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The Rudolf Steiner Archive

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Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a

30 Dezember 1904, Berlin

79. Vergangene und künftige Runden

[ 1 ] Wenn man von den folgenden Runden spricht, so könnte es dann scheinen, als ob man etwas, was nicht gewusst wird, erzählt. Das [, was erzählt wird,] ist aber unzweifelhaft, insofern es sich auf die Gesetze bezieht. Der Mensch muss mitarbeiten an der Zukunft und sich mit diesen Gesetzen bekannt machen. Es muss immer Wasser entstehen, wenn Wasser und Sauerstoff zusammenkommen. Die Gesetze sind ewig, und insofern sie gesetzmäßig sind, enthüllt sich die Zukunft.

[ 2 ] In den nächsten Runden wissen wir, dass die Reiche aufgesogen werden und dass der Mensch Mensch wird in der siebten Runde. Es frägt sich, welches die äußere Form des künftigen Pflanzenreichs sein wird. Denn zu Bewusstsein und Leben kommt die Form. Wir haben die Form der ersten Runde kennengelernt, der zweiten, der dritten und jetzt die der vierten, die darin besteht, dass der mineralische Mensch der Geburt und dem Tod unterliegt. Das dritte Reich verlief unter dem Zeichen der Wahlverwandtschaft. Das zweite stand im Zeichen der Zahl.

[ 3 ] Welches ist die Form der nächsten Runde? Sie ist dadurch bedingt, dass der Mensch dann viel plastischer sein wird, kein starres Mineralreich ihm entgegensteht. Nach was wird diese Form gebildet? Immer von demjenigen, was zurückbleibt auf Kosten dessen es sich weiter entwickelt. Das ist jetzt das Böse. Der Mensch entwickelt sich durch Karma durch zum Guten. Er überwindet Karma ganz schon in der vierten Runde; saugt das Gute heraus und lässt zurück das Böse. Sodass aus diesem Bösen die Formen der nächsten, der fünften Runde gebildet werden. Sodass die fünfte Runde äußerlich zur Schau tragen wird den plastischen Abdruck aller bösen Taten der vierten Runde. Das Neue Testament gibt uns das Bild dieser Wahrheit im jüngsten Gericht. Das Böse wird sichtbar sein. Die Menschen werden im Gesicht das Gute tragen, das sie erworben haben, und werden Wesen erzeugen durch die vorangegangenen bösen Taten. Das karmische Schuldbuch wird offen liegen.

Erste Runde: Abgrund; das Sich-Erblicken im Spiegel
Zweite Runde: Zahl, Maß, Gewicht
Dritte Runde: Wahlverwandtschaft
Vierte Runde: Geburt und Tod
Fünfte Runde: das Böse.

[ 4 ] Das wirkt wie schuppenlösend, indem es zeigt, dass der Mensch nicht verbergen kann sein Böses. Er wird es wie vergraben finden, ein neues Reich das zwischen Tierreich und Menschenreich sich einschiebt; niedere Menschen, welche die Taten tragen von der Schuld der jetzigen Menschheit. Nun kann der Mensch nur wieder aufsaugen, was er aus sich herausgesetzt hat. So macht er es mit den Reichen, mit Geburt und Tod, mit dem Bösen, das er heraussetzt, um es in der Form wieder aufzusaugen. Persönlich wird er es tilgen können schon in dieser Runde und ausgleichen, aber es werden seine Taten vergraben sein in ein neues Reich, in der Objektivität. Er kann es befreien, weil er auf Kosten des herausgesetzten Bösen die Unschuld erreichen kann.

[ 5 ] Alles Kamische, welches mit dem Bösen imprägniert ist, ist jetzt außer ihm. Dieses Böse macht es ihm unmöglich, das höhere Selbst zu erreichen. Es ist jetzt außer ihm. Das höhere Selbst kann jetzt seine Aura gestalten, das Äußere kann das Innere gestalten. Wenn das Äußere dann ganz das Innere gestalten wird ohne Hindernis durch Kama, dann haben wir das unmittelbare Mentale selbst. Sodass in der sechsten Runde die Menschheit den mentalen Körper hat.

[ 6 ] Das Innere prägt sich im Äußern aus, wenn wir das, was wir sprechen, den Wellen der Luft übergeben. Das ist, was wir in der sechsten Runde tun werden. Kein Verbergen des Innern mehr, was der Mensch ist, strömt er aus, seine ganze Seele liegt offen. Indem der Mensch durch sein ganzes Wesen sich selbst ausspricht, ist die sechste Runde die des Wortes. Das Wort wird zwar nicht Fleisch, das konnte es nur in Christus werden, aber Form, Gestalt. Ähnlich war es schon in der zweiten Runde; nur waren die Schälle unartikuliert, sprachen nicht die Wesen aus; jetzt sprechen sich aber die Namen aus. Jeder Mensch spricht seinen Namen in die Weltwesenheit hinein. Novalis’ Schriften sind in dieser Beziehung wie Ahnungen großer theosophischer Wahrheiten. Die Vereinigung mit der himmlischen Sophia ist dann bewusst erreicht.

[ 7 ] In der siebten Runde wird nun die völlige Vereinigung erreicht. Die menschliche Seele verliert sich nicht in der Gesamtheit; jeder Mensch hat seinen Namen, aber diese Namen klingen zusammen in einer großen Satzharmonie. Und dieser Name ist der der Erdengottheit. Kein Grad des Bewusstseins, der erreicht ist, kann verloren werden, aber zusammen klingen alle diese Namen und geben den der Erdengottheit. Goethe: Gewoben ist [Lücke in der Mitschrift]

[ 8 ] Das ist das unsterbliche Kleid, das da bleibt, und in der esoterischen Sprache nennt man es die ‹Gottseligkeit›. Also ist die

erste Form: Spiegelung im andern, Objektivität
zweite Form: Zahl, Maß und Gewicht
dritte Form: Wahlverwandtschaft
vierte Form: Geburt und Leben
fünfte Form: das Böse
sechste Form: das Wort - Logos
siebte Form: Die Gottseligkeit

[ 9 ] Das sind die sieben Formen, durch die der Pitri geht, während einer planetarischen Entwicklung.

[ 10 ] Warum entwickelt sich, wenn ein bestimmtes Reich in die Sackgasse kommen würde, die Evolution weiter? Die Frage deckt sich mit dieser: Warum wird eingefügt [Lücke in der Mitschrift]? Weil: In dem Augenblick, wo ein betreffendes Reich in zweifacher Gestalt vorhanden ist, dann erkennt es sich selbst. Der Mensch hat das Mineralreich herausgesetzt, kann es nicht erkennen; in der zweiten Runde das Pflanzenreich, in der dritten Runde das Tierreich. Wenn er zu sich aber sagen kann «Ich bin, dann ist er auch imstande, auf sich selbst durch seinen Willen einzuwirken. Im Schlaf kann er es nicht. Wenn er zum Astralischen, Prana, Mineralischen «Ich bin» sagen kann, wird er sie erkennen. Weil er ein mineralisches Wesen ist, erkennt er sich als ein Ich.

[ 11 ] In der nächsten Runde wird er sagen können «Ich wilb und plastisch formen. In der sechsten Runde wird er sagen können «Ich fühle mich ein», und er wird sein ganzes Wesen in Wellenlinien hinausströmen, sein Wort.

[ 12 ] In der siebten Runde strömt er sein Wesen so aus, dass sein Ich sich der ganzen Erdensphäre einfügt.

[ 13 ] Nachdem eine Dreiheit entstanden ist, in der das Selbst sich heraussetzt, entsteht eine Dreiheit, während er es aufnimmt. Ich bin. Das ist die Errungenschaft der vierten Runde. Versteht das Selbst sich recht, muss es sein eigenes Wesen zurücknehmen. Das luziferische Prinzip wollte es weiter führen. Die achte Sphäre ist, was hinausstürmen wollte über den Punkt, an dem es sich zurücknehmen musste.

[ 14 ] Es ist in höchster Form - Selbsterkenntnis.

[ 15 ] In gewissem Sinne sind die künftigen Runden das, was sie in den vorigen gewesen sind, nur hat jeder Mensch sein Zentrum in sich. Was früher automatisch ist, wird Leben.

[ 16 ] Unartikulierte Laute, die in der zweiten Runde als Sphärenharmonie tönen, werden Namen. Gott selbst spricht seinen Namen in der ersten Runde, und alle Wesen sprechen ihn in der letzten.