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Christ and the Spiritual World
The Search for the Holy Grail
GA 149

30 December 1913, Leipzig

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Diese Vorträge sollen so veranlagt werden, daß einzelne Motive angeschlagen werden und dann herbeigeholt wird, was zu diesen Motiven verständnisvoll hinführen kann. So habe ich angeschlagen als Motiv, was ich vom schwierigen Verstehen der Christus JesusWesenheit gesagt habe, dann dasjenige von der symptomatischen Ausgestaltung einer Seite des menschlichen Seelenlebens im vierten nachatlantischen Zeitraum in den Prophezeiungen der Sibyllen, und endlich habe ich zum Schlusse der vorigen Betrachtung angeschlagen das Thema Paulus und der Ölbaum. Auf diese Leitmotive werde ich wieder zurückkommen. Aber wir müssen uns gewissermaßen in Kreisen diesen Leitmotiven nähern, die wir in den Mittelpunkt dieser Kreise schreiben. Es wird sich dann schon herausstellen, was eigentlich mit diesen Motiven gemeint ist. Heute möchte ich zu Ihnen einiges über die Christus-Wesenheit als solche sprechen. Wir werden dann sehen, warum sich diese Christus Jesus-Wesenheit gerade in Paulus in einer bestimmten Weise spiegelt.

[ 1 ] These lectures are intended to be structured in such a way that individual themes are introduced, and then the necessary context is provided to help listeners understand them. Thus, I introduced as a theme what I said about the difficulty of understanding the Christ-Jesus Being, then the theme of the symptomatic manifestation of one aspect of human soul life in the fourth post-Atlantean epoch as described in the prophecies of the Sibyls, and finally, at the conclusion of the previous lecture, I introduced the theme of Paul and the olive tree. I will return to these central themes. But we must, so to speak, approach these leitmotifs in circles, placing them at the center of these circles. It will then become clear what is actually meant by these motifs. Today I would like to speak to you a little about the Christ-being as such. We will then see why this Christ-Jesus-being is reflected in a particular way in Paul.

[ 2 ] Wir wissen ja aus früheren Vorträgen, daß die Christus-Wesenheit verstanden werden kann, wenn wir die Evolution unseres Systems zurückverfolgen bis zum alten Sonnendasein. Und bei verschiedenen Gelegenheiten, in Vortragszyklen, die ja jetzt auch schon veröffentlicht sind, wurde aufmerksam gemacht darauf, daß wir es mit einer hohen geistigen Wesenheit — so wollen wir sie zunächst nennen — zu tun haben in der Christus-Wesenheit und daß für die eigene Entwickelung dieser hohen geistigen Wesenheit insbesondere die alte Sonnenzeit wichtig gewesen ist. Darüber will ich mich also jetzt nicht weiter verbreiten. Wir wollen einfach hinschauen zur Christus-Wesenheit als zu einer hohen geistigen Wesenheit. Nun haben wir zum Verständnis der menschlichen Entwickelung auf der Erde aber noch anderes notwendig, und wir haben ja gesehen, wie notwendig das ist, weil gerade gegenüber einer gewissen Tatsache sich ohnmächtig erweisen die Begriffe und Ideen, die im vierten nachatlantischen Zeitalter diese Christus Jesus-Wesenheit zu verstehen trachteten. Diese Frage tauchte ja besonders in den ersten Jahrhunderten bei den Gnostikern, bei den apostolischen Vätern, bei den Persönlichkeiten, die zur Begründung des Christentums in der einen oder anderen Form den Anlaß gegeben haben, immer wieder und wiederum auf: Wie verhält sich das Christus-Wesen zum Wesen des Jesus?

[ 2 ] We know from earlier lectures that the Christ Being can be understood if we trace the evolution of our solar system back to the ancient solar existence. And on various occasions, in lecture series that have now been published, attention has been drawn to the fact that we are dealing with a high spiritual being—let us call it that for now—in the Christ Being, and that the ancient Sun era was particularly important for the development of this high spiritual being. I do not wish to dwell on this further now. Let us simply regard the Christ Being as a high spiritual being. However, to understand human development on Earth, we need something else, and we have indeed seen how necessary this is, because the concepts and ideas that sought to understand this Christ Jesus Being in the fourth post-Atlantean epoch prove powerless in the face of a certain fact. This question arose again and again, especially in the first centuries, among the Gnostics, the Apostolic Fathers, and the figures who, in one form or another, provided the impetus for the founding of Christianity: What is the relationship between the Christ-being and the being of Jesus?

[ 3 ] Nun wissen wir schon, daß wir zwei Jesusknaben, die heranwachsen, zu unterscheiden haben. Mit dem einen Jesusknaben brauchen wir uns in diesem Zusammenhange nicht weiter zu befassen, denn er ist uns aus unseren anthroposophischen Voraussetzungen heraus leicht verständlich. Ich meine den Jesus, in dem das Ich des Zarathustra lebte. Wir haben es da zu tun mit einer menschlichen Wesenheit, die einen hohen Entwickelungsgrad schon in dem zweiten nachatlantischen Zeitalter erreicht hatte und die dazumal die geistige Strömung eben des Zarathustra begründete und dann weiterlebte, die alsdann in dem salomonischen Jesusknaben wiederum sich verkörperte und in ihm bis zum zwölften Lebensjahre jene Entwickelung annahm, die ein so hohes Ich in dieser Zeit der Menschheitsinkarnation eben annehmen konnte. Wir wissen ferner, daß dieses Zarathustra-Ich hinübergegangen ist in den Leib des anderen Jesusknaben, dessen Wesenheit etwas durchschimmert im Lukas-Evangelium, des sogenannten nathanischen Jesusknaben.

[ 3 ] We already know that we must distinguish between two Jesus children as they grow up. We need not concern ourselves further with one of these Jesus children in this context, for he is easily understood from our anthroposophical perspective. I am referring to the Jesus in whom the I of Zarathustra lived. We are dealing here with a human being who had already attained a high degree of development in the second post-Atlantean epoch and who, at that time, founded the spiritual movement of Zarathustra and then lived on, subsequently incarnating again in the Solomonic Jesus-child and undergoing in him, up to the age of twelve, the development that such a high I could attain in this era of human incarnation. We further know that this Zarathustra I passed over into the body of the other Jesus child, whose being shines through somewhat in the Gospel of Luke, the so-called Nathanic Jesus child.

[ 4 ] Diesen nathanischen Jesusknaben müssen wir ein wenig betrachten. Ich habe ja schon aufmerksam darauf gemacht, daß wir es bei diesem Jesusknaben nicht zu tun haben mit einem Menschenwesen, wie andere Menschenwesen sind, im strengen Sinne des Wortes. Wir haben es zu tun mit einem Wesen, bei dem wir nicht davon sprechen können, daß es vorher als Mensch in diesem oder jenem Individuum auf der Erde inkarniert war. Wir haben immer betont, daß gleichsam von dem Seelenhaften, das von geistigen Welten zur Erde gekommen ist, um sich dann in den einzelnen menschlichen Individualitäten auf der Erde auszuleben, etwas zurückgeblieben ist und daß dieses Zurückgebliebene erscheint in dem nathanischen Jesusknaben. So daß wir von diesem nathanischen Jesusknaben nicht sagen können, es lebe in ihm ein solches Ich wie in anderen Menschen, das sich durch vorhergehende Inkarnationen in einer gewissen Art entwickelt hat. Wir haben auch für diesen nathanischen Jesusknaben — das geht schon hervor aus meiner Darstellung in der «Geheimwissenschaft» — anzuerkennen, daß er vorher nicht als Mensch auf der Erde gewandelt ist. Es fragt sich jetzt nur: War dieses Wesen, das wir jetzt einfach nennen wollen Jesus von Nazareth, vorher in irgendeiner Verbindung mit der Erdenentwickelung? Mit der Erdenentwickelung sind ja nicht nur in Verbindung diejenigen Wesenheiten und Kräfte, die sozusagen auf der Erde sich selber inkarnieren, sondern auch geistige Wesenheiten und Kräfte, welche den höheren Hierarchien angehören. Wenn etwas zurückgeblieben ist in der Substanz gleichsam, die dann sich verteilte auf die einzelnen Menschenseelen und die dann gewissermaßen als der nathanische Jesusknabe geboren wurde, so ist damit nicht gesagt, daß diese Wesenheit nicht vorher schon in irgendeiner Beziehung gestanden habe zur Erdenentwickelung. Nur war sie eben nicht so in Beziehung zur Erden- und Menschheitsentwickelung gekommen, daß sie vorher als Mensch auf der Erde herumgewandelt wäre. Wie haben wir diese Wesenheit in Beziehung zur Erdenentwickelung zu denken? Wenn wir die Entwickelung dieses nathanischen Jesus ins Auge fassen, so müssen wir sie also nicht suchen innerhalb dessen, was uns die physische Erdenentwickelung darbieten kann, sondern wir müssen sie in den geistigen Reichen suchen, in demjenigen, was vorher nicht irdisch war. Und da stellt sich denn für die Beobachtung, von der ich ja oft gesprochen habe, für die hellseherische Beobachtung, das Folgende heraus:

[ 4 ] We need to consider this Nathanic Jesus-child a little more closely. I have already pointed out that, strictly speaking, this Jesus-child is not a human being in the same sense as other human beings. We are dealing with a being about whom we cannot say that he was previously incarnated as a human being in this or that individual on Earth. We have always emphasized that, as it were, something has remained behind from the soul-nature that came to Earth from the spiritual worlds to then live itself out in the individual human personalities on Earth, and that this remnant appears in the Nathanic Jesus-child. So that we cannot say of this Nathanic Jesus child that there lives within him an “I” such as in other human beings, which has developed in a certain way through previous incarnations. We must also acknowledge for this Nathanic Jesus child—as is already evident from my exposition in *The Secret Science*—that he did not previously walk the Earth as a human being. The only question now is: Was this being, whom we shall simply call Jesus of Nazareth, previously connected in any way with the development of the Earth? For it is not only those beings and forces that incarnate themselves on Earth, so to speak, that are connected with the Earth’s development, but also spiritual beings and forces belonging to the higher hierarchies. If something remained behind, so to speak, in the substance that then distributed itself among the individual human souls and was then, in a sense, born as the Nathanic Jesus child, this does not mean that this being had not previously been in some relationship to Earth’s development. It simply had not come into contact with the development of the Earth and humanity in such a way that it had previously walked the Earth as a human being. How are we to conceive of this being in relation to the development of the Earth? When we consider the development of this Nathanic Jesus, we must therefore not seek it within what physical earthly development can offer us, but we must seek it in the spiritual realms, in that which was not previously earthly. And here the following emerges for the observation of which I have often spoken, for clairvoyant observation:

[ 5 ] Erinnern wir uns einmal an das, was in der «Geheimwissenschaft» dargestellt ist, wie von der lemurischen Zeit an, mit Ausnahme des einen Hauptpaares der Menschheit, die Seelen allmählich herunterziehen von den anderen Planeten und durch die atlantische Zeit hindurch sich in Menschenleibern verkörpern. Wir haben also die Entwickelung der Erde gewissermaßen so zu denken, daß aus der kosmischen Umgebung der Erde die Seelen zuziehen und in verschiedenen Zeitpunkten sozusagen ihre erneuerte irdische Entwickelung beginnen. Wir wissen ja, daß vor der lemurischen Zeit die Seelen sich zu den Planeten gewissermaßen zurückgezogen hatten. Wir wissen nun aber auch, daß diese irdische Entwickelung der Erde, in die die Menschenseelen einzutreten hatten, ausgesetzt war den Anfechtungen des Luzifer und später des Ahriman. So also waren die Menschenseelen veranlaßt, in Leiber einzuziehen, innerhalb welcher sie im Verlaufe der Erdenentwickelung den Anfechtungen dieser beiden geistigen Wesenheiten ausgesetzt waren. Wenn nichts weiter als dieses eingetreten wäre, daß die Menschenseelen wieder herabgekommen wären von ihrem planetarischen Dasein in die Erdenentwickelung herein und dann ausgesetzt worden wären den luziferisch-ahrimanischen Einflüssen, so wäre mit diesen Menschen auf Erden, so wie sie da durchgehen durch ihre Inkarnationen, etwas geschehen, was ich noch nicht angedeutet habe in der «Geheimwissenschaft». Man kann jedoch in der Gegenwart nicht alles gleich öffentlich sagen. Es wären nämlich diese Menschen zunächst, wie sie so herunterkamen von den Planeten und in physische Leiber einziehen mußten, einer gewissen Gefahr der Sinnesentwickelung ausgesetzt gewesen. Wir dürfen uns nämlich nicht vorstellen, daß das so einfach gegangen wäre, daß diese Menschenseelen von ihrem planetarischen Aufenthalte heruntergekommen wären auf die Erde, Menschenleiber bezogen hätten und daß dann alles in Ordnung verlaufen wäre. Dadurch, daß das luziferische und ahrimanische Prinzip in ihnen waltete, waren diese Menschenleiber nicht so eingerichtet, daß die Menschen diejenige Entwickelung hätten annehmen können, die sie dann wirklich angenommen haben. Wären diese Seelen einfach so eingezogen, daß sie die Kräfte benutzt hätten, die ihnen diese Menschenleiber in bezug auf die Sinne geboten hatten, so würden diese Menschenseelen ihre Sinne haben in einer eigentümlichen Weise benutzen müssen, in einer Weise, die eigentlich für Menschen nicht möglich gewesen wäre.

[ 5 ] Let us recall what is described in *The Secret Science*: how, beginning in the Lemurian epoch, with the exception of the one primary pair of humanity, souls gradually descended from other planets and, throughout the Atlantean epoch, incarnated in human bodies. We must therefore conceive of the Earth’s evolution in such a way that souls migrate from the Earth’s cosmic surroundings and, at various points in time, begin their renewed earthly evolution, so to speak. We know, after all, that before the Lemurian epoch, the souls had, so to speak, withdrawn to the planets. But we also know that this earthly development of the Earth, into which human souls were to enter, was exposed to the temptations of Lucifer and later of Ahriman. Thus, human souls were led to enter bodies within which, in the course of Earth’s development, they were exposed to the temptations of these two spiritual beings. If nothing more than this had occurred—that human souls had come down again from their planetary existence into the development of the Earth and had then been exposed to the Luciferic-Ahrimanic influences—then something would have happened to these human beings on Earth, as they pass through their incarnations, which I have not yet indicated in *The Secret Science*. However, one cannot say everything publicly at the present time. For these human beings, as they came down from the planets and had to enter physical bodies, would initially have been exposed to a certain danger regarding the development of the senses. For we must not form a mental image of it as being so simple: that these human souls would have come down from their planetary abodes to Earth, taken up residence in human bodies, and that everything would then have proceeded smoothly. Because the Luciferic and Ahrimanic principles reigned within them, these human bodies were not constituted in such a way that the human beings could have undergone the development that they subsequently did in fact undergo. Had these souls simply entered in such a way that they would have used the powers these human bodies offered them in terms of the senses, these human souls would have had to use their senses in a peculiar way, in a way that would actually have been impossible for human beings.

[ 6 ] Ich will dieses durch folgendes erklären. Beim Einziehen der Seelen in die Menschenkörper würde zum Beispiel das Auge von einer Farbe nicht nur so beeindruckt worden sein, affiziert worden sein, daß es sie so wahrgenommen hätte, wie es später diese Farbe sah, sondern von der einen Seite würde das Auge so beeindruckt worden sein, daß es sich durchseligt gefühlt hätte, von einem heftigen Lustgefühl durchzogen worden wäre; das Auge hätte förmlich geglüht von Lust bei der einen Farbe, bei der anderen würde es durchzogen worden sein von intensiver Antipathie gegen diese Farbe, würde schmerzlich berührt worden sein. Also durch das, was durch die luziferischen und ahrimanischen Einflüsse vorhanden war, waren Körper nicht möglich, deren Sinne für die Seelen, die jetzt von den Planeten heruntergekommen waren, richtige Aufenthaltsorte hätten abgeben können. Gequält von der Antipathie und Sympathie ihrer Sinne wären die Menschen gewesen; man hätte so durch die Welt gehen müssen, daß man fortwährend von Sympathie beseligt oder von Antipathie gequält worden wäre, je nachdem man diese oder jene Farbe gesehen hätte; man wäre beseligt oder furchtbar schmerzhaft zurückgestoßen worden. So war die ganze Evolution veranlagt, so wirkten die kosmischen Kräfte herein auf die Erde, namentlich von der Sonne aus, daß die Sinne in einer solchen Weise wären ausgebildet worden. Jedes Beschauen der Welt in Weisheit, in einer gewissen gelassenen Weisheit, wäre unmöglich gewesen. Es mußte eine Änderung in den kosmischen Kräften stattfinden, die aus der kosmischen Umgebung der Erde hereinflossen und die Sinne der Menschenleiber aufbauten, ausgestalteten. Es mußte in der geistigen Welt etwas geschehen, daß die Kräfte nicht so hereinkamen, daß diese Sinne bloße Antipathie- und Sympathieorgane geworden wären, denn das wären sie geworden unter Luzifers und Ahrimans Einfluß. Aus diesem Grunde geschah folgendes:

[ 6 ] I will explain this as follows. When souls enter human bodies, for example, the eye would not only have been so impressed by a color, so affected by it, that it would have perceived it as it later saw that color, but on the one hand the eye would have been so impressed that it would have felt blissful, permeated by a violent sensation of pleasure; the eye would have literally glowed with pleasure at one color, while at another it would have been permeated by intense antipathy toward that color, and would have been painfully affected. Thus, due to what was present through the Luciferic and Ahrimanic influences, bodies were not possible whose senses could have served as proper abodes for the souls that had now descended from the planets. Tormented by the antipathy and sympathy of their senses, human beings would have been; one would have had to go through the world in such a way that one would have been continually enraptured by sympathy or tormented by antipathy, depending on whether one saw this or that color; one would have been enraptured or repelled with terrible pain. Such was the nature of the entire evolution; such was the way the cosmic forces acted upon the Earth, particularly from the Sun, that the senses would have developed in this manner. Any contemplation of the world in wisdom, in a certain serene wisdom, would have been impossible. A change had to take place in the cosmic forces flowing in from the Earth’s cosmic environment and building up and shaping the senses of human bodies. Something had to happen in the spiritual world so that the forces would not enter in such a way that these senses would have become mere organs of antipathy and sympathy, for that is what they would have become under the influence of Lucifer and Ahriman. For this reason, the following occurred:

[ 7 ] Jene Wesenheit, von der wir jetzt sagten, sie habe zunächst nicht den Weg gewählt herunter von den Planeten zur Erde, sondern daß sie zurückgeblieben wäre, jene Wesenheit, die später als der nathanische Jesusknabe erschien, die also vorläufig in den geistigen Welten war in uralten Zeiten, jene Wesenheit beschloß — wenn wir den Ausdruck gebrauchen dürfen, natürlich sind alle diese Ausdrücke aus der menschlichen Sprache genommen und besagen nicht voll, was man sagen will — also sie beschloß dazumal, als sie noch in der Welt der oberen Hierarchien war, eine solche Entwickelung durchzumachen, die sie befähigte, in der geistigen Welt eine Zeitlang durchsetzt zu sein von der Christus-Wesenheit. Wir haben es also zu tun nicht mit einem Menschen, sondern mit einer übermenschlichen Wesenheit — wenn wir so sagen dürfen —, welche in der geistigen Welt lebte, welche sozusagen den Jammer des menschlichen Sinnensystems um Hilfe hinaufschreien hörte zu den geistigen Welten und die durch das, was sie da durch diesen Hilfe- und Jammerschrei der Menschheit empfand, sich geeignet machte, durchdrungen zu werden von der Christus-Wesenheit.

[ 7 ] That being of whom we just said that it had not initially chosen the path down from the planets to Earth, but had remained behind—that being who later appeared as the boy Jesus of Nazareth, and who thus remained in the spiritual worlds for a time in ancient times—that being decided—if we may use the expression— of course, all these expressions are taken from human language and do not fully convey what is meant—so it decided at that time, when it was still in the world of the higher hierarchies, to undergo a development that would enable it to be permeated by the Christ-being in the spiritual world for a time. We are therefore dealing not with a human being, but with a superhuman being — if we may put it that way — who lived in the spiritual world, who, so to speak, heard the anguish of the human mind crying out for help to the spiritual worlds, and who, through what she felt there in response to this cry for help and anguish from humanity, made herself capable of being permeated by the Christ-being.

[ 8 ] Dadurch wurde in den geistigen Welten die Wesenheit, die später der nathanische Jesusknabe war, gleichsam durchgeistigt von der Christus-Wesenheit und verwandelte die kosmischen Kräfte, die hereinströmten zum Aufbau der Sinne, in der Art, daß diese Sinne aus bloßen Sympathie- und Antipathieorganen zu den Organen wurden, welche die Menschheit dann brauchen konnte. So kam der Mensch dazu, mit Weisheit hinschauen zu können auf alle Sinneswahrnehmungs-Nuancen. In ganz anderer Weise wären die kosmischen Kräfte, die seine Sinne aufbauen, an den Menschen herangekommen, wenn dieses Ereignis, das weit zurückliegt, das noch der lemurischen Zeit angehört, in den geistigen Welten nicht eingetreten wäre. Es war so, daß das Wesen, das dann als der nathanische Jesusknabe erschien, damals noch wohnhaft war — wenn ich diesen Ausdruck gebrauchen darf — auf der Sonne und daß durch den eben erwähnten Jammerschrei — wenn ich wiederum den Ausdruck gebrauchen darf — es so etwas in sich durchlebte, was möglich machte, daß es von dem Sonnengeist selber durchsetzt wurde, so durchsetzt, daß gleichsam die Sonnenwirksamkeit in der Art gemildert wurde, ‘ daß die menschlichen Sinnesorgane, die wesentlich Ergebnis dieser Sonnenwirksamkeit sind, nicht zu bloßen Sympathie- und Antipathieorganen wurden.

[ 8 ] As a result, in the spiritual worlds, the being who later became the boy Jesus of Nazareth was, as it were, spiritualized by the Christ Being and transformed the cosmic forces flowing in to build the senses in such a way that these senses evolved from mere organs of sympathy and antipathy into the organs that humanity could then use. Thus did humanity come to be able to look upon all the nuances of sensory perception with wisdom. The cosmic forces that build up the senses would have approached humanity in a completely different way had this event—which lies far in the past, still belonging to the Lemurian epoch—not taken place in the spiritual worlds. It was the case that the being who later appeared as the Nathanic Jesus-child was at that time still dwelling—if I may use this expression—on the Sun, and that through the cry of anguish just mentioned—if I may again use the expression—he experienced within himself something that made it possible for him to be permeated by the Sun Spirit itself, so permeated that, as it were, the influence of the Sun was mitigated in such a way that the human sense organs, which are essentially the result of this solar influence, did not become mere organs of sympathy and antipathy.

[ 9 ] Damit, meine lieben Freunde, streifen wir wirklich ein bedeutsames kosmisches Geheimnis, das uns vieles verständlich machen muß, was später geschehen ist. Nun konnte gewissermaßen Ordnung und Harmonie, weisheitsvolle Gestaltung eintreten in der Welt der menschlichen Sinne, und die Entwickelung konnte eine Weile fortgehen. Es war in einer gewissen Weise die schlimmste Wirksamkeit Luzifers und Ahrimans von den menschlichen Sinnen abgeschlagen aus den oberen Welten her.

[ 9 ] With this, my dear friends, we are truly touching upon a significant cosmic mystery that must help us understand much of what happened later. Now, in a sense, order and harmony—a wise ordering of things—could enter the world of the human senses, and evolution could continue for a time. In a certain sense, it was the worst influence of Lucifer and Ahriman, cast down from the higher worlds and reflected in the human senses.

[ 10 ] Später kam eine Zeit — die fällt nun schon in die Zeit der Atlantis herein —, in welcher sich herausstellte, daß diese menschliche Körperlichkeit wiederum nicht ein geeignetes Werkzeug sein könne, wenn die Entwickelung entsprechend weitergehen solle. Das, was gleichsam eine Weile in einer brauchbaren Art sich entwickelt hatte, die menschlichen Lebensorgane und ihre Grundkräfte, der Ätherleib, das war in Unordnung gekommen. Denn die kosmischen Kräfte, welche hereinwirkten aus der Umgebung der Erde und denen es obliegt, gerade in diese Lebensorgane des Menschen hinein, in die Atmungsorgane, die Zirkulationsorgane und so weiter, Ordnung zu bringen, diese Kräfte entwickelten sich unter dem luziferischen und ahrimanischen Einfluß so, daß die Lebensorgane eben nicht brauchbar geworden wären für die Menschenwesen auf Erden. Sie hätten eine ganz eigentümliche Gestaltung angenommen. Diejenigen Kräfte nämlich, welche diese Lebensorgane zu versorgen haben, gehen nicht direkt von der Sonne aus, sondern von dem, was man in früheren Zeiten die sieben Planeten nannte. Die planetarischen Kräfte wirkten in den Menschen herein aus dem Kosmos. Und notwendig war, daß nun auch gemildert wurden diese die menschlichen Lebensorgane bedingenden kosmischen Kräfte. Wäre die Entwickelung so fortgegangen, wie diese kosmischen Kräfte sie hätten einrichten können unter dem Einfluß Ahrimans und Luzifers, so wäre es so gekommen, daß der Mensch in diesen Lebensorganen entweder nur Organe der Gier oder Organe des Ekels gehabt hätte. Der Mensch hätte zum Beispiel nicht bloß essen können, sondern bei der einen Speise hätte er sich gar nicht bewältigen können vor Gier, sich auf sie loszustürzen, und die andere Speise hätte ihn zurückgestoßen in furchtbarem Ekel. Das alles sind Dinge, welche sich uns als Weltengeheimnis, zunächst als kosmisches Geheimnis enthüllen, wenn wir versuchen, hellseherisch in die Weltengeheimnisse einzudringen.

[ 10 ] Later came a time—which now falls within the era of Atlantis—when it became clear that this human physicality could not, in turn, serve as a suitable instrument if development were to continue accordingly. That which had, so to speak, developed in a useful way for a while—the human life organs and their fundamental forces, the etheric body—had fallen into disarray. For the cosmic forces acting in from the Earth’s surroundings—forces whose task it is to bring order specifically into these human life organs, into the respiratory organs, the circulatory organs, and so on—these forces developed under the influence of Lucifer and Ahriman in such a way that the life organs would not have become usable for human beings on Earth. They would have taken on a very peculiar form. For the forces that are responsible for sustaining these life organs do not emanate directly from the Sun, but from what were once called the seven planets. The planetary forces acted upon human beings from the cosmos. And it was necessary that these cosmic forces, which determine the human life organs, should now also be tempered. Had development continued as these cosmic forces could have arranged it under the influence of Ahriman and Lucifer, it would have come to pass that in these life organs, the human being would have possessed either only organs of greed or organs of revulsion. For example, a human being would not merely have been able to eat; rather, in the case of one food, he would have been unable to control himself from greedily pouncing upon it, while another food would have repelled him with terrible revulsion. All these are things that reveal themselves to us as a mystery of the world—initially as a cosmic mystery—when we attempt to penetrate the mysteries of the world through clairvoyance.

[ 11 ] Wiederum mußte etwas geschehen in den geistigen Welten selber, damit diese für die Menschheit verheerende Wirkung nicht einträte. Und siehe da, dieselbe Wesenheit, die dann später im nathanischen Jesusknaben erschien, die, wie wir eben auseinandergesetzt haben, in älterer Zeit auf der Sonne wohnte und dort durchgeistigt worden war von der Christus-Wesenheit, von dem hohen Sonnengeiste, diese Wesenheit zog jetzt von Planet zu Planet, in ihrem Innersten berührt von der Unmöglichkeit, die Menschheitsentwickelung so weitergehen zu lassen. Und dieses, was sie da durchlebte, wirkte nun wiederum so stark auf sie, indem sie nacheinander auf den verschiedenen Planeten sich verkörperte, daß zu einer bestimmten Zeit während der atlantischen Entwickelung wiederum der Christus-Geist sie durchsetzte. Und durch das, was jetzt zustande kam durch die Durchsetzung dieser selben Wesenheit mit dem ChristusGeist, trat die Möglichkeit ein, daß die Lebensorgane der Menschen die Mäßigkeit eingepflanzt erhielten. Wie früher die Sinnesorgane die gelassene Weisheit erhalten hatten, so erhielten jetzt die Lebensorgane die Mäßigung, so daß man nicht mehr, wenn man atmet an einem Ort, gierig den Atem zu schlürfen oder durch Ekel zurückgestoßen zu werden braucht von dem andern Raum, sondern gleichsam mit gemäßigten Organen der Welt gegenübertreten kann. Das war die Tat einer Durchgeistigung dieses nathanischen Jesusknaben, so können wir sagen, in den geistigen Welten mit dem ChristusGeist, mit dem hohen Sonnengeist.

[ 11 ] Once again, something had to happen in the spiritual worlds themselves to prevent this devastating effect from befalling humanity. And lo and behold, the very same being who later appeared in the boy Jesus of Nazareth—the one who, as we have just explained, had dwelt on the Sun in earlier times and had been spiritualized there by the Christ Being, by the High Sun Spirit—this being now journeyed from planet to planet, deeply moved in her innermost being by the impossibility of allowing human development to continue in this way. And what it experienced there had such a powerful effect on it—as it successively incarnated on the various planets—that at a certain point during the Atlantean era, the Christ Spirit once again permeated it. And through what now came about through the permeation of this very same being with the Christ Spirit, the possibility arose that the life organs of human beings might be imbued with moderation. Just as the sense organs had previously received serene wisdom, so now the life organs received moderation, so that when one breathes in a place, one no longer needs to greedily gulp the air or be repelled by disgust from the other space, but can, as it were, face the world with moderate organs. This was the work of a spiritualization of this Nathanic Jesus-child, we might say, in the spiritual worlds with the Christ Spirit, with the High Sun Spirit.

[ 12 ] Dann trat im weiteren Verlauf der Menschheitsentwickelung ein Drittes ein. Eine dritte Unordnung hätte kommen müssen in dieser Menschheitsentwickelung, wenn die Seelen nur die Körper immer fortgesetzt hätten beziehen müssen, die auf der Erde möglich geworden wären. Wir können sagen, bis zu dieser Zeit war im wesentlichen das Leibliche geordnet. Durch die beiden Christus-Taten in den übersinnlichen Welten waren des Menschen Sinnesorgane so eingerichtet, daß der Mensch den Leib in entsprechender Weise auf Erden benutzen kann. Es waren auch die Lebensorgane so eingesichtet, daß der Mensch den Leib in entsprechender Weise benutzen kann. Nicht aber waren die Seelenorgane eingerichtet. Der Mensch hätte mit seinen Seelenorganen in Unordnung kommen müssen, wenn weiter nichts geschehen wäre. Und da meine ich namentlich, das Denken, Fühlen und Wollen hätten in Unordnung kommen müssen, so daß das Wollen das Denken, das Fühlen das Wollen und so weiter immerfort gestört hätte. Die Menschen wären gewissermaßen verurteilt gewesen zu einem fortwährenden chaotischen Gebrauche ihrer Seelenorgane, des Denkens, Fühlens und Wollens. Sie wären entweder Rasende geworden durch ein Übermaß des Wollens, oder aber umdämmert durch ein zurückgehaltenes Fühlen, oder Leute mit flüchtigen Ideen durch ein hypertrophiertes Denken und so weiter. Das war die dritte große Gefahr, der die Menschheit in gewisser Weise auf Erden ausgesetzt war. Nun wird das, was diese drei Seelenkräfte — Denken, Fühlen und Wollen — ordnet, auch noch von dem Kosmos aus geordnet, von der Erdenumgebung; denn die Erde selber ist im wesentlichen der Schauplatz für die Ordnung des Ich. Das entsprechende Zusammenwirken der drei Seelenkräfte, des Denkens, Fühlens und Wollens, muß geordnet werden, jetzt aber nicht von allen Planeten aus, sondern nur von Sonne, Mond und Erde, so daß durch das entsprechende Zusammenwirken von Sonne, Mond und Erde, wenn dieses harmonisch ist, auch der Mensch veranlagt wird zu einem harmonischen Zusammenwirken seines Denkens, Fühlens und Wollens.

[ 12 ] Then, as human development progressed, a third factor came into play. A third disorder would have arisen in the course of human development if souls had simply continued to inhabit whatever bodies had become possible on Earth. We can say that, up to that time, the physical aspect was essentially ordered. Through the two Christ deeds in the supersensible worlds, the human sensory organs were arranged in such a way that human beings could use the body appropriately on Earth. The life organs were also arranged in such a way that human beings could use the body appropriately. But the soul organs were not arranged. Humanity would have fallen into disorder with its soul organs if nothing else had happened. And by that I mean specifically that thinking, feeling, and willing would have fallen into disorder, so that willing would have constantly disrupted thinking, feeling would have disrupted willing, and so on. Human beings would, so to speak, have been condemned to a perpetual chaotic use of their soul organs—thinking, feeling, and willing. They would either have become raving mad through an excess of willing, or dazed through a restrained feeling, or people with fleeting ideas through an overdeveloped thinking, and so on. This was the third great danger to which humanity was, in a certain sense, exposed on Earth. Now, what orders these three soul forces—thinking, feeling, and willing—is also ordered from the cosmos, from the Earth’s environment; for the Earth itself is essentially the stage for the ordering of the I. The corresponding interplay of the three soul forces—thinking, feeling, and willing—must be ordered, but now not by all the planets, but only by the Sun, Moon, and Earth, so that through the corresponding interplay of the Sun, Moon, and Earth, when this is harmonious, human beings are also predisposed to a harmonious interplay of their thinking, feeling, and willing.

[ 13 ] Es mußte auch in bezug auf diese Kräfte Abhilfe geschaffen werden aus der geistigen Welt heraus. Und nun nahm die Seele jenes Wesens, das später zu dem nathanischen Jesus wurde, eine solche kosmische Seelenform an, daß sein Leben gewissermaßen weder auf der Erde noch auf dem Monde noch auf der Sonne war, sondern so, daß es sich, gleichsam die Erde umkreisend, abhängig fühlte von den Einflüssen von Sonne, Mond und Erde zugleich. Die Erdeneinflüsse kamen ihm von unten herauf, die Mond- und Sonneneinflisse von oben herunter. Das hellseherische Bewußtsein sieht eigentlich dieses Wesen, wenn ich so sagen darf, in der Blütezeit seiner Entwickelung in derselben Sphäre, in der der Mond um die Erde kreist. Also ich kann nicht genau sagen: der Mondeneinfluß kam von oben; sondern er kam eigentlich aus dem Orte, wo er selber war, dieser vorirdische nathanische Jesus. Das wiederum schrie zu ihm hinauf, was aus Denken, Fühlen und Wollen der Menschenseele hätte werden müssen, und er suchte in seinem Innern ganz durchzuempfinden dieses Tragische der Menschheitsentwickelung. Dadurch aber rief er auf sich herab wiederum den hohen Sonnengeist, der sich jetzt, zum drittenmal ihn durchgeistigend, auf ihn herniederließ. So daß wir in kosmischer Höhe, außerirdisch, ein drittes Durchdringen dieses nathanischen Jesusknaben haben mit dem hohen Sonnengeist, den wir als den Christus bezeichnen.

[ 13 ] A remedy for these forces also had to be found from within the spiritual world. And now the soul of that being who later became the Nathanic Jesus assumed such a cosmic soul form that his life was, so to speak, neither on Earth nor on the Moon nor on the Sun, but rather such that, as it were circling the Earth, it felt dependent on the influences of the Sun, Moon, and Earth all at once. The Earth’s influences came up to him from below, the Moon’s and Sun’s influences came down from above. Clairvoyant consciousness actually sees this being, if I may say so, in the prime of his development in the same sphere in which the Moon orbits the Earth. So I cannot say exactly: the influence of the moon came from above; rather, it actually came from the place where he himself was, this pre-earthly Nathanic Jesus. That, in turn, cried out to him—what should have become of the thinking, feeling, and willing of the human soul—and he sought within himself to fully feel through this tragedy of human development. Through this, however, he in turn called down upon himself the high Sun Spirit, who now, animating him for the third time, descended upon him. So that we have, at a cosmic height, extraterrestrially, a third permeation of this Nathanic Jesus boy by the high Sun Spirit, whom we designate as the Christ.

[ 14 ] Nun werde ich Ihnen das, was geschehen ist durch diese dritte Durchseelung — so möchte ich es wieder nennen, was da geschehen ist —, auf etwas andere Art schildern, als ich die beiden anderen Durchseelungen geschildert habe. Das, was da geschehen ist gleichsam in drei aufeinanderfolgenden Stufen der, wir können sagen, geistigen, meinetwillen himmlischen Entwickelung, das spiegelte sich dann in den verschiedenen Weltanschauungen der nachatlantischen Völker. Es wirkte das ja alles weiter, es waren ja geblieben die Wirkungen, die dadurch entstanden waren, daß einmal in alter, noch lemurischer Zeit die Christus-Wesenheit durchseelt hatte jenes Wesen, das zum nathanischen Jesusknaben geworden ist; die Wirkungen waren geblieben sozusagen in der Sonnenwirksamkeit. Und die Einweihung des Zarathustra bestand darin, daß er die Sonnenwirksamkeit mit diesen Wirkungen imprägniert empfand. Dadurch ist die Lehre des Zarathustra entstanden, die gleichsam in seine Seele hereinprojiziert, geoffenbart hat, was in uralten Zeiten geschehen ist.

[ 14 ] Now I will describe to you what happened through this third permeation—as I would like to call it again—in a somewhat different way than I described the other two permeations. What took place there, as it were, in three successive stages of—we might say—spiritual, or for my part, heavenly development, was then reflected in the various worldviews of the post-Atlantean peoples. All of this continued to have an effect; the effects that had arisen from the fact that, once upon a time in the ancient, still Lemuric era, the Christ-being had permeated that being who became the Nathanic Jesus-child had remained; the effects had remained, so to speak, in the solar activity. And the initiation of Zarathustra consisted in his perceiving the solar activity as imbued with these effects. This gave rise to the teaching of Zarathustra, which, as it were, projected into his soul and revealed what had happened in ancient times.

[ 15 ] Die dritte nachatlantische Kulturperiode, die wir als die ägyptisch-chaldäische bezeichnen, sie entstand zu einem Teil dadurch, daß sich in die Seelen hereinspiegelten, daß die Seelen innerlich noch erlebten die Wirkungen, die dadurch entstanden waren, daß der Sonnengeist durchzogen, durchseelt hatte das Wesen, das dann der nathanische Jesus geworden ist, während es seinen Rundgang durch die Planeten nahm. Dadurch entstand jene Wissenschaft von den planetarischen Wirksamkeiten, die wir in der chaldäischen Astrologie vor uns haben, von der heute die Menschen nur mehr wenige Begriffe haben. In der dritten nachatlantischen Kulturperiode, also bei den ägyptisch-chaldäischen Völkern, entwickelte sich jener Sternendienst, der ja äußerlich, exoterisch bekannt ist. Er entstand dadurch, daß hereinstrahlte, nachwirkend in späterer Zeit, dasjenige, was abgemildert worden war von den planetarischen Wirksamkeiten.

[ 15 ] The third post-Atlantean cultural epoch, which we refer to as the Egyptian-Chaldean, arose in part because the effects of the Sun Spirit’s permeation and animation of the being who later became the Nathanic Jesus—as it made its circuit through the planets—were still being experienced inwardly by the souls, reflecting within them. This gave rise to that science of planetary influences which we find in Chaldean astrology, of which people today have only a few concepts left. In the third post-Atlantean cultural epoch, that is, among the Egyptian-Chaldean peoples, that star service developed which is, of course, known externally, exoterically. It arose because what had been tempered by the planetary forces continued to radiate inward, exerting its influence in later times.

[ 16 ] Und noch später, in der vierten nachatlantischen Kulturperiode, nahm man im Griechentum wahr diese Hereinspiegelung der Planetengeister, die gleichsam dadurch entstanden waren, daß das Wesen, das, vom Christus durchsetzt, die Planeten durchwanderte, auf jedem Planeten der eine oder der andere geworden ist: Auf dem Jupiter ist er geworden derjenige, den die Griechen später den Zeus genannt haben; auf dem Mars ist er geworden derjenige, den sie später den Ares genannt haben; auf dem Merkur ist er geworden derjenige, den die Griechen Hermes genannt haben. In den griechischen Planetengöttern spiegelt sich nachher das, was der Christus Jesus in überirdischen Welten gemacht hatte aus den planetarischen Wesenheiten, die von dem luziferischen und ahrimanischen Prinzip durchsetzt waren. Schaute der Grieche zu seinem Götterhimmel hinauf, so hatte er darin die Abschattungen und Spiegelbilder der Christus Jesus-Wirksamkeit auf den einzelnen Planeten, neben vielem anderen, was ich früher schon geschildert habe.

[ 16 ] And even later, during the fourth post-Atlantean cultural epoch, the Greeks perceived this reflection of the planetary spirits, which had arisen, as it were, because the being who, permeated by Christ, journeyed through the planets, became one or the other on each planet: On Jupiter, it became the one whom the Greeks later called Zeus; on Mars, it became the one whom they later called Ares; on Mercury, it became the one whom the Greeks called Hermes. The Greek planetary gods subsequently reflected what Christ Jesus had accomplished in the super-earthly worlds out of the planetary beings who were permeated by the Luciferic and Ahrimanic principles. When the Greeks looked up at their heavenly realm of gods, they saw there the shadows and reflections of the Christ Jesus’ activity on the individual planets, alongside much else that I have described previously.

[ 17 ] Dazu kam als Drittes der Abglanz, die Abschattung dessen, was die Jesus-Wesenheit im Zusammenhang erlebt hat mit Sonne, Mond und Erde noch als überirdische Wesenheit in früheren Zeiten, in späteren Zeiten der Atlantis. Wollen wir das charakterisieren, so können wir sagen: In einem engelartigen Wesen «verseeligte» sich der Christus. Wenn wir bei Christus sagen, er verkörperte sich in Jesus von Nazareth, so sagen wir jetzt von diesem in den geistigen Welten verfließenden Ereignis: der Christus «verseeligte» sich in einem engelartigen Wesen, das so wirkt, daß Denken, Fühlen und Wollen in Ordnung verläuft. Das war ein wichtiges Ereignis, denn es war ja für die Menschheitsentwickelung noch ein junges Ereignis: es brachte die Seelenentwickelung der Menschheit in Ordnung. Während die beiden früheren Christus-Ereignisse mehr die körperliche und auf das Leben bezügliche Verfassung des Menschentums auf Erden in Ordnung gebracht haben, was mußte denn geschehen in überirdischen Welten für diese dritte Tatsache?

[ 17 ] Thirdly, there was the reflection, the shadow of what the Jesus-entity had experienced in connection with the sun, moon, and earth while still a super-earthly entity in earlier times, during the later period of Atlantis. To characterize this, we might say: The Christ “became spiritual” in an angelic being. When we say of Christ that he incarnated in Jesus of Nazareth, we now speak of this event unfolding in the spiritual worlds: the Christ “became spiritual” in an angelic being that acts in such a way that thinking, feeling, and willing proceed in order. This was an important event, for it was, after all, still a recent event in the development of humanity: it brought order to the soul development of humanity. While the two earlier Christ events had more to do with bringing order to the physical and life-related condition of humanity on Earth, what then had to happen in the super-earthly worlds for this third event?

[ 18 ] Wir werden sie erkennen, diese dritte Tatsache, wenn wir sie — zur Erleichterung für Ihre Vorstellung — in ihrer Abspiegelung in der griechischen Mythologie aufsuchen. Denn gerade so, wie sich die planetarischen Geister in die griechische Mythologie hineinprojizierten in Zeus, Ares, Hermes, Venus, Aphrodite, Kronos und so weiter, so spiegelte sich auch nicht nur in die griechische, sondern in die Mythologie der verschiedensten Völker hinein das dritte kosmische Ereignis. Wie es sich hineinspiegelte, können wir verstehen, wenn wir uns sozusagen dazu herbeilassen, das, was sich spiegelte, mit dem Spiegelbilde zu vergleichen: das, was im Kosmos draußen geschah, mit dem, was dann in Griechenland als eine Nachwirkung geschah. Da oben im Kosmos, was geschah da? Nun, es mußte etwas ausgetrieben werden, was in der menschlichen Seele chaotisch gewühlt hätte; das mußte überwunden werden. Es mußte das von dem Christus durchzogene engelartige Wesen die Tat verrichten, aus der menschlichen Seele herauszustoßen, herauszubesiegen das, was aus dieser menschlichen Seele heraus muß, damit Harmonie und Ordnung im Denken, Fühlen und Wollen dasein kann. Besiegt mußte werden in der menschlichen Seele das, was in ihr das Chaos, die Unordnung hervorgebracht hätte, herausgestoßen mußte es werden. Und so erscheint uns das Bild — stellen wir es lebendig vor unser Seelenauge —, das Bild eines engelartigen Wesens, jenes Wesens, das da noch in den geistigen Welten ist, das später der Jesusknabe, der nathanische Jesusknabe wird: Das erscheint uns durchseelt von der Christus-Wesenheit, dadurch zu besonderen Taten fähig, fähig, herauszustoßen aus Denken, Fühlen und Wollen dasjenige, was als der Drache in ihm wütet und es ins Chaos hineingebracht hätte. Die Erinnerung daran waltet in all den Bildern, die als Sankt Georg, der den Drachen besiegt, in den Menschenkulturen sich geltend gemacht haben. Sankt Georg mit dem Drachen spiegelt jenes überirdische Ereignis, wo der Christus den Jesus durchseelt hat und ihn fähig gemacht hat, herauszustoßen den Drachen aus der menschlichen Seelennatur. Es war dieses eine bedeutsame Tat, die nur durch die Hilfe des Christus in dem Jesus möglich geworden war, in diesem damaligen engelartigen Wesen. Denn es mußte tatsächlich sich verbinden mit der Drachennatur dieses engelartige Wesen, mußte gleichsam Drachenform annehmen, um abzuhalten den Drachen von der Menschenseele, mußte wirken im Drachen, so daß der Drache veredelt wurde, daß der Drache aus dem Chaos in eine Art Harmonie gebracht wurde. Die Erziehung, die Zähmung des Drachens, das ist die fernere Aufgabe dieser Wesenheit. Und so kam es denn, daß zwar der Drache wirksam war, aber dadurch, daß die Wirkung in ihn gegossen war, die von dem geschilderten Wesen ausging, ist dieser Drache der Träger geworden von vielen Offenbarungen, die sich geltend gemacht haben in den irdischen Kulturen der ganzen nachatlantischen Entwickelung. Statt daß das Chaos des Drachens in rasenden oder umdämmerten Menschen aufgetreten wäre, ist die Urweisheit der nachatlantischen Zeit aufgetreten. Das Drachenblut hat der Christus Jesus gleichsam benutzt, um mit seiner Hilfe das Menschenblut zu durchdringen, damit der Mensch Träger würde der göttlichen Weisheit. In der Spiegelung der griechischen Mythologie tritt uns das bedeutsam entgegen, vom neunten vorchristlichen Jahrhundert ab auch schon exoterisch.

[ 18 ] We will recognize this third fact when we examine it—to make it easier for you to create a mental image of it—as it is reflected in Greek mythology. For just as the planetary spirits projected themselves into Greek mythology as Zeus, Ares, Hermes, Venus, Aphrodite, Cronus, and so on, so too was the third cosmic event reflected not only in Greek mythology but in the mythologies of the most diverse peoples. We can understand how it was reflected if we, so to speak, allow ourselves to compare what was reflected with the mirror image: what happened out there in the cosmos with what then happened in Greece as an aftereffect. Up there in the cosmos, what happened there? Well, something had to be driven out that would have stirred up chaos in the human soul; that had to be overcome. The angelic being permeated by Christ had to perform the deed of driving out of the human soul, of overcoming that which must be driven out of this human soul, so that harmony and order might exist in thinking, feeling, and willing. What would have brought about chaos and disorder within the human soul had to be overcome; it had to be driven out. And so the image appears to us—let us vividly picture it before the eye of our soul—the image of an angelic being, that being who is still in the spiritual worlds, who will later become the child Jesus, the Nathanic child Jesus: This appears to us imbued with the Christ-being, thereby capable of special deeds, capable of expelling from thinking, feeling, and willing that which rages within him as the dragon and would have plunged him into chaos. The memory of this prevails in all the images that have established themselves in human cultures as Saint George defeating the dragon. Saint George and the dragon reflect that superhuman event in which Christ permeated Jesus and enabled him to expel the dragon from the nature of the human soul. It was this one significant deed that had become possible only through the help of Christ in Jesus, in that angelic being of that time. For it actually had to unite with the dragon nature of this angelic being, had to take on a dragon form, as it were, in order to keep the dragon away from the human soul; it had to work within the dragon so that the dragon was ennobled, so that the dragon was brought out of chaos into a kind of harmony. The education, the taming of the dragon—that is the further task of this being. And so it came to pass that, although the dragon was active, because the influence emanating from the being described was poured into it, this dragon became the bearer of many revelations that have made their mark in the earthly cultures of the entire post-Atlantean development. Instead of the chaos of the dragon manifesting in frenzied or deluded human beings, the primordial wisdom of the post-Atlantean era has emerged. Christ Jesus, as it were, used the dragon’s blood to permeate human blood with its help, so that humanity might become the bearer of divine wisdom. This significant aspect is reflected in Greek mythology, appearing exoterically as early as the ninth century B.C.

[ 19 ] Es ist eigenartig, wie für das griechische Auffassen eine Göttergestalt aus den anderen Göttergestalten herauswächst. Wir wissen ja, diese Griechen haben verschiedene Götter verehrt. Diese Götter waren die Abschattungen, die Projektionen der Wesenheiten, die entstanden waren bei dem Gang des späteren nathanischen Jesus mit dem Christus in sich durch die Planeten hindurch. So haben sie sie gesehen, daß, wenn sie hinaufschauten in die kosmischen Weiten, wenn sie den Lichtäther durchschauten, sie mit Recht Jupiter den Ursprung zuschrieben — nicht den äußeren, sondern den wirklich geistigen, inneren —, daß sie von Zeus sprachen. So sprachen sie von Pallas Athene, so von Artemis, so von den verschiedenen planetarischen Göttern, die die Abschattungen dessen waren, wovon wit gesprochen haben. Aber aus diesen Anschauungen über die verschiedenen Göttergestalten wuchs eine heraus: die Gestalt des Apollo. In eigenartiger Weise wuchs die Gestalt des Apollo heraus. Was schauten die Griechen in ihrem Apollo?

[ 19 ] It is curious how, in the Greek conception, one divine figure emerges from among the other divine figures. We know, of course, that the Greeks worshipped various gods. These gods were the shadows, the projections of the beings that had come into being during the journey of the later Nathanic Jesus, with the Christ within him, through the planets. This is how they saw it: when they looked up into the cosmic expanses, when they gazed through the light-ether, they rightly attributed the origin to Jupiter—not the outer one, but the truly spiritual, inner one—and spoke of Zeus. Thus they spoke of Pallas Athena, of Artemis, and of the various planetary gods, who were the shadows of what we have spoken of. But from these conceptions of the various divine figures, one emerged: the figure of Apollo. In a peculiar way, the figure of Apollo emerged. What did the Greeks see in their Apollo?

[ 20 ] Wir lernen ihn kennen, wenn wir hinschauen auf den Parnaß und auf die Kastalische Quelle. Im Westen vom Parnaß öffnete sich ein Erdschlund; die Griechen errichteten einen Tempel darüber. Warum? Vorher kamen aus dem Erdschlund Dämpfe herauf, die sich tatsächlich, wenn die Luftströmungen richtig waren, wie Schlangengewinde, wie ein Drache um das Gebirge herumwanden. Und Apollo stellten sich die Griechen vor, wie er seine Pfeile abschießt gegen den Drachen, der als heftige Dämpfe heraufsteigt aus dem Erdenschlunde. Da tritt uns Sankt Georg, seine Pfeile gegen den Drachen sendend, im griechischen Apollo entgegen, in irdischer Abschattung. Und als er ihn überwunden hatte, den Drachen Python, da wird ein Tempel errichtet, und statt des Python sehen wir, wie die Dämpfe in die Seele der Pythia gehen und wie sich die Griechen vorstellen, daß jetzt in diesen wilden Drachendämpfen Apollo drinnen lebt, der ihnen weissagt durch die Orakel aus dem Mund der Pythia. Und die Griechen, dieses selbstbewußte Volk, steigen hin durch die Stufen, auf denen sie seelisch sich vorbereitet haben, und nehmen das entgegen, was Apollo zu sagen hat durch die Pythia, die von den Drachendämpfen durchsetzt wird. Das heißt, Apollo lebt im Drachenblut und durchtränkt die Menschen mit Weisheit, die sie sich holen am Kastalischen Quell. Und ein Versammlungsort für die heiligsten Spiele und Feste wird der Ort.

[ 20 ] We come to know him when we look toward Mount Parnassus and the Castalian Spring. To the west of Mount Parnassus, a chasm opened up; the Greeks built a temple over it. Why? Previously, vapors had risen from the chasm which, when the air currents were right, actually wound their way around the mountain like serpentine coils, like a dragon. And the Greeks had a mental image of Apollo shooting his arrows at the dragon, which rises as violent vapors from the chasm. There St. George, sending his arrows against the dragon, meets us in the Greek Apollo, in an earthly shadow. And when he had vanquished the dragon Python, a temple is erected, and instead of the Python we see how the vapors enter the soul of the Pythia and how the Greeks have a mental image of Apollo now living within these wild dragon vapors, prophesying to them through the oracles from the mouth of the Pythia. And the Greeks, this self-assured people, descend the steps upon which they have prepared themselves spiritually, and receive what Apollo has to say through the Pythia, who is permeated by the dragon’s vapors. That is to say, Apollo lives in the dragon’s blood and imbues people with wisdom, which they draw from the Castalian Spring. And the place becomes a gathering site for the holiest games and festivals.

[ 21 ] Und warum vermag Apollo das? Was ist Apollo? Er verrichtet das, was er also aus dem Drachenblute als Weisheit aufsteigen läßt, nur vom Frühling bis zum Herbst. Gegen den Herbst zu wandert er nach seiner uralten Heimat, nach dem Norden, nach dem hyperboräischen Lande. Feste werden gefeiert wie Abschiedsfeste, weil Apollo dahinzieht. Im Frühling wird er wieder empfangen, wenn er vom Norden her kommt. Tiefe Weisheit waltet in diesem Nach-Norden-Gehen des Apollo. Die Sonne, die physische, zieht nach Süden; im Geistigen ist es immer entgegengesetzt. Angedeutet wird darin, daß Apollo mit der Sonne zu tun hat. Apollo ist das engelartige Wesen, von dem wir gesprochen haben: eine Abschattung, eine Projektion in das Griechengemüt hinein des engelartigen Wesens, das in Wirklichkeit gewirkt hat am Ende der atlantischen Zeit, das durchseelt war von dem Christus. Die Projektion, die Abschattung des von dem Christus durchseelten Engels in das Griechengemüt hinein ist Apollo, der durch den Mund der Pythia Weisheit zu den Griechen spricht. Und was ist alles in dieser Apolloweisheit für die Griechen enthalten gewesen! Gewissermaßen alles, was in den wichtigsten Angelegenheiten sie bestimmt hat, diese oder jene Maßregel zu ergreifen. Immer wieder und wieder ging man in schwierigen Angelegenheiten des Lebens, seelisch gut vorbereitet, zu Apollo und ließ sich weissagen durch den Mund der Pythia, die von den Dämpfen angeregt war, in denen Apollo lebte. Und Asklepios, der Heiler, ist der Sohn des Apollo für die Griechen. Der Heilgott ist Apollo: «Heiler». Die Abschwächung jenes Engels, in dem der Christus einstmals war, ist auf Erden ein Heiler oder für die Erde ein Heiler. Denn Apollo war niemals eine physisch verkörperte Gestalt, sondern wirkte durch die Erdenelemente.

[ 21 ] And why is Apollo able to do this? What is Apollo? He accomplishes what he draws up from the dragon’s blood as wisdom only from spring to autumn. As autumn approaches, he journeys to his ancient homeland, to the north, to the Hyperborean lands. Festivals are celebrated as farewells because Apollo departs. In spring he is welcomed back when he comes from the north. Deep wisdom reigns in this journey of Apollo toward the north. The physical sun moves southward; in the spiritual realm, it is always the opposite. This suggests that Apollo is connected to the sun. Apollo is the angelic being of whom we have spoken: a shadow, a projection into the Greek mind of the angelic being who actually worked at the end of the Atlantean era, who was animated by the Christ. The projection, the shadow of the angel imbued with the Christ into the Greek mind, is Apollo, who speaks wisdom to the Greeks through the mouth of the Pythia. And what was all contained in this wisdom of Apollo for the Greeks! In a sense, everything that determined them in the most important matters to take this or that course of action. Time and again, in difficult matters of life, spiritually well-prepared, people went to Apollo and received prophecies through the mouth of the Pythia, who was inspired by the vapors in which Apollo lived. And Asclepius, the healer, is the son of Apollo for the Greeks. The god of healing is Apollo: “Healer.” The attenuation of that angel in whom Christ once was is a healer on earth or a healer for the earth. For Apollo was never a physically embodied figure, but worked through the elements of the earth.

[ 22 ] Und der Gott der Musen, vor allen Dingen der Gott des Gesanges und der musikalischen Kunst, ist Apollo. Warum ist er dies? Weil er durch das, was im Gesang, was im Saitenspiel waltet, in Ordnung bringt die sonst ins Unordentliche gehende Zusammenwirkung von Denken, Fühlen und Wollen. Wir müssen nur immer festhalten, daß dies bei Apollo eine Projektion dessen ist, was am Ende der atlantischen Zeit geschehen ist. Da hat tatsächlich noch aus geistigen Höhen etwas hereingewirkt in die menschliche Seele, was im schwachen Nachhall erklang in der musischen Kunst, die die Griechen pflegten unter dem Schutze des Gottes Apollo. Es war den Griechen bewußt, daß ihre musikalische Kunst gleichsam der irdische Abglanz jener alten Kunst war, welche in himmlischen Höhen zur Harmonisierung von Denken, Fühlen und Wollen das Engelwesen pflegte, das von dem Christus durchsetzt war. Sie haben es nicht so ausgesprochen; nur in ihren Mysterien war es bekannt, um was es sich dabei handelte. In den apollinischen Mysterien der Griechen wurde gesagt: Ein hohes Götterwesen hatte einstmals ein Wesen aus der Hierarchie der Angeloi durchsetzt. Das hat Harmonie gebracht in das Denken, Fühlen und Wollen, und ein Abglanz davon ist die musische Kunst, insbesondere die apollinische Kunst, jene Kunst zum Beispiel des Musikalischen, welche im Saitenklange sich ergießt. Nicht als apollinisch sah man dasjenige an, was etwa durch Pfeifen oder durch Blasinstrumente zutage trat. Das, was weniger als die Blasinstrumente an die Elemente appelliert, was sozusagen am meisten nur Menschheitshandhabung nötig macht, kurz, was in den Saiten Apollos erklingt, dem schreiben die Griechen jene musische Wirkung zu, die das Gemüt in Harmonie versetzt. Und von Menschen, welche nicht Hinneigung haben, nicht Schätzung genug haben für diese musische Kunst des Apollo, von denen sagten die Griechen, im Bewußtsein alles dessen, was wir auseinandergesetzt haben, daß sie in der Tat am äußeren Leibe ein Merkmal zeigen für ihre Stumpfheit gegenüber dem apollinischen Prinzip; sie zeigen am äußeren Leibe gewissermaßen, wie sie zurückgeblieben sind atavistisch auf einer früheren Stufe. Merkwürdig ist, daß, als ein Mann mit besonders verlängerten Ohren geboren wurde — es war das der König Midas —, die Griechen gesagt haben: Der hat Eselsohren mit auf die Welt bekommen, weil er, bevor er zur Welt gekommen ist, nicht in der richtigen Weise sich den Wirkungen hingegeben hat, die einstmals in die Welt gekommen sind durch jenes engelartige Wesen, das von Christus durchsetzt war. Deshalb, sagten sie, habe er Eselsohren, und das habe bewirkt, daß er die Blasinstrumente den Saiteninstrumenten vorziehe. Und als einmal ein Kind geboren wurde, das sozusagen keine Haut hatte, das ohne Haut geboren wurde — es ist in der Mythologie bekannt geworden unter dem Namen des geschundenen Marsyas —, da sagten sie: Das ist, weil er vor seiner Geburt nicht hingehört hat auf das, was von dem engelartigen Wesen ausging. So stellt sich das nämlich für die okkulte Beobachtung heraus. Der Marsyas ist für die okkulte Beobachtung nicht erst am lebendigen Leib geschunden worden, sondern er wurde so geboren. Das, was er verbrochen hat, hat er verbrochen vor seiner Geburt.

[ 22 ] And the god of the Muses, above all the god of song and musical art, is Apollo. Why is he this? Because through what reigns in song and in the playing of strings, he brings order to the otherwise chaotic interplay of thinking, feeling, and willing. We must always bear in mind that in Apollo this is a projection of what happened at the end of the Atlantean epoch. At that time, something from spiritual heights was indeed still working into the human soul, something that resounded in a faint echo in the musical arts that the Greeks cultivated under the protection of the god Apollo. The Greeks were aware that their musical art was, as it were, the earthly reflection of that ancient art which, in heavenly heights, was cultivated by the angelic being—permeated by Christ—to harmonize thinking, feeling, and willing. They did not express it in these terms; only within their mysteries was it known what this entailed. In the Apollonian mysteries of the Greeks, it was said: A high divine being had once permeated a being from the hierarchy of the Angeloi. This brought harmony to thinking, feeling, and willing, and a reflection of this is the art of the Muses, especially Apollonian art—that art, for example, of music, which pours forth in the sound of strings. That which manifested itself through whistling or wind instruments, for example, was not regarded as Apollonian. That which appeals less to the elements than wind instruments, which, so to speak, requires most of all human skill, in short, that which resounds in the strings of Apollo—to this the Greeks attributed that musical effect which brings the soul into harmony. And of people who have no inclination, no sufficient appreciation for this musical art of Apollo, the Greeks said—in full awareness of all that we have discussed—that they indeed display a physical sign on their outer bodies of their dullness toward the Apollonian principle; they show on their physical bodies, as it were, how they have remained atavistically at an earlier stage. It is remarkable that when a man was born with particularly elongated ears—it was King Midas—the Greeks said: He was born with donkey ears because, before he came into the world, he did not properly surrender himself to the influences that once came into the world through that angelic being who was permeated by Christ. That is why, they said, he had donkey ears, and this caused him to prefer wind instruments to stringed instruments. And when a child was once born who, so to speak, had no skin—who was born without skin—he has become known in mythology under the name of the flayed Marsyas—they said: This is because before his birth he did not heed what emanated from the angelic being. For this is how it appears to occult observation. According to occult observation, Marsyas was not flayed while still alive, but was born that way. What he had done, he had done before his birth.

[ 23 ] Viele Städte, die die Griechen als Kolonien gegründet haben, tragen den Namen Apollonia, weil man sich Rat geholt hatte von der Pythia, ob man da oder dort kolonisieren sollte. Die Griechen hielten auf ihre Städtefreiheit, hatten daher nicht eine Staateneinheit, sondern die ideale Einheit, die ihnen gegeben war durch ihren Gott Apollo, für den sie später eine Art von Staatenbund gründeten.

[ 23 ] Many cities founded by the Greeks as colonies bear the name Apollonia, because they had sought the Pythia’s advice on whether to establish a colony in one place or another. The Greeks valued their civic freedom; therefore, they did not form a single state, but rather the ideal unity granted to them by their god Apollo, for whom they later established a kind of confederation.

[ 24 ] Wir sehen, wie die Griechen verehrten in dem Gotte, den sie Apollo nannten, das Wesen, von dem wir eben gesprochen haben. Und wir könnten sagen: In dem, was dem Apollo wirklich entspricht am Ende der atlantischen Zeit, in dem war «verseeligt» die Christus-Wesenheit. Und wenn wir fragen: Was ist der Apollo wirklich? Nicht sein Schattenbild, das die Griechen dann verehrt haben, sondern was ist der Apollo eigentlich? Als überirdisches Wesen ist er das Wesen, das die für das Gemüt heilenden Kräfte aus höheren Welten hereinergoß, paralysierend die luziferischen und ahrimanischen Gewalten. Das bewirkte auch im menschlichen Leibe ein solches Zusammenwirken von Gehirn, Atem, Lunge mit Kehlkopf und Herz, wie es zum Ausdruck kam in der Projektion dieses Zusammenwirkens im Gesang. Denn das richtige Zusammenwirken von Hirn, Atmung und Sprachorganen und Herz, das ist der leibliche Ausdruck für das richtige Zusammenwirken von Denken, Fühlen und Wollen. Der Heiler, der überirdische Heiler ist Apollo. Wir haben seine drei Stufen der Entwickelung gesehen, und der Heiler, der zugrunde liegt dem Apollo, wird auf Erden geboren, und die Menschen nennen ihn Jesus, das heißt in unsere Sprache übersetzt «der durch Gott Heilende». Es ist der nathanische Jesusknabe, der durch Gott Heilende, Jehoschua Jesus.

[ 24 ] We see how the Greeks worshipped, in the god they called Apollo, the being we have just spoken of. And we might say: In that which truly corresponds to Apollo at the end of the Atlantean epoch, the Christ-being was “ensouled.” And if we ask: What is Apollo really? Not his shadow image, which the Greeks then worshipped, but what is Apollo actually? As a supermundane being, he is the being who poured in the healing forces for the soul from higher worlds, paralyzing the Luciferic and Ahrimanic forces. This also brought about in the human body such a cooperation of brain, breath, lungs with larynx, and heart as was expressed in the projection of this cooperation in singing. For the proper cooperation of brain, breathing, speech organs, and heart is the physical expression of the proper cooperation of thinking, feeling, and willing. The healer, the superhuman healer, is Apollo. We have seen his three stages of development, and the healer who underlies Apollo is born on earth, and people call him Jesus, which translated into our language means “the one who heals through God.” It is the Nathanic Jesus child, the one who heals through God, Jehoschua Jesus.

[ 25 ] Nun macht er sich auf seiner vierten Stufe reif, von der ChristusWesenheit in seinem Ich durchsetzt zu werden. Das geschieht durch das Mysterium von Golgatha. Denn diejenigen Menschenseelen, die vor dem Mysterium von Golgatha geboren worden sind, hätten im Verlaufe der weiteren Zeit nicht Leiber gefunden auf der Erde, in denen sie sich so hätten verkörpern können, daß die Ich-Kraft in der entsprechenden Weise zum Ausdruck gekommen wäre, wenn das Mysterium von Golgatha nicht geschehen wäre, wenn nicht jetzt eine Wesenheit — dieselbe Wesenheit, die wir verfolgt haben durch kosmische Zeiten — von der Christus-Wesenheit durchsetzt worden wäre. Zur höchsten Entwickelung hatte es das Ich gebracht in Zarathustra. Niemals hätten die Seelen, die es zu einer Ich-Entwickelung gebracht haben, wiederum irdische Leiber, die geeignet gewesen wären zu einer wahren Entwickelung, finden können, wenn nicht das Mysterium von Golgatha stattgefunden hätte.

[ 25 ] Now, on its fourth stage, it is ripening to be permeated by the Christ Being within its I. This occurs through the Mystery of Golgotha. For those human souls who were born before the Mystery of Golgotha would not, in the course of time, have found bodies on Earth in which they could have incarnated in such a way that the ego-force would have been expressed in the appropriate manner, had the Mystery of Golgotha not taken place, had not a being—the very same being we have traced through cosmic ages —had not been permeated by the Christ-being. It had brought the I to its highest development in Zarathustra. The souls that had achieved I-development would never again have been able to find earthly bodies suitable for true development had the Mystery of Golgotha not taken place.

[ 26 ] Nun haben wir die vier Stufen der Harmonisierung: die Harmonisierung des Sinnenlebens, die der Lebensorgane, die von Denken, Fühlen und Wollen, und die Harmonisierung im Ich — das letzte durch das Mysterium von Golgatha. Nun haben Sie, meine lieben Freunde, die Beziehung zwischen dem Wesen, das als nathanischer Jesusknabe geboren worden ist, und der Christus-Wesenheit. Sie haben die Art, wie vorbereitet worden ist diese Beziehung. Uns ist es möglich, durch das, was sich heute in der wahren Anthroposophie enthüllen darf, diese Art von Zusammenwirken, von Zusammengehören der Christus-Wesenheit mit der menschlichen Wesenheit des nathanischen Jesus zu begreifen. Und davon wird ein gesundes Geistesleben in der Zukunft abhängen, daß es immer mehr und mehr Menschen möglich werde, das zu begreifen, was zu verstehen sich als unfähig erwiesen hat das Gedanken- und Ideenleben des Zeitalters, in dem sich das Mysterium von Golgatha vollzogen hat.

[ 26 ] Now we have the four stages of harmonization: the harmonization of the sensory life, that of the vital organs, that of thinking, feeling, and willing, and the harmonization within the “I”—the latter through the Mystery of Golgotha. Now, my dear friends, you have the relationship between the being who was born as the Nathanic Jesus child and the Christ Being. You have the way in which this relationship was prepared. Through what is now being revealed in true anthroposophy, it is possible for us to grasp this kind of interaction, this belonging together of the Christ Being with the human being of the Nathanic Jesus. And a healthy spiritual life in the future will depend on this: that it will become possible for more and more people to grasp what the life of thought and ideas of the age in which the Mystery of Golgotha took place proved incapable of understanding.