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From Akashic Research
The Fifth Gospel
GA 148

4 November 1913, Berlin

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From Akashic Research: The Fifth Gospel, tr. SOL
  1. Aus der Akasha-Forschung: Das Fünfte Evangelium, 6th ed.

Das Fünfte Evangelium II

The Fifth Gospel II

[ 1 ] Durch ein okkultes Studium, welches in entsprechender Weise angestellt wird, ist es in unserer Zeit möglich, dasjenige gewissermaßen zu erfahren, was man nennen könnte das Fünfte Evangelium. Wenn Sie Ihre Seelen auf mancherlei von dem richten, was im Laufe der Jahre in bezug auf das Mysterium von Golgatha gesagt worden ist, so wird Ihnen unter mancherlei, was gesagt worden ist, um die vier Evangelien zu erklären, auch solches begegnet sein, was als Mitteilung über das Leben des Christus Jesus nicht in den Evangelien steht. Ich erwähne aus der Reihe der in dieser Beziehung angeführten Tatsachen nur die Erzählung von den beiden Jesusknaben. Aber es ist mancherlei anderes auch, was heute aus den rein geistigen Urkunden gefunden werden kann und was wichtig ist für unsere Zeit, so wichtig ist für unsere Zeit, daß es eben wünschenswert erscheint, daß die dazu vorbereiteten Seelen es nach und nach kennenlernen. Vorläufig muß allerdings in unserem Kreise bleiben, was aus diesen Quellen heraus erzählt wird. Aber es darf trotzdem so aufgefaßt werden, als wenn es eben etwas wäre, was bestimmt ist, sich so in die Seelen unserer Gegenwart hineinzuergießen, daß man ein noch viel anschaulicheres Bild des Christus Jesus-Wirkens empfängt, als dies bisher möglich gewesen ist.

[ 1 ] Through occult study conducted in the proper manner, it is possible in our time to experience, so to speak, what might be called the Fifth Gospel. If you turn your attention to some of what has been said over the years regarding the Mystery of Golgotha, you will have encountered, among the various things said to explain the four Gospels, certain accounts of the life of Christ Jesus that are not found in the Gospels themselves. Of the facts cited in this regard, I mention only the story of the two Jesus boys. But there are many other things as well that can be found today in the purely spiritual records and that are important for our time—so important for our time that it seems desirable for souls prepared for this to become acquainted with them little by little. For the time being, however, what is told from these sources must remain within our circle. But it may nevertheless be understood as something destined to pour itself into the souls of our present age in such a way that one receives an even more vivid picture of the work of Christ Jesus than has been possible until now.

[ 2 ] Wenn Sie das nehmen, was ich im ersten Vortrag als Einleitung vorgebracht habe, so werden Sie daraus den Eindruck empfangen haben, daß in unserer Zeit ein viel bewußteres Erfassen der Gestalt des Christus Jesus notwendig ist, als es für frühere Zeiten der Fall war. Wenn etwa eingewendet werden sollte, daß es gegen die christliche Entwickelung verstoßen würde, etwas Neues über das Leben des Christus Jesus vorzubringen, so braucht nur an den Schluß des Johannes-Evangeliums erinnert zu werden, wo ausdrücklich steht, daß in den Evangelien die Dinge nur teilweise aufgezeichnet sind, die geschehen sind, und daß die Welt die Bücher nicht hervorbtingen könnte, die notwendig wären, wenn alles, was geschehen ist, aufgezeichnet werden sollte. Aus solchen Dingen kann man den Mut und die Kraft empfangen, um dann, wenn es in einem Zeitalter notwendig ist, Neues über das Leben des Christus Jesus vorzubringen, dieses auch wirklich zu tun. Und wissen kann man aus solchen Dingen, daß es doch nur Engherzigkeit ist, wenn gegen solches Vorbringen etwas gesagt wird.

[ 2 ] If you take what I presented as an introduction in the first lecture, you will have gained the impression that in our time a much more conscious grasp of the figure of Christ Jesus is necessary than was the case in earlier times. If, for example, it were to be objected that presenting something new about the life of Christ Jesus would run counter to Christian development, one need only recall the conclusion of the Gospel of John, where it is explicitly stated that the Gospels record only a portion of the things that have taken place, and that the world could not contain the books that would be necessary if everything that happened were to be recorded. From such things one can draw the courage and strength to actually present new insights into the life of Christ Jesus when it is necessary in a given age. And from such things one can know that it is nothing but narrow-mindedness when objections are raised against such a presentation.

[ 3 ] Nun möchte ich an das erinnern, was ich auch hier an diesem Orte öfter vorgebracht habe: daß im Beginne unserer Zeitrechnung zwei Jesusknaben geboren worden sind. Wir wissen das ja schon, und wir wissen auch, daß der eine der beiden Jesusknaben so geboren worden ist, daß in ihm das Ich, die Geistwesenheit des Zarathustra verkörpert war, daß dieser Jesusknabe dann ungefähr bis zu seinem zwölften Jahre mit dieser Geistwesenheit des Zarathustra gelebt hat, bis zu jenem Zeitpunkte, den das Lukas-Evangelium so schildert, daß die Eltern den Jesus nach Jerusalem geführt haben, ihn dann verloren haben, und daß er gefunden wurde unter den Schriftgelehrten, denen er in einer Weise, die sie und die Eltern in Verwunderung setzte, die Lehren ausgelegt habe, zu deren Auslegung sie selber berufen waren. Aufmerksam darauf habe ich gemacht, daß diese Szene, wie sie im Lukas-Evangelium geschildert wird, in Wahrheit darauf hinweist, daß das Ich des Zarathustra, das also durch ungefähr zwölf Jahre in dem einen Jesusknaben gelebt hat, hinüberzog in den anderen, jetzt ebenfalls zwölfjährigen Jesusknaben, der bis dahin von einer ganz anderen Geistesart gewesen war; so daß wir jetzt jenen Jesusknaben haben, der aus der nathanischen Linie des Hauses David stammt, und der das Zarathustra-Ich bis zum zwölften Jahre nicht in sich hatte, es aber von jetzt ab in sich hat.

[ 3 ] Now I would like to remind you of what I have often mentioned here in this very place: that at the beginning of our era, two Jesus children were born. We already know this, and we also know that one of the two Jesus children was born in such a way that the I, the spiritual being of Zarathustra, was embodied in him, that this Jesus child then lived with this spiritual being of Zarathustra until about the age of twelve, up to that point described in the Gospel of Luke when the parents took Jesus to Jerusalem, then lost him, and he was found among the scribes, to whom he had expounded the teachings—in a manner that astonished both them and the parents—which they themselves were called upon to expound. I have pointed out that this scene, as described in the Gospel of Luke, in truth indicates that the I of Zarathustra, which had thus lived for about twelve years in the one Jesus-boy, passed over into the other, now likewise twelve-year-old Jesus-boy, who until then had been of a completely different spiritual nature; so that we now have that boy Jesus, who descends from the Nathanic line of the House of David, and who did not have the Zarathustra-I within him until the age of twelve, but who has it within him from now on.

[ 4 ] Es ist nun möglich, mit den Mitteln, von denen ich öfter gesprochen habe, die man bezeichnen kann als das Lesen in der AkashaChronik, weitere Einblicke zu bekommen in das Leben jenes nun mit dem Zarathustra-Ich ausgestatteten Jesusknaben. Man kann dabei drei Zeiträume in dem Leben dieses Jesus unterscheiden. Der eine Zeitraum erstreckt sich ungefähr vom zwölften bis zum achtzehnten Lebensjahre, der zweite vom achtzehnten bis zum vierundzwanzigsten und der dritte etwa vom vierundzwanzigsten Lebensjahre bis zu dem Zeitpunkt, der durch die Johannestaufe im Jordan gekennzeichnet wird, also bis gegen das dreißigste Lebensjahr.

[ 4 ] It is now possible, using the methods I have often spoken of—which can be described as reading the Akashic Records—to gain further insights into the life of the young Jesus, who is now endowed with the Zarathustra ego. In doing so, one can distinguish three distinct periods in the life of this Jesus. The first period extends roughly from the age of twelve to eighteen, the second from eighteen to twenty-four, and the third from about the age of twenty-four to the point marked by John’s baptism in the Jordan, that is, until around the age of thirty.

[ 5 ] Fassen wir ins Auge, daß jener Jesusknabe, der nun mit seinem zwölften Jahre das Zarathustra-Ich in sich hatte, vor den Schriftgelehrten des israelitischen Volkes sich darstellt als eine Individualität, die ein elementarisches Wissen hatte über das, was das Wesen der jüdischen Lehre war, was das Wesen der alten hebräischen Gesetzeskunde war, und daß er imstande war, darüber in sachgemäßer Weise zu sprechen. Es lebte also in der Seele jenes Jesusknaben diese althebräische Welt. Alles das namentlich lebte in ihm, was heruntergekommen war an Nachrichten über das Verhältnis des hebräischen Volkes zu seinem Gotte, was gewöhnlich als die Verkündigung des Gottes des hebräischen Volkes an Moses aufgefaßt wird. Wenn wir skizzenhaft sprechen, können wir also sagen: Ein reicher Schatz aus der heiligen Lehre dessen, was im hebräischen Volke war, lebte in Jesus; und mit diesem Schatze, mit diesem Wissen lebte er, das Gewerbe seines Vaters treibend, in Nazareth, hingegeben dem, was er so wußte, es in seiner Seele verarbeitend.

[ 5 ] Let us consider that this boy Jesus, who at the age of twelve now possessed the Zarathustra-I within him, presented himself before the scribes of the Israelite people as an individual who possessed a fundamental knowledge of the essence of Jewish teaching, of the essence of ancient Hebrew jurisprudence, and that he was able to speak about it in an appropriate manner. Thus, this ancient Hebrew world lived in the soul of that boy Jesus. Everything that had come down to him in the form of knowledge about the relationship of the Hebrew people to their God—what is usually understood as the revelation of the God of the Hebrew people to Moses—lived within him. If we speak in broad strokes, we can therefore say: A rich treasure of the sacred teachings of what existed among the Hebrew people lived within Jesus; and with this treasure, with this knowledge, he lived, carrying on his father’s trade in Nazareth, devoted to what he knew in this way, processing it in his soul.

[ 6 ] Nun zeigt uns die Akasha-Chronik-Forschung, wie für ihn das, was er so wußte, ein Quell wurde von mancherlei seelischen Zweifeln und seelischen Schmerzen, wie er namentlich im tiefsten Sinne empfand, immer gründlicher und unter schweren inneren Seelenkämpfen empfand, wie zwar einstmals in ganz anderen Zeiten der Menschheitsentwickelung eine grandiose Verkündigung, eine grandiose Offenbarung heruntergeflossen ist aus den geistigen Welten in die Seelen derjenigen, die damals, ausgestattet mit ganz anderen Seelenkräften, eine solche Lehre empfangen konnten. Das trat besonders vor die Seele jenes Jesus, daß einst Menschen da waren mit ganz anderen Seelenkräften, die hinaufschauen konnten zu den sich offenbarenden Geistesmächten und in einer ganz anderen Weise verstanden, was da geoffenbart wurde, als das spätere Geschlecht, dem er selbst nun angehörte, das abgeleitete, das weniger hinaufgeleitete Seelenkräfte hatte, um das zu verarbeiten, was einst heruntergeleitet worden war. Oft kam für ihn der Augenblick, wo er sich sagte: Das alles ist einst verkündet worden, man kann es heute noch wissen; aber nicht mehr kann man es so voll erfassen, wie es diejenigen erfaßt haben, welche es damals bekommen hatten. — Und je mehr sich von diesem ihm innerlich offenbarte, je mehr er von diesem in seine Seele hereinbekam, wie er es jetzt bekam, als er vor den jüdischen Schriftgelehrten stand und ihnen ihre eigene Gesetzeskunde auslegte, desto mehr empfand er das Unvermögen der Seelen seiner Zeit, sich hineinzufinden in das, was alte hebräische Offenbarung war. Daher kamen ihm die Menschen, die Seelen seiner Zeit, die Charaktereigentümlichkeiten dieser Seelen seiner Zeit so vor wie die Nachkommen von Menschen, die einst große Offenbarungen bekommen hatten, die aber jetzt nicht mehr hinaufreichen konnten zu dieser Offenbarung. Was einst hell Aammend und mit größter Wärme in diese Seelen gezogen sein mochte — so konnte er sich oft sagen -, das verblaßte jetzt, das kam einem in vieler Beziehung öde vor, während die Seelen es früher in tiefstem Sinne empfunden hatten. So empfand er gegenüber vielem, was jetzt durch Inspiration mehr und mehr in seiner Seele auftauchte.

[ 6 ] Now, research into the Akashic Records shows us how what he knew in this way became a source of various spiritual doubts and spiritual pain for him, as he felt, in the deepest sense, feeling ever more deeply and amidst severe inner soul struggles how, in times long past during a very different stage of human development, a magnificent proclamation, a magnificent revelation, had flowed down from the spiritual worlds into the souls of those who, endowed with entirely different soul powers at that time, were able to receive such a teaching. It was particularly evident to the soul of that Jesus that there were once people with entirely different soul powers who could look up to the revealing spiritual powers and understood what was revealed there in a completely different way than the later generation to which he himself now belonged, which derived had fewer soul powers directed upward to process what had once been transmitted downward. Often the moment came for him when he said to himself: All this was once proclaimed; one can still know it today; but one can no longer grasp it as fully as those who received it back then did. — And the more of this was revealed to him inwardly, the more of it he took into his soul—as he did now, standing before the Jewish scribes and expounding their own knowledge of the law to them—the more he sensed the inability of the souls of his time to find their way into what was the ancient Hebrew revelation. Therefore, the people, the souls of his time, the character traits of these souls of his time, appeared to him as the descendants of people who had once received great revelations but who could no longer reach up to that revelation. What might once have drawn into these souls with bright radiance and the greatest warmth—he could often tell himself—had now faded; it seemed barren in many respects, whereas the souls had once felt it in the deepest sense. This was how he felt toward much of what was now emerging more and more in his soul through inspiration.

[ 7 ] Das war das Leben seiner Seele vom zwölften bis achtzehnten Jahre, daß sie immer tiefer und tiefer in die jüdische Lehre eindrang, und immer weniger von ihr befriedigt sein konnte, ja, daß sie ihm immer mehr Schmerzen und Leiden machte. Es erfüllt die Seele mit tiefster tragischer Empfindung, wenn man darauf hinblickt, wie der Jesus von Nazareth zu leiden hatte unter dem, was aus einer uralt heiligen Lehre in einem späteren Menschengeschlecht geworden war. Und oftmals sagte er sich, wenn er still träumend, sinnend dasaß: Die Lehre ist einstmals heruntergeflossen, die Offenbarung ward einstmals den Menschen gegeben; aber jetzt sind die Menschen nicht mehr da, die sie zu fassen vermögen! — Das charakterisiert in skizzenhafter Weise die Seelenstimmung des Jesus von Nazareth. Das wirkte in dem Nachsinnen seiner Seele in jenen Augenblicken, die ihm übrigblieben innerhalb der Zeit, die er verbrachte als Handwerker, als Tischler oder als Schreiner in Nazareth.

[ 7 ] Such was the life of his soul from the age of twelve to eighteen: it delved ever deeper and deeper into Jewish doctrine, yet found ever less satisfaction in it; indeed, it caused him ever greater pain and suffering. It fills the soul with the deepest tragic feeling when one considers how Jesus of Nazareth had to suffer under what had become of an ancient holy teaching in a later generation of humanity. And often he said to himself, as he sat there quietly dreaming and pondering: The teaching once flowed down, the revelation was once given to humanity; but now there are no longer people who are able to grasp it!” — This characterizes, in a sketchy way, the mood of Jesus of Nazareth’s soul. This was at work in the contemplation of his soul during those moments that remained to him within the time he spent as a craftsman, as a carpenter or as a joiner in Nazareth.

[ 8 ] Dann kam vom achtzehnten bis zum vierundzwanzigsten Jahre die Zeit, in welcher er in nahen und auch in etwas ferneren Gegenden herumzog. Er berührte bei diesem Herumziehen, wo er in seinem Gewerbe an den verschiedensten Orten arbeitete, nicht nur Orte Palästinas, sondern auch außerhalb Palästinas. Er lernte in diesen Jahren, in denen die Menschenseele so frisch hingegeben an die Umgebung vieles aufnimmt, viele Menschen und viele Menschengesinnungen kennen, lernte kennen, wie die Menschenseelen mit dem lebten, was ihnen als uralt heilige Lehre geblieben war, das heißt mit dem, was sie davon verstehen konnten. Und es ist von vornherein verständlich, daß auf ein Gemüt, das durch sechs Jahre dieses durchgemacht hatte, was ich eben erzählte, alles, was an inneren Freuden, Leiden, Enttäuschungen auf der Seele lastete, einen ganz anderen Eindruck machen mußte als auf das Gemüt anderer Menschen. Jede Seele war für ihn ein Rätsel, das er zu lösen hatte; jede Seele war aber auch etwas, das ihm sagte, daß sie wartet auf etwas, was da kommen müsse.

[ 8 ] Then came the period from the age of eighteen to twenty-four, during which he traveled around both nearby and somewhat more distant regions. In the course of these travels, as he worked in his trade in a wide variety of places, he visited not only locations within Palestine but also those outside of it. During these years, when the human soul, so freshly attuned to its surroundings, absorbs so much, he came to know many people and many ways of thinking, and learned how people lived with what had remained to them as an ancient, sacred teaching—that is, with what they were able to understand of it. And it is understandable from the outset that on a mind that had gone through what I just described for six years—all the inner joys, sufferings, and disappointments weighing on the soul—everything must have made a very different impression than on the minds of other people. Every soul was a riddle for him that he had to solve; but every soul was also something that told him it was waiting for something that was bound to come.

[ 9 ] Unter den mancherlei Gegenden, die er berührte, waren auch solche, die dem damaligen Heidentume angehörten. Eine Szene, die uns aus dem Geistgemälde dieser seiner Wanderungen inner- und außerhalb Palästinas in der Zeit von seinem achtzehnten bis vierundzwanzigsten Jahre herüberleuchtet, machte einen ganz besonders tiefen Eindruck. Da erblickt man ihn einmal ankommend an einer heidnischen Kultstätte, an einer solchen heidnischen Kultstätte, wie sie den heidnischen Göttern unter diesem oder jenem Namen in Asien, Afrika und Europa errichtet waren. Es war eine jener Kultstätten, wie sie in ihren Zeremonien erinnerten an die Art, wie diese in den Mysterien auch geübt wurde, dort aber mit Verständnis geübt wurde, während sie in diesen heidnischen Kultstätten oft in eine Art äußerlichen Zeremoniells übergegangen waren. Aber es war dies eine solche Kultstätte, an die der Jesus von Nazareth kam, die von ihren Priestern verlassen war, wo also der Kult nicht mehr verrichtet wurde. Das war in einer Gegend, wo die Leute in Not und Elend, in Krankheit und Mühseligkeit lebten; ihre Kultstätte war von den Priestern verlassen. Als der Jesus von Nazareth aber an diese Kultstätte kam, da versammelten sich die Leute um ihn herum, die Leute, die vielfach geplagt waren von Krankheit, Elend und Not, aber namentlich geplagt waren von dem Gedanken: Das ist die Stätte, wo wir uns einst versammelt haben, wo die Priester mit uns geopfert haben und uns die Wirkung der Götter gezeigt haben; jetzt stehen wir vor der verlassenen Kultstätte.

[ 9 ] Among the various regions he visited were some that were still steeped in the paganism of the time. One scene that shines through from the mental picture of his travels within and outside Palestine during the years from his eighteenth to his twenty-fourth made a particularly deep impression. There we see him arriving at a pagan place of worship, a place of worship such as those erected to the pagan gods under this or that name in Asia, Africa, and Europe. It was one of those places of worship whose ceremonies recalled the manner in which they were also practiced in the Mysteries, but there they were practiced with understanding, whereas in these pagan places of worship they had often degenerated into a kind of external ritual. But this was such a place of worship to which Jesus of Nazareth came, one that had been abandoned by its priests, where the worship was no longer performed. This was in a region where people lived in need and misery, in sickness and hardship; their place of worship had been abandoned by the priests. But when Jesus of Nazareth came to this place of worship, the people gathered around him—people who were afflicted in many ways by illness, misery, and need, but who were particularly tormented by the thought: This is the place where we once gathered, where the priests offered sacrifices with us and showed us the power of the gods; now we stand before the abandoned place of worship.

[ 10 ] Ein eigentümlicher Zug in der Seele des Jesus tritt dabei dem spirituell Betrachtenden entgegen. Schon bei anderen Wanderungen konnte man bemerken, daß der Jesus überall aufgenommen wurde in einer ganz besonderen Art. Die Grundstimmung seiner Seele verbreitete etwas, was milde und wohltätig auf die Menschen wirkte, in deren Kreisen er sich aufhalten konnte. Er reiste von Ort zu Ort, arbeitete da und dort in dieser oder jener Schreinerwerkstätte und saß dann mit den Leuten zusammen, mit denen er sich unterhielt. Jedes Wort, das er sprach, wurde in einer besonderen Weise aufgefaßt, denn es war in einer ganz besonderen Weise gesprochen; es war durchzogen von der Milde und dem Wohlwollen des Herzens. Nicht so sehr das Was, sondern das Wie goß etwas wie einen Zauberhauch in die Seelen der Menschen. Es bildeten sich überall herzliche Verhältnisse zu dem Herumwandernden. Man nahm ihn nicht wie einen anderen Menschen; man sah aus seinen Augen etwas Besonderes strahlen, fühlte aus seinem Herzen etwas Besonderes sprechen.

[ 10 ] A peculiar trait in Jesus’ soul strikes the spiritual observer. Even during his other journeys, one could notice that Jesus was welcomed everywhere in a very special way. The fundamental mood of his soul radiated something that had a gentle and beneficial effect on the people among whom he found himself. He traveled from place to place, working here and there in this or that carpenter’s workshop, and then sat together with the people with whom he conversed. Every word he spoke was received in a special way, for it was spoken in a very special way; it was imbued with the gentleness and goodwill of the heart. It was not so much the what, but the how that poured something like a magical breath into people’s souls. Warm relationships with the wandering man formed everywhere. People did not regard him as just another person; they saw something special shining from his eyes, felt something special speaking from his heart.

[ 11 ] Und so war es auch, als ob in den Leuten, die in Mühsal und in Elend und Not um ihren Altar herumstanden und sahen, wie da ein Fremder gekommen war, als ob in jeder Seele gelebt hätte der Gedanke: Ein Priester ist uns gekommen, der nun wieder das Opfer an dem Altar verrichten will! - Das war die Stimmung, die um ihn herum war, durch den Eindruck hervorgerufen, den sein Ankommen machte. Es war, wie wenn er den Heiden als Priester erschienen wäre, der wieder ihr Opfer verrichten würde.

[ 11 ] And so it was, as if within the people standing around their altar in hardship, misery, and need, watching as a stranger had arrived, as if the thought lived in every soul: A priest has come to us, who now intends to perform the sacrifice at the altar once more! - That was the mood that surrounded him, brought about by the impression his arrival made. It was as if he had appeared to the pagans as a priest who would once again perform their sacrifice.

[ 12 ] Und siehe da, als er so stand vor den Versammelten, da fühlte er sich in einem bestimmten Augenblicke wie entrückt, wie in einen besonderen Seelenzustand gebracht - und er schaute Grausiges! Er schaute am Altare und unter der Volksmenge, die um ihn herum sich immer zahlreicher versammelte, das, was man Dämonen nennen kann, und er erkannte, was diese Dämonen zu bedeuten hatten. Er erkannte, wie allmählich die heidnischen Opfer übergegangen waren in etwas, was solche Dämonen magisch herbeizog. Und so waren, als Jesus an den Altar gekommen war, nicht nur die Menschen herbeigekommen, sondern auch die Dämonen, die sich bei den früheren Opferhandlungen an dem Altar versammelt hatten. Denn dieses erkannte er: daß zwar solche heidnische Opferhandlungen abstammten von dem, was in den alten Heidenzeiten und an guten Kultstätten den wahren Göttern, soweit sie für die Heidenzeit erkennbar waren, an Opfertaten verrichtet werden konnte, daß aber diese Opfer nach und nach in Verfall gekommen waren. Es waren die Geheimnisse ausgeartet, und statt daß die Opfer zu den Göttern strömten, zogen diese Opfer und das, was an Gedanken in den Priestern lebte, Dämonen herbei, luziferische und ahrimanische Gewalten, die er jetzt wiederum um sich sah, nachdem er in einen anderen Bewußtseinszustand versetzt war. Und als die um ihn herum Versammelten gesehen hatten, wie er in diesen anderen Bewußtseinszustand versetzt war und deshalb hinfiel, da ergriffen sie die Flucht. Die Dämonen aber blieben.

[ 12 ] And lo and behold, as he stood there before the assembly, at a certain moment he felt as if he had been transported, as if he had been brought into a special state of mind—and he saw something horrific! He saw, at the altar and among the crowd that was gathering around him in ever-greater numbers, what might be called demons, and he realized what these demons signified. He realized how the pagan sacrifices had gradually given way to something that magically drew such demons. And so, when Jesus had come to the altar, not only had the people gathered there, but also the demons who had assembled at the altar during the earlier sacrificial rites. For he recognized this: that although such pagan sacrificial rites had their origin in what could be performed as acts of sacrifice to the true gods—insofar as they were recognizable in pagan times—at the ancient pagan sites and in proper places of worship, these sacrifices had gradually fallen into decay. The mysteries had degenerated, and instead of the sacrifices flowing to the gods, these sacrifices and the thoughts living within the priests drew demons to them—Luciferic and Ahrimanic forces—which he now saw around him once more, after he had been transported into a different state of consciousness. And when those gathered around him saw how he had been transported into this other state of consciousness and had therefore fallen, they took flight. But the demons remained.

[ 13 ] Auf eine noch eindringlichere Art als der Verfall der alten hebräischen Lehre war so vor die Seele des Jesus von Nazareth der Verfall der heidnischen Mysterien getreten. Von seinem zwölften bis achtzehnten Jahre hatte er in sich erlebt, wie das, was einst der Menschheit gegeben war, so daß es die Seelen wärmte und erleuchtete, nicht mehr wirken konnte und so zu einer gewissen Seelenverödung führte. Jetzt sah er, wie an die Stelle der alten wohltätigen Götterwirkungen Dämonenwirkungen luziferischer und ahrimanischer Art getreten waren. Er sah den Verfall des Heidentums an dem, was er da um sich herum spirituell wahrgenommen hatte. Stellen Sie sich diese Seelenetlebnisse vor, diese Art zu erfahren, was aus der Wirkung der alten _ Götter und dem Verkehr der Menschen mit den alten Göttern geworden war; stellen Sie sich die Empfindung vor, die auf diese Weise erzeugt wird: Die Menschheit muß dürsten nach Neuem, denn sie wird elend in ihren Seelen, wenn nicht Neues kommt!

[ 13 ] Even more profoundly than the decline of the ancient Hebrew teachings, the decline of the pagan mysteries had come to dominate the soul of Jesus of Nazareth. From the age of twelve to eighteen, he had experienced within himself how that which had once been given to humanity—so that it warmed and enlightened souls—could no longer take effect, thus leading to a certain spiritual desolation. Now he saw how the beneficial effects of the ancient gods had been replaced by demonic forces of a Luciferic and Ahrimanic nature. He saw the decline of paganism in what he had spiritually perceived around him. Imagine these soul experiences, this way of experiencing what had become of the influence of the ancient gods and humanity’s relationship with them; imagine the feeling that arises in this way: Humanity must thirst for something new, for it becomes miserable in its souls if nothing new comes!

[ 14 ] Und der Jesus von Nazareth hatte damals, nachdem die Dämonen ihn sozusagen betrachtet hatten und dann den fliehenden Menschen: nachgezogen waren, eine Art Vision, eine Vision, von der wir noch sprechen werden, in der ihm wie aus den geistigen Höhen der Entwickelungsgang der Menschheit auf eine besondere Art entgegentönte. Er hatte die Vision dessen, was ich in einem künftigen Vortrage mitteilen werde, was wie eine Art von makrokosmischem Vaterunser ist. Er empfand, was einstmals im reinen Wort, als reiner Logos der Menschheit verkündet worden war.

[ 14 ] And Jesus of Nazareth, at that time, after the demons had, so to speak, observed him and then followed the fleeing people, had a kind of vision—a vision we will speak of later—in which the course of human development seemed to resound toward him in a special way, as if from the spiritual heights. He had a vision of what I will share in a future lecture—something akin to a kind of macrocosmic Lord’s Prayer. He sensed what had once been proclaimed to humanity in the pure Word, as the pure Logos.

[ 15 ] Als der Jesus von Nazareth von dieser Wanderung nach Hause kam, war es ungefähr um die Zeit - so stellt es uns die spirituelle Forschung vor -, in welcher der Vater des Jesus von Nazareth gestorben war. In den folgenden Jahren dann, so vom vierundzwanzigsten Jahre bis zu der Zeit, die gekennzeichnet wird als die der Johannestaufe im Jordan, machte der Jesus von Nazareth Bekanntschaft mit dem, was man die Essäerlehre und die Essäergemeinschaft nennen kann. Die Essäer waren eine Gemeinschaft, die ihren Sitz in einem Tale Palästinas aufgeschlagen hatte. Der Zentralsitz war einsam gelegen. Aber die Essäer hatten überall Niederlassungen; auch in Nazareth war etwas wie eine Art Niederlassung. Die Essäer hatten sich die Aufgabe gestellt, ein besonderes Leben auszubilden, ein besonderes Seelenleben, das aber im Einklange stehen sollte mit dem äußeren Leben, wodurch die Seele sich hinaufentwickeln konnte zu einem höheren Standpunkte des Erlebens, wodurch sie in eine Art Gemeinsamkeit mit der geistigen Welt kommen konnte. In gewissen Graden stieg man auf zu dem, was die Essäergemeinschaft ihren Mitgliedern, ihren Mitbekennern als das Höchste geben wollte: eine Art Vereinigung mit der höheren Welt.

[ 15 ] When Jesus of Nazareth returned home from this journey, it was around the time—as spiritual research suggests—when the father of Jesus of Nazareth had died. In the years that followed—from the age of twenty-four until the time marked by the baptism of John in the Jordan—Jesus of Nazareth became acquainted with what might be called the Essene teachings and the Essene community. The Essenes were a community that had established its headquarters in a valley in Palestine. The central headquarters was situated in a secluded location. But the Essenes had branches everywhere; there was also something like a branch in Nazareth. The Essenes had set themselves the task of cultivating a special life, a special spiritual life, which was, however, to be in harmony with external life, through which the soul could develop upward to a higher level of experience, through which it could enter into a kind of communion with the spiritual world. To a certain degree, one ascended to what the Essene community sought to offer its members, its fellow believers, as the highest good: a kind of union with the higher world.

[ 16 ] Die Essäer hatten damit etwas ausgebildet, was gewissermaßen eine solche Pflege der Menschenseele bewirken sollte, welche diese Menschenseele wieder geeignet machte, zu fassen, was durch den naturgemäßen Gang der Menschheitsentwickelung nicht mehr gefaßt werden konnte: den alten Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt. In strengen Regeln, die sich auch auf die äußere Lebensweise bezogen, suchten die Essäer das zu erreichen. Sie suchten es dadurch zu erreichen, daß sie sich sozusagen streng zurückzogen vor der Berührung mit alledem, was äußere Welt war. Ein solcher Essäer hatte kein persönliches Eigentum. Die Essäer waren aus allen möglichen Teilen der damaligen Welt zusammengekommen. Jeder aber, der Essäer werden wollte, mußte das, was er an Besitz hatte, abgeben an die Essäergemeinschaft; nur die Essäergemeinschaft hatte Besitz, Eigentum. Wenn also irgendwie jemand an einem Orte etwas besaß, und er wollte Essäer werden, so übergab er das Haus und was an Grundstücken dazugehörte, der Essäergemeinschaft. Dadurch hatte diese an den verschiedensten Orten Besitzungen. Es ist ein eigentümlicher Grundsatz in der Essäergemeinschaft gewesen, der heute ganz gewiß nach unseren Anschauungen Anstoß erregen kann, der aber eben notwendig war für alles, was die Essäer gerade wollten. Sie pflegten das Leben der Seele dadurch, daß sie sich widmeten einem reinen Leben, einem Leben in Hingabe an die Weisheit, aber auch einem wohltätigen Leben in Liebe. So waren sie auch die, welche überall, wo sie hinkamen - und sie zogen ja in der Welt herum, um eben ihre Aufgabe zu erfüllen —, Wohltaten wirkten. Ein Teil ihrer Lehre war die Heilung der Kranken. Heilend wirkten sie überall nach der Art der damaligen Zeit. Aber auch an materieller Wohltätigkeit taten sie viel. Und da war jener Grundsatz geltend, der in unserer heutigen sozialen Ordnung nicht nachgeahmt werden kann, wohl auch nicht nachgeahmt werden darf: ein Essäer konnte jeden unterstützen, den er für bedürftig hielt, nur keinen Familienangehörigen.

[ 16 ] The Essenes had thus developed something intended, in a sense, to nurture the human soul in such a way as to make it once again capable of grasping what could no longer be grasped through the natural course of human development: the ancient connection with the divine-spiritual world. The Essenes sought to achieve this through strict rules that also applied to their outward way of life. They sought to achieve it by, so to speak, strictly withdrawing from contact with everything that constituted the outer world. An Essene had no personal possessions. The Essenes had come together from all corners of the world at that time. But anyone who wanted to become an Essene had to surrender whatever possessions he had to the Essene community; only the Essene community had possessions, property. So if someone owned something in a certain place and wanted to become an Essene, he would hand over the house and any land belonging to it to the Essene community. As a result, the community had properties in a wide variety of places. It was a peculiar principle in the Essene community, one that today would certainly cause offense according to our views, but which was precisely necessary for everything the Essenes sought to achieve. They cultivated the life of the soul by devoting themselves to a pure life, a life of devotion to wisdom, but also a charitable life lived in love. Thus they were also the ones who, wherever they went—and they did indeed travel throughout the world to fulfill their mission—performed acts of charity. Part of their teaching was the healing of the sick. They performed healing works everywhere in the manner of the time. But they also did much in the way of material charity. And there was that principle in force which cannot be imitated in our present social order, nor indeed should it be: an Essene could support anyone he deemed to be in need, but not a family member.

[ 17 ] Es galt diesen Essäern als Ideal, daß sie das Ziel hatten, die Seele zu vervollkommnen, um sie wieder zu einem Zusammenhang mit der geistigen Welt zu führen. Dieses Ziel der Essäer war darauf angelegt, an die Seele des Essäers nicht herankommen zu lassen die Versuchungen von Ahriman und Luzifer. Wir könnten also auch das Essäerideal so charakterisieren, daß wir sagen: Der Essäer versuchte alles, was man nennen kann luziferische und ahrimanische Verlockungen, von sich fernzuhalten. Er versuchte so zu leben, daß das, was ahrimanisches Herabziehen in die Sinnlichkeit, in die äußere Welt, in das materialistische Leben ist, gar nicht an ihn herankommen konnte. Er versuchte aber auch ein Leben in der Reinheit des Körpers zu führen, damit die aus der Seele aufsteigenden Iluziferischen Verlockungen und Versuchungen diese Seele nicht befallen konnten. Er versuchte also ein solches Leben zu führen, daß Luzifer und Ahriman nicht an die Essäerseele herankommen konnten.

[ 17 ] The Essene ideal was to perfect the soul in order to restore its connection with the spiritual world. This goal of the Essenes was designed to prevent the temptations of Ahriman and Lucifer from reaching the Essene’s soul. We could therefore also characterize the Essene ideal by saying: The Essene sought to keep everything that might be called Luciferic and Ahrimanic temptations at a distance. He sought to live in such a way that what constitutes the Ahrimanic pull down into sensuality, into the external world, into materialistic life, could not approach him at all. But they also sought to lead a life of bodily purity so that the Luciferic temptations and enticements rising from the soul could not afflict that soul. They thus sought to lead a life such that neither Lucifer nor Ahriman could reach the Essene soul.

[ 18 ] Durch die ganze Art und Weise, wie sich der Jesus von Nazareth entwickelt hatte, kam er in ein Verhältnis zu den Essäern, wie es bei einem anderen Menschen nicht möglich gewesen wäre, und in den Jahren, von denen ich hier spreche, überhaupt nicht möglich geworden wäre, wenn er nicht selbst Essäer geworden wäre. Der Jesus von Nazareth durfte sogar an der Zentralstätte der Essäer, soweit das überhaupt nur irgend möglich war innerhalb der strengen Regeln des Essäerordens, die Räumlichkeiten, die heiligsten, einsamsten Räumlichkeiten betreten, durfte Gespräche mit den Essäern pflegen, die sie sonst nur untereinander pflegten. Er konnte sich dabei einweihen in das, was tiefste Ordensregeln der Essäer waren. So lernte er kennen, wie der einzelne Essäer fühlte und strebte und lebte, und er lernte vor allem empfinden — und das ist etwas von dem, worauf es ankommt -, was als äußerste Möglichkeit für eine Seele seiner Zeit bestand, um durch Vervollkommnung wieder heranzudringen zu der uralt heiligen Offenbarung. Das alles lernte er kennen.

[ 18 ] Because of the very way in which Jesus of Nazareth had developed, he came into a relationship with the Essenes that would not have been possible for any other person, and during the years I am referring to here, it would not have been possible at all had he not become an Essene himself. Jesus of Nazareth was even permitted to enter the most sacred and secluded chambers at the Essene headquarters—to the extent that this was at all possible within the strict rules of the Essene order—and to engage in conversations with the Essenes that they otherwise reserved only for themselves. In doing so, he was able to become initiated into the deepest rules of the Essene order. Thus he came to know how the individual Essene felt, strove, and lived, and above all he learned to perceive—and this is something of what matters—what constituted the utmost possibility for a soul of his time to approach, through perfection, the ancient sacred revelation once more. He came to know all of this.

[ 19 ] Eines Tages, als er die Versammlung der Essäer verließ, hatte er ein bedeutsames Erlebnis. Als er zum Tore der einsamen Wohnstätte der Essäer hinausging, sah er zwei Gestalten von beiden Seiten des Tores wie wegfliehend, und er konnte empfinden, daß Luzifer und Ahriman das seien. Und öfter wiederholte sich ihm dies wie eine ähnliche Vision. Die Essäer waren ja ein an Menschen sehr zahlreicher Orden. Sie hatten überall ihre Niederlassungen auf die Art, wie ich es geschildert habe. Daher wurden sie als solche auch in einer gewissen Weise respektiert, obwohl sie ihr soziales Leben in einer ganz anderen Art führten als die anderen Menschen der damaligen Zeit. Die Städte, die sie besuchten, machten ihnen besondere Tore; denn der Essäer durfte — das gehörte zu seinen Regeln — durch kein Tor gehen, an dem ein Bildnis angebracht war. Er mußte, wenn er in eine Stadt wollte und ran ein Tor kam, wo ein Bildnis angebracht war, wieder umkehren und an einem anderen Orte zur Stadt hineingehen, wo kein Bildnis angebracht war. In dem ganzen System der Essäer-Vervollkommnungslehre spielte das eine gewisse Rolle, denn es war so, daß nichts von Legendenhaftem, Mythischem oder Religiösem im Bilde dargestellt werden durfte. Das Luziferische der Bildimpulse wollte der Essäer dadurch fliehen. So lernte denn auf seinen Wanderungen der Jesus von Nazareth die bildlosen Essäertore kennen. Und immer wieder und wieder zeigte sich ihm an diesen bildlosen Essäertoren, wie Luzifer und Ahriman wie unsichtbare Bildnisse sich dort hingestellt hatten, wo die sichtbaren Bildnisse verpönt waren. Es waren das bedeutsame Erfahrungen in dem Leben des Jesus von Nazareth.

[ 19 ] One day, as he was leaving the Essene assembly, he had a significant experience. As he walked out toward the gate of the Essenes’ secluded dwelling, he saw two figures on either side of the gate as if fleeing, and he sensed that they were Lucifer and Ahriman. And this repeated itself to him often as a similar vision. The Essenes were, after all, an order with a very large number of members. They had their settlements everywhere in the manner I have described. Therefore, they were also respected in a certain way as such, even though they led their social life in a completely different manner than other people of that time. The cities they visited provided them with special gates; for the Essene was not permitted—this was part of his rules—to pass through any gate on which an image was affixed. If he wished to enter a city and came upon a gate where an image was affixed, he had to turn back and enter the city at another point where no image was affixed. This played a certain role in the entire system of the Essene doctrine of perfection, for it was so that nothing of a legendary, mythical, or religious nature was permitted to be depicted in images. Through this, the Essene sought to flee the Luciferic aspect of the impulses of imagery. Thus, on his wanderings, Jesus of Nazareth came to know the image-less Essene gates. And time and again, at these image-less Essene gates, it became clear to him how Lucifer and Ahriman had set themselves up there as invisible images, where visible images were frowned upon. These were significant experiences in the life of Jesus of Nazareth.

[ 20 ] Was ergab sich ihm aus diesen bedeutsamen Erfahrungen im Zusammenhange mit den zahlreichen Gesprächen, die er haben konnte mit den Essäern, die eine hohe Vollkommenheitsstufe erlangt hatten? Es ergab sich ihm etwas, was wieder ungeheuer bedrückend, tief, tief bedrückend auf seine Seele wirkte, was ihm unendliche Qualen und Schmerzen machte. Es ergab sich ihm nämlich, daß er sich sagen mußte: Ja, da ist eine streng in sich abgeschlossene Gemeinschaft; da sind Leute, die streben darnach, in der Gegenwart einen Zusammenhang zu bekommen mit den spirituellen Mächten, mit der göttlichgeistigen Welt. Es ist also auch in der Gegenwart noch etwas da unter den Menschen, was diesen Zusammenhang wieder zu bekommen sucht. Aber auf welche Kosten hin? Auf das hin, daß diese Gemeinschaft der Essäer ein Leben führt, welches die anderen Menschen nicht führen konnten. Denn hätten alle Menschen das Leben der Essäer geführt, so wäre eben das Leben der Essäer nicht möglich gewesen. Und jetzt ging ihm auf ein auf seine Seele ungeheuer bedrückend wirkender Zusammenhang: Wohin fliehen denn Luzifer und Ahriman, sagte er sich, wenn sie von den Toren der Essäer wegfliehen? Sie fliehen dahin, wo die Seelen der anderen Menschen sind! Dazu also hatte es die Menschheit gebracht, daß eine Gemeinschaft sich aussondern muß, wenn sie den Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt finden will. Und weil sie sich aussondert, sich so aussondett, daß sie sich in ihrem ganzen sozialen Zusammenhalt nur entwickeln kann, indem sie die anderen Menschen von sich ausschließt, verurteilt sie die anderen Menschen, gerade um so tiefer in das hineinzusinken, was sie, diese Essäergemeinschaft, floh. Dadurch, daß die Gemeinschaft der Essäer stieg, mußten die anderen um so mehr fallen! Dadurch, daß der Essäer ein Leben führte, welches Luzifer und Ahriman nicht mit ihm in Berührung kommen ließ, konnten Ahriman und Luzifer gerade versuchend und verlockend zu den anderen Menschen hin kommen.

[ 20 ] What did he gain from these significant experiences in connection with the numerous conversations he was able to have with the Essenes, who had attained a high level of perfection? He came to realize something that had an immensely oppressive, deeply, deeply oppressive effect on his soul, causing him infinite torment and pain. For he realized that he had to admit to himself: Yes, there is a strictly self-contained community; there are people who strive to establish a connection in the present with the spiritual powers, with the divine-spiritual world. So even in the present day there is still something among human beings that seeks to reestablish this connection. But at what cost? At the cost that this community of Essenes leads a life that other human beings could not lead. For if all human beings had led the life of the Essenes, then the life of the Essenes would not have been possible. And now a connection dawned on him that weighed heavily upon his soul: Where, he asked himself, do Lucifer and Ahriman flee when they flee from the gates of the Essenes? They flee to where the souls of other people are! Humanity had thus reached a point where a community must separate itself if it wishes to find a connection with the divine-spiritual world. And because it separates itself—separates itself in such a way that it can develop its entire social cohesion only by excluding other human beings—it condemns other human beings to sink all the more deeply into that from which it, this Essene community, fled. Because the Essene community rose, the others had to fall all the more! Because the Essene led a life in which Lucifer and Ahriman were not allowed to come into contact with him, Ahriman and Lucifer were able to approach the other people through temptation and enticement.

[ 21 ] Das war des Jesus von Nazareth Erfahrung mit einem esoterischen Orden. Was in seiner Zeit mit der jüdischen Gesetzeskunde zu erfahren war, das hatte er schon in früheren Jahren in seiner Seele erfahren. Wozu die heidnischen Kulte in seiner Zeit gekommen waren, das hatte er ebenfalls in früheren Jahren in seiner Seele erfahren, als ihm die Dämonenwelt in bedeutungsvollem Augenblicke vor die Seele getreten war. Jetzt hatte er hinzuerfahren, auf welche Kosten hin die Menschheit seiner Zeit ihre Annäherung suchen mußte zu den göttlich-geistigen Weltengeheimnissen. So leben wir in einer Zeit — das trat bitter vor seine Seele -, in welcher jene, die den Zusammenhang mit dem Göttlich-Geistigen suchen, in enger Gemeinschaft und auf Kosten der anderen Menschen dieses tun müssen. So leben wir in einer Zeit, in welcher der Schrei der Sehnsucht ist nach einem solchen Zusammenhange mit der göttlich-geistigen Welt, der allen Menschen werden kann. Das hatte sich auf seine Seele drückend gelegt.

[ 21 ] This was Jesus of Nazareth’s experience with an esoteric order. What could be learned about Jewish law in his time, he had already experienced in his soul in earlier years. He had likewise experienced in his soul in earlier years what the pagan cults of his time had come to, when the world of demons had appeared before his soul at a moment of great significance. Now he had to learn at what cost the humanity of his time had to seek its approach to the divine-spiritual mysteries of the world. Thus we live in a time—this struck his soul bitterly—in which those who seek connection with the divine-spiritual must do so in close fellowship and at the expense of other people. Thus we live in an age in which there is a cry of longing for such a connection with the divine-spiritual world that can become a reality for all people. This had weighed heavily upon his soul.

[ 22 ] Und wie sich das so auf seine Seele legte, da hatte er einmal gerade innerhalb der Essäergemeinschaft auch ein geistiges Gespräch mit der Seele des Buddha. Viel Ähnlichkeit mit dem, was der Buddha auf die Welt gebracht hatte, hatte ja die ganze Art und Weise der Essäergemeinschaft. Und der Jesus sah sich dem Buddha gegenüberstehen und vernahm, von dem Buddha sich selber gesagt: Auf dem Wege, den ich der Menschheit gegeben habe, kann doch nicht der Zusammenhang mit der göttlich-geistigen Welt an alle Menschen herankommen; denn ich habe eine Lehre begründet, die, wenn sie in ihren höheren Gliedern begriffen und erlebt werden soll, eine solche Absonderung notwendig macht, wie sie in dieser Lehre enthalten ist. - Mit ganzer Schärfe, mit ganzer Gewalt stand es vor der Seele des Jesus von Nazareth, wie der Buddha eine Lehre begründet hat, die voraussetzt, daß außer denen, die sich zum Intimsten dieser Lehre bekennen, eben wieder andere Menschen da sein müssen, die sich nicht zu diesem Intimsten bekennen können. Denn wie hätten Buddha und seine Schüler hingehen können mit der Opferschale in der Hand und Almosen sammeln, wenn es nicht solche Menschen gegeben hätte, die ihnen Almosen hätten geben können? Das hörte er nun von Buddha, daß seine Lehre nicht eine solche war, die jeder Mensch in jeder Lage des Lebens zur Ausbildung bringen konnte.

[ 22 ] And as this sank into his soul, he once had a spiritual conversation with the soul of the Buddha while he was still a member of the Essene community. The entire way of life of the Essene community bore a strong resemblance to what the Buddha had brought into the world. And Jesus saw himself facing the Buddha and heard the Buddha say of himself: “On the path I have given to humanity, the connection with the divine-spiritual world cannot reach all people; for I have established a teaching which, if it is to be understood and experienced in its higher aspects, necessitates a separation such as is contained within this teaching.” - With utter clarity, with full force, it stood before the soul of Jesus of Nazareth how the Buddha had established a teaching that presupposes that, apart from those who profess the innermost aspects of this teaching, there must also be other people who cannot profess these innermost aspects. For how could the Buddha and his disciples have gone about with the alms bowl in hand, collecting alms, if there had not been such people who could give them alms? He now heard from the Buddha that his teaching was not one that every person in every situation of life could put into practice.

[ 23 ] Welche Entwickelungsmöglichkeiten in seiner Zeit vorhanden waren, das hatte der Jesus von Nazareth in den drei Perioden seines Lebens vor der Johannestaufe im Jordan erfahren, hatte es nicht so erfahren, wie man etwas lernt, sondern so, wie man etwas erlebt, wenn man in unmittelbare, allernächste Berührung mit diesen Dingen kommt. Er war in allernächste Berührung gekommen mit der alten jüdischen Gesetzeskunde, indem diese in ihm aufgeleuchtet hatte auf inspiratorische Art, und er in sich etwas hatte erleben können wie einen Nachklang der Offenbarungen, die an Moses und die Propheten ergangen waren. Er hatte aber auch dabei erleben können, wie es einer Seele seiner Zeit mit der damaligen Leibesorganisation nicht mehr möglich war, diese Dinge voll zu erfassen. Andere Zeiten waren gekommen als die, in welchen man die alte jüdische Gesetzeskunde hatte voll aufnehmen können. Und wie der Verfall der heidnischen Mysterien die Dämonenwelt herbeigerufen hatte, das hatte er ebenfalls durch allernächste Berührung erfahren, durch eine Erfahrung in der übersinnlichen Welt, indem er nicht nur die Menschen herbeigerufen hatte, die durch die verfallene Kultstätte in Not und Elend versetzt worden waren, sondern auch die Dämonen, die statt der guten alten heidnischen Kräfte sich um die Opferstätte versammelt hatten. Und wie es trotz den Anforderungen der kommenden Zeit den Menschen unmöglich war, etwas von dem tiefsten geheimen Wissen des Essäerordens zu erfahren, das hatte er während der sechs Jahre vor der Johannestaufe erlebt.

[ 23 ] Jesus of Nazareth had come to know the possibilities for development that existed in his time during the three periods of his life prior to his baptism by John in the Jordan; he had not learned this in the way one learns something, but rather in the way one experiences something when one comes into direct, intimate contact with these things. He had come into the closest possible contact with the ancient Jewish law, as it had dawned upon him in an inspired manner, and he had been able to experience within himself something like an echo of the revelations that had been given to Moses and the prophets. But he had also been able to experience how it was no longer possible for a soul of his time, with the physical constitution of that era, to fully grasp these things. Times had come that were different from those in which the ancient Jewish law had been fully received. And just as the decline of the pagan mysteries had summoned the demonic world, he had likewise experienced this through the closest of contact, through an experience in the supersensible world, in that he had summoned not only the people who had been plunged into distress and misery by the decayed place of worship, but also the demons who had gathered around the sacrificial site in place of the good old pagan forces. And how, despite the demands of the coming age, it was impossible for people to learn anything of the deepest secret knowledge of the Essene Order—this he had experienced during the six years prior to the baptism of John.

[ 24 ] Was man aus der Betrachtung der Akasha-Chronik auf diesem Gebiete gewinnt, das ist die Erkenntnis, daß hier durch innere seelische Erfahrung etwas erlitten worden ist, was von keiner anderen Seele auf der Erde jemals hat gelitten werden können. Gerade für dieses Wort, das ich jetzt eben ausgesprochen habe, ist vielleicht nicht das volle Verständnis in unserer Zeit vorhanden. Daher möchte ich hier etwas einschalten. Ich werde nämlich im weiteren Verlaufe der Mitteilungen aus dem Fünften Evangelium auszuführen haben, wie sich diese Leiden noch ins Ungeheure steigerten in der Zeit zwischen der Johannestaufe im Jordan und dem Mysterium von Golgatha. Unsere Zeit könnte leicht einwenden: Aber warum soll eine so hohe Seele überhaupt leiden? Denn unsere Zeit hat ja sonderbare Begriffe über diese Dinge. Und wenn ich die ganze Tiefe des Jesus- und später des Christus-Leidens zu erörtern haben werde, so muß ich Sie schon aufmerksam machen auf manche Mißverständnisse, welche da entstehen.

[ 24 ] What one gains from studying the Akashic Records in this area is the realization that, through inner spiritual experience, something was endured here that no other soul on Earth could ever have endured. It is precisely this statement I have just made that may not be fully understood in our time. Therefore, I would like to interject something here. For in the course of my further presentations from the Fifth Gospel, I will have to explain how these sufferings escalated to unimaginable proportions in the period between John’s baptism in the Jordan and the Mystery of Golgotha. People today might easily object: But why should such a high soul suffer at all? For our time has, after all, peculiar notions about these things. And when I have to discuss the full depth of the suffering of Jesus and later of Christ, I must draw your attention to certain misunderstandings that arise in this regard.

[ 25 ] Ich habe schon öfter erwähnt, auch hier, daß in der letzten Zeit von Maurice Maeterlinck ein Buch erschienen ist, «Vom Tode», das man aus dem Grunde lesen sollte, damit man sehen kann, wie Absurdes ein solcher Mensch schreiben kann, der sonst auch Gutes auf dem Gebiete des geistigen Lebens geschrieben hat. Unter manchem Absurden findet sich in diesem Buche Maeterlincks auch die Behauptung, daß ein Geist, der keinen Leib hat, nicht leiden könne, weil nur ein physischer Leib leiden könne. Daraus zieht dann Maeterlinck die Folgerung, daß ein Mensch, der seinen Leib verlassen habe, in der geistigen Welt nicht leiden könne. Wer so denkt, könnte auch leicht zu der Folgerung kommen, daß die Christus-Wesenheit, nachdem sie in den Leib des Jesus von Nazareth eingezogen war, nicht hat leiden können. Trotzdem werde ich das nächste Mal zu schildern haben von tiefstem Leiden gerade des Christus in dem Leibe des Jesus von Nazareth.

[ 25 ] I have mentioned on several occasions, including here, that a book by Maurice Maeterlinck has recently been published, *On Death*, which one should read simply to see how absurd a person like him—who has otherwise written good works in the realm of intellectual life—can be. Among the many absurdities in this book by Maeterlinck is the assertion that a spirit without a body cannot suffer, because only a physical body can suffer. From this, Maeterlinck draws the conclusion that a person who has left their body cannot suffer in the spiritual world. Anyone who thinks this way could also easily conclude that the Christ-being, having entered the body of Jesus of Nazareth, could not have suffered. Nevertheless, next time I will have to describe the deepest suffering of Christ himself in the body of Jesus of Nazareth.

[ 26 ] Sonderbar ist es allerdings, wie ein Mensch mit gesunder Vernunft glauben kann, daß ein physischer Leib leiden kann. Leiden kann ja doch nur die Seele im physischen Leibe, denn der physische Leib kann keine Schmerzen und Leiden haben. Was Schmerz und Leid ist, das sitzt in dem seelisch-geistigen Teile eines Leibes, und die körperlichen Schmerzen sind eben solche, die verursacht werden durch Unregelmäßigkeiten des physischen Organismus. Insofern der physische Organismus ein Organismus ist, sind es Unregelmäßigkeiten. Man kann in ihm eine Muskelzerrung haben und so weiter; aber der physische Leib, die physische Organisation leidet nicht, wenn auch die Materie von einem Orte zum anderen gezerrt wird. Ebensowenig wie ein Strohsack leiden kann, wenn man das Stroh herumwirft, ebensowenig kann ein physischer Leib leiden. Aber weil ein geistig-seelisches Wesen in dem Leibe steckt, so leidet dadurch, daß etwas nicht so ist, wie es sein muß, das Geistig-Seelische. So ist das, was leidet, das Geistig-Seelische; und immer ist es das Geistig-Seelische. Und je höher das Geistig-Seelische steht, desto mehr kann es leiden, und je höher es steht, desto mehr kann es leiden unter geistig-seelischen Eindrücken.

[ 26 ] It is strange, however, how a person of sound mind can believe that a physical body is capable of suffering. After all, only the soul within the physical body can suffer, for the physical body cannot experience pain or suffering. What constitutes pain and suffering resides in the soul-spiritual part of the body, and physical pains are simply those caused by irregularities in the physical organism. Insofar as the physical organism is an organism, these are irregularities. One may have a muscle strain within it and so on; but the physical body, the physical organization, does not suffer, even if the matter is pulled from one place to another. Just as a sack of straw cannot suffer when the straw is tossed about, so too a physical body cannot suffer. But because a spiritual-soul being is contained within the body, the spiritual-soul aspect suffers when something is not as it ought to be. Thus, what suffers is the spiritual-soul aspect; and it is always the spiritual-soul aspect. And the higher the spiritual-soul aspect stands, the more it can suffer, and the higher it stands, the more it can suffer under spiritual-soul impressions.

[ 27 ] Das sage ich, damit Sie sich eine Empfindung, ein Gefühl zu bilden versuchen, wie die Zarathustra-Wesenheit in diesen Jahren litt unter dem Erleben dessen, daß die alten Offenbarungen unmöglich geworden sind für dasjenige, was die Menschenseele in der neueren Zeit braucht. Das war zunächst das unendliche Leiden, das mıit keinem Leiden der Erde zu vergleichen ist, das uns entgegentritt, wenn wir Akasha-Chronik-mäßig den heute ins Auge gefaßten Teil des Lebens des Jesus von Nazareth betrachten.

[ 27 ] I say this so that you may try to form a sense, a feeling, of how the Zarathustra being suffered during those years from the realization that the old revelations had become inadequate for what the human soul needs in modern times. This was, first of all, the infinite suffering—which cannot be compared to any suffering on earth—that confronts us when we consider, in the manner of the Akashic Records, the part of the life of Jesus of Nazareth that is the focus of our attention today.

[ 28 ] Am Ende des Zeitraumes, den ich zuletzt charakterisiert habe, hatte dann der Jesus von Nazareth ein Gespräch mit der Mutter. Dieses Gespräch mit der Mutter war für dasjenige entscheidend, was er nun unternahm: den Weg zu demjenigen, zu dem er schon durch sein Verhältnis zu dem Essäerorden in eine Art von Beziehung getreten war, was er unternahm als den Gang zu Johannes dem Täufer. Über dieses Gespräch mit der Mutter, das dann entscheidend ist für das Folgende in dem Leben des Jesus von Nazareth, werde ich das nächste Mal sprechen.

[ 28 ] At the end of the period I have just described, Jesus of Nazareth had a conversation with his mother. This conversation with his mother was decisive for what he now undertook: the journey to the one with whom he had already entered into a kind of relationship through his connection to the Essene order—a journey he undertook as a visit to John the Baptist. I will speak next time about this conversation with his mother, which is decisive for what follows in the life of Jesus of Nazareth.

[ 29 ] Betrachten Sie — das möchte ich heute zum Schlusse sagen — die Mitteilungen über dieses Fünfte Evangelium als etwas, was gegeben wird, so gut es gegeben werden kann, weil die geistigen Mächte unserer Zeit es erfordern, daß eine Anzahl von Seelen von jetzt ab von diesen Dingen wisse. Betrachten Sie aber auch das, was gegeben wird, mit einer gewissen Pietät. Denn ich habe hier schon einmal erwähnt, wie wild das äußere Geistesleben Deutschlands, selbst bei den redlicher Denkenden, in dem Momente geworden ist, als zuerst eine Veröffentlichung gemacht worden ist nur über die zwei Jesusknaben. Solche Dinge, die aus der geistigen Welt herausgeholt werden, die unmittelbar geistigen Forschungen entstammen, solche Dinge kann das außerhalb unserer Bewegung stehende Publikum eben durchaus noch nicht vertragen, kann sie nicht vertragen. Und in der mannigfaltigsten Art treten einem die Dinge dann entgegen, die wie eine wilde Leidenschaft vernehmbar sind, und die abwehren wollen so etwas, was wie eine neue Verkündigung aus der geistigen Welt heraus kommt. Es ist nicht notwendig, daß durch unvorsichtiges Schwatzen diese Dinge ebenso herabgewürdigt und lächerlich gemacht werden, wie das mit der Geschichte der beiden Jesusknaben geschehen ist, denn uns sollen diese Dinge heilig sein.

[ 29 ] Consider—and this is what I would like to say in conclusion today—the messages regarding this Fifth Gospel as something that is being given as best as it can be, because the spiritual forces of our time require that a number of souls know of these things from now on. But also regard what is being given with a certain reverence. For I have already mentioned here how turbulent the outer spiritual life of Germany has become—even among those of sound mind—at the very moment when a publication was first made concerning only the two Jesus boys. Such things, drawn from the spiritual world, stemming directly from spiritual research—such things the public outside our movement simply cannot yet tolerate, cannot bear. And in the most manifold ways, things then confront one that are perceptible as a wild passion, and that seek to ward off something that comes forth like a new proclamation from the spiritual world. It is not necessary that through careless chatter these things be disparaged and ridiculed just as the story of the two Jesus children has been, for these things are to be sacred to us.

[ 30 ] Es ist eigentlich durchaus nicht leicht, über diese Dinge in der Gegenwart zu sprechen, eben in Anbetracht des Umstandes, daß gegen diese Dinge die Widerstände am allergrößten sind. Und es ist im Grunde genommen doch das, was ich oftmals schon charakterisiert habe: die unendliche Bequemlichkeit der Menschenseelen in unserer Zeit, die auf Genaueres der Geistesforschung doch nicht eingehen will und daher sich auch keine Einsicht verschaffen will in die Möglichkeit, zu solchen Dingen zu kommen. Es ist schon so in der Gegenwart, daß auf der einen Seite der lechzende Ruf nach Offenbarungen der geistigen Welt in den verborgenen Tiefen der Menschenseele sitzt, und daß auf der anderen Seite der bewußte Teil der Menschenseele in unserer Zeit gerade dann am leidenschaftlichsten ablehnend wird, wenn von solchen Kundgebungen aus der geistigen Welt gesprochen wird.

[ 30 ] It is actually not at all easy to speak about these things today, precisely because resistance to them is at its greatest. And fundamentally, this is what I have often described: the infinite complacency of human souls in our time, which does not wish to engage with the finer details of spiritual research and therefore does not wish to gain insight into the possibility of coming to understand such things. It is indeed the case today that, on the one hand, the yearning cry for revelations from the spiritual world lies in the hidden depths of the human soul, and that, on the other hand, the conscious part of the human soul in our time becomes most passionately resistant precisely when such manifestations from the spiritual world are spoken of.

[ 31 ] Bedenken Sie die Worte, die ich als Abschluß der heutigen Betrachtung gesagt habe, und nehmen Sie sie als Richtschnur dafür, wie die Dinge, welche wir über das Fünfte Evangelium sprechen, von uns genommen sein wollen.

[ 31 ] Consider the words I spoke at the conclusion of today’s reflection, and take them as a guide for how we should approach the things we discuss regarding the Fifth Gospel.