Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a

12 May 1917, Stuttgart

Translate the original German text into any language:

Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und Menschlicher Lebenslauf

Immortality of the Soul, Forces of Destiny, and the Human Life Course

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Von zwei verschiedenen Seiten möchte ich wichtige Fragen des menschlichen Seelenlebens heute und übermorgen Abend behandeln, sodass sich die zwei Vorträge gewissermaßen ergänzen werden. Trotzdem werde ich danach trachten, aus jedem der Vorträge auch ein selbstständiges Ganzes zu machen, sodass vielleicht jeder aus sich selber verstanden werden kann.

[ 1 ] Dear attendees! I would like to address important questions concerning the human soul life today and the day after tomorrow evening from two different perspectives, so that the two lectures will complement each other in a sense. Nevertheless, I will endeavor to make each of the lectures a self-contained whole, so that perhaps each can be understood on its own.

[ 2 ] Gestatten Sie, dass ich ausgehe von etwas Persönlichem, was sonst nicht meine Gewohnheit ist, wie diejenigen der vermehrten Zuhörer wissen, die öfter hier bei diesen Vorträgen zugegen sind, die ich durch viele Jahre hindurch über geisteswissenschaftliche Gegenstände halte.

[ 2 ] Allow me to begin with something personal, which is not my usual practice, as those of you who are frequent listeners to these lectures, which I have been giving on subjects of Spiritual Science for many years, will know.

[ 3 ] Wenn ich in den verflossenen Jahren öfter hier in Stuttgart an der Büste des in das Stuttgarter Geistesleben einstmals bedeutungsvoll eingreifenden Friedrich Theodor Vischer vorbeiging — den man im literarischen Leben «V-Vischer» nennt —, da kam mir immer ein bedeutungsvoller Ausspruch Vischers in den Sinn, den er einmal getan hat bei der Besprechung eines Buches, das auch über das seelische Leben handelt. Ein Ausspruch, der merkwürdig, man könnte fast sagen paradox klingt. Vischer spricht über die menschliche Seele, über das einheitliche menschliche Seelenleben, in den verschiedensten menschlichen körperlich-geistigen Äußerungen seines Wesens. Und er sagt: «Die Einheit des seelischen Lebens kann ganz gewiss nicht im Leibe lokalisiert sein, obwohl sie eigentlich nirgends anders als im Leibe vorkommen kann.» Ein seltsamer Widerspruch! Man könnte sagen: Wo denkt sich also Vischer eigentlich dieses einheitliche menschliche Seelenleben? Im Leibe kann es nicht sein und doch kann es außerhalb des Leibes nicht vorkommen. Warum kann dieser Ausspruch ganz besonders bezeichnend erscheinen?

[ 3 ] In years past, when I often passed by the bust of Friedrich Theodor Vischer here in Stuttgart — who once played a significant role in Stuttgart's intellectual life and is known in literary circles as “V-Vischer” — a meaningful statement by Vischer always came to mind, one he once made when discussing a book that also deals with spiritual life. A statement that sounds strange, one might almost say paradoxical. Vischer speaks about the human soul, about the unified human soul life, in the most diverse physical and spiritual expressions of its being. And he says: “The unity of spiritual life certainly cannot be located in the body, although it cannot actually occur anywhere else but in the body.” A strange contradiction! One might ask: Where, then, does Vischer actually conceive of this unified human spiritual life? It cannot be in the body, and yet it cannot occur outside the body. Why does this statement seem particularly significant?

[ 4 ] Viele der sehr verehrten Zuhörer werden ja wissen, welch scharfer Geist, welch kühner Denker gerade Vischer war; wie Vischer nicht nur den ästhetischen, sondern den allgemeinen Weltanschauungsfragen in mutigem Denken zu Leibe gegangen ist. Aber gerade deshalb kann ein solcher Ausspruch, zu dem er gekommen ist, als besonders kennzeichnend erscheinen für einen solchen kühnen Denker, der schürfen will nach den bedeutungsvollen Wesensfragen der menschlichen Seele. Mir erscheint nämlich oftmals gerade dieser Ausspruch eines Denkers, zu dem man ähnliche von anderen Denkern hinzufügen könnte, deshalb charakteristisch, weil er mir erscheint als die Stelle, bis zu welcher ein Denker gelangt, wenn er das lebendige Bedürfnis hat, die Rätsel des Lebens zu erforschen, und dennoch, wie das ja bei Vischer der Fall war, in dasjenige nicht eindringen kann, weil eben die Zeit noch nicht gekommen war für dasjenige, was in diesen Vorträgen hier als Geisteswissenschaft gemeint ist.

[ 4 ] Many of you in the audience will know what a sharp mind and bold thinker Vischer was, how he tackled not only aesthetic questions but also general questions of worldview with courageous thinking. But precisely for this reason, such a statement, which he arrived at, can appear particularly characteristic of such a bold thinker who wants to delve into the meaningful questions of the human soul. It often seems to me that this statement by a thinker, to which similar statements by other thinkers could be added, is characteristic because it appears to me to be the point a thinker arrives at when he has a vital need to explore the mysteries of life and yet, as was the case with Vischer, cannot penetrate them because the time had not yet come for what is meant here in these lectures as Spiritual Science.

[ 5 ] Vischer verfolgte gewissermaßen das Seelenleben, wie es ihm zugänglich war, und er kommt — da er an eine der wichtigsten Fragen, nämlich die Frage nach dem Wesen der Seele selber hintritt —, er kommt zu einem vollständigen Widerspruch, zu einem Widerspruch demgegenüber man fragen kann: Muss man bei ihm stehen bleiben, wie etwa Vischer bei ihm stehen geblieben ist?

[ 5 ] Vischer pursued, in a sense, the life of the soul as it was accessible to him, and he comes — since he approaches one of the most important questions, namely the question of the nature of the soul itself — he comes to a complete contradiction, a contradiction in relation to which one may ask: Must one remain with him, as Vischer, for example, remained with him?

[ 6 ] Mir, meine sehr verehrten Anwesenden, ist diese persönliche Angelegenheit deshalb besonders ernst, weil sie eben für mich eine solche ist. In den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, da ich verfolgte mit tiefem Interesse gerade dasjenige, das philosophisch Friedrich Theodor Vischer erreichen wollte, da schrieb ich als ganz junger Dachs eine Abhandlung, die dasjenige verzeichnen sollte, wovon ich auch heute noch sagen kann: Es war der erste Anfang von dem, was ich als Geistesforschung bezeichnen möchte. Es waren die ersten Gedanken, die ich niederschreiben konnte aus jener Richtung, jener Strömung des Forschens, über die ich sprechen will. Und ich sandte mein Manuskript — selbstverständlich konnte man dazumal nicht hoffen, dass solch ein Zeug von einem jungen Dachs gedruckt wird —, ich sandte mein Manuskript an Vischer. Vischer, der dazumal schon alt war, antwortete mir sehr freundlich und ging merkwürdigerweise ein gerade auf dasjenige, was ich als den Nerv meines damaligen Forschungsanfanges bezeichnen möchte, sodass ich schon glaubte, es einmal erleben zu können, einen Mann, der mit dem Geistesleben des neunzehnten Jahrhunderts so sehr verknüpft war, dafür gewinnen zu können, für die Sache Interesse zu haben; wie Vischer für alles dasjenige, was sich als irgendetwas Neues geltend machte, gerade das weitgehendste Interesse und das größte Wohlwollen hatte.

[ 6 ] For me, ladies and gentlemen, this personal matter is particularly serious because it is so important to me. In the 1880s, when I was following with deep interest precisely what Friedrich Theodor Vischer wanted to achieve philosophically, I wrote a treatise as a very young badger that was intended to record what I can still say today: it was the very beginning of what I would like to call spiritual research. These were the first thoughts I was able to write down from that direction, that current of research, which I want to talk about. And I sent my manuscript — of course, at that time, one could not hope that such material from a young badger would be printed — I sent my manuscript to Vischer. Vischer, who was already old at the time, replied very kindly and, strangely enough, addressed precisely what I would like to call the nerve center of my early research, so that I already believed I would be able to experience, for once, winning over a man who was so closely connected with the spiritual life of the nineteenth century to take an interest in the matter; just as Vischer had the most extensive interest and the greatest goodwill for everything that presented itself as something new.

[ 7 ] Nun starb Friedrich Theodor Vischer bald darauf, und es blieb bei diesem einmaligen Briefwechsel. Aber gerade wenn ich Fundamentales der Geisteswissenschaft erörtern möchte, dann muss ich — insbesondere liegt das ja nahe am hiesigen Orte — Vischers gedenken; denn diejenigen, die dann nachgekommen sind, und die nicht mehr die tiefere Philosophie der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts so wie Friedrich Theodor Vischer in ihrer Seele trugen, die konnten sich viel weniger zu dem finden, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist. Und so muss denn Geisteswissenschaft eben kämpfen, und sie wird sich ihr Dasein schon erkämpfen. Warum insbesondere dieser Ausspruch heute herangezogen wird, das mag sich etwa aus dem Folgenden ergeben: Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, heißt: das geistige Leben, das geistige Wesen des Menschen, insofern es im Seelischen sich ausdrückt, so erforschen, wie Naturwissenschaft das körperliche Wesen des Menschen erforscht, insofern sich dieses körperliche Wesen als die Bedingung ergibt für das Seelische. Nur müssen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft sozusagen nach entgegengesetzten Richtungen hin ganz verschiedene Wege einschlagen. Und dennoch liegt etwas Ähnliches in diesen Wegen der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft.

[ 7 ] Friedrich Theodor Vischer died soon after, and this single exchange of letters remained. But especially when I want to discuss the fundamentals of Spiritual Science, I must remember Vischer—particularly since this is so close to home—because those who came after him and who no longer carried the deeper philosophy of the second half of the nineteenth century in their souls as Friedrich Theodor Vischer did, were much less able to identify with what is meant here by Spiritual Science. And so Spiritual Science must fight, and it will fight for its existence. Why this statement in particular is being used today may be apparent from the following: Spiritual research, as it is meant here, means the spiritual life, the spiritual essence of the human being, insofar as it expresses itself in the soul, just as natural science researches the physical essence of the human being, insofar as this physical essence is the condition for the soul. Only natural science and Spiritual Science must, so to speak, take completely different paths in opposite directions. And yet there is something similar in these paths of natural science and Spiritual Science.

[ 8 ] Sehen wir uns kurz, bevor wir auf die eigentliche Geisteswissenschaft eingehen, mit Bezug auf die heutige Frage einmal die Art und Weise an, wie der Naturforscher von seinem Gesichtspunkte aus an die körperlichen Bedingungen des Seelenlebens herantritt. Er sucht zu erforschen, was in den Sinnen vorgeht, wenn äußere Sinneseindrücke auf diese Sinne gemacht werden. Er sucht dann zu erforschen, wie sich die Sinneseindrücke fortpflanzen durch das Nervensystem. Er sucht mit den Mitteln, soweit sie ihm heute schon zugänglich sind, wie weiter verarbeitet werden die Sinneseindrücke durch das Vorstellen, durch das Fühlen, durch das Denken, der innere körperliche Mechanismus, oder besser gesagt Organismus, zugeordnet werden kann. Er verfolgt dann, wie die Nerven sich verästeln und sich vereinigen im Gehirn, im Nervensystem, wie sie sich eingliedern dem Muskelsystem und so weiter. Und er versucht, indem er dieses körperlich verfolgt, ein Bild zu bekommen, welche Bedingungen, körperliche Bedingungen vorhanden sind für das seelische Erleben. Er sucht eine Vorstellung zu bekommen, was eigentlich im Organismus des Menschen vor sich geht, in dem das seelische Leben sich abspielt.

[ 8 ] Before we turn to the actual Spiritual Science, let us briefly consider, with reference to today's question, the way in which the natural scientist approaches the physical conditions of the soul life from his point of view. He seeks to investigate what happens in the senses when external sensory impressions are made on these senses. He then seeks to investigate how sensory impressions are transmitted through the nervous system. Using the means available to him today, he seeks to determine how sensory impressions are further processed by mental images, feeling, and thinking, the inner physical mechanism, or rather organism, can be assigned. He then follows how the nerves branch out and unite in the brain, in the nervous system, how they integrate with the muscular system, and so on. And by following this physically, he tries to get a picture of what conditions, physical conditions, are present for the soul's experience. He seeks to gain a mental image of what is actually going on in the human organism in which the soul life takes place.

[ 9 ] Man darf sagen, und ich habe es oftmals hier betont, dass Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, die großen bedeutsamen Ergebnisse der modernen Naturwissenschaft voll anerkennen will. Und man darf sagen, dass Naturwissenschaft gerade auf diesem Wege recht weit gekommen ist, zu recht anerkennungswerten Resultaten gekommen ist, dass heute schon in einer gewissen Weise erforscht werden kann — ich kann das jetzt nicht im Einzelnen auseinandersetzen —, welche einzelne Partien des Gehirns tätig sind, wenn sich Sprachvorstellungen, Gehörvorstellungen, Gesichtsvorstellungen entwickeln, das seelische Leben durchziehen und so weiter.

[ 9 ] It can be said, and I have often emphasized this here, that Spiritual Science, as it is meant here, wants to fully acknowledge the great and significant results of modern natural science. And it can be said that natural science has come a long way in this direction, has achieved results that are truly worthy of recognition, that today it is already possible to investigate in a certain way — I cannot go into detail here — which individual parts of the brain are active when linguistic, auditory, and visual images develop, permeate spiritual life, and so on.

[ 10 ] Was sucht da der Naturforscher eigentlich zu erreichen? Er sagt sich: Indem wir uns als Mensch erleben, erleben wir Sinneseindrücke, die wir zu Vorstellungen, zu Begriffen, zu Ideen verarbeiten, die in uns Gefühle auslösen, die zu gewissen Willensimpulsen führen. Das alles so zu betrachtet, wie man es zunächst erlebt, ist für den Naturforscher nur Ausgangspunkt. Er verfolgt das zunächst nur, indem er sich sagt: Wie gestaltet sich das seelische Leben, und wie kann ich, indem Vorstellung sich an Vorstellung gliedert, indem Sinneseindrücke sich zu Vorstellung umgestalten, indem aus der Tiefe der Seele der Wille quillt, wie kann ich mir denken, dass da die innere Organisation des Menschen, die körperliche Organisation des Menschen sich mitbetätigt? Das heißt, er nimmt das seelische Leben nur als Ausgangspunkt und verfolgt dann diesen Wunderbau der menschlichen Organisation, der einem als Wunderbau besonders dann aufgeht, wenn man ihn in Beziehung zu dem menschlichen Seelenleben betrachtet. Wenn man diese Wege verfolgt, wozu gelangt man dann eigentlich? Dazu gelangt man, dasjenige am Menschenwesen zu erforschen, zu ergründen — wie gesagt, schöne Fortschritte sind auf diesem Gebiet gemacht worden — dasjenige, was am Menschen das Vergängliche ist, das Sterbliche ist, was mit dem Tode den Elementen des Erdenlebens übergeben wird. Die sterblichen Bedingungen des Menschenlebens, sie treten auf dem Wege dieser Forschung vor das menschliche Wissen, vor das menschliche Erkennen.

[ 10 ] What is the natural scientist actually trying to achieve here? He says to himself: As we experience ourselves as human beings, we experience sensory impressions that we process into mental images, ideas, and feelings that trigger certain impulses of will. For the natural scientist, observing all this as it is initially experienced is only a starting point. He pursues this initially only by asking himself: How is spiritual life structured, and how can I, by connecting one mental image to another, by transforming sensory impressions into mental images, by allowing the will to spring from the depths of the soul, how can I imagine that the inner organization of the human being, the physical organization of the human being, is also involved? In other words, he takes the soul life only as a starting point and then pursues this marvelous structure of human organization, which appears as a marvel especially when viewed in relation to the human soul life. If one pursues these paths, what does one actually arrive at? One arrives at researching and fathoming that which is mortal in the human being — as I said, great progress has been made in this field — what is transitory and mortal in human beings, what is handed over to the elements of earthly life at death. The mortal conditions of human life come to the fore in human knowledge and human understanding through this research.

[ 11 ] Es entsteht nun die Frage: Ist es vielleicht ebenso möglich, als wie gewissermaßen der Naturforscher das seelische Leben als den Ausgangspunkt betrachtet, und dann von diesem übergeht zum Körperlichen, zum Sterblichen, zum Vergänglichen; ist es ebenso möglich, das seelische Leben nach der anderen Seite als Ausgangspunkt zu betrachten und den Weg ebenso ins Unsterbliche, ins Unvergänglich-Geistige hineinzufinden, wie der Naturforscher den Weg ins Sterblich-Vergängliche hineinfinder? Das ist die große Rätselfrage des Daseins, welche nicht nur mit gewissen Stufen der Entwicklung zusammenhängt, sondern welche zusammenhängt mit den tiefsten Gemüts- und Geistesbedürfnissen und Sehnsuchten des Menschen. Möglich müsste es dann aber sein, das können wir ja von vorneherein sagen, möglich müsste es sein, gewissermaßen den Geist ebenso zu finden nach der anderen Seite hin, wie es möglich ist, den Körper zu finden nach der einen Seite hin.

[ 11 ] The question now arises: Is it perhaps just as possible, as the natural scientist, so to speak, regards the soul life as the starting point and then moves on from this to the physical, the mortal, the transitory; is it also possible to regard spiritual life on the other side as the starting point and to find the way into the immortal, into the imperishable spiritual, just as the natural scientist finds the way into the mortal and transitory? This is the great mystery of existence, which is not only connected with certain stages of development, but which is connected with the deepest emotional and spiritual needs and longings of human beings. But then it must be possible, we can say that from the outset, it must be possible, in a sense, to find the spirit on the other side, just as it is possible to find the body on this side.

[ 12 ] Nun ist es interessant, dass ja bei den Betrachtungen, welche die verschiedenen Denker gerade im neunzehnten Jahrhundert über das menschliche Seelenleben angestellt haben, gerade diese Art der Fragestellung, die ich jetzt aufgeworfen habe, diesen Denkern im Grunde gar nicht gekommen ist; dass sie gar nicht gesucht haben, dasjenige, was zu glänzenden Resultaten nach der einen Seite geführt hat, etwa auch nach der anderen Seite zu versuchen. Und ich möchte betonen, dass das wichtig ist, was ich jetzt sage, dass die Fragestellung, das Aufwerfen des Rätsels in der Weise, wie ich es jetzt eben auseinandergesetzt habe, gar nicht aufgekommen ist, dass die Denker sich gar nicht versucht gefühlt haben, nach dieser Seite hin ihre Gedanken, Ideen und Vorstellungen zu richten. Wenn wir fragen: Woher kommt denn dieses Merkwürdige, dass die Denker zu etwas so Einfachem zu gehen im Grunde genommen keine Veranlassung genommen haben?

[ 12 ] Now it is interesting that in the reflections on human soul life made by various thinkers, especially in the nineteenth century, this very question that I have now raised did not occur to these thinkers at all; that they did not even attempt to apply what had led to brilliant results on one side to the other side as well. And I would like to emphasize that what I am saying now is important, that the question, the raising of the riddle in the way I have just explained, did not arise at all, that the thinkers did not feel compelled to direct their thoughts, ideas, and mental images in this direction. If we ask: Where does this strange phenomenon come from, that thinkers have basically taken no opportunity to go to something so simple?

[ 13 ] Wenn wir uns diese Frage aufwerfen, wir können sie uns am besten aus den Tatsachen beantworten. Die verehrten Zuhörer, die hier schon bei früheren Vorträgen waren, werden wissen, dass ich, ohne irgendwie mich zu dem, was Eduard von Hartmann als seine Philosophie vertreten hat, zu bekennen, doch Hartmann als einen sehr bedeutungsvollen Philosophen des neunzehnten Jahrhunderts betrachte. Nun hat Eduard von Hartmann geradezu alle Gebiete des menschlichen Erlebens philosophisch zu durchforschen gesucht. Interessant ist es nun, wie er, indem er versuchte, einen Abriss der Seelenkunde zu schreiben, gerade im Anfang auf gewisse Schwierigkeiten der Seelenkunde stieß, das heißt auf Schwierigkeiten, die für ihn und, wie er meint, auch für andere vorhanden waren. Er weist hin auf Schwierigkeiten, die sehr interessant sind, von Hartmann selber dargestellt zu finden, und ich möchte sie deshalb mit seinen eigenen Worten Ihnen anführen. Ich werde also die Worte Hartmanns anführen, nur dabei die fremdsprachlichen Ausdrücke durch deutsche ersetzen, weil ich will, dass dadurch eine weniger pedantische Philosophensprache herauskommt. Hartmann sagt:

[ 13 ] When we ask ourselves this question, we can best answer it from the facts. The esteemed listeners who have been here for previous lectures will know that, without in any way professing to agree with what Eduard von Hartmann represented as his philosophy, I nevertheless regard Hartmann as a very significant philosopher of the nineteenth century. Now, Eduard von Hartmann sought to explore philosophically virtually all areas of human experience. It is interesting to note how, in his attempt to write an outline of psychology, encountered certain difficulties in psychology right at the beginning, that is, difficulties that existed for him and, as he believes, for others as well. He points to difficulties that are very interesting presented by von Hartmann himself, and I would therefore like to quote them to you in his own words. I will therefore quote Hartmann's words, but replace the foreign language expressions with German ones, because I want to avoid using overly pedantic philosophical language. Hartmann says:

Die Seelenkunde will feststellen, was gegeben ist in der Seele. Dazu muss sie es vor allen Dingen beobachten. Nun ist es aber eine eigene Sache um diese Beobachtung der eigenen seelischen Erlebnisse, da sie [das, worauf sie sich richtet, unvermeidlich in geringerem oder höherem Grade stört und verändert.]

Psychology seeks to determine what is present in the soul. To do this, it must above all observe it. However, the observation of one's own mental experiences is a peculiar matter, since it inevitably disturbs and alters [that which it is directed toward to a lesser or greater degree].

[ 14 ] Hartmann machte darauf aufmerksam, wie es schwierig ist, einen memorierten Stoff herzusagen, und während dieses Hersagens sich selber zu beobachten, daher kommt diese Schwierigkeit. Hartmann leitet daraus her die Unmöglichkeit der Selbstbeobachtung seelischer Vorgänge, weil man sie zerstört, wenn man sie beobachtet.

[ 14 ] Hartmann pointed out how difficult it is to recite memorized material and to observe oneself while doing so, which is where this difficulty comes from. Hartmann concludes from this that it is impossible to observe one's own mental processes because observing them destroys them.

[Starke Gefühle oder gar Affekte, wie Angst und Zorn, machen zur Beobachtung der eigenen psychischen Phänomene unfähig. Oft fälscht die Beobachtung das Ergebnis, indem sie in das Gegebene erst das hineinträgt, was sie zu finden erwartet. Es scheint fast unmöglich, sich die psychischen Erlebnisse des gegenwärtigen Augenblicks so zu vergegenständlichen, dass man sie zum Objekt einer gleichzeitigen Beobachtung macht; entweder lässt das Erlebnis die gleichzeitige Beobachtung nicht aufkommen, oder die Beobachtung fälscht und verdrängt das Erlebnis.]

[Strong feelings or even emotions, such as fear and anger, make it impossible to observe one's own psychological phenomena. Observation often distorts the result by first introducing into the given situation what it expects to find. It seems almost impossible to objectify the psychological experiences of the present moment in such a way that they become the object of simultaneous observation; either the experience does not allow simultaneous observation to occur, or the observation falsifies and represses the experience.

[ 15 ] Sehen Sie, sehr verehrte Anwesende, da haben wir den Hinweis auf eine Schwierigkeit, die sich dem Seelenforscher ergibt. Er sagt:

[ 15 ] You see, dear attendees, here we have an indication of a difficulty that arises for the soul researcher. He says:

Wollen wir die seelischen Erlebnisse beobachten, dann verfälschen wir sie dadurch, dass wir den Blick hinlenken; wir kommen nicht zustande mit der Beobachtung.

If we want to observe spiritual experiences, we distort them by directing our gaze toward them; we cannot succeed in observing them.

[ 16 ] Gerade aber, wenn man die Hervorhebung dieser Schwierigkeit recht ins Auge fasst, so merkt man, was ich vorhin sagte, dass ein solcher Denker gar nicht darauf kommt, die Frage sich richtig zu stellen und daher nicht kann dasjenige, was Fragen ist nach Unsterblichkeit, mit entsprechenden erkenntnismäßigen Formen bringen.

[ 16 ] But precisely when one really takes this difficulty to heart, one realizes what I said earlier, that such a thinker does not even think to ask the question correctly and therefore cannot bring what is the question of immortality into line with the appropriate forms of knowledge.

[ 17 ] Sehen wir uns nur die Sache einmal klar an. Lässt sich der naturwissenschaftliche Denker dadurch, dass die seelischen Erlebnisse nicht beobachtet werden können, die auch für ihn Ausgangspunkt sein müssen, lässt er sich abhalten, die körperlichen Vorgänge nun in der entsprechenden Weise zu erforschen? Nein. Er nimmt die seelischen Erlebnisse, trotzdem sie für ihn ganz genau ebenso der Beobachtungsschwierigkeit unterliegen, zum Ausgangspunkte. Dann geht er auf das Körperliche über und erforscht auf diesem Gebiete das, was die vergänglichen Bedingungen des Seelenlebens sind. Könnte es nicht ganz genau ebenso sein mit Bezug auf die Erforschung der geistigen Unterlagen, wie es mit der Erforschung der körperlichen Unterlagen des Seelenlebens ist? Braucht denn die geistige Erforschung der Seele — der Umstand, dass wir durch die Beobachtung nicht recht herankommen an die seelischen Erscheinungen —, mehr zu stören, als die Erforschung der Körperlichen stört? Die Sache ist diese, dass es leichter ist, bequemer ist, von den seclischen Erlebnissen als Ausgangspunkt nun überzugehen zu den körperlichen Vorgängen und körperlichen Teilen und Gliedern.

[ 17 ] Let us look at the matter clearly. Does the natural scientist, because the soul experiences that must also be his starting point cannot be observed, allow himself to be deterred from investigating the physical processes in the appropriate way? No. He takes spiritual experiences as his starting point, even though they are just as difficult for him to observe. Then he moves on to the physical and investigates in this field what the transitory conditions of the soul life are. Could it not be exactly the same with regard to the investigation of the spiritual foundations as it is with the investigation of the physical foundations of the soul life? Does the spiritual investigation of the soul — the fact that we cannot really approach soul phenomena through observation — more than the exploration of the physical disturbs it? The fact is that it is easier, more convenient, to move from soul experiences as a starting point to physical processes and physical parts and limbs.

[ 18 ] Schwieriger ist nun, den Weg von dem seelischen Ausgangspunkt ins Geistige hinein zu finden. Aber gefunden werden kann er, dieser Weg, und man kann — trotzdem er ja nicht sein kann ein ebensolcher, möchte man sagen, wo die Sache immer stehen bleibt, die Körperbeschaffenheit bleibt ja für eine gewisse Zeit bestehen, wenn das seelische Leben auch flüchtig ist; trotzdem er kein so äußerlicher sein kann —, der Übergang kann gemacht werden, aber er muss innerlich gemacht werden. Gewissermaßen muss die Beobachtung von den seelischen Erlebnissen innerhalb des Geistigen stehen bleiben; es muss der Weg ins Geistige gefunden werden. Dazu ist es notwendig, dass man nicht rekurriert auf irgendetwas, was äußerlich erlebt wird, sondern auf irgendetwas, was innerlich nur erlebt werden kann. Das heißt, wie der Naturforscher sich die Sinnesvorgänge vorlegt und die Brücke sich schlägt zu den körperlichen Erscheinungen, so muss ganz innerhalb des geistig-seelischen Lebens die Brücke geschlagen werden zu dem Geistigen. Diese Brücke schlagen kann man nur, wenn man Geisteswissenschaft ebenso treiben will, mit demselben Ernst, mit derselben Gründlichkeit, nur eben als eine auf das Innere sich stützende Wissenschaft, wie die Naturwissenschaft ist.

[ 18 ] It is more difficult to find the path from the spiritual starting point into the spiritual realm. But this path can be found, and one can — even though it cannot be the same, one might say, where things always remain the same, for the physical constitution remains for a certain time, even if the soul life is fleeting; even though it cannot be so external — the transition can be made, but it must be made internally. In a sense, the observation of soul experiences must remain within the spiritual realm; the path into the spiritual realm must be found. To do this, it is necessary not to refer to anything that is experienced externally, but to something that can only be experienced internally. That is, just as the natural scientist presents the sensory processes and builds a bridge to physical phenomena, so too must a bridge be built entirely within spiritual -spiritual life. This bridge can only be built if one wants to pursue Spiritual Science with the same seriousness and thoroughness as natural science, only as a science based on the inner life.

[ 19 ] Das Erste, was dabei in Betracht kommt, das ist, dass diejenigen seelischen Kräfte, welche sich in den Gedanken, den Vorstellungen äußern, nicht verfolgt werden nach der einen Seite hin, indem man prüft, wie sich die Nervenbahnen verästeln und finden, wenn sich Vorstellungen verketten, sondern dass dieses Vorstellungsund Gedankenleben nach der Seite der Gedankenkraft verfolgt wird, also nach der anderen Seite hin. Und da muss man vielfach, indem man im reinen inneren Erleben stehen bleibt, gerade entgegengesetzte Wege einschlagen, wie diejenigen sind, die das gewöhnliche, alltägliche Denken, wie wir es brauchen für die Lebenspraxis und die äußere Wissenschaft, nicht einschlägt.

[ 19 ] The first thing to consider here is that the soul forces that express themselves in thoughts and mental images should not be pursued on one side by examining how the nerve pathways branch out and connect when mental images are linked together, but that this life of ideas and thoughts should be pursued on the side of the power of thought, that is, on the other side. And here, by remaining in pure inner experience, one must often take paths that are precisely opposite to those taken by ordinary, everyday thinking, as we need it for practical life and external science.

[ 20 ] Ich will nun versuchen zu schildern, wie zunächst das Denken behandelt werden muss, wenn man die Brücke hinschlagen will zu der Art und Weise, wie sich das Denken in der Seele ausdrückt, bis zu dem, wie die Kraft des Denkens aus dem Geiste herausquillt, so wie die körperlichen Bedingungen aus dem Körper herausquillen, wenn gedacht [wird]. Der Weg des Denkens muss da so gehen, dass man zuerst sozusagen sich die Frage vorlegt: Ja, in welcher Weise ist denn das Denken überhaupt entwicklungsfähig? Wenn man die Abhängigkeit des Denkens, die Abhängigkeit des Vorstellens von den körperlichen Untergründen ins Auge fasst, dann kommt man niemals zurande. Man muss einen Weg einschlagen, welcher dasjenige, was im Denken erlebt wird, möglichst unabhängig macht von der körperlichen Unterlage. Man muss herausreißen das Denken aus dem Eingebertetsein in die körperlichen Grundlagen. Man kann dieses erreichen.

[ 20 ] I will now try to describe how thinking must first be treated if one wants to build a bridge to the way thinking expresses itself in the soul, to the way the power of thinking springs forth from the spirit, just as physical conditions spring forth from the body when thinking . The path of thinking must be such that one first asks oneself, so to speak: Yes, in what way is thinking capable of development at all? If one considers the dependence of thinking, the dependence of mental images on physical foundations, then one will never succeed. One must take a path that makes what is experienced in thinking as independent as possible from the physical foundation. One must tear thinking out of its embeddedness in physical foundations. This can be achieved.

[ 21 ] Und ich will heute vom prinzipiellen Standpunkte aus einige der Wege weisen in dieser Richtung. Alles Weitere können Sie nachlesen in den Schriften «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?», in der «Geheimwissenschaft» und in ähnlichen Büchern. Man gelangt dazu, wenn man in starker innerer Selbsterziehung, in Selbstzucht sich dahin bringt, das Denken möglichst zu versenken in die äußeren Welterlebnisse, in das, was man in der Welt mitmacht; wenn man nicht einen Gedanken davon abhängig macht, was er ist, wenn man ihn gefasst hat, er dann in die Unbewusstheit hinuntergegangen ist, und später aus der Erinnerung [mangelhaft] hervorgeholt wird. Wenn man so die Gedanken spielen lässt, wie sie von selber heraufspielen aus dem Seelenleben, dann erreicht man für die Geistesforschung nichts. Wenn man sich aber bemüht, mit seinem Denken möglichst objektiv umfassend die Erlebnisse der Welt zu verfolgen, wie sie unabhängig von uns sich abspielen, wenn man das in sein Denken hereinzubekommen sucht, was man außen erleben kann, was man vergessen kann, und es ist doch so da, wie man es erlebt hat; dass es vergessen wurde, beruht auf der mangelhaften Organisation. Darauf muss hingesehen werden, dass man in möglichst vielen Dingen der Welt einzudringen versucht.

[ 21 ] And today I want to point out some of the ways in this direction from a fundamental standpoint. You can read more about this in the writings “How to Attain Knowledge of Higher Worlds,” in “Occult Science,” and in similar books. One arrives at this when, through strong inner self-discipline, through self-discipline, you bring yourself to immerse your thinking as much as possible in the external experiences of the world, in what you experience in the world; if one does not make a thought dependent on what it is, if one has grasped it, it then sinks into unconsciousness and is later retrieved [imperfectly] from memory. If one lets thoughts play out as they arise spontaneously from the soul life, then one achieves nothing for spiritual research. But if one endeavors to follow the experiences of the world as objectively and comprehensively as possible with one's thinking, as they unfold independently of us, if one tries to bring into one's thinking what one can experience outside, what one can forget, and yet it is still there as one experienced it; that it was forgotten is due to poor organization. One must strive to penetrate as many things in the world as possible.

[ 22 ] Dann gelangt man dazu, ich möchte sagen eine Art ich bitte, den Ausdruck nicht misszuverstehen, er wird schon noch klarer werden —, man gelangt dazu, eine Art Gelenkigkeit des Denkens zu bekommen. Das Denken wird aus einer gewissen Starrheit herausgerissen, aus jener Starrheit und Ungelenkigkeit, die davon herrührt, dass die meisten Menschen so denken, wie es ihnen die Außenwelt oder die in der Sprache niedergelegten Vorstellungen vorschreiben. Wenn man versucht, in die Welt einzudringen, sich die verschiedensten Gesichtspunkte für das eine oder andere Erlebnis zurechtlegt — die Erlebnisse können von vielen Seiten beleuchtet und verstanden werden —, wenn man sich das sagt, kann man sich dazu bringen, dass einem nicht bloß ein Gedanke, der ja nur oftmals ein Vorurteilsgedanke ist, auftaucht bei irgendeinem Anlass, sondern wenn man es dazu bringt, dass man wirklich, so wie man einen Baum von verschiedenen Seiten her fotografieren kann, man sein Denken von den verschiedensten Gesichtspunkten aus an eine Sache herantreten lassen kann, dann wird das Denken gelenkig und frei gemacht von der Starrheit und Ungelenkigkeit der körperlichen Bedingungen. Man gelangt dazu, was sehr wichtig ist anzuerkennen, das Denken so zu bekommen, dass es mit der Leichtigkeit der Phantasie wirkt, und dennoch nicht phantastisch ist. Darauf kommt es an, dass es gelenkig ist, sodass einem viel aufstößt, einem viel einfällt, und dennoch nichts von Phantastik und Schwärmerei in diesem Geltend-Machen der verschiedenen Gesichtspunkte sich einmischt. Verknüpft muss das sein mit etwas anderem, mit einer strengen Selbstkontrolle, sonst kann das Denken mit einem durchgehen; es kann eben leicht in Schwärmerei und Phantastik verfallen.

[ 22 ] Then one arrives at, I would say, a kind of—please do not misunderstand the expression, it will become clearer—one arrives at a kind of flexibility of thinking. Thinking is torn out of a certain rigidity, out of that rigidity and inflexibility that comes from the fact that most people think in the way prescribed by the outside world or by the mental images laid down in language. If you try to penetrate the world, to arrange the most diverse points of view for one experience or another — experiences can be illuminated and understood from many sides — if you tell yourself that, you can bring yourself to the point where not just one thought, which is often only a prejudiced thought, arises on any occasion, but if you manage to you can really approach a thing from the most diverse points of view, just as you can photograph a tree from different sides, then thinking becomes flexible and free from the rigidity and inflexibility of physical conditions. You come to recognize, which is very important, that thinking should work with the ease of imagination, and yet not be fantastical . What matters is that it is flexible, so that many things come to mind, many ideas occur to you, and yet nothing of fantasy and enthusiasm interferes with this assertion of different points of view. This must be linked to something else, to strict self-control, otherwise your thinking can run away with you; it can easily fall into enthusiasm and fantasy.

[ 23 ] Selbstkontrolle besteht darin, dass man sich sagt, was ja manche Menschen sich nicht gerne sagen, man muss in der Geistesforschung, um weiterzukommen, sich bis zu einem hohen Grade selbst einschätzen können, man muss sich sagen können: So und so war mein bisheriges Leben, danach kannst du das oder jenes beurteilen, du darfst, weil du diese Vorbedingungen hast für etwas, dich den Gedanken, die da kommen, überlassen, du hast dich dazu vorbereitet, du wirst nicht verliebt sein in deine Gedanken; du wirst nicht ins Blaue hinein alle möglichen Gedanken heranschießen lassen; Selbstkontrolle verbunden mit Gelenkigkeit des Denkens, das ist es, worauf es ankommt. Allerdings muss ein solches Verfahren mit seinem Denken immer wieder und wiederum getrieben werden. Dann gelangt man dazu, durch inneres Erleben zu wissen, dass man allmählich unabhängig wird von den körperlichen Bedingungen des Denkens, und man gelangt dazu, eine Art Wissen zu haben von dem, was da eigentlich vorgeht. Sollte ich beschreiben, was da eigentlich vorgeht, so lassen Sie es mich beschreiben durch etwas Negatives.

[ 23 ] Self-control consists in telling yourself what some people do not like to tell themselves, that in spiritual research, in order to make progress, you must be able to assess yourself to a high degree, you must be able to say to yourself: This is how my life has been so far, and based on that you can judge this or that. Because you have these preconditions for something, you can surrender to the thoughts that come to you. You have prepared yourself for this, you will not be in love with your thoughts; you will not let all kinds of thoughts shoot into the blue. Self-control combined with flexibility of thinking is what matters. However, such a process must be driven again and again with one's thinking. Then one comes to know through inner experience that one is gradually becoming independent of the physical conditions of thinking, and one comes to have a kind of knowledge of what is actually going on. If I were to describe what is actually going on, let me describe it through something negative.

[ 24 ] Der Vorgang, den ich eben beschrieben habe, ist das Entgegengesetzte von dem, was man unter Hypnose und Suggestion versteht. Was geschieht bei der Hypnose, der Suggestion? Da wird die Kontrolle herabgesetzt. Da wird bewirkt, dass derjenige, auf den die Hypnose ausgeübt werden soll, seine eigenen Vorstellungen auslöscht. Sonst würde er den Hypnotiseur zum Teufel jagen, wenn er andere Gesichtspunkte in Betracht ziehen könnte. Hypnose ist verknüpft mit der Herabdämpfung der Urteilskraft. Der geistesforscherische Weg ist der Weg, welcher die Urteilskraft, die Kritik nicht herabsetzt, sondern im Gegenteil die Kritik aufruft, indem eben das Denken gelenkig gemacht wird, und einem bei jeder Vorstellung zugleich vor Augen stehen alle Einwände dafür und dagegen und dergleichen. Dadurch nimmt der geistesforscherische Weg diejenige Richtung, die gerade nach der entgegengesetzten Seite von allem Illusionären, allem Halluzinatorischen liegt, die entgegengesetzt ist allem demjenigen, was zu Zwangsvorstellungen führen kann.

[ 24 ] The process I have just described is the opposite of what is understood by hypnosis and suggestion. What happens during hypnosis, during suggestion? Control is reduced. The person on whom hypnosis is to be performed is made to erase their own mental images. Otherwise, they would chase the hypnotist away if they could consider other points of view. Hypnosis is linked to the dulling of judgment. The path of spiritual research is the path that does not diminish judgment, does not reduce critical faculties, but on the contrary calls for criticism, by making thinking flexible, so that with every mental image, all the objections for and against it, and the like, are immediately apparent. In this way, the path of spiritual research takes the direction that lies precisely on the opposite side of everything illusory, everything hallucinatory, which is the opposite of everything that can lead to obsessive ideas.

[ 25 ] Denn dadurch, dass gerade das Denken nach der Richtung der Urteilsfähigkeit und Kritik getrieben wird, dadurch werden alle Illusionen durchschaut, viel leichter als im gewöhnlichen Leben. Alle Illusionen werden vertrieben. Es wird gerade der Weg gefunden, wo alles Halluzinatorische ausgelöscht werden muss, wenn es auftreten wollte. Es kann aber gar nicht auftreten, wenn der Weg, den ich als den geistesforscherischen bezeichnet habe, richtig gegangen wird. So gibt es nichts Sichereres, um den Menschen über alles Schwärmerische, alles Vertrackt-Mystische, alles Illusorische hinwegzuführen, als den geistesforscherischen Weg. Nimmt man eine solche Sache ernst, dann wird sie einem nach und nach ein inneres Bedürfnis.

[ 25 ] For by directing thinking toward judgment and criticism, all illusions are seen through much more easily than in ordinary life. All illusions are dispelled. The path is found where everything hallucinatory must be eradicated if it were to arise. But it cannot arise at all if the path I have described as spiritual research is followed correctly. Thus, there is nothing more certain to lead people beyond all enthusiasm, all complicated mysticism, all illusion, than the path of spiritual research. If one takes such a thing seriously, then it gradually becomes an inner need.

[ 26 ] Und diejenigen der verehrten Zuhörer, die auch solche Vorträge von mir gehört haben, wie sie seit Jahren gehalten werden in engeren Kreisen, die werden wissen, wie es gerade mir Bedürfnis ist — verzeihen Sie diese persönliche Bemerkung —, wenn irgendein Gegenstand entwickelt wird, stets nicht nur zu sagen, das stellt sich so oder so dar, sondern immer eine ganze Fülle von Einwänden eine ganze Fülle von anderen Gesichtspunkten herbeizutragen, sodass immer dasjenige, was im Augenblick besprochen wird, von den verschiedensten Seiten her beleuchtet wird. Und nicht nur das wird vorgebracht, was für eine Sache spricht, sondern immer wird auch versucht, die Dinge hervorzuheben, die gegen das sprechen, was eigentlich festgestellt wird, damit man das Denken gelenkig bekommt, und man an die Sache in der richtigen Weise hintreten kann, daher in meinen Vorträgen zu finden ist eine Fülle von Widerlegungen desjenigen, was ich behaupte, aus dem einfachen Grunde, weil ich jeden in die Lage versetzen will, auch das entgegengesetzt Behauptete wirklich in seiner Seele lebendig zu machen. Man kann also alle diese Widerlegungen in meinen eigenen Schriften hinlänglich finden. Das wissen diejenigen, die mit diesen Schriften näher bekannt sind. Das hat sogar schon zu mancherlei sonderbaren Dingen geführt.

[ 26 ] And those of you in the audience who have also heard such lectures from me, as they have been given for years in smaller circles, will know how it is my need — forgive this personal remark — when any subject is developed, not only to say that it is this way or that way, but always to bring forth a whole wealth of objections, a whole wealth of other points of view, so that whatever is being discussed at the moment is always illuminated from a wide variety of angles. And not only is what speaks for a cause brought forward, but an attempt is always made to highlight the things that speak against what is actually being stated, so that one's thinking becomes flexible and one can approach the matter in the right way. Therefore, in my lectures, one finds a wealth of refutations of what I assert, for the simple reason that I want to enable everyone to to truly bring to life in their souls the opposing claims. All these refutations can therefore be found in sufficient detail in my own writings. Those who are more familiar with these writings know this. This has even led to some strange things.

[ 27 ] Es machen sich ja, wie das begreiflich ist, mit mehr oder minder guten oder schlechten Absichten, die sonderbarsten Gegnerschaften gegen die Geisteswissenschaft geltend. Solche Gegnerschaften, wie die, von der ich jetzt sprechen will, hat man eigentlich noch wenig erlebt. Das, was von dieser Seite vorgebracht wird, das ist als Widerlegung gedacht, aber diese Widerlegung ist aus meinen eigenen Büchern abgeschrieben. Sodass dasjenige, was den Leuten dargeboten wird — es wird in Gift und Galle getaucht von jener Seite vorgebracht —, meine eigenen Worte sind. Niemand macht es den Gegnern so leicht als derjenige, der es mit der Geisteswissenschaft ernst nimmt. Denn ihm kommt es nicht darauf an, den anderen zu übertölpeln mit Behauptungen, sondern ihm kommt es darauf an, ein lebendiges Denken zu entwickeln, das sich frei macht von den körperlichen Bedingungen, dass [es] das Geistige ist, das den Vorstellungen und dem Denkleben zugrunde liegt. Und weniger kommt es dem Geistesforscher darauf an, dass diese oder jene Behauptung getan wird, dass für oder gegen dieses oder jenes gesprochen wird, sondern, so wie es darauf ankommt, wenn man sich körperlich tüchtig machen will für eine Arbeit, sodass in der Arbeit die Geschicklichkeit lebt, wie es da weniger darauf ankommt, dass man sich notdürftig die Handgriffe aneignet, sondern dass eine in Selbstständigkeit wirkende Geschicklichkeit entwickelt wird, [Lücke] so ist es aber auch, wenn das Denken sich frei macht vom Körperlichen. Da kommt es nicht darauf an, dass man diese oder jene Behauptung hinstellt. [Lücke]

[ 27 ] Understandably, the strangest opposition to Spiritual Science is being asserted, with more or less good or bad intentions. Such opposition, such as that of which I am now going to speak, has actually been little experienced. What is put forward from this side is intended as a refutation, but this refutation is copied from my own books. So that what is presented to people — it is presented by that side, dipped in poison and gall — are my own words. No one makes it as easy for opponents as those who take Spiritual Science seriously. For them, it is not a matter of fooling others with assertions, but of developing a living way of thinking that frees itself from physical conditions, that [it] is the spiritual that underlies mental images and thinking. And it is less important to the spiritual researcher that this or that assertion be made, that one speak for or against this or that, but rather just as it is important, if one wants to become physically capable for a job, so that skill lives in the work, that it is less important to learn the necessary movements in a makeshift way than to develop a skill that works independently, [gap] so it is also when thinking frees itself from the physical. It is not important to make this or that assertion. [gap]

[ 28 ] So kommt es auch darauf an, dass man in dem gewöhnlichen Denken, das an die körperlichen Bedingungen geknüpft ist, dasjenige findet, das nun nicht an diese körperlichen Bedingungen geknüpft ist, sondern sich loslösen kann, gewissermaßen frei von den Leibesbedingungen sich entfalten kann. Dass es so sich entfaltet, das lässt sich nur durch inneres Erleben erfahren. Was in einem freigewordenen Denken lebt, das ist es, worauf es ankommt. Denn man lernt erkennen, dass in diesem lebendig gewordenen Denken lebt dasjenige, was nicht an die körperlichen Bedingungen gebunden ist, sondern was über Geburt und Tod erhaben ist. Denn man lernt von einer ganz anderen Seite her das seelische Leben kennen, wie der Naturforscher von seiner Seite her das seelische Leben kennenlernt. Man lernt nun aufnehmen von der anderen Seite das, was Eduard von Hartmann als Schwierigkeiten aufzählt. Denn wie ist es eigentlich mit solchen Schwierigkeiten?

[ 28 ] It is also important to find in ordinary thinking, which is linked to physical conditions, that which is not linked to these physical conditions, but can detach itself, can unfold, so to speak, free from physical conditions. That it unfolds in this way can only be experienced through inner experience. What lives in liberated thinking is what matters. For one learns to recognize that in this thinking that has come alive lives that which is not bound to physical conditions, but which is above birth and death. For one learns to know the life of the soul from a completely different side, just as the natural scientist learns to know the life of the soul from his side. One now learns to take in from the other side what Eduard von Hartmann lists as difficulties. For what is the nature of such difficulties?

[ 29 ] Nun, sehen Sie, Hartmann sagt zum Beispiel: «Ich habe mir etwas als Memorierstoff angeeignet; aber indem ich mich beobachte, indem ich das Angeeignete aufsagen will, störe ich mich. Aber ich brauche nicht zu beobachten. Ich sage den Memorierstoff auf, lasse gewissermaßen das, was da allmählich durch Lernen in meine körperliche Organisation gelangt ist, abrollen. Während ich aber den Memorierstoff aufsage, geschieht auch etwas Geistiges in mir. Das Geistige spielt, während ich den Stoff aufsage; ich kann es nur nicht beobachten zunächst, wenn ich beim gewöhnlichen Bewusstsein bleibe, also lasse ich es zunächst unbeobachtet; so wie der gewöhnliche Mensch auch unbeobachtet lässt, indem er denkt und fühlt, dasjenige, was da drinnen in den Nerven seines Gehirns vorgeht. Man beobachtet ja auch nicht, was mit den Nerven vorgeht, wenn man denkt, oder gar wenn man verdaut. Man lässt es eben unbeobachtet.»

[ 29 ] Well, you see, Hartmann says, for example: "I have acquired something as memorized material; but when I observe myself, when I want to recite what I have acquired, I disturb myself. But I don't need to observe. I recite the material I have memorized, allowing what has gradually entered my physical organization through learning to unfold, so to speak. But while I am reciting the material I have memorized, something spiritual is also happening within me. The spiritual is at work while I recite the material; I just cannot observe it at first if I remain in my ordinary state of consciousness, so I leave it unobserved at first; just as the ordinary person also leaves unobserved, while thinking and feeling, what is going on inside the nerves of his brain. One does not observe what is going on with the nerves when one thinks, or even when one digests. One simply leaves it unobserved."

[ 30 ] Aber wenn man so, wie ich es beschrieben habe, das Denken losgelöst hat von den körperlichen Bedingungen, so bleibt einem die Körperlichkeit, nicht gleichzeitig, aber hinterher — nun wie man sich an eine Vorstellung erinnern kann — sich zu vergegenwärtigen, was da während des Memorierens abgelaufen ist. Dasjenige entgeht einem nicht mehr, was einem entgehen muss, wenn man sich erst das Denken zubereitet hat. Man lernt, das geistige Leben so in der Seele lebendig werden zu lassen, dass man nicht braucht gleichzeitig zu beobachten, sodass man nachher wie in einer Erinnerungsvorstellung auf das hinschaut, was im Geistigen vorgegangen ist, während man den Memorierstoff hat ablaufen lassen. Man bereichert das seelische Erleben um ein ganz Neues, das ja immer in uns ist. Denn der Geistesforscher bringt nichts Neues hervor, aber das Bewusstsein bereichert man um ein Neues. Man macht es schärfer, heller, zur Beobachtung fähiger. Es wird die Kraft des Bewusstseins, die Kraft des Denkens schärfer, Eduard von Hartmann sagt: Körperliche Schmerzen werden stärker, wenn man sie mit Aufmerksamkeit verfolgt. Hysterische Personen zeigen das bei jeder Gelegenheit. Personen, die sich so recht in ihren Schmerz hineinleben, die empfinden ihn natürlich entsprechend stärker.

[ 30 ] But when one has detached thinking from physical conditions in the way I have described, one is left with the physicality, not at the same time, but afterwards — just as one can remember a mental image — to recall what happened during the memorization. One no longer misses what one must miss once you have prepared your thinking. You learn to bring spiritual life to life in your soul in such a way that you do not need to observe simultaneously, so that afterwards you can look back, as in a memory, at what has taken place in your mind while you were letting the material to be memorized run its course. You enrich your soul experience with something completely new, which is always within us. For the spiritual researcher does not produce anything new, but enriches consciousness with something new. You make it sharper, brighter, more capable of observation. The power of consciousness, the power of thinking, becomes sharper. Eduard von Hartmann says: Physical pain becomes stronger when you follow it with attention. Hysterical people demonstrate this at every opportunity. People who really empathize with their pain naturally feel it more strongly.

[ 31 ] Nun, warum empfindet man denn die körperlichen Schmerzen dann besonders stark? Weil man sie abhängig hat vom körperlichen Organismus, weil dasjenige seelische Erleben — was die körperlichen Schmerzen stärker empfindet — durch den physischen Organismus getrieben wird, die Aufmerksamkeit hinzulenken auf die Schmerzen. Hat man aber jenes stärkere Denken, dann lernt man auch ablenken die Aufmerksamkeit von den Schmerzen. Dann lernt man die Schmerzen nicht zu stören, indem man die Schmerzen beobachtet, sondern man lernt die Aufmerksamkeit ablenken und kann dann hinterher beobachten, was da eigentlich vorhanden ist, indem man gewissermaßen das Seelische zurückgezogen hat von den körperlichen Schmerzen. Man lernt also wirklich das in der Seele lebende Geistige in seiner Kraft und Wesenheit auf diese Weise kennen. Und besonders wichtig ist es, auf diese Weise nun aufzusteigen zu einem anderen Erkennen-Lernen. Alle seelischen Erlebnisse rücken sozusagen in ein anderes Licht, wenn man diejenige innere Kraft erfasst, erhascht hat, die als Geistiges im seelischen Denken lebt.

[ 31 ] So why do we feel physical pain so intensely? Because we are dependent on the physical organism, because the emotional experience — which makes the physical pain feel more intense — is driven by the physical organism to focus our attention on the pain. But if we have that stronger thinking, then we also learn to distract our attention from the pain. Then you learn not to be disturbed by the pain by observing it, but you learn to divert your attention and can then observe afterwards what is actually there, by withdrawing the soul, as it were, from the physical pain. In this way, one really learns to know the spiritual life in the soul in its power and essence. And it is particularly important to ascend in this way to a different kind of learning and knowing. All soul experiences are seen in a different light, so to speak, when one has grasped and captured the inner power that lives as the spiritual in soul thinking.

[ 32 ] Insbesondere rücken solche seelischen Erlebnisse in ein neues Licht wie Erinnern und Vergessen. Denken Sie doch nur, wie das Erinnern und Vergessen eigentlich vor sich geht im gewöhnlichen Leben, für das gewöhnliche seelische Bewusstsein. Man erinnert sich an irgendetwas. Es herrscht sehr wenig Selbstbestimmtheit in dem Erinnern; die Gedanken kommen herauf, wie es die körperliche Organisation zulässt, denn es schießen die Gedanken an, oftmals aber auch nicht, sondern im Gegenteil. Jeder, der bei einem Examen gewesen ist, wird das wissen. Sie schießen nicht an, sie wollen nicht herauf, trotzdem man sie geochst hat. Sie sind unten, sie könnten heraufgeholt werden, aber die Körperlichkeit ist so dicht, dass sie sie nicht herauflässt. Das Erinnern und Vergessen, man beobachtet es nicht, eben weil man diese Schwierigkeiten vorhanden glaubt, die gerade Eduard von Hartmann hervorhebt.

[ 32 ] In particular, soul experiences such as remembering and forgetting are seen in a new light. Just think about how remembering and forgetting actually take place in ordinary life, for ordinary soul consciousness. One remembers something. There is very little self-determination in remembering; thoughts arise as the physical organization allows, because thoughts come to mind, but often they do not, quite the contrary. Anyone who has taken an exam will know this. They do not come to mind, they do not want to come up, even though you have memorized them. They are down there, they could be brought up, but the physicality is so dense that it does not let them up. Remembering and forgetting, one does not observe it, precisely because one believes these difficulties to be present, which Eduard von Hartmann emphasizes.

[ 33 ] Aber in dem Selbstständig-Werden im geistigen Erleben wird man gewissermaßen sein eigner Zuschauer. Man kann wirklich zuschauen, was denn da eigentlich geschieht in einem, wenn man erinnert, und wenn man vergisst. Erinnern und Vergessen sind sonst eben nur ein schwierig zu beobachtendes seelisches Erlebnis. Jetzt aber kennt man etwas anderes. Wenn man also das Geistige vom Seelischen zu trennen vermag, die Brücke gefunden hat, so merkt man: Jedes Mal, wenn du etwas vergisst, geschieht etwas sehr Eigentümliches in dir; das ist immer deshalb, weil die Lebenskräfte, die unbewussten Lebenskräfte, wie sie auch in der Pflanze sind, sich besonders geltend machen. Weil sie aus sich heraus wirken, weil sie sich im Leben regen, dadurch werden die Vorstellungen in die Vergessenheit heruntergebracht. Durch das angefachte organische Leben wird das Vergessen bewirkt. Je mehr man dieser Vitalität sich hingibt, je mehr sie wuchern muss, desto mehr tritt das Vergessen auf. Das Erinnern ist der umgekehrte Vorgang. Das ist der Vorgang, wo ich hinuntertauche in die körperliche Organisation einen Gedanken, eine Vorstellung, ein Bild, eine Sinnesempfindung. Jedes Mal, wenn ich eine Vorstellung so hinuntertauche in die körperliche Organisation, dass sie Erinnerungsvorstellung wird, geschieht ein Unterdrücken der Vitalität, ein Herabspinnen der Vitalität; es geschieht ein Abnehmen der wuchernden Lebenskräfte. So merkt man im Erinnern und Vergessen aufsteigendes und absteigendes Leben. Man merkt, wie aus dem Geiste heraus gewirkt wird; wie der Geist, wenn er den Körper verzehrt, dadurch, dass er ihn verzehrt, die Vorstellungen in die Erinnerung rückt, sodass sie heraufgeholt werden können. Wenn aber die Lebenskräfte vorwuchern, wenn sie den Geist überragen, dann vergisst man. Das ist eines, zu dem man aufsteigen kann.

[ 33 ] But in becoming independent in spiritual experience, one becomes, in a sense, one's own spectator. One can really watch what actually happens within oneself when one remembers and when one forgets. Remembering and forgetting are otherwise just a difficult-to-observe spiritual experience. But now one knows something else. So when one is able to separate the spiritual from the soul, when one has found the bridge, you notice that every time you forget something, something very peculiar happens within you; this is always because the life forces, the unconscious life forces, as they are also in plants, assert themselves in a special way. Because they work from within themselves, because they stir in life, the mental images are brought down into oblivion. Forgetting is brought about by the stirred-up organic life. The more one surrenders to this vitality, the more it must proliferate, the more forgetting occurs. Remembering is the reverse process. It is the process whereby I dive down into the physical organization of a thought, a mental image, an image, a sensory perception. Every time I dive down into the physical organization in such a way that a mental image becomes a memory, the vitality is suppressed, the vitality is spun down; there is a decrease in the proliferating life forces. Thus, in remembering and forgetting, one notices life rising and falling. One notices how the spirit works from within; how the spirit, when it consumes the body, by consuming it, brings the mental images into memory so that they can be retrieved. But when the life forces proliferate, when they tower above the spirit, then one forgets. That is something one can ascend to.

[ 34 ] Ein anderes ist der Gegensatz zwischen Vererbung und Selbstbestimmung, Selbstentwicklung. Über diese Frage der Vererbung und der Selbstbestimmung herrschen ja heute die sonderbarsten Vorstellungen. Gewiss, die Naturwissenschaft hat ungeheuer viel Licht gebracht für die Vererbungsidee. Aber derjenige, der also seine Denkkräfte emanzipiert von den körperlichen Bedingungen, wie ich es beschrieben habe, der merkt, dass wir zwar dadurch, dass wir die Nachkommen unserer Vorfahren sind, deren Eigenschaften, deren Kräfte in uns tragen. Wir tragen ererbte Kräfte und Eigenschaften in uns. Aber das ist nur eine Richtung des Lebens, nur eine Strömung im Lebenslauf des Menschen. Wenn man wenig geneigt ist, auf dasjenige, was im Geiste lebt, zu dem die Brücke geschlagen werden kann vom Seelischen aus, wer wenig geneigt ist, auf dieses zu sehen, der lässt sich gewissermaßen Übertölpeln von der Wirkung der bloßen vererbten Kräfte, und sieht nicht hin darauf, dass eigentlich unser ganzer Lebenslauf in der Selbstbestimmung, Selbstentwicklung fortwährend gegen die vererbten Kräfte ankämpft. Unser ganzer Lebenslauf ist ein Ankämpfen gegen die vererbten Kräfte. Aber, dass wirklich gegen die Vererbungskräfte angekämpft wird, und dass unterschieden werden kann zwischen dem, was durch Vererbung in uns ist, und dem, was aus der Selbstbestimmung heraus gegen die Vererbung kämpfen muss, das wird nur klar und anschaulich, wenn man das Denken in der geschilderten Weise emanzipiert hat.

[ 34 ] Another is the contrast between heredity and self-determination, self-development. Today, the strangest mental images prevail about this question of heredity and self-determination. Certainly, natural science has shed a great deal of light on the idea of heredity. But those who emancipate their thinking powers from physical conditions, as I have described, realize that, because we are the descendants of our ancestors, we carry their characteristics and powers within us. We carry inherited powers and characteristics within us. But that is only one direction of life, only one current in the course of human life. If one is not very inclined to see what lives in the spirit, to which a bridge can be built from the soul, those who are not inclined to see this allow themselves to be fooled, so to speak, by the effect of the mere inherited powers, and do not see that our entire life course is actually a continuous struggle against the inherited powers in self-determination and self-development. Our entire life is a struggle against inherited forces. But the fact that we are really fighting against inherited forces, and that a distinction can be made between what is in us through inheritance and what must fight against inheritance out of self-determination, only becomes clear and vivid when we have emancipated our thinking in the manner described.

[ 35 ] Und ein Drittes gibt es, was dann sozusagen als eine Folge auftritt, zu dem man sich nach und nach, wenn man das Denken in der geschilderten Weise emanzipiert erlebt, unter den Voraussetzungen, die ich eben gemacht habe, entwickeln muss, das ist, dass man eine unmittelbare Anschauung erhält von den Vorgängen, die so bedeutungsvoll sich in den menschlichen Lebenslauf hineinstellen, von den Vorstellungen der Geburt und des Todes. Wie erscheint einem zum Beispiel der Tod? Man gelangt wirklich hinauf von den einfachen Vorstellungen, die ich erwähnt habe, zum Tode, zu dieser so tief in das menschliche Leben einschneidenden Frage des Todes. Lernt man auf die angedeutete Weise die Erinnerung verstehen, lernt man verstehen, dass der Mensch nur dadurch die Fähigkeit der Erinnerung hat, dass er fortwährend von seinem Geiste aus eingreifen kann in seine Körperlichkeit, dort herablähmen kann die Lebenskräfte; dann ist es nur ein Hinaufsteigen, jene Steigerung der Erinnerungskraft zu erfahren im inneren geistigen Erleben, die wir den Tod nennen. Denn das Wirken der Erinnerung ist — gestatten Sie den Ausdruck — ein atomistisches Sterben. Indem ich irgendeine Vorstellung meiner Erinnerung übergebe, so ist es so, wie wenn ich in der körperlichen Organisation etwas anrichte, wie wenn ich eine Flamme entzünde; immer wird ein wenig weggenommen von der Kerzensubstanz. Beim menschlichen Leibe wird es ersetzt, aber so wird die Erinnerung heruntergedrängt. Das heißt, der Geist macht sich zum Herr über die Leiblichkeit. Es ist im Kleinen dasselbe, was im Tode vor sich geht, wo der Geist sich der gesamten Leiblichkeit entledigt, wo der Geist die Leiblichkeit von sich ausstößt. So weit voneinander entfernt sind diese zwei Punkte Erinnerung und Tod, es führt eine gerade Erfahrungslinie, eine gerade Erlebungslinie von dem einen zum anderen.

[ 35 ] And there is a third thing that then occurs, so to speak, as a consequence, which one must gradually develop, if one experiences emancipating one's thinking in the manner described, under the conditions I have just stated, namely, that one gains an immediate insight into the processes that are so significant in the course of human life, into the mental images of birth and death. How, for example, does death appear to us? One really does ascend from the simple mental images I have mentioned to death, to this question of death that cuts so deeply into human life. If one learns to understand memory in the way I have indicated, one learns to understand that human beings only have the capacity for memory because they can continually intervene in their physicality from their spirit, can draw down the life forces there; then it is only a matter of ascending, to experience that increase in the power of memory in inner spiritual experience that we call death. For the working of memory is — if you will allow the expression — an atomistic dying. When I pass on some mental image from my memory, it is as if I were doing something to the physical organization, as if I were lighting a flame; a little is always taken away from the substance of the candle. In the human body, it is replaced, but in this way memory is suppressed. That is to say, the spirit makes itself master of physicality. It is the same thing on a small scale that happens in death, where the spirit disposes of the entire physicality, where the spirit expels physicality from itself. As far apart as these two points, memory and death, are, there is a straight line of experience, a straight line of experience from one to the other.

[ 36 ] Sie sehen daraus auch, meine sehr verehrten Anwesenden, dass es wahrhaftig nicht Phantasterei ist, was Geistesforschung anstrebt, sondern dass es ganz methodisch, ganz ernst und würdig geschieht, wie nur irgendeine Naturforschung geschieht. Nur ist bei der Naturforschung der Ausgangspunkt das Körperliche, bei der Geistesforschung aber das Geistige. Es kommt der Geistesforscher in dem lebendigen inneren Erleben dazu, von dem Seelischen zum Geistigen hin sich zu erheben, nicht nur im Seelischen, sondern im Geiste zu leben.

[ 36 ] You can also see from this, my dear audience, that what spiritual research strives for is truly not fantasy, but that it is done quite methodically, quite seriously and with dignity, just as any natural science is done. The only difference is that natural science takes the physical as its starting point, while spiritual science takes the spiritual. In their living inner experience, spiritual scientists rise from the physical to the spiritual, living not only in the soul but in the spirit.

[ 37 ] Und das Vergessen — das Vergessen führt in gerader Linie zum Verstehen, wie die vitalen Kräfte die Oberhand gewinnen über das Bewusstsein, wie der Geist gewissermaßen überwältigt wird. Im Vergessen haben wir den Ausdruck des Atomistischen; dasjenige, was mit dem Geistesleben geschieht, wenn dieses Geistesleben aus der geistigen Welt herauskommend sich bemächtigt desjenigen, was uns durch die Vererbung gegeben wird von den Eltern und Voreltern. Und dasjenige, was uns durch die Vererbung gegeben wird, übertönt durch seine rein organische Lebenstätigkeit, übertönt das Geistige, wenn das Geistige nicht unmittelbar herauskommt. So wie beim Vergessen im Kleinen es nicht herauskommt, weil die Lebenskraft wuchert, so wuchert die Lebenskraft im ganzen Organismus [Lücke] und von der Körperlichkeit erfasst wird, und daher zwischen Geburt und Tod im menschlichen Lebenslaufe vorhanden ist ein fortwährendes Vergessen des Geistes im Großen. Wie ähnlich ist schon für eine äußerliche Betrachtung die Art und Weise, wie wir uns zu unserem Geborenwerden verhalten, dem Vergessen. Der Tod steht gewissermaßen durch die äußere Erfahrung immer vor unserer Seele. Er gleicht schon äußerlich ganz der Erinnerung. Die Welt selbst erinnert uns fortwährend an ihn. Schon der Moment unserer Geburt, geschweige denn alles, was vorangegangen ist der Geburt oder der Empfängnis als das Leben der Seele im Geistigen, es ist der Vergessenheit anheimgegeben. Die Art, in der der Mensch in das Leben tritt, ist wirklich etwas, wozu die atomistische Betrachtung des Vergessens führt, wenn auch wiederum die Punkte sehr weit auseinander liegen.

[ 37 ] And forgetting — forgetting leads directly to understanding how the vital forces gain the upper hand over consciousness, how the spirit is, in a sense, overwhelmed. In forgetting we have the expression of the atomistic; that which happens to the life of the spirit when this life of the spirit, coming out of the spiritual world, takes possession of that which is given to us through inheritance from our parents and ancestors. And that which is given to us through inheritance, through its purely organic life activity, drowns out the spiritual, if the spiritual does not come out immediately. Just as in forgetting on a small scale it does not come out because the life force proliferates, so the life force proliferates in the whole organism [gap] and is seized by physicality, and therefore between birth and death in the human life course there is a continuous forgetting of the spirit on a large scale. How similar is the way we behave towards our birth is similar to forgetting. Death is, in a sense, always before our soul through external experience. Outwardly, it is quite similar to memory. The world itself constantly reminds us of it. Even the moment of our birth, not to mention everything that preceded birth or conception as the life of the soul in the spiritual realm, is consigned to oblivion. The way in which human beings enter life is really something to which the atomistic view of forgetting leads, even if the points are very far apart.

[ 38 ] Dann, meine sehr verehrten Anwesenden, gelangt man dazu, wenn man solche Betrachtungen anstellt, Geburt und Tod oder Empfängnis und Tod als dasjenige anzusehen, was Ereignisse, Erlebnisse für die Seele sind, die aus der geistigen Welt heraus bestimmt werden.

[ 38 ] Then, my dear friends, when one considers such things, one comes to regard birth and death, or conception and death, as events, experiences for the soul that are determined from the spiritual world.

[ 39 ] Damit ist etwas verknüpft, was ich, obwohl es gewagt ist, doch auch hervorheben will. Ich habe auf der einen Seite gesagt, Geisteswissenschaft, wenn sie ernst getrieben wird aus dem Wirklichen, echten, wahren Sinne der Wissenschaft, sie ist der Naturwissenschaft in ihrer Gesinnung, in ihrem Forscherernst heute an die Seite zu stellen. Aber in einer gewissen anderen Weise muss sie nicht nur über anderes denken, sondern sie muss sogar ganz anders denken. Wir haben ja gesehen, dass das Denken erst entwickelt werden muss, das in der Geistesforschung sich betätigen soll. Geistesforschung muss in einer anderen Weise denken, sagte ich. Und da gelangt man denn dazu, sich zu sagen: Es muss durch die Geistesforschung etwas verstanden werden, was der Menschheit vielleicht schwer zu verstehen ist — wie es einstmals denjenigen, die immer aus dem äußeren Sinnenschein heraus sich gesagt haben: Die Erde steht still, die Sonne und die Sterne bewegen sich um die Erde herum —, wie es diesen Menschen schwer geworden ist, die kopernikanische Weltanschauung anzunehmen, die sie zwang, die Sonne still stehen zu lassen und die Erde mit den Sternen sich herumbewegen zu lassen. Es hat ja für gewisse Menschen oder wenigstens für gewisse Behörden, die sich an solche Sachen heranmachten, bis zum Jahre [1822] gedauert, bis es erlaubt worden ist, diese Weltanschauung als richtig anzusehen, trotzdem Jahrhunderte vergangen waren, seitdem Kopernikus dieses Weltbild hingestellt hatte. Man glaubte selbstverständlich von einer gewissen Seite, dass man dem religiösen Gefühl Eintrag tun könne.

[ 39 ] This is linked to something that I would like to emphasize, even though it is risky. On the one hand, I have said that Spiritual Science, when pursued seriously from the real, genuine, true sense of science, it must be placed alongside natural science in its attitude and in its seriousness of research today. But in a certain other way, it must not only think about other things, it must even think in a completely different way. We have seen that the thinking that is to be active in spiritual research must first be developed. Spiritual research must think in a different way, I said. And then one comes to the conclusion that spiritual research must understand something that is perhaps difficult for humanity to understand — as it once was for those who always said, based on their external sensory perception: The earth stands still, the sun and the stars move around the earth — just as it became difficult for these people to accept the Copernican worldview, which forced them to let the sun stand still and let the earth move around with the stars. For certain people, or at least for certain authorities who dealt with such matters, it took until the year [1822] before it was permissible to regard this worldview as correct, even though centuries had passed since Copernicus had presented this worldview. Of course, some people believed that this would infringe on religious sentiment.

[ 40 ] So wird man heute auch wiederum denken: Es wird der religiösen Vertiefung Eintrag tun, wenn man ein ähnliches Prinzip anwendet mit Bezug auf den menschlichen Lebenslauf im Verhältnis zum geistigen Erleben. Nach dem äußeren Anschein des Lebens sieht es so nämlich aus, als wenn unser Lebenslauf zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod verliefe, und das Seelisch-Geistige mit verliefe. So stellen wir uns vor, wenn wir uns das auch nicht immer zum Bewusstsein bringen, für dasjenige Denken, das nicht diese innere Schulung durchgemacht hat, die ich beschrieben habe.

[ 40 ] So today, people will think again: it will interfere with religious deepening if a similar principle is applied with regard to the human life course in relation to spiritual experience. According to the outward appearance of life, it seems as if our life course runs between birth or conception and death, and that the soul and spirit run alongside it. This is how we imagine it, even if we are not always aware of it, for those who have not undergone the inner training I have described.

[ 41 ] Man denkt dann etwa so: Wir werden geboren. Nach und nach kommen wir seelisch zum Bewusstsein, und das Seelische läuft so mit dem Körperlichen mit. Man wird sieben, vierzehn, dreißig, sechzig Jahre alt, es läuft mit dem Körperlichen weiter. Diese Vorstellung ist geradeso scheinbar, wie die Vorstellung scheinbar war, die Sonne bewege sich um die Erde herum. Denn das heute geschilderte entwickelte Denken, es lernt sozusagen einen Kopernikanismus für das Seelisch-Geistige. Wir erinnern uns bis zu einem gewissen Zeitpunkt unseres Lebens zurück. Über diesen Zeitpunkt hinaus erinnert man sich im gewöhnlichen Bewusstsein nicht zurück, sondern erst in dem heute geschilderten Bewusstsein ist das möglich. Was liegt da vor?

[ 41 ] One thinks something like this: We are born. Gradually, we become spiritually conscious, and the spiritual aspect runs alongside the physical aspect. We reach the ages of seven, fourteen, thirty, sixty, and it continues alongside the physical aspect. This mental image is just as apparent as the mental image that the sun revolves around the earth was apparent. For the developed thinking described today learns, so to speak, a Copernicanism for the soul-spiritual. We remember back to a certain point in our lives. Beyond this point, one does not remember back in ordinary consciousness, but only in the consciousness described today is this possible. What lies before us?

[ 42 ] Das liegt vor, dass man, wenn man das seelische Leben wirklich betrachtet in seinem Verhältnis zum Geiste hin, das, was wir unser Ich, unser innerstes Selbst nennen, gar nicht den Lebenslauf in der trivialen Weise, wie man es sich gewöhnlich vorstellt, mitmacht. Sondern dieses Seelisch-Geistige, dieses unser eigentliches Ich, es bleibt stehen an dem Punkte unseres Lebens, bis zu dem wir uns im späteren Leben zurückerinnern, und das an das Körperliche gebundene Seelische, das läuft bis zum Tode hin und schickt seine Strahlen zurück. [Lücke] Durch den ganzen Lebenslauf bleibt unser Seelisch-Geistiges immer in der geistigen Welt darinnen und es ruht darinnen, und das an das Körperliche gebundene seelische Leben, das läuft im Lebenslaufe ab und schickt nur seine Strahlen hin, wie die ruhende Sonne an die bewegte Erde ihre Strahlen schickt. Hier ist es umgekehrt. Der bewegte Lebenslauf schickt in die im Geisterlande ruhende Seele zurück dasjenige, was das Seelische mit Hilfe des Leiblichen erlebt. Der Lebenslauf gewissermaßen in seiner Bewegung im Verhältnis zum ruhenden Ich, zum ruhenden Seelisch-Geistigen, das wird klar demjenigen Denken, das ich eben beschrieben habe.

[ 42 ] What lies before us is that, when we truly consider the soul life in its relationship to the spirit, what we call our I, our innermost self, does not participate in the course of life in the trivial way that is usually imagined. Rather, this soul-spiritual being, our actual I, remains at the point in our life to which we can remember in later life, and the soul bound to the physical continues until death and sends its rays back. [Gap] Throughout our entire life, our soul-spiritual self always remains in the spiritual world and rests there, while the soul life bound to the physical body runs its course in life and only sends its rays, like the resting sun sends its rays to the moving earth. Here it is the other way around. The moving life course sends back to the soul resting in the spirit world what the soul experiences with the help of the physical. The life course, in a sense, in its movement in relation to the resting I, to the resting soul-spiritual, becomes clear to the thinking I have just described.

[ 43 ] Man kann sich nun vorstellen, dass vielleicht ein noch größerer Widerstand sich dieser Wahrheit entgegensetzen wird als seinerzeit dem Kopernikanismus. Aber Wahrheit dringt durch. So wie die Sonne richtig aufgefasst wurde durch den Kopernikanismus, so wird das Seelisch-Geistige, der Kern unseres Wesens, unser Ich, erkannt werden als ruhend in der geistigen Welt. Und dasjenige, was verläuft als Lebenslauf, das wird erkannt werden als dasjenige, was seine Strahlen zurücksendet wie die äußere Welt, wenn wir ihr gegenüberstehen, unserm Sinnensein Strahlen zusendet. Die im Geiste ruhende Seele empfängt ihre Erfahrungen.

[ 43 ] One can now create a mental image of perhaps even greater resistance opposing this truth than opposed Copernicanism at the time. But truth prevails. Just as the sun was correctly understood through Copernicanism, so the soul-spiritual, the core of our being, our I, will be recognized as resting in the spiritual world. And that which passes as the course of life will be recognized as that which sends back its rays, just as the outer world sends rays to our senses when we face it. The soul resting in the spirit receives its experiences.

[ 44 ] Und jetzt darf ich das Weitere vielleicht durch die Anlehnung an bekannte Vorstellungen erläutern. Denn Sie sehen ja wohl, dass, indem man auf diese Gegenstände eingeht, man zu ganz neuen Begriffen und Ideen kommt, zu jenen Begriffen und Ideen, die erst hinführen zu dem unsterblichen Seelenteil, zu dem, was wirklich über Geburt und Tod hinaus in der Geisteswelt drinnen lebt. Nicht so beantwortet Geisteswissenschaft die Frage nach der Seelenunsterblichkeit, dass sie spekuliert darüber, ob es eine Unsterblichkeit gibt oder nicht, sondern indem sie die Wege sucht, wie der Mensch, dessen Ewiges in der Geisteswelt drinnen ruhen bleibt, in der Geisteswelt eben unsterblich ist, und durchgeht durch Geburt und Tod, so wie wir durch die Welt äußerlich gehen. So wie der Naturforscher zu der leiblichen Organisation hingeht, also zu etwas, was den seelischen Ausgangspunkt nicht mehr zeigt an sich, so geht der Geistesforscher zu einem anderen Bewusstsein hin, zu einem Bewusstsein, das ich genannt habe in meinem letzten Buche — in Anlehnung an ein Goethe’sches Wort — «anschauende Urteilskraft» genannt habe, das «schauende Bewusstsein».

[ 44 ] And now I may perhaps explain the rest by referring to familiar mental images. For you can see that by addressing these subjects, one arrives at entirely new concepts and ideas, concepts and ideas that lead to the immortal part of the soul, to that which truly lives on in the spiritual world beyond birth and death. Spiritual Science does not answer the question of the immortality of the soul by speculating whether immortality exists or not, but by seeking ways in which human beings, whose eternal nature remains in the spiritual world, are immortal in the spiritual world and pass through birth and death just as we pass through the external world. Just as the natural scientist approaches the physical organization, that is, something that no longer shows the soul's point of origin in itself, the spiritual researcher goes to another consciousness, to a consciousness that I have called in my last book — following a word of Goethe's — “contemplative power of judgment,” the “contemplative consciousness.”

[ 45 ] Und dieses schauende Bewusstsein, wir können es uns so verdeutlichen, wir können uns sagen: Das gewöhnliche Bewusstsein führt uns in die gewöhnlichen täglichen Erlebnisse, in die gewöhnliche Wissenschaft. Diesem Bewusstsein steht ein anderes Bewusstsein gegenüber, das uns geisteswissenschaftlich, nur weil wir einen Vergleich brauchen wollen, interessieren kann, aus dem man nicht lernen kann, es steht ihm das Traumbewusstsein entgegen. Was erleben wir im Traume? Bilder laufen ab, in diesen Bildern leben wir, und während wir die Bilder erleben, halten wir sie für Wirklichkeit. Erst wenn wir aus dem Traum erwachen, halten wir sie nicht mehr für Wirklichkeit, weil wir sie abmessen am äußeren Leben, wo wir mit unserm Willen verknüpft sind mit dem, was uns in der Außenwelt verknüpft. Ein Träumer wäre derjenige, der den Traum aus sich selber erklären lassen wollte,

[ 45 ] And we can illustrate this contemplative consciousness to ourselves by saying that ordinary consciousness leads us into ordinary everyday experiences, into ordinary science. This consciousness is contrasted with another consciousness that may interest us from a perspective of Spiritual Science, simply because we want to make a comparison, but from which we cannot learn anything: dream consciousness. What do we experience in dreams? Images run through our minds, we live in these images, and while we experience the images, we consider them to be reality. Only when we awaken from the dream do we no longer consider them to be reality, because we measure them against external life, where we are connected with our will to what connects us in the external world. A dreamer would be someone who wanted to explain the dream from within themselves.

[ 46 ] Es ist ja so mit dem Traum: Ein Mensch träumt, er hört rufen «Oh!», dann wird der Ruf «Ioh!», dann wird er zum «Feuerio!». Er wacht auf, draußen fährt die Feuerwehr vorüber, das war in seinem Erleben. Aber während er diesen Ruf erlebt, kann eine ganze Traumdramatik sich abspielen. Der äußere Ruf ist an sein Ohr geklungen, und eine ganze Fülle von Bildern spielt sich innerlich ab. Wir verstehen erst, warum das so ist, wenn wir das von diesen Traumbildern ganz verschiedene Äußere mit dem wachen Bewusstsein verfolgen können. Wir können das, was im Traume vorgeht, nur aus dem wachen Bewusstsein erklären. Es ist selbstverständlich ein törichter Aberglaube, wenn man das wache Bewusstsein durch die Traumerlebnisse erklären will. Auch darüber finden Sie Näheres in meinem letzten Buche.

[ 46 ] It is like this with dreams: a person dreams that he hears someone calling “Oh!”, then the call becomes “Ioh!”, then it becomes “Fire!”. He wakes up, the fire department is driving by outside, that was his experience. But while he experiences this call, a whole dream drama can unfold. The external call has reached his ear, and a whole wealth of images plays out internally. We only understand why this is so when we can follow the external events, which are quite different from these dream images, with our waking consciousness. We can only explain what happens in dreams from the perspective of waking consciousness. It is, of course, a foolish superstition to try to explain waking consciousness through dream experiences. You can find more details about this in my latest book.

[ 47 ] Wie man aufwacht vom Traumbild in die eigentliche Wirklichkeit, in der man mit seinem ganzen physischen Menschen steht, wie man aufwacht in das gewöhnliche Wachbewusstsein, so wacht man durch diejenigen inneren Vorgänge, die ich beschrieben habe, auf aus dem Wachbewusstsein in das schauende Bewusstsein. Die Naturforschung über die Seele ist ein Zurückgehen in das unbewusst Körperliche; die Geistesforschung ist ein Hinaufsteigen aus dem Bewusstsein, das wir alltäglich haben, zum schauenden Bewusstsein. Nicht irgendetwas von Aberglauben, wie Böswilligkeit es darstellen will, nichts von Suggestion und Hypnose ist enthalten in dem, was Geistesforschung will, sondern gerade ein Hinaufführen des Menschen zu einem Aufwachen, zu einem aufgewachten Bewusstsein.

[ 47 ] Just as one awakens from the dream image into the actual reality in which one stands with one's whole physical being, just as one awakens into ordinary waking consciousness, so one awakens through the inner processes I have described from waking consciousness into seeing consciousness. Natural research into the soul is a return to the unconscious physical; spiritual research is an ascent from the consciousness that we have every day, to contemplative consciousness. There is nothing superstitious, as malice would have it, nothing of suggestion or hypnosis in what spiritual research aims at, but rather a leading of the human being upward to an awakening, to an awakened consciousness.

[ 48 ] Aber nun, wenn wir den Vergleich fortsetzen vom Erleben der Traumbilder, die der äußeren, der inneren Anregung ihr Dasein verdanken, die aber von dem ganz verschieden sind, was da eigentlich anregt, so können wir nunmehr etwas betrachten in unserem gewöhnlichen Erleben, das im gewöhnlichen Erleben uns erscheint wie ein Gewirr von Zufällen, das an uns herantritt, das wir nur auffassen mit unseren Affekten, mit unseren Sympathien und Antipathien, unter dem wir leiden oder uns freuen. Wie der Traum uns seine Bilder vorgezaubert hat, wie in diese Bilderordnung kommt, wenn wir den Traum vom Wachbewusstsein aus erklären, so sehen wir vom gewöhnlichen Bewusstsein aus das Schicksal mit seinen Bildern, seinen bunten Gebilden. Wachen wir auf in das schauende Bewusstsein, so wird es sein Schicksal erleben so, wie wir aus dem Traume aufwachen und dem gegenüberstehen, was den Traum hervorgerufen hat. Das Schicksal des Menschen erlebt man im gewöhnlichen Bewusstsein so, wie man den Traum erlebt, den man nicht deuten kann im Traume selber.

[ 48 ] But now, if we continue the comparison with the experience of dream images, which owe their existence to external and internal stimuli but are quite different from what actually stimulates them, we can now consider something in our ordinary experience that appears to us in ordinary experience as a tangle of coincidences that approaches us, which we can only grasp with our emotions, with our sympathies and antipathies, under which we suffer or rejoice. Just as the dream conjures up its images for us, just as these images come into order when we explain the dream from our waking consciousness, so we see fate with its images, its colorful formations, from our ordinary consciousness. When we wake up into seeing consciousness, we will experience fate in the same way as we wake up from a dream and face what caused the dream. In ordinary consciousness, we experience human destiny in the same way that we experience a dream that we cannot interpret in the dream itself.

[ 49 ] Dem schauenden Bewusstsein geht es aber im höheren Grade so, wie es etwa einem Freunde Goethes, Knebel, ergangen ist, als er versuchte, das scheinbare Chaos der Schicksalszufälle zu überblicken. Da sagt Knebel: Das ist nur wie ein Lichtblitz, der in das gewöhnliche Bewusstsein hineinstrahlt. Im schauenden Bewusstsein aufgewacht, wird dem Menschen aus dem gewöhnlichen Schicksalslaufe etwas ganz anderes, so wie dem Träumer etwas ganz anderes wird aus dem Traume, wenn er aufwacht und mit dem Wachbewusstsein überblickt die Ursachen des Traumes.

[ 49 ] However, in a higher degree, the observing consciousness is like what happened to one of Goethe's friends, Knebel, when he tried to to survey the apparent chaos of the coincidences of fate. Knebel says: It is only like a flash of light shining into ordinary consciousness. Awakened in contemplative consciousness, the ordinary course of fate becomes something completely different for the human being, just as the dream becomes something completely different for the dreamer when he awakens and surveys the causes of the dream with his waking consciousness. of the dream with waking consciousness.

[ 50 ] Und lassen Sie mich andeuten, zu welcher Betrachtung des Schicksals man auf diese Weise kommt, und zu welchem Verhältnis des Schicksals zum menschlichen Lebenslauf.

[ 50 ] And let me suggest what view of fate one comes to in this way, and what relationship fate has to the human life course.

[ 51 ] Wenn wir wirklich als Geistesforscher das erleben, wie ich es geschildert habe, und dieses Erleben bis zu einem gewissen Punkte gebracht haben, dann wird das, was wir da innerlich erleben, dieses Brückenbauen zum Geiste hin, das wird noch zu einem ganz besonderen inneren Erlebnisse führen. Schreitet man so weiter auf der Bahn des Brückenbauens von der Seele zum Geiste, dann stellt sich etwas ein in dem seelischen Erleben, das zunächst ein einzigartiges inneres Erlebnis sein kann. Es wird nämlich die Erkenntnis, die man sich auf diese Weise erwirbt, selber zum Schicksal. Man betrachtet es als etwas Besonderes, das in unser Schicksal hineinschlägt, und das wir jetzt selbst herbeigeführt haben, indem wir unser Erkennen ausgebildet haben. Man betrachtet es als einen besonderen Schicksalsfall, was einem da passiert; was einem passiert insofern, dass man sich sagt — und dieses Sich-Sagen ist von einer ungeheuren Tragik im inneren Leben, ein Ereignis von gar nicht zu schildernder großer Bedeutung —, man sagt sich zuletzt: Indem du dieses erlebst im Erkennen, wie du aufgewacht bist ins schauende Bewusstsein hinein, so bedeutet das für dich ein Ereignis, wichtiger als alle anderen Schicksalsereignisse, die du als noch so schwere, bedeutungsvolle Schicksalsereignisse in dein Leben hast hereinspielen sehen.

[ 51 ] If, as spiritual researchers, we truly experience what I have described, and have brought this experience to a certain point, then what we experience inwardly, this building of bridges to the spirit, will lead to a very special inner experience. If we continue on the path of building bridges from the soul to the spirit, something arises in our soul experience that can initially be a unique inner experience. For the knowledge that one acquires in this way becomes one's destiny. One regards it as something special that strikes our destiny, and that we ourselves have now brought about by developing our knowledge. One regards what happens to one as a special stroke of fate; what happens to us insofar as we say to ourselves — and this saying to ourselves is of immense tragedy in our inner life, an event of indescribable significance — we finally say to ourselves: By experiencing this in the realization of how you have awakened into seeing consciousness, this means something for you that is more important than all the other fateful events that you have seen play out in your life, no matter how difficult or significant they may have been.

[ 52 ] Zu diesem Punkte gelangt man, gerade wenn man alle diese Erlebnisse in innerer Gesundung durchlebt. Die Erkenntnis wird zu einem solchen Schicksal, dass man sich sagt, man braucht wahrhaftig nicht stumpf zu werden gegen die anderen Schicksalsschläge und Ereignisse, aber die innere Umwandlung, die man bei dem Erwachen zum schauenden Bewusstsein durchgemacht hat, die schlägt stärker ein in das Leben, als selbst die erschütterndsten anderen Erlebnisse. Da erlebt man Schicksal, Schicksal im unmittelbaren Bewusstsein. Erlebt man das ganz Schwerwiegende seiner inneren Erfahrungen, dann ist man angelangt dabei, dass das Bewusstsein auch aufgewacht ist für die Beantwortung der anderen Schicksalsfragen. Denn man kann ja dann die Schicksalsfragen unmittelbar überschauen. Man hat etwas, was, so wie ich es geschildert habe, einschlägt in das Schicksal, selber herbeigeführt. Und dieses, das führt einen nun weiter, das ist der Impuls, der einen weiterführt zu der Anschauung im schauenden Bewusstsein, wie das unsterbliche Geistige im Menschen, das durch Geburt und Tod geht, so wirkt, dass aus derjenigen Individualität, die nur verdunkelt wird durch das Leiblich-Seelische, aus der Individualität heraus sich das Schicksal bildet aus der geistigen Welt heraus.

[ 52 ] One arrives at this point precisely when one lives through all these experiences in inner healing. The realization becomes such a fate that one says to oneself that one truly does not need to become numb to other strokes of fate and events, but the inner transformation that one has undergone in awakening to contemplative consciousness has a stronger impact on life than even the most shattering other experiences. Then one experiences fate, fate in immediate consciousness. When one experiences the full gravity of one's inner experiences, one has reached the point where one's consciousness has also awakened to the answers to other questions of fate. For then one can immediately see the questions of fate. You have brought about something that, as I have described, has an impact on fate. And this now leads you further; it is the impulse that leads you further to the insight in your contemplative consciousness of how the immortal spirit in human beings, which passes through birth and death, has such an effect that destiny is formed out of the spiritual world from the individuality that is only obscured by the physical and soul aspects.

[ 53 ] Hat man die Schicksalsfragen an einem Punkte, wie ich es geschildert habe, angefasst, hat man das Schicksal erkannt als dasjenige, was das eigene Selbst herbeigeführt hat, dann erweitert sich einem über Geburt und Tod hinaus die Anschauung über das Schicksal. Das, was sonst in den Schicksalsereignissen vorgeht, wird wie ein Traum, der beleuchtet wird aus der geistigen Welt heraus. Sieht man dasjenige, was im menschlichen Lebenslauf sich abspielt, in gewöhnlicher Weise an, so betrachtet man es so, dass man in Bezug auf das, was der Mensch innerlich ist, innerlich erleben kann, was er an Fähigkeiten und Impulsen entwickeln kann, was ja mit seinem Schicksal zusammenhängt, denn wer die eine Fähigkeit hat, wird zu dem Schicksal, der andere zu einem anderen Schicksal getrieben, das betrachtet man als Ergebnisse desjenigen, was man ererbt.

[ 53 ] Once one has approached the questions of destiny at a point such as I have described, once one has recognized destiny as that which one's own self has brought about, then one's view of destiny expands beyond birth and death. What otherwise occurs in the events of destiny becomes like a dream illuminated from the spiritual world. If one views what takes place in the course of human life in the usual way, one regards it in such a way that, in relation to what the human being is inwardly, what they can experience inwardly, what abilities and impulses they can develop, which is connected with their destiny, for those who have one ability are driven to one destiny, others to another destiny, which is regarded as the result of what one inherits.

[ 54 ] Gewiss, es können die Leute kommen und sagen: Wie schöne Ergebnisse hat die Naturwissenschaft gebracht! Ich verkenne sie nicht! Diese Ergebnisse werden nicht verkannt von der Geisteswissenschaft, sie werden im Gegenteil noch von einer anderen Seite beleuchtet. Dasjenige, was hier physisch-irdisch ist, das ist ja nur die Ausgestaltung des Geistigen. Und der Geist ist nicht in einem Wolkenkuckucksheim, sondern überall um uns. Wir sind mit dem Geistig-Seelischen in unvergänglicher Weise im Geistigen drinnen. Aber nicht nur das, was sich zwischen Geburt und Tod abspielt, hängt mit dem Geiste zusammen. Um zu zeigen, wie das, was sich zwischen Geburt und Tod abspielt, sich vererbt, beruft man sich sehr häufig auf das Folgende. Man sagt — und in dieser Beziehung sind wirklich sehr schöne Untersuchungen gepflogen worden —, man sagt, wenn man einen Menschen betrachtet, so kann man seine Fähigkeiten auch bei Vater und Mutter oder bei Großeltern und so weiter beobachten.

[ 54 ] Certainly, people may come and say: What wonderful results science has brought! I do not underestimate them! These results are not underestimated by Spiritual Science; on the contrary, they are illuminated from another perspective. What is physical here is only the manifestation of the spiritual. And the spirit is not in a cloud cuckoo land, but everywhere around us. We are eternally connected to the spiritual-soul realm in the spiritual world. But it is not only what happens between birth and death that is connected to the spirit. To show how what happens between birth and death is inherited, the following is very often referred to. It is said—and in this regard, some very interesting studies have been conducted—that when you look at a person, you can also observe their abilities in their father and mother or grandparents and so on.

[ 55 ] Über Goethe ist ein sehr schönes Buch geschrieben worden, in dem man seine Fähigkeiten durch Vererbung erklären wollte. Es sind schöne Ergebnisse. Man hat aber daraus den Schluss gezogen: Ein großes Genie trägt die Fähigkeiten der Vorfahren an sich. Eine sonderbare Tatsachenlogik ist dieses, denn, dass das Genie in seinen Eigenschaften Anklänge an seine Vorfahren zeigt, das braucht einen ebenso wenig zu verwundern, wie es einen verwundert, dass man nass ist, wenn man ins Wasser gefallen ist. Das weiß man durch Erfahrung. Aber, dass sich das Genie vererbt, das könnte man nur zeigen bei den Nachkommen, und das wird man wohl bleiben lassen, denn da wird einem die Erfahrung ganz andere Resultate liefern. Die Erfahrung also, sie spricht nicht gerade für die Vererbung der geistigen Merkmale, Geisteswissenschaft sieht mit dem schauenden Bewusstsein die Sache anders an. Nicht nur, indem wir ins Dasein treten, ist unser Physisch-Leibliches in jedem Augenblick mit dem Geiste in Zusammenhang, sondern das, was zu unserer Empfängnis führt, was durch unsere Vorfahrenreihen geht, steht auch schon mit der geistigen Welt in Beziehung. Unser Ich ist in der geistigen Welt drinnen, wenn der Großvater, der Urgroßvater in ihr leben; und wie das Physisch-Leibliche zusammen wirkt mit dem Physisch-Leiblichen unserer Vorfahren zwischen Geburt und Tod, so wirkt unser Geistig-Seelisches lange bevor in denjenigen physischen Vorgängen, in dem, was sich abspielt, wenn zusammengeführt werden unsere Ahnen. Darin wirkt es.

[ 55 ] A very beautiful book has been written about Goethe, in which the author sought to explain his abilities through heredity. The results are beautiful. However, the conclusion drawn from this is that a great genius carries the abilities of his ancestors within him. This is a strange factual logic, because the fact that a genius's characteristics echo those of his ancestors is no more surprising than the fact that you get wet when you fall into water. We know this from experience. But the fact that genius is inherited can only be demonstrated in descendants, and this will probably be left alone, because experience will provide us with completely different results. Experience, therefore, does not exactly speak in favor of the inheritance of intellectual characteristics, but Spiritual Science, with its contemplative consciousness, sees things differently. Not only when we enter into existence is our physical body connected with the spirit at every moment, but that which leads to our conception, that which passes through our ancestral lines, is also already connected to the spiritual world. Our ego is in the spiritual world when our grandfather and great-grandfather live in it; and just as the physical body interacts with the physical bodies of our ancestors between birth and death, so our spiritual soul interacts long before in those physical processes, in what takes place when our ancestors are brought together. That is where it works.

[ 56 ] Und so wie das Seelische hervorruft das, was ich morgen denken werde, weil es zusammenhängt mit den Vorgängen von heute, so erben wir nicht nur die Merkmale der Vorfahren, sondern die Vorfahren bekommen die Merkmale durch uns selbst. Hinzuschauen, wie wenn man aus dem Traume erwacht und auf die äußere Welt hinschaut, hinzuschauen auf die Welt, aus der heraus wir unser inneres Schicksal mitbringen, indem wir in die Vererbung einfließen lassen unsere Kräfte, hinzuschauen auf dieses innere Schicksal, dazu gelangen wir dadurch, dass wir das Denken emanzipieren. Und haben wir dazu das andere erreicht, dass wir die Erkenntnis selber als Schicksal erfahren haben, dann wird uns klar, dass in unserm inneren Schicksal dasjenige lebt, was wir aus der geistigen Welt vor der Geburt in die Anlage unserer Vorfahren hinein bestimmten. So bestimmt sich das, was als äußere Ereignisse an uns herantritt, dadurch, dass wir Anziehungskräfte dafür entwickeln, auf die natürlichste Weise der Welt, von den vorhergehenden Erdenleben aus. Wir lernen hinschauen auf die vorigen Erdenleben, indem wir das schauende Bewusstsein erlangen, und werden gewahr das innere Schicksal als Folge des vorhergehenden Erdenlebens. So fügt sich das, was ein Mensch zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt zur Grundlage macht, zu dem, was sich aus der Vererbung entwickelt. Wir wollen die Vererbung nicht aus der Welt schaffen, sondern wir wollen sie beleuchten durch das Geisteslicht aus der geistigen Welt heraus.

[ 56 ] And just as the soul evokes what I will think tomorrow because it is connected with today's processes, we not only inherit the characteristics of our ancestors, but our ancestors also acquire characteristics through us. To look at it as if we were awakening from a dream and looking at the outer world, to look at the world from which we bring our inner destiny by allowing our powers to flow into our inheritance, to look at this inner destiny, we achieve this by by emancipating our thinking. And once we have achieved the other thing, that we have experienced knowledge itself as destiny, then it becomes clear to us that what lives in our inner destiny is what we determined from the spiritual world before birth in the predisposition of our ancestors. This is how what what comes to us as external events is determined by the fact that we develop forces of attraction for them in the most natural way in the world, from our previous earthly lives. We learn to look at our previous earthly lives by attaining clairvoyant consciousness, and we become aware of our inner destiny as a consequence of our previous earthly life. In this way, what a person builds as a foundation in the spiritual world between death and new birth is added to what develops from heredity. We do not want to eliminate heredity from the world, but we want to illuminate it with the light of the spirit from the spiritual world.

[ 57 ] So sehen wir, wenn wir unsere Ich-Individualität auszudehnen vermögen über Geburt und Tod hinaus in die Zeiten der wiederholten Erdenleben, in die Zeiten zwischen dem Tod und einer neunen Geburt. Dann erkennen wir, ebenso wie wir aus dem Traume erwachend die äußere physische Welt als Ursache des Traumes erkennen, dann erkennen wir die geistige Welt als dasjenige, was nun im Werdegang der Verursachungen eingreift, und was ebenso, wie die Außenwelt den Traum aus dem Chaos erklärlich macht, erklärlich macht unser Schicksal und Ordnung in unser Schicksal bringt. Wir nehmen unser Schicksal nicht nur mit Leid und Freude hin, sondern wir lernen es verstehen, sodass wir wissen: In der über das persönliche Erleben hinausgedehnten Individualität liegen die Bestimmungsgründe für unser Schicksal, das aus der geistigen Welt uns erfließt.

[ 57 ] Thus, when we are able to extend our ego individuality beyond birth and death into the times of repeated earthly lives, into the times between death and a new birth, we recognize, just as we recognize the outer physical world as the cause of the dream when we awaken from it, then we recognize the spiritual world as that which now intervenes in the course of causation, and which, just as the outer world explains the dream out of chaos, explains our destiny and brings order to our destiny. We not only accept our destiny with suffering and joy, but we learn to understand it, so that we know: in the individuality that extends beyond personal experience lie the determining factors for our destiny, which flows to us from the spiritual world.

[ 58 ] So sehen wir, wie das Aufwachen zum schauenden Bewusstsein das Denken hinausführt, aber auch Fühlen und Wollen hinausführt zu einem schauenden Bewusstsein. Das Schicksal des gewöhnlichen Lebens stellt sich uns dar wie ein Traum, der geträumt wird, aus einer höheren Wirklichkeit heraus, die ihm Sinn und Bedeutung gibt. Daher begreifen wir es, dass gerade ein tiefer schürfender Denker, der heran bis an die Grenze desjenigen geht, was beim Stehenbleiben an der gewöhnlichen Wirklichkeit erreicht werden kann, in diesen Gedanken, die in Anlehnung an die gewöhnliche Wirklichkeit entstehen, zu Widersprüchen kommt. Gerade die Kühnheit eines solchen Denkers, wie Friedrich Theodor Vischer, führt ihn dazu, zu sagen: Die Einheit des Seelischen ist nicht im Leibe, aber sie kann aber auch nicht anders sein als im Leibe.

[ 58 ] Thus we see how awakening to contemplative consciousness leads thinking beyond itself, but also leads feeling and willing beyond themselves to a contemplative consciousness. The fate of ordinary life presents itself to us like a dream that is dreamed from a higher reality that gives it meaning and significance. Therefore, we understand that it is precisely a deeply probing thinker, who goes to the limits of what can be achieved by remaining within ordinary reality, who encounters contradictions in these thoughts that arise in reference to ordinary reality. It is precisely the boldness of such a thinker as Friedrich Theodor Vischer that leads him to say: The unity of the soul is not in the body, but it cannot be anywhere else but in the body.

[ 59 ] Sie sehen, das gewöhnliche Denken führt zum Widerspruch. Dieser Widerspruch löst sich erst auf im schauenden Bewusstsein. Wenn man erkennen kann, dass im gewöhnlichen Leben [Lücke] das Geistige nicht drinnen liegt, sondern man muss das /Lücke.] In dem Paradoxon liegt das Bedürfnis bei Vischer, hineinzuschauen in etwas, was das gewöhnliche Bewusstsein nimmermehr lösen kann. Das ist auch, und jetzt für das geistige Gebiet, ein Übergehen von einem vorkopernikanischen zu einem kopernikanischen Standpunkte.

[ 59 ] You see, ordinary thinking leads to contradiction. This contradiction is only resolved in contemplative consciousness. If one can recognize that in ordinary life [gap] the spiritual does not lie within, but one must [gap]. In this paradox lies Vischer's need to look into something that ordinary consciousness can never resolve. This is also, and now for the spiritual realm, a transition from a pre-Copernican to a Copernican point of view.

[ 60 ] Die besten Menschen des neunzehnten Jahrhunderts haben die Notwendigkeit empfunden, und mit einem Hinweise auf einen der besten Menschen aus dem neunzehnten Jahrhundert lassen Sie mich die heutige Darstellung schließen, die aber von einer anderen Seite her übermorgen beleuchtet werden soll in einem Vortrage über das Thema «Menschenseele und Menschenleib in Natur und Geisterkenntnis».

[ 60 ] The best people of the nineteenth century felt the necessity, and with a reference to one of the best people of the nineteenth century, let me conclude today's presentation, which, however, will be illuminated from another angle the day after tomorrow in a lecture on the topic “The Human Soul and the Human Body in Nature and Spiritual Knowledge.”

[ 61 ] Mit einem Hinweise auf einen großen, sympathischen Denker lassen Sie mich die heutige Betrachtung abschließen. Ich meine Gustav Theodor Fechner. Er war einer derjenigen Denker des neunzehnten Jahrhunderts, welche es wirklich dahin gebracht haben, zu empfinden, wie gerade die großen, glänzenden Fortschritte der Naturwissenschaft nicht geeignet sind, gerade wenn man sie in ihrer vollen Tragweite überschaut, die tiefsten Seelenrätsel zu lösen, sondern eigentlich diese Seelenrätsel erst aufzurollen. Das ist gerade das Geheimnis gegenüber der bedeutungsvollen Naturwissenschaft unserer Zeit, dass sie uns nicht die seelischen Rätsel löst, dass sie uns nicht zur Lösung der Rätsel der Seelenunsterblichkeit und des Schicksalsrätsels führt, wie es heute gezeigt wurde, indem wir auf die Wege der Geisteswissenschaft hingewiesen haben, sondern dass sie uns schulen kann im Denken, dass sie uns Anregung geben kann, die Fragen aufwerfen kann in der entsprechenden Weise. Wenn sie aber es unternehmen wollte, auf diese Fragen Antworten zu geben, dann kommt das zustande, was für einen so sinnigen Denker wie Gustav Theodor Fechner zustande gekommen ist. Er konnte durchschauen, dass irgendetwas kommen muss, was zur Geisterkenntnis führt. Er konnte selber nicht durchdringen zum schauenden Bewusstsein, es war noch nicht an der Zeit, als er lebte. Aber ihm erschien die Art, wie die Naturwissenschaft zum Geiste sich stellt so, dass er diese Stellung als die Nachtansicht bezeichnet, die Nachtansicht der Weltanschauung, und dass er lechzt nach dem, was hereindringt in diese Nachtanschauung als das schauende Bewusstsein, wie das Tagwachen in das Traumleben hereindringt, wie die Tagansicht gegenüber der Nachtansicht. So kam es, dass Fechner, obwohl er nur vor dem Tore der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft stand und durch das Tor nicht gehen konnte, doch schöne Worte gesprochen hat über den Gang des menschlichen Geisteslebens in die Zukunft hinein, der da führen soll von der Nachtansicht zur Tagansicht, die in den Geist hineinführen will in derselben Sicherheit, wie Naturwissenschaft von der Seele in das körperliche Leben eindringt. Da spricht Fechner die schönen Worte:

[ 61 ] Let me conclude today's reflection with a reference to a great, sympathetic thinker. I am referring to Gustav Theodor Fechner. He was one of those thinkers of the nineteenth century who truly succeeded in perceiving how the great, brilliant advances in natural science, especially when viewed in their full scope, are not suited to solving the deepest mysteries of the soul, but rather to unraveling them. That is precisely the mystery of the significant natural science of our time: that it does not solve the mysteries of the soul for us, that it does not lead us to the solution of the mysteries of the immortality of the soul and the riddle of fate, as has been shown today by pointing to the paths of Spiritual Science, but that it can train us in thinking, that it can stimulate us raise questions in the appropriate way. But if it wanted to undertake to answer these questions, then what happened to a thinker as sensible as Gustav Theodor Fechner would happen. He could see that something must come that leads to spiritual knowledge. He himself could not penetrate to seeing consciousness; the time was not yet ripe when he was alive. But the way in which natural science approaches the spirit appeared to him in such a way that he described this position as the night view, the night view of the worldview, and that he longs for what penetrates into this night view as seeing consciousness, just as the awakening of day penetrates into dream life, just as the view of day stands in contrast to the view of night. Thus it came about that Fechner, although he stood only at the gate of anthroposophically oriented Spiritual Science and could not pass through the gate, nevertheless spoke beautiful words about the passage of human spiritual life into the future, which is to lead from the view of night to the view of day, which wants to lead into the spirit with with the same certainty as natural science penetrates from the soul into physical life. Fechner speaks these beautiful words:

In der Tat ist mein Glaube, [dass, so sicher als auf die Nacht der Tag, auf jene Nachtansicht der Welt dereinst eine Tagesansicht folgen wird, die, statt sich in Widerspruch mit der natürlichen Ansicht der Dinge zu stellen, vielmehr damit unterbauen und darin den Grund zu einer neuen Entwicklung finden wird. Denn, schwindet jene Illusion, welche den Tag in Nacht verkehrt, so wird natürlicherweise alles Verkehrte, was damit zusammenhängt, und es ist viel, mit schwinden müssen, und die Welt in neuem Zusammenhange, in neuem Lichte, unter neuen] positiven Gesichtspunkten erscheinen.

Indeed, it is my belief [that, as surely as night follows day, that night view of the world will one day be followed by a day view which, instead of contradicting the natural view of things, will rather underpin it and find in it the basis for a new development. For when the illusion that turns day into night disappears, then naturally everything related to it that is wrong, and there is much, will have to disappear, and the world will appear in a new context, in a new light, under new] positive points of view.

[ 62 ] Was Gustav Theodor Fechner aus seinem tiefschürfenden Gemüte heraus ersehnt, meine sehr verehrten Anwesenden, Geisteswissenschaft möchte den Anfang dazu machen. Sie möchte mit den noch primitiven Mitteln, mit denen so geforscht werden kann, wie es heute angedeutet worden ist, für diese von Fechner herbeigeschnte Tagansicht den Anfang machen. Denn bewahrheitet muss sein im Gang des menschlichen Geisteslebens dasjenige, was Fechner als seine Überzeugung ausgesprochen hat, was aussprechen kann jeder Geistesforscher gegenüber dem Eindringen in die geistige Welt. Und die Geisteswissenschaft, die das herbeiführen möchte, was in diesen Sehnsuchtsworten ausgesprochen wurde:

[ 62 ] What Gustav Theodor Fechner longs for from his profound mind, my dear friends, Spiritual Science would like to make a start on. With the still primitive means available for research, as has been indicated today, it would like to make a start on this vision of the day that Fechner has brought about. For what Fechner has expressed as his conviction must be true in the course of human spiritual life, and every spiritual researcher can express this in relation to penetration into the spiritual world. And Spiritual Science, which wants to bring about what has been expressed in these words of longing:

[ 63 ] Nun ist Klarheit das Letzte in diesen Dingen, [das Letzte wird aber auch die Klarheit] sein.

[ 63 ] Now clarity is the last thing in these matters, [but clarity will also be the last thing].

[ 64 ] Zu dieser Klarheit, die nur aus dem Lichte des Geistes herauskommen kann, möchte die Geisteswissenschaft einen Anfang machen auf dem Wege, der immer weiter führen kann, und der zuletzt zu einem Ziele führt, das die tiefsten menschlichen Rätselfragen befriedigend beantworten kann — wenigstens teilweise dazu führen wird.

[ 64 ] Spiritual Science would like to make a start on the path to this clarity, which can only come from the light of the spirit, a path that can lead ever further and ultimately to a goal that can provide satisfactory answers to the deepest human mysteries — or at least lead part of the way there.