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Building Stones for an Understanding
of the Mystery of Golgotha
GA 175

3 April 1917

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Neunter Vortrag

Neunter Vortrag

[ 1 ] Das Mysterium von Golgatha wird in dieser Zeit den Gegenstand unserer Betrachtung bilden. Vorbereitet wurde diese Betrachtung durch dasjenige, was ich in den letzten Vorträgen vorgebracht habe.

[ 1 ] Das Mysterium von Golgatha wird in dieser Zeit den Gegenstand unserer Betrachtung bilden. Vorbereitet wurde diese Betrachtung durch dasjenige, was ich in den letzten Vorträgen vorgebracht habe.

[ 2 ] Rufen wir uns einmal das Allerhauptsächlichste, was dabei in Betracht kommt, ins Gedächtnis. Das letzte Mal habe ich es angeführt, daß zu einer jeglichen wirklichen, die Menschenseele befriedigenden Welterkenntnis die Einsicht gehört, daß sowohl die Weltengliederung als auch die Menschheitsgliederung, die Gliederung des Wesens des Menschen, nach den drei Prinzipien von Leib, Seele und Geist vorgenommen werden muß. Das ist ja dasjenige, was insbesondere auf unserm anthroposophischen Gebiete in der Gegenwart in allerintensivster Weise erkannt werden muß. Deshalb darf ich aufmerksam machen darauf, daß schon in meiner «Theosophie», und zwar auch in ihrer ersten Auflage, der Nerv der ganzen Auseinandersetzung aufgebaut ist auf dieser Dreigliederung. Sie werden ja alle diese «Theosophie» gelesen haben und werden wissen, daß gewissermaßen das Skelett des ganzen Buches in dieser Dreigliederung liegt, die dann noch insbesondere in den Worten ausgesprochen ist:

[ 2 ] Rufen wir uns einmal das Allerhauptsächlichste, was dabei in Betracht kommt, ins Gedächtnis. Das letzte Mal habe ich es angeführt, daß zu einer jeglichen wirklichen, die Menschenseele befriedigenden Welterkenntnis die Einsicht gehört, daß sowohl die Weltengliederung als auch die Menschheitsgliederung, die Gliederung des Wesens des Menschen, nach den drei Prinzipien von Leib, Seele und Geist vorgenommen werden muß. Das ist ja dasjenige, was insbesondere auf unserm anthroposophischen Gebiete in der Gegenwart in allerintensivster Weise erkannt werden muß. Deshalb darf ich aufmerksam machen darauf, daß schon in meiner «Theosophie», und zwar auch in ihrer ersten Auflage, der Nerv der ganzen Auseinandersetzung aufgebaut ist auf dieser Dreigliederung. Sie werden ja alle diese «Theosophie» gelesen haben und werden wissen, daß gewissermaßen das Skelett des ganzen Buches in dieser Dreigliederung liegt, die dann noch insbesondere in den Worten ausgesprochen ist:

[ 3 ] «Unvergänglich ist der Geist; Geburt und Tod walten nach den Gesetzen der physischen Welt in der Körperlichkeit; das Seelenleben, das dem Schicksal unterliegt, vermittelt den Zusammenhang von beiden während eines irdischen Lebenslaufes.»

[ 3 ] «Unvergänglich ist der Geist; Geburt und Tod walten nach den Gesetzen der physischen Welt in der Körperlichkeit; das Seelenleben, das dem Schicksal unterliegt, vermittelt den Zusammenhang von beiden während eines irdischen Lebenslaufes.»

[ 4 ] Das heißt, es mußte dazumal als notwendig erachtet werden, auf diese Dreigliederung in möglichst deutlichen Worten hinzuweisen. Denn mit der ganz besonderen, ich möchte sagen, zentralen Betonung dieser Dreigliederung steht man eigentlich erst auf dem Boden, auf den man sich stellen muß, wenn in unserer Zeit Weltverständnis und innerhalb dieses Weltverständnisses das Verständnis des Zentralgeschehens unserer Erdenentwickelung erfaßt, beziehungsweise dessen Erfassung angestrebt werden soll: das Zentralereignis des Mysteriums von Golgatha.

[ 4 ] Das heißt, es mußte dazumal als notwendig erachtet werden, auf diese Dreigliederung in möglichst deutlichen Worten hinzuweisen. Denn mit der ganz besonderen, ich möchte sagen, zentralen Betonung dieser Dreigliederung steht man eigentlich erst auf dem Boden, auf den man sich stellen muß, wenn in unserer Zeit Weltverständnis und innerhalb dieses Weltverständnisses das Verständnis des Zentralgeschehens unserer Erdenentwickelung erfaßt, beziehungsweise dessen Erfassung angestrebt werden soll: das Zentralereignis des Mysteriums von Golgatha.

[ 5 ] Nun habe ich Ihnen gerade das letzte Mal auseinandergesetzt, was alles sich entgegenstemmt, wenn in unserer Zeit angestrebt werden soll, Welt und Mensch so zu erkennen, daß nicht nur in nebensächlicher Erwähnung, sondern, wie auf eine Zentralidee hinweisend, die Gliederung vorgenommen wird in Leib, Seele und Geist. Ich habe Ihnen ausgeführt, was in der abendländischen Geistesentwickelung dem entgegengestellt wurde, habe Ihnen ausgeführt, wie verlorengegangen ist für diese abendländische Entwickelung der Begriff des Geistes. Ich habe erwähnt, daß durch das achte ökumenische Konzil zu Konstantinopel der Geist, beziehungsweise natürlich die Idee des Geistes, geradezu ausgeschaltet worden ist aus dem abendländischen Denken, und daß diese Ausschaltung der Idee des Geistes nicht nur etwa auf die Entwikkelung der religiösen Ideen und Empfindungen ihren Einfluß geübt hat, sondern tief hineingewirkt hat in alles Denken der neueren Zeit, so daß es gewissermaßen heute noch unter den offiziellen Philosophien keine gibt, welche in richtiger Weise unterscheiden kann Seele und Geist. Und überall begegnet man, auch bei den Leuten, die da glauben aufzubauen auf einer vorurteilslosen Grundlage, der vorurteilsvollen, das heißt nur durch das achte allgemeine Konzil herbeigeführten Behauptung, der Mensch bestünde aus Leib und Seele. Wer das Geistesleben, nicht nur, wie es in den oberflächlicheren philosophischen Gebieten liegt, sondern wie es sich hineingenistet hat in das Denken und Fühlen aller Menschen, auch derjenigen, die nicht daran denken, sich irgendwie um philosophische Ideen zu kümmern, wer dieses Geistesleben des Abendlandes wirklich kennt, der sieht überall den Einfluß der Ausschaltung der Idee des Geistes. Und als in der letzteren Zeit die Tendenz entstand, einiges herüberzunehmen aus der morgenländischen Weisheit, um von da aus einiges zu korrigieren innerhalb der abendländischen Weisheit, da wurde, was herübergenommen wurde, in einem Lichte dargestellt, in dem man kaum ahnen kann, daß der Welt und der Menschheit zugrunde liege die Gliederung: Leib, Seele, Geist. Denn in der rein aus der astralischen Beobachtung hervorgegangenen Gliederung des Menschen in dichten Leib, ätherischen Leib, astralischen Leib, sthula sharira, linga sharira — prâna, wie man dann sagte —, kâma, kâma-manas, und all die Dinge die da herübergezogen sind aus dem Orient in den Okzident — in all diesen Gliederungen, die so prinzipienlos sieben Prinzipien aneinanderreihen, ist nichts zu merken von dem, was das Wichtigste wäre: zu durchdringen unsere Weltanschauung mit der Gliederung in Leib, Seele und Geist.

[ 5 ] Nun habe ich Ihnen gerade das letzte Mal auseinandergesetzt, was alles sich entgegenstemmt, wenn in unserer Zeit angestrebt werden soll, Welt und Mensch so zu erkennen, daß nicht nur in nebensächlicher Erwähnung, sondern, wie auf eine Zentralidee hinweisend, die Gliederung vorgenommen wird in Leib, Seele und Geist. Ich habe Ihnen ausgeführt, was in der abendländischen Geistesentwickelung dem entgegengestellt wurde, habe Ihnen ausgeführt, wie verlorengegangen ist für diese abendländische Entwickelung der Begriff des Geistes. Ich habe erwähnt, daß durch das achte ökumenische Konzil zu Konstantinopel der Geist, beziehungsweise natürlich die Idee des Geistes, geradezu ausgeschaltet worden ist aus dem abendländischen Denken, und daß diese Ausschaltung der Idee des Geistes nicht nur etwa auf die Entwikkelung der religiösen Ideen und Empfindungen ihren Einfluß geübt hat, sondern tief hineingewirkt hat in alles Denken der neueren Zeit, so daß es gewissermaßen heute noch unter den offiziellen Philosophien keine gibt, welche in richtiger Weise unterscheiden kann Seele und Geist. Und überall begegnet man, auch bei den Leuten, die da glauben aufzubauen auf einer vorurteilslosen Grundlage, der vorurteilsvollen, das heißt nur durch das achte allgemeine Konzil herbeigeführten Behauptung, der Mensch bestünde aus Leib und Seele. Wer das Geistesleben, nicht nur, wie es in den oberflächlicheren philosophischen Gebieten liegt, sondern wie es sich hineingenistet hat in das Denken und Fühlen aller Menschen, auch derjenigen, die nicht daran denken, sich irgendwie um philosophische Ideen zu kümmern, wer dieses Geistesleben des Abendlandes wirklich kennt, der sieht überall den Einfluß der Ausschaltung der Idee des Geistes. Und als in der letzteren Zeit die Tendenz entstand, einiges herüberzunehmen aus der morgenländischen Weisheit, um von da aus einiges zu korrigieren innerhalb der abendländischen Weisheit, da wurde, was herübergenommen wurde, in einem Lichte dargestellt, in dem man kaum ahnen kann, daß der Welt und der Menschheit zugrunde liege die Gliederung: Leib, Seele, Geist. Denn in der rein aus der astralischen Beobachtung hervorgegangenen Gliederung des Menschen in dichten Leib, ätherischen Leib, astralischen Leib, sthula sharira, linga sharira — prâna, wie man dann sagte —, kâma, kâma-manas, und all die Dinge die da herübergezogen sind aus dem Orient in den Okzident — in all diesen Gliederungen, die so prinzipienlos sieben Prinzipien aneinanderreihen, ist nichts zu merken von dem, was das Wichtigste wäre: zu durchdringen unsere Weltanschauung mit der Gliederung in Leib, Seele und Geist.

[ 6 ] So könnte man geradezu sagen: Verschüttet worden ist diese Gliederung in Leib, Seele und Geist. Gewiß wird von dem Geiste auch heute viel gesprochen, aber was gesprochen wird, sind Worte. Nur können die Leute heute nicht mehr Worte von Dingen unterscheiden. Daher werden Ausführungen ernst genommen, welche in bloßen, ich möchte sagen, Kaleidoskop-Wortzusammensetzungen bestehen, wie etwa die Euckensche Philosophie.

[ 6 ] So könnte man geradezu sagen: Verschüttet worden ist diese Gliederung in Leib, Seele und Geist. Gewiß wird von dem Geiste auch heute viel gesprochen, aber was gesprochen wird, sind Worte. Nur können die Leute heute nicht mehr Worte von Dingen unterscheiden. Daher werden Ausführungen ernst genommen, welche in bloßen, ich möchte sagen, Kaleidoskop-Wortzusammensetzungen bestehen, wie etwa die Euckensche Philosophie.

[ 7 ] Nun kann das Wesen des Mysteriums von Golgatha nicht verstanden werden, wenn man verzichten will auf die Dreigliederung in Leib, Seele und Geist. Dogmatisch geworden ist der Verzicht auf den Geist allerdings, wie ich das letzte Mal ausgeführt habe, mit dem achten allgemeinen Konzil; aber vorbereitet hat sich die Sache seit längerer Zeit. Und daß sie gekommen ist, hängt im Grunde zusammen mit einer notwendigen Entwickelung im abendländischen Geistesleben. Man wird vielleicht am leichtesten hineinkommen gerade in die Art, wie man auf diese Weise sich nähern kann dem Mysterium von Golgatha, dem Verstehen des Mysteriums von Golgatha, wenn man sich ein Bild davon macht, wie der auf der Höhe des griechischen Denkens stehende Aristoteles sich sein Bild von der Seele machte. Denn Aristoteles ist zu gleicher Zeit der tonangebende Philosoph des ganzen Mittelalters gewesen, und von mittelalterlichen Begriffen zehrt das heutige Denken noch immer, so wenig die Leute das auch zugeben wollen. Außerdem sehen wir ja daran, daß, was in der Menschheitsgeschichte sich entwickelt hat, ein paar Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha in Aristoteles sich gezeigt hat, und daß man dann versucht hat, mit Hilfe der Ideen des Aristoteles bei den tonangebenden Geistern des Mittelalters das Mysterium von Golgatha zu begreifen. In diesen Dingen liegt etwas so außerordentlich Bedeutungsvolles, daß man wirklich sich einmal die Mühe nehmen muß, diese Dinge unbefangen anzuschauen.

[ 7 ] Nun kann das Wesen des Mysteriums von Golgatha nicht verstanden werden, wenn man verzichten will auf die Dreigliederung in Leib, Seele und Geist. Dogmatisch geworden ist der Verzicht auf den Geist allerdings, wie ich das letzte Mal ausgeführt habe, mit dem achten allgemeinen Konzil; aber vorbereitet hat sich die Sache seit längerer Zeit. Und daß sie gekommen ist, hängt im Grunde zusammen mit einer notwendigen Entwickelung im abendländischen Geistesleben. Man wird vielleicht am leichtesten hineinkommen gerade in die Art, wie man auf diese Weise sich nähern kann dem Mysterium von Golgatha, dem Verstehen des Mysteriums von Golgatha, wenn man sich ein Bild davon macht, wie der auf der Höhe des griechischen Denkens stehende Aristoteles sich sein Bild von der Seele machte. Denn Aristoteles ist zu gleicher Zeit der tonangebende Philosoph des ganzen Mittelalters gewesen, und von mittelalterlichen Begriffen zehrt das heutige Denken noch immer, so wenig die Leute das auch zugeben wollen. Außerdem sehen wir ja daran, daß, was in der Menschheitsgeschichte sich entwickelt hat, ein paar Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha in Aristoteles sich gezeigt hat, und daß man dann versucht hat, mit Hilfe der Ideen des Aristoteles bei den tonangebenden Geistern des Mittelalters das Mysterium von Golgatha zu begreifen. In diesen Dingen liegt etwas so außerordentlich Bedeutungsvolles, daß man wirklich sich einmal die Mühe nehmen muß, diese Dinge unbefangen anzuschauen.

[ 8 ] Wie denkt Aristoteles über die menschliche Seele? Ich will ohne Um“ schweife einfach hinstellen, wie Aristoteles über die menschliche Seele denkt, was also in Aristoteles das griechische Denken über die menschliche Seele ergeben hat, in einem erleuchteten Geiste also ergeben hat. Aristoteles — und damit haben wir ungefähr dasjenige, was der bedeutendste Europäer ein paar Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha über die Seele denkt —, Aristoteles denkt sich: Wenn ein Mensch in die Weltentwickelung eintritt, ein einzelner Mensch durch die Geburt oder sagen wir durch die Empfängnis in die Weltentwickelung eintritt, dann verdankt er sein physisches Dasein zunächst Vater und Mutter. Aber von Vater und Mutter kann nur kommen, so meint Aristoteles, dasjenige, was das leibliche Dasein ausmacht; niemals könnte durch bloße Vereinigung von Vater und Mutter der ganze Mensch entstehen. Also der ganze Mensch kann nicht durch Vereinigung von Vater und Mutter im Sinne des Aristoteles entstehen, denn dieser ganze Mensch hat eine Seele. Und diese Seele, sie hat einen Teil — fassen wir das wohl auf, daß Aristoteles in der Seele zunächst zwei Teile unterscheidet —, diese ganze Seele hat einen Teil, der völlig an den Leib gebunden ist, der sich durch den Leib äußert, der durch die Sinnesbetätigung des Leibes seine Eindrücke von der Außenwelt bekommt. Dieser Teil der Seele, der entsteht als notwendiges Mitentwickelungsprodukt durch die materielle Entwickelung des Menschen, die von Vater und Mutter kommt. Nicht so ist es bei dem geistigen Teil der Seele, oder — wie Aristoteles die Worte noch prägt — bei dem denkenden Teil der Seele, bei jenem Teil der Seele, der teil hat an dem allgemeinen Geistesleben der Welt durch das Denken, der teil hat an dem «nus», an dem Denken der Welt. Dieser Teil der Seele ist für Aristoteles immateriell, nicht stofflich, und er könnte sich niemals aus dem ergeben, was für den Menschen entsteht aus Vater und Mutter, sondern er kann sich nur dadurch ergeben für den Menschen, daß mitwirkt in dem Entstehen des Menschen durch Vater und Mutter der Gott — «das Göttliche» würde man besser sagen, wenn man bei aristotelischen Ausdrücken stehenbleibt —, daß mitwirkt das Göttliche.

[ 8 ] Wie denkt Aristoteles über die menschliche Seele? Ich will ohne Um“ schweife einfach hinstellen, wie Aristoteles über die menschliche Seele denkt, was also in Aristoteles das griechische Denken über die menschliche Seele ergeben hat, in einem erleuchteten Geiste also ergeben hat. Aristoteles — und damit haben wir ungefähr dasjenige, was der bedeutendste Europäer ein paar Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha über die Seele denkt —, Aristoteles denkt sich: Wenn ein Mensch in die Weltentwickelung eintritt, ein einzelner Mensch durch die Geburt oder sagen wir durch die Empfängnis in die Weltentwickelung eintritt, dann verdankt er sein physisches Dasein zunächst Vater und Mutter. Aber von Vater und Mutter kann nur kommen, so meint Aristoteles, dasjenige, was das leibliche Dasein ausmacht; niemals könnte durch bloße Vereinigung von Vater und Mutter der ganze Mensch entstehen. Also der ganze Mensch kann nicht durch Vereinigung von Vater und Mutter im Sinne des Aristoteles entstehen, denn dieser ganze Mensch hat eine Seele. Und diese Seele, sie hat einen Teil — fassen wir das wohl auf, daß Aristoteles in der Seele zunächst zwei Teile unterscheidet —, diese ganze Seele hat einen Teil, der völlig an den Leib gebunden ist, der sich durch den Leib äußert, der durch die Sinnesbetätigung des Leibes seine Eindrücke von der Außenwelt bekommt. Dieser Teil der Seele, der entsteht als notwendiges Mitentwickelungsprodukt durch die materielle Entwickelung des Menschen, die von Vater und Mutter kommt. Nicht so ist es bei dem geistigen Teil der Seele, oder — wie Aristoteles die Worte noch prägt — bei dem denkenden Teil der Seele, bei jenem Teil der Seele, der teil hat an dem allgemeinen Geistesleben der Welt durch das Denken, der teil hat an dem «nus», an dem Denken der Welt. Dieser Teil der Seele ist für Aristoteles immateriell, nicht stofflich, und er könnte sich niemals aus dem ergeben, was für den Menschen entsteht aus Vater und Mutter, sondern er kann sich nur dadurch ergeben für den Menschen, daß mitwirkt in dem Entstehen des Menschen durch Vater und Mutter der Gott — «das Göttliche» würde man besser sagen, wenn man bei aristotelischen Ausdrücken stehenbleibt —, daß mitwirkt das Göttliche.

[ 9 ] So also entsteht der Mensch, der ganze Mensch. Das ist sehr wichtig, daß man das Wort gerade so prägt für den Aristoteles: Es entsteht der ganze Mensch durch die Zusammenwirkung des Gottes mit Vater und Mutter. Durch den Gott erhält der Mensch seinen geistigen, oder im Sinne des Aristoteles könnte man auch sagen, denkerischen Seelenteil. Dieser denkerische Seelenteil, der also bei jeder Entwickelung des einzelnen physischen Menschen durch den Gott entsteht, durch die Mitwirkung des Gottes entsteht, der ist in Entwickelung während des Lebens zwischen Geburt und Tod. Indem der Mensch durch die Todespforte schreitet, wird das Leibliche der Erde übergeben, und mit diesem Leiblichen derjenige Teil der Seele, welcher an die Organe des Leibes gebunden ist; dagegen bleibt erhalten dasjenige, was der geistige Teil der Seele ist. Dies, was nun der geistige Teil der Seele ist, lebt geistig weiter im Sinne des Aristoteles, lebt geistig weiter so, daß es gewissermaßen in eine andere Welt entrückt ist als diejenige ist, mit der man in Verbindung steht durch die körperlichen Organe, und lebt nun eben weiter ein unsterbliches Dasein. Lebt ein unsterbliches Dasein so im Sinne des Aristoteles, daß der Mensch, der sich im Leben, im Leibe, diesem oder jenem Guten hingegeben hat, zurückzuschauen vermag auf dieses Gute, das er dem Weltenbau eingefügt hat, das im Weltenbau drinnen ist, aber in diesem Weltenbau, in den es hineingestellt ist, nicht zu ändern ist. Ja, man versteht den Aristoteles wohl nur dann recht, wenn man seine Ideen so annimmt, daß er gedacht habe: in alle Ewigkeit nach dem Tode habe die Seele zurückzublicken auf irgendein Gutes, das sie verrichtet hat, auf irgendein Böses, das sie verrichtet hat.

[ 9 ] So also entsteht der Mensch, der ganze Mensch. Das ist sehr wichtig, daß man das Wort gerade so prägt für den Aristoteles: Es entsteht der ganze Mensch durch die Zusammenwirkung des Gottes mit Vater und Mutter. Durch den Gott erhält der Mensch seinen geistigen, oder im Sinne des Aristoteles könnte man auch sagen, denkerischen Seelenteil. Dieser denkerische Seelenteil, der also bei jeder Entwickelung des einzelnen physischen Menschen durch den Gott entsteht, durch die Mitwirkung des Gottes entsteht, der ist in Entwickelung während des Lebens zwischen Geburt und Tod. Indem der Mensch durch die Todespforte schreitet, wird das Leibliche der Erde übergeben, und mit diesem Leiblichen derjenige Teil der Seele, welcher an die Organe des Leibes gebunden ist; dagegen bleibt erhalten dasjenige, was der geistige Teil der Seele ist. Dies, was nun der geistige Teil der Seele ist, lebt geistig weiter im Sinne des Aristoteles, lebt geistig weiter so, daß es gewissermaßen in eine andere Welt entrückt ist als diejenige ist, mit der man in Verbindung steht durch die körperlichen Organe, und lebt nun eben weiter ein unsterbliches Dasein. Lebt ein unsterbliches Dasein so im Sinne des Aristoteles, daß der Mensch, der sich im Leben, im Leibe, diesem oder jenem Guten hingegeben hat, zurückzuschauen vermag auf dieses Gute, das er dem Weltenbau eingefügt hat, das im Weltenbau drinnen ist, aber in diesem Weltenbau, in den es hineingestellt ist, nicht zu ändern ist. Ja, man versteht den Aristoteles wohl nur dann recht, wenn man seine Ideen so annimmt, daß er gedacht habe: in alle Ewigkeit nach dem Tode habe die Seele zurückzublicken auf irgendein Gutes, das sie verrichtet hat, auf irgendein Böses, das sie verrichtet hat.

[ 10 ] Es ist gerade im neunzehnten Jahrhundert die denkbar größte Anstrengung gemacht worden von verschiedenen Seiten her, den Aristoteles, der durch seine Ausdrucksweise zuweilen schwer zu verstehen ist, in dieser Idee klar zu verstehen. Und man kann schon sagen: Der vor kurzem verstorbene Franz Brentano hat in seinem Streite mit Eduard Zeller durch sein ganzes Leben hindurch versucht, alle Bausteine zusammenzutragen, welche dahin führen können, eine klare Idee über dasjenige zu haben, was Aristoteles über das Verhältnis des geistigen Teiles der Menschenseele zu dem ganzen Menschen gedacht hat. Aber das, was Aristoteles so gedacht hat, das ist übergegangen in die Philosophie, welche gelehrt worden ist das ganze Mittelalter hindurch bis in die neuere Zeit hinein, und auf gewissen Gebieten des kirchlichen Lebens noch immer gelehrt wird. Franz Brentano, der sich wirklich intensiv beschäftigt hat mit diesen Ideen, insofern sie aus Aristoteles quellen, hat sich folgendes klargemacht.

[ 10 ] Es ist gerade im neunzehnten Jahrhundert die denkbar größte Anstrengung gemacht worden von verschiedenen Seiten her, den Aristoteles, der durch seine Ausdrucksweise zuweilen schwer zu verstehen ist, in dieser Idee klar zu verstehen. Und man kann schon sagen: Der vor kurzem verstorbene Franz Brentano hat in seinem Streite mit Eduard Zeller durch sein ganzes Leben hindurch versucht, alle Bausteine zusammenzutragen, welche dahin führen können, eine klare Idee über dasjenige zu haben, was Aristoteles über das Verhältnis des geistigen Teiles der Menschenseele zu dem ganzen Menschen gedacht hat. Aber das, was Aristoteles so gedacht hat, das ist übergegangen in die Philosophie, welche gelehrt worden ist das ganze Mittelalter hindurch bis in die neuere Zeit hinein, und auf gewissen Gebieten des kirchlichen Lebens noch immer gelehrt wird. Franz Brentano, der sich wirklich intensiv beschäftigt hat mit diesen Ideen, insofern sie aus Aristoteles quellen, hat sich folgendes klargemacht.

[ 11 ] Er hat sich klargemacht: Aristoteles war ein Geist, der wirklich durch seine innere Denker-Gesinnung erhaben war über den Materialismus, daher nicht verfallen konnte in den Glauben, daß der geistige Teil der Seele etwas Materielles sei; nicht verfallen konnte in den albernen Glauben, daß der geistige Teil der Seele sich aus dem entwickele, was der Mensch durch Vater und Mutter erhält. Daher, meint Brentano, gab es für Aristoteles nur zwei Möglichkeiten, über den geistigen Teil der Seele zu denken. Die eine Möglichkeit war diese: den geistigen Teil der Seele durch eine unmittelbare Schöpfung Gottes im Zusammenwirken mit dem, was von Vater und Mutter kommt, entstehen zu lassen, so daß der geistige Teil der Seele entsteht durch die Einwirkung Gottes in den menschlichen Embryo; daß aber dieser geistige Teil der Seele nicht zugrunde geht im Tode, sondern, indem der Mensch durch die Pforte des Todes geht, ein immerwährendes Leben antritt. Was wäre denn Aristoteles übriggeblieben, so sagt Brentano, wenn er diese Idee nicht entwickelt hätte? Und Brentano sieht es eben als richtig an, daß Aristoteles diese Idee für sich angenommen hat. Was wäre ihm, sagt er, übriggeblieben, wenn er diese Idee nicht entwickelt hätte? Nur eine zweite Möglichkeit. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht, sagt Brentano. Und diese zweite Möglichkeit ist diese: anzunehmen, daß die Seele des Menschen präexistiert, nicht bloß postexistiert, sondern präexistiert; existiert im Geistigen vor der Geburt, beziehungsweise vor der Empfängnis. Dann aber, sobald man nur überhaupt — das erkennt Brentano sehr klar —, sobald man nur überhaupt zugibt, daß die Seele vor der Empfängnis irgendwie präexistiert, vorher existiert, dann bleibt nichts anderes übrig, meint Brentano, als anzunehmen, daß diese Seele sich nicht nur einmal im Leben verkörpert, sondern in wiederholten Erdenleben immer wieder erscheint. Es gibt überhaupt keine andere Möglichkeit. Und da, meint Brentano, Aristoteles in seiner reiferen Zeit die Palingenesis, also die wiederholten Erdenleben, abgelehnt hat, so bleibt ihm nichts anderes übrig als der Kreatianismus, die Schöpfung der Menschenseele, die vollständige Neuschöpfung der Menschenseele mit jeder embryonalen Erzeugung des Menschen, die nicht der Postexistenz widerspricht, wohl aber der Präexistenz. Franz Brentano war ursprünglich Priester und war noch ganz, ich möchte sagen, als einer der letzten Geister in dem darinnenstehend, was als die gute Seite der aristotelischen scholastischen Philosophie sich entwickelt hat, daher erscheint ihm vor allen Dingen als vernünftig von Aristoteles, die Lehre von den wiederholten Erdenleben abzuweisen und den Kreatianismus mit der Postexistenz allein gelten zu lassen.

[ 11 ] Er hat sich klargemacht: Aristoteles war ein Geist, der wirklich durch seine innere Denker-Gesinnung erhaben war über den Materialismus, daher nicht verfallen konnte in den Glauben, daß der geistige Teil der Seele etwas Materielles sei; nicht verfallen konnte in den albernen Glauben, daß der geistige Teil der Seele sich aus dem entwickele, was der Mensch durch Vater und Mutter erhält. Daher, meint Brentano, gab es für Aristoteles nur zwei Möglichkeiten, über den geistigen Teil der Seele zu denken. Die eine Möglichkeit war diese: den geistigen Teil der Seele durch eine unmittelbare Schöpfung Gottes im Zusammenwirken mit dem, was von Vater und Mutter kommt, entstehen zu lassen, so daß der geistige Teil der Seele entsteht durch die Einwirkung Gottes in den menschlichen Embryo; daß aber dieser geistige Teil der Seele nicht zugrunde geht im Tode, sondern, indem der Mensch durch die Pforte des Todes geht, ein immerwährendes Leben antritt. Was wäre denn Aristoteles übriggeblieben, so sagt Brentano, wenn er diese Idee nicht entwickelt hätte? Und Brentano sieht es eben als richtig an, daß Aristoteles diese Idee für sich angenommen hat. Was wäre ihm, sagt er, übriggeblieben, wenn er diese Idee nicht entwickelt hätte? Nur eine zweite Möglichkeit. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht, sagt Brentano. Und diese zweite Möglichkeit ist diese: anzunehmen, daß die Seele des Menschen präexistiert, nicht bloß postexistiert, sondern präexistiert; existiert im Geistigen vor der Geburt, beziehungsweise vor der Empfängnis. Dann aber, sobald man nur überhaupt — das erkennt Brentano sehr klar —, sobald man nur überhaupt zugibt, daß die Seele vor der Empfängnis irgendwie präexistiert, vorher existiert, dann bleibt nichts anderes übrig, meint Brentano, als anzunehmen, daß diese Seele sich nicht nur einmal im Leben verkörpert, sondern in wiederholten Erdenleben immer wieder erscheint. Es gibt überhaupt keine andere Möglichkeit. Und da, meint Brentano, Aristoteles in seiner reiferen Zeit die Palingenesis, also die wiederholten Erdenleben, abgelehnt hat, so bleibt ihm nichts anderes übrig als der Kreatianismus, die Schöpfung der Menschenseele, die vollständige Neuschöpfung der Menschenseele mit jeder embryonalen Erzeugung des Menschen, die nicht der Postexistenz widerspricht, wohl aber der Präexistenz. Franz Brentano war ursprünglich Priester und war noch ganz, ich möchte sagen, als einer der letzten Geister in dem darinnenstehend, was als die gute Seite der aristotelischen scholastischen Philosophie sich entwickelt hat, daher erscheint ihm vor allen Dingen als vernünftig von Aristoteles, die Lehre von den wiederholten Erdenleben abzuweisen und den Kreatianismus mit der Postexistenz allein gelten zu lassen.

[ 12 ] Und diese Anschauung bildet ja dennoch, trotz aller Variationen, den Grundnerv aller christlichen Philosophie, sofern sich diese christliche Philosophie gegen die wiederholten Erdenleben wendet. Es ist merkwürdig, ich möchte sagen schauerlich-reizvoll, zu sehen, wie ein so eminent gesinnungstüchtiger Denker wie Franz Brentano, der ja den Priesterrock ausgezogen hat, danach ringt, immer klarer und klarer zu werden über diesen Kreatianismus der Seele, und wie gar keine Möglichkeit für ihn vorhanden ist, die Brücke herüberzuschlagen zu der Lehre von den wiederholten Erdenleben. Warum ist das? Das ist darum, weil trotz aller tiefen Gesinnungstüchtigkeit Brentanos, trotz seines energischen und scharfsinnigen Denkerlebens, ihm der Begriff des Geistes verschlossen war, er niemals zu dem Begriff des Geistes und seiner Abtrennung von dem Begriff der Seele hat kommen können. Es gibt keine Möglichkeit zum Begriff des Geistes zu kommen, ohne zum Begriff der wiederholten Erdenleben zu kommen. Man kann die Lehre von den wiederholten Erdenleben nur verlieren, wenn man den Begriff des Geistes überhaupt verliert. Und im Grunde genommen war schon zur Zeit des Aristoteles der Begriff des Geistes, ich möchte sagen, ins Wackeln gekommen. Man merkt es den entscheidenden Stellen in Aristoteles’ Schriften an, wie er immer unklar wird, wenn er von der Präexistenz spricht. Er wird immer unklar.

[ 12 ] Und diese Anschauung bildet ja dennoch, trotz aller Variationen, den Grundnerv aller christlichen Philosophie, sofern sich diese christliche Philosophie gegen die wiederholten Erdenleben wendet. Es ist merkwürdig, ich möchte sagen schauerlich-reizvoll, zu sehen, wie ein so eminent gesinnungstüchtiger Denker wie Franz Brentano, der ja den Priesterrock ausgezogen hat, danach ringt, immer klarer und klarer zu werden über diesen Kreatianismus der Seele, und wie gar keine Möglichkeit für ihn vorhanden ist, die Brücke herüberzuschlagen zu der Lehre von den wiederholten Erdenleben. Warum ist das? Das ist darum, weil trotz aller tiefen Gesinnungstüchtigkeit Brentanos, trotz seines energischen und scharfsinnigen Denkerlebens, ihm der Begriff des Geistes verschlossen war, er niemals zu dem Begriff des Geistes und seiner Abtrennung von dem Begriff der Seele hat kommen können. Es gibt keine Möglichkeit zum Begriff des Geistes zu kommen, ohne zum Begriff der wiederholten Erdenleben zu kommen. Man kann die Lehre von den wiederholten Erdenleben nur verlieren, wenn man den Begriff des Geistes überhaupt verliert. Und im Grunde genommen war schon zur Zeit des Aristoteles der Begriff des Geistes, ich möchte sagen, ins Wackeln gekommen. Man merkt es den entscheidenden Stellen in Aristoteles’ Schriften an, wie er immer unklar wird, wenn er von der Präexistenz spricht. Er wird immer unklar.

[ 13 ] Aber all das hängt mit etwas ungeheuer Bedeutungsvollem und Tieferem zusammen; es hängt zusammen mit der realen Entwickelung der Menschheit. Es hängt damit zusammen, daß die Menschheit in der Zeit der Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha in ein Entwickelungsstadium eingetreten war, in dem, ich möchte sagen, sich etwas wie Nebel um die Seele lagerte, wenn vom Geist gesprochen worden ist. Es lagerte sich dazumal um die Seele des Menschen noch nicht so stark wie heute, wenn vom Geist gesprochen worden ist, aber es fing schon der ganze Korruptionsprozeß des Denkens in bezug auf den Geist eben damals an. Und das, meine lieben Freunde, hängt zusammen damit, daß in der Tat die Menschheit im Lauf der Zeiten eine Entwickelung durchgemacht hat, daß gewissermaßen die Seele im Lauf der Zeiten etwas anderes geworden ist, als sie in den Urzeiten der menschlichen Erdenentwickelung war. In diesen Urzeiten der menschlichen Erdenentwickelung war dadurch, daß das atavistische Hellsehen da war, eine unmittelbare Erfahrung vom Geiste da. Da konnte man an dem Geist nicht zweifeln. Man konnte ebensowenig an dem Geist zweifeln, wie man an der äußeren Sinneswelt zweifeln kann. Es handelt sich immer nur darum, ob die Menschen mehr oder weniger zu der Anschauung des Geistes kommen sollten. Aber daß der Weg zum Geiste der menschlichen Seele möglich ist, daran konnte in gewissen älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung niemand zweifeln. Ebensowenig konnte jemand daran zweifeln, daß während des Erdenlebens zwischen Geburt und Tod der Geist in der Seele des Menschen darinnen lebt, so daß gewissermaßen durch diesen geistigen Inhalt die Menschenseele teil hat an dem göttlichen Leben. Daran konnte niemand zweifeln. Und diese auf das unmittelbare Bewußtsein vom Geist gegründete Überzeugung, die drückte sich in den Mysterien und ihrer Pflege überall aus. Aber merkwürdig ist es, daß schon einer der ältesten griechischen Philosophen, der alte Heraklit, von den Mysterien so spricht, daß man sieht, er weiß davon, daß die Mysterien in noch älteren Zeiten etwas ungeheuer Bedeutungsvolles für den Menschen waren, aber im Grunde genommen von ihrer Höhe schon heruntergekommen waren. Also schon sehr früh sprechen gerade erleuchtete Griechen davon, daß die Mysterien von ihrer Höhe schon heruntergekommen waren.

[ 13 ] Aber all das hängt mit etwas ungeheuer Bedeutungsvollem und Tieferem zusammen; es hängt zusammen mit der realen Entwickelung der Menschheit. Es hängt damit zusammen, daß die Menschheit in der Zeit der Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha in ein Entwickelungsstadium eingetreten war, in dem, ich möchte sagen, sich etwas wie Nebel um die Seele lagerte, wenn vom Geist gesprochen worden ist. Es lagerte sich dazumal um die Seele des Menschen noch nicht so stark wie heute, wenn vom Geist gesprochen worden ist, aber es fing schon der ganze Korruptionsprozeß des Denkens in bezug auf den Geist eben damals an. Und das, meine lieben Freunde, hängt zusammen damit, daß in der Tat die Menschheit im Lauf der Zeiten eine Entwickelung durchgemacht hat, daß gewissermaßen die Seele im Lauf der Zeiten etwas anderes geworden ist, als sie in den Urzeiten der menschlichen Erdenentwickelung war. In diesen Urzeiten der menschlichen Erdenentwickelung war dadurch, daß das atavistische Hellsehen da war, eine unmittelbare Erfahrung vom Geiste da. Da konnte man an dem Geist nicht zweifeln. Man konnte ebensowenig an dem Geist zweifeln, wie man an der äußeren Sinneswelt zweifeln kann. Es handelt sich immer nur darum, ob die Menschen mehr oder weniger zu der Anschauung des Geistes kommen sollten. Aber daß der Weg zum Geiste der menschlichen Seele möglich ist, daran konnte in gewissen älteren Zeiten der Menschheitsentwickelung niemand zweifeln. Ebensowenig konnte jemand daran zweifeln, daß während des Erdenlebens zwischen Geburt und Tod der Geist in der Seele des Menschen darinnen lebt, so daß gewissermaßen durch diesen geistigen Inhalt die Menschenseele teil hat an dem göttlichen Leben. Daran konnte niemand zweifeln. Und diese auf das unmittelbare Bewußtsein vom Geist gegründete Überzeugung, die drückte sich in den Mysterien und ihrer Pflege überall aus. Aber merkwürdig ist es, daß schon einer der ältesten griechischen Philosophen, der alte Heraklit, von den Mysterien so spricht, daß man sieht, er weiß davon, daß die Mysterien in noch älteren Zeiten etwas ungeheuer Bedeutungsvolles für den Menschen waren, aber im Grunde genommen von ihrer Höhe schon heruntergekommen waren. Also schon sehr früh sprechen gerade erleuchtete Griechen davon, daß die Mysterien von ihrer Höhe schon heruntergekommen waren.

[ 14 ] In diesen Mysterien wurde mancherlei gepflogen. Uns kann heute in unserem Zusammenhang vorzugsweise aber nur die zentrale Idee dieser Mysterien besonders interessieren. Bei dieser zentralen Idee der Mysterien, wie sie bis in die Zeiten des Mysteriums von Golgatha herein geübt wurden, wie sie noch zu Zeiten des Kaisers Julian des Apostaten geübt wurden — bei dieser Zentralidee wollen wir einmal einen Augenblick verweilen. Denn zum Teil ist ja manches aus der Pflege dieser Mysterien in der letzten Zeit immer wiederum hervorgehoben worden, ich möchte sagen, im antichristlichen Sinne hervorgehoben worden. Es ist darauf aufmerksam gemacht worden, wie dasjenige, was erzählt wird als die Osterlegende, als das Mysterium von Golgatha, also die eigentliche Zentrallegende von dem Leiden und dem Tod und der Auferstehung des Christus, in den Mysterien überall gelebt hat. Und daraus sind dann die Schlüsse gezogen worden dahingehend, daß das Ostergeheimnis des Christentums im Grunde genommen nur eine Art Übertragung alter Mysterienbräuche wäre, alter heidnischer Mysterienbräuche auf die Person des Jesus von Nazareth. Und so sprechend scheinen manchen Menschen die Dinge zu sein, die man da sagen kann, daß sie gar nicht zweiflen an der Wahrheit der Idee, die sie also aussprechen wollen: Was die Christen erzählen darüber, daß der Gott Christus gelitten hat, dem Tod zugeführt worden ist, auferstanden ist, daß sich an diese Auferstehung knüpft Hoffnung und Heilsehnsucht der Menschen, was Christen sich als solche Ideen gebildet haben, das, sagen diese Leute, lebte in den Mysterien, in den verschiedensten Mysterienkulten. Die heidnischen Bräuche seien zusammengetragen worden und seien zur Osterlegende verschmolzen worden und übertragen worden auf die Persönlichkeit des Jesus von Nazareth.

[ 14 ] In diesen Mysterien wurde mancherlei gepflogen. Uns kann heute in unserem Zusammenhang vorzugsweise aber nur die zentrale Idee dieser Mysterien besonders interessieren. Bei dieser zentralen Idee der Mysterien, wie sie bis in die Zeiten des Mysteriums von Golgatha herein geübt wurden, wie sie noch zu Zeiten des Kaisers Julian des Apostaten geübt wurden — bei dieser Zentralidee wollen wir einmal einen Augenblick verweilen. Denn zum Teil ist ja manches aus der Pflege dieser Mysterien in der letzten Zeit immer wiederum hervorgehoben worden, ich möchte sagen, im antichristlichen Sinne hervorgehoben worden. Es ist darauf aufmerksam gemacht worden, wie dasjenige, was erzählt wird als die Osterlegende, als das Mysterium von Golgatha, also die eigentliche Zentrallegende von dem Leiden und dem Tod und der Auferstehung des Christus, in den Mysterien überall gelebt hat. Und daraus sind dann die Schlüsse gezogen worden dahingehend, daß das Ostergeheimnis des Christentums im Grunde genommen nur eine Art Übertragung alter Mysterienbräuche wäre, alter heidnischer Mysterienbräuche auf die Person des Jesus von Nazareth. Und so sprechend scheinen manchen Menschen die Dinge zu sein, die man da sagen kann, daß sie gar nicht zweiflen an der Wahrheit der Idee, die sie also aussprechen wollen: Was die Christen erzählen darüber, daß der Gott Christus gelitten hat, dem Tod zugeführt worden ist, auferstanden ist, daß sich an diese Auferstehung knüpft Hoffnung und Heilsehnsucht der Menschen, was Christen sich als solche Ideen gebildet haben, das, sagen diese Leute, lebte in den Mysterien, in den verschiedensten Mysterienkulten. Die heidnischen Bräuche seien zusammengetragen worden und seien zur Osterlegende verschmolzen worden und übertragen worden auf die Persönlichkeit des Jesus von Nazareth.

[ 15 ] In der neueren Zeit ist man ja sogar noch weitergegangen, merkwürdigerweisesogarauf offiziell christlichen Gebieten, indemman-manbraucht nur an gewisse Bremenser Strömungen zu erinnern — das historische Dasein des Jesus von Nazareth überhaupt gleichgültig findet und sagt: Durch das soziale Leben seien zusammengetragen worden die verschiedenen Mysterienlegenden und Mysterienkulte, seien gleichsam zentralisiert worden, und es hätte sich in der christlichen Urgemeinschaft eben die Christus-Sage aus der alten heidnischen Sage herausgebildet. Bei einer Diskussion, die vor Jahren einmal hier in Berlin gepflogen worden ist- durch diese leidensvollen letzten Jahre ist ja dasjenige, was vorhergegangen ist, vielfach zur Mythe geworden und erscheint uns furchtbar weit zurückliegend, aber die Diskussion war erst vor wenigen Jahren —, bei dieser Diskussion konnte man sehen, wie von offiziellen Vertretern des Christentums die Anschauung vertreten worden ist, daß es sich eigentlich gar nicht handeln könne um einen historischen Jesus von Nazareth, sondern nur um eine «Idee des Christus», der gewissermaßen in der christlichen Urgemeinde durch allerlei soziale Impulse als Idee entstanden sei.

[ 15 ] In der neueren Zeit ist man ja sogar noch weitergegangen, merkwürdigerweisesogarauf offiziell christlichen Gebieten, indemman-manbraucht nur an gewisse Bremenser Strömungen zu erinnern — das historische Dasein des Jesus von Nazareth überhaupt gleichgültig findet und sagt: Durch das soziale Leben seien zusammengetragen worden die verschiedenen Mysterienlegenden und Mysterienkulte, seien gleichsam zentralisiert worden, und es hätte sich in der christlichen Urgemeinschaft eben die Christus-Sage aus der alten heidnischen Sage herausgebildet. Bei einer Diskussion, die vor Jahren einmal hier in Berlin gepflogen worden ist- durch diese leidensvollen letzten Jahre ist ja dasjenige, was vorhergegangen ist, vielfach zur Mythe geworden und erscheint uns furchtbar weit zurückliegend, aber die Diskussion war erst vor wenigen Jahren —, bei dieser Diskussion konnte man sehen, wie von offiziellen Vertretern des Christentums die Anschauung vertreten worden ist, daß es sich eigentlich gar nicht handeln könne um einen historischen Jesus von Nazareth, sondern nur um eine «Idee des Christus», der gewissermaßen in der christlichen Urgemeinde durch allerlei soziale Impulse als Idee entstanden sei.

[ 16 ] Man darf sagen: Unendlich Verführerisches liegt in der Betrachtung der heidnischen Mysterienkulte und ihrer Vergleichung mit dem, was sich als das christliche Ostermysterium herausgebildet hat. Denn nehmen Sie nur einmal eine, wie man sagen kann, getreuliche Schilderung der phrygischen Festfeiern, die da in Betracht kommt. Und ebenso wie man die phrygischen Festfeiern anführen könnte, so könnte man andere Festesfeiern anführen; denn in ähnlicher Weise waren diese Festesfeiern sehr verbreitet. Firmicus erzählt zum Beispiel in einem Brief an die Söhne Konstantins von der phrygischen Festfeier: Das Bild des Attis, also eines gewissen Gottes — wir brauchen gar nicht weiter einzugehen, welchen Gottes —, das Bild des Gottes sei an einen Baumstamm befestigt worden, feierlich mit diesem Baumstamm in Prozession herumgetragen worden in mitternächtigem Ritual, und dann seien auch die Leiden des Gottes zelebriert worden; dabei war neben dem Baum ein Lamm aufgestellt. Am Tage darauf wurde die Auferstehung des Gottes verkündet. Und während man am Tage vorher, da man den Gott an den Baumstamm geheftet, also gleichsam dem Tod übergeben hatte, ritualmäßig in die furchtbarsten Klagen ausbrach, verwandelte sich die Klage dann plötzlich am nächsten Tage, da die Auferstehung des Gottes gefeiert wurde, in ausgelassenste Freude. Anderwärts, so erzählt Firmicus, wurde das Bild des Gottes Attis begraben. In der Nacht, wenn die Trauer ihren Höhepunkt erreicht hatte, wurde plötzlich Licht angezündet, das Grab wurde geöffnet, der Gott war auferstanden. Und der Priester sprach die Worte: Getrost, ihr Frommen, da der Gott gerettet ist, so wird auch euch das Nötige, die Rettung werden.

[ 16 ] Man darf sagen: Unendlich Verführerisches liegt in der Betrachtung der heidnischen Mysterienkulte und ihrer Vergleichung mit dem, was sich als das christliche Ostermysterium herausgebildet hat. Denn nehmen Sie nur einmal eine, wie man sagen kann, getreuliche Schilderung der phrygischen Festfeiern, die da in Betracht kommt. Und ebenso wie man die phrygischen Festfeiern anführen könnte, so könnte man andere Festesfeiern anführen; denn in ähnlicher Weise waren diese Festesfeiern sehr verbreitet. Firmicus erzählt zum Beispiel in einem Brief an die Söhne Konstantins von der phrygischen Festfeier: Das Bild des Attis, also eines gewissen Gottes — wir brauchen gar nicht weiter einzugehen, welchen Gottes —, das Bild des Gottes sei an einen Baumstamm befestigt worden, feierlich mit diesem Baumstamm in Prozession herumgetragen worden in mitternächtigem Ritual, und dann seien auch die Leiden des Gottes zelebriert worden; dabei war neben dem Baum ein Lamm aufgestellt. Am Tage darauf wurde die Auferstehung des Gottes verkündet. Und während man am Tage vorher, da man den Gott an den Baumstamm geheftet, also gleichsam dem Tod übergeben hatte, ritualmäßig in die furchtbarsten Klagen ausbrach, verwandelte sich die Klage dann plötzlich am nächsten Tage, da die Auferstehung des Gottes gefeiert wurde, in ausgelassenste Freude. Anderwärts, so erzählt Firmicus, wurde das Bild des Gottes Attis begraben. In der Nacht, wenn die Trauer ihren Höhepunkt erreicht hatte, wurde plötzlich Licht angezündet, das Grab wurde geöffnet, der Gott war auferstanden. Und der Priester sprach die Worte: Getrost, ihr Frommen, da der Gott gerettet ist, so wird auch euch das Nötige, die Rettung werden.

[ 17 ] Wer könnte leugnen, daß diese Ritualfeiern, die Jahrhunderte und Jahrhunderte vor dem Ablauf des Mysteriums von Golgatha überall gefeiert worden sind, große Ähnlichkeit haben mit demjenigen, was in das Ostergeheimnis mit eingelaufen ist innerhalb des Christentums? Weil es so verführerisch war, so zu denken, hat man eben geglaubt: Nun, da wurden eben diese Anschauungen von dem leidenden, sterbenden, auferstandenen Gotte überall verbreitet, und man hat sie gewissermaßen zentralisiert unter den Christen und auf den Jesus von Nazareth übertragen.

[ 17 ] Wer könnte leugnen, daß diese Ritualfeiern, die Jahrhunderte und Jahrhunderte vor dem Ablauf des Mysteriums von Golgatha überall gefeiert worden sind, große Ähnlichkeit haben mit demjenigen, was in das Ostergeheimnis mit eingelaufen ist innerhalb des Christentums? Weil es so verführerisch war, so zu denken, hat man eben geglaubt: Nun, da wurden eben diese Anschauungen von dem leidenden, sterbenden, auferstandenen Gotte überall verbreitet, und man hat sie gewissermaßen zentralisiert unter den Christen und auf den Jesus von Nazareth übertragen.

[ 18 ] Nun ist es wichtig zu verstehen, woher alle diese Festesfeiern, diese heidnischen, diese vorchristlichen Festesfeiern, eigentlich kommen. Denn sie gehen weit zurück, weit zurück in diejenigen Zeiten, in denen man die Mysterien so bildete, daß man sie herausentwickelte aus tiefsten ursprünglichen Einsichten über das Wesen des Menschen und seinen Zusammenhang mit der Welt, wie einem das vorlag in dem atavistischen Hellsehen. Gewiß, in der Zeit, als man so die phrygischen Feiern gemacht hat, da hat man über den eigentlichen Sinn dieser Sache ungefähr so viel gewußt, nun, wie man heute in gewissen Freimaurertempeln weiß von den Zeremonien, die da vorgenommen werden. Aber trotzdem gehen diese Dinge zurück auf ein ursprünglich großartiges Wissen über Welt und Menschen, auf ein Wissen, das wirklich heute außerordentlich schwer verständlich zu machen ist. Denn bedenken Sie nur, der Mensch lebt ja wirklich nicht bloß mit seinem äußeren physischen Leibe in seiner Umgebung, ist nicht bloß mit Bezug auf den physischen Leib von seiner Umgebung abhängig, sondern der Mensch lebt auch mit seiner Seele und mit seinem Geiste in der äußeren Umgebung. Er nimmt die Ideen und Vorstellungen dieser äußeren Umgebung auf, die werden ihm geläufig, werden ihm gewohnheitsmäßig, und aus den verschiedenen Rücksichten kann er nicht von ihnen ab. $o daß man viel guten Willen haben kann und dennoch Schwierigkeiten, gewisse Dinge zu verstehen, die eben aus den schon angeführten und aus noch anderen Gründen der geistigen Menschheitsentwickelung verlorengegangen sind.

[ 18 ] Nun ist es wichtig zu verstehen, woher alle diese Festesfeiern, diese heidnischen, diese vorchristlichen Festesfeiern, eigentlich kommen. Denn sie gehen weit zurück, weit zurück in diejenigen Zeiten, in denen man die Mysterien so bildete, daß man sie herausentwickelte aus tiefsten ursprünglichen Einsichten über das Wesen des Menschen und seinen Zusammenhang mit der Welt, wie einem das vorlag in dem atavistischen Hellsehen. Gewiß, in der Zeit, als man so die phrygischen Feiern gemacht hat, da hat man über den eigentlichen Sinn dieser Sache ungefähr so viel gewußt, nun, wie man heute in gewissen Freimaurertempeln weiß von den Zeremonien, die da vorgenommen werden. Aber trotzdem gehen diese Dinge zurück auf ein ursprünglich großartiges Wissen über Welt und Menschen, auf ein Wissen, das wirklich heute außerordentlich schwer verständlich zu machen ist. Denn bedenken Sie nur, der Mensch lebt ja wirklich nicht bloß mit seinem äußeren physischen Leibe in seiner Umgebung, ist nicht bloß mit Bezug auf den physischen Leib von seiner Umgebung abhängig, sondern der Mensch lebt auch mit seiner Seele und mit seinem Geiste in der äußeren Umgebung. Er nimmt die Ideen und Vorstellungen dieser äußeren Umgebung auf, die werden ihm geläufig, werden ihm gewohnheitsmäßig, und aus den verschiedenen Rücksichten kann er nicht von ihnen ab. $o daß man viel guten Willen haben kann und dennoch Schwierigkeiten, gewisse Dinge zu verstehen, die eben aus den schon angeführten und aus noch anderen Gründen der geistigen Menschheitsentwickelung verlorengegangen sind.

[ 19 ] Dasjenige, was heute Wissenschaft ist — ich brauche nicht bei jeder Gelegenheit zu sagen, daß ich es bewundere, ich bewundere es gewiß, aber trotzdem —, das haftet ja an der alleralleräußersten Oberfläche der Dinge; das haftet ja an demjenigen, was zum Wesen im allergeringsten Maße nur irgendwie führt. Daß man trotzdem auf gewissen Gebieten mit dieser Wissenschaft sehr weit gekommen ist, das liegt ja nur daran, daß man manchmal unter dem «weit gekommen» eben auch — nun, eben dies oder jenes versteht. Gewiß, man kann es bewundern, daß diese Wissenschaft zur drahtlosen Telegraphie und noch zu manchem anderen, was in unseren Tagen eine große Rolle spielt, gekommen ist, und man kann die Frage aufwerfen: Was hätten wir, wenn wir zu dem nicht gekommen wären? Würde man in die Erörterung dieser Fragen eingehen, so würde man ja schon hart an dasjenige stoßen, was heute zu besprechen überhaupt verboten ist. Dasjenige, was so gegenwärtig Wissenschaft ist, für das ist natürlich die Weisheit, die dann ihre letzten Ausläufer, ihre schon korrumpierten Ausläufer gehabt hat in den angeführten Mysterienbräuchen, einfach Unsinn, einfach Torheit. Mag sein. Schon Paulus hat ja erwähnt, daß dasjenige, was die Menschen als Torheit ansehen, gar oftmals Weisheit sein könnte vor Gott.

[ 19 ] Dasjenige, was heute Wissenschaft ist — ich brauche nicht bei jeder Gelegenheit zu sagen, daß ich es bewundere, ich bewundere es gewiß, aber trotzdem —, das haftet ja an der alleralleräußersten Oberfläche der Dinge; das haftet ja an demjenigen, was zum Wesen im allergeringsten Maße nur irgendwie führt. Daß man trotzdem auf gewissen Gebieten mit dieser Wissenschaft sehr weit gekommen ist, das liegt ja nur daran, daß man manchmal unter dem «weit gekommen» eben auch — nun, eben dies oder jenes versteht. Gewiß, man kann es bewundern, daß diese Wissenschaft zur drahtlosen Telegraphie und noch zu manchem anderen, was in unseren Tagen eine große Rolle spielt, gekommen ist, und man kann die Frage aufwerfen: Was hätten wir, wenn wir zu dem nicht gekommen wären? Würde man in die Erörterung dieser Fragen eingehen, so würde man ja schon hart an dasjenige stoßen, was heute zu besprechen überhaupt verboten ist. Dasjenige, was so gegenwärtig Wissenschaft ist, für das ist natürlich die Weisheit, die dann ihre letzten Ausläufer, ihre schon korrumpierten Ausläufer gehabt hat in den angeführten Mysterienbräuchen, einfach Unsinn, einfach Torheit. Mag sein. Schon Paulus hat ja erwähnt, daß dasjenige, was die Menschen als Torheit ansehen, gar oftmals Weisheit sein könnte vor Gott.

[ 20 ] Eine wirkliche Einsicht in das Wesen von Menschheit und Welt ergibt unter vielem anderen — ich will heute die Gesichtspunkte hervorheben, die uns für das Verständnis des Mysteriums von Golgatha wichtig sind — eine gewisse Anschauung über den menschlichen Organismus, die heute natürlich der Wissenschaft völlig verrückt erscheint. Dieser menschliche Organismus unterscheidet sich nämlich ganz wesentlich von dem Organismus des Tieres. Nun, wir haben viele Unterschiede schon angeführt, wir wollen heute denjenigen gerade anführen, der uns für das Mysterium von Golgatha interessieren muß. Der menschliche Organismus unterscheidet sich ganz wesentlich von dem tierischen Organismus, denn der tierische Organismus, wenn man ihn wirklich studiert mit den Mitteln der Geisteswissenschaft, trägt in sich den selbstverständlichen, den natürlichen Impuls des Todes. Das heißt mit anderen Worten: Lernen Sie wirklich mit den Mitteln der Geisteswissenschaft den tierischen Organismus kennen, so können Sie sich aus der Beschaffenheit des tierischen Organismus erklären, daß der tierische Organismus durch den Tod so gehen muß, wie er eben geht, daß das Tier eines Tages zerfällt und den Elementen der Erde übergeben wird. Der Tod des Tieres ist nichts Unbegreifliches, sondern er ist aus dem Studium des tierischen Organismus ebenso begreiflich, wie aus dem Studium desselben begreiflich ist, daß das Tier fressen und trinken muß. Das Wesen des tierischen Organismus ergibt die Notwendigkeit des tierischen Todes.

[ 20 ] Eine wirkliche Einsicht in das Wesen von Menschheit und Welt ergibt unter vielem anderen — ich will heute die Gesichtspunkte hervorheben, die uns für das Verständnis des Mysteriums von Golgatha wichtig sind — eine gewisse Anschauung über den menschlichen Organismus, die heute natürlich der Wissenschaft völlig verrückt erscheint. Dieser menschliche Organismus unterscheidet sich nämlich ganz wesentlich von dem Organismus des Tieres. Nun, wir haben viele Unterschiede schon angeführt, wir wollen heute denjenigen gerade anführen, der uns für das Mysterium von Golgatha interessieren muß. Der menschliche Organismus unterscheidet sich ganz wesentlich von dem tierischen Organismus, denn der tierische Organismus, wenn man ihn wirklich studiert mit den Mitteln der Geisteswissenschaft, trägt in sich den selbstverständlichen, den natürlichen Impuls des Todes. Das heißt mit anderen Worten: Lernen Sie wirklich mit den Mitteln der Geisteswissenschaft den tierischen Organismus kennen, so können Sie sich aus der Beschaffenheit des tierischen Organismus erklären, daß der tierische Organismus durch den Tod so gehen muß, wie er eben geht, daß das Tier eines Tages zerfällt und den Elementen der Erde übergeben wird. Der Tod des Tieres ist nichts Unbegreifliches, sondern er ist aus dem Studium des tierischen Organismus ebenso begreiflich, wie aus dem Studium desselben begreiflich ist, daß das Tier fressen und trinken muß. Das Wesen des tierischen Organismus ergibt die Notwendigkeit des tierischen Todes.

[ 21 ] Das ist nicht der Fall für das Wesen des menschlichen Organismus. Da kommen wir natürlich auf das Gebiet, das der modernen Wissenschaft völlig unverständlich bleiben muß. Wenn Sie mit allen Mitteln der Geisteswissenschaft den menschlichen Organismus studieren, so gibt es im menschlichen Organismus drinnen selber nichts, was die Notwendigkeit des Todes erklärt, unbedingt erklärt. Es gibt nichts, was die Notwendigkeit des Todes erklärt. Man muß beim Menschen den Tod als etwas, was man einfach erfährt, hinnehmen, und kann sich gar nicht erklären, warum eigentlich der Mensch stirbt. Denn der Mensch ist ursprünglich nicht für den Tod geboren, auch nicht als äußerer Organismus für den Tod geboren. Daß der Tod von innen heraus beim Menschen auftreten kann, das ist nicht aus der menschlichen Wesenheit selber zu erklären. So wie diese menschliche Wesenheit als menschliche Wesenheit ist, so ist es nicht zu erklären.

[ 21 ] Das ist nicht der Fall für das Wesen des menschlichen Organismus. Da kommen wir natürlich auf das Gebiet, das der modernen Wissenschaft völlig unverständlich bleiben muß. Wenn Sie mit allen Mitteln der Geisteswissenschaft den menschlichen Organismus studieren, so gibt es im menschlichen Organismus drinnen selber nichts, was die Notwendigkeit des Todes erklärt, unbedingt erklärt. Es gibt nichts, was die Notwendigkeit des Todes erklärt. Man muß beim Menschen den Tod als etwas, was man einfach erfährt, hinnehmen, und kann sich gar nicht erklären, warum eigentlich der Mensch stirbt. Denn der Mensch ist ursprünglich nicht für den Tod geboren, auch nicht als äußerer Organismus für den Tod geboren. Daß der Tod von innen heraus beim Menschen auftreten kann, das ist nicht aus der menschlichen Wesenheit selber zu erklären. So wie diese menschliche Wesenheit als menschliche Wesenheit ist, so ist es nicht zu erklären.

[ 22 ] Ich weiß sehr wohl, daß dies heute wirklich als völlig töricht angesehen wird von all denen, die auf der wissenschaftlichen Höhe stehen wollen. Es ist ja im allgemeinen recht schwierig, über alle diese Dinge sich auseinanderzusetzen, denn diese Dinge hängen eigentlich zusammen mit Gebieten tiefster Mysterien. Und auch heute stößt man noch immer, wenn man im Zusammenhang solche Dinge erklären will, auf etwas, was eben doch nicht anders ausgesprochen werden kann, als so, wie sich Saint-Martin, über den ich hier letzthin geredet habe, mehrmals in seinem Buche «Des erreurs et de la vérité» äußert. So sagt Saint-Martin an einer wichtigen Stelle, wo er davon spricht, welche Folgen für die Menschheitsentwickelung es gehabt hat, daß ein gewisser Vorgang stattgefunden hat im geistigen Gebiete, bevor der Mensch zum erstenmal sich physisch verkörpert hat, als er reden will über diesen überirdisch-geistigen Vorgang, die Worte, die jeder versteht, der mit solchen Dingen intimer bekannt ist:

[ 22 ] Ich weiß sehr wohl, daß dies heute wirklich als völlig töricht angesehen wird von all denen, die auf der wissenschaftlichen Höhe stehen wollen. Es ist ja im allgemeinen recht schwierig, über alle diese Dinge sich auseinanderzusetzen, denn diese Dinge hängen eigentlich zusammen mit Gebieten tiefster Mysterien. Und auch heute stößt man noch immer, wenn man im Zusammenhang solche Dinge erklären will, auf etwas, was eben doch nicht anders ausgesprochen werden kann, als so, wie sich Saint-Martin, über den ich hier letzthin geredet habe, mehrmals in seinem Buche «Des erreurs et de la vérité» äußert. So sagt Saint-Martin an einer wichtigen Stelle, wo er davon spricht, welche Folgen für die Menschheitsentwickelung es gehabt hat, daß ein gewisser Vorgang stattgefunden hat im geistigen Gebiete, bevor der Mensch zum erstenmal sich physisch verkörpert hat, als er reden will über diesen überirdisch-geistigen Vorgang, die Worte, die jeder versteht, der mit solchen Dingen intimer bekannt ist:

[ 23 ] «So sehr ich aber wünsche, daß man dahin komme, ebenso sehr untersagen mir meine Verbindlichkeiten die geringste Erläuterung über diesen Punkt; und übrigens, um meines eigenen Besten willen, erröte ich lieber über die Vergehungen des Menschen, als daß ich davon rede.»

[ 23 ] «So sehr ich aber wünsche, daß man dahin komme, ebenso sehr untersagen mir meine Verbindlichkeiten die geringste Erläuterung über diesen Punkt; und übrigens, um meines eigenen Besten willen, erröte ich lieber über die Vergehungen des Menschen, als daß ich davon rede.»

[ 24 ] In diesem Falle müßte Saint-Martin von einem Vergehen des Menschen, bevor er in die erste Erdeninkarnation eingetreten ist, sprechen. Das kann er nicht. Nun kann man ja aus gewissen Gründen — keineswegs weil die Menschen besser geworden sind seit Saint-Martins Zeiten, aber aus manchen anderen Gründen — heute manches sagen, was Saint-Martin noch nicht sagen konnte. Aber wollte man eine solche Wahrheit, wie die, daß der Mensch eigentlich nicht für den Tod geboren ist, im Zusammenhang mit allem dabei in Betracht Kommenden erörtern, so würden auch Dinge berührt werden müssen, die vom heutigen Ohr noch nicht gehört werden können im allgemeinen. Der Mensch ist nicht für den Tod geboren, und dennoch stirbt er! Damit wird etwas ausgesprochen, was selbstverständlich für die sehr weisen Leute der heutigen Wissenschaft eine Torheit ist, was aber für den, der zum wirklichen Weltverständnis vordringen will, gerade zu den tiefsten Geheimnissen zählt. Der Mensch ist nicht für den Tod geboren, und dennoch stirbt er.

[ 24 ] In diesem Falle müßte Saint-Martin von einem Vergehen des Menschen, bevor er in die erste Erdeninkarnation eingetreten ist, sprechen. Das kann er nicht. Nun kann man ja aus gewissen Gründen — keineswegs weil die Menschen besser geworden sind seit Saint-Martins Zeiten, aber aus manchen anderen Gründen — heute manches sagen, was Saint-Martin noch nicht sagen konnte. Aber wollte man eine solche Wahrheit, wie die, daß der Mensch eigentlich nicht für den Tod geboren ist, im Zusammenhang mit allem dabei in Betracht Kommenden erörtern, so würden auch Dinge berührt werden müssen, die vom heutigen Ohr noch nicht gehört werden können im allgemeinen. Der Mensch ist nicht für den Tod geboren, und dennoch stirbt er! Damit wird etwas ausgesprochen, was selbstverständlich für die sehr weisen Leute der heutigen Wissenschaft eine Torheit ist, was aber für den, der zum wirklichen Weltverständnis vordringen will, gerade zu den tiefsten Geheimnissen zählt. Der Mensch ist nicht für den Tod geboren, und dennoch stirbt er.

[ 25 ] Sehen Sie, dieses Bewußtsein, daß der Mensch nicht für den Tod geboren ist und dennoch stirbt, das ist es im Grunde genommen, das wie ein geheimnisvoller Impuls durch jene alten Mysterien geht, auch die Attis-Mysterien, auf die ich hingedeutet habe. Es wurde in diesen Mysterien gesucht gewissermaßen eine Möglichkeit des Verständnisses für dieses: Der Mensch ist nicht für den Tod geboren, und dennoch stirbt er. — Die Mysterien sollten gewissermaßen auf dieses Geheimnis eine Antwort geben. Warum beging man denn diese Mysterien? Man beging sie, um sich jedes Jahr von neuem etwas sagen zu lassen. Etwas, was man hören wollte, was man empfinden wollte, was man in seiner Seele durchmachen wollte, das wollte man sich jedes Jahr von neuem sagen lassen. Das wollte man sich sagen lassen, daß die Zeit noch nicht herangekommen sei, in der der Mensch wirklich ernsthaftig auf seinen unerklärlichen Tod hinzuschauen habe. Was erwartete denn eigentlich so ein Gläubiger von dem Attis-Priester? So ein Gläubiger hatte die instinktive Gewißheit: Es kommt einmal für die Erde eine Zeit, wo es ernst werden wird, ganz ernst werden wird, auf den unerklärlichen Tod hinzuschauen. Aber diese Zeit wird erst kommen. Und indem der Priester zelebrierte die Leiden des Gottes und die Auferstehung des Gottes, wurde dieses Zelebrieren ein Trost: Die Zeit ist noch nicht da, wo man ernst machen muß mit dem Begreifen des Todes.

[ 25 ] Sehen Sie, dieses Bewußtsein, daß der Mensch nicht für den Tod geboren ist und dennoch stirbt, das ist es im Grunde genommen, das wie ein geheimnisvoller Impuls durch jene alten Mysterien geht, auch die Attis-Mysterien, auf die ich hingedeutet habe. Es wurde in diesen Mysterien gesucht gewissermaßen eine Möglichkeit des Verständnisses für dieses: Der Mensch ist nicht für den Tod geboren, und dennoch stirbt er. — Die Mysterien sollten gewissermaßen auf dieses Geheimnis eine Antwort geben. Warum beging man denn diese Mysterien? Man beging sie, um sich jedes Jahr von neuem etwas sagen zu lassen. Etwas, was man hören wollte, was man empfinden wollte, was man in seiner Seele durchmachen wollte, das wollte man sich jedes Jahr von neuem sagen lassen. Das wollte man sich sagen lassen, daß die Zeit noch nicht herangekommen sei, in der der Mensch wirklich ernsthaftig auf seinen unerklärlichen Tod hinzuschauen habe. Was erwartete denn eigentlich so ein Gläubiger von dem Attis-Priester? So ein Gläubiger hatte die instinktive Gewißheit: Es kommt einmal für die Erde eine Zeit, wo es ernst werden wird, ganz ernst werden wird, auf den unerklärlichen Tod hinzuschauen. Aber diese Zeit wird erst kommen. Und indem der Priester zelebrierte die Leiden des Gottes und die Auferstehung des Gottes, wurde dieses Zelebrieren ein Trost: Die Zeit ist noch nicht da, wo man ernst machen muß mit dem Begreifen des Todes.

[ 26 ] Denn diese alten Zeiten wußten alle, daß jenes, nun, meinetwillen nennen wir es «symbolisch», geschilderte Ereignis der Bibel gleich im Beginn des Alten Testamentes auf eine Wirklichkeit hindeutet. Das wußten diese alten Menschen instinktiv. Erst der moderne Materialismus ist darüber hinausgekommen, dies instinktiv zu fühlen, daß die Darstellung der Versuchung durch Luzifer auf ein wirkliches Ereignis hindeutet. Gewiß, die Gedanken-Sodomiterei, welche in der materialistischen Ausdeutung des Darwinismus liegt, die unterscheidet sich ja sehr erheblich von dem, was in solchem Zusammenhang als Wahrheit angesehen werden muß. Denn diese Gedanken-Sodomiterei, die denkt: In alten Zeiten hat es eben Tiere gegeben gewisser Sorte, und die haben sich allmählich heraufentwickelt zu dem heutigen Menschen. In dieser materialistischen Deutung des Darwinismus hat natürlich die Paradieses-Versuchungsgeschichte keinen Platz. Denn es bedürfte ja schon eines ganz degenerierten Verstandes, etwa zu glauben, daß ein Ur-Affe oder eine Ur-Äffin von dem Luzifer versucht worden sein könnte.

[ 26 ] Denn diese alten Zeiten wußten alle, daß jenes, nun, meinetwillen nennen wir es «symbolisch», geschilderte Ereignis der Bibel gleich im Beginn des Alten Testamentes auf eine Wirklichkeit hindeutet. Das wußten diese alten Menschen instinktiv. Erst der moderne Materialismus ist darüber hinausgekommen, dies instinktiv zu fühlen, daß die Darstellung der Versuchung durch Luzifer auf ein wirkliches Ereignis hindeutet. Gewiß, die Gedanken-Sodomiterei, welche in der materialistischen Ausdeutung des Darwinismus liegt, die unterscheidet sich ja sehr erheblich von dem, was in solchem Zusammenhang als Wahrheit angesehen werden muß. Denn diese Gedanken-Sodomiterei, die denkt: In alten Zeiten hat es eben Tiere gegeben gewisser Sorte, und die haben sich allmählich heraufentwickelt zu dem heutigen Menschen. In dieser materialistischen Deutung des Darwinismus hat natürlich die Paradieses-Versuchungsgeschichte keinen Platz. Denn es bedürfte ja schon eines ganz degenerierten Verstandes, etwa zu glauben, daß ein Ur-Affe oder eine Ur-Äffin von dem Luzifer versucht worden sein könnte.

[ 27 ] Nun, eine instinktive Gewißheit war also vorhanden, daß hinter dem, was da am Ausgangspunkte des Alten Testamentes erzählt wird, eine einstige Tatsache stände. Und wie wurde diese Tatsache empfunden? So wurde diese Tatsache empfunden, daß man sich sagte: So wie der Mensch eigentlich ursprünglich physisch organisiert gewesen ist, so war er nicht sterblich; aber durch diese Tatsache ist seiner ursprünglichen Organisation etwas hinzugefügt worden, was korrumpierend eintritt in seine Organisation, und was macht, daß nun auch in ihm ein Impuls der Sterblichkeit ist. Durch einen moralischen Vorgang wurde der Mensch sterblich, durch dasjenige, was eben — wir werden noch darauf zurückkommen — in dem mysteriösen Worte der Erbsünde liegt. Der Mensch wurde nicht sterblich, so wie die anderen Naturwesen sterblich geworden sind, er wurde sterblich nicht durch die natürlichen Vorgänge, nicht durch die materiellen Vorgänge, sondern der Mensch wurde sterblich durch einen moralischen Vorgang. Von der Seele aus ist der Mensch sterblich geworden.

[ 27 ] Nun, eine instinktive Gewißheit war also vorhanden, daß hinter dem, was da am Ausgangspunkte des Alten Testamentes erzählt wird, eine einstige Tatsache stände. Und wie wurde diese Tatsache empfunden? So wurde diese Tatsache empfunden, daß man sich sagte: So wie der Mensch eigentlich ursprünglich physisch organisiert gewesen ist, so war er nicht sterblich; aber durch diese Tatsache ist seiner ursprünglichen Organisation etwas hinzugefügt worden, was korrumpierend eintritt in seine Organisation, und was macht, daß nun auch in ihm ein Impuls der Sterblichkeit ist. Durch einen moralischen Vorgang wurde der Mensch sterblich, durch dasjenige, was eben — wir werden noch darauf zurückkommen — in dem mysteriösen Worte der Erbsünde liegt. Der Mensch wurde nicht sterblich, so wie die anderen Naturwesen sterblich geworden sind, er wurde sterblich nicht durch die natürlichen Vorgänge, nicht durch die materiellen Vorgänge, sondern der Mensch wurde sterblich durch einen moralischen Vorgang. Von der Seele aus ist der Mensch sterblich geworden.

[ 28 ] Die Tierseele als Gattungsseele ist unsterblich; als Gattungsseele. Sie verkörpert sich im einzelnen Individuum des Tieres, das durch seine Organe sterblich ist. Die Gattungsseele geht aus dem sterblichen Tiere so hervor, wie sie sich in ihm verkörpert hatte. Aber die tierische Organisation ist von vorneherein als Individualorganisation auf das Sterben eingerichtet. Die menschliche Organisation nicht in gleichem Maße. Die menschliche Organisation ist so, daß dasjenige, was dieser Organisation als Gattungsseele zugrunde liegt, als Menschen-Gruppenseele, im einzelnen Menschen zum Ausdruck kommen würde und ihn unsterblich machte als äußere Menschheitsorganisation. Sterblich konnte der Mensch nur werden von der Seele aus durch eine moralische Tat. In einer gewissen Weise muß die Seele beschaffen sein, damit der Mensch sterblich sein könne. Sobald man solche Dinge heute so nimmt, wie man abstrakte Begriffe nimmt, versteht man die ganze Sache nicht. Erst wenn man sich aufschwingt zum konkreten, tatsächlichen Erfassen der Sache, versteht man diese Dinge.

[ 28 ] Die Tierseele als Gattungsseele ist unsterblich; als Gattungsseele. Sie verkörpert sich im einzelnen Individuum des Tieres, das durch seine Organe sterblich ist. Die Gattungsseele geht aus dem sterblichen Tiere so hervor, wie sie sich in ihm verkörpert hatte. Aber die tierische Organisation ist von vorneherein als Individualorganisation auf das Sterben eingerichtet. Die menschliche Organisation nicht in gleichem Maße. Die menschliche Organisation ist so, daß dasjenige, was dieser Organisation als Gattungsseele zugrunde liegt, als Menschen-Gruppenseele, im einzelnen Menschen zum Ausdruck kommen würde und ihn unsterblich machte als äußere Menschheitsorganisation. Sterblich konnte der Mensch nur werden von der Seele aus durch eine moralische Tat. In einer gewissen Weise muß die Seele beschaffen sein, damit der Mensch sterblich sein könne. Sobald man solche Dinge heute so nimmt, wie man abstrakte Begriffe nimmt, versteht man die ganze Sache nicht. Erst wenn man sich aufschwingt zum konkreten, tatsächlichen Erfassen der Sache, versteht man diese Dinge.

[ 29 ] Nun hatte man in alten Zeiten — in den Zeiten auch noch kurz vor dem Mysterium von Golgatha, als diese alten Mysterien gefeiert wurden — das intensivste Wissen: Die Seele des Menschen macht es, daß der Mensch stirbt. Diese Seele des Menschen ist in einer fortwährenden Entwickelung durch die Zeiten hindurch. Worinnen besteht denn diese Entwickelung? Darinnen besteht diese Entwickelung, daß immer mehr und mehr diese Seele den Organismus korrumpiert, den Organismus verdirbt und immer mehr und mehr teilnimmt an der Korruption, durch die sie vernichtend auf den Organismus wirkt. Der Mensch sah in alte Zeiten hinauf und sagte sich: Da hat ein moralisches Ereignis stattgefunden, durch das ist die Seele so geworden, daß, wenn sie nun durch die Geburt im Leibe wohnt, sie diesen Leib verdirbt, aber dadurch, daß sie den Leib verdirbt, nicht so lebt zwischen Geburt und Tod, wie sie leben würde, wenn sie ihn unverdorben ließe. Das ist immer schlimmer und schlimmer geworden im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende. Die Seele verdirbt immer mehr und mehr den Leib! So sagten sie. — Damit aber findet die Seele immer weniger und weniger die Möglichkeit, ihren Rückweg in den Geist anzutreten. Sie korrumpiert, je weiter die Menschheitsentwickelung geht, den Leib immer mehr und mehr; dadurch impft sie diesem Leibe immer intensiver und intensiver den Tod ein. Und ein Zeitpunkt muß kommen, wo die Seelen keine Möglichkeit mehr finden, nachdem sie ihr Dasein so lange zugebracht haben zwischen Geburt und Tod, wiederum den Rückweg zu finden in die geistige Welt.

[ 29 ] Nun hatte man in alten Zeiten — in den Zeiten auch noch kurz vor dem Mysterium von Golgatha, als diese alten Mysterien gefeiert wurden — das intensivste Wissen: Die Seele des Menschen macht es, daß der Mensch stirbt. Diese Seele des Menschen ist in einer fortwährenden Entwickelung durch die Zeiten hindurch. Worinnen besteht denn diese Entwickelung? Darinnen besteht diese Entwickelung, daß immer mehr und mehr diese Seele den Organismus korrumpiert, den Organismus verdirbt und immer mehr und mehr teilnimmt an der Korruption, durch die sie vernichtend auf den Organismus wirkt. Der Mensch sah in alte Zeiten hinauf und sagte sich: Da hat ein moralisches Ereignis stattgefunden, durch das ist die Seele so geworden, daß, wenn sie nun durch die Geburt im Leibe wohnt, sie diesen Leib verdirbt, aber dadurch, daß sie den Leib verdirbt, nicht so lebt zwischen Geburt und Tod, wie sie leben würde, wenn sie ihn unverdorben ließe. Das ist immer schlimmer und schlimmer geworden im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende. Die Seele verdirbt immer mehr und mehr den Leib! So sagten sie. — Damit aber findet die Seele immer weniger und weniger die Möglichkeit, ihren Rückweg in den Geist anzutreten. Sie korrumpiert, je weiter die Menschheitsentwickelung geht, den Leib immer mehr und mehr; dadurch impft sie diesem Leibe immer intensiver und intensiver den Tod ein. Und ein Zeitpunkt muß kommen, wo die Seelen keine Möglichkeit mehr finden, nachdem sie ihr Dasein so lange zugebracht haben zwischen Geburt und Tod, wiederum den Rückweg zu finden in die geistige Welt.

[ 30 ] Diesen Zeitpunkt erwartete man in alten Zeiten mit Schauern und Schrecken. Man sagte sich: Generation nach Generation wird vergehen, und die Generation wird einmal kommen, die solche Seelen hat, welche ihren Leib so korrumpieren und ihm den Tod so intensiv einimpfen, daß es gar nicht mehr möglich sein wird, zum Göttlichen den Weg wiederum zurückzufinden. Diese Generation wird kommen! — So sagten sie. Und man wollte sich überzeugen, ob der Zeitpunkt schon mehr oder weniger herannaht. Deshalb hatte man die Attis- und anderen Gebräuche. Man probierte gleichsam, ob noch so viel Göttliches in den Menschenseelen ist, daß die Zeit noch nicht da ist, wo die Menschenseelen alles Göttliche abgestreift haben und nicht mehr den Weg zum Gotte zurückfinden können. Deshalb hatte es eine ungeheure Bedeutung, wenn der Priester sprach: Seid getrost, ihr Frommen; da der Gott gerettet ist, so wird auch für euch die nötige Rettung werden! — Damit wollte er sagen: Seht ihr, der Gott, der hat noch Einfluß auf die Welt, die Seelen haben es noch nicht so weit gebracht, daß sie sich ganz abgeschnürt hätten von dem Gotte; der Gott, der aufersteht noch! — Das wollte ihnen der Priester verkünden; Trost war es, was der Priester verkündete. Der Gott ist noch in euch! — das sagte er.

[ 30 ] Diesen Zeitpunkt erwartete man in alten Zeiten mit Schauern und Schrecken. Man sagte sich: Generation nach Generation wird vergehen, und die Generation wird einmal kommen, die solche Seelen hat, welche ihren Leib so korrumpieren und ihm den Tod so intensiv einimpfen, daß es gar nicht mehr möglich sein wird, zum Göttlichen den Weg wiederum zurückzufinden. Diese Generation wird kommen! — So sagten sie. Und man wollte sich überzeugen, ob der Zeitpunkt schon mehr oder weniger herannaht. Deshalb hatte man die Attis- und anderen Gebräuche. Man probierte gleichsam, ob noch so viel Göttliches in den Menschenseelen ist, daß die Zeit noch nicht da ist, wo die Menschenseelen alles Göttliche abgestreift haben und nicht mehr den Weg zum Gotte zurückfinden können. Deshalb hatte es eine ungeheure Bedeutung, wenn der Priester sprach: Seid getrost, ihr Frommen; da der Gott gerettet ist, so wird auch für euch die nötige Rettung werden! — Damit wollte er sagen: Seht ihr, der Gott, der hat noch Einfluß auf die Welt, die Seelen haben es noch nicht so weit gebracht, daß sie sich ganz abgeschnürt hätten von dem Gotte; der Gott, der aufersteht noch! — Das wollte ihnen der Priester verkünden; Trost war es, was der Priester verkündete. Der Gott ist noch in euch! — das sagte er.

[ 31 ] Man berührt, wenn man diese Dinge berührt, so unendlich tiefe Empfindungs- und Gefühlszüge, die einmal vorhanden waren in der Entwickelung der Menschheit, daß der heutige Mensch, der seine Interessen ganz veräußerlicht hat, gar keine Ahnung mehr hat, womit die Menschen einmal gerungen haben. Mögen sie sonst nichts gewußt haben von dem, was man heute Kultur nennt, mögen sie noch so sehr Analphabeten gewesen sein, solche Gefühle haben sie gehabt. Und in den Priesterschulen, wo man die letzten Traditionen bewahrte, die aus alter hellsichtiger Weisheit herstammten, da sagte man den einzuweihenden Schülern das Folgende: Wenn die Entwickelung so fortgehen würde, wie sie unter dem Eindruck jenes moralischen Ereignisses im Beginne der Erdenentwickelung geht, dann müßte man sich darauf gefaßt machen, daß die Seelen der Menschen ihren Weg finden würden von Gott ab, hinein in die Welt, die sie selber erzeugen, indem sie den menschlichen Organismus zum Tode hin, zum immer intensiveren Tode hin korrumpieren. Die Seelen würden sich verbinden mit der Erde und durch die Erde mit dem, was man die Unterwelt nennt. Die Seelen würden verlorengehen. Aber da man selbstverständlich in diesen Schulen die Weisheit vom Geiste noch hatte, wußte man, daß der Mensch aus Leib, Seele und Geist besteht. Das, was ich Ihnen jetzt sage, das sagte man von der Seele, nicht vom Geiste. Denn der Geist ist an sich ewig und hat seine eigenen Gesetze. Vom Geiste wußte man das, was einen nötigte so zu sagen: Die Seelen werden verschwinden in die Unterwelt hinein, aber der Menschengeist wird in immer wiederholten Erdenleben erscheinen. Und eine Zukunft der Erdenentwickelung stünde bevor, in der die Menschengeister sich wiederum verkörpern würden, aber zurückblicken würden auf all das verlorene Seelenhafte, das einstmals im Erdenwerden war. Die Seelen würden verlorengehen. Nicht mehr würden Seelen kommen. Geister würden sich wiederverkörpern, die wie automatisch den Menschenleib bewegen würden, ohne daß die Art und Weise, wie sie den Menschenleib bewegen, gefühlt würde, empfunden würde in seelischem Erleben.

[ 31 ] Man berührt, wenn man diese Dinge berührt, so unendlich tiefe Empfindungs- und Gefühlszüge, die einmal vorhanden waren in der Entwickelung der Menschheit, daß der heutige Mensch, der seine Interessen ganz veräußerlicht hat, gar keine Ahnung mehr hat, womit die Menschen einmal gerungen haben. Mögen sie sonst nichts gewußt haben von dem, was man heute Kultur nennt, mögen sie noch so sehr Analphabeten gewesen sein, solche Gefühle haben sie gehabt. Und in den Priesterschulen, wo man die letzten Traditionen bewahrte, die aus alter hellsichtiger Weisheit herstammten, da sagte man den einzuweihenden Schülern das Folgende: Wenn die Entwickelung so fortgehen würde, wie sie unter dem Eindruck jenes moralischen Ereignisses im Beginne der Erdenentwickelung geht, dann müßte man sich darauf gefaßt machen, daß die Seelen der Menschen ihren Weg finden würden von Gott ab, hinein in die Welt, die sie selber erzeugen, indem sie den menschlichen Organismus zum Tode hin, zum immer intensiveren Tode hin korrumpieren. Die Seelen würden sich verbinden mit der Erde und durch die Erde mit dem, was man die Unterwelt nennt. Die Seelen würden verlorengehen. Aber da man selbstverständlich in diesen Schulen die Weisheit vom Geiste noch hatte, wußte man, daß der Mensch aus Leib, Seele und Geist besteht. Das, was ich Ihnen jetzt sage, das sagte man von der Seele, nicht vom Geiste. Denn der Geist ist an sich ewig und hat seine eigenen Gesetze. Vom Geiste wußte man das, was einen nötigte so zu sagen: Die Seelen werden verschwinden in die Unterwelt hinein, aber der Menschengeist wird in immer wiederholten Erdenleben erscheinen. Und eine Zukunft der Erdenentwickelung stünde bevor, in der die Menschengeister sich wiederum verkörpern würden, aber zurückblicken würden auf all das verlorene Seelenhafte, das einstmals im Erdenwerden war. Die Seelen würden verlorengehen. Nicht mehr würden Seelen kommen. Geister würden sich wiederverkörpern, die wie automatisch den Menschenleib bewegen würden, ohne daß die Art und Weise, wie sie den Menschenleib bewegen, gefühlt würde, empfunden würde in seelischem Erleben.

[ 32 ] Was war nun demgegenüber die Empfindung derjenigen, die zum christlichen Ostermysterium hindrängten? Die Empfindung derjenigen, die zum christlichen Ostermysterium hindrängten, war die: Wenn auf der Erde nichts anderes geschieht als dasjenige was von alters her geschehen ist, dann entstehen in der Zukunft seelenlose Menschen in den wiederholten Erdenleben. — Sie warteten daher auf das Andere. Sie warteten auf dasjenige, was nicht innerhalb des Erdenwerdens selber sich bilden konnte, was von außen in dieses Erdenleben hereinkommen sollte. Sie warteten, mit anderen Worten, auf das Mysterium von Golgatha. Sie warteten darauf, daß in das Erdenwerden ein Wesen hereinkomme, welches das Seelische wieder rettet, welches das Seelische entreißt dem Tode. Den Geist brauchte man nicht dem Tode zu entreißen, aber das Seelische mußte man dem Tode entreißen. Dieses Wesen, welches in die Erdenentwickelung nun von außen sich eingefügt hat durch den Leib des Jesus von Nazareth, das empfand man als den Christus, der erschienen war zur Rettung der Seelen. So daß der Mensch in dem Christus etwas hat, mit dem er sich verbinden kann in der Seele, auf daß die Seele durch diese Verbindung mit dem Christus ihre korrumpierende Kraft für den Leib verliert und nach und nach all das, was verloren war, wiederum zurückgewonnen werden kann. Daher steht das Mysterium von Golgatha in der Mitte der Erdenentwickelung. Vom Beginn der Erdenentwickelung bis zum Mysterium von Golgatha geht immer mehr und mehr verloren, indem immer mehr und mehr korrumpierende Kraft in der Seele Platz greift, um die Menschen zu Automaten des Geistes zu machen. Und von dem Mysterium von Golgatha bis zum Ende des Erdendaseins ist diejenige Zeit, wo nach und nach wiederum gesammelt wird dasjenige, was verlorengegangen war bis zum Mysterium von Golgatha. So daß, wenn die Erde am Ende ihrer Entwickelung angekommen sein wird, die Menschengeister sich in letzten Leibern verkörpern werden, in denjenigen Leibern, die wiederum unsterblich sind. Die wiederum unsterblich sind! So empfand man das Ostergeheimnis.

[ 32 ] Was war nun demgegenüber die Empfindung derjenigen, die zum christlichen Ostermysterium hindrängten? Die Empfindung derjenigen, die zum christlichen Ostermysterium hindrängten, war die: Wenn auf der Erde nichts anderes geschieht als dasjenige was von alters her geschehen ist, dann entstehen in der Zukunft seelenlose Menschen in den wiederholten Erdenleben. — Sie warteten daher auf das Andere. Sie warteten auf dasjenige, was nicht innerhalb des Erdenwerdens selber sich bilden konnte, was von außen in dieses Erdenleben hereinkommen sollte. Sie warteten, mit anderen Worten, auf das Mysterium von Golgatha. Sie warteten darauf, daß in das Erdenwerden ein Wesen hereinkomme, welches das Seelische wieder rettet, welches das Seelische entreißt dem Tode. Den Geist brauchte man nicht dem Tode zu entreißen, aber das Seelische mußte man dem Tode entreißen. Dieses Wesen, welches in die Erdenentwickelung nun von außen sich eingefügt hat durch den Leib des Jesus von Nazareth, das empfand man als den Christus, der erschienen war zur Rettung der Seelen. So daß der Mensch in dem Christus etwas hat, mit dem er sich verbinden kann in der Seele, auf daß die Seele durch diese Verbindung mit dem Christus ihre korrumpierende Kraft für den Leib verliert und nach und nach all das, was verloren war, wiederum zurückgewonnen werden kann. Daher steht das Mysterium von Golgatha in der Mitte der Erdenentwickelung. Vom Beginn der Erdenentwickelung bis zum Mysterium von Golgatha geht immer mehr und mehr verloren, indem immer mehr und mehr korrumpierende Kraft in der Seele Platz greift, um die Menschen zu Automaten des Geistes zu machen. Und von dem Mysterium von Golgatha bis zum Ende des Erdendaseins ist diejenige Zeit, wo nach und nach wiederum gesammelt wird dasjenige, was verlorengegangen war bis zum Mysterium von Golgatha. So daß, wenn die Erde am Ende ihrer Entwickelung angekommen sein wird, die Menschengeister sich in letzten Leibern verkörpern werden, in denjenigen Leibern, die wiederum unsterblich sind. Die wiederum unsterblich sind! So empfand man das Ostergeheimnis.

[ 33 ] Dazu aber war es notwendig, daß die Macht überwunden wurde, welche der Seele die moralische Korruption möglich macht. Diese Macht, die ist überwunden worden in dem, was das Christentum empfindet als das eigentliche Ereignis von Golgatha. Die eigentlichen mit den Dingen bekannten ursprünglichen Christen — wie klang ihnen ein wichtiges Wort? Sie erwarteten ja von außen ein Ereignis, durch das eintreten kann die Möglichkeit, daß die die Seele korrumpierende Kraft ihre Macht verliere. Da klang ihnen das Wort von Christus: «Es ist vollbracht!» als das Zeugnis dafür, daß nun die Zeit beginnt, wo die korrumpierende Kraft der Seele vorüber ist.

[ 33 ] Dazu aber war es notwendig, daß die Macht überwunden wurde, welche der Seele die moralische Korruption möglich macht. Diese Macht, die ist überwunden worden in dem, was das Christentum empfindet als das eigentliche Ereignis von Golgatha. Die eigentlichen mit den Dingen bekannten ursprünglichen Christen — wie klang ihnen ein wichtiges Wort? Sie erwarteten ja von außen ein Ereignis, durch das eintreten kann die Möglichkeit, daß die die Seele korrumpierende Kraft ihre Macht verliere. Da klang ihnen das Wort von Christus: «Es ist vollbracht!» als das Zeugnis dafür, daß nun die Zeit beginnt, wo die korrumpierende Kraft der Seele vorüber ist.

[ 34 ] Ein merkwürdiges Ereignis, ein Ereignis, das ungeheure, ungeahnte Geheimnisse einschließt. Denn solche ungeheuren Fragen stehen auf im Hinblicke auf das Mysterium von Golgatha. Wir werden sehen, indem wir in der Betrachtung weiterschreiten, daß das Mysterium von Golgatha nicht zu denken ist ohne den auferstandenen Christus. Christus der Auferstandene — das ist das Wesentliche! Und es gehört zu den tiefsten Worten das paulinische Wort: «Wäre der Christus nicht auferstanden, so wäre unsere Predigt eitel, und eitel auch euer Glaube.» Der auferstandene Christus gehört einmal ins Christentum. Und ohne den auferstandenen Christus kann es kein Christentum geben. Der Tod gehört auch hinein, der Tod des Christus. Aber denken Sie, wie wird die Sache dargestellt? Und wie muß sie dargestellt werden? Der Schuldlose wird zum Tode geführt, ins Leiden geführt, zum Tode geführt. Diejenigen, die ihn zum Tode führen, laden eine schwere Schuld offenbar auf sich. Denn ein Unschuldiger wird zum Tode geführt. Sie laden eine schwere Schuld auf sich. Dennoch, was ist diese Schuld für die Menschheit? Das Heil der Menschheit! Denn wäre der Christus nicht gestorben, so wäre das Heil der Menschheit nicht eingetreten. Man steht, indem man dem Ereignis von Golgatha gegenübersteht, dem einzigartigen Ereignis gegenüber, daß man sich sagen muß: Das größte Heil, das der Erdenmenschheit passiert ist, ist das, daß der Christus getötet worden ist. Die größte Schuld, die auf sich geladen worden ist, ist die, daß der Christus getötet worden ist. Hier fällt das höchste Heil mit der tiefsten Schuld zusammen.

[ 34 ] Ein merkwürdiges Ereignis, ein Ereignis, das ungeheure, ungeahnte Geheimnisse einschließt. Denn solche ungeheuren Fragen stehen auf im Hinblicke auf das Mysterium von Golgatha. Wir werden sehen, indem wir in der Betrachtung weiterschreiten, daß das Mysterium von Golgatha nicht zu denken ist ohne den auferstandenen Christus. Christus der Auferstandene — das ist das Wesentliche! Und es gehört zu den tiefsten Worten das paulinische Wort: «Wäre der Christus nicht auferstanden, so wäre unsere Predigt eitel, und eitel auch euer Glaube.» Der auferstandene Christus gehört einmal ins Christentum. Und ohne den auferstandenen Christus kann es kein Christentum geben. Der Tod gehört auch hinein, der Tod des Christus. Aber denken Sie, wie wird die Sache dargestellt? Und wie muß sie dargestellt werden? Der Schuldlose wird zum Tode geführt, ins Leiden geführt, zum Tode geführt. Diejenigen, die ihn zum Tode führen, laden eine schwere Schuld offenbar auf sich. Denn ein Unschuldiger wird zum Tode geführt. Sie laden eine schwere Schuld auf sich. Dennoch, was ist diese Schuld für die Menschheit? Das Heil der Menschheit! Denn wäre der Christus nicht gestorben, so wäre das Heil der Menschheit nicht eingetreten. Man steht, indem man dem Ereignis von Golgatha gegenübersteht, dem einzigartigen Ereignis gegenüber, daß man sich sagen muß: Das größte Heil, das der Erdenmenschheit passiert ist, ist das, daß der Christus getötet worden ist. Die größte Schuld, die auf sich geladen worden ist, ist die, daß der Christus getötet worden ist. Hier fällt das höchste Heil mit der tiefsten Schuld zusammen.

[ 35 ] Gewiß, oberflächlicher Sinn kann über so etwas hinweggehen. Für denjenigen, der nicht an der Oberfläche der Dinge haftet, für den bedeutet dies ein tiefstes Rätsel. Der ungeheuerlichste Mord in der Entwickelung der Menschheit ist zum Heile der Menschheit ausgeschlagen! Fühlen Sie dieses Rätsel. Auch dieses Rätsel muß, wenn man dem Mysterium von Golgatha Verständnis entgegenbringen will, wenigstens versucht werden zu verstehen. Und es klingt, wenn auch in einem paradigmatischen Worte, so doch der Antrieb zur Lösung auch vom ‘Kreuze herunter: «Vergib ihnen, Vater, denn sie wissen nicht, was sie tun!» Wir werden sehen, in dem rechten Verständnis dieses Wortes liegt die Antwort auf die bedeutungsvolle Rätselfrage: warum der ungeheuerlichste Mord das Heil der Menschheitsentwickelung ist.

[ 35 ] Gewiß, oberflächlicher Sinn kann über so etwas hinweggehen. Für denjenigen, der nicht an der Oberfläche der Dinge haftet, für den bedeutet dies ein tiefstes Rätsel. Der ungeheuerlichste Mord in der Entwickelung der Menschheit ist zum Heile der Menschheit ausgeschlagen! Fühlen Sie dieses Rätsel. Auch dieses Rätsel muß, wenn man dem Mysterium von Golgatha Verständnis entgegenbringen will, wenigstens versucht werden zu verstehen. Und es klingt, wenn auch in einem paradigmatischen Worte, so doch der Antrieb zur Lösung auch vom ‘Kreuze herunter: «Vergib ihnen, Vater, denn sie wissen nicht, was sie tun!» Wir werden sehen, in dem rechten Verständnis dieses Wortes liegt die Antwort auf die bedeutungsvolle Rätselfrage: warum der ungeheuerlichste Mord das Heil der Menschheitsentwickelung ist.

[ 36 ] Wenn Sie dies alles bedenken, dann werden Sie anfangen zu verstehen, daß man herankommen muß an das Mysterium von Golgatha mit den Begriffen von Leib, Seele und Geist. Denn für die Seelen der Menschen ist der Christus gestorben. Die Seelen der Menschen holt er wieder zurück in die geistige Welt, von der sie abgeschnürt gewesen wären, wenn er nicht gekommen wäre. Das Moralische wäre verschwunden aus der Welt. Der Geist wäre im automatischen Leibe von einer moralfreien Notwendigkeit getrieben. Damit hätte man seelisch nichts erleben können. Der Christus soll die Seelen wiederum zurückwenden. Braucht man sich zu wundern, daß drei Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha der erleuchtetste Grieche, Aristoteles, nicht richtig über die Seele und ihren Zusammenhang mit dem Geiste zu reden wußte, da gerade die Krisis der Seele bevorstand? Braucht man sich zu wundern, wo den Seelen dies bevorstand, und Aristoteles nicht wissen konnte, daß der Retter der Seelen kommen werde, daß er irre redete über die Seele? Man braucht sich nicht darüber zu wundern! Eine andere Erklärung wird allerdings notwendig sein dafür, daß so lange im Sinne des Aristoteles irre geredet worden ist über den Zusammenhang von Seele und Geist. Was der Christus für die Menschenseele bedeutet, das tritt einem entgegen in dem Lichte, das uns den Menschen wiederum in seiner dreigliedrigen Wesenheit als Leib, Seele und Geist zeigt, und in der innigen Verbindung, die besteht zwischen dem objektiven wirklichen Geschehen und dem moralischen Geschehen; welchen Zusammenhang man nie in seiner wahren Gestalt erkennen wird, wenn man nicht die Dreigliedrigkeit des Menschen, Leib, Seele und Geist, erkennt.

[ 36 ] Wenn Sie dies alles bedenken, dann werden Sie anfangen zu verstehen, daß man herankommen muß an das Mysterium von Golgatha mit den Begriffen von Leib, Seele und Geist. Denn für die Seelen der Menschen ist der Christus gestorben. Die Seelen der Menschen holt er wieder zurück in die geistige Welt, von der sie abgeschnürt gewesen wären, wenn er nicht gekommen wäre. Das Moralische wäre verschwunden aus der Welt. Der Geist wäre im automatischen Leibe von einer moralfreien Notwendigkeit getrieben. Damit hätte man seelisch nichts erleben können. Der Christus soll die Seelen wiederum zurückwenden. Braucht man sich zu wundern, daß drei Jahrhunderte vor dem Mysterium von Golgatha der erleuchtetste Grieche, Aristoteles, nicht richtig über die Seele und ihren Zusammenhang mit dem Geiste zu reden wußte, da gerade die Krisis der Seele bevorstand? Braucht man sich zu wundern, wo den Seelen dies bevorstand, und Aristoteles nicht wissen konnte, daß der Retter der Seelen kommen werde, daß er irre redete über die Seele? Man braucht sich nicht darüber zu wundern! Eine andere Erklärung wird allerdings notwendig sein dafür, daß so lange im Sinne des Aristoteles irre geredet worden ist über den Zusammenhang von Seele und Geist. Was der Christus für die Menschenseele bedeutet, das tritt einem entgegen in dem Lichte, das uns den Menschen wiederum in seiner dreigliedrigen Wesenheit als Leib, Seele und Geist zeigt, und in der innigen Verbindung, die besteht zwischen dem objektiven wirklichen Geschehen und dem moralischen Geschehen; welchen Zusammenhang man nie in seiner wahren Gestalt erkennen wird, wenn man nicht die Dreigliedrigkeit des Menschen, Leib, Seele und Geist, erkennt.

[ 37 ] Ich habe Ihnen auch heute nur eine Vorbereitung geben können zu der Erörterung, in welche Tiefen der Menschenseele man hineinsteigen muß, wenn man nur einigermaßen das Mysterium von Golgatha verstehen will. Ich glaube, daß es uns sehr naheliegen muß, sehr nahegehen muß, gerade in unserer Zeit, über diese Dinge zu sprechen und vielleicht gerade dieses Osterfest zu benutzen, um in diese Dinge tiefer hineinzuschauen, soweit es in der gegenwärtigen Zeit den Menschen möglich ist. Dadurch kann vielleicht manches zu unseren Empfindungen zunächst gesprochen werden, das ein Same sein kann, der erst in zukünftigen Zeiten innerhalb der Menschheitsentwickelung aufgehen kann. Denn über vieles müssen wir so denken, daß wir erst nach und nach völlig wach werden, daß wir in einer Zeit leben, in der wir manches nicht in völligem Wachen auffassen, manches von diesen und manches von jenen Dingen. Das zeigt sich selbst darin, wie schwer es dem Menschen heute gemacht wird, bei völligem Wachen unmittelbar an uns herantretende Ereignisse richtig ins Auge zu fassen. Es ist leider nicht möglich, auch nur mit wenigen Strichen hinzudeuten, wie man wachend ins Auge fassen würde das schmerzliche Ereignis, von dem heute erst unter unseren Zeitereignissen die Menschheit Europas oder wenigstens Mitteleuropas Kunde erhalten hat. Solche Dinge werden heute vielfach wie im Schlafe erlebt. Aber es ist ja hier nicht möglich, Näheres über solche Dinge zu sagen. Heute wollte ich eigentlich nur Fragen anregen, um in Anknüpfung daran das nächste Mal über das Mysterium von Golgatha zu sprechen.

[ 37 ] Ich habe Ihnen auch heute nur eine Vorbereitung geben können zu der Erörterung, in welche Tiefen der Menschenseele man hineinsteigen muß, wenn man nur einigermaßen das Mysterium von Golgatha verstehen will. Ich glaube, daß es uns sehr naheliegen muß, sehr nahegehen muß, gerade in unserer Zeit, über diese Dinge zu sprechen und vielleicht gerade dieses Osterfest zu benutzen, um in diese Dinge tiefer hineinzuschauen, soweit es in der gegenwärtigen Zeit den Menschen möglich ist. Dadurch kann vielleicht manches zu unseren Empfindungen zunächst gesprochen werden, das ein Same sein kann, der erst in zukünftigen Zeiten innerhalb der Menschheitsentwickelung aufgehen kann. Denn über vieles müssen wir so denken, daß wir erst nach und nach völlig wach werden, daß wir in einer Zeit leben, in der wir manches nicht in völligem Wachen auffassen, manches von diesen und manches von jenen Dingen. Das zeigt sich selbst darin, wie schwer es dem Menschen heute gemacht wird, bei völligem Wachen unmittelbar an uns herantretende Ereignisse richtig ins Auge zu fassen. Es ist leider nicht möglich, auch nur mit wenigen Strichen hinzudeuten, wie man wachend ins Auge fassen würde das schmerzliche Ereignis, von dem heute erst unter unseren Zeitereignissen die Menschheit Europas oder wenigstens Mitteleuropas Kunde erhalten hat. Solche Dinge werden heute vielfach wie im Schlafe erlebt. Aber es ist ja hier nicht möglich, Näheres über solche Dinge zu sagen. Heute wollte ich eigentlich nur Fragen anregen, um in Anknüpfung daran das nächste Mal über das Mysterium von Golgatha zu sprechen.