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The Rudolf Steiner Archive

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Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a

15 June 1904, Berlin

30. Folgende Runden

[ 1 ] Dadurch, dass innerhalb der vierten Runde ein Kern in die Hüllen eintritt, kann sich dieser Kern erhalten, während die Hüllen abfallen. Geburt und Tod. Dieses abfallende und immer sich fortbildende in der vierten Runde ist das Mineralreich. Der Stoff an sich ist jetzt unsterblich. Dadurch, dass sich ein Kern erhalten hat, der im Nervensystem einen äußeren Anhaltspunkt findet, hat sich Manas mit dem Menschen verbinden können. Kama-manasisch ist nur der Mensch.

[ 2 ] Auf der einen Seite ist nun Geburt und Tod und damit Zweigeschlechtlichkeit. Vor der vierten Runde ist ein zweigeschlechtliches Tiergeschlecht nicht vorhanden gewesen. Erst wenn Manas einzieht in das Nervensystem, entzieht es den Hüllen die Kraft, ein Gleichmäßiges hervorzubringen. Sie müssen erst angeregt werden. Was die Sexualität bietet ist von außen das, was früher von innen gewesen ist. Die kombinierende Verstandestätigkeit ersetzt das frühere produktive Aus-sich-heraus-Schaffen, Manas entzieht die Eingeschlechtlichkeit. Eingeschlechtliche Tiere haben bis jetzt keinen manasischen Funken. Der Mensch hat, indem er das Tiergeschlecht heraussetzte [Lücke in der Mitschrift], gab ihm als Dankesgeschenk die Zweigeschlechtlichkeit. Das Manasische will nach außen wirken -, daher war in der dritten Runde das Menschengeschlecht stumm, und es ist noch Tier; erst das den Übergang bildende Tier wird tönend. Stimme und Sexualität sind zwei Pole, die eng zusammenhängen. Immer höher und höher wird sich in der vierten Runde die Sprache entwickeln -, immer tiefer und tiefer zu führen ist die Gefahr der Sexualität.

[ 3 ] Es trat die Produktionskraft nach innen in den Kern und wurde als Wort herausgepresst während der vierten Runde. Wort und Sexualität sind das äußere Gepräge des Menschen. Manas hat jetzt die Aufgabe der Kern-Beherrscher, der Regulator für das zu werden, was jetzt nach außen gekommen ist — das Böse, die Leidenschaft.

[ 4 ] Dieses alles wird als Keim in die fünfte Runde hinübergenommen. Eine neue Organreihe wird das Ausdrucksmittel werden. Die Lunge, das Atmungsorgan, das sich zum Kehlkopf, Sprechorgan ausgebildet hatte. Herz und Zirkulationsorgane werden in der fünften Runde ein eigenes Ausdrucksorgan gebären. Wie er jetzt das Wort ausstrahlt, wird er sein ganzes inneres Wesen ausstrahlen, und es wird unmöglich sein, dass der Mensch sein eigenes Wohl vom Wohl des anderen trennt. Wie durch das Wort jetzt Manas ausgestrahlt wird, wird Budhi durch das Herz ausgestrahlt werden und unmittelbar umfassen.

[ 5 ] Die es noch nicht erreicht haben, werden Wilde sein! Dies ist die Normalentwicklung.

[ 6 ] Mit dem Wort kann man noch verwunden, mit dem Herz-Atem unmöglich. Wir müssen das Wort so umzugestalten versuchen, dass es nicht mehr verwunden kann:

Eh’ vor den Meistern kann die Stimme sprechen, muss das Verwunden sie verlernen.

[ 7 ] [Dies] zu dem Zwecke, dass das nicht verwundende Wort sich in den Kern zurückzieht und das Herz entwickelt. Das Herz tritt also nach außen -, die Sexualität fällt ab, und es wird Körperhülle, was jetzt durch Geburt und Tod ausgebildet wird. Wie die Produktionskraft die Sexualität nach außen getrieben hatte und Gut und Böse entstand, so drängt er jetzt das Böse nach außen. Die äußere Gestalt ist gewoben aus dem, was jetzt die Leidenschaften sind. Das äußere Antlitz wird genau das sein, was er jetzt vorbereitet als Gut und Böse. Mit dem Abzeichen ihrer Leidenschaft werden [die Menschen] geboren werden. Wie das Böse jetzt ihre innere Kraft ist, tragen sie sie in der fünften Runde nach außen.

[ 8 ] Die fünfte Runde wird durch die Enthüllung des Geheimnisses die Menschheit spalten in Kains und Zeichen.

[ 9 ] Das ist der esoterische Sinn, der ganz entstellt ist im christlichen Jüngsten Gerichv.

[ 10 ] Die sechste Runde ist schwieriger darzustellen.

[ 11 ] Das, was jetzt Organ geworden ist, das Herz, ist so weit geworden, dass es nach außen sich ergießt. In der fünften Runde ist das Wort innere Kraft, es drängt nach außen das Herzensorgan und ist noch Inspirator. In der sechsten Runde geht alles nach außen, der Mensch wird ganz Herz, das Wort ist sein äußerer Leib, der Mensch wird Tonwelle, das Herzblut hat sich ganz nach außen gedrängt, der Ton wird sprießen -, der Tiergedanke ist verwirklicht, was sich von innen drängt, ist sinnvolles Wort, wandelnde Sprache geworden.

[ 12 ] Deshalb müssen wir lernen, vor den Meistern zu stehen. Das Herzblut ist nach außen geflossen, der Mensch Ton geworden. [Lücke in der Mitschrift]

[ 13 ] In der sechsten Runde ist das Äußere das Wort selbst, der Ton, und das Innere ist der Mensch selbst, der sich ganz lebt.

[ 14 ] Jetzt in der siebten Runde ist er, was er ist, der selbstbewusste Gedankenmensch, der in sich selig ist. Zustand der Gottseligkeit, kein Unterschied zwischen Äußerem und Innerem.

[ 15 ] Während der vierten Runde ist also die Freiheit in die Welt getreten, und wir haben es in der Hand, so wenig wie möglich Kains zu [werden]. So ist Luzifer der Lichtbringer, der aber zugleich das Böse in die Welt gebracht: In Eure Hand ist gelegt, Kains und Abels zu werden. Das wurde in der ganzen furchtbaren Größe in den Mysterien vor die Griechen gestellt.

[ 16 ] Ohne die Möglichkeit unterzugehen, hätte der Mensch nie frei werden können.