Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

Support the Archive

Anthroposophy Psychosophy Pneumatosophy
GA 115

26 October 1909, Berlin

Translate the original German text into any language:

Dritter Vortrag

3. Higher Senses, Inner Force Currents, and Creative Laws in the Human Organism

[ 1 ] Wir sind in unseren Betrachtungen aufgestiegen bis zu dem, was wir den Sprachsinn genannt haben, und wollen jetzt ins Auge fassen zunächst dasjenige, was wir genannt haben den Begriffssinn. Selbstverständlich dürfen Sie das Wort hier nicht in dem Sinne des reinen Begriffes nehmen, sondern in dem Sinne, wie man im gewöhnlichen Leben spricht; daß man sich, wenn irgend jemand einem etwas sagt, irgendein Wort sagt, eine Vorstellung davon machen kann, was dieses Wort bedeutet. Ebensogut hätte also Vorstellungssinn gesagt werden können. Nun werden wir uns aber erst begreiflich machen müssen, wie dieser Vorstellungssinn zustande kommt. Dazu müssen wir noch einmal zurückgreifen auf die beiden vorhergehenden Sinne, auf den Tonsinn, den Gehörsinn, und auf den Sprachsinn, und uns die Frage einmal vorlegen: Was heißt denn das überhaupt, Sprachsinn haben, Lautsinn haben? Wie kommt denn die Wahrnehmung des Lautes, wie wir sie charakterisiert haben, eigentlich zustande? — Ich werde Ihnen jetzt also zuerst zu charakterisieren haben, was da Besonderes geschieht, wenn der Mensch einen Laut wahrnimmt, A oder I oder einen andern Laut. Wir müssen uns sozusagen den Apparat des Laut-Wahrnehmens klarmachen. Ich werde Ihnen allerdings, da ich nicht über eine solche Sache eine ganze Stunde sprechen kann, nur einige Angaben machen können, welche Sie dann bewahrheitet finden können durch dieses oder jenes, was Sie selber durch Nachdenken oder Erforschen im Leben gewinnen.

[ ] In the last lecture we dealt with the sense of speech, and today we will examine the sense of concept. The term “concept” is, of course, not intended here as pure concept, but in its everyday meaning. That is, I hear a word spoken and I visualize its meaning. This sense could also be called the sense of visualization.1The verb vorstellen means imagine, in the loose sense (“I can imagine”), but we have no noun in English that exactly reproduces Vorstellung. “Visualization” must serve, but the reader should understand that its application is not limited to the visible; it covers abstract ideas as well as concrete objects—anything we “call to mind.” The terms “visualization,” “conception” and “mental picture” are here used interchangeably. In order to understand how this sense comes about we must glance back once more to the sense of tone or hearing and to the sense of speech or sound, asking ourselves what it means “to have a sense of speech.” How does the perception of sound come about? What particular process takes place when we perceive a sound like “a” or “i”? To grasp this we must understand the apparatus of sound perception, and we will give a few indications that you will be able to substantiate later.2Always the spoken sound is meant.

[ 2 ] Sie wissen, daß man innerhalb des Musikalischen unterscheiden kann den einzelnen Ton, die Melodie und die Harmonie. Und Sie wissen, daß Harmonie beruht auf der Wahrnehmung gleichzeitiger Töne, Melodie auf dem Zusammenfassen aufeinanderfolgender Töne, und daß dann der einzelne Ton als solcher in Betracht kommt. Nun können Sie den Mechanismus des Laut-Wahrnehmens nur begreifen, wenn Sie die Beziehung des Tönenden, was im Laute ist, zu diesem Laute selbst ins Auge fassen. Nehmen wir einmal dasjenige, was eine Harmonie ist: wir haben ein gleichzeitiges Zusammenwirken von Tönen; und nehmen wir das, was eine Melodie ist: wir haben ein aufeinanderfolgendes Zusammenwirken von Tönen. Denken Sie sich nun, Sie könnten dasjenige bewußt machen, was Sie unbewußt im Laut-Wahrnehmen tun, so würde folgendes geschehen.

[ ] In music we distinguish between the single tone, the melody, and the harmony. Harmony implies perception of tones occurring simultaneously, melody calls for the mental co-ordination of a sequence of tones. The mechanism of sound perception can be comprehended by studying the relation between the tonal element in sound and sound itself.

[ 3 ] Sie müssen sich klar sein darüber, daß im Sinn eben etwas Unbewußtes — Unterbewußtes wenigstens — liegt. Würde das, was bei der Sinneswahrnehmung unbewußt vorliegt, bewußt gemacht werden, so würde es kein Sinn mehr sein, keine Sinneswahrnehmung, sondern man müßte sprechen von einem Urteil, einer Begriffsbildung und dergleichen. Sie müssen sich also denken, wie dasjenige vor sich ginge, was da im Unterbewußten sich vollzieht bei der Lautwahrnehmung, wenn Sie es bewußt ausführen könnten. Denken Sie einmal, Sie nehmen eine Melodie wahr. Wenn Sie diese Melodie wahrnehmen, nehmen Sie die Töne hintereinander wahr. Denken Sie nun, Sie könnten ohne weiteres die Töne einer Melodie so in der Zeitlinie zusammenschieben, daß Sie dieselben gleichzeitig wahrnehmen könnten. Dazu hätten Sie freilich nötig, Vergangenheit und Zukunft ineinanderzuschieben. Sie müßten vorzugsweise in der Mitte einer Melodie schon das Folgende wissen, um es aus der Zukunft in die Gegenwart hineinschieben zu können. Was so der Mensch bewußt nicht ausführen kann, das geschieht tatsächlich im Lautsinn unbewußt. Es wird, wenn wir A oder I oder einen andern Laut hören, immer durch eine unterbewußte Tätigkeit eine Melodie momentan in eine Harmonie verwandelt. Das ist das Geheimnis des Lautes. Diese wunderbare unterbewußte Tätigkeit wird etwa so ausgeführt auf einer geistigeren Stufe, wie innen im Auge die verschiedenen Strahlenbrechungen nach den regelrechten physikalischen Gesetzen ausgeführt werden, die Sie sich auch erst hinterher ins Bewußtsein bringen. Wir tun jetzt dasselbe, was der Physiker tut, wenn er zeigt, wie die Strahlenbrechung im Auge zustande kommt. Also eine Melodie wird momentan zur Harmonie gemacht. Das ist aber noch nicht genug. Wenn nur das geschähe, dann käme noch nicht der Laut heraus, sondern dazu muß noch etwas anderes hinzukommen.

[ ] Suppose we could raise into consciousness what we accomplish subconsciously in perceiving sound. We would then no longer be dealing merely with a sense perception but with a judgment, with the formation of a concept. If we were able, in hearing a melody, so to crowd the single tones in time as to perceive them simultaneously, to cause past and future to coincide; if in the middle of a melody we already knew what was to follow, knew this so vividly as to draw the future into the present, then we would have consciously converted the melody into a harmony. We are not able to do that, but what we cannot execute consciously actually takes place unconsciously in the sense of sound. When we hear an “a” or an “i” or other sounds, a subconscious activity momentarily transforms a melody into a harmony. That is the secret of sound; it is melody transformed into harmony. This marvelous subconscious activity proceeds in approximately the same way as the various refractions in the eye are carried out according to physical laws, which is another process we can call to consciousness after it has taken place.

[ 4 ] Sie müssen sich bewußt werden, daß ein jeder musikalische Ton kein einfacher Ton ist, sondern wenn irgendein Ton ein musikalischer Ton ist, so ist er das dadurch, daß, wenn auch in einer noch so schwachen Weise, immer die Obertöne mitklingen. Das ist das Besondere des musikalischen Tons gegenüber den andern Geräuschen, Knall oder dergleichen, daß immer die Obertöne gehört werden, wenn sie auch praktisch nicht hörbar sind. Wenn Sie eine Melodie haben, haben Sie nicht nur die einzelnen Töne, sondern Sie haben auch bei einem jeden Ton die Obertöne. Wenn Sie eine Melodie momentan in eine Harmonie zusammendrängen, so haben Sie nicht nur zusammengedrängt die einzelnen Grundtöne, sondern auch hineingedrängt von einem jeglichen Ton die Obertöne. Nun muß aber die unterbewußte Tätigkeit noch etwas ausführen: sie muß die Aufmerksamkeit abwenden von den Grundtönen, sie muß sie in gewisser Weise überhören. Das tut tatsächlich die Seele, wenn sie den Laut A oder I wahrnimmt. Nicht als ob die andern Töne nicht da wären, sondern es wird nur die Aufmerksamkeit von ihnen abgelenkt, und es wird nur jene Harmonie von Obertönen aufgefaßt. Das ist erst der Laut. Dadurch entsteht ein Laut, daß eine Melodie momentan in eine Harmonie umgewandelt wird, dann von den Grundtönen abgesehen wird und nur das System der Obertöne aufgefaßt wird. Was diese Obertöne dann geben, das ist der Sinn des Lautes, A oder I. Nun haben Sie dasjenige, was eigentlich Laut-Wahrnehmung ist, geradeso erklärt, wie man das Sehen im Auge physikalisch erklärt.

[ ] But this subconscious activity that instantly converts a melody into a harmony is not enough; something more is needed if the sound is to come forth. A musical tone is not a simple thing. A tone is a musical tone only by virtue of its harmonics3Dr. Steiner refers here to something much more definite than what is suggested by our “overtones,” a term that has almost lost its original significance. The harmonic series as it is known in the field of music is the series of intervals into which a vibrating body (a string, a column of air, etc.) divides itself unassisted by artificial means. Under favorable conditions some three to five of these harmonics can be detected by a keen ear. They come out most clearly in large church bells. (overtones) that sound with it, however faintly, in contrast to noises, which have no harmonics. In a harmony, therefore, we hear not only the separate tones but the harmonics of each tone as well. Accordingly, if we crowd a melody into a harmony, we have not only the separate notes of the melody crowded into simultaneity, but the harmonics of each note as well. Now, the final step. Through the agency of that subconscious activity, the attention of the soul must be distracted from the fundamental tones of the melody. These must in a sense be aurally disregarded, and only the harmony created by the harmonics be comprehendingly heard. A sound comes into being when a melody is transformed into harmony and then the fundamentals disregarded, attention being directed exclusively to that harmony of the harmonics. What these harmonics then yield is the sound “a,” “i,” etc. In this way we have explained sound perception as taking place in the same way that sight does in the eye.

[ 5 ] Was ist nun — und das ist eine ebenso schwierige, aber wichtige Frage — die Wahrnehmung der Vorstellung, was ist das Wahrnehmen des Sinnes allein, so daß Sie also das Wort hören und durch das Wort hindurch dessen Sinn vernehmen, begreifen? Wie kommt das zustande?

[ ] The next question is difficult but important. How does the perception of visualization come about? How does it happen that when we hear a word we understand its meaning by means of the word itself?

[ 6 ] Daß das noch etwas ganz Besonderes ist, das mag Ihnen einfach aus der trivialen Erwägung hervorgehen, daß Sie irgendeine Sache in den verschiedenen Sprachen mit den verschiedensten Lauten bezeichnen können. Sie heißen eine Sache das eine Mal «Amor», das andere Mal «Liebe». So ist in diesen beiden verschiedenen Lautbildern etwas ausgedrückt, was in beiden Fällen dasselbe ist. Das weist hin auf den dahinterstehenden Vorstellungssinn. Während man also den Laut bei jedem Volke, in jeder Sprache anders hört, hört man durch den Laut hindurch überall dieselbe Vorstellung, dasjenige, was eigentlich dahintersteckt und was trotz aller Verschiedenheit der Lautbilder das gleiche ist. Das muß auch wahrgenommen werden. Und wie wird das wahrgenommen?

[ ] That this is a question by itself can be seen from the fact that in different languages the same thing is designated by different sounds. While the sound we hear is a different one in every language (amor and Liebe), it nevertheless points the path to an identical underlying conception. Whether the word used is amor or Liebe, it appeals to the sense of visualization underlying it. This underlying sense of visualization is always uniform, regardless of all the differences in the sound formations. But now, how is this perceived?

[ 7 ] Wir wollen, um uns das klarzumachen, den Prozeß des Vorstellungswahrnehmens betrachten, und zwar — das bitte ich Sie, ins Auge zu fassen — unter der Voraussetzung, daß die Vorstellung uns auf dem Wege des Lautes zukommt. Wenn wir nun in dem Laut-Wahrnehmen eine Melodie haben, die in eine Harmonie verwandelt ist, wobei abgesehen wird von den Grundtönen — was uns den Lautsinn oder Wortsinn gibt —, so ist es notwendig, damit der Vorstellungssinn herauskommt, daß nun auch von dem ganzen System der Obertöne die Aufmerksamkeit abgelenkt wird. Wenn Sie auch das noch seelisch ausführen, dann blicken Sie zurück zu dem, was sich in den Obertönen verkörpert hat, zu demjenigen, was Ihnen als Vorstellung zukommt. Damit ist aber zu gleicher Zeit nun auch das gegeben, daß der Mensch, wenn er die Laute und Worte seiner Sprache hört, dasjenige sozusagen etwas nuanciert, abgetönt erhält, was allgemein menschlich ist: die Vorstellung, welche durch alle Laute und alle Sprachen hindurchgeht.

[ ] In studying this process, the perception of visualizations or conceptions, we should keep in mind our premise that conceptions reach us by way of sounds. To enable a conception to come about, attention must be still further diverted; the whole harmonic series must be ignored. At the moment when the soul as well is unconsciously distracted from the harmonics, we perceive what has incorporated in the sounds, what pertains to them as conception or visualization. This implies that the visualization reaching us through sounds—the visualization that, as something universally human, pervades all sounds and languages—comes to us slightly colored, toned down.

[ 8 ] Haben wir gesagt, daß sich durch die Sprache, insofern die Sprache ihre Laute hat, kundgeben hohe geistige Wesenheiten, die ihre besondere Mission haben im Zusammenhange des Erdenlebens, die Volksgeister, welche nicht nur in dem geheimnisvollen Raunen [der Sprachen], sondern in dem ebenso geheimnisvollen Bilden an den Säften des Menschen wirken, in dem, was da im System der Obertöne hineinerzittert in den menschlichen Organismus, so müssen wir sagen, daß dasjenige, was hinter dem Tönen der Obertöne liegt als das allgemein Menschliche, der gemeinsame Menschengeist ist, der über die ganze Erde hinüberwallt. Dieser über die ganze Erde hinüberwallende Menschengeist, er läßt sich daher nur dann erkennen, wenn ein jeder an seinem Orte sozusagen durch die Obertöne hindurch ins Unhörbare, ins bloß Vorstellungsmäßige hineinhorcht. Dadurch, daß die Menschen die Möglichkeit bekommen haben, sozusagen über die Nuancen hinwegzusehen, hinwegzuhören und ein Gemeinsames, das über die ganze Erde wallt, zu erkennen, dadurch haben sie erst die Fähigkeit erlangt im Laufe der geschichtlichen Entwickelung der Menschheit, dasjenige, was allgemein menschlich ist, zu begreifen. Denn nur im Vorstellungsleben läßt sich der Christus-Geist in seiner wahren Gestalt zuerst erfassen, im allgemein Menschlichen. Diejenigen geistigen Wesenheiten, welche ihn in den verschiedensten Formen verkündigen und verkündigen sollen, die von ihm ausgeschickt sind, jeder an seinen Ort, wie Sie das zum Beispiel so schön dargestellt finden in dem Goetheschen Gedicht «Die Geheimnisse», diese Geister, dieSendboten des Christus, die von ihm ihre Aufgabe erhalten haben, das sind die einzelnen Volksgeister, die Geister der einzelnen Völkerindividualitäten.

[ ] Incorporated in this harmonic series, which creates the timbre and intensity and the various sounds in the different languages, which vibrates into the human organism, are the Folk Spirits. These manifest themselves through the sounds of the language. Language is the mysterious whispering of the Folk Spirits, the mysterious work upon the fluids, that vibrates into our organism through the harmonics. But what underlies the harmonic series is the universal human element, the common spirit of man that suffuses the whole earth. The universal spirit of man can be perceived only when each of us, from his own particular locality, ignoring the harmonics, listens for what is inaudible, for what belongs in the realm of conceptions. In the course of historical evolution, men did not acquire the capacity to comprehend what is universally human until they learned to recognize common factors by disregarding, as it were, the shades of sounds. Only in our life of conceptions can we begin to grasp the Christ Spirit in His true being. The spiritual beings whose task it is to proclaim Him in manifold forms—His messengers to whom He has assigned their missions and tasks—are the Folk Spirits of the various folk individualities. This thought has found very beautiful expression in Goethe's fragment, Die Geheimnisse.

[ 9 ] Dies alles gibt Ihnen erst ein Bild von dem, was eigentlich Vorstellungssinn ist. Damit aber haben wir einen ganz besonderen Weg zurückgelegt. Wir haben sozusagen dasjenige, was im gewöhnlichen Menschenleben Sinn an uns ist, zunächst erschöpft. Wir haben es dadurch erschöpft, daß wir hingeschaut haben auf diejenige unterbewußte seelische Fähigkeit im Menschen, die imstande ist, das System der Obertöne gleichsam zurückzuschieben. Was wird nun eine noch höhere Fähigkeit sein? Was schiebt denn dieses System der Obertöne zurück? Was ist es denn im Menschen, was da hinauswirkt wie Fangarme und das System der Obertöne zurückschiebt? — Das ist des Menschen astralischer Leib. Erlangt des Menschen astralischer Leib die Fähigkeit, die Obertöne zurückzuschieben, was in trivialer Sprache ausgedrückt nichts anderes heißt, als die Aufmerksamkeit von ihnen abzuwenden, dann bedeutet das eine höhere Macht des astralischen Leibes, als wenn er sozusagen weniger zurückschieben kann. Wann wird dieser astralische Leib nun noch stärker sein? Er wird noch stärker sein, wenn er nicht nur die Obertöne zurückschieben kann, nicht nur die Vorstellungen dadurch erreicht, daß er die Obertöne zurückschiebt und dadurch an die Grenze der äußeren Welt kommt und sie an ihrer Grenze als Vorstellung beobachten kann, sondern wenn er sich fähig macht, ohne daß erst ein Widerstand da ist, durch eine eigene, innere Kraft seine astralische Substanz herauszustoßen. Um zur Vorstellung zu kommen, haben Sie immer noch nötig, einen Widerstand zurückzuschieben: das System der Obertöne. Wenn Sie nun in der Lage sind, ohne daß eine äußere Veranlassung da ist, Ihre astralischen Fangarme herauszustrecken, so tritt das ein, was man im höheren Sinne das geistige Wahrnehmen nennen kann. Es bilden sich die eigentlichen geistigen Wahrnehmungsorgane. In dem Augenblick, wo der Mensch die Fähigkeit erlangt, nicht nur mit seiner Aufmerksamkeit das System der Obertöne zurückzuschieben, sondern wo er an einer gewissen Stelle des Vorderhirns — zwischen den Augenbrauen seine astralische Substanz herausschieben kann wie zwei Fangarme, da bildet er an dieser Stelle das, was man die zweiblättrige Lotusblume nennt, das erste geistige Organ, was man auch nennen kann den imaginativen Sinn. Das ist nun der elfte der Sinne. Und in demselben Maße, als der Mensch immer fähiger und fähiger wird, so aus sich selbst heraus, ohne daß er durch die Außenwelt gezwungen wird, seine astralische Substanz herauszustrecken, in demselben Maße bildet er weitere höhere Sinne aus. In der Gegend des Kehlkopfes bildet er aus durch diese Arbeit einen sehr komplizierten Sinn, die sechzehnblättrige Lotusblume, den inspirierenden Sinn; weiter in der Herzgegend den Sinn, den man auch den intuitiven Sinn nennen kann, die zwölfblättrige Lotusblume, und dann noch weitere höhere Sinne, die man aber nun, weil man da ins rein Geistige kommt, nicht mehr Sinn nennen kann im gewöhnlichen Sinne. Es genügt ja, daß wir zu den physischen, eigentlichen Sinnen hinzuzufügen haben den imaginativen Sinn, den inspirierenden Sinn und den intuitiven Sinn.

[ ] That will give a picture of what the sense of visualization is, bringing us to an important milestone. We have exhausted what we have in the way of ordinary senses, finally arriving at the study of the subconscious human activity that is able, through the force of the astral body, to push from consciousness even the harmonic series. It is the human astral body that pushes aside this harmonic series as though with tentacles. If we achieve this power over the harmonics, which means nothing else than the ability to ignore them, it signifies increased strength in our astral body. But even this does not exhaust the capacity of the astral body; it is capable of still higher achievements. In the cases we have so far discussed, the appearance of a visualization has presupposed the overcoming of an outer resistance; something external had to be pushed back. Now we find the astral body to be endowed with still more power when we learn that its astral substance enables it not only to push back what is outside, but also, when there is no outer resistance, to stretch forth, to eject, its astral substance through its own inner strength. If one is able thus to stretch forth the astral tentacles, so to speak, with no resistance present, then there appears what is called spiritual activity; the so-called spiritual organs of perception come into being. When the astral substance is pushed out from a certain part of the head and forms something like two tentacles, man develops what is called the two-petaled lotus flower. That is the imaginative sense, the eleventh. In proportion to his capacity for stretching out his astral tentacles, man develops other spiritual organs. As his ability to thrust out astral substance increases, he forms a second organ in the vicinity of the larynx, the sixteen-petal lotus flower, the inspirational sense, the twelfth. In the neighborhood of the heart the third organ develops, the twelve-petal lotus flower, the thirteenth, the intuitive sense. These three senses, the imaginative, the inspirational and the intuitive, are additional, astral senses, over and above the physical senses. Beyond these there are still higher, purely spiritual senses, but let them here be merely mentioned.

[ 10 ] Nun fragen wir uns: Sind nun diese drei Sinne nur tätig im hellsichtigen Menschen oder gibt es auch beim gewöhnlichen Menschen etwas, was er als eine Tätigkeit dieser Sinne auffassen kann? — Ja, auch beim gewöhnlichen Menschen gibt es etwas, was als eine Tätigkeit dieser Sinne aufzufassen ist, des imaginativen, des inspirierenden und des intuitiven Sinnes. Wenn Sie genau aufgefaßt haben, wie diese Sinne beim hellsichtigen Menschen wirken, so werden Sie sich sagen, sie wirken, indem sie sich wie Fangarme nach außen erstrecken. Beim gewöhnlichen Menschen sind sie auch vorhanden, nur mit dem Unterschiede, daß sie sich da nicht nach außen, sondern daß sie sich nach innen strecken. Genau an der Stelle, wo die zweiblättrige Lotusblume beim hellsichtigen Menschen entsteht, da ist beim gewöhnlichen Menschen etwas vorhanden wie zwei solcher Fangarme, die nach innen gehen, die sich nur in der Gegend des Vorderhirns kreuzen. So wendet das gewöhnliche Bewußtsein einfach diese Fangarme, statt wie beim hellsichtigen Menschen nach außen, nach innen.

[ ] The question now arises as to whether these three astral senses are active only in more highly developed, clairvoyant people, or has the ordinary human being anything that can be called an activity of these senses? The answer is that everybody has them, but there is a difference. In clairvoyants these senses operate by stretching out like tentacles, while in ordinary people their effect is inward. At the top of the head, for instance, just where the two-petal lotus flower forms, there are tentacles of this kind that reach inward and cross in the brain. In other words, ordinary consciousness directs them inward instead of outward.

[ 11 ] Dasjenige, was hier vorliegt, kann ich Ihnen nur durch einen Vergleich klarmachen. Sie müßten viel meditieren, wenn Sie über den Vergleich hinauskommen wollten zur Tatsache. Denn eine Tatsache ist es. Sie brauchen sich nur klarzumachen, daß der Mensch das, was er außer sich hat, sieht, und das, was er in sich hat, nicht sieht. Keiner hat noch sein eigenes Herz oder Gehirn gesehen. So ist es auch im Geistigen. Die Organe werden nicht nur nicht gesehen, sondern sie werden auch nicht bewußt, und sie können daher auch nicht angewendet werden. Aber sie wirken. Dadurch, daß etwas nicht bewußt ist, ist es noch nicht untätig. Das Bewußtsein entscheidet nicht über die Wirklichkeit. Sonst müßte alles dasjenige, was um uns ist in dieser Stadt Berlin und was Sie jetzt nicht sehen, nicht da sein. Allerdings ist das eine Logik, wonach diejenigen gehen, welche die höheren Welten ableugnen, weil sie sie nicht sehen. Tätig sind diese Sinne, aber ihre Tätigkeit richtet sich nach innen. Und diese Wirkung der Tätigkeit nach innen nimmt jetzt der Mensch wahr. Wie nimmt er sie wahr?

[ ] All that is outside us we see, but not what is within us. Nobody has seen his own heart or brain, and it is the same with spiritual matters. Not only are these organs not seen, but they do not even enter consciousness. They can therefore not be consciously employed, but they function nevertheless; they are active. Here consciousness makes no decisions whatever regarding reality.

[ 12 ] Indem sich der imaginative Sinn nach innen ergießt, entsteht das, was man im gewöhnlichen Leben die Empfindung irgendeiner Sache nennt, die äußere Empfindung, die äußere Wahrnehmung. Daß Sie die Dinge draußen sehen, das beruht darauf, daß nach innen hinein dieser Sinn arbeitet. Was Sie nach draußen als Empfindung, als Wahrnehmung haben, das können Sie nur dadurch haben, daß dasjenige in Sie hineinarbeitet, was im imaginativen Sinn zum Vorschein kommt. Unterscheiden Sie aber wohl, was hier Empfindung genannt ist, von dem, was zum Beispiel ein Ton ist. Es ist noch etwas anderes, einen Ton zu hören, eine Farbe zu sehen, oder eine Empfindung dabei zu haben. Eine Farbe zu sehen und zu sagen, sie ist rot, ist etwas anderes, als die Empfindung dabei zu haben: sie ist schön oder häßlich, angenehm oder unangenehm im unmittelbaren Eindruck.

[ ] These senses, then, are active. They direct their activity inward, and this impulse directed inward is perceived. When the imaginative sense pours inward there arises what in ordinary life is called outer sensation,4There is no wholly satisfactory English equivalent for the noun, Empfindung, though the adjective empflindlich is exactly “sensitive.” The term “sensation” is used in this translation (occasionally varied by “sentience”), but it should be understood that only the meaning it has, for example, in “a sensation of warmth” is here applicable, never that in “the news created a sensation.” In other words, it is the noun corresponding to the adjective “sentient,” not “sensational,” and to the verb “to sense.” outer perception of something. We can have an outer perception only because what appears in the imaginative sense works its way into us. By means of this imaginative sense we are able to “sense” a color, and that is not synonymous with seeing a color, or analogous to hearing a tone. When we see a color, we say, for instance, it is red. But through the activity of the imaginative sense we can also have a sensation connected with it—that color is beautiful or ugly, pleasant or unpleasant.

[ 13 ] Auch der inspirierende Sinn ergießt seine Tätigkeit nach innen, und durch diese Tätigkeit entsteht das, was nun eine kompliziertere Empfindung ist: das Gefühl. Das ganze Gefühlsleben, das mehr Innerlichkeit hat als das bloße Empfindungsleben, ist eine Tätigkeit des inspirierenden Organes, das nur nach innen tätig ist statt nach außen. Und wenn der intuitive Sinn sich nach innen ergießt, dann entsteht das, was wir eigentlich jetzt das Denken nennen, das Gedankenbilden. Das ist der Erfolg der Tätigkeit des intuitiven Sinnes nach innen. Zuerst hat der Mensch eine Empfindung von der Sache, dann kommt das Gefühl, und zuletzt bildet er sich seine Gedanken darüber.

[ ] The inspirational sense also directs its activity inward, and this produces a more complicated sensation: feeling. The entire life of feeling is an activity of the inspirational organ streaming inward. When the intuitive sense pours inward, thinking proper arises, that is, thought forming. So the order of the processes is: We sense something, we have a feeling connected with it, and we form thoughts about it.

[ 14 ] Damit werden Sie gesehen haben,:daß wir aus dem Sinnesleben bereits hineingestiegen sind in das Seelenleben. Wir haben von außen, aus der Sinnenwelt heraus, im Menschen selber die Seele ergriffen in Empfindungen, in Gefühlen, in Gedanken. Wenn wir nun weitergehen würden und die höheren Sinne, die wir nun nicht mehr gut Sinne nennen können, die den andern Lotusblumen entsprechen, in ihrer Wirkung nach innen betrachten, so würden wir das gesamte höhere Seelenleben finden. Wenn zum Beispiel die im Organismus weiter unten gelegene achtblättrige oder die zehnblättrige Lotusblume ihre Tätigkeit nach innen ergießt, dann entsteht eine noch feinere Seelentätigkeit. Und am Ende dieser Reihe finden wir jene allerfeinste Seelentätigkeit, die wir nun nicht mehr mit dem bloßen Gedanken bezeichnen, sondern als den reinen Gedanken, den bloß logischen Gedanken. Das ist das, was hervorgebracht wird durch das Hineinwirken ins Innere des Menschen durch die verschiedenen Lotusblumentätigkeiten. Wenn nun dieses Hineinarbeiten wiederum aufhört, bloßes Hineinarbeiten zu sein und, wie ich angedeutet habe, anfängt hinauszuarbeiten, wenn also jene Fangarme, die sich sonst nach innen erstrecken, sich überall kreuzen und nach außen sich als Lotusblumen ergießen, dann kommt jene höhere Tätigkeit zustande, durch die wir von der Seele aufsteigen zum Geiste, wo dasjenige, was uns sonst bloß als Innenleben erscheint in Denken, Fühlen und Wollen, nunmehr in der Außenwelt auftritt, getragen von geistigen Wesenheiten.

[ ] Thus we have ascended from the life of the senses to the soul life. Starting from without, from the sense world, we have seized hold on the soul of man himself in its activities of sentience, feeling and thought. Were we to continue along this path, examining the still higher senses that correspond to the other lotus flowers—they can hardly be called senses any more—the entire higher life of the soul would be revealed to us in their interplay. When, for example, the eight- or ten-petal lotus flower directs its psychic activity inward, a still more delicate soul activity is engendered, and at the end of the scale we find the most subtle one of all which we call pure, logical thought. All this is produced by the working of the various lotus flowers into the inner man. Now, when this inward motion is transformed into an outer motion, when the astral tentacles stretch outward and criss-cross, directing, as so-called lotus flowers, their activity outward, then that higher activity comes into being through which we rise from the soul to the spirit, where what normally appears as our inner life (thinking, feeling and willing) now makes its appearance in the outer world, borne by spiritual beings.

[ 15 ] So haben Sie den Menschen sozusagen begriffen, indem Sie aufgestiegen sind von den Sinnen durch die Seele zu dem, was eigentlich nicht mehr im Menschen ist, sondern was als Geistiges von außen hereinwirkt und dem Menschen ebenso angehört wie der ganzen Natur und der ganzen übrigen Welt draußen. Wir sind aufgestiegen zum Geistigen.

[ ] We have arrived at an understanding of the human being by ascending from the senses by way of the soul to what is no longer in him, to spirit acting from without, which belongs equally to man and to surrounding nature, to the whole world. We have ascended to the spirit.

[ 16 ] Was ich Ihnen jetzt geschildert habe in diesen heute gegebenen Andeutungen und in den beiden letzten Vorträgen, das ist der eigentliche Mensch; das ist der Mensch, sozusagen als ein Werkzeug, die Welt wahrzunehmen, seelisch durchzuerleben und geistig zu erfassen. So ist erst der Mensch. Und das, was dieser Mensch ist, das formt sich eigentlich erst seinen Leib. Ich habe Ihnen nicht das geschildert, was der Mensch ist, wenn er fertig vor Ihnen steht. Ich habe Ihnen geschildert, was da im Menschen drinnen tätiges Spiel ist. Das aber, was da tätiges Spiel ist, was da alles zusammenwirkt — sinnlich, seelisch und wiederum geistig —, das formt sich den Menschen so, wie er vor uns steht auf dem Erdenrund.

[ ] As far as we have gone, I have described the human being as an instrument for perceiving the world, experiencing it with his soul and grasping it spiritually. I have not described something finished, but something that is active in man. The whole interplay of forces and activities of the senses, the soul, and the spirit is what shapes the human being as he stands before us on earth. How does this come about? We can give but brief intimations, but such as we find substantiated on all sides.

[ 17 ] Wie formt es sich den Menschen? Da werde ich Ihnen zunächst auch nur sozusagen Hinweise geben können, Hinweise, die Sie aber überall, wenn Sie auf die positiven Resultate der äußeren Beobachtung eingehen, werden bewahrheitet finden. Dasjenige, was da draußen vor uns steht, wenn wir mit den äußeren Sinnen den Menschen anschauen, das ist bloß eine optische Täuschung. Das ist gar nicht vorhanden. Das nimmt sich vor einer vollständigen Betrachtung ganz anders aus. Denken Sie doch einmal daran — um sich ein Bild zu machen —, daß Sie sich selbst gar nicht ganz sinnlich wahrnehmen können. Wenn Sie Ihr Auge schweifen lassen über sich selber, so sehen Sie nur einen Teil von sich selber, nur einen Teil Ihrer Oberfläche. Sie können niemals Ihr eigenes Hinterhaupt oder Ihren Rücken selbst wahrnehmen. Dennoch wissen Sie, daß Sie sie haben. Sie wissen es durch die übrigen Sinne, durch den Gleichgewichtssinn, durch den Bewegungssinn und so weiter. Sie wissen sozusagen durch ein inneres Bewußtsein, daß etwas an Ihnen ist, was Sie nicht äußerlich an sich selber wahrnehmen können. So ist sehr viel am Menschen, was er nicht wahrnehmen kann, was zum Beispiel erst erfaßt werden kann, wenn die gesamten von mir charakterisierten höheren Wahrnehmungsorgane entwickelt sind.

[ ] What we see before us in observing a human being merely with our senses really does not exist at all; it is only an optical illusion. Spiritual-scientific observation actually perceives something quite different. Remember that sensibly we cannot perceive ourselves completely. We see but a part of our surface, never our back or the back of our head, for example. But we know, nevertheless, that we have a back, and we know it by means of the various senses, such as the sense of equilibrium or of motion. An inner consciousness tells us of the parts we cannot perceive externally. Indeed, there is a great deal of us that we cannot perceive unless the appropriate organs are developed.

[ 18 ] Nun wollen wir zunächst einmal ins Auge fassen dasjenige Stück vom Menschen, das er — nehmen wir an durch sein Auge — sinnlich an sich selber wahrnehmen kann. Begrenzen Sie zunächst das Stück, das der Mensch an sich selber sehen kann. Was ist denn eigentlich dieses Stück, das der Mensch da an sich selber wahrnimmt? Fassen Sie nur die Worte genau. Wodurch soll der Mensch denn dieses Stück, das er an sich selber sehen kann, wahrnehmen? Alles was man wahrnimmt, nimmt man wahr im Grunde genommen durch die Empfindungsseele. Denn wenn man nicht durch die Empfindungsseele irgendeine Nachricht bekommt von dem, was vorgeht, so wird man zu keiner Auffassung über etwas kommen. Würde der bloße Empfindungsleib eine solche Nachricht bekommen, so würde er es nicht auffassen können. Er würde davorstehen ohne Verständnis. Daß der Mensch aber etwas wahrnehmen kann, das macht die Empfindungsseele, welche dasjenige, was da vorgeht, auffaßt. Und was ist es, was da gegenübersteht dieser Empfindungsseele? Was ist das Stück, was dann der Empfindungsseele gegenübersteht, wenn das Auge es wahrnimmt? Das ist nichts anderes als der Schein des Empfindungsleibes, die äußere Illusion des Empfindungsleibes. Allerdings müssen Sie nun den Begriff etwas erweitern. Sie können sich nicht nur dadurch wahrnehmen, daß Sie Ihr Auge auf die Oberfläche Ihres Körpers richten, sondern Sie können auch mit Ihren Fingern dahin reichen. Da nehmen Sie es auch durch den Empfindungsleib wahr. Der Empfindungsleib erstreckt sich überall da, wo der. Mensch wahrgenommen werden kann durch Berührung, durch Empfindung. Das ist jedoch nicht der Empfindungsleib, was der Mensch da wahrnimmt. Würden Sie den Empfindungsleib wirklich sehen, dann würden Sie sehen, daß da, wo Sie Ihr eigenes Scheinbild sehen, Ihren physischen Leib, ein Astralisches sich herandrängt und zurückgeschoben wird. Wenn etwas zurückgeschoben wird, dann staut es sich. So haben Sie vorne ein Zusammenwirken von Empfindungsleib und Empfindungsseele. Von hinten her kommt die Strömung der Empfindungsseele, so daß sie sich stößt an Ihrer Haut am Vorderleibe, und von vorne stößt sich das hinein, was Ihr Empfindungsleib ist. Wenn zwei Strömungen sich stauen, dann kommt die Stauung zum Vorschein. Da ist es gerade so, wie wenn zwei Ströme aufeinanderprallen: dann kommt dabei etwas zum Vorschein. Da sehen Sie den einen Strom, und Sie sehen den andern Strom. Jetzt aber denken Sie sich, Sie könnten den einen und den andern Strom nicht sehen, sondern Sie könnten nur dasjenige sehen, was an dieser Stelle durch das Durcheinanderwirbeln der zwei Ströme zum Vorschein kommt. Das ist das Stück an Ihrer äußeren Leiblichkeit, was Ihr Auge oder sonst irgendein äußerer Sinn an Ihnen selber wahrnehmen kann. Sie können geradezu an Ihrer Haut begrenzen, wo dieses Zusammentreffen von Empfindungsseele und Empfindungsleib stattfindet. Hieraus sehen Sie an einem Beispiel, wie dasjenige, was wir geistig betrachtet haben, wie diese verschiedenen Glieder des Menschen an dem Menschen selber formen. Wir sehen, wie die Seele am Leibe selber formt. Nun gehen wir weiter.

[ ] Let us further consider the portion of the human being that he himself can perceive sensibly—with the eye, for instance—and let us delimit it. Through what agency is he to perceive it? Actually, all that we can see of ourselves with our eyes we perceive through the sentient soul; the sentient body would not be able to perceive it. It is the sentient soul that really comprehends. The portion of the human being that he sees with his eyes, which the sentient soul confronts, is nothing but the image of the sentient body, the outer illusion of the sentient body. We must, of course, extend the concept a bit to cover those portions of the body we can touch though not see, but there, too, we have the image of the sentient body. Perception comes about through other activities of the sentient soul. The latter extends to every point at which outer perception occurs, and what it perceives there is not the sentient soul but the illusion of the sentient body. Could we perceive this, we would see that astrally something endeavors to approach but is pushed back. This image of the sentient body comes about as follows. From back to front there is co-operation of the sentient soul and the sentient body. When two currents meet, a damming up occurs, and thereby something is revealed. Imagine you see neither current, but only what results from the whirling together of the two. What shows as a result of this impact of the sentient soul thrusting outward and the sentient body pressing inward from without, is the portion of our external corporeality that the eye or other outer sense can perceive. We can actually determine the point on the skin where the meeting of the sentient soul and sentient body occurs. We see how the soul works at forming the body.

[ 19 ] Wir können sagen: An dem Menschen ist ein Zusammenwirken von hinten und vorn, so daß Empfindungsseele und Empfindungsleib zusammenstoßen. Geradeso gibt es ein Zusammenstoßen von Strömungen, die von rechts und von links kommen. Von links her kommt diejenige Strömung an den Menschen heran, welche seinem physischen Leib angehört, von rechts diejenige, welche seinem Ätherleibe angehört. Ätherleib und physischer Leib ergießen sich ineinander, schieben sich ineinander, und wo die beiden sich ineinanderschieben, wo physischer Leib und Ätherleib gemeinschaftlich wirken, da ist dasjenige, was da entsteht, der eigentliche sinnlich wahrnehmbare Mensch. Sozusagen ein Blendwerk entsteht vor dem Menschen. Von links kommt die Strömung des physischen Leibes, von rechts die Strömung des Ätherleibes; die beiden dringen ineinander und bilden in der Mitte das, was uns erscheint als der sinnlich wahrnehmbare physische Mensch.

[ ] We can put it this way. There is in the human being a cooperation of the current passing from back to front and the opposite one, resulting in an impact of sentient soul and sentient body. In addition to these two currents there are those that come from the right and from the left. From the left comes the one pertaining to the physical body; from the right, the one pertaining to the etheric body. These flow into each other and intermingle to a certain extent, and what comes into being at this point is the sensibly perceptible human being, his sensibly perceptible exterior. A perfect illusion is brought about. From the left comes the current of the physical body, from the right that of the etheric body, and these form what appears to us as the sensibly perceptible human being.

[ 20 ] Und weiter. Ebenso wie es Strömungen von links und rechts, von vorn und hinten gibt, so gibt es eine Strömung von oben und eine von unten. Von unten herauf ergießt sich nämlich die Hauptströmung des astralischen Leibes und von oben herunter die Hauptströmung des Ich. Haben wir den Empfindungsleib vorhin so charakterisiert, daß er sich vorne abgrenzt, so ist es in Wahrheit so, daß der astralische Leib in seiner Strömung von unten herauf strömt, daß dann aber diese Strömung ergriffen wird von einer Strömung, die von hinten nach vorne geht, und dadurch in einer gewissen Weise begrenzt wird. Aber es ist nicht allein eine Strömung von unten nach oben und von rückwärts nach vorne in diesem astralischen Leibe, sondern es ist auch eine wirkliche Strömung von vorne nach rückwärts, so daß der astralische Leib durch diese Stromrichtungen zustande kommt: von unten nach oben und von vorne und rückwärts. Im Menschen fließen wirklich alle diese Strömungen ineinander: eine von oben nach unten, eine von unten nach oben, eine von rückwärts nach vorn, eine von vorn nach rückwärts, eine von rechts nach links, eine andere von links nach rechts.

[ ] In like manner we have in us currents running upward and downward. From below upward streams the main current of the astral body, and downward from above the main current of the ego. The characterization given of the sentient body as being bounded in front should be understood as meaning that it operates in a current upward from below, but that it is then seized by the current running forward from the rear, so that in a certain sense it is thereby bounded. But the astral body contains not only the one current that runs upward from below as well as forward from the rear, but also the other one running backward from the front; so that the astral body courses in two currents, one upward from below and the other backward from the front. This gives us four intermingling currents in the human being.

AltName

Not translated

[ 21 ] Was kommt denn zustande durch das Aufeinanderströmen der von unten herauf und der von oben nach unten sich ergießenden Strömungen? Was da zustande kommt, das will ich Ihnen in der folgenden Weise klarmachen. Eine Strömung geht von oben nach unten. Sie kann sich nicht ungehindert ergießen, weil sie aufgehalten wird von der andern Strömung, welche von unten nach oben strömt. Ebenso ist es bei der Strömung, die von rechts nach links geht und so weiter. Jede wird aufgehalten, und das bietet in der Mitte das Scheinbild des physischen Leibes.

[ ] What is brought about by the two vertical currents? We have one current running upward from below, and if it could discharge unobstructed we would draw it thus as in the diagram, but this it cannot do. The same is true of the other currents. Each is held up, and in the center, where they act upon each other, they form the image of the physical body.

[ 22 ] Wenn wir die beiden Strömungen betrachten von rückwärts nach vorn und von vorn nach rückwärts, so müssen wir uns darüber klar sein, daß diese beiden Strömungen durchschnitten werden von den Strömungen von unten und von oben. Und durch dieses Durchschneiden entsteht in der Tat eine Dreigliederung im Menschen. So daß der untere Teil der einen Strömung zu bezeichnen ist als der Empfindungsleib im engeren Sinne. Dann entsteht durch die Stauung etwas, was demjenigen entspricht, was man nunmehr im engsten Sinne bezeichnen kann als die höchste Ausbildung des Empfindungsleibes, dort, wo sich die eigentlichen Sinne entwickeln, was Sie nicht mehr sehen können, weil die Augen selber dazugehören, was Sie nicht mehr riechen können, weil das Riechorgan selber dazugehört. Sie können nicht hineinsehen in das Innere des Auges, sondern Sie können nur herausschauen aus dem Auge.

[ ] Actually, it is due to the intersection and criss-crossing of the currents that the threefold organization of man comes into being. Thus the lower portion that we ourselves can see should be designated as the sentient body in the narrower sense. Higher up lies what in the narrower meaning we can call our senses. This portion we can no longer perceive ourselves, because it is the region where the senses themselves are located. You cannot look into your eyes but only out of them, into the world. Here the sentient soul, or its image, is active.

[ 23 ] Das ist die Ausgestaltung des gesamten Empfindungsleibes des Menschen. Warum aber habe ich Ihnen überhaupt zwei Glieder gezeichnet [siehe S. 62], wenn das alles Empfindungsleib ist? Das ist richtig aus dem Grunde, weil da unten hauptsächlich die Wirkung geschieht von außen, und da oben ist wiederum das physische Scheinbild dessen, was wir Empfindungsseele nennen. Im Antlitz zunächst haben Sie den Ausdruck der Empfindungsseele. Das Antlitz wird von der Empfindungsseele gebaut. Und da oben, das oberste Stück, das am wenigsten zurückgeschobene, das ist das, wo die Verstandesseele sich ihr Organ baut. Nun aber merken Sie, daß nicht nur diese Strömungen von unten und oben kommen, sondern daß auch Strömungen von rechts und von links kommen, so daß das Ganze wiederum durchschnitten wird. Wir haben da eine Strömung, die durch die Längsachse des Körpers verläuft. Diese Strömung bewirkt, daß wiederum eine Art von Spaltung da oben entsteht. Es wird ein Stück abgespaltet von der Form der Verstandesseele; und dieses abgespaltene Stück, ganz oben an der Grenze, das ist die Form der Bewußtseinsseele. Diese Bewußtseinsseele formt da oben bis ins Innerste des Menschen hinein, und sie formt da auch die Windungen des grauen Gehirns. Da haben Sie die Arbeit der Bewußtseinsseele an dem Menschen. Wenn Sie den Menschen so als eine geistige Wesenheit kennen, dann können Sie rundweg das, was im Menschen als Form ist, aus dieser geistigen Wesenheit heraus begreifen. So arbeitet der Geist an der Form des menschlichen Leibes. Alle einzelnen Organe werden aus dem Geistigen sozusagen plastisch herausgemeißelt. Der Mensch kann den Bau des Gehirnes erst dann begreifen, wenn er weiß, wie die einzelnen Strömungen im Gehirn durcheinander wirbeln.

[ ] The face is formed by the sentient soul. But the two currents must be properly differentiated. The lower currents, streaming from all sides, are held down from above, and this lower part we can designate the sentient body. Below, the impulses proceed largely from without; while above, it is principally the sentient soul that makes itself felt. From above there streams the ego, and at the point where this current is strongest, where it is least pushed back by the other currents, the intellectual soul forms its organ. Now, in addition to this ego current we have one from left to right and one from right to left. Again the whole activity is intersected. There is further a current running through the longitudinal axis of the body, effecting a sort of split up above. At the upper boundary a portion of the intellectual soul is split off, and this is the form of the consciousness soul. There the consciousness soul is active, extending its formative work into the innermost man. Among other things, it forms the convolutions in the grey matter of the brain. The nature of this spiritual being helps us to understand what exists in man as form. That is the way in which the spirit works on the form of the human body. It evokes all the organs plastically, as the artist chisels a figure out of stone. The structure of the brain can be comprehended only with the knowledge of how these separate currents interact in man; what we then see is the joint activity of the various principles of the human being.

AltName

Not translated

[ 24 ] Nun wollen wir einmal auf eine Einzelheit eingehen, damit Sie sehen, wie diese Dinge einmal fruchtbar wirken können, wenn sie Gemeingut einer wahren Wissenschaft werden, anstelle der heutigen, äußeren Wissenschaft. Wir haben jetzt gesehen: Da oben entstehen durch die verschiedenen Strömungen die äußeren Organe für die Bewußtseinsseele, Verstandesseele, Empfindungsseele zum Beispiel. Zu zeigen, wie dann diese Organe im Innern sich fortsetzen, würde sehr weitläufige Erklärungen erfordern. Wir wollen aber eine andere Frage aufwerfen. Wir haben gesagt, daß das Ich von oben nach unten wirkt, und daß die Hauptmasse des astralischen Leibes von unten nach oben geht, so daß die Hauptmasse des astralischen Leibes und das Ich sich in einer Strömung berühren. Dadurch kommt eine Wechselwirkung zustande zwischen Ich und astralischem Leib, so daß sie sich ineinander stauen. Da, wo das Ich eine bewußte Tätigkeit ausführen soll, da muß etwas zustande kommen können, was durch die Empfindungsseele, was durch die Verstandesseele und was durch die Bewußtseinsseele entsteht. So etwas, was zum Beispiel durch die Verstandesseele zustande kommt, ist ein menschliches Urteil. Wo muß denn also ein menschliches Urteil lokalisiert sein? Natürlich muß es im Kopfe lokalisiert sein, weil dort die betreffenden lebendigen Kräfte und Wesensglieder des Menschen ihren Ausdruck gefunden haben. Nehmen wir jedoch als ein besonderes Beispiel an, es sollte im Menschen ein solches Organ zustande kommen, an dem die Verstandesseele keinen Anteil hat, in dem nicht geurteilt wird, sondern an dem nur Anteil haben sollen der physische Leib, der Ätherleib, das Ich und der astralische Leib als Träger von Lust und Leid, Freude und Schmerz und so weiter. Nehmen wir an, diese vier Glieder der menschlichen Wesenheit, der astralische Leib, das Ich — ohne jene feinere Tätigkeit des Urteilens und des Bewußtseins —, der physische Leib und der Ätherleib sollten zusammenwirken. Wie müßte sich dann ein Organ ausnehmen, worinnen diese vier Strömungen zusammenwirken? Ein solches Organ würde so sein, daß es nicht urteilen ließe, daß es sogleich folgen lassen würde auf den Eindruck des astralischen Leibes die Gegenwirkung. Physischer Leib und Ätherleib müssen zusammenwirken, denn sonst könnte dieses Organ nicht da sein. Astralischer Leib und Ich müssen zusammenwirken, sonst könnte dieses Organ nicht Gefühle haben, und es könnte auch nicht auf einen Eindruck hin irgendeine Sympathie oder Antipathie äußern. Wir wollen uns zusammenwirkend denken physischen Leib und Ätherleib, und wir wollen uns denken, daß es ein physisches Organ ist, und daß es natürlich einen entsprechenden Ätherleib haben muß, weil ja jedes physische Organ von einem Ätherleib aufgebaut werden muß. In diesem Falle müßte zusammenwirken eine Strömung von rechts des Ätherleibes dieses Organs, und eine Strömung von links, diejenige des physischen Leibes dieses Organs. Die würden sich in der Mitte stauen, würden sich nicht übereinanderschieben können und würden daher eine Verdickung hervorrufen. Dann würde es die beiden andern Strömungen geben, die des astralischen Leibes von unten und die des Ich von oben; die würden eine andere Stauung hervorrufen. Nun wollen wir uns einmal schematisch dieses Zusammenwirken der Strömungen in einem einzelnen Organ denken. Ich will nur schematisch die Sache zeichnen; die einzelnen Formen eines solchen Organes würden aus ganz andern Voraussetzungen folgen. Ich will sagen: Es gäbe ein Organ, irgendwie geformt; da gäbe es die eine Strömung, die den physischen Körper repräsentiert, und die andere Strömung, welche den ätherischen Leib repräsentiert. Die rufen in der Mitte eine Verdikkung hervor. Die beiden andern Strömungen von oben und von unten stauen sich ebenfalls und rufen auch ihrerseits eine Verdickung hervor. Da haben Sie das menschliche Herz gezeichnet: rechte Vorkammer, rechte Herzkammer, linke Vorkammer, linke Herzkammer. Wenn Sie sich alles, was das menschliche Herz kann, genau vergegenwärtigen, so werden Sie sich sagen müssen: Gerade so muß das menschliche Herz aus dem Geiste heraus gebaut sein! — So baut sich der menschliche Geist dieses Herz. Es kann gar nicht anders sein.

[ ] Now we must go into a few details in order to show how these facts can be fruitful when they will have become the common property of a true science. We have learned that up above there came into being the organs of the consciousness soul, the intellectual soul, and the sentient soul. The ego acts downward from above; the main portion of the astral body, upward from below. In their mutual damming up, a reciprocal action takes place that extends along the whole line, so to speak; it forms the longitudinal axis of the body, and the effect of this will be a different one at every point of the line. When the ego, for instance, is called upon to perform a conscious act, this can only be done at the point where the sentient soul, the intellectual soul, and the consciousness soul have developed their organs. Through the intellectual soul, for example, reasoning comes about, and a judgment must be localized in the head because it is there that the appropriate human forces find expression. Now let us assume that such an organ is to come into being, but one in which no reasoning takes place, in which the intellectual soul has no part, an organ independent of the work of sentient, intellectual and consciousness souls, in which only the physical, etheric and astral bodies and the ego have a part—an organ in which an impression received from the astral body is immediately followed by the reaction of the ego, without reasoning. Suppose that these four members of the human being—astral body and ego, etheric body and physical body—are to cooperate without any delicate activity such as reasoning or the like. What would be the nature of an organ in which these four currents work together? It would have to be an organ that would not reason. The reaction of the ego would follow directly, without reasoning, upon the impression received by the organ in question from the astral body. That would mean that the ego and the astral body act together. From the astral body a stimulus proceeds to the ego, the ego reacts upon the astral body. If this is to be a physical organ it must be built up by the etheric body. From the left would come the current of the physical body, from the right, that of the etheric body. They would be dammed up in the middle and a condensation would result. In addition, the currents of the ego and the astral body, from above and below respectively, would undergo the same process. If we draw a diagram of such a structure, where in one organ the currents of the physical and etheric bodies are dammed up against those of the ego and astral body, the result is nothing less than the diagram of the human heart with its four chambers: That is the way the human heart came into being. When we consider all that the human heart achieves—the co-operation of the physical, etheric and astral bodies and the ego—it will be borne in upon us that the spirit had to build the human heart in this way.

AltName

[ 25 ] Wollen wir ein anderes Beispiel nehmen. Wir haben gestern etwas Merkwürdiges gesagt. Wir haben gesagt, daß bei der Sehtätigkeit im Grunde genommen eine unterbewußte Denktätigkeit vorhanden ist. Denktätigkeit, wenn sie bewußt wird, kommt ja nur im Gehirn zustande. Nun wollen wir uns vergegenwärtigen, wie das Gehirn gebaut ist, damit eine bewußte Denktätigkeit zustande kommt.

[ ] Here is another example. We have learned that in visual activity there is really a subconscious thought activity present. Conscious thought activity comes about only in the brain.

[ 26 ] Wir haben jetzt nicht Zeit dazu, um die einzelnen Formen des Gehirns herauszumeißeln. Wir könnten bei jedem einzelnen Organ zeigen, daß es so sein muß, wie es ist. Wir wollen das Schema des Gehirns, soweit wir es brauchen, von vornherein voraussetzen. Wir wollen sagen: In dem Gehirn haben wir gegeben — um von allem andern abzusehen — die äußere Haut, dann eine Art von Gefäßhaut; dann da drinnen, zwischen der Gefäßhaut und der netzförmigen Haut, haben wir so etwas wie die Rückenmarkstlüssigkeit.1Was im folgenden an der Tafel demonstriert wurde, ist in den Nachschriften nur ungenügend festgehalten. Von dort geht es dann in das Rückenmark hinein. Das Innere des Gehirns ist ausgefüllt mit der eigentlichen Gehirnmasse, mit Nervenmasse. Nervenmasse ist die äußere Form für die Denktätigkeit, so daß also, wenn durch irgendein Sinnesorgan ein Eindruck der Nervenmasse überliefert wird, das zustande kommt, was bewußte denkerische Verarbeitung dieses Eindruckes von außen ist. Das alles ist der Nervenmasse übertragen. Wenn der Eindruck kommt, wird er zuerst denkerisch verarbeitet, und nachdem er denkerisch verarbeitet ist, wird er von einem Nervensystem weiterverarbeitet zur Empfindung und so weiter.

[ ] Well, how must the brain be built in order to make conscious thought activity possible? In the brain we have the outer membrane, then a sort of blood vessel membrane, then the spinal cord fluid, and finally the brain proper. The latter is filled with nerve substance, and when sense impressions are communicated to this nerve substance through the senses, conscious thought activity arises. The nerve substance is the outer expression of conscious thought activity.

[ 27 ] Nehmen Sie nun einmal an, es soll keine bewußte denkerische Verarbeitung eines Eindruckes von außen geschehen. Da müßten Sie das zunächst in ähnlicher Weise machen. Es müßte also wiederum eine Art von, sagen wir, Umhüllung da sein; es müßte wiederum da sein an der Rückwand das, was man nennen könnte Gefäßhaut. Aus einem bestimmten Grunde — der auch ausgeführt werden könnte, was aber jetzt zu weit führen würde — würde die Rückenmarksflüssigkeit verkümmern. Damit es nun geschehen kann, daß eine unterbewußte Denktätigkeit möglich wird, müssen wir die Gehirnmasse zurückschieben: dadurch wird vorne Platz, so daß eine unterbewußte, von keinem Nervensystem durchgearbeitete Denktätigkeit zustande kommt. Da muß etwas geschehen mit dem, was sonst gleich von der Nervenmasse in Empfang genommen wird. Dafür aber muß die Nervenmasse zurückgeschoben werden. Würde die Nervenmasse nicht zurückgeschoben werden, so würde hier gedacht werden. Wird sie zurückgeschoben, so kann hier nicht gedacht werden, kann auch nicht empfunden werden. Sie haben ein Organ, das einer unterbewußten Denktätigkeit dienen soll, dann, wenn Sie alles, was Nervensystem ist, zurückschieben bis an die hintere Wand, und den Eindruck, statt ihn gleich von einer Nervenmasse verarbeiten zu lassen, von etwas verarbeiten lassen, was von keinem Nervensystem durchzogen ist. — Nun sehen Sie sich an, was wir gemacht haben: wir haben aus dem Gehirn ein Auge gemacht.

[ ] When an organ is to be created in which not a conscious but a subconscious reaction to an external impression is to take place, it would have to be built in a similar way. Again there must be a sheath and something like a blood vessel membrane against the back. The spinal cord fluid must dry up and the whole brain mass be pushed back to make room for a subconscious thought activity undisturbed by a nervous system. Were the nerve substance not pushed back, thinking would take place there; when it is pushed back, no thinking can take place. Thus an external impression is first digested by subconscious thinking on the part of those portions not interlaced by the nervous system, and only later does it penetrate to the instrumentality of sentience, feeling and conscious thought.

[ 28 ] Was ist das Auge? Das Auge ist ein kleines Gehirn, das von unserem Geiste so bearbeitet ist, daß der eigentliche Nervenapparat zurückgeschoben ist an die hintere Wand, wo sie zur Netzhaut des Auges geworden ist. So arbeiten die Baumeister der Natur, die Bildner der Formen. So formen sie. Im Grunde genommen herrscht ein Bauplan in allen menschlichen Organen, der nur im einzelnen, je nach Bedarf, abgeändert wird. Wenn ich wochenlang sprechen könnte, würde ich Ihnen zeigen, wie jedes Sinnesorgan nichts anderes ist als ein abgeändertes kleines Gehirn, und das Gehirn wiederum ein Sinnesorgan auf einer höheren Stufe. Aus dem Geiste heraus ist der ganze menschliche Organismus aufgebaut.

[ ] The result of this pushing back of the brain, so to speak, to the rear wall is that the brain has become an eye. The eye is a small brain so worked over by our spirit that the nerve substance proper is pushed back to the rear wall of the eye and becomes the retina. That is the way nature's architects work. A single plan governs in building really all of the sense organs; it is merely modified in the case of each organ as occasion demands. At bottom, all sense organs are small brains formed in different ways, and the brain is a sense organ of a higher order.

[ 29 ] Betrachten wir nun noch eine andere Einzelheit. Vorerst aber gestatten Sie mir eine Art erkenntnistheoretischer Vorbemerkung, um an dieser Vorbemerkung wiederum den Standpunkt der Anthroposophie klarzumachen.

[ ] There is one more detail to be studied, but first we will interpolate a few elucidating remarks in the nature of theoretical cognition, which in turn will clarify the standpoint of anthroposophy.

[ 30 ] Wir haben gesagt, daß unten in den Einzelheiten des Sinnenlebens die Anthropologie ihren Standpunkt hat, daß die Theosophie oben auf dem Bergesgipfel und daß die Anthroposophie in der Mitte ihren Standpunkt hat. Wenn Sie sich nun an den Unterschied klammern wollen, der darinnen besteht, wie sich der Mensch einerseits verhält zur äußeren Sinneswelt und andererseits zu der geistigen Welt und den Tatsachen, die aus der Geistesforschung heraus mitgeteilt werden, so können $ie sagen: Von dem Dasein der Sinnenwelt und ihren Gesetzen kann sich jeder überzeugen, der Sinne hat und der seinen Verstand, der an die Sinnenwelt gebunden ist, anwendet. Daher glauben die Menschen auch im allgemeinen leichter an dasjenige, was ähnlich ist dem, was sie in der Sinnenwelt wahrnehmen, als an das, was aus der Geistesforschung heraus mitgeteilt wird. Denn das schauen sie leichter. Man könnte aber sehr leicht zeigen, daß formal kein Unterschied besteht zwischen dem Glauben, den Sie entgegenbringen den Tatsachen, die Ihnen der Geistesforscher mitteilt, und dem Glauben daran, daß man Ihnen sagt, es hat einen Friedrich den Großen gegeben. Zu glauben, daß es Geister des Willens gibt und daß es einen Friedrich den Großen gegeben hat, dazwischen ist formal kein Unterschied. Der Unterschied ist nur der, daß aus dem, was in den Archiven vorhanden ist, erzählt wird: Das sind die Taten Friedrichs des Großen, die äußerlich geschehen sind! — Und wenn Ihnen jemand aus den äußeren Tatsachen heraus den ganzen Gang der geschichtlichen Geschehnisse aufbaut bis rückwärts, wo Friedrich der Große gelebt hat, so glauben Sie ihm aus dem Grunde, weil damals nicht eine Wesenheit gelebt hat, die anders ausgeschaut hat als ein Mensch. Aus dem Grunde glaubt es der Mensch, der nicht an geistige Welten glauben will, weil ihm hier etwas Ähnlicheserzählt wird, wie dasjenige ist, was er selber in seiner Umgebung hat. Der Geistesforscher ist ja zunächst nicht in der Lage, aus seiner Forschung heraus über solche Dinge zu reden, die ähnlich schauen den Wesenheiten und Dingen, die für den gewöhnlichen Menschen in seiner Umgebung sind. Daß trotzdem zwischen den beiden Arten kein Unterschied ist, und trotzdem dies absolut begründet ist, so ist das, was ich Jetzt gesagt habe, dennoch in einer gewissen Weise zu berücksichtigen. Nun kommt aber noch etwas anderes.

[ ] We have said that the standpoint of anthropology lies below, among the details of the sense life, that theosophy stands upon the summit, and anthroposophy half-way between the two. In a general way, anyone can become convinced of the existence of the sense world by means of his senses, and with his mind understand the laws governing there. For this reason most people believe unhesitatingly anything resembling their sense experiences, which can be checked. It could easily be demonstrated that formally there is no difference whatever between the spiritual scientist's statements concerning the existence of spiritual worlds and the belief that there was such a person as Frederick the Great. Formally there is no difference between the belief that there are Spirits of Will and the belief that there was a Frederick the Great. When someone constructs for you the life of Frederick the Great from external data, you believe that there was a person with the attributes set forth. The human being gives credence to what is told him, provided it resembles what he finds in his own environment. The spiritual investigator is not in a position to deal with such things, but it is none the less true that there is no difference in the attitude assumed toward such communications. We have described the standpoints of anthropology and of theosophy. Ours is between the two. A feeling of confidence and faith in theosophy's message is fully justified by our sense of truth; there is such a thing as well-founded acceptance of theosophic truths.

[ 31 ] Wir haben charakterisiert den Gesichtspunkt dessen, der zum Beispiel unten auf dem Standpunkt der Anthropologie steht, und den Gesichtspunkt dessen, der auf dem Standpunkt der Theosophie steht. Es ist vollbegründet — das hat Ihnen ja Dr. Unger bewiesen —, Vertrauen und Glauben in begründeter Weise zu haben zu dem, was aus der Geisteswissenschaft vorgebracht wird. Das ist durchaus eine voll begründete Art der Anerkennung geisteswissenschaftlicher Wahrheiten. Nun fragt es sich aber: Gibt es vielleicht nicht noch ein Drittes? — Gibt es nur diese zwei Dinge: etwas anzuerkennen, weil es ähnlich schaut dem, was man gewohnt ist zu sehen in der Sinnenwelt, oder bloß anzuerkennen das Geistige daraufhin, daß man es als eine Mitteilung empfängt aus den höheren Welten? Gibt es nicht doch noch ein Drittes? Mit andern Worten, kann der Mensch vernünftigerweise nur unterscheiden: Hier gibt es ein sinnlich Wahrnehmbares; ich glaube es, weil ich es sinnlich sehe. Dann gibt es ein geistig Wahrnehmbares; ich glaube es, weil der Geistesforscher es sieht. — Gibt es dazwischen nicht noch etwas?

[ ] Coming to the third possibility, the standpoint lying between the other two, we find that from this vantage point we can distinguish intelligently that there is a sense perception; I believe because I can see it. There is a spiritual perception; I believe because the spiritual scientist tells me it is there. But there is a third possibility. Here is a hammer; my hand grasps it, picks it up, and raises it from the horizontal to the vertical position. We then say that it was moved and raised by my will. That will not strike anybody as remarkable, for we see the underlying will embodied in the man that raises the hammer. But supposing the hammer were to raise itself up, without being touched by a visibly incorporated will. In that case it would be foolish to imagine such a hammer to be the same as other hammers. We would have to conclude that something invisible was at work in the hammer. What conclusion would we draw from this embodiment of a will or other spiritual force? When I see something in this world acting as it could not act according to our knowledge of the laws of outer form, I am forced to conclude that in this case I do not see the spirit in the hammer, but it is reasonable to believe in it; in fact, I should be a perfect fool not to believe in spiritual activity.

[ 32 ] Ich will Ihnen an einem Beispiel klarmachen, daß es doch noch etwas Drittes gibt. Denken Sie, hier liege ein Hammer. Meine Hand ergreift ihn und stellt ihn vertikal auf. Jetzt hat der Hammer eine Bewegung ausgeführt. Sie werden diese Bewegung darauf zurückführen, daß ein Wille da war, der den Hammer aufgerichtet hat. Das ist weiter nicht wunderbar, denn Sie sehen den dahinterstehenden Willen im Menschen verkörpert. Wenn Sie sehen, daß ein Mensch einen Hammer aufhebt, so werden Sie das nicht als etwas Besonderes betrachten, Aber nehmen Sie an, derselbe Hammer würde, ohne daß ein sichtbares Wesen ihn anrührt, selber sich vertikal aufrichten. Was würden Sie jetzt dazu sagen? Jetzt werden Sie sagen: Ich wäre sehr töricht, wenn ich glauben würde, daß dasjenige, was sich da aufgerichtet hat, ein Hammer wäre wie ein jeder andere Hammer, der nur aufgerichtet werden kann durch einen Menschen. — Was werden Sie jetzt sich sagen müssen? Sie werden sich jetzt sagen: Es ist doch selbstverständlich, daß das kein gewöhnlicher Hammer ist, sondern daß in diesem Hammer etwas unsichtbar darinnen ist, etwas, was ein Wille ist. — Wenn Sie sehen, daß der Hammer sich aufrichtet, können Sie ihn als keinen gewöhnlichen Hammer mehr nehmen, sondern Sie müssen ihn als etwas nehmen, was die Verkörperung eines andern Willens, eines andern Geistigen ist. Und Sie werden sich sagen: Sehe ich, daß ein Ding etwas tut, was es sonst nach den Eigenschaften, wie ich es als äußeres Ding kenne, nicht tun kann nach der Kenntnis der gewöhnlichen äußeren Sinnenbeobachtung, so muß ich sagen, zwar sehe ich nicht den Geist in dem Hammer, der sich aufgerichtet hat; aber in diesem Falle darf ich nicht bloß an den Geist glauben, sondern in diesem Falle wäre ich ein großer Tor, wenn ich nicht an den Geist im Hammer glauben würde.

[ ] Suppose you are walking with a clairvoyant and encounter a human form lying motionless by the way. With the ordinary senses it might be impossible to determine whether it was a living being or a cardboard dummy, but the clairvoyant would know. He would see the etheric and astral bodies and could say that that is a living being. You would be justified in believing him, even though you could not perceive the etheric and astral bodies yourself. But now the figure stands up, and you see that the spiritual scientist was right. That is the third possibility. Now I will tell you a case that you can observe and verify in ordinary life—close at hand in one sense, though not in another. We have considered the various currents in the human being and found them to run as follows:

[ 33 ] Wenn Sie keine genaue Beobachtungsgabe haben, und Sie würden mit jemandem gehen, der hellsichtig ist, so könnte da jemand liegen, ein Mensch, der sich nicht rührt. Sie mit Ihrer ungenauen Beobachtungsgabe könnten gar nicht unterscheiden, ob das ein wirklicher Mensch ist oder ein Mensch aus Papiermache. Der andere aber sagt Ihnen: Das ist ein wirklicher Mensch; er hat einen astralischen Leib! — Da müssen Sie es glauben. Aber ein Drittes gibt es auch noch, und das wäre, daß derjenige, der da liegt, plötzlich aufstände. Dann werden Sie nicht mehr daran zweifeln, daß der hellsichtige Mensch vorher recht gehabt hat und daß da ein Geist und eine Seele drinnen ist, wenn der Betreffende aufgestanden ist. Das ist das Dritte.

From left to right, the currents of the physical body.
From right to left, those of the etheric body.
From the front backward, those of the sentient body.
From the rear forward, those of the sentient soul.
From above downward, those of the ego.
From below upward, those of the astral body.

[ 34 ] Nun will ich Ihnen einen Fall zeigen, wo Sie im Leben das beobachten können, allerdings nicht in nächster Nähe, und doch wiederum in nächster Nähe. Wir haben gesagt: Von links nach rechts im Menschen wirkt die Strömung des physischen Leibes, von rechts nach links die Strömung des Ätherleibes, von vorn nach rückwärts die Strömung des Empfindungsleibes, von rückwärts nach vorne die Strömung der Empfindungsseele. Von unten nach oben und von oben nach unten wirken astralischer Leib und Ich einander entgegen. Diese Strömungen fließen also alle durcheinander. Das Ich, sagten wir, wirkt im Menschen von oben nach unten. Wie muß das äußere Organ daher liegen, damit es der Mensch als einen Apparat des Ich haben kann? Das äußere Organ für das Ich, das wissen Sie ja, ist das zirkulierende Blut. Das Ich könnte nicht wirken von oben nach unten, wenn es nicht im physischen Leibe sein Organ fände, das von oben nach unten in der vertikalen Richtung den menschlichen Leib durchzöge. Wo kann kein Ich sein, wie es der Mensch hat? Da, wo die Hauptblutrichtung nicht von oben nach unten geht, sondern wo sie horizontal liegt. Das ist in der Tierwelt der Fall. Das Gruppen-Ich der Tiere findet kein Organ, weil die Hauptblutlinie horizontal ist. Das ist der Unterschied, daß die Hauptblutlinie sich beim Menschen aufrichten mußte, damit in diese Hauptblutlinie das Ich des Menschen hineinkommen konnte. Da haben wir also die Tiere, bei denen das Ich das Blut nicht erfassen kann als sein Organ, weil die Hauptlinie des Blutes horizontal gerichtet ist, und da haben wir die Menschen, bei denen das Ich das Blut erfassen kann als sein Organ, weil die Hauptlinie dieses Blutes sich vertikal aufgerichtet hat. Nehmen wir nun einmal diejenige Anschauung, welche eine Verwandtschaft des Tieres mit dem Menschen aus bloß äußeren Gründen annimmt. Da müssen Sie sich sagen: Da sind tierische Formen; die sind erhalten aus früheren Zeiten. Jetzt aber mußte sich einmal die ganze Blutrichtungslinie aus der Horizontalen in die Vertikale aufrichten, damit der Mensch daraus werden konnte. — Hier haben Sie den geschichtlichen Fall: Sie haben etwas, was horizontal liegt. Das kann sich aber selbstverständlich aus den Eigenschaften, die Sie beobachten können an dem tierischen Blutcharakter, ebensowenig selber aufrichten, wie der Hammer sich selber aufrichten könnte, wenn er nicht von einem Geiste durchseelt wäre. Ebenso wie es töricht wäre zu leugnen, daß in dem, was sich selber aufrichtet, ein Geist ist, ebenso töricht wäre es zu denken, daß sich die horizontale Blutlinie des Tieres von selber aufrichtet zur vertikalen Blutlinie des Menschen. Nur wenn darinnen ein Geist ist, wenn ein Wille sie durchströmt, kann sie sich aufrichten von der Horizontalen in die Vertikale, kann die tierische Gruppenseele übergehen in die individuelle Menschenseele. Und wer sich nicht eingesteht auf der einen Seite: Ich wäre ein Tor, wenn ich glauben wollte, daß der Hammer, der sich selber aufrichtete, nichts anderes wäre wie ein gewöhnlicher Hammer —, der wäre ein ebenso großer Tor, wenn er annehmen wollte: Ich denke, daß das, was im Blute ist, sich von selber vertikal aufstellt.

[ ] The ego, then, acts downward from above; so how would its physical organ have to lie? The physical organ of the ego is the circulating blood; and the ego could not function downward from above without an organ running in the same direction in the human body. Where the main direction of the blood-stream is horizontal, not vertical, there can be no ego, as in men. The main direction of the blood-stream had to raise itself in man to the vertical in order to enable the ego to lay hold on the blood. No ego can intervene where the main blood-stream runs horizontally instead of vertically. The group ego of animals can find no organ in them, because the main blood-line runs horizontally. Through the erection of this line to the vertical in man, the group ego became an individual ego. This difference between men and the animals shows how erroneous it is to set up a relationship inferred from purely external phenomena. That act of rising from the horizontal to the vertical is an historic incident, but it could no more have taken place without an underlying will, without the co-operation of spirit, than the raising of the hammer could have done. Only when a will, a spiritual force, courses through the blood can the horizontal line pass over into the vertical, can the upright position come about and the group soul rise to become the individual soul. It would be illogical to recognize the spiritual force in one case, that of the hammer, and not in the other, in man.

[ 35 ] Hier haben Sie die dritte Art, wie Sie sich alle geisteswissenschaftlichen Wahrheiten bewahrheiten können, indem es Ihnen einleuchtet, daß Dinge geschehen, bei denen anzunehmen, daß nur dasjenige daran beteiligt ist, was man mit äußeren Sinnen sieht, eine Torheit, ein Unding ist. Und je weiter man in die Dinge eindringt, desto mehr zeigt es sich, daß diese mittlere Art der Überzeugung für alles möglich ist, diese mittlere Art, die darin besteht, daß das gewöhnliche Denken befruchtet wird von der Geisteswissenschaft. Denn Sie müssen doch zugeben können, daß ein menschliches Herz nicht so gezeigt werden kann, wie wir es taten, ohne die vorherige geistige Forschung. Angeregt werden muß die Forschung von der Geisteswissenschaft. Dann aber, wenn die Resultate der Geisteswissenschaft gegeben sind, und wir betrachten dann die äußeren Erscheinungen, dann werden wir sehen, daß an diesen äußeren Erscheinungen etwas vorgeht, was unmöglich vorgehen könnte, wenn nicht die Dinge vorausgesetzt würden, die uns von der Geisteswissenschaft gesagt werden können. So gibt es eine Methode, die Dinge unbefangen zu beobachten, wenn Sie zum Beispiel sehen, wie die Blutlinie im Tier horizontal, im Menschen vertikal ist, und sich dann fragen: Was muß im Blute vorhanden sein, damit sich die ganze Hauptblutlinie aufrichten kann? und dann die Antwort aus der Geistesforschung erhalten: Im Blute herrschen geistige Wesenheiten! so daß Sie sich dann sagen: Zeigt mir das Blut nicht ebenso die Anwesenheit einer geistigen Wesenheit, so wie ein Hammer, der sich selber aufstellen würde, mir die Anwesenheit einer geistigen Wesenheit zeigen würde? Hier haben Sie den mittleren Standpunkt der Anthroposophie, der die Tatsachen unten beobachtet, die Tatsachen der geistigen Welt beobachtet, beide miteinander vergleicht — und dadurch dasjenige vollständig erklärt, was äußerlich in der Welt vorhanden ist.

[ ] That is the third possibility, a middle way of conviction, as it were, through which we can verify all theosophic truths. The deeper we penetrate into these matters, the clearer it becomes that this middle path to conviction is universally applicable—this middle way that fructifies ordinary experience through spiritual science. External research will be stimulated by spiritual science. Comparing the results of genuine spiritual-scientific research with outer phenomena, we are forced to the conclusion that all external processes are really comprehensible only if we take into account, without prejudice, the experiences of spiritual science. Thus to observe the world without prejudice, that is the standpoint of anthroposophy. It receives fruitful impulses from above, from theosophy, and from below, from anthropology; it observes the facts of the spiritual world and the things of this world, and explains the latter by means of the former. The building of each of our organs can be explained through spiritual activity, just as we described the transformation of the brain into an eye, and the build of the heart.

[ 36 ] So haben wir jetzt an einzelnen Beispielen, wie an der Umwandlung des Gehirns in das Auge und an der inneren schematischen Kontraktion des menschlichen Herzens, gezeigt, wie jedes Organ in seinen Formen begriffen werden kann. So könnten wir die einzelnen Formen jedes Organs konstruieren aus dem Geiste heraus. Überall würde sich Ihnen zeigen, wie der Geist am Menschen arbeitet, um die Organe und die Formen des Körpers zustandezubringen. Nur im Prinzip sollte das angedeutet werden. Aber Sie sollten durch solche Dinge, wie sie heute angedeutet sind, ein Gefühl davon erhalten, daß es doch vieles in der Welt gibt, wovon sich Gelehrtenweisheit gar nichts träumen läßt, weil sie nicht eingehen will auf die Sachen. Wenn Sie dieses Gefühl davontragen, so werden Sie sehen, daß es eine Möglichkeit gibt für den Menschen, die Welt unbefangen zu betrachten, wo das Ineinanderweben dessen, was der Geistesforscher aus der geistigen Welt heraus mitteilt, mit den irdischen Dingen, zwar nicht jeder gleich sehen kann, wo man sich aber doch sagt: Es ist ein Unding, für gewisse Erscheinungen nicht jene Tatsachen anzunehmen, welche der Geistesforscher erzählt.

[ ] Not translated

[ 37 ] Wenn dieses Gefühl besteht, dann ist schon genügend gewonnen durch diese anthroposophischen Vorträge; denn wir können nur langsam und allmählich aufsteigen in der geistigen Forschung.

[ ] By showing how spiritual facts and earthly things are interwoven, how spiritual truths are verified in outer phenomena, anthroposophy leads to the conviction that it is senseless not to acknowledge the higher truths that spiritual science is in a position to bring us.