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Precursors to the Mystery of Golgotha
GA 152

14 October 1913, Copenhagen

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5. Der Weg des Christus durch die Jahrhunderte

5. The Path of Christ through the Centuries

[ 1 ] Den Vortrag des heutigen Abends möchte ich in einer aphoristischen Weise halten. Ich möchte etwas vorbringen, was mir gerade in der Gegenwart vor unseren Freunden zu besprechen wichtig scheint.

[ 1 ] I would like to deliver this evening’s lecture in an aphoristic style. I would like to present something that I feel is particularly important to discuss with our friends at this moment.

[ 2 ] Wir haben ja oftmals die geisteswissenschaftlichen Betrachtungen an den Christus-Impuls angeknüpft, an denjenigen Impuls, der durch die Menschheitsevolution geht, seitdem das Mysterium von Golgatha stattgefunden hat. Und an den Christus-Impuls und seine Bedeutung für die Menschheitsentwickelung möchte ich heute abend die Betrachtung für Sie anknüpfen. Dabei wollen wir sogleich das eine betonen, daß eine Schwierigkeit ja vorliegen muß, auch bis in die Gegenwart herein, diesen Christus-Impuls in der richtigen Weise zu betrachten, und zwar aus dem Grunde, weil man den Christus-Impuls eigentlich nur dann einigermaßen betrachten kann, wenn man von den verschiedenen, bis in unsere Zeit herein sich entwickelnden christlichen Konfessionen, von den Lehren über den Christus absieht, auf diese möglichst wenig Rücksicht nimmt. Vielleicht werden Sie sagen: Ja, wie kann man denn überhaupt den Christus-Impuls betrachten, wenn man die Lehren über den Christus ganz außer acht lassen will? Lernen wir denn die Wirkungen des Christus-Impulses durch irgend etwas anderes kennen als durch die Bekenntnisse der Jahrhunderte? Da muß man antworten: Ein jeder wird zugeben, daß es mißlich sein würde, wenn man warten müßte auf die Wirkungen der Sonne auf die einzelnen Menschen auf Erden, bis eine allgemein anerkannte Lehre über die Sonne sich verbreitet hat. Die Sonne wirkt, gleichgültig welche Hypothesen die Menschen auf Erden über die Sonne aufstellen. Auch betont die Wissenschaft immer, daß sie noch nicht wisse, was Elektrizität eigentlich sei; trotzdem wenden die Menschen die Elektrizität an. So kann man ganz gewiß von einer Wirkung des Christus-Impulses sprechen, ohne zu glauben, daß irgend etwas in der Betrachtung des Christus-Impulses davon abhänge, was man in den verschiedenen Jahrhunderten über den Christus gedacht hat. Das hängt wieder mit etwas anderem zusammen.

[ 2 ] We have often linked our reflections on Spiritual Science to the Christ impulse—that impulse which has been running through human evolution ever since the Mystery of Golgotha took place. And it is to the Christ impulse and its significance for human development that I would like to direct our reflection this evening. In doing so, let us immediately emphasize that there must be a difficulty, even right up to the present day, in viewing this Christ impulse in the right way, and this is because one can really only view the Christ impulse to some extent if one disregards the various Christian denominations that have developed up to our time, and the teachings about Christ, taking as little account of them as possible. Perhaps you will say: Well, how can one even consider the Christ impulse if one wishes to disregard the teachings about Christ entirely? Do we not learn about the effects of the Christ impulse through anything other than the confessions of the centuries? To this one must reply: Everyone will admit that it would be problematic if one had to wait for the effects of the sun on individual people on Earth until a generally accepted doctrine about the sun had spread. The sun exerts its effects regardless of what hypotheses people on Earth formulate about the sun. Science, too, always emphasizes that it does not yet know what electricity actually is; nevertheless, people make use of electricity. Thus, one can certainly speak of an effect of the Christ impulse without believing that anything in the consideration of the Christ impulse depends on what people have thought about the Christ over the various centuries. That, in turn, is connected with something else.

[ 3 ] Das Mysterium von Golgatha, das Eintreten des Christus-Impulses in unsere Erdensphäre, hat sich ja zu einer bestimmten Zeit vollzogen und der Zeitpunkt ist wenigstens annähernd genau bestimmt, denn wir rechnen im Abendlande unsere Zeitrechnung danach. Durch das Mysterium von Golgatha ist, wie wir wissen, der Christus-Impuls in die Menschheitsevolution der Erde eingezogen. Was war das für eine Zeit? Nun, wir wissen ja, daß verschiedene Zeitalter in der Menschheitsentwickelung abgelaufen sind. Wenn wir nur die nachatlantische Zeit betrachten, so wissen wir, daß davon abgelaufen sind der urindische, der urpersische, der ägyptisch-chaldäische, der griechischlateinische Zeitraum — und der unsere, in dem wir selber noch drinnenstehen. Diese verschiedenen Zeitalter sind unter anderem dadurch charakterisiert, daß sie auch eine verschiedene Art des menschlichen Verständnisses, der menschlichen Weisheit gehabt haben, und in gewisser Weise war ein hohes, intensives menschliches Verständnis und eine hohe menschliche Einsicht in gewisse Weltengeheimnisse in dem urindischen Zeitraum vorhanden. Da hat in der Menschennatur vorzugsweise das gewirkt, was wir den Ätherleib des Menschen nennen. Dann trat im Laufe der Evolution der Ätherleib mehr zurück und im urpersischen Zeitraum wirkte vorzugsweise der Empfindungsleib, der Astralleib; in dem ägyptisch-chaldäischen Zeitraum die Empfindungsseele, in dem griechisch-lateinischen die Verstandesseele oder Gemütsseele, in unserer Zeit die Bewußtseinsseele, und in der Zukunft wird kommen das Zeitalter des Geistselbstes. Dadurch, daß in den verschiedenen Zeitepochen so verschiedene Glieder der Menschennatur im Menschen walten, bringt auch der Mensch ein immer verschiedenes Verständnis der Welt entgegen. Anders war das Verhältnis in der griechisch-lateinischen, anders in der ägyptisch-chaldäischen, anders in der persischen Zeit und so weiter.

[ 3 ] The Mystery of Golgotha—the entry of the Christ impulse into our earthly sphere—took place at a specific time, and that time is determined with at least approximate accuracy, for in the West we base our calendar on it. Through the Mystery of Golgotha, as we know, the Christ impulse entered into the evolution of humanity on Earth. What kind of time was that? Well, we know that various ages have passed in the development of humanity. If we consider only the post-Atlantean era, we know that the following periods have elapsed: the Proto-Indian, the Proto-Persian, the Egyptian-Chaldean, the Greco-Latin period—and our own, in which we ourselves are still living. These various epochs are characterized, among other things, by the fact that they also possessed different kinds of human understanding and human wisdom; and in a certain sense, a high, intense human understanding and a deep human insight into certain mysteries of the world were present during the ancient Indian epoch. During that time, what we call the human etheric body was the predominant force at work in human nature. Then, in the course of evolution, the etheric body receded more into the background, and in the ancient Persian period the feeling body, the astral body, was the predominant force; in the Egyptian-Chaldean period the feeling soul, in the Greek-Latin period the intellectual soul or emotional soul, in our time the conscious soul, and in the future the age of the Spirit-Self will come. Because such different aspects of human nature prevail in human beings during the various epochs, human beings also approach the world with an ever-changing understanding. The relationship was different in the Greco-Latin period, different in the Egyptian-Chaldean period, different in the Persian period, and so on.

[ 4 ] Nun kann man eine eigentümliche Tatsache erkennen, und diese Tatsache, so frappierend sie ist, ist ungeheuer lichtverbreitend. Wir können den griechisch-lateinischen Zeitraum, den Zeitraum der Verstandes- oder Gemütsseele, von etwa dem 8. vorchristlichen Jahrhundert, ungefähr von der Zeit der Gründung Roms ab bis in das 14., 15. Jahrhundert herein rechnen. Da entwickelt sich die Verstandes- oder Gemütsseele, da kommen insbesondere diejenigen Kräfte in der Menschennatur zur Geltung, die an diese am meisten seelischen Kräfte der Menschennatur gebunden sind. Wir haben also etwas über zwei Jahrtausende, die dieses Gebiet der menschlichen Seele besonders entwickeln. Seit dem 15. Jahrhundert stehen wir in der Entwickelung der Bewußtseinsseele darinnen. Wir sind noch nicht sehr weit darinnen, denn erst wenn unser Jahrhundert und noch ein weiteres Jahrhundert abgelaufen sein werden, wird ein Drittel abgelaufen sein von der Zeit, die dazu bestimmt ist, die Bewußtseinsseele zu entwickeln. Dann werden andere Zeitalter folgen, die ganz andere Fähigkeiten in der Seele erwecken werden, Sieben solche Zeitalter gibt es für die nachatlantische Zeit.

[ 4 ] Now we can observe a peculiar fact, and this fact, striking as it is, sheds an immense amount of light on the matter. We can date the Greco-Roman period—the period of the intellectual or emotional soul—from around the 8th century B.C., roughly from the time of Rome’s founding, up through the 14th and 15th centuries. It is during this period that the intellectual or emotional soul develops; it is here that those forces in human nature come to the fore that are most closely bound to these spiritual forces of human nature. We thus have a span of just over two millennia that particularly develops this aspect of the human soul. Since the 15th century, we have been in the process of developing the conscious soul within this context. We have not yet progressed very far in this, for only when our century and one more century have passed will a third of the time allotted for the development of the conscious soul have elapsed. Then other epochs will follow that will awaken entirely different capacities in the soul; there are seven such epochs for the post-Atlantean era.

[ 5 ] Fragen wir uns nun: Welche von diesen Zeitepochen war am wenigsten geeignet, die Wesenheit des Christus zu begreifen? Verschiedenartig war ja das Verständnis der Menschennatur in diesen verschiedenen Zeitaltern. Welches war nun am wenigsten geeignet, sich ordentliche Begriffe von der Christus-Natur zu verschaffen? — Das war das Zeitalter der Verstandes- oder Gemütsseele vom 8. vorchristlichen bis ins 15. nachchristliche Jahrhundert. Und gerade in dieses Zeitalter hinein fiel das Mysterium von Golgatha! So merkwürdig vollzog sich diese Tatsache der Menschheitsevolution.

[ 5 ] Let us now ask ourselves: Which of these historical periods was least suited to grasping the essence of Christ? After all, the understanding of human nature varied across these different eras. Which one, then, was least suited to forming proper concepts of the nature of Christ? — It was the age of the intellectual or emotional soul, from the 8th century B.C. to the 15th century A.D. And it was precisely during this age that the Mystery of Golgotha took place! This fact of human evolution unfolded in such a remarkable way.

[ 6 ] Wäre — hypothetisch einmal angenommen — der Christus wirklich auf Erden erschienen, zum Beispiel unter den heiligen Rishis des alten Indien, es wäre ein weitgehendes Verständnis für die Natur der Christus-Wesenheit dagewesen, ebenso noch im alten Persien, wo von dem Sonnengeiste gelehrt wurde. Da hätte man, wenn der Christus damals in einen Menschenleib herabgestiegen wäre, gesehen: dieser Geist, der in einem Menschenleibe auf der Erde geht, ist der Sonnengeist, der auf die Erde herabgestiegen ist. Auch noch in der Zeit der ägyptischen Tempelweisheit hätte etwas Ähnliches geschehen können. Diejenige Zeit aber, in der die Menschheit am meisten von einem Verständnis der Christus-Natur entfernt war, sie sah den Christus unter sich erscheinen.

[ 6 ] If—hypothetically speaking—Christ had truly appeared on Earth, for example among the holy rishis of ancient India, there would have been a profound understanding of the nature of the Christ Being; the same would have been true in ancient Persia, where the Sun Spirit was taught. There, if the Christ had descended into a human body at that time, people would have seen: this spirit walking on Earth in a human body is the Sun Spirit who has descended to Earth. Something similar could also have happened in the time of Egyptian temple wisdom. But it was precisely during the time when humanity was furthest removed from an understanding of the nature of Christ that Christ appeared among them.

[ 7 ] Es ist eigentlich nicht leicht, zu dieser eigentümlichen Tatsache etwas hinzuzufügen, das sie illustrieren soll, denn man kann aus dieser Tatsache den wichtigen Schluß ziehen, daß ja dann selbstverständlich über die Natur und die Wesenheit des Christus kaum etwas zu finden ist in den Lehren, die man über den Christus bildete in jener Zeit, und man wird verstehen, daß erst kommende Jahrhunderte mehr Verständnis haben werden für dasjenige, was der Christus ist.

[ 7 ] It is actually not easy to add anything to this peculiar fact that might illustrate it, for one can draw the important conclusion from this fact that, naturally, there is hardly anything to be found about the nature and essence of Christ in the teachings that were formed about Christ at that time, and one will understand that only future centuries will have a greater understanding of what Christ is.

[ 8 ] Es könnten nun die Menschen unserer Zeit, die Menschen seit dem 15. Jahrhundert, anfangen, stolz zu sein auf unsere Geisteskraft, und glauben, daß jetzt vielleicht die besseren Zeiten des Christus-Verständnisses gekommen seien. Solche Zeiten sind ja mit unserem fünften nachatlantischen Zeitraum in einer gewissen Weise gekommen und in einer gewissen Weise doch nicht gekommen.

[ 8 ] People of our time—people since the 15th century—might now begin to take pride in our intellectual power and believe that perhaps better times for understanding Christ have now arrived. Such times have, in a certain sense, arrived with our fifth post-Atlantean epoch, and yet, in a certain sense, they have not.

[ 9 ] Wie steht es nun mit den Geisteskräften der Menschen der Gegenwart, das heißt seit dem 15. Jahrhundert? Im allgemeinen sind diese Geisteskräfte keineswegs höhere geworden, als sie in den vorangegangenen Zeiträumen waren. In gewissem Sinne hat der Mensch sich mit seinem Seelischen noch mehr in die Materie hineinversenkt, und das mußte er auch tun, um zu der Bewußtseinsseele zu gelangen. So sehen wir, wie die Geisteswissenschaft, die noch vor dem 15., 16. Jahrhundert in der Erinnerung bewahrt geblieben war, verschwand und wie der Materialismus immer mehr zunahm. Die Geisteswissenschaft, die wir in einer gewissen Weise blühend finden bei einzelnen Geistern des Mittelalters, die gleichsam wie aus dem Elementarischen heraus durch einzelne Mystiker noch eine gewisse Höhe erreichte, sehen wir zurückgehen. Dagegen sehen wir vom 11., 12. Jahrhundert an etwas anderes sich vorbereiten. Ein Symptom dafür ist, daß man beginnt, das Dasein Gottes zu beweisen. Nun müßte man wirklich sehr sonderbare Auffassungen haben über die Welt, wenn man nicht bald klar einsehen würde, was das bedeutet. Was beweist man denn? Für gewöhnlich doch dasjenige, was man nicht weiß, was man nicht kennt! Daß einer gestohlen hat, versucht man zu beweisen, wenn man ihn nicht geschen hat bei dem Diebstahl. Man hatte das innere Erlebnis Gottes verloren, man wußte nicht mehr, auf welchem Seelenwege man Gott zu suchen habe, da begann man Gott zu beweisen. Das ist ein unwiderlegbarer Beweis dafür, daß man die Erkenntnis von dem Gotte anfing zu verlieren. Das fünfte Zeitalter muß das materialistische Zeitalter sein, denn nur dadurch, daß der Mensch seit der Zeit gezwungen ist, sich die Natur so anzuschauen, wie sie sich den Sinnen und dem Verstande darbietet, um durch die Sinne überwunden zu werden, kann das Ich in all seiner Kraft sich zum Bewußtsein kommen.

[ 9 ] What, then, of the spiritual powers of people today—that is, since the 15th century? In general, these spiritual powers have by no means become any higher than they were in previous eras. In a certain sense, human beings have immersed their souls even more deeply into matter, and they had to do so in order to reach the conscious soul. Thus we see how Spiritual Science, which had been preserved in memory even before the 15th and 16th centuries, disappeared, and how materialism increased more and more. We see Spiritual Science—which we find flourishing in a certain way among individual minds of the Middle Ages, and which, as it were, reached a certain height through individual mystics emerging from the elemental realm—beginning to decline. In contrast, from the 11th and 12th centuries onward, we see something else taking shape. One symptom of this is that people began to prove the existence of God. Now, one would have to hold truly very strange views about the world if one did not soon clearly see what this means. What, after all, does one prove? Usually, that which one does not know, that which is unknown! One tries to prove that someone has stolen something if one did not catch them in the act of stealing. One had lost the inner experience of God; one no longer knew which path of the soul to take to seek God, so one began to prove God. This is irrefutable proof that one was beginning to lose the knowledge of God. The fifth age must be the materialistic age, for it is only because, since that time, man has been compelled to view nature as it presents itself to the senses and the intellect—so that it may be overcome through the senses—that the ego can come to consciousness in all its power.

[ 10 ] Wenn wir uns verständigen wollen über dasjenige, was ich eigentlich meine, dann wollen wir noch einmal zurückweisen auf den urpersischen Zeitraum. In dem urindischen Zeitraum würde es sich noch deutlicher zeigen, auch in dem ägyptischen Zeitraum war es noch in einer gewissen Weise da. Sehr sonderbar wäre es einem Menschen der persischen Kultur erschienen, die Planetenbewegungen zu betrachten und daraus ein Weltsystem abzuleiten, wie es Kopernikus tat. Und nun muß ich etwas sehr Paradoxes aussprechen. Ein Mensch der alten persischen Kultur hätte wahrscheinlich große Augen gemacht, wenn man ihn in der heutigen Art die Astronomie hätte lehren wollen. Er hätte gesagt: Sollte ich denn so töricht sein, daß, wenn ich gehen will, jemand mir zeigen muß, wie ich gehe? Wenn die Sonne ihren Weg durch den Weltenraum geht, geht dort meine Seele. Das muß ich doch bemerken. — Er wußte das, so wie ein Mensch heute weiß, welchen Weg er geht, wenn sein Körper geht. Aus diesem alten Erkennen heraus haben die Urperser eine Spirale aufgezeichnet, die wirklich der Sonnenbahn durch den Himmelsraum entspricht. Diese Sonnenbahn ist durch ein inneres Wahrnehmen gefunden. Die Menschenseele fühlte sich in Verbindung mit der Erdenseele und zeichnete durch den Caduceus-Merkurstab den Weg der Erde auf. Daß der Mensch aus seiner spirituellen Umgebung so geworfen wurde, daß er ausspintisieren und berechnen mußte den Weg der Erde als den Weg eines Planeten, das entstand erst später.

[ 10 ] If we wish to understand what I actually mean, let us return once more to the ancient Persian period. In the ancient Indian period, this would have been even more evident; it was also present to a certain extent in the Egyptian period. It would have seemed very strange to a person of Persian culture to observe the movements of the planets and derive a world system from them, as Copernicus did. And now I must say something quite paradoxical. A person from ancient Persian culture would probably have been astonished if one had tried to teach him astronomy in the modern way. He would have said: Should I be so foolish that, when I want to walk, someone has to show me how to walk? When the sun travels its path through the cosmos, my soul travels there. Surely I must perceive that. — He knew this, just as a person today knows which path he is taking when his body walks. Based on this ancient insight, the ancient Persians drew a spiral that truly corresponds to the sun’s path through the heavens. This solar path was discovered through inner perception. The human soul felt itself connected to the soul of the Earth and traced the Earth’s path through the Caduceus—the staff of Mercury. The fact that humanity was so cast out of its spiritual environment that it had to speculate and calculate the Earth’s path as that of a planet—that arose only later.

[ 11 ] Wäre aber andererseits der Mensch so geblieben in bezug auf die äußere Welt, so hätte er niemals zum vollen Selbstbewußtsein kommen können. Er wäre durch die griechisch-lateinische Kulturperiode gegangen, es würden Verstand und Gemüt auf sich selbst angewiesen sein, gleichsam in sich selbst wühlend, es wäre ein Zustand eingetreten, wo die Seele nicht mehr unmittelbar weiß, wie sie zur Welt steht, sondern nur in sich selber Fortschritte macht. Auch darüber mußte die Menschenseele hinauskommen und in das Zeitalter der . Bewußtseinsseele eintreten. Da soll der Mensch lernen, in seinem Ich, und nur in seinem Ich zu leben. Er soll alles Äußere abgesondert von seinem Ich darstellen und es soll alles nur durch die Logik erkannt werden. So wird der Mensch aus dem geistigen Inhalt der Welt herausgeworfen.

[ 11 ] On the other hand, if human beings had remained unchanged in relation to the external world, they would never have been able to attain full self-awareness. They would have passed through the Greco-Roman cultural period; their intellect and emotions would have been dependent on themselves, as it were, delving within themselves; a state would have arisen in which the soul no longer knows directly how it relates to the world, but makes progress only within itself. The human soul had to transcend this as well and enter the age of the . Consciousness Soul. There, the human being is to learn to live in his ego, and only in his ego. He is to represent everything external as separate from his ego, and everything is to be recognized solely through logic. Thus, the human being is cast out of the spiritual content of the world.

[ 12 ] In dem griechisch-lateinischen Zeitalter hatte die Seele in sich noch das unmittelbare tätige Verstandesprinzip, und das erlebte zwar die Vorgänge nicht mehr unmittelbar in der Außenwelt, hatte aber den Gott in sich. Im neuen Zeitalter verlor der Mensch den Gott auch in sich selbst. Aristoteles würde gar nicht daran gedacht haben, den Gott zu beweisen, denn die Verstandes- oder Gemütsseele erlebte noch den Gott in sich. Den Christus konnte sie nicht beweisen, aber den Gott hatte sie noch in sich. Dann ging vom 15., 16. Jahrhundert ab auch das verloren. Wenn auch dieses vorbei ist, wird der Mensch unmittelbar zu einer Gottesidee durch eigene Kraft kommen können.

[ 12 ] In the Greco-Roman era, the soul still possessed within itself the immediate, active principle of the intellect; although it no longer experienced events directly in the external world, it still had God within itself. In the new era, humanity lost God even within itself. Aristotle would never have thought of proving the existence of God, for the intellectual or emotional soul still experienced God within itself. It could not prove the existence of Christ, but it still had God within itself. Then, beginning in the 15th and 16th centuries, that too was lost. When this too has passed, humanity will be able to arrive at an idea of God directly through its own power.

[ 13 ] So haben wir also vom 15. Jahrhundert ab durch vierhundert Jahre den auf sich selbst gestellten Menschenverstand, der unmöglich in die Gottesidee eindringen kann. Da ist etwas sehr Eigentümliches passiert, was uns sehr übelgenommen worden ist, daß wir es bemerkt haben. Da lebte in der Morgenröte dieses Zeitraumes, im 18. Jahrhundert, der Philosoph Immanuel Kant. Kant passierte nichts Geringeres, als daß er die Eigenart der menschlichen Seele seit dem 15. Jahrhundert verwechselte mit der Natur der menschlichen Seele überhaupt. Und daher kam er zu der sonderbaren Schlußfolgerung, daß der Mensch unmöglich aus sich heraus zu einer Gotteserkenntnis kommen könne, während er doch nur hätte sagen dürfen, daß dieses erst seit dem Anfange des 15. Jahrhunderts unmöglich ist. Aber da Luzifer ihn besonders am Kragen hatte und ihn zu einem hochmütigen Menschen machte, glaubte er, daß das für das ganze Menschengeschlecht überhaupt so sei.

[ 13 ] Thus, from the 15th century onward, for four hundred years, we have had human reason left to its own devices, which is incapable of penetrating the concept of God. Something very peculiar happened, and we were severely criticized for having noticed it. In the dawn of this era, in the 18th century, lived the philosopher Immanuel Kant. Kant did nothing less than confuse the peculiar nature of the human soul since the 15th century with the nature of the human soul in general. And thus he arrived at the strange conclusion that human beings could not possibly arrive at a knowledge of God from within themselves, whereas he should have merely stated that this had only been impossible since the beginning of the 15th century. But since Lucifer had a particular hold on him and made him a haughty man, he believed that this was the case for the entire human race in general.

[ 14 ] Nun könnte man sagen, dann müßten die Aussichten für das Erkennen der Christus-Wesenheit noch schlimmer sein als in den vorangegangenen Jahrhunderten. Das ist aber doch nicht der Fall. Denn die Menschheit hat noch andere Erkenntnisfähigkeiten als damals in der vierten nachatlantischen Kulturperiode und als diejenigen, die jetzt einzig und allein dazu gebraucht werden, um das Ich voll zu verstehen. Diese anderen Erkenntniskräfte liegen mehr auf dem Untergrunde der menschlichen Seele, sie müssen erst heraufgeholt werden. Aber das tut der heutige Mensch erst, wenn er dazu gezwungen wird. Solange noch die menschliche Natur an der Oberfläche die Möglichkeit hatte, zu der Erkenntnis des Gottes zu kommen, bemühte der Mensch sich nicht weiter, zu seinen tieferen Kräften durchzudringen. Nun aber, in unserem Zeitalter, da der Mensch nicht an den Gott heran kann, wird er gezwungen durch die Reaktion, tiefer in sich selber zu graben und andere Kräfte aus sich herauszuheben, als diejenigen sind, welche an der Oberfläche der menschlichen Natur liegen. Damit hängt es zusammen, daß wir einer Zeit entgegengehen, in der eine auf tiefere Kräfte der Menschennatur gebaute Erkenntnis der Christus-Wesenheit beginnt Platz zu greifen.

[ 14 ] One might say, then, that the prospects for recognizing the Christ-being must be even worse than in previous centuries. But that is not the case. For humanity possesses other cognitive faculties than those of the fourth post-Atlantean cultural epoch, and than those that are now required solely for a full understanding of the ego. These other cognitive powers lie more in the depths of the human soul; they must first be brought to the surface. But modern humanity does this only when compelled to do so. As long as human nature still had the possibility, on the surface, of attaining knowledge of God, humanity made no further effort to penetrate to its deeper powers. Now, however, in our age, since humanity cannot approach God, it is compelled by this reaction to dig deeper within itself and to draw forth powers other than those that lie on the surface of human nature. This is connected to the fact that we are moving toward a time in which an understanding of the Christ-being, built upon the deeper powers of human nature, is beginning to take hold.

[ 15 ] Ich durfte vor einigen Tagen in Kristiania von einem Fünften Evangelium sprechen. Da handelt es sich um Mitteilungen über die Christus-Wesenheit, die nicht in den anderen Evangelien vorhanden sind. Durch das Fünfte Evangelium lernt man noch anderes von der Christus-Wesenheit erkennen als durch das, was in den vier anderen Evangelien steht. Dieses führt uns noch mehr in die Natur der Christus-Wesenheit hinein. Indem man solche gewissermaßen neuen Dinge über die Natur der Christus-Wesenheit spricht, kann im Grunde von einem Begehen einer Unbescheidenheit keine Rede sein, denn solche Dinge teilt man nur mit, wenn die Zeit es verlangt. Aber auch das, was zum Beispiel hier in Kopenhagen über die ChristusWesenheit gesagt worden ist, was ja gedruckt vorliegt in der Schrift «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit», und in verschiedenen Zyklen, gehört schon in gewisser Weise zu diesem Fünften Evangelium. Solche Dinge werden eben gesagt, wenn die Zeit dazu drängt, daß die Menschheit sie erfahre. Wenn Sie nur dieses eine nehmen, was in der «Geistigen Führung des Menschen und der Menschheit » besprochen ist von den zwei Jesusknaben, so werden Sie ja zugeben, daß all das, was Verständnis ist in unserer Gegenwart — was die an der Oberfläche befindlichen Kräfte der Menschenseele sind —, nicht nur diese Dinge nicht versteht, sondern recht sehr dagegen wütet, wenn sie gesagt werden.

[ 15 ] A few days ago in Kristiania, I had the opportunity to speak about a Fifth Gospel. This consists of teachings about the Christ-essence that are not found in the other Gospels. Through the Fifth Gospel, one comes to recognize aspects of the Christ-essence that go beyond what is written in the other four Gospels. This leads us even deeper into the nature of the Christ-essence. By speaking of such, in a sense, new things about the nature of the Christ-being, there can really be no question of committing an act of immodesty, for such things are only shared when the time demands it. But even what has been said here in Copenhagen, for example, about the Christ-being—which is, after all, available in print in the book *The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity* and in various cycles—already belongs, in a certain sense, to this Fifth Gospel. Such things are simply spoken of when the time urges that humanity should learn them. If you take just this one thing discussed in “The Spiritual Guidance of the Individual and of Humanity”—namely, the two Jesus-children—you will surely admit that everything that constitutes understanding in our present age—that is, the forces of the human soul that lie on the surface—not only fails to understand these things but actually rages against them when they are spoken.

[ 16 ] Vor einer neuen Art der Christus-Auffassung stehen wir also, die eben eine nicht verstandesmäßige sein wird. Sie wird zwar verstanden werden können, aber gefunden wird sie durch tiefergelegene Seelenkräfte. Wenn man mit dem Blick der hellseherischen Forschung eine Art Vorschau sich verschaffen will von der Zukunft der Menschheit in den nächsten Jahrhunderten, auch in den nächsten Reinkarnationen der jetzt lebenden Menschen, dann muß gesagt werden, daß die an der Oberfläche liegenden Seelenkräfte wirklich immer geringer und geringer werden. Die Menschheit wird sich immer mehr angewiesen fühlen auf die Offenbarungen der tiefergelegenen Seelenkräfte.

[ 16 ] We are thus faced with a new way of understanding Christ, one that will not be based on intellectual reasoning. While it will be possible to understand it, it will be discovered through deeper spiritual powers. If one wishes to gain a kind of preview of humanity’s future in the coming centuries—and in the next reincarnations of those now living—through the lens of clairvoyant research, then it must be said that the soul forces lying on the surface are indeed becoming ever weaker and weaker. Humanity will feel increasingly dependent on the revelations of the deeper soul forces.

[ 17 ] Von dem griechisch-lateinischen Zeitraum wird mit Recht gerühmt, daß die Menschen, die recht in ihm lebten, eine gewisse innere Geschlossenheit ihres Wesens hatten. Das kann im Grunde genommen bei gesunden Seelennaturen schon heute nicht mehr der Fall sein und wird in der Zukunft immer weniger der Fall sein. Würde man die Menschheit in der Zukunft nur allein dasjenige lehren wollen, was mit den an der Oberfläche liegenden Kräften erforscht werden kann, dann würden die Menschen in ihren Seelen immer mehr veröden, in einer merkwürdigen Weise veröden.

[ 17 ] The Greco-Roman era is rightly praised for the fact that the people who truly lived within it possessed a certain inner coherence of character. Fundamentally, this can no longer be the case even today for healthy souls, and it will be less and less the case in the future. If, in the future, one were to teach humanity only what can be explored through superficial forces, then people’s souls would become increasingly desolate, desolate in a strange way.

[ 18 ] Heute sind wir noch nicht so weit, daß in der Schule keine religiösen Überlieferungen mehr gelehrt werden, aber wie viele verlangen nicht schon, daß nur dasjenige gelehrt wird, was die Naturwissenschaft bringt. Für das äußere Leben werden ja die Forderungen dieser Menschen so mächtig werden, daß in sehr kurzer Zeit die Menschheit ungeheuer veräußerlicht sein wird. Heute lernt der Mensch noch schreiben. In einer nicht sehr fernen Zukunft wird man sich nur noch daran erinnern, daß die Menschen in früheren Jahrhunderten geschrieben haben. Es wird eine Art der mechanischen Stenographie geben, die dazu noch auf der Maschine geschrieben werden wird. Mechanisierung des Lebens! Ich will sie nur andeuten durch das eine Symptom: Denken Sie sich die Höhe einer Kultur, in der man ausgraben wird die historische Wahrheit, daß einmal Menschen waren, die Handschriften gehabt haben, so wie wir ausgraben, was in den ägyptischen Tempeln gefunden wird. Handschriften wird man ausgraben wie wir die Denkmäler der Ägypter. Aber auch die Reaktion des seelischen Lebens dagegen wird eintreten. Und so wahr es ist, daß unsere Handschrift für die Zukunft so etwas sein wird wie für uns die Hieroglyphen der Ägypter, etwas, das man anstaunen wird, so wahr ist es, daß daneben die Menschenseelen drängen werden, die unmittelbaren Offenbarungen des Geistes wieder zu erhalten. Das äußere Leben wird veräußerlicht werden, aber das innere Leben wird sein Recht fordern.

[ 18 ] Today we have not yet reached the point where religious traditions are no longer taught in schools, but how many are already demanding that only what science provides be taught. In practical life, the demands of these people will become so powerful that, in a very short time, humanity will be utterly dehumanized. Today, people still learn to write. In the not-too-distant future, people will only remember that people in earlier centuries used to write. There will be a kind of mechanical shorthand that will be typed on a machine. The mechanization of life! I want to hint at it through just one symptom: Imagine the level of a culture in which people will excavate the historical truth that there were once people who had handwriting, just as we excavate what is found in Egyptian temples. Handwriting will be excavated just as we excavate the monuments of the Egyptians. But a reaction from the spiritual life against this will also occur. And just as it is true that our handwriting will be to the future what the hieroglyphs of the Egyptians are to us—something to be marveled at—so it is true that alongside this, human souls will strive to regain the direct revelations of the spirit. Outer life will become externalized, but inner life will demand its due.

[ 19 ] Dasjenige, was wir heute als Geisteswissenschaft treiben, mögen die Leute jetzt verspotten, aber vor dem Sehnsuchtsschrei der Menschen nach der geistigen Welt werden sich die Materialisten zurückziehen müssen. Und so wird man anfangen, den Christus zu erkennen in denjenigen Zeitepochen, die einen offenen Sinn für die Spiritualität haben werden, dann allerdings durch die Reaktion gegen das äußere Leben.

[ 19 ] People may mock what we call Spiritual Science today, but in the face of humanity’s yearning for the spiritual world, materialists will have to retreat. And so people will begin to recognize Christ in those eras that will have an open sense of spirituality—though in those times, this will come about through a reaction against external life.

[ 20 ] Sehen wir, um uns darüber noch mehr zu verständigen, die Sache noch von einer anderen Seite an. Vielleicht werden Ihre Seelen mitschwingen, wenn ich versuche, das Folgende vor Ihre Seelen hinzustellen. Wir können auf das Bild der Frauen blicken, die — nach dem Evangelium — hingehen, um den Leichnam Christi zu suchen, das geöffnete Grab finden, den Leichnam nicht finden, aber den Engel finden, der da sagt: Der, den ihr suchet, ist nicht mehr hie, er ist auferstanden! — Er lebt im Geiste. Denn derjenige, den sie gesucht haben in der Materie, der erscheint nachher den Aposteln und unterrichtet sie während einiger Zeit, als Ausnahmemenschen, die für ihn eine Empfänglichkeit und Verständnis erlangt hatten. So erschien Christus in geistiger Gestalt. Und er zog im Geiste durch Griechenland, Rom, bis zu den Germanen herauf, von Osten nach Westen und von da nach Norden. Ein Verständnis, ideelles, begriffliches, wissenschaftliches Verständnis werden wir für die Christus-Wesenheit nicht suchen bei den großen römischen Philosophen, die wahrhaftig von dem Christus als von etwas sprechen, was sie nicht verstehen. Aber auch nicht bei den gleichsam stammelnden germanischen Völkern werden wir ein Verständnis für den Christus finden, der zwar die Seelen hinreißt, aber wahrhaftig nicht verstanden wird, der nur in den Herzen wohnt.

[ 20 ] To gain a deeper understanding of this, let us look at the matter from another perspective. Perhaps your hearts will resonate as I attempt to present the following before you. We can look at the image of the women who—according to the Gospel—go to seek the body of Christ, find the open tomb, do not find the body, but find the angel who says there: “The one you seek is no longer here; he has risen!” — He lives in the Spirit. For the one they sought in the material world subsequently appeared to the Apostles and taught them for some time, as exceptional human beings who had attained a receptivity and understanding for him. Thus Christ appeared in spiritual form. And he journeyed in the Spirit through Greece, Rome, up to the Germanic peoples, from east to west and from there to the north. We shall not seek an intellectual, conceptual, or scientific understanding of the Christ-being among the great Roman philosophers, who truly speak of Christ as something they do not understand. Nor, however, will we find an understanding of Christ among the, as it were, stammering Germanic peoples, who, though he captivates their souls, is truly not understood, but dwells only in their hearts.

[ 21 ] Und kommen wir in das 11., 12., 13. Jahrhundert hinein, da sind es nicht die Frauen, die zum Grabe gehen, um den Leichnam des Christus zu suchen, und ihn nicht finden — den Leichnam, der physisch zu begreifen wäre —, da sind es ganze Scharen europäischer Völker, die zum Grabe Christi ziehen. Wir kommen in die Zeit der Kreuzzüge, die vom Westen nach Osten hin sich begeben nach dem Grabe, wohin einstmals die Frauen gegangen sind. Und was vernehmen diese Scharen, die zum Grabe wallen?: Was ihr suchet, ist nicht hie! — Wahrhaftig, was sie suchten entsprang ihrem Gemüt, dem, was in ihrer Seele lebte, aber sie verstanden es so wenig, daß sie nach dem Osten zogen, das physische Grab zu suchen, und erst nach langen Enttäuschungen, nach vielen Leiden erfuhren: Der, den ihr suchet, ist nicht hie! — Was war es denn, was sie suchten?

[ 21 ] And as we enter the 11th, 12th, and 13th centuries, it is not women who go to the tomb to seek the body of Christ and fail to find it—the body that could be physically grasped—but rather whole multitudes of European peoples who make their way to Christ’s tomb. We enter the era of the Crusades, as people journey from the West to the East toward the tomb where the women once went. And what do these multitudes, streaming toward the tomb, hear?: “What you seek is not here!” —Truly, what they sought sprang from their hearts, from what lived in their souls, but they understood it so little that they journeyed eastward to seek the physical tomb, and only after long disappointments, after much suffering, did they learn: He whom you seek is not here! —What, then, was it that they sought?

[ 22 ] Wir sehen auf der einen Seite die Züge nach dem Osten und sehen auf der anderen Seite die europäische Mystik sich vorbereiten in Tauler, Meister Eckhart, und später in Jakob Böhme einen Höhepunkt erreichen. Da war derjenige, den sie im Osten suchten und nicht fanden! Da war er hingegangen. Aber in einer eigenartigen Weise lebte er dort. Wenn wir auf diese mittelalterliche Mystik eingehen, was ist denn ihr bedeutsamster Zug?

[ 22 ] On the one hand, we see the trends toward the East, and on the other, we see European mysticism taking shape in Tauler, Meister Eckhart, and later reaching a peak in Jakob Böhme. There was the one they sought in the East and did not find! He had gone there. But in a peculiar way, he lived there. When we examine this medieval mysticism, what is its most significant feature?

[ 23 ] Diese Geister: Eckhart, Tauler und die anderen, machen nicht Anspruch darauf, den Gott, den Christus zu verstehen, aber sie wollen, wie sie sagen, ein sehr «gelassenes» Leben führen, um den Christus in ihrer Seele zu erleben. Und je mehr sie den Christus in sich erlebten, desto mehr wußten sie, daß sie sich mit dem Göttlichen, mit dem Christus im Sinne ihrer Zeit durchdringen lassen wollten. Die Kreuzfahrer hatten nur die Auskunft erhalten: Der, den ihr suchet, ist nicht hie! — Das, was sie gesucht hatten, lebte wiederum auf in der Form der europäischen Mystik.

[ 23 ] These thinkers—Eckhart, Tauler, and the others—do not claim to understand God or Christ, but they wish, as they say, to lead a very “serene” life in order to experience Christ within their souls. And the more they experienced Christ within themselves, the more they knew that they wanted to allow themselves to be permeated by the divine, by Christ, in the sense of their time. The Crusaders had received only this message: “The one you seek is not here!” — What they had sought was revived in the form of European mysticism.

[ 24 ] Wir leben wieder in einem eigentümlichen Zeitalter. An dem, was wir erleben, sind nicht nur die europäischen Völker, sondern auch die Völker Amerikas beteiligt. Das merkwürdige Schauspiel, das wir erleben können, kann einem wirklich an Tausenden und Abertausenden Symptomen entgegentreten. Lassen Sie mich nur eines davon — aus Berlin-charakterisieren. Ein berühmter Theologe der Gegenwart hat am 1. Februar 1910 folgenden «genialen» Satz ausgesprochen: Meine Damen und Herren, ich bitte Sie, bringen Sie mir einen einzigen Satz, der von dem Christus Jesus berichtet wird, von dem ich Ihnen nicht nachweisen kann, daß er nicht schon im vorchristlichen Geistesleben lebendig war. — Das ist so recht die heutige Art. Man beweist, daß dasjenige, was in unserem Christentum enthalten ist, schon früher da war, sogar das ganze Vaterunser. Dieser Theologe spricht also etwas aus, was ganz im Sinne unserer Zeit ist, und man wird Ähnliches immer mehr und mehr hören. Was kann man für einen Eindruck haben, wenn man solch einen Herrn behaupten hört, daß alle Aussprüche des Christus schon früher da waren? Ich hörte einmal einen sehr belesenen Menschen eine Rede halten und ein Kind stand dabei. Das Kind wurde gefragt: Was hast du denn gehört? Da sagte es: Der gibt mir nichts Neues, ich kannte schon alle Worte! — So vernimmt auch der Theologe alle Sätze und hört gar nichts Neues, das durch die Sätze hindurchklingen würde.

[ 24 ] We are once again living in a peculiar age. Not only the peoples of Europe, but also the peoples of America are involved in what we are experiencing. The strange spectacle we are witnessing can truly be seen in thousands upon thousands of symptoms. Let me characterize just one of them—from Berlin. A famous contemporary theologian uttered the following “brilliant” sentence on February 1, 1910: Ladies and gentlemen, I ask you to bring me a single sentence attributed to Jesus Christ that I cannot prove was not already alive in pre-Christian spiritual life. — That is very much the way of today. One proves that what is contained in our Christianity was already there earlier, even the entire Lord’s Prayer. This theologian is thus expressing something that is entirely in keeping with our times, and one will hear similar things more and more. What impression can one have when one hears such a gentleman assert that all of Christ’s sayings were already there earlier? I once heard a very well-read man give a speech, and a child was standing nearby. The child was asked: “What did you hear?” The child replied: “He’s not telling me anything new; I already knew all those words!” — In the same way, the theologian hears all the sentences and hears nothing new that might resonate through them.

[ 25 ] Diese Dinge sollten eigentlich selbstverständlich sein, dennoch werden sie in der Gegenwart nur mit Widerspruch aufgenommen. Denn in unserer Gegenwart ist von der Gesinnung, daß ein studierter Mensch noch etwas lernen könne, wenig vorhanden, wohl aber ist die Gesinnung verbreitet, daß man alles aus sich beurteilen könne. Mit solcher Gesinnung haben wir eben ein merkwürdiges Schauspiel erlebt. Als der Materialismus in den letzten Jahrhunderten heraufkam, gefiel es den Menschen nicht, von dem Christus Jesus zu sprechen, und da entstand eine "Theologie, die nach und nach .alles Göttliche aus dem Christus Jesus herauswarf und nur von dem Menschen, wenn auch von einem hochstehenden Menschen Jesus sprach. Das ist im 19. Jahrhundert besonders weit gekommen und hat dann einen grotesken Ausdruck in dem berühmten Werke von Ernest Renan: «Das Leben Jesu», erhalten, das 1863 erschienen ist. Er hat wunderbar Schönes und in schöner Sprache über Jesus gesagt. Aber schon das Lazarus-Wunder beschreibt er so, als habe Jesus in Wirklichkeit keinen Toten auferweckt, sondern als habe er zugelassen, daß seine Anhänger das so berichtet und verbreitet hatten. Es wäre also eine Konzession an seine Anhänger gewesen, eine Art von Hokuspokus oder Schwindel, so daß sich hier in ein im übrigen wirklich schönes Werk hineinmischt etwas Hintertreppenromanhaftes. Man findet eigentlich keinen bestimmten Grund, warum Renan solche verehrenden Worte gebraucht, denn denjenigen, den er beschreibt, könnte man wahrhaftig nicht so besonders verehren. Aber ein halbes Jahrhundert hat das gedankenlos so hingenommen. Das ist nur ein Beispiel aus der Literatur, die den Christus Jesus nur als einen Menschen gelten lassen will.

[ 25 ] These things should really go without saying, yet in the present day they are met only with opposition. For in our time, the belief that an educated person still has something to learn is rare, whereas the belief that one can judge everything on one’s own is widespread. With such a mindset, we have just witnessed a curious spectacle. As materialism rose in the last few centuries, people did not like to speak of Christ Jesus, and thus a “theology” arose that gradually expelled everything divine from Christ Jesus and spoke only of the human being—albeit of a superior human being—Jesus. This reached its peak in the 19th century and found a grotesque expression in Ernest Renan’s famous work, *The Life of Jesus*, published in 1863. He spoke of Jesus in wonderfully beautiful terms and with beautiful language. But even the miracle of Lazarus he describes as if Jesus had not actually raised a dead man, but rather had allowed his followers to report and spread the story that way. It would thus have been a concession to his followers, a sort of hocus-pocus or hoax, so that something of the nature of a sensational novel creeps into what is otherwise a truly beautiful work. One cannot really find any specific reason why Renan uses such reverent words, for the person he describes is truly not someone one could particularly revere. Yet for half a century, this has been accepted without question. This is just one example from the literature that seeks to regard Jesus Christ merely as a human being.

[ 26 ] Nun hat man aber die merkwürdige Entdeckung gemacht, daß doch vieles, was von diesem Christus Jesus berichtet wird, unmöglich wäre, wenn der Christus Jesus ein einfacher Mensch gewesen wäre, besonders das Wort, daß Jesus sich selbst für den Christus gehalten hat, also für etwas, was nicht nur ein bloßer Mensch ist. Da ist man auf manches gestoßen, was nun doch nicht stimmt. Da fanden dann die Menschen in der letzten Zeit die Auskunft, an die Stelle des Menschen nun wieder den Gott zu setzen, aber den bloß gedachten Gott. Da erscheint der Christus Jesus nur wie ein Schatten, ein Schemen, ein Fetisch, aber wie ein geistiger Fetisch. Ein merkwürdiges Schauspiel! Jahrhundertelang hatten die Menschen aus dem Christus Jesus den Gott verdrängt und einen Menschen aus ihm gemacht, und jetzt erleben wir, daß der Gott wieder den Menschen unmöglich macht. So wird es immer weiter- und weitergehen, und dies zeigt hinlänglich, daß wir auf einer Bahn sind, auf der den an der Oberfläche gelegenen Kräften ein Verständnis unmöglich ist. Das will sagen, daß die Menschen im 20. Jahrhundert eine Art Kreuzzug versucht haben nach dem historischen Christus Jesus. Und wiederum wird die Antwort kommen: Den, den ihr suchet, findet ihr nicht hier. — Denn diejenigen, die den historischen Menschen Jesus in dieser Weise suchen, werden ihn ebensowenig finden können wie die Frauen am Grabe oder wie die Kreuzfahrer, die zum Grabe wallten. Aber ebenso, wie die Kreuzfahrer den Christus nicht finden konnten, weil sie ihn nicht in ihrem Innern suchten, ebenso können die heutigen Kreuzfahrer den Christus Jesus nicht finden, weil sie ihn nicht suchen mit den Kräften, die im Inneren der Menschenseele gelegen sind, weil sie sich nicht an diejenigen Geisteskräfte wenden, die allein den Christus finden können.

[ 26 ] Now, however, a curious discovery has been made: that much of what is reported about this Jesus Christ would be impossible if Jesus Christ had been a mere human being—especially the claim that Jesus considered himself to be the Christ, that is, something more than just a mere human being. People have come across many things that simply do not add up. Recently, people have found a way to replace the human figure with God once again—but with a God who exists only in the imagination. In this view, Christ Jesus appears merely as a shadow, a phantom, a fetish—but a spiritual fetish. A strange spectacle! For centuries, people had displaced God from Christ Jesus and made him a mere human being, and now we are witnessing that God is once again rendering the human being impossible. Thus it will go on and on, and this amply demonstrates that we are on a path where an understanding of the forces lying on the surface is impossible. This means that people in the 20th century have attempted a kind of crusade in search of the historical Christ Jesus. And once again the answer will come: You will not find the one you seek here. — For those who seek the historical man Jesus in this way will be just as unable to find him as the women at the tomb or as the crusaders who made pilgrimages to the tomb. But just as the Crusaders could not find Christ because they did not seek him within themselves, so too can today’s Crusaders not find Christ Jesus because they do not seek him with the powers that lie within the human soul, because they do not turn to those spiritual powers that alone can find Christ.

[ 27 ] Es bereitet sich im Schoße der spirituellen Geistesströmung eine Vertiefung der geistig-seelischen Kräfte vor. Und während immer mehr und mehr den Christus leugnen werden die an der Oberfläche gelegenen Geisteskräfte, werden tiefere Seelenkräfte auftreten, die den Christus immer mehr suchen werden. Es werden die Menschen sich mehren, die schauen werden den Christus, der die Äthersphäre beleben wird, den diejenigen finden werden, die dafür empfänglich sind. Darum sprechen wir von einem ätherischen Dasein des Christus im 20. Jahrhundert. Dann werden wir aus eigener Erfahrung wissen, daß bei dem Mysterium von Golgatha wirklich in die Erdensphäre eingetreten ist diejenige Wesenheit, die der Christus genannt wird, und immer mehr Menschen werden wissen, wer der Christus ist, da sie ihn schauen werden.

[ 27 ] A deepening of spiritual and soul forces is taking place within the bosom of the spiritual current. And while more and more of the spiritual forces on the surface will deny Christ, deeper soul forces will emerge that will seek Christ ever more. There will be an increase in the number of people who will see the Christ who will enliven the etheric sphere, and who will find those who are receptive to this. That is why we speak of an etheric presence of the Christ in the 20th century. Then we will know from our own experience that, through the Mystery of Golgotha, the Being called Christ has truly entered the Earth sphere, and more and more people will know who Christ is, for they will see him.

[ 28 ] Die Bekanntschaft mit der Geisteswissenschaft wird die Seelen so vertiefen, daß dadurch der Blick der Menschen erwachen wird für den Christus. Eine wunderbare Perspektive tut sich für den hellseherischptophetischen Blick auf! Die äußeren, an der Oberfläche liegenden Seelenkräfte werden immer unzulänglicher und unzulänglicher, und die Menschen werden nach und nach so geboren werden, daß sie mit diesen an der Oberfläche liegenden Seelenkräften in ihrem Seelenleben verhältnismäßig bald fertig werden. Aber ein Zeitalter steht bald vor der Tür, das in einer merkwürdigen Weise an das ChristusEreignis erinnern wird. |

[ 28 ] Familiarity with Spiritual Science will deepen the souls to such an extent that people’s eyes will be opened to Christ. A wonderful perspective opens up for the clairvoyant-prophetic gaze! The outer, superficial soul forces are becoming increasingly inadequate, and people will gradually be born in such a way that they will relatively quickly outgrow these superficial soul forces in their inner lives. But an age is soon upon us that will, in a remarkable way, recall the Christ event. |

[ 29 ] Im dreißigsten Jahre seines Lebens sah der Jesus von Nazareth in sich den Christus einziehen. Ein neues Seelenleben begann in dem Leibe des Jesus von Nazareth, da der Christus in ihn eingezogen war an die Stelle des Zarathustra-Ich, das ihn verlassen hatte, Das war am Beginn unserer Zeitrechnung. Eine Zeit steht jetzt vor der Tür, in welcher die Menschen immer zahlreicher werden, bei denen vom dreißigsten Jahre ihres Lebens an, zwar nicht der Christus in seiner Fülle, aber die Christus-Erkenntnis wie durch eine Erleuchtung einziehen wird. Im dreißigsten Lebensjahre wird bei diesen Menschen ein neues, umfassendes Seelenleben beginnen dadurch, daß sie den Christus in seiner ätherischen Wesenheit schauen werden.

[ 29 ] In the thirtieth year of his life, Jesus of Nazareth saw the Christ enter into him. A new spiritual life began within the body of Jesus of Nazareth, for the Christ had entered him in place of the Zarathustra-I, which had left him. This was at the beginning of our era. A time is now at hand in which there will be an ever-increasing number of people in whom, from the thirtieth year of their lives onward, not Christ in his fullness, but the knowledge of Christ will enter as if through an illumination. In the thirtieth year of life, a new, comprehensive spiritual life will begin for these people through their beholding Christ in his ethereal essence.

[ 30 ] Man versteht im Sinne der Geisteswissenschaft unsere Zeit, wenn man sich Verständnis erwirbt für diese Perspektive. Wenn die Seelen, die jetzt leben, wieder verkörpert sein werden — von denen viele früher wiedergeboren werden als nach der normalen, durchschnittlichen Regel —, für manche aber wird es sich auch schon früher vollziehen, daß von einem bestimmten Lebensalter an die Menschen in sich einziehen fühlen werden durch ihr Erleben, wovon sie früher nur durch Unterweisung wissen konnten. Sie werden sagen können: Es tritt in mein Leben die Schauung ein, und ich weiß jetzt selber, wer der Christus ist, ich habe ein Verständnis durch Schauen erlangt. — Dann wird man den Christus nicht mehr beweisen wollen, denn die Anzahl derer wird immer größer werden, die darüber berichten können, daß sie den Christus als Geistwesen auf der Erde herumwandelnd finden. Man wird nicht mehr bloß den historischen Christus suchen.

[ 30 ] One can understand our time from the perspective of Spiritual Science by gaining an understanding of this viewpoint. When the souls living today are reincarnated again—many of whom will be reborn earlier than according to the normal, average rule—though for some it will happen even sooner—people will, from a certain age onward, feel something drawing into them through their own experience, something they previously could only know through instruction. They will be able to say: “Insight is entering my life, and I now know for myself who the Christ is; I have gained understanding through seeing.” — Then people will no longer want to prove the existence of the Christ, for the number of those who can report that they find the Christ walking on earth as a spiritual being will grow ever larger. People will no longer seek merely the historical Christ.

[ 31 ] Das sind die beiden Seiten des Zukunftsbildes: Auf der einen Seite wird immer mehr eine Verödung eintreten durch die an der Oberfläche befindlichen Seelenkräfte, andererseits durch Reaktion eben gegen die Verödung, ein Hervorrufen der in den Tiefen liegenden Seelenkräfte. Um dieses zu erkennen, dazu verbreiten wir die Anthroposophie.

[ 31 ] These are the two sides of the vision of the future: on the one hand, a process of desolation will increasingly take hold due to the soul forces located on the surface; on the other hand, as a reaction against this desolation, the soul forces lying in the depths will be called forth. To recognize this, we spread anthroposophy.

[ 32 ] Die Menschen dürfen die Eindrücke, die sie empfangen werden, die meistens nur leise auftreten, nicht achtlos an sich vorübergehen lassen, denn nur selten finden vehemente Eindrücke statt. Durch die Verbreitung wahrer Anthroposophie werden die Menschenseelen so werden, daß sie nicht achtlos an sich werden vorübergehen lassen die Erleuchtung, wenn sie kommt, denn sonst würde man sie während mehrerer Inkarnationen nicht bekommen können. Die anderen aber, die von den oberflächlichen Seelenkräften ausgehen, werden gerade diese, die die Erleuchtung bekommen haben, als Narren, als Wahnsinnige verschreien. Ein Anfang dazu ist ja schon in einer fürchterlichen Weise gemacht worden. Psychiater haben sich schon auf die Christus Jesus-Forschung geworfen. Man studiert die Evangelien auf Symptome des Wahnsinns hin. An solchen Erscheinungen sollte man nicht achtlos vorbeigehen, sondern man sollte dadurch zur Einsicht kommen, daß die andere Seite sehr einer Pflege bedarf; jene andere Seite, die darstellt ein Verständnis für den Christus, der in die Menschheit eingetreten ist in einer Zeit, in der er am wenigsten verstanden werden konnte und der fortwirkt, um vorzubereiten das Verständnis, das in Zukunftszeiten kommen wird.

[ 32 ] People must not allow the impressions they receive—which usually arise only faintly—to pass them by carelessly, for only rarely do intense impressions occur. Through the spread of true anthroposophy, human souls will become such that they will not carelessly let enlightenment pass them by when it comes, for otherwise it would not be possible to attain it over the course of several incarnations. But the others, who proceed from superficial soul forces, will denounce precisely those who have attained enlightenment as fools, as madmen. A start has indeed already been made in a terrible way. Psychiatrists have already thrown themselves into research on Jesus Christ. The Gospels are being studied for symptoms of madness. One should not pass over such phenomena carelessly, but should come to realize through them that the other side is in great need of care; that other side which represents an understanding of the Christ who entered humanity at a time when he could be least understood and who continues to work to prepare the understanding that will come in future times.

[ 33 ] Der Mensch, der in die Zukunft blickt, sollte nicht mit einer abstrakten, allgemeinen Phrase dasjenige abtun, was sich in der Zukunft zeigt. Die Zukunft zeigt sich von zwei Seiten, von der Seite der Verödung, des Aufgehens im Materialismus, aber auch von dem Geborenwerden einer neuen geistigen Welt, nicht nur in den Gedanken, oder, sagen wir, in der Anschauung, sondern für das Dasein. Denn der Christus wird dem Menschen an die Seite treten und sein Rater werden. Nicht als Bild allein ist das gemeint, sondern in Wirklichkeit werden die Menschen die Ratschläge, die sie brauchen, von dem lebenden Christus empfangen, der ihnen Berater und Freund sein wird, der zu den Menschenseelen sprechen wird so wie ein Mensch, der physisch neben uns geht. Hat die Menschheit eine prophetische Vorverkündigung gebraucht damals, als der Christus physisch in einem Menschenleibe erscheinen sollte, noch viel mehr braucht sie diese jetzt, da er in einer ätherischen Erscheinung für die Menschen kommen wird. Betrachten Sie das Gesagte daher als eine vorbereitende Verkündigung dessen, was da kommen wird und kommen muß.

[ 33 ] A person who looks to the future should not dismiss what the future holds with an abstract, general phrase. The future reveals itself from two sides: from the side of desolation, of being absorbed in materialism, but also from the birth of a new spiritual world—not merely in thought, or, let us say, in conception, but for actual existence. For Christ will stand by humanity and become its counselor. This is not meant merely as a figure of speech; in reality, people will receive the counsel they need from the living Christ, who will be their counselor and friend, who will speak to human souls just as a person walking physically beside us. If humanity needed a prophetic foreshadowing back then, when the Christ was to appear physically in a human body, it needs it even more now that he is to come to humanity in an etheric manifestation. Therefore, regard what has been said as a preparatory proclamation of what is to come and must come.

[ 34 ] Machen Sie sich über die Zukunft keine Illusion. Aber wir geben uns über die Zukunft keiner Illusion hin, wenn wir uns vorhalten, wie es ausschaut im äußeren materiellen Leben, wenn wir ausgehen von der Betrachtung, daß man in der Zukunft so von der Handschrift sprechen wird, wie wir von den Hieroglyphen der Ägypter sprechen. Es sind die letzten Reste einer geistigen Kultur noch vorhanden, noch erscheint in der Schrift eine Physiognomie der Seele, aber bald wird die Spur des Seelischen aus der äußeren Kultur so verschwunden sein wie für uns die ägyptische Kultur. Von manchem, was für uns noch Seelisches ist, wird man als von einem lang Vergangenen sprechen. Derselbe Mund aber, der verkündigen wird, es war einmal so etwas wie eine menschliche Handschrift, wird verkünden aus dem Spirituellen, aus dem Geistigen heraus, daß der Christus im Geiste lebendig wieder unter den Menschen herumgeht. Den Geist des bloß Gedachten werden die Menschen eintauschen müssen für den Geist der unmittelbaren Anschauung, des unmittelbaren Mitfühlens und Miterlebens von dem an der Seite aller Menschenseelen geistig-lebendig schreitenden Christus.

[ 34 ] Do not harbor any illusions about the future. But we are not harboring any illusions about the future when we consider what external material life looks like, when we start from the premise that in the future people will speak of handwriting just as we speak of the hieroglyphs of the Egyptians. The last remnants of a spiritual culture still exist; a physiognomy of the soul still appears in writing, but soon the trace of the spiritual will have vanished from external culture just as Egyptian culture has for us. Many things that are still spiritual to us will be spoken of as belonging to a long-gone past. But the same mouth that will proclaim that there once was such a thing as a human handwriting will proclaim, from the spiritual, from the spiritual realm, that Christ walks among humanity once more, alive in the Spirit. People will have to exchange the spirit of mere thought for the spirit of direct perception, of direct empathy and shared experience of the Christ who walks spiritually and vividly at the side of all human souls.