The Gospel of John
and the Three Other Gospels
GA 117a
14 January 1910, Stockholm
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The Gospel of John and the Three Other Gospels, tr. SOL
Zehnter Vortrag
Tenth Lecture
[ 1 ] Durch das Ereignis in Palästina sollte also das Einweihungsdrama, das sich früher in den Mysterientempeln abgespielt hatte, der großen Weltenszene einverleibt werden. Alles, was in den Mysterien dargestellt wurde, sollte durch Jesu Leben und Wirken eine historische Wirklichkeit werden. Jetzt sollten in ihm die zwei verschiedenen Einweihungen, die südliche und die nördliche, vereinigt werden. Die ägyptische oder die südliche Einweihung bestand aus dem Herabsteigen des Schülers in seine eigene Seele. In dessen letztem Akt wurde der Schüler in einen kataleptischen Schlaf versetzt, aus welchem er von dem Hierophanten geweckt wurde. In der nördlichen Initiation wiederum, die bis zur Zarathustra-Einweihung zurückgeht, sollte der Schüler sein Inneres zum Schweigen bringen, um sich selbst gewissermaßen zu verlieren und in dem Geheimnis des Kosmos aufzugehen. [Das, was drinnen ist, sollte er zum Schweigen bringen, wie der andere das, was draußen ist.] Er sollte die Kräfte in sich lebend fühlen, die ihn mit dem ganzen Kosmos verbinden und sich bis in die Elemente ausdehnen, in der Luft, dem Wasser, dem Licht, den Planeten, den Steinen aufgehen und in ihnen leben. Charakteristisch für die nördlichen Mysterien ist, dass der Schüler sich der Außenwelt einverleibt fühlte, dass er sich mit jedem Wesen eins fühlte. «Ich bin nicht mehr außerhalb des Wesens dieses Planeten», konnte er zu sich selbst sagen, «sondern ich bin in demselben». Wenn er ausatmete, fühlte er sich eins mit der Luft und mit dem Licht, die unser Planetensystem durchdringen. Es war der Mikrokosmos des Menschen, der den Makrokosmos der Welt erlebte. Erst zeigte man ihm jedoch durch Symbole, wie er zu diesen Erlebnissen kommen können sollte.
[ 1 ] Through the events in Palestine, the initiation drama that had previously taken place in the mystery temples was thus to be incorporated into the great world stage. Everything that was depicted in the Mysteries was to become a historical reality through Jesus’ life and work. Now the two different initiations—the southern and the northern—were to be united in him. The Egyptian or southern initiation consisted of the disciple’s descent into his own soul. In its final act, the initiate was put into a cataleptic sleep, from which he was awakened by the hierophant. In the northern initiation, on the other hand, which dates back to the Zoroastrian initiation, the initiate was to silence his inner self in order to lose himself, as it were, and merge into the mystery of the cosmos. [He was to silence what is within, just as the other silenced what is without.] He was to feel the forces within him alive, connecting him to the entire cosmos and extending into the elements, merging with the air, the water, the light, the planets, and the stones, and living within them. Characteristic of the northern mysteries is that the student felt incorporated into the outer world, that he felt at one with every being. “I am no longer outside the being of this planet,” he could say to himself, “but I am within it.” When he exhaled, he felt at one with the air and the light that permeate our planetary system. It was the microcosm of the human being that experienced the macrocosm of the world. First, however, symbols were used to show him how he might attain these experiences.
[ 2 ] Noch heutzutage besitzen wir einen Nachklang der nördlichen Initiation im Symbol der Rosenkreuzer — das rosenbekränzte Kreuz. In der niederen seienden Welt sollte der Schüler höhere Ideale finden und kennenlernen, wie die niedere Welt die höhere vorbildet. Die keusche Rose, die von keinen Trieben, Begierden oder Leidenschaften verdunkelt wird, sollte er zu seinem Ideal machen und auf einer höheren Ebene verwirklichen, was die Pflanze auf einer niederen ist. Dieses soll der Schüler — in den nördlichen Mysterien — durchleben, und dieses Untertauchen in der äußeren Welt bildete man durch eine symbolische Handlung vor, die ‹Fußwaschung›, die der erste Akt der Einweihung war. Indem der Schüler sich ehrfürchtig zu den niederen Reichen herabsenkte, sollte er die große Demut lernen.
[ 2 ] Even today, we still see an echo of the northern initiation in the symbol of the Rosicrucians—the cross crowned with roses. In the lower world of existence, the student was to find and come to know higher ideals, and to see how the lower world mirrors the higher. He was to make the chaste rose—unclouded by any instincts, desires, or passions—his ideal and to realize on a higher plane what the plant is on a lower one. This is what the student—in the Northern Mysteries—is to experience, and this immersion in the outer world was represented by a symbolic act, the “washing of the feet,” which was the first act of initiation. By reverently lowering himself to the lower realms, the student was to learn great humility.
[ 3 ] Danach musste er lernen, dass das Körperliche in Wirklichkeit ein Geistiges ist, dieses geschah durch die symbolische «Geißelung. In den gewöhnlichen Verhältnissen, wenn der Körper frisch und gesund ist, ist der Mensch sich desselben nicht bewusst, erst wenn er anfängt, zu schmerzen und wehzutun, fühlt der Mensch, dass er einen Körper hat. Durch die Geißelung sollte der Schüler an seine Leiblichkeit erinnert werden und durch den Schmerz der Geistigkeit seines Körpers bewusst werden. Dieses war der zweite Grad.
[ 3 ] After that, he had to learn that the physical is in reality spiritual; this came about through the symbolic “flagellation.” Under normal circumstances, when the body is fresh and healthy, a person is not aware of it; only when it begins to ache and hurt does a person feel that they have a body. Through the scourging, the student was to be reminded of his physicality and, through the pain, become aware of the spiritual nature of his body. This was the second degree.
[ 4 ] Im dritten Grade sollte der Jünger im Kosmos aufgehen, um zu lernen, dass Erde und Planeten, ja sogar die Sonne aus derselben Materie sind wie er selbst. Dadurch sollte er sich geistig nicht nur mit der Erde und den Planeten verbunden fühlen, sondern auch mit der Sonne, dem Mittelpunkt in unserem Planetensystem, und lernen, dass auch die Sonne ein geistiges Wesen ist. Er musste die Sonne im Dunkel der Mitternacht leuchten sehen können, nachdem sie im physischen Sinne untergegangen und unsichtbar geworden war, denn die Sonne durchdringt die Materie, die sie verbirgt. Und für den geistig Hellsehenden ist die Erde durchsichtig. Dieser Sonne muss der Schüler folgen; und dies wurde dadurch vorgebildet, dass er mit einem Purpurmantel bekleidet wurde zum Zeichen, dass er von nun an der Sonne vom Abendrot bis zur Morgendämmerung folgen würde.
[ 4 ] In the third degree, the disciple was to merge with the cosmos in order to learn that the Earth and the planets, and even the Sun, are made of the same matter as himself. Through this, he should feel spiritually connected not only to the Earth and the planets, but also to the Sun, the center of our planetary system, and learn that the Sun, too, is a spiritual being. He had to be able to see the Sun shining in the darkness of midnight, after it had set in the physical sense and become invisible, for the Sun penetrates the matter that conceals it. And to the spiritually clairvoyant, the Earth is transparent. The student must follow this Sun; and this was symbolized by his being clothed in a purple robe as a sign that from now on he would follow the Sun from sunset to sunrise.
[ 5 ] Danach musste er lernen, dass ebenso, wie die äußere Sonne für das physische Gehirn sichtbar ist, die geistige Sonne nur von einem vom Geistigen durchdrungenen Gehirn erschaut werden kann. Deshalb musste das physische Gehirn außer Wirksamkeit gesetzt werden — abgetötet, ausgelöscht werden; und zum Zeichen dafür wurde eine Dornenkrone auf das Haupt des Schülers gesetzt. Denn wenn das Geistige entwickelt werden soll, muss das Physische absterben. Auf diese Weise sollte der Schüler in sich das Ewige erleben und lernen, dass die Natur um ihn herum, ja die Sonne selbst in sich dasselbe Geistwesen tragen, das er in seinem eigenen Inneren findet.
[ 5 ] He then had to learn that just as the outer sun is visible to the physical brain, the spiritual sun can be perceived only by a brain permeated by the spiritual. Therefore, the physical brain had to be rendered ineffective—killed off, extinguished; and as a sign of this, a crown of thorns was placed upon the disciple’s head. For if the spiritual is to be developed, the physical must die away. In this way, the disciple was to experience the Eternal within himself and learn that the nature around him, indeed the sun itself, bears within it the same spiritual being that he finds within his own inner self.
[ 6 ] [Im Verlauf aller Evangelien sollte gezeigt werden:
[ 6 ] [Throughout the Gospels, it was intended to show:
[ 7 ] Erstens: Es gibt eine Initiation, welche durch Fußwaschung, Geißelung und Dornenkrönung hinführt an die Stelle, wo man den Geist der Sonne erkennen kann.
[ 7 ] First: There is an initiation that, through the washing of feet, scourging, and the crowning with thorns, leads to the place where one can recognize the Spirit of the Sun.
[ 8 ] Zweitens: Es gibt eine Initiation, welche führt durch Abtötung des physischen Leibes hinunter in die Seele, wo erlebt wird, was im Menschen das Ewige ist, der Geist. Und es sollte gezeigt werden, dass der Geist, den man findet, wenn man hinuntertaucht in die Seele und hinaufsteigt zur Sonne, eines ist. Deshalb sollten beide vereinigt ein historisches Ereignis werden.
[ 8 ] Second: There is an initiation that leads, through the mortification of the physical body, down into the soul, where one experiences what is eternal in the human being—the spirit. And it should be shown that the spirit one finds when one descends into the soul and ascends to the sun is one and the same. Therefore, both should be united to become a historical event.
[ 9 ] Johannes sollte zeigen dieses. Die anderen Evangelisten hatten zu zeigen, wie das, was draußen in der Welt physisch ist, doch geistig ist, zeigen, dass dann, wenn der Mensch wirklich hellsichtig wird, er draußen im Raume findet die geistige Sonne.
[ 9 ] John was to demonstrate this. The other evangelists had to show how what is physical out in the world is actually spiritual, and demonstrate that when a person truly becomes clairvoyant, they find the spiritual sun out in space.
[ 10 ] Wie zeigen das die Evangelien und wie zeigen sie, dass der Geist der Sonne heruntergestiegen ist und sich inkarniert hat in Jesus von Nazareth? Durch das, was sie schildern als die Verklärung, die Glorifikation.]
[ 10 ] How do the Gospels demonstrate this, and how do they show that the Spirit descended from the sun and incarnated in Jesus of Nazareth? Through what they describe as the Transfiguration, the glorification.]
[ 11 ] Die Evangelisten sollten zeigen, wie sowohl die nördliche als auch die südliche Einweihung in dem Palästinaereignis zusammenflossen und durch Jesus eine historische Wirklichkeit wurden. Johannes, der Evangelist, sollte zeigen, durch welche Methoden der Mensch zu einem geistigen Schauen kommen kann, und wie die christliche Einweihung, die die beiden anderen in sich vereinte, verwirklicht werden sollte. Die anderen Evangelisten sollten zeigen, wie die äußere physische Welt überall von der geistigen durchdrungen wird und in welchem intimen Zusammenhang des Menschen Inneres zu dieser Welt steht. Durch das Erwerben der Kräfte, die in ihn schlummern und geistig hellsehend werden, soll der Mensch die geistige Sonne in der Außenwelt — draußen im Raume — finden.
[ 11 ] The evangelists were to show how both the northern and southern initiations converged in the events in Palestine and became a historical reality through Jesus. John the Evangelist was to show the methods by which human beings can attain spiritual vision, and how the Christian initiation, which united the other two within itself, was to be realized. The other evangelists were to show how the outer physical world is permeated everywhere by the spiritual and in what intimate connection the inner being of the human being stands to this world. By acquiring the powers that lie dormant within him and becoming spiritually clairvoyant, the human being is to find the spiritual sun in the outer world—out there in space.
[ 12 ] In der Erzählung von der «Verklärung Christ» wollen die synoptischen Evangelien uns zeigen, dass der Geist niedergestiegen ist und sich mit der Erde verbunden hat und sich in Jesus von Nazareth inkarniert hat. Es wird dort erzählt, dass Jesus mit drei seiner eingeweihten Jünger abseits ging und auf einen Berg hinauf. Da wurden diese dem Leibe entrückt, und sie schauten Jesus als geistige Sonne und zwei seiner früheren Verkünder, die geistig mit ihm verbunden waren, nämlich Moses und Elias. Dieses ist die erste Hindeutung darauf, dass das Christentum der Welt verkündet werden sollte und Ahura-Mazdao-Osiris Jesus zu seinem Zentrum auf Erden gemacht hatte, und dass Jesus’ von Nazareth physischer Leib der erste Punkt war, wo der Sonnengeist sich offenbart hatte. Seitdem ist dieser Geist mit der Erdatmosphäre verbunden.
[ 12 ] In the account of the “Transfiguration of Christ,” the Synoptic Gospels seek to show us that the Spirit descended, united with the earth, and incarnated in Jesus of Nazareth. It is recounted there that Jesus went aside with three of his initiated disciples and ascended a mountain. There they were taken out of their bodies, and they saw Jesus as the spiritual sun and two of his former heralds who were spiritually connected to him, namely Moses and Elijah. This is the first indication that Christianity was to be proclaimed to the world and that Ahura-Mazdao-Osiris had made Jesus his center on Earth, and that the physical body of Jesus of Nazareth was the first point where the Sun Spirit had revealed itself. Since then, this Spirit has been connected to the Earth’s atmosphere.
[ 13 ] [Das ist die Verkündigung, dass Vishvakarma, Ahura-Mazdao, Osiris der Sonnengeist sind, der sich so weit ausgedehnt hat, dass er die Erde umfasst, mit der Erde nun ist, indem er seinen Ausgangspunkt vom Leibe des Jesus von Nazareth genommen hat. Das war der Punkt, von wo aus er die Erde ergriffen hat. Und seitdem ist Vishvakarma, Ahura-Mazdao, Osiris nicht bloß draußen zu finden als Geist der Sonne, sondern mit als Geist der Erde.]
[ 13 ] [This is the proclamation that Vishvakarma, Ahura-Mazdao, and Osiris are the Sun Spirit, who has expanded so far as to encompass the Earth, and is now one with the Earth, having taken his starting point from the body of Jesus of Nazareth. That was the point from which he took hold of the Earth. And since then, Vishvakarma, Ahura-Mazdao, Osiris is to be found not merely outside as the Spirit of the Sun, but also as the Spirit of the Earth.]
[ 14 ] Der geistig Hellsehende, der in der vorchristlichen Zeit die Erdatmosphäre durchforschte, konnte dort den Sonnengeist nicht finden, aber seit der Gründung des Christentums sieht er etwas Neues in der astralisch-ätherischen Atmosphäre. Und dieses Neue ist der Sonnengeist, der auch der Geist der Erde geworden ist. Dieser Geist, der im Lauf der Jahrhunderte der Erde immer näher gekommen war, stieg bei der Johannestaufe im Jordan hinunter auf die Erde und inkarnierte sich erstmalig in der Person des Jesus von Nazareth.
[ 14 ] The spiritual seer who explored the Earth’s atmosphere in pre-Christian times could not find the Sun Spirit there, but since the founding of Christianity, he has seen something new in the astral-etheric atmosphere. And this new element is the Sun Spirit, who has also become the Spirit of the Earth. This Spirit, who had drawn ever closer to the Earth over the centuries, descended to Earth at the time of John’s baptism in the Jordan and incarnated for the first time in the person of Jesus of Nazareth.
[ 15 ] Aber die Evangelisten sollten auch zeigen, wie der Mensch, der den Sonnengeist sucht, den wirklichen Christus, dieselben Erlebnisse in seinem Inneren durchmachen kann wie die Eingeweihten in den Mysterientempeln. [So musste historische Tatsache ein Zweifaches werden: die nördliche und die südliche Initiation. Alle vier Evangelien erzählen das Zusammenschmelzen der nördlichen und der südlichen Einweihung. Erzählen erst die Fußwaschung, Geißelung, Mantelumlegung und Dornenkrönung — dann die Kreuzigung, das heißt das Totwerden während dreieinhalb Tagen, und dann die Auferweckung nach anderthalb Tagen. Das ist das Zusammenschmelzen. Der Schreiber des Johannes-Evangeliums hatte das ganze Geheimnis erkannt, nachdem er durch Jesus selbst eingeweiht worden war. Ein anderer hätte eine nördliche oder eine südliche Einweihung durchgemacht. Der Christus Jesus hat ihn so eingeweiht, dass er verstand, dass er verstand am besten, wie sie zusammenschmelzen. Zugleich zeigt er uns, wie wir intim in siebeneinhalb Stufen nun durchleben können, was uns vorgelebt worden ist als Ereignis.)
[ 15 ] But the evangelists were also meant to show how the person who seeks the Sun Spirit, the true Christ, can undergo the same inner experiences as the initiates in the mystery temples. [Thus, historical fact had to become twofold: the northern and the southern initiation. All four Gospels recount the fusion of the northern and southern initiations. First they recount the washing of the feet, the scourging, the putting on of the robe, and the crowning with thorns—then the crucifixion, that is, the dying for three and a half days, and then the resurrection after one and a half days. That is the fusion. The writer of the Gospel of John had recognized the whole mystery after being initiated by Jesus himself. Another would have undergone a northern or a southern initiation. Christ Jesus initiated him in such a way that he understood—that he understood best—how they merge. At the same time, he shows us how we can now intimately experience, in seven and a half stages, what has been exemplified to us as an event.)
[ 16 ] Im Verhältnis zu gewissen Ereignissen stimmen alle Evangelisten überein. So erzählen sie alle von der Geißelung, der Dornenkrönung, dem Tod und der Auferstehung nach dreieinhalb Tagen. In diesen historischen Ereignissen schmelzen die beiden Einweihungen zusammen, die nördliche und die südliche. Aber am besten von allen hat Johannes, den Christus selbst eingeweiht hatte, den Zusammenhang zwischen den alten Einweihungen und dem welthistorischen Ereignis in Palästina verstanden. In dem großen Vorbild, das er uns gibt, lehrt er uns, wie wir durch sieben aufeinanderfolgende Stadien dasselbe durchleben können, was sich in Palästina vor 1900 Jahren zutrug.
[ 16 ] All the evangelists agree on certain events. For instance, they all recount the scourging, the crowning with thorns, the death, and the resurrection after three and a half days. In these historical events, the two initiations—the northern and the southern—merge. But John, whom Christ himself had initiated, understood best of all the connection between the ancient initiations and the world-historical event in Palestine. In the great example he sets for us, he teaches us how we can experience, through seven successive stages, the very same events that took place in Palestine 1,900 years ago.
[ 17 ] Würde nun ein Schüler fragen, wie er zu wirklicher Erkenntnis geistiger Dinge kommen könne, würde der esoterische Lehrer in vollem Anschluss an die Evangelien ihm antworten: Da muss er zuerst in monatelangem Kampf das Gefühl der universellen Demut erringen. Wenn die Pflanze auf das tote Mineralreich herniederschauen könnte, würde sie sagen: Ich bin eine Pflanze und ein höheres Wesen als das tote Mineral; könnte die Pflanze denken, würde sie hinzufügen: Zwar bin ich ein höheres Wesen, aber ohne das Mineralreich könnte ich nicht leben, denn meine Wurzeln müssen sich in der Erde festsaugen und daher ihre Nahrung holen. Deshalb muss ich mich dankbar zum Mineral herunterneigen, das tiefer als ich steht.
[ 17 ] If a student were to ask how he might attain true knowledge of spiritual matters, the esoteric teacher, in full accordance with the Gospels, would answer: First, he must strive for months to attain a sense of universal humility. If the plant could look down upon the dead mineral kingdom, it would say: I am a plant and a higher being than the dead mineral; if the plant could think, it would add: Though I am a higher being, I could not live without the mineral kingdom, for my roots must cling to the earth and draw their nourishment from it. Therefore, I must bow down gratefully to the mineral, which stands lower than I.
[ 18 ] Steigen wir sodann zum Tierreich auf, finden wir auch da, wie die Tiere für ihren Fortbestand vom Pflanzenreich abhängig sind. Dasselbe Gesetz gilt auch für den Menschen. Die Menschheit kann ohne die niederen Reiche nicht leben. Und in der menschlichen Evolution kann der, der zu einem höheren Sozialstand aufgestiegen ist, ohne die tiefer stehenden Klassen nicht bestehen. Auch der Christus Jesus brauchte die, die unmittelbar vor ihm gegangen waren, um der, der er in der Welt war, zu sein. Auch ein so hochstehendes Wesen wie er musste sich zu denen niederbücken, die unter ihm standen. Er beugte sich zu den zwölf Aposteln nieder in der Fußwaschung.
[ 18 ] If we then ascend to the animal kingdom, we find there as well that animals depend on the plant kingdom for their survival. The same law applies to human beings. Humanity cannot live without the lower kingdoms. And in human evolution, those who have risen to a higher social status cannot survive without the lower classes. Even Jesus Christ needed those who had gone before him in order to be who he was in the world. Even a being as exalted as he had to stoop down to those who stood below him. He stooped down to the twelve apostles during the washing of the feet.
[ 19 ] Nachdem sich der Jünger Monat nach Monat von diesem Gefühl der Demut und der Dankbarkeit gegenüber denen, die tiefer standen als er, durchdringen ließ, verwandelte sich eines Tages dieses Gefühl in ein einheitliches astrales Erlebnis, das für alle Menschen dasselbe ist. Er sieht in der Akasha-Chronik sich selbst an der Stelle Jesu Christi, er sieht ein Bild der Fußwaschung vor sich. Aber an Stelle des Christus Jesus sieht er sich selbst. Wenn ein Mensch einmal dieses Bild vor Augen gehabt hat, kann er die historische Wirklichkeit der Fußwaschung nicht verleugnen.
[ 19 ] After the disciple had allowed himself to be permeated, month after month, by this feeling of humility and gratitude toward those who were lower than he, this feeling one day transformed into a unified astral experience that is the same for all people. In the Akashic Records, he sees himself in the place of Jesus Christ; he sees a picture of the washing of the feet before him. But in the place of Christ Jesus, he sees himself. Once a person has had this image before his eyes, he cannot deny the historical reality of the washing of the feet.
[ 20 ] Die Fußwaschung ist folglich nicht nur etwas, was einmal geschehen ist, sondern etwas, das wir selbst erleben sollen. In der alten Einweihung musste der Schüler durch äußere Symbole in sich das Bild der Fußwaschung einprägen, sodass er es wiedererkennen sollte, wenn es einmal historische Wirklichkeit geworden sein würde. In unseren Tagen brauchen wir weder Symbole noch das historische Ereignis. Indem wir uns die Gefühle der Dankbarkeit und Demut aneignen, können wir in uns selbst das Akasha-Bild hervorrufen als ein mystisches Ereignis innerhalb der Initiation unserer Tage. So, wie das Symbol der Drotten-Mysterien sich in historische Wirklichkeit verwandelte, so wird für uns das mystische Erlebnis eine Bestätigung dessen, was vor 1900 Jahren geschehen ist.
[ 20 ] The washing of the feet is therefore not merely something that happened once, but something we ourselves are meant to experience. In the ancient initiation, the initiate had to imprint the image of the washing of the feet within himself through external symbols, so that he would recognize it once it had become historical reality. In our day, we need neither symbols nor the historical event. By cultivating feelings of gratitude and humility, we can evoke the Akashic image within ourselves as a mystical event within the initiation of our time. Just as the symbol of the Drotten Mysteries was transformed into historical reality, so too does the mystical experience become for us a confirmation of what happened 1,900 years ago.
[ 21 ] Während des nächsten Stadiums, dem zweiten der Reihe, muss der Schüler sich ein Gefühl für alles Leiden, das es in der Welt gibt, aneignen. Er muss seinen Willen so stärken, dass er mutig und ohne zu wanken die physischen Schmerzen tragen kann, wenn sie kommen. Nicht nur tagelang, sondern Monate und Jahre hindurch muss er sich von allem Leiden der Welt durchdringen lassen. Dann wird er eines Tages wirklich seine Leiblichkeit erkennen, sich fühlen, als wenn er am ganzen Körper gegeißelt worden wäre. Dieses Gefühl ist ein Samen, der dann zum Bilde der Geißelung Christi verwandelt wird, das man in der Akasha-Chronik vor sich sieht.
[ 21 ] During the next stage, the second in the series, the student must develop a sense of all the suffering that exists in the world. He must strengthen his will so that he can bear physical pain courageously and without wavering when it comes. Not just for days, but for months and years on end, he must allow himself to be permeated by all the suffering in the world. Then, one day, he will truly recognize his physicality, feeling as if his entire body had been scourged. This feeling is a seed that is then transformed into the image of Christ’s scourging, which one sees before oneself in the Akashic Records.
[ 22 ] Angesichts dieses Erlebnisses, das auch für alle dasselbe ist, kann man nicht mehr an den historischen Ereignissen in Palästina zweifeln.
[ 22 ] Given this experience, which is the same for everyone, there can be no doubt about the historical events in Palestine.
[ 23 ] Daraufhin sagt der Einweiher zu dem Zögling: Du musst jetzt in das Allerinnerste deiner Seele steigen und dort eins mit der Weisheit werden, deren Wirklichkeit du erkannt hast. Du musst ein Werkzeug für diese Weisheit werden und so eins mit ihr werden, dass — wenn auch die Welt dich verhöhnt und verspottet — du dennoch nicht wankst, sondern mutig alles entgegennimmst. Verleugnet und vernichtet von der Welt um dich her, sollst du dich dennoch aufrechterhalten dank deiner inneren Kraft. — Nach einer Zeit verwandelt sich dieses Gefühl zu einer Art merkwürdigen Leere im physischen Gehirn. Der Schüler fühlt sich, als ob das Gehirn ausgeschaltet, abgetötet worden wäre; und er durchlebt eine Art Durchstochenwerden des physischen Gehirns und sieht in den Akasha-Urkunden ein Bild der «Dornenkrönung. Dadurch bekommt er Kunde davon, wer der Christus ist: dass er wirklich der Sonnen-Geist ist, der zur Erde herniedergestiegen ist. Dieses ist das dritte Stadium. Durch innere Erlebnisse soll der Mensch dadurch das historische Ereignis in Palästina durchleben.
[ 23 ] The initiator then says to the initiate: You must now descend into the very depths of your soul and there become one with the wisdom whose reality you have recognized. You must become an instrument of this wisdom and become so one with it that—even if the world mocks and scorns you—you will not waver, but will courageously accept everything. Denied and destroyed by the world around you, you shall nevertheless sustain yourself through your inner strength. — After a time, this feeling transforms into a kind of strange emptiness in the physical brain. The student feels as if the brain has been switched off, killed; and he experiences a kind of piercing of the physical brain and sees in the Akashic Records an image of the “Crowning with Thorns.” Through this, he comes to know who the Christ is: that he is truly the Sun Spirit who has descended to Earth. This is the third stage. Through inner experiences, the human being is thus to relive the historical event in Palestine.
[ 24 ] Von der Fußwaschung bis zur Dornenkrönung haben wir jetzt das Einweihungsdrama gemäß den nördlichen Mysterien verfolgt. Jetzt soll der Mensch in seinem Allerinnersten auch erkennen, dass der Christus in ihn eingedrungen ist, und der kosmische Christus wird der innere mystische Christus in ihm. Hier tritt uns das südliche Initiationsdrama entgegen.
[ 24 ] From the washing of the feet to the crowning with thorns, we have now followed the drama of initiation according to the northern mysteries. Now the human being must also recognize in his innermost being that the Christ has entered into him, and the cosmic Christ becomes the inner mystical Christ within him. Here the southern initiation drama comes to meet us.
[ 25 ] Gleichzeitig erfahren wir, was der Mensch in seinem eigenen Inneren erleben darf. Ganz neue Gefühle müssen im vierten Stadium sich des Menschen bemächtigen. Sein eigener Körper muss für ihn wie jeder beliebige andere Gegenstand werden. Er muss lernen, ihn zu tragen wie zum Beispiel einen Tisch — und nicht wie etwas, was ihm gehört. Nur auf rein äußere Weise muss er sich als an seinen Leib gebunden fühlen. Und das braucht zu keinerlei Askese zu führen. Wir sind nicht dadurch stark, was wir in uns haben, sondern durch das Werkzeug, das wir in unserer Hand haben und dessen wir uns bedienen können. Wir müssen unseren Körper objektiv betrachten können und uns selbst als dessen Träger. Auf diese Weise kann der Körper ein Werkzeug in unserer Hand werden — genau so, wie wir mit einem Hammer stärkere Schläge ausführen können als mit etwas anderem, das einen Teil unserer selbst ausmacht. Die körperlichen Schmerzen sind zwar da, erst im letzten Evolutionsstadium wird der Körper schmerzensfrei. Aber langsam lernt die Seele, ihn als etwas Objektives zu betrachten, womit sie sich nicht zu befassen braucht.
[ 25 ] At the same time, we learn what a person is allowed to experience within themselves. Entirely new feelings must take hold of a person in the fourth stage. Their own body must become to them like any other object. They must learn to carry it as if it were, for example, a table—and not as something that belongs to them. He must feel bound to his body only in a purely external way. And this need not lead to any kind of asceticism. We are not made strong by what we have within us, but by the tool we hold in our hand and can make use of. We must be able to view our body objectively and ourselves as its bearer. In this way, the body can become a tool in our hand—just as we can deliver stronger blows with a hammer than with something else that is part of ourselves. Physical pain is certainly present; only in the final stage of evolution does the body become pain-free. But slowly the soul learns to regard it as something objective, with which it need not concern itself.
[ 26 ] Wenn der Eingeweihte dieses Gefühl entwickelt hat, kommt schließlich ein Augenblick, in dem er wirklich fühlt, dass er wirklich nur äußerlich an den Körper gebunden ist, und wenn er ihn dann betrachtet, findet er blutrote Flecken an Händen und Füßen und an seiner rechten Seite. Das ist die sogenannte Blutsprobe. Ein Zeichen, dass der Körper nur noch etwas rein Objektives für ihn ist. Dann sagen wir von ihm, dass er nicht mehr in seinem Körper ist. Er ist gekreuzigt, das heißt, er trägt seinen Leib so wie ein Kreuz durch die Welt. Dieses ist die «Kreuzigung). Jetzt darf er auch in den Akasha-Urkunden den historischen Moment erschauen, wo der Christus Jesus gekreuzigt wurde.
[ 26 ] Once the initiate has developed this feeling, there eventually comes a moment when he truly feels that he is bound to the body only externally, and when he then looks at it, he finds blood-red spots on his hands and feet and on his right side. This is what is known as the blood test. A sign that the body is now merely something purely objective to him. Then we say of him that he is no longer in his body. He is crucified, that is, he carries his body through the world like a cross. This is the “crucifixion.” Now he may also behold in the Akashic Records the historical moment when Christ Jesus was crucified.
[ 27 ] Darauf folgt etwas, was mit menschlichen Worten schwer zu schildern ist. In diesem Stadium kommt ein Augenblick, in dem der Eingeweihte ganz aufhört, mit physischen Augen zu sehen und Ohren zu hören. Die Welt ist in dieser Hinsicht nicht mehr für ihn da. Dunkel im Hinblick auf das Physische umgibt ihn. In diesem Augenblick muss er alles kennenlernen, was es an Schmerz und Leid in der Welt gibt. Er steigt in Wahrheit herab in die Welt des Leides und des Bösen und lernt die Nachtseite des Lebens kennen. Dieses ist. der «mystische Tod oder das Niedersteigen in das Reich des Todes [das ist das Hinabsteigen in die Hölle].
[ 27 ] What follows is something that is difficult to describe in human words. At this stage, there comes a moment when the initiate completely ceases to see with physical eyes and to hear with physical ears. In this respect, the world no longer exists for him. Darkness, in the physical sense, surrounds him. At this moment, he must come to know all the pain and suffering that exists in the world. He truly descends into the world of suffering and evil and comes to know the dark side of life. This is the “mystical death or the descent into the realm of death [that is, the descent into hell].
[ 28 ] Danach teilt sich das Dunkel um ihn, das geistige Licht bricht durch, und der Eingeweihte schaut in die geistige Welt hinein. Indem er so dem Christus bis Golgatha gefolgt ist, und sich mit ihm vereint hat, so ist er danach auch mit dem Geiste der Welt verbunden und lebt darin. [Er ist von jetzt ab nicht nur verbunden mit dem Erdengeist, er ist verbunden mit dem planetarischen Geist. Er ist mit der ganzen Erde verbunden.] Dies ist das fünfte Stadium, oder die «Grablegung in der Erde, während derer der Mensch die zweieinhalb Tage erlebt, in denen der Christus im Grabe gelegen hat. Während dieser Tage wurde die physische Materie des Leibes Christi aufgelöst und dematerialisiert, währenddem das eigentliche Wesen Christi als Geist der Erde noch in der Astralsphäre der Erde weiterlebt.
[ 28 ] Thereupon the darkness around him parts, the spiritual light breaks through, and the initiate gazes into the spiritual world. Having thus followed Christ to Golgotha and united himself with him, he is thereafter also connected with the spirit of the world and lives within it. [From now on, he is not only connected to the Earth spirit; he is connected to the planetary spirit. He is connected to the whole Earth.] This is the fifth stage, or the “laying in the grave in the earth,” during which the human being experiences the two and a half days that Christ lay in the grave. During these days, the physical matter of Christ’s body was dissolved and dematerialized, while the actual being of Christ, as the Spirit of the Earth, continued to live on in the astral sphere of the Earth.
[ 29 ] Da ist er sichtbar für alle geistig Hellschenden, die ihn in seinem physischen Leibe nicht gesehen haben. Da war es auch, als Paulus ihn erschaute, als er davon überzeugt wurde, dass der Sonnen-Geist zur Erde herabgekommen war. Paulus wusste, was der geistig Hellsehende in der Erdenaura sehen konnte. Als er daher nach Jesu 'Tod sah, dass diese Aura sich verändert hatte, und den Christus dort erschaute, verstand er, dass der Sonnengeist sich in Jesus von Nazareth offenbart hatte und dass Jesus den Tod überwunden hatte. Deshalb konnte er sagen, dass der Christus auferstanden ist. Durch sein hellseherisches Bewusstsein wusste er, dass er den Christus auf hellseherischem Weg ebenso gewiss gesehen hatte wie die andern Jünger mit ihren physischen Augen. Dieses wird deutlich genug im Neuen Testament angedeutet, damit wir nicht ganz trivial glauben sollen, dass der zerstückelte Leib Christi aus dem Grabe auferstanden sei.
[ 29 ] There he is visible to all spiritually clairvoyant people who did not see him in his physical body. It was also there that Paul beheld him, when he became convinced that the Sun Spirit had descended to Earth. Paul knew what the clairvoyant could see in the Earth’s aura. When, after Jesus’ death, he saw that this aura had changed and beheld the Christ there, he understood that the Sun Spirit had revealed itself in Jesus of Nazareth and that Jesus had overcome death. That is why he could say that the Christ had risen. Through his clairvoyant consciousness, he knew that he had seen the Christ through clairvoyance just as certainly as the other disciples had seen him with their physical eyes. This is indicated clearly enough in the New Testament so that we should not naively believe that the dismembered body of Christ had risen from the grave.
[ 30 ] Als der Christus sich den zwölf Jüngern offenbarte, wollte Thomas nicht glauben, dass er es war, weil er nicht wie die anderen die geistigen Wirklichkeiten verstand. Der, der an das Geistige glaubt, muss gleich wie die Jünger die Bedeutung dieser Auferstehung verstehen. Thomas glaubte nicht, deswegen konnte er auch das Geistige nicht spüren. Er hatte seine inneren Kräfte nicht [so weit] entwickelt, dass er wirklich das Geistige hätte spüren können. Mit unseren physischen Sinnen können wir ganz natürlich nur das Physische spüren. Durch Glauben und Willenskraft entwickelte Thomas [dann doch] den geistigen Spürsinn in sich, sodass er den geistigen Leib Jesu so spüren konnte, als ob er physisch wäre. [Durch seine rein geistige Kraft konnte der Christus sogar das Brot brechen.] Im selben Sinne ist Jesus durch seine rein geistige Kraft das «Brot des Lebens für die, die ihre inneren Gefühlssinne entwickelt haben.
[ 30 ] When Christ revealed himself to the twelve disciples, Thomas refused to believe it was him because, unlike the others, he did not understand spiritual realities. Anyone who believes in the spiritual must, like the disciples, understand the significance of this resurrection. Thomas did not believe, and therefore he could not perceive the spiritual either. He had not developed his inner powers [to the point] where he could truly perceive the spiritual. With our physical senses, we can naturally perceive only the physical. Through faith and willpower, Thomas [eventually] developed the spiritual sense within himself, so that he could perceive Jesus’ spiritual body as if it were physical. [Through his purely spiritual power, Christ was even able to break the bread.] In the same sense, Jesus, through his purely spiritual power, is the “bread of life for those who have developed their inner senses of feeling.”
[ 31 ] Nachdem der Jünger solcherweise sechs Stadien durchlaufen hat — die Fußwaschung, die Geißelung, die Dornenkrönung, den mystischen Tod oder die Kreuzigung, die Grablegung und die Auferstehung —, so kommt er zum Schluss zu dem siebenten und letzten Stadium der «Himmelfahrt oder der Vereinigung mit der geistigen Welt, der Heimkehr zum Vater.
[ 31 ] After the disciple has thus passed through six stages—the washing of the feet, the scourging, the crowning with thorns, the mystical death or crucifixion, the burial, and the resurrection—he finally arrives at the seventh and final stage of the “Ascension, or union with the spiritual world, the return to the Father.”
[ 32 ] Durch das Johannes-Evangelium lernen wir folglich die verschiedenen Phasen kennen — erst in den nördlichen Mysterien bis hin zur Dornenkrönung, dann zu den südlichen Mysterien, von der Kreuzigung an. Weiter lernen wir, wie diese beiden Einweihungen in der Außenwelt auftraten und sich in der Person Jesu vereinigten und zusammenschmolzen. Durch den Christus Jesus wurde eine neue Initiation begründet — Rosenkreuz —, in welcher die beiden alten Einweihungen zusammengeschmolzen waren. Deswegen ist es wichtig, das Ereignis in Palästina recht zu verstehen. Damit der Christus ein inneres Erlebnis werden können sollte, musste er erst eine historische Wirklichkeit in der Welt geworden sein.
[ 32 ] Through the Gospel of John, we thus come to know the various phases—first in the northern mysteries up to the crowning with thorns, then in the southern mysteries, beginning with the crucifixion. Furthermore, we learn how these two initiations manifested in the outer world and united and merged in the person of Jesus. Through Christ Jesus, a new initiation was established—the Rosicrucian—in which the two ancient initiations were fused together. That is why it is important to understand the events in Palestine correctly. In order for Christ to become an inner experience, he first had to become a historical reality in the world.
[ 33 ] Wohl ist es wahr, dass das Licht nicht für den Menschen existieren würde, wenn er nicht Augen zu sehen hätte, aber auf der anderen Seite würde er keine Augen haben, wenn das Licht nicht schon vorhanden gewesen wäre — kein Auge ohne Licht. So, wie die physische Sonne das physische Licht hervorgezaubert hat, so hat das historische Ereignis in Palästina erst möglich gemacht, dass wir in uns den mystischen Christus erleben können. [Er, der historische Christus, zaubert ihn heraus.] So hat der Christus nicht nur eine neue geistige Strömung in der Welt gegründet, sondern auch eine neue Initiation.
[ 33 ] It is true that light would not exist for human beings if they did not have eyes to see it, but on the other hand, they would not have eyes if light had not already existed—no eye without light. Just as the physical sun conjured up physical light, so the historical event in Palestine made it possible for us to experience the mystical Christ within ourselves. [He, the historical Christ, conjures him forth.] Thus, the Christ not only founded a new spiritual current in the world, but also a new initiation.
[ 34 ] Wir haben also zunächst den historischen Christus, der auf der Erde in der Person des Jesus von Nazareth lebte, der die Fußwaschung, Geißelung, Dornenkrönung, Kreuzigung, Grablegung durchmachte und dann den Tod besiegte, sodass er für ihn eine neue Geburt wurde. Aber wir haben auch den paulinischen Christus oder den geistigen Christus, den der geistig hellsehende Mensch in der Astralatmosphäre der Erde sehen kann. Er ist es, der am meisten zur Ausbreitung des Christentums beigetragen hat. Durch ihn wurde Paulus überzeugt, der nicht in Palästina dabei gewesen war, und durch Paulus haben wir eine tiefere Erklärung der Evangelien erhalten. Zuletzt haben wir den mystischen Christus, den der vergeistigte Mensch in seinem eigenen Innern erwecken kann. [Derjenige, der mystisch rege werden kann in unserer Brust, bis zum Tiefsten uns ergreifen kann, den inneren Christus.]
[ 34 ] So, first of all, we have the historical Christ, who lived on Earth in the person of Jesus of Nazareth, who underwent the washing of the feet, the scourging, the crowning with thorns, the crucifixion, and the burial, and then conquered death, so that it became a new birth for him. But we also have the Pauline Christ or the spiritual Christ, whom the spiritually clairvoyant person can see in the astral atmosphere of the Earth. It is he who has contributed most to the spread of Christianity. Through him, Paul—who had not been present in Palestine—was convinced, and through Paul we have received a deeper explanation of the Gospels. Finally, we have the mystical Christ, whom the spiritualized human being can awaken within their own inner being. [The one who can become mystically active within our breast, who can touch us to our very depths—the inner Christ.]
[ 35 ] Es ist dieser dreifaltige Christus — der historische, der Paulinische und der mystische Christus —, den wir immer mehr und mehr kennenlernen müssen. [Das sind die drei Christusse der christlichen Esoterik.]
[ 35 ] It is this triune Christ—the historical, the Pauline, and the mystical Christ—whom we must come to know more and more. [These are the three Christs of Christian esotericism.]
