Christ and the Spiritual World
The Search for the Holy Grail
GA 149
28 December 1913, Leipzig
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Christ and the Spiritual World, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Für viele Seelen in unserer Gegenwart, welche geneigt sind, aufzunehmen, was anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft zu sagen hat, ist es notwendig, mancherlei Widersprüche, die da auftreten, im Gemüte hinwegzuräumen. Insbesondere auf einen Widerspruch kann die Seele gelenkt werden, wenn sie vermag, die Erinnerungen einer solchen Festeszeit ernst zu nehmen wie diejenige, die um Weihnachten und den Jahresbeginn herum liegt. Daß wir mit dem, was wir an Erkenntnissen zu gewinnen versuchen, auch eindringen wollen in den geistigen Gang der Menschheit, um unsere eigene geistige Entwickelung recht zu verstehen, das wird uns ja besonders durch das Ernstnehmen solcher Festeserinnerungen klar. Wir brauchen nur einen Gedanken aufzuwerfen, und er wird gleich, man möchte sagen, auf der einen Seite lichtvoll und auf der anderen Seite beunruhigend darauf aufmerksam machen, wie Widersprüche, Schwierigkeiten sich vor der Seele auftürmen müssen, wenn diese Seele im rechten Sinne unsere anthroposophischen Erkenntnisse über den Menschen und die Weltentwickelung hinnehmen will.
[ 1 ] For many souls in our time who are open to what anthroposophically oriented Spiritual Science has to say, it is necessary to resolve in their minds the various contradictions that arise. The soul can be drawn to one contradiction in particular if it is able to take seriously the memories of a festive season such as that surrounding Christmas and the beginning of the year. The fact that, through the insights we seek to gain, we also wish to penetrate the spiritual course of humanity in order to properly understand our own spiritual development becomes particularly clear to us when we take such festive memories seriously. We need only raise a thought, and it will immediately—one might say—draw attention to it in a way that is, on the one hand, illuminating and, on the other, unsettling, showing how contradictions and difficulties must pile up before the soul if that soul wishes to accept, in the true sense, our anthroposophical insights into humanity and the development of the world.
[ 2 ] Unter den mancherlei Erkenntnissen, die wir gewinnen wollen durch unsere anthroposophische Vertiefung, ist ja auch die ChristusErkenntnis, ist die Erkenntnis des grundbedeutsamen Impulses, der eingeschlagen hat im Beginne unserer Zeitentwickelung, den wir genannt haben den Christus-Impuls. Wir werden uns gewiß oftmals fragen müssen: Wie kommt es denn, daß unsere Zeit die Hoffnung hegen darf, mit vertieften anthroposophischen Erkenntnissen besser, intensiver in den Gang der Weltentwickelung einzudringen, um den Christus-Impuls zu verstehen, als die Zeit eingedrungen ist, in der die Zeitgenossen des Mysteriums von Golgatha gelebt haben? Man könnte fragen: War es denn nicht diesen Zeitgenossen des Mysteriums von Golgatha viel leichter, einzudringen in das Geheimnis, das mit diesem Mysterium für die Menschheitsentwickelung im speziellen verbunden ist, als unserer Zeit, die so weit getrennt ist von dem Mysterium von Golgatha? Das könnte eine belastende Frage werden für die Seelen der Gegenwart, die anthroposophisch dem Christus-Verständnisse folgen wollen. Es könnte einer jener Widersprüche werden, die bedrückend wirken müssen gerade dann, wenn wir die tieferen Prinzipien unserer anthroposophischen Erkenntnis ganz ernst nehmen. Eine Auflösung dieses Widerspruchs ergibt sich uns nur, wenn wir gewissermaßen einmal vor unsere Seele rücken die ganze geistige Situation, in welcher die Menschheit war zu jener Zeit, von der aus wir mit unserer Jahresrechnung zu zählen beginnen.
[ 2 ] Among the various insights we seek to gain through our deepening of anthroposophy is, of course, the knowledge of Christ—the knowledge of the fundamental impulse that took hold at the beginning of our historical development, which we have called the Christ impulse. We will certainly have to ask ourselves often: How is it that our time can hope to penetrate the course of world development more deeply and intensely through deepened anthroposophical insights, in order to understand the Christ impulse, than the time in which the contemporaries of the Mystery of Golgotha lived? One might ask: Was it not much easier for those contemporaries of the Mystery of Golgotha to penetrate the mystery specifically connected with this Mystery for the development of humanity than it is for our time, which is so far removed from the Mystery of Golgotha? This could become a burdensome question for the souls of the present who wish to follow the Christ-understanding in an anthroposophical way. It could become one of those contradictions that must have a depressing effect, especially when we take the deeper principles of our anthroposophical knowledge very seriously. A resolution of this contradiction presents itself to us only when we, so to speak, bring before our soul the entire spiritual situation in which humanity found itself at that time, from which we begin our reckoning.
[ 3 ] Wer es versucht, zunächst ganz ohne irgendwelche religiöse oder ähnliche Gefühle einzudringen in die Seelenverfassung der Menschen vom Beginne unserer Zeitrechnung, der kann eine höchst eigentümliche Entdeckung machen. Dieses Eindringen kann man zunächst ja auf folgende Art versuchen: Man halte sich an das, was auch die nur dem Äußerlichsten hingegebenen Seelen nicht leugnen können, man halte sich an die alte Überlieferung, wie sie erhalten ist in der Geschichte; aber man versuche, in denjenigen Teil einzudringen, der das Geistesleben in seiner Reinheit umfaßt. Denn man kann ja hoffen, daß man durch solches Eindringen einiges erhascht von den eigentlichen Impulsen der Menschheitsentwickelung. Man halte sich an das Gedankenleben der Zeit, die am Beginne unserer Zeitrechnung liegt. Man versuche einmal einzudringen, rein geschichtlich, in das, was Menschen meinetwillen zweihundert Jahre vor dem Mysterium von Golgatha und noch anderthalb Jahrhunderte nach dem Mysterium von Golgatha aufgebracht haben an Gedankenvertiefung, um in die Weltengeheimnisse, in die Weltenrätsel einzudringen. Da finden wir allerdings, daß in den Jahrhunderten vor und nach dem Mysterium von Golgatha eine unendlich bedeutungsvolle Veränderung vorgegangen ist in der Seelenverfassung der Menschheit in bezug auf das Gedankenleben. Man wird gewahr, daß in einer gewissen Weise auf einen großen Teil der damals in Betracht kommenden Kulturwelt dasjenige übergegangen ist, was die griechische Philosophie und andere Gedankenvertiefungen seit mehreren Jahrhunderten schon der Menschheit gebracht haben. Wenn man betrachtet, wozu die Menschheit rein von sich selbst aus, ohne zu reflektieren auf irgendeinen Impuls von außen, in der damaligen Zeit gekommen ist, wozu gekommen sind diejenigen, die man etwa mit dem stoischen Ausdruck «Weise» genannt hat, wozu gekommen sind zahlreiche Persönlichkeiten der römischen Geschichte, so muß man sagen: In bezug auf die Eroberung von Gedanken, die Eroberung von Ideen hat uns eigentlich das abendländische Leben nach dieser Zeit, nach der Wende im Beginne unserer Zeitrechnung, nicht außerordentlich viel mehr gebracht. Gebracht hat uns dieses abendländische Leben unendlich viel an Eindringen in die Naturtatsachen; unendliche Revolutionen des Denkens über die äußere Welt hat es uns gebracht. Die Gedanken, die Ideen selbst aber, mit denen alle diese Eroberungen gemacht worden sind, mit denen die Menschheit versucht hat, einzudringen in die äußeren räumlichen Geheimnisse des Daseins, die sind eigentlich wenig fortgebildet worden seit jenem Zeitalter; sie lebten, selbst bis zu dem Gedanken, auf den die heutige Zeit so stolz ist, bis zum Gedanken der Entwickelung, sie lebten alle in den Seelen der damaligen Zeit. Was man so nennen könnte ein gedankliches Welterfassen, ein Leben in Ideen, war zu einer gewissen Höhe, zu einem Gipfel gekommen und hatte nicht nur einzelne Geister ergriffen wie einige Zeit vorher die Schüler des Sokrates, sondern es war in gewisser Weise populär geworden, hatte sich ausgebreitet über Südeuropa und andere Gebiete der Welt. Man ist erstaunt über die Vertiefung, die der Gedanke erfahren hat. Wenn man unbefangen eine Geschichte der Philosophie in Betracht ziehen wollte, so würde man gerade diesen Sieg des Gedankens in der damaligen Zeit ganz besonders berücksichtigen.
[ 3 ] Anyone who attempts, at first without any religious or similar sentiments, to penetrate the state of mind of people from the beginning of our era may make a most peculiar discovery. One can initially attempt this penetration in the following way: one should adhere to what even the most outwardly oriented souls cannot deny; one should adhere to the ancient tradition as it has been preserved in history; but one should try to penetrate that part which encompasses spiritual life in its purity. For one can indeed hope that through such an exploration one might catch a glimpse of the actual impulses of human development. Let us hold fast to the life of thought of the time that lies at the beginning of our calendar. Let us try, purely historically, to penetrate into what people, for the sake of argument, brought forth in terms of deepened thought two hundred years before the Mystery of Golgotha and still a century and a half after the Mystery of Golgotha, in order to penetrate the mysteries of the world, the riddles of the world. There we find, however, that in the centuries before and after the Mystery of Golgotha, an infinitely significant change took place in the spiritual constitution of humanity with regard to the life of thought. One becomes aware that, in a certain sense, what Greek philosophy and other forms of deep thought had already brought to humanity over several centuries had passed over into a large part of the cultural world of that time. When one considers what humanity achieved in that era purely of its own accord, without reflecting on any external impulse—what those whom one might call, using the Stoic term, “wise men” achieved, and what numerous figures in Roman history achieved—one must say: With regard to the conquest of thoughts, the conquest of ideas, Western life after that time, after the turning point at the beginning of our era, has not actually brought us much more. This Western life has brought us an infinite amount of insight into the facts of nature; it has brought us infinite revolutions in thinking about the external world. But the thoughts, the ideas themselves, with which all these conquests were made, with which humanity attempted to penetrate the outer spatial mysteries of existence—these have actually developed very little since that age; they lived, even down to the thought of which the present age is so proud, down to the thought of evolution—they all lived in the souls of that time. What one might call a conceptual grasp of the world, a life in ideas, had reached a certain height, a summit, and had not only seized individual minds—as the disciples of Socrates had some time before—but had, in a certain sense, become popular, spreading across Southern Europe and other regions of the world. One is amazed at the depth to which thought had penetrated. If one were to consider a history of philosophy with an open mind, one would take particular note of this very triumph of thought in that era.
[ 4 ] Wenn man nun auf der einen Seite diesen Sieg des Gedankens nimmt, diese unendlich bedeutungsvolle Ausarbeitung der Ideenwelten, und auf der anderen Seite — in dem Sinn, wie wir heute versuchen einzudringen — so etwas vor die Seele hinstellt wie die Geheimnisse, die sich um das Ereignis von Golgatha herum gruppieren, dann wird man aber noch ein anderes gewahr. Dann wird man gewahr, daß, als sich die Kunde von dem Mysterium von Golgatha in der damaligen Zeit verbreitete, ein ungeheures Ringen des Gedankens mit diesem Mysterium stattfand. Wir sehen, wie die Philosophien in der damaligen Zeit, insbesondere die so sehr vertiefte Philosophie der Gnosis, sich bemühen, all die Ideen, die errungen worden sind, nach diesem einen Ziele hinzulenken. Und bedeutungsvoll ist es, dieses Ringen des menschlichen Gedankens mit dem Mysterium von Golgatha einmal auf sich wirken zu lassen. Denn das, was sich herausstellt, ist, daß dieses Ringen im Grunde genommen ein vergebenes ist, daß diese gewaltige Vertiefung des Gedankens, die die Menschheitsentwickelung erreicht hat, zwar da ist, zwar alle Anstrengungen macht, um das Mysterium von Golgatha zu begreifen, daß aber alle diese Anstrengungen nicht hinreichen; daß gewissermaßen das Mysterium von Golgatha, wie in einer weiten Entfernung durch geistige Welten geschieden, an das Menschenverständnis herankommt und sich nicht enthüllen will.
[ 4 ] If we now consider, on the one hand, this victory of thought—this infinitely significant elaboration of the worlds of ideas—and, on the other hand—in the sense in which we are attempting to penetrate today—present something to the soul such as the mysteries surrounding the event of Golgotha, then we become aware of something else as well. Then one becomes aware that, as the news of the Mystery of Golgotha spread in those days, an immense intellectual struggle took place with this Mystery. We see how the philosophies of that time, especially the deeply profound philosophy of Gnosticism, strive to direct all the ideas that had been attained toward this one goal. And it is significant to allow this struggle of human thought with the Mystery of Golgotha to sink in. For what becomes apparent is that this struggle is, in essence, a futile one; that this immense depth of thought which human development has attained is indeed present, and does indeed make every effort to comprehend the Mystery of Golgotha, yet that all these efforts are insufficient; that, in a sense, the Mystery of Golgotha, as if separated by spiritual worlds at a great distance, approaches human understanding yet refuses to reveal itself.
[ 5 ] Nun möchte ich gleich von vornherein darauf aufmerksam machen, meine lieben Freunde, daß ich für diese Vorträge, wenn ich von dem Mysterium von Golgatha spreche, zunächst gar nichts in diesen Ausdruck hineinmischen möchte von dem, was aus irgendwelchen religiösen Überlieferungen und Überzeugungen in diesem Ausdruck liegen könnte; sondern daß rein genommen werden soll die objektive Tatsachenwelt, die der Menschheitsentwickelung zugrunde liegt, das, was der physischen und geistigen Beobachtung sich darbietet. Gleichsam eine Betrachtung möchte ich in Anspruch nehmen für uns, welche absieht von all dem, was man gewonnen hat über das Mysterium von Golgatha, was in den einzelnen religiösen Bekenntnissen vorhanden ist, und ich möchte den Blick nur hinwenden auf das, was in der Menschheitsentwickelung geschehen ist.
[ 5 ] Now, my dear friends, I would like to point out right from the start that, when I speak of the Mystery of Golgotha in these lectures, I do not wish to imbue this term with anything that might be associated with it in any religious traditions or beliefs; but rather that we should take purely the objective world of facts that underlies human development—that which presents itself to physical and spiritual observation. I would like to adopt, as it were, a perspective for us that looks beyond all that has been gained regarding the Mystery of Golgotha, which is present in the various religious creeds, and I would like to turn our gaze solely to what has taken place in human evolution.
[ 6 ] Nun werde ich mancherlei zu sagen haben, vorausnehmend, was in den folgenden Tagen erst deutlich und beweiskräftig gesagt werden kann.
[ 6 ] I will now have a few things to say, anticipating what can only be stated clearly and conclusively in the coming days.
[ 7 ] Das erste, was einem auffällt bei einer solchen Gegenüberstellung des Geheimnisses des Mysteriums von Golgatha und der ungeheuer vertieften Gedankenentwickelung der damaligen Zeit, das ist, daß man den Eindruck empfängt, den ich so ausgedrückt habe: Weit, weit hinter dem, was die Gedankenentwickelung erreichen kann, steht das Wesen dieses Mysteriums. Und je genauer man eindringt in das, was ein solches Gegenüberstellen bieten kann, desto mehr muß man sich gestehen: Man kann auf der einen Seite seine Seele ganz vertiefen in die Gedankenwelten, die den Beginn unserer Zeitrechnung charakterisieren; man kann versuchen, sich in der Seele lebendig zu machen, wie die Seelenverfassung war, was die Menschen im Römischen Reiche, in Griechenland gedacht haben; man kann gleichsam diese Ideen, die die Menschen gedacht haben, vor seine Seele wieder heraufrufen, und dann wird man das Gefühl bekommen: Ja, es ist die Zeit, in der der Gedanke eine Vertiefung erlebt hat wie niemals vorher. Es geschieht etwas mit dem Gedanken, er tritt gleichsam an die menschliche Seele so heran, wie er nie vorher an sie herangetreten ist. Aber wenn man dann mit derjenigen Seelenverfassung, die man als die hellseherische bezeichnen kann, gleichsam in sich voll lebendig machen will, was man über diese Vertiefung des Gedankens und in dieser Verlebendigung der Gedankenwelten der damaligen Zeit vor seine Seele stellen konnte, wenn man also das in seiner Seele trägt, aber jetzt wirksam sein läßt in der Seele, was die hellseherische Seelenverfassung geben kann, taucht plötzlich etwas Überraschendes auf, man fühlt dann: Weit, weit in den geistigen Welten geht eigentlich das vor, wovon auch diese Vertiefung des Gedankens eine Wirkung ist.
[ 7 ] The first thing one notices in such a comparison between the mystery of Golgotha and the immensely profound intellectual development of that time is that one receives the impression I have expressed as follows: Far, far beyond what intellectual development can attain lies the essence of this mystery. And the more closely one delves into what such a comparison can offer, the more one must admit: On the one hand, one can immerse one’s soul completely in the worlds of thought that characterize the beginning of our era; one can try to bring to life in one’s soul the state of mind that prevailed, what people in the Roman Empire and in Greece thought; one can, as it were, summon these ideas that people thought back before one’s soul, and then one will get the feeling: Yes, it is the time when thought experienced a deepening as never before. Something happens to thought; it approaches the human soul, as it were, in a way it has never approached it before. But when one then seeks to bring fully to life within oneself—through that state of mind which might be called clairvoyant—what one has been able to present to one’s soul regarding this deepening of thought and this enlivening of the thought-worlds of that time; when one thus carries this within one’s soul, but now allows to take effect in the soul—what the clairvoyant state of mind can provide—something surprising suddenly emerges; one then feels: Far, far away in the spiritual worlds is actually taking place that of which this deepening of thought is also an effect.
[ 8 ] Wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, daß hinter unserer Welt andere Welten liegen. Gebräuchliche Ausdrücke seien angewendet: die astralische Welt, die devachanische Welt, die höhere devachanische Welt. Wollen wir zunächst uns ins Gedächtnis zurückrufen, daß diese drei Welten hinter der unsrigen liegen. Wenn man dann wirklich diese hellseherische Seelenverfassung in sich rege werden läßt, dann hat man den Eindruck: Auch wenn man in die nächste, in die astralische Welt eintreten würde, so würde sich auch da noch nicht vollständig aufklären, was eigentlich der Ursprung ist dessen, was im Gedankenleben der damaligen Zeit zum Ausdruck kommt. Selbst wenn man in die niedere devachanische Welt hineinblicken würde, würde sich noch nicht vollständig aufklären, was eigentlich geschehen ist. Und erst wenn man in die höhere devachanische Welt seine Seele hineinversetzen könnte — so sagt die hellseherische Seelenverfassung —, würde man in ihr erleben können, was durch die beiden anderen Welten hindurchstrahlt, was bis in unsere physische Welt herunterdringt, und was in unserer physischen Welt erkennbar ist in der radikalen Umgestaltung der Gedankenwelt der Menschheit durch Jahrhunderte hindurch.
[ 8 ] We have already pointed out that there are other worlds beyond our own. To use common terms: the astral world, the devachanic world, and the higher devachanic world. Let us first recall that these three worlds lie beyond our own. If one then truly allows this clairvoyant state of mind to awaken within oneself, one gets the impression: even if one were to enter the next world, the astral world, it would still not be fully clarified there what the actual origin is of what is expressed in the thought life of that time. Even if one were to look into the lower Devachanic world, it would still not be fully clarified what actually happened. And only if one could transport one’s soul into the higher devachanic world—so says the clairvoyant state of mind—would one be able to experience within it what radiates through the other two worlds, what penetrates down into our physical world, and what is recognizable in our physical world in the radical transformation of humanity’s world of thought over the centuries.
[ 9 ] Man kann sich zunächst nur versetzen auf den physischen Plan und seine Betrachtung: Man braucht gar nicht gewahr zu werden, während man in die Ideenwelt der damaligen Zeit sich vertieft, was mitgeteilt wird über das Mysterium von Golgatha, man kann dies zunächst ganz außer acht lassen, und man kann sich fragen: Gleichgültig, was da drüben in Palästina vor sich gegangen ist, was zeigt uns die äußere Geschichte? Nun, sie zeigt uns, daß in Griechenland und Rom eine unendliche Gedankenvertiefung Platz gegriffen hat. Säumen wir gleichsam wie eine Insel unseres Seelenerlebens diese griechische und römische Gedankenwelt ein, denken wir sie abgeschlossen von all dem, was außerhalb vor sich gegangen ist, denken wir, es wäre noch nichts hineingedrungen in diese Welt von der Kunde des Mysteriums von Golgatha. Wenn wir dann unsere Seelenbetrachtung auf diese Welt hinlenken, so finden wir gewiß nichts von dem, was wir heute über das Mysterium von Golgatha erkunden, aber wir finden jene unendliche Vertiefung des Gedankenlebens, die uns zeigt: Hier ist etwas geschehen im Laufe der Menschheitsentwickelung, das das innerste Wesen der Seele auf dem physischen Plan ergriffen hat. Was wir auch zunächst glauben mögen, so wie damals war der Gedanke nie da, bei keinem Volk und in keinem Zeitalter! Möge also jemand auch noch so ungläubig sein oder nichts wissen wollen von dem Mysterium von Golgatha, eines muß er zugeben: daß in der Inselwelt, die wir jetzt umfriedet haben, eine Gedankenvertiefung lebt, die früher nie da war.
[ 9 ] At first, one can focus solely on the physical plane and its observation: While immersing oneself in the world of ideas of that time, one need not even be aware of what is communicated about the Mystery of Golgotha; one can initially disregard this entirely and ask oneself: Regardless of what took place over there in Palestine, what does external history show us? Well, it shows us that an infinite deepening of thought took place in Greece and Rome. Let us, as it were, enclose this Greek and Roman world of thought like an island of our soul life; let us think of it as closed off from everything that took place outside; let us imagine that nothing had yet penetrated into this world from the news of the Mystery of Golgotha. If we then direct our soulful contemplation toward this world, we certainly find nothing of what we explore today regarding the Mystery of Golgotha, but we do find that profound deepening of intellectual life which shows us: Here, in the course of human development, something has occurred that has gripped the innermost essence of the soul on the physical plane. Whatever we may initially believe, such a thought never existed back then, among any people or in any age! So no matter how unbelieving someone may be, or how little they wish to know about the Mystery of Golgotha, they must admit one thing: that within the realm we have now enclosed, there lives a depth of thought that never existed before.
[ 10 ] Jetzt aber, wenn man sich in diese Gedankenwelt versetzt und im Hintergrunde die hellseherische Seelenverfassung hat, dann fühlt man sich so recht hineingestellt in die Eigentümlichkeit des Gedankens. Jetzt sagt man sich: Ja, so wie er aufgeblüht ist, dieser Gedanke, als Idee bei Plato oder anderen, wie er übergegangen ist in die Welt, die wir versuchten einzugrenzen, so ist dieser Gedanke etwas, was die Seele frei macht, was die Seele ergreift und sozusagen zu einer erhöhten Anschauung über sich selbst bringt, so daß sie sagen kann: Was du sonst auch ergreifen magst in der Außenwelt und in der geistigen Welt, es macht dich abhängig von diesen Welten; in dem Gedanken ergreifst du etwas, was in dir lebt, was du ganz durchdringen kannst. Du magst dich zurückziehen von der äußeren physischen Welt, magst ein Ungläubiger werden gegenüber der geistigen Welt, magst nichts wissen wollen von hellseherischen Eindrücken, magst nichts in dich hineindringen lassen wollen von physischen Eindrücken: Mit dem Gedanken kannst du in dir leben; du ergreifst gleichsam dein eigenes Wesen in deinem Gedanken!
[ 10 ] But now, when one immerses oneself in this world of thought and has that clairvoyant state of mind in the background, one feels truly placed within the peculiarity of the thought. Now one says to oneself: Yes, just as this thought blossomed—as an idea in Plato or others—and just as it passed into the world we have tried to define, so this thought is something that sets the soul free, that seizes the soul and, so to speak, raises it to a higher view of itself, so that it can say: Whatever else you may grasp in the outer world and in the spiritual world, it makes you dependent on these worlds; in thought you grasp something that lives within you, something you can fully penetrate. You may withdraw from the outer physical world, may become a skeptic toward the spiritual world, may want to know nothing of clairvoyant impressions, may not want to let any physical impressions penetrate you: With thought you can live within yourself; you grasp, as it were, your own being in your thought!
[ 11 ] Das kann man einsehen. Dann aber tritt — und das kann gar nicht anders sein, wenn man sich mit der hellseherischen Seelenverfassung in dieses, ich möchte sagen, Meer des Gedankens hineinbegibt — das Gefühl auf von der Isoliertheit der Gedanken, das Gefühl, daß der Gedanke eben doch nur Gedanke ist, das Gefühl, daß der Gedanke nur in der Seele zunächst lebt und man nicht in ihm selber finden kann die Macht, hinauszutreten in eine Welt, in der man auch das, was wir sonst sind, in seinem Urgrund finden kann. Gerade indem man die höchste Herrlichkeit des Gedankens verspürt, verspürt man auch sozusagen sein unreales Wesen. Dann kann man auch verspüren, wie eigentlich rings herum in der Welt, die man vor dem hellseherischen Blick kennengelernt hat, nichts ist, was im Grunde genommen doch diesen Gedanken tragen könnte.
[ 11 ] That is understandable. But then—and this cannot be otherwise if one enters into this, I might say, sea of thought—the feeling of the isolation of thoughts, the feeling that a thought is, after all, only a thought, the feeling that a thought initially lives only in the soul and that one cannot find within it the power to step out into a world in which one can also find, in its very foundation, that which we otherwise are. Precisely by sensing the highest glory of thought, one also senses, so to speak, its unreal nature. Then one can also sense how, in fact, all around in the world one has come to know through the clairvoyant gaze, there is nothing that could, in the final analysis, bear this thought.
[ 12 ] Denn warum sollte er überhaupt da sein, dieser Gedanke? — so fragt man sich. Die physische Welt, die kann er ja doch eigentlich nur verfälschen. Diejenigen, die reine Materialisten sein wollen, die dem Gedanken kein ihm ureigenes Wesen zuschreiben können, die sollten eigentlich lieber das Denken verbieten. Denn wenn die materielle Welt die einzig wirkliche ist, so kann sie der Gedanke nur fälschen. Nur weil die Materialisten unkonsequent sind, kommt ihnen nicht die einzig mögliche Erkenntnistheorie des Materialismus, des Monismus: das Sich-Enthalten vom Denken, das Gar-nicht-mehr-Denken. Dem aber, der mit hellseherischer Seelenverfassung sich in das Gedankenleben vertieft, dem steht vor der Seele das, man möchte sagen, Bedrohliche dieser Isoliertheit des Gedankens, dieses Alleinstehens mit dem Gedanken. Und dann gibt es für ihn nur eines. Das aber gibt es, das kommt an ihn heran, wenn es auch nur herankommt wie etwas, was in einer weiten geistigen Entfernung steht: Durch zwei Welten getrennt, in einer dritten Welt ist der eigentliche Ursprung — so sagt sich die hellseherisch gewordene Seele — dessen, was im Gedankenleben ist. Das könnte für die in unserer Zeit hellseherisch empfindenden Seelen ein gewaltigster Eindruck sein, sich einmal mit seinem Denken isoliert in die Zeit zu versetzen, in der der Gedanke seine Vertiefung erfahren hat; abzusehen von allem, was rundherum ist, also auch von dem Mysterium von Golgatha, und nur zu reflektieren darauf, wie in der griechisch-römischen Welt aufgeht das, von dessen Gedankeninhalt wir jetzt noch zehren.
[ 12 ] For why should this thought even exist?—one wonders. After all, it can only distort the physical world. Those who wish to be pure materialists, who cannot ascribe an essence of its own to thought, would actually be better off banning thought altogether. For if the material world is the only real one, then thought can only falsify it. It is only because the materialists are inconsistent that the only possible theory of knowledge of materialism, of monism, does not occur to them: abstaining from thinking, ceasing to think altogether. But for the one who, with a clairvoyant disposition of soul, immerses himself in the life of thought, there stands before the soul—one might say—the menacing aspect of this isolation of thought, this standing alone with thought. And then there is only one thing for him. But that exists; it approaches him, even if it approaches only as something standing at a great spiritual distance: Separated by two worlds, in a third world lies the true origin—so says the soul that has become clairvoyant—of what is in the life of thought. This could be a most powerful impression for souls in our time who are clairvoyant in their sensibility: to transport themselves, isolated in their thinking, into the time when thought experienced its deepening; to disregard everything that surrounds it, including the Mystery of Golgotha, and to reflect only on how that which we still draw upon today in terms of its intellectual content arose in the Greco-Roman world.
[ 13 ] Und dann sollte man den Aufblick machen zu anderen Welten und erst über der devachanischen Welt aufgehen fühlen in einer höheren geistigen Welt den Stern, von dem ausstrahlt an Kraft, was sich auch in dieser Gedankenwelt des griechisch-römischen Altertums geltend macht. Dann fühlt man sich hier auf der Erde zunächst entrückt der gegenwärtigen Welt, man fühlt sich hineinversetzt in die griechisch-römische Welt mit ihren Ausstrahlungen in die übrigen Erdengebiete der damaligen Zeit, meinetwegen vor dem Mysterium von Golgatha. Aber sobald man den Eindruck der geistigen Welt auf sich wirken läßt, so erscheint noch über dem Devachan gelegen der Stern — symbolisch sage ich der Stern —, die geistige Wesenheit, von der man sich sagt: Ja, auch das, was du hier erlebst in der Isoliertheit des Gedankens und in der Möglichkeit, daß der Gedanke eine solche Vertiefung erfahren hat wie in der Zeit des Beginnes unserer Zeitrechnung, ist die Folge der Strahlen, die von diesem Stern in der höheren geistigen Welt ausgehen.
[ 13 ] And then one should turn one’s gaze toward other worlds and, only after rising above the Devachanic world, feel oneself entering a higher spiritual realm where the star shines forth with a power that also manifests itself in the intellectual world of Greco-Roman antiquity. Then, here on Earth, one first feels transported away from the present world; one feels transported into the Greco-Roman world with its influence extending into the other regions of the Earth at that time—say, before the Mystery of Golgotha. But as soon as one allows the impression of the spiritual world to take effect, the star appears—I say the star symbolically—situated above the Devachan, the spiritual being of whom one says: “Yes, even what you experience here in the isolation of thought and in the possibility that thought has undergone such a deepening as in the time of the beginning of our calendar, is the result of the rays emanating from this star in the higher spiritual world.”
[ 14 ] Und nun ergibt sich eine Empfindung, die zunächst gar nichts weiß von dem, was historische Tradition vom Mysterium von Golgatha ist, sondern eine Empfindung, die sich so ausdrücken läßt: Du stehst da mit der römisch-griechischen Ideenwelt, mit dem, was Plato und was die anderen haben geben können der allgemeinen Menschheitsbildung, was sie hineinversetzt haben in die Seelen —, mit dem stehst du da und fühlst dich darinnen lebendig. Und dann wartest du... Du wartest wahrhaftig nicht vergebens; denn dann taucht auf, wie tief, tief in den Hintergründen des geistigen Lebens, der Stern, der seine Kraftstrahlen sendet und von dem du sagen darfst: Eine Wirkung dieser Kraftstrahlen ist, was du eben erlebt hast.
[ 14 ] And now a feeling arises that initially knows nothing at all of what historical tradition holds regarding the Mystery of Golgotha, but rather a feeling that can be expressed as follows: You stand there with the Roman-Greek world of ideas, with what Plato and the others were able to contribute to the general education of humanity, what they have instilled in souls—with that you stand there and feel alive within it. And then you wait... You truly do not wait in vain; for then there emerges, deep, deep in the background of spiritual life, the star that sends forth its rays of power, and of which you may say: One effect of these rays of power is what you have just experienced.
[ 15 ] Diese Erfahrung kann gemacht werden. Wenn man diese Erfahrung macht, dann hat man noch gar nichts sich vorgehalten von irgendeiner Tradition, sondern hat nur unbefangen die Gründe gesucht für das, was in der griechisch-römischen Welt vor sich gegangen ist. Aber man hat auch die Erfahrung gemacht, daß man durch drei Welten getrennt ist von dem Verständnis des eigentlichen Grundes der damaligen Welt. Und dann läßt man sich vielleicht darauf ein, hinzusehen auf diejenigen Geister, die in der damaligen Zeit versucht haben, diesen Umschwung in ihrer Art zu begreifen. Man kommt selbst in der äußerlichen Wissenschaft der Gegenwart etwas darauf, daß in dieser Zeit des Überganges, von dem wir unsere Zeitrechnung beginnen, gleichsam religiös-philosophische Genies gelebt haben. Und man wird am besten noch auf diese religiös-philosophischen Genies treffen, wenn man auf das hinsieht, was in der Gnosis sich auslebt. Diese Gnosis ist in der mannigfaltigsten Weise bekannt. Äußerlich kennt man sie ja außerordentlich wenig, aber man kann doch auch nach den äußerlichen Dokumenten schon einen Eindruck gewinnen von der unendlichen Tiefe dieser Gnosis. Wir wollen von ihr nur insofern sprechen, als sie wichtig ist für unsere Betrachtung der Menschheit.
[ 15 ] This experience can be had. When one has this experience, one has not yet adopted any particular tradition, but has simply sought, without prejudice, the reasons for what took place in the Greco-Roman world. But one has also experienced that one is separated by three worlds from an understanding of the true reason behind the world of that time. And then one might be willing to look to those spirits who, in that era, attempted to comprehend this upheaval in their own way. Even in contemporary external scholarship, one begins to realize that during this period of transition—from which our calendar begins—religious-philosophical geniuses, so to speak, were alive. And one is most likely to encounter these religious-philosophical geniuses by looking at what unfolds in Gnosticism. This Gnosticism is known in the most diverse ways. Externally, of course, very little is known about it, but even from the external documents one can already gain an impression of the infinite depth of this Gnosis. We shall speak of it only insofar as it is important for our consideration of humanity.
[ 16 ] Da können wir vor allen Dingen sagen: Die Gnostiker haben ein Gefühl gehabt von dem, was jetzt eben ausgesprochen worden ist: daß man in unendlich weit zurückliegenden Welten die Gründe suchen muß für das, was in der äußeren Welt der damaligen Zeit sich ereignet hat. Und dieses Bewußtsein hat sich auf andere übertragen, und wir sehen es noch durchschimmern, wenn wir nur wollen, wenn wir nicht oberflächlich sind, in demjenigen, was wir nennen können die Theologie des Paulus. Aber auch noch in mancherlei anderen Erscheinungen. Nun, wer sich heute in die Gnosis der damaligen Zeit vertieft, wird große Schwierigkeiten des Verständnisses haben. Unsere Seelen sind doch gar zu sehr afliziert und auch infiziert von dem, was die materialistische Entwickelung der letzten Jahrhunderte in ihnen hervorgebracht hat. Man denkt da zu sehr, wenn man die Weltentwickelung zurückverfolgt, an den Kant-Laplaceschen Weltennebel, an etwas rein Materielles. Und selbst diejenigen, die nach einer mehr geistigen Weltanschauung suchen, sie denken, wenn sie in die ältesten Zeiten zurückschauen, an diesen Weltennebel oder an etwas Ähnliches, und sie fühlen sich doch recht wohl, die Menschen heute, selbst die geistigsten, wenn ihnen sozusagen die Sorge abgenommen wird, das Geistige .auch in den Urzeiten der Weltentwickelung des Kosmos aufzufinden. Sie fühlen sich gar so erleichtert, diese Seelen der Gegenwart, wenn sie, forschend nach den Urgründen der Welt, sich sagen können: Dieses oder jenes feine substantielle Äußere war damals da, und aus ihm hat sich entwickelt alles Geistige neben allem Physischen. Und so finden wir denn manchmal Seelen, die sich recht getröstet fühlen, wenn sie die materialistischen Forschungen an den Anfang des Kosmos setzen können, wenn sie sozusagen die abstraktesten Begriffe von irgendeinem gasförmigen Gebilde an den Anfang unseres Kosmos setzen können.
[ 16 ] Above all, we can say this: the Gnostics had a sense of what has just been stated—that one must seek the causes of what occurred in the external world of that time in worlds infinitely far in the past. And this awareness has been passed on to others, and we can still see it shining through, if we are willing, if we are not superficial, in what we might call the theology of Paul. But also in various other manifestations. Now, anyone who delves into the Gnosticism of that time today will encounter great difficulties in understanding it. Our souls are, after all, far too afflicted and also infected by what the materialistic development of the last few centuries has brought about within them. When one traces the development of the world back, one thinks too much of the Kant-Laplacean cosmic nebula, of something purely material. And even those who seek a more spiritual worldview—when they look back to the most ancient times—think of this cosmic nebula or something similar, and yet people today, even the most spiritual among them, feel quite at ease when, so to speak, the burden is lifted from them of having to find the spiritual even in the primeval ages of the cosmos’s development. These souls of the present feel quite relieved when, in their search for the origins of the world, they can say to themselves: This or that subtle, substantial form existed back then, and from it all that is spiritual developed alongside all that is physical. And so we sometimes find souls who feel quite comforted when they can place materialistic research at the beginning of the cosmos, when they can, so to speak, place the most abstract concepts of some gaseous formation at the beginning of our cosmos.
[ 17 ] Deshalb ist es für die Menschen so schwierig, sich in die Gedanken der Gnosis hineinzuversetzen. Denn die Gnosis setzt wahrhaftig alles, was gar nicht irgendwie an das Materielle erinnert, zunächst an den Ausgangspunkt ihrer Weltbetrachtung. Vielleicht wird sich sogar ein Geist, der so recht in der Gegenwartsbildung drinnensteckt, eines leisen Lächelns nicht enthalten können, wenn ihm im Sinne der Gnosis zugemutet wird, zu denken, daß die Welt, in der er sich befindet, die er mit seinem Darwinismus so herrlich schön erklärt, daß diese Welt gar nichts zu tun haben soll mit dem, was in Wirklichkeit die Urgründe unserer Welt darstellt. Eines leisen Lächelns wird sich der heutige Mensch, der in der Gegenwartsbildung drinnensteckt, wirklich nicht enthalten können, wenn ihm zugemutet wird, zu denken, die Urgründe der Welt seien bei jenen Weltenwesen, zu denen überhaupt Begriffe zunächst nicht reichen, zu denen nichts reicht von all dem, was man heute aufwendet zum Weltenverständnis: In dem göttlichen Urvater liegt das, was der Weltengrund genannt werden kann. Und gleichsam von ihm ausgehend, ihm zur Seite, ist erst dasjenige, wozu die Seele sich hindurchringen kann, wenn sie abseits aller materialistischen Vorstellungen ein wenig nur ihr Tiefstes sucht: Schweigen, das unendliche Schweigen, in dem noch nicht Zeit und Raum ist, sondern nur Schweigsamkeit ist. Zu dem Paar des Urvaters der Welt und des Schweigens, das noch vor Raum und Zeit ist, schaute der Gnostiker auf, und dann ließ er hervorgehen gleichsam aus der Vermählung des Urvaters mit dem Schweigen andere — man kann sie ebensogut Welten wie Wesen nennen. Und aus diesen wieder andere und wieder andere und wieder andere, und so durch dreißig Stufen hindurch. Und auf der dreißigsten Stufe steht erst das, was unserem Gegenwartssinn vorliegt, und was mit dem Darwinismus so herrlich nach diesem Gegenwattssinn erklärt wird. Auf der dreißigsten Stufe steht es erst, eigentlich auf der einunddreißigsten; denn dreißig solche Wesenheiten, die man ebensogut Welten wie Wesenheiten nennen kann, gehen voran dieser Welt. Äon ist der Ausdruck, den man gewöhnlich annimmt für diese dreißig unserer Welt vorangehenden Wesenheiten oder Welten.
[ 17 ] This is why it is so difficult for people to put themselves in the mindset of Gnosticism. For Gnosticism truly places everything that does not in any way resemble the material world at the very starting point of its worldview. Perhaps even a mind deeply immersed in contemporary education will be unable to suppress a faint smile when, in the spirit of Gnosticism, it is expected to believe that the world in which it finds itself—a world it explains so beautifully through Darwinism—has absolutely nothing to do with what in reality constitutes the primordial foundations of our world. Today’s person, steeped in contemporary education, will truly not be able to refrain from a quiet smile when asked to believe that the primal foundations of the world lie with those beings of the world for whom concepts do not even reach in the first place, to whom nothing reaches from all that is expended today toward an understanding of the world: In the divine Primordial Father lies that which may be called the foundation of the world. And as it were emanating from him, at his side, is that to which the soul can bring itself, if, setting aside all materialistic mental images, it seeks only a little of its deepest self: silence, the infinite silence in which there is not yet time and space, but only stillness. The Gnostic looked up to the pair of the Primordial Father of the world and the silence that precedes space and time, and then he brought forth, as it were, from the union of the Primordial Father with silence, others—one might just as well call them worlds as beings. And from these, yet others, and yet others, and yet others, and so on through thirty stages. And only on the thirtieth level does that which lies before our present sense of reality stand, and which is so magnificently explained by Darwinism in accordance with this sense of reality. It stands only on the thirtieth stage—actually, on the thirty-first; for thirty such entities, which one might just as well call worlds as entities, precede this world. Aeon is the term usually adopted for these thirty entities or worlds preceding our world.
[ 18 ] Man bekommt nur dann eine Vorstellung von dem, was mit dieser Äonenwelt gemeint ist, wenn man sich klar und deutlich sagt: Nicht nur das, was die Sinne wahrnehmen, was du deine Welt um dich herum nennst, gehört sozusagen der einunddreißigsten Welt an, sondern auch das, was du aufbringst als physischer Mensch mit deinen Gedanken als Erklärungen dieser Welt, gehört dieser einunddreißigsten Stufe an. Es ist ja noch leicht, sich abzufinden mit einer spirituellen Weltanschauung, wenn man sagt: Nun ja, die äußere Welt ist ja allerdings Maja, aber durch unser Denken dringen wir in die geistige Welt ein —, und wenn man dann die Hoffnung hat, daß dieses Denken wirklich hinaufkommen kann in die geistigen Welten. Das war aber nach der Ansicht der Gnostiker nicht der Fall. Dieses Denken gehört zum einunddreißigsten Äon, zur physischen Welt, nach der Ansicht der Gnostiker. So daß zunächst nicht nur der sinnlich wahrnehmende, sondern auch der denkende Mensch herausversetzt war aus den dreißig Äonen, die stufenweise aufwärts angeschaut werden können durch die geistige Entwickelung und die in immer größerer und größerer Vollkommenbheit sich darstellen. Man braucht wirklich nur sich einmal hineinzuversetzen in das Lächeln, das einem heutigen, auf der Höhe seiner Zeit stehenden Monisten sich abringt, wenn man ihm zumutet, zu glauben: DreiBig Welten gehen voran, in denen etwas ganz anderes ist, als du selbst zu denken vermagst. — Das aber war die Anschauung der Gnostiker.
[ 18 ] One can only begin to form a mental image of what is meant by this world of eons if one clearly and unambiguously tells oneself: Not only what the senses perceive—what you call the world around you—belongs, so to speak, to the thirty-first world, but also what you, as a physical human being, bring forth through your thoughts as explanations of this world belongs to this thirty-first level. It is, after all, still easy to come to terms with a spiritual worldview when one says: Well, the outer world is indeed maya, but through our thinking we penetrate into the spiritual world—and when one then has the hope that this thinking can truly ascend into the spiritual worlds. But according to the Gnostics, this was not the case. This thinking belongs to the thirty-first Aeon, to the physical world, according to the Gnostics. So that initially not only the sensually perceiving but also the thinking human being was excluded from the thirty Aeons, which can be viewed step by step as ascending through spiritual development and which present themselves in ever greater and greater perfection. One really need only imagine the smile that a modern monist, at the height of his time, forces upon himself when one expects him to believe: Three worlds lie ahead in which something exists that is entirely different from what you yourself are capable of conceiving. — But that was the view of the Gnostics.
[ 19 ] Und dann fragten sie sich: Wie ist es denn eigentlich in dieser Welt?
[ 19 ] And then they asked themselves: What is this world really like?
[ 20 ] Wir wollen eine Weile davon absehen, was wir selbst über diese Welt gesagt haben im Sinne des Beginnes des zwanzigsten Jahrhunderts. Das, was ich jetzt sage, soll nicht für uns als irgendeine uns etwa überzeugende Ideenwelt dargestellt werden — in der Anthroposophie des zwanzigsten Jahrhunderts wird selbstverständlich die Gnosis zu überwinden sein —, aber wir wollen uns in diese Gnosis versetzen. Die umliegende Welt, auch mit dem, was der Mensch über sie denken kann, warum ist sie denn abgeschlossen von den dreißig Äonen? — Da muß man hinblicken, sagte sich der Gnostiker, auf den untersten, aber noch rein geistigen Äon. Was ist da vorhanden? Da ist vorhanden die göttliche Sophia, die göttliche Weisheit. In geistiger Art abstammend durch die 29 Stufen hindurch, zu dem höchsten Äon schaute sie hinauf innerhalb der geistigen Welt, zu dieser Reihe der geistigen Wesenheiten oder Welten. Aber es wurde ihr eines Tages, eines Weltentages, klar, daß sie etwas von sich auszusondern habe, wenn sie den freien Ausblick erhalten wollte in die geistige Welt der Äonen. Und sie sonderte von sich aus dasjenige, was in ihr vorhanden war als Begierde. Und das, was fortan nicht mehr in ihr vorhanden ist, in dieser göttlichen Sophia, in dieser göttlichen Weisheit, das irrt nunmehr herum in der Raumeswelt, das durchdringt alles Werden der Raumeswelt. Es lebt nicht nur in der Sinneswahrnehmung, es lebt auch im Menschendenken, lebt da mit der Sehnsucht nach der geistigen Welt, lebt aber doch wie ausgeworfen in die menschlichen Seelen. Gleichsam als die andere Seite, das Ebenbild, aber als das in die Außenseite geworfene Ebenbild der göttlichen Sophia lebt die Begierde, die in alles hineingeworfen ist, die Weit durchdringend: Achamod. Schaust du in deine Welt, ohne dich aufzuschwingen in die geistigen Welten, so schaust du in die begierdenerfüllte Welt von Achamod. Weil sie die von Begierden erfüllte Welt ist, deshalb kann sich in ihr zunächst nicht darstellen, was sich als Ausblick ergibt in die Welt der Äonen.
[ 20 ] Let us set aside for a moment what we ourselves have said about this world in the context of the early twentieth century. What I am about to say should not be presented to us as some kind of ideological construct that might convince us—in twentieth-century anthroposophy, Gnosis will of course have to be overcome—but let us try to put ourselves in the place of this Gnosis. The surrounding world, including what human beings can think about it, why is it separated from the thirty Aeons? “One must look there,” said the Gnostic to himself, “to the lowest, yet still purely spiritual Aeon. What is there? There is the divine Sophia, the divine Wisdom. Descending in a spiritual manner through the 29 levels, she looked up within the spiritual world toward the highest Aeon, toward this series of spiritual beings or worlds. But one day—a world-day—it became clear to her that she had to separate something from herself if she wished to gain a free view into the spiritual world of the Aeons. And she separated from herself that which existed within her as desire. And that which is no longer present within her, within this divine Sophia, within this divine wisdom, now wanders through the spatial world, permeating all becoming in the spatial world. It lives not only in sensory perception, it also lives in human thought, living there with a longing for the spiritual world, yet living as if cast out into human souls. As it were, as the other side, the image, but as the image of the divine Sophia cast out into the outer world, desire lives, cast into everything, permeating the far reaches: Achamod. If you look into your world without rising up into the spiritual worlds, you are looking into the desire-filled world of Achamod. Because it is the world filled with desires, that is why what emerges as a view into the world of the Aeons cannot initially manifest itself within it.
[ 21 ] Weit, weit zurückliegend in der Welt der Äonen, erzeugt aus der reinen Geistigkeit der Äonen heraus, dachte sich die Gnosis, was sie nannte den Sohn des Vatergottes, und auch das, was sie nannte den reinen, Heiligen Geist. So daß wir in ihnen gleichsam eine andere Generationsreihe, eine andere Reihe der Entwickelung haben als diejenige, die dann zu der göttlichen Sophia geführt hat. Wie sich im physischen Leben in der Fortpflanzungsströmung die Geschlechter sondern, so sonderte sich einmal im Fortgang der Äonen, durchaus auf einer Hochstufe der geistigen Welt, eine andere Strömung heraus, die Strömung des vom Vater stammenden Sohngeistes und des Heiligen Geistes. So daß man fließend hat in der Welt der Äonen das, was auf der einen Seite zur göttlichen Sophia führte und auf der anderen Seite zum Sohngeist und Heiligen Geist. Wenn man hinaufgeht durch die Äonen, so begegnet man einmal einem Äon, von dem abstammt auf der einen Seite die Äonenfolge, die dann zur göttlichen Sophia hinführte, wie auf der anderen Seite die Äonenfolge, von der abstammen der Gottessohn und der Heilige Geist. Dann kommen wir hinauf zum Vatergott und dem göttlichen Schweigen.
[ 21 ] Long, long ago in the world of the Aeons, born of the pure spirituality of the Aeons, Gnosis conceived what it called the Son of the Father God, and also what it called the pure Holy Spirit. So that in them we have, as it were, a different generational line, a different line of development than the one that subsequently led to the divine Sophia. Just as in physical life the sexes separate in the current of procreation, so too, in the course of the Aeons, at a very high level of the spiritual world, another current separated itself: the current of the Son-Spirit, who proceeds from the Father, and of the Holy Spirit. So that in the world of the Aeons there flows, on the one hand, that which led to the divine Sophia, and on the other hand, that which led to the Son-Spirit and the Holy Spirit. As one ascends through the eons, one eventually encounters an eon from which, on the one hand, descends the sequence of eons that led to the divine Sophia, and on the other hand, the sequence of eons from which the Son of God and the Holy Spirit descend. Then we ascend to the Father God and the divine Silence.
[ 22 ] Dadurch nun, daß die menschliche Seele mit Achamod versetzt ist in die materielle Welt, dadurch lebt in ihr im Sinne der Gnosis die Sehnsucht nach der geistigen Welt, lebt in ihr vor allen Dingen die Sehnsucht nach der göttlichen Sophia, nach der göttlichen Weisheit, von der sie aber durch ihr Erfülltsein mit Achamod getrennt ist. Dieses Gefühl der Trennung von der göttlichen Äonenwelt, dieses Gefühl, nicht in dem Göttlich-Geistigen zu sein, das wird nach der Anschauung der Gnostiker als die materielle Welt empfunden. Und abstammend von der göttlich-geistigen Welt, doch verbunden mit Achamod, erscheint der Gnosis das, was man nennen könnte, an die griechische Sprache sich anlehnend, den Weltenbaumeister, den Demiurgos. Dieser Demiurgos, dieser Weltenbaumeister, ist der eigentliche Durchschöpfer und Durcherhalter dessen, was von Achamod und dem Materiellen durchzogen ist. In seine Welt sind einverflochten die Menschenseelen. Die Menschenseelen sind einverflochten mit ihrer Sehnsucht zunächst nach der göttlichen Sophia, und in der Welt der Äonen erscheint rein göttlich-geistig, wie in der Ferne, der Gottessohn und der Heilige Geist, aber nur für den, der — im Sinne der Gnosis — sich erhebt über all das, in das hinein Achamod, die im Raume schweifende Begierde, einverleibt ist.
[ 22 ] Because the human soul is cast into the material world with Achamod, the longing for the spiritual world lives within it in the sense of Gnosis; above all, the longing for the divine Sophia, for divine wisdom, lives within it—from which, however, it is separated by its being filled with Achamod. This feeling of separation from the divine world of the Aeons, this feeling of not being in the divine-spiritual, is perceived, according to the Gnostics’ view, as the material world. And descending from the divine-spiritual world, yet connected to Achamod, appears to Gnosticism what one might call, borrowing from the Greek language, the Architect of the World, the Demiurge. This Demiurge, this Architect of the World, is the actual creator and sustainer of that which is permeated by Achamod and the material. Interwoven into his world are the human souls. The human souls are interwoven with their longing, first of all, for the divine Sophia, and in the world of the Aeons, the Son of God and the Holy Spirit appear purely divine and spiritual, as if from afar, but only to those who—in the sense of Gnosis—rise above all that into which Achamod, the desire wandering through space, is incorporated.
[ 23 ] Warum ist in den Seelen, die in die Welt der Achamod versetzt sind, doch die Sehnsucht? Warum fühlen sie nach der Trennung von der göttlich-geistigen Welt die Sehnsucht nach der göttlichgeistigen Welt? Auch diese Frage legte sich die Gnosis vor, und sie sagte: Achamod ist herausgeworfen aus der göttlichen Weisheit, der göttlichen Sophia; aber bevor sie diese völlig materielle Welt wurde, in der der Mensch jetzt lebt, kam ihr wie eine kurze Überstrahlung ein Licht von dem Gottessohn, das gleich wieder verschwand. Das ist ein wichtiger Begriff der Gnostiker, daß Achamod, wie sie in den Menschenseelen lebt, ansichtig wurde in urferner Vergangenheit des Gotteslichtes, das ihr nur gleich wiederum entschwunden war. Aber die Erinnerung lebt jetzt in der Menschenseele, wie sehr sie auch verstrickt sein kann in die materielle Welt. In der Welt der Achamod lebe ich — so hätte eine solche Seele sagen können — in der materiellen Welt. Mit einer Hülle bin ich umgeben, die dieser materiellen Welt entnommen ist. Aber indem ich mich in mich versenke, lebt in mir eine Erinnerung auf. Das, was mich gefesselt hält an die materielle Welt, sehnt sich nach der göttlichen Sophia, nach der göttlichen Weisheit, weil das Wesen Achamod, das in mir lebt, einstmals überleuchtet worden ist von dem Gottessohn, der in der Welt der Äonen lebt. — Man mache sich diese Verfassung einer Seele, die sozusagen eine Schülerseele der Gnostiker war, einmal klar. Solche Seelen lebten; sie sind nicht eine hypothetische Konstruktion, sie lebten. Und die verständig schauenden Geschichtsforscher werden durch äußere Dokumente darauf kommen, daß zahlreiche solche Seelen gelebt haben in jener Zeit, von der wir eben sprechen.
[ 23 ] Why is there still longing in the souls that have been cast into the world of Achamod? Why, after being separated from the divine-spiritual world, do they feel a longing for that divine-spiritual world? Gnosticism also posed this question, and it said: Achamod has been cast out of divine wisdom, the divine Sophia; but before she became this entirely material world in which humanity now lives, a light from the Son of God shone upon her like a brief radiance, which vanished just as quickly. This is an important concept for the Gnostics: that Achamod, as it lives within human souls, was once beheld in the distant past as the light of God, which vanished just as quickly. But the memory lives on in the human soul, no matter how deeply entangled it may be in the material world. In the world of Achamod I live—such a soul might have said—in the material world. I am surrounded by a shell taken from this material world. But as I sink into myself, a memory revives within me. That which binds me to the material world yearns for the divine Sophia, for divine wisdom, because the being Achamod, which lives within me, was once illuminated by the Son of God who lives in the world of the Aeons. — Let us make clear to ourselves this state of a soul that was, so to speak, a disciple-soul of the Gnostics. Such souls existed; they are not a hypothetical construct, they lived. And discerning historians will discover through external documents that numerous such souls lived in the era of which we are just speaking.
[ 24 ] Es ist nicht unnötig, sich einmal klarzumachen, warum man in der Gegenwart so viel hat gegen das, was ich eben gesagt habe. Was wird so ein recht gescheiter Mensch der Gegenwart über die Gnosis zu sagen haben? Wir haben es ja hören müssen, daß schon die Theologie des Paulus empfunden wird als eine rabbinistische Spintisiererei, als etwas, was viel zu knifflig ist, als daß sich der gescheite Monist darauf einlassen könnte, der so stolz in die Welt hineinblickt und mit dem einfachen Entwickelungsbegriff oder mit dem noch einfacheren Energiebegriff diese Welt umspannt und sagt: Jetzt sind wir endlich Männer geworden, haben die Begriffe gewonnen, die uns eine energetische Weltanschauung aufbauen, und blicken zurück auf diese Kinder, diese armen, lieben Kinder, die vor Jahrhunderten ihre Gnosis auferbaut haben aus der Kindlichkeit, auferbaut haben allerlei Geister, dreißig Äonen: so macht es die «spielende Kinderseele» der Menschheit. Über solche Spielerei ist die mannhaft gewordene Seele von heute im großen Monismus der Gegenwart längst hinaus! Mit Nachsicht blicke man auf diese gnostischen, recht anmutigen Kindereien!
[ 24 ] It is worth taking a moment to consider why there is so much opposition today to what I have just said. What would a reasonably intelligent person of today have to say about Gnosticism? We have, after all, had to hear that even Paul’s theology is perceived as rabbinical speculation, as something far too convoluted for the intelligent monist to engage with—the one who looks out upon the world so proudly and encompasses this world with the simple concept of evolution or the even simpler concept of energy, saying: Now we have finally become men, have gained the concepts that build us an energetic worldview, and look back on these children, these poor, dear children, who centuries ago built their Gnosticism out of childishness, built all manner of spirits, thirty eons: such is the “playful child’s soul” of humanity. The soul of today, now manly, has long since moved beyond such child’s play in the great monism of the present! Let us look upon these Gnostic, quite charming childish pranks with indulgence!
[ 25 ] So ist eben heute die Stimmung, und diese Stimmung wird nicht leicht zu belehren sein. Man könnte ihr freilich sagen: Ein Gnostiker, der heute mit seiner aus der Gnosis herausgeborenen Seele vor dir stehen würde, der würde sich auch die Freiheit herausnehmen, dir seine Ansicht zu sagen, und er würde dann etwa so sprechen: Ich begreife ganz gut, daß du so stolz, so hochmütig geworden bist mit deinem Entwickelungs- und Energiegedanken; aber das kommt davon her, daß dein Gedankenleben recht grob, einfach, primitiv geworden ist, daß du dich begnügst aus deinen Nebeln heraus mit den allerabstraktesten Gedanken. Du sprichst das Wort Entwickelung und Energie aus und glaubst etwas zu haben. Du kannst eben nicht hineinschauen in jenes feinere geistige Leben, das hinaufdringt zu dem, was in dreißig Stufen sich erhebt über dem, was du hast.
[ 25 ] That is simply the mood today, and this mood will not be easily swayed. One could, of course, say to it: A Gnostic who stood before you today with a soul born of Gnosis would also take the liberty of telling you his view, and he would speak something like this: I understand quite well that you have become so proud, so haughty with your ideas of development and energy; but that comes from the fact that your thought life has become quite coarse, simple, primitive, that you are content, from within your mists, with the most abstract of thoughts. You utter the words “evolution” and “energy” and believe you have grasped something. You are simply unable to look into that finer spiritual life which ascends to that which rises in thirty stages above what you possess.
[ 26 ] Für uns aber, meine lieben Freunde, wird der Gegensatz, den ich im Beginne der heutigen Betrachtung vor Sie hingestellt habe, dadurch nur noch schroffer. Wir sehen auf der einen Seite unsere Zeit mit ihren ganz groben, primitiven Begriffen und sehen auf der anderen Seite diese Gnosis. Und eben haben wir auseinandergesetzt, wie unendlich komplizierte Begriffe diese Gnosis aufwendet — dreißig Äonen —, um im Verlaufe ihrer Entwickelung den Gottessohn und den Heiligen Geist zu finden und in der Seele zu finden die Sehnsucht nach der göttlichen Sophia und dem Gottessohn und dem Heiligen Geist.
[ 26 ] For us, however, my dear friends, the contrast I presented to you at the beginning of today’s reflection only becomes more stark. On the one hand, we see our own time with its very crude, primitive concepts, and on the other hand, we see this Gnosis. And we have just discussed how infinitely complex concepts this Gnosis employs—thirty eons—in order to find, in the course of its development, the Son of God and the Holy Spirit, and to find within the soul the longing for the divine Sophia, the Son of God, and the Holy Spirit.
[ 27 ] Dann fragen wir uns: Ja, ist denn nicht aus dem, was damals in der griechisch-römischen Welt an Gedankenvertiefung geschah, dasjenige hervorgegangen, was wir heute haben, womit wir es so herrlich weit gebracht haben in unserem Entwickelungs- und Energiegedanken? Und blicken wir nicht auf diese Gnosis mit ihren komplizierten Begriffen, die der Gegenwart so unsympathisch sind, wie auf etwas in der Tat ganz Fremdes? Sind das nicht kolossale Gegensätze? Ja, sie sind es. Der Widerspruch, der sich uns von da aus bedrückend in die Seele legt, wird immer größer, wenn wir jetzt wiederum zurückreflektieren auf das, was wir über die hellseherisch gestimmte Seele gesagt haben: daß sie sich versetzen kann in die Gedankenwelt der Griechen und Römer, und dann die Welt mit dem Stern sieht, von der wir gesprochen haben. Und überall eingestreut in diese Vertiefung des griechischen Gedankens finden wir jene Vertiefung, die die Gnosis darstellt. Doch wenn wir sie mit dem, was uns die Anthroposophie heute geben soll, ansehen, ohnmächtig eigentlich, zu verstehen, was der Stern bedeuten soll, von dem wir durch drei Welten getrennt sind, und wenn wir bei den Gnostikern anfragen: Haben sie verstanden, was damals in der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit geschehen ist? — dann können auch wir auf dem Boden der Anthroposophie uns von den Gnostikern die Antwort nicht geben lassen, denn sie würde uns niemals befriedigen können; sie würde kein Licht bringen können in das, was sich heute der hellseherischen Seele ergibt.
[ 27 ] Then let us ask ourselves: Indeed, did not what we have today—and with which we have made such magnificent progress in our concepts of evolution and energy—emerge from the intellectual depth that existed in the Greco-Roman world of that time? And do we not view this Gnosis, with its complicated concepts so unappealing to the present day, as something truly alien? Are these not colossal contradictions? Yes, they are. The contradiction that weighs heavily on our souls from this point becomes ever greater when we now reflect back on what we said about the clairvoyantly attuned soul: that it can place itself within the thought world of the Greeks and Romans, and then see the world with the star of which we have spoken. And scattered throughout this deepening of Greek thought, we find that very deepening which Gnosticism represents. Yet when we view it in light of what anthroposophy is meant to offer us today—powerless, in fact, to understand what the star is supposed to signify, from which we are separated by three worlds—and when we ask the Gnostics: Did they understand what happened back then in the historical development of humanity? — then we, too, on the basis of anthroposophy, cannot accept the Gnostics’ answer, for it could never satisfy us; it could not shed any light on what reveals itself today to the clairvoyant soul.
[ 28 ] Ich möchte Ihnen heute mit dieser Betrachtung nicht eine Erklärung für irgend etwas gegeben haben. Je mehr Sie empfinden, daß das, was ich ausgesprochen habe, keine Erklärung ist, je mehr Sie empfinden, daß ich eigentlich Widerspruch über Widerspruch vor Sie hingestellt habe und nur eine okkulte Erfahrung, die der Wahrnehmung des Sternes, Ihnen zeigte, desto besser haben Sie mich für heute verstanden. Daß Sie sich klar sind darüber, daß etwas in der Welt erschienen ist im Beginne unserer Zeitrechnung, von dem das menschliche Verständnis weit, weit ab war und doch von ihm bewirkt war, das möchte ich gerne, daß Sie es empfinden. Daß die Epoche des Ausgangspunktes unserer Zeitrechnung ein großes Rätsel ist, das möchte ich, daß Sie es empfinden. Ich möchte, daß Sie ein Empfinden dafür haben, daß in der Menschheitsentwickelung etwas geschieht, was sich in der griechisch-römischen Welt zunächst wie eine Vertiefung des Gedankens oder wie eine Entdeckung des Gedankens ausnimmt, und daß die Urgründe selbst dafür tief im Rätselvollen liegen. In verborgenen Welten mögen Sie suchen dasjenige, was in der Maja der physisch-sinnlichen Welt als die Vertiefung des griechisch-römischen Gedankens erscheint. Und nicht eine Idee, eine Erklärung selber für das, was vorliegt, sondern die Aufstellung eines Rätsels wollte ich mit den heutigen Auseinandersetzungen geben, die wir dann morgen abend fortsetzen wollen.
[ 28 ] My intention today with this reflection was not to offer you an explanation for anything. The more you feel that what I have said is not an explanation, the more you feel that I have actually presented you with contradiction upon contradiction and merely shown you an occult experience related to the perception of the star, the better you have understood me today. I would like you to sense that something appeared in the world at the beginning of our era that was far, far beyond human understanding and yet was brought about by it. I would like you to sense that the epoch marking the starting point of our era is a great mystery. I would like you to have a sense that something is happening in human development which, in the Greco-Roman world, initially appears as a deepening of thought or as a discovery of thought, and that the very foundations of this lie deep within the mysterious. In hidden worlds, you may seek that which appears in the maya of the physical-sensory world as the deepening of Greco-Roman thought. And I did not wish to offer an idea or an explanation for what lies before us, but rather to pose a mystery through today’s discussions, which we intend to continue tomorrow evening.
