Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a
2 February 1904, Berlin
14. Der Zweite Logos
[ 1 ] [Ich spreche heute zu Ihnen,] um zu zeigen, wie man die schwierige Materie der Runden nach [dem Buch] «Uralte Weisheit» von Annie Besant [verstehen kann].
[ 2 ] Ich will zuallererst davor warnen, zu abstrakt über den Logos zu sprechen. Man ist so sehr versucht, in allgemeinen Vorstellungen von erstem, zweitem, drittem Logos zu sprechen. Besonders Anfänger sprechen sehr gern gleich von «Logos und wollen mit Auseinandersetzungen, was erster, zweiter, dritter Logos für eine Aufgabe haben, die ganze Welt erörtern. Das ist nicht das, was wir tun wollen.
[ 3 ] Wir wollen uns klar machen, was innerhalb der Entwicklung des Welt[ganzen] die einzelnen Wesen, die sich entwickeln, für eine Aufgabe haben, wodurch sie irgendein Glied im Logos werden. Denn selbstverständlich müssen wir uns ja klar sein, dass, wenn zum Beispiel eine Evolutionsepoche in die andere sich herüberentwickelt - zum Beispiel [die] lunarische in [die] terrestrische sich herüberentwickelt -, [dass] also [zum Beispiel] alles, was während der Mondentwicklung stattgefunden hat, durch [ein] Pralaya durchgeht und wieder in [Erscheinung] kommt, [und] dass [alles] das in ein inverses Pralaya [eingeht]. Was früher geschah, geht wieder in den Logos und in [Lücke in der Mitschrift] wird. [Es] ruht also gleichsam im Logos, schläft nicht, [es ist] bereit, eine neue Aufgabe zu erhalten.
[ 4 ] Nun klärt man sich am besten dadurch auf, dass man sich fragt: Was wird aus allem, was sich zum Beispiel heute bei unserer gegenwärtigen terrestrischen Entwicklung nach und nach während der verschiedenen Runden und Rassen heranbildet? Was wird aus alldem? Die Summe aller dieser Wesen wird, wenn [die] irdische Evolution zu Ende ist, die Summe dieser Wesenheiten wird eine zusammenhängende Masse von neuen Samen sein, welche in der nächsten Epoche sich weiter entwickeln soll. Sie kehren noch einmal in [den] Logos zurück. Das alles, was heute während unserer irdischen Epoche sich entwickelt, was übrig bleibt, was durch [ein] Pralaya hindurchgeht, wird für die nächste Epoche [ein] zweiter Logos sein. Das Ergebnis einer vorübergehenden Epoche ist für die nächste Epoche zweiter Logos.
[ 5 ] Ich bitte zu berücksichtigen, dass man besser tut, dass man sich frägt: Wie wird der zweite Logos? Statt einfach zu sagen: erster, zweiter, dritter Logos. Man bleibe beim Konkreten und mache sich klar, dass alles dasjenige, was aus einer Epoche in die andere herüberkommt, für die nächste Epoche der zweite Logos ist.
[ 6 ] Und nun teilen wir uns die ganze Evolution während unserer irdischen Entwicklung in zwei Teile. Wir haben es mit sieben Runden zu tun. Zuerst nehmen wir die drei ersten und die erste Hälfte der vierten Runde. Das ist die Hälfte. Gerade bis zu diesem Zeitpunkt, in dem erst eine Hälfte der vierten Runde verflossen ist, hat sich alles dasjenige entwickelt, ist dasjenige zum Ausdruck gekommen, was als dritter Logos sich mit [dem] zweiten Logos verbunden hat. Der dritte Logos ist etwas, was /Lücke in der Mitschrift]. Logos [ist] im Allgemeinen noch nicht verwendet worden, ist etwas, was neu hinzugefügt worden ist.
[ 7 ] Nehmen Sie Pflanzensamen, in [die] Erde hineingelegt. Die Samen, die Sie aussäen, die sind der zweite Logos. Das Beet, der Stoff, aus dem die neuen Formen entstehen, das ist der dritte Logos. Der dritte Logos wird verwendet, um Formen aufquellen zu lassen während der ersten Hälfte der Rundenentwicklung. Das ist das, was Annie Besant die Entwicklung der Form, die Involution nennt. [Es ist] das, was ich Weltenstaub nennen würde, sofern man es das substantielle Beet nennen würde. [Der zweite mit dem dritten Logos bauen die Formen auf, von außen hinein.]
[ 8 ] Der Mensch ist von außen heran aufgebaut. Die Pitris - zweiter Logos - sind herübergekommen. Sie haben befruchtet den dritten Logos. Aus der Befruchtung des dritten Logos durch den zweiten Logos entsteht die tierische Grundlage der Menschen. [Das ist] bis zur Mitte der vierten Runde die lemurische/lunarische Rasse.
[ 9 ] Und nun geschieht die zweite Befruchtung aus dem, was bis hierher entstanden ist. Vom zweitem und drittem Logos entsteht jetzt dadurch, dass [der] erste Logos sich hier direkt verbindet, entsteht jetzt der weitere zweite Teil. [So entsteht die] zweite Hälfte der vierten Runde und die drei folgenden Runden.
[ 10 ] Sodass wir uns vorstellen müssen: [Der] zweite Logos ist dasjenige, was herüberkommt von außen, [er] gliedert sich [mithilfe des dritten Logos] Form heran, quillt an. Alle Hüllen sind aufgebaut.
[ 11 ] Und nun kommt [die] Befruchtung vom ersten Logos. Es strahlt von innen heraus. Das ist die Befruchtung des ersten Logos. Das ist es, was in der Aura zu sehen ist.
[ 12 ] Bis zur vierten Runde ist die Aura wolkenartig [von außen] gebildet, bis zur lemurischen Rasse. In der Mitte der lemurischen Rasse fängt [das] strahlenförmige Bild der Aura an. Und dies ist [die] Einströmung des ersten Logos. Und das ist, was Annie Besant die Entwicklung des Lebens nennt oder Evolution. Von innen heraus beginnt das Leben oder die Evolution. [Dritter Logos: Evolution des Lebens.]
[ 13 ] [Der] Mensch der lemurischen Rasse hat [eine] physische Hülle, [eine] astrale Hülle [und ein] Kama-Manas gebildet. Das alles hat sich aufgebaut. Jetzt entsteht ein schwarzer Punkt. In der Mitte über dem Kopf, der gleichsam den Platz anzeigt, von dem aus die Einströmung des ersten Logos einstrahlt.
[ 14 ] Jede Evolutionsepoche hat eine ganz bestimmte Absicht des Logos auszuführen. Unsere jetzige Runde - terrestrische Epoche - hat den Menschen von vornherein beabsichtigt und hat den Menschen zur Vollendung zu bringen. Die gegenwärtige [Runde] hat die bestimmte Aufgabe, den Menschen von vornherein zu veranlagen und zur Entwicklung zu bringen.
[ 15 ] Zu diesem Zweck geschieht immer eine zweifache Befruchtung. Die erste besteht darin, [dass] das Ergebnis der vorhergehenden Epoche selbst befruchtet. Das, was aus der Befruchtung hervorgeht, sind die Tatsachen der ersten Hälfte der Evolution. Dann geschieht [die] zweite Befruchtung [durch den] ersten Logos. Das sind die Tatsachen der zweiten Hälfte der Evolution. Die eine Hälfte geht von außen nach innen und bildet die Form. Die andere geht von innen nach außen und bildet das Leben.
[ 16 ] Ich bezeichne [den] dritten Logos deshalb als Weltenstaub, weil alles in ihn aufgenommen wird, was von den anderen Welten abgestoRen ist. Um [Pflanzen]-Samen wachsen und blühen zu lassen, muss erst Materie herbeigezogen werden. Der [Pflanzen]-Samen muss in [den] Boden hineingesenkt werden, der für ihn gleichsam präpariert ist, [sodass] er die Kraft, die er braucht, herausziehen kann. So ist es auch mit [dem] dritten Logos. Er besteht aus Stoff mit lauter [Quell-] Kraft ausgefüllt. Die kamischen Wesenheiten ziehen den Stoff an und bilden einen Kosmos.
[ 17 ] Die achte Sphäre gibt den Stoff ab, sie wird bei der Entstehung eines neuen Kosmos in die neue Entwicklung aufgenommen. [Die achte Sphäre, der Leichnam eines jeden Kosmos, gibt den Stoff zum Künftigen.] Jeder Weltenkörper wird am Schluss der Entwicklung hell-lila und verschwindet. Sämtliche Samen sind in demselben enthalten und /Lücke in der Mitschrift]
[ 18 ] Man muss sich von der Raumvorstellung emanzipieren. Sie gibt nicht alles wieder.
[ 19 ] Von der dritten Runde werden keine neuen Formen mehr gebildet. Äußerlich haben die Menschen die vollkommenste Form erreicht. Das nächste, was Menschen erreichen werden, ist, dass sie von innen her die anderen Hüllen vollkommener machen.
[ 20 ] Jetzt schon hat die Rückwirkung auf den Astralleib begonnen. Die vierte Runde wird vollendet sein, die fünfte kommt, und dann wird immer mehr auf [den] Astralleib eingewirkt werden. Und auf der fünften Kugel/Runde wird der Astralleib so sein.
[ 21 ] [Von der Mitte der vierten Runde an sind die Formen vollendet; jetzt beginnt von innen heraus die Einwirkung auf den Astralleib.] Er wird lauter Räder im Astralkörper haben. Die Chakras bewegen sich, wie schon [heute] bei denen, die seelisch schauen können. Die Chakras drehen [sich].
[ 22 ] Während der sechsten Runde bildet sich der Mentalleib aus. Es werden sich nicht nur Chakras bewegen, sondern von innen heraus glänzt immer mehr und mehr strahlend der Mentalleib. Jetzt ist er der strahlende Mentalleib. Das ist auf der sechsten Kugel vollkommen.
[ 23 ] In der siebten Runde bildet sich zur größten Vollkommenheit der Kausalkörper aus. [Er überragt die Grenze des Astralleibes, bis am Ende nichts als Kausalleib da ist.] Nämlich die Strahlen werden wirksamer Kausalkörper werden.
[ 24 ] Sie die [Lücke in der Mitschrift]
[ 25 ] Am Ende der siebten Runde ist nichts anderes da als der Kausalleib.
[ 26 ] Die oberste Schichte wird gebildet in der vierten Runde. Im obersten Gehirn ist das Werkzeug gegeben zur selbstständigen Betätigung. Bis dahin wirkt der dritte Logos von außen. Von dem Gehirn aus können dann die Kräfte ausströmen und die Chakras wieder in Bewegung setzen.
[ 27 ] Das, was von vorhergehender Entwicklung kommt, nennen wir Prakriti, was von der zweiten Hälfte, Mahat, und das, was von der dritten herüberkommt, Purusha.
[ 28 ] Körper ist Mahat, Seele Prakriti, Geist Purusha. [Im Samen sind Mahat und Purusha verschwunden; weitergetragen wird Prakriti.]
[ 29 ] Der Körper wird bereit durch den in ihm wohnenden Geist. Der Körper würde keine Fehler machen, wenn er nicht durch Geist [verführt] würde. Es gibt keine körperliche Sünde. Alle Sünde ist geistiger Natur. Grausam kann erst [ein] Mensch sein, der aufgegeben hat das Kama zu zügeln. Erst von [der] Mitte der lemurischen Rasse ab gibt es ein «Gut und Böse, vorher noch nicht. Geist und Körper sind zwei vollkommene Teile. In der Mitte von beiden liegt Kama, die Seele, sie ist der Träger der Unvollkommenheit.
[ 30 ] [Der Körper ist der Geist von außen, Mahat. Die Seele ist Prakriti.]
[ 31 ] Es gibt nichts so Vollkommenes wie Ihre Lunge, Ihren Magen, Ihr Herz. Wären die geistigen Fähigkeiten so vollkommen [wie die Organe], so hätten Sie [die] geistige Vollendung erreicht. Das Physische irrt sich nicht, das Mineralische irrt sich überhaupt nicht. Es kann sich nicht irren.
