Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a
11 August 1904, Berlin
50. Die Aufgabe der zweiten Hälfte der Entwicklung
[ 1 ] Der Zusammenhang des einzelnen Menschen mit der ganzen Entwicklung wird nun durchsichtiger. Wir unterscheiden nun:
1. Lebenslauf zwischen Geburt und Tod
2. Aufenthalt in Kamaloka
3. Aufenthalt in Devachan — mit a) rupischen, das heißt niederen mentalen und b) arupischen.
[ 2 ] Jeder Mensch, selbst ein unentwickelter Mensch, betritt auf kurze Zeit Arupa. So hätten wir vier Zustände. Diese entsprechen genau den vier Zuständen auch des Planetenkörpers, beim Niederstieg wie beim Rückgang.
[ 3 ] Während die ganze Menschheitsentwicklung bevor sie physisch wurde, durch drei Zustände durchgegangen ist, können wir sagen: Alle Wesen, die in Betracht kamen, waren
1. im höheren Devachan,
2. abwechselnd auf dem oberen und unteren,
3. auf der Erde in vier Zuständen.
[ 4 ] Da in der nächsten Runde nicht mehr das Mineralreich sein wird, alles in lebendiger Art, wird ein Wechsel zwischen Geburt und Tod nicht sein. Es wird fortwährendes Leben sein. Der Wechsel von Geburt und Tod wird nicht mehr auftreten, und an seiner Stelle wird nur Wechsel zwischen gut und böse sein. Es kann noch ein Wechsel zwischen den höheren Zuständen eintreten; das was Kamaloka ist, wird tiefster Zustand sein. Unterscheidung von heute, dass jetzt nur Kamaloka ist; in der fünften Runde aber noch physisch.
[ 5 ] Wie heute jeder Mensch im Kamaloka astral plastisch gebildet wird, mit Lastern und Tugenden, so wird er auf Erden sein. Sodass während der fünften Runde das Kamaloka vollkommen irdisch sein wird. Ein Wechsel wird noch da sein, obgleich nicht Geburt und Tod, sondern Wechsel zwischen astral und mental. Es wird möglich sein, dass der Mensch sich hin und wieder zurückzieht vom Mentalen, wenn das Maß seines Bösen so voll ist, dass er in diesen höheren Zustand eintreten kann. In der Regel wird es so sein, dass, wenn jemand alles ausgetragen hat, er nicht mehr zurückzukehren braucht. Sodass wir von selbst in den devachanischen Zustand übergehen und nur diejenigen, die so viel des Bösen mitgebracht haben, dass sie nicht die Möglichkeit gefunden haben, es abzutragen, die werden in der fünften Runde ausgeschieden.
[ 6 ] Diejenigen, die mitgehen, kommen in die sechste Runde, wo alles, was mental ist, ausgelebt wird. Es gibt dann nicht die Möglichkeit, Böses zu tun, die höchste tierische Art lebt sich aus.
[ 7 ] Die Aufgabe der sechsten Runde ist es, alles dasjenige noch harmonisch zu gestalten, was im Mentalen organisiert ist. Alles wird voneinander geschieden, was logisch und was unlogisch ist. Sodass in die siebte Runde nur das kommt, was absolut logisch ist. Ein unrichtiger Gedanke tönt als unrichtiger Rhythmus, als unrichtige Gestalt, und wird von selbst vernichtet. Daher sagt der Okkultist: Alles das, was als Lüge, als Unwahrheit in die sechste Runde hinübergebracht wird, bedeutet einen Selbstmord des Wesens. Unrichtiges Tun ist schon hier Selbstvernichtung, in der sechsten Runde ist schon unrichtiges Denken Selbstvernichtung. Und daher folgt, dass die Erde alles Unwahre ausschaltet und nur lauter Wahrheit in die siebte Runde hineinbringt.
[ 8 ] In der vierten Runde haben sich karmische Konti ausgeglichen. In der fünften ist etwas geblieben, es wird in die achte Sphäre abgeschieden. Hinübergenommen kann werden höchstens das Unwahre, das sich selbst vernichtet. So wird der siebte Zustand die Seligkeit, die als Samenkorn hinübergeht auf den neuen Planeten.
[ 9 ] Sie sehen, dass wir es in der zweiten Hälfte der Erdenentwicklung zu tun haben mit fortwährender Reinigung. Das einzige, was nun bleibt, ist, was nicht berührt werden kann von den vier Dingen, die eben genannt wurden, das, was hinüber geht zur nächsten Entwicklung: der Grad der Entwicklung. Ein Wesen kann ein wenig reicher und inhaltvoller sein Leben gelebt haben und wenig im Karma haben, andere reichlich. Der Grad kann nicht geändert werden. Wer viel Hässliches aufgespeichert hatte, musste durch große plastische Kraft den Ausgleich schaffen. Die Wesen kommen mit verschiedenen Graden der Vollkommenheit hinüber - wie die Pitris hierherkamen. Nichts, was im Monde erfüllt ist, ist zu uns hinübergekommen, sondern nur, was seine Grade der Entwicklung durchgemacht hat.
