Human Soul-Life and Spiritual Striving
GA 212
29 April 1922, Dornach
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Human Soul-Life and Spiritual Striving, tr. SOL.
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Der Vortragszyklus wurde angekündigt unter dem Titel: «Das menschliche Seelenleben im Zusammenhange mit der Weltentwickelung.» Es ist das menschliche Seelenleben ja zunächst im Menschen selbst so, daß man aus dem Erleben des Seelischen nicht unmittelbar sich veranlaßt fühlt, die Frage nach der Beziehung der menschlichen Seele zu der Weltentwickelung im großen aufzuwerfen, das heißt, sie aufzuwerfen im bewußten Sinne. Dagegen im unbewußten Sinne wirft die menschliche Seele fortwährend gerade diese Frage auf: Wie stehe ich als Mensch zu der allgemeinen Weltentwickelung im großen? - Und man kann sagen, daß im Grunde genommen gerade das religiöse Leben der Menschheit immer ein Ergebnis war dieser unbewußten Frage in den menschlichen Seelentiefen. Denn jene Beziehung, in die sich der Mensch in einer mehr oder weniger klaren Weise in religiöser Art zu dem Ewigen setzt, ist eigentlich der Ausdruck dieser unbewußten Frage in den menschlichen Seelentiefen.
[ 1 ] The lecture series was announced under the title: “The human soul life in relation to world evolution.” The human soul life is initially so constituted in the human being that one does not immediately feel compelled by one's soul experiences to raise the question of the relationship between the human soul and the development of the world in the larger sense, that is, to raise it in a conscious sense. In the unconscious sense, however, the human soul continually raises precisely this question: How do I, as a human being, relate to the general development of the world in the broadest sense? And we can say that, fundamentally, the religious life of humanity has always been a result of this unconscious question in the depths of the human soul. For the relationship that human beings establish in a more or less clear way in a religious sense with the eternal is actually the expression of this unconscious question in the depths of the human soul.
[ 2 ] Im Bewußtsein verläuft das Seelenleben so, daß der Mensch gewissermaßen in seiner Seele sich wie abgeschlossen fühlt, daß er sich fühlt in demjenigen, was er durch die Außenwelt mit Hilfe seiner Seele erlebt, daß er sich fühlt in demjenigen, was zurückbleibt an Erinnerungen in dem Seelenleben durch die Eindrücke der Außenwelt, daß er erlebt, was seine Empfindungen, seine Gefühle ihm gesagt haben bei dem Erleben der Außenwelt, bei dem Erleben der weiteren Schicksale der Außenwelt, in den Erinnerungsvorstellungen und so weiter, daß der Mensch dann, wenn er auf sein Willens-, auf sein Tatenleben hinsieht, sich sagt: Aus dem tiefsten Inneren meines Wesens, aus Tiefen, über die ich mir zunächst gar nicht Rechenschaft geben kann, quellen heraus die Impulse meines Vorstellens, meines Fühlens, meines Wollens.
[ 2 ] In consciousness, the soul life proceeds in such a way that the human being feels, as it were, closed off in his soul, that he feels himself in what he experiences through the external world with the help of his soul, that he feels himself in what remains as memories in the soul life through the impressions of the external world, that he experiences what his sensations and feelings have told him during his experience of the external world, during his experience of the further destinies of the external world, in his memories and so on, that when man looks at his life of will and action, he says to himself: From the deepest depths of my being, from depths that I cannot initially account for, spring forth the impulses of my imagination, my feelings, my will.
[ 3 ] Von dem Vorstellen in Anlehnung an die äußeren Sinneswahrnehmungen, von dem Vorstellen, das in Erinnerungen lebt, von den Willensimpulsen, die sich ausleben in äußeren Taten, von alledem spricht der Mensch als von etwas Abgeschlossenem, wenn er zunächst hineinblickt in sein Seelenleben, wenn er zu dem kommen will, was man im gewöhnlichen Leben Selbstbeobachtung, Selbstbetrachtung nennt. Allein einem tieferen Einblick in das eigene Wesen wird es sofort klar, daß mit einer solchen Selbstbeobachtung dennoch die tiefsten Seelenbedürfnisse durchaus nicht befriedigt werden können, daß der Mensch in seinem tiefsten Inneren die Frage aufwerfen muß: Was ist da in mir, das zusammenhängt mit irgendeinem Ursächlichen, mit einem Ewigen vielleicht, das den vorübergehenden Erscheinungen, die ich in Natur und Menschenleben vor mir habe, zugrunde liegt?
[ 3 ] When looking into their soul life, when they want to arrive at what is commonly called self-observation or self-reflection, human beings speak of imagination based on external sensory perceptions, of imagination that lives in memories, of impulses of the will that are expressed in external actions, of all these things as something complete. But a deeper insight into one's own nature immediately reveals that such self-observation cannot possibly satisfy the deepest needs of the soul, that human beings, when they look at their life of will and action, say to themselves: self-contemplation in everyday life. But if you look deeper into your own being, you'll quickly see that this kind of self-observation can't really satisfy your deepest soul needs, and that deep down, you have to ask yourself: What is there within me that is connected with some causal principle, perhaps with something eternal, which underlies the transitory phenomena that I see before me in nature and in human life?
[ 4 ] Der Mensch sucht gewissermaßen nach der tiefsten Wurzel seines eigenen Wesens im Gefühle, in der Empfindung zunächst. Und daraus ergibt sich ihm dann die entweder erkenntnismäßig oder religiös oder sonst irgendwie gestaltete Frage: Wie ist diese Wurzel nun eingewurzelt? Diese Wurzel, die ich in mir fühle, wie ist sie eingewurzelt in einem Objektiven, in einem vielleicht Kosmischen, kurz, in einem Äußeren, das ähnlich ist meinem Inneren, das so ist, daß ich mit dieser Einwurzelung meines Inneren in ihm befriedigt sein kann? - Im Grunde genommen hängt des Menschen Seelenstimmung davon ab, ob er irgendwie im Leben in der Lage ist, eine in der einen oder anderen Weise geartete Antwort auf diese für das Leben der Seele innerlichst schicksalsmäßige Frage zu gewinnen.
[ 4 ] Human beings seek, as it were, the deepest root of their own being, initially in their feelings and sensations. And this then gives rise to the question, whether cognitive, religious, or otherwise formulated: How is this root rooted? This root that I feel within myself, how is it rooted in something objective, perhaps cosmic, in short, in something external that is similar to my inner self, such that I can be satisfied with this rooting of my inner self in it? Basically, a person's state of mind depends on whether they are somehow able to find an answer, in one way or another, to this question, which is so crucial to the life of the soul.
[ 5 ] Wir haben mit diesen Worten einleitungsweise ein wenig darauf hingedeutet, wie sich in gewissem Sinne das menschliche Seelenleben widerspruchsvoll ergibt, widerspruchsvoll so, daß man es zunächst wie ein Abgeschlossenes in Denken, Fühlen und Wollen hat, daß man aber damit durchaus nicht befriedigt sein kann, weil man ja äußerlich auch wahrnimmt, wie gewissermaßen das leibliche Gehäuse das Schicksal teilt der anderen Naturobjekte, des Entstehens, des Vergehens, und wie einer äußerlichen Betrachtungsweise durchaus nicht aufgehen kann, inwiefern das Seelische mit einem Ewigen zusammenhängen kann, da man es doch zunächst für die äußere Beobachtung hinschwinden sieht mit dem Aufhören des Lebens im physischen Leibe.
[ 5 ] With these words, we have briefly pointed out how, in a certain sense, human soul life is contradictory, contradictory in such a way that one initially perceives it as something complete in thinking, feeling, and willing, but that one cannot be satisfied with this at all because one also perceives externally how, in a sense, the physical shell shares the fate of other natural objects, of arising and passing away, and how, from an external point of view, it is impossible to understand how the soul can be connected with something eternal, since we initially see it disappear from external observation with the cessation of life in the physical body.
[ 6 ] Das innerste Bedürfnis der Seele widerspricht zunächst dem, was die Seele bei einer ersten Selbstbeobachtung, wie sie sich eben im gewöhnlichen Leben ergibt, haben kann. Dann, wenn man so recht tief empfindet dieses Widerspruchsvolle, das aber zusammenhängt mit diesem schicksalsmäßigen inneren Erleben des Menschen als Menschen, dann sieht man sich wohl dieses wogende, webende Seelenleben an, und man findet dann, daß es gewissermaßen nach zwei Polen hin besonders geartet ist, daß es nach der einen Richtung hin das Vorstellen, nach der anderen den Willen ausbildet. Zwischen dem Vorstellen und dem Willen findet man das Gemüt, das Fühlen, und man wird gewahr, wie die Vorstellungen, die man, sagen wir, aus der Außenwelt schöpft, von Empfindungen, von Gefühlen begleitet werden, die diesen Vorstellungen die innere Seelenwärme, die die Seele braucht, geben. Man wird gewahr, wie auf der anderen Seite dasjenige, was als Willensimpulse aus der Seele fließt, wiederum zusammenhängt mit Empfindungs- und Gefühlsmäßigem, wie wir aus gewissen Gefühlen und Empfindungen heraus die eine oder die andere Willensentschließung fassen, wie wir im Gefühle begleiten, was aus dieser Willensentschließung wird, indem wir entweder mit dem, was wir wollen, beziehungsweise was aus dem Wollen wird, zufrieden sind in uns selbst oder unzufrieden. Wir sehen gewissermaßen an dem einen Pol des Seelenlebens das Vorstellen, an dem anderen Pol das Willensleben, und wir sehen in der Mitte drinnen, sich anschließend an das Vorstellungsleben, sich anschließend an das Willensleben, das Gemüts-, das Gefühls-, das Empfindungsleben.
[ 6 ] The innermost need of the soul initially contradicts what the soul may have upon initial self-observation, as it occurs in ordinary life. Then, when one feels this contradiction deeply, which is connected with the fateful inner experience of man as man, one looks at this surging, weaving soul life and finds that it is, in a sense, particularly characterized by two poles, that it develops imagination in one direction and will in the other. Between imagination and will, one finds the mind, feeling, and one becomes aware of how the ideas that one draws, let us say, from the outer world are accompanied by sensations and feelings that give these ideas the inner warmth that the soul needs. We become aware of how, on the other hand, what flows out of the soul as impulses of the will is in turn connected with sensations and feelings, how we arrive at one or another decision of the will out of certain feelings and sensations, how we accompany in feeling what becomes of this decision of the will, by being either satisfied or dissatisfied within ourselves with what we want or with what comes of our wanting. are satisfied or dissatisfied within ourselves. We see, as it were, at one pole of the soul life the life of imagination, at the other pole the life of the will, and in the middle, following on from the life of imagination and the life of the will, the life of the mind, the life of feeling, and the life of sensation.
[ 7 ] Und wenn wir das Vorstellungsleben mehr ins Auge fassen - Ja, wenn wir ehrlich sind, so müssen wir uns für das gewöhnliche Leben gestehen, daß unser Vorstellungsleben so verfließt, daß es sich zunächst anschließt an dasjenige, was wir von außen her erleben, was unsere gesamten Sinne an der Außenwelt erleben. Gewiß, das Seelenleben setzt in einer gewissen Weise das Erleben der Sinne fort, gibt dem Erleben der Sinne Färbung, bringt manchmal die Erinnerungsvorstellungen mit einer ganz anderen Färbung heraus aus dem Inneren, als sie erfaßt sind an der äußeren Sinneswelt. Aber derjenige, der sich nicht Träumereien hingibt und der selbst seiner Phantasiewelt so gegenübersteht, daß er sich nicht in Illusionen wiegt, der wird doch überall im Vorstellungsleben finden, wie es angeregt ist von der äußeren Sinnesempfänglichkeit. Und wenn wir dann gewissermaßen uns abschließen von der äußeren Sinnesempfänglichkeit und, ohne daß wir einschlafen, in unserem eigenen Vorstellungsleben verharren, ohne daß wir den Willen entfalten, dann kommt allerdings in dieses Vorstellungsleben allerlei hinein, was Erinnerung an äußere Wahrnehmungen ist, was umgestaltete äußere Wahrnehmungen sind. Allein wir empfinden ganz deutlich den Bildcharakter dessen, was wir da in ihnen erfassen, wenn wir gewissermaßen alle Sinne schließen und im Inneren das bloße Vorstellen erleben. Wir fühlen, daß wir Bilder haben von dem, was diese Vorstellungen ausdrücken. Wir fühlen sogar das Flüchtige dieser Vorstellungen; sie treten in unserem Bewußtsein auf, sie treten wiederum aus unserem Bewußtsein heraus. Wir können nicht so unmittelbar gewahr werden, ob an ihnen eine Wirklichkeit ist, oder ob sie bloße Bilder sind. Oder wenn wir voraussetzen, daß ihnen eine Wirklichkeit zugrunde liegt, so können wir diese Wirklichkeit zunächst nicht erfassen, weil die Vorstellungen sich uns als Bilder ergeben. Wir wissen ganz genau: Indem wir in den Vorstellungen leben, leben wir in einer Bilderwelt.
[ 7 ] And if we consider the life of imagination more closely—yes, if we are honest, we must admit that in ordinary life our life of imagination flows in such a way that it initially follows what we experience from outside, what our entire senses experience in the external world. Certainly, the life of the soul continues the experience of the senses in a certain way, colors the experience of the senses, sometimes brings forth from within memories with a completely different coloring than they have in the external sensory world. But those who do not indulge in daydreams and who face their own fantasy world in such a way that they do not indulge in illusions will find everywhere in their imaginative life how it is stimulated by external sensory perception. And when we then, as it were, shut ourselves off from external sensory perception and, without falling asleep, remain in our own imaginative life without developing the will, then all sorts of things do indeed enter this imaginative life that are memories of external perceptions, that are transformed external perceptions. But we clearly perceive the pictorial character of what we grasp in them when we close all our senses, as it were, and experience mere imagination within ourselves. We feel that we have images of what these ideas express. We even feel the fleeting nature of these ideas; they appear in our consciousness and then disappear from it again. We cannot immediately perceive whether they have any reality or whether they are mere images. Or if we assume that they are based on reality, we cannot initially grasp this reality because the ideas appear to us as images. We know quite precisely that by living in ideas, we live in a world of images.
[ 8 ] Und radikal verschieden von dieser Bilderwelt ist dann dasjenige, was wir in unserer Willenswelt erleben. Das kann nicht durchschaut werden von unserem gewöhnlichen Bewußtsein. Das gewöhnliche Bewußtsein faßt einen Gedanken oder einen unbestimmten instinktiven Impuls: Ich will das und das, ich will den Arm bewegen. — Nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit erfolgt die Armbewegung. Man sieht wiederum die Armbewegung. Man hat zwei Vorstellungen: die Vorstellung, daß man den Arm erheben will, die Vorstellung, daß der Arm erhoben ist. Was dazwischen sich in unserer menschlichen Wesenheit als Wille entfaltet hat, davon hat man zunächst keine Vorstellung. Das verschwindet in das Unbewußte wie die Zustände des Schlafes. In bezug auf unseren Willen schlafen wir auch wachend. Während die Vorstellungen mit lichter Klarheit in unserem gewöhnlichen Bewußtsein sein können, während wir bei den Vorstellungen zwar nicht wissen, wie sie in einer Wirklichkeit wurzeln, wir sie aber doch ganz klar, hell in unserem Bewußtsein haben können, entfällt uns dasjenige, was Wille ist, aus dem Bewußtsein, wenn dieser Wille sich vollzieht.
[ 8 ] And radically different from this world of images is what we experience in our world of will. This cannot be perceived by our ordinary consciousness. Ordinary consciousness grasps a thought or an indefinite instinctive impulse: I want this or that, I want to move my arm. — After a relatively short time, the arm movement occurs. We see the arm movement again. We have two ideas: the idea that we want to raise our arm, and the idea that the arm is raised. We initially have no idea what has unfolded in our human nature as will. This disappears into the unconscious like the states of sleep. In relation to our will, we also sleep while awake. While ideas can be present in our ordinary consciousness with clear clarity, while we do not know how they are rooted in reality, but can nevertheless have them clearly and brightly in our consciousness, that which is will disappears from consciousness when this will is carried out.
[ 9 ] Aber dafür wissen wir mit Bezug auf diesen Willen etwas anderes. Dieser Wille, wenn er zur Tat wird, wenn er also wirklicher Wille ist, nicht bloßer Wunsch, er drückt sich zweifellos in einer Realität aus. Ich habe zunächst die Vorstellung, sie ist ein Bild: Ich werde den Arm heben. - Was dann geschieht, das gewöhnliche Bewußtsein weiß es nicht, aber der Arm wird gehoben. Ein realer Vorgang der Außenwelt vollzieht sich. Was im Willen lebt, wird äußere Wirklichkeit, wie die anderen Vorgänge der Natur äußere Wirklichkeit sind.
[ 9 ] But we know something else about this will. When this will becomes an action, when it is real will and not mere desire, it undoubtedly expresses itself in reality. First, I have the idea, it is an image: I will raise my arm. What happens then, ordinary consciousness does not know, but the arm is raised. A real process takes place in the external world. What lives in the will becomes external reality, just as other processes in nature are external reality.
[ 10 ] Bei meinen Vorstellungen habe ich den Bildcharakter. Ich weiß zunächst nicht, wie das, was da im Gedanken sich als Vorstellung auslebt, zusammenhängt mit irgendeiner Realität. Bei meinem Willen weiß ich ganz genau: mit der Realität hängt er zusammen, aber ich kann ihn nicht hell und klar durchschauen wie die Vorstellungen.
[ 10 ] My ideas have a pictorial character. At first, I do not know how what is expressed in my thoughts as an idea is connected with any reality. With my will, I know quite precisely that it is connected with reality, but I cannot see it clearly and distinctly as I can with ideas.
[ 11 ] Und dasjenige, was zwischendrinnen ist, die Empfindung, das Gefühl, die die Vorstellung färben, die den Willen färben, sie nehmen teil an der Helligkeit, an der lichten Klarheit der Vorstellung auf der einen Seite, und an der Finsternis, an der Unbewußtheit der Willensimpulse auf der anderen Seite. Wir sehen eine Rose. Wir vergegenwärtigen sie uns innerlich als Bild. Wir ziehen unser Auge ab von der Rose. Wir haben sie als Bild in der Vorstellung. Wir sind als Menschen nicht von absoluter innerer Kälte durchzogen. Wir empfinden Freude an der Rose, wir empfinden Gefallen an ihr. Wir sind innerlich befriedigt von dem Dasein der Rose. Zunächst können wir uns allerdings nicht sagen, wie aus unserem menschlichen Wesen heraus dieses Gefühl der Freude, dieses Gefühl der Befriedigung von dem Dasein der Rose, dieses Gefühl des Gefallens entsteht. Wie es entsteht in unserem Inneren, es bleibt zunächst für das gewöhnliche Bewußtsein unbestimmt, aber es verbindet sich mit der hellen, lichten Klarheit der Vorstellungen. Es tingiert gewissermaßen, es färbt die Vorstellungen. Wenn wir eine deutliche Vorstellung von der Rose haben, so haben wir auch eine deutliche Vorstellung von dem, was uns gefällt. Es überträgt sich die helle, lichte Klarheit der Rosenvorstellung auf unser Fühlen.
[ 11 ] And what lies in between, the sensation, the feeling that colors the idea, that colors the will, participates in the brightness, in the luminous clarity of the idea on the one hand, and in the darkness, in the unconsciousness of the impulses of the will on the other. We see a rose. We visualize it internally as an image. We take our eyes off the rose. We have it as an image in our imagination. As human beings, we are not completely devoid of inner warmth. We feel joy at the sight of the rose; we take pleasure in it. We are inwardly satisfied by the existence of the rose. At first, however, we cannot say how this feeling of joy, this feeling of satisfaction from the existence of the rose, this feeling of pleasure arises from our human nature. How it arises within us remains initially undefined for ordinary consciousness, but it is connected with the bright, clear clarity of the ideas. It tinges, so to speak, it colors our ideas. When we have a clear idea of the rose, we also have a clear idea of what pleases us. The bright, clear light of the idea of the rose is transferred to our feelings.
[ 12 ] Wenn wir aber einen Willensimpuls haben - wir brauchen uns nur zu prüfen -, so kommt er aus den Tiefen unseres Wesens heraus: Ich will das, ich will jenes. - Aber wie oft sehen wir uns instinktiv zu dem oder jenem gedrängt! Unser Vorstellen sagt uns oft: Das sollte gar nicht geschehen; unser Vorstellen sagt uns oftmals: Wir sind mit dem, was da geschieht, eigentlich unzufrieden. — Aber dann wiederum, wenn wir zurückblicken auf unser eigenes Seelenleben und nach unseren Gefühlen fragen, so müssen wir doch sagen: Aus einem bestimmten Gefühl heraus hat sich das vollzogen, womit wir sogar unzufrieden sein können, und was so in den dunklen Seelentiefen wurzelt, daß sogar seine Qualität uns ihrem Ursprunge nach unbewußt bleibt. Und das, was wir dabei empfinden, ich möchte sagen, stürzt sich in einer gleichen Weise in diese Unbewußtheit, in diese Finsternis des Wollens hinunter. In welch anderer Weise nimmt unser Fühlen teil auf der einen Seite an der hellen Klarheit des Vorstellungslebens, auf der anderen Seite an der Dumpfheit des Willenslebens!
[ 12 ] But when we have an impulse of the will—we need only examine ourselves—it comes from the depths of our being: I want this, I want that. But how often do we find ourselves instinctively drawn to this or that! Our imagination often tells us: That should not happen; our imagination often tells us: We are actually dissatisfied with what is happening. But then again, when we look back on our own soul life and ask ourselves about our feelings, we must say: out of a certain feeling, something has been accomplished with which we may even be dissatisfied, and which is so deeply rooted in the dark depths of the soul that even its quality remains unconscious to us in its origin. And what we feel in the process, I would say, plunges in the same way into this unconsciousness, into this darkness of the will. In what other way do our feelings participate, on the one hand, in the bright clarity of the life of imagination and, on the other hand, in the dullness of the life of the will!
[ 13 ] So erscheint uns unser Seelenleben dreifach: als Denken, als Vorstellen also, als Fühlen, als Wollen. Aber es ist nach den beiden Polen hin innerlich wesenhaft ganz verschieden gestaltet.
[ 13 ] Thus our soul life appears to us as threefold: as thinking, as imagining, as feeling, as willing. But it is essentially different in its inner nature according to its two poles.
[ 14 ] Nun, das Vorstellen verweist uns zunächst auf die Sinneswelt. Gewiß, wir nehmen nicht bloß einfache Sinneswahrnehmungen in unser Bewußtsein herein. Einfache Sinneswahrnehmungen wären: rot, blau, Cis, C, G, warm, kalt, wohlriechend, übelriechend, süß, sauer und so weiter. Auch fortlaufende Strömungen dieser Sinnesempfindungen können wir noch unmittelbar der Sinneswelt selber zuschreiben. Allein dann, wenn wir komplizierteren äußeren Vorgängen gegenüberstehen? Nehmen wir nur einmal an, wenn wir einem Menschen gegenüberstehen: Unzählige Sinnesempfindungen kommen von diesem Menschen zu uns her. Was wir in seinem Antlitz sehen, was wir sonst an ihm sehen, was er spricht, die Art und Weise, wie er sich bewegt - wir könnten viele einfache Sinnesempfindungen anführen; allein das alles formt sich eben zu einem Ganzen, zu demjenigen, was wir dann als diesen Menschen erleben. So daß wir sagen können: Durch die Sinnesempfindungen erleben wir die Welt.
[ 14 ] Now, imagination initially refers us to the sensory world. Certainly, we do not merely take simple sensory perceptions into our consciousness. Simple sensory perceptions would be: red, blue, C sharp, C, G, warm, cold, fragrant, foul-smelling, sweet, sour, and so on. We can also attribute continuous streams of these sensory impressions directly to the sensory world itself. But what about when we are confronted with more complex external processes? Let us assume that we are facing another person: countless sensory impressions come to us from this person. What we see in their face, what else we see about them, what they say, the way they move—we could list many simple sensory impressions; but all of this forms a whole, which we then experience as this person. So we can say that we experience the world through our sensory perceptions.
[ 15 ] Aber nur die Sinnesempfindungen selbst sind im engeren Sinne an uns gebunden. Die einfachen Sinnesempfindungen, rot, blau, Cis, G, warm, kalt und so weiter, stehen uns am nächsten in bezug auf unser seelisches Leben. Dasjenige, was wir in komplizierterer Weise erleben - wir denken an einen Menschen, wir können aber auch an ein ganz äußeres Ereignis denken -, setzt sich zum Schluß auch als ein Sinneserlebnis zusammen. Das steht uns als ein objektives äußeres Erlebnis gegenüber. Wir wissen, wir sind mit dem Rot der Rose eng verbunden, indem wir unser Auge der Rose exponieren. Aber wenn wir einmal gesehen haben, wie, sagen wir, eine Mutter ihrem Söhnlein eine Rose geschenkt hat, so haben wir einen komplizierteren Vorgang. Er sondert sich von uns ab; da sind wir nicht so intim damit verbunden, und erst wenn wir aus dem, was wir etwa wissen über die Rose von Schiras, uns erinnern an Komplizierteres, das wir nicht gesehen haben, das wir nur auf eine andere Weise vernommen haben, auf eine Weise, wo die Sinnesempfindungen gar nicht mehr einen unmittelbaren Bezug haben auf das Äußere, kommt es uns etwas näher. Wir haben es vielleicht gelesen, die Sinnesempfindungen waren diejenigen von der Druckerschwärze, von den Formen der Buchstaben auf dem Papier, oder wir haben es gehört, indem es uns jemand erzählt hat, aber diese Sinnesempfindungen weisen uns auf etwas hin, was sich von uns stark absondert. Wir können den Unterschied finden zwischen dem Intimen, das die Sinnesempfindungen haben zu unserem Seelenleben, und demjenigen, was sich dann mehr äußerlich abhebt von uns, was wir nur mittelbar durch die Sinnesempfindungen haben.
[ 15 ] But only the sensory perceptions themselves are bound to us in the strict sense. The simple sensory perceptions, red, blue, C sharp, G, warm, cold, and so on, are closest to us in relation to our spiritual life. What we experience in a more complex way—we think of a person, but we can also think of an entirely external event—ultimately also comes together as a sensory experience. This stands before us as an objective external experience. We know that we are closely connected with the red of the rose by exposing our eyes to the rose. But once we have seen, say, a mother giving her little son a rose, we have a more complex process. It separates itself from us; we are not so intimately connected with it, and only when we remember, from what we know about the rose of Shiraz, something more complex that we have not seen, that we have only perceived in another way, in a way in which the sensory impressions no longer have any direct connection with the external world, does it come closer to us. We may have read about it, the sensory impressions were those of the printer's ink, of the shapes of the letters on the paper, or we may have heard it from someone telling us, but these sensory impressions point us to something that is very separate from us. We can find the difference between the intimacy that sensory perceptions have with our soul life and that which is more external to us, which we only have indirectly through sensory perceptions.
[ 16 ] Ein Ähnliches ist aber auch nach dem anderen Pol des menschlichen Lebens der Fall. Wenn ich einen Arm bewege, ist das eine Willensentfaltung. Es geschieht nichts anderes als etwas an meinem eigenen Organismus. Ich bin mit dem, was da als Willensentfaltung aus dem Willensimpulse hervorgeht, eng verbunden. Ich bin so intim damit verbunden, wie ich mit einer Sinnesempfindung intim verbunden bin. Aber nun denken Sie daran: Wenn ich nun durch meine Willensimpulse nicht einfach meinen Arm bewege, sondern Holz hacke, dann sondert sich das, was durch meinen Willen geschieht, schon von mir ab. Es wird ein äußerlicher Vorgang. Es ist ebenso Ergebnis meines Willensimpulses wie die Bewegung des Armes, aber es sondert sich von mir ab. Es ist äußerlich vorhanden. Und denken Sie, welche komplizierteren Vorgänge nun hervorgehen können aus solchen Willensimpulsen! Wenn Sie aber genauer auf die Sache eingehen, werden Sie vergleichen können, was auf der einen Seite in uns hereinkommt, indem die intimen Sinnesempfindungen uns führen zu den äußeren Begebenheiten, die von uns abgesondert sind, und das, was aus uns herauskommt, indem die Willensimpulse sich absondern von dem, was nur Ergebnis des Willensimpulses aus unserem eigenen Organismus ist, indem die Willensimpulse zu äußeren, sich eben von uns absondernden Geschehnissen werden. So stehen wir in der Welt drinnen durch die beiden Pole unseres menschlichen Wesens.
[ 16 ] But something similar is also true of the other pole of human life. When I move an arm, it is an expression of my will. Nothing happens except something to my own organism. I am closely connected with what emerges as an expression of my will from the impulse of my will. I am as intimately connected with it as I am with a sensory perception. But now consider this: if, through my volitional impulses, I do not simply move my arm, but chop wood, then what happens through my will is already separated from me. It becomes an external process. It is just as much the result of my volitional impulse as the movement of my arm, but it is separated from me. It exists externally. And think of the more complicated processes that can now arise from such impulses of the will! But if you examine the matter more closely, you will be able to compare what comes into us on the one hand, in that the intimate sensory perceptions lead us to external events that are separate from us, and what comes out of us, in that the impulses of the will separate themselves from what is merely the result of the impulse of the will from our own organism, in that the impulses of the will become external events that separate themselves from us. Thus we stand in the world through the two poles of our human being.
[ 17 ] Nun werden wir aber gerade, wenn wir eine solche Betrachtung uns vorführen, dazu geführt, auf diesen wesentlichen Unterschied hinzuschauen, der besteht zwischen der Beziehung unseres Seelenlebens zu dem, was durch unsere Sinne kommt, was da draußen in der Welt auch vorgeht: irgendein äußeres Ereignis, das da in der Welt vorgeht, das ich durch Sinnesempfindungen wahrnehme, das steht draußen in der Welt; aber irgend etwas, was ich durch meine Willensimpulse bewirkt habe, was aus mir hervorgegangen ist, steht auch draußen in der Welt. Beides sind äußere Vorgänge. Wenn ich mich nun das eine Mal in meinen Sinnesempfindungen wegdenke und nur den äußeren Vorgang mir vorstelle: es ist ja ein äußerer Vorgang; das andere Mal, wenn ich mich wegdenke durch meinen Willensimpuls und hinsehe auf das, was durch mich geschehen ist: es ist auch ein äußerer Vorgang. Ich stehe zu der Außenwelt in einer zweifachen Weise in Beziehung. Aber das, wozu ich in Beziehung stehe, sind eben äußere, von mir abgesonderte Vorgänge. In der Außenwelt läuft das eine in das andere hinein.
[ 17 ] But when we consider this, we are led to look at the essential difference between the relationship of our soul life to what comes through our senses, what is happening out there in the world: any external event that takes place in the world, which I perceive through sensory impressions, is outside in the world; but something that I have brought about through my impulses of will, that has emerged from me, also stands outside in the world. Both are external processes. If I now think myself away from my sensory perceptions and imagine only the external process: it is indeed an external process; the other time, when I think myself away through my volitional impulse and look at what has happened through me: it is also an external process. I am related to the external world in two ways. But what I am related to are precisely external processes that are separate from me. In the external world, one flows into the other.
[ 18 ] Nehmen Sie an, ich hacke Holz. Ich sehe zunächst das Holz vor mir. Vielleicht sehe ich nicht nur das Holz vor mir, sondern einen komplizierten äußeren Vorgang. Ich sehe jemanden, der das Holz vor mir herträgt, es vor mir niederlegt, das ich dann zu spalten habe. Jetzt bin ich bereit, das Holz zu hacken, zu spalten. Wiederum führen mich bei jedem Stück meine Sinnesempfindungen. Ich habe erst das Stück so; jetzt hacke ich hinein, jetzt ist es so. So [wie oben] war es ohne mich. Dies [unten] ist durch mich geschehen (siehe Zeichnung). Die Sinnesempfindungen gehen vom einen ins andere hinein, so daß dasjenige, was durch mich geschieht und durch mich nicht geschieht an äußeren Ereignissen, ein ineinanderfließender Strom ist.
[ 18 ] Suppose I am chopping wood. First I see the wood in front of me. Perhaps I see not only the wood in front of me, but a complicated external process. I see someone carrying the wood in front of me, laying it down in front of me, which I then have to split. Now I am ready to chop and split the wood. Again, my sensory perceptions guide me with each piece. First I have the piece like this; now I chop into it, now it is like this. It was like this [as above] without me. This [below] has been done by me (see drawing). The sensory perceptions flow from one to the other, so that what happens through me and what does not happen through me in external events is a stream flowing into one another.


[ 19 ] Man muß nur fühlen, wie sich gerade das Rätsel des Seelenlebens an dieser einfachen Frage entzündet, wie ich auf der einen Seite hinschaue auf das, was als Welt fertig dasteht, auf der anderen Seite auf das, was durch mich geschieht. So ist zunächst, ich möchte sagen, der simpelste äußere Tatbestand unserer Beziehung als Seele zur Umwelt charakterisiert. Es ist natürlich nichts Besonderes gesagt, indem man es so charakterisiert, aber es ist das Rätsel eben zunächst wenigstens aufgeworfen von einer gewissen Seite her.
[ 19 ] One need only feel how the mystery of soul life is kindled by this simple question, how on the one hand I look at what stands there as the finished world, and on the other hand at what happens through me. This, I would say, is how the simplest external fact of our relationship as souls to the environment can be characterized. Of course, there is nothing special about this characterization, but it does at least raise the mystery from a certain point of view.
[ 20 ] Wir wollen nun von einer anderen Seite her das Problem, das Rätsel aufwerfen. Wir haben unsere Sinne an uns. Durch diese Sinne wissen wir eigentlich zunächst etwas von der Außenwelt. Wir haben unsere Glieder an uns. Durch diese Glieder setzen wir uns in Bewegung. Und im Grunde genommen geschieht alles, was wir in die Außenwelt hineinbringen durch unsere Willensimpulse, durch Vermittelung unserer Glieder. Wir haben also auf der einen Seite unsere Sinneswelt, auf der anderen Seite unsere Glieder. Und schon aus dem ganzen Tatbestand, wie wir ihn dargestellt haben, können wir uns sagen: Die Wesenheit unserer Glieder, die Wesenheit unserer Sinne, sie sind auch polarisch entgegengesetzt. Bei unseren Sinnen hört gewissermaßen die Außenwelt auf, ehe sie unser Inneres wird; bei unseren Gliedern fängt gewissermaßen eine Außenwelt an, die dann sich von uns absondert, die weiterströmt. Das fordert uns auf, eine Beziehung zu suchen zwischen unseren Sinnen und unseren Gliedern. Sie können sich vielleicht ein Wesentlichstes dessen, was in den menschlichen Sinnen sich ausdrückt, vor Augen führen, wenn Sie das Auge betrachten, denn das Auge drückt die Wesenheit des Sinnes vielleicht am alleranschaulichsten aus. Das Auge ist ein verhältnismäßig selbständiges Organ; es ist als selbständiges Organ eingesetzt in seine Knochenhöhlung. Nur als Stränge, als Fortsetzung nach rückwärts geht in das Innere unseres leiblichen Organismus hinein, was als Nervenleben, Blutleben des Auges sich entfaltet. Da ist eine Verbindung mit unserem Gesamtorganismus, aber abgesehen davon ist das Auge verhältnismäßig selbständig.
[ 20 ] Let us now approach the problem, the mystery, from another angle. We have our senses. Through these senses, we initially learn something about the outside world. We have our limbs. Through these limbs, we move ourselves. And basically, everything we bring into the outside world happens through our impulses of will, through the mediation of our limbs. So on the one hand we have our sensory world, and on the other hand we have our limbs. And from the whole situation as we have described it, we can already say to ourselves: the essence of our limbs and the essence of our senses are also polar opposites. With our senses, the outer world ceases, so to speak, before it becomes our inner world; with our limbs, an outer world begins, so to speak, which then separates from us and flows on. This invites us to seek a relationship between our senses and our limbs. You can perhaps visualize the most essential aspect of what is expressed in the human senses by considering the eye, for the eye perhaps expresses the essence of the sense most vividly. The eye is a relatively independent organ; it is inserted as an independent organ into its bony cavity. Only as strands, as a continuation backward, does what unfolds as the nerve life and blood life of the eye enter into the interior of our physical organism. There is a connection with our entire organism, but apart from that, the eye is relatively independent.
[ 21 ] Wir sehen eine ganze Reihe von, ich möchte sagen, zunächst physikalischen Vorgängen im Auge, wenigstens von Vorgängen, die wir physikalisch deuten können. Wenn wir symbolisch sprechen, können wir sagen: Das Licht kommt heran, dringt in unser Auge ein, wird dort in einer gewissen Weise verarbeitet. Ich will jetzt die physischen, die chemischen Vorgänge, die sich abspielen, nicht charakterisieren, denn ich will über das Seelenleben, nicht über Physiologie sprechen. Aber ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, wie wir also zunächst eine Art selbständigen Lebens im Auge haben.
[ 21 ] We see a whole series of, I would say, initially physical processes in the eye, at least processes that we can interpret physically. If we speak symbolically, we can say: Light approaches, enters our eye, and is processed there in a certain way. I do not want to characterize the physical and chemical processes that take place, because I want to talk about the life of the soul, not about physiology. But I would like to draw your attention to how we initially have a kind of independent life in the eye.
[ 22 ] Wir können sogar diese Art selbständigen Lebens vergleichen mit dem, was vorgeht in einer Nachbildung des Auges, rein als physikalischer Apparat, einer Art Camera obscura, in die das Licht ähnlich einfällt wie in das Auge. Wir können gewisse Vorgänge haben, die dann allerdings nicht mehr im Auge leben, die nicht wie im Auge zur Empfindung werden, aber wir können gewisse Vorgänge nachbilden, wir können sie wie in einem gewissen physikalischen Apparat zur Darstellung bringen. Wir sehen daraus, daß da etwas einem physikalischen Vorgang Ähnliches in einem verhältnismäßig selbständigen Organismus vor sich geht, das nicht unmittelbar zum Bewußtsein kommt. Zum Bewußtsein kommt dann das, was der so und so geformte, so und so beleuchtete äußere Gegenstand ist. Dasjenige, was einem physikalischen Vorgange ähnlich ist, das spielt sich gewissermaßen unbewußt im Menschen ab, spielt sich als ein selbständiger Prozeß im Menschen ab. Daß das so sein kann, das verdankt der Mensch dieser relativen Selbständigkeit seines Sehorgans. Weniger auffällig ist das bei anderen Sinnen, allein es läßt sich für jeden Sinn etwas Ähnliches sagen; aber wir wollen es eben beim charakteristischen Sinn des Auges erfassen.
[ 22 ] We can even compare this kind of independent life with what happens in a replica of the eye, purely as a physical apparatus, a kind of camera obscura, into which light enters in a similar way to the eye. We can have certain processes that no longer exist in the eye, that do not become sensations as they do in the eye, but we can reproduce certain processes; we can represent them as if in a certain physical apparatus. We see from this that something similar to a physical process is taking place in a relatively independent organism that does not immediately come to consciousness. What comes to consciousness is then what the external object, shaped and illuminated in a certain way, is. That which is similar to a physical process takes place, as it were, unconsciously in the human being, takes place as an independent process in the human being. That this can be so is due to the relative independence of the human organ of sight. This is less noticeable with other senses, but something similar can be said for every sense; however, we want to focus on the characteristic sense of the eye.


[ 23 ] Wir sehen, wie die Sinneswahrnehmung etwas verhältnismäßig Selbständiges ist. Wir können geradezu sagen, wenn wir das Auge in den Vorgängen, die in ihm selbst sind, betrachten (Zeichnung rot), so ist bis zu den Blutleitungen und Nervenleitungen da drinnen der Vorgang etwas wie eine Fortsetzung dessen, was in der Außenwelt geschieht, eben so stark eine Fortsetzung, daß wir es, wie ich es angedeutet habe, physikalisch nachbilden können. Es ist, wie wenn die Außenwelt wie in einem Golf sich nach dem Inneren erstreckte; gewissermaßen das, was in der Außenwelt geschieht, setzt sich in unser Inneres, ich meine physisch-leiblich Inneres, fort. Sehen Sie, das ist die eine Seite der Sinneswahrnehmung, daß sich das Äußere fortsetzt nach unserem Inneren; daß wir dann auf eine Weise, die wir gerade in diesem Vortragszyklus besprechen wollen, umfassen mit unserem Innenleben, mit unserer inneren Aktivität das, was sich von außen hineinbildet wie in einen Golf.
[ 23 ] We see how sensory perception is something relatively independent. We can say that when we look at the eye in the processes that take place within it (red drawing), the process inside, down to the blood vessels and nerve fibers, is something like a continuation of what is happening in the outside world, so much so that, as I have indicated, we can physically reproduce it. physically. It is as if the external world extends inward like a golf ball; in a sense, what happens in the external world continues in our inner world, I mean our physical inner world. You see, that is one side of sensory perception, that the external continues into our inner world; that we then, in a way that we want to discuss in this lecture series, encompass with our inner life, with our inner activity, that which forms itself from the outside as if in a gulf.
[ 24 ] Aber es gibt eine andere Seite des Sinneslebens. Es gibt die Seite des Sinneslebens, die man, wenn wir beim Auge stehenbleiben, etwa so charakterisieren kann. Ich will jetzt nicht von Blinden sprechen, sondern die Sache mehr im allgemeinmenschlichen Sinn betrachten; wir kommen auf alle diese Dinge dann vom Standpunkte der anthroposophischen Geisteswissenschaft intim zurück. Nehmen wir an, wir wären der Welt des Auges beraubt. Wir können uns schon in gewissem Sinne Vorstellungen machen darüber, daß wir dann ein Manko haben in unserem Seelenleben, daß uns etwas fehlt, eben das, was durch den Sinn des Auges hereinfließt. Man stelle sich nur vor, wie es ist, wenn es da im Inneren der Seele so dunkel ist, weil das Licht nicht hereinfließen kann. Wir wissen, daß es für das gewöhnliche Seelenleben oftmals bei gewissen Temperamenten, bei gewissen menschlichen Naturen, Furchtzustände hervorruft, wenn sie im Finstern sind. Menschen, welche blind sind oder blind geboren werden, werden allerdings bewußt nicht in solche Zustände versetzt, aber sie erleben ja objektiv ein Ähnliches wie ein Mensch, der sonst im Finstern lebt. Und daß sich an das Erleben der Finsternis, des Dunkels Furchtzustände anknüpfen, kann uns darüber belehren, daß eben unsere Gemütsverfassung mit dem zusammenhängt, was durch unser Auge in uns eindringt. Wir können uns aber auch vorstellen, daß solche Gemütszustände dann auf unsere organische Verfassung wirken.
[ 24 ] But there is another side to sensory life. There is the side of sensory life which, if we remain with the eye, can be characterized something like this. I do not want to speak now about blind people, but rather consider the matter in a more general human sense; we will then return to all these things in detail from the standpoint of anthroposophical spiritual science. Let us assume that we are deprived of the world of the eye. We can already imagine, in a certain sense, that we would then have a deficiency in our soul life, that something would be missing, namely that which flows in through the sense of the eye. Just imagine what it would be like if it were so dark inside the soul because light cannot flow in. We know that for the ordinary soul life, being in darkness often causes states of fear in certain temperaments, in certain human natures. People who are blind or born blind are not consciously placed in such states, but they objectively experience something similar to a person who otherwise lives in darkness. And the fact that states of fear are associated with the experience of darkness can teach us that our state of mind is connected with what enters us through our eyes. But we can also imagine that such states of mind then have an effect on our organic constitution.
[ 25 ] Derjenige, der zu einer gewissen Melancholie verdammt ist dadurch, daß er durch das Fehlen des Augenlichtes etwa im Finsteren leben muß, er wird diese Melancholie auf gewisse feinere Strukturen seines Auges übertragen. Und wir können uns leicht vorstellen, daß der Mensch nicht so wäre, wie er ist, wenn er nicht in seinen Organismus hinein das bekommen hätte, was eben durch das seelische Erleben der Helligkeit in uns hereinkommt. Dieses seelische Erleben der Helligkeit gießt sich aus über unser ganzes inneres Wesen. Es setzt sich in uns fort, setzt sich fort bis zu dem Grade, daß wir uns schon Vorstellungen darüber bilden können, wie, sagen wir, gewisse Gefäßvorgänge, gewisse innere Absonderungs- oder sonstige Vorgänge sich anders abspielen dadurch, daß das Erfrischende, das Auffrischende des Helligkeitswahrnehmens unseren Organismus durchwebt, während das Dunkelwahrnehmen in einer anderen Weise auch auf unsere innere Absonderung, auf unsere Zirkulation wirkt. Kurz, wir können uns vorstellen, wenn wir uns an das Auge halten, wie wir dem Auge nicht nur verdanken, daß wir gewisse Vorgänge und Wesenhaftigkeiten der Außenwelt in unserem Inneren uns repräsentieren können, sondern auch eine gewisse innere, nicht nur Seelenverfassung, sondern auch physische, körperliche Verfassung. Wir sind in einer gewissen Weise das, was das Licht aus uns macht.
[ 25 ] Someone who is doomed to a certain melancholy because they have to live in darkness due to the absence of their eyesight will transfer this melancholy to certain finer structures of their eyes. And we can easily imagine that human beings would not be as they are if they had not received into their organism what comes into us through the soul experience of light. This soul experience of light pours out over our entire inner being. It continues within us, continues to such an extent that we can already form ideas about how, certain vascular processes, certain internal secretions or other processes take place differently because the refreshing, invigorating effect of perceiving light permeates our organism, while the perception of darkness also affects our internal secretions and our circulation in a different way. In short, if we consider the eye, we can imagine how we owe it not only the ability to represent certain processes and essences of the external world within ourselves, but also a certain inner state, not only of the soul, but also of the body. In a certain sense, we are what light makes us.
[ 26 ] Wenden wir jetzt den Seelenblick ab vom Auge, bei dem wir auf der einen Seite sehen, wie es ein Sinnesorgan ist, wie es rein uns Vorstellungen gibt für unser inneres Seelenleben, wie es aber auch in allerlei unbewußten, instinktiven Prozessen durch das Erleben der Helligkeit oder Dunkelheit uns bis ins Körperliche hinein Erfrischung oder Verstimmung gibt, wie wir in einer gewissen Weise so sind, wie wir durch das Augenerleben eben sein können. Wenden wir davon den Seelenblick ab, und wenden wir ihn etwa auf unsere Lunge hin.
[ 26 ] Let us now turn our soul's gaze away from the eye, where we see, on the one hand, how it is a sense organ, how it gives us pure ideas for our inner soul life, but also how, through all kinds of unconscious, instinctive processes through the experience of light or darkness, giving us physical refreshment or discomfort, how we are in a certain way as we can be through the experience of the eye. Let us turn our soul's gaze away from this and turn it toward our lungs, for example.
[ 27 ] Die Lunge steht auch mit der Außenwelt in einer Beziehung. Sie nimmt den Sauerstoff aus der äußeren Luft auf; sie verarbeitet ihn. Sie unterhält durch die Atmung unser Leben. Wenn wir nicht gerade ein indischer Yogi sind, nehmen wir für das gewöhnliche Bewußtsein nichts wahr, wenn wir unseren Lungenvorgang vollziehen. Aber je nachdem die Lunge wirkt, ob sie gesund die äußere Luft wahrnimmt, ob sie durch ihren Krankheitszustand nicht in der richtigen Weise die äußere Luft wahrnimmt, das wirkt in uns weiter. Wie wir atmen durch die Lunge, so sind wir. Wir nehmen nicht wahr durch die Lunge für das gewöhnliche Bewußtsein, aber wir haben etwas durch unsere Lunge, was macht, daß wir so und so sind in unserem Organismus.
[ 27 ] The lungs are also connected to the outside world. They take oxygen from the air outside and process it. They keep us alive through breathing. Unless we are Indian yogis, we are not aware of our lungs working in our normal consciousness. But depending on how the lungs function, whether they perceive the outside air in a healthy way or whether they do not perceive it correctly due to illness, this continues to have an effect on us. How we breathe through our lungs is how we are. We do not perceive through the lungs in our ordinary consciousness, but we have something through our lungs that makes us what we are in our organism.
[ 28 ] Für das Auge können wir sagen - und das können wir für jeden der äußeren Sinne -, es lebt auf der einen Seite im sinnlichen Wahrnehmungsvorgange, auf der anderen Seite leise in einem anderen Vorgange, denn wir müssen es uns erst zum Bewußtsein bringen, daß da durch das Helligkeits- oder Dunkelheitserleben in uns auch etwas vorgeht, das nicht so vehement, nicht so radikal ist, so ausgesprochen wie das, was durch die Sauerstoffaufnahme der Lunge in uns vorgeht. Daß der Mensch dasjenige ist, was die Sauerstoffaufnahme der Lunge aus ihm macht, das weiß er, weil das ein robuster, ein starker, intensiver vitalistischer Vorgang ist. Dasjenige, was wir durch das Auge haben, ist ein intimer, leiser vitalistischer Vorgang neben dem eigentlichen Sehvorgang. So daß wir sagen können: Bei einem solchen Organ, wie es die Lunge ist, ist das ganz besonders stark ausgeprägt, was beim Auge, bei einem Sinnesorgan, nur leise angedeutet ist.
[ 28 ] We can say this about the eye – and we can say it about every one of the outer senses – that it lives on the one hand in the process of sensory perception, and on the other hand quietly in another process, because we must first bring to consciousness that through the experience of light or darkness something is also happening within us that is not as vehement, not as radical, not as pronounced as what is happening within us through the absorption of oxygen by the lungs. Human beings know that they are what the absorption of oxygen by the lungs makes them, because this is a robust, strong, and intense vitalistic process. What we have through the eye is an intimate, quiet vitalistic process alongside the actual process of seeing. So we can say that in an organ such as the lung, what is only faintly hinted at in the eye, a sense organ, is particularly strongly pronounced.
[ 29 ] Nun aber können Sie nachlesen in meinem Buche: «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» und im zweiten Teil meiner «Geheimwissenschaft im Umriß», wie der Mensch Übungen machen kann, durch die er gewisse, in ihm sonst verborgene Erkenntniskräfte zu höheren Fähigkeiten ausbildet. Durch solche Übungen wandelt er sein ganzes Inneres um. Dasjenige aber, was durch diese Umwandelung geschieht, läßt sich gerade für unser Beispiel so charakterisieren, daß die Lunge einen ähnlichen Charakter annimmt wie das Auge. Es tritt in einem allerdings höheren Schauen der vitalistische Vorgang zunächst zurück. Wir geben uns weniger dem hin, was die Lunge durch Atmung organisch aus uns macht; aber wir wandeln die Lunge so um, daß sie nun auch ein Sinnesorgan wird, allerdings nicht die physische Lunge, sondern einen feineren Teil, den ätherischen Teil der Lunge. Wir machen aus der Lunge in ihrer feineren Gliedrigkeit etwas Ähnliches, wie das Auge ist, ohne daß wir etwas dazu tun. Unser Auge hat die Natur zu einem Schauorgan gemacht, neben einem Organ, das an uns bildet. Die Lunge ist zunächst für unser gewöhnliches Bewußtsein ein Organ, das an uns bildet. Wir machen sie, indem wir in uns Erkenntnisse der höheren Welten erleben, zu einem Schauorganismus, zu einem höheren Sinnesorgan mit ihrem feineren ätherischen Teil.
[ 29 ] But now you can read in my book, How to Know Higher Worlds, and in the second part of my Outline of An Esoteric Science, how people can do exercises to develop certain powers of knowledge that are otherwise hidden within them into higher abilities. Through such exercises, he transforms his entire inner being. But what happens through this transformation can be characterized in our example by saying that the lungs take on a character similar to that of the eye. In a higher view, the vitalistic process recedes into the background. We are less concerned with what the lungs do to us organically through breathing; but we transform the lungs so that they now also become a sense organ, not the physical lungs, of course, but a finer part, the ethereal part of the lungs. We make the lungs, in their finer structure, into something similar to the eye, without doing anything to them. Nature has made our eye an organ of sight, alongside an organ that forms within us. For our ordinary consciousness, the lungs are initially an organ that forms within us. By experiencing insights into higher worlds within ourselves, we transform them into an organ of sight, into a higher sense organ with its finer etheric part.
[ 30 ] Und wenn wir dieses ätherische Wesen, das wir jetzt erst gewahr werden, an der Lunge erleben, können wir jetzt die Lunge ebenso beschreiben. Wir können sagen: Da ist die Lunge, die ätherische Lunge. Der Ätherleib der Lunge, der nimmt wahr, der ist also ein höheres Sinnesorgan. Und indem er die physische Lunge in sich trägt, ist er ein vitalisierendes Organ. Sie sehen, im Erlangen der Erkenntnis höherer Welten wird die Lunge aus einem gewöhnlichen, nicht wahrnehmenden Körperorgan, das aber dem Wachstum, der Lebensentfaltung des Körpers gewidmet ist, ein Sinnesorgan im höheren Sinne.
[ 30 ] And when we experience this etheric being, which we are only now becoming aware of, in the lungs, we can now describe the lungs in the same way. We can say: There are the lungs, the etheric lungs. The etheric body of the lungs, which perceives, is therefore a higher sense organ. And because it carries the physical lungs within itself, it is a vitalizing organ. You see, in gaining knowledge of higher worlds, the lungs are transformed from an ordinary, non-perceiving organ of the body, which is nevertheless dedicated to the growth and development of the body, into a sense organ in the higher sense.
[ 31 ] Solche Betrachtungen können wir für das Herz anstellen, solche Betrachtungen können wir aber auch für die anderen Organe, für Nieren, für Magen und so weiter anstellen. Alle Organe, die der Mensch in sich trägt, können durch gewisse höhere Entwickelung, indem ihr Ätherisches oder ihr noch Geistigeres, das Astralische, zu Wahrnehmungsorganen werden, können Sinnesorgane werden.
[ 31 ] We can make similar observations about the heart, and we can also make similar observations about other organs, such as the kidneys, the stomach, and so on. All the organs that humans carry within themselves can, through a certain higher development, become sensory organs by transforming their etheric or even more spiritual, astral nature into organs of perception.
[ 32 ] Wir schauen auf der einen Seite auf die Natur hin, dann auf unsere Sinne und sagen uns: In unseren Sinnen liegt etwas, was auf der einen Seite eben die Sinnesempfindungen vermittelt, auf der anderen Seite unsere Vitalität. Wir schauen auf unsere inneren Organe, Lunge, Herz und so weiter. Wir finden, das sind zunächst Organe, die unsere Vitalität unterhalten. Wir bilden sie aus durch jene Methoden, die ich beschrieben habe in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?»; sie werden Sinnesorgane. Und so wie wir durch das Auge das Licht oder die Farben, das heißt, einen gewissen Teil der äußeren Sinneswelt wahrnehmen, so nehmen wir einen gewissen Teil der äußeren geistigen Welt wahr gerade durch das ätherische Lungenorgan, einen anderen Teil der geistigen Außenwelt durch das ätherische Herzorgan. Wir können unseren Gesamtorganismus in einen Sinnesorganismus umbilden.
[ 32 ] We look at nature on the one hand, then at our senses, and say to ourselves: There is something in our senses that, on the one hand, conveys sensory impressions and, on the other hand, our vitality. We look at our internal organs, lungs, heart, and so on. We find that these are, first of all, organs that maintain our vitality. We develop them through the methods I have described in How Does One Gain Knowledge of the Higher Worlds?; they become sense organs. And just as we perceive light or colors, that is, a certain part of the external sensory world, through the eye, we perceive a certain part of the external spiritual world through the etheric lung organ, and another part of the external spiritual world through the etheric heart organ. We can transform our entire organism into a sensory organism.
[ 33 ] Sehen Sie, da haben Sie gewissermaßen real erfaßt, was sonst als Außenwelt nur bis an die Oberfläche der Sinne dringt und dann Vorstellung wird. Das haben Sie tiefer, aber jetzt als geistige Außenwelt an den Menschen herandringend. Der Mensch wird gewissermaßen, indem er sich zu Erkenntnissen höherer Welten entwickelt, indem er seine inneren Organe zu Sinnesorganen umbildet, nach und nach innerlich so durchsichtig, wie das Auge durchsichtig ist. Wir sehen, wie die Außenwelt ihn durchsetzt.
[ 33 ] You see, you have now grasped in a real sense what otherwise, as the external world, only penetrates to the surface of the senses and then becomes an idea. You have this more deeply, but now as the spiritual external world pressing upon the human being. In a sense, as humans develop their knowledge of higher worlds and transform their inner organs into sense organs, they gradually become as transparent inwardly as the eye is transparent. We see how the external world permeates them.
[ 34 ] Sie sehen aber daraus, daß, wenn wir beim gewöhnlichen Bewußtsein bleiben, wir nur hinschauen können auf die äußeren Sinne, die wir haben beschreiben können, wie sie sind. Aber denken Sie sich, kann ein Mensch die gesamte Völkerkunde der Erde kennen, wenn er nur drei Völker kennt, wenn er nur von drei Völkern gehört hat? Nein, denn er muß vergleichen können. Denken Sie, was uns zur Vergleichung gegeben wird für die Erkenntnis auch der äußeren Sinne, wenn wir uns fragen können: Wie sind unsere inneren Organe, wenn sie auch Sinne werden?
[ 34 ] But you see from this that if we remain in ordinary consciousness, we can only look at the outer senses that we have been able to describe as they are. But think about it: can a person know the entire ethnology of the earth if he knows only three peoples, if he has heard of only three peoples? No, because he must be able to compare. Think about what is given to us for comparison for the knowledge of the outer senses when we ask ourselves: What are our inner organs like when they also become senses?
[ 35 ] Wir erlangen gerade dadurch eine ganz besondere Art von Menschenerkenntnis. Wir erlangen eine Erkenntnis von dem, was in uns veranlagt ist, was in uns werden kann. Ja, aber zeigt denn das nicht auf etwas anderes? Wirft denn das nicht eine bedeutungsvolle Frage auf? O ja, es wirft die Frage auf: Wenn unsere Lunge durch unsere eigene, durch uns in die Hand genommene höhere Entwickelung ein Sinnesorgan werden kann, wenn also gewissermaßen der Werdegang so ist, daß wir in der Lunge zuerst ein vitales Organ haben, dann ein Sinnesorgan, wie steht dann das zum Beispiel mit dem Auge oder mit einem anderen Sinn? Steht es da vielleicht so, daß es heute Sinnesorgan ist, aber auch einmal, aber nicht in einem bewußten Prozeß, wie wir es beim Erringen der höheren Erkenntnis machen, sondern einmal in einer früheren Weltentwickelung ein bloßes Vitalorgan war, das Auge also vielleicht ein Organ, das ähnlich dem Organismus gedient hat, wie heute die Lunge dient, ohne schon ein Wahrnehmungsorgan zu sein?
[ 35 ] It is precisely through this that we attain a very special kind of knowledge of human beings. We attain knowledge of what is inherent in us, of what can become in us. Yes, but does that not point to something else? Doesn't that raise a significant question? Oh yes, it raises the question: If our lungs can become a sense organ through our own higher development, through our own efforts, if, in a sense, the process is such that we first have a vital organ in the lungs and then a sense organ, what about the eye, for example, or another sense? Is it perhaps the case that today it is a sensory organ, but that at one time, though not in a conscious process as we undergo in the attainment of higher knowledge, but rather in an earlier stage of world development, it was merely a vital organ, the eye perhaps an organ that served the organism in a similar way as the lungs do today, without already being an organ of perception?
[ 36 ] Die Frage wird wenigstens zunächst aufgeworfen: Da in unseren Vitalorganen die Möglichkeit der Sinnesbildung steckt, da wir sehen, wie Sinn wird, werden wir da nicht darauf verwiesen, einmal zu achten, ob die Sinne nicht in einer ähnlichen Weise durch äußere Weltentwickelungen erschlossen worden sind, ob wir nicht mit dem Menschenwesen zurückgehen müssen in frühere Zeiten, wo das Menschenwesen noch nicht diese äußeren Sinne nach außen gewendet hat, sondern wo diese äußeren Sinne Innenorgane waren, Vitalorgane waren, wo also der Mensch in bezug auf seine jetzigen äußeren Sinne blind, taub war, aber seine Augen, die natürlich noch anders gestaltet gewesen sein müssen, zu etwas anderem gedient haben, ebenso seine Ohren zu etwas anderem gedient haben?
[ 36 ] The question is raised, at least initially: Since the possibility of sense formation lies in our vital organs, since we see how sense comes into being, are we not led to consider whether the senses were not developed in a similar way through external world evolutions, whether we must not go back with the human being to earlier times when the human being had not yet turned these external senses outward, but when these external senses were internal organs, vital organs, where human beings were blind and deaf in relation to their present external senses, but their eyes, which must naturally have been differently formed, served a different purpose, just as their ears served a different purpose?
[ 37 ] Zugleich sehen wir, wie das Erringen der Erkenntnisse höherer Welten etwas hinzufügt zu derjenigen Menschenerkenntnis, die wir uns nur auf äußerliche Weise erringen können.
[ 37 ] At the same time, we see how the attainment of knowledge of higher worlds adds something to the knowledge of human beings that we can only attain in an external way.
[ 38 ] Die meisten von Ihnen haben ja von mir Darstellungen gehört über das Wesen des Menschen von den verschiedensten Gesichtspunkten aus. Indem ich heute zunächst einleitungsweise wiederum auf einen Gesichtspunkt eben nur hingewiesen habe, sehen Sie daraus, wie anthroposophische Weltbetrachtung von den verschiedensten Gesichtspunkten ausgehen kann, und durch das Zusammenfassen der Ergebnisse von diesen verschiedenen Gesichtspunkten aus eben erst zu einer Totalauffassung des menschlichen Wesens kommt.
[ 38 ] Most of you have heard me speak about the nature of human beings from a wide variety of perspectives. By first pointing out just one aspect today, you can see how an anthroposophical view of the world can start from a wide variety of perspectives and, by summarizing the results from these different perspectives, arrive at a comprehensive understanding of the human being.
[ 39 ] Man stellt sich eben oftmals vor, anthroposophische Forschung sei so, nun Ja, daß man eben einen geraden Weg zu den paar Definitionen gibt, die meistens in den Büchern stehen, die in nichtanthroposophischen Kreisen über die höheren Welten geschrieben werden. Das ist aber nicht so, sondern das, was man zunächst von einem Gesichtspunkte aus gewinnen kann — der manchmal in einer furchtbaren Weise abgekanzelt wird, weil die Leute eben glauben, es ist nur ein Gesichtspunkt da -, das kann eben ergänzend von anderen Gesichtspunkten aus wieder beleuchtet werden, und dann fügt sich das Ganze zusammen zu einem Wahrheitsgebäude der Anthroposophie, das sich eben selbst trägt.
[ 39 ] People often imagine that anthroposophical research is such that it provides a straight path to the few definitions that are usually found in books written about the higher worlds in non-anthroposophical circles. But that is not the case. Rather, what one can initially gain from one point of view — which is sometimes dismissed in a terrible way because people believe that it is only one point of view — can be illuminated again from other points of view, and then the whole thing fits together to form a structure of truth in anthroposophy that is self-supporting.
[ 40 ] Wer gewöhnt ist an dasjenige, was er seinem Wahrheitswege zugrunde legt in unserem materialistisch gefärbten Zeitalter, der sagt vielleicht: Ja, diese Anthroposophie baut auf nichts Festem, währenddem die Wissenschaft auf der festen Beobachtung baut. - Das ist so, wie wenn jemand sagen würde: Die Erde kann doch nicht frei im Weltenraum schweben! Jeder Körper muß auf etwas liegen, wenn er nicht herunterfallen soll; also wenn die Erde nicht auf einem mächtigen kosmischen Klotz ruhte, so müßte sie ja herunterfallen. - Aber der Satz, daß alles auf dem Boden ruhen muß, gilt nur für die Dinge der Erde. Er gilt nicht mehr für die Weltenkörper, und es wäre eine Torheit, das, was für die Erde gilt, auf den Zusammenhang der Weltenkörper zu übertragen. Die tragen sich gegenseitig. Und so ist es bei den anthroposophischen Wahrheiten: sie führen eben aus der Welt, in die wir hineingewöhnt sind, zu den anderen Welten, in denen sich die Wahrheiten gegenseitig tragen. Dazu allerdings muß ein Wesentliches beigetragen werden, daß sich die Wahrheiten also selbst tragen.
[ 40 ] Those who are accustomed to what they take as the basis of their path to truth in our materialistic age may say: Yes, this anthroposophy is not based on anything solid, whereas science is based on solid observation. It is like someone saying: The earth cannot float freely in space! Every body must rest on something if it is not to fall down; so if the earth did not rest on a mighty cosmic block, it would have to fall down. But the statement that everything must rest on the ground only applies to things on earth. It no longer applies to the bodies of the universe, and it would be foolish to transfer what applies to the earth to the relationship between the bodies of the universe. They support each other. And so it is with anthroposophical truths: they lead us out of the world we are accustomed to and into other worlds where truths support each other. However, an essential contribution must be made to this, namely that the truths themselves support each other.
[ 41 ] Das wollte ich heute als Einleitung geben zu den Vorträgen, die ich morgen und dann in der nächsten Woche über das menschliche Seelenleben in seinem Verhältnis zur Weltentwickelung geben werde. Ich wollte heute gerade die Einleitung so gestalten, damit man sieht, daß allerdings das, was dann mit Hilfe der übersinnlichen Forschungsmethode über dieses Seelenwesen gesagt werden kann, durchaus seinen Anfang nehmen kann in bezug auf die Betrachtungen von demjenigen, was sich eben schon einem vernünftigen Interpretieren des gewöhnlichen Bewußiseins ergibt.
[ 41 ] This was my introduction today to the lectures I will give tomorrow and next week on the human soul life in its relationship to world evolution. I wanted to structure today's introduction in such a way that it becomes clear that what can be said about this soul being with the help of supersensible research methods can indeed take its starting point in the observations of what already emerges from a reasonable interpretation of ordinary consciousness.
[ 42 ] Ich konnte heute nur den ersten Schritt machen von einer äußerlichen Beschreibung hinein in die Art und Weise, wie das höhere Bewußtsein, sagen wir, die Lunge sieht beim Übergang in ein geistiges Sinnesorgan, wenn ich den widerspruchsvollen Ausdruck gebrauchen darf. Wir werden aber gerade auf diesem Wege weiterschreiten, um die angedeuteten Beziehungen des menschlichen Seelenlebens in den nächsten Tagen kennenzulernen.
[ 42 ] Today I was only able to take the first step from an external description into the way in which the higher consciousness, let us say, sees the lungs in their transition into a spiritual sense organ, if I may use this contradictory expression. But we will continue along this path in order to become acquainted with the relationships of the human soul life that have been indicated in the next few days.
