Precursors to the Mystery of Golgotha
GA 152
18 May 1913, Stuttgart
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Precursors to the Mystery of Golgotha, tr. SOL
3. Der Michael-Impuls und das Mysterium von Golgatha I
3. The Michael Impulse and the Mystery of Golgotha I
[ 1 ] Bei meiner letzten Anwesenheit hier unter Ihnen konnte ich Ihnen in zwei Betrachtungen einiges darlegen über das Leben zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Dazumal war also der Gesichtspunkt gewählt worden, die ganze Wichtigkeit und Bedeutung einer Erkenntnis des Lebens zwischen Tod und neuer Geburt ins Auge zu fassen, weil die Kräfte und Wesenheiten, mit denen der Mensch da zusammenkommt, auch hereinragen in unser Leben, das verläuft zwischen Geburt und Tod.
[ 1 ] During my last visit here among you, I was able to share some insights with you in two talks about life between death and a new birth. At that time, the perspective chosen was to consider the full importance and significance of an understanding of life between death and a new birth, because the forces and beings with which the human being encounters there also extend into our life that takes place between birth and death.
[ 2 ] Heute soll zunächst von mancherlei die Rede sein, welches uns die große Mission der anthroposophischen Weltanschauung aus dem ganzen Charakter unserer gegenwärtigen Kulturepoche vor Augen führen kann. Wir stehen in der Tat — ich habe das öfter betont und davon eingehender gesprochen — in einem wichtigen Abschnitt der menschlichen Erdenentwickelung, und ich habe öfters betont, daß, wenn man ja bei oberflächlicher Betrachtung der Menschheitsevolution der Erde gar oftmals jedes Zeitalter ein Übergangszeitalter nennt, so muß man von einem gewissen Gesichtspunkte aus unser Zeitalter vielleicht nicht gerade ein Übergangszeitalter, aber ein bedeutungsvolles Zeitalter für die ganze Entwickelung der Menschheit nennen.
[ 2 ] Today we shall first discuss various aspects that can help us see, in light of the overall character of our current cultural epoch, the great mission of the anthroposophical worldview. We are indeed—as I have often emphasized and discussed in greater detail—in an important phase of human development on Earth, and I have often emphasized that, while a superficial view of human evolution on Earth often labels every age a transitional age, from a certain perspective our age must perhaps be called, if not exactly a transitional age, then a significant age for the entire development of humanity.
[ 3 ] Ein erster Gesichtspunkt, den ich heute vor Sie hinstellen will, ist der, den ich oft schon erwähnt habe, daß Anthroposophie, von der wir wissen, daß sie heute in das menschliche Kulturleben durch Notwendigkeiten der Erdenentwickelung sich hineinleben muß, daß Anthroposophie, wenn auch ihre Ergebnisse nur erforscht werden können von der geschulten Seele des Geistesforschers, doch von jeder Menschenseele, die nur will, die nur Unbefangenheit genug der Sache entgegenbringt, verstanden werden, begriffen werden kann.
[ 3 ] A first point I would like to present to you today is one I have often mentioned before: that anthroposophy—which we know must now become an integral part of human cultural life due to the necessities of Earth’s evolution—can be understood and grasped can nevertheless be understood and grasped by any human soul that is willing and approaches the subject with sufficient openness.
[ 4 ] Da kann natürlich gleich eingewendet werden: Ja, aber es gibt doch nur wenige Menschen, die das Bewußtsein haben, daß ihnen wahr zu sein scheint das, wovon die Anthroposophie spricht. Und die Mehrzahl der Menschen betrachtet das, was von der Geisteswissenschaft, der Geistesforschung kommt, als Phantasterei, als Träumerei, wenn nicht gar noch — nun wir haben ja gestern gehört — als eine der sieben Sekten des Verderbens.
[ 4 ] Of course, one might immediately object: Yes, but there are only a few people who are aware that what anthroposophy speaks of seems true to them. And the majority of people regard what comes from Spiritual Science and spiritual research as fantasy, as daydreaming, if not even—as we heard yesterday—as one of the seven sects of perdition.
[ 5 ] Was liegt da eigentlich zugrunde? Kann gegenüber der Tatsache, daß noch eine überaus große Menge Menschen der Gegenwart sich findet, die sagen: Ja, wir können Anthroposophie nicht verstehen, sie erscheint uns eben als Phantasterei, — kann demgegenüber aufrechterhalten werden die Behauptung, daß diese Wahrheit, die von wenigen verstanden wird, doch für den unbefangenen Menschensinn erkennbar ist?
[ 5 ] What is actually underlying this? Given the fact that there is still a very large number of people today who say: Yes, we cannot understand anthroposophy; it simply seems like fantasy to us—can the claim be upheld, in light of this, that this truth, which is understood by only a few, is nevertheless recognizable to the unbiased human mind?
[ 6 ] Ich habe in dem gestrigen öffentlichen Vortrage auseinandergesetzt, wodurch man zu übersinnlichen Erkenntnissen kommen kann, daß man gewisse Kräfte der Seele frei machen kann von ihrem Eingreifen in das Leibliche. Ich habe erwähnt, wie die Denk-, Sprach- und Willenskräfte frei werden können, sich emanzipieren können vom Körperlichen, so daß sie rein im Seelischen, im Geist-Seelischen wirken können, und daß sie dann die Kräfte sind, welche sich eben ausbilden durch Meditation, Konzentration und Kontemplation, die dann eindringen in die übersinnlichen Welten. Alle die Kräfte, die befähigen, einzudringen in die übersinnlichen Welten, kommen davon, daß der Mensch seine Seele loslösen kann von alledem, womit der Mensch im Leiblichen verbunden ist. Also in den Erkenntniskräften, mit denen die übersinnlichen Welten erforscht werden können, haben wir es mit leibfreien Seelenkräften zu tun.
[ 6 ] In yesterday’s public lecture, I explained how one can attain supersensible knowledge by freeing certain powers of the soul from their involvement with the physical body. I mentioned how the powers of thought, speech, and will can become free, can emancipate themselves from the physical, so that they can act purely in the soul, in the spirit-soul realm, and that these are the very powers that are developed through meditation, concentration, and contemplation, which then penetrate into the supersensible worlds. All the powers that enable one to penetrate the supersensible worlds arise from the fact that the human being can detach his soul from everything with which he is connected in the physical realm. Thus, in the powers of cognition with which the supersensible worlds can be explored, we are dealing with soul powers that are free from the body.
[ 7 ] Nun gibt es aber im ganz alltäglichen Leben eine Seelenkraft, welche in einer gewissen Weise schon in sich hat, was mit den anderen Seelenkräften angestrebt wird bei der Geistesforschung, und diese Seelenkraft ist die Denkkraft, wie sie sich äußert im gewöhnlichen, unbefangenen, gesunden Menschenverstand. Diese gewöhnliche Denkkraft nämlich, sie kann unter gewissen Voraussetzungen, ohne daß sie weiter entwickelt wird, selber schon als etwas Leibfreies sich darstellen.
[ 7 ] Yet in everyday life there is a faculty of the soul that, in a certain sense, already possesses within itself what spiritual research seeks to attain through the other faculties of the soul; and this faculty is the power of thought, as it manifests itself in ordinary, unbiased, sound common sense. For this ordinary power of thought, under certain conditions, can manifest itself as something independent of the body even without being further developed.
[ 8 ] Mit diesem Denken hat es nämlich folgende Bewandtnis. Dieses Denken, das also jede Seele heute in sich als eine Kraft haben kann, hat gewissermaßen zwei Gesichter, ist ein Januskopf. Dieses Denken ist entweder vom Gehirn abhängig, bringt nur dasjenige als Gedanken zum Bewußtsein, was sich im Gehirn, im Nervensystem spiegelt. Dann ist dieses Denken mehr passiv, ist ein solches Denken, das sich anlehnen will an das Instrument des Gehirns. Oder aber dieses Denken kann sich schon einfach — ohne irgendwelche Meditation — durch inneres Aufraffen, dadurch daß es seiner selbst in seiner wahren Wesenheit sich bewußt wird, daß es sich losreißen will von der Anlehnung an das Gehirn, freimachen: dann ist es ein mehr aktives Denken.
[ 8 ] The matter with this kind of thinking is as follows. This thinking, which every soul today can possess within itself as a power, has, so to speak, two faces; it is a Janus-faced entity. This thinking is either dependent on the brain, bringing to consciousness only those thoughts that are reflected in the brain and the nervous system. In this case, this thinking is more passive; it is a form of thinking that seeks to rely on the brain as an instrument. Or, this thinking can simply—without any meditation—free itself through inner effort, by becoming aware of its own true nature, by seeking to break away from its reliance on the brain: in this case, it is a more active form of thinking.
[ 9 ] Beides sind Seiten des gesunden menschlichen Denkens, wie es heute jede Seele haben kann. Denken ist in jeder Seele, aber es kann in zweifacher Weise benutzt werden. Zunächst so: der Mensch kann sich in sich selber erkraften, kann in sich selber Gedanken prägen. Dann ist dieses Denken in seiner Aktivität so, daß es voll entgegenkommt allem, selbst den scheinbar gewagtesten Behauptungen der Geistesforschung. Wenn aber dieses Denken sich nicht erkraften will, nicht in seiner Aktivität sich erfassen will, dann muß es sich anlehnen an das Instrument des Denkens, das Gehirn, dann bringt es überhaupt nur Gedanken hervor, die mit dem Instrument des Gehirns erfaßt werden, dann denkt der Mensch nicht aktiv, dann denkt er passiv.
[ 9 ] Both are aspects of healthy human thinking, which every soul can possess today. Thinking is present in every soul, but it can be used in two ways. First, in this way: a person can summon the strength within themselves, can form thoughts within themselves. Then this thinking, in its activity, is such that it fully accommodates everything, even the seemingly most daring assertions of spiritual research. But if this thinking refuses to draw strength from within, refuses to grasp itself in its activity, then it must rely on the instrument of thinking, the brain; then it produces only thoughts that are grasped by the instrument of the brain; then the person does not think actively, but passively.
[ 10 ] Wichtiger fast als jede andere — allerdings nicht für die unmittelbare Gegenwart, sondern für die Zukunft — ist die Einteilung in aktive Denker und passive Denker. Diejenigen, die etwas von selbständigem, innerlich freiem Denken in sich erkraften, die aktiv denken können, werden schon dutch den Trieb dieses Denkens herzugedrängt zu der geisteswissenschaftlichen Forschung. Diejenigen, die nicht tätig denken wollen, sondern nur in Abhängigkeit vom Gehirn, werden sagen, die anthroposophische Forschung ist Phantasterei, weil sie keinen Begriff haben von dem, was in einem freien Denken erfaßt werden kann, weil sie hingegeben sein wollen an das Instrument des Gehirns. So daß man sagen kann, daß sie nicht in sich selbst denken wollen, nur in sich für sich selber denken lassen.
[ 10 ] Almost more important than any other—though not for the immediate present, but for the future—is the distinction between active thinkers and passive thinkers. Those who are capable of independent, inwardly free thinking, who can think actively, are already drawn toward research in Spiritual Science by the impulse of this thinking. Those who do not wish to think actively, but only in dependence on the brain, will say that anthroposophical research is fantasy, because they have no concept of what can be grasped through free thinking, because they wish to be dependent on the instrument of the brain. So that one can say that they do not wish to think within themselves, but only to let thinking happen within them for their own sake.
[ 11 ] Gerade unter diesem Gesichtspunkte ist die Anhängerschaft, das Verhalten gegenüber der anthroposophischen Weltanschauung heute im Grunde genommen eine Sache der inneren Emsigkeit, des inneren Erkraftens oder der inneren Bequemlichkeit, der inneren Faulheit. Das Denken, das emsig sein will, sich innerlich erkraften will, das begreift die Ergebnisse der Geisteswissenschaft; das Denken, das sich der Krücke bedienen will, des Instruments, das bloß im Spiegelbild des Gehirns sich die Gedanken zum Bewußtsein bringen will, das ist bequem, das will in sich nur denken lassen, das wird die anthroposophische Forschung aus Bequemlichkeit ablehnen müssen. Und alle Philosophien und alle Schreibereien, welche in die Welt hinauslaufen und scheinbar wissenschaftlichen und geistvollen Charakter annehmen und sagen, daß man nicht begreifen könne, was anthroposophische Forschung zustande bringen kann, das beruht auf einer zunächst unbewußten, aber tief innerlichen Bequemlichkeit des menschlichen Denkens, das nicht aktiv werden, sondern passiv bleiben will. Bequem ist die Anhängerschaft zur anthroposophischen Weltanschauung nicht.
[ 11 ] Precisely from this perspective, one’s commitment to and attitude toward the anthroposophical worldview today is essentially a matter of inner diligence, inner effort, or inner complacency—inner laziness. Thinking that seeks to be active, that seeks to draw strength from within, comprehends the results of Spiritual Science; thinking that seeks to use a crutch, an instrument that merely brings thoughts to consciousness through the reflection of the brain—that is complacent; it seeks only to let itself be thought—and such thinking will have to reject anthroposophical research out of complacency. And all philosophies and all writings that are published and take on a seemingly scientific and intellectual character, claiming that one cannot comprehend what anthroposophical research can achieve—this is based on an initially unconscious but deeply inner complacency of human thinking that does not wish to become active but rather to remain passive. Adherence to the anthroposophical worldview is not a matter of convenience.
[ 12 ] Das ist im Grunde genommen die Wahrheit über die Sache. Und wenn Sie in Versammlungen kommen, die sich ja heute nicht mehr materialistisch nennen, die sich monistisch vielleicht nennen und die sich auslassen über die «Phantastereien» der Geisteswissenschaft, so liegt da manches andere zugrunde, als was in diesen Versammlungen gesprochen wird. Da liegt zugrunde das Unvermögen, zum aktiven Denken fortzuschreiten, da liegt ferner die Anmaßung zugrunde weil man selber sich nicht zum aktiven Denken aufraffen will —, die Bequemlichkeit des passiven Denkens zum obersten Grundsatz der menschlichen Forschung zu machen.
[ 12 ] That is, in essence, the truth of the matter. And when you attend gatherings that no longer call themselves materialistic—perhaps calling themselves monistic instead—and that speak disparagingly of the “fantasy” of Spiritual Science, there is something quite different underlying what is actually said in these gatherings. Underlying this is the inability to progress toward active thinking; furthermore, there is the presumption—because one does not want to summon the will for active thinking oneself—of making the comfort of passive thinking the supreme principle of human research.
[ 13 ] Bequemlichkeit im Gebrauch von Seelenkräften führt ja schon im gewöhnlichen Leben zuweilen zu etwas, was öfter zu beobachten ist. Wenn jemand sich diese oder jene Rede anhören will und zu bequem ist, mit den Ausführungen mitzugehen, schläft er nach und nach ein und verschläft dasjenige, was eigentlich in seiner Absicht war zu erfahren, vielleicht auch nicht in seiner Absicht war zu erfahren. Mit einem solchen Verschlafen eines notwendigen Entwickelungsimpulses der Menschheit wird man es zu tun haben bei allen denjenigen, die sich nicht aufraffen können zu einem aktiven Denken in der Gegenwart und der nächsten Zukunft. Verschlafen wird man ein Allerwichtigstes. Denn, wenn auch diese oder jene Menschen nichts davon wissen wollen, hinter dem, was sich abspielt in unserer Sinnenwelt, liegen die übersinnlichen Wesenskräfte, übersinnliche Vorgänge. Deshalb, weil ein Teil der Menschheit verschlafen will, was eigentlich geschieht, werden sich doch die übersinnlichen Vorgänge abspielen. Mit wichtigen übersinnlichen Vorgängen haben wir es in unserer gegenwättigen Epoche zu tun! Und alle sinnlichen Vorgänge sind die äußeren Ausgestaltungen von übersinnlichen Vorgängen. Wenn wir sozusagen den Schleier durchschauen, in welchem sich alle sinnlichen Vorgänge der Entwickelung unserer Epoche darbieten, dann kommen wir hinter diesen Schleier zu den übersinnlichen Vorgängen. Und um sie, die übersinnlichen Vorgänge, zu charakterisieren, die jetzt gerade wichtig sind, wollen wir uns daran erinnern, daß alles Leben im Weltenall auf einer sich steigernden Entwickelung beruht.
[ 13 ] In everyday life, taking the easy way out when using one’s spiritual powers sometimes leads to something that is frequently observed. When someone wants to listen to this or that speech but is too complacent to follow the presentation, they gradually fall asleep and miss what they actually intended to learn—and perhaps even what they did not intend to learn. We will have to deal with such a sleeping through of a necessary developmental impulse for humanity in all those who cannot bring themselves to engage in active thinking in the present and the near future. They will sleep through something of the utmost importance. For even if this or that person wants to know nothing of it, behind what is taking place in our sensory world lie the supersensible forces of being, supersensible processes. Therefore, because a part of humanity wishes to sleep through what is actually happening, the supersensible processes will unfold nonetheless. We are dealing with important supersensible processes in our present epoch! And all sensory processes are the outer manifestations of supersensible processes. If we, so to speak, look through the veil in which all sensory processes of our epoch’s development present themselves, then we come behind this veil to the supersensible processes. And to characterize these supersensible processes, which are particularly important right now, let us remember that all life in the universe is based on an ever-increasing development.
[ 14 ] Verfolgen wir den Entwickelungsweg des Menschen, so finden wir ihn zunächst, seiner ersten Anlage nach, in der alten Saturnzeit. Wir finden ihn dann mit einem neuen Element durchsetzt in der alten Sonnenzeit, noch weiter ausgebildet in der alten Mondenzeit und mit dem vierten Element, dem Ich, in der Erdenzeit. Und wir wissen ja, daß seine Seelenkräfte in der Jupiterzeit eine solche Gestaltung annehmen werden, daß er sich mit den Wesenheiten der Hierarchie der Angeloi vergleichen läßt.
[ 14 ] If we trace the course of human development, we first find humanity, in its earliest form, in the ancient Saturn era. We then find humanity interwoven with a new element in the ancient Sun era, further developed in the ancient Moon era, and endowed with the fourth element, the ego, in the Earth era. And we know, of course, that in the Jupiter era, the soul forces will take on such a form that humanity can be compared to the beings of the hierarchy of the Angeloi.
[ 15 ] So wie nun der Mensch in seiner Entwickelung fortschreitet und hinaufsteigt, so schreiten aber auch die anderen Wesenheiten der einzelnen Hierarchien von niederen Stufen zu höheren Stufen. Nicht nur die menschliche Hierarchie unterliegt einer solchen sich noch steigernden Entwickelung, sondern auch die über den Menschen stehenden Hierarchien.
[ 15 ] Just as human beings progress and ascend in their development, so too do the other beings of the individual hierarchies advance from lower to higher levels. It is not only the human hierarchy that is subject to such an ever-increasing development, but also the hierarchies that stand above humanity.
[ 16 ] Nehmen wir unter diesen Hierarchien die eine, zwei Stufen höherstehende als der Mensch, die Hierarchie der Archangeloi, der Erzengel. Nun habe ich schon gestern gesagt, man nimmt es heute im allgemeinen von mancher verständigen Seite nicht übel, wenn man vom Geist im allgemeinen redet. Wenn man aber eingeht auf Klassen, Ordnungen, Individuen, wie man es doch bei Pflanzen, Tieren und anderen Bereichen in der Naturwissenschaft tut, dann nimmt es der heutige Kulturmensch sehr übel. Dennoch muß man es, wenn man es im Konkreten mit der geistigen Welt zu tun haben will.
[ 16 ] Let us consider, among these hierarchies, the one that stands one or two levels higher than humanity: the hierarchy of the Archangeloi, the archangels. As I mentioned yesterday, today many reasonable people generally do not take offense when one speaks of the spirit in general terms. But if one goes into details about classes, orders, and individuals—as is done in natural science with plants, animals, and other realms—then modern civilized people take great offense. Nevertheless, one must do so if one wishes to deal concretely with the spiritual world.
[ 17 ] Wenn Sie jenen Vortragszyklus, den ich in Kristiania gehalten habe über die Entwickelung von Volksstämmen, in die Hand nehmen, so sehen Sie, daß die Entwickelung von Volksstämmen mit der Hierarchie der Erzengel zusammenhängt. Die aufeinanderfolgenden Epochen unterstehen den Urkräften, den Archai, den Geistern der Persönlichkeit.
[ 17 ] If you pick up the series of lectures I gave in Kristiania on the development of tribes, you will see that the development of tribes is connected with the hierarchy of the archangels. The successive epochs are governed by the primordial forces, the Archai, the spirits of personality.
[ 18 ] Wenn wir nun die wichtigsten Wesenheiten aus der Reihe der Archangeloi nehmen, so haben wir Namen, die uns auch sonst begegnen, die wir auch gebrauchen können wie andere Namen: Raphael, Gabriel, Michael und so weiter.
[ 18 ] If we now take the most important beings from the order of the Archangels, we have names that we encounter elsewhere as well, names that we can use just like any other: Raphael, Gabriel, Michael, and so on.
[ 19 ] Diese Wesenheiten können wir mit solchen Namen benennen, denn der Name ist ja gar nicht das Wesentliche. Wir benennen sie, wie wir eben andere Dinge auch mit Namen nennen. Sie spielen eine gewisse Rolle in dem, was wir als Tatsachen der übersinnlichen Entwickelung finden. Von dieser übersinnlichen Entwickelung ist aber unsere sinnliche Entwickelung abhängig.
[ 19 ] We can refer to these entities by such names, for the name is not the essential thing. We name them just as we name other things. They play a certain role in what we find to be the facts of supersensory development. Our sensory development, however, depends on this supersensory development.
[ 20 ] Wir können tatsächlich ganz gut geisteswissenschaftlich unterscheiden zwischen den einzelnen Wesenheiten aus der Hierarchie der Archangeloi. Nicht abstrakt durch bloßes Namen-Hinpfahlen, sondern wir können unterscheiden so, daß wir die hauptsächlichsten Kulturimpulse, die sich äußerlich in der sinnlichen Welt auf einem Fleck der Erde zum Beispiel in den ersten christlichen Jahrhunderten ergeben, von einer anderen Wesenheit beherrscht sehen als die, welche die hauptsächlichsten Kulturimpulse bei den leitenden Völkern, sagen wir im 12. und 13. Jahrhundert, beherrschte, und die, welche unsere Kulturentwickelung beherrscht.
[ 20 ] We can, in fact, quite effectively distinguish—from a Spiritual Science perspective—between the individual beings within the hierarchy of the Archangels. Not abstractly by merely listing names, but we can distinguish in such a way that we see the principal cultural impulses—which manifest externally in the sensory world in a particular part of the earth, for example during the first Christian centuries—as being governed by a different being than the one who governed the principal cultural impulses among the leading peoples, let us say in the 12th and 13th centuries, and the one that governs our cultural development.
[ 21 ] Bleiben wir zunächst bei dem, was für unsere Kulturentwickelung in Betracht kommt. Da haben wir deutlich zu unterscheiden zwischen dem Charakter desjenigen Zeitalters, das etwa im 15., 16. Jahrhundert begonnen hat, das seine hauptsächliche Signatur hat von dem Aufkommen der neuen Naturwissenschaften, das die Naturwissenschaften bis zu jener Größe gebracht hat, die uns im 19. Jahrhundert entgegentritt und die nicht genug bewundert werden kann.
[ 21 ] Let us first focus on what is relevant to the development of our culture. Here we must clearly distinguish between the character of the era that began around the 15th and 16th centuries—an era whose defining feature was the emergence of the new natural sciences, which brought the natural sciences to the level we encountered in the 19th century and which cannot be admired enough.
[ 22 ] Wenn man diese Jahrhunderte der naturwissenschaftlichen Arbeit der gesamten Menschheit ins Auge faßt, dann muß man sagen, sie ist geführt worden von gewissen Völkerschaften, die gelenkt wurden aus der übersinnlichen Welt heraus von einem ganz bestimmten Wesen aus der Hierarchie der Archangeloi, und dieses Wesen unterscheidet sich ganz genau von dem Wesen, das jetzt unsere beginnende geistige Kulturepoche von der übersinnlichen Welt aus leitet. Wenn man Namen, die im Abendland gebräuchlich geworden sind, für diese leitenden Wesenheiten aus der Hierarchie der Archangeloi geben will, kann man sagen: Seit der Christus-Zeit her waren verschiedene Wesenheiten leitend für die fortschreitende Kultur. Ohne auf diese Namen pochen zu wollen, will ich eben die Namen einer Reihe von Wesenheiten aus der Hierarchie der Erzengel aufzählen, wie man Namen von Menschen nennt, die an irgend etwas teilhaben auf dem physischen Plan, einer Reihe von Wesenheiten aus der Hierarchie der Archangeloi, die beherrscht haben die fortschreitende Kultur: Oriphiel, Anael, Zachariel, Raphael, Samael, Gabriel, Michael. “
[ 22 ] When one considers these centuries of scientific work by all of humanity, one must say that it has been guided by certain peoples who were directed from the supersensible world by a very specific being from the hierarchy of the Archangels, and this being differs precisely from the being who now guides our nascent spiritual cultural epoch from the supersensible world. If one wishes to give names, which have become customary in the West, to these guiding beings from the hierarchy of the Archangels, one can say: Since the time of Christ, various beings have been guiding the progress of culture. Without wishing to insist on these names, I would simply like to list the names of a series of beings from the hierarchy of the Archangels—just as one names human beings who participate in something on the physical plane—a series of beings from the hierarchy of the Archangels who have presided over the unfolding of culture: Oriphiel, Anael, Zachariel, Raphael, Samael, Gabriel, Michael. “
[ 23 ] Gabriel war der leitende Geist in derjenigen Kulturperiode, die eben abgelaufen ist für die geistige Welt mit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Denn in der Tat beginnt mit diesem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts — und dies wird immer mehr hervortreten — eine Epoche, in welcher ganz andere Einflüsse und Impulse aus der übersinnlichen Welt in die sinnliche hineinströmen. Während in der verflossenen Epoche die Menschenseelen vorzugsweise hingerichtet waren auf das, was die Sinne schauen, der Verstand begreifen kann, werden die Menschen der kommenden Zeit, welche die fortschreitende Entwickelung nicht verschlafen wollen, vorzugsweise zu beachten haben, wie immer mehr übersinnliche Weisheit und Erkenntnisse hereindringen werden aus den übersinnlichen Welten in die irdische sinnliche Entwickelung.
[ 23 ] Gabriel was the guiding spirit of the cultural period that has just come to an end for the spiritual world with the last third of the 19th century. For indeed, with this last third of the 19th century—and this will become increasingly apparent—an epoch begins in which entirely different influences and impulses from the supersensible world flow into the sensory world. Whereas in the past epoch human souls were primarily oriented toward what the senses perceive and the intellect can grasp, the people of the coming age—who do not wish to miss out on ongoing development—will need to pay particular attention to how ever more supersensible wisdom and insights will flow from the supersensible worlds into earthly sensory development.
[ 24 ] Wenn man äußerlich charakterisieren will, könnte man sagen: In der abgelaufenen Epoche hatten die übersinnlichen Wesen genug damit zu tun, die Inspirationen, die Intuitionen, die hereinfließen können aus den übersinnlichen Welten, möglichst abzuhalten von dem physischen Leben. Es hatten die Hierarchien damit zu tun, daß sie nicht hineinfließen konnten in die Seelen.
[ 24 ] If one were to describe it in external terms, one might say: During the past epoch, the supersensible beings had their hands full trying to keep the inspirations and intuitions that can flow in from the supersensible worlds as far away from physical life as possible. The hierarchies were concerned with ensuring that these influences could not flow into the souls.
[ 25 ] Von jetzt an werden die übersinnlichen Kräfte so gelenkt und geleitet von der übersinnlichen Welt aus, daß möglichst viele Inspirationen und Intuitionen hineinfließen können in die Menschenseele, so daß ein Wissen von Imagination, Inspiration, Intuition die Menschenseele wird ergreifen können. So bar allen inspirierten Wesens, aller Erkenntnisse des Geistigen das abgelaufene Zeitalter war, so erfüllt von inspiriertem, von intuitivem Wesen werden die wirklich lebendigen Kulturimpulse der folgenden Zeit sein.
[ 25 ] From now on, the supersensible forces will be directed and guided from the supersensible world in such a way that as many inspirations and intuitions as possible can flow into the human soul, so that a knowledge born of imagination, inspiration, and intuition may take hold of the human soul. Just as the past age was devoid of all inspired being and all spiritual insight, so the truly living cultural impulses of the coming age will be filled with inspired and intuitive being.
[ 26 ] Unmöglich wäre es gewesen, vor fünfzig Jahren dasjenige zu Menschen zu sprechen, was durch den notwendigen Gang der Weltenentwickelung heute zu Ihnen gesprochen werden kann, weil es damals unmöglich gewesen wäre, unmittelbar aus den geistigen Welten diese Dinge herunter zu bekommen. Das Tor ist erst jetzt geöffnet worden. Und wie die verflossenen Zeiten am günstigsten für die Verstandesentwickelung waren, so wird die nächste Zeit am günstigsten sein für die Entwickelung der Inspiration und Intuition.
[ 26 ] Fifty years ago, it would have been impossible to speak to people about what can be spoken to you today through the necessary course of world development, because at that time it would have been impossible to receive these things directly from the spiritual worlds. The gate has only now been opened. And just as past times were most favorable for the development of the intellect, so will the coming times be most favorable for the development of inspiration and intuition.
[ 27 ] Hart aneinander stoßen zwei Zeitalter: Eines, das abgeneigt war aller Inspiration, und eines, in dem zwar mächtige Kräfte mit allen Mitteln ankämpfen werden gegen alle Inspiration, in dem aber die Möglichkeit sein wird, die Inspiration aufzunehmen, sie zum Tonangebenden zu machen in den Menschenseelen.
[ 27 ] Two eras are in sharp conflict: one that was averse to all inspiration, and one in which, although powerful forces will fight against all inspiration by any means necessary, there will nevertheless be the possibility of embracing inspiration and making it the guiding force in human souls.
[ 28 ] Und wenn wir in die Sache weiter hineinschauen, so entdecken wir, daß die übersinnlichen Kräfte, die nicht unmittelbar hineinfließen konnten in die Menschenseelen im abgelaufenen Zeitalter, nicht etwa untätig waren. Das, was eine äußere Physiologie nicht konstatieren kann, ist doch Wahrheit: Im Zeitalter des Gabriel ist auch gearbeitet worden von der übersinnlichen Welt aus in die sinnliche hinein. Diese Arbeit ist geleistet worden am physischen Leib des Menschen. Innerhalb des Vorderhirns entstanden in dieser Zeit feine Strukturen, die nach und nach durch das Gabriel-Regiment in die menschliche Generation eingepflanzt worden sind, wodurch die Menschen zum großen Teil mit solchem Gehirn geboren werden, welches andere, feinere Strukturen hier am Vorderhirn hat, als es bei den Menschen des 12. und 13. Jahrhunderts noch der Fall war.
[ 28 ] And if we look more deeply into the matter, we discover that the supersensible forces, which could not flow directly into human souls in the past age, were by no means inactive. What external physiology cannot ascertain is nonetheless true: during the Age of Gabriel, work was also carried out from the supersensible world into the sensible world. This work was performed on the physical body of the human being. During this time, fine structures arose within the forebrain, which were gradually implanted into the human race through the Gabrielic regime, as a result of which people are now largely born with a brain that possesses different, finer structures here in the forebrain than was still the case with people in the 12th and 13th centuries.
[ 29 ] Das war die Aufgabe des Zeitalters, in dem die Menschen den Sinn lenkten auf das Physisch-Sinnliche, abgeschlossen waren gegen das Inspirierte, daß in die Leiblichkeit hinein sich die Impulse der übersinnlichen Welt ergossen und diese feine Struktur im Gehirn ausbildeten.
[ 29 ] This was the task of an age in which people focused their attention on the physical and sensory, closing themselves off from the inspired; it was an age in which the impulses of the supersensible world poured into the physical body and formed this fine structure in the brain.
[ 30 ] Und immer mehr und mehr wird diese Struktur da sein bei denen, die jetzt sich fähig fühlen werden, zum aktiven Denken und zum Verstehen der Geisteswissenschaft fortzuschreiten. Und dann werden in unserer Epoche, in derjenigen Epoche, an deren Anfang wir eigentlich erst stehen, die übersinnlichen Kräfte nicht verbraucht, um Strukturen im Gehirn zu bilden, sondern um unmittelbar in die Seelen einzufließen, durch Imagination und Inspiration zu wirken, einzufließen in die menschlichen Seelen. Das ist das Michael-Regiment.
[ 30 ] And this structure will become increasingly present in those who now feel capable of progressing toward active thinking and an understanding of Spiritual Science. And then, in our epoch—the epoch at the very beginning of which we actually stand—the supersensible forces will not be used to form structures in the brain, but to flow directly into the souls, to work through imagination and inspiration, to flow into the human souls. This is the Michael Regency.
[ 31 ] So unterscheiden sich zwei Wesenheiten in der Reihenfolge der Archangeloi dadurch, daß der eine, Gabriel, der geleitet hat den Menschen unmittelbar vor unserem Zeitalter, gearbeitet hat an der feineren Ausbildung des Gehirns, und daß derjenige, der nun beginnt zu arbeiten, nicht die Aufgabe hat, ein menschliches Organ umzugestalten, sondern einzupflanzen in die menschlichen Seelen Verständnis für die spirituelle Wissenschaft. So grenzen wir voneinander ab die Wesenheiten, welche der Hierarchie der Archangeloi angehören.
[ 31 ] Thus, two entities in the order of the Archangels differ in that one, Gabriel, who guided humanity immediately prior to our age, worked on the finer development of the brain, and that the one who is now beginning to work does not have the task of transforming a human organ, but rather of implanting an understanding of spiritual science into human souls. Thus we distinguish between the beings who belong to the hierarchy of the Archangels.
[ 32 ] An diesen zwei Beispielen versuchte ich, Ihnen gleichsam konkrete Eigenschaften, Charaktereigenschaften dieser beiden Wesenheiten hinzustellen. Nicht mit Namen wollen wir uns begnügen; denn, wie wir nichts wissen von einem Menschen, wenn wir nur wissen, daß er Müller heißt, so wissen wir auch nicht viel von Gabriel, wenn wir nur seinen Namen wissen. Aber dann wissen wir etwas von einem Menschen, wenn wir angeben können, er ist ein mitleidsvoller Mensch, er hat dies oder jenes getan. So wissen wir auch etwas von einer übersinnlichen Wesenheit, wenn wir sagen können, daß sie Kräfte einfließen ließ in den physischen Menschenleib, die Kräfte, die gewisse Strukturen im Vorderhirn haben entstehen lassen durch die menschliche Fortpflanzungskraft. Und wir charakterisieren den Geist, die Wesenheit, die auf ihn folgt, richtig, wenn wir aufweisen seine Tätigkeit im Erreichen des Verständnisses für die inspirierten, intuitiven Wahrheiten. Nicht so sehr für den Geistesforscher, den Initiierten selbst, sondern für diejenigen, die verstehen wollen die Geistesforschung, die zu aktivem Denken übergehen wollen, wirkt Michael, wenn die Kräfte des aktiven Denkens immer mehr in der Menschheit sich ansammeln in den folgenden Jahrhunderten.
[ 32 ] With these two examples, I have tried to present to you, as it were, the concrete characteristics—the traits of character—of these two beings. We must not be content with names alone; for just as we know nothing about a person if we know only that his name is Müller, so too we know little about Gabriel if we know only his name. But we do know something about a person when we can say that he is a compassionate person, that he has done this or that. In the same way, we also know something about a supersensible being when we can say that it has allowed forces to flow into the physical human body—forces that have given rise to certain structures in the forebrain through the human power of procreation. And we correctly characterize the spirit, the being that follows him, when we point to its activity in achieving an understanding of the inspired, intuitive truths. Michael works not so much for the spiritual researcher, the initiate himself, but for those who wish to understand spiritual research, who wish to move toward active thinking, as the forces of active thinking increasingly accumulate within humanity in the centuries to come.
[ 33 ] Dieser Übergang ist noch in anderer Beziehung ein wichtiger. Durch dasjenige, was da geschehen ist, bildet sich immer mehr eine Menschheit heran, die durch ihre Organisation in der Lage ist, gedächtnismäßig in zukünftigen Inkarnationen wirklich zurückzuschauen auf frühere Inkarnationen. Aber die Menschheit muß sich in diese Lage erst versetzen.
[ 33 ] This transition is significant in another respect as well. As a result of what has taken place, a humanity is gradually emerging that, through its organization, will be able to truly look back on past incarnations in future incarnations through its memory. But humanity must first bring itself into this position.
[ 34 ] Man kann sich nicht an etwas erinnern, an das man niemals gedacht hat. Wenn man abends gedankenlos seine Manschetten ausgezogen hat und gedankenlos die Knöpfe hinlegt, so kann man sie am andern Morgen nicht finden, weil man nicht daran gedacht hat. Wenn man den Gedanken gefaßt hat, sich das Bild der Umgebung von den Knöpfen, die man abgelegt hat, einzuprägen, wird man am nächsten Morgen schnurstracks zu dem Platze hingehen, wo man sie hingelegt hat.
[ 34 ] You cannot remember something you have never thought about. If you mindlessly unbutton your cuffs in the evening and mindlessly set the buttons aside, you won’t be able to find them the next morning because you didn’t think about them. If you have made a mental note to commit to memory the surroundings where you placed the cufflinks, you will go straight to the spot where you put them the next morning.
[ 35 ] So wie das für das gewöhnliche Leben gilt in bezug auf das Erinnerungsvermögen, so sollte es auch begriffen werden für den großen Horizont in bezug auf frühere Erdenleben. An das innerste Wesen der Seele müssen wir uns zuerst erinnern, an das, was wirklich hinübergeht in das Wesen der Seele. Aber dazu müssen wir dieses innerste Wesen zuerst erfaßt haben. Das können wir nur durch okkulte Schulung. Wenn man sich nicht bemüht hat, den Gedanken des Wesens der Seele zu haben in der früheren Inkarnation, so kann man sich auch nicht daran zurückerinnern, mag man noch so gut organisiert sein. Organisiert zur Rückerinnerung werden die Menschen sein, aber sie werden diese Organisation zunächst als Krankheit empfinden, als Nervosität, als einen furchtbaren Zustand, wenn sie sie nicht gebrauchen können. Denn sie werden organisiert sein, um sich zurückzuerinnern, aber sie haben nichts, woran sie sich erinnern können. Wenn der Mensch Eindrücke hat, die er nicht verwerten, Organe in sich hat, die er nicht gebrauchen kann, dann erkrankt er.
[ 35 ] Just as this applies to ordinary life with regard to memory, so too should it be understood in relation to the broader perspective of past earthly lives. We must first recall the innermost essence of the soul—that which truly carries over into the soul’s being. But to do that, we must first have grasped this innermost essence. We can only do this through occult training. If one has not made an effort to hold the idea of the soul’s essence in a previous incarnation, one cannot recall it, no matter how well organized one may be. People will be organized for recollection, but they will initially perceive this organization as an illness, as nervousness, as a terrible state, if they cannot make use of it. For they will be organized to recall, but they have nothing to recall. When a person has impressions they cannot utilize, organs within them that they cannot use, then they become ill.
[ 36 ] Dem gehen wir entgegen, daß die Menschen in den folgenden Zeitaltern dazu organisiert sein werden, sich zurückzuerinnern an frühere Erdenleben, daß aber nur diejenigen sich erinnern können, die etwas zum Erinnern haben, die also das Menschenseelenwesen in seiner Eigenart als Glied der geistigen Welt durch okkulte Schulung erkannt haben. In jedem Leben, das auf ein solches folgt, in dem man die Seele als Geistwesen erkannt hat, kommt die Rückerinnerung an frühere Erdenleben.
[ 36 ] We anticipate that in the coming ages, people will be able to recall their past lives on Earth; however, only those who have something to remember—that is, those who, through occult training, have come to recognize the human soul in its unique nature as a member of the spiritual world—will be able to do so. In every life that follows one in which the soul has been recognized as a spiritual being, the recollection of past lives returns.
[ 37 ] So stehen wir an einem wichtigen Wendepunkt. Geisteswissenschaft verstehen, heißt im Grunde nichts anderes, als ein Gefühl haben für diesen Wendepunkt in unserer Zeit.
[ 37 ] We are thus at an important turning point. Understanding Spiritual Science essentially means nothing other than having a sense of this turning point in our time.
[ 38 ] Nun sind nicht alle Wesenheiten, die der Hierarchie der Archangeloi angehören, gleich geartet, gleich im Rang. Wenn wir von der Hierarchie der Archangeloi sprechen, kann man sagen, die lösen sich zwar so ab, wie ich gesagt habe. Aber der höchste im Range, gleichsam der Oberste ist derjenige, der in unserem Zeitalter die Herrschaft zu führen beginnt, ist Michael. Er ist einer aus der Reihe der Archangeloi, aber er ist gewissermaßen der Fortgeschrittenste. Nun gibt es eine Entwickelung, und die Entwickelung umfaßt alle Wesen. Alle Wesen sind in einer sich steigernden Entwickelung, und wir leben in dem Zeitalter, wo Michael, der Oberste von der Natur der Archangeloi, übergeht in die Natur der Archai. Er wird allmählich übergehen in eine leitende Stellung, wird eine leitende Wesenheit, wird Zeitgeist, leitende Wesenheit für die ganze Menschheit.
[ 38 ] Now, not all beings belonging to the hierarchy of the Archangels are of the same nature or rank. When we speak of the hierarchy of the Archangels, one can say that they do indeed succeed one another as I have described. But the highest in rank, so to speak the Chief, is the one who is beginning to exercise dominion in our age: Michael. He is one of the Archangels, but he is, in a sense, the most advanced. Now there is a process of evolution, and this evolution encompasses all beings. All beings are in a process of increasing development, and we live in the age when Michael, the highest of the nature of the Archangels, is transitioning into the nature of the Archai. He will gradually transition into a leading position, will become a guiding being, will become the Zeitgeist, the guiding being for all humanity.
[ 39 ] Das ist das Bedeutsame, das ist das ungeheuer Wichtige unseres Zeitalters, daß wir begreifen, daß das, was in allen vorhergehenden Epochen noch nicht da war, für die ganze Menschheit nicht da war, nun sein kann, werden muß ein Gut für die ganze Menschheit. Was bisher bei einzelnen Völkern auftrat — spirituelle Vertiefung —, kann nun etwas sein für die gesamte Menschheit.
[ 39 ] This is what is significant, this is what is immensely important about our age: that we realize that what did not yet exist in all previous epochs—what was not there for all of humanity—can now, and must, become a benefit for all of humanity. What has hitherto occurred among individual peoples—spiritual deepening—can now be something for all of humanity.
[ 40 ] Und wenn wir so hinweisen auf dasjenige, was hinter der Sinnenwelt geschieht, so können wir auch hinweisen auf das, was sich in der Sinnenwelt abspielt als ein äußerer Ausdruck dessen, was eben geschildert worden ist: daß gleichsam eine Erhöhung des Erzengels Michael sich abspielt hinter der sinnlichen Welt.
[ 40 ] And when we point to what is happening behind the sensory world, we can also point to what is taking place within the sensory world as an outward expression of what has just been described: that, as it were, an exaltation of the Archangel Michael is taking place behind the sensory world.
[ 41 ] Bisher hat der Mensch eine Persönlichkeit sein können; in Zukunft wird er auch eine Persönlichkeit sein können, aber in einer anderen Weise als es bis in unser Zeitalter möglich gewesen ist. Der Mensch hat gewissermaßen immer teilgenommen an den übersinnlichen Welten, hat es wenigstens können mit seinem Seelenleben. Aber die persönliche Note, die persönliche Färbung, die der Mensch dargelebt hat in dieser Sinnenwelt, kam nicht von oben herunter, sondern von unten herauf, sie kam von Luzifer. Luzifer hat die Persönlichkeit gemacht. Daher konnte man bisher sagen: Der Mensch kann mit seiner Persönlichkeit nicht eindringen in die übersinnliche Welt, kann seine Persönlichkeit nicht hineinbringen in die geistige Welt, er muß seine Persönlichkeit auslöschen, sonst verunreinigt er die geistige Welt.
[ 41 ] Until now, human beings have been able to have a personality; in the future, they will still be able to have a personality, but in a different way than has been possible up to our time. In a sense, human beings have always participated in the supersensible worlds, or at least have been able to do so through their soul life. But the personal touch, the personal coloring that human beings have lived out in this sensory world did not come down from above, but rose up from below; it came from Lucifer. Lucifer created the personality. That is why it has been said until now: Human beings cannot penetrate the supersensible world with their personality; they cannot bring their personality into the spiritual world; they must extinguish their personality, otherwise they defile the spiritual world.
[ 42 ] In Zukunft obliegt dem Menschen, daß er die Persönlichkeit inspiriert werden läßt von oben, auf daß sie aufnehmen könne, was da ausfließen soll aus der geistigen Welt. Ihre Note bekommt die Persönlichkeit durch das, was sie an spirituellen Erkenntnissen aufzunehmen vermag, die Persönlichkeit wird etwas ganz anderes werden in zukünftigen Zeiten. Gewissermaßen durch das, wodurch er abgewichen ist vom Geistigen, was ihm von dem Leibe aufgedrückt wird, war der Mensch früher eine Persönlichkeit, in Zukunft wird er eine Persönlichkeit sein müssen durch dasjenige, was er aus der spirituellen Welt in sich zu verarbeiten, in sich aufzunehmen vermag.
[ 42 ] In the future, it will be up to human beings to allow their personalities to be inspired from above, so that they may receive what is to flow forth from the spiritual world. The personality derives its character from the spiritual insights it is able to absorb; in times to come, the personality will become something entirely different. In a sense, because of the way in which human beings have strayed from the spiritual—which is imposed upon them by the body—they were once a personality; in the future, they will have to become a personality through that which they are able to process and absorb within themselves from the spiritual world.
[ 43 ] Durch ihr Blut, durch ihr Temperament, durch mancherlei, was von unten kam, waren in der Vergangenheit die Menschen eben Persönlichkeiten, und in diese Persönlichkeiten strahlten unpersönliche Elemente aus dem Übersinnlichen hinein. Durch Temperament, durch Blut und so weiter wird man immer weniger und weniger Persönlichkeit sein können in der Zukunft. Aber man wird es sein können durch seine Teilnahme an der übersinnlichen Welt. Bis in den Charakter herein wird fließen das, was die übersinnlichen Impulse enthalten. Das wird bewirken der Impuls des Michael, der eben in die menschliche Seele hineinleitet das Verständnis für das spirituelle Leben. Die Menschen mit ausgesprochenem Persönlichkeitscharakter werden diesen Persönlichkeitscharakter davon haben in Zukunft, daß sie dieses oder jenes ausdrücken werden durch Verständnis der übersinnlichen Welten. Die Alexanders, Cäsars, Napoleons gehören der Vergangenheit an. In sie floß gewiß das übersinnliche Element hinein, doch die hohe persönliche Färbung haben sie durch das, was sie erhalten haben von unten herauf. Die Menschen, die Persönlichkeiten sind durch die Art, wie sie die geistige Welt in die sinnliche hineintragen, die Menschen, die von der Seele aus Persönlichkeit in die Menschheit tragen, das werden die Persönlichkeiten sein, welche die Alexanders, Cäsars, Napoleons ablösen werden. Die Stärke der Menschentaten in der Zukunft wird sich ergeben aus der Stärke des geistigen Einschlags, der in diese Menschentaten hineinfließen wird.
[ 43 ] In the past, people were indeed personalities—shaped by their blood, their temperament, and various factors arising from the physical realm—and impersonal elements from the supersensible world radiated into these personalities. In the future, however, one will be able to be a personality less and less through temperament, blood, and so on. But one will be able to be so through one’s participation in the supersensible world. What the supersensible impulses contain will flow right into the character. This will be brought about by the impulse of Michael, which instills in the human soul an understanding of spiritual life. People with a pronounced personality character will derive this character in the future from the fact that they will express this or that through an understanding of the supersensible worlds. The Alexanders, Caesars, and Napoleons belong to the past. The supersensible element certainly flowed into them, yet they derived their high personal character from what they received from below. The people who are personalities through the way they carry the spiritual world into the sensory world—the people who carry personality into humanity from the soul—these will be the personalities who will succeed the Alexanders, Caesars, and Napoleons. The strength of human deeds in the future will arise from the strength of the spiritual influence that will flow into these human deeds.
[ 44 ] Dieses alles gehört zu dem, was das Bedeutsame des Übergangs von einer Epoche zur anderen ist. Aber was eben den bedeutungsvollsten Übergang charakterisiert, ist der Übergang von der Epoche des Gabriel zu der Epoche des Michael in unserer Entwickelungsepoche.
[ 44 ] All of this is part of what makes the transition from one epoch to another so significant. But what characterizes the most significant transition of all is the transition from the Gabriel epoch to the Michael epoch in our current epoch of development.
[ 45 ] Wir können auch mit dem gesunden Menschenverstand uns durchaus ein Verständnis aneignen dessen, was heute gesagt ist, wenn wir nur vorurteilsfrei genug sind, in unsere Zeit hineinzuschauen und zu sehen, wie aneinanderstoßen die zwei Möglichkeiten noch bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts.
[ 45 ] We can certainly use common sense to gain an understanding of what has been said today, provided we are open-minded enough to look at our own era and see how these two possibilities continued to clash well into the last third of the 19th century.
[ 46 ] Die erste Möglichkeit ist, aus der Naturwissenschaft heraus Weltanschauung zu bauen. Heute ist das veraltet, etwas Antiquiertes, liegt nicht mehr im Charakter des Zeitalters. Die Menschen machen es noch, weil sie eben noch das forttragen, was aus dem Alten kommt. Im Charakter des Zeitalters liegt es, aus den Inspirationen der geistigen Welt und aus deren Verständnis heraus Weltanschauung zu zimmern. Das müssen wir als ein Gefühl, als eine Empfindung in unserer Seele aufnehmen, dann lernen wir wissen, was anthroposophische Weltanschauung für die einzelnen Seelen bedeutet, lernen empfinden, was Entwickelung für die Menschheit ist. Teilnehmer dürfen wir sein an Bedeutungsvollem.
[ 46 ] The first approach is to construct a worldview based on the natural sciences. Today, this is outdated, somewhat antiquated, and no longer in keeping with the spirit of the age. People still do it because they are simply carrying on what comes from the past. It is in the spirit of the age to craft a worldview from the inspirations of the spiritual world and from an understanding of it. We must take this in as a feeling, as a sensation in our souls; then we will come to know what the anthroposophical worldview means for individual souls, and learn to sense what evolution means for humanity. We are permitted to be participants in something meaningful.
[ 47 ] Und nun erinnere ich Sie an etwas, was ich eingeflochten habe in die Vorträge, die ich das letzte Mal hier gehalten habe, in die Vorträge von der Veränderung der Funktion des Buddha. Hier ist auch der Punkt, wo in der nächsten Betrachtung an die heutige angeknüpft
[ 47 ] And now I would like to remind you of something I wove into the lectures I gave here last time—the lectures on the transformation of the Buddha’s function. This is also the point where the next reflection will build on today’s discussion
[ 48 ] werden soll. Gewissermaßen mit einer Frage möchte ich die heutigen Betrach tungen abschließen, mit der Frage, die sich in jeder Seele erheben kann, und die uns von Wichtigem, das heute betrachtet wurde, zu noch Wichtigerem führen wird.
[ 48 ] should be. I would like to conclude today’s reflections with a question of sorts—a question that may arise in every soul and that will lead us from the important matters considered today to something even more important.
[ 49 ] Wenn eine Erhöhung des Michael stattgefunden hat, wenn er zum leitenden Geist der abendländischen Kultur geworden ist, wer tritt an seine Stelle? Der Platz muß ausgefüllt werden. Jede Seele muß sich sagen: also muß auch ein Engel eine Erhöhung, ein Aufrücken erfahren haben, muß eintreten in die Reihe der Archangeloi. Wer ist das?
[ 49 ] If Michael has been promoted, if he has become the guiding spirit of Western culture, who will take his place? The vacancy must be filled. Every soul must ask itself: so an angel, too, must have been promoted, must have been elevated, must have entered the ranks of the Archangels. Who is it?
[ 50 ] Mit dieser Frage will ich abschließen, um hinüberzuleiten in noch wichtigere Betrachtungen, die uns übermorgen beschäftigen sollen.
[ 50 ] I will conclude with this question in order to move on to even more important considerations that we will address the day after tomorrow.
[ 51 ] Heute wollte ich vor Ihre Seele stellen die wichtigste Charakteristik des Übergangs: die Tatsache, daß die Seelen, die sich dazu aufraffen können, Verständnis finden können für übersinnliche Wahrheiten. Denn so wollen es die hinter der Menschheit stehenden, die Mensch heitsevolution leitenden Weltenmächte. Und das Abbild in der Sinnenwelt ist, daß die Persönlichkeit eine völlig andere Nuance annimmt. Während im verflossenen Zeitalter der Persönlichkeit die Färbung gegeben hat von unten her Temperament und Blut, wird in Zukunft tonangebend werden für die Persönlichkeit des neuen Zeitalters das Element des spirituellen Verständnisses. Das wird das tonangebende Element sein.
[ 51 ] Today I wanted to present to your soul the most important characteristic of this transition: the fact that souls who are able to summon the will to do so can come to understand supersensible truths. For this is the will of the world powers that stand behind humanity and guide human evolution. And the reflection of this in the sensory world is that the personality takes on a completely different nuance. Whereas in the past age the personality was colored from below by temperament and blood, in the future the element of spiritual understanding will set the tone for the personality of the new age. That will be the dominant element.
[ 52 ] Wichtig ist, dies zu verstehen, noch wichtiger ist, dies zu erfühlen.
[ 52 ] It is important to understand this, but it is even more important to feel it.
[ 53 ] Von diesem Punkt werden wir übermorgen zu einer bedeutsamen Betrachtung, die in jede einzelne unserer Seelen eindringen kann, übergehen.
[ 53 ] From this point, the day after tomorrow we will move on to a profound reflection that can penetrate each and every one of our souls.
