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The Rudolf Steiner Archive

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Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a

15 Dezember 1903, Berlin

7. Über die Entstehung der Planetensysteme

[ 1 ] Zuerst die rein physische Theorie, die gewöhnlich in unseren Schulen entwickelt wird. Man nimmt an nach Kant-Laplace’scher Theorie, dass an der Stelle, wo heute unser Sonnensystem ist, einst ein dünner, gasförmiger Nebel war, ähnlich wie die Masse des Orionnebels, sodass die gesamten Planeten wie Jupiter, Saturn, Mars, Venus, Erde - in Analogie - wie einfache Fettkügelchen waren, wie Fettkügelchen, die auf dem Wasser schwimmen.

[ 2 ] [Dr. Steiner nimmt ein Kartenblatt, das in seinem Durchmesser so groß ist wie ein Fettkügelchen, schiebt es durch das Fettkügelchen, das dann in zwei Teile geteilt ist. Dann steckt er eine Nadel als Achse durch, stellt es ins Wasser und bringt es in Rotation. Es wird eine Linse, und dann spalten sich Fettkügelchen ab, die sich um den ursprünglichen Tropfen weiterbewegen.]

[ 3 ] Kepler hat die Kreisbewegung durch die Ellipse ersetzt. Alle physischen Theorien sind auf Analogien aufgebaut. Andere Beweise gibt es nicht. Solange wir innerhalb der physischen Masse bleiben, solange können wir durchaus den Vorgang, den wir beschrieben haben, ins Große übertragen und ihn annehmen. Wenn jemand sich damals außerhalb der Entstehung hingesetzt hätte, um die Entstehung zu beobachten, der hätte nichts anderes gesehen.

[ 4 ] Setzen Sie aber den Fall, dass irgendetwas, was dem physischen Auge nicht sichtbar wäre, im Vorangegangenen und Nachfolgenden sichtbar würde für den, der anfängt hellzuschen, der könnte sagen: Jetzt ist etwas vorhanden, in dem Augenblicke, in dem sich das Astrale zu dem Physischen verdichtet. Das Vorhergehende lässt er vollständig unberücksichtigt. Und das ist das Geheimnis, dass alles Übrige ausgeschaltet wird und nur das Physische dableibt. Eine solche physische Darstellung ist nicht zu bekämpfen. Sie ist eine Teilwahrheit. Niemals hätte der Kant’sche Urnebel da sein können, wenn er nicht aus etwas anderem sich verdichtet hätte. Können Sie sich vorstellen, dass sich aus einer Gas-Masse organische Keime absondern? Daraus können Sie ja ersehen, dass innerhalb dessen, was Kant beschreibt, noch etwas vorhanden gewesen sein muss, das Kant nicht beschreibt. Wenn wir die Zustände unserer Erde zurückverfolgen: Heute ist sie fest, vorher war sie flüssig, noch vorher hatte sie gasförmige Gestalt. Bevor sie aber die gasförmige Gestalt angenommen hat, war sie eine astrale Kugel.

[ 5 ] Und das kann die physische Theorie nicht beschreiben. Den Raum, wo jetzt die Erde ist, müssen Sie sich mit Astralmaterie ausgefüllt denken. Kama wird in einem Zeitpunkte geschieden in zwei Pole. Der eine Gegensatz ist das Physisch-Materielle, der andere das Kamisch-Manasische. Nun sieht er gleichsam aus dem Nichts hervorkommen das Materielle.

[ 6 ] Das Kama-Manasische kann er nicht erkennen. Das bildet den Menschen, und der Mensch bildet die Tiere als Seitenzweige. Der astralen Erde muss etwas anderes vorangehen. Dieser geht eine mentale Erde voran, die rupisch-mentale Erde. Aber als die rupisch-mentale Erde entstand, da entstand gleichzeitig die rupisch-mentale Sonne, Venus und so weiter, das ganze Planetensystem. Alle Planeten wurden gleichzeitig rupisch-mental. Das Ursprüngliche war die Sonne. Die erste Teilung, die entsteht, ist aus dem Arupischen heraus entwickelt. Es vollzieht sich die Absonderung der Planeten so, dass dies ein rein gedanklicher Vorgang ist. Die Dhyan-Chohans sind die mentalen Geister der Planeten.

[ 7 ] Betrachten wir den Jupiter. Aus der arupischen Mentalsonne ist der rupische Mental-Merkur geworden und so weiter. Alle Vorgänge, die sich auf das Planetensystem beziehen, haben wir als rupischmental. Alles, was in den einzelnen Planeten hineingeht, das ist astral. Das Astral-Irdische hat also nichts zu tun mit irgendeinem anderen Planeten. Dagegen haben wir die rupisch-mentale Sphäre mit allen anderen Planeten gemeinschaftlich. Die kamischen Wesenheiten sind solche, die nur unserem physischen Dasein angehören. Der auf dem Stuhle sitzende Beobachter könnte die Körper erst dann aufglänzen sehen, wenn sie ins Physisch-Materielle eingegangen sind. Ein Christ, der sich Gott als Mann mit langem Bart vorstellt, ist spirituell abergläubisch. Wer an die Kant-Laplace’sche Theorie glaubt, den nennen wir materialistisch abergläubisch.

[ 8 ] Wenn wir die lunarische Epoche verfolgen, so haben wir es zu tun mit einem physischen Mond. Der wird astral. Nehmen wir die Erde. Sie war zuerst arupisch, dann rupisch, dann mental, astral, physisch, dann wieder astral, rupisch, arupisch. Dies haben wir schon durchgemacht.

[ 9 ] Es ist die Pitri-Natur astral und so weiter. In dem astralen Zustande würden wir niemals den Übergang finden können von dem einen Planeten zum anderen. Nur wenn wir uns bis zum Mentalen erheben und da wiederum das Rupisch-Mentale erreichen, das noch demselben Planeten angehört, und bis zum Formlosen kommen, nur dann können wir in das Pralaya hinübergehen und in einen anderen Planeten steigen. Wir müssen die arupische Stufe erreichen, um von einem Planeten zum anderen gehen zu können.

[ 10 ] Den Vorgang, wie sich die Erde aus dem Monde herausgebildet hat, will ich jetzt schildern. In den heutigen Physikbüchern wird der Vorgang sehr roh geschildert. Die Verhältnisse werden da so ähnlich geschildert denjenigen auf unserer Erde. Unsere Erde macht in 24 Stunden einen Umkreis. Der Mond vollendet dasselbe in 29 Tagen. Das ist ein Mondmonat. Er kreist einmal um die Achse. Sein Tag dauert die Hälfte von 29 Tagen = 14¾ Tage Tag und 14¾ Tage Nacht. Wenn die Sonne so lange scheint, wird eine solche Wärme entwickelt, dass das Blei, wenn es auf dem Monde vorhanden ist, mittags vollständig schmelzen würde und auf dem Monde fließen würde. Blei könnte niemals einen Tag festbleiben. Die anderen Metalle würden alle Wasser sein. Und wenn wir die Nacht betrachten, so würde es vor Sonnenuntergang so kalt geworden sein, dass das Thermometer 150 Grad unter dem Gefrierpunkt sein würde. Alles, was nach irdischem Leben aussieht, müsste in jeder Mondnacht untergehen. Sie sehen, die Verhältnisse sind radikal anders, wenn wir sie rein physikalisch betrachten.

[ 11 ] Nun will ich Ihnen zeigen, wie die Zustände waren, bevor unsere Erde entstanden ist. Der Körper, der heute Mond ist, ist nicht der Mond, von dem wir in der okkulten Wissenschaft reden. Das war ein Weltenkörper, den es heute nicht mehr gibt, auf dem die Seelen-Vorfahren gelebt haben, die es zu einer höchst ausgebildeten Kama-Natur gebracht haben, die lang behaart waren, gigantisch groß waren, in gewissen Rassen sogar ausgesehen haben ähnlich wie ein Nikelmann [...], feucht, die Vorfahren waren in den Keim geschlossen. Ihre physische Gestalt war astral geworden; von da rupisch, arupisch, dann Keim [...] und von da herüber nach der Erde. Die Samen wurden befruchtet von Kama-Manas. Dann bildete sich das Astrale, und dann hatten wir die astrale Erde.

[ 12 ] In dieser Linie drinnen waren die Pitris, die im Wesentlichen schon verschmolzen waren mit Kama-Manas, und die meisten der Pitris waren verschmolzen mit solchen Kama-Manas-Samen. Daneben aber waren eine Anzahl Pitris-Naturen, die in der früheren lunarischen Epoche nicht ihre Entwicklungshöhe erreicht hatten. Nicht jene, die die Entwicklung überschnappt hätten, die die Entwicklung stören, sondern die zurückgeblieben waren, die die Entwicklung nicht erreicht haben. Sie waren da mit der ganzen Summe kamischer Kraft, die zu ihnen gehört, die anderen nicht verwendbar war. Diese wurde ausgeschieden, und die Kugel, die vorhanden war, verlängerte sich, es entstand ein Ellipsoid, eine Eiform.

[ 13 ] In dieser Form bildeten sich zwei feste Kerne, ein großer und ein kleiner. Und nun schnürten sich die kleine Kugel und die große Kugel ab. Der Mond verlor seine astrale Hülle, eine Schlackenmasse, die nur solche kamischen Kräfte enthält, die mehr festsitzen in seiner Masse als die magnetischen Kräfte im Magneten. Mondmagnetismus ist eine sehr verdichtete kamische Kraft. Das Äußere verdichtet sich dann auch und wurde zur festen Erde. Hoch im astralen Zustande findet dieser Vorgang des Herauswerfens statt. Die Rupa-Erde unterscheidet sich dadurch von dem früheren Mond, dass der Same von Kama-Manas hinzukommt. Die Tatsache, dass wir beim Mineralischen kosmischen Körpern gegenüber keine moralischen Forderungen stellen, beruht darauf, dass der Astralkörper derselben zur Ruhe gekommen ist. Man wird den Vesuv nicht verantwortlich machen dafür, dass er überfließt und Feuer speit.

[ 14 ] Der Mensch wird einem Stern ähnlicher, je mehr er das [Kama] verbrannt hat. Der Astralkörper wird sich nicht als wogendes Kampfesfeld zwischen dem Astralischen und Physischen ausnehmen, sondern in sich zur gleichförmigen Ruhe kommen. In der Durchastralisierung des Astralkörpers besteht eben das Verbrennen des [Kama].