Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a
26 Januar 1904, Berlin
13. Die Bildung des Kosmos nach Annie Besants «Uralter Weisheit»
[ 1 ] Heute möchte ich über die Bildung des Kosmos nach Annie Besants «Uralter Weisheit» sprechen. Ich möchte zeigen, wie man versuchen soll, das Betreffende zu lesen. Es beginnt auf Seite 325, wo Annie Besant zu schildern versucht, wie der Übergang von der Mondepoche stattgefunden hat, in welcher unsere Vorfahren ihre Entwicklung durchgemacht haben und dann auf unsere Erde gekommen sind. Während des lunarischen Manvantaras brachte die Evolution sieben Klassen von Wesen hervor, welche Vater genannt wurden, weil sie die Wesen der terrestrischen Evolution hervorbrachte.
[ 2 ] Genau ebenso, wie wir während unserer irdischen Epoche die Aufgabe haben, den Verstand und so weiter zur höchsten Entwicklung zu bringen, hatten diese Wesen auf dem Monde das Empfindungswesen zur höchsten verfeinerten Gestalt zu bringen. Das ist das chemische Prinzip, sodass sie in der idealisierten Weise das Empfindungsleben ausgestaltet hatten. Als die siebente Runde abgelaufen war, trat für diese Wesen ein Nirwana-Zustand ein. Das war die volle Ebenbildlichkeit des Jahve, des Wesens, das ihr Ideal war. Wie die Samen überwintern, so überwinterten sie durch ein Pralaya hindurch. Sie entwickelten also Seele.
[ 3 ] Es waren also noch zwei andere Rassen. Solarische Pitris, das waren diejenigen, welche der gewöhnlichen lunarischen Entwicklung vorangeschritten waren. Sie hatten die höchste Stufe der Ebenbildlichkeit mit ihrer Gottheit erlangt. Dann gab es aber schon während der Mondepoche Mondpitris, Mondpithakas. Die weiter entwickelten Wesen waren solarische Pitris. Diejenigen, welche auf dem Monde schon Meister geworden waren, waren in Bezug auf die Entwicklung des Menschenverstandes höher als die Mondgötter. Die Mondgötter haben das Element des Verstandes nicht ausgebildet. Es wäre zwecklos, wenn die Gottheit nur so weit kommen würde, als sie im Anfang war. Es muss etwas hervorgebracht werden, was weitergeht als der Anfang war. Wenn sie die Meister am Ende der Entwicklung unseres Lebens ansehen würden, dann würden sie finden, dass ihre Weisheit eine viel höhere ist als die, welche inkarniert worden ist als die irdische Weisheit. Die inkarnierte Weisheit reicht nur aus, um die irdische Entwicklung bis zum Ende zu führen. Deshalb muss man festhalten, dass der Meister da unter Umständen viel höher ist als der Deva.
[ 4 ] Jahve ist nur durch einen Irrtum zur ersten Person der Dreifaltigkeit avanciert. Er ist der Gott der irdischen Formen, der daher den Adam aus der Materie formt. Da haben die Juden natürlich den Vater-Gott. Aber von dem reden sie nicht. Das ist nämlich derjenige, der nie ausgesprochen wurde.
[ 5 ] Menschen nennt man solche Wesen der Mondepoche, welche den Pitris voraneilen - Dhyanis. Niemand hatte den Kausalkörper entwickelt auf der Mondepoche. Diejenigen, welche Kausalkörper hatten, waren über die Mondepoche hinausgeschritten in die irdische, in die Menschenepoche hinein. Platon wird die höchste Entwicklung des Kausalkörpers in die nächste Runde hinüberbringen.
[ 6 ] Die lunarischen Pitris hatten eine gewisse Intelligenz, ähnlich wie die der Tiere. Die Erde ist die vierte Inkarnation. Die erste Inkarnation ist das Planetoiden-Heer, die zweite ist an der Stelle des Mars, die dritte an der Stelle des Mondes. Die vierte Inkarnation der planetarischen Kette ist die Erde. Die Elementaressenz ist das, was ich als Weltenstaub geschildert habe. Wie die Samen aus der Erde die Stoffe aufsaugen, so saugten die Pitris irdische Stofflichkeit ein. [...]
[ 7 ] Kugel a) ist die urbildliche Welt. Die rote Kugel aus dem Urbilde sich herausbildend, aus dem Dunkel sich heraus entwickelnd. Die urbildliche Welt. Die Urbilder alles Verständigen. Der Verstand muss gestaltet werden. Er muss hineingebildet werden in den Körper. Es hat da nur Sonnengeflecht gegeben, kein Nervengeflecht, das vom Kopfe ausging. Die planetarischen Geister stehen über der entsprechenden Entwicklung. Die Planetengeister sind von außen am Werke, sie haben die höchste Aufgabe. Sie ordnen an, wie die Aufeinanderfolge ist, sie haben eine über dem Einzelnen stehende Aufgabe. Sie kommen niemals herein.
[ 8 ] Die mentale Welt ist begrenzt von einer Art von Sphäre. Statt der Sterne und Sternbilder erscheint da die Akasha-Chronik. Die Bildner sind nicht im Mentalen tätig, sie sind im Budhireich tätig, die planetarischen Bildner sind also nur in der Budhisphäre zu treffen. Der Gedanke ist zuerst nur ein Punkt, dann bekommt er Gestalt. Es entsteht das Urbild der Pflanze, das Urbild der Mineralien. Auf der Kugel b) werden die Formen von Bildnern niederen Ranges reproduziert, bis sie zu einer dichteren Materie reif geworden sind. Es sind kleine Zeichen und Farben darin. Die Farbe ist die astrale Materie. Die Kugel, die rot war, ist in orange übergegangen, und nun wird sie gelb. Jetzt wird sie mit Astralmaterie ausgefüllt.
[ 9 ] Und nun Kugel c). Auf der Kugel c erreicht die Form die dichteste Beschaffenheit. Von diesem Punkte ab ändert sich die Natur. Es folgen die Kugeln e), f), g). Auf den Kugeln e) und f) äußert sich das Bewusstsein zuerst auf der Ätherebene. Auf der blauen Kugel fangen die Wesen an, von innen heraus zu wollen, sie fangen an, sich zu bewegen. Es äußert sich also der erste automatische Verstand. Die Lunarpitris sind die Seelenkräfte der Form; sie bringen sie zur Reife und bewohnen sie später. Das, was sie hier schwarz haben, ist die Seele. Dass sie denken, ist Geist.
[ 10 ] Die irdische Epoche ist dazu bestimmt, die Ehe zwischen Geist und Seele zu einer vollständigen zu machen. Das Feuer ist das Element der ersten Runde. Es ist eigentlich Feuerluft, Ätherfeuer. In der zweiten Runde setzen die Pitris erster Klasse ihre Involution fort. In der zweiten Runde kommen die urbildlichen Formen der Pflanzen zustande, die dann in der fünften Runde ihre Vollendung anziehen. Das Mineral ist auf der Stufe der höchsten Vollkommenheit. Das menschliche Gehirn, als Mineralstoff, ist nur Träger. Das Mineralreich löst sich jetzt schon auf. In der nächsten Runde löst sich das Pflanzenreich auf, in der folgenden das Tierreich. Und in der siebten Runde wird der Mensch erst seine Vollkommenheit erreichen. Das Mineral hat sieben Prinzipien ausgebildet. Es ist das Vollkommenste, was wir haben. Wir haben drei geistige Reiche: den ersten, zweiten und dritten Logos; dann das erste Elementarreich, das arupische Reich; zweitens das rupische Reich; drittens das astrale, viertens das physische, das mineralische. Das Mineral ist in der vierten Runde vollkommen. Die Pflanze wird ihre Vollkommenheit erlangt haben, wenn sie astral geworden ist. Die Genesis deutet mit ihren sieben Tagen die sieben Runden an. Die vier ersten Tage sind die vier ersten Runden, der siebente Tag ist das In-Ruhe-Tretende. Der vierte Tag ist die gegenwärtige Runde. Der fünfte, sechste und siebte Tag kommen erst.
[ 11 ] Je mehr Sie die Genesis kennenlernen, desto mehr werden Sie sie wörtlich verstehen müssen. Wenn man soweit ist, dass man den Sinn der Genesis wörtlich nehmen kann, dann hat man sie erst richtig verstanden. Luft ist das Element der zweiten Runde. Die Pitris erlangen hier die beginnende menschliche Stufe. Die Solarpitris machen hier die ersten Erscheinungen, auf der Kugel d), um in der menschlichen Evolution die Führung zu übernehmen. Die Wesen sind immer vier Runden später fertig. Die Urbilder der menschlichen Formen waren schon in der vierten Runde gegeben.
