On the Astral World and Devachan
GA 88
2 November 1903, Berlin
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On the Astral World and Devachan, tr. SOL
19. Über Frühere Gottesvorstellungen
19. On Earlier Conceptions of God
[ 1 ] Ich möchte heute von gewissen Erscheinungen sprechen, die zusammenhängen mit dem Zustand, der etwa in der Mitte der dritten Runde, der dritten Zeitepoche der Erdenentwicklung, eintritt und in dem die bisher ätherischen, feineren Menschenrassen dichter, stofflicher werden. Es entwickelt sich das Vorstellungsvermögen. In der ersten Wurzelrasse war erst das Empfindungsvermögen ausgebildet; die Menschen konnten empfinden, sie konnten den Unterschied wahrnehmen zwischen kalt und warm, zwischen hell und dunkel, zwischen naß und trocken, aber sie konnten noch nicht sich Dinge vorstellen, sie hatten noch nicht die Möglichkeit, die Gegenstände, die draußen sind, in sich zu wiederholen, das heißt in sich geistige Gegenbilder zu den Gegenständen draußen zu schaffen. Das tritt erst bei der dritten Wurzelrasse ein. Auf der einen Seite sehen wir da heraufkommen das Vorstellungsvermögen und auf der anderen Seite das Grob-Stoffliche, das sich ausdrückt in dem Fortpflanzungsvermögen und in dem Auftreten der Gegensätze des Männlichen und Weiblichen.
[ 1 ] Today I would like to speak about certain phenomena connected with the state that arises around the middle of the third round, the third epoch of Earth’s development, in which the previously ethereal, more subtle human races become denser and more material. The power of imagination develops. In the first root race, only the power of sensation was developed; people could feel, they could perceive the difference between cold and warm, between light and dark, between wet and dry, but they could not yet imagine things; they did not yet have the ability to repeat the objects outside within themselves, that is, to create within themselves spiritual counter-images of the objects outside. This only occurs in the third root race. On the one hand, we see the emergence of the power of imagination, and on the other hand, the gross material, which expresses itself in the power of procreation and in the emergence of the opposites of the masculine and the feminine.
[ 2 ] Diese Entwicklung ist mit noch etwas anderem verknüpft, und zwar mit etwas, das uns ein tieferes Verständnis der Gottesvorstellung geben kann. Es hat in jener Zeit eine Gottesvorstellung noch nicht gegeben; erst von der dritten Wurzelrasse an konnte eine Gottesvorstellung aufdämmern, erst dann konnte ein Gottesbewußtsein entstehen. Wir verstehen das nur, wenn wir den Prozeß, [wie sich die Gottesvorstellung entwickelte,] als einen realen fassen. Wenn wir versuchen zu verstehen, wie die Gottesvorstellungen in der Menschheit begannen Platz zu fassen, so finden wir, daß man zunächst überall eine Religionsform konstatieren kann, die sich unterscheidet von dem Polytheismus und von den anderen Religionsformen. Deshalb wurde dafür ein besonderes Wort geprägt: Henotheismus. Henotheismus war die ursprüngliche Religionsform, die wir in dieser Zeit überall finden. Die Vielgötterei ist erst etwas Späteres. Die ursprüngliche Form der Gottesvorstellung ist die Anbetung und Verehrung einer Urgottheit. Diese Vorstellung unterscheidet sich aber von der späteren Vorstellung eines Einheitsgottes, dem Monotheismus, da sie nicht so bestimmt ausgebildet ist, da sie schwankend ist und verschwimmende Gestalt hat. Es ist eine unbestimmte Gottesvorstellung, die überall auftritt. Klar ausgedrückt müßte ich sagen: Ursprünglich stellten sich die Völker nicht einen Gott vor, sondern ein Göttliches, sie stellten sich vor, daß ein Unbestimmtes dem Weltenall zugrundeliegt, und daß dieses Unbestimmte göttlich ist. Woher und wie kamen die Menschen zu dieser Vorstellung, daß der Urgrund der Welt göttlich ist? Man hat verschiedene Hypothesen aufgestellt und nicht finden können, woher dieser Gedanke kommt. Der Henotheismus, so wie man ihn heute findet bei den sogenannten wilden Völkern, ist nicht die ursprüngliche Form dieser Gottesvorstellung, denn bei diesen Völkern haben wir es nicht mit direkten Nachfahren dieser alten Kulturen zu tun.
[ 2 ] This development is linked to something else as well—something that can give us a deeper understanding of the concept of God. At that time, the concept of God did not yet exist; it was only from the third root race onward that the concept of God began to dawn, and only then could a consciousness of God arise. We can only understand this if we view the process [of how the concept of God developed] as a real one. If we try to understand how concepts of God began to take hold in humanity, we find that initially, everywhere, we can identify a form of religion that differs from polytheism and from other forms of religion. That is why a special term was coined for it: henotheism. Henotheism was the original form of religion that we find everywhere during this period. Polytheism came somewhat later. The original form of the concept of God is the worship and veneration of a primordial deity. However, this concept differs from the later concept of a single God—monotheism—because it is not so clearly defined; it is fluctuating and has a blurred form. It is an indefinite conception of God that appears everywhere. To put it plainly, I would have to say: Originally, the peoples did not imagine a single God, but rather a Divine; they imagined that an indefinite force underlies the universe, and that this indefinite force is divine. Where and how did people arrive at this conception that the foundation of the world is divine? Various hypotheses have been put forward, yet the origin of this idea remains elusive. Henotheism, as found today among so-called “primitive peoples,” is not the original form of this conception of God, for these peoples are not direct descendants of those ancient cultures.
[ 3 ] Gehen wir zu den Lemuriern, so treffen wir auf einen Zeitpunkt, wo der Übergang stattfindet von dem allgemeinen Wirken der kosmischen Weisheit zu dem Wirken von Kama-Manas in der einzelnen Menschenseele. Vorher ist die Weisheit ein universelles Wesen, ein Wesen, das gleichsam über dem Ganzen schwebt als Geist. Es ist noch nicht sehr verschieden von dem Universalgeist, der während der Mondepoche gewirkt hat. Gerade in der lemurischen Zeit geschieht das Einträufeln des Allgeistes in die menschlichen Seelen. Stellen Sie sich das so vor: Vorher sahen die Lemurier den einheitlichen Geist, den sie sich noch nicht vorstellen konnten, außer sich; er schwebte über ihnen. Und in ihrer weiteren Entwicklung finden sie dasselbe in sich, was sie früher außer sich haben wahrnehmen können; sie finden es in sich selbst, in ihrer eigenen Seele widergespiegelt. Vor ihrer Entwicklung zu vorstellenden Wesen war das Schauen der Lemurier ein halb-astrales Schauen; die Einheits-Gottheit sahen sie über sich schwebend. Indem sie jetzt in sich sehen, spiegelt sich das, was sie früher außer sich sahen, in ihrer eigenen Seele. Es ist der Inhalt, der früher draußen war, derselbe, der jetzt in der eigenen Seele aufleuchtet. Die erste Gottesvorstellung ist nichts anderes als eine Wiederholung dieses Prozesses. Die Überreste einer solchen Religion können Sie in der ältesten indischen Religion finden.
[ 3 ] When we turn to the Lemurians, we encounter a point in time when the transition takes place from the general activity of cosmic wisdom to the activity of Kama-Manas within the individual human soul. Before this, wisdom is a universal being, a being that hovers, as it were, over the whole as a spirit. It is not yet very different from the Universal Spirit that was active during the Lunar Epoch. It is precisely during the Lemurian period that the Universal Spirit begins to permeate human souls. Imagine it this way: Before this, the Lemurians saw the unified Spirit—which they could not yet conceive of—outside themselves; it hovered above them. And in their further development, they find within themselves what they had previously perceived outside themselves; they find it reflected in their own souls. Before their development into beings capable of imagination, the Lemurians’ vision was a semi-astral vision; they saw the Unity-Godness hovering above them. Now that they look within themselves, what they once saw outside of themselves is reflected in their own souls. It is the same content that was once outside that now shines within their own souls. The first conception of God is nothing other than a repetition of this process. You can find the remnants of such a religion in the oldest Indian religion.
[ 4 ] Nun gehen wir herüber zu der atlantischen Rasse. Der Lemurier konnte nicht nur sehen, sondern sich auch ein geistiges Gegenbild des Gesehenen schaffen. Es ist etwas anderes, sich ein Bild zu schaffen und dieses Bild dann mit sich herumzutragen. Das Gedächtnis ist erst ausgebildet worden bei der atlantischen Rasse. In der ersten Wurzelrasse wurde das Empfindungsvermögen, in der zweiten das Anschauungsvermögen, in der dritten das Vorstellungsvermögen ausgebildet, und erst die vierte Wurzelrasse konnte die Vorstellungen behalten und hat dadurch das Gedächtnis ausgebildet. Wenn Sie sich das vorhalten, daß bei den Atlantiern vorzugsweise das Gedächtnis ausgebildet wurde, so können Sie sich denken, daß bei ihnen auch die Religion ganz bestimmte Formen annehmen mußte.
[ 4 ] Now let us turn to the Atlantean race. The Lemurian was not only able to see, but also to form a mental image of what he saw. It is one thing to form an image and quite another to carry that image with oneself. Memory was first developed in the Atlantean race. In the first root race, the faculty of sensation was developed; in the second, the faculty of perception; in the third, the faculty of imagination; and it was only the fourth root race that was able to retain these images and thereby developed memory. If you bear in mind that memory was the primary faculty developed among the Atlanteans, you can imagine that religion, too, had to take on very specific forms among them.
[ 5 ] Die lemurische Menschenrasse ging zugrunde, sie ging über in die atlantische Rasse, welche das Gedächtnis entwickelt hat. Mit ihrem vorzüglichen Gedächtnis erinnerten die Atlantier sich an die Bilder, welche sich ihre Vorfahren, die Lemurier, gemacht hatten. Das ist ungefähr so [vorzustellen], wie wenn Sie zum Beispiel im Wassertropfen die Sonne sich spiegeln sehen, aber nicht die Sonne selbst sehen. Daher entwickelten die Atlantier ein zweifaches Bewußtsein: In unseren Vorfahren ergriff das Göttliche Platz; sie waren unsere Ahnen, in deren Seelen Göttliches lebte. - Das war die Zeit, in der man begann, die Ahnen zu verehren; der Ahnenkult trat da auf. Die Ahnen wurden verehrt, weil man das Göttliche in deren Seelen aufblitzen sah. Eine Abart der Ahnenverehrung ist die spätere Heroenverehrung: Theseus, Iason und so weiter; auch das gehört zur Verehrung der Vorfahren. Damit wird aber auch die Vielheit der Götter eingeführt. Wir finden da das Einfließen der wirklichen Geistigkeit in die Menschenseele — Erinnerung, Ausbildung des Gedächtnisses — innerhalb der vierten Menschenrasse, innerhalb der Zeit der Atlantier.
[ 5 ] The Lemurian race perished and gave way to the Atlantean race, which developed the faculty of memory. With their exceptional memory, the Atlanteans recalled the images that their ancestors, the Lemurians, had formed. This is roughly like [imagining] seeing the sun reflected in a drop of water, for example, but not seeing the sun itself. Therefore, the Atlanteans developed a dual consciousness: the Divine took up residence in our ancestors; they were our forebears, in whose souls the Divine lived. - That was the time when people began to venerate their ancestors; the cult of the ancestors emerged then. The ancestors were venerated because one saw the divine flashing in their souls. A variant of ancestor worship is the later hero worship: Theseus, Jason, and so on; this, too, belongs to the veneration of ancestors. But with this, the multiplicity of gods is also introduced. Here we find the inflow of true spirituality into the human soul—memory, the development of memory—within the fourth human race, during the time of the Atlanteans.
[ 6 ] Nun kommen wir zur fünften Menschenrasse. Bei ihr entwickelt sich die Denkkraft. Die Atlantier haben nicht in dem Sinne gerechnet wie wir, denn dazu ist die Denkkraft nötig, die Logizität. Sie wissen, daß 2 x 2 = 4 ist; das wissen Sie, das haben Sie sich durch das Denken erworben. Der Atlantier hatte das noch nicht. Wenn er Zwei hatte und dann noch einmal Zwei, so rechnete er nicht: 2x2 = 4, sondern er sagte: Wie viele waren es in früheren Fällen, wenn die Dinge so nebeneinander gelegen haben? — Die Vorstellungen des Atlantiers waren also an das Gedächtnis gebunden. Vor dem Gedächtnis des Atlantiers lag das ganze Leben und auch das seiner Vorfahren. Das ist nicht zu verwechseln mit der AkashaChronik, sondern es war menschliches Gedächtnis. Früher empfanden die Menschen mit ihrer ganzen Natur; es war nicht wie bei uns heute, wo man zuerst etwas berühren muß. Heute haben wir Denkregeln, zum Beispiel 2 x 2 = 4, und wir richten uns danach.
[ 6 ] Now we come to the fifth human race. In this race, the power of thought develops. The Atlanteans did not calculate in the same way we do, for that requires the power of thought—logic. You know that 2 × 2 = 4; you know that because you have acquired it through thought. The Atlantean did not yet possess this. If he had two and then two more, he did not calculate: 2 × 2 = 4, but rather he asked: How many were there in previous instances when things were arranged side by side like this? — The Atlantean’s concepts were thus bound to memory. Before the Atlantean’s memory lay his entire life and also that of his ancestors. This is not to be confused with the Akashic Records, but rather it was human memory. In the past, people perceived with their whole being; it was not as it is with us today, where one must first touch something. Today we have rules of thought, for example 2 x 2 = 4, and we act in accordance with them.
[ 7 ] Das religiöse Bewußtsein in der fünften Wurzelrasse muß sich herausbilden unter dem Einfluß des Denkens. Der Mensch der fünften Rasse sucht nicht nur, das wahrzunehmen, was um ihn herum ist, er sucht nicht nur zu einem Empfinden zu kommen, sondern er sucht es [gedanklich] zu ergreifen. Ihm wird das Denken ein wichtiges Mittel, um zur Weisheit zu dringen. Damit löst er sich, weil das Gedächtnis übertönt wird, von der Vergangenheit immer mehr und mehr ab. Die Verehrung des Alten verschwindet, und nur das, was tief innerlich in der Seele als Manas lebt und als Manas sich ankündigt, wird dasjenige, an das die Verehrung sich heftet. Daher kommt die fünfte Menschenrasse dahin, das Manas als das Göttliche zu erkennen.
[ 7 ] Religious consciousness in the fifth root race must develop under the influence of thinking. The human being of the fifth race does not merely seek to perceive what is around him; he does not merely seek to arrive at a feeling, but he seeks to grasp it [intellectually]. Thinking becomes an important means for him to attain wisdom. Thus, because memory is overshadowed, he detaches himself more and more from the past. Veneration of the ancient disappears, and only that which lives deep within the soul as Manas and announces itself as Manas becomes the object of veneration. Thus the fifth human race comes to recognize Manas as the Divine.
[ 8 ] Die fünfte Menschenrasse treibt daher auch nicht mehr Polytheismus, sondern sie strebt danach, die Meisterschaft des Innern zu gewinnen und den göttlichen Mittelpunkt des Menschen zu erkennen. Daher haben wir in der fünften Menschenrasse die großen Meister: Laotse, Konfuzius, Buddha, Moses, Zarathustra und so weiter. Dadurch wurde die Menschheit losgelöst von dem Vergangenen und von der Verehrung ihrer Ahnen, [und es beginnt die Verehrung] der in der Zeit sich verwirklichenden göttlichen Weisheit.
[ 8 ] The fifth human race therefore no longer practices polytheism, but strives to attain inner mastery and to recognize the divine center within the human being. That is why we have the great masters in the fifth human race: Laozi, Confucius, Buddha, Moses, Zarathustra, and so on. Through this, humanity was detached from the past and from the veneration of its ancestors, [and the veneration begins] of the divine wisdom that is being realized in time.
[ 9 ] Wenn Sie nun die mythologischen Vorstellungen der Griechen in ihrem tieferen Sinne auffassen, so werden Sie sehen, wie in der Stufenfolge der griechischen Gottheiten merkwürdigerweise ein volles Bewußtsein von der Aufeinanderfolge dieser religiösen Vorstellungen lebt. Wir müssen uns vorstellen, daß die Kraft, die bei den Lemuriern über allem schwebt, die als einheitliche Weisheit im Raume lebt, [von den Griechen] Uranos genannt wird. Uranos wird abgelöst von Kronos, dem Gotte der Zeit, von dem Gotte, der im Gedächtnis lebt; er verschlingt fortwährend seine Kinder. Er repräsentiert die ganze Ahnen-Göttlichkeit. Dann folgt Zeus, der vermenschlichte Gott, der Gott des Heroentums; er ist eine Abart desselben Prinzips. Dann kommt der Kult des Dionysos. Dionysos ist der Strebende, Leidende, Empfindende, der denkende Mensch selbst. Er ist so dargestellt, daß er ursprünglich getötet, zerstückelt wird, dann wieder auferstanden ist und nun wieder in der Welt emporstrebt. Er ist der Repräsentant der Meisterschaft, der Mahatmaschaft, der Repräsentant der Gottesvorstellung der fünften Rasse. So haben sich in der griechischen Vorstellung diese drei Stufen erhalten: Uranos — Henotheismus; Kronos und Zeus Polytheismus; Dionysos — Mahatmaschaft. Das wird Ihnen eine Aufklärung darüber sein, warum die Dionysos-Religion in Griechenland eine Geheimreligion war.
[ 9 ] If you now grasp the deeper meaning of Greek mythology, you will see how, strangely enough, a full awareness of the sequence of these religious concepts lives on in the hierarchy of the Greek deities. We must imagine that the power that hovers over everything among the Lemurians, which lives in space as a unified wisdom, is called Uranos [by the Greeks]. Uranos is succeeded by Kronos, the god of time, the god who lives in memory; he continually devours his children. He represents the entire ancestral divinity. Then comes Zeus, the humanized god, the god of heroism; he is a variation of the same principle. Then comes the cult of Dionysus. Dionysus is the striver, the sufferer, the feeler, the thinking human being himself. He is depicted as having been originally killed and dismembered, then resurrected, and now striving upward again in the world. He is the representative of mastery, of Mahatmaship, the representative of the concept of God of the fifth race. Thus, these three stages have been preserved in the Greek conception: Uranus—henotheism; Cronus and Zeus—polytheism; Dionysus—Mahatmaship. This will serve to explain to you why the Dionysian religion was a secret religion in Greece.
[ 10 ] Die Griechen verbargen diesen Kult in den Mysterien. Aischylos wurde vor Gericht gefordert, weil er Geheimnisse der Mysterien verraten habe, indem er sie auf die Bühne gebracht hat. Er konnte aber nachweisen, daß er gar nicht in die Mysterien eingeweiht war. Sokrates mußte sterben, weil man glaubte, daß seine Lehren aus den Mysterien heraus gegeben waren. Es wurde immer für den Verrat der Mysterien die Todesstrafe verhängt. Wo in der griechischen Mythe von dem Herabsteigen in die Unterwelt gesprochen wird, bedeutet dies immer eine Einweihung; es bedeutet, daß die Betreffenden Mysten waren. Dionysos steigt hinunter in die Unterwelt. Das bedeutet: er war Myste; ebenso Herakles. Jeder Mythos bedeutet etwas ganz Bestimmtes, nicht etwas Willkürliches. Man brauchte nicht zu glauben, sondern man wußte es; man wußte es durch die Einweihung. Die Einweihung brachte den Betreffenden dazu, die Bedeutung des Mythos wirklich anerkennen zu können. Der Eingeweihte der fünften Wurzelrasse ist voll ausgefüllt von der Anschauung, daß in ihm das fünfte Menschheitsprinzip sich zum Dasein ringt, daß er Träger des Menschentums der fünften Wurzelrasse ist. Dadurch kommt er auch zur Anerkennung des Mahatmatums.
[ 10 ] The Greeks kept this cult hidden within the Mysteries. Aeschylus was brought to trial for allegedly betraying the secrets of the Mysteries by bringing them to the stage. However, he was able to prove that he had never been initiated into the Mysteries. Socrates had to die because it was believed that his teachings were derived from the Mysteries. The death penalty was always imposed for betraying the Mysteries. Whenever Greek mythology speaks of a descent into the underworld, this always signifies an initiation; it means that the individuals in question were mystes. Dionysus descends into the underworld. This means: he was a mystic; so was Heracles. Every myth signifies something very specific, not something arbitrary. One did not need to believe, but one knew it; one knew it through initiation. Initiation enabled the individual to truly recognize the meaning of the myth. The initiate of the fifth root race is fully imbued with the conviction that within him the fifth human principle is struggling into being, that he is the bearer of the humanity of the fifth root race. Through this, he also comes to recognize the Mahatmatum.
[ 11 ] Je tiefer man die Dinge betrachtet, desto mehr kommt man auf den inneren Fortgang der geistigen Menschheitsentwicklung. Jetzt wird es nicht mehr so unbegreiflich erscheinen, wenn ich oft von Geheimnissen gesprochen habe. Sie sehen ja, die Theosophie ist nichts anderes als ein fortwährendes Enthüllen geheimer Weltenzusammenhänge. Diejenigen Geheimnisse, welche die Theosophie heute enthüllen kann, sind noch ganz elementar. Sie sind aber etwas, was den Menschen schon tief hineinstellt in einen großen Zusammenhang, der ihm das Dasein auf der einen Seite klein erscheinen läßt wie eine kleine Perle in einer großen Muschel, aber auf der anderen Seite groß, wenn er auf das höhere Selbst reflektiert und sich seine Inkarnationen wie die Gesamtheit der Perlen vorstellt. Die Theosophie macht uns nicht klein, wie die moderne Naturwissenschaft uns klein machen will, die da sagt: Im ganzen Universum sind Millionen von Erden, die alle bewohnt sind, und von diesen ist unsere Erde ein Staubkorn. — Auch die Theosophie sagt, der Mensch ist ein solches Staubkorn, aber in dem Menschen lebt auch das Göttliche. Dieser göttliche Funke, den wir im Mittelpunkt unseres Bewußitseins finden, ist nicht in uns entstanden, sondern er ist von außen in uns hereingezogen; er ist dasselbe, was draußen im Makrokosmos lebt.
[ 11 ] The deeper one looks into things, the more one comes to understand the inner progress of humanity’s spiritual development. Now it will no longer seem so incomprehensible that I have often spoken of mysteries. You see, theosophy is nothing other than a continuous unveiling of the secret interconnections of the world. The mysteries that Theosophy can reveal today are still quite elementary. Yet they are something that places humanity deeply within a vast context, which makes existence seem small on the one hand—like a tiny pearl in a large shell—but on the other hand vast, when one reflects on the higher Self and imagines one’s incarnations as the totality of pearls. Theosophy does not make us feel small, as modern science seeks to do, which says: In the entire universe there are millions of Earths, all of which are inhabited, and of these, our Earth is a speck of dust. — Theosophy also says that man is such a speck of dust, but the Divine also lives within man. This divine spark, which we find at the center of our consciousness, did not arise within us, but was drawn into us from without; it is the same as that which lives out there in the macrocosm.
[ 12 ] Es ist keine besondere Weisheit, zu der Feuerbach gekommen ist, [wenn er meint]: Die Alten hatten unrecht, wenn sie sagten, die Gottheit habe den Menschen nach ihrem Ebenbilde geschaffen, denn der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde. — Ganz richtig, der Mensch schafft die Gottheit wieder aus sich heraus. Aber: das ist die Gottheit, die das schafft. So dürfen wir sagen: Feuerbach hat recht, nur daß er sich nicht selbst recht gibt. Was ich Ihnen immer wieder sagte: Gedankenkontrolle ist das, was nötig ist. Und Gedankenkontrolle besteht nicht nur darin, daß ein Gedanke klar ist, sondern daß jeder Gedanke einen Kontrollgedanken hat. Man sollte nie einen Gedanken denken oder aussprechen, ohne den dazugehörigen Kontrollgedanken anzuwenden. Der Mensch wirkt Wunder, wenn er sich nicht gestattet, nur einseitige Gedanken zu fassen.
[ 12 ] It is no great insight that Feuerbach has arrived at [when he says]: The ancients were wrong when they said that the deity created man in its own image, for man created God in his own image. — Quite right, man creates the deity anew out of himself. But: it is the deity that creates this. So we may say: Feuerbach is right, only that he does not give himself the credit. What I have told you time and again: thought control is what is necessary. And thought control consists not only in a thought being clear, but in every thought having a controlling thought. One should never think or utter a thought without applying the corresponding control thought. Man works wonders when he does not allow himself to entertain only one-sided thoughts.
