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The Rudolf Steiner Archive

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The Origin and Purpose of Humanity
Basic Concepts of Spiritual Science
GA 53

2 March 1905, Berlin

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The Origin and Purpose of Humanity, tr. SOL
  1. Die Offenbarungen des Karma, 8th ed.

18. Goethes geheime Offenbarung III

18. Goethe's Secret Revelation III

«Die Neue Melusine» und «Der Neue Paris»

“The New Melusine” and “The New Paris”

[ 1 ] In den beiden vorhergehenden Vorträgen versuchte ich, die Grundsinnbilder in Goethes tiefsinnigem Märchen auseinanderzusetzen. Wir haben gesehen, wie Goethe, wie die Mystiker aller Zeiten, die Wahrheiten, die sie zu den tiefsten rechneten, in bezeichnenden farbigen Sinnbildern gegeben hat.

[ 1 ] In the two previous lectures, I attempted to analyze the fundamental symbols in Goethe’s profound fairy tale. We have seen how Goethe, like the mystics of all ages, expressed the truths he considered most profound through evocative, colorful symbols.

[ 2 ] Heute gestatten Sie mir, noch zwei andere Märchen hinzuzufügen: «Die neue Melusine» und das sogenannte Knabenmärchen «Der neue Paris». Es könnte vielleicht scheinen, daß etwas Gekünsteltes, Ausgetüfteltes in diesen Märchen läge, aber Sie werden sehen, wenn Sie sich in diese Bilder hineinvertiefen, daß auch hier nur eine esoterische, mystische Interpretation es ermöglicht, eine Erklärung herbeizuführen.

[ 2 ] Today, allow me to add two more fairy tales: “The New Melusine” and the so-called boys’ fairy tale “The New Paris.” It might perhaps seem that there is something contrived or contrived about these fairy tales, but you will see, if you immerse yourself in these images, that here too only an esoteric, mystical interpretation makes it possible to arrive at an explanation.

[ 3 ] Goethe hat das Märchen von der «Neuen Melusine» an einer bezeichnenden Stelle seinen «Wanderjahren» eingefügt (1807). Wer eindringt in Goethes Geist, wird sich niemals der oberflächlichen Anschauung hingeben, daß es sich für ihn hier nur um ein Nebeneinanderstellen von Bildern wie im Kaleidoskop, um ein bloßes Spiel mit Bildern handeln könne. Sondern er wird einsehen, daß Goethe hier sein tiefstes Inneres zum Ausdruck brachte.

[ 3 ] Goethe inserted the fairy tale of “The New Melusine” at a significant point in his *Wanderjahre* (1807). Anyone who delves into Goethe’s mind will never succumb to the superficial view that this was merely a juxtaposition of images, like in a kaleidoscope, or a mere play with images. Rather, they will realize that Goethe was expressing his deepest inner self here.

[ 4 ] Ein Mann erzählt es, der, um seine Seele zu höheren Fähigkeiten hinaufzuentwickeln, «auf die Sprache Verzicht getan hat, insofern etwas Gewöhnliches oder Zufälliges durch sie ausgedrückt wird; daraus aber hat sich ihm ein anderes Redetalent entwickelt, welches absichtlich klug und erfreulich wirkt». — Wie dieser Mann, hat auch Wilhelm Meister selbst mit Geheimbünden zu tun, wird gelenkt von geheimnisvollen Führern.

[ 4 ] A man recounts that, in order to elevate his soul to higher capacities, he “has renounced language insofar as it is used to express anything ordinary or incidental; from this, however, a different talent for speech has developed in him, one that intentionally appears wise and delightful.” — Like this man, Wilhelm Meister himself is involved with secret societies and is guided by mysterious leaders.

[ 5 ] Der Mann wiederholt und ordnet die reichen Erfahrungen seines Lebens im stillen Sinn. Hiermit verbindet sich Einbildungskraft und verleiht dem Geschehenen Leben und Bewegung. Es ist also ein Philosoph, der in diesem Märchen zu uns spricht, und in dem Augenblick, als er zum Schluß der Erzählung die Sehnsucht bekommt, seine Seele zu höherem Zustand zu entwickeln, versteht er auch die Ideale der Philosophen.

[ 5 ] The man reflects on and organizes the rich experiences of his life in his quiet mind. This is combined with imagination, which brings life and movement to what has happened. It is, therefore, a philosopher who speaks to us in this fairy tale, and at the moment when, at the end of the story, he feels the longing to elevate his soul to a higher state, he also comes to understand the ideals of the philosophers.

[ 6 ] Lassen wir nun das Märchen von der «Neuen Melusine» in seinen Hauptzügen an der Seele vorüberziehen, die tief hineinführen in Goethes Wesen.

[ 6 ] Let us now allow the main themes of the fairy tale of the “New Melusine” to pass before our minds, as they lead us deep into Goethe’s very being.

[ 7 ] Ein junger Mann lernt in einem Gasthofe eine merkwürdige Frau kennen, die großen Eindruck auf ihn macht. Er sieht, wie sie ein Kästchen mit sich führt und sorgfältig verwahrt. Er fragt, ob er nicht etwas für sie tun könne, ihr einen Gefallen erweisen. Sie bittet ihn, da sie sich einige Tage hier aufhalten müsse, statt ihrer die Reise mit dem Kästchen fortzusetzen. Er solle aber stets ein besonderes Zimmer für das Kästchen nehmen und es mit besonderem Schlüssel abschließen, damit die Türe für keinen anderen Schlüssel aufschließbar sei. Er reist ab. Unterwegs geht ihm das Geld aus; die Dame erscheint und hilft ihm weiter. Wieder verausgabt er das Geld; er glaubt, daß in dem Kästchen etwas sein könne, was sich zu Geld machen ließe. Er entdeckt eine Ritze in dem Kästchen, blickt hinein, etwas Helles schimmert darin. Er sieht ein Wohngemach mit einem ganzen Zwergenvolk, darunter das Mädchen. Es ist also in zweifacher Gestalt vorhanden, außen in einer großen, drinnen in einer kleinen Ausgabe. Er erschrickt heftig; die Dame erscheint ihm wieder, und er erhält Aufschluß, wie es sich mit dem Kästchen verhält. Die Dame sagt ihm, daß ihre wahre Gestalt die der Zwergin sei.

[ 7 ] A young man meets a strange woman at an inn who makes a great impression on him. He notices that she is carrying a small box and guarding it carefully. He asks if there is anything he can do for her, if he can do her a favor. She asks him, since she must stay here for a few days, to continue the journey with the box in her place. However, he must always take a separate room for the box and lock it with a special key so that the door cannot be opened by any other key. He sets off. On the way, he runs out of money; the lady appears and helps him out. He spends the money again; he believes there might be something in the box that could be turned into money. He discovers a crack in the box, looks inside, and sees something bright shimmering within. He sees a living quarters filled with a whole tribe of dwarves, including the girl. So it exists in two forms: a large one on the outside and a small one on the inside. He is terribly frightened; the lady appears to him again, and he learns the truth about the box. The lady tells him that her true form is that of the dwarf girl.

[ 8 ] Dies Geschlecht der Zwerge sei lange vor den Menschen dagewesen, als sich die Erde noch im feurigen Zustande befunden. Es hatte sich nicht erhalten können, weil ein Geschlecht von Drachen es bekriegte. Um die Zwerge zu retten, wird ein Geschlecht der Riesen geschaffen, doch diese stellen sich bald auf die Seite der Drachen, so daß zum Schutze der Zwerge, die sich in die Berge zurückzogen, noch ein neues Geschlecht der Ritter, oder wie es in der ursprünglichen Fassung hieß, der Helden entstehen mußte. Damit stehen nun einerseits Drachen und Riesen, andererseits Zwerge und Helden sich gegenüber. Die Zwerge aber werden immer kleiner, so daß die Notwendigkeit entsteht, daß von Zeit zu Zeit jemand aus ihrem Geschlecht an die Oberwelt kommt, um aus dem Reich der Menschen neue Kraft zu holen.

[ 8 ] This race of dwarves is said to have existed long before humans, when the earth was still in a fiery state. It was unable to survive because a race of dragons waged war against it. To save the dwarves, a race of giants was created, but they soon sided with the dragons, so that to protect the dwarves, who had retreated into the mountains, yet another new race of knights—or, as it was called in the original version, heroes—had to emerge. Thus, dragons and giants now stand against dwarves and heroes. But the dwarves are growing smaller and smaller, so that it becomes necessary for someone from their race to come to the overworld from time to time to draw new strength from the realm of men.

[ 9 ] Der Jüngling will sich mit der Dame verbinden, und nach einigen anderen Abenteuern sagt sie ihm, daß er dazu selbst Zwerg werden müsse. Sie streift ihm einen Ring auf den Finger, der Jüngling wird klein wie ein Zwerg und geht nun selbst ein in die Welt, die er in dem Kästchen gesehen hat. Er ist nun mit der Dame vereint. Aber bald erwacht Sehnsucht nach dem Lande der Menschen in ihm, er verschafft sich eine Feile, sägt den Ring durch, schießt plötzlich empor und ist wieder Mensch.

[ 9 ] The young man wishes to be united with the lady, and after a few more adventures, she tells him that to do so, he must become a dwarf himself. She slips a ring onto his finger; the young man shrinks to the size of a dwarf and now enters the world he had seen in the box. He is now united with the lady. But soon a longing for the land of humans awakens within him; he procures a file, saws through the ring, shoots suddenly upward, and is human once more.

[ 10 ] Goethe macht am Ende des Märchens, als im Jüngling die Sehnsucht erwacht, wieder Mensch zu sein, eine interessante Bemerkung, die wichtig ist, um das Märchen zu verstehen. Er läßt den Jüngling sagen: «Nun begriff ich zum ersten Mal, was die Philosophen unter ihren Idealen verstehen möchten, wodurch die Menschen so gequält sein sollen. Ich hatte ein Ideal von mir selbst, und erschien mir manchmal im Traum wie ein Riese!»

[ 10 ] At the end of the fairy tale, when the young man feels a longing to become human again, Goethe makes an interesting remark that is key to understanding the story. He has the young man say: “Now, for the first time, I understood what the philosophers mean by their ideals, which are said to torment people so much. I had an ideal of myself, and sometimes in my dreams I appeared to myself as a giant!”

[ 11 ] Wir wollen nun sehen, was Goethe mit diesem Märchen hat sagen wollen. Das Zwergengeschlecht, geschaffen vor Drachen, Riesen und Menschen, führt uns auf die Fährte. Das Volk der Zwerge «ist noch immer wie vor alters tätig und geschäftig. Sonst, in alten Zeiten, waren Schwerter, die den Feind verfolgten, wenn man sie ihm nachwarf, unsichtbar und geheimnisvoll bindende Ketten, undurchdringliche Schilder ihre berühmtesten Arbeiten. Jetzt aber beschäftigen sie sich hauptsächlich mit Sachen der Bequemlichkeit und des Putzes.» Da wird hingewiesen auf das, was die Mystiker nennen das «Fünkchen» in der Menschenseele, das Ich des Menschen, das die Gottheit in den Menschenleib hineinsenkte. Dieses Ich des Menschen hatte einstmals Zauberkräfte, geheime magische Kräfte; jetzt dient es dazu, dem Menschen die Erde in allen Werken der Kultur dienstbar zu machen; in alledem wirkt der Menschengeist, das Ich.

[ 11 ] Let us now see what Goethe intended to convey with this fairy tale. The race of dwarves, created before dragons, giants, and humans, puts us on the right track. The people of the dwarves “are still as active and industrious as in ancient times. In the old days, their most famous works were swords that pursued the enemy when thrown at them, invisible and mysteriously binding chains, and impenetrable shields. Now, however, they are mainly concerned with matters of comfort and adornment.” Here reference is made to what the mystics call the “spark” in the human soul, the human ego, which the Deity implanted into the human body. This human ego once possessed magical powers, secret magical forces; now it serves to make the earth subservient to humanity in all works of culture; in all this, the human spirit, the ego, is at work.

[ 12 ] Was ist das Kästchen? Eine Welt, eine kleine Welt zwar, aber eine vollständige Welt. Der Mensch ist ein Mikrokosmos, eine kleine Welt in einer großen. Das Kästchen ist nichts als ein Bild der menschlichen Seele selbst. Der menschliche Verstand, das Gegenwartsbewußtsein, wie wir es im Märchen von der grünen Schlange in der Frau des Alten kennengelernt haben, ist das, was Bilder der ganzen großen Welt entwirft, Bilder im kleinen. Was ist es, das in der Menschenseele als die Summe der Gedanken zusammengefaßt ist? Der geistige Funke ist es. Könnten wir hineinsehen in die menschliche Seele, so würden wir den geistigen Funken, der in ferner Vergangenheit in dem nur mit dumpfem Traumbewußtsein begabten Menschen entzündet wurde, entdecken mit dem Keim der zukünftigen Stufen. Vorausgegangen allen physischen Zuständen ist dieser geistige Funke, der in der menschlichen Seele glimmt. Gegenüber der künftigen Größe, der Vollendung des Menschen ist das, was heute in ihm lebt, nur Same, nur Zwerghaftes.

[ 12 ] What is the box? A world—a small world, to be sure, but a complete world. Man is a microcosm, a small world within a larger one. The box is nothing less than an image of the human soul itself. The human mind, the consciousness of the present, as we have come to know it in the fairy tale of the green snake in the old man’s wife, is what creates images of the whole great world, images in the small. What is it that is summed up in the human soul as the sum of thoughts? It is the spiritual spark. If we could look into the human soul, we would discover the spiritual spark, which was kindled in the distant past in a human being endowed only with a dull dream-consciousness, along with the seed of future stages. Preceding all physical states is this spiritual spark, which glows within the human soul. Compared to the future greatness, the perfection of the human being, what lives within him today is but a seed, but a dwarf.

[ 13 ] Früher gab es andere Menschenrassen; vor der unseren lebten die Atlantier, vorher die Lemurier und so weiter. In der Mitte dieser dritten, der lemurischen Rasse geschah die Begabung mit dem geistigen Funken, mit dem Bewußtsein. Das Ich ist im Menschen der Keim des Ewigen, der sich durch Entwickelung des Menschen zu selbstbewußtem Leben emporringen kann.

[ 13 ] In the past, there were other human races; before ours came the Atlanteans, before them the Lemurians, and so on. It was in the midst of this third, the Lemurian race, that the endowment with the spiritual spark—with consciousness—took place. The “I” is the seed of the eternal within the human being, which, through human development, can strive upward to self-conscious life.

[ 14 ] Dieses Bewußtsein kam von einer anderen Welt, war also dem Ursprung des Menschen vorangegangen und früher da als die anderen Bestandteile des Menschen (Kamamanas). Es ist dieses Ich-Bewußtsein heute noch mit der Leidenschaft gepaart. Der wahre Philosoph strebt danach, das Göttliche im Menschen vom Sinnlichen zu befreien, damit es sich seines göttlichen Ursprungs bewußt wird; Manas wird befreit von Kama. Dies befreite Manas wird dann aus sich heraus entwickeln die Buddhi, das Bewußtsein des Seins in der göttlichen Welt, um dann zu Atma zu streben.

[ 14 ] This consciousness came from another world; it thus preceded the origin of humankind and existed earlier than the other components of the human being (Kamamanas). Even today, this sense of self is still paired with passion. The true philosopher strives to liberate the divine in humanity from the sensual, so that it may become aware of its divine origin; Manas is liberated from Kama. This liberated Manas will then develop from within itself the Buddhi, the consciousness of being in the divine world, in order to then strive toward Atma.

[ 15 ] Wir wissen, daß diese geistige Wesenheit des Menschen durch die verschiedensten Gestalten hindurchgegangen ist. Einer dieser Zustände wird als der der Drachen bezeichnet. Auch in der «Geheimlehre» von H. P. Blavatsky hören wir von feurigen Drachen als Sinnbildern der Zeit, in der der Mensch aus seiner höheren Geistigkeit herabgestiegen ist.

[ 15 ] We know that this spiritual essence of the human being has passed through a wide variety of forms. One of these states is referred to as that of the dragons. In H. P. Blavatsky’s *The Secret Doctrine*, we also hear of fiery dragons as symbols of the time when humanity descended from its higher spirituality.

[ 16 ] Der Durchgang durch die rohe physische Gestalt wird durch die Riesen dargestellt. Der Mensch muß veredelt werden, er steigt hinauf zu immer feineren Gestalten, er wird zum Helden, zum Ritter. Diese Geistesritter haben immer gesucht, das Bündnis zu schließen mit dem Ideal wahrer Menschlichkeit; sie sollen mit den Zwergen in guter Eintracht leben. «Und es findet sich, daß nachher Riesen und Drachen, sowie die Ritter und Zwerge immer zusammengehalten haben.»

[ 16 ] The passage through the crude physical form is represented by the giants. Man must be ennobled; he ascends to ever finer forms; he becomes a hero, a knight. These knights of the spirit have always sought to form an alliance with the ideal of true humanity; they are meant to live in harmony with the dwarves. “And it comes to pass that thereafter giants and dragons, as well as the knights and dwarves, have always held together.”

[ 17 ] Nun wird von der Frau erzählt, «daß alles, was einmal groß gewesen ist, klein werden und abnehmen muß; so sind auch wir in dem Falle, daß wir seit der Erschaffung der Welt immer abnehmen und kleiner werden, vor allen andern aber die königliche Familie.» Daher muß «von Zeit zu Zeit eine Prinzessin aus dem königlichen Hause heraus in das Land gesendet werden, um sich mit einem ehrsamen Ritter zu vermählen, damit das Zwergengeschlecht wieder angefrischt und vom gänzlichen Verfall gerettet sei». Denn der nachgeborene Bruder ist so klein ausgefallen, «daß ihn die Wärterinnen sogar aus den Windeln verloren haben und man nicht weiß, wo er hingekommen ist.»

[ 17 ] Now the woman is said to have remarked, “Everything that was once great must eventually grow small and diminish; we, too, are in the same situation, for since the creation of the world we have been steadily diminishing and growing smaller, but above all the royal family.” Therefore, “from time to time, a princess must be sent out from the royal house into the land to marry an honorable knight, so that the dwarf lineage may be refreshed and saved from complete decline.” For the younger brother turned out to be so small “that the nurses even lost him from his swaddling clothes, and no one knows where he has gone.”

[ 18 ] Ein Ring wird nun geholt — der Ring ist immer ein Symbolum für die Persönlichkeit - und durch diesen Ring wird der Zwerg Mensch und verbindet sich mit dem Geistesritter.

[ 18 ] A ring is now brought forth—the ring is always a symbol of the personality—and through this ring, the dwarf becomes human and unites with the Spirit Knight.

[ 19 ] Wodurch kommt das Geschlecht der Zwerge zur Entwikkelung? Dadurch, daß es durchgeht durch die physische Menschlichkeit, durch die verschiedenen Bewußtseinszustände. Wodurch entwickelt sich das gegenwärtige Bewußtsein weiter? Durch das Gesetz der karmischen Menschenentwickelung. Betrachten wir es zunächst an einem Beispiel. Das Kind lernt lesen und schreiben; die Anstrengungen, die Übungen, die es dabei macht, dies alles geht vorüber; geblieben ist die Fähigkeit, zu lesen und zu schreiben. Die Frucht seiner Mühen hat der Mensch in sich aufgenommen. Was zunächst außen war, in der physischen Natur verbreitet, ist ein Teil seiner selbst geworden. «Was du heute denkst und tust, bist du morgen», oder wie es die Bibel ausdrückt: «Was ihr sät, werdet ihr ernten.»

[ 19 ] How does the race of dwarves evolve? By passing through physical humanity and the various states of consciousness. How does present-day consciousness continue to develop? Through the law of karmic human evolution. Let us first consider an example. The child learns to read and write; the efforts and exercises involved in this process all pass away; what remains is the ability to read and write. The fruit of their labor has been absorbed into the person. What was initially external, spread out in physical nature, has become a part of themselves. “What you think and do today, you will be tomorrow,” or as the Bible puts it: “What you sow, you will reap.”

[ 20 ] Wir sind die Produkte vergangener Zeiten. Leer würde unsere Seele sein, wenn sie nicht aus der äußeren Welt Erfahrung sammelte. Wie würde die Seele dahinschwinden, wenn sie nicht aus der Außenwelt die Lektionen aufnehmen würde.

[ 20 ] We are the products of times past. Our soul would be empty if it did not gain experience from the outside world. How would the soul fade away if it did not learn the lessons from the outside world.

[ 21 ] Wenn wir die Dinge, die wir erfahren, wirklich in unserem Selbst machen wollen, müssen wir sie verarbeiten. Das ist das Gesetz der Evolution und Involution, durch das wir unsere Wesenheit steigern. Wir müssen aus der Umgebung Kraft sammeln. Wir sammeln Erfahrungen in der Außenwelt, um sie uns zum geistigen Eigentum zu machen. Der Geist verarbeitet dann in den Feierstunden die Erfahrung, die er eingesammelt hat, um immer wieder zurückzukehren in die Außenwelt. Unsere Begriffe würden verkümmern, wenn wir uns zurückziehen würden von der Außenwelt. Es ist ein geistiger Atmungsprozeß, ein «Geben und Nehmen». Unsere Innenwelt entwickeln wir nach außen, die Außenwelt saugen wir ein. Diesen Evolutions- und Involutionsprozeß hat Goethe in diesem Märchen in bedeutungsvoller Weise dargestellt. Darauf deuten die Worte des Jünglings über das, was man Ideale nennt. Ideale sind, was jetzt noch nicht ist, was in der Zukunft verwirklicht werden soll. Das, was den Menschen heraushebt über alles andere, ist die Möglichkeit, daß er sich Ideale aufstellt, ist die Möglichkeit, einer höheren Zukunft entgegenzugehen. Dadurch, daß der Mensch der Wirklichkeit die Möglichkeit gibt, in eine höhere Zukunft hineinzuwachsen, pflegt er den Idealismus.

[ 21 ] If we truly want to internalize the things we experience, we must process them. This is the law of evolution and involution, through which we elevate our being. We must draw strength from our surroundings. We gather experiences in the outer world in order to make them our own spiritual property. During moments of contemplation, the spirit then processes the experiences it has gathered, only to return again and again to the outer world. Our concepts would wither away if we were to withdraw from the outer world. It is a spiritual breathing process, a “give and take.” We project our inner world outward; we absorb the outer world. Goethe has depicted this process of evolution and involution in a meaningful way in this fairy tale. This is what the young man’s words about what are called ideals point to. Ideals are what do not yet exist, what is to be realized in the future. What sets human beings apart from everything else is the ability to set ideals for themselves, the ability to move toward a higher future. By giving reality the opportunity to grow into a higher future, human beings cultivate idealism.

[ 22 ] Schön hat Goethe diese Wahrheit auch zum Ausdruck gebracht in dem Märchen vom «Neuen Paris». In diesem Märchen spricht Goethe von sich selbst. Es steht am Anfang von «Dichtung und Wahrheit». Kurz vorher, in «Dichtung und Wahrheit», sucht das junge Kind Goethe, «sich dem großen Gotte der Natur, dem Schöpfer und Erhalter Himmels und der Erden» auf eine Weise zu nähern, indem er ihm einen Altar errichtet. «Naturprodukte sollten die Welt im Gleichnis vorstellen, über diesen sollte eine Flamme brennen und das zu seinem Schöpfer sich aufsehnende Gemüt des Menschen bedeuten.» Der Knabe entzündet die Flamme der Räucherkerzchen an dem Licht der aufgehenden Sonne. Aber er beschädigt dabei allerlei und kommt zum Schluß, «wie gefährlich es überhaupt sei, sich Gott auf dergleichen Wegen nähern zu wollen». Daß es für Goethe feststand, daß der Weg, sich der Gottheit zu nähern, nur darin bestehen könne, daß der Mensch die in ihm schlummernden Fähigkeiten auferwecke, haben wir im Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie zeigen können. Auch in dem «Knabenmärchen» weist er hin auf diesen Weg.

[ 22 ] Goethe also beautifully expressed this truth in the fairy tale “The New Paris.” In this tale, Goethe speaks of himself. It appears at the beginning of *Poetry and Truth*. Shortly before that, in “Poetry and Truth,” the young Goethe seeks to “draw near to the great God of Nature, the Creator and Sustainer of heaven and earth” by erecting an altar to Him. “Natural products were to represent the world in a parable; above them a flame was to burn, symbolizing the human mind looking up to its Creator.” The boy lights the incense sticks by the light of the rising sun. But in doing so, he damages all sorts of things and comes to the conclusion “how dangerous it is, in general, to try to approach God in such ways.” We have shown in the fairy tale of the green snake and the beautiful lily that Goethe was convinced that the only way to approach the divine is for man to awaken the abilities slumbering within him. In the “Boy’s Fairy Tale” as well, he points to this path.

[ 23 ] Dies Märchen beginnt damit, daß Goethe schildert, wie ihm als Knaben am Pfingstsonntage im Traum der Gott Merkur erscheint und ihm drei schöne Äpfel schenkt, einen roten, gelben und grünen. Sie verwandeln sich in seiner Hand in Edelsteine und er erblickt darin drei weibliche Gestalten, für die er auf Geheiß Merkurs drei würdige Jünglinge auswählen soll.

[ 23 ] This fairy tale begins with Goethe describing how, as a boy on Pentecost Sunday, the god Mercury appeared to him in a dream and gave him three beautiful apples—a red one, a yellow one, and a green one. In his hand, they transform into gemstones, and he beholds within them three female figures, for whom he is to select three worthy young men at Mercury’s behest.

[ 24 ] Während er sie anstaunt, entschwinden sie ihm; ein viertes weibliches Wesen erscheint, tanzt auf seiner Hand und versetzt ihm, da er es erhaschen will, einen Schlag auf die Stirn, so daß er die Besinnung verliert.

[ 24 ] As he stares at them in amazement, they vanish; a fourth female figure appears, dances on his hand, and, as he tries to catch her, strikes him on the forehead, causing him to lose consciousness.

[ 25 ] Als er erwacht, kleidet er sich festlich an, um Besuche zu machen und kommt vor das Tor, wo er in der Mauer eine seltsame Pforte findet. Sie hat keinen Schlüssel.

[ 25 ] When he wakes up, he dresses in his finest clothes to go visiting and comes to the gate, where he finds a strange opening in the wall. It has no key.

[ 26 ] Ein Mann mit langem Bart öffnet von innen; er gleicht einem Orientalen, schlägt aber ein Kreuz und zeigt so, daß er ein Christ sei. Er zeigt dem Knaben den Garten, der wunderbar schön ist. Aus den Büschen rufen die Vögel ganz deutlich: «Paris», «Paris», dann wieder «Narziß», «Narziß».

[ 26 ] A man with a long beard opens the door from the inside; he looks like an Oriental, but he makes the sign of the cross, thus showing that he is a Christian. He shows the boy the garden, which is wonderfully beautiful. From the bushes, the birds call out clearly: “Paris,” “Paris,” then again “Narcissus,” “Narcissus.”

[ 27 ] Dann erblickt der neue Paris einen noch herrlicheren Garten hinter einer Art von lebendiger Mauer. Er fragt, ob er eintreten dürfe. Der Alte erlaubt es, nachdem er Hut und Degen abgelegt hat. Von der Hand des Alten geführt, sieht er noch Wundervolleres. Er erblickt hinter einem Gitter von Schwertern und Partisanen einen noch schöneren Garten, von einem Kanal umgeben. Jetzt muß er erst ein anderes Gewand anlegen; er erhält eine Art orientalischen Kostüms. Warnend werden ihm drei merkwürdige Stricke gezeigt. Jetzt legen die Schwerter und Partisanen sich über das Wasser und bilden eine goldene Brücke, und er tritt herein. Drüben kommt ihm das Mädchen entgegen, das er tanzend auf seiner Hand gehabt hat und das ihm entschlüpft ist. Es führt ihn zu den drei Damen aus den Äpfeln, die hier in die entsprechenden Gewänder gekleidet sind und gewisse Instrumente spielen.

[ 27 ] Then the new Paris catches sight of an even more magnificent garden behind a sort of living wall. He asks if he may enter. The old man grants permission after he has removed his hat and sword. Led by the old man’s hand, he sees something even more wondrous. Behind a latticework of swords and pikes, he beholds an even more beautiful garden, surrounded by a canal. Now he must first put on a different garment; he is given a sort of oriental costume. As a warning, three strange ropes are shown to him. Now the swords and pikes lie across the water, forming a golden bridge, and he steps across. On the other side, the girl he once held dancing on his hand—the one who slipped away from him—comes to meet him. She leads him to the three ladies from the apples, who are dressed here in appropriate garments and playing certain instruments.

[ 28 ] Die Frauengestalt, die er als zu sich gehörig erkannt hat, erquickt ihn mit Früchten. Er entzückt sich an herrlicher Musik. Dann beginnen er und das Mädchen ein Spiel mit kleinem Kriegsvolk. Der Warnung entgegen gerät er und das Mädchen in Eifer; er vernichtet ihre Kämpfer; sie stürzen sich ins Wasser, dieses schäumt auf, die Brücke, auf der das Spiel vor sich ging, schlägt auseinander, und der Knabe befindet sich durchnäßt und herausgeworfen auf der anderen Seite.

[ 28 ] The female figure, whom he has recognized as his own, refreshes him with fruit. He delights in magnificent music. Then he and the girl begin a game with little warriors. Despite the warning, he and the girl become caught up in the heat of the moment; he destroys their warriors; they plunge into the water, which foams up, the bridge on which the game was taking place breaks apart, and the boy finds himself soaked and thrown out onto the other side.

[ 29 ] Der Alte kommt, droht mit den drei Stricken, die den bestrafen sollen, der das Vertrauen mißbraucht. Der Knabe rettet sich, indem er sagt, daß er ausersehen sei, den drei Jungfrauen drei würdige Jünglinge zuzuführen. Er wird nun höflich zur Tür hinausgeführt. Der Alte weist ihn auf verschiedene Merkzeichen, um die Pforte wiederzufinden. Die Wichtigkeit ihrer Stellung zueinander deutet auf die mittelalterliche Sternenkunde.

[ 29 ] The old man enters, brandishing the three ropes intended to punish anyone who abuses the trust placed in him. The boy saves himself by saying that he has been chosen to bring three worthy young men to the three maidens. He is now politely escorted out the door. The old man points out various landmarks to help him find the gate again. The significance of their positions relative to one another points to medieval astronomy.

[ 30 ] Als der Knabe wiederkommt, ist die Pforte nicht mehr da, die drei Gegenstände, Tafel, Brunnen und Bäume stehen anders zueinander. Doch glaubt er zu bemerken, daß nach einiger Zeit sie etwas ihre Stellung zueinander geändert haben, und hofft so, daß einmal alle Zeichen zusammentreffen werden. Er schließt bezeichnend: «Ob ich euch erzählen kann, was weiter begegnet, oder ob es mir ausdrücklich verboten wird, weiß ich nicht zu sagen.»

[ 30 ] When the boy returns, the gate is no longer there; the three objects—the tablet, the well, and the trees—are arranged differently in relation to one another. Yet he believes he notices that, after some time, they have shifted slightly in relation to one another, and thus hopes that one day all the signs will come together. He concludes significantly: “Whether I can tell you what happens next, or whether I am expressly forbidden to do so, I cannot say.”

[ 31 ] Das Märchen, welches 1811 geschrieben ist, zeigt in jedem Strich an, daß wir in ihm etwas Tieferes zu suchen haben. Nicht umsonst hat Goethe es an die Sage von Paris angeknüpft, nicht umsonst sie so verändert. Die Sage von «Paris und Helena», dem trojanischen Krieg, ist bekannt. Paris soll der schönsten der drei Göttinnen den Apfel reichen; dafür gewinnt er Helena. Goethe kehrt die Sache um, drei Frauen, später vier, sind da, für welche der neue Paris die Jünglinge wählen soll. In eine Art von Mysterium wird der Knabe geführt, dreifach ist es umfriedet, immer neue Bedingungen muß er erfüllen. Es entwickelt sich eine Art Kriegsspiel, ein Abbild, nicht ein wirklicher Krieg. Verfolgen wir nun Zug um Zug das Märchen.

[ 31 ] This fairy tale, written in 1811, reveals in every detail that there is something deeper to be found within it. It is no coincidence that Goethe linked it to the legend of Paris, nor that he altered it in this way. The legend of “Paris and Helen,” the Trojan War, is well known. Paris is to present the apple to the fairest of the three goddesses; in return, he wins Helen. Goethe turns the story on its head: there are three women—later four—for whom the new Paris must choose the young men. The boy is led into a kind of mystery; it is enclosed on three sides, and he must fulfill ever-changing conditions. A kind of war game develops—a representation, not a real war. Let us now follow the fairy tale step by step.

[ 32 ] Indem Goethe den Inhalt des Märchens als vom Gotte Merkur herrührend bezeichnet, weist er darauf hin, daß er das, was er in diesem Märchen erlebt, als eine Botschaft der Gottheit empfindet. Merkur sagt dem Knaben, er sei von den Göttern mit einem wichtigen Auftrag an ihn gesendet.

[ 32 ] By attributing the content of the fairy tale to the god Mercury, Goethe indicates that he perceives what he experiences in this fairy tale as a message from the divine. Mercury tells the boy that he has been sent by the gods with an important mission for him.

[ 33 ] Goethe will immer festhalten daran, daß die Bewußtseinszustände des Menschen durch Frauen dargestellt werden. In diesem Märchen sind ebenfalls vier Frauen, die dem Knaben gleich anfangs, wie von der Gottheit Merkur gesendet, entgegentreten. Bezeichnenderweise sind es zuerst Äpfel, die ihm Merkur in die Hand gibt. Die Äpfel verwandeln sich in wunderschöne Edelsteine, und zwar der eine von roter, der andere von gelber, der dritte von grüner Farbe. Die drei Edelsteine werden dann zu drei schönen Frauengestalten, deren Kleider die Farbe der Edelsteine haben. Sie entschweben aber dem Knaben, als er sie festhalten will. Aber statt ihrer erscheint dem Knaben eine vierte Frauengestalt, die dann seine Führerin wird.

[ 33 ] Goethe consistently maintains that the states of human consciousness are represented by women. In this fairy tale, too, there are four women who, right at the beginning, appear before the boy as if sent by the god Mercury. Significantly, it is apples that Mercury first places in his hand. The apples transform into beautiful gemstones—one red, one yellow, and one green. The three gemstones then become three beautiful female figures, whose dresses are the color of the gemstones. However, they float away from the boy when he tries to hold them. But in their place, a fourth female figure appears to the boy, who then becomes his guide.

[ 34 ] Auch in dem Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie weist Goethe durch vier Frauengestalten hin auf vier Bewußtseinszustände der menschlichen Seele. Im Knabenmärchen werden diese vier Frauen noch intimer gekennzeichnet durch die mystischen Farben, die sie tragen. Wenn wir das Wesen dieser Frauen näher verstehen wollen sowie die Farben, die sie tragen, müssen wir hinschauen auf Bewußtseinszustände, die der Mensch gegenwärtig hat, und solche, die er sich durch Entwickelung seiner Seelenkräfte erwerben kann.

[ 34 ] In the fairy tale of the Green Snake and the Beautiful Lily, Goethe also uses four female characters to symbolize four states of consciousness of the human soul. In the fairy tale for boys, these four women are characterized even more intimately by the mystical colors they wear. If we wish to understand the nature of these women more closely, as well as the colors they wear, we must look at the states of consciousness that human beings currently possess, and those they can acquire through the development of their soul powers.

[ 35 ] Die Menschheit lebt heute auf der Erde im mineralischen Zyklus; durch seinen physischen Leib ist der Mensch mit dem Mineral verwandt. Alle Stoffe, die sich im physischen Menschenleib finden in chemischen Verbindungen - seien es Salze, Kalkarten, Metalle und so weiter —, finden sich draußen in der Natur auch. Innerhalb dieses physischen Menschenleibes lebt des Menschen Seele. Von Inkarnation zu Inkarnation gehend, lebt die Menschenseele immer wieder ein Leben zwischen Geburt und Tod in einem Leibe, den sie bei der Geburt oder schon bei der Empfängnis erhält. Die Menschenseele hat in jeder Inkarnation eine Fülle von Erlebnissen und Erfahrungen durchzumachen. Sie wird dadurch immer reicher und reicher. Man kann auch sagen, sie wird dadurch immer reiner und reiner, denn die ursprünglich in rohen Trieben und Begierden lebende Seele, die dann innerhalb einer Kulturwelt in einem neuen Körper wieder erscheint, lebt anders in dieser Kulturwelt, als zum Beispiel innerhalb eines Körpers, der einer wilden Völkerschaft angehört. Jetzt lebt die Menschenseele im Kamamanas, das heißt in einer Geistigkeit, die zwar noch verwendet wird, um die Triebe und Leidenschaften des Menschen zu befriedigen. Aber immer mehr ersteht auch in der Seele des Menschen die Sehnsucht, zu einer höheren Geistigkeit aufzusteigen. Dieser Seelenzustand wird im Okkultismus bezeichnet durch die Farbe Rot, die von innen durchlichtet ist — also kein stumpfes Rot —, ein lichtes, von innen durchstrahltes Rot; Rot bedeutet in der Initiationserkenntnis das Bewußtsein für die astrale Welt. Wenn der Mensch dann immer mehr seinen Seeleninhalt, das innere Leben seiner Seele, nicht aus dem nimmt, was ihm die physische Umwelt gibt, wenn er immer mehr ein inneres, spirituelles Leben in seiner Seele entfacht, so wird dies Leben der Menschenseele durch die Farbe Gelb gekennzeichnet, wiederum ein lichtes, strahlendes Gelb.

[ 35 ] Humanity today lives on Earth within the mineral cycle; through their physical body, human beings are related to minerals. All substances found in the physical human body in chemical compounds—be they salts, types of lime, metals, and so on—are also found in nature. Within this physical human body lives the human soul. Moving from incarnation to incarnation, the human soul repeatedly lives a life between birth and death in a body that it receives at birth or even at conception. In every incarnation, the human soul has a wealth of experiences to undergo. Through this, it becomes ever richer and richer. One could also say that it becomes ever purer and purer through this process, for the soul, which originally lived in crude instincts and desires and then reappears within a civilized world in a new body, lives differently in this civilized world than, for example, within a body belonging to a primitive tribe. Now the human soul lives in the Kamamanas, that is, in a spirituality that is still used to satisfy human instincts and passions. But increasingly, a longing also arises in the human soul to ascend to a higher spirituality. In occultism, this state of the soul is symbolized by the color red, which is illuminated from within—that is, not a dull red—but a bright red, radiant from within; in the knowledge of initiation, red signifies awareness of the astral world. When a person increasingly draws the content of their soul—the inner life of their soul—not from what the physical environment provides, but instead kindles an inner, spiritual life within their soul, this life of the human soul is characterized by the color yellow—again, a bright, radiant yellow.

[ 36 ] Wenn der Mensch dann dazu gelangt ist, nicht mehr in seinem engen Eigensinn nur zu leben, wenn er sich in Sympathie mit der ganzen Welt verbunden fühlt, wenn er sich fühlt wie aufgehend im All, so wird dieser Zustand der Menschenseele im Okkultismus durch eine Nuance von Grün, mit einem lichten Grün bezeichnet. Das ist die Farbe, die die Menschenseele in der Aura zeigt, wenn das einzelne Bewußtsein sich in die ganze Welt ausgießt.

[ 36 ] When a person has reached the point where they no longer live solely within the confines of their own narrow-mindedness, when they feel connected to the whole world through sympathy, when they feel as if they are merging with the universe, this state of the human soul is described in occultism by a shade of green—a light green. This is the color that the human soul displays in the aura when the individual consciousness pours out into the whole world.

[ 37 ] So sind diese Frauen, die auch Edelsteine sind, Kennzeichen für das, was der Knabe aus seiner Seele machen soll. Die Verbindung zu diesen Seelengestaltungen stellt das gegenwärtige Bewußtsein her, das uns führt und leitet zu aller Erkenntnis. Es wird durch die vierte Gestalt symbolisiert, durch die kleine Figur, die «tanzend hin und her trat» auf den Fingerspitzen des Knaben. Das ist der gewöhnliche Verstand. Durch sein Gegenwartsbewußtsein dringt der Mensch zu Höherem empor, es bildet den Führer in das Heiligtum. Nur der vierte Bewußtseinszustand, der durch das Mädchen repräsentiert wird, ist schon vorhanden; die anderen drei sind erst in der Anlage vorhanden, sollen erst entwickelt werden. Es gibt etwas, was wie ein Erinnern in der Seele auftaucht; es lebt in der Seele etwas, was auf frühere Zustände zurückweist. In besonders feierlichen Momenten dringt der Mensch in diese früheren Zustände der Seele. Dem Jüngling ist ein besonderer Auftrag durch Merkur geworden. Goethe weist hier auf seine Mission hin, Er erinnert sich früherer Initiationen.

[ 37 ] Thus, these women, who are also gemstones, serve as symbols of what the boy is meant to make of his soul. The connection to these soul forms is established by the present consciousness, which guides and leads us to all knowledge. It is symbolized by the fourth form, by the little figure that “danced back and forth” on the boy’s fingertips. This is the ordinary mind. Through his present consciousness, man ascends to higher realms; it serves as the guide into the sanctuary. Only the fourth state of consciousness, represented by the girl, is already present; the other three are present only in potential and must first be developed. There is something that emerges in the soul like a memory; there lives in the soul something that points back to earlier states. In particularly solemn moments, the human being penetrates into these earlier states of the soul. The young man has received a special commission from Mercury. Goethe points here to his mission; he recalls earlier initiations.

[ 38 ] Im Märchen wird nun erzählt, wie der Knabe auf wunderbare Weise hingeführt wird an einen Ort, den er bisher nicht betreten hat — ja, den er in der ihm sonst wohlbekannten Umgebung nie geschaut hat. Ein alter Mann tritt ihm entgegen, führt ihn in das Innere eines schönen Gartens; zunächst führt er ihn innerhalb des Gartens in die Runde eines äußeren Kreises. Vögel rufen dem Knaben zu, besonders die geschwätzigen Stare; «Paris! Paris!» rufen die einen — und «Narziß! Narziß!» die anderen. Der Knabe möchte auch in das Innere des Gebietes vordringen, er bittet den Alten darum; dieser gewährt ihm seine Bitte nur unter der Bedingung, daß er Hut und Degen abnehme und zurücklasse.

[ 38 ] The fairy tale now tells how the boy is miraculously led to a place he has never set foot in before—indeed, a place he has never even seen in the surroundings he otherwise knows so well. An old man comes to meet him and leads him into a beautiful garden; at first, he takes him on a tour of the garden’s outer circle. Birds call out to the boy, especially the chatty starlings; “Paris! Paris!” cry some—and “Narcissus! Narcissus!” cry others. The boy would also like to venture into the inner part of the garden; he asks the old man for permission; the old man grants his request only on the condition that he remove his hat and sword and leave them behind.

[ 39 ] Darauf führt ihn der Alte an der Hand näher an den Mittelpunkt des Gartens heran. Da findet er ein goldenes Gitter. Dahinter sieht der Knabe ein sanft fließendes Wasser, das in seinen klaren Tiefen eine große Anzahl von Gold- und Silberfischen sehen läßt. Er möchte weiter, um zu erfahren, wie es in dem Herzen des Gartens beschaffen sei. Der Alte bewilligt es, aber nur zu neuen Bedingungen: der Knabe muß sich umkleiden. Er erhält ein orientalisches Gewand, das ihm gut gefällt. Dabei bemerkt er drei grüne Strickchen, jedes in einer besonderen Weise verschlungen, so daß es ein Werkzeug scheint zu eben nicht sehr erwünschtem Gebrauch. Auf seine Frage nach der Bedeutung der Stricke sagt der Alte, es sei dies für die, welche das Vertrauen mißbrauchen, das man ihnen hier zu schenken bereit sei. Nun führt ihn der Alte an das goldene Gitter; es sind zwei Reihen von goldenen Spießen, eine äußere und eine innere; beide senken sich gegeneinander, so daß eine Brücke entsteht, auf der der Knabe nun in das Innerste hineinkommt. Musik tönt aus einem Tempel, und als er in diesen eintritt, sieht er die drei Frauengestalten im Dreieck sitzen; die wunderbare Musik ertönt von ihren Instrumenten. Auch die kleine Führerin ist wieder da und nimmt sich des Knaben an.

[ 39 ] Then the old man takes him by the hand and leads him closer to the center of the garden. There he finds a golden gate. Behind it, the boy sees gently flowing water, in whose clear depths he can make out a great number of gold and silver fish. He wants to go further to discover what lies at the heart of the garden. The old man agrees, but only on new terms: the boy must change his clothes. He is given an oriental robe, which he likes very much. In doing so, he notices three green cords, each twisted in a particular way, so that they appear to be a tool for a rather undesirable purpose. When he asks about the meaning of the cords, the old man says they are for those who abuse the trust one is willing to bestow upon them here. Now the old man leads him to the golden gate; there are two rows of golden spikes, an outer and an inner one; both lower toward each other, forming a bridge over which the boy now enters the innermost part. Music sounds from a temple, and as he enters it, he sees the three female figures sitting in a triangle; the wondrous music emanates from their instruments. The little guide is also there again and takes the boy under her wing.

[ 40 ] Es sind die drei Gebiete des Daseins, in die der Knabe nach und nach durch den Alten hineingeführt wird. Er kommt aus der Welt des Alltags hinein in das erste Gebiet, die Astralwelt; da findet er die Tiere, die ihm zurufen. Aber er will immer weiter hinein in das Zentrum des Daseins. Etwas in seiner Seele drängt ihn, er solle sich entwickeln — immer höher aufsteigen. Die Anlage zu diesem Aufstieg bringt er sich mit seit seiner Geburt; da ist er aus einer Welt, in der er ein geistig-seelisches Wesen war, hineingekommen in die Verdunkelung dieses geistig-seelischen Wesens durch die physische Welt. Aber der Drang nach dem Geiste ist in seiner Seele wach geblieben — der weist die Seele darauf hin, daß es etwas gibt, woran sie sich in feierlichen Sonnenaugenblicken des Lebens erinnert. Da taucht auch auf die Erinnerung an frühere Daseinsstufen und daß aus diesen sich eine Mission für die jetzige Daseinsstufe ergibt. Der Knabe fühlt, daß diese Mission auf Erlebnissen seiner früheren Inkarnationen beruht. «Ich habe einstmals die Weihe erhalten» — er hat diese Weihe mitgebracht aus früheren Daseinsstufen. Die Erinnerung taucht in ihm auf an eine ehemalige Einweihung, die er erhalten hat in einem früheren Leben. Da hat ihn auch der Meister bei der Hand genommen, da hat ihn der Meister geführt von Stufe zu Stufe. Da hat er auch die symbolische Handlung vollführen müssen: Hut und Degen abzulegen. Er hat ablegen müssen alles, was ihn verbindet mit der Alltäglichkeit des Lebens in der physischen Welt. Das muß derjenige, der zum Chela, zum Geistesschüler aufsteigt, immer tun; in seinem Inneren muß er es tun. Darum wird ein solcher ein «heimatloser Mensch» genannt; er hat abgelegt dasjenige, was der gewöhnliche Mensch seine Heimat nennt. Es bedeutet dies nicht ein Herausreißen aus dem Leben; er steht fest auf seinem Posten, aber sein eigenes Leben ist herausgenommen aus der Welt, die ihn umgibt.

[ 40 ] These are the three realms of existence into which the boy is gradually led by the Old Man. He emerges from the world of everyday life into the first realm, the astral world; there he finds the animals calling out to him. But he wants to go ever further into the center of existence. Something in his soul urges him to develop—to ascend ever higher. He has carried the predisposition for this ascent with him since birth; there he has come from a world in which he was a spiritual-soul being, into the obscuring of this spiritual-soul being by the physical world. But the urge toward the spirit has remained alive in his soul—it points out to the soul that there is something it remembers in the solemn, sunlit moments of life. Then the memory of earlier stages of existence also surfaces, and that from these arises a mission for the present stage of existence. The boy feels that this mission is based on experiences from his earlier incarnations. “I once received the initiation”—he has brought this initiation with him from earlier stages of existence. The memory surfaces within him of a former initiation he received in a past life. There the Master took him by the hand; there the Master guided him from stage to stage. There he also had to perform the symbolic act: to lay aside his hat and sword. He had to lay aside everything that connects him to the everyday life of the physical world. This is what one who ascends to become a Chela, a spiritual disciple, must always do; he must do it within himself. That is why such a person is called a “homeless man”; he has laid aside what the ordinary person calls his home. This does not mean a tearing away from life; he stands firm at his post, but his own life is withdrawn from the world that surrounds him.

[ 41 ] Dann, wenn er von dem Meister weiter geführt werden will, gelangt er zur zweiten Stufe; er muß sich ganz und gar umziehen - alle Kleider seines jetzigen Daseins ablegen. Er wird in eine orientalische Kleidung eingekleidet. Das ist ein Hinweis darauf, daß vom Orient alle Impulse ausgegangen sind für die Menschheit, um immer neue Weisheit zu erlangen. (Ex oriente lux.)

[ 41 ] Then, if he wishes to be guided further by the Master, he reaches the second stage; he must change his entire appearance—laying aside all the garments of his present existence. He is clothed in Oriental attire. This is an indication that all the impulses for humanity to attain ever-new wisdom have come from the East. (Ex oriente lux.)

[ 42 ] Nun wird der Knabe in seiner orientalischen Kleidung begabt mit dem, was im «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» der Alte mit der Lampe als uralte Weisheit des Menschengeschlechts ist, begabt mit einem erinnernden Seelenvermögen an uralte Einweihungszustände - er wird hingeführt zu dem Strom, der die Seelengebiete trennt von dem eigentlichen Geistgebiet. Der Strom der Leidenschaften, die Astralwelt, ist nicht tobend und brausend, er ist «ein sanft fließendes Wasser, das in seinen klaren Tiefen eine große Anzahl von Gold- und Silberfischen sehen ließ, die sich bald sachte, bald geschwind, bald einzeln, bald zugweise hin und her bewegten». Das ist ein Bild davon, wie der Mensch, wenn er die Welt des Astralen in sich zur Ruhe gebracht hat, in dieser Welt statt tobender Leidenschaften Erkenntniswerte finden kann.

[ 42 ] Now the boy, dressed in his Oriental garb, is endowed with what, in the “Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily,” the Old Man with the Lamp represents as the ancient wisdom of the human race; he is endowed with a soul capacity to recall ancient states of initiation —he is led to the stream that separates the realms of the soul from the realm of the spirit proper. The stream of passions, the astral world, is not raging and roaring; it is “a gently flowing water, in whose clear depths one could see a great number of gold and silver fish, moving now gently, now swiftly, now singly, now in schools, back and forth” . This is an image of how, once a person has brought the astral world within themselves to rest, they can find insights in this world instead of raging passions.

[ 43 ] Schwerter legen sich über den Strom, der die Astralwelt trennt von dem inneren, dem geistigen Gebiet. Der Mensch muß hinopfern dasjenige, was er sonst zu seinem Schutze hat. Dasjenige, wodurch er in seiner Sonderheit verharrt, sein persönliches Ich, das muß er hinopfern, es muß zur Brücke werden, um herüber zu gelangen in das geistige Gebiet. Der Mensch muß das «Stirb und Werde» erleben. Zwei Reihen von Schwertern neigen sich gegeneinander und bilden die Brücke, auf der der Knabe hinüber gelangt, eine innere und eine äußere Reihe. Das ist ein Bild dafür, daß sich ein niederes und ein höheres Ich-Bewußtsein vereinen müssen miteinander, um dem Menschen den Übergang in die Geistwelt möglich zu machen.

[ 43 ] Swords lie across the stream that separates the astral world from the inner, spiritual realm. Human beings must sacrifice that which otherwise serves as their protection. That which allows them to remain in their separateness—their personal ego—must be sacrificed; it must become a bridge to cross over into the spiritual realm. Human beings must experience “die and become.” Two rows of swords bend toward one another and form the bridge across which the boy passes—an inner row and an outer row. This is an image of how a lower and a higher sense of self must unite with one another to make the transition into the spiritual world possible for the human being.

[ 44 ] Jetzt können wir auch ersehen, warum dies Knabenmärchen den Namen trägt: «Der neue Paris.» Paris ist es, von dem die griechische Mythologie erzählt, daß vor seiner Geburt die Eltern erschreckt wurden durch die Prophezeiung, der Knabe, der geboren werde, werde alles mit seinem Feuer verzehren. Er wird daher nach seiner Geburt ausgesetzt; eine Bärin säugt ihn fünf Tage lang. Er wächst heran und nach mancherlei Abenteuern wird er belohnt, er wird vermählt mit Helena. Helena aber ist gleichbedeutend mit Selene — der Tochter des Lichtes der Weisheit. Selene ist das Symbol des Mondes. So wird in der griechischen Mythologie in der Vermählung des Paris mit Helena dargestellt die Vereinigung des Menschen mit dem Bewußtsein, das ihn hinaufführen soll zu immer höheren Stufen.

[ 44 ] Now we can also see why this children’s story bears the title: “The New Paris.” It is Paris of whom Greek mythology tells that, before his birth, his parents were terrified by the prophecy that the boy to be born would consume everything with his fire. He is therefore abandoned after his birth; a she-bear nurses him for five days. He grows up, and after various adventures he is rewarded: he is married to Helen. But Helen is synonymous with Selene—the daughter of the light of wisdom. Selene is the symbol of the moon. Thus, in Greek mythology, the marriage of Paris and Helen represents the union of humanity with the consciousness that is to lead it to ever higher levels.

[ 45 ] Narziß ist das andere Wort, das die geschwätzigen Stare dem Knaben zugerufen haben. Von Narziß wird erzählt, daß er der Sohn sei des Flußgottes Kephissos und in der Vereinigung mit einer Nymphe erzeugt sei. Narziß ist also auch nicht irdischer, sondern überirdischer Herkunft.

[ 45 ] Narcissus is the other name the chattering starlings called out to the boy. It is said that Narcissus was the son of the river god Cephissus and was conceived in union with a nymph. Narcissus, therefore, is not of earthly origin, but of a supernatural one.

[ 46 ] Es wird ferner erzählt, daß er einst sein Ebenbild erblickt habe im Spiegel einer Quelle. Das habe ihn so entzückt, daß er nur immer sich selbst angestarrt habe. Alle Verlockungen einer Nymphe, die sich ihm genaht, habe er abgewiesen, ganz und gar sei er versunken gewesen in sein eigenes Bild.

[ 46 ] It is also said that he once saw his own reflection in the surface of a spring. This delighted him so much that he could do nothing but stare at himself. He rejected all the advances of a nymph who approached him, completely absorbed as he was in his own image.

[ 47 ] Narziß ist ein Symbol für das Ich des Menschen, das in der Sonderheit, in seinem eigenen Selbst verharren will. Wenn der Mensch in seinem Ich beschlossen bleibt, sich verhärtet in sein Ahamkara, wenn er nicht hinaus kann aus seinem eigenen kleinen Menschenwesen, wenn er immer nur in sich schaut, verliebt ist in sein eigenes Ich, dann kommt er nicht hinaus über sich, dann verliert er das Bewußtsein, daß sein Ich seine eigentliche Heimat in einer geistigen Welt hat, dann kann er nicht hinauf mit seinem Ich in diese seine geistige Heimat, er bleibt «ein trüber Gast auf der dunklen Erde», Er kann dann nicht das höhere Bewußtsein in sich entwickeln, das ihn hinaufführt, er muß dahinwelken. Nur der, der sich vereinigen kann mit dem höheren Weiblichen in seiner Seele, wird dadurch hinaufsteigen. Paris vermählt sich mit der Tochter des Lichtes, mit Selene-Helena. Narziß aber ist verliebt in die eigene Natur und weist von sich die Vereinigung mit dem geistigen Wesen, das als Nymphe sich ihm naht.

[ 47 ] Narcissus is a symbol of the human ego, which seeks to remain trapped in its own separateness, in its own self. If a person remains fixed in their ego, becomes hardened in their ahamkara, if they cannot step outside their own small human being, if they always look only within themselves, are in love with their own ego, then they cannot rise above themselves; then they lose the awareness that their ego has its true home in a spiritual world; then they cannot ascend with their ego to this spiritual home of theirs, he remains “a gloomy guest on the dark earth”; he cannot then develop within himself the higher consciousness that leads him upward; he must wither away. Only he who can unite with the higher feminine in his soul will thereby ascend. Paris marries the daughter of light, Selene-Helena. Narcissus, however, is in love with his own nature and rejects union with the spiritual being who approaches him as a nymph.

[ 48 ] Indem dem Knaben zugerufen wird: «Paris — Narziß», wird er vor die Wahl gestellt: Was willst du in dir tragen, die Paris-Natur oder die Narziß-Natur? — Jeder, der ein Chela, ein Geistesschüler werden will, wird vor diese Frage gestellt. Jeder muß selbst den Weg wählen, den er seine Seele gehen lassen will.

[ 48 ] When the boy is called out to: “Paris—Narcissus,” he is faced with a choice: Which nature do you wish to carry within you, the nature of Paris or the nature of Narcissus? — Everyone who wishes to become a chela, a spiritual disciple, is faced with this question. Everyone must choose for themselves the path they wish their soul to follow.

[ 49 ] Der Knabe wählt, gemäß dem Drang, der aus einer früheren Inkarnation in seiner Seele wirkt, den Weg des Paris; er will «der neue Paris» werden. Er muß daher auch kennenlernen, wenn er den Weg zur Initiation wählt, die sogenannten Gefahren der Initiation. Die werden symbolisch dargestellt durch die drei Stricke. In den Einweihungsschulen stellen die Stricke, die sich um den Hals des Schülers legen, verschiedene Symbole dar. Sie stellen unter anderem dar die dreifache Natur des Menschen in der Welt. Das was aus dieser dreifachen Natur des Menschen herrührt, schnürt sich um seinen Hals, wenn er das Vertrauen bricht, das bei der Initiation in ihn gesetzt wird.

[ 49 ] Driven by an impulse rooted in a past incarnation, the boy chooses the path of Paris; he wants to become “the new Paris.” Therefore, if he chooses the path of initiation, he must also come to know the so-called dangers of initiation. These are symbolically represented by the three ropes. In the schools of initiation, the ropes that are placed around the student’s neck represent various symbols. Among other things, they represent the threefold nature of the human being in the world. That which stems from this threefold nature of the human being binds itself around his neck when he breaks the trust placed in him at initiation.

[ 50 ] Da der Knabe «der neue Paris» werden will, darf er von dem Alten, der ihn führt, über die Brücke geführt werden. Er kommt hinein in den zweiten Kreis, der von dem Strom, dem Wasser der astralen Welt, umflossen ist ringsum. Da findet er einen wunderbaren Garten, der ihm scheinen will wie ein Abbild des Himmels auf der Erde. Und inmitten dieses herrlichen Gartens sieht er nunmehr das innerste Zentrum, einen von Säulenhallen umgebenen Tempel, aus dem eine himmlische Musik hervordringt. Er ist angelangt in dem Gebiet der geistigen Welt, das sich offenbart durch das Tönen: in dem Gebiet des schaffenden Weltenwortes, das die Welt durchtönt in der Sphärenharmonie. Hier findet er wiederum die drei Frauengestalten, die ihm zuerst vom Gotte Merkur gesandt waren.

[ 50 ] Since the boy wishes to become “the new Paris,” he is allowed to be led across the bridge by the old man who guides him. He enters the second circle, which is surrounded on all sides by the stream—the waters of the astral world. There he finds a marvelous garden that appears to him as a reflection of heaven on earth. And in the midst of this magnificent garden, he now sees the innermost center, a temple surrounded by colonnades, from which heavenly music emanates. He has arrived in the realm of the spiritual world, which reveals itself through sound: in the realm of the creative Word of the world, which resounds through the world in the harmony of the spheres. Here he finds once again the three female figures who were first sent to him by the god Mercury.

[ 51 ] In dem Bilde, das der Knabe nun erlebt, ist ausgedrückt dasjenige, was der Mensch erleben kann, wenn er angelangt ist auf der Stufe der Initiation. Da ist der Mensch imstande, aus höheren Welten Nachrichten zu empfangen.

[ 51 ] The image that the boy now experiences expresses what a person can experience once they have reached the stage of initiation. At that point, the person is able to receive messages from higher worlds.

[ 52 ] Die Frau im roten Gewande wendet sich zuerst zum Knaben; der rote Stein, wenn er dem Menschen zuteil wird, gibt ihm die Kraft, daß er Einblick haben kann in die geistige Welt. Das ist die erste Stufe der Initiation. Die zweite Stufe ist nicht bloß Imagination, sondern Leben in der spirituellen Welt. Da fühlt sich der Mensch zwar noch als ein Sonderwesen, er fühlt sich als Geist unter Geistern, aber noch abgesondert für sich. Er fühlt sich sozusagen wie ein Ton, der noch nicht eingegangen ist in die Symphonie. Diese Stufe wird durch die Frau im gelben Gewande dargestellt.

[ 52 ] The woman in the red robe turns first to the boy; when the red stone is bestowed upon a person, it gives them the power to gain insight into the spiritual world. This is the first stage of initiation. The second stage is not merely imagination, but life in the spiritual world. There, the person still feels like a separate being; they feel like a spirit among spirits, but still set apart on their own. They feel, so to speak, like a note that has not yet entered the symphony. This stage is represented by the woman in the yellow robe.

[ 53 ] Dann lernt der Menschengeist sich einzufügen in die Sphärenharmonie, er lernt sich empfinden wie ein Glied der Geisteswelt, wie ein Ton, der mitschwingt in der Weltensymphonie. Dann erringt sich der Mensch den grünen Stein; das stellt im Bilde dar die Frau im grünen Gewande. Es heißt im Märchen von dieser Frau im grünen Gewande: «Sie war diejenige, die am meisten auf mich achtzugeben und ihr Spiel an mich zu richten schien; nur konnte ich aus ihr nicht klug werden . . ., doch mochte sie sich stellen wie sie wollte, so gewann sie mir wenig ab, denn meine kleine Nachbarin . . . hatte mich ganz für sich eingenommen . . . und wenn ich in jenen drei Damen ganz deutlich die Sylphiden meines Traumes und die Farben der Äpfel erblickte, so begriff ich wohl, daß ich keine Ursache hätte, sie festzuhalten.»

[ 53 ] Then the human spirit learns to blend into the harmony of the spheres; it learns to feel itself as a part of the spiritual world, like a note resonating in the symphony of the worlds. Then the human being attains the green stone; this is symbolized by the woman in the green robe. The fairy tale says of this woman in the green robe: “She was the one who seemed to pay the most attention to me and direct her play toward me; only I could not make sense of her . . ., yet no matter how she presented herself, she won little of my heart, for my little neighbor . . . had completely captivated me . . . and when I clearly saw in those three ladies the sylphs of my dream and the colors of the apples, I well understood that I had no reason to hold them back.”

[ 54 ] Der Knabe fühlt, daß er, wenn er auch durch seine Initiation einen Einblick erhält in jene hohen, schöpferischen Reiche der Welt, er doch noch sich das Leben in ihnen wird erarbeiten müssen. Zunächst muß er mit seiner kleinen Führerin, der vierten Frau, dem menschlichen Verstande, sich noch auseinandersetzen.

[ 54 ] The boy senses that, even though his initiation grants him insight into those lofty, creative realms of the world, he will still have to earn his place in them. First, he must come to terms with his little guide, the fourth woman—the human intellect.

[ 55 ] Das geschieht durch ein Kriegsspiel. Es heißt im Märchen: Die Kleine führte den Knaben auf die goldene Brücke, dort soll das Kriegsspiel vor sich gehen. Sie stellen ihre Heere auf. Der Warnung entgegen geraten er und das Mädchen in Eifer, der Knabe überwindet die Heerscharen der Kleinen, die «hin und wider rennend, sich endlich gegen die Mauer, ich weiß nicht wie, verloren.»

[ 55 ] This takes place through a war game. The fairy tale says: The little girl led the boy onto the golden bridge, where the war game was to take place. They lined up their armies. Despite the warning, he and the girl became caught up in the excitement; the boy overcame the little girl’s armies, which “running back and forth, finally lost themselves against the wall, I don’t know how.”

[ 56 ] Der Paris der griechischen Mythologie ist die Ursache, daß der trojanische Krieg entfesselt wird, in dem symbolisch der Untergang der einen Rasse des Menschengeschlechts und der Aufgang der neuen Rasse, in der das Ich im einzelnen Menschen seine Wirksamkeit entfalten soll, dargestellt wird. Der «neue Paris» bleibt Sieger in einem Kampf, der eigentlich ein Spiel ist, der nur das Bild ist eines Kampfes, der nichts ist, was äußere Wirklichkeit hat. Dies Kriegsspiel zwischen dem menschlichen Verstand und demjenigen im Menschen, das in sich das Bewußtsein trägt, daß es vom Göttlichen abstamme, ist nicht etwas, was äußere Wirklichkeit hat; es ist etwas, was nur im Geiste lebt, was so ist, daß es sich abspielt wie im Spiegelbild eines geistigen Geschehens in der Menschenseele. Nicht im Leben, in der Kunst sollte Goethe das Höhere verkündigen, was er erschaut. In Vorstellungen, in Bildern sollte er sprechen.

[ 56 ] In Greek mythology, Paris is the cause of the Trojan War, which symbolically depicts the downfall of one race of humanity and the rise of a new race, in which the ego is to unfold its power within the individual human being. The “new Paris” emerges victorious in a battle that is actually a game, merely the image of a battle that has no external reality. This war-game between the human intellect and that part of the human being which bears within itself the consciousness that it descends from the divine is not something that has external reality; it is something that lives only in the spirit, something that unfolds as if in the mirror image of a spiritual event within the human soul. It was not in life, but in art that Goethe was to proclaim the higher reality he beheld. He was to speak through ideas and images.

[ 57 ] Nach beendetem Kampf trifft der Knabe wieder mit dem alten Mann, seinem ersten Führer, zusammen und jetzt ist in ihm das Bewußtsein seines eigenen, tiefsten Wesens so sicher entfacht, daß er dem Alten zurufen kann das Wort, das fortan in seinem Inneren leben soll. «Ich bin ein Liebling der Götter!» ruft er dem Alten zu. Aber noch will er leben mit dem, was er sich vom Alten als Lohn erbittet: er will seine Führerin, das kleine Geschöpf! Er will als Erkenntnisstrebender sein Leben so führen, daß ihm zunächst der gute menschliche Verstand sein Führer wird.

[ 56 ] In Greek mythology, Paris is the cause of the Trojan War, which symbolically depicts the downfall of one race of humanity and the rise of a new race, in which the ego is to unfold its power within the individual human being. The “new Paris” emerges victorious in a battle that is actually a game, merely the image of a battle that has no external reality. This war-game between the human intellect and that part of the human being which bears within itself the consciousness that it descends from the divine is not something that has external reality; it is something that lives only in the spirit, something that unfolds as if in the mirror image of a spiritual event within the human soul. It was not in life, but in art that Goethe was to proclaim the higher reality he beheld. He was to speak through ideas and images.

[ 58 ] Dann ist er draußen. Der Alte «deutete mir auf einige Gegenstände an der Mauer, drüben über den Weg, indem er zugleich rückwärts auf das Pförtchen zeigte. Ich verstand ihn wohl; er wollte nämlich, daß ich mir die Gegenstände einprägen möchte, um das Pförtchen desto gewisser wiederzufinden, welches sich unversehens hinter mir zuschloß. Ich merkte mir nun wohl, was mir gegenüberstand. Über eine hohe Mauer ragten die Äste uralter Nußbäume herüber ... die Zweige reichten bis an eine steinerne Tafel .. ., deren Inschrift ich aber nicht lesen konnte. Sie ruhte auf einem Kragstein, einer Nische, in welcher ein künstlich gearbeiteter Brunnen von Schale zu Schale Wasser in ein großes Becken goß, das... sich in die Erde verlor. Brunnen, Inschrift, Nußbäume, alles stand senkrecht übereinander».

[ 58 ] Then he was outside. The old man “pointed out a few objects on the wall, across the path, while at the same time gesturing backward toward the little gate. I understood him well; for he wanted me to commit the objects to memory so that I might find the little gate more easily, which had suddenly closed behind me. I now took good note of what stood before me. The branches of ancient walnut trees stretched over a high wall... the branches reached as far as a stone tablet... whose inscription I could not, however, read. It rested on a corbel, a niche in which an ornately carved fountain poured water from bowl to bowl into a large basin that... disappeared into the ground. Fountain, inscription, walnut trees—everything stood directly one above the other.”

[ 59 ] Der Knabe steht draußen; rückblickend erinnert 'er sich der Erlebnisse seiner früheren Inkarnation, und zugleich blickt er hin auf einen Augenblick der Zukunft. Auf diese Einweihung, an die er sich erinnert, folgt nach Zeiten eine zweite; auf die Weisheitsinitiation folgte einst die spirituelle Initiation.

[ 59 ] The boy stands outside; looking back, he recalls the experiences of his previous incarnation, and at the same time he looks forward to a moment in the future. This initiation, which he remembers, is followed after some time by a second one; the initiation into wisdom was once followed by the spiritual initiation.

[ 60 ] In dem Bilde des Baumes, der Tafel mit der Inschrift, dem Brunnen, aus dem das Wasser fließt, ist eingekleidet ein Symbolum für ein Wissen, das im Mittelalter in alter Sternenmystik seinen Ausdruck fand. Es gibt dem Knaben den Blick in die Zukunft: wenn wiederum dieselbe Konstellation der Gestirne eintritt, die dieselbe ist, unter welcher du jetzt den Eintritt gefunden hast zu dem Ort, wo der Mensch eingeweiht wird, wenn die Konstellation der Gestirne in der Zukunft sich für dich wiederholt, dann wird dir die Pforte von neuem geöffnet werden —, dann wird die Initiation auf höherer Stufe für dich wiederholt werden!

[ 60 ] The image of the tree, the tablet with the inscription, and the fountain from which water flows embodies a symbol of knowledge that found expression in medieval astrology. It grants the boy a glimpse into the future: when the same constellation of the stars occurs again—the very one under which you have now found entry to the place where man is initiated—when the constellation of the stars repeats itself for you in the future, then the gate will be opened to you anew—then the initiation will be repeated for you on a higher level!

[ 61 ] Er blickt hin auf einen Augenblick der Wirklichkeit, wo er durchleben wird, was er als Vorspiel bei der Initiation erlebt hat. Er sieht auf eine ferne Zukunft, in der er hintreten wird in die Welt und darstellen, was er in früheren Inkarnationen erlebt hat.

[ 61 ] He looks forward to a moment of reality in which he will relive what he experienced as a prelude to initiation. He looks toward a distant future in which he will enter the world and embody what he has experienced in previous incarnations.

[ 62 ] Es ist eine gewisse Sternenkonstellation vorhanden gewesen in dem Augenblicke, als er eingeweiht wurde. Diese Zeichen müssen sich wiederholen, wenn auf einer höheren Stufe die Einweihung möglich sein wird. Dann wird die Pforte wieder sichtbar sein, und es wird von der Erlaubnis abhängen, ob mehr über das, was weiter geschieht, gesagt werden kann.

[ 62 ] A certain constellation of stars was present at the moment he was initiated. These signs must recur if initiation is to be possible at a higher level. Then the gate will be visible again, and whether more can be said about what happens next will depend on permission.

[ 63 ] Diese feine Stimmung, die intimen Kräfte, die da hineinspielen, all das muß man berücksichtigen, wenn man über dieses Märchen spricht.

[ 63 ] This subtle atmosphere, the intimate forces at play here—all of this must be taken into account when discussing this fairy tale.

[ 64 ] Wie wir sehen, stellt Goethe auch in diesen beiden Märchen die Evolution der Menschenseele dar. Hat er in seinem «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie» ausgedrückt in bunten, reichen, farbigen Bildern seine Überzeugung von einer Seelenentwickelung, die für alle Menschen gültig ist, so stellt er in diesen beiden Märchen, «Die neue Melusine» und «Der neue Paris», die Einweihung in die höheren Geheimnisse so vor unsere Seele, wie sie seinem eigenen Wesen angemessen war. Ein individueller Weg der Seelenentwickelung der eigenen Seele Goethes stellt sich dar in diesen zwei Märchen. Sein ganzes späteres Seelenstreben — in der Goethes Seele angemessenen Geistesart — ist in dem «Knabenmärchen» ganz besonders enthalten.

[ 64 ] As we can see, Goethe depicts the evolution of the human soul in these two fairy tales as well. While in his “Fairy Tale of the Green Snake and the Beautiful Lily” he expressed his conviction of a spiritual development valid for all humanity through vivid, rich, and colorful imagery, in these two fairy tales, “The New Melusine” and “The New Paris,” he presents the initiation into the higher mysteries to our soul in a way that was appropriate to his own nature. An individual path of the development of Goethe’s own soul is presented in these two fairy tales. His entire later spiritual striving—in the manner of mind appropriate to Goethe’s soul—is contained in a very special way in the “Boy’s Fairy Tale.”

[ 65 ] In einem Fragment: «Die Reise der Söhne Megaprazons» — das 1792 begonnen, aber nicht weitergeführt wurde —, wollte Goethe ebenfalls einen Entwickelungsweg der Menschenseele darstellen. Auch dieses Fragment deutet auf die Größe dessen, was er zu sagen hatte, auch hier weist er hin auf eine Sternenkonstellation. «Venus» und «Mars» sind die letzten Worte, die uns davon aufbewahrt sind.

[ 65 ] In a fragment titled “The Journey of the Sons of Megaprazon”—which he began in 1792 but never completed—Goethe also sought to depict the path of development of the human soul. This fragment, too, hints at the greatness of what he had to say; here, too, he refers to a constellation. “Venus” and “Mars” are the last words that have been preserved for us.

[ 66 ] Ein Vater sendet seine sieben Söhne auf eine weite Reise in merkwürdige Länder, welche von anderen nicht entdeckt sind. Das sind die sieben Grundteile des Menschen, auf die Theosophie hinweist. — Der Vater gibt diesen sieben Söhnen den Wunsch mit: «Glück und Wohlfahrt, guten Mut und frohen Gebrauch der Kräfte.» Ein jeder der sieben Söhne hat eigene Gaben von der Natur erhalten; die soll er jetzt anwenden und sein Glück und seine Vervollkommnung durch sie suchen, ein jeder der Brüder in seiner Art. In diesem Fragment: «Die Reise der Söhne des Megaprazon» sollte ebenfalls dargestellt werden die Reise nach dem geistigen Lande der uralten Weisheit, das der Mensch erreichen kann, wenn er aus den Grundteilen seines Wesens heraus dasjenige entwickelt, was keimhaft in ihnen veranlagt ist; wenn er durch diese Entwickelung höhere Bewußtseinszustände erlangt. Ein vorgefundenes Stück des Planes für die Geistesreise in das Geistesreich zeigt, wie Goethe diese Reise darstellen wollte.

[ 66 ] A father sends his seven sons on a long journey to strange lands that have not yet been discovered by others. These are the seven fundamental aspects of the human being to which Theosophy refers. — The father gives these seven sons his blessing: “Happiness and prosperity, good courage, and the joyful use of their powers.” Each of the seven sons has received his own gifts from nature; he is now to apply them and seek his happiness and perfection through them, each brother in his own way. In this fragment, “The Journey of the Sons of Megaprazon,” the journey to the spiritual land of ancient wisdom was also to be depicted—a land that humanity can reach when, from the fundamental parts of its being, it develops what lies dormant within them; when, through this development, it attains higher states of consciousness. A fragment of the plan for the spiritual journey into the spiritual realm shows how Goethe intended to depict this journey.

[ 67 ] So haben wir nur einige geringe Blicke in das intimste Innere Goethes getan und immer mehr Weisheiten, Wahrheiten entdeckt, die hindurchglänzen durch seine wunderbaren Dichtungen.

[ 67 ] Thus, we have gained only a few brief glimpses into Goethe’s innermost being and discovered more and more wisdom and truths that shine through his wonderful poems.

[ 68 ] So ist es begreiflich, wenn seine Zeitgenossen zu ihm aufschauten wie zu einem Wegweiser zu unbekannten Welten. Schiller und einige andere, sie haben erkannt, oder doch geahnt, was in ihm lebte. Viele aber sind verständnislos an ihm vorübergegangen. Der Deutsche hat noch viel zu tun, um auszuschöpfen, was in seinen großen Geistern offenbart ist. Sonst kann das Wort, das Lessing über Klopstock aussprach, auch für sie nur zu sehr Geltung haben:

[ 68 ] It is therefore understandable that his contemporaries looked up to him as a guide to unknown worlds. Schiller and a few others recognized—or at least sensed—what lived within him. Many, however, passed him by without understanding. The German people still have much work to do to fully grasp what is revealed in their great minds. Otherwise, the words Lessing spoke about Klopstock may all too aptly apply to them as well:

Wer wird nicht einen Klopstock loben?
Doch wird ihn jeder lesen? - Nein.
Wir wollen weniger erhoben
Und fleißiger gelesen sein.

Who would not praise Klopstock?
But will everyone read him?—No.
We wish to be less exalted
And read more diligently.

[ 69 ] Erkannt wollen unsere großen Geister sein, dann führen sie zu ganz ungeheuer geistiger Vertiefung.

[ 69 ] Our great minds want to be recognized; when they are, they lead to an immense depth of thought.

[ 70 ] Sie führen auch zu der Weltanschauung, die von der Theosophie vertreten wird. Wilhelm von Humboldt, einer von denen, die ahnten, was in Goethes Seele lebte, er begrüßte im Jahre 1823 die erste Übersetzung der «Bhagavad Gita» mit tiefstem Verständnis. «Es lohnt sich», so sagt er, «so lange gelebt zu haben, um diese Schätze in sich aufzunehmen.»

[ 70 ] They also lead to the worldview espoused by Theosophy. Wilhelm von Humboldt, one of those who sensed what lived in Goethe’s soul, welcomed the first translation of the *Bhagavad Gita* in 1823 with the deepest understanding. “It is worth it,” he says, “to have lived this long in order to take in these treasures.”

[ 71 ] So waren diejenigen vorbereitet für die theosophische Weltanschauung, die von Goethe gelernt haben.

[ 71 ] Thus, those who had studied Goethe were prepared for the theosophical worldview.

[ 72 ] Ob, es läßt sich noch viel von Goethe lernen!

[ 72 ] There is still so much to learn from Goethe!