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The Rudolf Steiner Archive

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Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a

15 Dezember 1903, Berlin

8. Kosmologie und Planeten

[ 1 ] Sobald wir über die Verhältnisse der Erde hinausgehen, werden alle Kenntnisse selbst für Eingeweihte etwas lückenhaft und namentlich auch kompliziert. Wenn ich heute irgendetwas sage über Zusammenhänge, die außerhalb von Sonne und Erde sind und über sie hinausgehen, dann ist es möglich, dass es in gewisser Beziehung einseitig wird — schon dadurch, weil sie wenig bekannt und teils zu kompliziert sind. Es werden sich aber doch einige Dinge ergeben, die aufhellend sind für die Frage, welche Franz Seiler gestellt hat.

[ 2 ] Wir müssen festhalten daran, dass für die Betrachtung unseres Sonnensystems der Gesichtspunkt vor allen Dingen in Betracht kommt, dass man heute bei dem kopernikanischen Weltsystem die Sonne in den Mittelpunkt unseres Sonnensystems rückt. Und die Astronomie der Gegenwart betrachtet das frühere Weltsystem, das ptolemäische, als ein überwundenes und als ein solches, das geradezu falsch ist. Es ist aber nur eine Verschiedenheit der Perspektive. Die Astronomie stellt alle Rechnung in Bezug auf die Erde an, und Kopernikus stellt sie mit der Sonne als Mittelpunkt dar, so als wenn man eine Gegend in Bezug auf einen Berg beschreibt und dieselbe Gegend von einem anderen Berg aus beschreibt. Die Dinge sind durchaus relativ. Was wir Ruhe und Bewegung nennen, ist richtiger wiedergegeben im kopernikanischen Weltsystem. Was aber Ruhe und Bewegung im Astralen betrifft, so ist dieses richtiger wiedergegeben im ptolemäischen System.

[ 3 ] Das Mittelalter ist auch nicht in genau demselben Sinne aufzufassen, wie unsere jetzigen Auffassungen sind. Wenn Sie bei Dante die Erde in der Mitte finden, und dann Sphären von Mond, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn und dann die Sphäre der Fixsterne, so bedeutet das nicht in demselben physischen Sinne den Raum wie das von der Astronomie im physischen Sinne aufgefasst wird, sondern dieses bedeutet geistige, mentale Zusammenhänge. Unter dem Physischen hat der Astronom des Mittelalters, der im Grunde genommen kein Astronom, sondern Theosoph war, nur eine Versinnlichung des geistigen Zusammenhangs verstanden. Er hat nicht dasselbe verstanden, nicht die grobklotzigen Tatsachen gegeben, wie der heutige Astronom sie gibt, sondern er wollte sie auffassen als eine Versinnlichung des geistigen Weltenzusammenhanges. Es wurde nur ein anderer Gesichtspunkt an die Stelle des alten Gesichtspunktes gerückt.

[ 4 ] Und nun einiges über die Zusammenhänge selbst. Wir müssen uns klar sein, dass Planeten, von denen die alte Welt gesprochen hat, nicht im gleichen Stadium ihrer Entwicklung sind. Während sich uns die Erde auf dem Standpunkte von Kama-Manas zeigt, ist der Planet Merkur heute in einem weit vorgerückten Zustand. Er ist bereits auf dem Standpunkte angekommen, auf dem die irdische Entwicklung angekommen sein wird, wenn wir das Budhi-Prinzip in der gesamten Menschheit entwickelt haben werden, wenn innerhalb der irdischen Entwicklung das Budhi-Prinzip das Tonangebende sein wird.

[ 5 ] Merkur ist ganz in Budhi getaucht. Auf der Venus haben wir Manas, das reine Manas, das da dieselbe Rolle spielt wie auf der Erde Kama-Manas. Venus und Merkur sind Planeten, die unserer Erde voranleuchten. Das sind also Vorbilder für die irdische Entwicklung. [...] Der Venusbewohner und der Merkurbewohner sind im Grunde genommen im ganzen Sonnensystem anwesend. Sie brauchen nicht zu wirken, aber sie können wirken. Sodass also auf unserer Erde das auftreten konnte, was wir das Auftreten der sogenannten Venussöhne nennen. Sie konnten Lehrer werden für die Erde als in der dritten lemurischen Rasse dieses stattfand, weil die Erde diesen Einfluss brauchte. Es bedarf für die Venus-Söhne nur der Gelegenheit von außen. Wenn die Erde den Einfluss nicht braucht, ist er nicht da, wenn sie ihn braucht, ist er da. Das ist der Einfluss zwischen Erde und Venus.

[ 6 ] Dann der Planet Mars. Er stellt in gewisser Beziehung einen Zustand dar, über den die Erde bereits hinausgewachsen ist, bevor sie in die lunarische Epoche eingetreten ist. Das würde aber nicht der heutige Mars sein. Er ist nicht mehr in dem Zustande, in dem der heutige Mond ist. Der Mond stellt einen äußerlich überwundenen Zustand der irdischen Entwicklung dar. Der Mars war bereits Mond und ist schon wieder in eine neue Entwicklungslinie eingetreten, sodass er früher einmal den Zustand darstellte und heute gleichsam nur an dem Orte ist, wo unsere Erde ihre vorlunarische Epoche durchgemacht hat, diejenige Epoche, die sie im Zustande des reinen Prana durchgemacht hat. Die lunarische Epoche im Kama, die Marsepoche im Zustand des reinen Kama. Pflanze und Mensch, die nun das pranische Prinzip als höchstes Prinzip entwickelt haben. Dieses nahm bei ihnen dieselbe Rolle ein, wie Kama-Manas bei uns. Es wäre eine falsche Vorstellung, wenn wir glaubten, dass dies verknüpft gewesen wäre mit Lust und Unlust. Das kam erst in der lunarischen Epoche hinzu.

[ 7 ] Diese Wesen waren in reiner Fortpflanzung begriffen. Noch vorher war die Erde im Zustande, in dem sie das physische, rein elementarische Prinzip entwickelte. Damals also, bevor die Marsepoche gekommen war, waren die Erde, respektive der Vorläufer der Erde, rein physisch. Damals war der Vorläufer des Menschen auch schon vorhanden. Er war aber bloß im physischen Leben wandelbar. Er war Automat, ein automatischer Mensch. Alles Geistige war über dem Menschen. Er selbst war nur Automat. Der Weltkörper, den der Mensch damals bewohnte, war so sehr elementar, dass er keine Zusammenhaltekraft hatte, dass er zersplitterte. Und das bildete den Ring der Planetoiden: Die vielen Planeten, die wie ein Ring die Sonne umkreisen.

[ 8 ] Wie kommt es nun, dass der Mars sich weiter entwickeln konnte, obgleich der Körper zerstoben ist? Der Mars hatte schon das Lebensprinzip in sich und lebte daher weiter, während das andere nur physisch war und zerstäuben musste. Wir haben also die vier Stufen der Entwicklung vor uns.

[ 9 ] Unser Mond wird später ganz verschwunden sein, und an seiner Stelle wird ein neuer Weltkörper aufleuchten, der das kamische Prinzip in anderer Weise befruchten wird. Auf diese Weise sind wir bis zu den Planetoiden vorgerückt und kommen nun aus dem Kreis der Planeten hinaus, wo wir antreffen Jupiter, Saturn, Uranus. Von dem Neptun zu sprechen ist noch keine Veranlassung. Er nimmt eine besondere Stellung ein. Er gehört nicht allein unserem Planetensystem an, sondern noch einem anderen. Er ist ein Grenzkörper. Dagegen müssen wir Jupiter, Saturn und Uranus betrachten. Sie können sagen: Uranus kannte man damals noch nicht. Er wurde erst im achtzehnten Jahrhundert entdeckt. Im esoterischen Unterricht war er aber bekannt. Die drei äußeren Planeten Jupiter, Saturn und Uranus zählten mit. Die Planetoiden aber stellten die Zersplitterung des elementaren Reiches dar.

[ 10 ] Alles Übrige ist Reinkarnation dessen, was früher schon da war. Unsere ganze Planetenkette war nichts weiter als die Wiederverkörperung von früher bestandenen Zuständen. Jupiter, Saturn und Uranus stellen dar die drei höheren kosmischen Prinzipien, welche sich einfach reinkarnierten, zuerst im Elementaren, dann im Pranischen und so weiter, sodass wir im Jupiter, Saturn, Uranus zu erkennen haben die drei Prinzipien Atma, Budhi, Manas - Jupiter, Saturn, Uranus.

[ 11 ] Nun will ich Ihnen den Saturn charakterisieren. Er stellt diese obere Trias in einer ganz besonderen Art dar. Ich charakterisiere ihn von dem Gesichtspunkte des Geistes unserer Erde. Er stellt sich dar als das Verlangen, sich zu reinkarnieren in der irdischen Planetenkette. Sie können sich etwa denken, dass die obere Trias den Wunsch hegt, zur irdischen Planetenkette zu werden. Diese Höhe des Wunsches stellt der Saturn dar. Stellen Sie sich vor, er sagt sich, ich will eine Planetenkette bilden, in welcher Kama-Manas das mittlere Prinzip wird: elementar-physisch, pranisch, kamisch - Kama-Manas, Manas, Budhi.

[ 12 ] Die Erde wird eine Art Venus-Jupiter-Sonne werden, wenn sie Sonne ist. Dieser Wunsch ist im Wesentlichen ausgedrückt in der Konfiguration des Saturns dadurch, dass der Saturn alle Prinzipien neben sich auseinandergelegt enthält. Eigentlich sind es nicht sieben, sondern neun Prinzipien. Damit können wir auch die Konfiguration des Saturns begreifen. Der Mensch ist dreimal dreiteilig. Er besteht aus Körper, Seele und Geist. Jeder Teil besteht wieder aus drei Teilen. Nehmen wir zuerst den Körper. Er besteht erstens aus physischem Körper, zweitens Lebenskörper, drittens körperlicher Gestalt. Zuerst denken Sie sich den physischen Körper. Sie haben da den Magen als chemisches Laboratorium, dann das Herz, ein Pumpwerk und so weiter. Darin muss das Prana wirken. Diese pranischen Teile müssen dann zusammengefügt sein.

[ 13 ] Zweitens die Seele: Sie besteht erstens aus der empfindenden Seele, zweitens aus der Verstandesseele - sie kann das Empfundene verstehen, drittens: Sie ist sich bewusst als Bewusstseinsseele.

[ 14 ] Drittens Geist: Erstens Allgeist, zweitens Menschengeist, drittens Menschenselbst-Geistselbst. Was der Menschengeist ist, drückt die christliche Esoterik so aus: Die Engel verkündigen die Herrlichkeit Gottes. Der Menschengeist ist sich nur bewusst der Herrlichkeit Gottes, er ist es nicht selbst.

[ 15 ] [Stadium] 3, 4, 6 und 7 verbinden sich und bilden nur eins. Dadurch erhält man eins. Damals, als beschlossen wurde, die Weltenkette zu bilden, da waren es noch neun. Diesen Plan stellt der Saturn dar. Er stellt den Kama-Manas dar, der in der Mitte drinnen steht. Wir haben also vier Prinzipien vorn und vier hinten. Daher hat der Saturn acht Monde. Das gibt mit ihm zusammen neun, und das sind die neun zusammen als Vorplan der Welten-Entstehung, während der Ring das Zusammenfassen bedeutet zu einer Einheit. Diese zusammengefassten Prinzipien sind der Vorbild-Mensch. Der Ring heißt daher auch «spiritus mund». So wäre der Saturn die Vorzeichnung des Planetensystems. Er sieht aus wie unser Sonnensystem für sich herausgestellt. Er ist Archetypus unseres ganzen Sonnensystems. Innerhalb der oberen Trias bleibt dann noch eins als Atma für sich. Das ist Uranus.

[ 16 ] Und nun Atma als Einheit, als obere Trias mit der Tetraktys. Die stellt sich dar als gemeinsame Kugel für die oberen Prinzipien, die unten herum gruppiert sind als die vier vorbildlichen Monde, die der Jupiter hat. Sie sind also noch nicht Mond in unserem Sinne, sondern sie sind das Prinzip des Mondes, bevor der Mond da ist. Unser Mond ist ein ausgeschiedener Teil. Die vier Jupitermonde sind treibend, die also erst in den Jupiter aufgenommen werden können. Unsere Prinzipien gelten nur für unsere Entwicklung. Die Deva-Entwicklung ist schon so, dass wir nicht sagen können, sie hat dieselben Prinzipien. Kama ist schon so verschieden, dass wir es nicht brauchen könnten. Das manasische Prinzip der Devas ist ganz anders, hat ganz andere Eigenschaften, obgleich es verbündet ist mit uns und wir es zu verstehen vermögen.

[ 17 ] Diese Andeutungen sind unter gewissen Voraussetzungen zu beobachten. Vieles aber ist nur durch Tradition zu unserer Kenntnis gekommen. Selbst Meister wissen von solchen Dingen nur dadurch etwas, dass Aufzeichnungen vorhanden sind aus Zeiten, als diese Dinge noch gewusst waren. In der Mitte der lemurischen Rasse waren damals die großen Lehrer gekommen. Wir können etwas wissen über die Dhyani-Chohans. Die Geheimlehre ist geschöpft aus diesen Aufzeichnungen. Ursprünglich waren es nur die Dzyan-Strophen. Die waren nur in uralten Aufzeichnungen vorhanden, zugänglich nur unter besonderen Voraussetzungen.