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Christ and the Spiritual World
The Search for the Holy Grail
GA 149

1 January 1914, Leipzig

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Fünfter Vortrag

Fünfter Vortrag

[ 1 ] Gesprochen habe ich Ihnen von den Kräften der Sibyllen, aufmerksam habe ich gemacht, daß wir diese Sibyllen wie den Schatten der griechischen Philosophen in Ionien auftauchen sehen, daß sie dann durch Jahrhunderte hindurch teilweise tiefe Weisheit aus ihrem chaotischen Seelenleben hervorzauberten, teilweise eben nur geistiges Chaos zutage förderten und daß sie durch Jahrhunderte hindurch viel mehr, als die äußere Geschichte das zugeben will, das Geistesleben gerade Südeuropas und der angrenzenden Gebiete beherrscht haben. Ich habe sagen wollen, daß mit dieser eigentümlichen Seelenäußerung der Sibyllen überhaupt hingedeutet ist auf eine gewisse Kraft der menschlichen Seele, die in älteren Zeiten, noch in der dritten nachatlantischen Kulturperiode, ihre gute Bedeutung hatte. Aber die Kulturperioden ändern sich im Laufe der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit. Die Kräfte, mit denen die Sibyllen dann zeitweilig rechten Unsinn zutage gefördert haben, waren noch durchaus gerechte, gute Seelenkräfte in der dritten nachatlantischen Zeit, als Astrologie getrieben wurde, als die Sternenweisheit hereinwirkte in die menschlichen Seelen und als durch das Hereinwirken der Sternenweisheit harmonisiert wurden die Kräfte, die dann chaotisch im Sibyllentum zum Vorschein kamen. Daraus aber können Sie entnehmen, daß Kräfte, die überhaupt irgendwo in der Welt walten, zum Beispiel speziell jetzt die in den Seelen der Sibyllen waltenden, an sich niemals gut oder schlecht genannt werden können, sondern daß sie, je nachdem an welchem Ort und in welcher Zeit sie auftreten, gut oder schlecht sind. Es sind durchaus gute, berechtigte Kräfte, die in den Seelen der Sibyllen auftraten, nur waren sie für die Seelenentwickelung des vierten nachatlantischen Zeitraumes eben nicht geeignet. Da sollten nicht die Kräfte in den menschlichen Seelen walten, die aus unterbewußten Gründen heraufkamen, sondern die durch die Klarheit des Ich zu den Seelen sprachen. Gestern haben wir gehört, wie gleichsam auf die Unterdrückung der Sibyllenkräfte und auf die Heraufarbeitung der Kräfte, die durch die Klarheit des Ich sprechen, die althebräischen Propheten hinarbeiteten, ja, daß es gerade das wesentliche Charakteristikum des althebräischen Prophetentums ist, die chaotischen Sibyllenkräfte zurückzudrängen und dasjenige heraufzubringen, was durch das Ich sprechen kann.

[ 1 ] Gesprochen habe ich Ihnen von den Kräften der Sibyllen, aufmerksam habe ich gemacht, daß wir diese Sibyllen wie den Schatten der griechischen Philosophen in Ionien auftauchen sehen, daß sie dann durch Jahrhunderte hindurch teilweise tiefe Weisheit aus ihrem chaotischen Seelenleben hervorzauberten, teilweise eben nur geistiges Chaos zutage förderten und daß sie durch Jahrhunderte hindurch viel mehr, als die äußere Geschichte das zugeben will, das Geistesleben gerade Südeuropas und der angrenzenden Gebiete beherrscht haben. Ich habe sagen wollen, daß mit dieser eigentümlichen Seelenäußerung der Sibyllen überhaupt hingedeutet ist auf eine gewisse Kraft der menschlichen Seele, die in älteren Zeiten, noch in der dritten nachatlantischen Kulturperiode, ihre gute Bedeutung hatte. Aber die Kulturperioden ändern sich im Laufe der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit. Die Kräfte, mit denen die Sibyllen dann zeitweilig rechten Unsinn zutage gefördert haben, waren noch durchaus gerechte, gute Seelenkräfte in der dritten nachatlantischen Zeit, als Astrologie getrieben wurde, als die Sternenweisheit hereinwirkte in die menschlichen Seelen und als durch das Hereinwirken der Sternenweisheit harmonisiert wurden die Kräfte, die dann chaotisch im Sibyllentum zum Vorschein kamen. Daraus aber können Sie entnehmen, daß Kräfte, die überhaupt irgendwo in der Welt walten, zum Beispiel speziell jetzt die in den Seelen der Sibyllen waltenden, an sich niemals gut oder schlecht genannt werden können, sondern daß sie, je nachdem an welchem Ort und in welcher Zeit sie auftreten, gut oder schlecht sind. Es sind durchaus gute, berechtigte Kräfte, die in den Seelen der Sibyllen auftraten, nur waren sie für die Seelenentwickelung des vierten nachatlantischen Zeitraumes eben nicht geeignet. Da sollten nicht die Kräfte in den menschlichen Seelen walten, die aus unterbewußten Gründen heraufkamen, sondern die durch die Klarheit des Ich zu den Seelen sprachen. Gestern haben wir gehört, wie gleichsam auf die Unterdrückung der Sibyllenkräfte und auf die Heraufarbeitung der Kräfte, die durch die Klarheit des Ich sprechen, die althebräischen Propheten hinarbeiteten, ja, daß es gerade das wesentliche Charakteristikum des althebräischen Prophetentums ist, die chaotischen Sibyllenkräfte zurückzudrängen und dasjenige heraufzubringen, was durch das Ich sprechen kann.

[ 2 ] Die Erfüllung dessen, was da die althebräischen Propheten anstrebten, was wir also bezeichnen können als eine Art «Ins-richtige-Geleise-Bringen» der Sibyllenkräfte, die Erfüllung dieser Aufgabe kam durch den Christus-Impuls. Als der Christus-Impuls in der uns bekannten Weise einschlug in die irdische Menschheitsentwickelung, da handelte es sich darum, daß eine Zeitlang diese durch die Sibyllen in chaotischer Weise zutage tretenden Kräfte zurückgedrängt wurden, gleichsam wie ein Fluß zurückgedrängt wird von der Außenwelt, wenn er erst dahinfließt und dann in eine unterirdische Höhle verschwindet, um später wiederum an die Oberfläche zu treten. In einer anderen Form, in der durch den ChristusImpuls geläuterten Form, in der Form, die der Christus-Impuls, nachdem er in die Erdenaura eingeschlagen hatte, diesen Kräften geben konnte, sollten diese Kräfte wieder herauftauchen. Gerade so, wie wir unsere Seelenkräfte, nachdem wir sie erst einmal während eines Tages voll entwickelt haben, in das Unterbewußte der Nacht hineintauchen müssen, um dann wiederum aufzuwachen, so war es notwendig, daß diese Kräfte, die berechtigt waren in der dritten nachatlantischen Kulturperiode, gleichsam ein wenig unter der Oberfläche des Seelenlebens flossen, unbemerkbar, um dann wiederum aufzutauchen, langsam, wie wir dann hören werden, wiederum aufzutauchen. Wir werden also die Erscheinung vor uns haben, daß die Kräfte, die so chaotisch in den Sibyllen sich äußern und die berechtigte Menschenkräfte sind, vom Christus-Impuls gleichsam durchspült werden, aber daß sie in die Untergründe des Seelenlebens hinuntertauchen und daß die Menschheit in ihrem gewöhnlichen Bewußtsein nichts davon weiß, daß der Christus mit diesen Kräften in den Untergründen der Seele weiterarbeitet. Und so ist es in der Tat.

[ 2 ] Die Erfüllung dessen, was da die althebräischen Propheten anstrebten, was wir also bezeichnen können als eine Art «Ins-richtige-Geleise-Bringen» der Sibyllenkräfte, die Erfüllung dieser Aufgabe kam durch den Christus-Impuls. Als der Christus-Impuls in der uns bekannten Weise einschlug in die irdische Menschheitsentwickelung, da handelte es sich darum, daß eine Zeitlang diese durch die Sibyllen in chaotischer Weise zutage tretenden Kräfte zurückgedrängt wurden, gleichsam wie ein Fluß zurückgedrängt wird von der Außenwelt, wenn er erst dahinfließt und dann in eine unterirdische Höhle verschwindet, um später wiederum an die Oberfläche zu treten. In einer anderen Form, in der durch den ChristusImpuls geläuterten Form, in der Form, die der Christus-Impuls, nachdem er in die Erdenaura eingeschlagen hatte, diesen Kräften geben konnte, sollten diese Kräfte wieder herauftauchen. Gerade so, wie wir unsere Seelenkräfte, nachdem wir sie erst einmal während eines Tages voll entwickelt haben, in das Unterbewußte der Nacht hineintauchen müssen, um dann wiederum aufzuwachen, so war es notwendig, daß diese Kräfte, die berechtigt waren in der dritten nachatlantischen Kulturperiode, gleichsam ein wenig unter der Oberfläche des Seelenlebens flossen, unbemerkbar, um dann wiederum aufzutauchen, langsam, wie wir dann hören werden, wiederum aufzutauchen. Wir werden also die Erscheinung vor uns haben, daß die Kräfte, die so chaotisch in den Sibyllen sich äußern und die berechtigte Menschenkräfte sind, vom Christus-Impuls gleichsam durchspült werden, aber daß sie in die Untergründe des Seelenlebens hinuntertauchen und daß die Menschheit in ihrem gewöhnlichen Bewußtsein nichts davon weiß, daß der Christus mit diesen Kräften in den Untergründen der Seele weiterarbeitet. Und so ist es in der Tat.

[ 3 ] Es ist ein großartiges Schauspiel vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus, das Einschlagen dieses Christus-Impulses zu beobachten, zu beobachten, wie sich, vom Konzil zu Nicäa an, die Menschen in ihrem Oberbewußtsein zanken über die Feststellung der Dogmen, wie sie eifern mit ihrem Bewußtsein und wie das Wichtigste für das Christentum in unterbewußten Seelengründen geschieht. Der Christus-Impuls arbeitet nicht da, wo gezankt wird, sondern in den Untergründen; und manches wird noch menschliche Weisheit enthüllen müssen, was uns, wenn wir es nur an der Oberfläche betrachten, vielleicht sonderbar erscheint. Manches wird noch enthüllt werden müssen, weil es wie ein Symptom der Arbeit des Christus-Impulses in den Untergründen des menschlichen Seelenlebens wirkt. So werden wir sehen oder begreifen, daß wichtigste Gestaltungen in bezug auf die Konfiguration der christlichen Strömung im Abendlande nicht geschehen können durch das, worüber sich die Bischöfe zanken, sondern daß wichtige historische Fragen durch Entscheidungen geschehen, die sich in den Untergründen des Seelenlebens abspielen und gleichsam wie Träume herauftauchen in das Bewußtsein; so daß die Menschen aus dem, was sie im Traum wahrnehmen, gleichsam sich nicht enträtseln können, was in den Tiefen geschieht. Und es gibt solche Dinge — ich will nur ein Symptom nennen —, wo wie durch Träume sich heraufspiegelt, was der Christus da unternimmt in den tiefen Seelengründen, um die menschlichen Seelenkräfte im Laufe der abendländischen Geschichtsentwickelung ins rechte Geleise zu bringen.

[ 3 ] Es ist ein großartiges Schauspiel vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus, das Einschlagen dieses Christus-Impulses zu beobachten, zu beobachten, wie sich, vom Konzil zu Nicäa an, die Menschen in ihrem Oberbewußtsein zanken über die Feststellung der Dogmen, wie sie eifern mit ihrem Bewußtsein und wie das Wichtigste für das Christentum in unterbewußten Seelengründen geschieht. Der Christus-Impuls arbeitet nicht da, wo gezankt wird, sondern in den Untergründen; und manches wird noch menschliche Weisheit enthüllen müssen, was uns, wenn wir es nur an der Oberfläche betrachten, vielleicht sonderbar erscheint. Manches wird noch enthüllt werden müssen, weil es wie ein Symptom der Arbeit des Christus-Impulses in den Untergründen des menschlichen Seelenlebens wirkt. So werden wir sehen oder begreifen, daß wichtigste Gestaltungen in bezug auf die Konfiguration der christlichen Strömung im Abendlande nicht geschehen können durch das, worüber sich die Bischöfe zanken, sondern daß wichtige historische Fragen durch Entscheidungen geschehen, die sich in den Untergründen des Seelenlebens abspielen und gleichsam wie Träume herauftauchen in das Bewußtsein; so daß die Menschen aus dem, was sie im Traum wahrnehmen, gleichsam sich nicht enträtseln können, was in den Tiefen geschieht. Und es gibt solche Dinge — ich will nur ein Symptom nennen —, wo wie durch Träume sich heraufspiegelt, was der Christus da unternimmt in den tiefen Seelengründen, um die menschlichen Seelenkräfte im Laufe der abendländischen Geschichtsentwickelung ins rechte Geleise zu bringen.

[ 4 ] Vielleicht kann es doch manche Seele so berühren, daß sie etwas ahnt von dem, was ich eigentlich mit diesen Worten sagen will, wenn wir sehen, daß am 28. Oktober 312, als der Sohn des Constantins Chlorus, Konstantin der Große, gegen Maxentius vor Rom kämpft und eine Entscheidung herbeiführt, die für das ganze Abendland ungeheuer wichtig war in bezug auf die Konfiguration des Christentums, der Kampf und der Sieg in merkwürdiger Weise zustande kommen. Diese Schlacht, meine lieben Freunde, die vor Rom geschlagen wurde von Konstantin, dem Sohne des Constantius Chlorus, gegen seinen Gegner Maxentius, wurde nicht entschieden durch Armeebefehle, nicht durch den bewußten Scharfsinn der Anführer, sondern sie wurde entschieden durch Träume und sibyllinische Zeichen! Und bedeutsam wird uns erzählt von dieser Schlacht, die am 28. Oktober 312 stattfand, daß Maxentius, als Konstantin gegen die Tore Roms anrückte, einen Traum hatte. Der Traum sagte ihm — er war noch innerhalb der Tore —: Bleibe nicht an demselben Ort, wo du bist! Maxentius beging unter dem Einfluß dieses Traumes, der noch verstärkt wurde dadurch, daß man in den Sibyllinischen Büchern über die Aussagen der Sibyllen nachforschte, die größte Torheit — äußerlich betrachtet —, die er machen konnte: Er verließ Rom und führte die Schlacht mit seinem Heere, das viermal stärker war als das des Konstantin, nicht im Schutze der Mauern Roms, sondern außerhalb derselben. Denn die Auskunft der Sibyllinischen Bücher lautete: Wenn du gegen Konstantin außerhalb der römischen Mauern kämpfen wirst, so wirst du den größten Feind Roms vernichten. — Das war so recht einer von diesen sibyllinischen Orakelsprüchen! Maxentius folgte ihm, und zwar mit Mut und Vertrauen, er ging hinaus vor die Tore Roms. So wie einstmals ein anderer sibyllinischer Orakelspruch den Krösus geführt hatte, so führte dieser den Maxentius. Er vernichtete den Feind Roms, sich selber, durch seine Unternehmung.

[ 4 ] Vielleicht kann es doch manche Seele so berühren, daß sie etwas ahnt von dem, was ich eigentlich mit diesen Worten sagen will, wenn wir sehen, daß am 28. Oktober 312, als der Sohn des Constantins Chlorus, Konstantin der Große, gegen Maxentius vor Rom kämpft und eine Entscheidung herbeiführt, die für das ganze Abendland ungeheuer wichtig war in bezug auf die Konfiguration des Christentums, der Kampf und der Sieg in merkwürdiger Weise zustande kommen. Diese Schlacht, meine lieben Freunde, die vor Rom geschlagen wurde von Konstantin, dem Sohne des Constantius Chlorus, gegen seinen Gegner Maxentius, wurde nicht entschieden durch Armeebefehle, nicht durch den bewußten Scharfsinn der Anführer, sondern sie wurde entschieden durch Träume und sibyllinische Zeichen! Und bedeutsam wird uns erzählt von dieser Schlacht, die am 28. Oktober 312 stattfand, daß Maxentius, als Konstantin gegen die Tore Roms anrückte, einen Traum hatte. Der Traum sagte ihm — er war noch innerhalb der Tore —: Bleibe nicht an demselben Ort, wo du bist! Maxentius beging unter dem Einfluß dieses Traumes, der noch verstärkt wurde dadurch, daß man in den Sibyllinischen Büchern über die Aussagen der Sibyllen nachforschte, die größte Torheit — äußerlich betrachtet —, die er machen konnte: Er verließ Rom und führte die Schlacht mit seinem Heere, das viermal stärker war als das des Konstantin, nicht im Schutze der Mauern Roms, sondern außerhalb derselben. Denn die Auskunft der Sibyllinischen Bücher lautete: Wenn du gegen Konstantin außerhalb der römischen Mauern kämpfen wirst, so wirst du den größten Feind Roms vernichten. — Das war so recht einer von diesen sibyllinischen Orakelsprüchen! Maxentius folgte ihm, und zwar mit Mut und Vertrauen, er ging hinaus vor die Tore Roms. So wie einstmals ein anderer sibyllinischer Orakelspruch den Krösus geführt hatte, so führte dieser den Maxentius. Er vernichtete den Feind Roms, sich selber, durch seine Unternehmung.

[ 5 ] Konstantin hatte einen anderen Traum. Ihm sagte der Traum: Führe voran vor deinen Scharen — sie waren nicht so groß, sie waren viermal geringer als die des Maxentius — das Monogramm Christi! Und er ließ es voranführen und er erfocht den Sieg. Eine wichtige Entscheidung für die Konfiguration Europas, durch Träume und sibyllinische Aussprüche entschieden! Da schillert herauf, was in den Untergründen des Seelenlebens der europäischen Menschen geschieht. Wahrhaftig, wie ein Fluß, der in den Höhlungen der Berge verschwunden ist, so daß man ihn oben nicht sieht und oben das Sonderbarste vermuten kann, so strömt fort der Strom des ChristusImpulses in den Untergründen der Seelen der europäischen Menschen und wirkt, wirkt zunächst als okkulte Tatsache.

[ 5 ] Konstantin hatte einen anderen Traum. Ihm sagte der Traum: Führe voran vor deinen Scharen — sie waren nicht so groß, sie waren viermal geringer als die des Maxentius — das Monogramm Christi! Und er ließ es voranführen und er erfocht den Sieg. Eine wichtige Entscheidung für die Konfiguration Europas, durch Träume und sibyllinische Aussprüche entschieden! Da schillert herauf, was in den Untergründen des Seelenlebens der europäischen Menschen geschieht. Wahrhaftig, wie ein Fluß, der in den Höhlungen der Berge verschwunden ist, so daß man ihn oben nicht sieht und oben das Sonderbarste vermuten kann, so strömt fort der Strom des ChristusImpulses in den Untergründen der Seelen der europäischen Menschen und wirkt, wirkt zunächst als okkulte Tatsache.

[ 6 ] Meine lieben Freunde, lassen Sie mich hier an dieser Stelle das Geständnis machen, daß mir in meiner geisteswissenschaftlichen Forschung gerade beim Verfolgen dieser Strömung oftmals sozusagen sich die Spur verloren hat; denn ich mußte suchen, wo sie wieder erschien. Voraussetzen konnte ich, daß der Strom des Christus-Impulses nur langsam erscheint, daß er auch in unserer Zeit noch nicht vollständig erschienen ist, sondern sich nur zeigen kann. Aber wo erscheint er? Das war die Frage. Wie kommt er wieder herauf? Wie taucht er wieder herauf? Wo ergreift er zuerst Seelen so, daß sie beginnen, etwas davon in ihr Bewußtsein heraufzuheben? Wenn Sie, meine lieben Freunde, meine verschiedenen Auseinandersetzungen in Büchern und Zyklen verfolgen, und es geht Ihnen so wie mir mit diesen Auseinandersetzungen, dann werden Sie finden, daß namentlich in den älteren Teilen dieser Auseinandersetzungen zu dem Unbefriedigendsten das gehört, was ich im Zusammenhange mit dem Namen des heiligen Gral gesagt habe. Wie gesagt, mir geht es so, und ich hoffe, daß es auch anderen so gegangen ist. Nicht, als ob ich etwas gesagt hätte, was sich nicht aufrechterhalten ließe, aber gerade, wenn ich dieses aufstellte, so fühlte ich mich unbefriedigt. Ich mußte geben, was sicher gegeben werden kann; denn oftmals, wenn ich jene Strömung, von der ich jetzt gesprochen habe, in ihrem weiteren Fortschritt suchte, wenn ich suchte die weitere okkulte christliche Entwickelung des Abendlandes, dann trat mir vor die Seele die Mahnung: Du mußt erst den Namen des Parzival an seiner rechten Stelle lesen. Und erfahren mußte ich, meine lieben Freunde, daß okkulte Forschungen in einer merkwürdigen Weise geleitet werden. Damit wir nicht verlockt werden, ins Spekulieren zu kommen und uns in Gebiete zu begeben, wo sehr leicht mit der okkulten Wahrheit die Phantasie davonfliegen könnte, werden wir lange, ich möchte sagen, sachte geführt in bezug auf okkulte Forschung, wenn sie die Wahrheit zuletzt an den Tag befördern will, die uns durch sich selber eine Art Überzeugung von ihrer Richtigkeit beibringen kann. So mußte ich mich oftmals ergeben in das Warten mit der Antwort auf die Anforderung: Suche, wo der Name Parzival steht!

[ 6 ] Meine lieben Freunde, lassen Sie mich hier an dieser Stelle das Geständnis machen, daß mir in meiner geisteswissenschaftlichen Forschung gerade beim Verfolgen dieser Strömung oftmals sozusagen sich die Spur verloren hat; denn ich mußte suchen, wo sie wieder erschien. Voraussetzen konnte ich, daß der Strom des Christus-Impulses nur langsam erscheint, daß er auch in unserer Zeit noch nicht vollständig erschienen ist, sondern sich nur zeigen kann. Aber wo erscheint er? Das war die Frage. Wie kommt er wieder herauf? Wie taucht er wieder herauf? Wo ergreift er zuerst Seelen so, daß sie beginnen, etwas davon in ihr Bewußtsein heraufzuheben? Wenn Sie, meine lieben Freunde, meine verschiedenen Auseinandersetzungen in Büchern und Zyklen verfolgen, und es geht Ihnen so wie mir mit diesen Auseinandersetzungen, dann werden Sie finden, daß namentlich in den älteren Teilen dieser Auseinandersetzungen zu dem Unbefriedigendsten das gehört, was ich im Zusammenhange mit dem Namen des heiligen Gral gesagt habe. Wie gesagt, mir geht es so, und ich hoffe, daß es auch anderen so gegangen ist. Nicht, als ob ich etwas gesagt hätte, was sich nicht aufrechterhalten ließe, aber gerade, wenn ich dieses aufstellte, so fühlte ich mich unbefriedigt. Ich mußte geben, was sicher gegeben werden kann; denn oftmals, wenn ich jene Strömung, von der ich jetzt gesprochen habe, in ihrem weiteren Fortschritt suchte, wenn ich suchte die weitere okkulte christliche Entwickelung des Abendlandes, dann trat mir vor die Seele die Mahnung: Du mußt erst den Namen des Parzival an seiner rechten Stelle lesen. Und erfahren mußte ich, meine lieben Freunde, daß okkulte Forschungen in einer merkwürdigen Weise geleitet werden. Damit wir nicht verlockt werden, ins Spekulieren zu kommen und uns in Gebiete zu begeben, wo sehr leicht mit der okkulten Wahrheit die Phantasie davonfliegen könnte, werden wir lange, ich möchte sagen, sachte geführt in bezug auf okkulte Forschung, wenn sie die Wahrheit zuletzt an den Tag befördern will, die uns durch sich selber eine Art Überzeugung von ihrer Richtigkeit beibringen kann. So mußte ich mich oftmals ergeben in das Warten mit der Antwort auf die Anforderung: Suche, wo der Name Parzival steht!

[ 7 ] Ich hatte, meine lieben Freunde, wohl aufgenommen, was Sie ja alle kennen aus der Parzival-Sage, daß, nachdem Parzival zurückkommt, in einer gewissen Weise geheilt von seinen Irrtümern, und den Weg zum heiligen Gral wiederfindet, ihm da verkündet wird: auf der heiligen Schale wäre glänzend sein Name erschienen. — Er muß also auf dieser heiligen Schale stehen. Wo aber ist die heilige Schale, wo ist sie zu finden? — Das war die Frage. Man wird bei solchen okkulten Forschungen oftmals aufgehalten, so daß man, ich möchte sagen, an einem Tag, in einem Jahr, nicht zuviel tut, damit man nicht durch das Spekulieren über die Wahrheit hinausgetrieben wird: man wird aufgehalten. Marksteine treten auf. Und so sind mir Marksteine aufgetreten im Laufe der eigentlich recht vielen Jahre, in denen ich Antwort suchte auf die Frage: Wo findest du den Namen des Parzival auf der heiligen Schale geschrieben ?

[ 7 ] Ich hatte, meine lieben Freunde, wohl aufgenommen, was Sie ja alle kennen aus der Parzival-Sage, daß, nachdem Parzival zurückkommt, in einer gewissen Weise geheilt von seinen Irrtümern, und den Weg zum heiligen Gral wiederfindet, ihm da verkündet wird: auf der heiligen Schale wäre glänzend sein Name erschienen. — Er muß also auf dieser heiligen Schale stehen. Wo aber ist die heilige Schale, wo ist sie zu finden? — Das war die Frage. Man wird bei solchen okkulten Forschungen oftmals aufgehalten, so daß man, ich möchte sagen, an einem Tag, in einem Jahr, nicht zuviel tut, damit man nicht durch das Spekulieren über die Wahrheit hinausgetrieben wird: man wird aufgehalten. Marksteine treten auf. Und so sind mir Marksteine aufgetreten im Laufe der eigentlich recht vielen Jahre, in denen ich Antwort suchte auf die Frage: Wo findest du den Namen des Parzival auf der heiligen Schale geschrieben ?

[ 8 ] Ich wußte, daß es mancherlei Bedeutungen gebe der heiligen Schale, in der die Hostie, das heißt also eine Scheibe, eine Oblate drinnen ist. Und auf der heiligen Schale selber sollte «Parzival» stehen. Ich wurde auch gewahr, wie tief bedeutsam eine solche Stelle ist wie die des Markus-Evangeliums im 4. Kapitel, Vers 11 und 12, 33 und 34, wo da gesagt wird, daß der Herr vieles gab in Gleichnissen und erst nach und nach die Gleichnisse deutete. Bei der okkulten Forschung wird man auch, und zwar oft nur in Anlehnung an das, wozu einen das Karma führt, ganz stufenweise und sachte geführt; und man weiß nicht, wenn einem etwas entgegentritt, das auf irgendeine Sache Bezug zu haben scheint, was unter dem Einfluß der Kräfte, die aus der spirituellen Welt kommen, einmal in der eigenen Seele aus einer solchen Sache gemacht werden soll. Man weiß oft nicht einmal, daß sich irgend etwas, was man bekommt aus den Tiefen der okkulten Welt heraus, auf irgendein Problem bezieht, das man jahrelang verfolgt. So wußte ich nichts Rechtes damit anzufangen, als ich den norwegischen Volksgeist, den nordischen Volksgeist einmal befragte über den Parzival und er sagte: Lerne verstehen das Wort, das durch meine Kraft geflossen ist in die nordische Parzivalsage: «Ganganda greida» — die herumlaufende Labung etwa — so ähnlich! Ich wußte nichts damit anzufangen. Und wiederum wußte ich nichts damit anzufangen, als ich einmal aus der römischen Peterskirche kam unter dem Eindruck jenes Michelangeloschen Werkes, das man gleich zur rechten Seite findet, der Mutter mit dem Jesus, der so jung noch aussehenden Mutter mit dem bereits toten Jesus im Schoße. Und unter der Nachwirkung — das ist eine solche Führung — des Anschauens dieses Kunstwerkes kam, nicht wie eine Vision, sondern wie eine wahre Imagination aus der geistigen Welt heraus, das Bild, das eingeschrieben ist in die Akasha-Chronik und das uns zeigt, wie Parzival, nachdem er zum erstenmal weggeht von der Gralsburg, wo er nicht gefragt hatte nach den Geheimnissen, die dort walten, im Walde auf eine junge Frau trifft, die den Bräutigam im Schoße hält und ihn beweint. Aber ich wußte, meine lieben Freunde, daß das Bild, ob es nun die Mutter ist oder die Braut, der der Bräutigam weggestorben ist — oftmals wird der Christus der Bräutigam genannt —, eine Bedeutung habe und daß der Zusammenhang, der sich wahrhaftig ohne mein Zutun hinstellte, eine Bedeutung habe.

[ 8 ] Ich wußte, daß es mancherlei Bedeutungen gebe der heiligen Schale, in der die Hostie, das heißt also eine Scheibe, eine Oblate drinnen ist. Und auf der heiligen Schale selber sollte «Parzival» stehen. Ich wurde auch gewahr, wie tief bedeutsam eine solche Stelle ist wie die des Markus-Evangeliums im 4. Kapitel, Vers 11 und 12, 33 und 34, wo da gesagt wird, daß der Herr vieles gab in Gleichnissen und erst nach und nach die Gleichnisse deutete. Bei der okkulten Forschung wird man auch, und zwar oft nur in Anlehnung an das, wozu einen das Karma führt, ganz stufenweise und sachte geführt; und man weiß nicht, wenn einem etwas entgegentritt, das auf irgendeine Sache Bezug zu haben scheint, was unter dem Einfluß der Kräfte, die aus der spirituellen Welt kommen, einmal in der eigenen Seele aus einer solchen Sache gemacht werden soll. Man weiß oft nicht einmal, daß sich irgend etwas, was man bekommt aus den Tiefen der okkulten Welt heraus, auf irgendein Problem bezieht, das man jahrelang verfolgt. So wußte ich nichts Rechtes damit anzufangen, als ich den norwegischen Volksgeist, den nordischen Volksgeist einmal befragte über den Parzival und er sagte: Lerne verstehen das Wort, das durch meine Kraft geflossen ist in die nordische Parzivalsage: «Ganganda greida» — die herumlaufende Labung etwa — so ähnlich! Ich wußte nichts damit anzufangen. Und wiederum wußte ich nichts damit anzufangen, als ich einmal aus der römischen Peterskirche kam unter dem Eindruck jenes Michelangeloschen Werkes, das man gleich zur rechten Seite findet, der Mutter mit dem Jesus, der so jung noch aussehenden Mutter mit dem bereits toten Jesus im Schoße. Und unter der Nachwirkung — das ist eine solche Führung — des Anschauens dieses Kunstwerkes kam, nicht wie eine Vision, sondern wie eine wahre Imagination aus der geistigen Welt heraus, das Bild, das eingeschrieben ist in die Akasha-Chronik und das uns zeigt, wie Parzival, nachdem er zum erstenmal weggeht von der Gralsburg, wo er nicht gefragt hatte nach den Geheimnissen, die dort walten, im Walde auf eine junge Frau trifft, die den Bräutigam im Schoße hält und ihn beweint. Aber ich wußte, meine lieben Freunde, daß das Bild, ob es nun die Mutter ist oder die Braut, der der Bräutigam weggestorben ist — oftmals wird der Christus der Bräutigam genannt —, eine Bedeutung habe und daß der Zusammenhang, der sich wahrhaftig ohne mein Zutun hinstellte, eine Bedeutung habe.

[ 9 ] Mancherlei solche Vorzeichen könnte ich Ihnen noch aufzählen, die sich mir ergeben haben bei meinem Suchen nach der Antwort auf die Frage: Wo steht der Name Parzival auf dem heiligen Gral geschrieben? Denn stehen mußte er darauf, das erzählt uns ja die Sage selber. Nun brauchen wir uns ja nur die allerwichtigsten Züge der Parzivalsage einmal zu vergegenwärtigen.

[ 9 ] Mancherlei solche Vorzeichen könnte ich Ihnen noch aufzählen, die sich mir ergeben haben bei meinem Suchen nach der Antwort auf die Frage: Wo steht der Name Parzival auf dem heiligen Gral geschrieben? Denn stehen mußte er darauf, das erzählt uns ja die Sage selber. Nun brauchen wir uns ja nur die allerwichtigsten Züge der Parzivalsage einmal zu vergegenwärtigen.

[ 10 ] Wir wissen, daß Parzival geboren wird von seiner Mutter Herzeleide, nachdem der Vater hinweggezogen war, und daß ihn die Mutter unter großen Schmerzen und traumhaften Erscheinungen ganz eigenartig geboren hat. Wir wissen, daß sie ihn dann behüten wollte vor Ritterübung und Rittertugend, daß sie ihre Besitzungen verwalten ließ und sich in die Einsamkeit zurückzog, daß sie das Kind so auferziehen wollte, daß es ferne blieb von dem, was allerdings in ihm lebte; denn das Kind sollte nicht ausgesetzt sein den Gefahren, denen der Vater ausgesetzt gewesen war. Aber wir wissen auch, daß das Kind früh anfing, aufzusehen zu allem Herrlichen in der Natur, und daß es im Grunde genommen nichts durch die Erziehung seiner Mutter erfuhr, als daß ein Gott waltet, — daß das Kind dann die Tendenz bekam, diesem Gott zu dienen. Aber es wußte nichts von diesem Gott, und als es einmal Rittern begegnete, hielt es diese Ritter für Gott und fiel auf die Knie vor ihnen. Als dann das Kind der Mutter verrät, daß es Ritter gesehen habe und selber ein Ritter werden wolle, zieht ihm die Mutter Narrenkleider an und läßt es hinausziehen. Wir wissen, daß der Knabe hinauszieht, mancherlei Abenteuer besteht, und wissen, daß die Mutter später — was man sentimental nennen möchte, was aber tiefste Bedeutung hat — stirbt an gebrochenem Herzen über das Verschwinden ihres Sohnes, der nicht einmal ihr einen Abschiedsgruß, sich rückwendend, gegeben hat und hinauszog, um Ritter-Abenteuer zu erleben. Wir wissen, daß er auf mancherlei Wanderungen, auf denen er mancherlei erfahren hatte über Ritterwesen und Rittertugend und sich ausgezeichnet hatte, zur Burg des Grals kommt. Ich habe bei anderer Gelegenheit erwähnt, wie wir die literarisch noch beste Gestalt des Herankommens des Parzival an die Gralsburg bei Chrestien de Troyes finden, bei Christian von Troyes; wie uns da dargestellt wird, daß, nachdem er lange Irrfahrten bestanden hatte, Parzival in eine einsame Gegend kommt, wo er zunächst zwei Menschen findet: der eine rudert einen Kahn, der andere fischt vom Kahne aus; wie er dadurch, daß er die Leute fragt, gewiesen wird an den Fischerkönig; wie er den Fischerkönig in der Gralsburg dann trifft. Weiter dann, wie ihm der Fischerkönig, ein schon bejahrter Mann, der schwach geworden ist und sich daher auf dem Ruhebette halten muß, im Gespräch das Schwert, das ein Geschenk seiner Nichte war, überreicht. Wie dann im Saale zuerst ein Knappe erscheint, der einen Speer trägt, welcher blutet — das Blut läuft herab bis an die Hand des Knappen —, da erscheint eine Jungfrau mit dem heiligen Gral, der wie eine Art Schüssel ist. Solcher Glanz aber erstrahlt aus dem, was im Grale ist, daß alle Lichter des Saales überleuchtet werden von dem Lichte des heiligen Gral, wie von Sonne und Mond die Sterne überleuchtet werden. Und dann erfahren wir, wie in diesem heiligen Gral das ist, wovon sich der in einem besonderen Raum befindliche alte Vater des Fischerkönigs ernährt, der nichts bedarf von dem, was so reichlich aufgetragen wird bei der Mahlzeit, an der teilnehmen der Fischerkönig und auch Parzival. Von irdischen Nahrungsmitteln nähren sich diese. Jedesmal aber, wenn ein neuer Gang aufgetragen wird — wie wir heute sagen würden —, geht wiederum der heilige Gral vorbei in die Kammer des Vaters des Fischerkönigs, der alt ist und der nur Nahrung bekommt von dem, was in dem Gral ist. Parzival, dem auf dem Wege dahin von Gurnemanz bedeutet worden ist, daß er nicht zuviel fragen solle, fragt nicht, warum die Lanze blutet, fragt nicht, was die Schüssel des Gral bedeutet — den Namen wußte er natürlich nicht. Er wurde dann, und zwar — wie es bei Christian von Troyes heißt — in demselben Raum, in dem das alles stattgefunden hatte, für die Nacht gebettet. Er hatte sich vorgenommen, am nächsten Morgen zu fragen; aber da fand er das ganze Schloß leer, niemand war da. Er rief nach irgend jemandem. Niemand war da. Er kleidete sich selber an. Nur sein Pferd fand er unten bereit. Er glaubte, daß die Gesellschaft zur Jagd ausgeritten sei, und wollte nachreiten, um das Wunder des Gral zu erfragen. Aber als er über die Zugbrücke geritten war, schnellte diese so schnell hinauf, daß das Pferd springen mußte, um sich vor dem Sturz in den Graben der Burg zu retten. Und er fand nichts von der ganzen Gesellschaft, die er am Vortage gefunden hatte in der Burg. Dann erzählt Christian von Troyes, wie Parzival weiterreitet und in einsamer Waldgegend das Bild findet des Weibes mit dem Manne im Schoße, den sie beweint. Sie ist es, die zuerst ihm bedeutet, wie er hätte fragen sollen, wie er sich darum gebracht hat, die Wirkung seines Fragens um die großen Geheimnisse, die an ihn herangetreten sind, zu erleben. Wir wissen nach Christian von Troyes, daß er noch mancherlei Irrfahrten durchmachte und daß er gerade an einem Karfreitag zu einem Einsiedler kommt, der Trevericent heißt; wir wissen, daß er von diesem hingewiesen wird darauf, wie man seiner flucht, weil er versäumt hat, das herbeizuführen, was wie eine Erlösung für den Fischerkönig hätte wirken können: zu fragen nach den Wundern der Burg. Mancherlei Lehre empfängt er dann.

[ 10 ] Wir wissen, daß Parzival geboren wird von seiner Mutter Herzeleide, nachdem der Vater hinweggezogen war, und daß ihn die Mutter unter großen Schmerzen und traumhaften Erscheinungen ganz eigenartig geboren hat. Wir wissen, daß sie ihn dann behüten wollte vor Ritterübung und Rittertugend, daß sie ihre Besitzungen verwalten ließ und sich in die Einsamkeit zurückzog, daß sie das Kind so auferziehen wollte, daß es ferne blieb von dem, was allerdings in ihm lebte; denn das Kind sollte nicht ausgesetzt sein den Gefahren, denen der Vater ausgesetzt gewesen war. Aber wir wissen auch, daß das Kind früh anfing, aufzusehen zu allem Herrlichen in der Natur, und daß es im Grunde genommen nichts durch die Erziehung seiner Mutter erfuhr, als daß ein Gott waltet, — daß das Kind dann die Tendenz bekam, diesem Gott zu dienen. Aber es wußte nichts von diesem Gott, und als es einmal Rittern begegnete, hielt es diese Ritter für Gott und fiel auf die Knie vor ihnen. Als dann das Kind der Mutter verrät, daß es Ritter gesehen habe und selber ein Ritter werden wolle, zieht ihm die Mutter Narrenkleider an und läßt es hinausziehen. Wir wissen, daß der Knabe hinauszieht, mancherlei Abenteuer besteht, und wissen, daß die Mutter später — was man sentimental nennen möchte, was aber tiefste Bedeutung hat — stirbt an gebrochenem Herzen über das Verschwinden ihres Sohnes, der nicht einmal ihr einen Abschiedsgruß, sich rückwendend, gegeben hat und hinauszog, um Ritter-Abenteuer zu erleben. Wir wissen, daß er auf mancherlei Wanderungen, auf denen er mancherlei erfahren hatte über Ritterwesen und Rittertugend und sich ausgezeichnet hatte, zur Burg des Grals kommt. Ich habe bei anderer Gelegenheit erwähnt, wie wir die literarisch noch beste Gestalt des Herankommens des Parzival an die Gralsburg bei Chrestien de Troyes finden, bei Christian von Troyes; wie uns da dargestellt wird, daß, nachdem er lange Irrfahrten bestanden hatte, Parzival in eine einsame Gegend kommt, wo er zunächst zwei Menschen findet: der eine rudert einen Kahn, der andere fischt vom Kahne aus; wie er dadurch, daß er die Leute fragt, gewiesen wird an den Fischerkönig; wie er den Fischerkönig in der Gralsburg dann trifft. Weiter dann, wie ihm der Fischerkönig, ein schon bejahrter Mann, der schwach geworden ist und sich daher auf dem Ruhebette halten muß, im Gespräch das Schwert, das ein Geschenk seiner Nichte war, überreicht. Wie dann im Saale zuerst ein Knappe erscheint, der einen Speer trägt, welcher blutet — das Blut läuft herab bis an die Hand des Knappen —, da erscheint eine Jungfrau mit dem heiligen Gral, der wie eine Art Schüssel ist. Solcher Glanz aber erstrahlt aus dem, was im Grale ist, daß alle Lichter des Saales überleuchtet werden von dem Lichte des heiligen Gral, wie von Sonne und Mond die Sterne überleuchtet werden. Und dann erfahren wir, wie in diesem heiligen Gral das ist, wovon sich der in einem besonderen Raum befindliche alte Vater des Fischerkönigs ernährt, der nichts bedarf von dem, was so reichlich aufgetragen wird bei der Mahlzeit, an der teilnehmen der Fischerkönig und auch Parzival. Von irdischen Nahrungsmitteln nähren sich diese. Jedesmal aber, wenn ein neuer Gang aufgetragen wird — wie wir heute sagen würden —, geht wiederum der heilige Gral vorbei in die Kammer des Vaters des Fischerkönigs, der alt ist und der nur Nahrung bekommt von dem, was in dem Gral ist. Parzival, dem auf dem Wege dahin von Gurnemanz bedeutet worden ist, daß er nicht zuviel fragen solle, fragt nicht, warum die Lanze blutet, fragt nicht, was die Schüssel des Gral bedeutet — den Namen wußte er natürlich nicht. Er wurde dann, und zwar — wie es bei Christian von Troyes heißt — in demselben Raum, in dem das alles stattgefunden hatte, für die Nacht gebettet. Er hatte sich vorgenommen, am nächsten Morgen zu fragen; aber da fand er das ganze Schloß leer, niemand war da. Er rief nach irgend jemandem. Niemand war da. Er kleidete sich selber an. Nur sein Pferd fand er unten bereit. Er glaubte, daß die Gesellschaft zur Jagd ausgeritten sei, und wollte nachreiten, um das Wunder des Gral zu erfragen. Aber als er über die Zugbrücke geritten war, schnellte diese so schnell hinauf, daß das Pferd springen mußte, um sich vor dem Sturz in den Graben der Burg zu retten. Und er fand nichts von der ganzen Gesellschaft, die er am Vortage gefunden hatte in der Burg. Dann erzählt Christian von Troyes, wie Parzival weiterreitet und in einsamer Waldgegend das Bild findet des Weibes mit dem Manne im Schoße, den sie beweint. Sie ist es, die zuerst ihm bedeutet, wie er hätte fragen sollen, wie er sich darum gebracht hat, die Wirkung seines Fragens um die großen Geheimnisse, die an ihn herangetreten sind, zu erleben. Wir wissen nach Christian von Troyes, daß er noch mancherlei Irrfahrten durchmachte und daß er gerade an einem Karfreitag zu einem Einsiedler kommt, der Trevericent heißt; wir wissen, daß er von diesem hingewiesen wird darauf, wie man seiner flucht, weil er versäumt hat, das herbeizuführen, was wie eine Erlösung für den Fischerkönig hätte wirken können: zu fragen nach den Wundern der Burg. Mancherlei Lehre empfängt er dann.

[ 11 ] Nun enthüllte sich mir, als ich versuchte, Parzival zu seinem Einsiedler zu begleiten, ein Wort, das so, wie ich es auszusprechen habe nach den geisteswissenschaftlichen Forschungen, nirgends übermittelt ist, das ich aber glaube in völliger Wahrheit behaupten zu können. Ein Wort machte tiefen Eindruck auf mich, das der alte Einsiedler gesprochen hatte zu Parzival, nachdem er in Worten, in denen er es eben konnte, ihn aufmerksam gemacht hatte auf das Mysterium von Golgatha, von dem Parzival wenig wußte, trotzdem er an einem Karfreitag dahergekommen war. Da sprach der Alte ein Wort. Er sagte — ich spreche jetzt in Worten, die uns geläufig sind, die vollständig getreu nur dem Sinne nach sind —: Gedenke, was gelegentlich des Mysteriums von Golgatha geschehen ist! Lenke hinauf den Blick zu dem am Kreuz hängenden Christus, der zu Johannes das Wort sprach: «Von Stunde an ist das deine Mutter», — und Johannes verließ sie nicht. Du aber — so sagte der Alte zu Parzival —, du hast deine Mutter Herzeleide verlassen. Sie ging um deinetwillen aus der Welt! — Den völligen Zusammenhang verstand Parzival nicht, aber Worte waren es, die zu ihm gesprochen waren, ich möchte sagen, in der spirituellen Absicht, daß sie wirkten in seiner Seele wiederum als Bild, damit er den karmischen Ausgleich finde für das Verlassen der Mutter eben in dem Bilde des Johannes, der die Mutter nicht verläßt. Das sollte nachwirken in seiner Seele. Dann hören wir weiter, wie Parzival eine kurze Zeit bei dem Einsiedler verbleibt und wie er dann den Weg zum heiligen Gral wiederum sucht. Da ist es eben, daß er den Gral findet, kurz oder unmittelbar vor dem Tode des alten Amfortas, des Fischerkönigs. Dann ist es, daß ihm die Ritterschaft des heiligen Gral, die heilige Ritterschaft entgegenkommt mit den Worten: Dein Name erglänzt im Gral! Du bist der künftige Herrscher, der König des Gral, denn dein Name ist von der heiligen Schale erglänzend erschienen! — Parzival wird Gralskönig. Also es steht der Name Parzival auf der heiligen, goldglänzenden Schale, in der eine Hostie ist. Da steht er drauf.

[ 11 ] Nun enthüllte sich mir, als ich versuchte, Parzival zu seinem Einsiedler zu begleiten, ein Wort, das so, wie ich es auszusprechen habe nach den geisteswissenschaftlichen Forschungen, nirgends übermittelt ist, das ich aber glaube in völliger Wahrheit behaupten zu können. Ein Wort machte tiefen Eindruck auf mich, das der alte Einsiedler gesprochen hatte zu Parzival, nachdem er in Worten, in denen er es eben konnte, ihn aufmerksam gemacht hatte auf das Mysterium von Golgatha, von dem Parzival wenig wußte, trotzdem er an einem Karfreitag dahergekommen war. Da sprach der Alte ein Wort. Er sagte — ich spreche jetzt in Worten, die uns geläufig sind, die vollständig getreu nur dem Sinne nach sind —: Gedenke, was gelegentlich des Mysteriums von Golgatha geschehen ist! Lenke hinauf den Blick zu dem am Kreuz hängenden Christus, der zu Johannes das Wort sprach: «Von Stunde an ist das deine Mutter», — und Johannes verließ sie nicht. Du aber — so sagte der Alte zu Parzival —, du hast deine Mutter Herzeleide verlassen. Sie ging um deinetwillen aus der Welt! — Den völligen Zusammenhang verstand Parzival nicht, aber Worte waren es, die zu ihm gesprochen waren, ich möchte sagen, in der spirituellen Absicht, daß sie wirkten in seiner Seele wiederum als Bild, damit er den karmischen Ausgleich finde für das Verlassen der Mutter eben in dem Bilde des Johannes, der die Mutter nicht verläßt. Das sollte nachwirken in seiner Seele. Dann hören wir weiter, wie Parzival eine kurze Zeit bei dem Einsiedler verbleibt und wie er dann den Weg zum heiligen Gral wiederum sucht. Da ist es eben, daß er den Gral findet, kurz oder unmittelbar vor dem Tode des alten Amfortas, des Fischerkönigs. Dann ist es, daß ihm die Ritterschaft des heiligen Gral, die heilige Ritterschaft entgegenkommt mit den Worten: Dein Name erglänzt im Gral! Du bist der künftige Herrscher, der König des Gral, denn dein Name ist von der heiligen Schale erglänzend erschienen! — Parzival wird Gralskönig. Also es steht der Name Parzival auf der heiligen, goldglänzenden Schale, in der eine Hostie ist. Da steht er drauf.

[ 12 ] Und nun, da es sich mir darum handelte, die Schale zu finden, da wurde ich zunächst irregeführt, durch einen gewissen Umstand irregeführt, meine lieben Freunde. Es ist — ich sage das in aller Bescheidenheit, nicht um irgendwie damit etwas Unbescheidenes auszudrücken —, es ist mir immer notwendig erschienen bei der okkulten Forschung, nicht nur zu berücksichtigen, was sich unmittelbar aus okkulten Quellen heraus ergibt, sondern, wenn es sich um ein ernstes Problem handelt, zu berücksichtigen das, was die äußere Forschung zutage gefördert hat. Und das ist überhaupt gut, so scheint es mir, wenn man nicht nachläßt, bei der Verfolgung eines Problems wirklich gewissenhaft alles das zu Rate zu ziehen, was die äußere Gelehrsamkeit zu sagen hat, damit man sozusagen auf der Erde bleibt, nicht ganz sich verliert im Wolkenkuckucksheim. Hier war es, daß diese exoterische Gelehrsamkeit mich irregeführt hat. Gerade durch das, was sie zutage gefördert hat, hat sie mich vom rechten Pfad zunächst — vor längerer Zeit eben schon — abgelenkt; denn aus dieser exoterischen Forschung konnte ich ersehen, daß Wolfram von Eschenbach, als er seinen Parzival — so sagt diese exoterische Forschung — anfing zu dichten, nach seinen eigenen Aussprüchen benutzt hat jenen Chrestien de Troyes und einen gewissen Kyot. Dieser Kyot ist von der äußeren exoterischen Forschung nicht aufzufinden, und sie hält ihn daher für eine Erfindung des Wolfram von Eschenbach, gleichsam als wenn Wolfram von Eschenbach für das viele, was er hinzufügt zu dem, was er in Chrestien de Troyes findet, noch eine andere Quelle hätte finden wollen. Höchstens das eine will die äußere Wissenschaft zugeben, daß dieser Kyot ein Abschreiber war der Werke Christians von Troyes und daß Wolfram von Eschenbach eben diese Sache dann in einer etwas phantasievollen Weise ausgebaut habe.

[ 12 ] Und nun, da es sich mir darum handelte, die Schale zu finden, da wurde ich zunächst irregeführt, durch einen gewissen Umstand irregeführt, meine lieben Freunde. Es ist — ich sage das in aller Bescheidenheit, nicht um irgendwie damit etwas Unbescheidenes auszudrücken —, es ist mir immer notwendig erschienen bei der okkulten Forschung, nicht nur zu berücksichtigen, was sich unmittelbar aus okkulten Quellen heraus ergibt, sondern, wenn es sich um ein ernstes Problem handelt, zu berücksichtigen das, was die äußere Forschung zutage gefördert hat. Und das ist überhaupt gut, so scheint es mir, wenn man nicht nachläßt, bei der Verfolgung eines Problems wirklich gewissenhaft alles das zu Rate zu ziehen, was die äußere Gelehrsamkeit zu sagen hat, damit man sozusagen auf der Erde bleibt, nicht ganz sich verliert im Wolkenkuckucksheim. Hier war es, daß diese exoterische Gelehrsamkeit mich irregeführt hat. Gerade durch das, was sie zutage gefördert hat, hat sie mich vom rechten Pfad zunächst — vor längerer Zeit eben schon — abgelenkt; denn aus dieser exoterischen Forschung konnte ich ersehen, daß Wolfram von Eschenbach, als er seinen Parzival — so sagt diese exoterische Forschung — anfing zu dichten, nach seinen eigenen Aussprüchen benutzt hat jenen Chrestien de Troyes und einen gewissen Kyot. Dieser Kyot ist von der äußeren exoterischen Forschung nicht aufzufinden, und sie hält ihn daher für eine Erfindung des Wolfram von Eschenbach, gleichsam als wenn Wolfram von Eschenbach für das viele, was er hinzufügt zu dem, was er in Chrestien de Troyes findet, noch eine andere Quelle hätte finden wollen. Höchstens das eine will die äußere Wissenschaft zugeben, daß dieser Kyot ein Abschreiber war der Werke Christians von Troyes und daß Wolfram von Eschenbach eben diese Sache dann in einer etwas phantasievollen Weise ausgebaut habe.

[ 13 ] Sie sehen, wozu einen diese äußere Forschung führen muß. Sie muß einen dazu führen, mehr oder weniger abzusehen von dem Wege, der über jenen Kyot führt, denn er wird von der äußeren Forschung eigentlich als eine Erfindung des Wolfram von Eschenbach angesehen. In derselben Zeit — das sind wiederum solche karmischen Fügungen —, in der ich gewissermaßen da durch die äußere Forschung irregeführt worden war, trat etwas anderes an mich heran. Das, was da an mich herantrat, das möchte ich so ausdrükken — ich habe es ja öfter schon dargestellt in meiner «Geheimwissenschaft», in Zyklen und so weiter: Die nachatlantischen Epochen, sie tauchen so, wie sie sich abgewickelt haben vor dem Mysterium von Golgatha, vor dem vierten nachatlantischen Zeitraum, in einer gewissen Weise nach diesem Zeitraum wiederum auf. So daß in gewisser Weise der dritte nachatlantische Zeitraum zuerst in unserer fünften Kulturepoche wiederum auftaucht, der zweite wird uns in der sechsten, und der erste Zeitraum, derjenige der heiligen Rishis, wird in der siebenten Kulturperiode so auftauchen, wie ich das öfter dargestellt habe. Es zeigte sich mir nun — und das ist ein Forschungsergebnis vieler Jahre — immer klarer und klarer, daß wirklich in unserem Zeitraum sich so etwas herauflebt wie ein eben von dem Christus-Impuls durchzogenes Auferstehen der Astrologie des dritten nachatlantischen Zeitraumes. In anderer Weise zwar, als man dazumal in den Sternen geforscht hat, müssen wir heute in den Sternen forschen, aber die Sternenschrift muß uns wiederum etwas werden, was uns etwas sagt. Und siehe da, in einer merkwürdigen Art assoziierten sich, stellten sich zusammen dieser Gedanke von dem Wiederauftauchen der Sternenschrift und der von dem Geheimnis des Parzival. So daß ich nicht mehr umhin konnte, daran zu glauben, daß die beiden erwas miteinander zu tun haben. Da trat vor meine Seele, meine lieben Freunde, ein Bild. Das Bild ergab sich mir, als ich im Geiste zu begleiten versuchte Parzival, wie er von Trevericent wiederum nach der Gralsburg hinzieht. Gerade die Begegnung mit diesem Einsiedler wird uns von Christian von Troyes in einer schönen, herzergreifenden Weise dargestellt. Ich möchte Ihnen ein kleines Stück aus dieser Stelle zur Vorlesung bringen, wie Parzival hinkommt zum Einsiedler:

[ 13 ] Sie sehen, wozu einen diese äußere Forschung führen muß. Sie muß einen dazu führen, mehr oder weniger abzusehen von dem Wege, der über jenen Kyot führt, denn er wird von der äußeren Forschung eigentlich als eine Erfindung des Wolfram von Eschenbach angesehen. In derselben Zeit — das sind wiederum solche karmischen Fügungen —, in der ich gewissermaßen da durch die äußere Forschung irregeführt worden war, trat etwas anderes an mich heran. Das, was da an mich herantrat, das möchte ich so ausdrükken — ich habe es ja öfter schon dargestellt in meiner «Geheimwissenschaft», in Zyklen und so weiter: Die nachatlantischen Epochen, sie tauchen so, wie sie sich abgewickelt haben vor dem Mysterium von Golgatha, vor dem vierten nachatlantischen Zeitraum, in einer gewissen Weise nach diesem Zeitraum wiederum auf. So daß in gewisser Weise der dritte nachatlantische Zeitraum zuerst in unserer fünften Kulturepoche wiederum auftaucht, der zweite wird uns in der sechsten, und der erste Zeitraum, derjenige der heiligen Rishis, wird in der siebenten Kulturperiode so auftauchen, wie ich das öfter dargestellt habe. Es zeigte sich mir nun — und das ist ein Forschungsergebnis vieler Jahre — immer klarer und klarer, daß wirklich in unserem Zeitraum sich so etwas herauflebt wie ein eben von dem Christus-Impuls durchzogenes Auferstehen der Astrologie des dritten nachatlantischen Zeitraumes. In anderer Weise zwar, als man dazumal in den Sternen geforscht hat, müssen wir heute in den Sternen forschen, aber die Sternenschrift muß uns wiederum etwas werden, was uns etwas sagt. Und siehe da, in einer merkwürdigen Art assoziierten sich, stellten sich zusammen dieser Gedanke von dem Wiederauftauchen der Sternenschrift und der von dem Geheimnis des Parzival. So daß ich nicht mehr umhin konnte, daran zu glauben, daß die beiden erwas miteinander zu tun haben. Da trat vor meine Seele, meine lieben Freunde, ein Bild. Das Bild ergab sich mir, als ich im Geiste zu begleiten versuchte Parzival, wie er von Trevericent wiederum nach der Gralsburg hinzieht. Gerade die Begegnung mit diesem Einsiedler wird uns von Christian von Troyes in einer schönen, herzergreifenden Weise dargestellt. Ich möchte Ihnen ein kleines Stück aus dieser Stelle zur Vorlesung bringen, wie Parzival hinkommt zum Einsiedler:

Er gibt dem Roß dahin den Lauf
Und seufzt aus tiefem Herzen auf,
Weil er vor Gott sich schuldig fühlt
Und Reue in der Brust ihm wühlet.
Mit Weinen kommt er durch den Wald,
Doch vor der Klause macht er halt,
Steigt ab von seinem Pferde,
Lest seine Wehr zur Erde —
Und findt in einem Kirchlein klein
Den frommen Mann. In seiner Pein
Er vor ihm auf die Knie sinkt,
Das Naß, das ihm vom Auge blinkt,
Rollt endlos nieder auf sein Kinn,
Als er in kindlich schlichtem Sinn
Die Hände vor ihm faltet.
«Der Ihr des Trostes waltet,
Mein reuiges Geständnis hört:
Fünf Jahre war ich wahnbetört,
Daß ohne Glauben ich gelebt
Und nach dem Bösen nur gestrebt.»
«Sag mir, warum du das getan,
Und bitte Gott, daß er dich nah’n
Dereinst noch läßt der Sel’gen Schar.»
«Beim Fischerkönig einst ich war;
Ich sah den Speer, von dessen Stahl
Es blutig tropft. Ich sah den Gral
Und unterließ die Frage,
Was dieses Blut besage,
Und was der Gral bedeute.
Seit diesem Tag bis heute
War ich in schwerer Seelennot.
Weit besser wäre mir der Tod!
Und da vergaß ich unsern Herrn
Und blieb von seiner Gnade fern.»
«So sage mir, wie man dich nennt.»
«Als Parzival man mich erkennt.»
Da seufzt der Greis aus tiefster Brust:
Der Name ist ihm wohl bewußt.
Er spricht: «Dem Leid hat dich vermählt,
Was ohne Wissen du gefehlt.»

Er gibt dem Roß dahin den Lauf
Und seufzt aus tiefem Herzen auf,
Weil er vor Gott sich schuldig fühlt
Und Reue in der Brust ihm wühlet.
Mit Weinen kommt er durch den Wald,
Doch vor der Klause macht er halt,
Steigt ab von seinem Pferde,
Lest seine Wehr zur Erde —
Und findt in einem Kirchlein klein
Den frommen Mann. In seiner Pein
Er vor ihm auf die Knie sinkt,
Das Naß, das ihm vom Auge blinkt,
Rollt endlos nieder auf sein Kinn,
Als er in kindlich schlichtem Sinn
Die Hände vor ihm faltet.
«Der Ihr des Trostes waltet,
Mein reuiges Geständnis hört:
Fünf Jahre war ich wahnbetört,
Daß ohne Glauben ich gelebt
Und nach dem Bösen nur gestrebt.»
«Sag mir, warum du das getan,
Und bitte Gott, daß er dich nah’n
Dereinst noch läßt der Sel’gen Schar.»
«Beim Fischerkönig einst ich war;
Ich sah den Speer, von dessen Stahl
Es blutig tropft. Ich sah den Gral
Und unterließ die Frage,
Was dieses Blut besage,
Und was der Gral bedeute.
Seit diesem Tag bis heute
War ich in schwerer Seelennot.
Weit besser wäre mir der Tod!
Und da vergaß ich unsern Herrn
Und blieb von seiner Gnade fern.»
«So sage mir, wie man dich nennt.»
«Als Parzival man mich erkennt.»
Da seufzt der Greis aus tiefster Brust:
Der Name ist ihm wohl bewußt.
Er spricht: «Dem Leid hat dich vermählt,
Was ohne Wissen du gefehlt.»

[ 14 ] Und dann entspinnen sich die Gespräche zwischen dem Klausner und dem Parzival, von denen ich gerade vorhin gesprochen habe. Und als ich dann zu begleiten versuchte im Geist den Parzival, als er nach dem Aufenthalt bei dem Klausner wieder zum Grale zog, da war es mir oftmals, als ob in der Seele aufglänzte, wie er dahinritt bei Tag und bei Nacht und wie er hingegeben war der Natur bei Tag und den Sternen bei Nacht, als ob in sein Unbewußtes hereingesprochen hätte die Sternenschrift und als ob diese Sternenschrift nur eine Vorherverkündigung wäre von dem, was ihm die heilige Ritterschaft, die ihm vom Gral entgegenkam, sagte: «Vom heiligen Gral erglänzt dein Name leuchtend.» Aber Parzival wußte offenbar nichts zu machen mit dem, was ihm aus den Sternen herunter erschien, denn es blieb in seinem Unbewußten, und daher kann man es auch nicht so recht deuten, wenn man auch noch so sehr versucht, durch geisteswissenschaftliche Forschung sich hineinzuvertiefen.

[ 14 ] Und dann entspinnen sich die Gespräche zwischen dem Klausner und dem Parzival, von denen ich gerade vorhin gesprochen habe. Und als ich dann zu begleiten versuchte im Geist den Parzival, als er nach dem Aufenthalt bei dem Klausner wieder zum Grale zog, da war es mir oftmals, als ob in der Seele aufglänzte, wie er dahinritt bei Tag und bei Nacht und wie er hingegeben war der Natur bei Tag und den Sternen bei Nacht, als ob in sein Unbewußtes hereingesprochen hätte die Sternenschrift und als ob diese Sternenschrift nur eine Vorherverkündigung wäre von dem, was ihm die heilige Ritterschaft, die ihm vom Gral entgegenkam, sagte: «Vom heiligen Gral erglänzt dein Name leuchtend.» Aber Parzival wußte offenbar nichts zu machen mit dem, was ihm aus den Sternen herunter erschien, denn es blieb in seinem Unbewußten, und daher kann man es auch nicht so recht deuten, wenn man auch noch so sehr versucht, durch geisteswissenschaftliche Forschung sich hineinzuvertiefen.

[ 15 ] Dann versuchte ich noch einmal zurückzukommen auf den Kyot, und siehe da: Besonders eines, was Wolfram von Eschenbach von ihm sagt, machte einen tiefen Eindruck, und ich mußte es zusammenbringen mit dem «Ganganda greida». Es stellte sich selber zusammen. Ich mußte es auch zusammenbringen mit dem Bilde des Weibes, das den Bräutigam, den toten, im Schoße hält. Es war einmal, als ich, wie gar nicht suchend, auf dieses Wort stieß, das von Kyot gesagt wird. Das Wort heißt: «er jach, ez hiez ein dinc der grâl» — er sagte, ein Ding hieß der Gral. Und dann werden wir verwiesen durch die exoterische Forschung selber, wie er kam zu dem: er jach, ez hiez ein dinc der grâl. Er bekam ein Buch in die Hand von Flegetanis in Spanien. Das ist ein astrologisches Buch. Kein Zweifel, man darf sich sagen: Kyot ist sogar der, der angeregt durch den Flegetanis — einen, den er Flegetanis nennt und in dem gewissermaßen etwas auflebt von der Kenntnis der Sternenschrift —, angeregt also durch diese wiederauflebende Astrologie, das Ding sieht, das der Gral heißt. Jetzt wußte ich, daß der Kyot nicht aufzugeben ist, daß er gerade eine wichtige Spur erschließt, wenn man geisteswissenschaftlich forscht: daß er also wenigstens den Gral gesehen hat.

[ 15 ] Dann versuchte ich noch einmal zurückzukommen auf den Kyot, und siehe da: Besonders eines, was Wolfram von Eschenbach von ihm sagt, machte einen tiefen Eindruck, und ich mußte es zusammenbringen mit dem «Ganganda greida». Es stellte sich selber zusammen. Ich mußte es auch zusammenbringen mit dem Bilde des Weibes, das den Bräutigam, den toten, im Schoße hält. Es war einmal, als ich, wie gar nicht suchend, auf dieses Wort stieß, das von Kyot gesagt wird. Das Wort heißt: «er jach, ez hiez ein dinc der grâl» — er sagte, ein Ding hieß der Gral. Und dann werden wir verwiesen durch die exoterische Forschung selber, wie er kam zu dem: er jach, ez hiez ein dinc der grâl. Er bekam ein Buch in die Hand von Flegetanis in Spanien. Das ist ein astrologisches Buch. Kein Zweifel, man darf sich sagen: Kyot ist sogar der, der angeregt durch den Flegetanis — einen, den er Flegetanis nennt und in dem gewissermaßen etwas auflebt von der Kenntnis der Sternenschrift —, angeregt also durch diese wiederauflebende Astrologie, das Ding sieht, das der Gral heißt. Jetzt wußte ich, daß der Kyot nicht aufzugeben ist, daß er gerade eine wichtige Spur erschließt, wenn man geisteswissenschaftlich forscht: daß er also wenigstens den Gral gesehen hat.

[ 16 ] Wo also ist der Gral, der heute so gefunden werden muß, daß darauf steht der Name des Parzival, wo ist er zu finden? Nun, Sie sehen, im Verlaufe meiner Forschung hat sich mir ergeben, daß er in der Sternenschrift gesucht werden muß — zunächst der Name —. Und dann ergab es sich mir eines Tages, den ich als einen für mich besonders bedeutsamen ansehen muß, wo die goldglänzende Schüssel in ihrer Realität zu finden ist; zunächst so, daß wir durch sie — da, wo sie sich durch ihr Sternenschriftsymbolum ausdrückt — geführt werden auf das Geheimnis des Gral. Und da sah ich denn in der Sternenschrift dasjenige, was jeder sehen kann — nur findet er zunächst nicht das Geheimnis der Sache. Denn eines Tages erglänzte mir, als ich mit innerem Schauen verfolgte die goldglänzende Mondsichel, wenn sie am Himmel so erscheint, daß der dunkle Mond darin wie eine große Scheibe schwach sichtbar ist, so daß man schaut äußerlich-physisch den goldglänzenden Mond — Ganganda greida, die hinwandelnde Wegzehrung — und darin die große Hostie, die dunkle Scheibe, das, was man nicht sieht vom Monde, wenn man nur oberflächlich hinschaut, was man sieht, wenn man genauer hinschaut. Denn dann sieht man die dunkle Scheibe, und in wunderbaren Lettern der okkulten Schrift auf der Mondessichel — den Namen Parzival! Das, meine lieben Freunde, war zunächst die Sternenschrift. Denn in der Tat, im richtigen Licht gesehen, ergibt dieses Lesen der Sternenschrift für unser Herz und unseren Sinn etwas — wenn vielleicht auch noch nicht alles — von dem Parzival-Geheimnis, von dem Geheimnis des heiligen Gral. Was ich Ihnen darüber noch kurz anzudeuten habe, werde ich versuchen, Ihnen morgen zu sagen.

[ 16 ] Wo also ist der Gral, der heute so gefunden werden muß, daß darauf steht der Name des Parzival, wo ist er zu finden? Nun, Sie sehen, im Verlaufe meiner Forschung hat sich mir ergeben, daß er in der Sternenschrift gesucht werden muß — zunächst der Name —. Und dann ergab es sich mir eines Tages, den ich als einen für mich besonders bedeutsamen ansehen muß, wo die goldglänzende Schüssel in ihrer Realität zu finden ist; zunächst so, daß wir durch sie — da, wo sie sich durch ihr Sternenschriftsymbolum ausdrückt — geführt werden auf das Geheimnis des Gral. Und da sah ich denn in der Sternenschrift dasjenige, was jeder sehen kann — nur findet er zunächst nicht das Geheimnis der Sache. Denn eines Tages erglänzte mir, als ich mit innerem Schauen verfolgte die goldglänzende Mondsichel, wenn sie am Himmel so erscheint, daß der dunkle Mond darin wie eine große Scheibe schwach sichtbar ist, so daß man schaut äußerlich-physisch den goldglänzenden Mond — Ganganda greida, die hinwandelnde Wegzehrung — und darin die große Hostie, die dunkle Scheibe, das, was man nicht sieht vom Monde, wenn man nur oberflächlich hinschaut, was man sieht, wenn man genauer hinschaut. Denn dann sieht man die dunkle Scheibe, und in wunderbaren Lettern der okkulten Schrift auf der Mondessichel — den Namen Parzival! Das, meine lieben Freunde, war zunächst die Sternenschrift. Denn in der Tat, im richtigen Licht gesehen, ergibt dieses Lesen der Sternenschrift für unser Herz und unseren Sinn etwas — wenn vielleicht auch noch nicht alles — von dem Parzival-Geheimnis, von dem Geheimnis des heiligen Gral. Was ich Ihnen darüber noch kurz anzudeuten habe, werde ich versuchen, Ihnen morgen zu sagen.