Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a
19 Januar 1904, Berlin
12. Die Bildung der Aura II
[ 1 ] Heute möchte ich Ihnen die Auren-Bildung darlegen, möchte Ihnen zeigen, wie sie sich nach und nach herausbildet. Das andere werden Sie dann leicht verstehen. Ich werde zeigen, wie sich die Aura entwickelt hat seit der Mitte der lemurischen Rasse. Ich werde Ihnen eine Art Beschreibung davon geben, sodass sie Ihnen ohne Weiteres aus sich selbst verständlich sein wird.
[ 2 ] In der Mitte der lemurischen Rassenentwicklung ist ein wichtiger Punkt für das Menschengeschlecht vorhanden. Bis dahin wurde der menschliche Leib von außen aufgebaut, sodass also der menschliche Leib fertig vorliegt in der Mitte der lemurischen Rasse als physischer Leib, Ätherkörper und Astralkörper. Diese drei sind in der Aura des lemurischen Vorfahren vorhanden. In dem Augenblicke, wo wir in der Mitte der lemurischen Rasse angelangt sind, wird in der Mitte der Aura der lemurischen Vorfahren ein schwarzer Punkt sichtbar.
[ 3 ] Wenn man den physischen Körper wegdenkt, bleibt der ätherische und astralische Körper übrig. Das ist der lemurische Mensch. Er erhält dann über dem Haupte einen schwarzen Punkt; es ist dasjenige, was wir als das eigentliche Ich des Menschen bezeichnen. Ich werde gleich, anknüpfend daran, den atlantischen Menschen aufzeichnen.
[ 4 ] Der atlantische Mensch würde nun etwa, wenn das der physische Körper wäre, so ausschen /siehe Skizze]. Der atlantische Mensch sieht seiner Aura nach ganz anders aus als der lemurische Mensch und der jetzige Mensch; der atlantische Mensch hat eine schwarze Eiform, und der astralische Mensch ist die ganze Aura. Innerhalb der astralen Aura dehnt sich der schwarze Punkt aus und wird zur Hülle für den inneren Kern. Die Überreste der atlantischen Rasse haben noch immer diese eigentümliche Aura. Der Geist glänzt im Innern des schwarzen Punktes auf; er fängt an zu glänzen. Das, was zu glänzen anfängt, ist an sich blau, erscheint aber, je nach dem Astralleib,
Der atlantische Mensch; blau (schraffiert) = Astralleib; violett (punktiert) = Mentalleib; schwarzer Ring = Ich
[ 5 ] in verschiedenen Nuancen blau-rot, indigofarben und so weiter. Es wird also, wenn man alles wegdenkt, etwas wie ein Indigo-Ei sichtbar sein. Bei einem Menschen, welcher besonders gedankenreich ist, erscheint es durch verschiedene grüne Gedankenhüllen hindurch. Bei einem Menschen, der sehr reine Gedanken, abstrakte Gedanken hat, erscheint es durch die gelbe Hülle hindurch. Dann auch erscheint es in einer schr schönen, mehr nach dem Violetten hin geneigten Färbung. Dieses nun, was so der atlantische Mensch hat, wird immer größer und größer, sodass bei einem Durchschnittsmenschen unserer jetzigen Rasse dieses schwarze Ei zusammenfällt mit dem Umriss des Astralkörpers.
[ 6 ] Unser heutiger Mensch hält ungefähr das Gleichgewicht. Er beschäftigt seinen Geist soweit, als es ihn interessiert, und er beherrscht seine Lüste und Triebe mit dem Verstande. Unsere ganze äußere Kultur ist im Grunde genommen dazu da, um Triebe, Instinkte und Leidenschaften zu befriedigen. Das drückt sich dadurch aus, dass Ihre astrale Aura zusammenfällt mit der mentalen Aura.
[ 7 ] Wenn Sie in der gegenwärtigen Entwicklung einen höher entwickelten Menschen betrachten, so ist das etwas anders. Da geht die mentale Aura über die astrale Aura hinaus; sie steht etwas vor. Das Ich geht noch darüber hinaus.
[ 8 ] Bei einem Chela oder einem Adepten haben Sie in der Mitte den Astralleib, dann den Mentalleib und dann erst das schwarze Ei, das Ich, sodass er das Astrale von dem Mentalen umgeben hat und das erst mit dem Ich überzogen ist, sodass das Astrale für mentale Zwecke gebraucht wird.
[ 9 ] Das Ich ist ein Punkt im Momente der Ichwerdung in der Mitte der lemurischen Rasse. Das Ich ist die äußerste Hülle jetzt. Das Gehirn wird immer mehr der Mittelpunkt des ganzen Organismus.
[ 10 ] Bei der ersten Rasse unserer arischen Bevölkerung ist der eigentlich bewegende Punkt in der mentalen Aura noch etwas über dem physischen Gehirn gelegen und wandert in das physische Gehirn erst nach und nach hinein. Diejenigen, welche innerhalb der atlantischen Rasse als Adepten inkarniert waren, standen unter einer wesentlich höheren Intuition, einer Intuition, die noch unpersönlich war. Dann wanderte diese in das Wesen allmählich hinein, und es kommt erst später wieder das Spirituelle aus dem Persönlichen heraus.
[ 11 ] Die Adepten der vierten - also der atlantischen Rasse - waren noch Gott-begeisterte Seher; die der sechsten Rasse werden Selbstbegeisterte Seher sein!
[ 12 ] Das ist der Unterschied zwischen den Anfängen unserer eigenen Rasse [also der fünften] und uns! Darin ist auch ein Grund zu suchen, warum im Beginne der theosophischen Entwicklung oder Bewegung die Adepten, die unsere Adepten sind, schwer verstanden werden konnten; warum sie selbst fühlten, wie sie sich so schwer verständlich machen konnten. Daher kam es, weil die Adepten, die der frühesten Bevölkerung angehörten, ein noch viel spirituelleres Leben hatten, das noch nicht in die bloße Verständigkeit heruntergedrungen war. Der abendländische Mensch will verstehen. Daher, wenn Sie in der «Geheimlehre» lesen, werden Sie die Stelle finden, wo der Meister sagt: Ihr mit Eurem abendländischen Urteil versteht es doch nur schwer!
[ 13 ] Alles in der Aura ist für den Seher zu sehen, unbedingt alles. Das Einzige, was er nicht sieht, und worin kein Scher etwas sehen kann, ist das Wesenhafte des Dunklen, das das Ich bedeutet, sei es nun der schwarze Punkt oder sei es der schwarze Reifen. Sichtbar ist, was von außen gebildet wurde und was vom Inneren heraus gebildet wurde. Das, was des Menschen eigentliches Ich ausmacht, ist für keinen Seher zu sehen! Man kann genau verfolgen, was die Natur hervorgebracht hat als Ich, aber man kann es niemals in seiner Selbsteigenheit erschauen. Für jeden, selbst für den höchsten Seher, gibt es den dunklen Punkt im Menschen. Ebenso wenig, wie einer zu einem anderen Menschen «Ich» sagen kann, ebenso wenig können wir das sehen, was in der Aura des anderen Ich ist.
[ 14 ] Etwas über das Bewusstsein: Sie bestehen aus lauter Zellen. Jede Zelle hat ein Zellenbewusstsein. Ihr Bewusstsein ist die Gesamtheit der Zellenbewusstseine. Das Bewusstsein, von dem ich hier rede, wird niemals in einem anderen zusammenfließen. Wie Sie sich inkarnieren in einem Zellenkörper, so wird sich ein höheres Bewusstsein inkarnieren in dem, was aus den verschiedenen Egos kommt. Bei jeder Sitzung ist die Gesamtheit der Teilnehmer der Körper für eine höhere Wesenheit. Das eigentliche Ego ist also nicht zu durchblicken.
[ 15 ] Bei dem Lemurier ist daher ein dunkler Punkt, bei dem Atlantier ist ein Kreis oder eine Eiform innerhalb der Aura, bei uns deckt sich dieses Schwarze ungefähr mit der Grenze der Aura, beim Adepten geht die mentale Aura über die astrale Aura hinaus, und da, wo sie das tut, wird sie im schönsten Sinne glänzend; sie spielt dann ins Blaue oder Violette hinein. Das Rosenrot ist das eigentlich Schöpferische, das, wo das Ego in den schöpferischen Kräften die Welt auf geistige Weise umzuarbeiten beginnt, und wo der Adept ein wirklicher Planetengeist zu werden beginnt.
[ 16 ] Und jetzt etwas darüber, was man in Wirklichkeit versteht unter der sogenannten leblosen Natur: Auch die höheren Geister haben ein Ego. Wenn ein Geist so groß ist, dass er ein Sonnensystem baut, dann ist er nicht in der Sonne, sondern am äußersten Rand des Systems zu suchen. Das Sonnensystem ist dadurch scheinbar ein unlebendiges, weil es das Ich schon hinausgestellt hat. Wenn wir an die Grenze des Sonnensystems kommen könnten, würden wir das Ego dort auffinden. Das ist der esoterische Grund der Himmelsbläue! Der Weltenraum erscheint deshalb blau, weil er nichts anderes darstellt als außen die schwarze Hülle! Und außerhalb dieser schwarzen Hülle erscheint der Geist durch die verschiedenen Hüllen in verschieden gefärbten Regionen! Wenn Sie es also betrachten, so muss es Ihnen so erscheinen, als wenn Sie eine schwarze Fläche durch ein Glas, das erhellt ist, sehen, da erscheint sie Ihnen blau. Es erscheint zum Beispiel auch die Mitte einer Flamme blau. Da, wo die Flamme blau ist, ist ein dunkler Raum; da brennt nichts. An einer Kerzenflamme ist das gut zu schen; in Wahrheit ist es aber schwarz. Jede Flamme ist hell. Das Blau des Himmels ist wirklich anzusprechen als eine «Festes, wie die Genesis sagt; es ist dies möglichst wörtlich zu verstehen, genau so, wie außerhalb des Ich der allgemeine Geist ist. Nichts in der Welt ist ohne Geist; es gibt nur Geist, der noch nicht zum Ich geworden ist; innerhalb ist der Geist, mit dem das Ich sich bereits erfüllt hat. Das Ich ist die Grenze zwischen dem Geist von außen und dem Geist, der im Menschen lebt. Diese Feste ist das Ich des betreffenden Sonnensystems.
[ 17 ] Die Genesis ist ein inspiriertes Buch; sie ist nicht etwas, was von Menschen ausgedacht ist. Solange, als das Mentale noch nicht eingezogen war in den menschlichen Verstand, wurde von außen inspiriert. Und die von außen inspirierten Bücher nennen wir den Inhalt der Uroffenbarungen. Diese stimmen deshalb alle miteinander überein, wenn wir durch die Hülle, die die Menschen darüber gezogen haben, hindurchsehen. Wir können gehen zu den indischen Büchern oder zu den Traditionen der dekadenten Stämme in Amerika: Sie stimmen überein, weil sie als Offenbarungen empfangen worden sind. Das ist etwas, was nicht nur den Okkultisten bekannt ist, sondern was offensichtlich immer erkannt wurde. Herder hat das auch durchschaut. Das neunzehnte Jahrhundert, das sich mit der Kritik hauptsächlich befasst hat, bemisst diese Dinge nach menschlichen Meinungen. Der richtige Standpunkt ist gegenüber diesen Büchern derjenige, von dem aus gesagt werden kann: Wenn wir diese Bücher nicht verstehen, so braucht nicht das Buch absurd zu sein, sondern wir selbst können absurd sein.
[ 18 ] Ich möchte nun zurückkommen auf die Aura der vorgeschrittenen Menschen, zum Beispiel auf Platon im griechischen Altertum. Die Entwicklung, die Platon erreicht hat, werden die Durchschnittsmenschen der gegenwärtigen Rasse erst in der nächsten Runde erreichen; deshalb nennt man solchen Menschen wie Platon «künstliche Fünftrunder. Nun unterscheiden sie sich aber auch wesentlich von den übrigen Menschen. Wenn die gegenwärtigen Menschen in der fünften Runde angelangt sein werden, werden die Leiber nicht mehr physische Leiber sein wie jetzt, sondern Astralleiber, sodass also der Unterschied noch immer da ist. Platon war im physischen Leibe der vierten Runde schon dasjenige, was die anderen Menschen erst im Astralleibe der fünften Runde sein können!
[ 19 ] Platon ist also im physischen Leibe der vierten Runde gewesen, was andere Menschen im Astralleibe der fünften Runde sein werden! Das bedingt einen wesentlichen Unterschied im Fortschritt der Entwicklung. Dadurch wird Platon, wenn die irdische Entwicklung vollendet sein wird, in einen ganz anderen Zustand kommen als die anderen. In der fünften Runde wird er vielleicht ein Buddha sein und in der sechsten noch wesentlich höher stehen! Gehen wir noch einmal zurück und sehen uns Platon an. Während der vierten Runde hat er mit dem physischen Gehirn bereits geleistet, was der Durchschnittsmensch in der fünften Runde mit dem Astralgehirn wird leisten können. Dadurch wird es ihm möglich sein, in der nächsten Runde in entsprechender Weise zurückzuwirken; er hat dadurch eine Fähigkeit sich angeeignet, die andere noch nicht haben: nämlich die, auf das physische Gehirn zurückzuwirken!
[ 20 ] Das ist ebenso, wie wenn ein Ingenieur plötzlich versetzt würde in einen wilden Völkerstamm; er wird dort mit seinen künstlerischen Fähigkeiten und Kenntnissen alle Dinge in viel höherem Maße umgestalten können; er wird ein Lehrer sein können dieses wilden Völkerstammes. Während einer, der aus dem wilden Volksstamme herauswächst, die Entwicklung nur einen kleinen Schritt weiter führen kann, wird der, welcher mit einer großen Entwicklung in den Volksstamm hineinkommt, den Volksstamm viel weiter bringen können. Ein Hochentwickelter wird natürlich nicht in den ersten Stadien der Entwicklung eingreifen, sondern erst später, wenn die Entwicklung bis zu einem gewissen Punkt vorgeschritten ist. Das ist die Aufgabe der vorgeschrittenen Menschen! Sie werden hinübergehen in die nächste Entwicklungsepoche, aber warten, bis sie eingreifen können!
[ 21 ] [Vermutlich aus der Fragenbeantwortung:]
[ 22 ] Mit dem Zurückwirken meinte ich, dass er Fähigkeiten erlangt hat, die andere nicht haben. Die anderen sind gebunden an das physische Gehirn, und dann wieder gebunden an ein einzelnes Gehirn. Er wird in der sechsten Runde auf das astrale Gehirn, in der siebenten Runde auf das mentale Gehirn einwirken, sodass er zurückwirken kann auf die früheren Gehirne, dass er von außerhalb sie leiten kann.
[ 23 ] Unter der Wirksamkeit der Pitri hat man also etwas Ähnliches zu verstehen, in welchem Sinne sich das Frühere an dem Aufbau des neuen Weltenkörpers beteiligen kann. Diejenigen, welche in normaler Weise ihre Entwicklung vollendet haben, die richtige Menschen geworden sind, werden an diesem Aufbau von außen entsprechend mitwirken können.
[ 24 ] Wie weit sind wir gekommen am Ende der siebenten Runde? So weit, dass wir alles das, was der Geist von innen aufgebaut hat, wieder von außen aufbauen können. Wenn wir also neuen Weltenstaub finden, werden wir sofort einen Körper aufbauen, der unserer Entwicklungsstufe entsprechen wird. Wir werden die «Menschen» künftiger Entwicklungsstufen aufbauen! Die aber, die zurückgeblieben sind, die nicht so weit gekommen sind, die werden die untersten Formen aufbauen müssen; sie werden dementsprechend diejenigen sein, welche gleichsam die Wände im neuen Weltsystem von unten aufbauen, und die Entwickelten werden da eingreifen, wo es für sie zu tun gibt.
[ 25 ] Das Ego in uns kann niemals verloren gehen; es verwandelt sich nur. Gegenwärtig denkt es, und das ist die höchste Fähigkeit, die es heute besitzt. Die nächstfolgenden Wesenheiten werden wir wieder beseelen, aber nicht mit manasischen Egos, sondern mit höheren Egos. Die Gedanken der Entwickelteren überlassen wir zur Bildung einer neuen Sonne; wir legen sie auf den Altar der Gemeinsamkeit. Einer Spaltung eines Volkes in zwei Teile geht immer ein Kampf der Dhyan-Chohans auf höheren Ebenen voran.
