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The Rudolf Steiner Archive

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Kosmologie und menschliche Evolution
Mensch, Natur und Kosmos
GA 91

17 June 1905, Berlin

1. Die drei Welten

[ 1 ] Wir kennen drei Welten: die physische, die astralische und die devachanische Welt. Die physische ist allen Menschen bekannt: die Welt, die wir mit den fünf Sinnen auffassen. — Nicht so die astralische, es ist die Welt aller Triebe, Wünsche, Leidenschaften und so weiter. Der Mensch muss eine Anleitung bekommen, um sich in ihr auszukennen. Wenn ein Mensch ganz unvorbereitet einen Einblick ins Astralische bekommt, so findet er sich nicht zurecht in ihr. Der beste Vergleich ist der Siegelabdruck: Was im Physischen erhaben ist, das bildet die Vertiefung im Astralischen und umgekehrt, was hier Vertiefung ist, ist dort erhaben. Alles ist ein Spiegelbild der Wirklichkeit. Die Zahlen sieht man umgekehrt: 364 hier ist 463 dort. Viel komplizierter ist es bei den Raumgebilden: Man sieht eine Kugel, wie wenn man das Auge in der Mitte der Kugel hätte. Alle Farben sieht man in ihrem Gegenteil, was hier Rot ist, ist dort Grün, Gelb hier wird dort Indigo, Schwarz wird Weiß. Die gegenteilige Farbe ist immer diejenige, durch deren Deckung Weiß entsteht.

[ 2 ] Die Zeit läuft eigentlich rückwärts. Man lebt nicht der Zukunft entgegen, sondern der Vergangenheit. Die Völker haben in den Mythen diese astralische Anschauungsweise ausgedrückt. Die Mythen von Chronos, der seine Kinder verschlingt, versteht nur, wer astralische Anschauung hat: Die Kinder kehren wiederum zurück in den Schoß dessen, aus dem sie hervorgegangen sind. Uranos bedeutet die mentale Welt, Chronos die astrale, und Zeus die physische Welt. Die Mythen rühren her von den Eingeweihten, welche ausgegangen sind von der Prä- und Postexistenz. Sie formen den Geist durch Sagen und Märchen. Was der Mensch in einem Leben noch nicht fassen kann, wird er begreifen in einem folgenden. Auch moralische und geistige Verhältnisse erscheinen im Spiegelbilde. Was der Mensch an Gefühlen hat, gehört zum Astralen. Und wenn er seine eigenen Triebe beobachtet, erscheinen sie ihm auch im Spiegelbilde. Wenn ein Wunsch sich nach außen bewegt, erscheint er [dort], wie wenn er sich [einem] näherte. Wie ein Tier, das ihm eine Sache entreißen will, wenn er sie ihm fortnimmt. So sieht er eine ganze Tierwelt auf sich losstürzen: Es sind alle Wünsche, Begierden und Leidenschaften, die der Mensch ausströmt.

[ 3 ] Der Traum ist eine Art Erinnerung an astral Erlebtes; die Träume sind oft nichts anderes als Spiegelbilder der eigenen Leidenschaften. Neugierde zum Beispiel ist immer eine bestimmte Strömung im Astralen. Die Sage von der Mittagsfrau, die die Arbeiter auf dem Felde besucht und sie immer ausfrägt. Menschliche Wissbegierde drückt sich besonders darin aus, dass der Mensch etwas über seine Vergangenheit und Zukunft wissen will. Das Spiegelbild der Wissbegierde ist großartig ausgedrückt in [dem Rätsel] der kadmeischen Sphinx. Die ganze Erdenentwicklung des Menschen liegt in der Antwort: Auf vier Beinen, auf zwei Beinen, auf drei Beinen geht der Mensch. Auf Vieren ging der Mensch als eingeschlechtliches Wesen in der lemurischen Zeit. Auf Zweien geht er in der Gegenwart, auf Dreien wird er in der Zukunft gehen. Beide Füße und die rechte Seite mit dem Arm werden verschwinden; stattdessen wird ein höchst entwickelter linker Arm sein.

[ 4 ] Die Evolution verläuft so, dass gewisse Wesen sich hinaufentwickeln und Seitensprossen haben, die in Dekadenz kommen. Bei denjenigen, die zurückbleiben, ist der Astralkörper stärker, bei denjenigen, die vorwärts schreiten, der Mentalkörper.

[ 5 ] Das Spiegelbild der Entwicklung ist Verzögerung: Rückentwicklung. Von den [zurückdämmenden] Kräften des Astralen wird die Entwicklung aufgehalten. So muss man auf dem Astralen alles übersetzen in sein Spiegelbild. Das hat man im Anfang der theosophischen Bewegung nicht verstehen können. Der Meister versuchte, es Sinnett klarzumachen, durch die Pflanze, welche umgeben ist von einer Masse, in die sich die Pflanze abdrückt.