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The Rudolf Steiner Archive

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Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a

14 November 1904, Berlin

71. Entstehung von Karma

[ 1 ] Wir verstehen unter Karma etwas, was in der Mitte der lemurischen Zeit begonnen hat und Ende der sechsten Wurzelrasse sein Ende finden wird. Individuelles Karma entsteht durch Geburt und Tod. Ein Wesen, das nicht mit einem Teil in die Erscheinungsform hinausragt, hat kein individuelles Karma. Ein Weltenkörper geht über aus einer Erscheinungsform in die andere. Wir nennen aber Karma, was sich ausdrückt durch Gut und Böse; nur was zwischen Geburt und Tod liegt, gehört zu der Verkettung, die wir individuelles Karma nennen. Wie ist Karma in die Welt gekommen?

[ 2 ] Vergegenwärtigen wir uns die Situation in der Mitte der lemurischen Zeit. Die Formgestaltung war so weit vorhanden, dass ein menschlicher Körper da war, in den Gedanken einziehen konnte. Vorher hatte sich aber mit diesem Körper verbunden das, was wir menschliche Seele nennen; die war herübergekommen aus dem Mond-Menschen, und nach seinem Muster waren Körper entstanden. Sie waren begabt zunächst so, dass sie zweigeschlechtlich waren. Auferbaut, aber nicht vollkommen. Diese Körper müssen wir noch als vollkommene Tiere behandeln; sie werden erst nach dem Einziehen von Manas Menschen. Wir können also wie auch beim Tier ebensowenig beim Menschen von Karma sprechen.

[ 3 ] Die Körper waren also gradweise vollkommen; ebenso waren die herübergekommenen Seelen nach verschiedenen Graden der Vollkommenheit gestaltet: Solare, Pitris, sieben niedrige Pitris; es gab auch normale und solche, die immer auf einer Stufe zurückgeblieben sind. Also sieben Grade von Entwicklung. Die Vollkommensten konnten schon Macht gebrauchen, die Körper zu beherrschen. Die andern waren noch nicht auf der Stufe; die Menschen waren wie eine Maschine, die sie nicht die Macht gehabt hätten zu dirigieren. Solche Pitris wurden Menschen aller vollkommenster Art: die ersten Arhats. Sie besaßen vollkommene Körper, vollkommene kamische Schaffenskraft, vollkommene Manas, wenige aber außerordentlich und auserlesen: Lehrer, Herrscher, Regierer. Durch ausgeprägte hohe Arhats wurde Kamisches bewirkt. Sie besaßen übermenschliche Fähigkeiten und hatten vollkommene Einsicht in das, was Schaffenskraft ist, fast auf der Stufe früherer Etappen. Der Mensch war als Materie viel feiner und daher zum Schaffen leichter. Sie waren natureingeweiht. Den anderen hat der Funke von Manas nicht rasch geholfen, denn das kann nur sein, wenn Kama die physischen Teilchen des Gehirns in Bewegung bringt. Die Gedanken sind wie in einem Bett. Es war ein traumartiges Denken, das hier Platz griff: Träumer, höher entwickelte Tiere, dumpfe Menschen.

[ 4 ] Die hätten fort und fort existiert auf der Erde, wenn nicht eine dritte Gruppe eingeschlagen hätte. Arhats konnten kein Karma bilden, weil sie alles überschauten und Gutes wählten; diese, weil sie nicht zu erkennen vermochten.

[ 5 ] Es waren drei Gruppen von Pitris, die sich weigerten, von diesen Körpern Besitz zu ergreifen, und die warten wollten, bis sie selbst von den Körpern Besitz ergreifen, bis sie von sich aus sie vollständig beherrschen konnten. Die Körper damals hatten nur automatisch Manas bewegen können. Sie warteten, daraus entstand die dritte Gruppe; die warteten, bis sie von den zweiten dhyanischen Wesenheiten so weit vorbereitet waren, dass sie selbst lenken konnten. Die Körper waren also da, wurden aber nicht besetzt. Sie wurden von viel niedrigeren kamischen Wesenheiten ergriffen. Die Folge war, dass sie herunterkamen, dass sie sich rückentwickelten, den Tieren gleich wurden, und dies sind die amanasischen Wesenheiten. Das ist die Ursünde, die darin besteht, dass Manas nicht Besitz ergriffen hat von den Körpern, und deshalb etwas anderes entstanden ist, als im normalen Weltenplane vorhergesehen war. Es war eine Handlung aus Freiheit.

[ 6 ] Die Arhats vererbten natürlich nur vollkommene Eigenschaften, die Traumwesen vererbten in immer gesteigerter Potenz auch die menschlichen Eigenschaften. Diese vererbten eine verschlechterte menschliche Form, und das ist die Erbsünde. Durch diesen Schritt der Freiheit ist der Mensch ein sich selbst bestimmendes bewusstes Wesen. Nur diese Pitris, die wir die luziferischen nennen, haben es dazu bringen können, die Freiheit zu erreichen.

[ 7 ] Im Willen der Elohim wäre es gewesen, dass alle sich verkörperten. Diese Wesen kamen unter den Einfluss der Wesen, die auf einer früheren dhyanischen Stufe stehen geblieben waren; diese weigerten sich zu inkarnieren. Jetzt kam auch die Möglichkeit der Krankheit. Diese Körper, die sich selbst überlassen blieben, waren den elementaren Einflüssen unterworfen. Als die Pitris reif geworden waren, fanden sie schon verschlechterte Leiber. Der Ruck, der hinuntergemacht wurde in die physische Natur, muss verbessert werden, und das ist Karma; die Erbsünde, der eigene sündige Leib.

[ 8 ] Die Bibel stellt dies dar zunächst als den Einfluss der Schlange. Weiterhin in großartigen Bildern. Zunächst diejenigen, die unter dem Einfluss der Elohim Arhats geworden waren; sie waren absolut unter der Führung des Elohim. Sie konnten die Naturkräfte benutzen, die schon da waren, nicht lernen. Die andern, die nachkamen und die später die Körper beseelten, mussten nach ihrer eigenen unmittelbaren Ansicht schaffen. Sie standen den eigenen schöpferischen Wesen nun ferner, und das ist sehr schön dargestellt in Kain und Abel.

[ 9 ] Ohne Sünde gäbe es keine Freiheit, keine Möglichkeit des selbstbewussten Menschen. Damit schließt sich zusammen das, was wir das luziferische Prinzip genannt haben mit der Entwicklung des Menschen. Dass der Mensch die Samenkraft benutzen konnte während der atlantischen Zeit, verdankt er dem luziferischen Prinzip.

[ 10 ] Nur durch die auf diese Art entstandenen Menschen konnten Wissenschaft und Künste in die Welt kommen. Was Arhats lehrten, war überirdisches Wissen, die uralte Weisheit, die unsere Theosophie bringt. Das irdische Wissen entstand durch diese dem Karma unterworfenen Wesen.

[ 11 ] Die Vermischung der Menschen mit Tieren: Dadurch, dass die Körper verschlechtert waren, entstanden die affenähnlichen Wesen, und diese vermischten sich mit den von niedrigeren Pitris bewohnten Körpern. Die höchst entwickelten Affen sind solche Menschen, die sich in einer Sackgasse verloren und den Anschluss versäumt haben. Sie haben manchmal entwickeltere Astralkörper als niedrige Menschen, weil sie ein schuldfreies Kama haben.

[ 12 ] Die Tiergattungen sind dazu berufen, Mensch zu werden, nicht die einzelnen Tiere; Haustiere werden schneller, Affen langsamer. Die menschliche Gattungsseele ist dhyanisch; die Gattungsseelen jener Pitris weigerten sich und diese waren Luzifere.

[ 13 ] Die Arhats sind nicht zu verwechseln mit den Buddhas und Boddhisatvas.

Aus der Fragenbeantwortung

[ 14 ] Hätte der Mensch behalten, was er abgestoßen, so hätte er sich nicht so fein entwickelt. Seine hohe Entwicklung dankt [Lücke in der Mitschrift]

[ 15 ] Im Volke leben uralte Tatsachen, denen nicht Willkür sondern tiefe Zusammenhänge zugrunde liegen. Sie alle kennen das hölzerne Pferd. Odysseus ist der kluge, listige Vertreter des Verstandes, somit also der Haupteigenschaft unserer fünften Wurzelrasse. Damals wurde die Sage so ausgestaltet, dass Odysseus ein hölzernes Pferd ausgedacht hat.

[ 16 ] Wir finden das Pferd auch als Repräsentanten der fünften Wurzelrasse. Pegasus; in der Bibel oft; in indischer Sage, in der Vishnu auf dem Pferd Kalki reitet. Alles vor Christus. In der Apokalypse, als uns die Siegel eröffnet werden, erscheint uns auch das Pferd, erst dann [Lücke in der Mitschrift] dann gelb. Es wird das Pferd als etwas Besonderes dargestellt, als im Zusammenhang mit der fünften Wurzelrasse. Auch bei alten Deutschen, die es von Druidenpriestern empfangen. Kaum gibt es eine Nation der fünften Wurzelrasse, bei der nicht das Pferd eine besondere Ehre genießt. Okkulte Tatsachen.

[ 17 ] Ganz bestimmte Tiere mussten abgestreift werden, damit sich ganz bestimmte Eigenschaften entwickeln können. Früher war bloß Gedächtnis, jetzt bildete sich aus die verstandesmäßige Geistestätigkeit. Nur hätte er nicht diese Tätigkeit ausbilden können, wenn er nicht die Eigenschaften, die ihn daran verhindert haben, an Unpaarhufer abgegeben. Wir müssen zurückgehen in noch ältere als lemurische Zeiten. Damals wurde herausgeschält, was zu Unpaarhufern werden sollte. Damals war es anders gestaltet. Jedes Wesen kann sich nur entwickeln, wie seine Umgebung es gestattet, damals waren wässrige Luftmassen, dünnes Wasser. Alles war Nebel. Niflheim.

[ 18 ] Die mussten sich durch die Verdichtungszustände durcharbeiten und wurden so zu dem, was sie heute sind. Ihre Form hat sich aus ganz andern Gestalten heraus entwickelt, und diese Form entstand damals, als sich bei den Atlantiern der Verstand entwickelte. Diese waren also für sie zusammenhängend. Sie sagten sich [Lücke in der Mitschrift]

[ 19 ] Wir müssen uns daher zum Pferde in einer ganz besonderen Weise stellen. Hätten wir diese Organisation in uns, hätten wir nie zu unserer Verstandestätigkeit aufsteigen können. Es ist gleichsam die Kehrseite. So verehrt der Mensch der fünften Wurzelrasse im Pferde dasjenige, dem er seine Verstandestätigkeit verdankt. Deshalb die Lösung der Siegel in der Apokalypse.

[ 20 ] Die Naturwissenschaft müsste das doch auch erkennen bzw. beweisen können, wenn die Erfahrung der Okkulten richtig ist. Die Ahnen unseres Pferdes müssten wir im Schutt finden in dieser Zeit der Atlantis.

[ 21 ] Oberste Schichte der Erde ist das Alluvium, darunter Diluvium, weiter Tertiärschichte. Dann Pliozän, Miozän, Eozän, Gestaltungen im Gestein. Da finden wir auch schon menschenähnliche Skelette. Graben wir tiefer, kommen wir zur Kreide, Juraformation. Nun finden wir in den Eozänschichten versteinerte Pferdeknochen, und dies ist die Schichte der atlantischen Rasse. Das Verstandeswissen charakterisiert sich darinnen, dass es den Gegenstand außer sich hat und sich darüber Begriffe bildet. Das war bei den ursprünglichen Atlantiern und Lemuriern anders. Sie hatten ein instinktives Wissen, das am Gehirn haftete. Dieses Gefühl ist verloren gegangen, nur noch vorhanden in der reinen Sexualität, instinktives Zusammengehörigkeitsgefühl, das früher der Mensch im Geiste hatte. Sie hatten auch so wahrgenommen die Verwandtschaft ihres Verstandes mit dem Pferde. So verdankt der Mensch seine höheren Eigenschaften dem, was er in der Natur zurückgelassen hat.

[ 22 ] Wenn wir zurückgehen in die Zeit der hyperboreischen Rasse, finden wir, dass ganz bestimmte menschliche Eigenschaften dadurch erworben sind, dass ganz bestimmte Tiergruppen sich abgespalten haben. Ein lebhaftes Bewusstsein von ihrer ursprünglichen Verwandtschaft mit ganz bestimmten Tierformen haben die Urvölker immer gehabt. Auf diesem Gefühl beruht der Totemismus gewisser Völker. Sie töten alles außer gewissen Tieren; das gilt ihnen als Tabu. Nach diesem Tier benennt sich der Stamm und erklärt das Tier als Tabu, nicht tötbar. Der Totemismus führt also okkult zurück auf das Abstreifen gewisser Tierwesenheiten.

[ 23 ] Es ist in der neuesten Kulturwissenschaft immer wieder aufgefallen, dass gewisse Völkerschaften den Darwinismus in sich hatten als Gefühl. Das ist kein Phantasiespiel, sondern aus einem Urbewusstsein heraus haben sie die Tierspaltung als Inhalt ihres Gedächtnisses gehabt. Es ist eine Kraftspaltung. Bei einzelnen Stämmen findet sich eine Einrichtung, die den heutigen Menschen nicht erklärbar ist, die aber darauf zurückgeführt werden kann, dass es Wechselwirkungen gibt, die anderen Wahrnehmungen als den äußeren Wahrnehmungen entspringen: psychische Kräfte. Daher Einrichtung des MannesKindbettes bei einzelnen Urvölkern. Jenes ursprüngliche Wirken des Menschen auf den Menschen, das in der fünften Wurzelrasse ganz verlorengegangen ist. Es erhalten sich Dinge als Bräuche, die den Sinn verloren haben. Grade so ging ein Einfluss von der ganzen Natur auf den Menschen, er fühlte eine ursprüngliche Verwandtschaft mit dem Tier: Totembär, -bär -tabu, unverletzlich. Die Naivität denkt nicht Symbole aus, diese beruhen auf Tatsachen. Ganz. anschaulich hat es sich dargestellt in den Kentauren. Der Mensch hat sich herausgezogen aus dem Pferd, und hat dies Erinnerungsbild festgehalten. Odysseus hat die Schlauheit in sich, und er stellt sie äußerlich dar, in dem, wodurch Troja erobert wird.

[ 24 ] Nun liegt der Liebe zum Pferd noch etwas zugrunde. In den nächsten Runden wird wieder aufgesogen, was abgestoßen worden war. Die Gattungsseelen werden wieder erlöst. Was der Mensch in der fünften Runde entwickelt, wird wieder das sein, wodurch er das Pferd erlösen wird. Sodass der Mensch jetzt seinen Verstand entwickelt auf Kosten der Gattungsseele der Pferde. Er schafft in der sechsten Runde in das Manasisch-Tierische hinein. Selbst Leben wird er geben, die Eigenschaften, die er gerade dem Pferde verdankt, wird in ihm Tätigkeit, Weltenkarma werden. Das Pferd trägt ihn hinüber, dem Pferde verdankt er es, dass er später manasisch-schaffend wird. Daher gebraucht Platon das Bild der beiden Pferde, die die Seele ziehen; daher Pegasus, daher die Rosse des Sonnenwagens.