Truth and Sciences
GA 3
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XIII. Der Wert des Lebens
Pessimismus und Optimismus
[ 1 ] Ein Gegenstück zu der Frage nach dem Zwecke oder der Bestimmung des Lebens (vgl. S. 184 ff.) ist die nach dessen Wert. Zwei entgegengesetzten Ansichten begegnen wir in dieser Beziehung, und dazwischen allen denkbaren Vermittlungsversuchen. Eine Ansicht sagt: Die Welt ist die denkbar beste, die es geben kann, und das Leben und Handeln in derselben ein Gut von unschätzbarem Werte. Alles bietet sich als harmonisches und zweckmäßiges Zusammenwirken dar und ist der Bewunderung wert. Auch das scheinbar Böse und Üble ist von einem höheren Standpunkte als gut erkennbar; denn es stellt einen wohltuenden Gegensatz zum Guten dar; wir können dies um so besser schätzen, wenn es sich von jenem abhebt. Auch ist das Übel kein wahrhaft wirkliches; wir empfinden nur einen geringeren Grad des Wohles als Übel. Das Übel ist Abwesenheit des Guten; nichts was an sich Bedeutung hat.
[ 2 ] Die andere Ansicht ist die, welche behauptet: das Leben ist voll Qual und Elend, die Unlust überwiegt überall die Lust, der Schmerz die Freude. Das Dasein ist eine Last, und das Nichtsein wäre dem Sein unter allen Umständen vorzuziehen.
[ 3 ] Als die Hauptvertreter der ersteren Ansicht, des Optimismus, haben wir Shaftesbury und Leibniz, als die der zweiten, des Pessimismus, Schopenhauer und Eduard von Hartmann aufzufassen.
[ 4 ] Leibniz meint, die Welt ist die beste, die es geben kann. Eine bessere ist unmöglich. Denn Gott ist gut und weise. Ein guter Gott will die beste der Welten schaffen; ein weiser kennt sie; er kann sie von allen anderen möglichen schlechteren unterscheiden. Nur ein böser oder unweiser Gott könnte eine schlechtere als die bestmögliche Welt schaffen.
[ 5 ] Wer von diesem Gesichtspunkte ausgeht, wird leicht dem menschlichen Handeln die Richtung vorzeichnen können, die es einschlagen muß, um zum Besten der Welt das Seinige beizutragen. Der Mensch wird nur die Ratschlüsse Gottes zu erforschen und sich danach zu benehmen haben. Wenn er weiß, was Gott mit der Welt und dem Menschengeschlecht für Absichten hat, dann wird er auch das Richtige tun. Und er wird sich glücklich fühlen, zu dem andern Guten auch das Seinige hinzuzufügen. Vom optimistischen Standpunkt aus ist also das Leben des Lebens wert. Es muß uns zur mitwirkenden Anteilnahme anregen.
[ 6 ] Anders stellt sich Schopenhauer die Sache vor. Er denkt sich den Weltengrund nicht als allweises und allgütiges Wesen, sondern als blinden Drang oder Willen. Ewiges Streben, unaufhörliches Schmachten nach Befriedigung, die doch nie erreicht werden kann, ist der Grundzug alles Wollens. Denn ist ein erstrebtes Ziel erreicht, so entsteht ein neues Bedürfnis und so weiter. Die Befriedigung kann immer nur von verschwindend kleiner Dauer sein. Der ganze übrige Inhalt unseres Lebens ist unbefriedigtes Drängen, das ist Unzufriedenheit, Leiden. Stumpft sich der blinde Drang endlich ab, so fehlt uns jeglicher Inhalt; eine unendliche Langeweile erfüllt unser Dasein. Daher ist das relativ Beste, Wünsche und Bedürfnisse in sich zu ersticken, das Wollen zu ertöten. Der Schopenhauersche Pessimismus führt zur Tatenlosigkeit, sein sittliches Ziel ist Universalfaulheit.
[ 7 ] In wesentlich anderer Art sucht Hartmann den Pessimismus zu begründen und für die Ethik auszunutzen. Hartmann sucht, einem Lieblingsstreben unserer Zeit folgend, seine Weltanschauung auf Erfahrung zu begründen. Aus der Beobachtung des Lebens will er Aufschluß darüber gewinnen, ob die Lust oder die Unlust in der Welt überwiege. Er läßt, was den Menschen als Gut und Glück erscheint, vor der Vernunft Revue passieren, um zu zeigen, daß alle vermeintliche Befriedigung bei genauerem Zusehen sich als Illusion erweist. Illusion ist es, wenn wir glauben, in Gesundheit, Jugend, Freiheit, auskömmlicher Existenz, Liebe (Ge schlechtsgenuß), Mitleid, Freundschaft und Familienleben, Ehrgefühl, Ehre, Ruhm, Herrschaft, religiöser Erbauung, Wissenschafts, und Kunstbetrieb, Hoffnung auf jenseitiges Leben, Beteiligung am Kulturfortschritt-Quellen des Glükkes und der Befriedigung zu haben. Vor einer nüchternen Betrachtung bringt jeder Genuß viel mehr Übel und Elend als Lust in die Welt. Die Unbehaglichkeit des Katzenjammers ist stets größer als die Behaglichkeit des Rausches. Die Unlust überwiegt bei weitem in der Welt. Kein Mensch, auch der relativ glücklichste, würde, gefragt, das elende Leben ein zweites Mal durchmachen wollen. Da nun aber Hartmann die Anwesenheit des Ideellen (der Weisheit) in der Welt nicht leugnet, ihm vielmehr eine gleiche Berechtigung neben dem blinden Drange (Willen) zugesteht, so kann er seinem Urwesen die Schöpfung der Welt nur zumuten, wenn er den Schmerz der Welt in einen weisen Weltzweck auslaufen läßt. Der Schmerz der Weltwesen sei aber kein anderer als der Gottesschmerz selbst, denn das Leben der Welt als Ganzes ist identisch mit dem Leben Gottes. Ein allweises Wesen kann aber sein Ziel nur in der Befreiung vom Leid sehen, und da alles Dasein Leid ist, in der Befreiung vom Dasein. Das Sein in das weit bessere Nichtsein überzuführen, ist der Zweck der Weltschöpfung. Der Weltprozeß ist ein fortwährendes Ankämpfen gegen den Gottesschmerz, das zuletzt mit der Vernichtung alles Daseins endet. Das sittliche Leben der Menschen wird also sein: Teilnahme an der Vernichtung des Daseins. Gott hat die Welt erschaffen, damit er sich durch dieselbe von seinem unendlichen Schmerze befreie. Diese ist «gewissermaßen wie ein juckender Ausschlag am Absoluten zu betrachten», durch den dessen unbewußte Heilkraft sich von einer innern Krankheit befreit, «oder auch als ein schmerzhaftes Zugpflaster, welches das all-eine Wesen sich selbst appliziert, um einen innern Schmerz zunächst nach außen abzulenken und für die Folge zu beseitigen». Die Menschen sind Glieder der Welt. In ihnen leidet Gott. Er hat sie geschaffen, um seinen unendlichen Schmerz zu zersplittern. Der Schmerz, den jeder einzelne von uns leidet, ist nur ein Tropfen in dem unendlichen Meere des Gottesschmerzes (Hartmann, Phä-nomenologie des sittlichen Bewußtseins, S. 866 ff.).
[ 8 ] Der Mensch hat sich mit der Erkenntnis zu durchdringen, daß das Jagen nach individueller Befriedigung (der Egoismus) eine Torheit ist, und hat sich einzig von der Aufgabe leiten zu lassen, durch selbstlose Hingabe an den Weltprozeß der Erlösung Gottes sich zu widmen. Im Gegensatz zu dem Schopenhauers führt uns Hartmanns Pessimismus zu einer hingebenden Tätigkeit für eine erhabene Aufgabe.
[ 9 ] Wie steht es aber mit der Begründung auf Erfahrung?
[ 10 ] Streben nach Befriedigung ist Hinausgreifen der Lebenstätigkeit über den Lebensinhalt. Ein Wesen ist hungrig, das heißt, es strebt nach Sättigung, wenn seine organischen Funktionen zu ihrem weiteren Verlauf Zuführung neuen Lebensinhaltes in Form von Nahrungsmitteln verlangen. Das Streben nach Ehre besteht darin, daß der Mensch sein persönliches Tun und Lassen erst dann für wertvoll ansieht, wenn zu seiner Betätigung die Anerkennung von außen kommt. Das Streben nach Erkenntnis entsteht, wenn dem Menschen zu der Welt, die er sehen, hören usw. kann, solange etwas fehlt, als er sie nicht begriffen hat. Die Erfüllung des Strebens erzeugt in dem strebenden Individuum Lust, die Nichtbefriedigung Unlust. Es ist dabei wichtig zu beobachten, daß Lust oder Unlust erst von der Erfüllung oder Nichterfüllung meines Strebens abhängt. Das Streben selbst kann keineswegs als Unlust gelten. Wenn es sich also herausstellt, daß in dem Momente des Erfüllens einer Bestrebung sich sogleich wieder eine neue einstellt, so darf ich nicht sagen, die Lust hat für mich Unlust geboren, weil unter allen Umständen der Genuß das Begehren nach seiner Wiederholung oder nach einer neuen Lust erzeugt. Erst wenn dieses Begehren auf die Unmöglichkeit seiner Erfüllung stößt, kann ich von Unlust sprechen. Selbst dann, wenn ein erlebter Genuß in mir das Verlangen nach einem größeren oder raffinierteren Lusterlebnis erzeugt, kann ich von einer durch die erste Lust erzeugten Unlust erst in dem Augenblicke sprechen, wenn mir die Mittel versagt sind, die größere oder raffiniertere Lust zu erleben. Nur dann, wenn als naturgesetzliche Folge des Genusses Unlust eintritt, wie etwa beim Geschlechtsgenuß des Weibes durch die Leiden des Wochenbettes und die Mühen der Kinderpflege, kann ich in dem Genuß den Schöpfer des Schmerzes finden. Wenn Streben als solches Unlust hervorriefe, so müßte jede Beseitigung des Strebens von Lust begleitet sein. Es ist aber das Gegenteil der Fall. Der Mangel an Streben in unserem Lebensinhalte erzeugt Langeweile, und diese ist mit Unlust verbunden. Da aber das Streben naturgemäß lange Zeit dauern kann, bevor ihm die Erfüllung zuteil wird und sich dann vorläufig mit der Hoffnung auf dieselbe zufriedengibt, so muß anerkannt werden, daß die Unlust mit dem Streben als solchem gar nichts zu tun hat, sondern lediglich an der Nichterfüllung desselben hängt. Schopenhauer hat also unter allen Umständen unrecht, wenn er das Begehren oder Streben (den Willen) an sich für den Quell des Schmerzes hält.
[ 11 ] In Wahrheit ist sogar das Gegenteil richtig. Streben (Begehren) an sich macht Freude. Wer kennt nicht den Genuß, den die Hoffnung auf ein entferntes, aber stark begehrtes Ziel bereitet? Diese Freude ist die Begleiterin der Arbeit, deren Früchte uns in Zukunft erst zuteil werden sollen. Diese Lust ist ganz unabhängig von der Erreichung des Zieles. Wenn dann das Ziel erreicht ist, dann kommt zu der Lust des Strebens die der Erfüllung als etwas Neues hinzu. Wer aber sagen wollte: zur Unlust durch ein nichtbefriedigtes Ziel kommt auch noch die über die getäuschte Hoffnung und mache zuletzt die Unlust an der Nichterfüllung doch größer, als die etwaige Lust an der Erfüllung, dem ist zu erwidern: es kann auch das Gegenteil der Fall sein; der Rückblick auf den Genuß in der Zeit des unerfüllten Begehrens wird ebenso oft lindernd auf die Unlust durch Nichterfüllung wirken. Wer im Anblicke gescheiterter Hoffnungen ausruft: Ich habe das Meinige getan! der ist ein Beweisobjekt für diese Behauptung. Das beseligende Gefühl, nach Kräften das Beste gewollt zu haben, übersehen diejenigen, welche an jedes nichterfüllte Begehren die Behauptung knüpfen, daß nicht nur allein die Freude an der Erfüllung ausgeblieben, sondern auch der Genuß des Begehrens selbst zerstört ist.
[ 12 ] Erfüllung eines Begehrens ruft Lust und Nichterfüllung eines solchen Unlust hervor. Daraus darf nicht geschlossen werden: Lust ist Befriedigung eines Begehrens, Unlust Nichtbefriedigung. Sowohl Lust wie Unlust können sich in einem Wesen einstellen, auch ohne daß sie Folgen eines Begehrens sind. Krankheit ist Unlust, der kein Begehren vorausgeht. Wer behaupten wollte: Krankheit sei unbefriedigtes Begehren nach Gesundheit, der beginge den Fehler, daß er den selbstverständlichen und nicht zum Bewußtsein gebrachten Wunsch, nicht krank zu werden, für ein positives Begehren hielte. Wenn jemand von einem reichen Verwandten, von dessen Existenz er nicht die geringste Ahnung hatte, eine Erbschaft macht, so erfüllt ihn diese Tatsache ohne vorangegangenes Begehren mit Lust.
[ 13 ] Wer also untersuchen will, ob auf Seite der Lust oder der Unlust ein Überschuß zu finden ist, der muß in Rechnung bringen: die Lust am Begehren, die an der Erfüllung des Begehrens, und diejenige, die uns unerstrebt zuteil wird. Auf die andere Seite des Kontobuches wird zu stehen kommen: Unlust aus Langeweile, solche aus nicht erfülltem Streben, und endlich solche, die ohne unser Begehren an uns herantritt. Zu der letzteren Gattung gehört auch die Unlust, die uns aufgedrängte, nicht selbst gewählte Arbeit verursacht.
[ 14 ] Nun entsteht die Frage: welches ist das rechte Mittel, um aus diesem Soll und Haben die Bilanz zu erhalten? Eduard von Hartmann ist der Meinung, daß es die abwägende Vernunft ist. Er sagt zwar (Philosophie des Unbewußten, 7. Auflage II. Band, S. 290): «Schmerz und Lust sind nur, insofern sie empfunden werden.» Hieraus folgt, daß es für die Lust keinen andern Maßstab gibt als den subjektiven des Gefühles. Ich muß empfinden, ob die Summe meiner Unlustgefühle zusammengestellt mit meinen Lustgefühlen in mir einen Überschuß von Freude oder Schmerz ergibt. Dessen ungeachtet behauptet Hartmann: «Wenn ... der Lebenswert jedes Wesens nur nach seinem eigenen subjektiven Maßstabe in Anschlag gebracht werden kann ..., so ist doch damit keineswegs gesagt, daß jedes Wesen aus den sämtlichen Affektionen seines Lebens die richtige algebraische Summe ziehe, oder mit anderen Worten, daß sein Gesamturteil über sein eigenes Leben ein in bezug auf seine subjektiven Erlebnisse richtiges sei.» Damit wird doch wieder die vernunftgemäße Beurteilung des Gefühles zum Wertschätzer gemacht. 1Wer ausrechnen will, ob die Gesamtsumme der Lust oder die der Unlust überwiegt, der beachtet eben nicht, daß er eine Rechnung anstellt über etwas, das nirgends erlebt wird. Das Gefühl rechnet nicht, und für die wirkliche Bewertung des Lebens kommt das wirkliche Erlebnis, nicht das Ergebnis einer erträumten Rechnung in Betracht.
[ 15 ] Wer sich der Vorstellungsrichtung solcher Denker wie Eduard von Hartmann mehr oder weniger genau anschließt, der kann glauben, er müsse, um zu einer richtigen Bewertung des Lebens zu kommen, die Faktoren aus dem Wege räumen, die unser Urteil über die Lust, und Unlustbilanz verfälschen. Er kann das auf zwei Wegen zu erreichen suchen. Erstens indem er nachweist, daß unser Begehren (Trieb, Wille) sich störend in unsere nüchterne Beurteilung des Gefühlswertes einmischt. Während wir uns zum Beispiel sagen müßten, daß der Geschlechtsgenuß eine Quelle des Übels ist, verführt uns der Umstand, daß der Geschlechtstrieb in uns mächtig ist, dazu, uns eine Lust vorzugaukeln, die in dem Maße gar nicht da ist. Wir wollen genießen; deshalb gestehen wir uns nicht, daß wir unter dem Genusse leiden. Zweitens indem er die Gefühle einer Kritik unterwirft und nachzuweisen sucht, daß die Gegenstände, an die sich die Gefühle knüpfen, vor der Vernunfterkenntnis sich als Illusionen erweisen, und daß sie in dem Augenblicke zerstört werden, wenn unsere stets wachsende Intelligenz die Illusionen durchschaut.
[ 16 ] Er kann sich die Sache folgendermaßen denken. Wenn ein Ehrgeiziger sich darüber klar werden will, ob bis zu dem Augenblicke, in dem er seine Betrachtung anstellt, die Lust oder die Unlust den überwiegenden Anteil an seinem Leben gehabt hat, dann muß er sich von zwei Fehlerquellen bei seiner Beurteilung frei machen. Da er ehrgeizig ist, wird dieser Grundzug seines Charakters ihm die Freuden über Anerkennung seiner Leistungen durch ein Vergrößerungsglas, die Kränkungen durch Zurücksetzungen aber durch ein Verkleinerungsglas zeigen. Damals, als er die Zurücksetzungen erfuhr, fühlte er die Kränkungen, gerade weil er ehrgeizig ist; in der Erinnerung erscheinen sie in milderem Lichte, während sich die Freuden über Anerkennungen, für die er so zugänglich ist, um so tiefer einprägen. Nun ist es zwar für den Ehrgeizigen eine wahre Wohltat, daß es so ist. Die Täuschung vermindert sein Unlustgefühl in dem Augenblicke der Selbstbeobachtung. Dennoch ist seine Beurteilung eine falsche. Die Leiden, über die sich ihm ein Schleier breitet, hat er wirklich durchmachen müssen in ihrer ganzen Stärke, und er setzt sie somit in das Kontobuch seines Lebens tatsächlich falsch ein. Um zu einem richtigen Urteile zu kommen, müßte der Ehrgeizige für den Moment seiner Betrachtung sich seines Ehrgeizes entledigen. Er müßte ohne Gläser vor seinem geistigen Auge sein bisher abgelaufenes Leben betrachten. Er gleicht sonst dem Kaufmanne, der beim Abschluß seiner Bücher seinen Geschäftseifer mit auf die Einnahmeseite setzt.
[ 17 ] Er kann aber noch weiter gehen. Er kann sagen: Der Ehrgeizige wird sich auch klarmachen, daß die Anerkennungen, nach denen er jagt, wertlose Dinge sind. Er wird selbst zur Einsicht kommen, oder von andern dazu gebracht werden, daß einem vernünftigen Menschen an der Anerkennung von seiten der Menschen nichts liegen könne, da man ja «in allen solchen Sachen, die nicht Lebensfragen der Entwickelung, oder gar von der Wissenschaft schon endgültig gelöst sind», immer darauf schwören kann, «daß die Majoritäten unrecht und die Minoritäten recht haben». «Einem solchen Urteile gibt derjenige sein Lebensglück in die Hände, welcher den Ehrgeiz zu seinem Leitstern macht.» (Philosophie des Unbewußten, II. Band, S. 332.) Wenn sich der Ehrgeizige das alles sagt, dann muß er als eine Illusion bezeichnen, was ihm sein Ehrgeiz als Wirklichkeit vorgestellt hat, folglich auch die Gefühle, die sich an die entsprechenden Illusionen seines Ehrgeizes knüpfen. Aus diesem Grunde könnte dann gesagt werden: es muß auch noch das aus dem Konto der Lebenswerte gestrichen werden, was sich an Lustgefühlen aus Illusionen ergibt; was dann übrig bleibt, stelle die illusionsfreie Lustsumme des Lebens dar, und diese sei gegen die Unlustsumme so klein, daß das Leben kein Genuß, und Nichtsein dem Sein vorzuziehen sei.
[ 18 ] Aber während es unmittelbar einleuchtend ist, daß die durch Einmischung des ehrgeizigen Triebes bewirkte Täuschung bei Aufstellung der Lustbilanz ein falsches Resultat bewirkt, muß das von der Erkenntnis des illusorischen Charakters der Gegenstände der Lust Gesagte jedoch bestritten werden. Ein Ausscheiden aller an wirkliche oder vermeintliche Illusionen sich knüpfenden Lustgefühle von der Lustbilanz des Lebens würde die letztere geradezu verfälschen. Denn der Ehrgeizige hat über die Anerkennung der Menge wirklich seine Freude gehabt, ganz gleichgültig, ob er selbst später, oder ein anderer diese Anerkennung als Illusion erkennt. Damit wird die genossene freudige Empfindung nicht um das geringste kleiner gemacht. Die Ausscheidung aller solchen «illusorischen» Gefühle aus der Lebensbilanz stellt nicht etwa unser Urteil über die Gefühle richtig, sondern löscht wirklich vorhandene Gefühle aus dem Leben aus.
[ 19 ] Und warum sollen diese Gefühle ausgeschieden werden? Wer sie hat, bei dem sind sie eben lustbereitend; wer sie überwunden hat, bei dem tritt durch das Erlebnis der Überwindung (nicht durch die selbstgefällige Empfindung: Was bin ich doch für ein Mensch! — sondern durch die objektiven Lustquellen, die in der Überwindung liegen) eine allerdings vergeistigte, aber darum nicht minder bedeutsame Lust ein. Wenn Gefühle aus der Lustbilanz gestrichen werden, weil sie sich an Gegenstände heften, die sich als Illusionen entpuppen, so wird der Wert des Lebens nicht von der Menge der Lust, sondern von der Qualität der Lust und diese von dem Werte der die Lust verursachenden Dinge abhängig gemacht. Wenn ich den Wert des Lebens aber erst aus der Menge der Lust oder Unlust bestimmen will, das es mir bringt, dann darf ich nicht etwas anderes voraussetzen, wodurch ich erst wieder den Wert oder Unwert der Lust bestimme. Wenn ich sage: ich will die Lustmenge mit der Unlustmenge vergleichen und sehen, welche größer ist, dann muß ich auch alle Lust und Unlust in ihren wirklichen Größen in Rechnung bringen, ganz abgesehen davon, ob ihnen eine Illusion zugrunde liegt oder nicht. Wer einer auf Illusion beruhenden Lust einen geringeren Wert für das Leben zuschreibt, als einer solchen, die sich vor der Vernunft rechtfertigen läßt, der macht eben den Wert des Lebens noch von anderen Faktoren abhängig als von der Lust.
[ 20 ] Wer die Lust deshalb geringer veranschlägt, weil sie sich an einen eitlen Gegenstand knüpft, der gleicht einem Kaufmanne, der das bedeutende Erträgnis einer Spielwarenfabrik deshalb mit dem Viertel des Betrages in sein Konto einsetzt, weil in derselben Gegenstände zur Tändelei für Kinder produziert werden.
[ 21 ] Wenn es sich bloß darum handelt, die Lust, und Unlustmenge gegeneinander abzuwägen, dann ist also der illusorische Charakter der Gegenstände gewisser Lustempfindungen völlig aus dem Spiele zu lassen.
[ 22 ] Der von Hartmann empfohlene Weg vernünftiger Betrachtung der vom Leben erzeugten Lust, und Unlustmenge hat uns also bisher so weit geführt, daß wir wissen, wie wir die Rechnung aufzustellen haben, was wir auf die eine, was auf die andere Seite unseres Kontobuches zu setzen haben. Wie soll aber nun die Rechnung gemacht werden? Ist die Vernunft auch geeignet, die Bilanz zu bestimmen?
[ 23 ] Der Kaufmann hat in seiner Rechnung einen Fehler gemacht, wenn der berechnete Gewinn sich mit den durch das Geschäft nachweislich genossenen oder noch zu genießenden Gütern nicht deckt. Auch der Philosoph wird unbedingt einen Fehler in seiner Beurteilung gemacht haben, wenn er den etwa ausgeklügelten Überschuß an Lust beziehungsweise Unlust in der Empfindung nicht nachweisen kann.
[ 24 ] Ich will vorläufig die Rechnung der auf vernunftgemäße Weltbetrachtung sich stütz enden Pessimisten nicht kontrollieren; wer aber sich entscheiden soll, ob er das Lebensgeschäft weiterführen soll oder nicht, der wird erst den Nachweis verlangen, wo der berechnete Überschuß an Unlust steckt.
[ 25 ] Hiermit haben wir den Punkt berührt, wo die Vernunft nicht in der Lage ist, den Überschuß an Lust oder Unlust allein von sich aus zu bestimmen, sondern wo sie diesen Überschuß im Leben als Wahrnehmung zeigen muß. Nicht in dem Begriff allein, sondern in dem durch das Denken vermittelten Ineinandergreifen von Begriff und Wahrnehmung (und Gefühl ist Wahrnehmung) ist dem Menschen das Wirkliche erreichbar (vgl. S. 88ff.). Der Kaufmann wird ja auch sein Geschäft erst dann aufgeben, wenn der von seinem Buchhalter berechnete Verlust an Gütern sich durch die Tatsachen bestätigt. Wenn das nicht der Fall ist, dann läßt er den Buchhalter die Rechnung nochmals machen. Genau in derselben Weise wird es der im Leben stehende Mensch machen. Wenn der Philosoph ihm beweisen will, daß die Unlust weit größer ist als die Lust, er jedoch das nicht empfindet, dann wird er sagen: du hast dich in deinem Grübeln geirrt, denke die Sache nochmals durch. Sind aber in einem Geschäfte zu einem bestimmten Zeitpunkte wirklich solche Verluste vorhanden, daß kein Kredit mehr ausreicht, um die Gläubiger zu befriedigen, so tritt auch dann der Bankerott ein, wenn der Kaufmann es vermeidet, durch Führung der Bücher Klarheit über seine Angelegenheiten zu haben. Ebenso müßte es, wenn das Unlustquantum bei einem Menschen in einem bestimmten Zeitpunkte so groß würde, daß keine Hoffnung (Kredit) auf künftige Lust ihn über den Schmerz hinwegsetzen könnte, zum Bankerott des Lebensgeschäftes führen.
[ 26 ] Nun ist aber die Zahl der Selbstmörder doch eine relativ geringe im Verhältnis zu der Menge derjenigen, die mutig weiterleben. Die wenigsten Menschen stellen das Lebensgeschäft der vorhandenen Unlust willen ein. Was folgt daraus? Entweder, daß es nicht richtig ist, zu sagen, die Unlustmenge sei größer als die Lustmenge, oder daß wir unser Weiterleben gar nicht von der empfundenen Lust-oder Unlustmenge abhängig machen.
[ 27 ] Auf eine ganz eigenartige Weise kommt der Pessimismus Eduard von Hartmanns dazu, das Leben wertlos zu erklären, weil darinnen der Schmerz überwiegt, und doch die Notwendigkeit zu behaupten, es durchzumachen. Diese Notwendigkeit liegt darin, daß der oben (S. 207ff.) angegebene Weltzweck nur durch rastlose, hingebungsvolle Arbeit der Menschen erreicht werden kann. Solange aber die Menschen noch ihren egoistischen Gelüsten nachgehen, sind sie zu solcher selbstlosen Arbeit untauglich. Erst wenn sie sich durch Erfahrung und Vernunft überzeugt haben, daß die vom Egoismus erstrebten Lebensgenüsse nicht erlangt werden können, widmen sie sich ihrer eigentlichen Aufgabe. Auf diese Weise soll die pessimistische Überzeugung der Quell der Selbstlosigkeit sein. Eine Erziehung auf Grund des Pessimismus soll den Egoismus dadurch ausrotten, daß sie ihm seine Aussichtslosigkeit vor Augen stellt.
[ 28 ] Nach dieser Ansicht liegt also das Streben nach Lust ursprünglich in der Menschennatur begründet. Nur aus Einsicht in die Unmöglichkeit der Erfüllung dankt dieses Streben zugunsten höherer Menschheitsaufgaben ab.
[ 29 ] Von der sittlichen Weltanschauung, die von der Anerkennung des Pessimismus die Hingabe an unegoistische Lebensziele erhofft, kann nicht gesagt werden, daß sie den Egoismus im wahren Sinne des Wortes überwinde. Die sittlichen Ideale sollen erst dann stark genug sein, sich des Willens zu bemächtigen, wenn der Mensch eingesehen hat, daß das selbstsüchtige Streben nach Lust zu keiner Befriedigung führen kann. Der Mensch, dessen Selbstsucht nach den Trauben der Lust begehrt, findet sie sauer, weil er sie nicht erreichen kann: er geht von ihnen und widmet sich einem selbstlosen Lebenswandel. Die sittlichen Ideale sind, nach der Meinung der Pessimisten, nicht stark genug, den Egoismus zu überwinden; aber sie errichten ihre Herrschaft auf dem Boden, den ihnen vorher die Erkenntnis von der Aussichtslosigkeit der Selbstsucht frei gemacht hat.
[ 30 ] Wenn die Menschen ihrer Naturanlage nach die Lust erstrebten, sie aber unmöglich erreichen können, dann wäre Vernichtung des Daseins und Erlösung durch das Nichtsein das einzig vernünftige Ziel. Und wenn man der Ansicht ist, daß der eigentliche Träger des Weltschmerzes Gott sei, so müßten die Menschen es sich zur Aufgabe machen, die Erlösung Gottes herbeizuführen. Durch den Selbstmord des einzelnen wird die Erreichung dieses Zieles nicht gefördert, sondern beeinträchtigt. Gott kann vernünftigerweise die Menschen nur geschaffen haben, damit sie durch ihr Handeln seine Erlösung herbeiführen. Sonst wäre die Schöpfung zwecklos. Und an außermenschliche Zwecke denkt eine solche Weltansicht. Jeder muß in dem allgemeinen Erlösungswerke seine bestimmte Arbeit verrichten. Entzieht er sich derselben durch den Selbstmord, so muß die ihm zugedachte Arbeit von einem andern verrichtet werden. Dieser muß statt ihm die Daseinsqual ertragen. Und da in jedem Wesen Gott steckt als der eigentliche Schmerzträger, so hat der Selbstmörder die Menge des Gottesschmerzes nicht im geringsten vermindert, vielmehr Gott die neue Schwierigkeit auferlegt, für ihn einen Ersatzmann zu schaffen.
[ 31 ] Dies alles setzt voraus, daß die Lust ein Wertmaßstab für das Leben sei. Das Leben äußert sich durch eine Summe von Trieben (Bedürfnissen). Wenn der Wert des Lebens davon abhinge, ob es mehr Lust oder Unlust bringt, dann ist der Trieb als wertlos zu bezeichnen, der seinem Träger einen Überschuß der letzteren einträgt. Wir wollen einmal Trieb und Lust daraufhin ansehen, ob der erste durch die zweite gemessen werden kann. Um nicht den Verdacht zu erwecken, das Leben erst mit der Sphäre der «Geistesaristokratie» anfangen zu lassen, beginnen wir mit einem «rein tierischen» Bedürfnis, dem Hunger.
[ 32 ] Der Hunger entsteht, wenn unsere Organe ohne neue Stoffzufuhr nicht weiter ihrem Wesen gemäß funktionieren können. Was der Hungrige zunächst erstrebt, ist die Sättigung. Sobald die Nahrungszufuhr in dem Maße erfolgt ist, daß der Hunger aufhört, ist alles erreicht, was der Ernährungstrieb erstrebt. Der Genuß, der sich an die Sättigung knüpft, besteht fürs erste in der Beseitigung des Schmerzes, den der Hunger bereitet. Zu dem bloßen Ernährungstriebe tritt ein anderes Bedürfnis. Der Mensch will durch die Nahrungsaufnahme nicht bloß seine gestörten Organfunktionen wieder in Ordnung bringen, beziehungsweise den Schmerz des Hungers überwinden: er sucht dies auch unter Begleitung angenehmer Geschmacksempfindungen zu bewerkstelligen. Er kann sogar, wenn er Hunger hat und eine halbe Stunde vor einer genußreichen Mahlzeit steht, es vermeiden, durch minderwertige Kost, die ihn früher befriedigen könnte, sich die Lust für das Bessere zu verderben. Er braucht den Hunger, um von seiner Mahlzeit den vollen Genuß zu haben. Dadurch wird ihm der Hunger zugleich zum Veranlasser der Lust. Wenn nun aller in der Welt vorhandene Hunger gestillt werden könnte, dann ergäbe sich die volle Genußmenge, die dem Vorhandensein des Nahrungsbedürfnisses zu verdanken ist. Hinzuzurechnen wäre noch der besondere Genuß, den Leckermäuler durch eine über das Gewöhnliche hinausgehende Kultur ihrer Geschmacksnerven erzielen.
[ 33 ] Den denkbar größten Wert hätte diese Genußmenge, wenn kein auf die in Betracht kommende Genußart hinzielendes Bedürfnis unbefriedigt bliebe, und wenn mit dem Genuß nicht zugleich eine gewisse Menge Unlust in den Kauf genommen werden müßte.
[ 34 ] Die moderne Naturwissenschaft ist der Ansicht, daß die Natur mehr Leben erzeugt, als sie erhalten kann, das heißt, auch mehr Hunger hervorbringt, als sie zu befriedigen in der Lage ist. Der Überschuß an Leben, der erzeugt wird, muß unter Schmerzen im Kampf ums Dasein zugrunde gehen. Zugegeben: die Lebensbedürfnisse seien in jedem Augenblicke des Weltgeschehens größer, als den vorhandenen Befriedigungsmitteln entspricht, und der Lebensgenuß werde dadurch beeinträchtigt. Der wirklich vorhandene einzelne Lebensgenuß wird aber nicht um das geringste kleiner gemacht. Wo Befriedigung des Begehrens eintritt, da ist die entsprechende Genußmenge vorhanden, auch wenn es in dem begehrenden Wesen selbst oder in andern daneben eine reiche Zahl unbefriedigter Triebe gibt. Was aber dadurch vermindert wird, ist der Wert des Lebensgenusses. Wenn nur ein Teil der Bedürfnisse eines Lebewesens Befriedigung findet, so hat dieses einen dementsprechenden Genuß. Dieser hat einen um so geringeren Wert, je kleiner er ist im Verhältnis zur Gesamtforderung des Lebens im Gebiete der in Frage kommenden Begierden. Man kann sich diesen Wert durch einen Bruch dargestellt denken, dessen Zähler der wirklich vorhandene Genuß und dessen Nenner die Bedürfnissumme ist. Der Bruch hat den Wert 1, wenn Zähler und Nenner gleich sind, das heißt, wenn alle Bedürfnisse auch befriedigt werden. Er wird größer als 1, wenn in einem Lebewesen mehr Lust vorhanden ist, als seine Begierden fordern; und er ist kleiner als 1, wenn die Genußmenge hinter der Summe der Begierden zurückbleibt. Der Bruch kann aber nie Null werden, solange der Zähler auch nur den geringsten Wert hat. Wenn ein Mensch vor seinem Tode den Rechnungsabschluß machte, und die auf einen bestimmten Trieb (zum Beispiel den Hunger) kommende Menge des Genusses sich über das ganze Leben mit allen Forderungen dieses Triebes verteilt dächte, so hätte die erlebte Lust vielleicht nur einen geringen Wert; wertlos aber kann sie nie werden. Bei gleichbleibender Genußmenge nimmt mit der Vermehrung der Bedürfnisse eines Lebewesens der Wert der Lebenslust ab. Ein gleiches gilt für die Summe alles Lebens in der Natur. Je größer die Zahl der Lebewesen ist im Verhältnis zu der Zahl derer, die volleBefriedigung ihrer Triebe finden können, desto geringer ist der durchschnittliche Lustwert des Lebens. Die Wechsel auf den Lebensgenuß, die uns in unseren Trieben ausgestellt sind, werden eben billiger, wenn man nicht hoffen kann, sie für den vollen Betrag einzulösen. Wenn ich drei Tage lang genug zu essen habe und dafür dann weitere drei Tage hungern muß, so wird der Genuß an den drei Eßtagen dadurch nicht geringer. Aber ich muß mir ihn dann auf sechs Tage verteilt denken, wodurch sein Wert für meinen Ernährungstrieb auf die Hälfte herabgemindert wird. Ebenso verhält es sich mit der Größe der Lust im Verhältnis zum Grade meines Bedürfnisses. Wenn ich Hunger für zwei Butterbrote habe, und nur eines bekommen kann, so hat der aus dem einen gezogene Genuß nur die Hälfte des Wertes, den er haben würde, wenn ich nach der Aufzehrung satt wäre. Dies ist die Art, wie im Leben der Wert einer Lust bestimmt wird. Sie wird bemessen an den Bedürfnissen des Lebens. Unsere Begierden sind der Maßstab; die Lust ist das Gemessene. Der Sättigungsgenuß erhält nur dadurch einen Wert, daß Hunger vorhanden ist; und er erhält einen Wert von bestimmter Größe durch das Verhältnis, in dem er zu der Größe des vorhandenen Hungers steht.
[ 35 ] Unerfüllte Forderungen unseres Lebens werfen ihre Schatten auch auf die befriedigten Begierden und beeinträchtigen den Wert genußreicher Stunden. Man kann aber auch von dem gegenwärtigen Wert eines Lustgefühles sprechen. Dieser Wert ist um so geringer, je kleiner die Lust im Verhältnis zur Dauer und Stärke unserer Begierde ist.
[ 36 ] Vollen Wert hat für uns eine Lustmenge, die an Dauer und Grad genau mit unserer Begierde übereinstimmt. Eine gegenüber unserem Begehren kleinere Lustmenge vermindert den Lustwert; eine größere erzeugt einen nicht verlangten Überschuß, der nur so lange als Lust empfunden wird, als wir während des Genießens unsere Begierde zu steigern vermögen. Sind wir nicht imstande, in der Steigerung unseres Verlangens mit der zunehmenden Lust gleichen Schritt zu halten, so verwandelt sich die Lust in Unlust. Der Gegenstand, der uns sonst befriedigen würde, stürmt auf uns ein, ohne daß wir es wollen, und wir leiden darunter. Dies ist ein Beweis dafür, daß die Lust nur so lange für uns einen Wert hat, als wir sie an unserer Begierde messen können. Ein Übermaß von angenehmem Gefühl schlägt in Schmerz um. Wir können das besonders bei Menschen beobachten, deren Verlangen nach irgendeiner Art von Lust sehr gering ist. Leuten, deren Nahrungstrieb abgestumpft ist, wird das Essen leicht zum Ekel. Auch daraus geht hervor, daß die Begierde der Wertmesser der Lust ist.
[ 37 ] Nun kann der Pessimismus sagen: der unbefriedigte Nahrungstrieb bringe nicht nur die Unlust über den entbehrten Genuß, sondern positive Schmerzen, Qual und Elend in die Welt. Er kann sich hierbei berufen auf das namenlose Elend der von Nahrungssorgen heimgesuchten Menschen; auf die Summe von Unlust, die solchen Menschen mittelbar aus dem Nahrungsmangel erwächst. Und wenn er seine Behauptung auch auf die außermenschliche Natur anwenden will, kann er hinweisen auf die Qualen der Tiere, die in gewissen Jahreszeiten aus Nahrungsmangel verhungern. Von diesen Übeln behauptet der Pessimist, daß sie die durch den Nahrungstrieb in die Welt gesetzte Genußmenge reichlich überwiegen.
[ 38 ] Es ist ja zweifellos, daß man Lust und Unlust miteinander vergleichen und den Überschuß der einen oder der andern bestimmen kann, wie das bei Gewinn und Verlust geschieht. Wenn aber der Pessimismus glaubt, daß auf Seite der Unlust sich ein Überschuß ergibt, und er daraus auf die Wertlosigkeit des Lebens schließen zu können meint, so ist er schon insofern im Irrtum, als er eine Rechnung macht, die im wirklichen Leben nicht ausgeführt wird.
[ 39 ] Unsere Begierde richtet sich im einzelnen Falle auf einen bestimmten Gegenstand. Der Lustwert der Befriedigung wird, wie wir gesehen haben, um so größer sein, je größer die Lustmenge im Verhältnis zur Größe unseres Begehrens ist. 2on dem Falle, wo durch übermäßige Steigerung der Lust diese in Unlust umschlägt, sehen wir hier ab. Von der Größe unseres Begehrens hängt es aber auch ab, wie groß die Menge der Unlust ist, die wir mit in Kauf nehmen wollen, um die Lust zu erreichen. Wir vergleichen die Menge der Unlust nicht mit der der Lust, sondern mit der Größe unserer Begierde. Wer große Freude am Essen hat, der wird wegen des Genusses in besseren Zeiten sich leichter über eine Periode des Hungers hinweghelfen, als ein anderer, dem diese Freude an der Befriedigung des Nahrungstriebes fehlt. Das Weib, das ein Kind haben will, vergleicht nicht die Lust, die ihm aus dessen Besitz erwächst, mit den Unlustmengen, die aus Schwangerschaft, Kindbett, Kinderpflege und so weiter sich ergeben, sondern mit seiner Begierde nach dem Besitz des Kindes.
[ 40 ] Wir erstreben niemals eine abstrakte Lust von bestimmter Größe, sondern die konkrete Befriedigung in einer ganz bestimmten Weise. Wenn wir nach einer Lust streben, die durch einen bestimmten Gegenstand oder eine bestimmte Empfindung befriedigt werden muß, so können wir nicht dadurch befriedigt werden, daß uns ein anderer Gegenstand oder eine andere Empfindung zuteil wird, die uns eine Lust von gleicher Größe bereitet. Wer nach Sättigung strebt, dem kann man die Lust an derselben nicht durch eine gleich große, aber durch einen Spaziergang erzeugte ersetzen. Nur wenn unsere Begierde ganz allgemein nach einem bestimmten Lustquantum strebte, dann müßte sie sofort verstummen, wenn diese Lust nicht ohne ein sie an Größe überragendes Unlustquantum zu erreichen wäre. Da aber die Befriedigung auf eine bestimmte Art erstrebt wird, so tritt die Lust mit der Erfüllung auch dann ein, wenn mit ihr eine sie überwiegende Unlust in Kauf genommen werden muß. Dadurch, daß sich die Triebe der Lebewesen in einer bestimmten Richtung bewegen und auf ein konkretes Ziel losgehen, hört die Möglichkeit auf, die auf dem Wege zu diesem Ziele sich entgegenstellende Unlustmenge als gleichgeltenden Faktor mit in Rechnung zu bringen. Wenn die Begierde nur stark genug ist, um nach Überwindung der Unlust — und sei sie absolut genommen noch so groß — noch in irgendeinem Grade vorhanden zu sein, so kann die Lust an der Befriedigung doch noch in voller Größe durchgekostet werden. Die Begierde bringt also die Unlust nicht direkt in Beziehung zu der erreichten Lust, sondern indirekt, indem sie ihre eigene Größe (im Verhältnis) zu der der Unlust in eine Beziehung bringt. Nicht darum handelt es sich, ob die zu erreichende Lust oder Unlust größer ist, sondern darum, ob die Begierde nach dem erstrebten Ziele oder der Widerstand der entgegentretenden Unlust größer ist. Ist dieser Widerstand größer als die Begierde, dann ergibt sich die letztere in das Unvermeidliche, erlahmt und strebt nicht weiter. Dadurch, daß Befriedigung in einer bestimmten Art verlangt wird, gewinnt die mit ihr zusammenhängende Lust eine Bedeutung, die es ermöglicht, nach eingetretener Befriedigung das notwendige Unlustquantum nur insofern in die Rechnung einzustellen, als es das Maß unserer Begierde verringert hat. Wenn ich ein leidenschaftlicher Freund von Fernsichten bin, so berechne ich niemals: wieviel Lust macht mir der Blick von dem Berggipfel aus, direkt verglichen mit der Unlust des mühseligen Auf, und Abstiegs. Ich überlege aber: ob nach Überwindung der Schwierigkeiten meine Begierde nach der Fernsicht noch lebhaft genug sein wird. Nur mittelbar durch die Größe der Begierde können Lust und Unlust zusammen ein Ergebnis liefern. Es fragt sich also gar nicht, ob Lust oder Unlust im Übermaße vorhanden ist, sondern ob das Wollen der Lust stark genug ist, die Unlust zu überwinden.
[ 41 ] Ein Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung ist der Umstand, daß der Wert der Lust höher angeschlagen wird, wenn sie durch große Unlust erkauft werden muß, als dann, wenn sie uns gleichsam wie ein Geschenk des Himmels in den Schoß fällt. Wenn Leiden und Qualen unsere Begierde herabgestimmt haben, und dann das Ziel doch noch erreicht wird, dann ist eben die Lust im Verhältnis zu dem noch übriggebliebenen Quantum der Begierde um so größer. Dieses Verhältnis stellt aber, wie ich gezeigt habe, den Wert der Lust dar (vgl. S. 221ff.). Ein weiterer Beweis ist dadurch gegeben, daß die Lebewesen (einschließlich des Menschen) ihre Triebe so lange zur Entfaltung bringen, als sie imstande sind, die entgegenstehenden Schmerzen und Qualen zu ertragen. Und der Kampf ums Dasein ist nur die Folge dieser Tatsache. Das vorhandene Leben strebt nach Entfaltung, und nur derjenige Teil gibt den Kampf auf, dessen Begierden durch die Gewalt der sich auftürmenden Schwierigkeiten erstickt werden. Jedes Lebewesen sucht so lange nach Nahrung, bis der Nahrungsmangel sein Leben zerstört. Und auch der Mensch legt erst Hand an sich selber, wenn er (mit Recht oder Unrecht) glaubt, die ihm erstrebenswerten Lebensziele nicht erreichen zu können. Solange er aber noch an die Möglichkeit glaubt, das nach seiner Ansicht Erstrebenswerte zu erreichen, kämpft er gegen alle Qualen und Schmerzen an. Die Philosophie müßte dem Menschen erst die Meinung beibringen, daß Wollen nur dann einen Sinn hat, wenn die Lust größer als die Unlust ist; seiner Natur nach will er die Gegenstände seines Begehrens erreichen, wenn er die dabei notwendig werdende Unlust ertragen kann, sei sie dann auch noch so groß. Eine solche Philosophie wäre aber irrtümlich, weil sie das menschliche Wollen von einem Umstande abhängig macht (Überschuß der Lust über die Unlust), der dem Menschen ursprünglich fremd ist. Der ursprüngliche Maßstab des Wollens ist die Begierde, und diese setzt sich durch, solange sie kann. Man kann die Rechnung, welche das Leben, nicht eine verstandesmäßige Philosophie, anstellt, wenn Lust und Unlust bei Befriedigung eines Begehrens in Frage kommen, mit dem folgenden vergleichen. Wenn ich gezwungen bin, beim Einkaufe eines bestimmten Quantums Apfel doppelt so viele schlechte als gute mitzunehmen — weil der Verkäufer seinen Platz frei bekommen will — so werde ich mich keinen Moment besinnen, die schlechten Apfel mitzunehmen, wenn ich den Wert der geringeren Menge guter für mich so hoch veranschlagen darf, daß ich zu dem Kaufpreis auch noch die Auslagen für Hinwegschaffung der schlechten Ware auf mich nehmen will. Dies Beispiel veranschaulicht die Beziehung zwischen den durch einen Trieb bereiteten Lust, und Unlustmengen. Ich bestimme den Wert der guten Apfel nicht dadurch, daß ich ihre Summe von der der schlechten subtrahiere, sondern danach, ob die ersteren trotz des Vorhandenseins der letzteren noch einen Wert behalten.
[ 42 ] Ebenso wie ich bei dem Genuß der guten Apfel die schlechten unberücksichtigt lasse, so gebe ich mich der Befriedigung einer Begierde hin, nachdem ich die notwendigen Qualen abgeschüttelt habe.
[ 43 ] Wenn der Pessimismus auch recht hätte mit seiner Behauptung, daß in der Welt mehr Unlust als Lust vorhanden ist: auf das Wollen wäre das ohne Einfluß, denn die Lebewesen streben nach der übrigbleibenden Lust doch. Der empirische Nachweis, daß der Schmerz die Freude überwiegt, wäre, wenn er gelänge, zwar geeignet, die Aussichtslosigkeit jener philosophischen Richtung zu zeigen, die den Wert des Lebens in dem Überschuß der Lust sieht (Eudämonismus), nicht aber das Wollen überhaupt als unvernünftig hinzustellen; denn dieses geht nicht auf einen Überschuß von Lust, sondern auf die nach Abzug der Unlust noch übrigbleibende Lustmenge. Diese erscheint noch immer als ein erstrebenswertes Ziel.
[ 44 ] Man hat den Pessimismus dadurch zu widerlegen versucht, daß man behauptete, es sei unmöglich, den Überschuß von Lust oder Unlust in der Welt auszurechnen. Die Möglichkeit einer jeden Berechnung beruht darauf, daß die in Rechnung zu stellenden Dinge ihrer Größe nach miteinander verglichen werden können. Nun hat jede Unlust und jede Lust eine bestimmte Größe (Stärke und Dauer). Auch Lustempfindungen verschiedener Art können wir ihrer Größe nach wenigstens schätzungsweise vergleichen. Wir wissen, ob uns eine gute Zigarre oder ein guter Witz mehr Vergnügen macht. Gegen die Vergleichbarkeit verschiedener Lust, und Unlustsorten, ihrer Größe nach, läßt sich somit nichts einwenden. Und der Forscher, der es sich zur Aufgabe macht, den Lust, oder Unlustüberschuß in der Welt zu bestimmen, geht von durchaus berechtigten Voraussetzungen aus. Man kann die Irrtümlichkeit der pessimistischen Resultate behaupten, aber man darf die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Abschätzung derLust, und Unlustmengen und damit die Bestimmung der Lustbilanz nicht anzweifeln. Unrichtig aber ist es, wenn behauptet wird, daß aus dem Ergebnisse dieser Rechnung für das menschliche Wollen etwas folge. Die Fälle, wo wir den Wert unserer Betätigung wirklich davon abhängig machen, ob die Lust oder die Unlust einen Überschuß zeigt, sind die, in denen uns die Gegenstände, auf die unser Tun sich richtet, gleichgültig sind. Wenn es sich mir darum handelt, nach meiner Arbeit mir ein Vergnügen durch ein Spiel oder eine leichte Unterhaltung zu bereiten, und es mir völlig gleichgültig ist, was ich zu diesem Zwecke tue, so frage ich mich: was bringt mir den größten Überschuß an Lust? Und ich unterlasse eine Betätigung unbedingt, wenn sich die Waage nach der Unlustseite hin neigt. Bei einem Kinde, dem wir ein Spielzeug kaufen wollen, denken wir bei der Wahl nach, was ihm die meiste Freude bereitet. In allen anderen Fällen bestimmen wir uns nicht ausschließlich nach der Lustbilanz.
[ 45 ] Wenn also die pessimistischen Ethiker der Ansicht sind, durch den Nachweis, daß die Unlust in größerer Menge vorhanden ist als die Lust, den Boden für die selbstlose Hingabe an die Kulturarbeit zu bereiten, so bedenken sie nicht, daß sich das menschliche Wollen seiner Natur nach von dieser Erkenntnis nicht beeinflussen läßt. Das Streben der Menschen richtet sich nach dem Maße der nach Überwindung aller Schwierigkeiten möglichen Befriedigung. Die Hoffnung auf diese Befriedigung ist der Grund der menschlichen Betätigung. Die Arbeit jedes einzelnen und die ganze Kulturarbeit entspringt aus dieser Hoffnung. Die pessimistische Ethik glaubt dem Menschen die Jagd nach dem Glücke als eine unmögliche hinstellen zu müssen, damit er sich seinen eigentlichen sittlichen Aufgaben widme. Aber diese sittlichen Aufgaben sind nichts anderes als die konkreten natürlichen und geistigen Triebe; und die Befriedigung derselben wird angestrebt trotz der Unlust, die dabei abfällt. Die Jagd nach dem Glücke, die der Pessimismus ausrotten will, ist also gar nicht vorhanden. Die Aufgaben aber, die der Mensch zu vollbringen hat, vollbringt er, weil er sie kraft seines Wesens, wenn er ihr Wesen wirklich erkannt hat, vollbringen will. Die pessimistische Ethik behauptet, der Mensch könne erst dann sich dem hingeben, was er als seine Lebensaufgabe erkennt, wenn er das Streben nach Lust aufgegeben hat. Keine Ethik aber kann je andere Lebensaufgaben ersinnen als die Verwirklichung der von den menschlichenBegierden gefordertenBefriedigungen und die Erfüllung seiner sittlichen Ideale. Keine Ethik kann ihm die Lust nehmen, die er an dieser Erfüllung des von ihm Begehrten hat. Wenn der Pessimist sagt: strebe nicht nach Lust, denn du kannst sie nie erreichen; strebe nach dem, was du als deine Aufgabe erkennst, so ist darauf zu erwidern: das ist Menschenart, und es ist die Erfindung einer auf Irrwegen wandelnden Philosophie, wenn behauptet wird, der Mensch strebe bloß nach dem Glücke. Er strebt nach Befriedigung dessen, was sein Wesen begehrt und hat die konkreten Gegenstände dieses Strebens im Auge, nicht ein abstraktes «Glück»; und die Erfüllung ist ihm eine Lust. Was die pessimistische Ethik verlangt: nicht Streben nach Lust, sondern nach Erreichung dessen, was du als deine Lebensaufgabe erkennst, so trifft sie damit dasjenige, was der Mensch seinem Wesen nach will. Der Mensch braucht durch die Philosophie nicht erst umgekrempelt zu werden, er braucht seine Natur nicht erst abzuwerfen, um sittlich zu sein, Sittlichkeit liegt in dem Streben nach einem als berechtigt erkannten Ziel; ihm zu folgen, liegt im Menschenwesen, solange eine damit verknüpfte Unlust die Begierde danach nicht lähmt. Und dieses ist das Wesen alles wirklichen Wollens. Die Ethik beruht nicht auf der Ausrottung alles Strebens nach Lust, damit bleichsüchtige abstrakte Ideen ihre Herrschaft da aufschlagen können, wo ihnen keine starke Sehnsucht nach Lebensgenuß entgegensteht, sondern auf dem starken, von ideeller Intuition getragenen Wollen, das sein Ziel erreicht, auch wenn der Weg dazu ein dornenvoller ist.
[ 46 ] Die sittlichen Ideale entspringen aus der moralischen Phantasie des Menschen. Ihre Verwirklichung hängt davon ab, daß sie von dem Menschen stark genug begehrt werden, um Schmerzen und Qualen zu überwinden. Sie sind seine Intuitionen, die Triebfedern, die sein Geist spannt; er will sie, weil ihre Verwirklichung seine höchste Lust ist. Er hat es nicht nötig, sich von der Ethik erst verbieten zu lassen, daß er nach Lust strebe, um sich dann gebieten zu lassen, wonach er streben soll. Er wird nach sittlichen Idealen streben, wenn seine moralische Phantasie tätig genug ist, um ihm Intuitionen einzugeben, die seinem Wollen die Stärke verleihen, sich gegen die in seiner Organisation liegenden Widerstände, wozu auch notwendige Unlust gehört, durchzusetzen.
[ 47 ] Wer nach Idealen von hehrer Größe strebt, der tut es, weil sie der Inhalt seines Wesens sind, und die Verwirklichung wird ihm ein Genuß sein, gegen den die Lust, welche die Armseligkeit aus der Befriedigung der alltäglichen Triebe zieht, eine Kleinigkeit ist. Idealisten schwelgen geistig bei der Umsetzung ihrer Ideale in Wirklichkeit.
[ 48 ] Wer die Lust an der Befriedigung des menschlichen Begehrens ausrotten will, muß den Menschen erst zum Sklaven machen, der nicht handelt, weil er will, sondern nur, weil er soll. Denn die Erreichung des Gewollten macht Lust. Was man das Gute nennt, ist nicht das, was der Mensch soll, sondern das, was er will, wenn er die volle wahre Menschennatur zur Entfaltung bringt. Wer dies nicht anerkennt, der muß dem Menschen erst das austreiben, was er will, und ihm dann von außen das vorschreiben lassen, was er seinem Wollen zum Inhalt zu geben hat.
[ 49 ] Der Mensch verleiht der Erfüllung einer Begierde einen Wert, weil sie aus seinem Wesen entspringt. Das Erreichte hat seinen Wert, weil es gewollt ist. Spricht man dem Ziel des menschlichen Wollens als solchem seinen Wert ab, dann muß man die wertvollen Ziele von etwas nehmen, das der Mensch nicht will.
[ 50 ] Die auf den Pessimismus sich aufbauende Ethik entspringt aus der Mißachtung der moralischen Phantasie. Wer den individuellen Menschengeist nicht für fähig hält, sich selbst den Inhalt seines Strebens zu geben, nur der kann die Summe des Wollens in der Sehnsucht nach Lust suchen. Der phantasielose Mensch schafft keine sittlichen Ideen. Sie müssen ihm gegeben werden. Daß er nach Befriedigung seiner niederen Begierden strebt: dafür aber sorgt die physische Natur. Zur Entfaltung des ganzen Menschen gehören aber auch die aus dem Geiste stammenden Begierden. Nur wenn man der Meinung ist, daß diese der Mensch überhaupt nicht hat, kann man behaupten, daß er sie von außen empfangen soll. Dann ist man auch berechtigt, zu sagen, daß er verpflichtet ist, etwas zu tun, was er nicht will. Jede Ethik, die von dem Menschen fordert, daß er sein Wollen zurückdränge, um Aufgaben zu erfüllen, die er nicht will, rechnet nicht mit dem ganzen Menschen, sondern mit einem solchen, dem das geistige Begehrungsvermögen fehlt. Für den harmonisch entwickelten Menschen sind die sogenannten Ideen des Guten nicht außerhalb, sondern innerhalb des Kreises seines Wesens. Nicht in der Austilgung eines einseitigen Eigenwillens liegt das sittliche Handeln, sondern in der vollen Entwickelung der Menschennatur. Wer die sittlichen Ideale nur für erreichbar hält, wenn der Mensch seinen Eigenwillen ertötet, der weiß nicht, daß diese Ideale ebenso von dem Menschen gewollt sind, wie die Befriedigung der sogenannten tierischen Triebe.
[ 51 ] Es ist nicht zu leugnen, daß die hiermit charakterisierten Anschauungen leicht mißverstanden werden können. Unreife Menschen ohne moralische Phantasie sehen gerne die Instinkte ihrer Halbnatur für den vollen Menschheitsgehalt an, und lehnen alle nicht von ihnen erzeugten sittlichen Ideen ab, damit sie ungestört «sich ausleben» können. Daß für die halbentwickelte Menschennatur nicht gilt, was für den Vollmenschen richtig ist, ist selbstverständlich. Wer durch Erziehung erst noch dahin gebracht werden soll, daß seine sittliche Natur die Eischalen der niederen Leidenschaften durchbricht: von dem darf nicht in Anspruch genommen werden, was für den reifen Menschen gilt. Hier sollte aber nicht verzeichnet werden, was dem unentwickelten Menschen einzuprägen ist, sondern das, was in dem Wesen des ausgereiften Menschen liegt. Denn es sollte die Möglichkeit der Freiheit nachgewiesen werden; diese erscheint aber nicht an Handlungen aus sinnlicher oder seelischer Nötigung, sondern an solchen, die von geistigen Intuitionen getragen sind.
[ 52 ] Dieser ausgereifte Mensch gibt seinen Wert sich selbst. Nicht die Lust erstrebt er, die ihm als Gnadengeschenk von der Natur oder von dem Schöpfer gereicht wird; und auch nicht die abstrakte Pflicht erfüllt er, die er als solche erkennt, nachdem er das Streben nach Lust abgestreift hat. Er handelt, wie er will, das ist nach Maßgabe seiner ethischen Intuitionen; und er empfindet die Erreichung dessen, was er will, als seinen wahren Lebensgenuß. Den Wert des Lebens bestimmt er an dem Verhältnis des Erreichten zu dem Erstrebten. Die Ethik, welche an die Stelle des Wollens das bloße Sollen, an die Stelle der Neigung die bloße Pflicht setzt, bestimmt folgerichtig den Wert des Menschen an dem Verhältnis dessen, was die Pflicht fordert, zu dem, was er erfüllt. Sie mißt den Menschen an einem außerhalb seines Wesens gelegenen Maßstab. — Die hier entwickelte Ansicht weist den Menschen auf sich selbst zurück. Sie erkennt nur das als den wahren Wert des Lebens an, was der einzelne nach Maßgabe seines Wollens als solchen ansieht. Sie weiß ebensowenig von einem nicht vom Individuum anerkannten Wert des Lebens wie von einem nicht aus diesem entsprungenen Zweck des Lebens. Sie sieht in dem allseitig durchschauten wesenhaften Individuum seinen eigenen Herrn und seinen eigenen Schätzer.
Zusatz zur Neuausgabe 1918
[ 53 ] Verkennen kann man das in diesem Abschnitt Dargestellte, wenn man sich festbeißt in den scheinbaren Einwand: das Wollen des Menschen als solches ist eben das Unvernünftige; man müsse ihm diese Unvernünftigkeit nachweisen, dann wird er einsehen, daß in der endlichen Befreiung von dem Wollen das Ziel des ethischen Strebens liegen müsse. Mir wurde von berufener Seite allerdings ein solcher Schein€“Einwand entgegengehalten, indem mir gesagt wurde, es sei eben die Sache des Philosophen, nachzuholen, was die Gedankenlosigkeit der Tiere und der meisten Menschen versäumt, eine wirkliche Lebensbilanz zu ziehen. Doch wer diesen Einwand macht, sieht eben die Hauptsache nicht: soll Freiheit sich verwirklichen, so muß in der Menschennatur das Wollen von dem intuitiven Denken getragen sein; zugleich aber ergibt sich, daß ein Wollen auch von anderem als von der Intuition bestimmt werden kann, und nur in der aus der Menschenwesenheit erfließenden freien Verwirklichung der Intuition ergibt sich das Sittliche und sein Wert. Der ethische Individualismus ist geeignet, die Sittlichkeit in ihrer vollen Würde darzustellen, denn er ist nicht der Ansicht, daß wahrhaft sittlich ist, was in äußerer Art Zusammenstimmung eines Wollens mit einer Norm herbeiführt, sondern was aus dem Menschen dann ersteht, wenn er das sittliche Wollen als ein Glied seines vollen Wesens in sich entfaltet, so daß das Unsittliche zu tun ihm als Verstümmelung, Verkrüppelung seines Wesens erscheint.
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The Philosophy of Freedom 1916, tr. Prof. and Mrs. R. F. Alfred Hoernlé
- The Philosophy of Freedom 1916, tr. Prof. and Mrs. R. F. Alfred Hoernlé
- The Philosophy of Spiritual Activity 1949, tr. Hermann Poppelbaum
- The Philosophy of Spiritual Activity 1963, tr. Rita Stebbing
- The Philosophy of Freedom 1964, tr. Michael Wilson
- The Philosophy of Spiritual Activity 1986, tr. William Lindeman
- The Philosophy of Spiritual Activity, Steiner Online Library
- Die Philosophie der Freiheit, Rudolf Steiner Verlag, 16th ed.
XIV. The value of Life (Optimism And Pessimism)
A counterpart of the question concerning the purpose and function of life (cp. p. 111) is the question concerning its value. We meet here with two mutually opposed views, and between them with all conceivable attempts at compromise. One view says that this world is the best conceivable which could exist at all, and that to live and act in it is a good of inestimable value. Everything that exists displays harmonious and purposive co-operation and is worthy of admiration. Even what is apparently bad and evil may, from a higher point of view, be seen to be a good, for it represents an agreeable contrast with the good. We are the more able to appreciate the good when it is clearly contrasted with evil. Moreover, evil is not genuinely real; it is only that we perceive as evil a lesser degree of good. Evil is the absence of good, it has no positive import of its own.
The other view maintains that life is full of misery and agony. Everywhere pain outweighs pleasure, sorrow outweighs joy. Existence is a burden, and non-existence would, from every point of view, be preferable to existence.
The chief representatives of the former view, i.e., Optimism, are Shaftesbury and Leibnitz; the chief representatives of the second, i.e., Pessimism, are Schopenhauer and Edouard von Hartmann.
Leibnitz says the world is the best of all possible worlds. A better one is impossible. For God is good and wise. A good God wills to create the best possible world, a wise God knows which is the best possible. He is able to distinguish the best from all other and worse possibilities. Only an evil or an unwise God would be able to create a world worse than the best possible.
Whoever starts from this point of view will find it easy to lay down the direction which human action must follow, in order to make its contribution to the greatest good of the universe. All that man need do will be to find out the counsels of God and to act in accordance with them. If he knows what God's purposes are concerning the world and the human race he will be able, for his part, to do what is right. And he will be happy in the feeling that he is adding his share to all the other good in the world. From this optimistic standpoint, then, life is worth living. It is such as to stimulate us to cooperate with, and enter into, it.
Quite different is the picture Schopenhauer paints. He thinks of ultimate reality not as an all-wise and all-beneficent being, but as blind striving or will. Eternal striving, ceaseless craving for satisfaction which yet is ever beyond reach, these are the fundamental characteristics of all will. For as soon as we have attained what we want a fresh need springs up, and so on. Satisfaction, when it occurs, endures always only for an infinitesimal time. The whole rest of our lives is unsatisfied craving, i.e., discontent and suffering. When at last blind craving is dulled, every definite content is gone from our lives. Existence is filled with nothing but an endless ennui. Hence the best we can do is to throttle all desires and needs within us and exterminate the will. Schopenhauer's Pessimism leads to complete inactivity; its moral aim is universal idleness.
By a very different argument Von Hartmann attempts to establish Pessimism and to make use of it for Ethics. He attempts, in keeping with the fashion of our age, to base his world-view on experience. By observation of life he hopes to discover whether there is more pain or more pleasure in the world. He passes in review before the tribunal of reason whatever men consider to be happiness and a good, in order to show that all apparent satisfaction turns out, on closer inspection, to be nothing but illusion. It is illusion when we believe that in health, youth, freedom, sufficient income, love (sexual satisfaction), pity, friendship and family life, honour, reputation, glory, power, religious edification, pursuit of science and of art, hope of a life after death, participation in the advancement of civilization, that in all these we have sources of happiness and satisfaction. Soberly considered, every enjoyment brings much more evil and misery than pleasure into the world. The disagreeableness of “the morning after” is always greater than the agreeableness of intoxication. Pain far outweighs pleasure in the world. No man, even though relatively the happiest, would, if asked, wish to live through this miserable life a second time. Now since Hartmann does not deny the presence of an ideal factor (wisdom) in the world, but, on the contrary, grants to it equal rights with blind striving (will), he can attribute the creation of the world to his Absolute Being only on condition that He makes the pain in the world subserve a world-purpose that is wise. But the pain of created beings is nothing but God's pain itself, for the life of Nature as a whole is identical with the life of God. An All-wise Being can aim only at release from pain, and since all existence is pain, at release from existence. Hence the purpose of the creation of the world is to transform existence into the non-existence which is so much better. The world-process is nothing but a continuous battle against God's pain, a battle which ends with the annihilation of all existence. The moral life for men, therefore, will consist in taking part in the annihilation of existence. The reason why God has created the world is that through the world he may free himself from his infinite pain. The world must be regarded, “as it were, as an itching eruption on the Absolute,” by means of which the unconscious healing power of the Absolute rids itself of an inward disease; or it may be regarded “as a painful drawing-plaster which the All-one applies to itself in order first to divert the inner pain outwards, and then to get rid of it altogether.” Human beings are members of the world. In their sufferings God suffers. He has created them in order to split up in them his infinite pain. The pain which each one of us suffers is but a drop in the infinite ocean of God's pain (Hartmann, Phanomenologie des Sittlichen Bewusstseins, pp. 866 ff.).
It is man's duty to permeate his whole being with the recognition that the pursuit of individual satisfaction (Egoism) is a folly, and that he ought to be guided solely by the task of assisting in the redemption of God by unselfish service of the world-process. Thus, in contrast with the Pessimism of Schopenhauer, that of Von Hartmann leads us to devoted activity in a sublime cause.
But what of the claim that this view is based on experience?
To strive after satisfaction means that our activity reaches out beyond the actual content of our lives. A creature is hungry, i.e., it desires satiety, when its organic functions demand for their continuation the supply of fresh life-materials in the form of nourishment. The pursuit of honour consists in that a man does not regard what he personally does or leaves undone as valuable unless it is endorsed by the approval of others from without. The striving for knowledge arises when a man is not content with the world which he sees, hears, etc., so long as he has not understood it. The fulfilment of the striving causes pleasure in the individual who strives, failure causes pain. It is important here to observe that pleasure and pain are attached only to the fulfilment or non-fulfilment of my striving. The striving itself is by no means to be regarded as a pain. Hence, if we find that, in the very moment in which a striving is fulfilled, at once a new striving arises, this is no ground for saying that pleasure has given birth to pain, because enjoyment in every case gives rise to a desire for its repetition, or for a fresh pleasure. I can speak of pain only when desire runs up against the impossibility of fulfilment. Even when an enjoyment that I have had causes in me the desire for the experience of a greater, more subtle, and more exotic pleasure, I have no right to speak of this desire as a pain caused by the previous pleasure until the means fail me to gain the greater and more subtle pleasure. I have no right to regard pleasure as the cause of pain unless pain follows on pleasure as its consequence by natural law, e.g., when a woman's sexual pleasure is followed by the suffering of child-birth and the cares of nursing. If striving caused pain, then the removal of striving ought to be accompanied by pleasure. But the very reverse is true. To have no striving in one's life causes boredom, and boredom is always accompanied by displeasure. Now, since it may be a long time before a striving meets with fulfilment, and since, in the interval, it is content with the hope of fulfilment, we must acknowledge that there is no connection in principle between pain and striving, but that pain depends solely on the non-fulfilment of the striving. Schopenhauer, then, is wrong in any case in regarding desire or striving (will) as being in principle the source of pain.
In truth the very reverse of this is correct. Striving (desire) is in itself pleasurable. Who does not know the pleasure which is caused by the hope of a remote but intensely desired enjoyment? This pleasure is the companion of all labour, the results of which will be enjoyed by us only in the future. It is a pleasure which is wholly independent of the attainment of the end. For when the aim has been attained, the pleasure of satisfaction is added as a fresh thrill to the pleasure of striving. If anyone were to argue that the pain caused by the non-attainment of an aim is increased by the pain of disappointed hope, and that thus, in the end, the pain of non-fulfilment will still always outweigh the utmost possible pleasure of fulfilment, we shall have to reply that the reverse may be the case, and that the recollection of past pleasure at a time of unsatisfied desire will as often mitigate the displeasure of non-satisfaction. Whoever at the moment when his hopes suffer shipwreck exclaims, “I have done my part,” proves thereby my assertion. The blessed feeling of having willed the best within one's powers is ignored by all who make every unsatisfied desire an occasion for asserting that, not only has the pleasure of fulfilment been lost, but that the enjoyment of the striving itself has been destroyed.
The satisfaction of a desire causes pleasure and its non-satisfaction causes pain. But we have no right to infer from this fact that pleasure is nothing but the satisfaction of a desire, and pain nothing but its non-satisfaction. Both pleasure and pain may be experienced without being the consequence of desire. All illness is pain not preceded by any desire. If anyone were to maintain that illness is unsatisfied desire for health he would commit the error of regarding the inevitable and unconscious wish not to fall ill as a positive desire. When some one receives a legacy from a rich relative of whose existence he had not the faintest idea, he experiences a pleasure without having felt any preceding desire.
Hence, if we set out to inquire whether the balance is on the side of pleasure or of pain, we must allow in our calculation for the pleasure of striving, the pleasure of the satisfaction of striving, and the pleasure which comes to us without any striving whatever. On the debit side we shall have to enter the displeasure of boredom, the displeasure of unfulfilled striving, and, lastly, the displeasure which comes to us without any striving on our part. Under this last heading we shall have to put also the displeasure caused by work that has been forced upon us, not chosen by ourselves.
This leads us to the question, What is the right method for striking the balance between the credit and the debit columns? Edouard von Hartmann asserts that reason holds the scales. It is true that he says (Philosophie des Unbewussten, 7th edition, vol. ii. p. 290): “Pain and pleasure exist only in so far as they are actually being felt.” It follows that there can be no standard for pleasure other than the subjective standard of feeling. I must feel whether the sum of my disagreeable feelings, contrasted with my agreeable feelings, results in me in a balance of pleasure or of pain. But, notwithstanding this, van Hartmann maintains that “though the value of the life of every being can be set down only according to its own subjective measure, yet it follows by no means that every being is able to compute the correct algebraic sum of all the feelings of its life—or, in other words, that its total estimate of its own life, with regard to its subjective feelings, should be correct.” But this means that rational estimation of feelings is reinstated as the standard of value.
It is because Von Hartmann holds this view that he thinks it necessary, in order to arrive at a correct valuation of life, to clear out of the way those factors which falsify our judgment about the balance of pleasure and of pain. He tries to do this in two ways: first, by showing that our desire (instinct, will) operates as a disturbing factor in the sober estimation of feeling-values; e.g., whereas we ought to judge that sexual enjoyment is a source of evil, we are beguiled by the fact that the sexual instinct is very strong in us, into pretending to experience a pleasure which does not occur in the alleged intensity at all. We are bent on indulging ourselves, hence we do not acknowledge to ourselves that the indulgence makes us suffer. Secondly, Von Hartmann subjects feelings to a criticism designed to show, that the objects to which our feelings attach themselves reveal themselves as illusions when examined by reason, and that our feelings are destroyed from the moment that our constantly growing insight sees through the illusions.
Von Hartmann, then, conceives the matter as follows. Suppose an ambitious man wants to determine clearly whether, up to the moment of his inquiry, there has been a surplus of pleasure or of pain in his life. He has to eliminate two sources of error that may affect his judgment. Being ambitious, this fundamental feature of his character will make him see all the pleasures of the public recognition of his achievements larger than they are, and all the insults suffered through rebuffs smaller than they are. At the time when he suffered the rebuffs he felt the insults just because he is ambitious, but in recollection they appear to him in a milder light, whereas the pleasures of recognition to which he is so much more susceptible leave a far deeper impression. Undeniably, it is a real benefit to an ambitious man that it should be so, for the deception diminishes his pain in the moment of self-analysis. But, none the less, it falsifies his judgments. The sufferings which he now reviews as through a veil were actually experienced by him in all their intensity. Hence he enters them at a wrong valuation on the debit side of his account. In order to arrive at a correct estimate an ambitious man would have to lay aside his ambition for the time of his inquiry. He would have to review his past life without any distorting glasses before his mind's eye, else he will resemble a merchant who, in making up his books, enters among the items on the credit side his own zeal in business.
But Von Hartmann goes even further. He says the ambitious man must make clear to himself that the public recognition which he craves is not worth having. By himself, or with the guidance of others, he must attain the insight that rational beings cannot attach any value to recognition by others, seeing that “in all matters which are not vital questions of development, or which have not been definitely settled by science,” it is always as certain as anything can be “that the majority is wrong and the minority right.” “Whoever makes ambition the lode-star of his life puts the happiness of his life at the mercy of so fallible a judgment” (Philosophie des Unbewussten, vol. ii, p. 332). If the ambitious man acknowledges all this to himself, he is bound to regard all the achievements of his ambition as illusions, including even the feelings which attach themselves to the satisfaction of his ambitious desires. This is the reason why Von Hartmann says that we must also strike out of the balance-sheet of our life-values whatever is seen to be illusory in our feelings of pleasure. What remains after that represents the sum-total of pleasure in life, and this sum is so small compared with the sum-total of pain that life is no enjoyment and non-existence preferable to existence.
But whilst it is immediately evident that the interference of the instinct of ambition produces self-deception in striking the balance of pleasures and thus leads to a false result, we must none the less challenge what Von Hartmann says concerning the illusory character of the objects to which pleasure is attached. For the elimination, from the credit-side of life, of all pleasurable feelings which accompany actual or supposed illusions would positively falsify the balance of pleasure and of pain. An ambitious man has genuinely enjoyed the acclamations of the multitude, irrespective of whether subsequently he himself, or some other person, recognizes that this acclamation is an illusion. The pleasure, once enjoyed, is not one whit diminished by such recognition. Consequently the elimination of all these “illusory” feelings from life's balance, so far from making our judgment about our feelings more correct, actually cancels out of life feelings which were genuinely there,
And why are these feelings to be eliminated? Because they are connected with objects which turn out to have been illusions. But this means that the value of life is made dependent, not on the quantity of pleasure, but on the quality of pleasure, and this quality is made dependent on the value of the objects which cause the pleasure. But if I am to determine the value of life only by the quantity of pleasure or pain which it brings, I have no right to presuppose something else by which first to determine the positive or negative value of pleasure. If I say I want to compare quantity of pleasure and quantity of pain, in order to see which is greater, I am bound to bring into my account all pleasures and pains in their actual intensities, regardless of whether they are based on illusions or not. If I credit a pleasure which rests on an illusion with a lesser value for life than one which can justify itself before the tribunal of reason, I make the value of life dependent on factors other than mere quantity of pleasure.
Whoever, like Edouard von Hartmann, puts down pleasure as less valuable when it is attached to a worthless object, is like a merchant who enters the considerable profits of a toy-factory at only one-quarter of their real value on the ground that the factory produces nothing but playthings for children.
If the point is simply to weigh quantity of pleasure against quantity of pain, we ought to leave the illusory character of the objects of some pleasures entirely out of account.
The method, then, which Van Hartmann recommends, viz., rational criticism of the quantities of pleasure and pain produced by life, has taught us so far how we are to get the data for our calculation, i.e., what we are to put down on the one side of our account and what on the other. But how are we to make the actual calculation? Is reason able also to strike the balance?
A merchant makes a miscalculation when the gain calculated by him does not balance with the profits which he has demonstrably enjoyed from his business or is still expecting to enjoy. Similarly, the philosopher will undoubtedly have made a mistake in his estimate, if he cannot demonstrate in actual feeling the surplus of pleasure or, as the case may be, of pain which his manipulation of the account may have yielded.
For the present I shall not criticize the calculations of those Pessimists who support their estimate of the value of the world by an appeal to reason. But if we are to decide whether to carry on the business of life or not, we shall demand first to be shown where the alleged balance of pain is to be found.
Here we touch the point where reason is not in a position by itself to determine the surplus of pleasure or of pain, but where it must exhibit this surplus in life as something actually felt. For man reaches reality not through concepts by themselves, but through the interpenetration of concepts and percepts (and feelings are percepts) which thinking brings about (cp. p. 56). A merchant will give up his business only when the loss of goods, as calculated by his accountant, is actually confirmed by the facts. If the facts do not bear out the calculation, he asks his accountant to check the account once more. That is exactly what a man will do in the business of life. If a philosopher wants to prove to him that the pain is far greater than the pleasure, but that he does not feel it so, then he will reply: “You have made a mistake in your theorizings; repeat your analysis once more.” But if there comes a time in a business when the losses are really so great that the firm's credit no longer suffices to satisfy the creditors, bankruptcy results, even though the merchant may avoid keeping himself informed by careful accounts about the state of his affairs. Similarly, supposing the quantity of pain in a man's life became at any time so great that no hope (credit) of future pleasure could help him to get over the pain, the bankruptcy of life's business would inevitably follow.
Now the number of those who commit suicide is relatively small compared with the number of those who live bravely on. Only very few men give up the business of life because of the pain involved. What follows? Either that it is untrue to say that the quantity of pain is greater than the quantity of pleasure, or that we do not make the continuation of life dependent on the quantity of felt pleasure or pain.
In a very curious way, Edouard von Hartmann's Pessimism, having concluded that life is valueless because it contains a surplus of pain, yet affirms the necessity of going on with life. This necessity lies in the fact that the world-purpose mentioned above (p. 127) can be achieved only by the ceaseless, devoted labour of human beings. But so long as men still pursue their egoistical appetites they are unfit for this devoted labour. It is not until experience and reason have convinced them that the pleasures which Egoism pursues are incapable of attainment that they give themselves up to their proper task. In this way the pessimistic conviction is offered as the fountain of unselfishness. An education based on Pessimism is to exterminate Egoism by convincing it of the hopelessness of achieving its aims.
According to this view, then, the striving for pleasure is fundamentally inherent in human nature. It is only through the insight into the impossibility of satisfaction that this striving abdicates in favour of the higher tasks of humanity.
It is, however, impossible to say of this ethical theory, which expects from the establishment of Pessimism a devotion to unselfish ends in life, that it really overcomes Egoism in the proper sense of the word. The moral ideas are said not to be strong enough to dominate the will until man has learnt that the selfish striving after pleasure cannot lead to any satisfaction. Man, whose selfishness desires the grapes of pleasure, finds them sour because he cannot attain them, and so he turns his back on them and devotes himself to an unselfish life. Moral ideals, then, according to the opinion of Pessimists, are too weak to overcome Egoism, but they establish their kingdom on the territory which previous recognition of the hopelessness of Egoism has cleared for them.
If men by nature strive after pleasure but are unable to attain it, it follows that annihilation of existence and salvation through non-existence are the only rational ends. And if we accept the view that the real bearer of the pain of the world is God, it follows that the task of men consists in helping to bring about the salvation of God. To commit suicide does not advance, but hinders, the realization of this aim. God must rationally be conceived as having created men for the sole purpose of bringing about his salvation through their action, else would creation be purposeless. Every one of us has to perform his own definite task in the general work of salvation. If he withdraws from the task by suicide, another has to do the work which was intended for him. Somebody else must bear in his stead the agony of existence. And since in every being it is, at bottom, God who is the ultimate bearer of all pain, it follows that to commit suicide does not in the least diminish the quantity of God's pain, but rather imposes upon God the additional difficulty of providing a substitute.
This whole theory presupposes that pleasure is the standard of value for life. Now life manifests itself through a number of instincts (needs). If the value of life depended on its producing more pleasure than pain, an instinct would have to be called valueless which brought to its owner a balance of pain. Let us, if you please, inspect instinct and pleasure, in order to see whether the former can be measured by the latter. And lest we give rise to the suspicion that life does not begin for us below the sphere of the “aristocrats of the intellects” we shall begin our examination with a “purely animal” need, viz., hunger.
Hunger arises when our organs are unable to continue functioning without a fresh supply of food. What a hungry man desires, in the first instance, is to have his hunger stilled. As soon as the supply of nourishment has reached the point where hunger ceases, everything has been attained that the food-instinct craves. The pleasure which is connected with satiety consists, to begin with, in the removal of the pain which is caused by hunger. But to the mere food-instinct there is added a further need. For man does not merely desire to restore, by the consumption of food, the disturbance in the functioning of his organs, or to get rid of the pain of hunger, but he seeks to effect this to the accompaniment of pleasurable sensations of taste. When he feels hungry, and is within half an hour of a meal to which he looks forward with pleasure, he avoids spoiling his enjoyment of the better food by taking inferior food which might satisfy his hunger sooner. He needs hunger in order to get the full enjoyment out of his meal. Thus hunger becomes for him at the same time a cause of pleasure. Supposing all the hunger in the world could be satisfied, we should get the total quantity of pleasure which we owe to the existence of the desire for nourishment. But we should still have to add the additional pleasure which gourmets gain by cultivating the sensibility of their taste-nerves beyond the common measure.
The greatest conceivable value of this quantity of pleasure would be reached, if no need remained unsatisfied which was in any way connected with this kind of pleasure, and if with the smooth of pleasure we had not at the same time to take a certain amount of the rough of pain.
Modern Science holds the view that Nature produces more life than it can maintain, i.e., that Nature also produces more hunger than it is able to satisfy. The surplus of life thus produced is condemned to a painful death in the struggle for existence. Granted that the needs of life are, at every moment of the world-process, greater than the available means of satisfaction, and that the enjoyment of life is correspondingly diminished, yet such enjoyment as actually occurs is not one whit reduced thereby. Wherever a desire is satisfied, there the corresponding quantity of pleasure exists, even though in the creature itself which desires, or in its fellow-creatures, there are a large number of unsatisfied instincts. What is diminished is not the quantity but the “value” of the enjoyment of life. If only a part of the needs of a living creature find satisfaction, it experiences still a corresponding pleasure. This pleasure is inferior in value in proportion as it is inadequate to the total demand of life within a given group of desires. We might represent this value as a fraction, the numerator of which is the actually experienced pleasure, whilst the denominator is the sum-total of needs. This fraction has the value 1 when the numerator and the denominator are equal, i.e., when all needs are also satisfied. The fraction becomes greater than 1 when a creature experiences more pleasure than its desires demand. It becomes smaller than 1 when the quantity of pleasure falls short of the sum total of desires. But the fraction can never have the value 0 so long as the numerator has any value at all, however small. If a man were to make up the account before his death and to distribute in imagination over the whole of life the quantity belonging to a particular instinct (e.g., hunger), as well as the demands of this instinct, then the total pleasure which he has experienced might have only a very small value, but this value would never become altogether nil. If the quantity of pleasure remains constant, then with every increase in the needs of the creature the value of the pleasure diminishes. The same is true for the totality of life in nature. The greater the number of creatures in proportion to those which are able fully to satisfy their instincts, the smaller is the average pleasure-value of life. The cheques on life's pleasure which are drawn in our favour in the form of our instincts, become increasingly less valuable in proportion as we cannot expect to cash them at their full face value. Suppose I get enough to eat on three days and am then compelled to go hungry for another three days, the actual pleasure on the three days of eating is not thereby diminished. But I have now to think of it as distributed over six days, and this reduces its “value” for my food-instinct by half. The same applies to the quantity of pleasure as measured by the degree of my need. Suppose I have hunger enough for two sandwiches and can only get one, the pleasure which this one gives me has only half the value it would have had if the eating of it had stilled my hunger. This is the way in which we determine the value of a pleasure in life. We determine it by the needs of life. Our desires supply the measure; pleasure is what is measured. The pleasure of stilling hunger has value only because hunger exists, and it has determinate value through the proportion which it bears to the intensity of the hunger.
Unfulfilled demands of our life throw their shadow even upon fulfilled desires, and thus detract from the value of pleasurable hours. But we may speak also of the present value of a feeling of pleasure. This value is the smaller, the more insignificant the pleasure is in proportion to the duration and intensity of our desire.
A quantity of pleasure has its full value for us when its duration and degree exactly coincide with our desire. A quantity of pleasure which is smaller than our desire diminishes the value of the pleasure. A quantity which is greater produces a surplus which has not been demanded and which is felt as pleasure only so long as, whilst enjoying the pleasure, we can correspondingly increase the intensity of our desire. If we are not able to keep pace in the increase of our desire with the increase in pleasure, then pleasure turns into displeasure. The object which would otherwise satisfy us, when it assails us unbidden makes us suffer. This proves that pleasure has value for us only so long as we have desires by which to measure it. An excess of pleasurable feeling turns into pain. This may be observed especially in those men whose desire for a given kind of pleasure is very small. In people whose desire for food is dulled, eating easily produces nausea. This again shows that desire is the measure of value for pleasure.
Now Pessimism might reply that an unsatisfied desire for food produces not only the pain of a lost enjoyment, but also positive ills, agony, and misery in the world. It appeals for confirmation to the untold misery of all who are harassed by anxieties about food, and to the vast amount of pain which for these unfortunates results indirectly from their lack of food. And if it wants to extend its assertion also to non-human nature, it can point to the agonies of animals which, in certain seasons, die from lack of food. Concerning all these evils the Pessimist maintains that they far outweigh the quantity of pleasure which the food-instinct brings into the world.
There is no doubt that it is possible to compare pleasure and pain one with another, and determine the surplus of the one or the other as we determine commercial gain or loss. But if Pessimists think that a surplus on the side of pain is a ground for inferring that life is valueless, they fall into the mistake of making a calculation which in actual life is never made.
Our desire, in any given case, is directed to a particular object. The value of the pleasure of satisfaction, as we have seen, will be the greater in proportion as the quantity of the pleasure is greater relatively to the intensity of our desire. [We disregard here the case where excessive increase of pleasure turns pleasure into pain.] It depends, further, on this intensity how large a quantity of pain we are willing to bear in order to gain the pleasure. We compare the quantity of pain, not with the quantity of pleasure, but with the intensity of our desire. He who finds great pleasure in eating will, by reason of his pleasure in better times, be more easily able to bear a period of hunger than one who does not derive pleasure from the satisfaction of the instinct for food. A woman who wants a child compares the pleasures resulting from the possession of a child, not with the quantities of pain due to pregnancy, birth, nursing, etc., but with her desire for the possession of the child.
We never aim at a certain quantity of pleasure in the abstract, but at concrete satisfaction of a perfectly determinate kind. When we are aiming at a definite object or a definite sensation, it will not satisfy us to be offered some other object or some other sensation, even though they give the same amount of pleasure. If we desire satisfaction of hunger, we cannot substitute for the pleasure which this satisfaction would bring a pleasure equally great but produced by a walk. Only if our desire were, quite generally, for a certain quantity of pleasure, would it have to die away at once if this pleasure were unattainable except at the price of an even greater quantity of pain. But because we desire a determinate kind of satisfaction, we experience the pleasure of realization even when, along with it, we have to bear an even greater pain. The instincts of living beings tend in a determinate direction and aim at concrete objects, and it is just for this reason that it is impossible, in our calculations, to set down as an equivalent factor the quantities of pain which we have to bear in the pursuit of our object. Provided the desire is sufficiently intense to be still to some degree in existence even after having overcome the pain—however great that pain, taken in the abstract, may be—the pleasure of satisfaction may still be enjoyed to its full extent. The desire, therefore, does not measure the pain directly against the pleasure which we attain, but indirectly by measuring the pain (proportionately) against its own intensity. The question is not whether the pleasure to be gained is greater than the pain, but whether the desire for the object at which we aim is greater than the inhibitory effect of the pain which we have to face. If the inhibition is greater than the desire, the latter yields to the inevitable, slackens, and ceases to strive. But inasmuch as we strive after a determinate land of satisfaction, the pleasure we gain thereby acquires an importance which makes it possible, once satisfaction has been attained, to allow in our calculation for the inevitable pain only in so far as it has diminished the intensity of our desire. If I am passionately fond of beautiful views, I never calculate the amount of pleasure which the view from the mountain-top gives me as compared directly with the pain of the toilsome ascent and descent; but I reflect whether, after having overcome all difficulties, my desire for the view will still be sufficiently intense. Thus pleasure and pain can be made commensurate only mediately through the intensity of the desire. Hence the question is not at all whether there is a surplus of pleasure or of pain, but whether the desire for pleasure is sufficiently intense to overcome the pain.
A proof for the accuracy of this view is to be found in the fact, that we put a higher value on pleasure when it has to be purchased at the price of great pain than when it simply falls into our lap like a gift from heaven. When sufferings and agonies have toned down our desire and yet after all our aim is attained, then the pleasure is all the greater in proportion to the intensity of the desire that has survived. Now it is just this proportion which, as I have shown (p. 137), represents the value of the pleasure. A further proof is to be found in the fact that all living creatures (including men) develop their instincts as long as they are able to bear the inhibiting pains and agonies. The struggle for existence is but a consequence of this fact. All living creatures strive to expand, and only those abandon the struggle whose desires are throttled by the overwhelming magnitude of the difficulties with which they meet. Every living creature seeks food until sheer lack of food destroys its life. Man, too, does not turn his hand against himself until rightly or wrongly, he believes that he cannot attain those aims in life which alone seem to him worth striving for. So long as he still believes in the possibility of attaining what he thinks worth striving for he will battle against all pains and miseries. Philosophy would have to convince man that striving is rational only when pleasure outweighs pain, for it is his nature to strive for the attainment of the objects which he desires, so long as he can bear the inevitable incidental pain, however great that may be. Such a philosophy, however, would be mistaken, because it would make the human will dependent on a factor (the surplus of pleasure over pain) which, at first, is wholly foreign to man's point of new. The original measure of his will is his desire, and desire asserts itself as long as it can. If I am compelled, in purchasing a certain quantity of apples, to take twice as many rotten ones as sound ones—because the seller wishes to clear out his stock—I shall not hesitate a moment to take the bad apples as well, if I put so high a value on the smaller quantity of good apples that I am prepared, in addition to the purchase price, to bear also the expense for the transportation of the rotten goods. This example illustrates the relation between the quantities of pleasure and of pain which are caused by a given instinct. I determine the value of the good apples, not by subtracting the sum of the good from that of the bad ones, but by the fact that, in spite of the presence of the bad ones, I still attach a value to the good ones.
Just as I leave out of account the bad apples in the enjoyment of the good ones, so I surrender myself to the satisfaction of a desire after having shaken off the inevitable pains.
Supposing even Pessimism were in the right with its assertion that the world contains more pain than pleasure, it would nevertheless have no influence upon the will, for living beings would still strive after such pleasure as remains. The empirical proof that pain overbalances pleasure is indeed effective for showing up the futility of that school of philosophy which looks for the value of life in a surplus of pleasure (Eudæmonism), but not for exhibiting the will, as such, as irrational. For the will is not set upon a surplus of pleasure, but on whatever quantity of pleasure remains after subtracting the pain. This remaining pleasure still appears always as an object worth pursuing.
An attempt has been made to refute Pessimism by asserting that it is impossible to determine by calculation the surplus of pleasure or of pain in the world. The possibility of every calculation depends on our being able to compare the things to be calculated in respect of their quantity. Every pain and every pleasure has a definite quantity (intensity and duration). Further, we can compare pleasurable feelings of different kinds one with another, at least approximately, with regard to their intensity. We know whether we derive more pleasure from a good cigar or from a good joke. No objection can be raised against the comparability of different pleasures and pains in respect of their intensity. The thinker who sets himself the task of determining the surplus of pleasure or pain in the world, starts from presuppositions which are undeniably legitimate. It is possible to maintain that the Pessimistic results are false, but it is not possible to doubt that quantities of pleasure and pain can be scientifically estimated, and that the surplus of the one or the other can thereby be determined. It is incorrect, however, to assert that from this calculation any conclusions can be drawn for the human will. The cases in which we really make the value of our activity dependent on whether pleasure or pain shows a surplus, are those in which the objects towards which our activity is directed are indifferent to us. If it is a question whether, after the day's work, I am to amuse myself by a game or by light conversation, and if I am totally indifferent what I do so long as it amuses me, then I simply ask myself, What gives me the greatest surplus of pleasure? And I abandon the activity altogether if the scales incline towards the side of displeasure. If we are buying a toy for a child we consider, in selecting, what will give him the greatest pleasure, but in all other cases we are not determined exclusively by considerations of the balance of pleasure.
Hence, if Pessimistic thinkers believe that they are preparing the ground for an unselfish devotion to the work of civilization, by demonstrating that there is a greater quantity of pain than of pleasure in life, they forget altogether that the human will is so constituted that it cannot be influenced by this knowledge. The whole striving of men is directed towards the greatest possible satisfaction that is attainable after overcoming all difficulties. The hope of this satisfaction is the basis of all human activity. The work of every single individual and the whole achievement of civilization have their roots in this hope. The Pessimistic theory of Ethics thinks it necessary to represent the pursuit of pleasure as impossible, in order that man may devote himself to his proper moral tasks. But these moral tasks are nothing but the concrete natural and spiritual instincts; and he strives to satisfy these notwithstanding all incidental pain. The pursuit of pleasure, then, which the Pessimist sets himself to eradicate is nowhere to be found. But the tasks which man has to fulfil are fulfilled by him because from his very nature he wills to fulfil them. The Pessimistic system of Ethics maintains that a man cannot devote himself to what he recognizes as his task in life until he has first given up the desire for pleasure. But no system of Ethics can ever invent other tasks than the realization of those satisfactions which human desires demand, and the fulfilment of man's moral ideas. No Ethical theory can deprive him of the pleasure which he experiences in the realization of what he desires. When the Pessimist says, “Do not strive after pleasure, for pleasure is unattainable; strive instead after what you recognize to be your task,” we must reply that it is human nature to strive to do one's tasks, and that philosophy has gone astray in inventing the principle that man strives for nothing but pleasure. He aims at the satisfaction of what his nature demands, and the attainment of this satisfaction is to him a pleasure. Pessimistic Ethics, in demanding that we should strive, not after pleasure, but after the realization of what we recognize as our task, lays its finger on the very thing which man wills in virtue of his own nature. There is no need for man to be turned inside out by philosophy, there is no need for him to discard his nature, in order to be moral. Morality means striving for an end so long as the pain connected with this striving does not inhibit the desire for the end altogether; and this is the essence of all genuine will. Ethics is not founded on the eradication of all desire for pleasure, in order that, in its place, bloodless moral ideas may set up their rule where no strong desire for pleasure stands in their way, but it is based on the strong will which attains its end even when the path to it is full of thorns.
Moral ideals have their root in the moral imagination of man. Their realization depends on the desire for them being sufficiently intense to overcome pains and agonies. They are man's own intuitions. In them his spirit braces itself to action. They are what he wills, because their realization is his highest pleasure. He needs no Ethical theory first to forbid him to strive for pleasure and then to prescribe to him what he shall strive for. He will, of himself, strive for moral ideals provided his moral imagination is sufficiently active to inspire him with the intuitions, which give strength to his will to overcome all resistance.
If a man strives towards sublimely great ideals, it is because they are the content of his will, and because their realization will bring him an enjoyment compared with which the pleasure which inferior spirits draw from the satisfaction of their commonplace needs is a mere nothing. Idealists delight in translating their ideals into reality.
Anyone who wants to eradicate the pleasure which the fulfilment of human desires brings, will have first to degrade man to the position of a slave who does not act because he wills, but because he must. For the attainment of the object of will gives pleasure. What we call the good is not what a man must do, but what he wills to do when he unfolds the fullness of his nature. Anyone who does not acknowledge this must deprive man of all the objects of his will, and then prescribe to him from without what he is to make the content of his will.
Man values the satisfaction of a desire because the desire springs from his own nature. What he attains is valuable because it is the object of his will. If we deny any value to the ends which men do will, then we shall have to look for the ends that are valuable among objects which men do not will.
A system of Ethics, then, which is built up on Pessimism has its root in the contempt of man's moral imagination. Only he who does not consider the individual human mind capable of determining for itself the content of its striving can look for the sum and substance of will in the craving for pleasure. A man without imagination does not create moral ideas; they must be imparted to him. Physical nature sees to it that he seeks the satisfaction of his lower desires; but for the development of the whole man the desires which have their origin in the spirit are fully as necessary. Only those who believe that man has no such spiritual desires at all can maintain that they must be imparted to him from without. On that view it will also be correct to say that it is man's duty to do what he does not will to do. Every Ethical system which demands of man that he should suppress his will in order to fulfil tasks which he does not will, works, not with the whole man, but with a stunted being who lacks the faculty of spiritual desires. For a man who has been harmoniously developed, the so-called ideas of the Good lie, not without, but within the range of his will. Moral action consists, not in the extirpation of one's individual will, but in the fullest development of human nature. To regard moral ideals as attainable only on condition that man destroys his individual will, is to ignore the fact that these ideals are as much rooted in man's will as the satisfaction of the so-called animal instincts.
It cannot be denied that the views here outlined may easily be misunderstood. Immature youths without any moral imagination like to look upon the instincts of their half developed natures as the full substance of humanity, and reject all moral ideas which they have not themselves originated, in order that they may “live themselves out” without restriction. But it goes without saying that a theory which holds for a fully developed man does not hold for half-developed boys. Anyone who still requires to be brought by education to the point where his moral nature breaks through the shell of his lower passions, cannot expect to be measured by the same standard as a mature man. But it was not my intention to set down what a half-fledged youth requires to be taught, but the essential nature of a mature man.
Every mature man is the maker of his own value. He does not aim at pleasure, which comes to him as a gift of grace on the part of nature or of the Creator; nor does he live for the sake of what he recognizes as duty, after he has put away from him the desire for pleasure. He acts as he wills, that is, in accordance with his moral intuitions; and he finds in the attainment of what he wills the true enjoyment of life. He determines the value of his life by measuring his attainments against his aims. An Ethical system which puts “ought” in the place of “will,” duty in the place of inclination, is consistent in determining the value of man by the ratio between the demands of duty and his actual achievements. It applies to man a measure that is external to his own nature. The view which I have here developed points man back to himself. It recognizes as the true value of life nothing except what each individual regards as such by the measure of his own will. A value of life which the individual does not recognize is as little acknowledged by my views as a purpose of life which does not spring from the value thus recognized. My view looks upon the individual as his own master and the assessor of his own value.
