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The Rudolf Steiner Archive

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Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a

27 Dezember 1904, Berlin

76. Rassenbildungen bis zur Befruchtung mit Manas (Tierabspaltungen)

[ 1 ] Verfolgen wir die Entwicklung innerhalb unserer Runde, und zwar von der Mitte an. Die Erde ist zum vierten Mal im physischen Stadium, sie ist ganz feine Materie, ätherisch. In dieser Äthermaterie sind schon vorhanden: die Mineralien in ihrer Anlage, die niederen Tiere in der Anlage, Pflanzen in der Anlage und der Mensch als ein astrales Wesen.

[ 2 ] Denn er hat es innerhalb der drei ersten Runden nicht weiter gebracht; er hat nur die anderen Reiche hinausgesetzt; er beginnt sich in Äthermaterie zu verwirklichen, und wartet darauf, in die Astralform die Äthermaterie einzugliedern. Der Mensch hat also nur den Ätherdoppelkörper. Wir wollen diese Verbindung des astralen Menschen und der Äthermaterie betrachten.

[ 3 ] Der Äther hat nur eine Äußerung: Er kann schwingen, und deshalb konnte sich beim Menschen nur das Organ ausbilden, das auf Schwingungen reagiert: der Gehörsinn. Der Mensch konnte nur durch das Gehör wahrnehmen. Es war noch ein Nachklang von jener Sphärenharmonie, von der die Pythagoreer sprechen.

[ 4 ] Ursprünglich war dieser Ätherkörper ein viel komplizierteres Wesen, denn er hatte alle Tiere, die sich später abspalteten - Amphibien, Vögel, niedere und höhere Säugetiere — noch in sich. Wir nennen diese Äthermenschen die ‹polarische Rasse›, denn diese lebte in der Zone um den Nordpol herum. Geologische Überreste konnten selbstverständlich von dieser Rasse nicht bleiben.

[ 5 ] Das erste, was sich heraussonderte, waren natürlich die amphibischen Tiere, zunächst die Fische. Die Fortpflanzung dieses Menschen war folgende: Zunächst war er ein astraler Mensch und nahm die Materie in dieses Astrale auf, sodass er sich selbst formte. Man nennt es Selbsterzeugung. Diese geht über in die Art, dass, indem der Mensch Materie aufnimmt, er sich vergrößert und dann spaltet. Man nennt diese Art: ‹Sprossung›.

[ 6 ] Blavatsky nennt es «Schweißgeburv; der Ausdruck ist nicht schön gewählt, der Vorgang erinnert mehr an das Hervorgehen eines Gegenstandes aus dem andern, wie bei spiritistischen Sitzungen.

[ 7 ] Dadurch kann sich ein zweites Organ bilden. Die Luft hat verschiedene Dichtigkeit, man kann sie zusammendrücken, während der Äther nicht komprimierbar ist. Daher entsteht der Unterschied von Wärme und Kälte, und es bildet sich ein Tastorgan aus, mit dem Sinn für Wärme und Kälte. Von dieser zweiten, der

[ 8 ] Während der Hyperboreer-Zeit war der Mensch anfänglich noch vereinigt mit dem, was wir als Vogelgeschlecht und als das niedere Säugetiergeschlecht kennen. Nun trennte sich zunächst von ihm ab das Vogelgeschlecht, das innerhalb der Luft ein eigenes Geschlecht wurde. Es war aber nicht, wie es später wurde, denn es hatte das Säugetiergeschlecht noch in sich. Die Sage hat dies wieder wunderbar in Symbolen erhalten. Sie registriert die Taten der uralten Vergangenheit, wenn sie noch von den Instinkten der Atlantier herstammt, und zwar: den Vogelmenschen als Greif. Erst dann versteht jemand die Symbole aus den Geheimschulen, wenn er weiß, dass sie nicht stroherne Allegorien, sondern Registrationen von Tatsachen sind. Der Kentaur zum Beispiel ist der Pferdemensch, der Säugetiermensch. Diese Abspaltung geschah in verschiedensten Formen, da es viele Rassen gab: in Pferdemenschen, in Stiermenschen und so fort. Es spaltete sich in der sehr dicht gewordenen Luft der Vögel vom niederen Säugetier ab: Eine Erinnerung daran sind die Säugetiere, die Eier legen, oder ihre Jungen bebrüten, wie die Schnabeltiere und die Beuteltiere.

[ 9 ] Vom Menschen spalteten sich ab die höheren Tierklassen, und mit jeder Spaltung bekam der Mensch eine neue Eigenschaft in der Anlage. Als er die Pferde abspaltete, bildete sich bei ihm der Verstand aus; daher gilt das Pferd als Symbol des Verstandes. Wir finden es in der Apokalypse, in der indischen Sage: das Pferd Kalki; in der Mitte der dritten Unterrasse, zur Zeit des trojanischen Krieges, bei Odysseus, wodurch diese Rasse unterworfen wird. Ein Rudiment dieser Sache ist noch erhalten darin, dass, wenn der eigentliche Held, der Avatar unserer Rasse auftreten wird, er etwas zu tun haben wird mit Kalki, dem Pferd.

[ 10 ] Ebenso entstanden bei einer anderen Spaltung andere Eigenschaften. Der Mensch hätte zum Beispiel seinen moralischen Mut nicht haben können, wenn er den Löwen nicht abgespalten hätte.

[ 11 ] Betrachten wir nun näher die dritte, die lemurische Zeit. Der Mensch hat jene Dichtigkeit mitgemacht, die die Erde erhalten hat: Die Luft verdichtet sich zum Feuernebel. Wir können uns diesen Zustand vorstellen wie Nebel am Gebirge. Aber an manchen Stellen war er so dicht wie heiße Gluten: Alles floss noch darin, das Gold, der Diamant. Nun geschahen die Abkühlung und damit auch die Verdichtung des Menschen. Und der Mensch musste nicht nur anders hervorbringen, sondern er musste auch beschützen.

[ 12 ] Dieselbe Art und Weise der Fortpflanzung dauert noch bis zur Mitte der lemurischen Rasse. Innerhalb des glühenden Nebels ist noch aufgelöst, das was man Kama nennt. Wir müssen nach dem Grund fragen, weshalb die Verhärtung geschah. Kama war noch aufgelöst, und der Astralkörper des Menschen war noch in Verbindung mit den allgemeinen Kama-Massen, obgleich er schon ein Zentrum hatte. Jetzt geschah die Abschnürung der einzelnen Kama-Wesen. Dadurch entzogen sie ihre eigene Kraft den umliegenden dünneren Kama-Massen. Diese verdichteten sich, wurden fest dadurch, dass der Mensch sein Kama eingezogen hatte, das früher in ihnen aufgelöst war; damit war gegeben, dass das, was früher in der früheren Kama-Masse schwamm, jetzt von innen tätig wurde, und es entstand die Warmblütigkeit. Mit ihr verbunden ist das Hingezogensein von einem Wesen zu einem anderen. An Stelle der früheren, äußeren, chemischen Wahlverwandtschaft, traten nun Sympathie und Antipathie ein, und damit war die Grundlage gegeben für die Sexualität.

[ 13 ] Wir haben nun: Amphibien, die allmählich in Dekadenz kommen; die Vögel; dann die niederen und höheren Säugetiere; und endlich den Menschen, der jetzt erst so beschaffen ist, dass er in diese verdichtete Kama-Masse einziehen kann. Er ist so weit, dass diese Kraft, die außen war, nun von innen in ihm wirkt, Wir haben den Säugetiermenschen; er ist viel plastischer und weicher als jetzt, deshalb starken Metamorphosen unterworfen, bildsam und elastisch.

[ 14 ] Mit anderen Daseinsbedingungen und Empfindungen kommen andere Formen. Einen Nachklang davon finden wir noch bei den Dichtern, zum Beispiel in Ovids «Metamorphosen».

[ 15 ] Dadurch dass der Mensch jetzt alle Tierformen abgestreift hat — zumindest im Wesentlichen, den Affen freilich hat er noch nicht abgestreift -, war für seinen entwickelten Kama-Körper ein im hohen Grade gereinigter Organismus da, und er war imstand etwas auszusondern: einen Teil des Organismus, auf den er eine andere Kraft übertragen konnte. Es konnte das Nervensystem ausgebildet werden, und so entstand ein zweifaches Wesen. Einerseits hatte es die höchste Tiergestalt mit Knochenbau und Drüsenbau, andrerseits erhielt es das Nervensystem, wo diese Kraft sich herausheben wird — das Rückenmark. Diese Anlage konnte etwas aufnehmen, was bis jetzt nur in der Umgebung der Erde schwebte, nämlich Manas. Dies ist die Befruchtung des Menschen mit dem Manas-Prinzip.

[ 16 ] Halten wir daran fest, dass der Mensch früher ein Kama-Wesen war, welches in näherer Beziehung zu dem ihn umgebenden Kama stand, zu dem Kama der Offenbarung, das nicht selbstsüchtig und begierdevoll war, sondern sich hingab.

[ 17 ] Schaffendes und geschaffenes Kama haben wir. Dieses Kama, aus dem sich der Mensch herauszog, hat eine Erhöhung der Selbstlosigkeit dadurch erhalten, dass der Mensch die Selbstsucht einsog. Dadurch, dass dieses selbstsüchtige Kama sich herauszog, ist der Mensch irdisch liebend geworden. Und außen umschwebt ihn die göttliche Liebe in erhöhter Selbstlosigkeit. Innen arbeitet sein Manas.

[ 18 ] So haben wir im Menschen dreierlei:

1. die in ihm aufgehende sinnliche Liebe,
2. die ihn umschwebende göttliche Liebe,
3. der ihn umschwebende Manas.

[ 19 ] Jetzt tritt etwas ganz Neues auf: das Durchgehen durch Karma im menschlichen Sinne, überhaupt eine Ordnung so, wie wir sie jetzt haben — das Unterscheiden von Gut und Böse in der Welt.

[ 20 ] Es ist eine der häufigsten Fragen, die gestellt wird: Woher kommt das Unvollkommene in der Welt? Bei der Befruchtung mit Manas trat es in seiner schärfsten Weise als Böses auf [Lücke in der Mitschrift] Wie aber - fragen wir - kommt es, dass aus einem vollkommenen Weltengrunde etwas Unvollkommenes entstehen kann? Wie kommt es, dass aus etwas Vollkommenem etwas Unvollkommenes entstehen kann?

[ 21 ] Solange wir die Sache in ihrer Abstraktheit betrachten, werden wir unmöglich eine Antwort finden. Dagegen wohl, wenn wir sie so betrachten, dass der Urgrund sich in einer Mannigfaltigkeit ausbreitet, einer Mannigfaltigkeit im Raum und in der Zeit. Ihre Seele mag noch so vollkommen sein: Sie wird die rechte Hand, wie die linke dirigieren — das ist, weil sie die Hände nicht zu ihrem Ebenbilde gemacht hat. Das ist aber, was der allliebenden Gottheit zukommt. Gerade dadurch, dass Gott in unendlicher Liebe die Ebenbildlichkeit an die Mannigfaltigkeit abgibt, ist die Möglichkeit des Kampfes ums Dasein gegeben.

[ 22 ] Noch mehr begreifen wir das Unvollkommene in der Zeit. Wir brauchen hier nur an das Beispiel des Klavierbauers und des Klaviervirtuosen zu denken. Jeder leistet an seinem Platze Ausgezeichnetes. Der Klavierbauer ist ein Künstler in seiner Art. Wäre er aber in seine technische Arbeit so verliebt, dass er auch im Konzertsaal anfangen würde zu klopfen und zu hämmern, während der Virtuose spielt, entstände Disharmonie. Versetzt an den falschen Ort, respektive in die falsche Zeit, wäre das Gute. Dies Beispiel hilft uns, vieles zu verstehen. Ein versetztes Gutes ist das Böse.

[ 23 ] Der Begriff der Zeit in Verbindung mit dem Begriff der Freiheit, lässt uns die verschiedenen Grade der Vollkommenheit oder auch das relativ Unvollkommene verstehen, dadurch dass es die verschiedenen Stufen der Entwicklung in sich schließt.

[ 24 ] Halten wir daran fest, dass die Wesen nicht gleich schnell an ihr Ziel gelangen. Am Ende der lunarischen Epoche gab es Wesenheiten, die es grade so weit gebracht hatten, als die Entwicklung es erforderte. Andere blieben zurück.

[ 25 ] Wir haben noch nicht betrachtet, was befruchtete. Wir haben den Stoff betrachtet, aus dem sich der Pitri entwickelte und die Seele des Pitri. Aber noch nicht den Tropfen Manas, ein Stück vom Höheren, das die Erde umschwebte. Dass der Tropfen sich hineinsenken kann, ist nur möglich dadurch, dass diese höheren Wesen, diese schöpferischen Mächte, die jetzt den Menschen mit Manas begabten, sich auch dazu entwickelt haben.

[ 26 ] Jeder menschliche Manas ist ein Gedanke in diesen Wesen, die die Erde umschweben -, in den Dhyan-Chohans, in den Elohim -, die so weit reifen mussten. Dass diese überirdischen Wesen reif wurden zur Begabung mit Manas, ist dadurch entstanden, dass sie auf dem Monde etwas gelernt haben. Es ist auf dem Monde etwas geschehen, was sich nur mit dem Worte «übermenschliche Kunsttätigkeit bezeichnen lässt - in größter kosmischer Weisheit eingerichtet. Der Mensch hätte nicht herausholen können seinen ganzen künstlichen Bau, so weisheitsvoll wie es lungen-, herz- und magenbegabte Wesen sind. Deshalb nennt man die lunarische Epoche die der «kosmischen Weisheit. Diese wurde abgelöst auf Erden von der «kosmischen Liebe. In Bezug auf seine Liebe ist der Mensch ebenso abhängig von Wesen, die über ihm sind, wie damals in Bezug auf Weisheit. Die Weisheit, die involviert ist, tritt als Manas auf.