Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Precursors to the Mystery of Golgotha
GA 152

20 May 1913, Stuttgart

Translate the original German text into any language:

4. Der Michael-Impuls und das Mysterium Von Golgatha II

4. The Michael Impulse and the Mystery of Golgotha II

[ 1 ] Wir haben uns bemüht, das ein wenig zu beleuchten, was aus der Weltgesetzmäßigkeit heraus der Charakter unseres gegenwärtigen Zeitalters ist, und wir sollten nicht vorübergehen an einer solchen Charakteristik unseres Zeitalters. Denn wenn wir reden von den geistigen Kräften, von den geistigen Impulsen eines Zeitalters, so sind das diejenigen Kräfte, diejenigen Impulse, welche in jeder einzelnen unserer Seelen drinnen wirken. Und wir können nicht mit unseren Seelen zurechtkommen, wenn wir uns nicht zu stellen vermögen zu diesen Kräften, zu diesen Impulsen unseres Zeitalters, die nun einmal zugleich die geistigen Kräfte und Impulse unserer eigenen Seele sind.

[ 1 ] We have endeavored to shed some light on what, according to the laws of the universe, constitutes the character of our present age, and we should not overlook such a characterization of our age. For when we speak of the spiritual forces, of the spiritual impulses of an age, these are the very forces and impulses that are at work within each and every one of our souls. And we cannot come to terms with our souls unless we are able to face these forces, these impulses of our age, which are, after all, at the same time the spiritual forces and impulses of our own soul.

[ 2 ] Es ist durchaus wahr, daß — wie sich auch der einzelne unter Ihnen zurechtlegt, warum er dieses oder jenes in der Geisteswissenschaft glaubt — in den Seelen derjenigen, welche aufrichtig und ehrlich zur Geisteswissenschaft kommen, vielleicht unbewußt das Gefühl, der Trieb lebt, der da kommt von den echten, wahren spirituellen Impulsen unserer Zeit.

[ 2 ] It is certainly true that—regardless of how each of you individually justifies why you believe this or that in Spiritual Science—in the souls of those who approach Spiritual Science sincerely and honestly, there lives, perhaps unconsciously, a feeling, an impulse that arises from the genuine, true spiritual impulses of our time.

[ 3 ] Ich habe Ihnen vorgestern zu charakterisieren versucht, daß wir gegenwärtig leben in dem, was man das Michael-Zeitalter nennen kann. Das Verständnis für spirituelle Dinge wird immer mehr und mehr Seelen möglich werden. Während die letzten Jahrhunderte so abliefen, daß vor allen Dingen Verständnis möglich wurde für Dinge des äußeren Naturwissens, für physikalische, chemische, physiologische Gesetze, für alles, was sich auf den äußeren Raum und die Zeit bezieht, während in dem Gabriel-Zeitalter in den Seelen Verständnis erweckt wurde für das, was in den Naturwissenschaften von Triumph zu Triumph zog und die Seele hinneigte zum naturwissenschaftlichen Verständnis der Welt, gehen wir einem Zeitalter entgegen, wo es ebenso möglich sein wird, das Spirituelle zu verstehen.

[ 3 ] The day before yesterday, I tried to explain to you that we are currently living in what might be called the Michael Age. An understanding of spiritual matters will become possible for more and more souls. While the past centuries unfolded in such a way that, above all, an understanding became possible of matters pertaining to external natural science—of physical, chemical, and physiological laws— for everything related to external space and time—and while in the Gabriel Age an understanding was awakened in souls for what was achieving triumph after triumph in the natural sciences, and the soul was inclined toward a scientific understanding of the world—we are now moving toward an age in which it will be just as possible to understand the spiritual.

[ 4 ] Noch niemals eigentlich in der Entwickelung der Menschheit waren zwei aufeinanderfolgende Zeitalter so radikal verschieden, wie das eben abgelaufene und das, in das wir hineingehen. Und fremder sein als jemals werden die Seelen, die zum Spirituellen neigen, den Seelen, die noch festhalten an dem, was die vergangenen Jahrhunderte brachten. Und nicht lange wird es dauern, daß diejenigen, welche auf dem Boden des materialistischen Monismus zu stehen glauben, vollständig unzeitgemäß sein werden gegenüber jenen Seelen, die mit Sehnsucht suchen werden nach einem Verständnis der übersinnlichen Welten. Denn seit dem letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts hat sich eine geistige Flutwelle aus den höheren Welten in unsere Welt hinein eröffnet, und deshalb ist es möglich geworden, Verständnis zu erhalten für das, was spirituell die Menschheits- und Weltenevolution leitet. Vor nahezu zwei Jahrtausenden geschah ja das Ereignis, das Ihnen allen bekannt ist unter dem Namen des Mysteriums von Golgatha, und oftmals ist auch hier darüber gesprochen und von den verschiedensten Seiten her beleuchtet worden dieses Mysterium von Golgatha als der große Schwerpunkt der Menschheitsentwickelung. Und klar hat es wohl werden können, daß ohne Berührung irgendeines konfessionellen Standpunktes, sondern rein aus der Geisteswissenschaft heraus, das Verständnis für dieses Ereignis möglich ist, so daß man Verständnis erwarten kann von jeder konfessionellen Strömung der Gegenwart. Auch über die Gründe, warum die einen oder anderen das ChristusEreignis nicht als den großen Schwerpunkt der Menschheitsevolution annehmen wollen, ist ausführlich gesprochen worden. Aber wir sollen auch so etwas wohl mit der Seele betrachten, wovon ja auch gestern im öffentlichen Vortrag hat gesprochen werden können. Es könnte sein, daß irgend jemand aus einem Vorurteil heraus nichts wissen wollte von dem, was in einem kleinen Lande zu Beginn unseres Zeitalters sich abgespielt hat, es könnte das ja sein, daß irgend jemand sich nicht kümmern wollte um dasjenige, was wir das Mysterium von Golgatha nennen. Gut, wir wollen sogar annehmen, es würde einer Seele natürlich sein, auch den geschichtlichen Verlauf so zu denken, daß auszustreichen wäre, was geschehen ist auf Golgatha. Nehmen wir das hypothetisch an. Wenn diese Seele die Menschheitsentwickelung betrachtet, so würde sie doch etwas finden, was dieses Zeitalter besonders charakterisiert. Davon wurde gestern gesprochen. Es ist in jener Epoche vor dem Mysterium von Golgatha der Übergang von einer Stellung der Menschenseele zur Umwelt in äußerlicher Weise, und der nachherigen Stellung der Seele zu ihrer eigenen Innerlichkeit vorhanden, ganz abgesehen von dem Mysterium von Golgatha. In dem Zeitpunkt, in den das Mysterium von Golgatha hineingestellt ist, fand dieser große Übergang der Menschheit statt von einem Leben in der äußeren Umgebung zu der Verinnerlichung. Und jeder kann das fühlen, auch wenn er absieht von dem Mysterium von Golgatha.

[ 4 ] Never before in the history of humanity have two successive eras been as radically different as the one that has just passed and the one into which we are now entering. And the souls who are drawn to the spiritual will be more alien than ever to those who still cling to what the past centuries have brought. And it will not be long before those who believe they stand on the ground of materialistic monism will be completely out of step with those souls who will longingly seek an understanding of the supersensory worlds. For since the last third of the previous century, a spiritual tidal wave from the higher worlds has opened up into our world, and therefore it has become possible to gain an understanding of what spiritually guides the evolution of humanity and the worlds. Nearly two millennia ago, the event took place that is known to all of you as the Mystery of Golgotha, and this Mystery of Golgotha has often been discussed here and examined from various perspectives as the great focal point of human development. And it has surely become clear that an understanding of this event is possible without touching upon any denominational standpoint, but purely from the perspective of Spiritual Science, so that one can expect understanding from every denominational current of the present day. The reasons why some people do not wish to accept the Christ event as the great focal point of human evolution have also been discussed at length. But we should also consider such matters with our souls, as was also discussed yesterday in the public lecture. It could be that someone, out of prejudice, wanted to know nothing of what took place in a small country at the beginning of our era; it could well be that someone did not want to concern themselves with what we call the Mystery of Golgotha. Well, let us even assume that it would be natural for a soul to conceive of the course of history in such a way that what happened on Golgotha would be omitted. Let us assume this hypothetically. If this soul were to consider the development of humanity, it would still find something that particularly characterizes this age. This was discussed yesterday. In that epoch prior to the Mystery of Golgotha, there is a transition from the human soul’s external relationship to the environment to its subsequent relationship to its own inner life, quite apart from the Mystery of Golgotha. At the point in time when the Mystery of Golgotha is situated, this great transition of humanity took place from a life in the external environment to innerization. And everyone can sense this, even if they disregard the Mystery of Golgotha.

[ 5 ] Die Menschheit ist in diesem Zeitpunkt an einem Wendepunkt. Man braucht gar nicht einmal von dem Mysterium von Golgatha zu sprechen, sondern man kann die anderen Ereignisse nehmen, und sie werden zeigen, daß vorher die Menschheit in einer Veräußerlichung gelebt hat, daß aber nachher in einer Verinnerlichung zu leben beginnen die Menschen, die von dem Impuls der Zeit, von ihrem Genius durchzogen werden. |

[ 5 ] Humanity is currently at a turning point. One need not even speak of the Mystery of Golgotha; rather, one can consider other events, and they will show that previously humanity lived in a state of externalization, but that thereafter, those who are imbued with the impulse of the age, with its genius, will begin to live in a state of internalization. |

[ 6 ] Aber wenn so etwas geschieht, geschieht es in der Weise, daß es vorher vorbereitet wird. Ich will den trivialen Ausspruch nicht gebrauchen: Die Natur oder die Geschichte mache keinen Sprung. Der Ausdruck hat nur in gewissen Grenzen Berechtigung, denn vorbereitet — ist es nicht dennoch sprunghafte Entwickelung? — wird ja auch die Blüte in den grünen Blättern schon. So wurde auch vorbereitet dasjenige, was wie ein Einschnitt in der MenschheitsentwickeJung sich ausnimmt zur Zeit des Mysteriums von Golgatha. Und wir können nicht nur finden, wenn wir uns vertiefen in dasjenige, was uns als Lehre, als Anschauung entgegentritt in den letzten Jahrhunderten des althebräischen Altertums, wir können nicht nur einen Geist dort finden — allerdings einen eigenen Geist — der Vorbereitung für das Mysterium von Golgatha, sondern wir können einen solchen Geist der Vorbereitung auch in anderen Gegenden der Erde finden.

[ 6 ] But when something like this happens, it happens in such a way that it is prepared in advance. I do not wish to resort to the trite saying: Nature or history does not make leaps. The expression is only valid within certain limits, for even if it is prepared—is it not still a leap in development?—the blossom is already prepared within the green leaves. In the same way, what appears as a turning point in human development at the time of the Mystery of Golgotha was also prepared. And when we delve into what confronts us as teaching and insight in the final centuries of ancient Hebrew antiquity, we can find not only a spirit there—albeit a distinct spirit—of preparation for the Mystery of Golgotha, but we can also find such a spirit of preparation in other regions of the earth.

[ 7 ] Für den Geist des Hebräertums war es ja so, daß er Einschläge ganz anderer Art zeigt, als früher da waren. Eine ganz andere Art der Weltbetrachtung setzt ein im 6. Jahrhundert vor dem Mysterium von Golgatha, eine ganz neue Epoche gegenüber dem, was im hebräischen Geistesleben früher da war. Das enthüllt sich dem genau betrachtenden Blicke sehr klar. Und wenn es hier auch in anderer Art hervortritt, weil das althebräische Volk allerdings ja anders geartet war, so ist es doch derselbe Geist, der nur einen anderen Ausdruck bekommt; es ist der Geist, der in der griechischen Philosophie, ja selbst in der griechischen Dichtkunst herrscht in den letzten Jahrhunderten vor dem Mysterium von Golgatha. Überall finden wir das. Man braucht nur ernsthaft Geister wie Plato und Aristoteles, ja sogar Sokrates zu betrachten, um zu sehen, daß dieser Wendepunkt überall vorbereitet wird.

[ 7 ] The spirit of Hebraism, after all, exhibited influences of a completely different nature than those that had existed previously. A wholly different way of viewing the world began in the 6th century before the Mystery of Golgotha, marking a completely new epoch in contrast to what had previously existed in Hebrew spiritual life. This becomes very clear to the careful observer. And even if it manifests itself here in a different way—because the ancient Hebrew people were, of course, of a different nature—it is still the same spirit, merely taking on a different form; it is the spirit that prevailed in Greek philosophy, and indeed in Greek poetry, in the centuries leading up to the Mystery of Golgotha. We find this everywhere. One need only seriously consider thinkers such as Plato and Aristotle, indeed even Socrates, to see that this turning point is being prepared everywhere.

[ 8 ] Nun werden solche Ereignisse, die hier auf Erden geschehen, gelenkt und geleitet von der übersinnlichen Welt aus. Bevor dieser Einschlag geschah in das physische Erdenleben, den wir als das Ereignis von Golgatha bezeichnen, schickte die frühere Leitung der Evolution einen Sendboten aus — dazumal noch einen Sendboten Jahves —, um diesen Einschlag vorzubereiten. Es war derjenige Geist, der die Kulturepoche vorbereitet hat bis zum Mysterium von Golgatha hin, derselbe Geist, der der Leiter unserer eben anbrechenden Kulturepoche ist, der Geist, den wir Michael genannt haben. Wie Michael den Charakter gibt unserer Zeit, so gab er den Charakter der ganzen Kultur, die das Mysterium von Golgatha vorbereitete. Nur war die Macht, die aus höheren Welten diesen Michael sandte, in jener Zeit Jahve oder Jehova.

[ 8 ] Now, such events that take place here on Earth are guided and directed from the supersensible world. Before this intervention into physical earthly life—which we call the event of Golgotha—took place, the former leadership of evolution sent a messenger—at that time still a messenger of Yahweh—to prepare for this intervention. It was the same Spirit who prepared the cultural epoch leading up to the Mystery of Golgotha, the same Spirit who is the leader of our newly dawning cultural epoch, the Spirit we have called Michael. Just as Michael gives the character to our time, so he gave the character to the entire culture that prepared the Mystery of Golgotha. Only, the power that sent this Michael from higher worlds was, in that time, Yahweh or Jehovah.

[ 9 ] In jener Zeit war es nicht so wie in unserer Zeit, wo so leicht einem eingewendet wird, wenn man von geistigen Dingen spricht: Du sprichst viel von Volksgeist oder Zeitgeist oder sonst von geistigen Tatsachen, aber du redest so wenig von Gott. — Die Leute merken nicht, warum man nicht von Gott redet: weil kein menschlicher Begriff wirklich umfassen kann dasjenige, in dem wir leben, weben und sind. Auch hierin existieren Anschauungen, die zum Teil sehr interessant sind. Als ich in einer Stadt jüngst einen öffentlichen Vortrag hielt und, wie das so üblich geworden ist, Fragen zum Beantworten aufgegeben wurden, stellte ein Mensch eine sehr kluge Frage. Er fragte nämlich: Ja, wenn man doch logischerweise einen Gegenstand dadurch erkennt, daß man ihn als Objekt anschaut, dadurch, daß man ihm gegenübertteten kann — wenn wir ein objektives Bild von einem Gegenstand, den wir in uns haben, wie den Augapfel, nicht haben können aus dem Grunde, weil wir ihn nicht anschauen können —, wie verhält es sich dann mit der Behauptung mancher Mystiker, daß man von Gott abrücken müsse, um ihn als Objekt betrachten zu können?

[ 9 ] In those days, things were not as they are today, when people are so quick to object when one speaks of spiritual matters: “You talk a lot about the national spirit or the spirit of the times or other spiritual realities, but you say so little about God.” — People don’t realize why one doesn’t speak of God: because no human concept can truly encompass that in which we live, move, and have our being. Here, too, there are views that are, in part, very interesting. When I recently gave a public lecture in a city and, as has become customary, questions were taken for answers, one person asked a very clever question. He asked, namely: “Yes, but logically speaking, one recognizes an object by viewing it as an object, by being able to stand opposite it—if we cannot have an objective image of an object that we possess within ourselves, such as the eyeball, for the reason that we cannot look at it—what then of the assertion made by some mystics that one must detach oneself from God in order to be able to regard Him as an object?

[ 10 ] Gewiß haben manche Mystiker die Behauptung aufgestellt, man müsse von Gott abrücken, um sich ihm gegenüberzustellen. Die Frage war klug, aber sie muß nur so beantwortet werden, daß man sagt: Du magst von Gott abrücken soviel du willst, aber du bleibst doch in dem Gott drinnen, du kannst nicht aus dem Gott heraus. — Manche Logik ist recht logisch, aber sie ist auch sehr kurzlogisch.

[ 10 ] Certainly, some mystics have claimed that one must distance oneself from God in order to confront Him. The question was clever, but it can only be answered by saying: You may distance yourself from God as much as you like, but you remain within God; you cannot step outside of God. — Some logic is quite logical, but it is also very short-sighted.

[ 11 ] In den Zeiten, wo die Menschen dem Geistigen noch näher standen, da hatte man noch ein Gefühl der Ehrerbietung für das Göttliche, in dem wir leben und weben und sind, das nicht immer mit Namen benannt werden soll, und deshalb bediente sich das althebräische Altertum, um den Namen nicht auszusprechen, des Ausdrucks: «Das Angesicht Jahves.» Angesicht ist beim Menschen dasjenige, was er nach außen wendet, wodurch er sich offenbart. Es ist nicht das Ganze des Menschen. Man erkennt ihn nach seiner Innerlichkeit an den Zügen des Antlitzes, aber man vermißt sich doch deshalb nicht, von dem ganzen Menschen zu sprechen, wenn man sein Angesicht meint.

[ 11 ] In times when people were still closer to the spiritual realm, there was still a sense of reverence for the Divine in which we live and move and have our being—a Divine that should not always be named—and therefore, to avoid uttering the name, ancient Hebrew tradition used the expression: “The face of Yahweh.” For human beings, the face is that which they turn outward, through which they reveal themselves. It is not the whole of the human being. One recognizes their inner nature in the features of their face, but one does not therefore fail to speak of the whole person when referring to their face.

[ 12 ] Deshalb nannte man damals Michael «das Angesicht Jahves», nannte viel lieber den Stellvertreter, durch den sich, wie in einem der Menschheit zugewendeten Antlitz, Jahve oder Jehova der Menschheit kundgab. Man nannte auch in vertrauten Kreisen viel lieber den Stellvertreter, als daß man von Jahve selbst sprach. Michael wurde eben damals als der geistige Regent des Zeitalters betrachtet, als der Sendbote Jahves, als derjenige Hierarch, von dem ausstrahlte in der damaligen Zeit, was als Impuls kommen sollte, um das Ereignis von Golgatha vorzubereiten.

[ 12 ] That is why Michael was called “the face of Yahweh” at that time; people much preferred to refer to the representative through whom, like a face turned toward humanity, Yahweh or Jehovah revealed himself to mankind. Even in intimate circles, people much preferred to speak of the representative rather than of Yahweh himself. Michael was regarded at that time as the spiritual ruler of the age, as Yahweh’s messenger, as the hierarch from whom radiated, in those days, what was to come as an impulse to prepare for the event at Golgotha.

[ 13 ] Nun, in der Zwischenzeit haben andere Wesenheiten aus der Reihe der Archangeloi die Führung der geistigen Menschheitsevolution gehabt. Und das Wesen, das die Führung hatte, als vorbereitet werden sollte das Mysterium von Golgatha, ist dasselbe Wesen, das jetzt wiederum die Fluten des übersinnlichen Lebens in die sinnliche Welt hineinsendet. Ein Michael-Zeitalter war dazumal, ein Michael-Zeitalter ist dasjenige, was gerade jetzt beginnt. Aber es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen dem damaligen Michael-Zeitalter und dem unseren, das jetzt beginnt.

[ 13 ] Well, in the meantime, other beings from the order of the Archangels have guided the spiritual evolution of humanity. And the being who was in charge when the Mystery of Golgotha was to be prepared is the same being who is now once again sending the currents of the supersensible life into the sensory world. There was a Michael Age back then, and the Michael Age that is just now beginning is the same. But there is a vast difference between the Michael Age of that time and ours, which is now beginning.

[ 14 ] Es würde heute zu weit führen, zu charakterisieren, welches Verständnis dem Mysterium von Golgatha die Zeit entgegenbringen konnte, die seit jenem Michael-Zeitalter bis zu dem unsrigen verflossen ist. Es hat tief innige Seelen gegeben, die aus einem mehr oder weniger gesteigerten Glaubensbedürfnisse heraus ihr Verhältnis gewonnen haben zu dem Mysterium von Golgatha und seinem Träger, es hat tief religiöse Naturen gegeben seit dem Mysterium von Golgatha bis zu unseren Zeiten. Aber das Mysterium von Golgatha ist ein solches, welches zwar als eine reale Tatsache am Ausgangspunkt der neueren Zeit steht, dem gegenüber aber die menschliche Seele sich nicht ohne weiteres vermessen darf, es voll zu durchschauen, es voll zu verstehen. Immer neue Epochen werden kommen, die die Menschenseelen immer mehr vertiefen werden, und die immer besser und besser verstehen werden, was geschehen ist im Mysterium von Golgatha. Das Ereignis selber steht da als der Wendepunkt in der menschlichen Entwickelung, das Verständnis dieses Ereignisses wird immer mehr wachsen und reifen in der geistigen Erdenentwickelung.

[ 14 ] It would take us too far afield today to describe the understanding that the era spanning from the Michael Age to our own has been able to bring to the Mystery of Golgotha. There have been deeply devout souls who, out of a more or less intense need for faith, have found their relationship to the Mystery of Golgotha and its bearer; there have been deeply religious natures from the time of the Mystery of Golgotha up to our own day. But the Mystery of Golgotha is one which, while standing as a real fact at the starting point of modern times, is not something the human soul can readily presume to fully fathom or fully understand. Ever new epochs will come that will deepen the human soul ever more, and that will understand ever better and better what happened in the Mystery of Golgotha. The event itself stands there as the turning point in human development; the understanding of this event will grow and mature ever more in the spiritual development of the Earth.

[ 15 ] Wir können uns nicht tief genug diese Sache in die Seele schreiben. Fassen wir einmal in einer gewissen metaphysischen Abstraktion ins Auge, was eigentlich dazumal geschehen ist. Wir haben es von verschiedenen Standpunkten charakterisiert. Wir wollen einmal einen mehr abstrakten Standpunkt wählen, der aber, wenn wir ihn wirken lassen auf die Seele, eine tiefe Empfindung auszulösen vermag in unserer Seele.

[ 15 ] We cannot impress this matter deeply enough upon our souls. Let us consider, in a certain metaphysical abstraction, what actually happened back then. We have characterized it from various points of view. Let us choose a more abstract perspective, one that, when allowed to take effect on the soul, is capable of evoking a deep feeling within us.

[ 16 ] Wenn die gewöhnliche Weltbetrachtung oder auch die gewöhnliche Wissenschaft die Dinge um uns studiert — ich habe auf diese Sache schon gestern im öffentlichen Vortrage aufmerksam gemacht, aber wir wollen das noch einmal ins Auge fassen —, wenn die Dinge um uns herum studiert werden, dann lernt der Mensch durch das gewöhnliche Denken und die gewöhnliche Wissenschaft die Gesetze des Daseins im Mineral-, Pflanzen-, Tier- und menschlichen Reich erkennen. Diese Gesetze, sie gipfeln alle in einem Ideale: das Leben zu verstehen. Aber das Leben selber wird hier auf Erden nicht verstanden. Erkenntnis des Lebens kann nur der Okkultismus geben. Die äußere Wissenschaft kann niemals das Leben durchschauen. Und es wäre die ärgste Phantastik zu glauben, daß man jemals, so wie man physikalische oder chemische Gesetze durchschauen kann, auch die Gesetze des Lebens durchschauen könnte. Ein Ideal bleibt es, aber es kann nicht erreicht werden. Für den physischen Plan ist es eine Unmöglichkeit, Erkenntnis des Lebens zu geben. Diese Erkenntnis des Lebens muß der übersinnlichen Erkenntnis aufgespart bleiben.

[ 16 ] When the ordinary view of the world, or indeed ordinary science, studies the things around us—I already drew attention to this matter yesterday in my public lecture, but let us consider it once more—when the things around us are studied, then through ordinary thinking and ordinary science, human beings learn to recognize the laws of existence in the mineral, plant, animal, and human kingdoms. These laws all culminate in one ideal: to understand life. But life itself is not understood here on earth. Only occultism can provide an understanding of life. External science can never penetrate the mystery of life. And it would be the wildest fantasy to believe that one could ever penetrate the laws of life in the same way that one can penetrate physical or chemical laws. It remains an ideal, but it cannot be attained. It is impossible for the physical plane to provide knowledge of life. This knowledge of life must be reserved for supersensible knowledge.

[ 17 ] So unmöglich wie die sinnliche Erkenntnis des Lebens, so unmöglich ist die übersinnliche Erkenntnis des Todes. Es gibt Zustände der grauenvollen Vereinsamung des Bewußtseins in der geistigen Welt, es gibt ein zeitweiliges Untertauchen wie in einen Schlaf, aber es gibt keinen Tod in den höheren Welten. Der Tod ist unmöglich in den höheren Welten.

[ 17 ] Just as impossible as the sensory perception of life is the supersensory perception of death. There are states of terrible isolation of consciousness in the spiritual world; there is a temporary sinking into a state akin to sleep, but there is no death in the higher worlds. Death is impossible in the higher worlds.

[ 18 ] Alle die Wesen, die wir als die Wesen der höheren Hierarchien kennengelernt haben, sie zeichnen sich dadurch aus, daß sie den Tod nicht kennen, daß sie durch den Tod nicht durchgehen. Geradeso wie in der Bibel richtig gesagt ist, daß die Engel ihr Antlitz verhüllten vor dem Geheimnis der Geburt, der Menschwerdung, geradeso müssen sie und alle übrigen höheren Wesen ihr Antlitz verhüllen vor dem Tode. Denn der Tod ist ein Ereignis, das nur für die sinnliche Welt möglich ist, nicht aber für die übersinnliche.

[ 18 ] All the beings we have come to know as the beings of the higher hierarchies are characterized by the fact that they do not know death, that they do not pass through death. Just as the Bible correctly states that the angels veiled their faces before the mystery of the birth, the Incarnation, so too must they and all other higher beings veil their faces before death. For death is an event that is possible only in the sensory world, but not in the supersensory world.

[ 19 ] Unter den gesamten Wesen der höheren Welten gab es nur eines, das durch den Tod gehen mußte, wir können auch sagen wollte, das ist der Christus. Dazu mußte er auf die Erde herabsteigen.

[ 19 ] Among all the beings of the higher worlds, there was only one who had to go through death—or, we might say, who chose to do so—and that is the Christ. To do this, he had to descend to Earth.

[ 20 ] Damit ein Wesen der höheren Welten das hat bewirken können, was nötig war für die Erdenentwickelung, mußte der Christus heruntersteigen aus einer Welt, in der es keinen Tod gibt, in die Welt, in der es einen Tod gibt.

[ 20 ] In order for a being from the higher worlds to bring about what was necessary for the development of the Earth, Christ had to descend from a world where there is no death into the world where there is death.

[ 21 ] Solche Vorstellungen, wenn sie auch zunächst abstrakt sind, müssen wir in ein Gefühl, in eine Empfindung verwandeln. Das volle Verständnis dessen, was ich jetzt abstrakt charakterisiert habe, wird ein Gegenstand der Evolution der Menschheit werden. Mit einer gewissen Ehrerbietung, Demut und Zartheit zugleich, nähern wir uns heute dem Geheimnis des Mysteriums von Golgatha.

[ 21 ] Such mental images, even if they are abstract at first, must be transformed into a feeling, into a sensation. A full understanding of what I have now described in abstract terms will become a subject of human evolution. With a certain reverence, humility, and tenderness all at once, we approach today the secret of the Mystery of Golgotha.

[ 22 ] Was war denn eigentlich geschehen? Es ist oft charakterisiert worden. Der Christus stieg herab aus den übersinnlichen Welten in die Welt, in der er seitdem lebt, zwar als eine geheime Kraft, die sich aber offenbaren wird von unserm Jahrhundert an. Er stieg herab aus der Welt, in der es keinen Tod gibt, in die Welt des Todes. Und er — diese Kraft — hat sich vereinigt mit der Erde. Er ist aus einer kosmischen Kraft zu einer Kraft der Erde geworden. Er ist durch den Tod gegangen, um innerhalb des Erdendaseins aufzuleben, um innerhalb der Erdenwelt zu sein. Und die Menschheit hat sich bemüht in diesen oder jenen Seelen, die sich mit diesem Impuls erfüllten, ihn zu verstehen durch die Jahrhunderte. Aber je weiter die Entwickelung heranrückte an das abgelaufene Gabriel-Zeitalter, ist es geschehen, daß das Verständnis immer mehr zurückging. Und heute ist es gerade bei denjenigen, die Verständnis haben sollten, recht schlecht bestellt mit diesem Verständnis, und der Materialismus macht sich nicht nur geltend in der heutigen materialistischen Wissenschaft, sondern macht sich vielfach auch geltend in der Theologie. Abgenommen hat das wirkliche Verständnis für den Christus-Impuls. Materialismus hat die Seelen ergriffen, er hat sich tief eingenistet in die Seelen. Der Materialismus ist in vieler Beziehung der Grundimpuls der letzten, der abgelaufenen Epoche geworden. Zahlreiche Seelen sind gestorben, die durch die Pforte des Todes gegangen sind mit materialistischer Gesinnung. In einem solchen Maße mit materialistischer Gesinnung durch die Pforte des Todes zu gehen, wie in der abgelaufenen Epoche Seelen hindurchgegangen sind, das konnte in früheren Zeitaltern gar nicht stattfinden.

[ 22 ] What, then, actually happened? It has often been described. Christ descended from the supersensible worlds into the world in which he has lived ever since—as a secret force, though one that will reveal itself beginning in our century. He descended from the world where there is no death into the world of death. And he—this force—has united with the Earth. He has become, from a cosmic force, a force of the Earth. He has passed through death in order to come to life within earthly existence, to be within the earthly world. And humanity has striven, through this or that soul filled with this impulse, to understand him throughout the centuries. But the closer development came to the past Age of Gabriel, the more understanding declined. And today, it is precisely among those who ought to have understanding that this understanding is in a rather poor state, and materialism asserts itself not only in today’s materialistic science but also, in many ways, in theology. True understanding of the Christ impulse has diminished. Materialism has taken hold of souls; it has deeply entrenched itself within them. In many respects, materialism has become the fundamental impulse of the last, now-past epoch. Numerous souls have died, passing through the gate of death with a materialistic mindset. To pass through the gate of death with such a materialistic mindset as souls did in the past epoch—this could not have occurred at all in earlier ages.

[ 23 ] Dann lebten diese Seelen in der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt in der spirituellen Welt so, daß sie nichts wußten von der Welt, in der sie lebten. Da trat ihnen ein Wesen entgegen. Das erblickten sie in dieser Welt. Sie mußten es erblicken, weil dieses Wesen sich vereinigt hatte mit dem Erdendasein, wenn es auch unsichtbar waltet vorläufig im sinnlichen Erdendasein. Und den Anstrengungen dieser durch die Pforte des Todes gegangenen Seelen ist es gelungen, den Christus, wir können nicht anders sagen als: zu vertreiben aus der spirituellen Welt. Und der Christus mußte erleben eine Erneuerung des Mysteriums von Golgatha, wenn auch nicht in derselben Größe wie das vorhergehende. Damals ging er durch den Tod, jetzt war es ein Hinausgestoßenwerden aus seinem Sein in der spirituellen Welt. Und dadurch erfüllte sich an ihm das ewige Gesetz der spirituellen Welt. Was in der höheren, spirituellen Welt verschwindet, das ersteht aufs neue in der niederen Welt.

[ 23 ] Then, during the time between death and rebirth, these souls lived in the spiritual world in such a way that they knew nothing of the world in which they had lived. Then a being came to meet them. They beheld this being in this world. They had to behold it, because this being had united itself with earthly existence, even though it reigns invisibly for the time being in the sensory earthly existence. And through the efforts of these souls who had passed through the gate of death, they succeeded in—we can say nothing else—driving Christ out of the spiritual world. And Christ had to experience a renewal of the Mystery of Golgotha, though not on the same scale as the previous one. Back then he passed through death; now it was a casting out from his being in the spiritual world. And through this, the eternal law of the spiritual world was fulfilled in him. What disappears in the higher, spiritual world arises anew in the lower world.

[ 24 ] Wenn es im 20. Jahrhundert möglich ist, daß die Seelen sich heranentwickeln zum Verständnis des Mysteriums von Golgatha, so rührt es von diesem Ereignis her, daß der Christus durch eine Verschwörung der materialistischen Seelen herausgetrieben ist aus den spirituellen Welten, versetzt worden ist in die sinnliche Welt, in die Menschenwelt, so daß auch in dieser sinnlichen Welt ein neues Verständnis beginnen kann für den Christus. Daher ist auch der Christus in noch innigerer Weise vereinigt mit allem, was die Schicksale der Menschen auf Erden sind. Und wie man einstmals hinaufsehen konnte zu dem Jahve oder Jehova und wissen konnte, daß er dasjenige Wesen war, das den Michael vorausgesandt hat, um vorzubereiten, was da herüberführen sollte aus dem Jahve-Zeitalter zum Christus-Zeitalter, während es früher Jahve war, der den Michael sandte, ist es jetzt der Christus, der uns den Michael sendet.

[ 24 ] If it is possible in the 20th century for souls to evolve toward an understanding of the Mystery of Golgotha, it is because of this event—that Christ was driven out of the spiritual worlds by a conspiracy of materialistic souls and placed into the physical world, into the human world—so that even in this physical world a new understanding of Christ can begin. Therefore, Christ is also united in an even more intimate way with all that constitutes the destinies of human beings on Earth. And just as one could once look up to Yahweh or Jehovah and know that he was the being who sent Michael ahead to prepare what was to lead from the Age of Yahweh into the Age of Christ—whereas it was formerly Yahweh who sent Michael—it is now the Christ who sends Michael to us.

[ 25 ] Das ist das Neue, das Große, was wir für uns in ein Gefühl verwandeln sollen. Wie man früher sprechen konnte von Jahve-Michael, dem Leiter des Zeitalters, können wir jetzt sprechen von dem ChristusMichael. Michael hat eine Erhebung in eine höhere Stufe, vom Volksgeist zum Zeitgeist durchgemacht dadurch, daß er vom Sendboten Jahves zum Sendboten des Christus geworden ist.

[ 25 ] This is the new and great thing that we are to transform into a feeling within ourselves. Just as we used to speak of Yahweh-Michael, the leader of the age, we can now speak of Christ-Michael. Michael has undergone an elevation to a higher level, from the spirit of the people to the spirit of the age, by becoming the messenger of Christ rather than the messenger of Yahweh.

[ 26 ] Und so reden wir von einem richtigen Verständnis des ChristusImpulses, wenn wir von einem richtigen Verständnis des MichaelImpulses in unserer Zeit sprechen.

[ 26 ] And so, when we speak of a proper understanding of the Michael impulse in our time, we are speaking of a proper understanding of the Christ impulse.

[ 27 ] Abstraktes Verständnis geht auf Namen, immer wieder auf Namen, und glaubt etwas zu haben, wenn es so vorgeht, daß es frägt: Was ist Michael für ein Wesen? — und wissen will: er ist aus dieser oder jener Hierarchie hervorgegangen, er ist ein Erzengelwesen, Erzengelwesen haben diese oder jene Eigenschaften. Dann definiert man das und glaubt nun zu wissen, was ein solches Wesen ist. Oftmals bin ich auch schon nach Definitionen gefragt worden. Das erinnert mich immer an den Streit, der in einer griechischen Philosophenschule um den Wert einer Definition stattgefunden hat. Man stritt sich darum, wie man einen Menschen definieren könne. Man einigte sich schließlich dahin: ein Mensch ist ein Wesen, das auf zwei Beinen geht und keine Federn hat. — Es ist nicht zu leugnen, daß diese Merkmale auf den Menschen passen, so gut wie manche Definitionen auf die Begriffe passen, die man so hinpfahlt. Aber doch hatte der recht, der das nächste Mal einen gerupften Hahn brachte und fragte, ob das ein Mensch sei, denn er gehe auf zwei Beinen und habe keine Federn. Es ist nicht damit getan, daß man von Michael spricht, weil man, gerade wenn man die Menschheitsevolution verstehen will, den Michael in seiner Evolution verstehen muß, daß er dasselbe Wesen ist, das den Ton angegeben hat zur Vorbereitung des Mysteriums von Golgatha, und jetzt in unserer Zeit den Ton angibt für das Verständnis des Mysteriums von Golgatha. Dazumal aber war er ein Volksgeist, und jetzt ist er ein Zeitgeist. Dazumal war er der Sendbote des Jahve, jetzt ist er der Sendbote des Christus. Und wir sprechen so recht von dem Christus, wenn wir sprechen von Michael und seiner Sendung und wissen, daß das, was dazumal Michael war, der Träger der JahveMission, jetzt der Träger der Christus-Mission ist.

[ 27 ] Abstract understanding relies on names, time and again on names, and believes it has grasped something when it proceeds by asking: What kind of being is Michael? — and seeks to know: he has emerged from this or that hierarchy, he is an archangelic being, archangelic beings possess these or those characteristics. Then one defines that and now believes one knows what such a being is. I, too, have often been asked for definitions. This always reminds me of the dispute that took place in a Greek school of philosophy regarding the value of a definition. They argued about how one could define a human being. They finally agreed on this: a human being is a creature that walks on two legs and has no feathers. — It cannot be denied that these characteristics fit humans just as well as some definitions fit the terms one casually applies. Yet the one who next brought a plucked rooster and asked if that were a human was right, for it walks on two legs and has no feathers. It is not enough to speak of Michael, for if one wishes to understand human evolution, one must understand Michael in his evolution—that he is the same being who set the tone for the preparation of the Mystery of Golgotha, and now, in our time, sets the tone for the understanding of the Mystery of Golgotha. Back then, however, he was a folk spirit, and now he is a spirit of the age. Back then he was the messenger of Yahweh; now he is the messenger of Christ. And we truly speak of Christ when we speak of Michael and his mission, knowing that what was once Michael—the bearer of the Yahweh mission—is now the bearer of the Christ mission.

[ 28 ] Wir haben Michael verfolgen können, einen Geist, der sozusagen aufgestiegen ist, der, um der Menschheit einen neuen Impuls zu vermitteln, aufgestiegen ist oder aufsteigt aus dem Range der Archangeloi zum Range der Archai.

[ 28 ] We have been able to follow Michael, a spirit who has, so to speak, ascended—who, in order to impart a new impulse to humanity, has ascended or is ascending from the order of the Archangels to the order of the Archai.

[ 29 ] Der Platz wird ausgefüllt durch eine andere Wesenheit, die nachkommt. Ich habe hier verschiedene Male gesprochen von der Evolution, dieBuddha durchgemacht hat. Jene knabenhaften Einwendungen, die uns jetzt gemacht werden, machen sich in ihrer Dreistigkeit auch heran an unsere Auffassung des Christus-Impulses in der Welt, als ob wir mit unserer Darlegung des Christus-Impulses jemals einseitig gewesen wären. Wir lenken die Blicke auf die Gesamtevolution, und wir charakterisieren dasjenige, was der Evolution unterliegt, aus den verschiedenen Impulsen heraus und geben jedem sein Recht. Wie oft ist es betont worden, daß für uns Wahrheit ist, daß der Bodhisattva, der als Gautama Buddha geboren worden ist, eben zum Buddha aufgestiegen ist. Wir haben seine Evolution verfolgt bis zu dem Zeitpunkt, wo er seine Mission auf dem Mars bekommen hat. Davon ist hier schon gesprochen worden.

[ 29 ] The place is filled by another being who comes along. I have spoken here several times about the evolution that Buddha underwent. Those childish objections now being raised against us, in their audacity, also attack our conception of the Christ impulse in the world, as if our presentation of the Christ impulse had ever been one-sided. We direct our gaze to the whole of evolution, and we characterize that which is subject to evolution from the perspective of the various impulses, giving each its due. How often has it been emphasized that it is a truth for us that the Bodhisattva who was born as Gautama Buddha has indeed ascended to become the Buddha. We have traced his evolution up to the point where he received his mission on Mars. This has already been discussed here.

[ 30 ] Solange der Mensch auf Erden weilt, wie hoch er auch stehen mag, kann man immer bei jedem Menschen von jener Individualität sprechen, die ihn leitet von Inkarnation zu Inkarnation. Die individuelle Führung der Menschen unterliegt den Angeloi, den Engelwesen. Wenn ein Mensch vom Bodhisattva zum Buddha wird, dann wird sozusagen sein Engel frei. Solche Engelwesen sind es dann, die nach Erfüllung ihrer Mission aufsteigen in die Reiche der Erzengelwesen.

[ 30 ] As long as a person remains on Earth, no matter how high their station, one can always speak of that individuality within every person that guides them from incarnation to incarnation. The individual guidance of human beings is the responsibility of the angeloi, the angelic beings. When a human being evolves from a bodhisattva into a Buddha, his angel is, so to speak, set free. It is these angelic beings who, upon fulfilling their mission, ascend into the realms of the archangels.

[ 31 ] So ergreifen wir an einem Punkte wirklich das Aufsteigen eines Erzengels zum Wesen der Archai und das Aufsteigen eines Engelwesens zum Erzengelwesen, wenn wir wirklich verstehen, tiefer und tiefer hineinzuschauen in dasjenige, was hinter unserer sinnlichen Evolution als die übersinnliche Evolution steht.

[ 31 ] Thus, at a certain point, we truly grasp the ascent of an archangel to the being of the Archai and the ascent of an angelic being to the being of an archangel, when we truly understand how to look deeper and deeper into that which lies behind our sensory evolution as the supersensory evolution.

[ 32 ] Nun, dasjenige, was ich also zu Ihnen gesprochen habe über den spirituellen Hintergrund der Welt, in der wir drinnenstehen, und in die wir uns als Anthroposophen hineinstellen wollen, ich habe es nicht deshalb gesprochen, damit die Seelen bloß theoretisieren über diese Dinge, sondern damit die Seelen das, was in Worten und Begriffen ausgedrückt ist, in Gefühle und Empfindungen verwandeln. Ja, Anthroposoph sein in unserer Gegenwart heißt wissen, wie beschaffen ist die übersinnliche Welt, die zugrunde liegt der sinnlichen Welt der Menschheitsevolution, sich zu fühlen in der geistigen Welt, wie sich der physische Mensch in der Atmosphäre physisch fühlt. Sich so zu fühlen in der geistigen Welt! Aber man fühlt sich nicht in der geistigen Welt, wenn man bloß betont: Geist und Geist und Geist ist in uns! Sondern so, wie man die Erdenatmosphäre nach Wolkenbildungen, Feuchtigkeits- und anderen Erscheinungen konkret zu beurteilen hat, so müssen wir auch die geistige Welt, in die wir jede Nacht mit dem Einschlafen untertauchen, im Konkreten charakterisieren, erfühlen und empfinden, was da lebt und webt in dieser geistigen Welt. Dasjenige, was in der Gegenwart geschieht durch die Sendung, die an Michael übertragen ist von dem Christus aus, die ergangen ist an denselben Geist aus der Hierarchie der Archangeloi, dessen sich bedient hat zur Vorbereitung des Mysteriums von Golgatha einstmals der Impuls des Jahve, das ist es, was hinter unserer physisch-sinnlichen Evolution sich abspielt. Und drinnen sich zu wissen, zu fühlen in solchem Geschehen in der geistigen Welt, wie wir uns physisch fühlen in der Atmosphäre, die wir ein- und ausatmen, das heißt in der Gegenwart gegenüber der geistigen Welt im konkreten Sinne das richtige Bewußtsein haben.

[ 32 ] Now, what I have spoken to you about—the spiritual background of the world in which we find ourselves, and into which we as anthroposophists wish to place ourselves—I did not speak of it so that souls might merely theorize about these things, but so that souls might transform what is expressed in words and concepts into feelings and sensations. Yes, to be an anthroposophist in our time means knowing the nature of the supersensible world that underlies the sensory world of human evolution; it means feeling at home in the spiritual world just as the physical human being feels physically at home in the atmosphere. To feel at home in the spiritual world in this way! But one does not feel at home in the spiritual world by merely emphasizing: Spirit, spirit, and spirit is within us! Rather, just as one must concretely assess the Earth’s atmosphere based on cloud formations, humidity, and other phenomena, so too must we concretely characterize the spiritual world into which we plunge every night as we fall asleep, feeling and sensing what lives and weaves within this spiritual world. That which is happening in the present through the mission entrusted to Michael by Christ—a mission that has been bestowed upon the same Spirit from the hierarchy of the Archangels, whom the impulse of Yahweh once utilized in preparation for the Mystery of Golgotha—this is what is unfolding behind our physical-sensory evolution. And to know oneself to be within, to feel oneself within such events in the spiritual world, just as we physically feel ourselves in the atmosphere we breathe in and out—that is to have the correct consciousness in the present moment toward the spiritual world in the concrete sense.

[ 33 ] Versuchen Sie es, in eine Gesamtempfindung Ihrer Seele zu verwandeln solche Ergebnisse des Okkultismus. Was ich jetzt versuche, in ihre Seelen zu legen, versuchen Sie, einen empfindenden Begriff davon zu gewinnen, zu beachten, was es heißt, gerade heute in diesem Zeitalter wissend drinnen zu leben in dem, was geistig um uns geschieht, in dem, wohin unsere Seele geht jeden Abend, wenn wir einschlafen, und woher wir kommen jeden Morgen, wenn wir aufwachen. Versuchen Sie, die Seele hinaufzulenken in dieses Konkrete, das oftmals ganz abstrakt genannt wird die «göttliche Vorsehung». Das ist im Charakter unserer Zeit gelegen, daß das, was der Mensch in verflossenen Zeitaltern unbestimmt nur fühlen durfte als die durch die Welt flutende Vorsehung, daß er das in der Gegenwart als einzelne Wesen zu erkennen, zu empfinden vermag. Lassen Sie es als ein Bild vor Ihrer Seele stehen, daß das verflossene Zeitalter die Naturgesetze finden mußte. Damals waren die Naturgesetze gut, wenn sie richtig gebraucht wurden in der menschlichen Seele, um die äußeren Weltanschauungen aufzubauen. Aber es gibt nichts absolut Gutes oder Böses in dieser äußeren Welt der Maja. Schlecht und böse würden die Naturgesetze in unserem Zeitalter, wem sie weiter gebraucht würden zum Aufbau einer Weltanschauung in der Zeit, wo das spirituelle Leben hereinfließt in die sinnliche Welt. Nicht dasjenige, was die verflossenen Zeitalter getan haben, wird getroffen mit diesen Worten, sondern das, was bleiben will, wie es in früheren Zeitaltern war, was sich nicht in den Dienst stellen will der neuen Offenbarung.

[ 33 ] Try to transform such results of occultism into an overall sense of your soul. What I am now trying to place within your souls—try to gain a feeling understanding of it, to consider what it means, especially today in this age, to live consciously within what is happening spiritually around us, within where our soul goes every evening when we fall asleep, and where we come from every morning when we wake up. Try to direct the soul upward into this concrete reality, which is often referred to quite abstractly as “divine providence.” It is characteristic of our time that what human beings in past ages could only vaguely sense as providence flowing through the world, they are now able to recognize and feel as individual beings in the present. Let this stand before your soul as an image: that the past age had to discover the laws of nature. Back then, the laws of nature were good when they were used correctly in the human soul to build up external worldviews. But there is nothing absolutely good or evil in this outer world of maya. The laws of nature would become bad and evil in our age if they were to continue to be used to construct a worldview at a time when spiritual life is flowing into the sensory world. It is not what past ages have done that is targeted by these words, but rather that which seeks to remain as it was in earlier ages, that which refuses to place itself in the service of the new revelation.

[ 34 ] Michael hat nicht den Drachen bekämpft in dem Zeitalter, das abgelaufen ist, denn da war der Drache, der jetzt gemeint ist, noch nicht ein Drache. Ein Drache wird er werden, wenn diejenigen Begriffe und Ideen, die nur naturwissenschaftliche Gesetze sind, zur Weltanschauung des nächsten Zeitalters aufgebaut werden sollten. Und das, was sich da aufbäumen will, das ist wiederum, richtig aufgefaßt, in dem Bilde als der Drache, der besiegt werden muß von Michael, dessen Zeitalter in unseren Jahren beginnt.

[ 34 ] Michael did not fight the dragon in the age that has passed, for the dragon referred to here was not yet a dragon at that time. It will become a dragon if those concepts and ideas—which are merely scientific laws—are to be built into the worldview of the coming age. And what is striving to rise up there is, correctly understood, depicted in the image as the dragon that must be vanquished by Michael, whose age begins in our time.

[ 35 ] Das ist eine wichtige Imagination: Michael, besiegend den Drachen. Spirituelles, flutendes Leben hinein zu empfangen in die Sinneswelt: Michael-Dienst ist es von jetzt ab. Ihm dienen wir in der Besiegung des Drachens, der sich auswachsen will in Ideen, die während des verflossenen Zeitalters den Materialismus gebracht haben, die sich hinüberwachsen wollen in die Zukunft. Das zu überwinden, heißt im Dienst des Michael stehen. Das ist der Sieg des Michael über den Drachen. Es ist wieder das alte Bild, das für frühere Zeiten eine andere Bedeutung hatte, das aber jetzt diese Bedeutung für unser Zeitalter bekommen soll. Erkennen und erfühlen können wir unsere Aufgabe in dem Bilde «Michael, besiegend den Drachen», wenn wir fühlen, woran wir teilnehmen sollen als Menschen eines neuen Zeitalters.

[ 35 ] This is an important image: Michael defeating the dragon. To receive spiritual, surging life into the sensory world: this is Michael’s service from now on. We serve him in the defeat of the dragon, which seeks to grow out of ideas that brought materialism during the past age and that seek to carry over into the future. To overcome this is to stand in Michael’s service. This is Michael’s victory over the dragon. It is once again the old image that had a different meaning in earlier times, but which is now to take on this meaning for our age. We can recognize and feel our task in the image of “Michael defeating the dragon” when we sense what we are to participate in as people of a new age.

[ 36 ] Nun wohl, versuchen wir dieses Bild zu unserer Imagination zu machen, versuchen wir unsere Zeit zu verstehen dadurch, daß wir uns konkret drinnen wissen in der geistigen Führung, die die geistige Führung unseres Zeitalters ist, die die geistige Führung jeder Menschenseele sein kann, jeder solchen Menschenseele, die da aufrichtig und ehrlich eine Entwickelung sucht, einen Aufstieg zu immer höheren Stufen des geistigen Lebens.

[ 36 ] Well then, let us try to bring this image to life in our imagination; let us try to understand our time by recognizing that we are concretely immersed in the spiritual guidance that is the spiritual guidance of our age—the spiritual guidance that can be the spiritual guidance of every human soul, every such human soul that sincerely and honestly seeks development, an ascent to ever higher stages of spiritual life.