The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 119
22 March 1910, Vienna
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Macrocosm and Microcosm, tr. SOL
Zweiter Vortrag
Second Lecture
[ 1 ] Im allgemeinen ist schon angedeutet worden, welches das Verhältnis ist zwischen dem Wachzustand und dem Schlafzustand des Menschen, und es ist gesagt worden, daß der Mensch aus dem Schlafzustand heraus sich die Kräfte holt, die er während des Wachzustandes braucht, um sein Seelenleben aufzubauen. Nun sind diese Dinge eigentlich viel komplizierter, als man gewöhnlich denkt, und wir werden heute einiges Genauere über den Unterschied zwischen dem menschlichen Wach- und dem Schlafzustand vom Gesichtspunkte der Geistesforschung aus zu sagen haben. Ich bemerke nur gleichsam nebenbei, wie in einer Art Parenthese, daß wir hier davon absehen können, all die mehr oder weniger interessanten Hypothesen zu berühren oder aufzuzählen, welche die Physiologie der Gegenwart aufgestellt hat, um den Unterschied zwischen Schlaf- und Wachzustand zu erklären. Das könnte ja sehr leicht geschehen, würde uns aber nur von der eigentlichen geisteswissenschaftlichen Betrachtung dieser Zustände ablenken. Es braucht höchstens gesagt zu werden, daß ja die gewöhnliche heutige Wissenschaft, wenn sie den Menschen im Schlafzustande vor sich hat, eigentlich nur das vom Menschen betrachtet, was in der physischen Welt zurückgeblieben ist, was wir gestern charakterisieren konnten als den physischen Leib und den Äther- oder Lebensleib des Menschen. Dieser physischen Wissenschaft ist ja das vollständig fremd — und man braucht sie deshalb nicht abzuurteilen, sie hat ein gewisses Recht, ihren Standpunkt in einseitiger Weise geltend zu machen —, was nur für die Geistesforschung, für den geöffneten Blick des Sehers, eine Wirklichkeit bedeuten kann, nämlich dasjenige, was sich im Einschlafen heraushebt aus dem Äther- oder Lebensleib und dem physischen Leib des Menschen, und was wir gestern charakterisieren konnten als das menschliche Ich und den astralischen Leib. Dieses menschliche Ich und der astralische Leib sind also, während der Mensch schläft, in einer geistigen Welt, während sie dann, wenn der Mensch wacht, in der physischen Welt sind, gleichsam untergetaucht in den physischen Leib und den Äther- oder Lebensleib.
[ 1 ] In general, the relationship between the human waking state and the sleeping state has already been touched upon, and it has been said that it is from the sleeping state that a person draws the forces needed during the waking state to build up their inner life. Now, these matters are actually much more complicated than is usually thought, and today we will have something more precise to say about the difference between the human waking and sleeping states from the perspective of spiritual research. I would just like to note, as it were, in passing, as a sort of aside, that we can refrain here from touching upon or listing all the more or less interesting hypotheses that contemporary physiology has put forward to explain the difference between the sleeping and waking states. That could easily be done, but it would only distract us from the actual spiritual-scientific consideration of these states. It suffices to say that ordinary modern science, when it has a person in the sleeping state before it, actually considers only that which of the human being remains in the physical world—what we were able to characterize yesterday as the physical body and the etheric or life body of the human being. This is completely foreign to physical science—and one need not therefore condemn it, it has a certain right to assert its standpoint in a one-sided manner—what can only mean a reality for spiritual research, for the open gaze of the seer, namely that which, upon falling asleep, emerges from the etheric or life body and the physical body of the human being, and which we were able to characterize yesterday as the human ego and the astral body. This human ego and the astral body are thus, while the human being sleeps, in a spiritual world, whereas when the human being is awake, they are in the physical world, as it were submerged in the physical body and the etheric or life body.
[ 2 ] Nun wollen wir einmal diesen schlafenden Menschen betrachten. Es ist ja ganz natürlich, daß für das normale menschliche Bewußtsein der Schlafzustand etwas Einheitliches ist, das man nicht weiter untersucht. Man frägt ja im gewöhnlichen Leben nicht, ob nun, wenn der Mensch in der Nacht in einer geistigen Welt ist, dann mehrere Einflüsse, mehrere Kräfte sich auf seine leibbefreite Seele geltend machen oder nur eine einheitliche Kraft? Ist der Mensch, wenn er in der geistigen Welt ist, nur einer Kraft ausgesetzt, die die geistige Welt ganz durchdringt, oder können wir unterscheiden zwischen verschiedenen Kräften, denen der Mensch während des Schlafzustandes ausgesetzt ist? — Ja, wir können nun ganz genau verschiedene Einflüsse voneinander unterscheiden, die sich auf den Menschen geltend machen, während er schläft — wohlgemerkt, also jetzt nicht auf das geltend machen zunächst, was im Bette liegenbleibt, sondern auf dasjenige, was sich als das eigentlich Seelische des Menschen, als sein astralischer Leib und sein Ich, herausbegeben hat aus diesem äußeren Menschen, der im Bette liegenbleibt.
[ 2 ] Now let us take a look at this sleeping person. It is, of course, quite natural that, for normal human consciousness, the state of sleep is something uniform that is not examined further. After all, in everyday life we do not ask whether, when a person is in the spiritual world at night, multiple influences and forces act upon their body-less soul, or whether there is only a single, unified force? When a person is in the spiritual world, are they exposed to only one force that permeates the entire spiritual world, or can we distinguish between different forces to which a person is exposed during the state of sleep? — Yes, we can now quite precisely distinguish between the various influences that affect a person while they sleep—mind you, not primarily referring to what remains in bed, but to that which has emerged from this outer human being who remains in bed as the person’s true soul, as their astral body and their I.
[ 3 ] Nun wollen wir uns einmal durch naheliegende Erfahrungen und Tatsachen hinführen auf die verschiedenen Einflüsse, die auf den schlafenden Menschen ausgeübt werden. Dasjenige, was der Mensch im Einschlafen erlebt, braucht er nur einmal genauer zu beobachten, dann kann er an sich bemerken, daß gleichsam jene innere Aktivität, jede Tätigkeit zu erlahmen beginnt, durch die er während des Tagwachens seine Glieder bewegt, durch die er alles dasjenige ausführt, was wir nennen können, mit Hilfe unserer Seele unseren Leib in Bewegung setzen. Wer ein wenig Selbstschau halten wird im Momente des Einschlafens, der wird merken, daß so etwas eintritt wie die Empfindung: Ich kann jetzt nicht mehr jene Herrschaft ausüben über meine eigenen Glieder. — Es beginnt sich der äußeren Tätigkeiten eine Art von Ohnmacht zu bemächtigen. Der Mensch wird zunächst sich unfähig fühlen, durch seinen Willen die Bewegung seiner Glieder zu lenken, und er wird im Momente des Einschlafens keine Herrschaft ausüben können über das, was wir die Sprache nennen. Das ist ja das erste, was der Mensch fühlt nach jenem wie ohnmächtigen Zustand, seine Glieder zu bewegen, daß er sich unfähig fühlt, die Herrschaft auszuüben über die Sprache. Dann fühlt der Mensch nach und nach auch, wie ihm die Möglichkeit entschwindet, mit der Außenwelt überhaupt in irgendeinen Zusammenhang zu treten. Alle die Eindrücke des Tages, sie schwinden dann nach und nach dahin. Dann hören nach und nach die Empfindungsfähigkeiten für den Geschmack und den Geruch und zuallerletzt die Fähigkeit des Hörens auf. In diesem allmählichen Ohnmächtigwerden der inneren Seelentätigkeit verspürt der Mensch das Heraustreten aus seiner leiblichen Hülle.
[ 3 ] Let us now turn to familiar experiences and facts to explore the various influences that act upon the sleeping person. One need only observe more closely what a person experiences when falling asleep to notice that, as it were, that inner activity—every action through which one moves one’s limbs while awake, through which one performs all that we might call setting our body in motion with the help of our soul—begins to subside. Anyone who engages in a little self-observation at the moment of falling asleep will notice that something like the following sensation arises: I can no longer exercise that control over my own limbs. — A kind of powerlessness begins to take hold of the external activities. At first, a person will feel unable to direct the movement of their limbs through their will, and at the moment of falling asleep, they will be unable to exercise any control over what we call speech. This is indeed the first thing a person feels after that state of powerlessness to move their limbs: that they feel unable to exercise control over speech. Then, little by little, the person also feels the possibility of entering into any connection with the outside world at all slipping away. All the impressions of the day then gradually fade away. Then, little by little, the sensory faculties of taste and smell cease, and finally the faculty of hearing. In this gradual fading of inner soul activity, the human being feels himself stepping out of his physical shell.
[ 4 ] Damit haben wir aber schon einen ersten Einfluß charakterisiert, welcher auf den Menschen bewirkt wird während des Schlafzustandes, den Einfluß, der den Menschen gewissermaßen heraustreibt aus seinen Leibern. Es wird derjenige, der Selbstschau hält, verspüren, wie das eine Macht ist, die über ihn kommt, denn im gewöhnlichen normalen Zustand des Lebens befiehlt sich ja der Mensch nicht: Du sollst jetzt einschlafen, du sollst jetzt aufhören zu sprechen, zu schmecken, zu riechen, zu hören —, sondern das ist wie eine Macht, die sich im Menschen geltend macht. Das ist der erste Einfluß aus jener Welt, in der der Mensch des Abends untertaucht, das ist der Einfluß, der ihn sozusagen heraustreibt aus seinem physischen Leib und Äther- oder Lebensleib. Aber wenn dieser Einfluß allein sich geltend machen würde während des Schlafes, was würde dann mit dem Menschen geschehen? Dann würde beim Menschen normalerweise immer ein absolut ruhiger, durch nichts gestörter Schlaf eintreten. Aber wir wissen ja, daß im gewöhnlichen normalen Leben keineswegs nur dieser normale, durch nichts gestörte Schlaf vorhanden ist, sondern daß es eine zweifache Möglichkeit gibt, daß dieser Schlaf in einer anderen Form sich geltend macht. Wir kennen alle einen Zustand, den wir als den Traumzustand bezeichnen, wo sich mehr oder weniger chaotische oder mehr oder weniger deutliche Bilder, Traumbilder, hereindrängen in das Schlafleben. Würde nur der erste Einfluß geltend sein auf den menschlichen Schlaf, der den Menschen wie herausreißt aus seinem Bewußtsein in eine geistige Welt hinein, dann würde immer nur dasjenige vorhanden sein können, was wir einen durch keinen Traum gestörten Schlaf nennen. So daß wir unterscheiden können jenen Einfluß, weicher das Bewußtsein einfach auslöscht, indem er uns heraustreibt aus unserer äußeren Leibeshülle, und jenen Einfluß, der uns in dem leibfreien Zustande die Traumwelt vor die Seele gaukelt, der hineindrängt in unser Schlafleben die Welt des Traumes.
[ 4 ] With this, however, we have already described a first influence that acts upon human beings during sleep—the influence that, in a sense, drives them out of their bodies. Those who engage in self-observation will sense how this is a power that comes over them, for in the ordinary, normal state of life, a person does not command themselves: “You shall now fall asleep; you shall now cease to speak, to taste, to smell, to hear”—rather, it is like a power that asserts itself within the person. This is the first influence from that world into which the human being sinks in the evening; this is the influence that, so to speak, drives them out of their physical body and etheric or life body. But if this influence alone were to assert itself during sleep, what would then happen to the human being? Then, normally, an absolutely peaceful sleep, undisturbed by anything, would set in. But we know, of course, that in ordinary, normal life, this normal, undisturbed sleep is by no means the only form of sleep present; rather, there is a twofold possibility that this sleep manifests itself in a different form. We are all familiar with a state we call the dream state, in which more or less chaotic or more or less distinct images—dream images—intrude into the life of sleep. If only the first influence were to affect human sleep—the one that seems to tear a person out of their consciousness and into a spiritual world—then only what we call sleep undisturbed by any dream could ever exist. So that we can distinguish between that influence which simply extinguishes consciousness by driving us out of our outer physical shell, and that influence which, in the bodiless state, conjures up the dream world before our soul, which intrudes into our sleep life with the world of dreams.
[ 5 ] Das ist aber nicht die einzige Art, wodurch der normale Schlaf beim Menschen eine andere Gestalt annehmen kann. Es gibt noch eine dritte Art. Diese dritte Art tritt allerdings nur bei einer geringen Anzahl von Menschen auf, aber ein jeder weiß, daß sie immerhin bei einer gewissen Anzahl von Menschen vorhanden ist: diese dritte Art ist die, wenn der Mensch anfängt, ohne ein Bewußtsein davon zu haben, aus dem Schlaf heraus zu sprechen oder gewisse Handlungen zu vollführen. Gewöhnlich weiß ja dann der Mensch am Tage nichts von den Antrieben, die ihn zu solchen Schlafhandlungen geführt haben. Es kann sich solches Handeln im Schlaf bis zu demjenigen steigern, was im gewöhnlichen Leben das Nachtwandeln genannt wird. In einzelnen Fällen hat der Mensch etwa auch, während er nachtwandelt, in seinen Schlafzustand gewisse Träume hereingerückt, aber in der Mehrzahl der Fälle ist das gar nicht der Fall, sondern da handelt und spricht der Schlafwandler, ohne daß er in seinem Seelenleben Träume hat. Er handelt dann in gewissem Sinne wie ein Automat, unter dunklen Antrieben, deren er sich nicht einmal traumhaft bewußt zu sein braucht. Diese Handlungen, wo der Mensch aus dem Schlafe heraus gewissermaßen mit der Außenwelt in Berührung tritt wie während des Tageslebens — nur ist es während des Tageslebens bewußt und während der Nacht unbewußt —, diese Handlungen unterliegen einem dritten Einfluß, welcher während des Schlafes auf den Menschen tätig ist.
[ 5 ] But that is not the only way in which normal sleep can take on a different form in humans. There is a third type as well. This third type occurs only in a small number of people, but everyone knows that it does exist in a certain number of people: this third type is when a person begins, without being aware of it, to speak or perform certain actions while asleep. Usually, the person has no recollection during the day of the impulses that led them to such actions during sleep. Such behavior during sleep can escalate to what is commonly called sleepwalking. In some cases, a person may also, while sleepwalking, have certain dreams enter their sleep state, but in the majority of cases this is not the case at all; rather, the sleepwalker acts and speaks without having dreams in their inner life. They then act, in a certain sense, like an automaton, under obscure impulses of which they need not even be consciously aware in a dreamlike state. These actions, in which the person, as it were, comes into contact with the external world from within sleep just as during waking life—only that during waking life it is conscious and during the night it is unconscious—these actions are subject to a third influence that acts upon the person during sleep.
[ 6 ] So können wir für den Schlafzustand drei deutlich zu unterscheidende Einflüsse auf den inneren Menschen, der von dem äußeren während des Schlafes getrennt ist, konstatieren. Diese drei Einflüsse, denen der Mensch ausgesetzt ist während des Schlafes, sind immer da, und die Geisteswissenschaft kann durch Mittel, die wir noch kennenlernen werden im Laufe der Vorträge, wirklich erforschen, daß sie bei jedem Menschen vorhanden sind. Nur überwiegt bei der weitaus größten Anzahl der Menschen der erste Einfluß so, daß sie doch den größten Teil ihrer Schlafenszeit in traumlosem ruhigem Schlaf verbringen. Dann tritt ja fast für alle Menschen der zweite Einfluß immerhin ab und zu ein, daß sich in ihr Schlafbewußtsein hereindrängt der Traumzustand. Aber diese beiden Zustände wirken für die weitaus meisten Menschen so stark, daß das Sprechen und Handeln aus dem Schlafe heraus zu den Seltenheiten gehört. Aber es ist auch der dritte Einfluß, der beim Nachtwandler auftritt, bei jedem Menschen vorhanden. Nur ist beim Schlafwandler der dritte Einfluß so stark, daß er die beiden anderen übertönt und die Herrschaft gewinnt über die beiden schwächeren Einflüsse, während bei den anderen Menschen eben die zwei anderen Einflüsse so stark sind, daß der dritte Einfluß gar nicht zur Geltung kommt und den Menschen nicht zu irgendwelchen Handlungen treibt. Aber vorhanden ist er bei jedem Menschen. Jeder Mensch ist dazu veranlagt, diesen drei Einflüssen zu unterliegen.
[ 6 ] Thus, we can identify three distinct influences on the inner human being—who is separated from the outer self during sleep—that affect the state of sleep. These three influences, to which the human being is exposed during sleep, are always present, and spiritual science can truly demonstrate, through methods we will learn about in the course of these lectures, that they exist in every human being. However, in the vast majority of people, the first influence predominates to such an extent that they spend the greater part of their sleep time in dreamless, peaceful sleep. Then, for almost all people, the second influence does occur from time to time, so that the dream state intrudes into their sleep consciousness. But these two states are so strong for the vast majority of people that speaking and acting while asleep are rare occurrences. Yet the third influence, which occurs in the sleepwalker, is present in every human being. It is just that in the sleepwalker, the third influence is so strong that it drowns out the other two and gains dominance over the two weaker influences, whereas in other people, the other two influences are so strong that the third influence does not come into play at all and does not drive the person to any actions. But it is present in every human being. Every person is predisposed to be subject to these three influences.
[ 7 ] Diese drei Einflüsse hat man nun immer in dem Forschen der Geisteswissenschaft voneinander unterschieden, und wir müssen innerhalb des Seelenlebens des Menschen drei Gebiete annehmen, welche so sind, daß das eine Gebiet mehr dem einen, das zweite Gebiet mehr dem zweiten und das dritte mehr dem dritten Einfluß unterliegen kann. Die Seele des Menschen ist also ein dreigeteiltes Wesen, denn sie kann dreierlei Einflüssen unterliegen. Nun bezeichnet man denjenigen Teil der menschlichen Seele, welcher dem ersten charakterisierten Einfluß unterliegt, der überhaupt die menschliche Seele heraustreibt aus den Leibeshüllen, in der Geisteswissenschaft als die Empfindungsseele. Denjenigen Teil der Seele, auf welchen sich der Einfluß geltend macht, der an zweiter Stelle charakterisiert worden ist, der die Traumbilder hereindrängt in das menschliche Seelenleben während der Nacht, den bezeichnet man als Verstandes- oder Gemütsseele. Und denjenigen Teil der menschlichen Seele, der also für die meisten Menschen überhaupt seine eigenartige Natur im Schlafesleben gar nicht kundgibt, weil die beiden anderen Einflüsse überwiegen, bezeichnet man als Bewußtseinsseele. So haben wir während der Schlafenszeit des Menschen drei Einflüsse zu unterscheiden, und die drei Glieder des Seelenlebens, die diesen drei Einflüssen unterliegen, unterscheiden wir als Empfindungsseele, als Verstandes- oder Gemütsseele und als Bewußtseinsseele. Wenn also der Mensch durch die eine Macht, die wir geschildert haben, in den traumlosen ruhigen Schlaf versetzt wird, dann geschieht aus der Welt heraus, in die er eintritt, ein Einfluß auf seine Empfindungsseele. Wenn der Mensch seinen Schlaf durchsetzt erhält mit den Bildern der Traumwelt, dann geschieht ein Einfluß auf seine Verstandesoder Gemütsseele, und wenn er gar anfängt, in der Nacht zu sprechen oder aus dem Schlafe heraus zu handeln, dann geschieht ein Einfluß auf seine Bewußtseinsseele.
[ 7 ] In spiritual science, these three influences have always been distinguished from one another, and we must assume that there are three spheres within the human soul, such that one sphere may be subject more to the first influence, the second sphere more to the second, and the third more to the third. The human soul is thus a threefold being, for it can be subject to three kinds of influences. Now, in spiritual science, the part of the human soul that is subject to the first influence described—the one that drives the human soul out of the physical body in the first place—is called the feeling soul. The part of the soul upon which the influence characterized in the second place exerts its effect—the influence that brings dream images into the human soul life during the night—is called the intellectual or emotional soul. And that part of the human soul which, for most people, does not reveal its distinctive nature at all in the life of sleep because the other two influences predominate is called the conscious soul. Thus, during human sleep, we must distinguish three influences, and the three aspects of the soul life that are subject to these three influences are distinguished as the feeling soul, the intellectual or emotional soul, and the conscious soul. So when a person is lulled into dreamless, peaceful sleep by the power we have described, an influence from the world into which they enter acts upon their sensory soul. When a person’s sleep is interspersed with images from the dream world, an influence is exerted upon their intellectual or emotional soul; and when they even begin to speak at night or act out of sleep, an influence is exerted upon their conscious soul.
[ 8 ] Nun haben wir aber damit nur die eine Seite des menschlichen Seelenlebens während des Schlafes geschildert. Wir müssen auch noch die andere Seite dieses Schlaflebens schildern, die nun in dem Entgegengesetzten besteht. Wir haben den einschlafenden Menschen geschildert, betrachten wir jetzt den aufwachenden Menschen, der aus dem Schlafesleben wiederum in die physische Welt zurückkehrt. Was geht denn da eigentlich vor mit dem Menschen, der am Morgen beim Aufwachen wiederum in die physische Welt zurückkehrt? Am Abend war es so, daß ihn eine gewisse Macht herausgetrieben hat aus seinem physischen Leib und seinem Äther- oder Lebensleib. Diese Macht ist am Abend dadurch befähigt zum Heraustreiben, weil der Mensch ihr zuerst unterliegt. Er unterliegt in späteren Stadien seines Schlafes den beiden anderen Einflüssen, den Einflüssen auf die Verstandes- oder Gemütsseele und auf die Bewußtseinsseele. Wenn aber diese Einflüsse stattgefunden haben, dann ist der Mensch etwas anderes, als er vorher war. Der Mensch verändert sich während des Schlaflebens, und die Veränderung zeigt sich einfach dadurch, daß der Mensch am Abend ermüdet ist und heraus muß aus seinen Leibeshüllen und daß er am Morgen nicht mehr ermüdet ist und die Fähigkeit hat zurückzukehren. Dasjenige, was mit ihm während des Schlafes geschehen ist, gibt ihm die Fähigkeit, wiederum zurückzukehren in sein Leibesleben. Derselbe Einfluß, der sich in gewissen abnormen Zuständen in unserer Traumwelt geltend macht, der wirkt auch während des ganzen Schlaflebens auf den Menschen, auch dann, wenn keine Träume vorhanden sind; und auch der dritte Einfluß ist immer vorhanden, der beim Nachtwandler zum Vorschein kommt und sich bei anderen Menschen nur nicht auslebt. Alle diese Einflüsse machen sich geltend während des Schlaflebens. Wenn sich letztere beiden Einflüsse, derjenige auf die Verstandes- oder Gemütsseele und der auf die Bewußtseinsseele, geltend gemacht haben, dann ist der Mensch gestärkt und gekräftigt, er hat aus der geistigen Welt heraus jene Kräfte gesogen und gezogen, welche er braucht im nächsten Tagesleben, um die äußere physische Welt wiederum zu erkennen und zu genießen. Es ist vorzugsweise der Einfluß auf die Verstandes- oder Gemütsseele und auf die Bewußtseinsseele, die den Menschen in der Nacht kräftigen. Dann aber, wenn er gekräftigt ist, ist es derselbe Einfluß, der den Menschen herausgetrieben hat aus dem Leibesleben, nur macht er sich jetzt in umgekehrter Weise geltend, welcher den Menschen am Morgen beim Aufwachen wieder zurückführt in seinen physischen und Ätherleib hinein. Dieselbe Macht, die den Menschen des Abends herausgetrieben hat, bringt ihn des Morgens wieder zurück, es ist der Einfluß auf die Empfindungsseele. Alles, was wir als den Inhalt der Empfindungsseele bezeichnen müssen, war am Abend ermattet, müde. Wie fühlen wir in unserer Empfindungsseele am Abend? Das können wir uns leicht vor die Seele stellen: Wenn wir frisch in das Tagesleben hineinleben, dann interessieren uns die Eindrücke der physischen Welt, die Eindrücke von Farbe, Licht, alle Gegenstände um uns herum, sie erfüllen uns mit Sympathie und Antipathie und bereiten uns Freude, Lust und Schmerz. Wir sind hingegeben an die äußere Welt. Was fühlt Freude, Schmerz, Leid, Lust, was nimmt Interesse in uns an den äußeren Gegenständen, was ist gleichsam in uns entzündet, wenn wir mit unseren Empfindungen hingegeben sind an die äußere Welt? Das ist eben die Empfindungsseele. Und diese lebendige Teilnahme an der äußeren Welt fühlen wir ermattet, wie gelähmt, wenn wir die Notwendigkeit des Einschlafens fühlen. Dasselbe, was wir am Abend gelähmt fühlen, fühlen wir am Morgen gestärkt, erfrischt. Wir wachsen hinein in den gewöhnlichen Tageszustand, wir fühlen, daß dieselben Erscheinungen der Empfindungsseele, die am Abend wie gelähmt waren, wiederum frisch auftreten, in erneuerter Gestalt sich geltend machen. Daraus erkennen wir, daß es dieselbe Macht ist, die uns am Abend herausgeführt hat und die am Morgen die erwachende Seele wiederum in den Leib hineinführt, denn was wir am Abend sozusagen ersterben fühlen, fühlen wir am Morgen wie neugeboren. Sie hat denselben Charakter, nur bewegt sie sich das eine Mal in der einen, das andere Mal in der entgegengesetzten Richtung.
[ 8 ] But so far we have described only one aspect of human soul life during sleep. We must also describe the other aspect of this sleep life, which consists of the opposite. We have described the person falling asleep; let us now consider the person waking up, who returns from the life of sleep back into the physical world. What actually happens to the person who returns to the physical world upon waking in the morning? In the evening, a certain power drove them out of their physical body and their etheric or life body. This power is able to drive them out in the evening because the person is initially subject to it. In later stages of sleep, they succumb to the other two influences: those acting upon the intellectual or emotional soul and upon the conscious soul. But once these influences have taken effect, the person is different from what they were before. The human being changes during the sleep life, and the change is evident simply in that the person is tired in the evening and must leave their physical body, and that in the morning they are no longer tired and have the ability to return. That which has happened to them during sleep gives them the ability to return once more to their physical life. The same influence that makes itself felt in certain abnormal states in our dream world also acts upon the human being throughout the entire sleep life, even when there are no dreams; and the third influence is also always present, which manifests itself in the sleepwalker but does not fully play out in other people. All these influences make themselves felt during the sleep life. When the latter two influences—that on the intellectual or emotional soul and that on the conscious soul—have taken effect, then the human being is strengthened and invigorated; they have drawn from the spiritual world those forces they need in the coming day to once again perceive and enjoy the external physical world. It is primarily the influence on the intellectual or emotional soul and on the conscious soul that strengthens the human being during the night. But then, once they are strengthened, it is the same influence that drove the person out of their physical life, only now it asserts itself in the opposite way, leading the person back into their physical and etheric bodies upon waking in the morning. The same power that drove the human being out in the evening brings them back in the morning; it is the influence on the feeling soul. Everything we must describe as the content of the feeling soul was weary and tired in the evening. How do we feel in our sensory soul in the evening? We can easily picture this: When we step fresh into daily life, we are interested in the impressions of the physical world—the impressions of color, light, and all the objects around us; they fill us with sympathy and antipathy and bring us joy, pleasure, and pain. We are devoted to the outer world. What feels joy, pain, sorrow, pleasure; what takes an interest in the external objects within us; what is, as it were, kindled within us when we are devoted to the external world with our feelings? That is precisely the feeling soul. And this lively participation in the external world we feel as if exhausted, as if paralyzed, when we feel the need to fall asleep. The very thing we feel paralyzed by in the evening, we feel strengthened and refreshed by in the morning. We grow into the ordinary state of the day; we feel that the same phenomena of the soul of sensation, which were as if paralyzed in the evening, arise anew, asserting themselves in a renewed form. From this we recognize that it is the same power that led us out in the evening and that in the morning leads the awakening soul back into the body, for what we feel, so to speak, dying in the evening, we feel reborn in the morning. It has the same character, only it moves in one direction at one time and in the opposite direction at another.
[ 9 ] Wenn wir uns eine Zeichnung davon machen wollen, so können wir dies so machen. Ich bemerke ausdrücklich, daß das eine schematische Zeichnung sein soll. Ich will den Moment des Einschlafens, den Moment, wo der Mensch herausgetrieben wird in das Unbewußtsein hinein, dadurch bezeichnen, daß ich hier einen Punkt setze, und das Hineinbegeben in den Schlafzustand dadurch, daß ich eine Linie nach oben zeichne, und das Aufwachen am Morgen wie ein Zurückkommen aus dem Zustande, in dem der Mensch während : der Nacht ist. Den Gang des Lebens während des Tages würde ich dann mit dieser unteren Linie bezeichnen und das Hineingehen wiederum in den Schlafzustand mit dieser Linie, so daß wir mit dieser Schleifenlinie charakterisiert haben würden zunächst den Zustand des Wachens, dann den Zustand des Schlafens. Der obere Teil soll den Zustand des Schlafens bezeichnen, der untere den des Wachens. Dann können wir, wenn wir den Moment des Einschlafens ins Auge fassen, sagen, es wirkt aus der geistigen Welt heraus hier eine Kraft, die uns hineinzieht; die wollen wir bezeichnen mit dem ersten Drittel dieser Linie. Wenn wir in Träume verfallen, wollen wir den Einfluß, der dann auf unsere Verstandes- oder Gemütsseele ausgeübt wird, mit dem zweiten Drittel der Linie bezeichnen. Jenen Zustand, wo eine Kraft wirken würde auf die Bewußtseinsseele, diesen dritten Einfluß, den würden wir bezeichnen mit dem dritten Teile des Viertels der gesamten Linie. Wir würden dann gleichsam am Morgen dieselbe Kraft haben, die uns hier hineingezogen hat, wie eine uns aus dem Schlafleben herausstoßende und in das Tagesleben hineinführende Kraft. Das würde entsprechen derselben Kraft, die auf die Empfindungsseele wirkt. Und in derselben Weise würden wir hier haben jene Kraft, die auf die Verstandes- oder Gemütsseele wirkt. Und hier der ganze Raum, sowohl der erste wie der zweite Teil, würde den Einfluß auf die Bewußtseinsseele bedeuten. So daß der Mensch während der Nacht sozusagen eine Art von Kreislauf durchläuft. Indem er sich vom Einschlafen gleichsam in die Mitte jenes Zustandes bewegt, die zwischen Einschlafen und Aufwachen liegt, bewegt er sich jenem Einfluß zu, wo am stärksten wirkt die Kraft auf seine Bewußtseinsseele. Von jenem Punkt ab bewegt er sich wieder der Kraft entgegen, die wiederum auf seine Empfindungsseele wirkt und ihn in den Wachzustand zurückbringt.
[ 9 ] If we want to draw a diagram of this, we can do so as follows. I would like to emphasize that this is intended to be a schematic diagram. I want to indicate the moment of falling asleep—the moment when a person is driven into unconsciousness—by placing a dot here, and the descent into the state of sleep by drawing a line upward, and waking up in the morning as a return from the state in which a person is during the night. I would then depict the course of life during the day with this lower line and the descent back into the state of sleep with this line, so that with this looping line we would have characterized first the state of waking, then the state of sleeping. The upper part is meant to denote the state of sleeping, the lower part that of waking. Then, when we consider the moment of falling asleep, we can say that a force is acting here from the spiritual world, drawing us in; let us designate this with the first third of this line. When we fall into dreams, let us designate the influence then exerted on our intellectual or emotional soul with the second third of the line. That state in which a force would act upon the conscious soul—this third influence—we would designate with the third part of the quarter of the entire line. We would then, as it were, have the same force in the morning that drew us in here, as a force propelling us out of the life of sleep and leading us into daily life. This would correspond to the same force that acts upon the feeling soul. And in the same way, we would have here that force which acts upon the intellectual or emotional soul. And here the entire space, both the first and the second part, would signify the influence on the conscious soul. So that during the night, the human being, so to speak, goes through a kind of cycle. As he moves from falling asleep, as it were, into the middle of that state that lies between falling asleep and waking up, he moves toward that influence where the force acts most strongly upon his conscious soul. From that point on, he moves again toward the force that in turn acts upon his feeling soul and brings him back to the waking state.


[ 10 ] Wir haben also drei Kräfte, die auf den Menschen während des Schlafzustandes wirken. Diese drei Kräfte haben seit alten Zeiten in der Geisteswissenschaft ganz bestimmte Namen, und ich bitte Sie jetzt, bei diesen Namen nichts anderes zunächst zu denken, als was eben geschildert worden ist. Sie kennen diese Namen natürlich, aber ich bitte Sie, an gar nichts anderes zu denken als an Namen, die den betreffenden Kräften gegeben werden, die in der Nacht auf diese drei Teile der menschlichen Seele wirken. Denn in der Tat ist es so: Wenn Sie zurückgehen würden in alte Zeiten, so waren diese drei Namen diesen drei Kräften gegeben, und wenn diese jetzt gebraucht werden für andere Dinge, so sind sie nicht ursprünglich, sondern entlehnt. Ursprünglich sind diese Namen diesen drei Kräften gegeben. Diejenige Kraft, die auf die Empfindungsseele beim Einschlafen und Aufwachen wirkt, bezeichnete man mit einem Namen, welcher in alten Sprachen sich decken würde mit dem Worte Mars. (Während der folgenden Ausführungen werden der Zeichnung von Seite 69 die Namen Mars, Jupiter usw. hinzugefügt; siehe Zeichnung Seite 75.) Mars ist nichts anderes als ein Name für diejenige Kraft, die auf die Empfindungsseele wirkt, welche des Abends den Menschen heraustreibt aus seinen Leibeshüllen und des Morgens wiederum hineinschickt. Diejenige Kraft, welche wirkt auf die Verstandes- oder Gemütsseele, nach dem Einschlafen und vor dem Aufwachen, sie ist jene Kraft, welche die Welt der Träume hineintreibt in die Verstandes- oder Gemütsseele —, diese Kraft führt den Namen, der sich decken würde mit dem Worte Jupiter. Und diejenige Kraft, welche in besonderen Verhältnissen den Menschen zum Nachtwandler machen würde, die also während des Schlafzustandes auf des Menschen Bewußtseinsseele wirkt, die trägt im Sinne der alten Geisteswissenschaft den Namen Saturn. So daß man also im Sinne der Geisteswissenschaft redet, wenn man sagen würde, Mars hat den Menschen eingeschläfert, Jupiter hat dem Menschen Träume in seinen Schlaf geschickt, und der dunkle finstere Saturn ist die Ursache, die den Menschen, der seinem Einflusse nicht widerstehen kann, in seinem Schlafe aufrüttelt und zu unbewußten Handlungen treibt. Bei diesen Namen dürfen Sie also nicht an das denken, was sie im Sinne der gewöhnlichen Astronomie bedeuten. Vorläufig wollen wir ihre ursprünglichen Bedeutungen nehmen, welche Kräfte bezeichnen, die durchaus geistiger Art sind und die auf den Menschen wirken, wenn er außerhalb seines physischen Leibes und seines Äther- oder Lebensleibes in der geistigen Welt sich befindet, während er schläft.
[ 10 ] So we have three forces that act upon the human being during sleep. These three forces have had very specific names in spiritual science since ancient times, and I ask you now not to think of anything else when you hear these names, other than what has just been described. You are, of course, familiar with these names, but I ask you to think of nothing other than the names given to the forces in question, which act upon these three parts of the human soul during the night. For it is indeed the case that if you were to go back to ancient times, these three names were given to these three forces, and if they are now used for other things, they are not original but borrowed. Originally, these names were given to these three forces. The force that acts upon the sensory soul during falling asleep and waking up was designated by a name which, in ancient languages, would correspond to the word Mars. (In the following discussion, the names Mars, Jupiter, etc., will be added to the diagram on page 69; see diagram on page 75.) Mars is nothing other than a name for the force that acts upon the sensory soul, which in the evening drives the human being out of his physical body and in the morning sends him back into it. The force that acts upon the intellectual or emotional soul after falling asleep and before waking up is the force that drives the world of dreams into the intellectual or emotional soul—this force bears the name that would correspond to the word Jupiter. And the force that, under certain circumstances, would cause a person to sleepwalk—that is, the force that acts upon the human consciousness soul during the state of sleep—is called Saturn in the sense of ancient spiritual science. So that one speaks in the sense of spiritual science when one would say: Mars has lulled the human being to sleep, Jupiter has sent dreams to the human being in his sleep, and the dark, gloomy Saturn is the cause that stirs the human being—who cannot resist its influence—in his sleep and drives him to unconscious actions. When considering these names, you must not think of what they signify in the sense of ordinary astronomy. For the time being, let us take their original meanings, which denote forces that are entirely of a spiritual nature and that act upon the human being when he is in the spiritual world outside of his physical body and his etheric or life body while he sleeps.
[ 11 ] Nun, wenn der Mensch am Morgen aufgewacht ist — ich habe einen Punkt hingezeichnet zu diesem Aufwachen aus dem Grunde, weil ja der Mensch mit dem Aufwachen in der Tat in eine ganz andere Welt tritt —, was geschieht denn, wenn der Mensch aufwacht? Da wird er in eine Welt versetzt, die eigentlich der heutige normale Mensch allein als die seinige ansieht, in welcher ihm von außen entgegentreten die Eindrücke auf seine Sinne. Diese Eindrücke auf seine Sinne, die werden so bewirkt, daß er nicht hinter die sinnlichen Eindrücke hinschauen kann. Sie sind einfach da, sie treten, wenn er des Morgens aufwacht, vor seine Seele hin. Wenn der Mensch aufwacht, ist der ganze Teppich der Sinneswelt vor ihm ausgebreitet. Aber noch etwas anderes ist für den Menschen da, nämlich, daß er nicht nur mit seinen Sinnen wahrnimmt diese äußere Welt, sondern daß er dann, wenn er dieses oder jenes von dieser äußeren Welt wahrnimmt, immer etwas dabei empfindet. Wenn auch die freudige Empfindung bei der Wahrnehmung irgendeiner Farbe noch so gering ist, es ist ein innerer seelischer Vorgang, eine gewisse Empfindung da. Denn jeder wird sich klar sein, daß auf ihn die violette Farbe anders wirkt als die rote, und die blaue anders als die grüne. Alle äußeren Sinneseindrücke wirken so, daß sie innerliche Zustände hervorrufen. Alles dasjenige, was so die äußeren Sinneseindrücke an Empfindungen hervorrufen, das gehört der Empfindungsseele an, während wir die Ursache im Menschen, warum er die Sinneseindrücke empfangen kann, den Empfindungsleib nennen. Der Empfindungsleib verursacht, daß der Mensch Gelb oder Rot sieht. Die Empfindungsseele ist schuld daran, daß er über dieses Gelb oder Rot dieses oder jenes empfindet. Wir müssen haarscharf unterscheiden: Dasjenige, was uns von außen vor die Seele gezaubert wird, das verursacht der Empfindungsleib; dasjenige, was wir innerlich dabei erleben, Lust und Leid oder irgendeine Nuance von jenem Eindruck, den die Farbe auf uns macht, das gehört zur Empfindungsseele. Am Morgen beginnt die Empfindungsseele hingegeben zu sein an die Eindrücke des Empfindungsleibes, wir könnten auch sagen, an die Eindrücke der Außenwelt, die sie durch die Kräfte des Empfindungsleibes aufnimmt. Dasselbe also, was in der Nacht während des Schlafes dem Marseinfluß ausgesetzt war, die Empfindungsseele, das wird am Morgen beim Erwachen den Eindrücken der äußeren Welt ausgesetzt, das wird hingegeben der sinnlichen Welt. Nun bezeichnen wir die gesamte Sinneswelt, insofern sie in unserer Seele gewisse Empfindungen von Lust und Leid, Freude und Schmerz hervorruft, im Sinne der Geisteswissenschaft wiederum mit einem besonderen Namen, mit dem Namen Venus. Ich bitte wiederum, nichts anderes sich darunter zu denken als das, was eben charakterisiert wurde, also dasjenige, was auf unsere Empfindungsseele als Einfluß sich geltend macht aus dem äußeren Teppiche der Sinneswelt heraus, der uns nicht gleichgültig und kalt läßt, sondern uns mit gewissen Empfindungen erfüllt. Diesen Einfluß auf unsere Empfindungsseele, der sich vom Morgen an geltend macht, den bezeichnet man als die Kraft der Venus. So daß wir, ebenso wie wir den Einfluß auf die Empfindungsseele nach dem Einschlafen als Mars bezeichnet haben, diesen Einfluß nach dem Aufwachen als Venuskraft bezeichnen.
[ 11 ] Well, when a person wakes up in the morning—I’ve highlighted this moment of waking up because, after all, when a person wakes up, they do in fact enter a completely different world—what happens when a person wakes up? They are transported into a world that modern people generally regard as their own, a world in which impressions from the outside world strike their senses. These sensory impressions are such that they cannot look beyond them. They are simply there; when they wake up in the morning, they appear before their soul. When a person wakes up, the entire tapestry of the sensory world is spread out before them. But there is something else present for the person, namely, that they do not merely perceive this external world with their senses, but that whenever they perceive this or that from this external world, they always feel something in the process. Even if the joyful feeling upon perceiving a particular color is ever so slight, it is an inner psychological process; a certain feeling is present. For everyone will realize that the color violet affects them differently than red, and blue differently than green. All external sensory impressions act in such a way that they evoke inner states. Everything that the external sensory impressions thus evoke in terms of feelings belongs to the feeling soul, whereas we call the cause within the human being that enables them to receive sensory impressions the feeling body. The feeling body causes the human being to see yellow or red. The sentient soul is responsible for the fact that he feels this or that about this yellow or red. We must make a very fine distinction: that which is conjured up before our soul from the outside is caused by the sensory body; that which we experience inwardly in the process—pleasure and pain or any nuance of the impression the color makes on us—belongs to the sentient soul. In the morning, the soul of sensation begins to be devoted to the impressions of the sensory body; we could also say, to the impressions of the external world that it takes in through the powers of the sensory body. So the very same thing that was exposed to the influence of Mars during the night while we slept—the soul of sensation—is exposed to the impressions of the external world upon waking in the morning; it is surrendered to the sensory world. Now, in the sense of spiritual science, we designate the entire sensory world—insofar as it evokes certain sensations of pleasure and suffering, joy and pain in our soul—with a special name: the name Venus. I ask again that you think of nothing else under this term than what has just been characterized, that is, that which exerts an influence on our soul of feeling from the outer tapestry of the sensory world, which does not leave us indifferent and cold, but fills us with certain feelings. This influence on our feeling soul, which makes itself felt from the morning onward, is called the power of Venus. So that just as we have called the influence on the feeling soul after falling asleep Mars, we call this influence after waking up the power of Venus.
[ 12 ] Ebenso findet aber aus der physischen Welt heraus ein Einfluß statt auf unsere Verstandes- oder Gemütsseele, während sie während des Tages untergetaucht ist in den leiblichen Hüllen, das ist derjenige Einfluß, durch den wir uns den äußeren Eindrücken der Sinneswelt entziehen und diese verarbeiten können. Merken Sie, daß ein Unterschied ist zwischen dem Erleben in der Empfindungsseele und dem Erleben in der Verstandes- oder Gemütsseele; die Empfindungsseele erlebt nur so lange etwas, solange der Mensch der Außenwelt hingegeben ist; sie empfindet eben die Eindrücke der Außenwelt. Wenn aber der Mensch während des Tagwachens einmal eine Weile gar nicht achtgibt auf die Eindrücke der Außenwelt, sondern die äußeren Eindrücke nachklingen läßt und sie verarbeitet in seiner Seele, dann ist der Mensch seiner Verstandesseele hingegeben. Diese ist also etwas mehr selbständig gegenüber der Empfindungsseele. Diejenigen Einflüsse nun, die es möglich machen, daß der Mensch während des Tageslebens nicht nur sozusagen immer dasteht, seine Augen offen und anglotzt den äußeren Sinnesteppich, sondern daß er seine Aufmerksamkeit abwenden kann von alle dem und Gedanken formen kann, durch die er die Eindrücke der Außenwelt kombiniert und sich selbständig machen kann gegenüber der Außenwelt, diese Einflüsse bezeichnen wir als die Kraft des Merkur. So daß wir also sagen können: Wie in der Nacht auf unsere Verstandes- oder Gemütsseele die Jupitereinflüsse sich geltend machen, so machen sich während des Tages die Merkureinflüsse geltend auf unsere Verstandes- oder Gemütsseele. — Merken Sie, daß eine gewisse Korrespondenz besteht zwischen den Einflüssen des Jupiter und des Merkur. Die Einflüsse des Jupiter sind beim heutigen normalen Menschen so, daß sie als Traumbilder in sein Seelenleben hereindrängen, die entsprechenden Einflüsse während des Tages, die Merkureinflüsse, wirken als seine Gedanken, als seine inneren Erlebnisse. Doch bei den Jupitereinflüssen im Traume weiß der Mensch nicht, woher die Dinge eigentlich kommen, während des Tagesbewußtseins, bei den Merkureinflüssen, weiß er es aber. Es sind auch innerliche Vorgänge, die in der Seele ablaufen als innere Bilder. Das ist die Korrespondenz zwischen den Einflüssen des Jupiter und des Merkur.
[ 12 ] Likewise, however, an influence emanates from the physical world upon our intellectual or emotional soul while it is immersed in the physical body during the day; this is the influence through which we can withdraw from the external impressions of the sensory world and process them. Note that there is a difference between experiencing in the feeling soul and experiencing in the intellectual or emotional soul; the feeling soul experiences something only as long as the human being is devoted to the external world; it simply perceives the impressions of the external world. But when, during waking hours, a person pays no attention at all to the impressions of the external world for a while, but instead allows the external impressions to fade and processes them in their soul, then the person is absorbed in their intellectual soul. This is thus somewhat more independent of the feeling soul. Now, those influences that make it possible for a person during the day not merely to stand there, so to speak, with eyes open, gazing at the tapestry of external sensory impressions, but to turn their attention away from all that and form thoughts through which they combine the impressions of the external world and become independent of it—we designate these influences as the power of Mercury. So that we can say: Just as the influences of Jupiter make themselves felt upon our intellectual or emotional soul during the night, so do the influences of Mercury make themselves felt upon our intellectual or emotional soul during the day. — Note that there is a certain correspondence between the influences of Jupiter and Mercury. In today’s average person, the influences of Jupiter enter their soul life as dream images, while the corresponding influences during the day—the influences of Mercury—act as their thoughts, as their inner experiences. Yet with the influences of Jupiter in dreams, the person does not know where things actually come from, whereas during waking consciousness, with the influences of Mercury, they do know. These are also inner processes that take place in the soul as inner images. This is the correspondence between the influences of Jupiter and Mercury.
[ 13 ] Nun gibt es aber auch solche Einflüsse, die während des Tages auf die Bewußtseinsseele wirken. Was ist denn eigentlich für ein Unterschied zwischen Empfindungsseele und Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele? Nun, die Empfindungsseele macht sich geltend, wenn wir die Dinge der Außenwelt einfach anglotzen. Entziehen wir uns für eine Weile den Eindrücken der Außenwelt, geben wir nicht acht auf sie und verarbeiten wir sie, dann sind wir hingegeben unserer Verstandes- oder Gemütsseele. Wenn wir jetzt das Verarbeitete nehmen und uns wiederum der Außenwelt zuwenden und zu ihr in Beziehung setzen, indem wir übergehen zu Taten, dann sind wir hingegeben unserer Bewußtseinsseele. Wenn Ihnen zum Beispiel hier der Blumenstrauß vor Augen steht: Solange Sie ihn bloß anschauen und das Weiß der Rose in Ihnen Gefühle auslöst, so lange sind Sie hingegeben Ihrer Empfindungsseele. Wenn ich nun aber das Auge abwende und gar nicht mehr den Blumenstrauß sehe, sondern darüber nachdenke, dann bin ich hingegeben meiner Verstandes- oder Gemütsseele; da verarbeite ich die Eindrücke, die ich erhalten habe, durch Kombination. Wenn ich jetzt deshalb, weil mir der Blumenstrauß gefallen hat und ich die Eindrücke, die er auf mich gemacht hat, verarbeitet habe, mir sage, ich möchte jemandem eine Freude damit machen, wenn ich ihn dann nehme und also zur Tat übergehe, dann gehe ich aus der Verstandes- oder Gemütsseele heraus, dann trete ich über in die Bewußtseinsseele, da trete ich wiederum mit der Außenwelt in Beziehung. Und das ist eine dritte Kraft, die im Menschen sich geltend macht, die ihn befähigt, nicht nur in sich zu verarbeiten die Eindrücke der Außenwelt, sondern wieder mit der Außenwelt in Beziehung zu treten.
[ 13 ] But there are also influences that affect the conscious soul during the day. What, then, is the difference between the sensory soul, the intellectual or emotional soul, and the conscious soul? Well, the sensory soul comes into play when we simply stare at things in the external world. If we withdraw for a while from the impressions of the external world, pay no attention to them, and process them, then we are devoted to our intellectual or emotional soul. When we now take what we have processed and turn once more to the external world and relate to it by moving on to action, then we are devoted to our conscious soul. For example, if you have this bouquet of flowers before your eyes: as long as you merely look at it and the white of the rose triggers feelings within you, you are devoted to your feeling soul. But if I now turn my gaze away and no longer see the bouquet at all, but instead think about it, then I am in touch with my intellectual or emotional soul; there I process the impressions I have received through combination. If I now, because I liked the bouquet and have processed the impressions it made on me, say to myself, I would like to bring joy to someone with it, and if I then take it and thus move to action, then I step out of the intellectual or emotional soul; I then enter into the conscious soul, where I once again enter into a relationship with the external world. And this is a third force that asserts itself in the human being, enabling them not only to process the impressions of the external world within themselves, but also to re-enter into a relationship with the external world.
[ 14 ] Merken Sie, daß wiederum eine Beziehung besteht zwischen dem Wirken der Bewußtseinsseele im Wachen und dem Wirken der Bewußstseinsseele im Schlafen. Wir haben gesagt, wenn ein solcher Einfluß im Schlafzustand vorhanden ist, dann geht der Mensch über in das Nachtwandeln, er spricht und handelt im Schlafe. Nur, wenn er im Schlafe nachtwandelt, wird er durch die Kraft des dunklen Saturn getrieben, bei Tage ist er mit seinem Ich dabei, er handelt bewußt. Dasjenige, was während des Tageslebens auf die menschliche Bewußtseinsseele wirkt, damit sie aus dem gewöhnlichen Leben heraus zur Selbständigkeit kommen kann, bezeichnen wir als die Kraft des Mondes. Vergessen Sie wiederum, was Sie bisher unter diesem Worte sich vorgestellt haben, Sie werden schon noch verstehen, warum diese Dinge gerade so sind, vorläufig wollen wir diese Namen als Benennungen behalten.
[ 14 ] Notice that there is again a connection between the activity of the consciousness soul during waking life and the activity of the consciousness soul during sleep. We have said that when such an influence is present during sleep, the person begins to sleepwalk; they speak and act in their sleep. Only when they sleepwalk are they driven by the power of dark Saturn; during the day, they are present with their ego and act consciously. We refer to that which acts upon the human consciousness soul during the day so that it can emerge from ordinary life into independence as the power of the Moon. Forget, for the moment, what you have previously imagined this term to mean; you will yet understand why these things are precisely as they are. For now, let us retain these names as designations.
[ 15 ] So haben wir also das menschliche Seelenleben verfolgt durch den Schlaf- und durch den Wachzustand. Wir haben gefunden, daß es in drei voneinander getrennte Glieder zerfällt, daß es dreierlei Einflüssen unterliegt. Wenn der Mensch in der Nacht hingegeben ist derjenigen Welt, die wir bezeichnen müssen als die geistige Welt, dann ist er hingegeben den Kräften, die in der Geisteswissenschaft bezeichnet werden als Mars-, Jupiter- und Saturnkräfte. Wenn er während des Tagwachens sein Seelenleben entfaltet durch die Empfindungsseele, durch die Verstandes- oder Gemütsseele und durch die Bewußtseinsseele, dann ist er hingegeben an diejenigen Kräfte, die bezeichnet werden in der Geisteswissenschaft als Venus-, Merkur und Mondkräfte.
[ 15 ] We have thus traced the life of the human soul through the states of sleep and wakefulness. We have found that it breaks down into three distinct parts, that it is subject to three kinds of influences. When a person is immersed at night in that world which we must call the spiritual world, then they are immersed in the forces that are referred to in spiritual science as the forces of Mars, Jupiter, and Saturn. When, during the waking hours of the day, they unfold their soul life through the feeling soul, the intellectual or emotional soul, and the conscious soul, they are subject to those forces that are referred to in spiritual science as the forces of Venus, Mercury, and the Moon.


[ 16 ] Damit haben wir des Menschen täglichen Weg bezeichnet, den Weg, den er innerhalb von vierundzwanzig Stunden durchmißt. Nun wollen wir, ohne uns vorläufig etwas Besonderes dabei zu denken, heute schon eine andere Reihe von Erscheinungen danebenstellen, eine Reihe von Erscheinungen, welche gewöhnlich nicht unter dem Gesichtspunkte betrachtet wird, welchen wir heute einnehmen wollen. Aber ich bitte ja, diesen Zyklus so zu betrachten, daß seine einzelnen Vorträge zusammengehören und daß im Anfang manches gesagt wird, was erst später seine richtige Beleuchtung finden muß. Ich werde also jetzt etwas neben diese Erscheinungsreihe hinzustellen haben, was einem ganz anderen Gebiete angehört und was wir aus gewissen Gründen neben diese Erscheinungsreihe hinstellen. Wir stellen es hin aus Gründen, die sich im Laufe der Vorträge schon ergeben werden.
[ 16 ] We have thus described the human being’s daily journey, the path he traverses within twenty-four hours. Now, without attaching any particular significance to it for the time being, let us set alongside it another series of phenomena—a series of phenomena that is not usually considered from the perspective we wish to adopt today. But I ask you to view this lecture series in such a way that its individual lectures belong together, and that some things said at the beginning will only be properly illuminated later on. I will therefore now have to place something alongside this series of phenomena that belongs to an entirely different field and that we are placing alongside this series for certain reasons. We are placing it there for reasons that will become apparent in the course of the lectures.
[ 17 ] Sie kennen alle den Gang der Erde um die Sonne aus der gewöhnlichen astronomischen Wissenschaft, und wir wollen jetzt einmal, nur so ganz annähernd im allgemeinen, den Gang der Erde um die Sonne betrachten und das, was dazugehört. Wenn wir diesen Gang der Erde um die Sonne und auch dazu den Gang der anderen Planeten, die zur Sonne gehören, so betrachten, wie sie gewöhnlich in der gebräuchlichen heutigen Wissenschaft betrachtet werden, dann ist diese Betrachtung für die Geisteswissenschaft nur der allerallererste Anfang. Für die Geisteswissenschaft ist nämlich dasjenige, was sich in der äußeren physischen Welt vollzieht, ein Gleichnis, ein äußeres Bild für innere geistige Vorgänge, und dasjenige, was wir lernen aus der gewöhnlichen elementaren Astronomie, was wir gewohnt worden sind, von Kindheit auf zu lernen über unser Planetensystem, das läßt sich vergleichen mit Bezug auf dasjenige, was ihm in Wirklichkeit zugrunde liegt, mit dem, was ein Kind lernt, wenn es den Gang der Uhr kennenlernt. Wenn Sie diesen Gang der Uhr dem Kinde verständlich machen wollen, so machen Sie ihm klar, daß da auf dem Zifferblatte zwölf Ziffern und zwei Zeiger sind, daß der eine von diesen langsam geht und der andere schneller. Sie machen dem Kinde klar, was konventionell die zwölf Ziffern und die zwei Zeiger bedeuten, und Sie machen ihm klar, was da konventionell festgestellt ist, damit das Kind lernt, Ihnen zu sagen, daß, wenn der eine Zeiger über dieser Ziffer steht und der andere über jener, es meinetwillen /210 Uhr ist. Es würde das aber noch nicht viel bedeuten, wenn das Kind nur wüßte, die Uhr so zu beschreiben. Das Kind muß mehr lernen; das Kind muß lernen, zum Beispiel, wenn des Morgens der eine Zeiger über 6 und der andere Zeiger über 12 steht, daß das für eine gewisse Zeit des Jahres bedeutet, daß die Sonne aufgeht. Es muß dasjenige, was sich auf dem Zifferblatt der Uhr ausdrückt, auf andere große Ereignisse beziehen lernen. Das heißt, das Kind muß lernen, die Verhältnisse der Welt anzusehen als das, worauf es ankommt, und in demjenigen, was die Uhr ausdrückt, gleichsam nur ein Gleichnis, ein Bild für die Verhältnisse der Welt. So lernt der Mensch, wenn er der großen Welt gegenüber ein Kind ist, daß sich in der Mitte unseres Sonnensystems die Sonne befindet, daß dann herumgeht zuerst dasjenige, was man als den Planeten Merkur bezeichnet, dann, was man als Venus bezeichnet; daß dann herumgehen Erde mit dem Monde, dann Mars, Jupiter und Saturn. Die anderen wollen wir jetzt unberücksichtigt lassen. Also dasjenige, was man so lernt in der äußeren Astronomie, was Sie zum Beispiel da weiter im Kalender lesen können — wenn Sie einen solchen haben, der die einzelnen Himmelserscheinungen angibt —, daß in gewissen Monaten der Saturn oder der Mars und so weiter da und dort zu finden sind. Wenn Sie diesen Gang der einzelnen Planeten kennen, und Sie kennen die gegenseitige Stellung derselben in bestimmten Jahreszeiten, dann haben Sie so viel gelernt über den Himmelsraum, wie ein Kind gelernt hat, das weiß, wenn die Zeiger der Uhr an bestimmten Ziffern stehen, dann ist es ½10 Uhr.
[ 17 ] You are all familiar with the Earth’s orbit around the Sun from conventional astronomy, and we would now like to take a very general, rough look at the Earth’s orbit around the Sun and what that entails. If we view this orbit of the Earth around the Sun, as well as the orbits of the other planets that belong to the Sun, in the way they are usually viewed in today’s conventional science, then this view is, for spiritual science, only the very, very first beginning. For spiritual science, what takes place in the outer physical world is a parable, an outer image of inner spiritual processes, and what we learn from ordinary elementary astronomy—what we have been accustomed to learning from childhood about our planetary system—can be compared, in relation to what actually underlies it, to what a child learns when it becomes familiar with the movement of a clock. If you want to make the workings of the clock understandable to the child, you explain to them that there are twelve numbers and two hands on the dial, that one of these moves slowly and the other more quickly. You explain to the child what the twelve numbers and the two hands conventionally mean, and you explain what has been conventionally established, so that the child learns to tell you that when one hand is over this number and the other over that one, it is, for my sake, 12:00. But that wouldn’t mean much if the child only knew how to describe the clock that way. The child must learn more; the child must learn, for example, that if in the morning one hand is over 6 and the other hand is over 12, that means, at a certain time of year, that the sun is rising. It must learn to relate what is expressed on the clock face to other major events. That is to say, the child must learn to view the conditions of the world as what really matters, and to see what the clock expresses as, so to speak, merely a parable, an image of the conditions of the world. Thus, when a person is like a child in relation to the vast world, they learn that the Sun is at the center of our solar system, that first what is called the planet Mercury orbits around it, then what is called Venus; that then the Earth and the Moon orbit, followed by Mars, Jupiter, and Saturn. Let us leave the others aside for now. So what one learns in this way in external astronomy—what you can read, for example, further on in the calendar—if you have one that lists the individual celestial phenomena—is that in certain months Saturn or Mars and so on can be found here and there. If you know the course of the individual planets, and you know their relative positions to one another in certain seasons, then you have learned as much about the heavens as a child who knows that when the hands of the clock are at certain numbers, it is half past nine.
[ 18 ] Nun kann man zu alle dem noch etwas hinzulernen. So wie das Kind hinzulernen kann, auf welche Verhältnisse des Lebens sich die Verhältnisse des Zifferblattes beziehen, so kann man nun lernen, diejenigen Weltenkräfte, die als unsichtbare von den Mächten des Makrokosmos in unseren Raum hereinwirken, als das hinter der großen Weltenuhr Stehende zu betrachten; und unser Sonnensystem mit den verschiedenen Stellungen der Planeten zueinander, das drückt — in ähnlicher Weise — dasjenige aus, was man zuschreiben könnte einer mächtigen Weltenuhr. Von dieser Uhr unseres Planetensystems kann man übergehen zu den großen geistigen Weltenverhältnissen. Dann wird einem ein jeder Stand der Planeten in unserem Sonnensystem der Ausdruck werden für etwas, was man als dahinterstehend annehmen kann. Man wird sagen können: Also gibt es Gründe, warum zum Beispiel Venus einmal in einem solchen Verhältnis zu Jupiter steht und ein anderes Mal in einem andern. Es gibt Gründe, zu sagen: Diese Dinge sind hingestellt durch dahinterliegende göttlich-geistige Mächte, geradeso wie es Gründe gibt, warum die Uhr in einer bestimmten Weise konstruiert ist. — Da erweitert sich uns der Gedanke von den Bewegungen der Planeten im Sonnensystem zu einem sinnvollen Ganzen. Das Planetensystem wird für uns zu einer Art Weltenuhr. Wenn nichts hinter dem Planetensystem stünde, dann wäre das vergleichsweise so, als ob jemand eine Uhr nur zum Spaß gebaut hätte, ohne Sinn. Wir können also sagen, das Planetensystem wird für uns zu einer Art von Weltenuhr, zu einem Ausdrucksmittel für dasjenige, was hinter den betreffenden Bewegungen und einzelnen Körpern unseres Sonnensystems wirklich steht.
[ 18 ] Now, one can learn even more about all of this. Just as a child can learn to understand how the relationships on the clock face correspond to the relationships in life, so too can we learn to view those cosmic forces—which, though invisible, act upon our space from the powers of the macrocosm—as the forces behind the great cosmic clock; and our solar system, with the various positions of the planets relative to one another, expresses—in a similar way—what one might attribute to a mighty cosmic clock. From this clock of our planetary system, one can move on to the great spiritual cosmic relationships. Then every position of the planets in our solar system will become an expression of something that one can assume lies behind it. One will be able to say: So there are reasons why, for example, Venus is in one such relationship to Jupiter at one time and in another at another time. There are reasons to say: These things are arranged by divine-spiritual powers lying behind them, just as there are reasons why the clock is constructed in a certain way. — Thus the thought of the movements of the planets in the solar system expands into a meaningful whole for us. The planetary system becomes for us a kind of world clock. If there were nothing behind the planetary system, it would be comparable to someone having built a clock just for fun, without any meaning. We can therefore say that the planetary system becomes for us a kind of world clock, a means of expression for what truly lies behind the movements and individual bodies of our solar system.
[ 19 ] Nun betrachten wir einmal zunächst diese Weltenuhr für sich, betrachten wir sie, damit uns nicht gar zu sehr Vorwürfe gemacht werden von der äußeren Wissenschaft, so — wir könnten sie auch anders betrachten —, wie man es in der äußeren elementaren Wissenschaft gewohnt ist.
[ 19 ] Let us first consider this world clock on its own; let us examine it so that we are not overly criticized by conventional science—though we could also view it differently—in the manner customary in conventional elementary science.
[ 20 ] Vorher will ich noch sagen, daß der Gedanke, als ob sich dieses Planetensystem selbst aufgebaut hätte, sehr leicht zu widerlegen ist. Sie haben ja alle erlebt, daß Ihnen in der Schule die Entstehung des Planetensystems dargestellt worden ist. Es ist Ihnen da etwa gesagt worden: Da war einmal ein riesiger Weltennebel ins Rotieren gekommen, und dann hat sich abgespalten in der Mitte die Sonne und rings herum die Planeten. — Wie könnte auch jemandem ein Zweifel daran kommen, daß die Geschichte so entstanden ist, wie es gelehrt wird in den Schulen, da man die Sache experimentell zeigt. Man zeigt so hübsch, nicht wahr, wie man ein kleines Tröpfchen von irgendeiner Substanz nimmt; man schneidet ein kleines Blatt, das durchgelegt werden kann durch die Äquatorebene des Tropfens, steckt dann von oben eine Stecknadel hinein und bringt das Ganze in eine Flüssigkeit, in der es schwimmt, und versetzt es durch die Stecknadel ins Rotieren. Da kann man sogar zeigen, wie durch das Rotieren die äußeren Tröpfchen sich abspalten, wie in der Mitte ein größerer Tropfen bleibt und wie die kleineren um diesen herumrotieren. Da kann man natürlich sehr leicht zeigen: Nun ja, da haben wir ja die Sache ganz im kleinen; wir haben ein Planetensystem dargestellt! — Wie sollte jemand zweifeln daran, daß das im großen so geschehen ist? Derjenige allerdings, der gewissermaßen ein Spitzbube wäre, der würde sagen: Aber verehrter Herr Lehrer, Sie haben eines vergessen, Sie haben ja etwas vergessen, was ja sonst sehr schön ist zu vergessen, aber in dem Falle geht es halt nicht, Sie haben sich selber vergessen. Schön, Sie haben ja da oben gedreht! — Man dürfte logischerweise nicht das Allerwichtigste vergessen. Man müßte mindestens voraussetzen, daß ein riesiger Herr Lehrer im Weltenraume säße und das ganze Sonnensystem zum Rotieren gebracht hätte. Denn man wird logischerweise bei der Anwendung des Vergleiches nicht etwas weglassen dürfen, was wesentlich ist zum Zustandekommen der Sache. Das ist ganz klar. Also weist das Experiment hin auf etwas, das außer der Sache liegt. Daraus können wir also schon schließen, daß hinter demjenigen, was da rotiert im Weltenraume draußen, was da geschieht für das äußerliche Auge, etwas steht. Geradeso wie der Herr Lehrer hinter dem rotierenden Öltropfen steht beim Experimente, so stehen eben Kräfte und Mächte hinter dem ganzen Weltengebäude, das wir da in unserem Sonnensystem vor uns haben.
[ 20 ] First, I would like to say that the idea that this planetary system formed on its own is very easy to refute. You have all experienced how the formation of the planetary system was presented to you in school. You were told something like this: Once upon a time, a giant cosmic nebula began to rotate, and then the Sun formed in the center, with the planets forming around it. — How could anyone doubt that history unfolded as it is taught in schools, since the matter is demonstrated experimentally? It’s such a neat demonstration, isn’t it, where you take a small droplet of some substance; you cut a small sheet of paper that can be passed through the equatorial plane of the droplet, then insert a pin from above and place the whole thing in a liquid where it floats, and set it spinning using the pin. There one can even show how, through the rotation, the outer droplets break away, how a larger drop remains in the center, and how the smaller ones rotate around it. There, of course, one can very easily demonstrate: Well, there we have the whole thing on a small scale; we have depicted a planetary system! — How could anyone doubt that this is how it happened on a grand scale? The one, however, who would be something of a rascal, would say: “But dear teacher, you’ve forgotten something; you’ve forgotten something that’s otherwise very nice to forget, but in this case it just won’t do—you’ve forgotten yourself.” Fine, you did make it spin up there! — Logically, one shouldn’t forget the most important thing. One would have to at least assume that a giant teacher is sitting in outer space and has set the entire solar system in motion. For, logically, when applying the analogy, one must not omit something that is essential to the matter’s coming into being. That is quite clear. So the experiment points to something that lies outside the phenomenon itself. From this we can already conclude that behind what is rotating out there in outer space—what is happening to the external eye—there is something. Just as the teacher stands behind the rotating drop of oil in the experiment, so forces and powers stand behind the entire cosmic structure that we have before us in our solar system.


[ 21 ] Und nun wollen wir dieses Sonnensystem einmal sozusagen äußerlich betrachten. Da brauchen wir uns nur einmal in der Mitte die Sonne aufzuzeichnen. Wir lassen zunächst die Erde herumrotieren. Von Einzelheiten will ich absehen. Wir wissen, daß die Erde im Laufe eines Jahres also um die Sonne diese Bewegung ausführt. Wir wissen nun aber auch, daß unsere Erde zu einer bestimmten Zeit des Jahres zum Beispiel hier steht und zu einer bestimmten Zeit hier. Wir wissen dann, daß um die Erde herum rotiert der Mond. Also ich werde hier den Mond zeichnen. Wir wissen ferner, daß näher der Sonne herumrotiert derjenige Körper, den man gewöhnlich als Merkur bezeichnet, dann derjenige, den man als Venus bezeichnet. Wir wissen dann, daß ferner außerhalb unserer Erde herumrotieren die Körper, die man bezeichnet als Mars — die Verhältnisse sind natürlich nicht richtig, darauf kommt es aber hier nicht an —, als Jupiter, als Saturn (siehe Zeichnung). Die anderen Planeten wollen wir heute einstweilen unberücksichtigt lassen. Und jetzt nehmen wir einmal den Stand der Erde so, wie das natürlich sehr selten der Fall sein wird, daß die Erde bei ihrem Gang um die Sonne so liegt, daß die Sonne hier ist und die Erde hier, daß dann weiter von der Erde und von der Sonne entfernt sich befinden Mars, Jupiter und Saturn. Wenn wir nun annehmen, daß unsere Erde gerade so steht, daß sie zwischen Mars und Sonne zu stehen kommt, dann haben wir uns zu denken, daß in dem Raum zwischen Erde und Sonne enthalten sind dasjenige, was man gewöhnlich nennt Venus, und dasjenige, was man nennt Merkur. Ich möchte ausdrücklich hervorheben, daß in bezug auf die Bezeichnung dieser beiden Planeten im Laufe der Zeit eine Umänderung stattgefunden hat. Was man heute Merkur nennt, wurde früher Venus genannt, und was man heute Venus nennt, wurde früher Merkur genannt. Daher müssen Sie sich diese Bezeichnungen also umgekehrt denken, so daß das den heutigen Bezeichnungen nicht mehr entspricht. Man muß dasjenige, was der Sonne näher liegt, als Venus bezeichnen, was ihr ferner liegt, als Merkur. Dann kommt der Mond. Wenn Sie sich aber jetzt denken würden die andere Stellung, so daß die Erde auf die andere Seite der Sonne zu liegen kommt (Stellung der Erde wie auf Zeichnung D), so würden Sie, wenn Sie von der Erde zur Sonne gehen, zunächst den Mond bekommen, dann dasjenige, was nach der alten Bezeichnung Merkur ist, dann — nach der alten Bezeichnung — Venus, dann weiter jenseits der Sonne Mars, Jupiter und Saturn. Und Sie würden nun, wenn Sie diese Aufeinanderfolge betrachten und die Erde weglassen, von der Sonne ausgehend nach der einen Seite Venus, Merkur, Mond, nach der anderen Seite Mars, Jupiter, Saturn haben. Sie können nun, wenn Sie diese verschiedenen Körper verbinden, so daß die Sonne den Kreuzungspunkt bezeichnet, dieselbe Schleifenlinie bekommen, die ich früher als die schematische Linie für die Tageserlebnisse des Menschen bezeichnet habe. Das heißt, es gibt eine mögliche Stellung im Sonnensystem, wo die verschiedenen Planeten so angeordnet sind, daß sie eine Raumanordnung angeben, die genau entspricht dem Schema des Tageslaufes des Menschen, wenn man den Moment des Aufwachens und des Einschlafens als den Kreuzungspunkt bezeichnet.
[ 21 ] And now let’s take a look at this solar system from the outside, so to speak. All we need to do is draw the Sun in the center. First, let’s have the Earth rotate around it. I’ll leave out the details. We know that the Earth performs this motion around the Sun over the course of a year. But we also know that at a certain time of year, for example, our Earth is here, and at another time, here. We then know that the Moon rotates around the Earth. So I’ll draw the Moon here. We also know that rotating closer to the Sun is the body commonly referred to as Mercury, followed by the one referred to as Venus. We then know that, further out from our Earth, rotate the bodies referred to as Mars—the proportions are of course not correct, but that is not important here—as Jupiter, as Saturn (see drawing). Let us leave the other planets aside for now. And now let us consider the position of the Earth as it is—though this will, of course, be very rarely the case—where the Earth, in its orbit around the Sun, is situated such that the Sun is here and the Earth is here, with Mars, Jupiter, and Saturn located farther away from both the Earth and the Sun. If we now assume that our Earth is positioned such that it comes to lie between Mars and the Sun, then we must imagine that the space between the Earth and the Sun contains what is commonly called Venus and what is called Mercury. I would like to emphasize explicitly that a change has taken place over time regarding the naming of these two planets. What is called Mercury today was formerly called Venus, and what is called Venus today was formerly called Mercury. Therefore, you must think of these names in reverse, so that they no longer correspond to today’s names. One must designate what is closer to the Sun as Venus, and what is farther from it as Mercury. Then comes the Moon. But if you were to imagine the other configuration, so that the Earth lies on the other side of the Sun (Earth’s position as in Figure D), then, moving from the Earth toward the Sun, you would first encounter the Moon, then what is Mercury according to the old naming convention, then—according to the old naming convention—Venus, and further beyond the Sun, Mars, Jupiter, and Saturn. And if you were to consider this sequence and omit the Earth, starting from the Sun, you would have Venus, Mercury, and the Moon on one side, and Mars, Jupiter, and Saturn on the other. If you now connect these various bodies so that the Sun marks the intersection point, you obtain the same looping line that I previously described as the schematic line representing the course of a human day. That is to say, there is a possible configuration in the solar system where the various planets are arranged in such a way that they indicate a spatial arrangement that corresponds exactly to the pattern of a human day, if one designates the moment of waking and falling asleep as the intersection point.


[ 22 ] So also können wir merkwürdigerweise in unser Planetensystem dieselben Verhältnisse einzeichnen, welche wir schematisch einzeichnen könnten in den Tageslauf des Menschen. Und da können Sie jetzt vorläufig eine Perspektive gewinnen, daß der Anordnung unseres Planetensystems gewaltige Kräfte zugrunde liegen können wir sagen heute vorläufig: können —, welche das ganze große System, diese große Weltenuhr, so regeln im Raum, wie sich in der Zeit im Verlaufe von vierundzwanzig Stunden unser persönliches Leben regelt. Und es wird Ihnen dann der Gedanke nicht mehr absurd erscheinen, daß im Makrokosmos gewaltige, große Kräfte wirklich analog sind den Kräften, die uns einschlafen und aufwachen machen, die uns während des Tages und der Nacht leiten. Und aus einem solchen Gedanken heraus ist in der alten Wissenschaft entstanden die ähnliche Benennung der Planeten mit den Kräften, die auf uns selber wirken, indem man sagte: Die Kraft, die da draußen im Makrokosmos, in der großen Welt den Mars herumtreibt um die Sonne, hat Ähnlichkeit, ist von verwandtem Charakter mit derjenigen Kraft, die uns einschlafen macht. Die Kraft, welche den Jupiter herumtreibt, ist ähnlich der Kraft, welche in die Verstandesseele die Träume sendet. Diejenige Kraft, welche draußen im Makrokosmos die Venus herumtreibt, ist verwandt mit der Kraft, welche unsere Empfindungsseele während des Tages regelt. Der weit entfernte, daher schwach hereinwirkende Saturn, er nimmt sich aus in seiner Wirkung im Raume des Sonnensystems ähnlich wie jene schwache Kraft, die nur in besonderen Fällen zur Auswirkung kommt auf die Bewußtseinsseele, die nur wirkt bei dem Nachtwandler. Und der der Erde ganz nahe stehende Mond, er wird von einer Kraft herumgetrieben um unsere Erde, welche ähnlich ist der Kraft, die uns selber regelt bei unseren bewußsten Taten des Tageslebens, die eigentlich diejenigen sind, welche uns am allernächsten liegen. Da haben Sie schon äußerliche Anhaltspunkte, daß die Raumesentfernungen etwas bedeuten, was sich ausdrückt in unserem eigenen zeitlichen Menschenleben wie stärkere und schwächere Wirkungen. Wir werden in viel tiefere Verhältnisse in bezug auf diese Dinge eindringen, heute sollte nur die Aufmerksamkeit darauf hingelenkt werden. Wenn Sie aber nur oberflächlich in Betracht ziehen, daß der Saturn der am weitesten entfernte Planet ist, der die geringste Wirkung auf unsere Erde hat, so können Sie das damit vergleichen, wie die dunklen Saturnkräfte nur schwach wirken auf den schlafenden Menschen. Und dasjenige, was Kraft ist, die den Jupiter herumtreibt um die Sonne, das ist etwas, was in bezug auf die Entfernung von der Sonne sich auch vergleichen läßt mit demjenigen, was ja auch verhältnismäßig selten in unser Leben hereintritt, die Traumeswelt. Da haben Sie ein merkwürdiges Entsprechen desjenigen, was Menschenleben ist, was Tagesmenschenleben ist, zu demjenigen, was sich draußen im Raume abspielt in der großen Weltenuhr, was als Kraft wirkt in dem Umtreiben der einzelnen Planeten um ihre Sonne. Wir haben ein Entsprechen zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos.
[ 22 ] So, strangely enough, we can map out the same relationships in our planetary system that we could schematically map out in the course of a human day. And here you can now gain a preliminary perspective that the arrangement of our planetary system may be based on immense forces—we can say for the time being: may be—which regulate the entire vast system, this great cosmic clock, in space just as our personal lives are regulated in time over the course of twenty-four hours. And the idea will then no longer seem absurd to you that in the macrocosm, mighty, great forces are truly analogous to the forces that make us fall asleep and wake up, that guide us during the day and the night. And from such a thought arose in ancient science the similar naming of the planets after the forces that act upon us, in that it was said: The force that drives Mars around the Sun out there in the macrocosm, in the great world, bears a resemblance to, and is of a kindred nature with, the force that makes us fall asleep. The force that drives Jupiter is similar to the force that sends dreams into the intellectual soul. The force that drives Venus around out there in the macrocosm is akin to the force that governs our feeling soul during the day. Saturn, which is far away and therefore exerts a weak influence, manifests itself in its effect within the solar system in a manner similar to that weak force which only comes into play in special cases on the conscious soul—a force that is active only in the sleepwalker. And the Moon, which is very close to the Earth, is driven around our Earth by a force similar to the force that governs us in our conscious actions of daily life—actions that are, in fact, the ones closest to us. Here you already have external indications that spatial distances signify something that is expressed in our own temporal human life as stronger and weaker effects. We will delve into much deeper relationships regarding these matters; today, attention should simply be drawn to them. But if you consider only superficially that Saturn is the farthest planet, which has the least effect on our Earth, you can compare this to how the dark Saturn forces act only weakly upon the sleeping human being. And the force that drives Jupiter around the Sun is something that, in terms of its distance from the Sun, can also be compared to that which enters our lives relatively rarely: the world of dreams. Here you have a remarkable correspondence between what human life is, what daily human life is, and what takes place out there in space in the great cosmic clock, which acts as a force in the movement of the individual planets around their sun. We have a correspondence between the microcosm and the macrocosm.
[ 23 ] Sie sehen daraus, daß in der Tat die Welt viel komplizierter ist, als man gewöhnlich glaubt, und daß wir, wenn wir in uns blicken als Menschen, tatsächlich nur dann zurechtkommen, nur dann unsere Menschlichkeit begreifen können, wenn wir alles dasjenige, was in unserer Menschlichkeit mit der großen Welt verwandt ist, in Betracht ziehen. Und aus dem Grunde, weil sie das gewußt haben, haben die Geistesforscher aller Zeiten die entsprechenden Benennungen gewählt für die Erscheinungen und für die einzelnen Dinge der großen Welt und für dasjenige, was in uns selber, in unserer scheinbar so kleinen Welt, in der in die Haut eingeschlossenen Leiblichkeit des Menschen vorgeht.
[ 23 ] You can see from this that the world is indeed much more complicated than is generally believed, and that when we look within ourselves as human beings, we can truly come to terms with ourselves—and understand our humanity—only when we take into account everything in our humanity that is connected to the wider world. And for this very reason—because they knew this—spiritual researchers of all ages have chosen appropriate terms for the phenomena and for the individual things of the wider world, as well as for what takes place within ourselves, in our seemingly so small world, in the physicality of the human being enclosed within the skin.
[ 24 ] Ich konnte Ihnen heute sozusagen nur von ferne hindeuten auf ein gewisses Entsprechen des Mikrokosmos, des Menschen, mit dem Makrokosmos, nämlich mit unserem Sonnensystem. Ich konnte Ihnen an einer schematischen Linie, die sich einzeichnen läßt in das Tagesleben des Menschen ebenso wie in das Sonnensystem, anschaulich machen, daß es da eine solche Entsprechung gibt. Wir haben gleichsam nur ganz von ferne hingedeutet auf Wesenheiten, die unseren Raum durchwirken und die aus ihren Kräften heraus in einer ähnlichen Weise die Bewegungen des Weltensystems regeln uhrmäßig, wie geregelt ist der Gang der Zeiger unserer gewöhnlichen Taschen- oder Wanduhr. Wir haben einen Blick bis an die Grenzen jener Gebiete geworfen, wo wir hoffen können, daß sich uns erschließen werden ganze Geisteswelten. Wir werden die Aufgaben haben, in den kommenden Vorträgen die Planeten gleichsam als die Weltenzeiger der großen Weltenuhr kennenzulernen, und wir werden Gelegenheit haben, auf die Wesenheiten selber hinzudeuten, welche den ganzen Gang des Sonnensystems in Bewegung gebracht haben, welche die Planeten um die Sonne bewegen und welche verwandt sich zeigen mit demjenigen, was im Menschen selber vorgeht. Und so werden wir begreifen, wie der Mensch als Mikrokosmos, als kleine Welt herausgeboren ist aus dem Makrokosmos, aus der großen Welt.
[ 24 ] Today I was able to point out to you, so to speak, only from a distance, a certain correspondence between the microcosm—the human being—and the macrocosm, namely our solar system. Using a schematic line that can be drawn into both human daily life and the solar system, I was able to illustrate that such a correspondence exists. We have, so to speak, only hinted at a great distance at beings who permeate our space and who, through their powers, regulate the movements of the world system in a clockwork manner, just as the movement of the hands of our ordinary pocket or wall clock is regulated. We have cast a glance to the very limits of those realms where we can hope that entire spiritual worlds will open up to us. In the coming lectures, we will have the task of getting to know the planets, as it were, as the world hands of the great world clock, and we will have the opportunity to point to the beings themselves who set the entire course of the solar system in motion, who move the planets around the sun, and who reveal themselves to be related to what takes place within the human being. And so we will understand how the human being, as a microcosm, as a small world, is born out of the macrocosm, out of the great world.
