did associate with those whom the other gospels call tax collectors and sinners, for they were the ones most inclined to turn stones into bread. He spent much time with them.
[ 31 ] Aber jetzt war das Eigentümliche eingetreten: Viele von diesen Menschen kannten ihn schon aus der Zeit vor seinem dreißigsten Jahre, da er schon ein-, zwei- oder dreimal als Jesus von Nazareth bei ihnen gewesen war. Dazumal lernten sie kennen sein mildes, liebes, weises Wesen. Denn solch große Schmerzen, solch tiefes Leid, die er durchlebte seit seinem zwölften Jahre, wandelt sich zuletzt um in die Zauberkraft der Liebe, die in jedem Worte so ausströmt, wie wenn in seinen Worten noch eine geheimnisvolle Kraft waltete, die sich ausgoß über die Umstehenden. Wohin er kam, überall, in jedem Hause, in jeder Herberge, war er tief geliebt. Und diese Liebe blieb zurück, wenn er wiederum die Häuser verlassen hatte und weitergezogen war.
[ ] But here is the strange thing that happened: Many of them already knew him from the time before his thirtieth birthday, when he had been with them as Jesus of Nazareth. They knew his mild, kind and wise nature and he was well loved in every house and inn. That love remained. They often spoke of the dear Jesus of Nazareth who had come to those houses and those places. And the following happened—as though an effect of cosmic law. (I am relating scenes which often repeat themselves, which clairvoyant research can often confirm.)
[ 32 ] Viel sprach man in diesen Häusern von dem lieben Menschen, dem Jesus von Nazareth, der durchwandert hatte diese Häuser, diese Orte. Und wie durch das Hineinwirken kosmischer Gesetzmäßigkeit geschah das Folgende. Ich erzähle hier Szenen, die sich zahlreich wiederholten und die uns die hellsichtige Forschung oft und oft zeigen kann. Da war er in den Familien, bei denen Jesus von Nazareth gearbeitet hatte, die nach der Arbeit zusammensaßen und gerne redeten, wenn die Sonne untergegangen war, noch wie gegenwärtig! Da redeten sie von dem lieben Menschen, der als Jesus von Nazareth bei ihnen gewesen war. Vieles erzählten sie von seiner Liebe und Milde, vieles von ihren schönen, warmen Empfindungen, die durch ihre Seelen gezogen waren, wenn dieser Mensch unter ihrem Dache gelebt hatte. Und da geschah es — es war eine Nachwirkung jener Liebe, die da ausströmte -, in manchen dieser Häuser, wenn sie so stundenlang von diesem Gast gesprochen hatten, daß in die Stube hereintrat wie in einer gemeinsamen Vision für alle Familienmitglieder, das Bild dieses Jesus von Nazareth. Ja, er besuchte sie im Geiste, oder auch, sie schufen sich sein geistiges Bild.
[ ] There were families for whom Jesus of Nazareth had worked, who sat together after work, when the sun had gone down, and liked to talk about the dear fellow who had been with them as Jesus of Nazareth. They spoke of his love and gentleness and about the warm feelings that streamed through their souls when he lived under their roofs. In some of these houses where they sat and talked about Jesus of Nazareth for hours on end, an image of Jesus of Nazareth would appear as a vision shared by the whole family. Yes, he visited them in the spirit; or also, they created his spiritual image.
[ 33 ] Nun können Sie sich denken, wie es in solchen Familien empfunden wurde, wenn er ihnen in der gemeinsamen Vision erschienen war, und was es für sie bedeutete, wenn er jetzt wiederkam, nach der Johannestaufe im Jordan, und sie sein Äußeres wiedererkannten, nur war sein Auge leuchtender geworden. Sie sahen das verklärte Antlitz, das einstmals sie so lieb angeschaut hatte, diesen ganzen Menschen, den sie im Geiste bei sich sitzend gesehen hatten. Was da Außerordentliches geschah in solchen Familien, was da geschah bei den Sündern und Zöllnern, die wegen ihres Karma von all den dämonischen Wesen jener Zeit umgeben, geplagt waren, die da krank und beladen und besessen waren, wie diese Leute diese Wiederkehr empfunden haben, das können wir uns wohl denken!
[ ] You can imagine what it meant for such a family when he appeared to them in a vision, and what it meant to them when he now returned after the baptism in the Jordan and they recognized him, except that his eyes were more brilliant. They saw the transfigured face which had once looked upon them so kindly, this whole man whom they had seen sitting with them in the spirit. We can well imagine how the people in such families felt and what the sinners and tax collectors experienced who, because of their karma, were surrounded by all the demons of those times.
[ 34 ] Jetzt zeigte sich die umgewandelte Natur des Jesus; es zeigte sich besonders an solchen Menschen, was durch die Einwohnung des Christus aus Jesus von Nazareth geworden war. Früher hatten sie nur seine Liebe, Güte und Milde empfunden, so daß sie nachher die Vision von ihm hatten; jetzt aber ging etwas von ihm aus wie eine Zauberkraft! Hatten sie sich früher nur getröstet gefühlt durch seine Gegenwart, so fühlten sie sich jetzt geheilt durch ihn. Und sie gingen zu ihren Nachbarn, holten sie herbei, wenn sie ebenso bedrückt und von dämonischen Gewalten geplagt waren, und brachten sie dem Jesus Christus. Und so geschah es, daß der Christus Jesus, nachdem er Luzifer besiegt und nur einen Stachel zurückbehalten hatte von Ahriman, bei den Menschen, die unter Ahrimans Herrschaft waren, dasjenige bewirken konnte, was immer geschildert wird in der Bibel als die Austreibung der Dämonen und Heilung der Kranken. Viele von jenen Dämonen, die er gesehen hatte, als er wie tot auf dem heidnischen Opferaltar gelegen hatte, wichen jetzt von den Leuten, wenn er als Christus Jesus den Menschen gegenübertrat. Denn so wie Luzifer und Ahriman in ihm ihren Gegner sahen, so sahen auch die Dämonen in ihm ihren Gegner. Und als er so durch das Land zog, da mußte er durch das Verhalten der Dämonen in den Menschenseelen oft und oft an dazumal denken, wie er dort am alten Opferaltar gelegen hatte, wo statt der Götter die Dämonen waren, und wo er nicht den Dienst verrichten konnte. Er mußte gedenken der Bath-Kol, die ihm das alte Mysteriengebet verkündet hatte, von dem ich Ihnen gesprochen habe. Und insbesondere kam ihm immer wieder und wieder in den Sinn die mittlere Zeile dieses Gebetes: «Erlebet im täglichen Brote.» — Jetzt sah er es: Diese Menschen, bei denen er eingekehrt war, mußten Steine zu Brot machen. Er sah: Unter diesen Menschen, bei denen er so gelebt hatte, sind viele, die nur vom Brot allein leben müssen. Und das Wort aus jenem urheidnischen Gebete: «Erlebet im täglichen Brote», senkte sich tief in seine Seele. Er fühlte die ganze Einkörperung des Menschen in die physische Welt. Er fühlte, daß es in der Menschheitsevolution wegen dieser Notwendigkeit so weit gekommen war, daß durch diese physische Einkörperung die Menschen vergessen konnten die Namen der Väter in den Himmeln, die Namen der Geister der höheren Hierarchien. Und er fühlte, wie jetzt keine Menschen mehr da waren, die hören konnten die Stimmen der alten Propheten und die Botschaft der Zarathustra-Weisheit. Jetzt wußte er, daß das Leben im täglichen Brote es ist, das die Menschen von den Himmeln getrennt hat, das die Menschen in den Egoismus treiben und Ahriman zuführen muß.
[ ] Now Jesus' transformed nature became evident, especially in such people. Previously they had felt his love, warmth and gentleness, but now a magical power emanated from him. While previously they had felt merely comforted, now they felt themselves healed. They went to their neighbors who were also depressed and brought them to him. And thus it happened that Christ Jesus, after he had defeated Lucifer and had only been stung by Ahriman, was able to accomplish what is described in the Bible as driving out demons. Many of the demons he had seen as he lay like dead upon the sacrificial altar went out of the people when he stood before them as Christ Jesus. The demons saw their enemy. As he wandered through the land he often had to think about how he had lain upon the altar where instead of gods there were demons and where he couldn't perform the rite. He also had to think about Bath-Kol, who had revealed the old mystery prayer to him, which I told you about. He concentrated especially on the center line of that prayer: “Now lived in daily bread”. The people who were around him now had to turn stones into bread. And many among them had to live from bread alone. And the words from that ancient pagan prayer – “now lived in daily bread” – sank deeply into his soul. He felt the whole incorporation of man in the physical world. He felt that because of this necessity for bread in human evolution the names of the Fathers in heaven, that is the names of the spirits of the higher hierarchies, had been forgotten. And he felt that no humans existed who could still hear the voices of the old prophets. He now knew that living in daily bread is what had separated men from heaven and what must lead them to egotism and into Ahriman's clutches.
[ 35 ] Als er mit solchen Gedanken durch die Lande ging, da stellte sich heraus, daß diejenigen, die am tiefsten gefühlt hatten, wie Jesus von Nazareth verwandelt war, seine Jünger wurden und ihm folgten. Aus mancherlei Herbergen nahm er diesen oder jenen mit, der ihm jetzt folgte, folgte, weil er im höchsten Maße jene Empfindung hatte, die ich eben schilderte. So geschah es, daß bald eine Schar von solchen Jüngern schon zusammen kam. Da hatte er in diesen Jüngern Leute um sich herum, die nun in einer Grundseelenstimmung waren, die gewissermaßen ganz neu war, die durch ihn anders geworden waren als diejenigen Menschen, von denen er einstmals seiner Mutter hatte erzählen müssen, daß sie nicht mehr das Alte hören könnten. Und da leuchtete in ihm die Erdenerfahrung des Gottes auf: Ich habe den Menschen zu sagen, nicht wie die Götter den Weg herunterbahnten vom Geist zur Erde, sondern wie die Menschen hinauffinden können den Weg von der Erde zum Geist.
[ ] As he wandered with such thoughts through the land, it turned out that those who most strongly felt how Jesus of Nazareth had been transformed became his disciples and followed him. From various stops on his way he would select one or another of them, those who felt that impulse most strongly. Soon there was a large number of such disciples. These people had a completely new basic outlook, who because of him were different from those whom he described to his mother as not being able to hear the old prophesies. And then the god's mission on earth struck him: I am not here to tell men how the gods brought the spirit down to earth, but how mankind can find the way from the earth up to the spirit.
[ 36 ] Und jetzt kam ihm die Stimme der Bath-Kol wieder in den Sinn, und er wußte, daß erneuert werden müßten die urältesten Formeln und Gebete; er wußte, daß nun der Mensch von unten hinauf suchen mußte den Weg in die geistigen Welten, daß er durch dieses Gebet den göttlichen Geist suchen konnte. Da nahm er die letzte Zeile des alten Gebetes:
[ ] And then the voice of Bath-Kol came to him and he knew that the ancient formulas and prayers must be renewed; he knew that man must seek the way to the spiritual word from below. He inverted the last line of the prayer to make it appropriate for the people of those new times and because it was not to refer to the many spirits hierarchical beings, but only to one spiritual being:
«Ihr Väter in den Himmeln»
“Our father who art in heaven.”
[ 37 ] und kehrte sie um, weil sie so jetzt angemessen ist für den Menschen der neuen Zeit und weil er sie nicht auf die vielen geistigen Wesenheiten der Hierarchien, sondern auf das eine Geistwesen zu beziehen hatte:
[ ] And the second line, which he had heard as the next to last line: “And forgot your names” – he inverted to accord with the needs of the times:
«Unser Vater im Himmel.»
“Hallowed by thy name.”
[ 38 ] Und die zweite Zeile, die er gehört hatte als die vorletzte Mysterienzeile:
[ ] And the third line, which was: “For man deserted your [plural] kingdom,” he inverted to: “Thy kingdom come,”
«Und vergaß Euren Namen»,
[ ] And the line: “In which heaven's will be not done,” he inverted so people could now understand it, for the old version was incomprehensible; he inverted it, for a complete inversion of the way to the spiritual world was to take place: “Thy will be done in heaven as it is on earth.”
[ 39 ] er kehrte sie um, wie sie jetzt lauten mußte für die Menschen der neuen Zeit:
[ ] And the mystery of bread, the mystery of the incarnation in the physical body, the mystery of all that had been revealed to him by Ahriman's sting – he transformed these things in such a way that man could feel that the physical world also comes from the spiritual world, although it is not directly apparent. So he changed the line about daily bread into a request: “Give us this day our daily bread”. And the words: “Selfhood's guilt by others owed” he changed to: “Forgive us our trespasses as we forgive those who trespass against us.” The second line of the old mystery prayer – “witness of the severing I” he changed to: “but deliver us”, and the first line: “Evil rules” he made “from evil. Amen”.
«Geheiliget werde Dein Name.»
[ ] Thus the prayer which Christianity learned to know as the “Our Father” was transformed through the inversion of the voice of Bath-Kol, which Jesus heard when he fell upon the altar, to what Christ Jesus taught as the new mystery prayer, the new Our Father. The Sermon on the Mount and other things Jesus taught his disciples came into being in a similar way.
[ 40 ] Und so wie die Menschen, die von unten hinaufsteigen müssen, sich fühlen müssen, wenn sie sich der Gottheit nahen wollen, so wandelte er um die drittletzte Zeile, die da hieß:
[ ] Christ Jesus had a remarkable effect on his disciples. Please bear in mind that I am merely relating what is written in the Fifth Gospel. As he made his way through the land his effect on his surroundings was remarkable. It is true that he was together with his disciples but, because he was the Christ-Being, it was as though he was not only present in his own body. One or another of the disciples would sometimes feel as though he were also acting in them, in their own souls. They felt that the Christ-Being was in them and began to say things which in reality only Christ Jesus himself could say. So the group traveled around and spoke to other people but it wasn't always Christ Jesus who spoke, but one of the disciples, for he shared everything with the disciples, also his wisdom.
«Da der Mensch sich schied von Eurem Reich» in: «Zu uns komme Dein Reich!»
[ ] I must admit that I was astonished when I realized that the conversation with the Sadducee, as related in the Gospel of Mark, was not spoken by Christ Jesus from Jesus' body, but by one of the disciples. It often happened that when Christ Jesus left the group he was with it anyway. Either he walked with them spiritually or he appeared to them in his ether-body. His ether-body was among them, walked around the country with them, and it was not always possible to determine whether his physical body was actually there, or if it was his ether-body.
[ 41 ] Und die folgende Zeile:
[ ] That was the manner of the interaction with the disciples and the people when Jesus of Nazareth became the Christ-Jesus. He, though, experienced this time as I have already mentioned. At first the Christ-Being was relatively independent of Jesus of Nazareth's body, but had to gradually become more and more similar to it. And the longer he lived the more he was bound to Jesus of Nazareth's body, and a profound pain came over him in the last year due to being bound to the ailing body of Jesus of Nazareth. But he continued to wander about the land with a large group of disciples. One spoke here, another there, and one could think that it was always Christ Jesus – for Christ spoke through them all.
«In dem nicht waltet der Himmel Wille»,
[ ] It was once possible to listen in to a conversation among scribes. They said: In order to frighten the people it would be possible to kill any one of them; but it could be the wrong one, because they all talk alike. That wouldn't help us, because then the real Christ Jesus could still be there. Only the disciples can identify him. They would certainly not tell their enemies which is the right one. But Ahriman had become strong enough in respect to the question which remained, which Christ couldn't resolve in the spiritual world, but only on earth. He would have to experience the most terrible deed – what it means to turn stones to bread. For this Ahriman made use of Judas of Iscariot. There was no spiritual means available to identify who among men who revered him was actually the Christ. For where the spirit worked he was not identifiable. Only when an individual – Judas – used means which were unknown to Christ, could he be recognized. He could not be recognized except when someone in the service of Ahriman would betray him for money alone. In this way Christ Jesus was bound to Judas, something which befell him during the temptation event, which is understandable in a god: He didn't know that it was only correct in heaven that one does not need stones for bread. The betrayal took place because Ahriman had retained his sting. Therefore Christ had to come under the power of the lord of death, insofar as Ahriman is the lord of death. That is the connection between the story of the temptation and the mystery of Golgotha with Judas' betrayal.
[ 42 ] er kehrte sie um, wie sie die Menschen jetzt allein hören konnten, denn die alte Wortstellung konnte kein Mensch mehr hören. Er kehrte sie um, denn eine völlige Umkehrung des Weges in die geistigen Welten sollte geschehen; er kehrte sie um in:
[ ] There is much more to be said from the Fifth Gospel than what I have said here. But during the course of human evolution surely the other parts of the Fifth Gospel will be revealed. I have attempted to give you an indication by telling you more in the way of how it is. At the end of these lectures, it has occurred to me once more what I said at the end of the first lecture – that the needs of the times make it necessary to speak about this Fifth Gospel now. And I would like to urge my dear friends to treat what has been said about the Fifth Gospel in the appropriate way.
«Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden.»
[ ] You see, we already have enough enemies and they act in a quite peculiar way. I don't wish to speak of this now, perhaps you already know about it from reading the “Newssheet”. You also know the strange fact that there are people who have been saying for a long time now that what I teach is infected with all kinds of dogmatic Christianity, even with Jesuitism. Especially certain followers of the so-called Adyar-Theosophy talk in the worst way about this supposed Jesuitism, as well as many more hateful, unscrupulous things. And a certain source claiming outrage at the narrow-mindedness and perversity of our teaching, then completely falsified it. A man from America learned our teaching over a period of many months, wrote it down, brought it to America in a watered down version and then published a Rosicrucian Theosophy, which he copied from us. [The reference is to Max Heindel – ed.]He says that he learned a lot from us, but that he was then called by the masters and learned more from them. He was silent about the fact that he took the more profound things from my unpublished lecture cycles. One could accept that such a thing could happen in America One could, like Hillel, remain meekly silent – even when it spreads to Europe. Those who are most enraged at us here make a translation and in the translation say: Although there is also a Rosicrucian world view in Europe, it is narrow-minded and Jesuitical, and it can only thrive in the pure air of California.
[ 43 ] Und das Geheimnis vom Brote, von der Einkörperung im physischen Leibe, das Geheimnis von alledem, was ihm jetzt durch den Stachel Ahrimans voll erschienen war, das wandelte er so um, daß der Mensch empfinden sollte, wie auch diese physische Welt aus der geistigen Welt kommt, wenn es der Mensch auch nicht unmittelbar erkennt. So wandelte er diese Zeile vom täglichen Brote um in eine Bitte:
[ ] Well, that's enough! That is our enemies' method. We can look at these things not only calmly, but also with compassion – but we may not close our eyes to them. When such things happen, then care must be taken by those who for years indulged such people who acted without scruples. I would really prefer not to speak about such things, were it not necessary in the service of truth. One must see everything with clarity.
«Gib uns heute unser täglich Brot.»
[ ] When one the one hand these things are spread around, it does not protect us from others who may find such things unpleasant in a somewhat more honest way. I won't annoy you with all the silly junk written by both sides. All this peculiar literature by Freimark, Schalk, Maack, etc. would not be worthy of note because of its inferiority. But there are people who simply cannot stomach something like the Fifth Gospel. And perhaps no hate was as honest as that which arose when something about the mystery of the two Jesus children was first made public.
[ 44 ] Und die Worte:
[ ] Real anthroposophists will treat this Fifth Gospel, which is given in good faith, correctly. Take it with you, discuss it in the branches, but tell the people how it must be treated. Make sure that it is not cast irreverently to people who might ridicule it.
«Von andern erschuldete Selbstheitschuld» kehtte er um in die Worte: «Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern.»
[ ] We stand against our times with clairvoyant investigation, so necessary for the times, and above all against academe. We are aware of this. Those who were together with us at the laying of the foundation stone of our building know how necessary is the spreading of a spiritual teaching with strict observance of truth. We tried to be conscious of how distant our present culture is from this search for truth. One can well say that the cry for the spirit is heard through our times, but that people are too proud or limited to want to know anything about the true spirit. The amount of truthfulness necessary in order to witness the spirit must first be acquired. For this amount of truthfulness is lacking in today's educated milieu and, what is worse, this lack is not recognized. Treat what you have heard here about the Fifth Gospel so that it is treated reverently in the branches. We do not emphasize this due to egotism, but for a completely different reason, because the spirit of truth must live in us and the spirit must stand truthfully before us.
[ 45 ] Und diejenige Zeile, welche die zweite war in dem alten Gebet der Mysterien:
[ ] People talk today about the spirit, but have no idea of the spirit even when they do. There is a man who has won great respect because he talks so much about the spirit – Rudolf Eucken. He talks a lot about the spirit, but when you read his books – try it sometime – he always writes: The spirit exists, one must experience it, be together with it, sense it,—and so on. All through these books endlessly repeated: spirit, spirit, spirit! They talk about the spirit in this way because they are too lazy or arrogant to go to the source of the spirit. And such people are greatly respected nowadays. It is difficult today to be convincing about what is brought in such a concrete way from the spiritual world, such as the description of the Fifth Gospel. Seriousness and truthfulness are requisites for that. In one of Eucken's latest books, “Can We Still be Christians?”, he goes on and on about soul and spirit, spirit and soul, like a tapeworm, and many such volumes are written, for that is how one gains great respect and fame – when one claims to know something about the spirit, for people don't notice when reading the amount of untruthfulness involved. On one page we read: Humanity is beyond believing in demons; no one can be expected to believe in them. But in another place in the same book we find the peculiar sentence: “Contact of the divine with the human creates demonic powers.” The same man speaks seriously here of demons. Isn't that the deepest inner untruthfulness? But I don't see that many of our contemporaries notice this untruthfulness.
«Zeugen sich lösender Ichheit»,
[ ] We stand at a point today when the truth about the spirit is in opposition to our times. We must always remember this in order to be clear about what we must do in our hearts if we wish to participate in announcing the spirit, the new life of the spirit which is so necessary for humanity. How can one hope to be well received in leading the human soul to the Christ-Being through spiritual teaching when the clever philosophers and theologians say that there was a Christianity before Christ! They show that the rituals and similar legends existed previously in the Orient. The clever theologians explain to all and sundry that Christianity is nothing more that a continuation of what previously existed. And such literature is greatly esteemed by our contemporaries, who don't realize what is happening.
[ 46 ] er kehrte sie um, indem er sagte:
[ ] When one speaks of the Christ-Being as spiritually descended, and then finds the Christ-being worshiped in the same ritual form as the pagan gods were worshiped, and when that is used to deny the Christ-Being, which is the case, it is using the following logic: Someone stays at an inn and leaves his clothes there. It is obvious from the clothes that they belong to him. Afterwards a person such as Schiller or Goethe due to some circumstance puts the clothes on and comes out with the clothes belonging to the other person. Then someone goes around saying asking what kind of special person is that. I have examined the clothes, they belong to so-an-do, and he is not at all special. Because the Christ-Being to some extent uses the clothes of the old rituals, the clever people come and fail to realize that the Christ-Being only puts them on as a garment and what is now in the old rituals is the Christ-Being.
«Sondern erlöse uns»,
[ ] And take the sum of scientific monistic considerations, libraries full – they are evidence of the Christ-Being's clothes, and they are even true! The hounds of cultural evolution are held in high regard and their science is accepted. We must paint this picture in our minds if we want to absorb what is meant with this Fifth Gospel, not only in understanding but also in feeling. What is meant is that we must assert our truth correctly in these new times as a new annunciation, and realize how impossible it is to make it comprehensible to the old times. Therefore Gospel words may be spoken now as we take leave of each other: We will not get far in spiritual development with the way people think today. Therefore this thinking must be changed and put in a different direction. And those whose nature is one of compromise, who have no desire for a clear picture of what is there now and what must come, will be of little use in what is spiritually necessary in the service of humanity.
[ 47 ] und die erste Zeile:
[ ] I was obliged to speak of this Fifth Gospel, which is sacred to me. And I take leave of your hearts and souls with the wish that the bond which has arisen between us through other things may be strengthened through this spiritual investigation of the Fifth Gospel, which is especially dear to me. And perhaps this can release a warm feeling in your hearts and souls: When we are separated in distance and time we want nevertheless to be together, feel together what we are to develop in our souls and to what we are duty bound by the spirit in our times.
«Es walten die Übel»,
[ ] Hopefully what we strive for will be accomplished in every soul. I think this is the best farewell greeting I can give at the end of this lecture cycle.
[ 48 ] machte er zu:
«Von dem Übel. Amen.»
[ 49 ] Und so wurde denn dasjenige, was das Christentum als das Vaterunser kennenlernte durch die Umkehrung dessen, was Jesus einstmals als die umgewandelte Stimme der Bath-Kol vernommen hatte bei seinem Fall am heidnischen Altar, zu dem, was Christus Jesus als das neue Mysteriengebet, das neue Vaterunser lehrte. In einer ähnlichen Weise - und es wird ja noch manches zu sagen sein — entstand auch die Verkündigung der Bergpredigt und andere Dinge, die der Christus Jesus seine Jünger lehrte.
[ 50 ] In einer merkwürdigen Weise wirkte der Christus Jesus gerade auf seine Jünger. Ich bitte, wenn ich Ihnen, meine lieben Freunde, hiervon erzähle, immer im Auge zu behalten, daß ich einfach erzähle, was zu lesen ist in diesem Fünften Evangelium. Als er so durch die Lande zog, da war seine Wirkung auf die Umgebung eine ganz eigentümliche. Er war zwar mit den Aposteln, mit den Jüngern in Gemeinschaft, aber es war, weil er die Christus-Wesenheit war, so, als wenn er gar nicht bloß in seinem Leibe wäre. Wenn er so mit den Jüngern im Lande umherging, dann fühlte dieser oder jener manchmal, als ob er in ihm, in der eigenen Seele wäre, wenn er auch neben ihm ging. Mancher fühlte, wie wenn jene Wesenheit, die zu dem Christus Jesus gehörte, in der eigenen Seele wäre, und er fing dann an zu sprechen die Worte, die eigentlich der Christus Jesus selber nur sprechen konnte. Und da ging diese Schar herum und traf Leute, es wurde zu ihnen gesprochen und derjenige, der da sprach, war durchaus nicht immer Christus Jesus selber, sondern es sprach auch mancher der Jünger; denn er hatte alles gemeinsam mit den Jüngern, auch seine Weisheit.
[ 51 ] Ich muß gestehen, ich war in hohem Maße erstaunt, als ich gewahr wurde, daß zum Beispiel das Gespräch mit dem Sadduzäer, von dem das Markus-Evangelium erzählt, gar nicht von dem Christus Jesus aus dem Jesusleibe gesprochen wurde, sondern aus einem der Jünger; aber natürlich sprach es der Christus. Und auch diese Erscheinung war häufig, daß wenn Christus Jesus einmal seine Schar verließ — er trennte sich zuweilen von ihnen -, er doch unter ihnen war. Entweder wandelte er geistig mit ihnen, während er weit weg war, oder er war auch nur in seinem ätherischen Leibe bei ihnen. Sein Ätherleib war unter ihnen, sein Ätherleib wandelte auch mit ihnen im Lande umher, und man konnte oftmals nicht unterscheiden, ob er sozusagen den physischen Leib mithatte, oder ob es nur die Erscheinung des Ätherleibes war.
[ 52 ] So war der Verkehr mit den Jüngern und mit mancherlei Menschen aus dem Volke, als der Jesus von Nazareth zum Christus Jesus geworden war. Er selber erlebte allerdings das, was ich schon angedeutet habe: Während die Christus-Wesenheit in den ersten Zeiten verhältnismäßig unabhängig war von dem Leibe des Jesus von Nazareth, mußte sie sich ihm später immer mehr und mehr anähneln. Und je mehr das Leben vorrückte, desto mehr war er gebunden an den Leib des Jesus von Nazareth, und ein tiefster Schmerz kam in dem letzten Jahre über ihn von dem Gebundensein an den dazu noch siech gewordenen Leib des Jesus von Nazareth. Aber doch kam es immer noch vor, daß Christus, der jetzt schon mit einer großen Schar umherzog, wiederum hinausging aus seinem Leibe. Da und dort wurde gesprochen, hier sprach dieser, dort jener aus der Apostelschar, und man konnte glauben, daß der, der da sprach, der Christus Jesus sei, oder daß es nicht der Christus Jesus sei: der Christus sprach durch sie alle, so lange sie in inniger Gemeinschaft mit ihm herumzogen.
[ 53 ] Man kann belauschen einmal ein Gespräch, wie die Pharisäer und jüdischen Schriftgelehrten miteinander sprachen und zueinander sagten: Zum Abschrecken für das Volk könnte man allerdings einen beliebigen aus dieser Schar herausgreifen und ihn töten; aber es könnte ebensogut ein falscher sein, denn alle sprechen sie gleich. Damit ist uns also nicht gedient, denn dann ist der wirkliche Christus Jesus vielleicht noch da. Wir müssen aber den wirklichen haben! — Nur die Jünger selber, diejenigen, die ihm schon nähergetreten waren, konnten ihn unterscheiden. Sie sagten aber ganz gewiß nicht dem Feinde, welcher der richtige sei.
[ 54 ] Da war aber Ahriman stark genug geworden in bezug auf die Frage, die übriggeblieben war, die der Christus nicht in den geistigen Welten abmachen konnte, sondern nur auf Erden. Er mußte durch die schwerste Tat erfahren, was die Frage bedeutet, Steine zu Brot zu machen, oder was dasselbe ist, Geld zu Brot zu machen, denn Ahriman bediente sich des Judas aus Karioth.
[ 55 ] So wie der Christus wirkte - kein geistiges Mittel hätte es gegeben, um ausfindig zu machen, welcher unter der Schar seiner Jünger, die ihn verehrten, der Christus war. Denn da, wo der Geist wirkte, wo auch noch das letzte von überzeugender Kraft wirkte, konnte man dem Christus nicht beikommen. Nur da, wo der war, der das Mittel anwendete, das der Christus nicht kannte, das er erst durch die schwerste Tat auf Erden kennenlernte, wo der Judas wirkte, konnte man ihm beikommen. Man hätte ihn nicht erkennen können durch etwas anderes als dadurch, daß sich einer fand, der sich in den Dienst des Ahriman stellte, der tatsächlich durch das Geld allein zu dem Verrat gekommen ist! Dadurch war Christus Jesus mit dem Judas verbunden, daß sich zugetragen hatte bei der Versuchungsgeschichte, was bei dem Gott begreiflich ist: daß der Christus, der eben herabgekommen war auf die Erde, nicht wußte, wie es nur für den Himmel richtig ist, daß man keine Steine zum Brot braucht. Weil Ahriman das als seinen Stachel behalten hatte, geschah der Verrat. Und dann mußte der Christus noch in die Herrschaft des Herrn des Todes kommen, insofern Ahriman der Herr des Todes ist. So ist der Zusammenhang von der Versuchungsgeschichte und dem Mysterium von Golgatha mit dem Verrat des Judas.
[ 56 ] Viel mehr wäre zu sagen aus diesem Fünften Evangelium als das, was gesagt worden ist. Aber im Laufe der Menschheitsentwickelung werden ganz gewiß auch noch die anderen Teile dieses Fünften Evangeliums zutage treten. Mehr von der Art, wie es ist, versuchte ich durch die herausgerissenen Erzählungen Ihnen eine Vorstellung zu geben von diesem Fünften Evangelium. Es tritt mir auch am Ende dieser Vorträge dasjenige vor das Seelenauge, was ich am Schlusse der ersten Stunde gesagt habe, daß es ja nur herausgefordert ist durch die Notwendigkeiten unserer Zeit, in der Gegenwart schon von diesem Fünften Evangelium zu sprechen. Und ich möchte es Ihnen, meine lieben Freunde, ganz besonders ans Herz legen, dasjenige was vom Fünften Evangelium gesagt werden durfte, in der entsprechenden pietätvollen Weise zu behandeln.
[ 57 ] Sehen Sie, wir haben heute schon gründlich genug Feinde, und die Art, wie sie vorgehen, ist ja eine ganz eigentümliche. Ich will über diesen Punkt nicht sprechen, Sie kennen ihn vielleicht aus den «Mitteilungen». Sie kennen ja auch die merkwürdige Tatsache, daß es seit längerer Zeit Menschen gibt, die davon sprechen, wie infiziert von allem möglichen engherzigen Christentum, ja sogar von Jesuitismus die Lehre ist, die von mir verkündet wird. Insbesondere sind es gewisse Anhänger der sogenannten Adyar-Theosophie, welche in der schlimmsten Weise eben diesen Jesuitismus verkünden und lauter gehässiges, gewissenloses Zeug reden. Aber dabei tritt auch noch das zutage, daß von einer Stelle aus, wo man recht sehr gewütet hat gegen das Engherzige, Verkehrte, Verwerfliche, unsere Lehre bodenlos gefälscht worden ist. Es hat unsere Lehre ein Mann, der aus Amerika kam, durch viele Wochen und Monate kennengelernt, aufgeschrieben und dann in verwässerter Gestalt nach Amerika getragen und dort eine Rosenkreuzer-Theosophie herausgegeben, die er, von uns übernommen hat. Er sagt zwar, daß er von uns hier manches gelernt habe, daß er aber dann erst zu den Meistern gerufen wurde und von ihnen mehr gelernt habe. Das Tiefere aber, was er aus den damals unveröffentlichten Zyklen gelernt hatte, verschwieg er als von uns gelernt. Daß so etwas in Amerika geschah - man könnte ja, wie der alte Hillel, in Sanftmut bleiben; man brauchte sich diese auch nicht nehmen lassen, wenn das auch nach Europa herüberspielt. Es wurde an der Stelle, wo man am meisten gegen uns gewütet hat, eine Übersetzung gemacht dessen, was über uns nach Amerika geliefert worden ist, und diese Übersetzung wurde eingeleitet damit, daß man sagte: Zwar träte eine rosenkreuzerische Weltanschauung auch in Europa zutage, aber in engherziger, jesuitischer Weise. Und erst in der reinen Luft Kaliforniens konnte sie weiter gedeihen. — Nun, ich mache Punkte ...! Das ist die Methode unserer Gegner. Wir können nicht nur mit Milde, sondern sogar mit Mitleid diese Dinge ansehen, aber wir dürfen den Blick nicht davor verschließen. Wenn solche Dinge geschehen, dann sollten auch diejenigen vorsichtig sein, die ja die Jahre her immer eine merkwürdige Nachsicht hatten mit denen, die in so gewissenloser Weise handelten. Vielleicht werden allen einmal die Augen aufgehen. Ich möchte wahrhaftig nicht über diese Dinge sprechen, wenn es nicht eben notwendig wäre im Dienste der Wahrheit. Man muß doch das alles ganz klar sehen.
[ 58 ] Wenn auch einerseits diese Dinge von anderen verbreitet werden, dann schützt uns das nicht davor, daß andrerseits diejenigen, denen in etwas ehrlicherer Weise diese Dinge unangenehm sind - denn es gibt ja auch solche Menschen -, den Kampf ausführen. Mit all dem törichten Zeug, was zwischen diesen beiden Parteien geschrieben wird, will ich Sie nicht behelligen. Denn all diese sonderbare Literatur, die in Deutschland jetzt erscheint von Freimark, Schalk, Maack und so weiter, wäre gar nicht notwendig zu beachten, weil die Inferiorität denn doch zu groß ist, Aber es gibt Leute, die gerade dasjenige nicht vertragen können, was von der Art ist wie dieses Fünfte Evangelium. Und vielleicht war kein Haß so ehrlich als derjenige, der hervorgetreten ist in den Kritiken, die gleich aufgetreten sind, als etwas von dem Geheimnis der beiden Jesusknaben, das ja auch schon zum Fünften Evangelium gehört, in die Öffentlichkeit gedrungen ist. Wirkliche Anthroposophen werden dieses Fünfte Evangelium, das in gutem Glauben gegeben ist, richtig behandeln. Nehmen Sie es mit, erzählen Sie davon in den Zweigen, aber sagen Sie den Leuten, wie es behandelt werden muß! Machen Sie, daß es nicht pietätlos hingeworfen wird unter diejenigen, die es vielleicht verhöhnen.
[ 59 ] Man steht mit solchen Dingen, die auf der für unsere Zeit schon notwendigen hellsichtigen Forschung beruhen, unserer ganzen Zeit gegenüber, und vor allem der tonangebenden Bildung unserer Zeit. Wir versuchten, uns das ja auch zu Herzen zu führen. Diejenigen, die wir beisammen waren bei der Grundsteinlegung unseres Baues, wissen, wie wir versuchten, uns vor die Seele zu rufen, wie notwendig die Verkündigung spiritueller Lehren ist mit treuem Einhalten der Wahrheit. Wir versuchten es uns vor die Seele zu führen, wie weitab unsere Zeitkultur von diesem Suchen nach der Wahrheit liegt. Man kann sagen, daß der Schrei nach dem Geiste durch unsere Zeit geht, daß aber die Menschen zu hochmütig oder beschränkt sind, um wirklich von wahrem Geiste etwas wissen zu wollen. Jener Grad von Wahrhaftigkeit, der notwendig ist, um die Verkündigung des Geistes zu vernehmen, der muß erst heranerzogen werden. Denn in dem, was heute Geistesbildung ist, ist dieser Grad von Wahrhaftigkeit nicht vorhanden und, was schlimmer ist, man merkt es nicht, daß er nicht vorhanden ist. Behandeln Sie das, was hier mit dem Fünften Evangelium gegeben worden ist, so, daß es in den Zweigen pietätvoll behandelt wird. Nicht aus Egoismus beanspruchen wir das, sondern aus einem ganz anderen Grunde, denn der Geist der Wahrheit muß in uns leben und der Geist muß in Wahrheit vor uns stehen.
[ 60 ] Die Menschen reden heute vom Geiste, aber sie ahnen, selbst wenn sie das tun, nichts vom Geiste. Da gibt es einen Mann — und warum soll man nicht Namen nennen -, der zu einem großen Ansehen gekommen ist, gerade weil er immer und immer vom Geiste spricht, Rudolf Eucken. Er redet immer vom Geiste, aber wenn man alle seine Bücher durchliest — versuchen Sie es nur einmal -, wird immer gesagt: Den Geist gibt es, man muß ihn erleben, man muß mit ihm zusammensein, man muß ihn empfinden - und so weiter. In unendlichen Phrasen geht es durch alle diese Bücher, wo man immer wieder schreibt: Geist, Geist, Geist! So redet man heute vom Geiste, weil man zu bequem oder zu hochmütig ist, zu den Quellen des Geistes selbst zu gehen. Und diese Menschen haben heute großes Ansehen. Dennoch wird es schwierig sein in der heutigen Zeit, mit dem, was so konkret aus dem Geiste geholt ist, wie es bei der Schilderung des Fünften Evangeliums geschehen mußte, durchzudringen. Dazu gehören Ernst und innere Wahrhaftigkeit. Eine der neuesten Schriften Euckens ist diese: «Können wir noch Christen sein?» Da lesen wir auf einer der Seiten, die nichts anderes sind als einzelne Glieder, die sich bandwurmartig aneinanderstücken aus Seele und Geist, und Geist und Seele, und durch viele Bände hindurch geschieht das, denn damit erwirbt man ungeheures Ansehen, Ruhm und Ruf, wenn man den Leuten erklärt, vom Geiste etwas zu wissen, denn die Leute merken heute nicht beim Lesen, was alles an innerer Unwahrhaftigkeit geleistet wird, und man möchte glauben, die Menschen müßten doch endlich lesen lernen — da lesen wir auf einer Seite den Satz: Die Menschheit ist heute darüber hinaus, an Dämonen zu glauben; an Dämonen zu glauben kann man den Menschen nicht mehr zumuten! — Aber an einer anderen Stelle liest man in demselben Buche den merkwürdigen Satz: «Die Berührung von Göttlichem und Menschlichem erzeugt dämonische Mächte.» Da spricht doch der Mann ernsthaft jetzt von Dämonen, der so, wie ich vorher gesagt habe, auf einer anderen Seite desselben Buches spricht. Ist das nicht tiefste innere Unwahrheit? Es müßte die Zeit endlich kommen, wo zurückgewiesen werden solche Lehren vom Geiste, die voll innerster Unwahrheit sind. Aber ich merke nichts davon, daß viele unserer Zeitgenossen diese innere Unwahrheit bemerken.
[ 61 ] So stehen wir heute noch, wenn wir der Wahrheit vom Geiste dienen, im Gegensatz zu unserer Zeit. Und es ist notwendig, sich an so etwas zu erinnern, um klar zu sehen, was wir in unseren Herzen zu tun haben, wenn wir sein wollen Mitträger der Verkündigung vom Geiste, Mitträger des der Menschheit notwendigen neuen Lebens vom Geiste. Wie kann man hoffen, wenn man versucht, durch die Geistlehre die menschliche Seele zu der Christus-Wesenheit zu führen, viel Anklang zu finden gegenüber der Zeitbildung, die sich heute begnügt mit solchen Wahrheiten, die alle gescheiten Philosophen und 'Theologen erzählen: daß es ein Christentum vor dem Christus gegeben habe! Denn sie weisen nach, daß der Kult, ja einzelne typische Erzählungen, in derselben Weise schon früher im Morgenlande gefunden wurden. Da erklären denn die gescheiten Theologen und erzählen es allen, die es hören wollen, daß das Christentum nichts anderes sei als die Fortsetzung dessen, was schon früher da war. Und ein großes Ansehen hat diese Literatur bei unseren Zeitgenossen. Ungeheures Ansehen hat sie gefunden, und die Zeitgenossenschaft merkt gar nicht, wie sich das alles zueinander verhält.
[ 62 ] Wenn man von der Christus-Wesenheit spricht, wie sie in ihrer Geistigkeit heruntersteigt, und wenn man die Christus-Wesenheit später in denselben Kultformen verehrt findet wie früher die heidnischen Götter verehrt wurden, und wenn das verwendet werden soll, um die Christus-Wesenheit überhaupt wegzuleugnen, wie das ja heute auch schon da ist, so ist das eine Logik, die jemand gebraucht, dem folgendes passiert: Irgendein beliebiger Mensch geht in eine Herberge und hätte dann dort seine Kleider gelassen. Von den Kleidern weiß man, daß sie diesem Menschen gehören. Nachher wäre ein Mensch wie Schiller oder Goethe gekommen und hätte, durch irgendeinen Umstand genötigt, die zurückgelassenen Kleider angezogen und wäre herausgekommen mit den Kleidern, die dem anderen gehörten. Und nun würde jemand umhergehen, Goethe in den anderen Kleidern sehen und sagen: Ja, was redet man denn da? Was soll das für ein besonderer Mensch sein? Die Kleider habe ich ja ganz genau geprüft, die gehören dem und dem, der gar kein besonderer Mensch ist. — Weil die Christus-Wesenheit die Kleider der alten Kulte gewissermaßen benutzt hat, kommen die gescheiten Leute und erkennen nicht, daß die Christus-Wesenheit dies nur wie ein Kleid angezogen hat, und daß, was jetzt in den alten Kulten steckt, die Christus-Wesenheit ist.
[ 63 ] Und nun nehmen Sie ganze Bibliotheken, nehmen Sie ganze Summen von heutigen wissenschaftlichen monistischen Betrachtungen: das sind Beweise vom Kleide der Christus-Wesenheit, die ja sogar wahr sind! Hoch im Werte steht heute der Beschnüffler der Kulturevolution und als tiefe Weisheit wird die Wissenschaft dieser Beschnüffler hingenommen. Dies Bild müssen wir uns vor die Seele malen, wenn wir nicht nur verstandesmäßig, sondern auch mit dem Gefühl aufnehmen wollen das, was mit diesem Fünften Evangelium gemeint ist. Denn gemeint ist, daß wir mit unserer Wahrheit in der richtigen Weise in unsere Zeit hineingestellt uns fühlen sollen, um zu begreifen, wie unmöglich es ist, der alten Zeit dasjenige begreiflich zu machen, was wieder als neue Verkündigung kommen muß. Deshalb darf ein Evangelienwort gesprochen werden, jetzt, wo wir wiederum Abschied nehmen voneinander: Mit dem Sinn, der heute in der Menschheit waltet, ist in der nächsten geistigen Entwickelung nicht weiterzukommen. — Darum muß dieser Sinn geändert werden, auf ein anderes gerichtet werden! Und die Kompromißnaturen, die sich kein klares Bild machen wollen von dem, was da ist und was da kommen muß, werden nicht gut dem dienen, was als geistige Lehre und geistiges Dienen der Menschheit notwendig ist. Ich war das Fünfte Evangelium, das mir heilig ist, schuldig. Und ich verabschiede mich von Ihren Herzen und Ihren Seelen mit dem Wunsche, daß das Band, das uns verbunden hat durch mancherlei anderes, gefestigt worden sei durch diese geistige Forschung über das Fünfte Evangelium, die mir besonders teuer ist. Und dies kann vielleicht in Ihren Herzen und Seelen eine warme Empfindung auslösen: Wenn wir auch physisch, räumlich und zeitlich getrennt sind, so wollen wir doch beisammen bleiben, zusammen fühlen, was wir in unseren Seelen zu erarbeiten haben und was gefordert ist durch die Pflicht, die der Geist in unserer Zeit den Menschenseelen auferlegt!
[ 64 ] Hoffentlich geht das, was wir erstreben, durch die Arbeit einer jeden Seele in der rechten Weise weiter. Ich glaube, daß mit diesem Wunsche der beste Abschiedsgruß gegeben sein darf, den ich am Ende gerade dieses Vortragszyklus hiermit bringen möchte.
