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The Rudolf Steiner Archive

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Vor dem Tore der Theosophie
GA 95

30 August 1906, Stuttgart

Neunter Vortrag

[ 1 ] Wenn wir uns fragen: Wie hat der Mensch sich seit den urältesten Zeiten bis heute gebildet, wie ist seit Urzeiten der Mensch entstanden? — dann werden wir uns vor allem an das erinnern müssen, was wir über die Wesenheit des Menschen ausgeführt haben. Der Mensch hat sieben Glieder: das erste, der physische Leib, ist sozusagen das untergeordnetste Glied, höher und feiner ist dann schon der Ätherleib, noch höher und feiner ist der Astralleib, von dem IchLeib sind erst die Anlagen vorhanden. Es wäre aber falsch, daraus den Schluß zu ziehen, daß man den höchsten Leib, den der Mensch heute hat, auch den vollkommensten nennen könnte und daß der physische Leib der unvollkommenste wäre. Es ist gerade das Gegenteil der Fall, der physische Leib ist das vollkommenste Glied der menschlichen Wesenheit. Später einmal werden freilich die höheren Glieder in viel höherem Maße vollkommen sein, aber heute ist in seiner Art der physische Leib der am höchsten entwickelte. Er ist mit unbeschreiblicher Weisheit aufgebaut. Ich habe Ihnen einmal als Beispiel den Bau des Oberschenkelknochens beschrieben. Jeder einzelne Knochen ist mit seinem kunstvoll gefügten Gebälk in seiner weisen Anordnung so, wie kein Ingenieur heute das Problem lösen könnte, mit der kleinsten Masse die größte Leistung zu erzielen. Und je tiefer man eindringt in den Wunderbau der menschlichen Gestalt, desto bewunderungswürdiger erscheint uns der Aufbau, zum Beispiel der Wunderbau des Gehirns, des Herzens. Das Herz macht keinen Fehler, aber der menschliche Astralleib begeht viele Fehler. Die Triebe und Leidenschaften des Astralleibes stürmen auf den physischen Leib ein und überwältigen ihn. Wenn der Mensch unrichtige Nahrung zu sich nimmt, folgt er wiederum dem Astralleib. Das physische Herz hält den Blutlauf in Ordnung, aber der Astralleib macht unaufhörlich Attacken auf das Herz, weil seine Triebe begehren, was dem Herzen schadet. Kaffee, Tee, Alkohol sind Giftstoffe für das Herz, sie werden ihm oft täglich zugeführt, und das Herz hält dennoch stand. Es ist so dauerhaft konstruiert, daß es siebzig, achtzig Jahre allen Stürmen des Astralleibes trotzt. In der Stufenlage der Leiber ist also der physische Leib der vollkommenste bis in alle Einzelheiten hinein.

[ 2 ] Weniger vollkommen ist der Ätherleib, noch weiter zurück in seiner Entwickelung ist der Astralleib, und am wenigsten entwickelt ist der Ich-Leib. Woher kommt das? Das kommt daher, daß der physische Leib die längste Entwickelung durchgemacht hat. Er ist das älteste Glied der menschlichen Wesenheit. Weniger alt ist der Ätherleib, noch jünger ist der Astralleib, und am jüngsten ist der Ich-Leib.

[ 3 ] Um diese Entwickelung der Leiber zu verstehen, muß man wissen, daß nicht nur der Mensch wiederholte Verkörperungen durchmacht, sondern daß das Gesetz der Reinkarnation ein allgemeines Weltgesetz ist. Nicht nur der Mensch macht also fortwährend Verkörperungen durch, sondern alle Wesen und alle Planeten sind diesem Gesetze unterworfen. Unsere ganze Erde mit allem, was darauf ist, hat frühere Inkarnationen durchgemacht, von denen uns zunächst drei besonders beschäftigen sollen.

[ 4 ] Bevor die Erde zu diesem Planeten geworden ist, war sie ein anderer. Vor uralten Zeiten war unsere Erde ein Planet, den die Geheimwissenschaft Saturn nennt. Vier sich folgende Verkörperungen sind: Saturn, Sonne, Mond, Erde. Wie zwischen zwei menschlichen Verkörperungen eine Kamaloka- und Devachanzeit liegt, so liegt zwischen je zwei planetarischen Verkörperungen der Erde eine Zeit, in der dieselbe nicht sichtbar ist und kein äußeres Leben führt. Diese Zeit zwischen den Verkörperungen unseres Planeten nannte man das Pralaya, und die Zeit, in der er verkörpert ist, Manvantara. Mit den Namen Saturn, Sonne, Mond sind aber nicht die Himmelskörper gemeint, die heute so genannt werden. Das, was hier Sonne genannt wird, ist nicht unsere heutige Sonne. Unsere heutige Sonne ist ein Fixstern, und im Laufe ihrer Verkörperungen hat sie sich aus der Substanz und Wesenheit eines Planeten zu dem Range eines Fixsterns heraufgearbeitet; die alte Sonne war ein Planet. Ebenso ist das, was der alte Mond genannt wird, nicht der heutige Mond; es war die dritte Verkörperungsstufe der Erde, und so ist es auch mit dem Saturn, er war die erste Entwickelungsstufe der Erde.

[ 5 ] Auf dem Planeten Saturn war der Mensch schon vorhanden. Der Saturn leuchtete nicht, aber mit devachanischem Hören hätte man ihn hören können; er tönte. Nachdem er eine Zeitlang dagewesen war, verschwand er nach und nach, wurde eine lange Zeit unsichtbar und leuchtete dann wieder hervor als Sonne. Diese machte dann denselben Prozeß durch und kam als Mond wieder hervor. Zuletzt kam in gleicher Weise die Erde.

[ 6 ] Man darf sich aber diese vier Planeten, Saturn, Sonne, Mond, Erde, nicht als vier voneinander getrennte Planeten vorstellen; das wäre ganz falsch. Es sind vier Erscheinungszustände eines und desselben Planeten. Es sind richtige Metamorphosen des einen Planeten, und alle Wesen auf demselben metamorphosieren sich mit ihm. Der Mensch war nie auf einem anderen Planeten, aber die Erde war in verschiedenen Zuständen da.

[ 7 ] Als unsere Erde Saturn war, gab es nur die allerersten Keime zu unserem Menschenreich. Was heute als menschlicher Leib so kunstvoll aufgebaut ist, war auf dem Saturn nur Anlage, nichts weiter als allererste Anlage. Es gab kein Mineral, keine Pflanzen, kein Tier. Der Mensch ist der Erstling unserer Schöpfung. Aber der Saturnmensch war wesentlich anders als der heutige Mensch. Er war zum großen Teil ein geistiges Wesen. Man hätte ihn noch nicht mit physischen Augen sehen können. Es gab auch noch keine physischen Augen. Nur ein Wesen mit devachanischem Schauen hätte diesen Menschen wahrnehmen können. Dieses menschliche Gebilde war wie eine Art aurisches Ei und darin ein merkwürdiges schaliges Gebilde in Form einer kleinen Birne, wie zusammengefügte Austernschalen, eine Art von Wirbeln. Der Saturn war ganz durchsetzt von solchen Anfängen physischer Gebilde; es waren gleichsam Ausschwitzungen, die sich aus dem Geistigen verdichteten. Aus diesen Gebilden, die man nur als ganz leise Andeutungen des Späteren hätte ansehen können, hat sich im Laufe der Entwickelung der physische Leib des Menschen gebildet. Es war eine Art Urmineral, um das sich noch nicht ein Ätherleib gebildet hatte. Darum kann man sagen: Der Mensch ging durch das Mineralreich hindurch. Doch war das nicht unser heutiges Mineralreich, so zu denken wäre ganz unrichtig. Außer diesem Menschenreich gab es überhaupt kein anderes Reich auf dem Saturn.

[ 8 ] Wie nun der Mensch gewisse Lebensstadien durchmacht, als Kind, Jüngling, Jungfrau, Mann, Frau, Greis, Greisin, so macht auch ein Planet Lebensstadien durch. Ehe der Saturn die in ihm abgelagerten Flocken zeigte, war er ein Arupa-Devachangebilde, dann ein Rupa-Devachangebilde, nachher ein Astralgebilde. Hierauf verschwinden nach und nach die Flocken, und der Saturn geht diese Stufen wieder zurück ins Dunkel des Pralaya. Solch eine Metamorphose vom Geistigen ins Physische und wieder zurück nennt man in der theosophischen Literatur eine «Runde» oder einen «Lebenszustand». Jede Runde zerfällt wieder in sieben Unterabteilungen: Arupa, Rupa, Astral, Physisch, dann wieder Astral, Rupa, Arupa; diese hat man mit Unrecht «Globen» genannt: Es sind Formzustände. Man hat es aber nicht mit sieben aufeinanderfolgenden Kugeln zu tun, es ist immer derselbe Planet, der sich verwandelt, und die Wesen machen die Verwandlungen mit durch. Der Saturn hat sieben solcher Runden oder Lebenszustände durchgemacht. In jeder Runde wird das Gebilde vervollkommnet, so daß es erst in der siebenten Runde in seiner Art vollkommen ist. In jeder Runde werden sieben Verwandlungen beziehungsweise Formzustände durchgemacht, mithin hätte der Saturn sieben mal sieben, also neunundvierzig Metamorphosen. Das hat der Saturn durchgemacht, ebenso die Sonne, der Mond, und die Erde macht dasselbe durch, und dann folgen in der Zukunft noch drei andere Planeten: Jupiter, Venus und Vulkan.

[ 9 ] Es sind also sieben Planeten mit je sieben mal sieben Zuständen, also geheimwissenschaftlich geschrieben 777. In der Geheimschrift bedeutet die Sieben an der Einerstelle die Globen, an der Zehnerstelle die Runden, an der Hunderterstelle die Planeten. Diese Zahlen müssen miteinander multipliziert werden. Mithin hat unser Planetensystem 7 mal 7 mal 7 oder 343 Verwandlungen durchzumachen.

[ 10 ] In der «Geheimlehre» von H. P. B. finden wir eine merkwürdige Stelle. Die «Geheimlehre» ist zu einem großen Teil des Inhalts von einer der höchsten geistigen Individualitäten inspiriert worden. Aber die großen Eingeweihten haben sich immer sehr vorsichtig‘ ausgedrückt, sie haben nur angedeutet. Vor allen Dingen lassen sie die Menschen selbst immer etwas arbeiten. So ist diese Stelle voller Rätsel; H.P. B. wußte das. Der Lehrer sagte nichts von aufeinanderfolgenden Inkarnationen, er sagte nur: Lernt das Rätsel von 777 Inkarnationen zu lösen. - Er wollte, daß man lernen sollte, daß dies 343 sind. In der «Geheimlehre» steht zwar die Aufgabe, aber nicht die Lösung; die ist erst in jüngster Zeit gefunden worden.

[ 11 ] Der erste Keimzustand des Menschen war also auf dem in urferner Zeit sich entwickelnden Saturn. Dieser verschwand dann ins Pralaya und trat aus demselben wieder hervor als Sonne, und mit ihr trat aus dem Dunkel des Pralaya auch der Mensch wieder hervor, der alte Bewohner des Weltalls. Aber mittlerweile hatte der Mensch die Kraft bekommen, etwas aus sich herauszusondern, wie die Schnecke ihr Haus. Er konnte schalenförmige Gebilde heraussondern als schwebende Gestalten und behielt die feineren Stoffe in sich zurück, um sich höher zu entwickeln. So bildete der Mensch das Mineralreich aus sich heraus; aber diese Mineralien waren eine Art lebender Mineralien. Der Mensch entwickelte sich nun auf der Sonne so, daß der Ätherleib hinzutrat, wie bei den heutigen Pflanzen. Er machte also auf der Sonne das Pflanzenreich durch, und wir haben nun auf der Sonne zwei Reiche, das Mineralreich und das Pflanzenreich; das letztere war der Mensch. Aber diese Pflanzenformen waren ganz verschieden von unseren heutigen.

[ 12 ] Wer in die tieferen Beziehungen eindringt, betrachtet die Pflanze als einen umgekehrten Menschen. Sie hat unten die Wurzel, dann nach oben den Stengel, Blätter, Blüte, Staubgefäße und Stempel; die Stempel enthalten die weiblichen, die Staubgefäße die männlichen Befruchtungsorgane. In naiver Unschuld streckt die Pflanze die Befruchtungsorgane der Sonne entgegen, denn die Sonne ist die Anregung der Befruchtungskraft. Die Wurzel ist in Wahrheit das Haupt der Pflanze, welche die Befruchtungsorgane in den Weltenraum hinausstreckt und deren Kopf von dem Innern des Erdzentrums angezogen wird. Der Mensch ist umgekehrt, er hat das Haupt oben und die Organe, die die Pflanze zur Sonne hinaufstreckt, unten. Das Tier steht in der Mitte, es hat den Leib horizontal. Wird die Pflanze halb gedreht, so ergibt sich die Stellung des Tieres, wird sie ganz umgedreht, die des Menschen.

[ 13 ] Das hat die alte Geheimwissenschaft in einem uralten Symbol ausgedrückt, im Kreuz, und hat gesagt, wie Plato es nach den alten Mysterien ausdrückt: Die Weltenseele ist ans Kreuz des Weltenleibes geschlagen. - Das heißt, die Weltenseele ist in allem enthalten, aber sie muß sich hinaufarbeiten durch diese drei Stufen hindurch; sie macht ihre Reise am Kreuz des Weltenleibes durch.

[ 14 ] Auf der Sonne war der Mensch als Pflanzenwesen, also genau umgekehrt wie der heutige Mensch. Er lebte ja in der Sonne, er gehörte zum Leib der Sonne. Die Sonne war ein Lichtkörper, sie bestand aus Lichtäther; der Mensch war noch Pflanze und mit seinem Kopfe zum Mittelpunkt der Sonne gerichtet. Als dann später die Sonne heraustrat, mußte die Menschenpflanze sich umdrehen, sie blieb der Sonne treu.

[ 15 ] In der ersten Runde ist die Sonne nur eine Wiederholung der Saturnzeit; erst bei der zweiten Runde beginnt die weitere EntwickeJung des Menschen. Als die Sonne sich dann in den sieben Runden so weit entwickelt hatte, wie sie konnte, verschwand sie im Dunkel des Pralaya und kam erst wieder hervor als Mond.

[ 16 ] Die erste Mondenrunde war wiederum nur eine Wiederholung des Saturndaseins in etwas anderer Gestalt. Die zweite Mondenrunde brachte auch noch nichts Neues, sie war eine Wiederholung des Lebens auf der Sonne. In der dritten Mondenrunde erst kam etwas Neues hinzu: Der Mensch bekam den Astralleib zu seinen zwei früheren Leibern. Da ist er in seiner äußeren Gestalt dem Tier von heute zu vergleichen: Er hat drei Leiber. Damals ist er angekommen auf der Stufe des Tierreiches. Der Mensch erhob sich zum Pflanzenreich durch Abstoßung des Mineralreiches, er erhebt sich nun zum Tierreich durch Abstoßung des Pflanzenreichs. So stehen nun zwei Reiche neben ihm. Dann stößt er wieder einen kleineren Teil von sich ab, sondert ihn von sich aus und geht höher hinauf.

[ 17 ] In dieser dritten Mondenrunde geht nun auch ein wichtiger kosmischer Prozeß vor sich: Sonne und Mond trennen sich. Es entstehen zwei Körper; der Mond spaltet sich von der Sonne ab. Im Anfang der zweiten Mondenrunde ist die Sonne noch unverändert, dann zeigt sich eine kleine Einschnürung unten an dem Sonnenkörper, er schnürt sich ab, und in der dritten Mondenrunde sind zwei Körper nebeneinander.

[ 18 ] Die Sonne hat die edleren Teile behalten, sie schickt von außen ihre Strahlen auf den Mond und gibt ihm und allen Wesen darauf das Nötige. Das ist das Avancement der Sonne, sie ist jetzt Fixstern geworden, und sie beschäftigt sich nicht mehr selbst mit den drei Reichen, sondern gibt nur ab, was sie zu geben hat. Sie beherbergt höhere Wesen, die sich jetzt entwickeln können, nachdem die Sonne die niederen Teile ausgesondert hat. In der vierten Mondenrunde vervollkommnet sich das alles, und in der fünften gehen dann die zwei Körper wieder ineinander über und verschwinden darauf als Eines im Pralaya.

[ 19 ] Der alte Mond hatte noch keine feste Erdkruste, auf der man herumgehen konnte, wie auf den Felsen unserer Erde. Das Mineralreich war damals etwa wie eine lebendige Torfmoormasse oder wie gekochter Spinat. Diese lebendige, innerlich wachsende Masse war durchsetzt von holzartigen Gebilden. Daraus erwuchs das damalige Pflanzenreich, Pflanzen, die eigentlich Pflanzentiere waren. Sie hatten Empfindungen und würden einen Druck schmerzlich empfunden haben. Und der Mensch im damaligen Tierreich war nicht wie das heutige Tier, sondern stand zwischen Mensch und Tier. Er war höherstehend als das heutige Tier und konnte in viel planvollerer Weise seine Triebe ausführen. Er stand aber niedriger als der heutige Mensch, denn er konnte noch nicht zu sich Ich sagen. Er hatte noch nicht den Ich-Leib.

[ 20 ] Diese drei Reiche lebten auf dem lebendigen Mondenkörper. Wichtig ist, daß diese Mondmenschen nicht so geatmet haben wie der heutige Mensch. Sie atmeten nicht Luft, sondern Feuer ein und aus. Mit dem Feuereinatmen durchdrangen sie sich mit Wärme; beim Ausatmen gaben sie die Wärme wieder von sich und wurden kalt. Die heutige innere Blutwärme hatte der Mensch auf dem Mond als Atmungswärme. Viele alte hellsehende Maler symbolisierten das in dem feueratmenden Drachen; sie haben eben gewußt, daß es in uralten Zeiten solche Mondwesen gegeben hat, die Feuer atmeten.

[ 21 ] Nach seiner Entwickelung durch 7 mal 7 mal 7 Zustände ging der Mond ins Pralaya zurück und kam dann als Erde wieder hervor. In der ersten Erdenrunde wiederholt sich das ganze Saturndasein, in der zweiten das Sonnen- und in der dritten das Mondendasein. Während der dritten Runde wiederholte sich auch die Abspaltung von Sonne und Mond.

[ 22 ] In der vierten Erdenrunde fängt die Erde an, sich herauszubilden. Nun geschieht ein hochwichtiger kosmischer Vorgang: Die Erde hat im Entstehen eine Begegnung mit dem Planeten Mars. Die zwei Planeten durchdringen einander, die Erde geht durch den Mars hindurch. Der Mars hatte einen Stoff, den die Erde damals nicht besaß: das Eisen. Dieses Eisen ließ der Mars in dampfförmigem Zustand in der Erde zurück. Wäre dies nicht geschehen, wäre die Erde alleingeblieben mit dem, was früher schon vorhanden war, dann hätten es die Menschen wohl bis zum Tierreich, wie es damals vorhanden war, gebracht; sie hätten Wärme atmen, aber niemals warmes Blut haben können. Hätte der Mars der Erde nicht das Eisen eingelagert, dann hätten die Menschen kein warmes Blut bekommen, denn im Blute ist Eisen enthalten. So sagt die Geheimwissenschaft: Die Erde verdankt bei ihrer Entwickelung dem Mars so viel, daß man sie in der ersten Hälfte ihres Seins Mars nennt. Für die zweite Hälfte hat eine ebenso wichtige Bedeutung der Merkur. Die Erde trat in alter Zeit in Beziehung zum Merkur und bleibt bis zum Ende ihrer Entwickelung mit ihm in Verbindung. Darum spricht man in der Geheimwissenschaft nicht von Erde, sondern von Mars und Merkur.

[ 23 ] Auf dieses Stadium folgen in der Zukunft noch drei Stadien: Jupiter, Venus, Vulkan. Diese sieben Erdstadien, wie sie die Geheimwissenschaft angibt, haben sich erhalten in den Namen der Wochentage, die allerdings in der deutschen Sprache ziemlich verstümmelt sind:

Saturn Saturday, Samedi Samstag
Sonne Sunday Sonntag
Mond Monday, Lundi Montag
Mars Mardi, oder Ziu - Tuesday Dienstag
Merkur Mercredi, Wednesday Mittwoch
Jupiter Jeudi, Tor, Donar - Thursday Donnerstag
Venus Vendredi, Freya - Friday Freitag

[ 24 ] So haben Sie in den Namen der Wochentage die geheimwissenschaftliche Lehre von dem Durchgang der Erde durch diese verschiedenen Perioden: eine wunderbare Chronik, die es dem Menschen ermöglicht, sich diese Wahrheiten immer wieder zu vergegenwärtigen. Wir werden im Verlaufe der nächsten Tage dann immer mehr sehen, wie die Theosophie uns erst wieder zum Verständnis bringt, was unsere Urväter einst einfach im Namen ausgedrückt haben, und wie das Alltäglichste mit dem Allertiefsten zusammenhängt.