Aus der Bilderschrift der Apokalypse des Johannes
GA 104a
20 Mai 1909, München
Elfter Vortrag
[ 1 ] Die Entwickelung unserer Erde überblickend, hat sich uns gezeigt, daß die Erde sich wieder vergeistigt, daß die Menschen diese Entwikkelung mitmachen können und daß sie wieder zur Sonne werden zurückkehren können. Die Entwickelung führt also zu einer immer stärkeren Vergeistigung, zu einem höheren, dem devachanischen Zustand. Diese geistige Erde können alle jene Wesen nicht mitmachen, die zu sehr in ihrer Materialisierung drinnenstecken. Zunächst muß alles in einen astralen Zustand übergehen. Aber die grobmateriellen Elemente der Menschheit und die schlechten Substanzen in den niederen Reichen gehen mit den Menschen in eine Art niedere astralische Welt ein, die man nennen könnte die unterphysische Astralwelt. Wir haben also das Devachan, die Astralwelt, die physische Welt und die untere Astralwelt. Diese untere Astralwelt ist auch diejenige, die sich heute unserer Entwickelung entgegenstellt. Sie wird regiert durch den Geist Mammon, das heißt den Geist der Hindernisse. Er ist eine Macht der unteren Astralwelt.
[ 2 ] Alle Wesen, die nun nicht hinaufkommen können in die höhere Welt, müssen hinunter in diese niedere Welt, während alle höheren Wesen eingehen werden nach dem Zeitraum der sieben Posaunentöne in den mit der Sonne wiedervereinigten Erdenzustand.
[ 3 ] Auf jedem Erdenzustand hat eine bestimmte Gruppe von Wesen ihren Menschenzustand durchgemacht; auf dem Monde die Engel, auf der Sonne die Erzengel, auf dem Saturn die guten Asuras, auch Archai oder Urbeginne genannt. Es gibt auch Wesen, die nicht fertig wurden mit ihrer Entwickelung. Solche Wesen gab es zum Beispiel auf dem Monde; diese wurden nun auf die Erde hinüberversetzt. Sie waren höher als der Mensch, hatten aber dazumal die Menschheitsstufe noch nicht erreicht. Das sind die luziferischen Geister. Sie haben den Menschen noch tiefer in die Materie verstrickt; sie sind verknüpft mit der Menschheit seit der lemurischen Zeit. Der Mensch würde seine Entwickelung in einer höheren Sphäre durchgemacht haben, wenn sie sich nicht mit ihnen verknüpft hätten. Aber der Mensch verdankt ihnen auch ein Gutes, die Freiheit. Die luziferischen Geister haben sozusagen zum Heile der Menschheit ein Opfer gebracht, indem sie damals ihre Entwickelung mit der Erde verbanden und zurückblieben.
[ 4 ] Aber Saturn, Sonne und Mond liegen vor der Mitte der Erdenentwickelung; die Wesenheiten, die vor der Mitte zurückgeblieben sind, brachten ein Opfer. Diejenigen jedoch, die von nun an nach der Mitte der Erdenentwickelung zurückbleiben, würden damit ein Hemmnis und kein Opfer bedeuten. Die luziferischen Geister haben aber der Menschheit auch etwas Positives gebracht; sie durchsetzten seinen Astralleib mit ihren Kräften und brachten ihn zur Selbständigkeit.
[ 5 ] Wenn wir nun bedenken, daß der physische Leib des Menschen ihm vorbereitet wurde während des alten Saturnzustandes, der Ätherleib während des Sonnenzustandes, der Astralleib während des alten Mondes, so sehen wir, wie dieser physische Leib in seiner Art das vollkommenste Glied ist; er ist am meisten entwickelt. Wenn wir einen Einblick gewinnen in den Wunderbau des physischen Herzens, des Gehirns — das ist für die physische Wissenschaft noch gar nicht enträtselt, so weise ist es eingerichtet, organisiert. Der Astralleib ist zwar ein höheres Glied, aber viel weniger vollkommen; der Ätherleib ist schon mehr vervollkommnet; am wenigsten vollkommen ist das Ich. Wie wenig weiß das Ich zum Beispiel von der Gliederung des physischen Leibes!
[ 6 ] Dieser Einschlag wird genau geschildert in der Bibel, wo gesagt wird: «Da bildete Jahve Gott den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase Lebensodem; so wurde der Mensch ein lebendiges Wesen.» (1. Mose 2, 7) Das ging in der lemurischen Zeit vor sich. Die luziferischen Wesen wirkten dazumal in den Astralleib des Menschen hinein; aber gerade dadurch, daß sie sich in den Astralleib eingeschlichen hatten, dadurch holten sie nach, was sie selber versäumt hatten; sie machten im Menschen stellvertretend durch, was sie auf dem Monde hätten durchmachen sollen.
[ 7 ] Wenn die Sonne sich wieder mit der Erde vereinigt haben wird, dann wird der Mensch dadurch, daß er seine Triebe, Begierden und Leidenschaften gereinigt haben wird, die luziferischen Wesen erlösen. Die luziferischen Wesenheiten, die nicht mitgehen zur Sonne, bleiben in dem Zustande, in dem sie waren; sie erscheinen dann als ausgeworfen in die böse untere Astralwelt. Das ist dann die alte Schlange und es tritt hervor der erste der Drachen. Beim Eintritt der Erde in die Sonne erscheint also ein Drache. Aber es gibt noch anderes Zurückgebliebenes: solche Menschen, die nicht recht dafür können, daß sie in der Tierheit zurückgeblieben sind, die Sklaven bleiben ihrer tierischen Instinkte. Während die anderen Menschen zur Sonne gehen, bilden sie eine böse Macht gegenüber den anderen. Sie bilden das zweite Ungeheuer, und der Apokalyptiker sagt in seiner exakten Art: der luziferische Drache erscheint am Himmel, weil er aus höheren Welten kommt; das zweite Tier steigt auf aus dem Meer — das sind die zurückgebliebenen tierischen Menschen. (Vgl. Apk. 12, 3-13, 10)
[ 8 ] Nun haben wir noch eine dritte Erscheinung: das sind die schwarzen Magier. Die bleiben nicht in der Tierheit zurück, die entwickeln in sich spirituelle Fähigkeiten. Sie haben sich in voller Bewußtheit abgewendet und geben die fleischliche Inkarnation ab für den Sorat; das wird die Verfleischlichung des Sonnendämoniums sein.
[ 9 ] Nun aber sehen wir, wie noch einmal in der Zukunft das Erdenhafte aus der Sonne heraustritt. Würden die spirituellen Menschen für immer mit der Sonne vereinigt bleiben, so würden die ohne Schuld in der Tierheit zurückgebliebenen Menschen nicht mehr gerettet. So treten diese spirituellen Menschen noch einmal heraus und vereinigen sich mit dem, was herausgefallen ist, um zu versuchen, diese Zurückgebliebenen zu retten.
[ 10 ] Als die Erde anfing «Erde» zu sein, mußte sie noch einmal den Saturn-, Sonnen- und Mondenzustand kurz wiederholen. So hat sie Wiederholungen durchgemacht, ehe sie zur jetzigen Erde wurde und muß nun, während des eigentlichen Erdenzustandes noch, prophetisch vorausspiegeln: Jupiter, Venus und Vulkan. So macht sie innerhalb des eigentlichen Erdenzustandes sieben Zustände durch, die man gewöhnlich Runden nennt. Während des vorausgespiegelten Jupiterzustandes kommt eben das vor, daß die Erde sich mit der Sonne vereinigt. Auf dieser Jupiter-Erde kommen noch einmal alle die großen Zeitkulturen vor und die sieben Zwischenzeiträume, nur viel weniger scharf angedeutet. Auf dieser Jupiter-Erde haben noch viele Wesenheiten die Möglichkeit, errettet zu werden, selbst die schwarzen Magier.
[ 11 ] Ebenso ist es noch einmal auf der Venus-Erde; da haben wir einen sechsten planetarischen Zwischenzustand. Aber auch da sträuben sich diese zurückgebliebenen Wesen noch hartnäckig und dieser Zustand ist entscheidend.
[ 12 ] Auf der Vulkan-Erde kann dann nichts mehr gerettet werden. Auf der Venus-Erde ist in der letzten Unterzeitepoche der letzte Moment für die Errettung gekommen. Deshalb haben die alten Kabbalisten das Wort «Sorat» gebildet, weil darin die Zahl 666 enthalten ist. Das ist auch die Zahl jener Menschen, die aus ihrem freien, raffinierten Willen heraus zu schwarzen Magiern geworden sind, indem sie spirituelle Kräfte in den Dienst ihres Egoismus gestellt haben.
[ 13 ] Der erste Drache ist also kein Mensch; er kam aus der geistigen Welt; der zweite Drache wird zur tierischen Natur gerechnet, aber im eminentesten Sinne rechnet die Bibel diese Zahl der dritten Gruppe zu den Menschen. So ist 666 nicht eines Tieres Zeichen, sondern eines Menschen Zahl.
[ 14 ] Die Apokalypse ist ein Abriß der ganzen Entwickelung. Die Venus-Erde stellt sich dem hellseherischen Blicke so dar, daß nicht mehr viel zu hoffen bleibt für die Zurückgebliebenen; denn die Menschenkräfte werden da nicht viel ausrichten. Daher sieht es da wüst aus und die schlimmsten Laster werden dort herrschen in der übelsten Weise; sie müssen ausgestoßen werden während des VenusZustandes der Erde. Auf der Jupiter-Erde sind noch viele, viele, die sich retten lassen werden und sich mit der Sonne vereinigen.
[ 15 ] Auf der Venus-Erde aber muß überwunden werden und in den Abgrund hinabgestoßen werden das Böse; das ist der «Fall von Babylon». (Apk. Kap. 17 u. 18) Die Menschen aber, die sich gerettet haben, die können sich weiterentwickeln zu einem neuen Sonnenzustand. Zur Vulkan-Erde erhebt sich das, was sich gereinigt und geläutert hat.
[ 16 ] Der Mensch ist heute bereits schöpferisch auf Erden. Er kann die leblosen Naturkräfte in seinen Dienst stellen und zwingen, er kann Dome bauen, kann den Marmor behauen; die leblose Natur meistert der Mensch heute. Das, was der Mensch geleistet hat während der Erdenentwickelung als Kunst, das wird, während das äußere Physische vergeht, während zu Staub zerfallen sein werden die Raffaelischen Madonnenbilder, einst in anderer Form auferstehen. Die Kristalle, die wir heute sehen, sind einst von den Mondenmenschen ausgearbeitet worden in Formen, so ähnlich wie wir heute Künstlerisches formen und leisten. Das, was die Geister einst erarbeitet haben in unendlichen Zeiträumen, das wächst heute heraus aus der Erde, das geht heute auf. So geht auch auf die Materie von Raffaels Madonnen; in jener fernen Zukunft wird alles, was die Menschen jetzt erschaffen haben, in kristallener Helle erstehen. Die Stätte, die sich der Mensch vorbereitet hat und die er vorfinden wird, die nennt der Apokalyptiker «das neue Jerusalem». (Apk. Kap. 21) Eine neue Welt wird erstehen, und sie wird bewohnt werden können von Menschen, die den Reifezustand erlangt haben werden und die in einem neuen Zustande, dem Jupiter-Dasein, die Stätte finden werden, wo aus der Liebe und aus der Menschen Arbeit heraus Frieden herrschen wird.
