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The Rudolf Steiner Archive

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Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis I
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90a

31 Dezember 1904, Berlin

81. Trennung in Männlich und Weiblich

[ 1 ] Diese Trennung in männlich und weiblich, wir müssen sie so verstehen, dass sie im Anfang der lemurischen Rasse viel mehr Bedeutung gehabt hat als später, wo sich die Charaktere des Männlichen und Weiblichen mehr neutralisierten. Die Sache ist tiefergehend und hängt zusammen mit der ganzen Evolution. Den zwei Geschlechtern geht voran eine zweigeschlechtliche Menschheit, bei der jedes Individuum beides in sich hat; eine hermaphroditische Menschheit. Die ältesten Götter wurden immer als zweigeschlechtlich beschrieben. Wir finden es noch bei alten Griechen. In den Mysterientempeln waren lauter hermaphroditische Gestalten. Auch die Bibel selbst enthält noch durchaus ein Bewusstsein davon, indem sie die Geschlechtstrennung als das Hervorgehen der zwei Geschlechter aus dem Zweigeschlechtlichen andeutet. Noch deutlicher zeigt sich dies in der persischen Mythe.

[ 2 ] Damals bei der Trennung waren alle Kräfte des Menschen noch magischer, unmittelbarer als jetzt, sodass wir nach der Trennung in der Wesenheit finden zwei auf Mann und Weib getrennte, noch magische seelische Kräfte. Die des Männlichen muss man bezeichnen als mehr dem Willen verwandte Kräfte, die des Weiblichen als dem Gemüte und Gedächtnis verwandte Kräfte. So ist die Menschheit geteilt. Im Sanskrit ist Iccha Shakti die dem Männlichen mehr ähnliche Kraft; Kriya Shakti, die dem Weiblichen mehr ähnliche. Beide Kräfte sind in der ursprünglichen Form gar nicht vorhanden, indem in der weiteren Entwicklung die Anähnlichung der weiblichen gemütsartigen dem männlichen willensartigen eingetreten ist.

[ 3 ] Die hermaphroditische Menschheit war der Träger der allerersten am weitesten vorgeschrittenen Pitris, welche noch nicht in diese mit der Hälfte behafteten Geschlechter sich inkarnieren konnten, und deshalb auch in physischen Leibern die Kräfte hatten, um den Menschen doppelt zum Ausdruck zu bringen. Das sind die großen Söhne des Feuernebels, die Arhats. Der bekannteste ist Hermes Trismegistos, der ägyptische. Sie sehen, dass diese ersten Arhats den Moment erfassten, in dem sie eine Menschheit hatten, die das Höchste erreichen konnte, denn bei dem Zerfall in Männliches und Weibliches war nur eine einseitige Inkarnation möglich, und diese einseitige Inkarnation bewirkte auch, dass zunächst ein Teil der zur Inkarnierung reifen dhyanischen Naturen gar nicht sich inkarnierten. Nur ein Teil - der war aber von vornherein in eine starke einseitige Ausbildung des Menschentums gestoßen, weil er nur die Hälfte vom Menschentum übersehen konnte - war abhängig von den leitenden Weltenmächten. Es ist daher nicht zu verwundern, dass die vorgeschrittenen Pitris sich weigerten, sich zu inkarnieren. Die Folge war eine niedrige Stufe der Menschheit neben den Arhats. Nun entstand auch die Trennung des Menschentieres und des Tiermenschen. Der Unterschied war nicht sehr groß, und die Folge war, dass Mensch und Tier miteinander lebten, dass sie Geschlechtsgemeinschaft hatten. Dadurch war eine gewisse Strecke weitergeführt, was gekommen wäre, wenn gar keine manasische Befruchtung gekommen wäre.

[ 4 ] Was im Wesentlichen eingetreten ist, war eine Verschlechterung des niedrigen Menschentums. So gab es für die Arhats kein Karma.

[ 5 ] Erst jetzt, dadurch, dass sich die menschliche Natur weiterentwickelt hat, war es nötig, dass sie wieder höher gebracht wurde. Erst in der Mitte der sechsten Wurzelrasse wird die Menschheit so hoch gebracht sein, wie damals die Arhats, aber mit dem Durchgang durch Karma. Was wird der Unterschied sein? Der, dass die großen Hermaphroditen vollkommen waren, wie diese auf dem Gipfel angelangten Menschen. Aber vollkommen unter dem direkten Beistand Gottes, geleitet von den Göttern selbst. Heilig ist also, was ausgeht von diesen Arhats. Was ihnen aber fehlt, ist die Freiheit. Für die ist es eine Unmöglichkeit, Böses zu tun. Die rein menschlich erzeugten Arhats, ohne Einschlag von Seiten überirdischer Mächte, haben überwunden aus eigener Kraft die Freiheit zum Bösen.

[ 6 ] Was hat die Menschheit dann vollbracht? Aufgesogen hat sie die zurückgebliebenen Individuen vom Mond, erlöst die luziferischen Wesenheiten. Und daraus folgt jene große Wahrheit von der Verwandtschaft der höheren Natur Luzifers mit der niederen Natur der Menschheit.

[ 7 ] Diese Wahrheit, dass die Entwicklung der Menschheit durch Karma hindurch mit Hilfe der Menschheit erlöst zu werden hat, ist die Grundlage des Manichäismus, von dem immer Sekten sich entwickelt haben seither. Diese wissen davon, dass die Menschen jetzt das Böse durch das Gute zu überwinden haben, um es zu erlösen. Von Katharer und Waldensern gab es Sekten, die sich direkt nennen. Die Sekten sind oft systematische Stiftungen von Eingeweihten, nachdem sie in nächster Inkarnation in viel bewussterer Weise unter Menschen wirken können.

[ 8 ] Das ist der ganze Sinn der Entwicklung durch die lemurische, atlantische und arische Wurzelrasse durch. Nichts anderes ist Karma als das Heruntersinken der Menschheit um eine Stufe niedriger, als es im Menschheitsschicksalsplan vorausgesehen worden - um einen Teil des Göttlichen, des nicht menschlichen Planes zu erlösen, um Luzifer zu erlösen, der darum den Menschen die Freiheit gegeben.

[ 9 ] Beim Männlichen wurde vorzugsweise die Willensnatur ausgebildet, sie war mehr eine Naturkraft in der Seele. Diese stand zunächst unter der Einwirkung der großen Hermaphroditen; und es war zunächst dem Weiblichen streng verboten, an Kulthandlungen teilzunehmen. Dagegen entwickelte sich die seelische Kraft beim Weiblichen, und wenn wir bedenken, dass Luzifer auf dem Umweg durch das menschlich Niedere auf das Seelische wirkt, so war die Frau dazu berufen, den Einfluss des luziferischen Prinzips aufzunehmen.

[ 10 ] Und daher ist die Menschheit gespalten auf die zur Willenskräftigung neigende männliche Natur und auf die zur sinnigen Seelenvertiefung neigende weibliche Natur. Durch die grausame Erziehung der Knaben wurde das Fleischliche abgetötet und die iccha-shaktische Kraft ausgelöst, die verwandt ist mit den rhythmischen Bewegungen des Universums. Von alledem ist der Kalender nur noch eine dekadente Erinnerung.

[ 11 ] Die weibliche Erziehung war mehr darauf bedacht, mit der Seele einzusaugen den ganzen Sinn der umliegenden Natur. Der Mensch ist geradezu systematisch damals zum Mikrokosmos gemacht worden. In einer Art somnambuler Träume hat sie die Natur aufgenommen, die ganze plastische Kraft, Kriya-Shakti, war da und wirkte ungeheuer auf die Nachkommenschaft. Es neutralisierte sich so allmählich das Männliche und Weibliche.

[ 12 ] Damit sehen wir, dass das, was Religion ist, nämlich eine freie Verehrung des Göttlichen, unter dem Einfluss des Weibes entstanden ist. Die Männer wirkten mehr wie göttliche Kräfte. [...]

[ 13 ] Kain ging in fremde Länder und nahm ein Weib. Das ist so gemeint, dass er aus dem zweigeschlechtlichen Wesen überhaupt ein Weib nahm. Kain vermischt sich mit etwas, was schon fremdes Geschlecht ist. Adam «erkannte sein Weibliches, nicht eine andere Wesenheit, Selbstbefruchtung, so entstand Abel - und auch Kain natürlich. Allmählich bildete sich aus ein Gegensatz zwischen der allgemeinen Menschheit und jenem kleinen Häuflein, das bestimmt war, in die atlantische Rasse überzugehen. Das stand allerdings unter dem Einfluss der Frauen mit der Neigung zu freier Religionsübung, Gesang, Tanz - in der Anlage eine Art dionysischer Kultus. Die Männer wurden befruchtet von diesem Seelenelement der Frau, während das Seelenelement von dem Willenselement des Mannes befruchtet wird und so neutralisiert; daher das Streben der menschlichen Natur zu etwas Höherem immer symbolisiert wird als Frau.

[ 14 ] So lebt die Menschheit im Anfang der atlantischen Rasse. Nur ist damals das luziferische Prinzip so stark, dass es in der vierten Unterrasse zur Verführung durch schwarze Magie wird, und wir haben eine Art Entgleisung der Menschheit.