Aus der Bilderschrift der Apokalypse des Johannes
GA 104a
19 Mai 1909, München
Zehnter Vortrag
[ 1 ] Wir haben gesehen, wie der Schreiber der Apokalypse darauf hinweist, wie die Menschen im fünften Zeitraum nach dem Krieg aller gegen alle mit weißen Kleidern erscheinen, wie dann der sechste Zeitraum dadurch charakterisiert wird, daß die Erde infolge des Materialismus große Erschütterungen durchmachen wird und wie da die spirituellen Menschen die Versiegelten sein werden.
[ 2 ] Wir müssen darauf hinweisen, daß so, wie in früheren planetarischen Zuständen die Engel oder Angeloi ihre Menschheitsstufe durchgemacht haben, auch der Mensch durch seine Entwickelung hinaufsteigen wird. Heute ist das, was uns als Natur entgegentritt, Verrichtung der Götter; in Zukunft wird auch der Mensch göttlichgeistige Taten verrichten. In jenem Zeitpunkt nun, von dem wir sprechen, wird der Mensch schon zu magischem Wirken gekommen sein, aus dem Umkreis der Erde, aus dem Unsichtbaren heraus wirkend. Aber Menschen, die sich in die Materie hineingefesselt haben werden, wird es auch im Gegensatz zu den Versiegelten geben. Diese materialistischen Menschen werden hinabgestoßen sein. Daher kommt es, daß der Apokalyptiker die spiritualisierten Menschen über dem Dasein schwebend sieht und die anderen an die Materie gebunden. Das sieht er ganz deutlich in dem Augenblick, da das siebente Siegel als eine Vision der Zukunft entsiegelt wird.
[ 3 ] Dann aber kommt die Epoche der nächsten sieben Zeiträume, da der Apokalyptiker das Devachan sieht und die Vorausverkündigung als Posaunentöne hört. Die Erde selbst, auf welche die Menschen hinunterschauen, wird immer materieller, nur das Gröbste bleibt auf ihr zurück. Dieses Gröbste zeigt sich in einem chaotischen Zustande; da unten wird sichtbar der Tumult der Leidenschaften der materialistischen Menschen, der sich in zweimal sieben Zeiträumen vorbereitet hat.
[ 4 ] Im ersten Zeitraum dieser letzten großen Erdenkultur, während des ersten Posaunentones, wird unsere Erde veröden, so wie es uns geschildert wird im siebenten Vers des achten Kapitels. Bei der zweiten Posaune stürzt ein glühender Berg ins Meer. Bei der dritten Posaune fällt ein großer Stern brennend wie eine Fackel vom Himmel und macht das Leben auf der Erde bitter. Die Sinne der dort lebenden Menschen werden schwächer; Sonne, Mond und Sterne werden sich verfinstern. Drei Weherufe werden ertönen, und dann werden die letzten drei physischen Zustände kommen. Ein Stern fällt vom Himmel und die Erde ist jetzt in solch tumultuarischer Aufwühlung, daß sie veröden wird, ein Strafort sein wird für die, die mit ihr verwachsen sind. Wenn die sechste Posaune ertönt, da spricht ein Engel vom Himmel herunter: «Löse die vier Engel, die gebunden sind am großen Flusse Euphrat.» (Apk. 9, 14) Gemeint ist das, was auf der Erde lebt und sich nicht zur Spiritualität entwickelt hat. Diejenigen Menschen, die den Jahve-Christus in sich aufgenommen haben, werden einander gelten lassen in ihren Individualitäten; jeder von ihnen wird emporragen über das, was als Gruppenseele verblieben sein wird. Das, was noch als Gruppe da sein wird, wird im Astralischen Ströme und Meere bilden, das heißt, der Astralleib wird leuchten und glänzen, wie auch heute die wenig individualisierten Völkermassen im Astralischen Ströme von Gruppenseelenhaftigkeit bilden. Die Lehre des Christus wird dem Euphrat entgegenströmen: die Lehre von der Individualität des Menschen, die durch den Lichtimpuls des Christus durchleuchtet hat die Astralleiber der Menschen. Das Bild von dem Buche, das der Apokalyptiker verschlingt und in sich aufnimmt, das sehen wir im vierten rosenkreuzerischen Siegel.
[ 5 ] Solche Wiederholungen, wie wir sie schon gesehen haben in der Erdenentwickelung, kommen immer wieder vor. Vergeistigt und in die Höhe gehoben wird die atlantische Kultur wiedererstehen in der Zeit der Siegel, da sich dann die Menschheit bewußt das Hellsehen wiedererobert haben wird. Im Zeitalter der Posaunen wird die lemurische Zeit wiedererstehen; die Menschen werden in der Nähe der Gottheit sein und sich vollkommen spiritualisiert haben. Die Erde war in der lemurischen Zeit noch ganz im Feuerelemente. Wie der Mensch im Feuer gelebt hat, bevor er heruntergestiegen ist in die dichte Leiblichkeit, das wiederholt sich in geistigem Zustande. Wenn die siebente Posaune erklingt, wird es wie eine Art Seligkeitszustand über die Menschheit kommen. Damit kommen wir zur Wiederholung des Zeitpunktes der Trennung der Sonne von der Erde: der Mensch wird mit der Erde soweit sein, sich wieder mit der Sonne zu vereinen. Die Erde wird in das übergehen, was man den astralen Zustand nennt. Die Menschen, die dann fähig sind, im Astralen zu leben, heben den feinen Teil der Erde heraus und vereinigen sich mit der Sonne. Der grob gebliebene Teil der Erde wird sich mit dem Monde vereinigen und eine Art neuen Mond bilden. Es wird wieder eintreten eine Art des Zustandes wie in der hyperboräischen Zeit, doch auf höherer Entwickelungsstufe. Das wird charakterisiert durch das mit der Sonne bekleidete Weib, das den Mond zu ihren Füßen hat. Die Tiere, die aus dem Meere aufsteigen oder vom Himmel fallen, diese ganze Entwickelungsströmung erscheint nun wie in einem Moment festgehalten im folgenden Bilde. (Apk. 12, 1-13, 10)
[ 6 ] Der Zarathustra hat noch hingewiesen auf die Christus-Wesenheit, die in dem zentralen Umkreise der Erde von dem Ereignis von Golgatha ab wirkte, vereinigt mit dem Erdplaneten, nachdem sie früher von der Sonne aus auf die Erde wirkte. So hat sich der Christus zum planetarischen Geist gemacht. Es ist die ChristusKraft, die von der Sonne heruntergestiegen ist und sich den brauchbarsten Teil der Erdenmenschheit zurückholt und ihn wieder vereinigt mit der Sonne. Aber er hat einen Gegner - eine jede solche Wesenheit hat einen Gegner. Christus ist der gute Geist, die Intelligenz der Sonne, und der Gegner ist der Dämon der Sonne. Gewisse Kräfte, die immerwährend auf den Astralleib des Menschen wirken, gehen aus von dem Dämontum der Sonne. Dieses Sonnendämonium ist der Gegner des Christus-Geistes und heißt Sorat. Man hatte früher in kabbalistischen Sektionen des Okkultismus den Brauch, Buchstaben in Zahlen zu schreiben und die Buchstaben des Namens Sorat, des Sonnendämoniums, machen als Zahlenwert in Summa die Zahl 666. In dem folgenden Bild (Apk. 13, 11-18) wird nun das Sonnendämonium sichtbar.
[ 7 ] Es hat zwei Hörner wie ein Lamm; der Apokalyptiker schildert das Zeichen des Tieres. Er hat ja schon am Beginn der Apokalypse deutlich gesagt, daß er alles in Zeichen schildert und er fügt hinzu: Um das zu enträtseln, ist «Weisheit nötig». In dieser Weise ist die Zahl des Tieres in okkulten Schulen erklärt worden durch die wirklichen Sachkenner, die diese Zahl nicht materalistisch erklären. So hören wir, wie das Schlechteste und Gröbste herausgestoßen wird und wie mit der Sonne vereinigt bleibt das edelste vergeistigte Menschenmaterial. Nun kann der neue vergeistigte Menschenleib wieder ein Tempel der Seele sein.
