Human Development and Christ-Knowledge
GA 100
21 June 1907, Kassel
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Human Development and Christ-Knowledge, tr. SOL
>Theosophie und Rosenkreuzertum VI
Theosophy and Rosicrucianism VI
[ 1 ] Wenn der Mensch innerhalb jenes geistigen Gebietes, das wir gestern besprochen haben, so weit ist, daß er sozusagen alles das, was er an Fähigkeiten und Talenten hatte, die er sich während des Erdenlebens erwarb, umgewandelt hat, dann kommt die Zeit, wo er sich anschickt zu einer neuen Verkörperung. Wir müssen uns darüber klar sein, daß wir in dem, was uns am Menschen entgegentritt, zweierlei vor uns haben. Das eine ist das, was sich im Laufe der physischen Vererbung fortpflanzt, das andere ist das, was er aus seinen früheren Lebensläufen mitbringt in diese Welt.
[ 1 ] When a person, within the spiritual realm that we discussed yesterday, has come so far that they have, so to speak, transformed all the abilities and talents that they acquired during their life on earth, then the time comes when they are ready for a new embodiment. We must realize that in what confronts us in a human being, we have two things before us. One is what reproduces itself in the course of physical inheritance, and the other is what he brings with him into this world from his previous lives.
[ 2 ] Wir werden zu beschreiben haben den Herunterstieg des Menschen in diese Weit, wobei Sie sich an dem Wort «Herunterstieg» nicht stoßen dürfen, denn es ist nicht ein räumliches Heruntersteigen, sondern ein Sich-Herausbilden aus der Welt um uns herum. Wir haben gestern gesehen, wie diese geistige Welt nicht etwa in einem Jenseits zu suchen ist, sondern wie sie auch hier rings um uns herum ist, nur daß dem heutigen Menschen die Möglichkeit fehlt, diese geistige Welt wahrzunehmen. Aus dieser geistigen Welt heraus entwickelt sich das, was man eine neue Verkörperung nennt. Wir haben gesehen, daß der Mensch sowohl von seinem Äther- als auch vom Astralleib eine Essenz zurückbehalten hat aus seinem früheren Leben, eine Übersicht seiner Erlebnisse; und was er innerhalb seines Astralleibes bereits veredelt hat, das alles hat er mitgenommen in die geistige Welt. Nur das Unveredelte ist abgefallen.
[ 2 ] We will have to describe man's descent into this world, although you must not be put off by the word 'descent', because it is not a spatial descent, but an evolution out of the world around us. Yesterday we saw how this spiritual world is not to be sought in some other world, but how it is also here around us, only that today's man lacks the ability to perceive this spiritual world. Out of this spiritual world develops what is called a new embodiment. We have seen that man has retained from his previous life an essence of both his etheric and astral bodies, an overview of his experiences; and what he has already ennobled within his astral body, he has taken with him into the spiritual world. Only what has not been ennobled has fallen away.
[ 3 ] Wir werden eine leichtere Vorstellung gewinnen über die Wiederverkörperung, wenn wir uns noch einiges vom Leben nach dem Tode klarmachen. Wir haben gesehen, daß der Mensch direkt nach dem Eintritt des physischen Todes noch etwa dreieinhalb Tage in seinem Ätherleib lebt, daß in diesen dreieinhalb Tagen das verflossene Leben wie in einer Art von Tableau vor ihm aufsteigt. Dann löst sich der Ätherleib auf, und daran schließt sich dann die Kamalokazeit: das ist die Zeit der Läuterung und Reinigung von aller läuterungsbedürftigen und reinigungsbedürftigen Astralität.
[ 3 ] We will gain a better understanding of reincarnation if we also consider some aspects of life after death. We have seen that immediately after the onset of physical death, the human being still lives in his etheric body for about three and a half days, and that during these three and a half days, the past life arises before him as in a kind of tableau. Then the etheric body dissolves, and then the time of the Kamaloka begins: this is the time of purification and cleansing of all astrality in need of purification and cleansing.
[ 4 ] Nun muß ich aber noch ein Erlebnis anführen. In dem Moment, wo dies Erinnerungsbild unmittelbar nach dem Tode auftritt, hat der Mensch ein bedeutsames Erlebnis. Der Mensch hat da die Empfindung, wie wenn er plötzlich größer würde, wie wenn er rasch durchbrechen würde seine Oberfläche und hinauswachsen würde in den Raum. Dieses Gefühl schwindet nicht wieder bis zur neuen Geburt. Der Mensch fühlt sich so groß wie die Welt, zu der er gehört, so groß wie der ganze Weltenraum. Daher können Sie auch eine Vorstellung davon gewinnen, wie es möglich ist, daß der Mensch seinen Leib wie etwas Fremdes sieht und empfindet, denn er sieht seine Leidenschaften gleichsam außerhalb seines Körpers. Es ist ein eigenartiges Gefühl, dieses Ausgebreitetsein durch den Weltenraum.
[ 4 ] But now I must still mention one more experience. The moment this image of remembrance arises immediately after death, the person has a significant experience. The person has the sensation of suddenly becoming larger, as if he were quickly breaking through his surface and growing out into space. This feeling does not fade away again until the new birth. Man feels as big as the world to which he belongs, as big as the whole universe. Therefore you can also get an idea of how it is possible that man sees and feels his body as something alien, because he sees his passions as it were outside his body. It is a strange feeling, this being spread out through space.
[ 5 ] Dann kommt etwas noch schwerer zu Verstehendes hinzu. Während dieser ganzen Kamalokazeit fühlt sich der Mensch so, wie wenn er richtig im Raume aufgeteilt wäre. Sie werden das besser so begreifen: Wenn der Mensch während der Kamalokazeit, wie ich Ihnen geschildert habe, sein Leben zurücklebt bis zur Kindheit, fühlt er alles, was er erlebt hatte, wie im Spiegelbild. So fühlt der Mensch richtig die Ohrfeige, die er damals jemandem gegeben hat; er fühlt sich richtig als Stück von dem Ort, den der andere eingenommen hat. Wenn Sie zum Beispiel hier in Kassel gestorben sind und der andere Mensch, dem Sie damals die Ohrfeige gegeben haben, in Paris lebt, dann fühlen Sie sich wie mit einem Stück von Ihnen dort. Und so fühlen Sie sich wie aufgeteilt im Weltenraum; Sie fühlen sich stückweise überall da, wo Sie sozusagen etwas zu suchen haben. Das ist nun so zu verstehen, daß Sie in dem Zwischenraum von Paris und Kassel nichts fühlen. So daß, wenn Sie alle Ereignisse Ihres Lebens in dieser Weise in Betracht ziehen, Sie sich während des ganzen Durchgehens durch den Zeitraum nach dem Tode förmlich zerstückelt fühlen.
[ 5 ] Then something even more difficult to understand comes into it. During this entire Kamaloka period, man feels as if he were really divided up in space. It is easier to understand it this way: During the Kamaloka period, as I have described it, when a person relives their life back to childhood, they feel everything they have experienced as if in a mirror image. In this way, a person really feels the slap they gave someone at the time; they really feel as if they are part of the space that the other person occupied. If, for example, you died here in Kassel and the other person whom you slapped at the time lives in Paris, then you feel as if a piece of you is there. And so you feel as if you are divided up in space; you feel as if you are in pieces everywhere where you have something to look for, so to speak. This is to be understood in such a way that you feel nothing in the space between Paris and Kassel. So that when you consider all the events of your life in this way, you feel literally fragmented throughout the entire passage through the period after death.
[ 6 ] Als Gleichnis möge folgendes dienen: Eine Wespe besteht aus zwei Teilen, einem Vorderteil und einem durch einen ganz dünnen Spannfaden verbundenen Hinterteil. Denken Sie sich diesen Hinterteil ganz abgetrennt, und trotzdem schleppe die Wespe diesen Teil mit sich. So etwa können Sie sich von der obigen Schilderung eine Vorstellung machen: Sie fühlen sich bestehend aus einzelnen Stücken, und es findet sich keine Verbindung zwischen diesen Stücken. Wenn der Mensch aber in das Devachan kommt, fühlt er sich wieder so wie unmittelbar nach dem Tode, als ob er den ganzen Weltenraum einnähme.
[ 6 ] The following may serve as an analogy: a wasp consists of two parts, a front part and a rear part connected by a very thin thread. Imagine this hind part as being completely severed, and yet the wasp drags it along with it. This is roughly how you can visualize the above description: you feel as if you consist of individual pieces, and there is no connection between these pieces. But when a person enters devachan, he feels the same way as immediately after death, as if he occupied the whole universe.
[ 7 ] Wenn aber nun der Mensch im Devachan all seine Veranlagungen zu Talenten und Fähigkeiten umgewandelt hat, dann fühlt das Ich wieder eine Anziehung zur physischen Erde, strebt danach, wieder herunterzusteigen auf die Erde zu einer physischen Verkörperung. Zuerst umgibt sich das Ich mit einem Astralleib. Das geht so vor sich, daß es alles Astrale an sich heranzieht: es ist wie ein Zusammenschießen. Es ist, als ob Sie zu Eisenfeilspänen einen Magneten halten: wie sich da die Eisenfeilspäne in bestimmten Figuren anziehen, so zieht das Ich das Astrale an sich. Es hat aber Eindrücke erhalten von all den Erlebnissen, die es gehabt hat beim Durchgang durch das Seelen- und Geisterland, und alles das bildet die Grundkräfte, die mitwirken beim Aufbau des neuen Astralleibes. So nimmt also dieser neue Astralleib alles mit, was der Mensch in früheren Leben und im Kamaloka durchgemacht hat. Alle Eindrücke, die er da gehabt hat, wirken bestimmend auf seine Eingliederung in seinen neuen Astralleib.
[ 7 ] But when a person in devachan has transformed all his predispositions into talents and abilities, then the ego feels an attraction to the physical earth again and strives to descend to a physical embodiment on earth again. First, the ego surrounds itself with an astral body. This happens in such a way that it draws everything astral to itself: it is like a contraction. It is as if you hold a magnet to iron filings: just as the iron filings are attracted to each other in certain figures, so the ego attracts the astral to itself. But it has received impressions from all the experiences it has had during its passage through the realm of souls and spirits, and all these form the basic forces that contribute to the construction of the new astral body. So this new astral body takes with it everything that the person has gone through in previous lives and in Kamaloka. All the impressions he has had there have a decisive influence on his integration into his new astral body.
[ 8 ] Jetzt hat der Mensch erst den Astralleib; er muß nun aber auch die übrigen Glieder haben. Der Astralleib ist lediglich durch die eigenen Anziehungskräfte gebildet worden. Vor der Empfängnis ist der Mensch nur mit diesem Astralleib umkleidet. Der Seher sieht daher fortwährend diese astralen Menschenkeime, die auf ihre Geburt beziehungsweise ihre Empfängnis warten. Er sieht sie mit einer riesigen Geschwindigkeit herumfliegen: glockenförmige Gebilde bewegen sich mit riesiger Geschwindigkeit durch den Raum. Entfernungen spielen gar keine Rolle; sie bewegen sich so schnell, daß eben Entfernungen keine Rolle spielen.
[ 8 ] Now the human being has only the astral body; but now he must also have the other members. The astral body has been formed solely by its own attractive powers. Before conception, the human being is clothed only with this astral body. The seer therefore constantly sees these astral human germs waiting for their birth or conception. He sees them flying around at a tremendous speed: bell-shaped forms move through space at a tremendous speed. Distances do not play any role at all; they move so fast that distances do not play a role.
[ 9 ] Nun kommt die Umkleidung mit einem Ätherleib; das ist aber etwas, womit der Mensch nicht mehr durch seine eigenen Kräfte allein umkleidet wird. Für den Ätherleib können nicht mehr die in ihm liegenden eigenen Kräfte sorgen, sondern dazu bedarf der Mensch der Mithilfe gewisser geistiger Wesenheiten, die dabei mitwirken müssen. Sie bekommen eine Vorstellung von diesen Wesenheiten, wenn Sie daran denken, daß Sie zuweilen Worte gebrauchen, womit Sie gewöhnlich keine Vorstellung verbinden, zum Beispiel mit dem Wort Volksseele, Volksgeist. Heute stellt man sich, wenn man diese Worte ausspricht, darunter gar nichts vor, oder denkt sich etwas ganz Abstraktes. Der Seher hat aber eine andere Vorstellung davon. 'Tatsächlich gibt es ebenso wahr, wie wir selber wahr sind — Wesenheiten höherer Art, die aber nicht zu einer Verkörperung im Fleische kommen, und die nichts anderes sind als Volks- oder Stammesseelen. Es ist nicht nur eine vage Bezeichnung, wenn man vom Volksgeist spricht; die Volksseele ist ein wirkliches Wesen, nur hat sie keinen physischen Leib, sondern ihr niederstes Glied ist der Ätherleib. Dann hat dieser Volksgeist einen Astralleib, Ich, Manas, Buddhi, Atma, und dann noch ein höheres Glied, zu dem es der Mensch nicht bringt, das die christliche Esoterik den Heiligen Geist nennt und die Theosophie gewohnt ist, den Logos zu nennen.
[ 9 ] Now comes the clothing with an etheric body; but this is something with which man is no longer clothed by his own powers alone. The inherent powers of the etheric body can no longer take care of it, but for this, man needs the help of certain spiritual beings to assist him. You get an idea of these entities when you think about the fact that you sometimes use words that you usually do not associate with any idea, for example, the words 'national soul' or 'national spirit'. Today, when you pronounce these words, you do not imagine anything or you think of something very abstract. But the seer has a different idea about it. 'In fact, there are beings as true as we ourselves are true — higher entities that do not come to embodiment in the flesh and that are nothing other than the souls of a people or tribe. It is not just a vague term when one speaks of the national spirit; the national soul is a real being, only it has no physical body, but its lowest link is the etheric body. Then this national spirit has an astral body, I, Manas, Buddhi, Atma, and then a still higher link, which man does not achieve, which Christian esotericism calls the Holy Spirit and which Theosophy is accustomed to calling the Logos.
[ 10 ] So kann der Seher den Volksgeist ansprechen, wie er den andern Menschen anspricht. Heute hat man ja keine richtige Vorstellung von solchen Dingen und glaubt nur, dies Wort bezeichne eine Zusammenfassung der Merkmale der einzelnen Völker; das ist aber nicht wahr, es hat eine reale Wirklichkeit. Durch die materialistische Gesinnung mußte das Verständnis für solche Dinge verlorengehen, aber es wird wieder errungen werden. Heute neigt die Menschheit dazu, solche Dinge als leere Begriffe zu verflüchtigen. Aber das mußte so kommen. Und so mußte in unserer Zeit auch ein Buch geschrieben werden, das sozusagen das Gegenteil von theosophischer Anschauung ist. Dies Buch mußte geschrieben werden, und wird auch viel bewundert, das ist: «Die Kritik der Sprache» von Fritz Mauthner. Fritz Mauthner ist ein Geist, der alles auflöst, was über dem Sinnlichen liegt. Nur ein von allen guten Geistern verlassener radikaler Denker konnte so schreiben, der den Mut hatte, mit allem zu brechen, was Geist und Wirklichkeit ist. Künftige Jahrhunderte werden gerade zu diesem Buche greifen müssen, wenn sie wissen wollen, wie an der Wende dieses Jahrhunderts gedacht wurde.
[ 10 ] Thus the seer can address the spirit of the people as he addresses other men. Today one has no real conception of such things and only believes that this word designates a summary of the characteristics of the individual peoples; but this is not true, it has a real reality. Due to the materialistic attitude, the understanding of such things had to be lost, but it will be regained. Today, humanity tends to dismiss such things as empty concepts. But it was bound to come to this. And so a book had to be written in our time that is, so to speak, the opposite of the theosophical view. This book had to be written, and it is also much admired: it is 'The Critique of Language' by Fritz Mauthner. Fritz Mauthner is a spirit that dissolves everything that lies above the sensual. Only a radical thinker abandoned by all good spirits could write like this, who had the courage to break with everything that is spirit and reality. Future centuries will have to turn to this book in particular if they want to know how people thought at the turn of this century.
[ 11 ] Die Volksseele ist reale Wirklichkeit: wie eine Nebelmasse breitet sie sich aus, und alle Ätherleiber der einzelnen Menschen des jeweiligen Volkes sind in sie eingebettet, und ihre Kräfte strömen ein in die Ätherleiber der einzelnen Menschen.
[ 11 ] The soul of the people is real reality: it spreads out like a mass of fog, and all the etheric bodies of the individual people of the respective nation are embedded in it, and their forces flow into the etheric bodies of the individual people.
[ 12 ] Nun gibt es Geister gerade von diesem Rang der Volksseele, welche mitwirken bei der Zusammenstellung des Ätherleibes der neuen Seele. Diese Wesenheit bewirkt, daß der Mensch zu einem bestimmten Volke hingeleitet wird, welches gerade für ihn am besten paßt. Da paßt dieser Ätherleib nun schon nicht immer ganz genau; und alles, was Sie an Disharmonien im Leben finden, das rührt sehr häufig davon her, daß der Mensch sich nicht aus eigenen Kräften allein seinen Ätherleib machen kann. Dieses Voll-Übereinstimmen wird erst auf einer viel späteren Entwickelungsstufe der Erde stattfinden.
[ 12 ] Now there are spirits precisely of this rank of the folk soul that help to put together the etheric body of the new soul. This being ensures that the person is guided to a particular nation that is best suited for them. Now this etheric body does not always fit perfectly, and the disharmony you find in life very often stems from the fact that the human being cannot make his etheric body through his own efforts alone. This complete harmony will only take place at a much later stage of the earth's development.
[ 13 ] Dieses Umkleiden mit dem Ätherleib geschieht mit einer rasenden Geschwindigkeit, wie Sie sich diese aus physischen Verhältnissen gar nicht vorstellen können. Und dann wird von noch höheren Wesenheiten der Mensch hingeführt zu jenem Elternpaar, welches ihm den geeigneten Stoff zu seinem physischen Leibe geben kann.
[ 13 ] This transformation with the etheric body takes place at a tremendous speed, which you cannot even imagine from a physical point of view. And then the human being is led by even higher beings to that pair of parents who can give him the appropriate material for his physical body.
[ 14 ] Der heutige materialistische Mensch, der da sieht, wie der Sohn den Eltern ähnlich ist, wird nicht glauben können, daß sich mit diesem von den Eltern ererbten Körper noch etwas anderes verbindet. Gewiß, wir sehen unseren Ahnen durch den Körper ähnlich, aber das widerspricht dem Gesagten gar nicht. Betrachten wir gleich einen speziellen Fall: die Familie Bach. Im Verlaufe von zweihundertfünfzig Jahren sind mehr als neunundzwanzig mehr oder weniger bedeutende Musiker aus dieser Familie hervorgegangen. Da wird der Materialist sagen: Da sieht man es ja, daß das vererbt ist! — So hat die Familie Bernoulli in kurzer Zeit acht Mathematiker hervorgebracht. Wie ist das? Das verstehen wir am besten, wenn wir gerade die Vererbungsverhältnisse ins Auge fassen. Da dies beim Musiker leichter verständlich ist, wollen wir einmal die Familie Bach betrachten. Also nehmen wir an, ein junger Bach wäre in seiner früheren Verkörperung etwa in Rom gewesen, hätte seine Anlagen verarbeitet und wollte sich wiederverkörpern. Angenommen, er hätte die größten musikalischen Anlagen mitgebracht als Ergebnis seiner früheren Verkörperungen: wenn er nicht ein gut ausgebildetes Ohr fände, so könnte er mit allen seinen Anlagen nichts anfangen; er wäre ohne ein gut ausgebildetes Ohr genauso hilflos wie ein Virtuose ohne Instrument. Ganz notwendig mußte diese Individualität sich einem solchen Körper eingliedern, der ein gutes Organ für diese mitgebrachten Anlagen hat. Nun ist aber die äußere Form der inneren und äußeren Organe erblich, und diese Individualität mußte, wenn sie ein Musiker werden wollte, für das kommende Leben ein gut ausgebildetes Gehörorgan haben, Wo kann sie es am leichtesten bekommen? In einer Musikerfamilie. So wird sie also dahin geführt, wo sie das beste Organ zur weiteren Ausbildung der in ihr veranlagten Talente finden kann, und das war damals gerade das Elternpaar des Johann Sebastian Bach.
[ 14 ] Today's materialistic man, who sees how the son resembles his parents, will not be able to believe that something else connects with this body inherited from the parents. Of course we resemble our ancestors through the body, but that does not contradict what has been said. Let us consider a special case: the Bach family. In the course of two hundred and fifty years, more than twenty-nine musicians of greater or lesser importance emerged from this family. The materialist will say: “There you have it, that's what is inherited!” The Bernoulli family produced eight mathematicians in a short period of time. How is that? We understand this best when we consider the inheritance conditions. Since this is easier to understand with musicians, let us look at the Bach family. Let us assume that a young Bach, in his earlier incarnation, had been in Rome, had developed his abilities and wanted to re-incarnate. Let us assume that he had brought with him the greatest musical abilities as a result of his previous incarnations: if he did not find a well-trained ear, he would not be able to make use of all his abilities; without a well-trained ear, he would be just as helpless as a virtuoso without an instrument. It was absolutely necessary for this individuality to incorporate itself into such a body, which has a good organ for these inherited talents. But the outer form of the inner and outer organs is hereditary, and this individuality, if it wanted to become a musician, had to have a well-developed organ of hearing for the coming life. Where can it get it most easily? In a family of musicians. So she is led to where she can find the best organ for the further development of her talents, and that was precisely the parental couple of Johann Sebastian Bach at the time.
[ 15 ] Wie ist es nun bei den Brüdern Bernoulli? Das mathematische Denken beruht nicht auf der Beschaffenheit des Gehirns, denn die mathematische Logik ist nichts anderes als die übrige Logik, sondern das mathematische Talent beruht auf der ganz besonders exakt ausgebildeten Organisation der drei halbzirkelförmigen Kanäle. Das ist ein Organ, nicht viel größer als eine Erbse, das mitten im Felsenbein eingebettet ist, und das aus drei halbkreisförmigen Kanälen besteht, die genau dem dreidimensionalen Raum entsprechen. Wenn der eine Kanal also genau vertikal liegt, so liegt der zweite von rechts nach links, der dritte von vorn nach hinten. Alle stehen also zueinander senkrecht in einem Winkel von genau neunzig Grad. Auf diese genaue Einstellung zueinander kommt es also an: je genauer der rechte Winkel stimmt, um so besser funktioniert das Organ. Wenn das Organ in irgendeiner Weise verletzt wird, tritt Schwindel ein und Sie können sich nicht mehr im Raum orientieren. Und auf einer ganz besonders feinen Ausbildung dieser Kanäle beruht das mathematische Talent, respektive die Möglichkeit, das mathematische Talent ausüben zu können. Und dieses Organ ererbt man genauso wie das musikalische Ohr.
[ 15 ] What about the Bernoulli brothers? Mathematical thinking is not based on the structure of the brain, because mathematical logic is no different from other logic. Rather, mathematical talent is based on the particularly precisely developed organization of the three semi-circular canals. This is an organ, not much larger than a pea, embedded in the middle of the rock bone, and it consists of three semicircular canals that correspond exactly to the three-dimensional space. So if one canal is exactly vertical, the second is from right to left, and the third from front to back. All three are therefore perpendicular to each other at an angle of exactly ninety degrees. This precise alignment is what matters: the more accurate the right angle, the better the organ works. If the organ is damaged in any way, dizziness occurs and you can no longer orient yourself in space. And mathematical talent, or the ability to exercise mathematical talent, is based on a particularly fine formation of these channels. And this organ is inherited in the same way as the musical ear.
[ 16 ] Das Gehirn denkt genau so über den Raum nach, wie zum Beispiel über die Philosophie; aber daß einer Sinn hat für die Raumformen, das hängt von diesen drei halbzirkelförmigen Kanälen ab. Also eine mit hohen mathematischen Talenten begabte Individualität wird sich in eine Familie verkörpern, in der dieses Organ am besten ausgebildet ist, und das war der Fall in der Familie Bernoulli.
[ 16 ] The brain thinks about space in the same way as it thinks about philosophy, for example; but whether someone has a sense for spatial forms depends on these three semi-circular channels. Thus, an individuality gifted with great mathematical talent will embody itself in a family in which this organ is best developed, and that was the case in the Bernoulli family.
[ 17 ] Auch um moralisch tüchtig sein zu können, gehört ein richtiges Instrument dazu. Eine Individualität, die eine hohe Moralität hat, sucht sich deshalb dasjenige Elternpaar, das ihr hierfür das beste Instrument zu geben verspricht. So ist das oft in oberflächlich trivialer Weise gebrauchte Sprichwort: Man kann nicht vorsichtig genug sein in der Wahl seiner Eltern - im tiefsten, ernstesten Sinne wahr, denn es wählt sich sozusagen das Kind seine Eltern. Da wenden nun manche ein: Wohin kommen wir denn da mit der Mutterliebe? Denn die kommt doch daher, daß die Mutter weiß, das Kind sei ein Stück von ihr selbst. - Im richtigen Lichte betrachtet, leidet die Mutterliebe in keiner Weise, im Gegenteil, man lernt sie dadurch nur noch tiefer verstehen. Warum wird das Kind gerade von der und der Mutter geboren? Weil es durch seine geistigen Eigenschaften zu der ihm geistig gleichartigen Mutter hingeführt wird, und es liebt ja die Mutter sogar schon vor der Empfängnis; die Mutterliebe ist sozusagen die Gegenliebe dieser primären Zuneigung. Eine solche Einsicht ist also sogar noch eine Vertiefung dieses Begriffes.
[ 17 ] To be morally capable, too, requires the right instrument. An individual with a high sense of morality will therefore seek out those parents who promise to give their child the best instrument for this. The adage that is often used in a superficially trivial way, “You cannot be too careful in choosing your parents”, is true in the deepest, most serious sense, for the child, so to speak, chooses its parents. Now some people might object: Where does that leave us with motherly love? After all, it comes from the fact that the mother knows that the child is a part of herself. Seen in the right light, motherly love does not suffer in any way. On the contrary, it is only understood more deeply. Why is the child born of this particular mother? Because it is led by its spiritual qualities to the spiritually similar mother, and it loves the mother even before conception; the mother's love is, so to speak, the requited love of this primary affection. Such an insight is therefore even a deepening of this concept.
[ 18 ] Nun hängt es im wesentlichen von den Eigenschaften von Vater und Mutter ab, wie sie die Gelegenheit geben zu einer Verkörperung; und da wirken Vater und Mutter verschieden. Wenn der Mensch zu einer neuen Geburt herunterkommt, so hat das Ich, das mehr Willenskräfte hat, mehr Anziehung zum Vater, und das, was mehr astrale Kräfte hat, zur Mutter. Der Vater hat also mehr Einfluß auf das Ich, den Willen und Charakter, die Mutter hat mehr Einfluß auf den Astralleib, also dem Vorstellungsvermögen nach. Am besten ist es natürlich, wenn beide Eltern passen zu der Individualität, die sich verkörpern will.
[ 18 ] Now it depends essentially on the qualities of the father and mother how they provide the opportunity for an embodiment; and here the father and mother work differently. When the person comes down to a new birth, the ego, which has more willpower, is more attracted to the father, and what has more astral powers is more attracted to the mother. The father therefore has more influence on the ego, the will and the character, and the mother has more influence on the astral body, that is, on the power of imagination. It is best, of course, when both parents are a good match for the individuality that wants to embody itself.
[ 19 ] Beim Heruntersteigen wirken aber auch diejenigen Kräfte mit, die dem Menschen eingeprägt sind beim Aufstieg. All das bildet Anziehungskräfte, und er wird in die Sphäre gezogen werden, die mit ihm von jeher verwandt war. Er wird also zu denjenigen Menschen hingeführt, mit denen er früher schon etwas zu tun gehabt hat. Ich will Ihnen ein Beispiel anführen, das auf einen realen Fall begründet ist. Es war einmal der Fall, daß bei einem Femgericht jemand von vier bis fünf Richtern zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Nun ging man geisteswissenschaftlich vor und untersuchte das Vorleben dieser sechs Menschen, und da stellte sich heraus, daß alle diese Männer im Leben vorher zusammen auf der Erde waren, aber so, daß der Hingerichtete ihr Häuptling war, und daß die andern von ihm hingerichtet wurden. So war also die letzte Hinrichtung eine Art Ausgleich. Gerade dieser Fall macht das Gesetz vom Karma ganz besonders anschaulich. So wirken die verschiedenen Kräfte zusammen, die der Mensch in seinem früheren Leben an sich gezogen hat; sie bestimmen bei der Wiederverkörperung sowohl die Verfassung seines Leibes als auch den Ort, an dem er geboren wird, als auch sein späteres Schicksal. Noch mehr als beim Ätherleib zeigen sich oft die Dissonanzen beim physischen Leibe.
[ 19 ] But in the descent, those forces also come into play that are imprinted on the human being during the ascent. All this forms forces of attraction, and he will be drawn into the sphere that has always been related to him. He will therefore be led to those people with whom he has had something to do in the past. I will give you an example based on a real case. There was once a case in which four or five judges of a court passed death sentences on one person, who was then executed. Now spiritual science was applied and the past lives of these six people were investigated, and it turned out that all these men had been together on earth before, but in such a way that the executed man was their chief and the others were executed by him. So the last execution was a kind of compensation. This case in particular illustrates the law of karma very clearly. Thus the various forces that man has attracted to himself in his previous life work together; at re-embodiment they determine not only the condition of his body but also the place where he is born and his later fate. Even more than with the etheric body, dissonances often appear in the physical body.
[ 20 ] Das alles sind Dinge, die da zeigen, wie der Mensch bei seiner Wiederverkörperung mit den drei Leibern umkleidet wird, und bei jeder Verkörperung arbeitet das Ich am Astralleib, Ätherleib und physischen Leib. Wie er zu dieser hohen Vollkommenbheit steigt, das werden wir später hören. Aber immer mehr wird der Astralleib und Ätherleib umgebildet, und immer mehr wird aus dem veredelten Astralleibe Manas, aus dem veredelten Ätherleibe Buddhi, aus dem veredelten physischen Leibe Atma. So kann man sich die immer höhere Vervollkommnung des Menschen von Inkarnation zu Inkarnation vorstellen.
[ 20 ] These are all things that show how the human being is clothed with the three bodies in his re-embodiment, and in each embodiment the I works on the astral body, ether body and physical body. How he rises to this high perfection, we will hear later. But the astral and etheric bodies are transformed more and more, and more and more becomes manas from the refined astral body, buddhi from the refined etheric body, and atma from the refined physical body. This is how one can imagine the ever-increasing perfection of man from incarnation to incarnation.
[ 21 ] Dieses kommt am schönsten im Vaterunser zum Ausdruck, das man aber nur in der rechten Weise versteht, wenn man es eben im echt christlichen Sinne auffaßt, wie es aufgefaßt wurde von der Geheimschule des Paulus. Diese Schule war es, die das Vaterunser im echt christlichen Sinne so erklärt hat. Sie sagte ihren Schülern etwa: Stellt euch die höheren Glieder der Menschennatur vor, die dadurch zur Entwickelung kommen, daß der Mensch seine drei untersten Glieder immer mehr veredelt. - Nun sah das früheste Christentum diese drei höheren Glieder — Manas, Buddhi, Atma - als die göttliche Natur des Menschen an. Dadurch, daß der Mensch nun diese drei höheren Glieder immer mehr entwickelt, nähert er sich immer mehr der Gottheit. Von diesem Gesichtspunkt aus nannten die alten esoterischen Christen die drei höchsten Glieder die Göttliche Natur, und sie nannten das Höchste Atma: den Vater. Dies ist das Tiefste der Göttlichkeit im Menschen: der Vater im Himmel. Dieser Vater ist das, wozu alle Menschen sich hinentwikkeln, es ist der Mittelpunkt der Weltenschöpfung. Man stellt sich am besten die Schöpfung im christlichen Sinne so vor, wenn man sich das Opfer klarmacht. Denken Sie sich Ihr Spiegelbild, und nehmen Sie an, Sie könnten so selbstlos sein, an das Spiegelbild Ihr Leben abzugeben. So muß man sich das selbstlose Schaffen vorstellen, daß man selbst in dem Geschaffenen aufgeht. Denken Sie sich den Vatergeist in der Mitte einer sich spiegelnden Hohlkugel, dann tritt Ihnen in tausendfacher Weise das Bild Gottes entgegen. So sagte der alte esoterische Christ: Sieh dir die Welt an: alle Wesen, was sind sie, als Spiegelbilder Gottes! — Und diese sich spiegelnde Gottheit nannten sie in ihrer Esoterik «das Reich», das ist: der sich überall spiegelnde Gott. - Nun entwickelt euer Gefühl weiter. Seht ihr in allem den Gott, dann habt ihr in ungeheuer viel Einzelheiten die Gottheit aufgelöst, und wollt ihr sie unterscheiden, dann müßt ihr jedem einzelnen einen Namen geben. Dieser Name muß geheiligt werden, denn jedes einzelne Geschöpf ist ja ein Spiegelbild der Gottheit.
[ 21 ] This is most beautifully expressed in the Lord's Prayer, which can only be rightly understood if it is understood in the genuine Christian sense, as it was understood by Paul's secret school. It was this school that explained the Lord's Prayer in the genuine Christian sense. It said to its pupils: Imagine the higher members of human nature, which come into development through man's ever-increasing ennoblement of his three lowest members. Now, early Christianity regarded these three higher members — manas, buddhi, atma — as man's divine nature. By developing these three higher parts more and more, man approaches the Godhead. From this point of view, the early esoteric Christians called the three highest parts the Divine Nature, and they called the Highest Atma: the Father. This is the lowest part of the Divinity in man: the Father in Heaven. This Father is what all people develop into; it is the center of the creation of the world. It is best to imagine creation in the Christian sense by visualizing sacrifice. Imagine your mirror image and assume that you could be so unselfish as to give your life to the reflection in the mirror. That is how one must imagine selfless creation: that one is absorbed in what has been created. Imagine the Father-Spirit in the center of a reflecting hollow sphere, and then the image of God will appear to you in a thousandfold way. Thus the old esoteric Christian said: Look at the world: all beings, what are they but the mirror images of God! And in their esoteric lore they called this reflecting Divinity “the Kingdom,” that is, God reflecting everywhere. Now develop your feeling further. When you see God in everything, then you have dissolved the Godhead into an enormous number of details, and if you want to distinguish them, then you have to give each one a name. This name must be hallowed, because every single creature is, after all, a reflection of the Godhead.
[ 22 ] In diese drei hinein entwickelt sich der Mensch zu Gott. Sie dürfen aber nicht glauben, der Mensch würde der Gott. Nehmen Sie einen Tropfen aus dem Meere: der ist wesensgleich dem Meere, er ist aber nicht das Meer. So auch ist der Tropfen der Göttlichkeit in uns wohl wesensgleich der Gottheit, ist aber nicht die Gottheit. Indem der Mensch also die drei höchsten Glieder immer mehr entwickelt, wird er immer mehr eins mit dem Reich, da die geistige Welt zu ihm herunterkommt. Da haben Sie die drei ersten Bitten des Vaterunser: erstens im Anrufen des Vaters, zweitens im Flehen, daß das Reich zu uns kommen soll, drittens in der Heiligung des Namens. Dann werden wir immer bestrebt sein, keine Handlung zu vollbringen, die nicht in Harmonie steht mit dem Vatergeiste, aus dem wir entsprungen sind und zu dem wir uns entwickeln, wenn wir eben die drei höchsten Glieder in uns ausbilden. Und im Gegensatze zu den drei höheren Gliedern betrachtet nun das esoterische Christentum die vier niederen Glieder des Menschen, die auch immer vollkommener werden müssen.
[ 22 ] In these three, man develops into God. But you must not believe that man becomes God. Take a drop from the sea: it is of the same essence as the sea, but it is not the sea. So too, the drop of divinity within us is of the same essence as the divinity, but it is not the divinity. By developing the three highest members more and more, man becomes more and more one with the kingdom, for the spiritual world comes down to him. There you have the first three petitions of the Lord's Prayer: firstly, in calling upon the Father, secondly, in imploring that the kingdom should come to us, and thirdly, in sanctifying the name. Then we will always strive not to perform any action that is not in harmony with the Father-Spirit from which we have sprung and to which we are developing when we develop the three higher members within us. And in contrast to the three higher members, esoteric Christianity now considers the four lower members of man, which must also become more and more perfect.
[ 23 ] Der physische Leib besteht aus denselben Stoffen wie die äußere Natur, die ja auch in diesem physischen Leibe fortwährend ein- und auswandern. Und sie müssen ja fortwährend ein- und auswandern, wenn der physische Leib gesund bleiben soll.
[ 23 ] The physical body consists of the same substances as the outer nature, which also continually migrate in and out of this physical body. And they must continually migrate in and out if the physical body is to remain healthy.
[ 24 ] Der Ätherleib hat Kräfte, die, so wie der physische Leib mit der ganzen äußeren Natur in Wechselbeziehung steht, ebenso in Wechselbeziehung stehen mit der ganzen Volksseele. Soll der physische Leib in Ordnung sein, so müssen physische Stoffe täglich in ihm ein- und auswandern. Soll der Ätherleib in Ordnung sein, so darf er sich nicht als Einzelnes entwickeln, sondern er muß sich in Harmonie bringen mit der ganzen Volksseele und allen höheren Wesenheiten.
[ 24 ] The etheric body has powers that, just as the physical body is interrelated with all of external nature, are likewise interrelated with the collective soul of the people. If the physical body is to be in order, then physical substances must daily enter and leave it. If the etheric body is to be in order, it must not develop as an individual, but must bring itself into harmony with the whole national soul and all higher beings.
[ 25 ] Das Wort «Schuld» hängt zusammen mit dem Wort Schulden. Schulden sind etwas, was Ihnen so recht zeigt, daß Sie nicht einzeln dastehen, sondern daß Sie einen sozialen Zusammenhang haben, daß Sie Ihren Mitmenschen etwas schulden. Das, was den menschlichen Astralleib nun in Unordnung bringen kann, das sah die ursprüngliche christliche Esoterik an als etwas, was seine Neigungen und Leidenschaften, Triebe und Begierden betraf; und alles, was diese in Unordnung bringen kann, das drückt das Wort «Versuchung» aus. Schuld ist also etwas, was den Menschen in eine Beziehung bringt zu der sozialen Gemeinschaft, während Versuchung etwas ist, worein jeder Mensch als individuelles Wesen fallen kann.
[ 25 ] The word “guilt” is related to the word “debt”. Debts are something that shows you quite clearly that you do not stand alone, but that you have a social context, that you owe something to your fellow human beings. What can now bring disorder into the human astral body, that was seen by the original Christian esotericism as something that affects its inclinations and passions, drives and desires; and everything that can bring these into disorder is expressed by the word “temptation”. Guilt, then, is something that brings a person into relationship with the social community, while temptation is something that any person can fall into as an individual being.
[ 26 ] Würden nicht in unserem physischen Körper physische Stoffe einund ausgehen, so würde dieser physische Körper in Unordnung kommen: «Gib uns unser täglich Brot.» Würde der Ätherleib sich nicht in harmonische Wechselbeziehung bringen zum Volksseelenhaften, das heißt, würde er sich nicht harmonisch dem ganzen sozialen Gefüge eingliedern, dann würde er ebenfalls in Unordnung kommen: «Vergib uns unsere Schuld.» Würde der Mensch in den Fehler verfallen, einer jeden an ihn herantretenden Versuchung zu unterliegen, dann würde dadurch sein Astralleib in Unordnung kommen: «Führe uns nicht in Versuchung.»
[ 26 ] If physical substances did not enter and leave our physical body, that physical body would come into disorder: “Give us our daily bread.” If the etheric body did not harmonize with the soul of the people, that is, if it did not harmonize with the whole social structure, then it would also come into disorder: “Forgive us our debts.” If man were to fall into the error of succumbing to every temptation that approaches him, then his astral body would be thrown into disorder: “Do not lead us into temptation.”
[ 27 ] Das Ich kann in jene Fehler verfallen, die man mit «Übel» bezeichnet. Zu diesen Verfehlungen des Ich — das ist ja unser Selbst — gehört alles, was ein normales und gesundes Selbstgefühl zum Bösen wandelt, das heißt also in Selbstsucht. Dahin gehören also alle Ausschreitungen der Selbstsucht, des Egoismus: «Erlöse uns von dem Übel.»
[ 27 ] The ego can fall into those errors that are called “evil”. These transgressions of the I – that is, our self – include everything that a normal and healthy sense of self transforms into evil, that is, into selfishness. Thus all excesses of selfishness, of egoism, belong there: “Deliver us from evil.”
[ 28 ] Der physische Leib kann sich also in gesunder Weise entwickeln, wenn wir ihm das tägliche Brot in der rechten Weise zukommen lassen. Der Ätherleib kann sich in gesunder Weise entwickeln, wenn wir uns in der richtigen Weise in Harmonie bringen mit dem sozialen Körper, in dem wir leben. Der Astralleib kann sich in gesunder Weise entwikkeln, das heißt, zur Läuterung und Reinigung gebracht werden, wenn wir alle Versuchungen überwinden. Das Ich kann sich in gesunder Weise entwickeln, wenn wir uns Mühe geben, allen Egoismus in Altruismus, alle Selbstsucht in Selbstlosigkeit umzuwandeln.
[ 28 ] The physical body can develop in a healthy way if we provide it with the daily bread in the right way. The etheric body can develop in a healthy way if we bring ourselves into harmony with the social body in which we live in the right way. The astral body can develop in a healthy way, that is, it can be purified and cleansed if we overcome all temptations. The I can develop in a healthy way if we make an effort to transform all egoism into altruism, all selfishness into selflessness.
[ 29 ] So sehen wir in dem Vaterunser ein Gebet, das die Entwickelung des ganzen Menschen umfaßt.
[ 29 ] Thus we see in the Lord's Prayer a prayer that encompasses the development of the whole human being.
[ 30 ] Nun könnte jemand einwenden — und diesem Einwand werden Sie sogar häufig begegnen: Das Vaterunser ist doch ein Gebet, das von dem Christus Jesus als ein Gebet für jedermann gegeben ist. Was nützt da eine solche Auslegung, von der doch die meisten Menschen nichts wissen?
[ 30 ] Now someone might object – and you will even often encounter this objection: The Lord's Prayer is a prayer given by Christ Jesus as a prayer for everyone. What use is such an interpretation, of which most people know nothing?
[ 31 ] Der naive Mensch braucht auch nichts davon zu wissen. Sehen Sie sich die Rose an. Die höchste Weisheit hat die Rose aufgebaut, und doch kann sich der naivste Mensch darüber freuen. Das Wissen von dieser Weisheit ist nicht notwendig. Und so ist es auch mit dem Vaterunser. Es hat seine Kraft auf das menschliche Gemüt, auch wenn das naive Gemüt nichts davon weiß. Aber nie würde das Vaterunser diese Kraft haben, wenn es nicht aus dieser tiefsten Weisheit geschöpft wäre. Alle die großen Gebetsformen sind, wie diese größte Form, aus der tiefsten Weisheit geschaffen, und die Gewalt dieser Gebetsformen beruht nur darauf. Wenn Sie auch denken, das sei eine ergrübelte Sache, so ist das nicht wahr, sondern die Wesenheit, die uns das Vaterunser gegeben hat, die hat die tiefe Kraft hineingelegt.
[ 31 ] The naive person does not need to know anything about it either. Look at the rose. The highest wisdom has built the rose, and yet the most naive person can enjoy it. Knowledge of this wisdom is not necessary. And so it is with the Lord's Prayer. It has its power on the human mind, even if the naive mind knows nothing about it. But the Lord's Prayer would never have this power if it had not been drawn from this deepest wisdom. All the great forms of prayer are, like this greatest form, created out of the deepest wisdom, and the power of these forms of prayer is based on this alone. If you think that it is a matter of speculation, then that is not true. Rather, the Being that gave us the Lord's Prayer has placed this deep power within it.
[ 32 ] So sehen Sie, wie man erst mit Hilfe der Geisteswissenschaft das versteht, was man täglich übt, und dessen Kraft die Menschheit seit zwei Jahrtausenden erfahren hat.
[ 32 ] So you see how only with the help of spiritual science can one understand what one practices daily, and the power of which humanity has been experiencing for two millennia.
[ 33 ] Jetzt aber ist der Zeitpunkt gekommen in der Menschheitsentwickelung, wo es nicht mehr weitergeht ohne diese Vertiefung des Verständnisses. Früher, das heißt bis dahin konnte die Menschheit die geistigen Kräfte, die gerade in diesem Gebet liegen, fühlen, ohne ihren tieferen Sinn zu kennen. Jetzt aber ist die Menschheit so weit in ihrer Entwickelung vorgeschritten, daß sie fragen muß, und deshalb muß ihr jetzt die Antwort gegeben werden.
[ 33 ] But now the time has come in the evolution of humanity when it can no longer progress without this deepening of understanding. In the past, that is to say until now, humanity could feel the spiritual forces that lie in this prayer without knowing its deeper meaning. But now humanity has progressed so far in its development that it must ask, and therefore the answer must now be given to it.
[ 34 ] Die christliche Religion wird nicht dadurch an Wert verlieren, sondern im Gegenteil erst in ihrer ganzen Tiefe sich offenbaren. Durch die größte Weisheit werden die religiösen Inhalte wieder neu erobert werden. Ein Beispiel dafür ist die esoterische Auslegung des Vaterunser. Sie zeigt uns den Weg, den der Mensch durch seine vielen Verkörperungen hindurch beschreiten muß. Die vier niederen Bitten, wenn er in ihrem Sinn wandelt, helfen ihm die Arbeit vollbringen, die zur Gestaltung seiner höheren Wesensglieder führt, so wie sie in den drei ersten Bitten ausgedrückt sind.
[ 34 ] The Christian religion will not lose value as a result, but on the contrary will reveal itself in all its depth for the first time. Through the greatest wisdom, the religious contents will be conquered anew. One example of this is the esoteric interpretation of the Lord's Prayer. It shows us the path that man must follow through his many embodiments. The four lower petitions, when he walks in their meaning, help him to accomplish the work that leads to the formation of his higher members of being, as expressed in the first three petitions.
