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Soul Immortality, Forces of Destiny
and the Course of Human Life
GA 71a

12 May 1917, Stuttgart

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Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und menschlicher Lebenslauf, 1st ed.
  1. Soul Immortality, Forces of Destiny and the Course of Human Life, tr. SOL

Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und Menschlicher Lebenslauf

Seelenunsterblichkeit, Schicksalskräfte und Menschlicher Lebenslauf

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Von zwei verschiedenen Seiten möchte ich wichtige Fragen des menschlichen Seelenlebens heute und übermorgen Abend behandeln, sodass sich die zwei Vorträge gewissermaßen ergänzen werden. Trotzdem werde ich danach trachten, aus jedem der Vorträge auch ein selbstständiges Ganzes zu machen, sodass vielleicht jeder aus sich selber verstanden werden kann.

[ 1 ] Sehr verehrte Anwesende! Von zwei verschiedenen Seiten möchte ich wichtige Fragen des menschlichen Seelenlebens heute und übermorgen Abend behandeln, sodass sich die zwei Vorträge gewissermaßen ergänzen werden. Trotzdem werde ich danach trachten, aus jedem der Vorträge auch ein selbstständiges Ganzes zu machen, sodass vielleicht jeder aus sich selber verstanden werden kann.

[ 2 ] Gestatten Sie, dass ich ausgehe von etwas Persönlichem, was sonst nicht meine Gewohnheit ist, wie diejenigen der vermehrten Zuhörer wissen, die öfter hier bei diesen Vorträgen zugegen sind, die ich durch viele Jahre hindurch über geisteswissenschaftliche Gegenstände halte.

[ 2 ] Gestatten Sie, dass ich ausgehe von etwas Persönlichem, was sonst nicht meine Gewohnheit ist, wie diejenigen der vermehrten Zuhörer wissen, die öfter hier bei diesen Vorträgen zugegen sind, die ich durch viele Jahre hindurch über geisteswissenschaftliche Gegenstände halte.

[ 3 ] Wenn ich in den verflossenen Jahren öfter hier in Stuttgart an der Büste des in das Stuttgarter Geistesleben einstmals bedeutungsvoll eingreifenden Friedrich Theodor Vischer vorbeiging — den man im literarischen Leben «V-Vischer» nennt —, da kam mir immer ein bedeutungsvoller Ausspruch Vischers in den Sinn, den er einmal getan hat bei der Besprechung eines Buches, das auch über das seelische Leben handelt. Ein Ausspruch, der merkwürdig, man könnte fast sagen paradox klingt. Vischer spricht über die menschliche Seele, über das einheitliche menschliche Seelenleben, in den verschiedensten menschlichen körperlich-geistigen Äußerungen seines Wesens. Und er sagt: «Die Einheit des seelischen Lebens kann ganz gewiss nicht im Leibe lokalisiert sein, obwohl sie eigentlich nirgends anders als im Leibe vorkommen kann.» Ein seltsamer Widerspruch! Man könnte sagen: Wo denkt sich also Vischer eigentlich dieses einheitliche menschliche Seelenleben? Im Leibe kann es nicht sein und doch kann es außerhalb des Leibes nicht vorkommen. Warum kann dieser Ausspruch ganz besonders bezeichnend erscheinen?

[ 3 ] Wenn ich in den verflossenen Jahren öfter hier in Stuttgart an der Büste des in das Stuttgarter Geistesleben einstmals bedeutungsvoll eingreifenden Friedrich Theodor Vischer vorbeiging — den man im literarischen Leben «V-Vischer» nennt —, da kam mir immer ein bedeutungsvoller Ausspruch Vischers in den Sinn, den er einmal getan hat bei der Besprechung eines Buches, das auch über das seelische Leben handelt. Ein Ausspruch, der merkwürdig, man könnte fast sagen paradox klingt. Vischer spricht über die menschliche Seele, über das einheitliche menschliche Seelenleben, in den verschiedensten menschlichen körperlich-geistigen Äußerungen seines Wesens. Und er sagt: «Die Einheit des seelischen Lebens kann ganz gewiss nicht im Leibe lokalisiert sein, obwohl sie eigentlich nirgends anders als im Leibe vorkommen kann.» Ein seltsamer Widerspruch! Man könnte sagen: Wo denkt sich also Vischer eigentlich dieses einheitliche menschliche Seelenleben? Im Leibe kann es nicht sein und doch kann es außerhalb des Leibes nicht vorkommen. Warum kann dieser Ausspruch ganz besonders bezeichnend erscheinen?

[ 4 ] Viele der sehr verehrten Zuhörer werden ja wissen, welch scharfer Geist, welch kühner Denker gerade Vischer war; wie Vischer nicht nur den ästhetischen, sondern den allgemeinen Weltanschauungsfragen in mutigem Denken zu Leibe gegangen ist. Aber gerade deshalb kann ein solcher Ausspruch, zu dem er gekommen ist, als besonders kennzeichnend erscheinen für einen solchen kühnen Denker, der schürfen will nach den bedeutungsvollen Wesensfragen der menschlichen Seele. Mir erscheint nämlich oftmals gerade dieser Ausspruch eines Denkers, zu dem man ähnliche von anderen Denkern hinzufügen könnte, deshalb charakteristisch, weil er mir erscheint als die Stelle, bis zu welcher ein Denker gelangt, wenn er das lebendige Bedürfnis hat, die Rätsel des Lebens zu erforschen, und dennoch, wie das ja bei Vischer der Fall war, in dasjenige nicht eindringen kann, weil eben die Zeit noch nicht gekommen war für dasjenige, was in diesen Vorträgen hier als Geisteswissenschaft gemeint ist.

[ 4 ] Viele der sehr verehrten Zuhörer werden ja wissen, welch scharfer Geist, welch kühner Denker gerade Vischer war; wie Vischer nicht nur den ästhetischen, sondern den allgemeinen Weltanschauungsfragen in mutigem Denken zu Leibe gegangen ist. Aber gerade deshalb kann ein solcher Ausspruch, zu dem er gekommen ist, als besonders kennzeichnend erscheinen für einen solchen kühnen Denker, der schürfen will nach den bedeutungsvollen Wesensfragen der menschlichen Seele. Mir erscheint nämlich oftmals gerade dieser Ausspruch eines Denkers, zu dem man ähnliche von anderen Denkern hinzufügen könnte, deshalb charakteristisch, weil er mir erscheint als die Stelle, bis zu welcher ein Denker gelangt, wenn er das lebendige Bedürfnis hat, die Rätsel des Lebens zu erforschen, und dennoch, wie das ja bei Vischer der Fall war, in dasjenige nicht eindringen kann, weil eben die Zeit noch nicht gekommen war für dasjenige, was in diesen Vorträgen hier als Geisteswissenschaft gemeint ist.

[ 5 ] Vischer verfolgte gewissermaßen das Seelenleben, wie es ihm zugänglich war, und er kommt — da er an eine der wichtigsten Fragen, nämlich die Frage nach dem Wesen der Seele selber hintritt —, er kommt zu einem vollständigen Widerspruch, zu einem Widerspruch demgegenüber man fragen kann: Muss man bei ihm stehen bleiben, wie etwa Vischer bei ihm stehen geblieben ist?

[ 5 ] Vischer verfolgte gewissermaßen das Seelenleben, wie es ihm zugänglich war, und er kommt — da er an eine der wichtigsten Fragen, nämlich die Frage nach dem Wesen der Seele selber hintritt —, er kommt zu einem vollständigen Widerspruch, zu einem Widerspruch demgegenüber man fragen kann: Muss man bei ihm stehen bleiben, wie etwa Vischer bei ihm stehen geblieben ist?

[ 6 ] Mir, meine sehr verehrten Anwesenden, ist diese persönliche Angelegenheit deshalb besonders ernst, weil sie eben für mich eine solche ist. In den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, da ich verfolgte mit tiefem Interesse gerade dasjenige, das philosophisch Friedrich Theodor Vischer erreichen wollte, da schrieb ich als ganz junger Dachs eine Abhandlung, die dasjenige verzeichnen sollte, wovon ich auch heute noch sagen kann: Es war der erste Anfang von dem, was ich als Geistesforschung bezeichnen möchte. Es waren die ersten Gedanken, die ich niederschreiben konnte aus jener Richtung, jener Strömung des Forschens, über die ich sprechen will. Und ich sandte mein Manuskript — selbstverständlich konnte man dazumal nicht hoffen, dass solch ein Zeug von einem jungen Dachs gedruckt wird —, ich sandte mein Manuskript an Vischer. Vischer, der dazumal schon alt war, antwortete mir sehr freundlich und ging merkwürdigerweise ein gerade auf dasjenige, was ich als den Nerv meines damaligen Forschungsanfanges bezeichnen möchte, sodass ich schon glaubte, es einmal erleben zu können, einen Mann, der mit dem Geistesleben des neunzehnten Jahrhunderts so sehr verknüpft war, dafür gewinnen zu können, für die Sache Interesse zu haben; wie Vischer für alles dasjenige, was sich als irgendetwas Neues geltend machte, gerade das weitgehendste Interesse und das größte Wohlwollen hatte.

[ 6 ] Mir, meine sehr verehrten Anwesenden, ist diese persönliche Angelegenheit deshalb besonders ernst, weil sie eben für mich eine solche ist. In den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, da ich verfolgte mit tiefem Interesse gerade dasjenige, das philosophisch Friedrich Theodor Vischer erreichen wollte, da schrieb ich als ganz junger Dachs eine Abhandlung, die dasjenige verzeichnen sollte, wovon ich auch heute noch sagen kann: Es war der erste Anfang von dem, was ich als Geistesforschung bezeichnen möchte. Es waren die ersten Gedanken, die ich niederschreiben konnte aus jener Richtung, jener Strömung des Forschens, über die ich sprechen will. Und ich sandte mein Manuskript — selbstverständlich konnte man dazumal nicht hoffen, dass solch ein Zeug von einem jungen Dachs gedruckt wird —, ich sandte mein Manuskript an Vischer. Vischer, der dazumal schon alt war, antwortete mir sehr freundlich und ging merkwürdigerweise ein gerade auf dasjenige, was ich als den Nerv meines damaligen Forschungsanfanges bezeichnen möchte, sodass ich schon glaubte, es einmal erleben zu können, einen Mann, der mit dem Geistesleben des neunzehnten Jahrhunderts so sehr verknüpft war, dafür gewinnen zu können, für die Sache Interesse zu haben; wie Vischer für alles dasjenige, was sich als irgendetwas Neues geltend machte, gerade das weitgehendste Interesse und das größte Wohlwollen hatte.

[ 7 ] Nun starb Friedrich Theodor Vischer bald darauf, und es blieb bei diesem einmaligen Briefwechsel. Aber gerade wenn ich Fundamentales der Geisteswissenschaft erörtern möchte, dann muss ich — insbesondere liegt das ja nahe am hiesigen Orte — Vischers gedenken; denn diejenigen, die dann nachgekommen sind, und die nicht mehr die tiefere Philosophie der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts so wie Friedrich Theodor Vischer in ihrer Seele trugen, die konnten sich viel weniger zu dem finden, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist. Und so muss denn Geisteswissenschaft eben kämpfen, und sie wird sich ihr Dasein schon erkämpfen. Warum insbesondere dieser Ausspruch heute herangezogen wird, das mag sich etwa aus dem Folgenden ergeben: Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, heißt: das geistige Leben, das geistige Wesen des Menschen, insofern es im Seelischen sich ausdrückt, so erforschen, wie Naturwissenschaft das körperliche Wesen des Menschen erforscht, insofern sich dieses körperliche Wesen als die Bedingung ergibt für das Seelische. Nur müssen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft sozusagen nach entgegengesetzten Richtungen hin ganz verschiedene Wege einschlagen. Und dennoch liegt etwas Ähnliches in diesen Wegen der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft.

[ 7 ] Nun starb Friedrich Theodor Vischer bald darauf, und es blieb bei diesem einmaligen Briefwechsel. Aber gerade wenn ich Fundamentales der Geisteswissenschaft erörtern möchte, dann muss ich — insbesondere liegt das ja nahe am hiesigen Orte — Vischers gedenken; denn diejenigen, die dann nachgekommen sind, und die nicht mehr die tiefere Philosophie der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts so wie Friedrich Theodor Vischer in ihrer Seele trugen, die konnten sich viel weniger zu dem finden, was hier als Geisteswissenschaft gemeint ist. Und so muss denn Geisteswissenschaft eben kämpfen, und sie wird sich ihr Dasein schon erkämpfen. Warum insbesondere dieser Ausspruch heute herangezogen wird, das mag sich etwa aus dem Folgenden ergeben: Geistesforschung, wie sie hier gemeint ist, heißt: das geistige Leben, das geistige Wesen des Menschen, insofern es im Seelischen sich ausdrückt, so erforschen, wie Naturwissenschaft das körperliche Wesen des Menschen erforscht, insofern sich dieses körperliche Wesen als die Bedingung ergibt für das Seelische. Nur müssen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft sozusagen nach entgegengesetzten Richtungen hin ganz verschiedene Wege einschlagen. Und dennoch liegt etwas Ähnliches in diesen Wegen der Naturwissenschaft und der Geisteswissenschaft.

[ 8 ] Sehen wir uns kurz, bevor wir auf die eigentliche Geisteswissenschaft eingehen, mit Bezug auf die heutige Frage einmal die Art und Weise an, wie der Naturforscher von seinem Gesichtspunkte aus an die körperlichen Bedingungen des Seelenlebens herantritt. Er sucht zu erforschen, was in den Sinnen vorgeht, wenn äußere Sinneseindrücke auf diese Sinne gemacht werden. Er sucht dann zu erforschen, wie sich die Sinneseindrücke fortpflanzen durch das Nervensystem. Er sucht mit den Mitteln, soweit sie ihm heute schon zugänglich sind, wie weiter verarbeitet werden die Sinneseindrücke durch das Vorstellen, durch das Fühlen, durch das Denken, der innere körperliche Mechanismus, oder besser gesagt Organismus, zugeordnet werden kann. Er verfolgt dann, wie die Nerven sich verästeln und sich vereinigen im Gehirn, im Nervensystem, wie sie sich eingliedern dem Muskelsystem und so weiter. Und er versucht, indem er dieses körperlich verfolgt, ein Bild zu bekommen, welche Bedingungen, körperliche Bedingungen vorhanden sind für das seelische Erleben. Er sucht eine Vorstellung zu bekommen, was eigentlich im Organismus des Menschen vor sich geht, in dem das seelische Leben sich abspielt.

[ 8 ] Sehen wir uns kurz, bevor wir auf die eigentliche Geisteswissenschaft eingehen, mit Bezug auf die heutige Frage einmal die Art und Weise an, wie der Naturforscher von seinem Gesichtspunkte aus an die körperlichen Bedingungen des Seelenlebens herantritt. Er sucht zu erforschen, was in den Sinnen vorgeht, wenn äußere Sinneseindrücke auf diese Sinne gemacht werden. Er sucht dann zu erforschen, wie sich die Sinneseindrücke fortpflanzen durch das Nervensystem. Er sucht mit den Mitteln, soweit sie ihm heute schon zugänglich sind, wie weiter verarbeitet werden die Sinneseindrücke durch das Vorstellen, durch das Fühlen, durch das Denken, der innere körperliche Mechanismus, oder besser gesagt Organismus, zugeordnet werden kann. Er verfolgt dann, wie die Nerven sich verästeln und sich vereinigen im Gehirn, im Nervensystem, wie sie sich eingliedern dem Muskelsystem und so weiter. Und er versucht, indem er dieses körperlich verfolgt, ein Bild zu bekommen, welche Bedingungen, körperliche Bedingungen vorhanden sind für das seelische Erleben. Er sucht eine Vorstellung zu bekommen, was eigentlich im Organismus des Menschen vor sich geht, in dem das seelische Leben sich abspielt.

[ 9 ] Man darf sagen, und ich habe es oftmals hier betont, dass Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, die großen bedeutsamen Ergebnisse der modernen Naturwissenschaft voll anerkennen will. Und man darf sagen, dass Naturwissenschaft gerade auf diesem Wege recht weit gekommen ist, zu recht anerkennungswerten Resultaten gekommen ist, dass heute schon in einer gewissen Weise erforscht werden kann — ich kann das jetzt nicht im Einzelnen auseinandersetzen —, welche einzelne Partien des Gehirns tätig sind, wenn sich Sprachvorstellungen, Gehörvorstellungen, Gesichtsvorstellungen entwickeln, das seelische Leben durchziehen und so weiter.

[ 9 ] Man darf sagen, und ich habe es oftmals hier betont, dass Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, die großen bedeutsamen Ergebnisse der modernen Naturwissenschaft voll anerkennen will. Und man darf sagen, dass Naturwissenschaft gerade auf diesem Wege recht weit gekommen ist, zu recht anerkennungswerten Resultaten gekommen ist, dass heute schon in einer gewissen Weise erforscht werden kann — ich kann das jetzt nicht im Einzelnen auseinandersetzen —, welche einzelne Partien des Gehirns tätig sind, wenn sich Sprachvorstellungen, Gehörvorstellungen, Gesichtsvorstellungen entwickeln, das seelische Leben durchziehen und so weiter.

[ 10 ] Was sucht da der Naturforscher eigentlich zu erreichen? Er sagt sich: Indem wir uns als Mensch erleben, erleben wir Sinneseindrücke, die wir zu Vorstellungen, zu Begriffen, zu Ideen verarbeiten, die in uns Gefühle auslösen, die zu gewissen Willensimpulsen führen. Das alles so zu betrachtet, wie man es zunächst erlebt, ist für den Naturforscher nur Ausgangspunkt. Er verfolgt das zunächst nur, indem er sich sagt: Wie gestaltet sich das seelische Leben, und wie kann ich, indem Vorstellung sich an Vorstellung gliedert, indem Sinneseindrücke sich zu Vorstellung umgestalten, indem aus der Tiefe der Seele der Wille quillt, wie kann ich mir denken, dass da die innere Organisation des Menschen, die körperliche Organisation des Menschen sich mitbetätigt? Das heißt, er nimmt das seelische Leben nur als Ausgangspunkt und verfolgt dann diesen Wunderbau der menschlichen Organisation, der einem als Wunderbau besonders dann aufgeht, wenn man ihn in Beziehung zu dem menschlichen Seelenleben betrachtet. Wenn man diese Wege verfolgt, wozu gelangt man dann eigentlich? Dazu gelangt man, dasjenige am Menschenwesen zu erforschen, zu ergründen — wie gesagt, schöne Fortschritte sind auf diesem Gebiet gemacht worden — dasjenige, was am Menschen das Vergängliche ist, das Sterbliche ist, was mit dem Tode den Elementen des Erdenlebens übergeben wird. Die sterblichen Bedingungen des Menschenlebens, sie treten auf dem Wege dieser Forschung vor das menschliche Wissen, vor das menschliche Erkennen.

[ 10 ] Was sucht da der Naturforscher eigentlich zu erreichen? Er sagt sich: Indem wir uns als Mensch erleben, erleben wir Sinneseindrücke, die wir zu Vorstellungen, zu Begriffen, zu Ideen verarbeiten, die in uns Gefühle auslösen, die zu gewissen Willensimpulsen führen. Das alles so zu betrachtet, wie man es zunächst erlebt, ist für den Naturforscher nur Ausgangspunkt. Er verfolgt das zunächst nur, indem er sich sagt: Wie gestaltet sich das seelische Leben, und wie kann ich, indem Vorstellung sich an Vorstellung gliedert, indem Sinneseindrücke sich zu Vorstellung umgestalten, indem aus der Tiefe der Seele der Wille quillt, wie kann ich mir denken, dass da die innere Organisation des Menschen, die körperliche Organisation des Menschen sich mitbetätigt? Das heißt, er nimmt das seelische Leben nur als Ausgangspunkt und verfolgt dann diesen Wunderbau der menschlichen Organisation, der einem als Wunderbau besonders dann aufgeht, wenn man ihn in Beziehung zu dem menschlichen Seelenleben betrachtet. Wenn man diese Wege verfolgt, wozu gelangt man dann eigentlich? Dazu gelangt man, dasjenige am Menschenwesen zu erforschen, zu ergründen — wie gesagt, schöne Fortschritte sind auf diesem Gebiet gemacht worden — dasjenige, was am Menschen das Vergängliche ist, das Sterbliche ist, was mit dem Tode den Elementen des Erdenlebens übergeben wird. Die sterblichen Bedingungen des Menschenlebens, sie treten auf dem Wege dieser Forschung vor das menschliche Wissen, vor das menschliche Erkennen.

[ 11 ] Es entsteht nun die Frage: Ist es vielleicht ebenso möglich, als wie gewissermaßen der Naturforscher das seelische Leben als den Ausgangspunkt betrachtet, und dann von diesem übergeht zum Körperlichen, zum Sterblichen, zum Vergänglichen; ist es ebenso möglich, das seelische Leben nach der anderen Seite als Ausgangspunkt zu betrachten und den Weg ebenso ins Unsterbliche, ins Unvergänglich-Geistige hineinzufinden, wie der Naturforscher den Weg ins Sterblich-Vergängliche hineinfinder? Das ist die große Rätselfrage des Daseins, welche nicht nur mit gewissen Stufen der Entwicklung zusammenhängt, sondern welche zusammenhängt mit den tiefsten Gemüts- und Geistesbedürfnissen und Sehnsuchten des Menschen. Möglich müsste es dann aber sein, das können wir ja von vorneherein sagen, möglich müsste es sein, gewissermaßen den Geist ebenso zu finden nach der anderen Seite hin, wie es möglich ist, den Körper zu finden nach der einen Seite hin.

[ 11 ] Es entsteht nun die Frage: Ist es vielleicht ebenso möglich, als wie gewissermaßen der Naturforscher das seelische Leben als den Ausgangspunkt betrachtet, und dann von diesem übergeht zum Körperlichen, zum Sterblichen, zum Vergänglichen; ist es ebenso möglich, das seelische Leben nach der anderen Seite als Ausgangspunkt zu betrachten und den Weg ebenso ins Unsterbliche, ins Unvergänglich-Geistige hineinzufinden, wie der Naturforscher den Weg ins Sterblich-Vergängliche hineinfinder? Das ist die große Rätselfrage des Daseins, welche nicht nur mit gewissen Stufen der Entwicklung zusammenhängt, sondern welche zusammenhängt mit den tiefsten Gemüts- und Geistesbedürfnissen und Sehnsuchten des Menschen. Möglich müsste es dann aber sein, das können wir ja von vorneherein sagen, möglich müsste es sein, gewissermaßen den Geist ebenso zu finden nach der anderen Seite hin, wie es möglich ist, den Körper zu finden nach der einen Seite hin.

[ 12 ] Nun ist es interessant, dass ja bei den Betrachtungen, welche die verschiedenen Denker gerade im neunzehnten Jahrhundert über das menschliche Seelenleben angestellt haben, gerade diese Art der Fragestellung, die ich jetzt aufgeworfen habe, diesen Denkern im Grunde gar nicht gekommen ist; dass sie gar nicht gesucht haben, dasjenige, was zu glänzenden Resultaten nach der einen Seite geführt hat, etwa auch nach der anderen Seite zu versuchen. Und ich möchte betonen, dass das wichtig ist, was ich jetzt sage, dass die Fragestellung, das Aufwerfen des Rätsels in der Weise, wie ich es jetzt eben auseinandergesetzt habe, gar nicht aufgekommen ist, dass die Denker sich gar nicht versucht gefühlt haben, nach dieser Seite hin ihre Gedanken, Ideen und Vorstellungen zu richten. Wenn wir fragen: Woher kommt denn dieses Merkwürdige, dass die Denker zu etwas so Einfachem zu gehen im Grunde genommen keine Veranlassung genommen haben?

[ 12 ] Nun ist es interessant, dass ja bei den Betrachtungen, welche die verschiedenen Denker gerade im neunzehnten Jahrhundert über das menschliche Seelenleben angestellt haben, gerade diese Art der Fragestellung, die ich jetzt aufgeworfen habe, diesen Denkern im Grunde gar nicht gekommen ist; dass sie gar nicht gesucht haben, dasjenige, was zu glänzenden Resultaten nach der einen Seite geführt hat, etwa auch nach der anderen Seite zu versuchen. Und ich möchte betonen, dass das wichtig ist, was ich jetzt sage, dass die Fragestellung, das Aufwerfen des Rätsels in der Weise, wie ich es jetzt eben auseinandergesetzt habe, gar nicht aufgekommen ist, dass die Denker sich gar nicht versucht gefühlt haben, nach dieser Seite hin ihre Gedanken, Ideen und Vorstellungen zu richten. Wenn wir fragen: Woher kommt denn dieses Merkwürdige, dass die Denker zu etwas so Einfachem zu gehen im Grunde genommen keine Veranlassung genommen haben?

[ 13 ] Wenn wir uns diese Frage aufwerfen, wir können sie uns am besten aus den Tatsachen beantworten. Die verehrten Zuhörer, die hier schon bei früheren Vorträgen waren, werden wissen, dass ich, ohne irgendwie mich zu dem, was Eduard von Hartmann als seine Philosophie vertreten hat, zu bekennen, doch Hartmann als einen sehr bedeutungsvollen Philosophen des neunzehnten Jahrhunderts betrachte. Nun hat Eduard von Hartmann geradezu alle Gebiete des menschlichen Erlebens philosophisch zu durchforschen gesucht. Interessant ist es nun, wie er, indem er versuchte, einen Abriss der Seelenkunde zu schreiben, gerade im Anfang auf gewisse Schwierigkeiten der Seelenkunde stieß, das heißt auf Schwierigkeiten, die für ihn und, wie er meint, auch für andere vorhanden waren. Er weist hin auf Schwierigkeiten, die sehr interessant sind, von Hartmann selber dargestellt zu finden, und ich möchte sie deshalb mit seinen eigenen Worten Ihnen anführen. Ich werde also die Worte Hartmanns anführen, nur dabei die fremdsprachlichen Ausdrücke durch deutsche ersetzen, weil ich will, dass dadurch eine weniger pedantische Philosophensprache herauskommt. Hartmann sagt:

[ 13 ] Wenn wir uns diese Frage aufwerfen, wir können sie uns am besten aus den Tatsachen beantworten. Die verehrten Zuhörer, die hier schon bei früheren Vorträgen waren, werden wissen, dass ich, ohne irgendwie mich zu dem, was Eduard von Hartmann als seine Philosophie vertreten hat, zu bekennen, doch Hartmann als einen sehr bedeutungsvollen Philosophen des neunzehnten Jahrhunderts betrachte. Nun hat Eduard von Hartmann geradezu alle Gebiete des menschlichen Erlebens philosophisch zu durchforschen gesucht. Interessant ist es nun, wie er, indem er versuchte, einen Abriss der Seelenkunde zu schreiben, gerade im Anfang auf gewisse Schwierigkeiten der Seelenkunde stieß, das heißt auf Schwierigkeiten, die für ihn und, wie er meint, auch für andere vorhanden waren. Er weist hin auf Schwierigkeiten, die sehr interessant sind, von Hartmann selber dargestellt zu finden, und ich möchte sie deshalb mit seinen eigenen Worten Ihnen anführen. Ich werde also die Worte Hartmanns anführen, nur dabei die fremdsprachlichen Ausdrücke durch deutsche ersetzen, weil ich will, dass dadurch eine weniger pedantische Philosophensprache herauskommt. Hartmann sagt:

Die Seelenkunde will feststellen, was gegeben ist in der Seele. Dazu muss sie es vor allen Dingen beobachten. Nun ist es aber eine eigene Sache um diese Beobachtung der eigenen seelischen Erlebnisse, da sie [das, worauf sie sich richtet, unvermeidlich in geringerem oder höherem Grade stört und verändert.]

Die Seelenkunde will feststellen, was gegeben ist in der Seele. Dazu muss sie es vor allen Dingen beobachten. Nun ist es aber eine eigene Sache um diese Beobachtung der eigenen seelischen Erlebnisse, da sie [das, worauf sie sich richtet, unvermeidlich in geringerem oder höherem Grade stört und verändert.]

[ 14 ] Hartmann machte darauf aufmerksam, wie es schwierig ist, einen memorierten Stoff herzusagen, und während dieses Hersagens sich selber zu beobachten, daher kommt diese Schwierigkeit. Hartmann leitet daraus her die Unmöglichkeit der Selbstbeobachtung seelischer Vorgänge, weil man sie zerstört, wenn man sie beobachtet.

[ 14 ] Hartmann machte darauf aufmerksam, wie es schwierig ist, einen memorierten Stoff herzusagen, und während dieses Hersagens sich selber zu beobachten, daher kommt diese Schwierigkeit. Hartmann leitet daraus her die Unmöglichkeit der Selbstbeobachtung seelischer Vorgänge, weil man sie zerstört, wenn man sie beobachtet.

[Starke Gefühle oder gar Affekte, wie Angst und Zorn, machen zur Beobachtung der eigenen psychischen Phänomene unfähig. Oft fälscht die Beobachtung das Ergebnis, indem sie in das Gegebene erst das hineinträgt, was sie zu finden erwartet. Es scheint fast unmöglich, sich die psychischen Erlebnisse des gegenwärtigen Augenblicks so zu vergegenständlichen, dass man sie zum Objekt einer gleichzeitigen Beobachtung macht; entweder lässt das Erlebnis die gleichzeitige Beobachtung nicht aufkommen, oder die Beobachtung fälscht und verdrängt das Erlebnis.]

[Starke Gefühle oder gar Affekte, wie Angst und Zorn, machen zur Beobachtung der eigenen psychischen Phänomene unfähig. Oft fälscht die Beobachtung das Ergebnis, indem sie in das Gegebene erst das hineinträgt, was sie zu finden erwartet. Es scheint fast unmöglich, sich die psychischen Erlebnisse des gegenwärtigen Augenblicks so zu vergegenständlichen, dass man sie zum Objekt einer gleichzeitigen Beobachtung macht; entweder lässt das Erlebnis die gleichzeitige Beobachtung nicht aufkommen, oder die Beobachtung fälscht und verdrängt das Erlebnis.]

[ 15 ] Sehen Sie, sehr verehrte Anwesende, da haben wir den Hinweis auf eine Schwierigkeit, die sich dem Seelenforscher ergibt. Er sagt:

[ 15 ] Sehen Sie, sehr verehrte Anwesende, da haben wir den Hinweis auf eine Schwierigkeit, die sich dem Seelenforscher ergibt. Er sagt:

Wollen wir die seelischen Erlebnisse beobachten, dann verfälschen wir sie dadurch, dass wir den Blick hinlenken; wir kommen nicht zustande mit der Beobachtung.

Wollen wir die seelischen Erlebnisse beobachten, dann verfälschen wir sie dadurch, dass wir den Blick hinlenken; wir kommen nicht zustande mit der Beobachtung.

[ 16 ] Gerade aber, wenn man die Hervorhebung dieser Schwierigkeit recht ins Auge fasst, so merkt man, was ich vorhin sagte, dass ein solcher Denker gar nicht darauf kommt, die Frage sich richtig zu stellen und daher nicht kann dasjenige, was Fragen ist nach Unsterblichkeit, mit entsprechenden erkenntnismäßigen Formen bringen.

[ 16 ] Gerade aber, wenn man die Hervorhebung dieser Schwierigkeit recht ins Auge fasst, so merkt man, was ich vorhin sagte, dass ein solcher Denker gar nicht darauf kommt, die Frage sich richtig zu stellen und daher nicht kann dasjenige, was Fragen ist nach Unsterblichkeit, mit entsprechenden erkenntnismäßigen Formen bringen.

[ 17 ] Sehen wir uns nur die Sache einmal klar an. Lässt sich der naturwissenschaftliche Denker dadurch, dass die seelischen Erlebnisse nicht beobachtet werden können, die auch für ihn Ausgangspunkt sein müssen, lässt er sich abhalten, die körperlichen Vorgänge nun in der entsprechenden Weise zu erforschen? Nein. Er nimmt die seelischen Erlebnisse, trotzdem sie für ihn ganz genau ebenso der Beobachtungsschwierigkeit unterliegen, zum Ausgangspunkte. Dann geht er auf das Körperliche über und erforscht auf diesem Gebiete das, was die vergänglichen Bedingungen des Seelenlebens sind. Könnte es nicht ganz genau ebenso sein mit Bezug auf die Erforschung der geistigen Unterlagen, wie es mit der Erforschung der körperlichen Unterlagen des Seelenlebens ist? Braucht denn die geistige Erforschung der Seele — der Umstand, dass wir durch die Beobachtung nicht recht herankommen an die seelischen Erscheinungen —, mehr zu stören, als die Erforschung der Körperlichen stört? Die Sache ist diese, dass es leichter ist, bequemer ist, von den seclischen Erlebnissen als Ausgangspunkt nun überzugehen zu den körperlichen Vorgängen und körperlichen Teilen und Gliedern.

[ 17 ] Sehen wir uns nur die Sache einmal klar an. Lässt sich der naturwissenschaftliche Denker dadurch, dass die seelischen Erlebnisse nicht beobachtet werden können, die auch für ihn Ausgangspunkt sein müssen, lässt er sich abhalten, die körperlichen Vorgänge nun in der entsprechenden Weise zu erforschen? Nein. Er nimmt die seelischen Erlebnisse, trotzdem sie für ihn ganz genau ebenso der Beobachtungsschwierigkeit unterliegen, zum Ausgangspunkte. Dann geht er auf das Körperliche über und erforscht auf diesem Gebiete das, was die vergänglichen Bedingungen des Seelenlebens sind. Könnte es nicht ganz genau ebenso sein mit Bezug auf die Erforschung der geistigen Unterlagen, wie es mit der Erforschung der körperlichen Unterlagen des Seelenlebens ist? Braucht denn die geistige Erforschung der Seele — der Umstand, dass wir durch die Beobachtung nicht recht herankommen an die seelischen Erscheinungen —, mehr zu stören, als die Erforschung der Körperlichen stört? Die Sache ist diese, dass es leichter ist, bequemer ist, von den seclischen Erlebnissen als Ausgangspunkt nun überzugehen zu den körperlichen Vorgängen und körperlichen Teilen und Gliedern.

[ 18 ] Schwieriger ist nun, den Weg von dem seelischen Ausgangspunkt ins Geistige hinein zu finden. Aber gefunden werden kann er, dieser Weg, und man kann — trotzdem er ja nicht sein kann ein ebensolcher, möchte man sagen, wo die Sache immer stehen bleibt, die Körperbeschaffenheit bleibt ja für eine gewisse Zeit bestehen, wenn das seelische Leben auch flüchtig ist; trotzdem er kein so äußerlicher sein kann —, der Übergang kann gemacht werden, aber er muss innerlich gemacht werden. Gewissermaßen muss die Beobachtung von den seelischen Erlebnissen innerhalb des Geistigen stehen bleiben; es muss der Weg ins Geistige gefunden werden. Dazu ist es notwendig, dass man nicht rekurriert auf irgendetwas, was äußerlich erlebt wird, sondern auf irgendetwas, was innerlich nur erlebt werden kann. Das heißt, wie der Naturforscher sich die Sinnesvorgänge vorlegt und die Brücke sich schlägt zu den körperlichen Erscheinungen, so muss ganz innerhalb des geistig-seelischen Lebens die Brücke geschlagen werden zu dem Geistigen. Diese Brücke schlagen kann man nur, wenn man Geisteswissenschaft ebenso treiben will, mit demselben Ernst, mit derselben Gründlichkeit, nur eben als eine auf das Innere sich stützende Wissenschaft, wie die Naturwissenschaft ist.

[ 18 ] Schwieriger ist nun, den Weg von dem seelischen Ausgangspunkt ins Geistige hinein zu finden. Aber gefunden werden kann er, dieser Weg, und man kann — trotzdem er ja nicht sein kann ein ebensolcher, möchte man sagen, wo die Sache immer stehen bleibt, die Körperbeschaffenheit bleibt ja für eine gewisse Zeit bestehen, wenn das seelische Leben auch flüchtig ist; trotzdem er kein so äußerlicher sein kann —, der Übergang kann gemacht werden, aber er muss innerlich gemacht werden. Gewissermaßen muss die Beobachtung von den seelischen Erlebnissen innerhalb des Geistigen stehen bleiben; es muss der Weg ins Geistige gefunden werden. Dazu ist es notwendig, dass man nicht rekurriert auf irgendetwas, was äußerlich erlebt wird, sondern auf irgendetwas, was innerlich nur erlebt werden kann. Das heißt, wie der Naturforscher sich die Sinnesvorgänge vorlegt und die Brücke sich schlägt zu den körperlichen Erscheinungen, so muss ganz innerhalb des geistig-seelischen Lebens die Brücke geschlagen werden zu dem Geistigen. Diese Brücke schlagen kann man nur, wenn man Geisteswissenschaft ebenso treiben will, mit demselben Ernst, mit derselben Gründlichkeit, nur eben als eine auf das Innere sich stützende Wissenschaft, wie die Naturwissenschaft ist.

[ 19 ] Das Erste, was dabei in Betracht kommt, das ist, dass diejenigen seelischen Kräfte, welche sich in den Gedanken, den Vorstellungen äußern, nicht verfolgt werden nach der einen Seite hin, indem man prüft, wie sich die Nervenbahnen verästeln und finden, wenn sich Vorstellungen verketten, sondern dass dieses Vorstellungsund Gedankenleben nach der Seite der Gedankenkraft verfolgt wird, also nach der anderen Seite hin. Und da muss man vielfach, indem man im reinen inneren Erleben stehen bleibt, gerade entgegengesetzte Wege einschlagen, wie diejenigen sind, die das gewöhnliche, alltägliche Denken, wie wir es brauchen für die Lebenspraxis und die äußere Wissenschaft, nicht einschlägt.

[ 19 ] Das Erste, was dabei in Betracht kommt, das ist, dass diejenigen seelischen Kräfte, welche sich in den Gedanken, den Vorstellungen äußern, nicht verfolgt werden nach der einen Seite hin, indem man prüft, wie sich die Nervenbahnen verästeln und finden, wenn sich Vorstellungen verketten, sondern dass dieses Vorstellungsund Gedankenleben nach der Seite der Gedankenkraft verfolgt wird, also nach der anderen Seite hin. Und da muss man vielfach, indem man im reinen inneren Erleben stehen bleibt, gerade entgegengesetzte Wege einschlagen, wie diejenigen sind, die das gewöhnliche, alltägliche Denken, wie wir es brauchen für die Lebenspraxis und die äußere Wissenschaft, nicht einschlägt.

[ 20 ] Ich will nun versuchen zu schildern, wie zunächst das Denken behandelt werden muss, wenn man die Brücke hinschlagen will zu der Art und Weise, wie sich das Denken in der Seele ausdrückt, bis zu dem, wie die Kraft des Denkens aus dem Geiste herausquillt, so wie die körperlichen Bedingungen aus dem Körper herausquillen, wenn gedacht [wird]. Der Weg des Denkens muss da so gehen, dass man zuerst sozusagen sich die Frage vorlegt: Ja, in welcher Weise ist denn das Denken überhaupt entwicklungsfähig? Wenn man die Abhängigkeit des Denkens, die Abhängigkeit des Vorstellens von den körperlichen Untergründen ins Auge fasst, dann kommt man niemals zurande. Man muss einen Weg einschlagen, welcher dasjenige, was im Denken erlebt wird, möglichst unabhängig macht von der körperlichen Unterlage. Man muss herausreißen das Denken aus dem Eingebertetsein in die körperlichen Grundlagen. Man kann dieses erreichen.

[ 20 ] Ich will nun versuchen zu schildern, wie zunächst das Denken behandelt werden muss, wenn man die Brücke hinschlagen will zu der Art und Weise, wie sich das Denken in der Seele ausdrückt, bis zu dem, wie die Kraft des Denkens aus dem Geiste herausquillt, so wie die körperlichen Bedingungen aus dem Körper herausquillen, wenn gedacht [wird]. Der Weg des Denkens muss da so gehen, dass man zuerst sozusagen sich die Frage vorlegt: Ja, in welcher Weise ist denn das Denken überhaupt entwicklungsfähig? Wenn man die Abhängigkeit des Denkens, die Abhängigkeit des Vorstellens von den körperlichen Untergründen ins Auge fasst, dann kommt man niemals zurande. Man muss einen Weg einschlagen, welcher dasjenige, was im Denken erlebt wird, möglichst unabhängig macht von der körperlichen Unterlage. Man muss herausreißen das Denken aus dem Eingebertetsein in die körperlichen Grundlagen. Man kann dieses erreichen.

[ 21 ] Und ich will heute vom prinzipiellen Standpunkte aus einige der Wege weisen in dieser Richtung. Alles Weitere können Sie nachlesen in den Schriften «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?», in der «Geheimwissenschaft» und in ähnlichen Büchern. Man gelangt dazu, wenn man in starker innerer Selbsterziehung, in Selbstzucht sich dahin bringt, das Denken möglichst zu versenken in die äußeren Welterlebnisse, in das, was man in der Welt mitmacht; wenn man nicht einen Gedanken davon abhängig macht, was er ist, wenn man ihn gefasst hat, er dann in die Unbewusstheit hinuntergegangen ist, und später aus der Erinnerung [mangelhaft] hervorgeholt wird. Wenn man so die Gedanken spielen lässt, wie sie von selber heraufspielen aus dem Seelenleben, dann erreicht man für die Geistesforschung nichts. Wenn man sich aber bemüht, mit seinem Denken möglichst objektiv umfassend die Erlebnisse der Welt zu verfolgen, wie sie unabhängig von uns sich abspielen, wenn man das in sein Denken hereinzubekommen sucht, was man außen erleben kann, was man vergessen kann, und es ist doch so da, wie man es erlebt hat; dass es vergessen wurde, beruht auf der mangelhaften Organisation. Darauf muss hingesehen werden, dass man in möglichst vielen Dingen der Welt einzudringen versucht.

[ 21 ] Und ich will heute vom prinzipiellen Standpunkte aus einige der Wege weisen in dieser Richtung. Alles Weitere können Sie nachlesen in den Schriften «Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?», in der «Geheimwissenschaft» und in ähnlichen Büchern. Man gelangt dazu, wenn man in starker innerer Selbsterziehung, in Selbstzucht sich dahin bringt, das Denken möglichst zu versenken in die äußeren Welterlebnisse, in das, was man in der Welt mitmacht; wenn man nicht einen Gedanken davon abhängig macht, was er ist, wenn man ihn gefasst hat, er dann in die Unbewusstheit hinuntergegangen ist, und später aus der Erinnerung [mangelhaft] hervorgeholt wird. Wenn man so die Gedanken spielen lässt, wie sie von selber heraufspielen aus dem Seelenleben, dann erreicht man für die Geistesforschung nichts. Wenn man sich aber bemüht, mit seinem Denken möglichst objektiv umfassend die Erlebnisse der Welt zu verfolgen, wie sie unabhängig von uns sich abspielen, wenn man das in sein Denken hereinzubekommen sucht, was man außen erleben kann, was man vergessen kann, und es ist doch so da, wie man es erlebt hat; dass es vergessen wurde, beruht auf der mangelhaften Organisation. Darauf muss hingesehen werden, dass man in möglichst vielen Dingen der Welt einzudringen versucht.

[ 22 ] Dann gelangt man dazu, ich möchte sagen eine Art ich bitte, den Ausdruck nicht misszuverstehen, er wird schon noch klarer werden —, man gelangt dazu, eine Art Gelenkigkeit des Denkens zu bekommen. Das Denken wird aus einer gewissen Starrheit herausgerissen, aus jener Starrheit und Ungelenkigkeit, die davon herrührt, dass die meisten Menschen so denken, wie es ihnen die Außenwelt oder die in der Sprache niedergelegten Vorstellungen vorschreiben. Wenn man versucht, in die Welt einzudringen, sich die verschiedensten Gesichtspunkte für das eine oder andere Erlebnis zurechtlegt — die Erlebnisse können von vielen Seiten beleuchtet und verstanden werden —, wenn man sich das sagt, kann man sich dazu bringen, dass einem nicht bloß ein Gedanke, der ja nur oftmals ein Vorurteilsgedanke ist, auftaucht bei irgendeinem Anlass, sondern wenn man es dazu bringt, dass man wirklich, so wie man einen Baum von verschiedenen Seiten her fotografieren kann, man sein Denken von den verschiedensten Gesichtspunkten aus an eine Sache herantreten lassen kann, dann wird das Denken gelenkig und frei gemacht von der Starrheit und Ungelenkigkeit der körperlichen Bedingungen. Man gelangt dazu, was sehr wichtig ist anzuerkennen, das Denken so zu bekommen, dass es mit der Leichtigkeit der Phantasie wirkt, und dennoch nicht phantastisch ist. Darauf kommt es an, dass es gelenkig ist, sodass einem viel aufstößt, einem viel einfällt, und dennoch nichts von Phantastik und Schwärmerei in diesem Geltend-Machen der verschiedenen Gesichtspunkte sich einmischt. Verknüpft muss das sein mit etwas anderem, mit einer strengen Selbstkontrolle, sonst kann das Denken mit einem durchgehen; es kann eben leicht in Schwärmerei und Phantastik verfallen.

[ 22 ] Dann gelangt man dazu, ich möchte sagen eine Art ich bitte, den Ausdruck nicht misszuverstehen, er wird schon noch klarer werden —, man gelangt dazu, eine Art Gelenkigkeit des Denkens zu bekommen. Das Denken wird aus einer gewissen Starrheit herausgerissen, aus jener Starrheit und Ungelenkigkeit, die davon herrührt, dass die meisten Menschen so denken, wie es ihnen die Außenwelt oder die in der Sprache niedergelegten Vorstellungen vorschreiben. Wenn man versucht, in die Welt einzudringen, sich die verschiedensten Gesichtspunkte für das eine oder andere Erlebnis zurechtlegt — die Erlebnisse können von vielen Seiten beleuchtet und verstanden werden —, wenn man sich das sagt, kann man sich dazu bringen, dass einem nicht bloß ein Gedanke, der ja nur oftmals ein Vorurteilsgedanke ist, auftaucht bei irgendeinem Anlass, sondern wenn man es dazu bringt, dass man wirklich, so wie man einen Baum von verschiedenen Seiten her fotografieren kann, man sein Denken von den verschiedensten Gesichtspunkten aus an eine Sache herantreten lassen kann, dann wird das Denken gelenkig und frei gemacht von der Starrheit und Ungelenkigkeit der körperlichen Bedingungen. Man gelangt dazu, was sehr wichtig ist anzuerkennen, das Denken so zu bekommen, dass es mit der Leichtigkeit der Phantasie wirkt, und dennoch nicht phantastisch ist. Darauf kommt es an, dass es gelenkig ist, sodass einem viel aufstößt, einem viel einfällt, und dennoch nichts von Phantastik und Schwärmerei in diesem Geltend-Machen der verschiedenen Gesichtspunkte sich einmischt. Verknüpft muss das sein mit etwas anderem, mit einer strengen Selbstkontrolle, sonst kann das Denken mit einem durchgehen; es kann eben leicht in Schwärmerei und Phantastik verfallen.

[ 23 ] Selbstkontrolle besteht darin, dass man sich sagt, was ja manche Menschen sich nicht gerne sagen, man muss in der Geistesforschung, um weiterzukommen, sich bis zu einem hohen Grade selbst einschätzen können, man muss sich sagen können: So und so war mein bisheriges Leben, danach kannst du das oder jenes beurteilen, du darfst, weil du diese Vorbedingungen hast für etwas, dich den Gedanken, die da kommen, überlassen, du hast dich dazu vorbereitet, du wirst nicht verliebt sein in deine Gedanken; du wirst nicht ins Blaue hinein alle möglichen Gedanken heranschießen lassen; Selbstkontrolle verbunden mit Gelenkigkeit des Denkens, das ist es, worauf es ankommt. Allerdings muss ein solches Verfahren mit seinem Denken immer wieder und wiederum getrieben werden. Dann gelangt man dazu, durch inneres Erleben zu wissen, dass man allmählich unabhängig wird von den körperlichen Bedingungen des Denkens, und man gelangt dazu, eine Art Wissen zu haben von dem, was da eigentlich vorgeht. Sollte ich beschreiben, was da eigentlich vorgeht, so lassen Sie es mich beschreiben durch etwas Negatives.

[ 23 ] Selbstkontrolle besteht darin, dass man sich sagt, was ja manche Menschen sich nicht gerne sagen, man muss in der Geistesforschung, um weiterzukommen, sich bis zu einem hohen Grade selbst einschätzen können, man muss sich sagen können: So und so war mein bisheriges Leben, danach kannst du das oder jenes beurteilen, du darfst, weil du diese Vorbedingungen hast für etwas, dich den Gedanken, die da kommen, überlassen, du hast dich dazu vorbereitet, du wirst nicht verliebt sein in deine Gedanken; du wirst nicht ins Blaue hinein alle möglichen Gedanken heranschießen lassen; Selbstkontrolle verbunden mit Gelenkigkeit des Denkens, das ist es, worauf es ankommt. Allerdings muss ein solches Verfahren mit seinem Denken immer wieder und wiederum getrieben werden. Dann gelangt man dazu, durch inneres Erleben zu wissen, dass man allmählich unabhängig wird von den körperlichen Bedingungen des Denkens, und man gelangt dazu, eine Art Wissen zu haben von dem, was da eigentlich vorgeht. Sollte ich beschreiben, was da eigentlich vorgeht, so lassen Sie es mich beschreiben durch etwas Negatives.

[ 24 ] Der Vorgang, den ich eben beschrieben habe, ist das Entgegengesetzte von dem, was man unter Hypnose und Suggestion versteht. Was geschieht bei der Hypnose, der Suggestion? Da wird die Kontrolle herabgesetzt. Da wird bewirkt, dass derjenige, auf den die Hypnose ausgeübt werden soll, seine eigenen Vorstellungen auslöscht. Sonst würde er den Hypnotiseur zum Teufel jagen, wenn er andere Gesichtspunkte in Betracht ziehen könnte. Hypnose ist verknüpft mit der Herabdämpfung der Urteilskraft. Der geistesforscherische Weg ist der Weg, welcher die Urteilskraft, die Kritik nicht herabsetzt, sondern im Gegenteil die Kritik aufruft, indem eben das Denken gelenkig gemacht wird, und einem bei jeder Vorstellung zugleich vor Augen stehen alle Einwände dafür und dagegen und dergleichen. Dadurch nimmt der geistesforscherische Weg diejenige Richtung, die gerade nach der entgegengesetzten Seite von allem Illusionären, allem Halluzinatorischen liegt, die entgegengesetzt ist allem demjenigen, was zu Zwangsvorstellungen führen kann.

[ 24 ] Der Vorgang, den ich eben beschrieben habe, ist das Entgegengesetzte von dem, was man unter Hypnose und Suggestion versteht. Was geschieht bei der Hypnose, der Suggestion? Da wird die Kontrolle herabgesetzt. Da wird bewirkt, dass derjenige, auf den die Hypnose ausgeübt werden soll, seine eigenen Vorstellungen auslöscht. Sonst würde er den Hypnotiseur zum Teufel jagen, wenn er andere Gesichtspunkte in Betracht ziehen könnte. Hypnose ist verknüpft mit der Herabdämpfung der Urteilskraft. Der geistesforscherische Weg ist der Weg, welcher die Urteilskraft, die Kritik nicht herabsetzt, sondern im Gegenteil die Kritik aufruft, indem eben das Denken gelenkig gemacht wird, und einem bei jeder Vorstellung zugleich vor Augen stehen alle Einwände dafür und dagegen und dergleichen. Dadurch nimmt der geistesforscherische Weg diejenige Richtung, die gerade nach der entgegengesetzten Seite von allem Illusionären, allem Halluzinatorischen liegt, die entgegengesetzt ist allem demjenigen, was zu Zwangsvorstellungen führen kann.

[ 25 ] Denn dadurch, dass gerade das Denken nach der Richtung der Urteilsfähigkeit und Kritik getrieben wird, dadurch werden alle Illusionen durchschaut, viel leichter als im gewöhnlichen Leben. Alle Illusionen werden vertrieben. Es wird gerade der Weg gefunden, wo alles Halluzinatorische ausgelöscht werden muss, wenn es auftreten wollte. Es kann aber gar nicht auftreten, wenn der Weg, den ich als den geistesforscherischen bezeichnet habe, richtig gegangen wird. So gibt es nichts Sichereres, um den Menschen über alles Schwärmerische, alles Vertrackt-Mystische, alles Illusorische hinwegzuführen, als den geistesforscherischen Weg. Nimmt man eine solche Sache ernst, dann wird sie einem nach und nach ein inneres Bedürfnis.

[ 25 ] Denn dadurch, dass gerade das Denken nach der Richtung der Urteilsfähigkeit und Kritik getrieben wird, dadurch werden alle Illusionen durchschaut, viel leichter als im gewöhnlichen Leben. Alle Illusionen werden vertrieben. Es wird gerade der Weg gefunden, wo alles Halluzinatorische ausgelöscht werden muss, wenn es auftreten wollte. Es kann aber gar nicht auftreten, wenn der Weg, den ich als den geistesforscherischen bezeichnet habe, richtig gegangen wird. So gibt es nichts Sichereres, um den Menschen über alles Schwärmerische, alles Vertrackt-Mystische, alles Illusorische hinwegzuführen, als den geistesforscherischen Weg. Nimmt man eine solche Sache ernst, dann wird sie einem nach und nach ein inneres Bedürfnis.

[ 26 ] Und diejenigen der verehrten Zuhörer, die auch solche Vorträge von mir gehört haben, wie sie seit Jahren gehalten werden in engeren Kreisen, die werden wissen, wie es gerade mir Bedürfnis ist — verzeihen Sie diese persönliche Bemerkung —, wenn irgendein Gegenstand entwickelt wird, stets nicht nur zu sagen, das stellt sich so oder so dar, sondern immer eine ganze Fülle von Einwänden eine ganze Fülle von anderen Gesichtspunkten herbeizutragen, sodass immer dasjenige, was im Augenblick besprochen wird, von den verschiedensten Seiten her beleuchtet wird. Und nicht nur das wird vorgebracht, was für eine Sache spricht, sondern immer wird auch versucht, die Dinge hervorzuheben, die gegen das sprechen, was eigentlich festgestellt wird, damit man das Denken gelenkig bekommt, und man an die Sache in der richtigen Weise hintreten kann, daher in meinen Vorträgen zu finden ist eine Fülle von Widerlegungen desjenigen, was ich behaupte, aus dem einfachen Grunde, weil ich jeden in die Lage versetzen will, auch das entgegengesetzt Behauptete wirklich in seiner Seele lebendig zu machen. Man kann also alle diese Widerlegungen in meinen eigenen Schriften hinlänglich finden. Das wissen diejenigen, die mit diesen Schriften näher bekannt sind. Das hat sogar schon zu mancherlei sonderbaren Dingen geführt.

[ 26 ] Und diejenigen der verehrten Zuhörer, die auch solche Vorträge von mir gehört haben, wie sie seit Jahren gehalten werden in engeren Kreisen, die werden wissen, wie es gerade mir Bedürfnis ist — verzeihen Sie diese persönliche Bemerkung —, wenn irgendein Gegenstand entwickelt wird, stets nicht nur zu sagen, das stellt sich so oder so dar, sondern immer eine ganze Fülle von Einwänden eine ganze Fülle von anderen Gesichtspunkten herbeizutragen, sodass immer dasjenige, was im Augenblick besprochen wird, von den verschiedensten Seiten her beleuchtet wird. Und nicht nur das wird vorgebracht, was für eine Sache spricht, sondern immer wird auch versucht, die Dinge hervorzuheben, die gegen das sprechen, was eigentlich festgestellt wird, damit man das Denken gelenkig bekommt, und man an die Sache in der richtigen Weise hintreten kann, daher in meinen Vorträgen zu finden ist eine Fülle von Widerlegungen desjenigen, was ich behaupte, aus dem einfachen Grunde, weil ich jeden in die Lage versetzen will, auch das entgegengesetzt Behauptete wirklich in seiner Seele lebendig zu machen. Man kann also alle diese Widerlegungen in meinen eigenen Schriften hinlänglich finden. Das wissen diejenigen, die mit diesen Schriften näher bekannt sind. Das hat sogar schon zu mancherlei sonderbaren Dingen geführt.

[ 27 ] Es machen sich ja, wie das begreiflich ist, mit mehr oder minder guten oder schlechten Absichten, die sonderbarsten Gegnerschaften gegen die Geisteswissenschaft geltend. Solche Gegnerschaften, wie die, von der ich jetzt sprechen will, hat man eigentlich noch wenig erlebt. Das, was von dieser Seite vorgebracht wird, das ist als Widerlegung gedacht, aber diese Widerlegung ist aus meinen eigenen Büchern abgeschrieben. Sodass dasjenige, was den Leuten dargeboten wird — es wird in Gift und Galle getaucht von jener Seite vorgebracht —, meine eigenen Worte sind. Niemand macht es den Gegnern so leicht als derjenige, der es mit der Geisteswissenschaft ernst nimmt. Denn ihm kommt es nicht darauf an, den anderen zu übertölpeln mit Behauptungen, sondern ihm kommt es darauf an, ein lebendiges Denken zu entwickeln, das sich frei macht von den körperlichen Bedingungen, dass [es] das Geistige ist, das den Vorstellungen und dem Denkleben zugrunde liegt. Und weniger kommt es dem Geistesforscher darauf an, dass diese oder jene Behauptung getan wird, dass für oder gegen dieses oder jenes gesprochen wird, sondern, so wie es darauf ankommt, wenn man sich körperlich tüchtig machen will für eine Arbeit, sodass in der Arbeit die Geschicklichkeit lebt, wie es da weniger darauf ankommt, dass man sich notdürftig die Handgriffe aneignet, sondern dass eine in Selbstständigkeit wirkende Geschicklichkeit entwickelt wird, [Lücke] so ist es aber auch, wenn das Denken sich frei macht vom Körperlichen. Da kommt es nicht darauf an, dass man diese oder jene Behauptung hinstellt. [Lücke]

[ 27 ] Es machen sich ja, wie das begreiflich ist, mit mehr oder minder guten oder schlechten Absichten, die sonderbarsten Gegnerschaften gegen die Geisteswissenschaft geltend. Solche Gegnerschaften, wie die, von der ich jetzt sprechen will, hat man eigentlich noch wenig erlebt. Das, was von dieser Seite vorgebracht wird, das ist als Widerlegung gedacht, aber diese Widerlegung ist aus meinen eigenen Büchern abgeschrieben. Sodass dasjenige, was den Leuten dargeboten wird — es wird in Gift und Galle getaucht von jener Seite vorgebracht —, meine eigenen Worte sind. Niemand macht es den Gegnern so leicht als derjenige, der es mit der Geisteswissenschaft ernst nimmt. Denn ihm kommt es nicht darauf an, den anderen zu übertölpeln mit Behauptungen, sondern ihm kommt es darauf an, ein lebendiges Denken zu entwickeln, das sich frei macht von den körperlichen Bedingungen, dass [es] das Geistige ist, das den Vorstellungen und dem Denkleben zugrunde liegt. Und weniger kommt es dem Geistesforscher darauf an, dass diese oder jene Behauptung getan wird, dass für oder gegen dieses oder jenes gesprochen wird, sondern, so wie es darauf ankommt, wenn man sich körperlich tüchtig machen will für eine Arbeit, sodass in der Arbeit die Geschicklichkeit lebt, wie es da weniger darauf ankommt, dass man sich notdürftig die Handgriffe aneignet, sondern dass eine in Selbstständigkeit wirkende Geschicklichkeit entwickelt wird, [Lücke] so ist es aber auch, wenn das Denken sich frei macht vom Körperlichen. Da kommt es nicht darauf an, dass man diese oder jene Behauptung hinstellt. [Lücke]

[ 28 ] So kommt es auch darauf an, dass man in dem gewöhnlichen Denken, das an die körperlichen Bedingungen geknüpft ist, dasjenige findet, das nun nicht an diese körperlichen Bedingungen geknüpft ist, sondern sich loslösen kann, gewissermaßen frei von den Leibesbedingungen sich entfalten kann. Dass es so sich entfaltet, das lässt sich nur durch inneres Erleben erfahren. Was in einem freigewordenen Denken lebt, das ist es, worauf es ankommt. Denn man lernt erkennen, dass in diesem lebendig gewordenen Denken lebt dasjenige, was nicht an die körperlichen Bedingungen gebunden ist, sondern was über Geburt und Tod erhaben ist. Denn man lernt von einer ganz anderen Seite her das seelische Leben kennen, wie der Naturforscher von seiner Seite her das seelische Leben kennenlernt. Man lernt nun aufnehmen von der anderen Seite das, was Eduard von Hartmann als Schwierigkeiten aufzählt. Denn wie ist es eigentlich mit solchen Schwierigkeiten?

[ 28 ] So kommt es auch darauf an, dass man in dem gewöhnlichen Denken, das an die körperlichen Bedingungen geknüpft ist, dasjenige findet, das nun nicht an diese körperlichen Bedingungen geknüpft ist, sondern sich loslösen kann, gewissermaßen frei von den Leibesbedingungen sich entfalten kann. Dass es so sich entfaltet, das lässt sich nur durch inneres Erleben erfahren. Was in einem freigewordenen Denken lebt, das ist es, worauf es ankommt. Denn man lernt erkennen, dass in diesem lebendig gewordenen Denken lebt dasjenige, was nicht an die körperlichen Bedingungen gebunden ist, sondern was über Geburt und Tod erhaben ist. Denn man lernt von einer ganz anderen Seite her das seelische Leben kennen, wie der Naturforscher von seiner Seite her das seelische Leben kennenlernt. Man lernt nun aufnehmen von der anderen Seite das, was Eduard von Hartmann als Schwierigkeiten aufzählt. Denn wie ist es eigentlich mit solchen Schwierigkeiten?

[ 29 ] Nun, sehen Sie, Hartmann sagt zum Beispiel: «Ich habe mir etwas als Memorierstoff angeeignet; aber indem ich mich beobachte, indem ich das Angeeignete aufsagen will, störe ich mich. Aber ich brauche nicht zu beobachten. Ich sage den Memorierstoff auf, lasse gewissermaßen das, was da allmählich durch Lernen in meine körperliche Organisation gelangt ist, abrollen. Während ich aber den Memorierstoff aufsage, geschieht auch etwas Geistiges in mir. Das Geistige spielt, während ich den Stoff aufsage; ich kann es nur nicht beobachten zunächst, wenn ich beim gewöhnlichen Bewusstsein bleibe, also lasse ich es zunächst unbeobachtet; so wie der gewöhnliche Mensch auch unbeobachtet lässt, indem er denkt und fühlt, dasjenige, was da drinnen in den Nerven seines Gehirns vorgeht. Man beobachtet ja auch nicht, was mit den Nerven vorgeht, wenn man denkt, oder gar wenn man verdaut. Man lässt es eben unbeobachtet.»

[ 29 ] Nun, sehen Sie, Hartmann sagt zum Beispiel: «Ich habe mir etwas als Memorierstoff angeeignet; aber indem ich mich beobachte, indem ich das Angeeignete aufsagen will, störe ich mich. Aber ich brauche nicht zu beobachten. Ich sage den Memorierstoff auf, lasse gewissermaßen das, was da allmählich durch Lernen in meine körperliche Organisation gelangt ist, abrollen. Während ich aber den Memorierstoff aufsage, geschieht auch etwas Geistiges in mir. Das Geistige spielt, während ich den Stoff aufsage; ich kann es nur nicht beobachten zunächst, wenn ich beim gewöhnlichen Bewusstsein bleibe, also lasse ich es zunächst unbeobachtet; so wie der gewöhnliche Mensch auch unbeobachtet lässt, indem er denkt und fühlt, dasjenige, was da drinnen in den Nerven seines Gehirns vorgeht. Man beobachtet ja auch nicht, was mit den Nerven vorgeht, wenn man denkt, oder gar wenn man verdaut. Man lässt es eben unbeobachtet.»

[ 30 ] Aber wenn man so, wie ich es beschrieben habe, das Denken losgelöst hat von den körperlichen Bedingungen, so bleibt einem die Körperlichkeit, nicht gleichzeitig, aber hinterher — nun wie man sich an eine Vorstellung erinnern kann — sich zu vergegenwärtigen, was da während des Memorierens abgelaufen ist. Dasjenige entgeht einem nicht mehr, was einem entgehen muss, wenn man sich erst das Denken zubereitet hat. Man lernt, das geistige Leben so in der Seele lebendig werden zu lassen, dass man nicht braucht gleichzeitig zu beobachten, sodass man nachher wie in einer Erinnerungsvorstellung auf das hinschaut, was im Geistigen vorgegangen ist, während man den Memorierstoff hat ablaufen lassen. Man bereichert das seelische Erleben um ein ganz Neues, das ja immer in uns ist. Denn der Geistesforscher bringt nichts Neues hervor, aber das Bewusstsein bereichert man um ein Neues. Man macht es schärfer, heller, zur Beobachtung fähiger. Es wird die Kraft des Bewusstseins, die Kraft des Denkens schärfer, Eduard von Hartmann sagt: Körperliche Schmerzen werden stärker, wenn man sie mit Aufmerksamkeit verfolgt. Hysterische Personen zeigen das bei jeder Gelegenheit. Personen, die sich so recht in ihren Schmerz hineinleben, die empfinden ihn natürlich entsprechend stärker.

[ 30 ] Aber wenn man so, wie ich es beschrieben habe, das Denken losgelöst hat von den körperlichen Bedingungen, so bleibt einem die Körperlichkeit, nicht gleichzeitig, aber hinterher — nun wie man sich an eine Vorstellung erinnern kann — sich zu vergegenwärtigen, was da während des Memorierens abgelaufen ist. Dasjenige entgeht einem nicht mehr, was einem entgehen muss, wenn man sich erst das Denken zubereitet hat. Man lernt, das geistige Leben so in der Seele lebendig werden zu lassen, dass man nicht braucht gleichzeitig zu beobachten, sodass man nachher wie in einer Erinnerungsvorstellung auf das hinschaut, was im Geistigen vorgegangen ist, während man den Memorierstoff hat ablaufen lassen. Man bereichert das seelische Erleben um ein ganz Neues, das ja immer in uns ist. Denn der Geistesforscher bringt nichts Neues hervor, aber das Bewusstsein bereichert man um ein Neues. Man macht es schärfer, heller, zur Beobachtung fähiger. Es wird die Kraft des Bewusstseins, die Kraft des Denkens schärfer, Eduard von Hartmann sagt: Körperliche Schmerzen werden stärker, wenn man sie mit Aufmerksamkeit verfolgt. Hysterische Personen zeigen das bei jeder Gelegenheit. Personen, die sich so recht in ihren Schmerz hineinleben, die empfinden ihn natürlich entsprechend stärker.

[ 31 ] Nun, warum empfindet man denn die körperlichen Schmerzen dann besonders stark? Weil man sie abhängig hat vom körperlichen Organismus, weil dasjenige seelische Erleben — was die körperlichen Schmerzen stärker empfindet — durch den physischen Organismus getrieben wird, die Aufmerksamkeit hinzulenken auf die Schmerzen. Hat man aber jenes stärkere Denken, dann lernt man auch ablenken die Aufmerksamkeit von den Schmerzen. Dann lernt man die Schmerzen nicht zu stören, indem man die Schmerzen beobachtet, sondern man lernt die Aufmerksamkeit ablenken und kann dann hinterher beobachten, was da eigentlich vorhanden ist, indem man gewissermaßen das Seelische zurückgezogen hat von den körperlichen Schmerzen. Man lernt also wirklich das in der Seele lebende Geistige in seiner Kraft und Wesenheit auf diese Weise kennen. Und besonders wichtig ist es, auf diese Weise nun aufzusteigen zu einem anderen Erkennen-Lernen. Alle seelischen Erlebnisse rücken sozusagen in ein anderes Licht, wenn man diejenige innere Kraft erfasst, erhascht hat, die als Geistiges im seelischen Denken lebt.

[ 31 ] Nun, warum empfindet man denn die körperlichen Schmerzen dann besonders stark? Weil man sie abhängig hat vom körperlichen Organismus, weil dasjenige seelische Erleben — was die körperlichen Schmerzen stärker empfindet — durch den physischen Organismus getrieben wird, die Aufmerksamkeit hinzulenken auf die Schmerzen. Hat man aber jenes stärkere Denken, dann lernt man auch ablenken die Aufmerksamkeit von den Schmerzen. Dann lernt man die Schmerzen nicht zu stören, indem man die Schmerzen beobachtet, sondern man lernt die Aufmerksamkeit ablenken und kann dann hinterher beobachten, was da eigentlich vorhanden ist, indem man gewissermaßen das Seelische zurückgezogen hat von den körperlichen Schmerzen. Man lernt also wirklich das in der Seele lebende Geistige in seiner Kraft und Wesenheit auf diese Weise kennen. Und besonders wichtig ist es, auf diese Weise nun aufzusteigen zu einem anderen Erkennen-Lernen. Alle seelischen Erlebnisse rücken sozusagen in ein anderes Licht, wenn man diejenige innere Kraft erfasst, erhascht hat, die als Geistiges im seelischen Denken lebt.

[ 32 ] Insbesondere rücken solche seelischen Erlebnisse in ein neues Licht wie Erinnern und Vergessen. Denken Sie doch nur, wie das Erinnern und Vergessen eigentlich vor sich geht im gewöhnlichen Leben, für das gewöhnliche seelische Bewusstsein. Man erinnert sich an irgendetwas. Es herrscht sehr wenig Selbstbestimmtheit in dem Erinnern; die Gedanken kommen herauf, wie es die körperliche Organisation zulässt, denn es schießen die Gedanken an, oftmals aber auch nicht, sondern im Gegenteil. Jeder, der bei einem Examen gewesen ist, wird das wissen. Sie schießen nicht an, sie wollen nicht herauf, trotzdem man sie geochst hat. Sie sind unten, sie könnten heraufgeholt werden, aber die Körperlichkeit ist so dicht, dass sie sie nicht herauflässt. Das Erinnern und Vergessen, man beobachtet es nicht, eben weil man diese Schwierigkeiten vorhanden glaubt, die gerade Eduard von Hartmann hervorhebt.

[ 32 ] Insbesondere rücken solche seelischen Erlebnisse in ein neues Licht wie Erinnern und Vergessen. Denken Sie doch nur, wie das Erinnern und Vergessen eigentlich vor sich geht im gewöhnlichen Leben, für das gewöhnliche seelische Bewusstsein. Man erinnert sich an irgendetwas. Es herrscht sehr wenig Selbstbestimmtheit in dem Erinnern; die Gedanken kommen herauf, wie es die körperliche Organisation zulässt, denn es schießen die Gedanken an, oftmals aber auch nicht, sondern im Gegenteil. Jeder, der bei einem Examen gewesen ist, wird das wissen. Sie schießen nicht an, sie wollen nicht herauf, trotzdem man sie geochst hat. Sie sind unten, sie könnten heraufgeholt werden, aber die Körperlichkeit ist so dicht, dass sie sie nicht herauflässt. Das Erinnern und Vergessen, man beobachtet es nicht, eben weil man diese Schwierigkeiten vorhanden glaubt, die gerade Eduard von Hartmann hervorhebt.

[ 33 ] Aber in dem Selbstständig-Werden im geistigen Erleben wird man gewissermaßen sein eigner Zuschauer. Man kann wirklich zuschauen, was denn da eigentlich geschieht in einem, wenn man erinnert, und wenn man vergisst. Erinnern und Vergessen sind sonst eben nur ein schwierig zu beobachtendes seelisches Erlebnis. Jetzt aber kennt man etwas anderes. Wenn man also das Geistige vom Seelischen zu trennen vermag, die Brücke gefunden hat, so merkt man: Jedes Mal, wenn du etwas vergisst, geschieht etwas sehr Eigentümliches in dir; das ist immer deshalb, weil die Lebenskräfte, die unbewussten Lebenskräfte, wie sie auch in der Pflanze sind, sich besonders geltend machen. Weil sie aus sich heraus wirken, weil sie sich im Leben regen, dadurch werden die Vorstellungen in die Vergessenheit heruntergebracht. Durch das angefachte organische Leben wird das Vergessen bewirkt. Je mehr man dieser Vitalität sich hingibt, je mehr sie wuchern muss, desto mehr tritt das Vergessen auf. Das Erinnern ist der umgekehrte Vorgang. Das ist der Vorgang, wo ich hinuntertauche in die körperliche Organisation einen Gedanken, eine Vorstellung, ein Bild, eine Sinnesempfindung. Jedes Mal, wenn ich eine Vorstellung so hinuntertauche in die körperliche Organisation, dass sie Erinnerungsvorstellung wird, geschieht ein Unterdrücken der Vitalität, ein Herabspinnen der Vitalität; es geschieht ein Abnehmen der wuchernden Lebenskräfte. So merkt man im Erinnern und Vergessen aufsteigendes und absteigendes Leben. Man merkt, wie aus dem Geiste heraus gewirkt wird; wie der Geist, wenn er den Körper verzehrt, dadurch, dass er ihn verzehrt, die Vorstellungen in die Erinnerung rückt, sodass sie heraufgeholt werden können. Wenn aber die Lebenskräfte vorwuchern, wenn sie den Geist überragen, dann vergisst man. Das ist eines, zu dem man aufsteigen kann.

[ 33 ] Aber in dem Selbstständig-Werden im geistigen Erleben wird man gewissermaßen sein eigner Zuschauer. Man kann wirklich zuschauen, was denn da eigentlich geschieht in einem, wenn man erinnert, und wenn man vergisst. Erinnern und Vergessen sind sonst eben nur ein schwierig zu beobachtendes seelisches Erlebnis. Jetzt aber kennt man etwas anderes. Wenn man also das Geistige vom Seelischen zu trennen vermag, die Brücke gefunden hat, so merkt man: Jedes Mal, wenn du etwas vergisst, geschieht etwas sehr Eigentümliches in dir; das ist immer deshalb, weil die Lebenskräfte, die unbewussten Lebenskräfte, wie sie auch in der Pflanze sind, sich besonders geltend machen. Weil sie aus sich heraus wirken, weil sie sich im Leben regen, dadurch werden die Vorstellungen in die Vergessenheit heruntergebracht. Durch das angefachte organische Leben wird das Vergessen bewirkt. Je mehr man dieser Vitalität sich hingibt, je mehr sie wuchern muss, desto mehr tritt das Vergessen auf. Das Erinnern ist der umgekehrte Vorgang. Das ist der Vorgang, wo ich hinuntertauche in die körperliche Organisation einen Gedanken, eine Vorstellung, ein Bild, eine Sinnesempfindung. Jedes Mal, wenn ich eine Vorstellung so hinuntertauche in die körperliche Organisation, dass sie Erinnerungsvorstellung wird, geschieht ein Unterdrücken der Vitalität, ein Herabspinnen der Vitalität; es geschieht ein Abnehmen der wuchernden Lebenskräfte. So merkt man im Erinnern und Vergessen aufsteigendes und absteigendes Leben. Man merkt, wie aus dem Geiste heraus gewirkt wird; wie der Geist, wenn er den Körper verzehrt, dadurch, dass er ihn verzehrt, die Vorstellungen in die Erinnerung rückt, sodass sie heraufgeholt werden können. Wenn aber die Lebenskräfte vorwuchern, wenn sie den Geist überragen, dann vergisst man. Das ist eines, zu dem man aufsteigen kann.

[ 34 ] Ein anderes ist der Gegensatz zwischen Vererbung und Selbstbestimmung, Selbstentwicklung. Über diese Frage der Vererbung und der Selbstbestimmung herrschen ja heute die sonderbarsten Vorstellungen. Gewiss, die Naturwissenschaft hat ungeheuer viel Licht gebracht für die Vererbungsidee. Aber derjenige, der also seine Denkkräfte emanzipiert von den körperlichen Bedingungen, wie ich es beschrieben habe, der merkt, dass wir zwar dadurch, dass wir die Nachkommen unserer Vorfahren sind, deren Eigenschaften, deren Kräfte in uns tragen. Wir tragen ererbte Kräfte und Eigenschaften in uns. Aber das ist nur eine Richtung des Lebens, nur eine Strömung im Lebenslauf des Menschen. Wenn man wenig geneigt ist, auf dasjenige, was im Geiste lebt, zu dem die Brücke geschlagen werden kann vom Seelischen aus, wer wenig geneigt ist, auf dieses zu sehen, der lässt sich gewissermaßen Übertölpeln von der Wirkung der bloßen vererbten Kräfte, und sieht nicht hin darauf, dass eigentlich unser ganzer Lebenslauf in der Selbstbestimmung, Selbstentwicklung fortwährend gegen die vererbten Kräfte ankämpft. Unser ganzer Lebenslauf ist ein Ankämpfen gegen die vererbten Kräfte. Aber, dass wirklich gegen die Vererbungskräfte angekämpft wird, und dass unterschieden werden kann zwischen dem, was durch Vererbung in uns ist, und dem, was aus der Selbstbestimmung heraus gegen die Vererbung kämpfen muss, das wird nur klar und anschaulich, wenn man das Denken in der geschilderten Weise emanzipiert hat.

[ 34 ] Ein anderes ist der Gegensatz zwischen Vererbung und Selbstbestimmung, Selbstentwicklung. Über diese Frage der Vererbung und der Selbstbestimmung herrschen ja heute die sonderbarsten Vorstellungen. Gewiss, die Naturwissenschaft hat ungeheuer viel Licht gebracht für die Vererbungsidee. Aber derjenige, der also seine Denkkräfte emanzipiert von den körperlichen Bedingungen, wie ich es beschrieben habe, der merkt, dass wir zwar dadurch, dass wir die Nachkommen unserer Vorfahren sind, deren Eigenschaften, deren Kräfte in uns tragen. Wir tragen ererbte Kräfte und Eigenschaften in uns. Aber das ist nur eine Richtung des Lebens, nur eine Strömung im Lebenslauf des Menschen. Wenn man wenig geneigt ist, auf dasjenige, was im Geiste lebt, zu dem die Brücke geschlagen werden kann vom Seelischen aus, wer wenig geneigt ist, auf dieses zu sehen, der lässt sich gewissermaßen Übertölpeln von der Wirkung der bloßen vererbten Kräfte, und sieht nicht hin darauf, dass eigentlich unser ganzer Lebenslauf in der Selbstbestimmung, Selbstentwicklung fortwährend gegen die vererbten Kräfte ankämpft. Unser ganzer Lebenslauf ist ein Ankämpfen gegen die vererbten Kräfte. Aber, dass wirklich gegen die Vererbungskräfte angekämpft wird, und dass unterschieden werden kann zwischen dem, was durch Vererbung in uns ist, und dem, was aus der Selbstbestimmung heraus gegen die Vererbung kämpfen muss, das wird nur klar und anschaulich, wenn man das Denken in der geschilderten Weise emanzipiert hat.

[ 35 ] Und ein Drittes gibt es, was dann sozusagen als eine Folge auftritt, zu dem man sich nach und nach, wenn man das Denken in der geschilderten Weise emanzipiert erlebt, unter den Voraussetzungen, die ich eben gemacht habe, entwickeln muss, das ist, dass man eine unmittelbare Anschauung erhält von den Vorgängen, die so bedeutungsvoll sich in den menschlichen Lebenslauf hineinstellen, von den Vorstellungen der Geburt und des Todes. Wie erscheint einem zum Beispiel der Tod? Man gelangt wirklich hinauf von den einfachen Vorstellungen, die ich erwähnt habe, zum Tode, zu dieser so tief in das menschliche Leben einschneidenden Frage des Todes. Lernt man auf die angedeutete Weise die Erinnerung verstehen, lernt man verstehen, dass der Mensch nur dadurch die Fähigkeit der Erinnerung hat, dass er fortwährend von seinem Geiste aus eingreifen kann in seine Körperlichkeit, dort herablähmen kann die Lebenskräfte; dann ist es nur ein Hinaufsteigen, jene Steigerung der Erinnerungskraft zu erfahren im inneren geistigen Erleben, die wir den Tod nennen. Denn das Wirken der Erinnerung ist — gestatten Sie den Ausdruck — ein atomistisches Sterben. Indem ich irgendeine Vorstellung meiner Erinnerung übergebe, so ist es so, wie wenn ich in der körperlichen Organisation etwas anrichte, wie wenn ich eine Flamme entzünde; immer wird ein wenig weggenommen von der Kerzensubstanz. Beim menschlichen Leibe wird es ersetzt, aber so wird die Erinnerung heruntergedrängt. Das heißt, der Geist macht sich zum Herr über die Leiblichkeit. Es ist im Kleinen dasselbe, was im Tode vor sich geht, wo der Geist sich der gesamten Leiblichkeit entledigt, wo der Geist die Leiblichkeit von sich ausstößt. So weit voneinander entfernt sind diese zwei Punkte Erinnerung und Tod, es führt eine gerade Erfahrungslinie, eine gerade Erlebungslinie von dem einen zum anderen.

[ 35 ] Und ein Drittes gibt es, was dann sozusagen als eine Folge auftritt, zu dem man sich nach und nach, wenn man das Denken in der geschilderten Weise emanzipiert erlebt, unter den Voraussetzungen, die ich eben gemacht habe, entwickeln muss, das ist, dass man eine unmittelbare Anschauung erhält von den Vorgängen, die so bedeutungsvoll sich in den menschlichen Lebenslauf hineinstellen, von den Vorstellungen der Geburt und des Todes. Wie erscheint einem zum Beispiel der Tod? Man gelangt wirklich hinauf von den einfachen Vorstellungen, die ich erwähnt habe, zum Tode, zu dieser so tief in das menschliche Leben einschneidenden Frage des Todes. Lernt man auf die angedeutete Weise die Erinnerung verstehen, lernt man verstehen, dass der Mensch nur dadurch die Fähigkeit der Erinnerung hat, dass er fortwährend von seinem Geiste aus eingreifen kann in seine Körperlichkeit, dort herablähmen kann die Lebenskräfte; dann ist es nur ein Hinaufsteigen, jene Steigerung der Erinnerungskraft zu erfahren im inneren geistigen Erleben, die wir den Tod nennen. Denn das Wirken der Erinnerung ist — gestatten Sie den Ausdruck — ein atomistisches Sterben. Indem ich irgendeine Vorstellung meiner Erinnerung übergebe, so ist es so, wie wenn ich in der körperlichen Organisation etwas anrichte, wie wenn ich eine Flamme entzünde; immer wird ein wenig weggenommen von der Kerzensubstanz. Beim menschlichen Leibe wird es ersetzt, aber so wird die Erinnerung heruntergedrängt. Das heißt, der Geist macht sich zum Herr über die Leiblichkeit. Es ist im Kleinen dasselbe, was im Tode vor sich geht, wo der Geist sich der gesamten Leiblichkeit entledigt, wo der Geist die Leiblichkeit von sich ausstößt. So weit voneinander entfernt sind diese zwei Punkte Erinnerung und Tod, es führt eine gerade Erfahrungslinie, eine gerade Erlebungslinie von dem einen zum anderen.

[ 36 ] Sie sehen daraus auch, meine sehr verehrten Anwesenden, dass es wahrhaftig nicht Phantasterei ist, was Geistesforschung anstrebt, sondern dass es ganz methodisch, ganz ernst und würdig geschieht, wie nur irgendeine Naturforschung geschieht. Nur ist bei der Naturforschung der Ausgangspunkt das Körperliche, bei der Geistesforschung aber das Geistige. Es kommt der Geistesforscher in dem lebendigen inneren Erleben dazu, von dem Seelischen zum Geistigen hin sich zu erheben, nicht nur im Seelischen, sondern im Geiste zu leben.

[ 36 ] Sie sehen daraus auch, meine sehr verehrten Anwesenden, dass es wahrhaftig nicht Phantasterei ist, was Geistesforschung anstrebt, sondern dass es ganz methodisch, ganz ernst und würdig geschieht, wie nur irgendeine Naturforschung geschieht. Nur ist bei der Naturforschung der Ausgangspunkt das Körperliche, bei der Geistesforschung aber das Geistige. Es kommt der Geistesforscher in dem lebendigen inneren Erleben dazu, von dem Seelischen zum Geistigen hin sich zu erheben, nicht nur im Seelischen, sondern im Geiste zu leben.

[ 37 ] Und das Vergessen — das Vergessen führt in gerader Linie zum Verstehen, wie die vitalen Kräfte die Oberhand gewinnen über das Bewusstsein, wie der Geist gewissermaßen überwältigt wird. Im Vergessen haben wir den Ausdruck des Atomistischen; dasjenige, was mit dem Geistesleben geschieht, wenn dieses Geistesleben aus der geistigen Welt herauskommend sich bemächtigt desjenigen, was uns durch die Vererbung gegeben wird von den Eltern und Voreltern. Und dasjenige, was uns durch die Vererbung gegeben wird, übertönt durch seine rein organische Lebenstätigkeit, übertönt das Geistige, wenn das Geistige nicht unmittelbar herauskommt. So wie beim Vergessen im Kleinen es nicht herauskommt, weil die Lebenskraft wuchert, so wuchert die Lebenskraft im ganzen Organismus [Lücke] und von der Körperlichkeit erfasst wird, und daher zwischen Geburt und Tod im menschlichen Lebenslaufe vorhanden ist ein fortwährendes Vergessen des Geistes im Großen. Wie ähnlich ist schon für eine äußerliche Betrachtung die Art und Weise, wie wir uns zu unserem Geborenwerden verhalten, dem Vergessen. Der Tod steht gewissermaßen durch die äußere Erfahrung immer vor unserer Seele. Er gleicht schon äußerlich ganz der Erinnerung. Die Welt selbst erinnert uns fortwährend an ihn. Schon der Moment unserer Geburt, geschweige denn alles, was vorangegangen ist der Geburt oder der Empfängnis als das Leben der Seele im Geistigen, es ist der Vergessenheit anheimgegeben. Die Art, in der der Mensch in das Leben tritt, ist wirklich etwas, wozu die atomistische Betrachtung des Vergessens führt, wenn auch wiederum die Punkte sehr weit auseinander liegen.

[ 37 ] Und das Vergessen — das Vergessen führt in gerader Linie zum Verstehen, wie die vitalen Kräfte die Oberhand gewinnen über das Bewusstsein, wie der Geist gewissermaßen überwältigt wird. Im Vergessen haben wir den Ausdruck des Atomistischen; dasjenige, was mit dem Geistesleben geschieht, wenn dieses Geistesleben aus der geistigen Welt herauskommend sich bemächtigt desjenigen, was uns durch die Vererbung gegeben wird von den Eltern und Voreltern. Und dasjenige, was uns durch die Vererbung gegeben wird, übertönt durch seine rein organische Lebenstätigkeit, übertönt das Geistige, wenn das Geistige nicht unmittelbar herauskommt. So wie beim Vergessen im Kleinen es nicht herauskommt, weil die Lebenskraft wuchert, so wuchert die Lebenskraft im ganzen Organismus [Lücke] und von der Körperlichkeit erfasst wird, und daher zwischen Geburt und Tod im menschlichen Lebenslaufe vorhanden ist ein fortwährendes Vergessen des Geistes im Großen. Wie ähnlich ist schon für eine äußerliche Betrachtung die Art und Weise, wie wir uns zu unserem Geborenwerden verhalten, dem Vergessen. Der Tod steht gewissermaßen durch die äußere Erfahrung immer vor unserer Seele. Er gleicht schon äußerlich ganz der Erinnerung. Die Welt selbst erinnert uns fortwährend an ihn. Schon der Moment unserer Geburt, geschweige denn alles, was vorangegangen ist der Geburt oder der Empfängnis als das Leben der Seele im Geistigen, es ist der Vergessenheit anheimgegeben. Die Art, in der der Mensch in das Leben tritt, ist wirklich etwas, wozu die atomistische Betrachtung des Vergessens führt, wenn auch wiederum die Punkte sehr weit auseinander liegen.

[ 38 ] Dann, meine sehr verehrten Anwesenden, gelangt man dazu, wenn man solche Betrachtungen anstellt, Geburt und Tod oder Empfängnis und Tod als dasjenige anzusehen, was Ereignisse, Erlebnisse für die Seele sind, die aus der geistigen Welt heraus bestimmt werden.

[ 38 ] Dann, meine sehr verehrten Anwesenden, gelangt man dazu, wenn man solche Betrachtungen anstellt, Geburt und Tod oder Empfängnis und Tod als dasjenige anzusehen, was Ereignisse, Erlebnisse für die Seele sind, die aus der geistigen Welt heraus bestimmt werden.

[ 39 ] Damit ist etwas verknüpft, was ich, obwohl es gewagt ist, doch auch hervorheben will. Ich habe auf der einen Seite gesagt, Geisteswissenschaft, wenn sie ernst getrieben wird aus dem Wirklichen, echten, wahren Sinne der Wissenschaft, sie ist der Naturwissenschaft in ihrer Gesinnung, in ihrem Forscherernst heute an die Seite zu stellen. Aber in einer gewissen anderen Weise muss sie nicht nur über anderes denken, sondern sie muss sogar ganz anders denken. Wir haben ja gesehen, dass das Denken erst entwickelt werden muss, das in der Geistesforschung sich betätigen soll. Geistesforschung muss in einer anderen Weise denken, sagte ich. Und da gelangt man denn dazu, sich zu sagen: Es muss durch die Geistesforschung etwas verstanden werden, was der Menschheit vielleicht schwer zu verstehen ist — wie es einstmals denjenigen, die immer aus dem äußeren Sinnenschein heraus sich gesagt haben: Die Erde steht still, die Sonne und die Sterne bewegen sich um die Erde herum —, wie es diesen Menschen schwer geworden ist, die kopernikanische Weltanschauung anzunehmen, die sie zwang, die Sonne still stehen zu lassen und die Erde mit den Sternen sich herumbewegen zu lassen. Es hat ja für gewisse Menschen oder wenigstens für gewisse Behörden, die sich an solche Sachen heranmachten, bis zum Jahre [1822] gedauert, bis es erlaubt worden ist, diese Weltanschauung als richtig anzusehen, trotzdem Jahrhunderte vergangen waren, seitdem Kopernikus dieses Weltbild hingestellt hatte. Man glaubte selbstverständlich von einer gewissen Seite, dass man dem religiösen Gefühl Eintrag tun könne.

[ 39 ] Damit ist etwas verknüpft, was ich, obwohl es gewagt ist, doch auch hervorheben will. Ich habe auf der einen Seite gesagt, Geisteswissenschaft, wenn sie ernst getrieben wird aus dem Wirklichen, echten, wahren Sinne der Wissenschaft, sie ist der Naturwissenschaft in ihrer Gesinnung, in ihrem Forscherernst heute an die Seite zu stellen. Aber in einer gewissen anderen Weise muss sie nicht nur über anderes denken, sondern sie muss sogar ganz anders denken. Wir haben ja gesehen, dass das Denken erst entwickelt werden muss, das in der Geistesforschung sich betätigen soll. Geistesforschung muss in einer anderen Weise denken, sagte ich. Und da gelangt man denn dazu, sich zu sagen: Es muss durch die Geistesforschung etwas verstanden werden, was der Menschheit vielleicht schwer zu verstehen ist — wie es einstmals denjenigen, die immer aus dem äußeren Sinnenschein heraus sich gesagt haben: Die Erde steht still, die Sonne und die Sterne bewegen sich um die Erde herum —, wie es diesen Menschen schwer geworden ist, die kopernikanische Weltanschauung anzunehmen, die sie zwang, die Sonne still stehen zu lassen und die Erde mit den Sternen sich herumbewegen zu lassen. Es hat ja für gewisse Menschen oder wenigstens für gewisse Behörden, die sich an solche Sachen heranmachten, bis zum Jahre [1822] gedauert, bis es erlaubt worden ist, diese Weltanschauung als richtig anzusehen, trotzdem Jahrhunderte vergangen waren, seitdem Kopernikus dieses Weltbild hingestellt hatte. Man glaubte selbstverständlich von einer gewissen Seite, dass man dem religiösen Gefühl Eintrag tun könne.

[ 40 ] So wird man heute auch wiederum denken: Es wird der religiösen Vertiefung Eintrag tun, wenn man ein ähnliches Prinzip anwendet mit Bezug auf den menschlichen Lebenslauf im Verhältnis zum geistigen Erleben. Nach dem äußeren Anschein des Lebens sieht es so nämlich aus, als wenn unser Lebenslauf zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod verliefe, und das Seelisch-Geistige mit verliefe. So stellen wir uns vor, wenn wir uns das auch nicht immer zum Bewusstsein bringen, für dasjenige Denken, das nicht diese innere Schulung durchgemacht hat, die ich beschrieben habe.

[ 40 ] So wird man heute auch wiederum denken: Es wird der religiösen Vertiefung Eintrag tun, wenn man ein ähnliches Prinzip anwendet mit Bezug auf den menschlichen Lebenslauf im Verhältnis zum geistigen Erleben. Nach dem äußeren Anschein des Lebens sieht es so nämlich aus, als wenn unser Lebenslauf zwischen Geburt oder Empfängnis und Tod verliefe, und das Seelisch-Geistige mit verliefe. So stellen wir uns vor, wenn wir uns das auch nicht immer zum Bewusstsein bringen, für dasjenige Denken, das nicht diese innere Schulung durchgemacht hat, die ich beschrieben habe.

[ 41 ] Man denkt dann etwa so: Wir werden geboren. Nach und nach kommen wir seelisch zum Bewusstsein, und das Seelische läuft so mit dem Körperlichen mit. Man wird sieben, vierzehn, dreißig, sechzig Jahre alt, es läuft mit dem Körperlichen weiter. Diese Vorstellung ist geradeso scheinbar, wie die Vorstellung scheinbar war, die Sonne bewege sich um die Erde herum. Denn das heute geschilderte entwickelte Denken, es lernt sozusagen einen Kopernikanismus für das Seelisch-Geistige. Wir erinnern uns bis zu einem gewissen Zeitpunkt unseres Lebens zurück. Über diesen Zeitpunkt hinaus erinnert man sich im gewöhnlichen Bewusstsein nicht zurück, sondern erst in dem heute geschilderten Bewusstsein ist das möglich. Was liegt da vor?

[ 41 ] Man denkt dann etwa so: Wir werden geboren. Nach und nach kommen wir seelisch zum Bewusstsein, und das Seelische läuft so mit dem Körperlichen mit. Man wird sieben, vierzehn, dreißig, sechzig Jahre alt, es läuft mit dem Körperlichen weiter. Diese Vorstellung ist geradeso scheinbar, wie die Vorstellung scheinbar war, die Sonne bewege sich um die Erde herum. Denn das heute geschilderte entwickelte Denken, es lernt sozusagen einen Kopernikanismus für das Seelisch-Geistige. Wir erinnern uns bis zu einem gewissen Zeitpunkt unseres Lebens zurück. Über diesen Zeitpunkt hinaus erinnert man sich im gewöhnlichen Bewusstsein nicht zurück, sondern erst in dem heute geschilderten Bewusstsein ist das möglich. Was liegt da vor?

[ 42 ] Das liegt vor, dass man, wenn man das seelische Leben wirklich betrachtet in seinem Verhältnis zum Geiste hin, das, was wir unser Ich, unser innerstes Selbst nennen, gar nicht den Lebenslauf in der trivialen Weise, wie man es sich gewöhnlich vorstellt, mitmacht. Sondern dieses Seelisch-Geistige, dieses unser eigentliches Ich, es bleibt stehen an dem Punkte unseres Lebens, bis zu dem wir uns im späteren Leben zurückerinnern, und das an das Körperliche gebundene Seelische, das läuft bis zum Tode hin und schickt seine Strahlen zurück. [Lücke] Durch den ganzen Lebenslauf bleibt unser Seelisch-Geistiges immer in der geistigen Welt darinnen und es ruht darinnen, und das an das Körperliche gebundene seelische Leben, das läuft im Lebenslaufe ab und schickt nur seine Strahlen hin, wie die ruhende Sonne an die bewegte Erde ihre Strahlen schickt. Hier ist es umgekehrt. Der bewegte Lebenslauf schickt in die im Geisterlande ruhende Seele zurück dasjenige, was das Seelische mit Hilfe des Leiblichen erlebt. Der Lebenslauf gewissermaßen in seiner Bewegung im Verhältnis zum ruhenden Ich, zum ruhenden Seelisch-Geistigen, das wird klar demjenigen Denken, das ich eben beschrieben habe.

[ 42 ] Das liegt vor, dass man, wenn man das seelische Leben wirklich betrachtet in seinem Verhältnis zum Geiste hin, das, was wir unser Ich, unser innerstes Selbst nennen, gar nicht den Lebenslauf in der trivialen Weise, wie man es sich gewöhnlich vorstellt, mitmacht. Sondern dieses Seelisch-Geistige, dieses unser eigentliches Ich, es bleibt stehen an dem Punkte unseres Lebens, bis zu dem wir uns im späteren Leben zurückerinnern, und das an das Körperliche gebundene Seelische, das läuft bis zum Tode hin und schickt seine Strahlen zurück. [Lücke] Durch den ganzen Lebenslauf bleibt unser Seelisch-Geistiges immer in der geistigen Welt darinnen und es ruht darinnen, und das an das Körperliche gebundene seelische Leben, das läuft im Lebenslaufe ab und schickt nur seine Strahlen hin, wie die ruhende Sonne an die bewegte Erde ihre Strahlen schickt. Hier ist es umgekehrt. Der bewegte Lebenslauf schickt in die im Geisterlande ruhende Seele zurück dasjenige, was das Seelische mit Hilfe des Leiblichen erlebt. Der Lebenslauf gewissermaßen in seiner Bewegung im Verhältnis zum ruhenden Ich, zum ruhenden Seelisch-Geistigen, das wird klar demjenigen Denken, das ich eben beschrieben habe.

[ 43 ] Man kann sich nun vorstellen, dass vielleicht ein noch größerer Widerstand sich dieser Wahrheit entgegensetzen wird als seinerzeit dem Kopernikanismus. Aber Wahrheit dringt durch. So wie die Sonne richtig aufgefasst wurde durch den Kopernikanismus, so wird das Seelisch-Geistige, der Kern unseres Wesens, unser Ich, erkannt werden als ruhend in der geistigen Welt. Und dasjenige, was verläuft als Lebenslauf, das wird erkannt werden als dasjenige, was seine Strahlen zurücksendet wie die äußere Welt, wenn wir ihr gegenüberstehen, unserm Sinnensein Strahlen zusendet. Die im Geiste ruhende Seele empfängt ihre Erfahrungen.

[ 43 ] Man kann sich nun vorstellen, dass vielleicht ein noch größerer Widerstand sich dieser Wahrheit entgegensetzen wird als seinerzeit dem Kopernikanismus. Aber Wahrheit dringt durch. So wie die Sonne richtig aufgefasst wurde durch den Kopernikanismus, so wird das Seelisch-Geistige, der Kern unseres Wesens, unser Ich, erkannt werden als ruhend in der geistigen Welt. Und dasjenige, was verläuft als Lebenslauf, das wird erkannt werden als dasjenige, was seine Strahlen zurücksendet wie die äußere Welt, wenn wir ihr gegenüberstehen, unserm Sinnensein Strahlen zusendet. Die im Geiste ruhende Seele empfängt ihre Erfahrungen.

[ 44 ] Und jetzt darf ich das Weitere vielleicht durch die Anlehnung an bekannte Vorstellungen erläutern. Denn Sie sehen ja wohl, dass, indem man auf diese Gegenstände eingeht, man zu ganz neuen Begriffen und Ideen kommt, zu jenen Begriffen und Ideen, die erst hinführen zu dem unsterblichen Seelenteil, zu dem, was wirklich über Geburt und Tod hinaus in der Geisteswelt drinnen lebt. Nicht so beantwortet Geisteswissenschaft die Frage nach der Seelenunsterblichkeit, dass sie spekuliert darüber, ob es eine Unsterblichkeit gibt oder nicht, sondern indem sie die Wege sucht, wie der Mensch, dessen Ewiges in der Geisteswelt drinnen ruhen bleibt, in der Geisteswelt eben unsterblich ist, und durchgeht durch Geburt und Tod, so wie wir durch die Welt äußerlich gehen. So wie der Naturforscher zu der leiblichen Organisation hingeht, also zu etwas, was den seelischen Ausgangspunkt nicht mehr zeigt an sich, so geht der Geistesforscher zu einem anderen Bewusstsein hin, zu einem Bewusstsein, das ich genannt habe in meinem letzten Buche — in Anlehnung an ein Goethe’sches Wort — «anschauende Urteilskraft» genannt habe, das «schauende Bewusstsein».

[ 44 ] Und jetzt darf ich das Weitere vielleicht durch die Anlehnung an bekannte Vorstellungen erläutern. Denn Sie sehen ja wohl, dass, indem man auf diese Gegenstände eingeht, man zu ganz neuen Begriffen und Ideen kommt, zu jenen Begriffen und Ideen, die erst hinführen zu dem unsterblichen Seelenteil, zu dem, was wirklich über Geburt und Tod hinaus in der Geisteswelt drinnen lebt. Nicht so beantwortet Geisteswissenschaft die Frage nach der Seelenunsterblichkeit, dass sie spekuliert darüber, ob es eine Unsterblichkeit gibt oder nicht, sondern indem sie die Wege sucht, wie der Mensch, dessen Ewiges in der Geisteswelt drinnen ruhen bleibt, in der Geisteswelt eben unsterblich ist, und durchgeht durch Geburt und Tod, so wie wir durch die Welt äußerlich gehen. So wie der Naturforscher zu der leiblichen Organisation hingeht, also zu etwas, was den seelischen Ausgangspunkt nicht mehr zeigt an sich, so geht der Geistesforscher zu einem anderen Bewusstsein hin, zu einem Bewusstsein, das ich genannt habe in meinem letzten Buche — in Anlehnung an ein Goethe’sches Wort — «anschauende Urteilskraft» genannt habe, das «schauende Bewusstsein».

[ 45 ] Und dieses schauende Bewusstsein, wir können es uns so verdeutlichen, wir können uns sagen: Das gewöhnliche Bewusstsein führt uns in die gewöhnlichen täglichen Erlebnisse, in die gewöhnliche Wissenschaft. Diesem Bewusstsein steht ein anderes Bewusstsein gegenüber, das uns geisteswissenschaftlich, nur weil wir einen Vergleich brauchen wollen, interessieren kann, aus dem man nicht lernen kann, es steht ihm das Traumbewusstsein entgegen. Was erleben wir im Traume? Bilder laufen ab, in diesen Bildern leben wir, und während wir die Bilder erleben, halten wir sie für Wirklichkeit. Erst wenn wir aus dem Traum erwachen, halten wir sie nicht mehr für Wirklichkeit, weil wir sie abmessen am äußeren Leben, wo wir mit unserm Willen verknüpft sind mit dem, was uns in der Außenwelt verknüpft. Ein Träumer wäre derjenige, der den Traum aus sich selber erklären lassen wollte,

[ 45 ] Und dieses schauende Bewusstsein, wir können es uns so verdeutlichen, wir können uns sagen: Das gewöhnliche Bewusstsein führt uns in die gewöhnlichen täglichen Erlebnisse, in die gewöhnliche Wissenschaft. Diesem Bewusstsein steht ein anderes Bewusstsein gegenüber, das uns geisteswissenschaftlich, nur weil wir einen Vergleich brauchen wollen, interessieren kann, aus dem man nicht lernen kann, es steht ihm das Traumbewusstsein entgegen. Was erleben wir im Traume? Bilder laufen ab, in diesen Bildern leben wir, und während wir die Bilder erleben, halten wir sie für Wirklichkeit. Erst wenn wir aus dem Traum erwachen, halten wir sie nicht mehr für Wirklichkeit, weil wir sie abmessen am äußeren Leben, wo wir mit unserm Willen verknüpft sind mit dem, was uns in der Außenwelt verknüpft. Ein Träumer wäre derjenige, der den Traum aus sich selber erklären lassen wollte,

[ 46 ] Es ist ja so mit dem Traum: Ein Mensch träumt, er hört rufen «Oh!», dann wird der Ruf «Ioh!», dann wird er zum «Feuerio!». Er wacht auf, draußen fährt die Feuerwehr vorüber, das war in seinem Erleben. Aber während er diesen Ruf erlebt, kann eine ganze Traumdramatik sich abspielen. Der äußere Ruf ist an sein Ohr geklungen, und eine ganze Fülle von Bildern spielt sich innerlich ab. Wir verstehen erst, warum das so ist, wenn wir das von diesen Traumbildern ganz verschiedene Äußere mit dem wachen Bewusstsein verfolgen können. Wir können das, was im Traume vorgeht, nur aus dem wachen Bewusstsein erklären. Es ist selbstverständlich ein törichter Aberglaube, wenn man das wache Bewusstsein durch die Traumerlebnisse erklären will. Auch darüber finden Sie Näheres in meinem letzten Buche.

[ 46 ] Es ist ja so mit dem Traum: Ein Mensch träumt, er hört rufen «Oh!», dann wird der Ruf «Ioh!», dann wird er zum «Feuerio!». Er wacht auf, draußen fährt die Feuerwehr vorüber, das war in seinem Erleben. Aber während er diesen Ruf erlebt, kann eine ganze Traumdramatik sich abspielen. Der äußere Ruf ist an sein Ohr geklungen, und eine ganze Fülle von Bildern spielt sich innerlich ab. Wir verstehen erst, warum das so ist, wenn wir das von diesen Traumbildern ganz verschiedene Äußere mit dem wachen Bewusstsein verfolgen können. Wir können das, was im Traume vorgeht, nur aus dem wachen Bewusstsein erklären. Es ist selbstverständlich ein törichter Aberglaube, wenn man das wache Bewusstsein durch die Traumerlebnisse erklären will. Auch darüber finden Sie Näheres in meinem letzten Buche.

[ 47 ] Wie man aufwacht vom Traumbild in die eigentliche Wirklichkeit, in der man mit seinem ganzen physischen Menschen steht, wie man aufwacht in das gewöhnliche Wachbewusstsein, so wacht man durch diejenigen inneren Vorgänge, die ich beschrieben habe, auf aus dem Wachbewusstsein in das schauende Bewusstsein. Die Naturforschung über die Seele ist ein Zurückgehen in das unbewusst Körperliche; die Geistesforschung ist ein Hinaufsteigen aus dem Bewusstsein, das wir alltäglich haben, zum schauenden Bewusstsein. Nicht irgendetwas von Aberglauben, wie Böswilligkeit es darstellen will, nichts von Suggestion und Hypnose ist enthalten in dem, was Geistesforschung will, sondern gerade ein Hinaufführen des Menschen zu einem Aufwachen, zu einem aufgewachten Bewusstsein.

[ 47 ] Wie man aufwacht vom Traumbild in die eigentliche Wirklichkeit, in der man mit seinem ganzen physischen Menschen steht, wie man aufwacht in das gewöhnliche Wachbewusstsein, so wacht man durch diejenigen inneren Vorgänge, die ich beschrieben habe, auf aus dem Wachbewusstsein in das schauende Bewusstsein. Die Naturforschung über die Seele ist ein Zurückgehen in das unbewusst Körperliche; die Geistesforschung ist ein Hinaufsteigen aus dem Bewusstsein, das wir alltäglich haben, zum schauenden Bewusstsein. Nicht irgendetwas von Aberglauben, wie Böswilligkeit es darstellen will, nichts von Suggestion und Hypnose ist enthalten in dem, was Geistesforschung will, sondern gerade ein Hinaufführen des Menschen zu einem Aufwachen, zu einem aufgewachten Bewusstsein.

[ 48 ] Aber nun, wenn wir den Vergleich fortsetzen vom Erleben der Traumbilder, die der äußeren, der inneren Anregung ihr Dasein verdanken, die aber von dem ganz verschieden sind, was da eigentlich anregt, so können wir nunmehr etwas betrachten in unserem gewöhnlichen Erleben, das im gewöhnlichen Erleben uns erscheint wie ein Gewirr von Zufällen, das an uns herantritt, das wir nur auffassen mit unseren Affekten, mit unseren Sympathien und Antipathien, unter dem wir leiden oder uns freuen. Wie der Traum uns seine Bilder vorgezaubert hat, wie in diese Bilderordnung kommt, wenn wir den Traum vom Wachbewusstsein aus erklären, so sehen wir vom gewöhnlichen Bewusstsein aus das Schicksal mit seinen Bildern, seinen bunten Gebilden. Wachen wir auf in das schauende Bewusstsein, so wird es sein Schicksal erleben so, wie wir aus dem Traume aufwachen und dem gegenüberstehen, was den Traum hervorgerufen hat. Das Schicksal des Menschen erlebt man im gewöhnlichen Bewusstsein so, wie man den Traum erlebt, den man nicht deuten kann im Traume selber.

[ 48 ] Aber nun, wenn wir den Vergleich fortsetzen vom Erleben der Traumbilder, die der äußeren, der inneren Anregung ihr Dasein verdanken, die aber von dem ganz verschieden sind, was da eigentlich anregt, so können wir nunmehr etwas betrachten in unserem gewöhnlichen Erleben, das im gewöhnlichen Erleben uns erscheint wie ein Gewirr von Zufällen, das an uns herantritt, das wir nur auffassen mit unseren Affekten, mit unseren Sympathien und Antipathien, unter dem wir leiden oder uns freuen. Wie der Traum uns seine Bilder vorgezaubert hat, wie in diese Bilderordnung kommt, wenn wir den Traum vom Wachbewusstsein aus erklären, so sehen wir vom gewöhnlichen Bewusstsein aus das Schicksal mit seinen Bildern, seinen bunten Gebilden. Wachen wir auf in das schauende Bewusstsein, so wird es sein Schicksal erleben so, wie wir aus dem Traume aufwachen und dem gegenüberstehen, was den Traum hervorgerufen hat. Das Schicksal des Menschen erlebt man im gewöhnlichen Bewusstsein so, wie man den Traum erlebt, den man nicht deuten kann im Traume selber.

[ 49 ] Dem schauenden Bewusstsein geht es aber im höheren Grade so, wie es etwa einem Freunde Goethes, Knebel, ergangen ist, als er versuchte, das scheinbare Chaos der Schicksalszufälle zu überblicken. Da sagt Knebel: Das ist nur wie ein Lichtblitz, der in das gewöhnliche Bewusstsein hineinstrahlt. Im schauenden Bewusstsein aufgewacht, wird dem Menschen aus dem gewöhnlichen Schicksalslaufe etwas ganz anderes, so wie dem Träumer etwas ganz anderes wird aus dem Traume, wenn er aufwacht und mit dem Wachbewusstsein überblickt die Ursachen des Traumes.

[ 49 ] Dem schauenden Bewusstsein geht es aber im höheren Grade so, wie es etwa einem Freunde Goethes, Knebel, ergangen ist, als er versuchte, das scheinbare Chaos der Schicksalszufälle zu überblicken. Da sagt Knebel: Das ist nur wie ein Lichtblitz, der in das gewöhnliche Bewusstsein hineinstrahlt. Im schauenden Bewusstsein aufgewacht, wird dem Menschen aus dem gewöhnlichen Schicksalslaufe etwas ganz anderes, so wie dem Träumer etwas ganz anderes wird aus dem Traume, wenn er aufwacht und mit dem Wachbewusstsein überblickt die Ursachen des Traumes.

[ 50 ] Und lassen Sie mich andeuten, zu welcher Betrachtung des Schicksals man auf diese Weise kommt, und zu welchem Verhältnis des Schicksals zum menschlichen Lebenslauf.

[ 50 ] Und lassen Sie mich andeuten, zu welcher Betrachtung des Schicksals man auf diese Weise kommt, und zu welchem Verhältnis des Schicksals zum menschlichen Lebenslauf.

[ 51 ] Wenn wir wirklich als Geistesforscher das erleben, wie ich es geschildert habe, und dieses Erleben bis zu einem gewissen Punkte gebracht haben, dann wird das, was wir da innerlich erleben, dieses Brückenbauen zum Geiste hin, das wird noch zu einem ganz besonderen inneren Erlebnisse führen. Schreitet man so weiter auf der Bahn des Brückenbauens von der Seele zum Geiste, dann stellt sich etwas ein in dem seelischen Erleben, das zunächst ein einzigartiges inneres Erlebnis sein kann. Es wird nämlich die Erkenntnis, die man sich auf diese Weise erwirbt, selber zum Schicksal. Man betrachtet es als etwas Besonderes, das in unser Schicksal hineinschlägt, und das wir jetzt selbst herbeigeführt haben, indem wir unser Erkennen ausgebildet haben. Man betrachtet es als einen besonderen Schicksalsfall, was einem da passiert; was einem passiert insofern, dass man sich sagt — und dieses Sich-Sagen ist von einer ungeheuren Tragik im inneren Leben, ein Ereignis von gar nicht zu schildernder großer Bedeutung —, man sagt sich zuletzt: Indem du dieses erlebst im Erkennen, wie du aufgewacht bist ins schauende Bewusstsein hinein, so bedeutet das für dich ein Ereignis, wichtiger als alle anderen Schicksalsereignisse, die du als noch so schwere, bedeutungsvolle Schicksalsereignisse in dein Leben hast hereinspielen sehen.

[ 51 ] Wenn wir wirklich als Geistesforscher das erleben, wie ich es geschildert habe, und dieses Erleben bis zu einem gewissen Punkte gebracht haben, dann wird das, was wir da innerlich erleben, dieses Brückenbauen zum Geiste hin, das wird noch zu einem ganz besonderen inneren Erlebnisse führen. Schreitet man so weiter auf der Bahn des Brückenbauens von der Seele zum Geiste, dann stellt sich etwas ein in dem seelischen Erleben, das zunächst ein einzigartiges inneres Erlebnis sein kann. Es wird nämlich die Erkenntnis, die man sich auf diese Weise erwirbt, selber zum Schicksal. Man betrachtet es als etwas Besonderes, das in unser Schicksal hineinschlägt, und das wir jetzt selbst herbeigeführt haben, indem wir unser Erkennen ausgebildet haben. Man betrachtet es als einen besonderen Schicksalsfall, was einem da passiert; was einem passiert insofern, dass man sich sagt — und dieses Sich-Sagen ist von einer ungeheuren Tragik im inneren Leben, ein Ereignis von gar nicht zu schildernder großer Bedeutung —, man sagt sich zuletzt: Indem du dieses erlebst im Erkennen, wie du aufgewacht bist ins schauende Bewusstsein hinein, so bedeutet das für dich ein Ereignis, wichtiger als alle anderen Schicksalsereignisse, die du als noch so schwere, bedeutungsvolle Schicksalsereignisse in dein Leben hast hereinspielen sehen.

[ 52 ] Zu diesem Punkte gelangt man, gerade wenn man alle diese Erlebnisse in innerer Gesundung durchlebt. Die Erkenntnis wird zu einem solchen Schicksal, dass man sich sagt, man braucht wahrhaftig nicht stumpf zu werden gegen die anderen Schicksalsschläge und Ereignisse, aber die innere Umwandlung, die man bei dem Erwachen zum schauenden Bewusstsein durchgemacht hat, die schlägt stärker ein in das Leben, als selbst die erschütterndsten anderen Erlebnisse. Da erlebt man Schicksal, Schicksal im unmittelbaren Bewusstsein. Erlebt man das ganz Schwerwiegende seiner inneren Erfahrungen, dann ist man angelangt dabei, dass das Bewusstsein auch aufgewacht ist für die Beantwortung der anderen Schicksalsfragen. Denn man kann ja dann die Schicksalsfragen unmittelbar überschauen. Man hat etwas, was, so wie ich es geschildert habe, einschlägt in das Schicksal, selber herbeigeführt. Und dieses, das führt einen nun weiter, das ist der Impuls, der einen weiterführt zu der Anschauung im schauenden Bewusstsein, wie das unsterbliche Geistige im Menschen, das durch Geburt und Tod geht, so wirkt, dass aus derjenigen Individualität, die nur verdunkelt wird durch das Leiblich-Seelische, aus der Individualität heraus sich das Schicksal bildet aus der geistigen Welt heraus.

[ 52 ] Zu diesem Punkte gelangt man, gerade wenn man alle diese Erlebnisse in innerer Gesundung durchlebt. Die Erkenntnis wird zu einem solchen Schicksal, dass man sich sagt, man braucht wahrhaftig nicht stumpf zu werden gegen die anderen Schicksalsschläge und Ereignisse, aber die innere Umwandlung, die man bei dem Erwachen zum schauenden Bewusstsein durchgemacht hat, die schlägt stärker ein in das Leben, als selbst die erschütterndsten anderen Erlebnisse. Da erlebt man Schicksal, Schicksal im unmittelbaren Bewusstsein. Erlebt man das ganz Schwerwiegende seiner inneren Erfahrungen, dann ist man angelangt dabei, dass das Bewusstsein auch aufgewacht ist für die Beantwortung der anderen Schicksalsfragen. Denn man kann ja dann die Schicksalsfragen unmittelbar überschauen. Man hat etwas, was, so wie ich es geschildert habe, einschlägt in das Schicksal, selber herbeigeführt. Und dieses, das führt einen nun weiter, das ist der Impuls, der einen weiterführt zu der Anschauung im schauenden Bewusstsein, wie das unsterbliche Geistige im Menschen, das durch Geburt und Tod geht, so wirkt, dass aus derjenigen Individualität, die nur verdunkelt wird durch das Leiblich-Seelische, aus der Individualität heraus sich das Schicksal bildet aus der geistigen Welt heraus.

[ 53 ] Hat man die Schicksalsfragen an einem Punkte, wie ich es geschildert habe, angefasst, hat man das Schicksal erkannt als dasjenige, was das eigene Selbst herbeigeführt hat, dann erweitert sich einem über Geburt und Tod hinaus die Anschauung über das Schicksal. Das, was sonst in den Schicksalsereignissen vorgeht, wird wie ein Traum, der beleuchtet wird aus der geistigen Welt heraus. Sieht man dasjenige, was im menschlichen Lebenslauf sich abspielt, in gewöhnlicher Weise an, so betrachtet man es so, dass man in Bezug auf das, was der Mensch innerlich ist, innerlich erleben kann, was er an Fähigkeiten und Impulsen entwickeln kann, was ja mit seinem Schicksal zusammenhängt, denn wer die eine Fähigkeit hat, wird zu dem Schicksal, der andere zu einem anderen Schicksal getrieben, das betrachtet man als Ergebnisse desjenigen, was man ererbt.

[ 53 ] Hat man die Schicksalsfragen an einem Punkte, wie ich es geschildert habe, angefasst, hat man das Schicksal erkannt als dasjenige, was das eigene Selbst herbeigeführt hat, dann erweitert sich einem über Geburt und Tod hinaus die Anschauung über das Schicksal. Das, was sonst in den Schicksalsereignissen vorgeht, wird wie ein Traum, der beleuchtet wird aus der geistigen Welt heraus. Sieht man dasjenige, was im menschlichen Lebenslauf sich abspielt, in gewöhnlicher Weise an, so betrachtet man es so, dass man in Bezug auf das, was der Mensch innerlich ist, innerlich erleben kann, was er an Fähigkeiten und Impulsen entwickeln kann, was ja mit seinem Schicksal zusammenhängt, denn wer die eine Fähigkeit hat, wird zu dem Schicksal, der andere zu einem anderen Schicksal getrieben, das betrachtet man als Ergebnisse desjenigen, was man ererbt.

[ 54 ] Gewiss, es können die Leute kommen und sagen: Wie schöne Ergebnisse hat die Naturwissenschaft gebracht! Ich verkenne sie nicht! Diese Ergebnisse werden nicht verkannt von der Geisteswissenschaft, sie werden im Gegenteil noch von einer anderen Seite beleuchtet. Dasjenige, was hier physisch-irdisch ist, das ist ja nur die Ausgestaltung des Geistigen. Und der Geist ist nicht in einem Wolkenkuckucksheim, sondern überall um uns. Wir sind mit dem Geistig-Seelischen in unvergänglicher Weise im Geistigen drinnen. Aber nicht nur das, was sich zwischen Geburt und Tod abspielt, hängt mit dem Geiste zusammen. Um zu zeigen, wie das, was sich zwischen Geburt und Tod abspielt, sich vererbt, beruft man sich sehr häufig auf das Folgende. Man sagt — und in dieser Beziehung sind wirklich sehr schöne Untersuchungen gepflogen worden —, man sagt, wenn man einen Menschen betrachtet, so kann man seine Fähigkeiten auch bei Vater und Mutter oder bei Großeltern und so weiter beobachten.

[ 54 ] Gewiss, es können die Leute kommen und sagen: Wie schöne Ergebnisse hat die Naturwissenschaft gebracht! Ich verkenne sie nicht! Diese Ergebnisse werden nicht verkannt von der Geisteswissenschaft, sie werden im Gegenteil noch von einer anderen Seite beleuchtet. Dasjenige, was hier physisch-irdisch ist, das ist ja nur die Ausgestaltung des Geistigen. Und der Geist ist nicht in einem Wolkenkuckucksheim, sondern überall um uns. Wir sind mit dem Geistig-Seelischen in unvergänglicher Weise im Geistigen drinnen. Aber nicht nur das, was sich zwischen Geburt und Tod abspielt, hängt mit dem Geiste zusammen. Um zu zeigen, wie das, was sich zwischen Geburt und Tod abspielt, sich vererbt, beruft man sich sehr häufig auf das Folgende. Man sagt — und in dieser Beziehung sind wirklich sehr schöne Untersuchungen gepflogen worden —, man sagt, wenn man einen Menschen betrachtet, so kann man seine Fähigkeiten auch bei Vater und Mutter oder bei Großeltern und so weiter beobachten.

[ 55 ] Über Goethe ist ein sehr schönes Buch geschrieben worden, in dem man seine Fähigkeiten durch Vererbung erklären wollte. Es sind schöne Ergebnisse. Man hat aber daraus den Schluss gezogen: Ein großes Genie trägt die Fähigkeiten der Vorfahren an sich. Eine sonderbare Tatsachenlogik ist dieses, denn, dass das Genie in seinen Eigenschaften Anklänge an seine Vorfahren zeigt, das braucht einen ebenso wenig zu verwundern, wie es einen verwundert, dass man nass ist, wenn man ins Wasser gefallen ist. Das weiß man durch Erfahrung. Aber, dass sich das Genie vererbt, das könnte man nur zeigen bei den Nachkommen, und das wird man wohl bleiben lassen, denn da wird einem die Erfahrung ganz andere Resultate liefern. Die Erfahrung also, sie spricht nicht gerade für die Vererbung der geistigen Merkmale, Geisteswissenschaft sieht mit dem schauenden Bewusstsein die Sache anders an. Nicht nur, indem wir ins Dasein treten, ist unser Physisch-Leibliches in jedem Augenblick mit dem Geiste in Zusammenhang, sondern das, was zu unserer Empfängnis führt, was durch unsere Vorfahrenreihen geht, steht auch schon mit der geistigen Welt in Beziehung. Unser Ich ist in der geistigen Welt drinnen, wenn der Großvater, der Urgroßvater in ihr leben; und wie das Physisch-Leibliche zusammen wirkt mit dem Physisch-Leiblichen unserer Vorfahren zwischen Geburt und Tod, so wirkt unser Geistig-Seelisches lange bevor in denjenigen physischen Vorgängen, in dem, was sich abspielt, wenn zusammengeführt werden unsere Ahnen. Darin wirkt es.

[ 55 ] Über Goethe ist ein sehr schönes Buch geschrieben worden, in dem man seine Fähigkeiten durch Vererbung erklären wollte. Es sind schöne Ergebnisse. Man hat aber daraus den Schluss gezogen: Ein großes Genie trägt die Fähigkeiten der Vorfahren an sich. Eine sonderbare Tatsachenlogik ist dieses, denn, dass das Genie in seinen Eigenschaften Anklänge an seine Vorfahren zeigt, das braucht einen ebenso wenig zu verwundern, wie es einen verwundert, dass man nass ist, wenn man ins Wasser gefallen ist. Das weiß man durch Erfahrung. Aber, dass sich das Genie vererbt, das könnte man nur zeigen bei den Nachkommen, und das wird man wohl bleiben lassen, denn da wird einem die Erfahrung ganz andere Resultate liefern. Die Erfahrung also, sie spricht nicht gerade für die Vererbung der geistigen Merkmale, Geisteswissenschaft sieht mit dem schauenden Bewusstsein die Sache anders an. Nicht nur, indem wir ins Dasein treten, ist unser Physisch-Leibliches in jedem Augenblick mit dem Geiste in Zusammenhang, sondern das, was zu unserer Empfängnis führt, was durch unsere Vorfahrenreihen geht, steht auch schon mit der geistigen Welt in Beziehung. Unser Ich ist in der geistigen Welt drinnen, wenn der Großvater, der Urgroßvater in ihr leben; und wie das Physisch-Leibliche zusammen wirkt mit dem Physisch-Leiblichen unserer Vorfahren zwischen Geburt und Tod, so wirkt unser Geistig-Seelisches lange bevor in denjenigen physischen Vorgängen, in dem, was sich abspielt, wenn zusammengeführt werden unsere Ahnen. Darin wirkt es.

[ 56 ] Und so wie das Seelische hervorruft das, was ich morgen denken werde, weil es zusammenhängt mit den Vorgängen von heute, so erben wir nicht nur die Merkmale der Vorfahren, sondern die Vorfahren bekommen die Merkmale durch uns selbst. Hinzuschauen, wie wenn man aus dem Traume erwacht und auf die äußere Welt hinschaut, hinzuschauen auf die Welt, aus der heraus wir unser inneres Schicksal mitbringen, indem wir in die Vererbung einfließen lassen unsere Kräfte, hinzuschauen auf dieses innere Schicksal, dazu gelangen wir dadurch, dass wir das Denken emanzipieren. Und haben wir dazu das andere erreicht, dass wir die Erkenntnis selber als Schicksal erfahren haben, dann wird uns klar, dass in unserm inneren Schicksal dasjenige lebt, was wir aus der geistigen Welt vor der Geburt in die Anlage unserer Vorfahren hinein bestimmten. So bestimmt sich das, was als äußere Ereignisse an uns herantritt, dadurch, dass wir Anziehungskräfte dafür entwickeln, auf die natürlichste Weise der Welt, von den vorhergehenden Erdenleben aus. Wir lernen hinschauen auf die vorigen Erdenleben, indem wir das schauende Bewusstsein erlangen, und werden gewahr das innere Schicksal als Folge des vorhergehenden Erdenlebens. So fügt sich das, was ein Mensch zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt zur Grundlage macht, zu dem, was sich aus der Vererbung entwickelt. Wir wollen die Vererbung nicht aus der Welt schaffen, sondern wir wollen sie beleuchten durch das Geisteslicht aus der geistigen Welt heraus.

[ 56 ] Und so wie das Seelische hervorruft das, was ich morgen denken werde, weil es zusammenhängt mit den Vorgängen von heute, so erben wir nicht nur die Merkmale der Vorfahren, sondern die Vorfahren bekommen die Merkmale durch uns selbst. Hinzuschauen, wie wenn man aus dem Traume erwacht und auf die äußere Welt hinschaut, hinzuschauen auf die Welt, aus der heraus wir unser inneres Schicksal mitbringen, indem wir in die Vererbung einfließen lassen unsere Kräfte, hinzuschauen auf dieses innere Schicksal, dazu gelangen wir dadurch, dass wir das Denken emanzipieren. Und haben wir dazu das andere erreicht, dass wir die Erkenntnis selber als Schicksal erfahren haben, dann wird uns klar, dass in unserm inneren Schicksal dasjenige lebt, was wir aus der geistigen Welt vor der Geburt in die Anlage unserer Vorfahren hinein bestimmten. So bestimmt sich das, was als äußere Ereignisse an uns herantritt, dadurch, dass wir Anziehungskräfte dafür entwickeln, auf die natürlichste Weise der Welt, von den vorhergehenden Erdenleben aus. Wir lernen hinschauen auf die vorigen Erdenleben, indem wir das schauende Bewusstsein erlangen, und werden gewahr das innere Schicksal als Folge des vorhergehenden Erdenlebens. So fügt sich das, was ein Mensch zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt zur Grundlage macht, zu dem, was sich aus der Vererbung entwickelt. Wir wollen die Vererbung nicht aus der Welt schaffen, sondern wir wollen sie beleuchten durch das Geisteslicht aus der geistigen Welt heraus.

[ 57 ] So sehen wir, wenn wir unsere Ich-Individualität auszudehnen vermögen über Geburt und Tod hinaus in die Zeiten der wiederholten Erdenleben, in die Zeiten zwischen dem Tod und einer neunen Geburt. Dann erkennen wir, ebenso wie wir aus dem Traume erwachend die äußere physische Welt als Ursache des Traumes erkennen, dann erkennen wir die geistige Welt als dasjenige, was nun im Werdegang der Verursachungen eingreift, und was ebenso, wie die Außenwelt den Traum aus dem Chaos erklärlich macht, erklärlich macht unser Schicksal und Ordnung in unser Schicksal bringt. Wir nehmen unser Schicksal nicht nur mit Leid und Freude hin, sondern wir lernen es verstehen, sodass wir wissen: In der über das persönliche Erleben hinausgedehnten Individualität liegen die Bestimmungsgründe für unser Schicksal, das aus der geistigen Welt uns erfließt.

[ 57 ] So sehen wir, wenn wir unsere Ich-Individualität auszudehnen vermögen über Geburt und Tod hinaus in die Zeiten der wiederholten Erdenleben, in die Zeiten zwischen dem Tod und einer neunen Geburt. Dann erkennen wir, ebenso wie wir aus dem Traume erwachend die äußere physische Welt als Ursache des Traumes erkennen, dann erkennen wir die geistige Welt als dasjenige, was nun im Werdegang der Verursachungen eingreift, und was ebenso, wie die Außenwelt den Traum aus dem Chaos erklärlich macht, erklärlich macht unser Schicksal und Ordnung in unser Schicksal bringt. Wir nehmen unser Schicksal nicht nur mit Leid und Freude hin, sondern wir lernen es verstehen, sodass wir wissen: In der über das persönliche Erleben hinausgedehnten Individualität liegen die Bestimmungsgründe für unser Schicksal, das aus der geistigen Welt uns erfließt.

[ 58 ] So sehen wir, wie das Aufwachen zum schauenden Bewusstsein das Denken hinausführt, aber auch Fühlen und Wollen hinausführt zu einem schauenden Bewusstsein. Das Schicksal des gewöhnlichen Lebens stellt sich uns dar wie ein Traum, der geträumt wird, aus einer höheren Wirklichkeit heraus, die ihm Sinn und Bedeutung gibt. Daher begreifen wir es, dass gerade ein tiefer schürfender Denker, der heran bis an die Grenze desjenigen geht, was beim Stehenbleiben an der gewöhnlichen Wirklichkeit erreicht werden kann, in diesen Gedanken, die in Anlehnung an die gewöhnliche Wirklichkeit entstehen, zu Widersprüchen kommt. Gerade die Kühnheit eines solchen Denkers, wie Friedrich Theodor Vischer, führt ihn dazu, zu sagen: Die Einheit des Seelischen ist nicht im Leibe, aber sie kann aber auch nicht anders sein als im Leibe.

[ 58 ] So sehen wir, wie das Aufwachen zum schauenden Bewusstsein das Denken hinausführt, aber auch Fühlen und Wollen hinausführt zu einem schauenden Bewusstsein. Das Schicksal des gewöhnlichen Lebens stellt sich uns dar wie ein Traum, der geträumt wird, aus einer höheren Wirklichkeit heraus, die ihm Sinn und Bedeutung gibt. Daher begreifen wir es, dass gerade ein tiefer schürfender Denker, der heran bis an die Grenze desjenigen geht, was beim Stehenbleiben an der gewöhnlichen Wirklichkeit erreicht werden kann, in diesen Gedanken, die in Anlehnung an die gewöhnliche Wirklichkeit entstehen, zu Widersprüchen kommt. Gerade die Kühnheit eines solchen Denkers, wie Friedrich Theodor Vischer, führt ihn dazu, zu sagen: Die Einheit des Seelischen ist nicht im Leibe, aber sie kann aber auch nicht anders sein als im Leibe.

[ 59 ] Sie sehen, das gewöhnliche Denken führt zum Widerspruch. Dieser Widerspruch löst sich erst auf im schauenden Bewusstsein. Wenn man erkennen kann, dass im gewöhnlichen Leben [Lücke] das Geistige nicht drinnen liegt, sondern man muss das /Lücke.] In dem Paradoxon liegt das Bedürfnis bei Vischer, hineinzuschauen in etwas, was das gewöhnliche Bewusstsein nimmermehr lösen kann. Das ist auch, und jetzt für das geistige Gebiet, ein Übergehen von einem vorkopernikanischen zu einem kopernikanischen Standpunkte.

[ 59 ] Sie sehen, das gewöhnliche Denken führt zum Widerspruch. Dieser Widerspruch löst sich erst auf im schauenden Bewusstsein. Wenn man erkennen kann, dass im gewöhnlichen Leben [Lücke] das Geistige nicht drinnen liegt, sondern man muss das /Lücke.] In dem Paradoxon liegt das Bedürfnis bei Vischer, hineinzuschauen in etwas, was das gewöhnliche Bewusstsein nimmermehr lösen kann. Das ist auch, und jetzt für das geistige Gebiet, ein Übergehen von einem vorkopernikanischen zu einem kopernikanischen Standpunkte.

[ 60 ] Die besten Menschen des neunzehnten Jahrhunderts haben die Notwendigkeit empfunden, und mit einem Hinweise auf einen der besten Menschen aus dem neunzehnten Jahrhundert lassen Sie mich die heutige Darstellung schließen, die aber von einer anderen Seite her übermorgen beleuchtet werden soll in einem Vortrage über das Thema «Menschenseele und Menschenleib in Natur und Geisterkenntnis».

[ 60 ] Die besten Menschen des neunzehnten Jahrhunderts haben die Notwendigkeit empfunden, und mit einem Hinweise auf einen der besten Menschen aus dem neunzehnten Jahrhundert lassen Sie mich die heutige Darstellung schließen, die aber von einer anderen Seite her übermorgen beleuchtet werden soll in einem Vortrage über das Thema «Menschenseele und Menschenleib in Natur und Geisterkenntnis».

[ 61 ] Mit einem Hinweise auf einen großen, sympathischen Denker lassen Sie mich die heutige Betrachtung abschließen. Ich meine Gustav Theodor Fechner. Er war einer derjenigen Denker des neunzehnten Jahrhunderts, welche es wirklich dahin gebracht haben, zu empfinden, wie gerade die großen, glänzenden Fortschritte der Naturwissenschaft nicht geeignet sind, gerade wenn man sie in ihrer vollen Tragweite überschaut, die tiefsten Seelenrätsel zu lösen, sondern eigentlich diese Seelenrätsel erst aufzurollen. Das ist gerade das Geheimnis gegenüber der bedeutungsvollen Naturwissenschaft unserer Zeit, dass sie uns nicht die seelischen Rätsel löst, dass sie uns nicht zur Lösung der Rätsel der Seelenunsterblichkeit und des Schicksalsrätsels führt, wie es heute gezeigt wurde, indem wir auf die Wege der Geisteswissenschaft hingewiesen haben, sondern dass sie uns schulen kann im Denken, dass sie uns Anregung geben kann, die Fragen aufwerfen kann in der entsprechenden Weise. Wenn sie aber es unternehmen wollte, auf diese Fragen Antworten zu geben, dann kommt das zustande, was für einen so sinnigen Denker wie Gustav Theodor Fechner zustande gekommen ist. Er konnte durchschauen, dass irgendetwas kommen muss, was zur Geisterkenntnis führt. Er konnte selber nicht durchdringen zum schauenden Bewusstsein, es war noch nicht an der Zeit, als er lebte. Aber ihm erschien die Art, wie die Naturwissenschaft zum Geiste sich stellt so, dass er diese Stellung als die Nachtansicht bezeichnet, die Nachtansicht der Weltanschauung, und dass er lechzt nach dem, was hereindringt in diese Nachtanschauung als das schauende Bewusstsein, wie das Tagwachen in das Traumleben hereindringt, wie die Tagansicht gegenüber der Nachtansicht. So kam es, dass Fechner, obwohl er nur vor dem Tore der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft stand und durch das Tor nicht gehen konnte, doch schöne Worte gesprochen hat über den Gang des menschlichen Geisteslebens in die Zukunft hinein, der da führen soll von der Nachtansicht zur Tagansicht, die in den Geist hineinführen will in derselben Sicherheit, wie Naturwissenschaft von der Seele in das körperliche Leben eindringt. Da spricht Fechner die schönen Worte:

[ 61 ] Mit einem Hinweise auf einen großen, sympathischen Denker lassen Sie mich die heutige Betrachtung abschließen. Ich meine Gustav Theodor Fechner. Er war einer derjenigen Denker des neunzehnten Jahrhunderts, welche es wirklich dahin gebracht haben, zu empfinden, wie gerade die großen, glänzenden Fortschritte der Naturwissenschaft nicht geeignet sind, gerade wenn man sie in ihrer vollen Tragweite überschaut, die tiefsten Seelenrätsel zu lösen, sondern eigentlich diese Seelenrätsel erst aufzurollen. Das ist gerade das Geheimnis gegenüber der bedeutungsvollen Naturwissenschaft unserer Zeit, dass sie uns nicht die seelischen Rätsel löst, dass sie uns nicht zur Lösung der Rätsel der Seelenunsterblichkeit und des Schicksalsrätsels führt, wie es heute gezeigt wurde, indem wir auf die Wege der Geisteswissenschaft hingewiesen haben, sondern dass sie uns schulen kann im Denken, dass sie uns Anregung geben kann, die Fragen aufwerfen kann in der entsprechenden Weise. Wenn sie aber es unternehmen wollte, auf diese Fragen Antworten zu geben, dann kommt das zustande, was für einen so sinnigen Denker wie Gustav Theodor Fechner zustande gekommen ist. Er konnte durchschauen, dass irgendetwas kommen muss, was zur Geisterkenntnis führt. Er konnte selber nicht durchdringen zum schauenden Bewusstsein, es war noch nicht an der Zeit, als er lebte. Aber ihm erschien die Art, wie die Naturwissenschaft zum Geiste sich stellt so, dass er diese Stellung als die Nachtansicht bezeichnet, die Nachtansicht der Weltanschauung, und dass er lechzt nach dem, was hereindringt in diese Nachtanschauung als das schauende Bewusstsein, wie das Tagwachen in das Traumleben hereindringt, wie die Tagansicht gegenüber der Nachtansicht. So kam es, dass Fechner, obwohl er nur vor dem Tore der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft stand und durch das Tor nicht gehen konnte, doch schöne Worte gesprochen hat über den Gang des menschlichen Geisteslebens in die Zukunft hinein, der da führen soll von der Nachtansicht zur Tagansicht, die in den Geist hineinführen will in derselben Sicherheit, wie Naturwissenschaft von der Seele in das körperliche Leben eindringt. Da spricht Fechner die schönen Worte:

In der Tat ist mein Glaube, [dass, so sicher als auf die Nacht der Tag, auf jene Nachtansicht der Welt dereinst eine Tagesansicht folgen wird, die, statt sich in Widerspruch mit der natürlichen Ansicht der Dinge zu stellen, vielmehr damit unterbauen und darin den Grund zu einer neuen Entwicklung finden wird. Denn, schwindet jene Illusion, welche den Tag in Nacht verkehrt, so wird natürlicherweise alles Verkehrte, was damit zusammenhängt, und es ist viel, mit schwinden müssen, und die Welt in neuem Zusammenhange, in neuem Lichte, unter neuen] positiven Gesichtspunkten erscheinen.

In der Tat ist mein Glaube, [dass, so sicher als auf die Nacht der Tag, auf jene Nachtansicht der Welt dereinst eine Tagesansicht folgen wird, die, statt sich in Widerspruch mit der natürlichen Ansicht der Dinge zu stellen, vielmehr damit unterbauen und darin den Grund zu einer neuen Entwicklung finden wird. Denn, schwindet jene Illusion, welche den Tag in Nacht verkehrt, so wird natürlicherweise alles Verkehrte, was damit zusammenhängt, und es ist viel, mit schwinden müssen, und die Welt in neuem Zusammenhange, in neuem Lichte, unter neuen] positiven Gesichtspunkten erscheinen.

[ 62 ] Was Gustav Theodor Fechner aus seinem tiefschürfenden Gemüte heraus ersehnt, meine sehr verehrten Anwesenden, Geisteswissenschaft möchte den Anfang dazu machen. Sie möchte mit den noch primitiven Mitteln, mit denen so geforscht werden kann, wie es heute angedeutet worden ist, für diese von Fechner herbeigeschnte Tagansicht den Anfang machen. Denn bewahrheitet muss sein im Gang des menschlichen Geisteslebens dasjenige, was Fechner als seine Überzeugung ausgesprochen hat, was aussprechen kann jeder Geistesforscher gegenüber dem Eindringen in die geistige Welt. Und die Geisteswissenschaft, die das herbeiführen möchte, was in diesen Sehnsuchtsworten ausgesprochen wurde:

[ 62 ] Was Gustav Theodor Fechner aus seinem tiefschürfenden Gemüte heraus ersehnt, meine sehr verehrten Anwesenden, Geisteswissenschaft möchte den Anfang dazu machen. Sie möchte mit den noch primitiven Mitteln, mit denen so geforscht werden kann, wie es heute angedeutet worden ist, für diese von Fechner herbeigeschnte Tagansicht den Anfang machen. Denn bewahrheitet muss sein im Gang des menschlichen Geisteslebens dasjenige, was Fechner als seine Überzeugung ausgesprochen hat, was aussprechen kann jeder Geistesforscher gegenüber dem Eindringen in die geistige Welt. Und die Geisteswissenschaft, die das herbeiführen möchte, was in diesen Sehnsuchtsworten ausgesprochen wurde:

[ 63 ] Nun ist Klarheit das Letzte in diesen Dingen, [das Letzte wird aber auch die Klarheit] sein.

[ 63 ] Nun ist Klarheit das Letzte in diesen Dingen, [das Letzte wird aber auch die Klarheit] sein.

[ 64 ] Zu dieser Klarheit, die nur aus dem Lichte des Geistes herauskommen kann, möchte die Geisteswissenschaft einen Anfang machen auf dem Wege, der immer weiter führen kann, und der zuletzt zu einem Ziele führt, das die tiefsten menschlichen Rätselfragen befriedigend beantworten kann — wenigstens teilweise dazu führen wird.

[ 64 ] Zu dieser Klarheit, die nur aus dem Lichte des Geistes herauskommen kann, möchte die Geisteswissenschaft einen Anfang machen auf dem Wege, der immer weiter führen kann, und der zuletzt zu einem Ziele führt, das die tiefsten menschlichen Rätselfragen befriedigend beantworten kann — wenigstens teilweise dazu führen wird.