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The Rudolf Steiner Archive

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Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis II
Theosophie, Christologie und Mythologie
GA 90b

18 März 1905, Köln

26. Über die planetarische Entwicklung

[ 1 ] Zunächst muss man sich die verschiedenen Bewusstseinszustände vorhalten, durch die der Mensch hindurchgegangen ist. Er ist jetzt im Zustand des hellen Tagesbewusstseins. Vorher ist er durch drei andere Zustände des Bewusstseins durchgegangen. Das erste Bewusstsein war eine Art Allbewusstsein, dumpfer Art, so wie es heute etwa der Stein hat, der im All lebt, aber in einem dumpfen Bewusstseinszustand dahinbrütet. Diesen Zustand kann man pathologisch auch noch jetzt hervorrufen. In der tiefen Trance fangen die Menschen oft an, Weltensysteme zu zeichnen; aber sie haben über ihr Bewusstsein keine Kontrolle.

[ 2 ] Im zweiten Bewusstseinszustand, dem des traumlosen Schlafes, kann der Mensch alles Lebendige wahrnehmen. Jede Nacht macht der Mensch diesen Zustand durch. Er ist dann in einer Art Pflanzentrance; er führt währenddessen die [vegetativen] Funktionen ganz gut aus. Der Bewusstseinszustand ist der des Traumschlafes, der viel heller ist als der vorhergehende; aber auch da empfängt der Mensch keine Sinneseindrücke wie im Wachzustand. Damals sahen die Menschen die Dinge nicht, aber es stieg ein Seelenbild in ihnen auf.

[ 3 ] Jetzt befinden wir uns im vierten Bewusstseinszustand. Die vorhergehenden Bewusstseinszustände waren ebenso an andere Planeten geknüpft, wie unser Wachbewusstsein an die Erde geknüpft ist. Der Mensch ist ein Ergebnis, herausgeboren aus den Verhältnissen, in denen er sich bewegt. Esoterisch heißt der erste Planet der Saturn, der zweite die Sonne und der dritte Mond, der vierte ist die Erde. Auf dem Saturn ging der Mensch schon durch die verschiedenen Formzustände hindurch. In der Mitte der ersten Runde - also des ersten Elementarreiches - wurde der Saturn physisch. Bei dem Saturn kommt es auf die erste Runde an. Die folgenden sechs Runden sind auf dem Saturn für den Menschen nicht von besonderer Bedeutung. Da haben andere Wesen aus früheren Weltenzyklen ihre Entwicklung vollendet. Während der siebten Runde auf dem Saturn war der Mensch so weit, dass er physisch wurde; aber er hatte einen Körper, der bloß ovalig, kugelig war. Dieser Zustand war weder der Geburt noch dem Tode unterworfen. Dieser physische Körper ging durch die ganze Saturnentwicklung hindurch.

[ 4 ] Man könnte sich vorstellen, dass der ganze Saturn zusammengesetzt ist aus einzelnen Menschenkugeln, eine Maulbeere; ein MorulaStadium war der Saturn. Das Ganze schlief hinüber von einem Pralaya zu einem anderen Manvantara, dem Sonnenzustand. Dort war der Mensch in einer Art Pflanzentrance. Erst während der zweiten Runde der Sonne erlangte der Mensch das Neue. Dort entwickelte sich sein Bewusstsein zu einer Art menschlichen Pflanzentrance. Dort hatte der Mensch nicht mehr einen unsterblichen physischen Körper. Das Ganze war ein All-Leben, ein lebendiger Organismus, der neue Menschenkugeln aus sich heraussonderte. Die dritte bis siebte Runde auf der Sonne ist für den Menschen nicht von Bedeutung, sondern nur für andere Wesen. Auf der Sonne taucht auch schon ein zweites Reich neben dem Menschen auf, nämlich ein besonderes Mineralreich. Die Mineralien dort wachsen noch, sie sind noch mehr pflanzähnlich. Sie sind dem Menschenreich noch so ähnlich und noch nicht so abgetrennt wie jetzt.

[ 5 ] Nach einem Pralaya beginnt das Monden-Manvantara. Da entwickelt sich das Bilderbewusstsein des Traumschlafes. In der dritten Mondenrunde wird dieses eigentliche Mondstadium entwickelt. Der Mensch wird da ein bildbewusstes Wesen, äußerlich wie eine Art Tierzustand. In der ersten Runde auf dem Monde hat er den Saturn wiederholt, in der zweiten Runde die Sonne. In der dritten Runde des Mondes bildet er den neuen, den eigentlichen Mondzustand aus. Die vierte bis siebte Runde sind für ihn auf dem Monde nicht von großer Bedeutung. Sie sind abflutend auf dem Mond.

[ 6 ] Nun beginnt die Erdenentwicklung. In der ersten Runde findet eine Wiederholung des Saturnzustandes, in der zweiten Runde eine Wiederholung des Sonnenzustandes, und in der dritten Runde findet eine Wiederholung des Mondenzustandes statt. In der vierten Runde tritt erst der eigentliche Erdenzustand ein, der Zustand des Wachbewusstseins. In der vierten Runde geht der Mensch durch den Arupa-Zustand der Form, dann durch den Astralzustand, dann durch den physischen. Jetzt hat er durchgemacht in der ersten Runde auf der Erde das Saturnstadium, das Mineralreich; in der zweiten Runde das Sonnenstadium, das Pflanzenreich; in der dritten Runde das Mondstadium, das Tierreich. In der vierten Runde kommt erst der eigentliche Mensch heraus.

[ 7 ] Die äußerlichen Unterschiede bei den vier Stadien sind folgende: Auf dem Saturn ein stummes dunkles Dasein. Man würde damals nichts gesehen haben, auch nicht hellseherisch. Auf der Sonne beginnt alles aufzuleuchten. Dort beginnt das geistige Ertönen. Dieses Tönen der Sonne überträgt sich in der Sonnenrunde - der zweiten Runde auf der Erde - auf den Menschen. Der Mensch ist in der zweiten Runde ein tönendes Wesen. Seinen eigenen Ton bekam jeder. Jeder Mensch hat seinen besonderen Ton, den er bedeutet in der Welt. Auch jetzt hat er noch diesen Ton, er ist innerlich tönend.

[ 8 ] Auf dem Monde war er physisch ein leuchtendes Wesen. Was er heute nur noch astral ist, das war der Mensch damals physisch, nämlich leuchtend. Er war ein Stern, ein Leuchtwesen auf dem Monde. Dieser Zustand wurde auf der Erde in der dritten Runde wiederholt. In der vierten Runde kam erst auf der Erde das Neue hinzu.

[ 9 ] Nachdem er durch den Arupa-Zustand, den Rupa-Mental-Zustand und durch den Astralzustand hindurchgegangen war, wurde der Mensch in der vierten Runde physisch. Erst in der feinsten physischen Äthermaterie bildete der Mensch sich aus, in der polarischen Rasse, im Beginne unserer physischen Entwicklung. Die polarischen Menschen waren Äthermenschen. Sie wiederholten noch einmal das Saturnstadium. Kugeln waren sie beim Beginn der physischen Erdbildung und unsterblich. Ein unsterbliches Geschlecht bewohnte damals den Pol. Dann ging der Mensch über in das Sonnenstadium. Vorher war alles noch aufgelöst, ätherisch. Dann sonderte sich der Mensch als ein Luftwesen ab in der Hyperboreerzeit. Er bildete da eine Art Kugel, die innerlich tönte, vibrierte, erzitterte und auf Stoß und Druck reagierte. Dadurch nahm er die Veränderung in der Außenwelt wahr. Das Sonnenstadium der Hyperboreerzeit hörte dadurch auf, dass die feinsten Stoffe sich hinauszogen; nur gröbere Stoffe zurückblieben, die anfingen zu leuchten.

[ 10 ] Im Beginne der Hyperboreerzeit gliederte sich die heutige physische Sonne aus der Erde heraus. Dadurch wurde eine gewaltige Katastrophe hervorgerufen auf der Erde. Das allgemeine Leben wurde herausgezogen.

[ 11 ] Jetzt beginnt der Mensch, sich zweigeschlechtlich fortzupflanzen. Im Beginne der lemurischen Zeit, also während der dritten Wurzelrasse, traten die gröberen Stoffe aus der Erde heraus, die die Erde nicht mehr brauchen konnte. Das ist der physische Mond, der damals aus der Erde herausgesondert wird. Auch da fand wieder eine große Katastrophe auf der Erde statt. Nun bekamen alle [menschlichen] Wesen Eigenwärme. Bis dahin waren alle Menschen in einer Art Lichtstadium. In der lemurischen Zeit kam als viertes Stadium das der Eigenwärme hinzu.

[ 12 ] Der Mensch war auf der Sonne ein tönendes, auf dem Monde ein leuchtendes und wurde auf der Erde ein eigenwarmes Wesen. Alle Tiere, die Eigenwärme haben, haben sich erst danach vom Menschen abgespalten. Erst durch die Eigenwärme konnte Kama in die Menschen einziehen. Nur die Menschen und Tiere mit Eigenwärme haben Kama. Der Fisch ist heute noch ein Schläfer, leidenschaftslos. Von der Mitte der lemurischen Zeit an wird der Mensch selbst innerlich warm, kamisch, leidenschaftlich. Früher wurde das Heranreifen des Menschen von außen bewirkt. Damals brütete die allgemeine Wärme den Menschen aus, die Wärme, die die Erde umgab. Diese hat der Mensch dann in sich aufgesogen.

[ 13 ] Darauf deutet die Prometheus-Mythe hin. Die Wärme wurde in den Menschen hineingebracht vom Himmel. Der Mensch wurde ein Feuerwesen. Damit erlangte er Leidenschaft, vorher besaß er keine Leidenschaft, keine Eigenwärme. Daher heißt es von der früheren Zeit: Der Geist Gottes brütete über dem Gewässer — Menschenseelen. Dies war die Wärme, die alles zum Reifen bringt.

[ 14 ] Jetzt ist der Mensch dagegen ein eigenwarmes Geschöpf. Diese Zustände hatte es früher noch nicht gegeben. Die früheren Zustände hatte der Mensch auf früheren Planeten gelernt. Diesen neuen Zustand lernte er auf der Erde. Nun wurde die Erde sich selbst überlassen, nachdem sie Eigenwärme bekommen hatte.

[ 15 ] Aber große Führer waren da, die der Menschheit einen Ruck geben konnten. Solche Wesen studierten die Verhältnisse, die über die Zustände der Erde hinaus waren. Das waren die Manus, Führer, göttliche Wesen. Sie mussten einen Planeten studieren, von dem man lernen konnte, was die Erde noch brauchte. Der Planet war der Mars. Der Mars sieht für den Hellseher so aus, als ob Menschen schon auf ihm gewohnt hätten. Die abgelegten Kama-Hüllen findet man auf dem Mars. So wie eine Art Schlangenbalg, der liegengeblieben ist, sehen diese Kama-Hüllen aus. Es ist Kama, das fähig ist, mit dem Geiste befruchtet zu werden. Ein solches Stadium musste auf einem anderen Planeten studiert werden, auf dem die Wesen gerade so weit waren, dass sie dieses Stadium zurückgelassen hatten.

[ 16 ] Ein weiteres Stadium fanden die Manus auf dem Merkur; das Kama-Manas-Stadium. Dieses war erforderlich für die Erde. Das Kama-Stadium des Mars musste befruchtet werden mit dem Manas-Stadium des Merkur. Wiederholungen waren für die Erde das Saturn-, Sonnen- und Mondenstadium. Das Mars- und das Merkurstadium kamen neu hinzu. Das Einfließen der Merkurkräfte wird dargestellt durch den Schlangenstab des Merkur. Der Hermesstab stellt dar den Einschlag der Monade des Geistes.

[ 17 ] Der Hellseher zählt bei der Planetenentwicklung die Erde selbst nicht. Er sagt, sie sei Mars und Merkur zusammen. Die Erde hat noch drei Runden durchzumachen. Diese sind wichtig für die folgenden Planetenstadien. In der fünften Runde tritt sie ein in das Pflanzenreich. Sie lebt dann in einer Art Paradies, im Garten Eden. Dort wird das unterste Reich das Pflanzenreich sein. Alles, was der Mensch hervorbringt, wird dort eine Pflanze sein. Damit bereitet der Mensch das vor, was auf dem nächsten Planeten sein wird. Dieser nächste Planet wird esoterisch Jupiter genannt. Es ist der Jupiter, der aus der Erde entstehen wird. Die sechste Runde, das Tierreich, ist eine Vorbereitung für den sechsten Planeten, die Venus - so genannt wegen der Ähnlichkeit mit der Venus. Auf dem siebten Planeten, dem Vulkan, folgt die Vollendung. Kein bloß physisches Gehirn kann den Zustand des letzten Planeten ausdenken. Nur für den Hellseher ergibt sich die Möglichkeit, über den Vulkan etwas zu wissen.

[ 18 ] Die großen Weisen haben diese Planetenentwicklung niedergeschrieben, und jeder kann sie lesen in den Wochentagen. Man fängt mit dem Sonnabend an: Saturntag, Sonntag, Montag, Marstag, Merkurtag, Jupitertag, Venustag und wieder Saturntag - Vulkan. Marstag und Merkurtag stehen zusammen für die Erde. Mars entspricht dem Gott Tin und Merkur dem Wotan der Deutschen - siehe Tacitus’ Germania. Bei allen Völkern haben die Wochentage den Namen von der okkulten Entwicklung. Der Donnerstag, Jupitertag, stellt die Zukunft dar; daher ist er den Okkultisten besonders heilig. Für den Okkultisten würde der nächste Sonnabend immer der Vulkantag sein, der wieder mit dem Saturntag zusammenfällt. Die Zeiträume, die auf den Planeten durchlaufen werden, umfassen viele Millionen Jahre. Auf der Erde findet eine Wiederholung alles dessen statt, was schon dagewesen ist. Jede Vorstellung ist eine Wiederholung, jedes Kunstprodukt ist eine Wiederholung. Wiederholend ist das äußere, helle Tagesbewusstsein. Auf dem nächsten Planeten tritt ein psychischer Bewusstseinszustand ein. Der unterscheidet sich von dem jetzigen Zustand dadurch, dass der Mensch aus dem Zustand der Eigenwärme in einen leuchtenden Zustand eintritt, Eigenlicht entwickelt. Er wird da bewusst ein leuchtendes Wesen. Er kann dort bewusst leuchtende Farben hervorbringen. Er kann dort das Licht umgestalten zu leuchtender Imagination.

[ 19 ] In der fünften Runde des fünften Planeten wird der Mensch eine Leuchtform, ein Schein geworden sein. Heute kann der Hellseher im Astralraum leuchtende Formen hervorbringen; er nimmt dadurch den Zustand der fünften Runde des fünften Planeten voraus. Aber er muss mit Erdenkräften wirken. [...]

[ 20 ] Auf dem sechsten Planeten tritt das überpsychische Bewusstsein ein. Dieses ist magisch. Das geschaffene Lichtwesen bleibt. Dort hat der Mensch ein magisches Bewusstsein. Auf dem Vulkan wird er das Bewusstsein der siebten Stufe erreicht haben, er wird spirituell sein. Davon kann man nur in einer Zeichensprache reden, aber nicht in einer gewöhnlichen Sprache. Von der Erde ab sind die letzten Runden Vorbereitungen für die folgenden Planeten. Der tiefere Wesenskern im Menschen macht diese ganze Entwicklung durch. In dem Kugelwesen des Saturn war der Mensch schon als ein Punkt vorhanden. Ein Faden geht durch alle Bewusstseinszustände hindurch. Alle Stadien durchläuft der Mensch.

[ 21 ] Seit dem Marsstadium, seit der Mensch warmes Blut, Eigenwärme hat, tritt auch der Streit ein. Vorher war er ein friedliches Wesen, besaß keine Leidenschaft. In den niederen Tiergattungen mit kaltem Blut ist kein Streit - Kessler, ein russischer Naturforscher hat dies bestätigt. Der Faden, den man schon auf dem Saturn fand und der sich bis zum Vulkan hindurchzieht, nennt man das Pitri-Wesen.

[ 22 ] Im Kleinsten drückt sich das Größte aus. Als der Mensch Blut bekam, fing sein Astralkörper an, die Form anzunehmen, die er jetzt an sich trägt. Er entwickelte sich durch fünf Rassen in der lemurischen Zeit, ferner durch sieben in der atlantischen Zeit wie schon durch fünf in der arischen Zeit. In den Rassen findet wieder eine Wiederholung der früheren Zustände statt. Das religiöse Bewusstsein des alten indischen Volkes erkannte den Ein-Gott; dies ist der Keim zu allen späteren Religionen. Das war eine Wiederholung des polarischen Erdenstadiums. In der persischen Rasse finden wir eine Wiederholung des Hyperboreerstadiums und bei den Chaldäern und Ägyptern die Dreieinigkeit, eine Wiederholung der lemurischen Zeit mit Einschlag von Kama in der vierten Unterrasse des vierten Erdenstadiums. Kama-Manas tritt hinzu.