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The Rudolf Steiner Archive

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Vor dem Tore der Theosophie
GA 95

31 August 1906, Stuttgart

Zehnter Vortrag

[ 1 ] Als die Erde aus dem Dunkel des Pralayazustandes auftauchte, erschien sie nicht allein, sondern zunächst vereinigt mit der Sonne und unserem heutigen Monde. Sonne, Mond und Erde waren ein Riesenkörper. Das war das Anfangsstadium unseres Planeten.

[ 2 ] Damals bestand die Erde aus einer sehr, sehr dünnen Materie. Es gab keine festen Mineralien, auch kein Wasser, nur diese feine Materie, die wir Äther nennen. Das Ganze war also ein ätherischer, feiner Planet, umgeben von einer Geist-Atmosphäre, wie die heutige Erde von einem Luftkreis. In dieser Geist-Atmosphäre war alles enthalten, was heute die Menschenseele bildet. Ihre Seelen, die heute in Ihre Körper hineingesenkt sind, waren alle droben in jener geistigen Atmosphäre. Die Erde war eine große Ätherkugel, viel, viel größer als unsere heutige Erde, umgeben von geistiger Substanz, und in dieser geistigen Substanz waren enthalten die zukünftigen Menschenseelen. Unten in der dünnen Materie der Ätherkugel war etwas Dichteres vorhanden, nämlich Millionen von schalenförmigen Gebilden. Das waren die wieder herauskommenden Menschenkeime des Saturn. Hier wiederholte sich nun, was sich in alten Zeiten auf dem Saturn gebildet hatte. Von einer physischen Fortpflanzung und Vermehrung dieser Menschenkeime konnte natürlich nicht die Rede sein; es gab damals etwas ganz anderes. Die ganze die Erde umgebende Geist-Atmosphäre war, wie unser Luftkreis, mehr oder weniger ein einheitliches Ganzes, nur streckten sich von dieser GeistUmhüllung geistige Fortsetzungen wie eine Art von Fangarmen herab in die Ätherkugel hinein und hüllten die schaligen Gebilde ein, so daß Sie sich vorzustellen haben, daß sich von oben der Geist heruntersenkte und die einzelnen Körper umhüllte. Diese Fangarme bearbeiteten dieselben und bildeten eine menschliche Form. War das Gebilde fertig, dann zog sich der Fortsatz wieder zurück, streckte sich nach einer anderen Richtung aus und arbeitete wieder an anderen Gebilden. Was hervorgebracht wurde, war also direkt von den geistigen Welten hervorgebracht. Ganz im Anfang war unten ein wirrer, durcheinanderwirbelnder Ätherstoff, viel dichter als die einheitliche göttliche Geistessubstanz, die die Arme ausstreckte, um aus dem Chaos Gebilde zu schaffen. Das war die erste Epoche unserer Erde; sie wird in der Genesis der Bibel sehr schön ausgedrückt: «Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde, und die Erde war wüst und leer, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.» Der Äther, wie er unten war, wird geheimwissenschaftlich als «Wasser» bezeichnet.

[ 3 ] Man hätte damals die Erde nicht sehen können, ebensowenig die schaligen Gebilde; diese waren tönende Menschengebilde, und wenn ein solches entstand, drückte es sich in einem bestimmten Ton aus. Es war noch keine Individualität in den Gebilden; diese war noch ganz in der geistigen Atmosphäre aufgelöst. In diesen Gebilden konnte man sieben Arten von Grundtönen unterscheiden. Diese sieben Gruppen bildeten die ersten sieben menschlichen Wurzelrassen im Keim.

[ 4 ] Nach Millionen von Jahren kam ein großer kosmischer Vorgang: Der ganze mächtige Ätherkörper schnürte sich etwas ein, nahm eine biskuitförmige Gestalt an und blieb eine Zeitlang so. Endlich trennte sich von diesem gemeinsamen Gebilde ein kleiner Teil ab, bestehend aus Erde und Mond. Mit diesem Vorgang war für die Menschheitsentwickelung etwas ganz Besonderes verbunden. Die Menschenkeime wurden gegliedert, sie wurden differenziert; durch den Austritt der Sonne konnten nun zuerst Gegenstände von außen beleuchtet werden. Alles Sehen beruht darauf, daß Licht vorhanden ist, daß die Sonnenstrahlen auf die Gegenstände fallen und zurückgeworfen werden. Das Licht ist der Urheber der Augen. Als die Sonne heraustrat, waren Körper vorhanden, die sie bescheinen konnte. Dadurch war die Möglichkeit gegeben, daß sich ganz allmählich Organe herausbildeten zur Wahrnehmung der beleuchteten Gegenstände. Die Umgebung wurde sichtbar. Diese Zeit wird in der Genesis dargestellt mit den Worten: «Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Und Gott sah das Licht, daß es gut war, und Gott schied das Licht von der Finsternis.» Das ganze Erdengebilde geriet nun in Drehung, und dadurch entstanden Tag und Nacht. Wenn man als Geheimwissenschafter die Bibel liest, kann man alles wieder wörtlich nehmen.

[ 5 ] Jetzt war ein großer Teil derjenigen geistigen Wesenheiten, welche die Erde umgeben hatten, mit der Sonne fortgegangen. Sie bildeten die geistige Bevölkerung der Sonne und wirkten von der Sonne aus auf die Erde. Die physisch-ätherischen Menschengebilde wurden nun ausgestattet mit einer Astralhülle. Das Ganze, Erde und Mond, war nun umgeben von einer astralen Atmosphäre. Was vorher in der geistigen Atmosphäre ausgebreitet war, erstreckte sich nun zu den einzelnen menschlichen Gebilden, die einen selbständigen physischen und Ätherkörper ausgebildet hatten, und umgab sie. Der physische und der Ätherkörper war nun herausgebildet. In bezug auf den Astralleib aber war keine Selbständigkeit vorhanden; es gab noch eine gemeinsame Astralhülle für alle Wesen. Das war der Erdgeist, und der streckte wiederum seine Fangarme herein und umfing jeden einzelnen Menschenvorfahr. Eine neue Fähigkeit trat nun auf. Jetzt konnte ein jedes Menschengebilde ein anderes aus seiner eigenen Substanz hervorgehen lassen: eine Art Fortpflanzung ohne Befruchtung durch zwei Wesen. Es war also eine Befruchtung, die nicht geschlechtlicher Art war, sondern die von der ganzen Astralatmosphäre ausgeführt wurde. Wenn sich ein Fangarm niederstreckte, so bedeutete das eine Befruchtung des Menschenwesens, das dadurch wieder andere entwickeln konnte. Die Menschengebilde waren glokkenförmig und hatten oben eine röhrenförmige Öffnung zur Aufnahme der Fangarme; sie öffneten sich der Sonne. Das war der hyperboräische Urmensch; man nennt diese Periode die zweite große Wurzelrasse. Diese Menschengebilde waren vielfach gegliedert. Sie starben nicht; einen Tod in unserem Sinne gab es nicht. Sterben bedeutet das Herausziehen des Bewußtseins aus dem Körper. Damals aber war das Bewußtsein noch nicht differenziert, es war ein allgemeines Bewußtsein für alle Menschen in der Astralhülle. Das Bewußtsein des einzelnen blieb ein Teil des gemeinsamen Bewußtseins, und wenn es sich aus einem Gebilde zurückzog, senkte es sich in ein anderes ohne Unterbrechung. Es war gleichsam, wie wenn von einer Wolke sich vorne ein Stück loslöste, das gleich hinten wieder durch ein anderes ersetzt wird. Es war nur eine Metamorphose, und es herrschte eine ununterbrochene Kontinuität des Bewußtseins. Das Bewußtsein empfand es nur wie ein Wechseln des Kleides. Und das Ganze lebte in wunderbarer Schönheit, es schwebte in den herrlichsten Farben, in einem Lichtäther, und verdichtete sich nach und nach.

[ 6 ] Neben den Menschenvorfahren gab es aber auch schon Tier- und Pflanzenformen, die seine Genossen sein sollten. Die Pflanzen waren die heute zwerghaft gewordenen, niederen Gewächse. Ebenso waren die Tiere noch nicht in ihrer heutigen Gestalt vorhanden. Es waren leuchtende, den Äther durchwirbelnde Pflanzen und Tiere. Männliche und weibliche Tiere gab es nicht, es war noch alles eingeschlechtig; nur gewisse Tiere fingen gerade an, etwas von der Zweigeschlechtigkeit zu entwickeln. Ein eigentliches Mineralreich hatte sich noch nicht herausgebildet. Dann trat immer mehr eine Verdichtung der Ätherformen ein, so daß auch das Astrale immer mehr hereingezogen wurde.

[ 7 ] Nach einer Jahrmillion sahen Erde und Mond ganz anders aus: Tiere und Pflanzen waren geleeartig, wie Eiweiß, wie gewisse Quallen und Meerpflanzen; und in dieser verdichteten Materie mit Organen befanden sich die Menschenvorfahren. Die Tier- und Pflanzengebilde verdichteten sich nach und nach durch die befruchtende Astralkraft. Dann kam eine wichtige Zeit, wo sich die befruchtenden Wesenheiten in der Astralatmosphäre durch die damals lebenden Naturgebilde manifestierten, so daß Menschen und Tiere die Befruchtungs- und Ernährungssubstanz zugleich durch die umliegende Pflanzenwelt erhielten. Diese sonderte etwas ab, was mit der späteren Milch der Menschen und Tiere Ähnlichkeit hatte. Ein letzter Rest solcher milchabsondernder Pflanzen ist zum Beispiel der Löwenzahn. $o ernährten und befruchteten sich die Menschen damals aus der umgebenden Natur und waren selbstlos. Auf diese Art waren die Menschen vollständige Vegetarier. Sie nahmen nur auf, was die Natur freiwillig hergab. Sie nährten sich von milch- und honigähnlichen Säften. Es war ein wunderbarer Zustand in dieser urfernen Vergangenheit, der sich kaum mit Bildern unserer Sprache beschreiben läßt.

[ 8 ] Nun kommt ein äußerst wichtiger Moment: Es trennen sich Erde und Mond; der kleinere Mond trennt sich von der Erde ab. Jetzt sind es drei Körper: Sonne, Mond und Erde. Dadurch war für die lebenden Wesen etwas außerordentlich Wichtiges gegeben. Der Mond nahm einen großen Teil derjenigen Kräfte mit sich fort, welche die Menschen und Tiergebilde brauchten, um aus sich selbst andere Wesen hervorgehen zu lassen. In jedem Menschen war jetzt nur noch die Hälfte der Befruchtungskraft, die früher in ihm gewesen war. Die produktive Kraft war halbiert, und dadurch entstand nach und nach die Trennung in zwei Geschlechter. Jetzt mußte der Mensch von einem Wesen seinesgleichen befruchtet werden. Diese Zeit war die lemurische Zeit, die dritte Wurzelrasse. In dieser Zeit entstand auch eine größere Verdichtung und Verdickung des Stoffes. Kurz vor der Trennung von Erde und Mond waren dichtere Einlagerungen entstanden, und nach der Trennung bildeten sich in Mensch und Tier knorpelartige Substanzen mit Anlagen zur Knochenverdichtung. In demselben Maße, wie sich die äußere Erdmasse verdichtete und der feste Boden, die feste Erdkruste sich heranbildete, bildete sich im Menschen und im Tier die feste Knochenmasse. Es entstanden allmählich feste mineralische Gebilde. Früher war alles ätherisch gewesen, dann luftartig und flüssig; die Wesen bewegten sich schwebend wie im Wasser oder fliegend wie in der Luft. Jetzt bildete sich die Erde in ihren Felsen ein festes Gerüste aus wie das Knochengerüst im Innern des Menschen. Knochen- und Felsenbildung gingen miteinander parallel. Die Form der damaligen Menschen ist zu vergleichen mit einer Art Fisch-Vogeltier. Der größte Teil der Erde war noch wässerig, die Temperatur war noch sehr hoch. In diesem wäßrigen Element war noch vieles aufgelöst, was später erst fest geworden ist, zum Beispiel auch jetzige Metalle und andere Stoffe. Darin bewegten sich die Menschen sozusagen in schwimmender, schwebender Bewegung. Die ungeheure Hitze, die damals auf der Erde herrschte, konnten sie gut vertragen; ihr Körper bestand ja noch aus einer Materie, die den geschilderten Verhältnissen entsprach, so daß sie darin leben konnten.

[ 9 ] Dem Wasser waren kleine Kontinente, inselartige Gebilde eingelagert, auf denen die Menschen umherwandelten; aber die ganze Erdmasse war durchsetzt von vulkanischer Tätigkeit, die mit ungeheurer Vehemenz fortgesetzt Teile der Erde vernichtete, so daß diese fortwährend elementaren Zerstörungen und Neubildungen ausgesetzt war.

[ 10 ] Die Menschen hatten noch keine Lungen, sie atmeten durch röhrenförmige Kiemenorgane. Sie sehen, der damalige Mensch war schon ein sehr kompliziertes Gebilde: Er hatte sich ein Rückgrat eingelagert, erst knorpelartig, dann knochig, und um sich schwebend und schwimmend fortbewegen zu können, hatte er eine Schwimmblase, etwa wie die heutigen Fische.

[ 11 ] Bald, das heißt immerhin nach Jahrmillionen, wurde die Erde fester. Das Wasser trat zurück, sonderte sich ab von den festen Bestandteilen, die Luft kam in ihrer Reinheit heraus, und durch den Einfluß der Luft bildete sich die Schwimmblase allmählich zu Lungen um. Der Mensch erhob sich jetzt über das wässerige Element. Das war ein besonders wichtiger und bedeutungsvoller Vorgang. Die Kiemen bildeten sich zu anderen Organen um, teilweise zu Gehörorganen. Mit der Ausbildung der Lungen entstand die Fähigkeit des Atmens; dadurch lebt die ganze Menschheit in einem gemeinsamen Element, in der Luft. Die Menschen sind von Luft umgeben. Jeder Mensch nimmt ein Quantum Luft auf, bildet es nach seiner Form um und gibt es wieder heraus. Anfangs war der Mensch erfüllt mit dem reinen Geiste, später mit dem Astralen, und jetzt mit der Luft. Nun war der Mensch an dem Punkte angelangt, wo sich die Wärmeatmung in Luftatmung umwandelte. Damit wurde verwertet, was der Mars gebracht hatte: Es entstand jetzt warmes Blut. Der Moment ist da, wo das, was früher außerhalb des Menschen gewesen war, in ihn hineindrang: Der Geist, der früher ihn umgab, ging: in den Menschen hinein. Und wodurch? Durch die Luft. Die Fähigkeit des Atmens bedeutet die Aufnahme des individuellen menschlichen Geistes. Das- Ich des Menschen kommt in den Menschen mit der Atemluft hinein. Wenn wir von einem gemeinsamen Ich aller Menschen sprechen, so hat dieses auch einen gemeinsamen Körper: die Luft. Nicht umsonst haben die Alten dieses gemeinschaftliche Ich Atma, das heißt Atmen, genannt. Sie wußten genau, daß sie es beim Atmen einziehen und wieder ausstoßen. Wir leben in unserem gemeinschaftlichen Ich, weil wir in der allgemeinen Luft leben. Natürlich darf die Schilderung dieses Vorganges wiederum nicht zu wörtlich genommen werden. Das Hineinsenken des individuellen Ichs in den Menschen wird in der theosophischen Literatur beschrieben als das Herabsteigen des Manas, der Manasaputras. Mit jedem Atemzuge nahm ein menschliches Wesen langsam Manas, Budhi und Atma mehr oder weniger im Keime auf. Die Genesis schildert diesen Moment, und wir können sie dabei wörtlich nehmen: «Und Gott hauchte Adam den Odem des Lebens ein, und er ward eine lebendige Seele.» Das ist die Aufnahme des individuellen Geistes.

[ 12 ] Der Mensch hatte nun auch warmes Blut, und dadurch konnte er die Wärme in sich bleibend machen. Damit ist aber noch etwas sehr Wichtiges verbunden.

[ 13 ] Auf dem Monde waren auch Wesen vorhanden gewesen, die höher standen als die damalige Menschenwelt. Das waren die Götter, in der christlichen Überlieferung Engel und Erzengel genannt. Sie waren einst auf der Menschenstufe, und so wie wir höher hinaufgekommen sein werden auf dem nächsten Planeten, so sind auch sie im Laufe der Zeiten höher gestiegen. Sie hatten keinen physischen Körper mehr, waren aber noch mit der Erde verbunden. Sie brauchten nicht mehr das, was der Mensch brauchte, sie brauchten aber die Menschen selbst, über die sie regieren konnten.

[ 14 ] Als der Mond seine Entwickelung vollendet hatte, blieb von diesen Göttern ein Teil in der Entwickelung zurück, sie blieben sozusagen sitzen. Sie waren noch nicht so weit, wie sie eigentlich hätten kommen sollen. Und so gab es Wesen, die zwischen Göttern und Menschen standen: Halbgötter. Diese Wesen sind für die Erde und die Menschheit ganz besonders wichtig geworden. Sie konnten nicht ganz über die Menschheit und deren Sphäre hinauskommen, sie konnten sich aber auch nicht im Menschen verkörpern. Sie konnten sich nur in einem Teil der Menschennatur verankern, um mit diesem Teil ihre Entwickelung weiterzubringen und zugleich dem Menschen zu helfen. Sie hatten auf dem Monde Feuer geatmet. In dem Feuer, das nun im Menschen dauernd geworden war, im warmen Menschenblut, dem Ursitz der Leidenschaften und Triebe, verankerten sie sich und gaben ihm etwas von dem Feuer, das auf dem Monde ihr Element gewesen war. Das sind die Scharen des Luzifer, die luziferischen Wesenheiten. Die Bibel nennt sie die Verführer der Menschen. Sie verführten den Menschen insofern, als sie in seinem Blute lebten und ihn selbständig machten. Wären diese luziferischen Wesenheiten nicht dagewesen, so würden die Menschen alles von den Göttern als Geschenk bekommen haben. Sie wären weise, aber unselbständig, abgeklärt, aber unfrei geworden. Dadurch, daß diese Wesenheiten sich in seinem Blute verankerten, wurde der Mensch nicht nur weise, sondern er bekam Feuer, Leidenschaft für die Weisheit und Ideale.

[ 15 ] Damit aber war die Möglichkeit des Abirrens gekommen. Die Menschen können sich abwenden von dem Hohen. Der Mensch konnte nun wählen zwischen Gut und Böse. Mit dieser Anlage, mit dieser Möglichkeit des Bösen wurde die lemurische Rasse nach und nach entwickelt. Diese Anlage rief große Umwälzungen in der Erde hervor. Die Erde geriet in Zuckungen und Beben, und so ging Lemurien zum großen Teil durch diese Leidenschaften der Menschen zugrunde.

[ 16 ] Die Erde hatte sich wieder verändert, verdichtet. Andere Kontinente waren bereits entstanden. Der wichtigste Kontinent, der sich mittlerweile herausgebildet hatte, war Atlantis zwischen dem heutigen Europa, Afrika und Amerika. Auf diesem Kontinent hatten sich die Nachkommen der lemurischen Rasse ausgebreitet. In vielen Millionen Jahren hatte sie sich sehr verändert und eine Gestalt angenommen, die der heutigen Menschengestalt ähnelte. Dennoch waren diese Menschen von den heutigen sehr verschieden. Die Kopfbildung war eine ganz andere, die Stirn war noch viel niedriger; die Ernährungsorgane waren viel mächtiger ausgebildet. Der Ätherleib des Atlantiers ragte weit über seinen physischen Kopf hinaus. Im Ätherleib des Kopfes war ein wichtiger Punkt, der mit einem Punkte im physischen Kopf korrespondierte. Die Entwickelung bestand nun darin, daß beide Punkte zusammenrückten, so daß der Punkt des Ätherkopfes sich in den Punkt des physischen Körpers hineinschob. In diesem Augenblick, wo beide Punkte zusammenfielen, konnte der Mensch anfangen, Ich zu sich selbst zu sagen. Das Vorderhirn konnte jetzt ein Werkzeug werden für den Geist; es entstand das Selbstbewußtsein. Dieser Moment trat zuerst bei den in der Gegend des heutigen Irland wohnenden Atlantiern auf.

[ 17 ] Die Atlantier entwickelten sich nach und nach in sieben Unterrassen: Rmoahals, Tlavatli, Urtolteken, Urturanier, Ursemiten, Urakkadier und Urmongolen. Bei den Ursemiten geschah die Vereinigung der beiden Punkte und entwickelte sich das klare Selbstbewußtsein. Die beiden folgenden Unterrassen, die Urakkadier und Urmongolen, schossen eigentlich über das Ziel der atlantischen Menschheit hinaus.

[ 18 ] Vor dieser Vereinigung der beiden Punkte waren die Seelenkräfte der Atlantier grundverschieden von heute. Die Atlantier hatten einen viel beweglicheren Körper und vor allen Dingen in der allerersten Zeit einen mächtigen, starken Willen. Sie konnten zum Beispiel verlorene Gliedmaßen ergänzen, Pflanzen schnell wachsen lassen und übten dadurch einen gewaltigen Einfluß auf die Natur aus. Sie hatten mächtig ausgebildete Sinnesorgane; sie konnten Metalle durch das Gefühl unterscheiden, wie wir Gerüche unterscheiden. Dann aber hatten sie in hohem Grade die Gabe des Hellsehens. Sie schliefen in der Nacht nicht wie der heutige Mensch, der höchstens verworrene Träume hat, sondern wie der Hellseher, nur dumpfer. Sie standen nachts im Verkehr mit den Göttern, und was sie da erlebten, das lebt noch fort in den Mythen und Sagen. Sie zwangen die Naturkräfte in ihren Dienst. Ihre Wohnungen waren halbe Naturgebilde und in Felsen hineingehauen. Die Atlantier konstruierten Luftschiffe, zu deren Fortbewegung sie nicht anorganische Kraft, wie zum Beispiel die heutige Kohlenkraft, sondern die organische Pflanzentriebkraft verwandten.

[ 19 ] Dadurch, daß die oben erwähnten beiden Punkte noch nicht miteinander verbunden waren, hatten die Atlantier keinen kombinierenden Verstand. So konnten sie zum Beispiel nicht rechnen. Aber dafür hatten sie eine andere Seelenkraft ganz besonders ausgebildet: das Gedächtnis. Die kombinierende logische Verstandeskraft und das Selbstbewußtsein kamen erst in der fünften Unterrasse, den Ursemiten, hervor.

[ 20 ] Durch eine gewaltige Wasserkatastrophe ging Atlantis zugrunde. Der ganze Kontinent wurde allmählich überflutet, und die Volksmassen wanderten ostwärts, nach Europa und Asien. Ein Hauptzweig bewegte sich von Irland durch Europa nach Asien. Überall blieben Volksmassen zurück. Geführt wurden sie von einem hohen Eingeweihten, dem sie ganz und gar vertrauten. Dieser bewirkte dann durch seine Weisheit eine Auslese, er nahm die Besten mit sich und siedelte sie im fernen Asien an einer Stätte an, wo heute die Wüste Gobi liegt. Da wurde dann in völliger Absonderung eine kleine Kolonie besonders ausgebildet. Von dieser Kolonie aus gingen dann Kolonisatoren in alle bewohnten Länder und begründeten die Kulturen der nächsten Wurzelrasse: die indische, die altpersische, die ägyptisch-babylonisch-assyrische, die griechisch-lateinische Kultur. Und dann entstand die germanisch-angelsächsische Kultur.

[ 21 ] Wir werden dann morgen sehen, wie die Entwickelung sich weiter gestaltete.