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The Rudolf Steiner Archive

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Der Orient im Lichte des Okzidents
Die Kinder des Luzifer und die Brüder Christi
GA 113

24 August 1909, München

Zweiter Vortrag

[ 1 ] Es wird sich in diesem Zyklus von Vorträgen besonders darum handeln, die Weisheit der orientalischen Welt, das heißt die uralten Weistümer der Menschheit überhaupt, so zu betrachten, daß auf sie jenes Licht fällt, das angezündet werden kann an der Erkenntnis des ChristusImpulses und an der Erkenntnis all dessen, was sich im Laufe der Jahrhunderte in der westlichen Welt als Weisheit aus diesem ChristusImpulse heraus nach und nach entwickelt hat. Wenn Geisteswissenschaft etwas Lebendiges sein soll, so kann sie nicht darin bestehen, daß bereits in der Menschheit vorhandene Anschauungen und Meinungen über die höheren Welten aus der Geschichte genommen und dann gelehrt werden; sondern es muß sich darum handeln, daß alles dasjenige, was wir in der Gegenwart erfahren können über das Wesen der höheren Welten, der Gegenstand unserer Betrachtung werde.1Man sieht, daß von mir die Geisteswissenschaft niemals als eine Entlehnung geschichtlich überlieferter Anschauungen genommen, sondern als eine unmittelbar gegenwärtig zu erringende Erkenntnis dargestellt worden ist. Daß die Terminologie älterer Zeiten zuweilen gebraucht wird, hat seinen Grund darin, weil die neuere Zeit, der geisteswissenschaftliches Erkennen fernliegt, eine solche Terminologie nicht hat und man noch immer leichter durch die alte als durch eine frei erfundene verstanden wird. Menschen, welche in der Lage sind, den Blick hinaufzuwenden in die geistigen Welten und in diesen so zu schauen, wie sonst der Mensch mit sinnlichen Augen in der äußeren Welt schaut, wie er mit seinem Verstande die äußere Welt begreift, die hat es ja nicht nur in den alten Zeiten gegeben, die gibt es zu allen Zeiten der Menschheitsentwickelung, die gibt es auch heute; und zu keiner Zeit ist die Menschheit darauf angewiesen, bloß geschichtlich überlieferte Wahrheiten zu lehren und zu betrachten; ebensowenig ist die Menschheit darauf angewiesen, diese Lehren über die höheren Welten von irgendeinem besonderen physischen Orte her zu empfangen. Überall in der Welt kann der Quell höherer Weisheit und höherer Erkenntnis fließen. Ebensowenig als es vernünftig wäre, wenn wir in unseren Schulen etwa heute eine Mathematik oder eine Geographie lehren würden, die wir alten Schriften, welche in der Vorzeit verfaßt sind, entnehmen würden, ebensowenig ist es vernünftig, in bezug auf die großen Weistümer der übersinnlichen Welten das bloß Geschichtliche, das bloß Historische, das Vorzeitliche zu betrachten. Es wird deshalb unsere Aufgabe sein, in diesem Vortragszyklus an die Dinge der höheren Welten, an die Wesenheiten der übersinnlichen Reiche selbst heranzutreten, Bekanntes und weniger Bekanntes und ganz Unbekanntes vor unsere Seele treten zu lassen von demjenigen, wie es da aussieht in den höheren Welten und dann uns zu fragen: Was haben die Menschen in älteren Zeiten, die Menschen der Vorzeit über diese Dinge zu sagen gehabt? Mit anderen Worten: westliche Weisheit wollen wir vor unsere Seele treten lassen und dann die Frage uns stellen: Wie stimmt dasjenige, was wir als westliche Weisheit erkennen können, mit demjenigen zusammen, was uns als östliche Weisheit bekannt werden kann? Dasjenige, um was es sich handelt, ist, daß Weiistümer der übersinnlichen Welten von jedem Menschen, wenn sie ihm erzählt werden, durch die Vernunft eingesehen werden können. Das ist von mir oft betont worden: zum Einsehen, zum Begreifen der Tatsachen der höheren Welten gehört nur unbefangene Vernünftigkeit. Wenn diese unbefangene Vernünftigkeit auch in der Gegenwart eine sehr seltene Fähigkeit ist, sie ist vorhanden; und derjenige, der sie üben will, kann alles das einsehen, was erzählt wird über die Forschungsergebnisse der sogenannten hellseherischen Wissenschaft. Gewonnen werden, erforscht werden können allerdings diese Tatsachen der höheren Welten nur durch die sogenannte hellseherische Forschung, nur durch das Hinaufsteigen in diese höheren Welten durch Menschen, die sich dazu vorbereiten. Da in diesen höheren Welten Wesenheiten wohnen, welche man im Verhältnis zu uns Menschen geistige nennen kann, so ist die Erforschung der höheren Welten nach einer Richtung ein Umgang des Hellsehenden oder des Eingeweihten mit diesen geistigen Wesenheiten. Erforscht werden also kann dasjenige, was in den höheren Welten ist, nur dann, wenn der hellseherische Mensch 2Mit «hellseherisch» ist hier, wie man sieht, nicht der gewöhnlich sogenannte traumhaft-pathologische Zustand gemeint, sondern eine in voller Besonnenheit zu erreichende Erkenntnis, in der die Seele in einer Verfassung ist, welche ganz derjenigen des mathematischen Vorstellens entspricht. Sie ist gerade das Gegenteil des Traumhaft-Pathologischen. die Stufen hinaufsteigt, die ihn bis zum Verkehr mit einer geistigen Welt bringen.

[ 2 ] Vieles über diese Dinge ist ja für Sie alle in diesem oder jenem Vortragszyklus schon gesagt worden; das Wesentliche wollen wir uns heute einmal vor die Seele führen. Dasjenige, was zuerst notwendig ist für den hellseherisch werdenden Menschen, um hinaufzudringen in die höheren Welten, das ist nichts Geringeres, als die Fähigkeit, zu schauen, zu erkennen, zu erleben ohne die Hilfe der äußeren Sinne, also ohne die Hilfe derjenigen Werkzeuge, welche in unserem Leib als Augen, als Ohren und so weiter hineingebaut sind, aber auch ohne dasjenige Werkzeug, welches im besonderen unserem Intellekt, unserem Verstande dient. Ebensowenig wie man die übersinnlichen Welten erschauen kann mit den physischen Augen, wie man in ihnen hören kann mit den physischen Ohren, ebensowenig kann man von ihnen etwas erkennen durch den Verstand, insofern er gebunden ist an das Instrument des physischen Gehirns. Frei werden also muß der Mensch von jener Tätigkeit, die er ausübt, während er sich bedient seiner physischen Sinne und seines physischen Gehirns.

[ 3 ] Nun wissen Sie alle schon, daß es im normalen Menschenleben einen Zustand gibt, in dem der Mensch außerhalb der Instrumente seines physischen Leibes ist; es ist der Zustand des Schlafens. Wir wissen da, daß von den vier Gliedern der Menschennatur, vom physischen Leib, Ätherleib, astralischen Leib und dem Ich die zwei letzten Glieder, das Ich und der astralische Leib, sich eine gewisse Selbständigkeit erringen.3Diese Ausdrücke werden hier nur so gebraucht, wie sie in meinen Büchern erklärt werden. Sie können natürlich nicht von einem Gesichtspunkte aus kritisiert werden, der mit ihnen ganz andere Vorstellungen (etwa die einer Trivial-Mystik) verbindet, wie das so häufig geschieht. Während des Tagwachens sind innig miteinander verbunden: physischer Leib, Atherleib, astralischer Leib und Ich. Während des Schlafens sind diese vier Glieder so getrennt, daß auf der einen Seite im Bette liegengeblieben ist der physische Leib mit dem Ätherleib, auf der anderen Seite aber frei in einer anderen Welt leben der astralische Leib und das Ich. So ist also der Mensch im normalen Verlaufe seines Lebens innerhalb vierundzwanzig Stunden jedesmal in einem Zustande, wo er die Instrumente, die in seinen physischen Leib hineingebaut sind, nicht an sich hat; aber er muß in einer gewissen Weise diese Befreiung vom physischen Leibe bezahlen mit der Bewußtseinsfinsternis; er sieht während des Schlafzustandes nichts in der Welt um sich herum, in welcher er dann ist.

[ 4 ] Nun können diejenigen Organe, die der Mensch dann braucht, wenn er in die geistige Welt schauen will, in welcher er während der Nacht mit seinem Ich und astralischen Leibe ist, natürlich nur in den astralischen Leib hineingebaut werden, beziehungsweise in das Ich. Und es ist der Unterschied zwischen dem sogenannten normalen Menschen von heute und dem hellseherischen Forscher kein anderer als der, daß abends, wenn das Ich und der astralische Leib sich aus dem physischen Leib und Ätherleib herausheben, beim normalen Menschen der astrale Leib und das Ich in gewisser Beziehung ungegliedert sind, ohne Organe zum Schauen; beim hellseherischen Forscher sind in diesem astralischen Leib, beziehungsweise in dem Ich, ebensolche Organe wenn auch anderer Art ausgebildet, wie es für den physischen Leib die Augen und Ohren sind. Es ist daher die erste Aufgabe, die sich derjenige stellen muß, welcher hellseherischer Forscher werden will, diese, daß er alles dasjenige tut, was in seinen vorerst ungegliederten astralischen Leib, beziehungsweise in sein Ich, geistige Augen, geistige Ohren und so weiter hineinbaut.

[ 5 ] Das ist aber noch nicht das einzige, was notwendig ist. Nehmen wir einmal an, jemand hätte es dahin gebracht, durch diejenigen Mittel, die wir nachher auch kurz erwähnen wollen, seinen astralischen Leib und sein Ich mit geistigen Augen und geistigen Ohren und so weiter auszustatten, er würde dann einen anderen astralischen Leib haben als der normale Mensch; er würde einen gegliederten, einen organisierten Astralleib haben. Er würde aber noch nichts sehen können in der geistigen Welt; wenigstens würde er gewisse Stufen des Sehens nicht erreichen können. Dazu ist noch etwas anderes notwendig. Wenn unter heutigen Verhältnissen der Mensch zur Hellsichtigkeit, zur bewußten Hellsichtigkeit wirklich hinaufsteigen will, so ist es notwendig, daß nicht nur die geistigen Augen und die geistigen Ohren ausgebildet sind in seinem astralischen Leib, sondern daß auch alles dasjenige, was also plastisch ausgebildet ist in diesem astralischen Leib, sich abdrückt in dem ätherischen Leib, wie sich ein Petschaft abdrückt im Siegellack. Die eigentliche bewußteHellsichtigkeit, sie beginnt dann, wenn dieOrgane, also die geistigen Augen, die geistigen Ohren und so weiter, die im astralischen Leibe ausgebildet werden, sich eindrücken dem ätherischen Leib.

[ 6 ] So muß also der ätherische Leib dem astralischen Leibe und dem Ich helfen, wenn Hellsichtigkeit entstehen soll, das heißt es müssen zusammenarbeiten all die Glieder der Menschennatur die man hat, das Ich, der astralische Leib, der Atherleib, mit einziger Ausnahme des physischen Leibes, dem aber trotzdem nach Erleben der übersinnlichen Welt die Aufgabe obliegt, diese Erkenntnis in vollen Einklang zu bringen mit der durch ihn erworbenen sinnlich-vernünftigen Erkenntnis.

[ 7 ] Nun gibt es für den Ätherleib ein größeres Hindernis mitzuarbeiten als für den astralischen Leib. Der astralische Leib und das Ich sind ja im Laufe von vierundzwanzig Stunden beim Menschen immer einmal — man möchte sagen in der glücklichen Lage, frei zu sein von dem physischen Leib. So lange sie vom Morgen, wo der Mensch aufwacht, bis zum Abend, wo der Mensch einschläft, im physischen Leib stecken, so lange sind der astralische Leib und das Ich gebunden an die Kräfte dieses physischen Leibes; und diese Kräfte hindern den astralischen Leib und das Ich, ihre eigenen Organe auszubilden. Der astralische Leib und das Ich sind feine geistig-seelische Wesenheiten; sie folgen sozusagen durch ihre eigene Elastizität den Kräften des physischen Leibes und nehmen seine Form an. Daher haben sie für den normalen Menschen auch in der Nacht noch diese Kräfte des physischen Leibes in sich als Nachwirkungen; und man kann nur, wie wir hören werden, durch besondere Maßregeln freimachen den astralischen Leib und das Ich von der Nachwirkung des physischen Leibes, so daß dieser astralische Leib seine eigene Form, das heißt seine geistigen Augen, seine geistigen Ohren und so weiter ausbilden kann. Aber man ist wenigstens in der glücklichen Lage, im Laufe von vierundzwanzig Stunden den astralischen Leib frei zu haben; man hat die Möglichkeit also, ohne weiteres auf diesen astralischen Leib so zu wirken, daß er dann nicht in der Nacht der Elastizität des physischen Leibes weiter folgt, sondern daß er seiner eigenen Elastizität folgt.

[ 8 ] Die vorbereitenden Übungen, die der hellseherische Forscher vornimmt, bestehen im wesentlichen darin, daß er während des Tagwachens solche geistigen Verrichtungen macht, die so auf seinen astralischen Leib und auf sein Ich wirken, daß sie dann, wenn sie beim Einschlafen herausgehen aus dem physischen Leib und dem Atherleib, unter der Nachwirkung stehen dessen, was der Mensch zur besonderen Vorbereitung für die hellseherische Forschung getan hat.

[ 9 ] Nehmen wir also die zwei Fälle an: den gewöhnlichen Menschen wie er im normalen Leben steht, der vom Morgen bis zum Abend sich den Eindrücken der Außenwelt hingibt, sich demjenigen hingibt, was auf äußere Sinne und Verstand wirkt. Er schläft am Abend ein, sein astralischer Leib geht heraus aus dem physischen Leib. Dieser astralische Leib ist dann ganz hingegeben demjenigen, was während des Tages erlebt worden ist; er folgt der Elastizität des physischen Leibes, nicht seiner eigenen. Etwas anderes ist es aber, wenn der Mensch durch Meditation, Konzentration und durch andere Übungen, welche zum Behufe der höheren Erkenntnis gemacht werden, während seines Tageslebens starke Wirkungen auf seine Seele, das heißt auf seinen astralen Leib und Ich erlebt, wenn er also gewisse Zeiten hat, die er sich aussondert vom gewöhnlichen Tagesleben, in denen er etwas ganz anderes tut als im gewöhnlichen Tagesleben; wenn er sich in besonderen Zeiten nicht hingibt demjenigen, was ihm die äußere Welt für die Sinne, für den Verstand sagen kann, sondern wenn er sich hingibt demjenigen, was eine Kunde und ein Ergebnis der geistigen Welten ist. Wenn er also in Meditation, Konzentration und anderen Übungen einen, wenn auch noch so kurzen Teil des tagwachen Lebens hinbringt, dann wirkt das auf seine Seele so, daß der astralische Leib in der Nacht, wenn er aus dem physischen Leibe heraustritt, die Wirkungen dieser Meditation, Konzentration und so weiter erfährtund dadurch anderen Elastizitäten folgt als jenen des physischen Leibes. Die Methoden zur Erlangung der hellseherischen Forschung bestehen daher darin, daß die Lehrer dieser Forschung all das Wissen anwenden, das äusprobiert worden ist seit Jahrtausenden des Menschenlebens an Übungen, an Meditationen und Konzentrationen, die während des Tageslebens vorgenommen werden müssen, damit sie dann ihre Nachwirkungen im Nachtleben haben so, daß der astralische Leib sich umorganisiert.

[ 10 ] Das ist die große Verantwortung, die derjenige übernimmt, der überhaupt solche Übungen seinen Mitmenschen verabreicht. Solche Übungen sind nicht aus dem Blauen herausgeholt, solche Übungen sind das Ergebnis exakter geistiger Arbeit. Dasjenige, was diese Übungen vorschreiben, von dem weiß man, daß es auf die Seele so wirkt, daß wenn diese Seele abends beim Einschlafen heraustritt aus dem physischen Leib, sie in der richtigen Art sich ihre geistigen Augen, ihre geistigen Ohren, ihr geistiges Denken ausbildet. Wenn etwas Falsches gemacht wird, falsche Übungen gemacht werden, dann wirkt das natürlich auch; dann bleiben nicht etwa die Wirkungen aus, aber dann werden widersinnige — wenn wir einen Ausdruck der sinnlichen Welt gebrauchen wollen —, widernatürliche Formen hineingebaut in den astralischen Leib. Was heißt das: widernatürliche Formen werden hineingebaut in den astralischen Leib? Es werden Formen hineingebaut, die dem großen Weltenganzen widersprechen. Es wäre dann gerade so auf diesem Gebiete, wie wenn in unseren physischen Leib Organe hineingebaut wären, die nicht in der richtigen Weise die äußeren Töne hören, das äußere Licht sehen können, die nicht stimmen würden zu der äußeren Welt. Durch unrichtige Meditation und Konzentration würde also der Mensch in bezug auf seinen astralischen Leib und in bezug auf sein Ich in Widerspruch versetzt zur Welt, und er müßte dann, statt daß er Organe erhält, durch welche hineinleuchten kann allmählich diese geistige Welt, zerschellen durch die Einflüsse der geistigen Welt, er müßte diese Einflüsse der geistigen Welt nicht als etwas ihn Förderndes, als etwas ihn Bereicherndes erleben, sondern als etwas sein Denken Hemmendes.

[ 11 ] Ich bitte Sie, weil wir diesen Begriff in den nächsten Tagen sehr notwendig haben werden, darauf zu achten, daß wir hier an einem Punkte stehen, wo uns klar werden kann, daß etwas, das in der Außenwelt draußen ist - und wir reden jetzt von der geistigen Außenwelt -, im höchsten Maße fördernd sein kann für den Menschen und wiederum im höchsten Maße hemmend sein kann für ihn, je nachdem er seine eigene Wesenheit diesem Äußeren entgegenbringt. Denken wir uns einmal, ein Mensch mit einem nicht richtig ausgebildeten astralischen Leibe setzt sich der geistigen Umwelt aus. Diese wirkt auf ihn. Während, wenn er die richtigen Organe ausgebildet hätte, diese geistige Umwelt in ihn einfließen würde, ihn bereichern würde mit den Weltgeheimnissen, wird diese selbe Außenwelt ihn seelisch verkümmern, wenn er seine Organe schlecht ausgebildet hat. Es ist dieselbe Außenwelt, die einmal den Menschen in die höchsten Höhen hinaufträgt, das andere Mal ihn hemmt, dieselbe Außenwelt, von der der Mensch einmal sagen wird, sie ist eine göttliche, förderliche Welt, wenn er selber in sich das Richtige trägt; und von der er sagen wird, sie ist eine Welt der Hindernisse, wenn er selbst in sich ein nichtrichtig ausgebildetes Inneres hat. In diesen Worten liegt viel von dem Schlüssel zum Verständnis des Guten, Fruchtbaren, und des Bösen, des Zerstörenden in der Welt. Und Sie können daraus einsehen, daß die Wirkung, die irgendwelche Wesenheiten der Umwelt auf uns haben, nicht maßgebend ist für das Wesen dieser Welt selber. Wie wir uns der Außenwelt gegenüberstellen, so wird das eine Mal dieselbe Wesenheit förderlich oder hemmend sein, dieselbe Wesenheit Gott oder Teufel sein können für unsere seelische Organisation. Das bitte ich durchaus zu berücksichtigen; denn wir werden es für mancherlei in den nächsten Tagen brauchen.

[ 12 ] Wir haben uns damit vor die Seele gestellt, wie die Vorbereitung zur hellseherischen Forschung ist in bezug auf den astralischen Leib und das Ich. Und wir haben hervorheben müssen, daß wir Menschen in einer gewissen Beziehung in einer glücklichen Lage sind, weil wir wenigstens zu einer gewissen Zeit während vierundzwanzig Stunden den feinen astralischen Leib und das Ich außer dem physischen Leib und dem Atherleib haben. Den Atherleib aber haben wir auch in der Nacht nicht außer dem physischen Leib; er bleibt da mit dem physischen Leib verbunden. Wir wissen ja aus den mancherlei Vorträgen, die nun seit Jahren hier gehalten werden, daß nur im Tode jener Augenblick eintritt, wo der physische Menschenleib für sich bleibt und der Ätherleib mit dem astralischen Leibe und dem Ich sich aus dem physischen Leibe heraushebt. Wir brauchen heute nicht zu erwähnen, welchen Weg diese drei Glieder der Menschennatur nachher zwischen dem Tode und einer neuen Geburt durchmachen; wir wollen uns nur klar vor die Seele stellen, daß mit dem Tode der Augenblick gegeben ist, wo der Mensch frei ist von dem physischen Leibe und von alledem, was in diesen physischen Leib hineingebaut ist, frei ist also von den physischen Sinnesorganen, frei ist von dem Gehirn, dem Instrument des physisch wirkenden Verstandes. Da sind beisammen in der ihnen gemäßen Art Ich und astralischer Leib und ätherischer Leib; da können sie zusammenwirken. Daher tritt auch in bezug auf das vorhergehende Leben von dem Moment des Todes an, wenn auch zunächst nur für kurze Zeit ein wirkliches Hellsehen ein. Es ist das öfter erwähnt worden in diesen Vorträgen. Zu einem solchen Zusammenwirken, wie das nur im Momente des Todes normalerweise der Fall sein kann, zu einem solchen Zusammenwirken muß die Möglichkeit dem Ich, dem astralischen Leibe und dem Ätherleibe gegeben werden, um vollständige Hellsichtigkeit herbeizuführen. Der Atherleib muß also aus jenem Zustand befreit werden können, in den er hineingebannt ist während des normalen Lebens; er muß ebenso in der Lage sein, seine Elastizität zu gebrauchen, unabhängig zu werden von der Elastizität des physischen Leibes, wie das der astralische Leib in der Nacht ist. Dazu sind in gewisser Beziehung höhere, intensivere, anstrengendere Übungen notwendig. Auf alles das kann ja in den nächsten Tagen mit einigem noch hingedeutet werden in den entsprechenden Zusammenhängen; heute aber wollen wir uns klarmachen, daß dies notwendig ist. Es genügt noch nicht, wenn der Mensch jene vorbereitenden Übungen gemacht hat, die nachwirken in seinen astralischen Leib hinein, um die geistigen Augen und Ohren auszubilden, sondern es sind auch Übungen notwendig, die dem Atherleibe Selbständigkeit und Freiheit geben von dem physischen Leibe. Heute aber wollen wir uns in einer gewissen Beziehung das Resultat vor Augen führen, das dann eintreten muß. Sie können dies im Grunde genommen schon entnehmen aus demjenigen, was gesagt worden ist.

[ 13 ] Wir können sagen, normalerweise ist nur im Augenblick des Todes die Möglichkeit gegeben, daß frei vom physischen Leib Ich und astraler Leib und Ätherleib zusammenwirken. Für die hellseherische Forschung muß also etwas eintreten, das sich vergleichen läßt einzig und allein mit demjenigen, was sonst für den Menschen im Augenblicke des Todes eintritt, das heißt der Mensch muß, wenn er in bewußtem Sinne hellseherisch werden will, zu einer Entwickelungsstufe in seinem Leben kommen, wo er von seinem physischen Leib und dem Gebrauche der Glieder des physischen Leibes ebenso unabhängig ist, wie er unabhängig von ihnen ist im Momente des Todes.

[ 14 ] Wir fragen uns: durch was kann denn — wir wollen die Frage heute in abstracto beantworten, in den nächsten Tagen wird es in concreto geschehen — der Mensch eine solche Unabhängigkeit erlangen von dem physischen Leibe, durch was kann er sich in einen Zustand versetzen, der dem Momente des physischen Sterbens in bezug auf die Erkenntnis ähnlich wird? Einzig und allein dadurch kann er sich in einen solchen Zustand versetzen, daß er gewisse Empfindungen und Empfindungsnuancen ausbildet, welche die Seele so ergreifen, daß in einer gewissen Beziehung diese Empfindungen und Empfindungsnuancen durch ihre Kraft den ätherischen Leib packen und ihn herausheben aus dem physischen Leibe. Es müssen also so starke Empfindungsimpulse, Gedankenimpulse und Willensimpulse in der Seele wirken, daß eine innerliche Kraft da ist, welche den Ätherleib frei macht vom physischen Leibe für gewisse Augenblicke. Nicht aber durch äußere physische Maßnahmen kann so etwas in unserem Zeitraume der Menschheitsentwickelung herbeigeführt werden. Derjenige, der glauben würde, daß man solche Dinge durch physische Maßnahmen herbeiführen kann, der würde sich eben einer gewaltigen Täuschung hingeben. Er würde in die geistigen Welten hinein wollen und dennoch bei den Hantierungen, bei den Tatsachen der physischen Welt bleiben wollen, das heißt er wäre noch nicht gekommen bis zu einem wirklichen Glauben an die Kraft der geistigen Welten. Es müssen lediglich innere Vorgänge sein, Vorgänge des starken, des energischen Seelenlebens, die diesen Zustand herbeiführen.4Es muß bei diesen Schilderungen überall! darauf geachtet werden, daß mit ihnen nur seelische Vorgänge gemeint sind, die mit einem Übergehen in Pathologisch-Organisches so wenig zu tun haben wie die mathematischen Formulierungen, und die trotzdem nicht bloß formaler Natur sind wie die letzteren, sondern denen eine geistige Realität entspricht. Zur gewöhnlichen Hellseherei verhalten sie sich wie das Positive zu dem Negativen. Und wenn wir im Abstrakten bleiben, so können wir heute vorläufig sagen: das Wesentlichste zur Herbeiführung eines solchen Zustandes besteht darin, daß der Mensch eine Umwandlung, gleichsam eine Umstülpung seiner Interessensphäre erlebt. Für das gewöhnliche Leben ist der Mensch ausgestattet mit gewissen Interessen. Sie wissen, daß diese Interessen vom Morgen bis zum Abend spielen. Der Mensch - und er hat damit ganz recht, denn er muß in dieser Welt leben - interessiert sich für dasjenige, was auf seine Augen, seine Ohren, auf seinen physischen Verstand, auf seine physischen Empfindungen und so weiter wirkt; er interessiert sich für dasjenige, was in der Außenwelt ihm entgegentritt; er hat für das eine mehr, für das andere weniger Interesse; er widmet dem einen mehr, dem anderen weniger Aufmerksamkeit; das ist so natürlich. Und in diesen auf- und abwogenden Interessen, die ihn fesseln mit gewissen Anziehungskräften an den Teppich der Außenwelt, iebt der Mensch, lebt ja wahrhaftig ganz allein die weitaus größte Mehrzahl der gegenwärtigen Menschen.

[ 15 ] Es gibt nur eine Möglichkeit, daß der Mensch unbeschadet der Frische und Lebendigkeit dieser äußeren Interessen doch Momente im Leben herbeiführt, in denen diese äußeren Interessen gar nicht wirken; in denen ihm, wenn man radikal die Sache ausdrücken will, die ganze äußere Sinneswelt absolut gleichgültig wird; in denen er alle Interessenkräfte, die ihn an dieses oder jenes in der sinnlichen Welt fesseln, abtötet. Falsch wäre es, wenn der Mensch sich nicht aufsparen würde diese Abtötung der Interessen für die Außenwelt für gewisse Feiertagsaugenblicke des Lebens, sondern diese Abtötung auf das ganze Leben ausdehnen würde. Ein solcher Mensch würde unfähig werden, mitzuarbeiten an der Außenwelt; wir sind aber berufen, in unserem Leben an der Außenwelt und an ihrer Arbeit mitzuwirken. Wir müssen es uns daher für Feiertagsaugenblicke aufbewahren und aufsparen, alle äußeren Interessen für die Umwelt in uns ersterben zu lassen, und wir müssen uns sozusagen diese zwiefache Natur erobern, daß wir auf der einen Seite in der Lage sind, lebendig und frisch an allem teilzunehmen, was da draußen an Freude und Schmerz, an Lust und Unlust, an blühendem, sprossendem und an ersterbendem Leben sich abwickelt, und daß wir dazu die andern Interessen fügen. Die Frische und Ursprünglichkeit des Interesses für die Außenwelt müssen wir uns für unser Erdenleben wach erhalten; wir dürfen nicht Fremdlinge werden auf der Erde, denn dadurch würden wir nur aus dem Egoismus heraus handeln und würden unsere Kräfte rauben dem Schauplatz, dem sie gewidmet sein sollen innerhalb unserer gegenwärtigen Entwickelung. Aber wir müssen auf der anderen Seite, damit wir hinaufsteigen können in die höheren Welten, uns die andere Seite der Natur ausbilden, die darin besteht, daß wir in Feiertagsaugenblicken des Lebens die Interessen für die Außenwelt ertöten, ersterben lassen. Und wenn wir Geduld und Ausdauer, wenn wir Energie und Kraft haben, solange als es unser Karma fordert, uns zu üben in diesem Abtöten der Interessen für die Umwelt, wenn wir uns genügend darin üben, so wird zuletzt durch diese Abtötung des Interesses an der Außenwelt eine starke, energische Kraft in unserem Innern frei. Was wir auf solche Art in der Außenwelt ertöten, lebt im höheren Maße in der Innenwelt auf. Wir erfahren eine ganz neue Art des Lebens, wir machen jenen Moment durch, wo wir uns sagen können: das ist ja nur ein Teil des gesamten Lebens, was wir sehen können durch die Augen und hören durch die Ohren. Es gibt ein völlig anderes Leben, ein Leben in der geistigen Welt; eine Auferstehung in der geistigen Welt, ein Hinausschreiten über dasjenige, was man sonst das Leben nennt, ein Hinausschreiten, so daß nicht der Tod eintritt, sondern ein höheres Leben resultiert.

[ 16 ] Wenn dann diese rein geistige Kraft in unserem Innern stark genug geworden ist, dann können wir die Momente nach und nach erleben, wo wir Herrscher und Herr werden über unseren Ätherleib, wo dieser Atherleib nicht diejenige Form annimmt, die ihm die Spannkräfte von Lunge und Leber aufnötigen, sondern jene Form, die wir ihm aufnötigen von oben herunter durch unseren astralischen Leib. Dann prägen wir unserem Ätherleib die Form ein, die wir zuerst durch Meditation und Konzentration und so weiter dem Astralleib eingeprägt haben; dann drücken wir die plastische Form des astralischen Leibes im Ätherleib ab, und wir steigen auf von der Vorbereitung zur Erleuchtung, zu der nächsten Stufe der hellseherischen Forschung. Die erste Stufe, durch welche wir unseren astralen Leib umwandeln so, daß er Organe erhält, sie nennt man auch die Reinigung oder Läuterung aus dem Grunde, weil dieser astralische Leib gereinigt wird von den Kräften der Außenwelt, und inneren Kräften sich fügt. Diejenige Stufe aber, auf welcher es diesem astralischen Leib gelingt, seine Form einzuprägen dem Ätherleib, diese Stufe ist damit verknüpft, daß es um uns herum geistig hell wird, daß die geistige Welt um uns herum offenbar wird, daß die Erleuchtung eintritt.

[ 17 ] Dasjenige, was ich Ihnen eben beschrieben habe, ist verknüpft mit gewissen Erfahrungen, die der Mensch durchmacht, und die typisch sind, die bei jedem dieselben sind, und die jeder, der den Weg durchmacht, erfährt in dem Momente, wo er dazu reif ist, und wo er die nötige Aufmerksamkeit auf gewisse über dem Sinnlichen hinausliegende Dinge und Vorgänge wendet. Die erste Erfahrung, die eintritt durch die Organisation des astralischen Leibes, die also eintritt als Wirkung von Meditation, Konzentration und so weiter, könnte man ausdrücken als ein Gefühls-, als ein Empfindungserlebnis, als ein Erlebnis, das man, wenn man es beschreiben will, am besten benennen könnte wie eine in sich verlaufende vollbewußte Spaltung unserer ganzen Persönlichkeit.5Man muß, was hier als «Spaltung der Persönlichkeit» gekennzeichnet wird, streng unterscheiden von dem, was von solchen Denkern, die damit Pathologisches — oder Traumhaftes - im Auge haben, mit diesem Ausdrucke oder auch mit «DoppelIch» gemeint ist. Die hier charakterisierte Spaltung wird in voller Besonnenheit nur im Seelischen vollzogen, wird so völlig durchschaut, daß ein klarbewußtes Drinnen stehen in dem gewöhnlichen Ich in gar keiner Weise beeinträchtigt wird. Dieses «Ich» verliert dabei nichts von seiner inneren Festigkeit und Geschlossenheit. Man sagt sich in diesem Augenblicke, wo man das erlebt: Jetzt bist du eigentlich etwas geworden wie zwei Persönlichkeiten; du gleichst gleichsam einem Schwerte, das in seiner Scheide steckt. Vorher hast du dich vergleichen können mit einem Schwerte, das nicht in seiner Scheide steckt, sondern das mit seiner Scheide in eins gearbeitet ist, aus einem Stück besteht; du hast dich gefühlt als eine Einheit mit deinem physischen Leibe zusammen; jetzt aber ist es so, wie wenn du zwar in deinem physischen Leib drinnensteckest wie das Schwert in der Scheide, aber doch ein Wesen seiest, das sich als etwas fühlt außer der Scheide des physischen Leibes, in der es steckt. - Man fühlt sich zwar in seinem physischen Leibe, aber nicht mit ihm verwachsen, nicht aus einem Stück mit ihm bestehend. Dieses innerliche Freiwerden, dieses innerlich sich Fühlen als zweite Persönlichkeit, die aus der ersten herausgeschritten ist, das ist das große Erlebnis auf dem Wege zur hellseherischen Anschauung der Welt. Es muß also betont werden, daß dieses erste Erlebnis ein Empfindungs-, ein Gefühlserlebnis ist. Man muß fühlen dieses in seiner alten Persönlichkeit-Darinnenstecken und doch wiederum frei und beweglich sich in ihr fühlen. Natürlich ist das nur ein Vergleich, vom Schwerte und seiner Scheide. Denn das Schwert fühlt sich doch nach allen Seiten beengt durch die Wände seiner Scheide; der Mensch aber, der diese Empfindung hat, hat ein hohes Gefühl innerlicher Beweglichkeit, gleichsam wie wenn er an allen Punkten die Grenzen seines physischen Leibes durchbrechen könnte, heraus könnte, Ausfälle machen könnte durch die Haut seines physischen Leibes, geistige Fühlhörner ausstrecken könnte in eine Welt hinein, die ihm zwar noch dunkel ist, die ihm aber fühlbar wird und im Finstern —- man möchte sagen — tastbar, erkennbar wird. Das ist das erste große Erlebnis, das der Mensch hat.

[ 18 ] Das zweite besteht darin, daß nun die zweite Persönlichkeit, die in der ersten darinnen steckt, nach und nach die Fähigkeit erlangt, wirklich aus dieser ersten Persönlichkeit seelisch-geistig herauszutreten. Dieses Erlebnis, das drückt sich schon dadurch aus, daß der Mensch nunmehr die Erfahrung, wenn auch zuweilen oft für kurze Zeit, macht, als ob er sich selbst sehen würde, als ob er sich gleichsam wie seinen eigenen Doppelgänger vor sich hätte. Diese zweite Erfahrung allerdings hat eine viel größere Tragweite als die erste. Denn mit dieser zweiten Erfahrung ist etwas verknüpft, was — man möchte sagen — nur sehr schwer zu ertragen ist für den Menschen. Man muß bedenken, im normalen Leben steckt der Mensch in seinem physischen Leibe darinnen. Dasjenige, was darinnen steckt, ist Astralleib und Ich, und dasjenige, was so als Astralleib und als Ich im physischen Leib darinnen steckt, das paßt sich den Kräften des physischen Leibes an; es schmiegt sich sozusagen hinein. Es nimmt an die Form der Leber, die Form des Herzens, die Form des physischen Gehirns und so weiter. Und so ist es auch mit dem Ätherleib, solange er im physischen Leibe darinnen steckt. Er nimmt an die Form des physischen Gehirns, die Form des Herzens und so weiter. Man bedenke, was mit den Ausdrücken Gehirn, Herz und so weiter gesagt ist, was das für wunderbare, in sich vollendete Werkzeuge und Organe sind, was für wunderbare, in sich vollendete Schöpfungen. Man frage sich einmal, was alle menschliche Kunst, was alles menschliche Schaffen bedeutet gegenüber jenem Schaffen, gegenüber jener Kunst und Technik, die notwendig sind, um solch ein Wunderwerkzeug wie das Herz, das Gehirn und so weiter aufzubauen. Was vermag der Mensch auf dem gegenwärtigen Standpunkt seiner Entwickelung an Kunst, an Technik gegenüber jener Götterkunst und Göttertechnik, die unseren physischen Leib auferbaut haben, und die uns daher auch in Schutz nehmen, solange wir drinnenstecken im physischen Leib. Wir sind also mit dem physischen Leibe im Tagesleben Götterschöpfung hingegeben. Unser Ätherleib, unser Astralleib sind hineingepaßt in Formen, welche die Götter geschaffen haben. Werden wir nun frei und selbständig, dann liegt die Sache anders. Dann machen wir uns zu gleicher Zeit frei von dem Wunderwerkzeuge der Götterschöpfung. Wir verlassen also nicht etwa den physischen Leib als etwas, worauf wir als auf ein Unvollkommenes herabschauen dürfen, sondern als den Tempel, den die Götter für uns gebaut haben, in dem wir sonst wohnen während unseres tagwachen Lebens. Wie sind wir dann?

[ 19 ] Nehmen wir einmal an, wir könnten diesen physischenLeib in irgendeinem Momente ohne weitere Vorbereitung verlassen; irgendein Zauberkünstler würde uns dazu verhelfen, diesen physischen Leib zu verlassen, so daß er allein bleibt, daß der Atherleib mitgeht mit dem astralischen Leibe, daß wir also in gewisser Beziehung durch ein Erlebnis hindurchgehen, das sich vergleichen läßt dem Momente des Todes. Nehmen wir an, wir könnten das ohne die Vorbereitung, von der wir gesprochen: was sind wir dann, wenn wir da draußen sind, wenn wir uns selbst gegenüberstehen? Da sind wir dasjenige, was wir im Laufe der Weltenentwickelung von Leben zu Leben geworden sind. Solange wir vom Morgen bis zum Abend im physischen Leibe stecken, korrigiert die göttliche Schöpfung des Tempels unseres physischen Leibes dasjenige, was wir uns selbst anorganisiert haben von Verkörperung zu Verkörperung im Laufe unseres Erdenlebens; jetzt aber, wo wir heraustreten, haben unser astralischer Leib und unser Ätherleib dasjenige, was sie sich erworben haben von Leben zu Leben ohne Korrektur; jetzt sehen sie so aus, wie sie aussehen müssen nach dem, was sie selbst aus sich gemacht haben. Wenn der Mensch in einem solch unvorbereiteten Zustand heraustritt aus seinem physischen Leibe, dann ist er nicht etwa ein Wesen von einer höheren, edleren, reineren Form als diejenige war, die er gehabt hat im physischen Leib, sondern ein Wesen mit all den Unvollkommenheiten, die er sich auf sein Karma geladen hat. Das alles bleibt unsichtbar, solange der Leibestempel unseren Ätherleib und astralischen Leib und unser Ich aufnimmt. Es wird sichtbar in dem Augenblick, wo wir mit den höheren Gliedern unserer _ Wesenheit heraustreten aus dem physischen Leibe. Da stehen, wenn wir nun zu gleicher Zeit hellsichtig werden, vor unserem Auge all die Neigungen und Leidenschaften, die wir noch haben aus dem, was wir in früheren Erdenleben gewesen sind. Man nehme einmal an, daß man im Laufe der künftigen Erdenzeit noch viele durchmachen werde; da wird man dieses oder jenes tun, dieses oder jenes vollbringen. Zu mancherlei von demjenigen, was man vollbringen wird, liegen schon die Neigungen, die Triebe und Leidenschaften jetzt vor; man hat sie herausgebildet durch Verkörperungen in der früheren Zeit. Alles, was der Mensch fähig ist, an diesen oder jenen Dingen in der Welt zu vollbringen, alles das, dessen er sich schuldig gemacht hat gegen diesen oder jenen Menschen — was er gegen diesen oder jenen Menschen in der Zukunft abzutragen hat -, alles das ist in diesem Astralleib und Ätherleib verkörpert, wenn er heraustritt aus dem physischen Leib. Wir treten uns selber gleichsam seelisch-geistig nackt entgegen, wenn wir beim Heraustreten zugleich hellsichtig sind; das heißt wir stehen uns so vor dem geistigen Auge, daß wir jetzt wissen, um wieviel wir schlechter sind, als das sein würde, wenn wir jene Vollkommenbheit erreicht hätten, welche die Götter hatten, damit sie schaffen konnten den Wunderbau unseres physischen Leibes. Wir sehen in diesem Augenblick, wie tief wir unter jener Vollkommenheit stehen, die uns vorschweben muß als unser künftiges Entwickelungsideal. Wir wissen in diesem Augenblick, wie tief wir unter die Welt der Vollkommenheit heruntergestiegen sind.

[ 20 ] Das ist das Erlebnis, das verbunden ist mit der Erleuchtung; das ist das Erlebnis, das man die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle nennt. Dasjenige, was wirklich ist, das wird dadurch nicht mehr und nicht weniger wirklich, daß wir es sehen oder nicht sehen. Die Gestalt, die wir da sehen in diesem Augenblick, der eben geschildert worden ist, ist sonst auch da, ist sonst durchaus auch in uns steckend; aber weil wir noch nicht aus uns herausgetreten sind, weil wir uns nicht gegenüberstehen, sondern weil wir drinnen stecken, sehen wir sie nicht. Im gewöhnlichen Leben ist dasjenige, was wir in dem Augenblicke, wo wir hellseherisch aus uns heraustreten, sehen, der Hüter der Schwelle. Er behütet uns vor jenem Erlebnis, das wir erst ertragen lernen müssen. Wir müssen erst jene starke Kraft in uns haben, die uns befähigt, uns zu sagen: Es liegt eine Welt der Zukunft vor uns, und wir sehen ohne Schrecken und Grauen auf dasjenige, was wir geworden sind, denn wir wissen ganz gewiß, daß wir alles das wiederum ausgleichen können. — Die Fähigkeit, die wir haben müssen, um diesen Moment zu erleben, ohne daß wir von ihm niedergedrückt werden, diese Fähigkeit müssen wir uns während der Vorbereitung zur hellseherischen Forschung aneignen. Diese Vorbereitung besteht darin — wiederum sagen wir es heute im Abstrakten, wir werden auf das Konkrete noch einzugehen haben -, daß wir insbesondere die aktiven, die positiven Eigenschaften unserer Seele stark und energisch machen, daß wir unseren Mut, unser Freiheitsgefühl, unsere Liebe, unsere Energie des Denkens, unsere Energie des klarsichtigen Intellekts so steigern, als wir sie nur steigern können, so daß wir nicht als schwache, sondern als starke Menschen heraustreten aus unserem physischen Leibe. Wenn aber von demjenigen, was man im gewöhnlichen Leben als Angst und Furcht kennt, zu viel im Menschen vorhanden ist, so wird er nicht ohne Bedrückung dieses Erlebnis überstehen können.

[ 21 ] So also sieht man, daß es gewisse Bedingungen gibt, um hineinzuschauen in die geistigen Welten, die in einer gewissen Beziehung ja das Höchste, was zu denken ist für das Leben der gegenwärtigen Menschheitsentwickelung, in Aussicht stellen, und die gleichzeitig notwendig machen, daß der Mensch eine vollständige Umformung und Umstülpung seines Wesens für die Feieraugenblicke sich erringt. Die größte Wohltat in unserer heutigen Zeit wird demjenigen, welcher, bevor er zu diesem Erlebnis vorschreitet, sich beschreiben läßt, was diejenigen, die erlebt haben in den höheren Welten, geschaut haben; was dann, wenn es erzählt wird, zu begreifen, zu verstehen ist, ohne daß man selbst in diese Welten hineinsieht. Geforscht werden kann nur, wenn man selbst hineinsieht. Dadurch aber, daß man sich immer mehr und mehr anstrengt mit dem Verstand das zu begreifen, was der hellseherische Forscher sagt, gelangt man immer mehr und mehr dazu, sich zu sagen: Wenn ich alles das betrachte, was das Leben bringt, muß ich sagen, das Ergebnis übersinnlicher Forschung ist doch ganz vernünftig. Wenn man sich bemüht, in dieser Weise zuerst einen Überblick sich zu verschaffen, wenn man zuerst Begreifender werden will und dann Hellseher, dann hat man in bezug auf die heutige Menschheitsstufe das Richtige getan. Erst muß man Geisteswissenschaft gründlich kennenlernen. Tut man das, dann geben die großen, die umfassenden, die stärkenden und mutspornenden und erfrischenden Ideen und Gedanken dieser Wissenschaft der Seele nicht nur etwa Theorie, sie geben der Seele Empfindungs-, Willens- und Denkeigenschaften, so daß sie sich stählt. Dann, wenn die Seele solches durchgemacht hat, wird der Moment der Begegnung mit dem Hüter der Schwelle zu etwas anderem, als was er sonst geworden wäre. In ganz anderer Weise werden Angst und Besorgniszustände überwunden, wenn man vorher durch das Erfassen der Erzählungen der höheren Welten hindurchgegangen ist, als wenn dies nicht geschehen ist.

[ 22 ] Dann aber, wenn der Mensch dieses Erlebnis gehabt hat, daß er sich selbst gegenübergetreten ist, daß er also dem Hüter der Schwelle begegnet ist, dann beginnt für ihn die Welt eine ganz andere zu werden; dann erfahren in einer gewissen Beziehung alle Dinge der Welt eine neue Gestalt. Und es ist das Urteil berechtigt, das etwa so sagt: Bisher habe ich gekannt, was Feuer ist; aber das war nur eine Täuschung; denn was ich bisher Feuer genannt habe, das verhält sich zu seiner Wirklichkeit, zu dem, was ich jetzt als Feuer kenne, etwa so, wie wenn ich die Eindrücke, welche die Räder eines Wagens machen auf der Straße, für die einzige Wirklichkeit halten und nicht mir sagen wollte: da muß ein Wagen darüber gefahren sein, in dem ein Mensch gesessen hat. Von diesen Furchen sage ich aus, daß sie die Zeichen, der äußere Ausdruck sind für den Wagen, der darüber gefahren ist und in dem ein Mensch gesessen hat. Wenn er vorübergefahren ist, sehe ich nichts von ihm; er aber ist der Grund der Furchen, er ist das Wesentliche. Und derjenige, der da glauben würde, die Furchen, welche die Räder hinterlassen haben, seien etwas in sich Abgeschlossenes, etwas Wesentliches, der würde den äußeren Eindruck für die Sache selbst halten. — So ist das, was wir im äußeren Leben als das aufleuchtende Feuer sehen, im Verhältnis zu seiner Wirklichkeit, zu der geistigen Wesenheit, die dahintersteht, wie die Furchen in der Straße zu dem Menschen, der im Wagen gesessen hat, welcher über die Straße dahingefahren ist. In dem Feuer haben wir nur einen äußeren Ausdruck. Hinter demjenigen, was das Auge als Feuer sieht und was wir als Wärme empfinden, ist erst die wahre geistige Wesenheit, die im äußeren Feuer nur den äußeren Ausdruck hat. Hinter demjenigen, was wir als Luft einatmen, hinter demjenigen, was als Licht ins Auge dringt, was als Ton in unserem Ohre ist, hinter dem liegen die wirkenden göttlich-geistigen Wesenheiten, welche nur gleichsam ihr äußeres Kleid im Feuer, im Wasser, in demjenigen haben, was uns in den verschiedenen Reichen der Welt umgibt.

[ 23 ] In der sogenannten Geheimlehre, in der Mysterienlehre, nennt man dieses Erlebnis, das man in dieser Art hat, das Durchgehen durch die elementaren Welten. Während man sich vorher dem Glauben hingegeben hat, daß dasjenige, was man als Feuer erkennt, eine Wirklichkeit ist, erfährt man nun, daß hinter dem Feuer lebendige Wesenheiten stehen. Man macht sozusagen Bekanntschaft, mehr oder weniger intime Bekanntschaft mit dem Feuer als etwas ganz anderem als dem, wie es sich in der Sinnenwelt darstellt; man macht Bekanntschaft mit den Feuerwesen, mit demjenigen, was als Seele hinter dem Feuer steht. Wie unsere Seele hinter unserem Leibe steht, so steht hinter dem Feuer, das mit den äußeren Sinnen wahrnehmbar ist, die Seele und der Geist des Feuers. Man dringt in ein geistiges Reich ein, wenn man die Seele und den Geist des Feuers erlebt; und dieses Erleben, das sich sagt: das äußere Feuer ist keine Wahrheit, es ist bloßer Schein, ist bloßes Kleid, ich bin jetzt unter den Feuergöttern, wie ich vorher unter den Menschen in der physischen Welt war — dieses Erleben heißt Leben im Element des Feuers, wenn man im geheimwissenschaftlichen Sinne spricht. Ebenso ist es mit dem, was wir einatmen. In dem Augenblicke, wo uns dasjenige, was wir als äußere Luft einatmen, nur das Kleid wird für dahinterliegende lebendige Wesenheiten, leben wir in dem Elemente der Luft.

[ 24 ] Und so kann der Mensch, wenn er die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle hinter sich hat, aufsteigen zu dem Erleben der Wesenheiten in den sogenannten Elementen, im Element des Feuers, des Wassers, der Luft, der Erde. Diese vier Arten von Geistern, die in den Elementen leben, gibt es, und der Mensch, der diese Stufe erreicht hat, die soeben beschrieben worden ist, verkehrt mit den geistigen Wesenheiten der Elemente. Er lebt in den Elementen, er durchlebt Erde, Wasser, Luft und Feuer, Dasjenige also, was man im gewöhnlichen Leben mit diesen Worten bezeichnet, das ist nur das äußere Kleid, der äußere Ausdruck von dahinterstehenden geistigen Wesenheiten. Es leben also gewisse göttlich-geistige Wesenheiten in demjenigen, was uns entgegentritt als feste Materie oder Erde — im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen -, als flüssige Materie oder Wasser — im geisteswissenschaftlichen Sinne gesprochen -, als ausdehnbare Materie oder Luft und als warme, feurige Materie oder Feuer. Das aber sind noch nicht die höchsten geistigen Wesenheiten, sondern wenn wir uns durchgerungen haben durch das Erleben der Elementenwelt, dann steigen wir auf zu denjenigen Wesenheiten, welche die schaffenden Wesenheiten für jene Geister sind, die in den Elementen leben. Und nun nehme man folgendes: Wenn man seine Umgebung betrachtet, die physische Umgebung, sieht man: sie besteht aus demjenigen, was die vier äußeren Glieder sind der eigentlichen Elementarwelt. Ob man Pflanzen oder Tiere oder Steine auf dem physischen Piane sieht, man kann sagen: sie bestehen entweder aus dem Festen, das heißt Erdigen - geheimwissenschaftlich gesprochen — oder aus dem Flüssigen, das heißt aus dem Wasser — geheimwissenschaftlich gesprochen —, aus Gasartigem oder der Luft und aus dem Feurigen, dem Wärmehaften. Daraus sind die Dinge zusammengesetzt, die in der Steinwelt, Pflanzenwelt, in der Tier- und Menschenwelt physisch vorhanden sind. Und als schöpferische Kräfte, als . befruchtende Kräfte stehen hinter demjenigen, was physisch ist, diejenigen Kräfte, die uns von der Sonne zum größten Teil zuströmen. Die Sonne, sie ruft ja aus der Erde hervor das sprießende, sprossende Leben. Die Sonne also sendet diejenigen Kräfte, im physischen Sinne zunächst, zur Erde, die es möglich machen, daß auf der Erde gesehen wird mit physischen Sinnen dasjenige, was im Feuer, in der Luft, im Wasser und in der Erde lebt. Wir sehen physisch die Sonne, weil sie physisch Licht verbreitet. Das physische Licht wird durch die physische Materie aufgehalten. Der Mensch sieht die Sonne vom Aufgange bis zum Niedergange, und er sieht die Sonne nicht, wenn die physische Erdenmaterie sie zudeckt; vom Untergange bis zum Aufgange sieht er sie nicht. Solche Finsternis, wie sie im physischen Leben herrscht vom Niedergange der Sonne bis zum Aufgange derselben, solche Finsternis gibt es in der geistigen Welt nicht. In dem Augenblicke, wo der Hellseher dasjenige errungen hat was beschrieben worden ist, indem Augenblicke, wo er hinter dem Feuer die Geister des Feuers, hinter der Luft die Geister der Luft, hinter dem Wasser die Geister des Wassers und hinter der Erde die Geister der Erde erblickt, in diesem Augenblick sieht er hinter diesen geistigen Wesenheiten deren höheren Herrscher, deren höheren Lenker, dasjenige, was sich verhält zu diesen Elementarwesenheiten, wie sich verhält die erwärmende und beleuchtende, die wohltätige Sonne zu dem sprießenden und sprossenden physischen Leben auf unserer Erde. Das heißt, der Hellseher ringt sich durch von der Betrachtung der Elementarwesenheiten zu der Betrachtung der höheren geistigen Wesenheiten, die im geistigen Reiche etwa sind, was sich im physischen Reiche sinnbildlich vergleichen läßt mit der Sonne im Verhältnis zur Erde. Der Mensch sieht dann hinter den Elementenwesen eine hohe geistige Welt: die geistige Sonne. Wenn für den Hellseher dasjenige, was sonst Finsternis ist, Licht wird, wenn er die Erleuchtung erlangt, dann, dann dringt er vor, wie das physische Auge zur Sonne vordringt, zur geistigen Sonne, das heißt zu den geistigen Wesenheiten. Und wann dringt er vor zu diesen höheren geistigen Wesenheiten? Dann dringt er vor, wenn gleichsam für die Menschen die geistige Finsternis am höchsten ist. Der Mensch lebt, wenn er sonst frei ist in bezug auf seinen Astralleib und auf sein Ich, also vom Momente des Einschlafens bis zu dem des Aufwachens, er lebt, indem ihn Finsternis umgibt, weil er die geistige Welt, die ihn dann umgibt, nicht sieht. Diese Finsternis nimmt allmählich zu, erreicht einen Höhepunkt und nimmt wiederum ab bis zum Morgen, wo er aufwacht. Sie erlangt sozusagen einen höchsten Grad. Man kann diesen höchsten Grad geistiger Verfinsterung vergleichen mit demjenigen im äußeren Leben, was man die Mitternachtsstunde nennt. Wie in dieser normalerweise die äußere physische Finsternis am stärksten ist, wie sie bis dahin zunächst zunimmt und nachher abnimmt, so gibt es in bezug auf die geistige Finsternis einen höchsten Grad, eine Mitternacht. Auf einer gewissen Stufe des Hellsehens ist es so, daß man während der Zeit, während welcher für den ungeistig-erkennenden Menschen die geistige Finsternis aufsteigt, die Elementargeister sieht; wiederum so beim Abfluten der Finsternis. Hat man nur eine niedere Stufe des Hellsehens erreicht, so ist es so, daß man zuerst sozusagen gewisse Elementargeister erlebt, daß aber gerade dann, wenn man den höchsten geistigen Moment erleben will, die Mitternachtsstunde, daß dann noch eine Verfinsterung eintritt, und erst dann wiederum eine Erhellung eintritt. Wenn man aber eine bestimmte Stufe des Hellsehens erreicht hat, dann wird, was man Mitternachtsstunde nennen kann, um so heller. In dieser Zeit 6Man muß sich darüber klar sein, daß mit dieser «Mitternachtsstunde» nicht ein mit dem äußeren Zeitverlauf zusammenfallender Augenblick, sondern ein innerer Zustand gemeint ist. erlebt man das Anschauen derjenigen geistigen Wesenheiten, die in bezug auf die Elementengeister sind wie die Sonne zur physischen Erde; man erlebt die höheren, schöpferischen, die Sonnenwesenheiten, es tritt jener Moment ein, den man technisch nennt das Schauen der Sonne um Mitternacht.

[ 25 ] So sind die Stufen, welche heute wie zu jeder Zeit von demjenigen durchlebt werden müssen, der zur hellseherischen Forschung sich hinaufschwingen will, der hinter den Schleier, welcher in den irdischen Elementen die wahre Welt überzieht, hindurchblicken will. Diese Stufen, die nun beschrieben worden sind, das Sich-Freifühlen in bezug auf seine zweite Persönlichkeit wie das Schwert in der Scheide, dieses sich außerhalb des physischen Leibes Fühlen, wie wenn man das Schwert herausgezogen habe aus der Scheide; das Begegnen mit dem Hüter der Schwelle; das Erleben der Elementenwesenheiten, das heißt das Erleben jenes großen Momentes, wo die Feuer-, Luft-, Wasser- und ErdenWesenheiten werden zu Wesenheiten, unter denen man wandelt, mit denen man nun verkehrt wie im gewöhnlichen Leben mit den Menschen; und dann das Erleben jenes Momentes, wo man das Urwesen dieser Elementarwesenheiten erlebt, das sind die Stufen, die zu jeder Zeit durchgemacht werden konnten, die auch heute noch durchgemacht werden können, das sind - in anderer Weise ist dies öfter schon beschrieben worden, denn in mancherlei Art kann man sie beschreiben, und es bleibt immer nur eine unvollkommene Beschreibung! — die Stufen, die in die geistigen Welten hinaufführen. Wir mußten sie uns vor die Seele führen, um zu sehen, was der Mensch zu jeder Zeit selber tun muß, um die geistigen Wesenheiten zu erkennen. Und wir werden nunmehr uns weiter vor die Seele zu führen haben, was nun der Mensch in diesen geistigen Welten erlebt; wir werden uns vor die Seele zu führen haben einiges von den konkreten Verrichtungen, die der Mensch vorzunehmen hat, um den Geistwesenheiten zu begegnen. Und wenn wir die Sache uns vor die Seele geführt haben in der Art, wie es durch die westliche Einweihung erreicht werden kann, dann werden wir das, was wir also gewonnen haben aus der Sache selbst heraus, vergleichen mit dem, was an orientalischer Überlieferung, an uralter Weisheit an die Menschheit erging. Das ist dasjenige, was man verstehen kann als das Fallenlassen des Christus-Lichtes auf die Weisheit der vorchristlichen Zeit.