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The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 119

23 March 1910, Vienna

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Dritter Vortrag

Dritter Vortrag

[ 1 ] Mit dem gestrigen Vortrage — das möchte ich bemerken, damit kein Mißverständnis entsteht — sollte nichts nach irgendeiner Richtung hin jetzt schon bewiesen werden, sondern es sollte am Schlusse nur darauf hingedeutet werden, daß aus gewissen Wahrnehmungen heraus die Geistesforscher der verflossenen Zeiten sich veranlaßt gesehen haben, mit gleichwertigen Namen gewisse Vorgänge und Dinge des Himmelsraumes oder unseres Planetensystems zu bezeichnen und mit denselben Namen andere Vorgänge in unserem eigenen täglichen und nächtlichen Erleben. Es war also der Vortrag mehr darauf berechnet, sozusagen Begriffe herbeizuschaffen, wie wir sie brauchen werden für unsere nächsten Darstellungen. Überhaupt müssen die Vorträge, die in diesem Zyklus gehalten werden, als ein Ganzes angesehen werden, und die ersten Vorträge sind in weitestem Umfange eigentlich dazu bestimmt, erst die Ideen und Begriffe herbeizutragen für die Erkenntnisse der geistigen Welten, die dann in den folgenden Vorträgen mitgeteilt werden sollen. Auch heute werden wir in gewisser Beziehung noch an Naheliegendes anknüpfen, um allmählich aufzusteigen zu fernerliegenden geistigen Gebieten.

[ 1 ] Mit dem gestrigen Vortrage — das möchte ich bemerken, damit kein Mißverständnis entsteht — sollte nichts nach irgendeiner Richtung hin jetzt schon bewiesen werden, sondern es sollte am Schlusse nur darauf hingedeutet werden, daß aus gewissen Wahrnehmungen heraus die Geistesforscher der verflossenen Zeiten sich veranlaßt gesehen haben, mit gleichwertigen Namen gewisse Vorgänge und Dinge des Himmelsraumes oder unseres Planetensystems zu bezeichnen und mit denselben Namen andere Vorgänge in unserem eigenen täglichen und nächtlichen Erleben. Es war also der Vortrag mehr darauf berechnet, sozusagen Begriffe herbeizuschaffen, wie wir sie brauchen werden für unsere nächsten Darstellungen. Überhaupt müssen die Vorträge, die in diesem Zyklus gehalten werden, als ein Ganzes angesehen werden, und die ersten Vorträge sind in weitestem Umfange eigentlich dazu bestimmt, erst die Ideen und Begriffe herbeizutragen für die Erkenntnisse der geistigen Welten, die dann in den folgenden Vorträgen mitgeteilt werden sollen. Auch heute werden wir in gewisser Beziehung noch an Naheliegendes anknüpfen, um allmählich aufzusteigen zu fernerliegenden geistigen Gebieten.

[ 2 ] Wir haben in den ersten Vorträgen dieses Zyklus gesehen und konnten darüber auch schon einiges aus den beiden öffentlichen Vorträgen entnehmen, daß der Mensch in bezug auf seine innere Wesenheit, also in bezug auf dasjenige, was wir auseinandergelegt haben in das eigentliche Ich und den astralischen Leib des Menschen, in seinem Schlafzustand lebt in einer geistigen Welt und beim Aufwachen zurückkehrt in dasjenige, was während des Schlafzustandes im Bett liegenbleibt, in seinen physischen Leib und in seinen Äther- oder Lebensleib. Nun wird sich ja jedem, der das Leben betrachtet, bald zeigen, daß bei diesem Übergang aus dem schlafenden in den wachenden Zustand eigentlich eine vollständige Änderung des Erlebens eintritt. Dasjenige, was wir erleben im wachenden Zustande, ist ja durchaus nicht eine Anschauung oder eine Erkenntnis, die wir gewinnen von den beiden Gliedern der menschlichen Natur, in die wir beim Aufwachen untertauchen. Wir tauchen unter in unseren Äther- oder Lebensleib und in unseren physischen Leib, aber wir lernen sie während des Wachzustandes durchaus nicht so kennen, daß wir sie etwa von innen aus anschauen. Was weiß denn der Mensch im gewöhnlichen Leben davon, wie sein Äther- oder Lebensleib und sein physischer Leib von innen betrachtet aussehen. Das ist ja gerade das Wesentliche bei den Erlebnissen des Wachzustandes, daß wir unsere eigene Wesenheit, so wie sie in der physischen Welt drinnensteht, von außen betrachten und nicht von innen. Wir sehen unseren eigenen physischen Leib mit denselben Augen von außen an, mit denen wir die übrige physische Welt ansehen. Wir betrachten unser eigenes Wesen während des Wachzustandes niemals von innen, sondern immer nur von außen. Wir lernen uns also selber als Menschen im Grunde genommen nur von außen kennen, durch Anschauung, als ein Wesen der Sinneswelt. Wenn wir den Zustand genau ins Auge fassen, der sich als Übergangszustand vom Schlafen zum Wachen charakterisieren läßt, so müssen wir sagen: Wie wäre es denn, wenn wir nun wirklich beim Untertauchen in den Äther- oder Lebensleib und in den physischen Leib uns von innen betrachten würden? — Wir müßten dann etwas ganz anderes sehen. Was wir dann sehen würden, das würden die intimen Erlebnisse sein, die der Mystiker sucht und auf die wir schon ein wenig hingedeutet haben. Der Mystiker sucht die Aufmerksamkeit von der äußeren Welt abzulenken, sucht zum Schweigen zu bringen alles dasjenige, was auf sein Auge eindringt, sucht wirklich hinunterzusteigen in sein inneres Wesen. Aber wenn wir von diesen Erlebnissen des Mystikers zunächst absehen, so können wir sagen: Wir sind im Leben davor behütet, in dieses unser Inneres hineinzusehen, denn in demselben Moment, wo wir aufwachen, wird unser Blick abgelenkt auf die äußere Welt. — So daß also das Aufwachen so beschrieben werden kann, daß man sagt: Statt daß wir uns von innen anschauen, wird im Moment des Aufwachens unser Blick abgelenkt auf die äußere Welt, auf den Sinnenteppich um uns herum, und unser eigener physischer Leib gehört ja zu diesem äußeren Sinnenteppich, wenn wir ihn im Wachen betrachten. — Es entgeht uns also im wachenden Zustande die Möglichkeit, uns selber von innen aus zu betrachten. Es ist, wie wenn wir durch einen Strom geführt würden: Wenn wir schlafen, sind wir diesseits des Stromes, wenn wir aufgewacht sind, sind wir jenseits des Stromes. Würden wir diesseits des Stromes etwas wahrnehmen können, dann würden wir, wie wir später sehen werden, unseren astralischen Leib und unser Ich wahrnehmen. Aber wir sind davor behütet, dieses unser Inneres im Schlafzustand wahrzunehmen, denn wenn wir einschlafen, erlischt die Möglichkeit des Wahrnehmens, es erlischt das Bewußtsein.

[ 2 ] Wir haben in den ersten Vorträgen dieses Zyklus gesehen und konnten darüber auch schon einiges aus den beiden öffentlichen Vorträgen entnehmen, daß der Mensch in bezug auf seine innere Wesenheit, also in bezug auf dasjenige, was wir auseinandergelegt haben in das eigentliche Ich und den astralischen Leib des Menschen, in seinem Schlafzustand lebt in einer geistigen Welt und beim Aufwachen zurückkehrt in dasjenige, was während des Schlafzustandes im Bett liegenbleibt, in seinen physischen Leib und in seinen Äther- oder Lebensleib. Nun wird sich ja jedem, der das Leben betrachtet, bald zeigen, daß bei diesem Übergang aus dem schlafenden in den wachenden Zustand eigentlich eine vollständige Änderung des Erlebens eintritt. Dasjenige, was wir erleben im wachenden Zustande, ist ja durchaus nicht eine Anschauung oder eine Erkenntnis, die wir gewinnen von den beiden Gliedern der menschlichen Natur, in die wir beim Aufwachen untertauchen. Wir tauchen unter in unseren Äther- oder Lebensleib und in unseren physischen Leib, aber wir lernen sie während des Wachzustandes durchaus nicht so kennen, daß wir sie etwa von innen aus anschauen. Was weiß denn der Mensch im gewöhnlichen Leben davon, wie sein Äther- oder Lebensleib und sein physischer Leib von innen betrachtet aussehen. Das ist ja gerade das Wesentliche bei den Erlebnissen des Wachzustandes, daß wir unsere eigene Wesenheit, so wie sie in der physischen Welt drinnensteht, von außen betrachten und nicht von innen. Wir sehen unseren eigenen physischen Leib mit denselben Augen von außen an, mit denen wir die übrige physische Welt ansehen. Wir betrachten unser eigenes Wesen während des Wachzustandes niemals von innen, sondern immer nur von außen. Wir lernen uns also selber als Menschen im Grunde genommen nur von außen kennen, durch Anschauung, als ein Wesen der Sinneswelt. Wenn wir den Zustand genau ins Auge fassen, der sich als Übergangszustand vom Schlafen zum Wachen charakterisieren läßt, so müssen wir sagen: Wie wäre es denn, wenn wir nun wirklich beim Untertauchen in den Äther- oder Lebensleib und in den physischen Leib uns von innen betrachten würden? — Wir müßten dann etwas ganz anderes sehen. Was wir dann sehen würden, das würden die intimen Erlebnisse sein, die der Mystiker sucht und auf die wir schon ein wenig hingedeutet haben. Der Mystiker sucht die Aufmerksamkeit von der äußeren Welt abzulenken, sucht zum Schweigen zu bringen alles dasjenige, was auf sein Auge eindringt, sucht wirklich hinunterzusteigen in sein inneres Wesen. Aber wenn wir von diesen Erlebnissen des Mystikers zunächst absehen, so können wir sagen: Wir sind im Leben davor behütet, in dieses unser Inneres hineinzusehen, denn in demselben Moment, wo wir aufwachen, wird unser Blick abgelenkt auf die äußere Welt. — So daß also das Aufwachen so beschrieben werden kann, daß man sagt: Statt daß wir uns von innen anschauen, wird im Moment des Aufwachens unser Blick abgelenkt auf die äußere Welt, auf den Sinnenteppich um uns herum, und unser eigener physischer Leib gehört ja zu diesem äußeren Sinnenteppich, wenn wir ihn im Wachen betrachten. — Es entgeht uns also im wachenden Zustande die Möglichkeit, uns selber von innen aus zu betrachten. Es ist, wie wenn wir durch einen Strom geführt würden: Wenn wir schlafen, sind wir diesseits des Stromes, wenn wir aufgewacht sind, sind wir jenseits des Stromes. Würden wir diesseits des Stromes etwas wahrnehmen können, dann würden wir, wie wir später sehen werden, unseren astralischen Leib und unser Ich wahrnehmen. Aber wir sind davor behütet, dieses unser Inneres im Schlafzustand wahrzunehmen, denn wenn wir einschlafen, erlischt die Möglichkeit des Wahrnehmens, es erlischt das Bewußtsein.

[ 3 ] So ist tatsächlich eine scharfe Grenze gezogen zwischen unserer inneren und unserer äußeren Welt. Die überschreiten wir mit dem Einschlafen und Aufwachen, aber keine Grenzüberschreitung können wir machen, ohne daß uns eigentlich etwas entzogen wird. Wenn wir die Grenze überschreiten beim Einschlafen, so hört unser Bewußtsein auf, und wir können die geistige Welt nicht mehr beobachten. Beim Aufwachen wird unser Bewußtsein sogleich auf die äußere Welt abgelenkt, und wir können das Geistige, das uns selber zugrunde liegt, nicht mehr beobachten, denn es wird unser Bewußtsein eben in Anspruch genommen von den äußeren Erlebnissen. Dasjenige, was wir da überschreiten, was uns das Geistige verdunkelt in dem Momente, wo wir aufwachen, was uns dieses Geistige nur erkennen läßt wie durch einen Schleier, das ist nichts anderes als etwas, was sich einschiebt zwischen unsere Empfindungsseele und unseren Äther- oder Lebensleib und unseren physischen Leib. Was die letzteren zwei Glieder verdeckt, was uns sie zudeckt beim Aufwachen, das nennen wir Empfindungsleib. Dieser ist die Ursache, daß wir den äußeren Sinnesteppich sehen. In dem Augenblicke, wo wir aufwachen, wird der Empfindungsleib ganz in Anspruch genommen von dem äußeren Sinnesteppich, und wir können nicht in uns selber hineinschauen. So stellt sich dieser Empfindungsleib wie eine Grenze hin zwischen dem, was geistig der äußeren Sinneswelt zugrunde liegt, und unserem inneren Erleben.

[ 3 ] So ist tatsächlich eine scharfe Grenze gezogen zwischen unserer inneren und unserer äußeren Welt. Die überschreiten wir mit dem Einschlafen und Aufwachen, aber keine Grenzüberschreitung können wir machen, ohne daß uns eigentlich etwas entzogen wird. Wenn wir die Grenze überschreiten beim Einschlafen, so hört unser Bewußtsein auf, und wir können die geistige Welt nicht mehr beobachten. Beim Aufwachen wird unser Bewußtsein sogleich auf die äußere Welt abgelenkt, und wir können das Geistige, das uns selber zugrunde liegt, nicht mehr beobachten, denn es wird unser Bewußtsein eben in Anspruch genommen von den äußeren Erlebnissen. Dasjenige, was wir da überschreiten, was uns das Geistige verdunkelt in dem Momente, wo wir aufwachen, was uns dieses Geistige nur erkennen läßt wie durch einen Schleier, das ist nichts anderes als etwas, was sich einschiebt zwischen unsere Empfindungsseele und unseren Äther- oder Lebensleib und unseren physischen Leib. Was die letzteren zwei Glieder verdeckt, was uns sie zudeckt beim Aufwachen, das nennen wir Empfindungsleib. Dieser ist die Ursache, daß wir den äußeren Sinnesteppich sehen. In dem Augenblicke, wo wir aufwachen, wird der Empfindungsleib ganz in Anspruch genommen von dem äußeren Sinnesteppich, und wir können nicht in uns selber hineinschauen. So stellt sich dieser Empfindungsleib wie eine Grenze hin zwischen dem, was geistig der äußeren Sinneswelt zugrunde liegt, und unserem inneren Erleben.

[ 4 ] Wir werden sehen, daß das notwendig ist für das menschliche Leben, denn dasjenige, was der Mensch sehen würde, wenn er durch diesen Strom bewußt hindurchgehen würde, das darf er im normalen Verlaufe seines Lebens zunächst nicht sehen, weil er es nicht aushalten würde, weil er sich erst vorbereiten muß, es zu sehen. Und die mystische Entwickelung besteht nicht darin, daß man mit Gewalt eindringt in die innere Welt unseres Äther- oder Lebensleibes und unseres physischen Leibes, sondern sie besteht darin, daß man sich erst vorbereitet, daß man sich erst reif macht, dasjenige zu sehen, was man dann sehen kann, wenn man bewußt durch diesen Strom hindurchgeht. Was würde mit dem Menschen geschehen, der unvorbereitet hinabtauchen wollte in sein Inneres, der also beim Aufwachen nicht eine äußere Welt sehen wollte, sondern der eindringen wollte in seine eigene innere Welt, in dasjenige, was geistig unserem Äther- oder Lebensleib und unserem physischen Leib zugrunde liegt? Nun, ein solcher Mensch würde in seiner Seele ein Gefühl mit ungeheurer Stärke erleben, das man im gewöhnlichen Leben nur in ganz geringer Abschwächung kennt. Ein Gefühl, das man im gewöhnlichen Leben nur schwach kennt, das würde den Menschen überkommen, wenn er mit voller Aufmerksamkeit beim Aufwachen in sein Inneres hineinsteigen könnte. Durch eine Art Vergleich werden Sie zunächst — und es soll wieder nichts bewiesen werden, sondern es sollen nur Begriffe gewonnen werden — den Begriff erhalten können von diesem Gefühl.

[ 4 ] Wir werden sehen, daß das notwendig ist für das menschliche Leben, denn dasjenige, was der Mensch sehen würde, wenn er durch diesen Strom bewußt hindurchgehen würde, das darf er im normalen Verlaufe seines Lebens zunächst nicht sehen, weil er es nicht aushalten würde, weil er sich erst vorbereiten muß, es zu sehen. Und die mystische Entwickelung besteht nicht darin, daß man mit Gewalt eindringt in die innere Welt unseres Äther- oder Lebensleibes und unseres physischen Leibes, sondern sie besteht darin, daß man sich erst vorbereitet, daß man sich erst reif macht, dasjenige zu sehen, was man dann sehen kann, wenn man bewußt durch diesen Strom hindurchgeht. Was würde mit dem Menschen geschehen, der unvorbereitet hinabtauchen wollte in sein Inneres, der also beim Aufwachen nicht eine äußere Welt sehen wollte, sondern der eindringen wollte in seine eigene innere Welt, in dasjenige, was geistig unserem Äther- oder Lebensleib und unserem physischen Leib zugrunde liegt? Nun, ein solcher Mensch würde in seiner Seele ein Gefühl mit ungeheurer Stärke erleben, das man im gewöhnlichen Leben nur in ganz geringer Abschwächung kennt. Ein Gefühl, das man im gewöhnlichen Leben nur schwach kennt, das würde den Menschen überkommen, wenn er mit voller Aufmerksamkeit beim Aufwachen in sein Inneres hineinsteigen könnte. Durch eine Art Vergleich werden Sie zunächst — und es soll wieder nichts bewiesen werden, sondern es sollen nur Begriffe gewonnen werden — den Begriff erhalten können von diesem Gefühl.

[ 5 ] Es gibt im Menschen dasjenige, was man Schamgefühl nennt. Dieses Schamgefühl besteht ja darin, daß der Mensch, wenn er sich in seiner Seele irgendeiner Sache schämt, die Aufmerksamkeit der anderen ablenken will von dem betreffenden Dinge oder der betreffenden Eigenschaft, deren er sich schämt. Dieses Schamgefühl für etwas, was im Menschen ist und was er nicht zur Offenbarung bringen will, ist eine schwache Andeutung von jenem Gefühl, das zu ungeheuerster Stärke wachsen würde, wenn der Mensch beim Aufwachen bewußt in sein eigenes Innere hineinsehen könnte. Es würde dieses Gefühl sich mit einer solchen Gewalt der menschlichen Seele bemächtigen, daß der Mensch es über alles, was ihm entgegenrtritt, ausgegossen empfinden würde. Er würde ein Erlebnis haben, das sich vergleichen läßt mit dem Gefühl, wie wenn er in Feuer zugrunde gehen würde. Wie eine Art Verbrennen würde dieses Schamgefühl auf ihn wirken. Warum würde es so auf den Menschen wirken? Dieses Schamgefühl würde so auf den Menschen wirken, weil der Mensch in diesem Augenblick empfinden würde, wie eigentlich sein physischer Leib und sein Äther- oder Lebensleib vollkommen sind im Verhältnis zu demjenigen, was er als Seelenwesen ist. Davon, wie der physische Leib und der Äther- oder Lebensleib im Verhältnis zu demjenigen, was der Mensch als Seelenwesen ist, vollkommen sind, kann man sich auch durch gewöhnliche Logik schon einen Begriff machen. Wer rein äußerlich durch die physische Wissenschaft durchdringt den Wunderbau, sagen wir, des menschlichen Herzens oder des menschlichen Gehirns in allen Einzelheiten, ja, wer meinetwillen nur durchdringt ein Stück des menschlichen Knochensystems mit seinem wunderbaren Bau, der wird schon fühlen können, wie unendlich weise und vollkommen dieser menschliche Leib eingerichtet ist. Wenn man nur ein einzelnes Stück Knochen nimmt, zum Beispiel den Oberschenkelknochen, und beobachtet, wie unendlich weise und vollkommen in feinem Netzwerk die Balken so gefügt sind, daß mit dem geringsten Aufwand an Materie die größte Kraft und Tragfähigkeit erzeugt wird, die den Oberleib des Menschen trägt, oder wenn man den wunderbaren Bau des menschlichen Herzens und Gehirns betrachtet, dann kann man schon eine Ahnung erhalten von dem, was man erleben würde, wenn man das Ganze von innen durchschaute, wie es aus Weisheitsurgründen hervorgequollen ist. Vergleicht man damit, was der Mensch als Seelenwesen ist, was er ist in bezug auf seine Genüsse, Leidenschaften und Begierden, so sieht man, wie der Mensch eigentlich darauf aus ist, zu ruinieren den wunderbaren Bau des physischen Leibes. Er entfaltet sein ganzes Leben lang seine Begierden, Triebe und Leidenschaften und geht im Grunde genommen darauf aus, den Wunderbau des physischen Herzens und Gehirns zu ruinieren. Was man im gewöhnlichen Leben beobachten kann, wie der Mensch dadurch, daß er sich dem Genusse dieser oder jener Genußmittel hingibt, sein Herz und sein Gehirn zugrunde richtet, das sind ja sozusagen nur die trivialen Anfänge einer Zerstörungstätigkeit an dem Wunderbau des Menschenleibes. Das alles würde vor der menschlichen Seele lebendig stehen, wenn sie bewußt hinabsteigen würde in ihren Äther- oder Lebensleib und in ihren physischen Leib. Und es würde etwas ungeheuer Niederschmetterndes, etwas Auslöschendes für den Menschen haben, wenn er vergleichen könnte die Unvollkommenheit der menschlichen Seele mit dem Wunderbau des Leibes, wenn er sehen könnte, was in seiner Seele ist, und das vergleichen damit, wie die weise Weltenführung seinen physischen und seinen Ätherleib gemacht hat, in die er jeden Morgen bei dem Aufwachen hinuntertaucht. Darum wird er davor behütet, in bewußter Weise hinunterzusteigen in sein eigenes Inneres, er wird abgelenkt auf das, was sich als äußerer Sinnesteppich vor seinen Sinnen den ganzen Tag über ausbreitet. Er kann nicht hineinschauen in sein Inneres.

[ 5 ] Es gibt im Menschen dasjenige, was man Schamgefühl nennt. Dieses Schamgefühl besteht ja darin, daß der Mensch, wenn er sich in seiner Seele irgendeiner Sache schämt, die Aufmerksamkeit der anderen ablenken will von dem betreffenden Dinge oder der betreffenden Eigenschaft, deren er sich schämt. Dieses Schamgefühl für etwas, was im Menschen ist und was er nicht zur Offenbarung bringen will, ist eine schwache Andeutung von jenem Gefühl, das zu ungeheuerster Stärke wachsen würde, wenn der Mensch beim Aufwachen bewußt in sein eigenes Innere hineinsehen könnte. Es würde dieses Gefühl sich mit einer solchen Gewalt der menschlichen Seele bemächtigen, daß der Mensch es über alles, was ihm entgegenrtritt, ausgegossen empfinden würde. Er würde ein Erlebnis haben, das sich vergleichen läßt mit dem Gefühl, wie wenn er in Feuer zugrunde gehen würde. Wie eine Art Verbrennen würde dieses Schamgefühl auf ihn wirken. Warum würde es so auf den Menschen wirken? Dieses Schamgefühl würde so auf den Menschen wirken, weil der Mensch in diesem Augenblick empfinden würde, wie eigentlich sein physischer Leib und sein Äther- oder Lebensleib vollkommen sind im Verhältnis zu demjenigen, was er als Seelenwesen ist. Davon, wie der physische Leib und der Äther- oder Lebensleib im Verhältnis zu demjenigen, was der Mensch als Seelenwesen ist, vollkommen sind, kann man sich auch durch gewöhnliche Logik schon einen Begriff machen. Wer rein äußerlich durch die physische Wissenschaft durchdringt den Wunderbau, sagen wir, des menschlichen Herzens oder des menschlichen Gehirns in allen Einzelheiten, ja, wer meinetwillen nur durchdringt ein Stück des menschlichen Knochensystems mit seinem wunderbaren Bau, der wird schon fühlen können, wie unendlich weise und vollkommen dieser menschliche Leib eingerichtet ist. Wenn man nur ein einzelnes Stück Knochen nimmt, zum Beispiel den Oberschenkelknochen, und beobachtet, wie unendlich weise und vollkommen in feinem Netzwerk die Balken so gefügt sind, daß mit dem geringsten Aufwand an Materie die größte Kraft und Tragfähigkeit erzeugt wird, die den Oberleib des Menschen trägt, oder wenn man den wunderbaren Bau des menschlichen Herzens und Gehirns betrachtet, dann kann man schon eine Ahnung erhalten von dem, was man erleben würde, wenn man das Ganze von innen durchschaute, wie es aus Weisheitsurgründen hervorgequollen ist. Vergleicht man damit, was der Mensch als Seelenwesen ist, was er ist in bezug auf seine Genüsse, Leidenschaften und Begierden, so sieht man, wie der Mensch eigentlich darauf aus ist, zu ruinieren den wunderbaren Bau des physischen Leibes. Er entfaltet sein ganzes Leben lang seine Begierden, Triebe und Leidenschaften und geht im Grunde genommen darauf aus, den Wunderbau des physischen Herzens und Gehirns zu ruinieren. Was man im gewöhnlichen Leben beobachten kann, wie der Mensch dadurch, daß er sich dem Genusse dieser oder jener Genußmittel hingibt, sein Herz und sein Gehirn zugrunde richtet, das sind ja sozusagen nur die trivialen Anfänge einer Zerstörungstätigkeit an dem Wunderbau des Menschenleibes. Das alles würde vor der menschlichen Seele lebendig stehen, wenn sie bewußt hinabsteigen würde in ihren Äther- oder Lebensleib und in ihren physischen Leib. Und es würde etwas ungeheuer Niederschmetterndes, etwas Auslöschendes für den Menschen haben, wenn er vergleichen könnte die Unvollkommenheit der menschlichen Seele mit dem Wunderbau des Leibes, wenn er sehen könnte, was in seiner Seele ist, und das vergleichen damit, wie die weise Weltenführung seinen physischen und seinen Ätherleib gemacht hat, in die er jeden Morgen bei dem Aufwachen hinuntertaucht. Darum wird er davor behütet, in bewußter Weise hinunterzusteigen in sein eigenes Inneres, er wird abgelenkt auf das, was sich als äußerer Sinnesteppich vor seinen Sinnen den ganzen Tag über ausbreitet. Er kann nicht hineinschauen in sein Inneres.

[ 6 ] Der Vergleich zwischen der menschlichen Seele und demjenigen, was geistig zugrunde liegt dem physischen und Äther- oder Lebensleib, würde Schamgefühl hervorrufen, und diesem Gefühl wird vorgearbeitet durch alle jene Seelenerlebnisse, die der Mystiker durchmacht, bevor er würdig wird, hinunterzusteigen in sein Inneres. Es sind namentlich die Erlebnisse des Mystikers, die in seiner Seele hervorrufen den denkbar stärksten Vorsatz, seine Seele selber als unbedeutend, als schwach zu empfinden, als so zu empfinden, daß sie einen unendlich weiten Weg der Vervollkommnung vor sich hat. Daher muß der Mystiker namentlich die Empfindungen der Demut und der Vervollkommnungssehnsucht in seiner Seele erwecken, damit sie ihn vorbereiten, den Vergleich dadurch auszuhalten, sonst müßte er vor Scham wie im Feuer verbrennen. Der Mystiker macht sich reif dazu durch folgende Gedanken: Gewiß, wenn ich das anschaue, was ich bin, und es vergleiche mit dem, was die weise Weltenlenkung an mir gemacht hat, muß ich einsehen, wie klein, wie schlecht, wie niedrig ich noch bin. — Und das Schamgefühl, das ja äußerlich Schamröte erzeugt, würde sich so auswachsen, daß es wirklich ein versengendes, brennendes Feuer werden könnte, wenn nicht der Mystiker sich sagen könnte: Ja, jetzt fühle ich mich so gering als möglich gegenüber demjenigen, was ich werden kann, aber ich will versuchen, die starken Kräfte in mir zu entwickeln, die mich fähig machen, auch geistig dem zu entsprechen, was die weise Weltenlenkung in meine Leiblichkeit hineingebaut hat. — Dem Mystiker, der in sein Inneres hineinsteigen will, wird begreiflich gemacht von dem geistigen Lehrer, daß er zunächst fühlen muß ein Gefühl der Demut, das sozusagen bis ins Unendliche geht. Dieses Gefühl läßt sich etwa so schildern. Man kann demjenigen, der angehender Mystiker ist, sagen: Sieh dir einmal die Pflanze an. Die Pflanze wurzelt in dem Boden. Der Boden bietet ihr ein Reich dar, das niedriger ist als das Pflanzenreich. Die Pflanze kann aber nicht leben ohne dieses Reich, das zunächst für ein niedrigeres genommen werden muß. Wenn die Pflanze sich hinunterneigt zu dem mineralischen Reich, dann kann sie sagen: Diesem niedrigeren Reich, aus dem ich hervorgewachsen bin, dem verdanke ich mein Dasein. Sie müßte sich in Demut zu dem niedrigeren Reich neigen und sagen: Dir verdanke ich, daß ich bin. Ebenso verdankt das Tier dem Pflanzenreich das Dasein. Es müßte, wenn es seiner Stellung im Weltenbau sich bewußt werden würde, in Demut sich zum niedrigeren Reiche neigen. Und der Mensch, der sich umschaut in der Welt, er müßte sagen: Eigentlich könnte ich diese Stufe nicht erreicht haben, wenn nicht alles dasjenige, was unter mir ist, sich in der entsprechenden Weise entwickelt hätte. — Wenn der Mensch solche Gefühle in seiner Seele entwickelt, dann kommt in sie die Stimmung, daß er eigentlich nicht nur Grund hat, in Dankbarkeit aufzublicken zu dem, was über ihm ist, sondern auch mit Dank zu schauen auf dasjenige, was unter ihm ist. Wenn das so recht in der Seele sich verbreitet, was man die Erziehung zur Demut nennen kann, dann wird die Seele durchflossen und durchdrungen von diesem Demutsgefühl, von dieser Demutsempfindung, daß man noch einen unendlich weiten Weg vor sich hat, um vollkommen zu werden.

[ 6 ] Der Vergleich zwischen der menschlichen Seele und demjenigen, was geistig zugrunde liegt dem physischen und Äther- oder Lebensleib, würde Schamgefühl hervorrufen, und diesem Gefühl wird vorgearbeitet durch alle jene Seelenerlebnisse, die der Mystiker durchmacht, bevor er würdig wird, hinunterzusteigen in sein Inneres. Es sind namentlich die Erlebnisse des Mystikers, die in seiner Seele hervorrufen den denkbar stärksten Vorsatz, seine Seele selber als unbedeutend, als schwach zu empfinden, als so zu empfinden, daß sie einen unendlich weiten Weg der Vervollkommnung vor sich hat. Daher muß der Mystiker namentlich die Empfindungen der Demut und der Vervollkommnungssehnsucht in seiner Seele erwecken, damit sie ihn vorbereiten, den Vergleich dadurch auszuhalten, sonst müßte er vor Scham wie im Feuer verbrennen. Der Mystiker macht sich reif dazu durch folgende Gedanken: Gewiß, wenn ich das anschaue, was ich bin, und es vergleiche mit dem, was die weise Weltenlenkung an mir gemacht hat, muß ich einsehen, wie klein, wie schlecht, wie niedrig ich noch bin. — Und das Schamgefühl, das ja äußerlich Schamröte erzeugt, würde sich so auswachsen, daß es wirklich ein versengendes, brennendes Feuer werden könnte, wenn nicht der Mystiker sich sagen könnte: Ja, jetzt fühle ich mich so gering als möglich gegenüber demjenigen, was ich werden kann, aber ich will versuchen, die starken Kräfte in mir zu entwickeln, die mich fähig machen, auch geistig dem zu entsprechen, was die weise Weltenlenkung in meine Leiblichkeit hineingebaut hat. — Dem Mystiker, der in sein Inneres hineinsteigen will, wird begreiflich gemacht von dem geistigen Lehrer, daß er zunächst fühlen muß ein Gefühl der Demut, das sozusagen bis ins Unendliche geht. Dieses Gefühl läßt sich etwa so schildern. Man kann demjenigen, der angehender Mystiker ist, sagen: Sieh dir einmal die Pflanze an. Die Pflanze wurzelt in dem Boden. Der Boden bietet ihr ein Reich dar, das niedriger ist als das Pflanzenreich. Die Pflanze kann aber nicht leben ohne dieses Reich, das zunächst für ein niedrigeres genommen werden muß. Wenn die Pflanze sich hinunterneigt zu dem mineralischen Reich, dann kann sie sagen: Diesem niedrigeren Reich, aus dem ich hervorgewachsen bin, dem verdanke ich mein Dasein. Sie müßte sich in Demut zu dem niedrigeren Reich neigen und sagen: Dir verdanke ich, daß ich bin. Ebenso verdankt das Tier dem Pflanzenreich das Dasein. Es müßte, wenn es seiner Stellung im Weltenbau sich bewußt werden würde, in Demut sich zum niedrigeren Reiche neigen. Und der Mensch, der sich umschaut in der Welt, er müßte sagen: Eigentlich könnte ich diese Stufe nicht erreicht haben, wenn nicht alles dasjenige, was unter mir ist, sich in der entsprechenden Weise entwickelt hätte. — Wenn der Mensch solche Gefühle in seiner Seele entwickelt, dann kommt in sie die Stimmung, daß er eigentlich nicht nur Grund hat, in Dankbarkeit aufzublicken zu dem, was über ihm ist, sondern auch mit Dank zu schauen auf dasjenige, was unter ihm ist. Wenn das so recht in der Seele sich verbreitet, was man die Erziehung zur Demut nennen kann, dann wird die Seele durchflossen und durchdrungen von diesem Demutsgefühl, von dieser Demutsempfindung, daß man noch einen unendlich weiten Weg vor sich hat, um vollkommen zu werden.

[ 7 ] Alles, was jetzt gesagt worden ist, kann nicht erschöpft werden mit Begriffen und Ideen. Wenn man das könnte, dann wäre der Mystiker bald fertig. Aber es läßt sich nicht erschöpfen mit Begriffen und Ideen, sondern es läßt sich nur erleben. Nur derjenige, der immer wieder und wiederum solche Gefühle erlebt, der verbreitet über seine Seele die Grundstimmung, die notwendig ist für den Mystiker. Wenn der Mensch reif werden will, hinunterzusteigen in sein Inneres, dann muß er jenes Gefühl entwickeln, welches ihn befähigt, dasjenige, was sich ihm in den Weg stellen kann, wenn er vollkommener und immer vollkommener werden will, zu ertragen. Ergebenheitsgefühl muß er dem gegenüber entwickeln, was er ertragen soll, um sich einer gewissen Stufe der Vollkommenheit zu nähern. Es muß durch lange, lange Zeiten hindurch der Mystiker in sich das Gefühl ausbilden, daß man nur durch Überwindung von Leid die starken Kräfte entwickelt, die man braucht, um die Seele aus jenem Zustand herauszubringen, in dem sie sich schwach fühlen muß gegenüber demjenigen, was sich ihr in den Weg stellt. Da muß die Seele auf sich wirken lassen jene Empfindung, durch die sie sich immer wiederum sagt: Wenn auch noch so viel Schmerzen mich treffen werden, ich will aufrecht stehen ihnen gegenüber, ich will nicht wanken; denn wenn ich nur das genießen würde, was mir das Leben an Glück bringt, dann würde ich niemals die starke Kraft entwickeln können, die die menschliche Seele braucht. Kräfte werden durch Widerstand, in der Überwindung von Hindernissen erlangt, nicht dadurch, daß man einen Zustand einfach hinnimmt. Nur dadurch werden die Kräfte gestählt, daß man sie anspannt in der Überwindung von Hindernissen, daß der Mensch bereit ist, Leid und Schmerz mit Ergebung zu ertragen. Das ist etwas, was der Mystiker in seiner Seele entwickelt, wenn er sich bereit machen will, hinunterzusteigen in das eigene Innere, ohne in Schamgefühl zu verbrennen.

[ 7 ] Alles, was jetzt gesagt worden ist, kann nicht erschöpft werden mit Begriffen und Ideen. Wenn man das könnte, dann wäre der Mystiker bald fertig. Aber es läßt sich nicht erschöpfen mit Begriffen und Ideen, sondern es läßt sich nur erleben. Nur derjenige, der immer wieder und wiederum solche Gefühle erlebt, der verbreitet über seine Seele die Grundstimmung, die notwendig ist für den Mystiker. Wenn der Mensch reif werden will, hinunterzusteigen in sein Inneres, dann muß er jenes Gefühl entwickeln, welches ihn befähigt, dasjenige, was sich ihm in den Weg stellen kann, wenn er vollkommener und immer vollkommener werden will, zu ertragen. Ergebenheitsgefühl muß er dem gegenüber entwickeln, was er ertragen soll, um sich einer gewissen Stufe der Vollkommenheit zu nähern. Es muß durch lange, lange Zeiten hindurch der Mystiker in sich das Gefühl ausbilden, daß man nur durch Überwindung von Leid die starken Kräfte entwickelt, die man braucht, um die Seele aus jenem Zustand herauszubringen, in dem sie sich schwach fühlen muß gegenüber demjenigen, was sich ihr in den Weg stellt. Da muß die Seele auf sich wirken lassen jene Empfindung, durch die sie sich immer wiederum sagt: Wenn auch noch so viel Schmerzen mich treffen werden, ich will aufrecht stehen ihnen gegenüber, ich will nicht wanken; denn wenn ich nur das genießen würde, was mir das Leben an Glück bringt, dann würde ich niemals die starke Kraft entwickeln können, die die menschliche Seele braucht. Kräfte werden durch Widerstand, in der Überwindung von Hindernissen erlangt, nicht dadurch, daß man einen Zustand einfach hinnimmt. Nur dadurch werden die Kräfte gestählt, daß man sie anspannt in der Überwindung von Hindernissen, daß der Mensch bereit ist, Leid und Schmerz mit Ergebung zu ertragen. Das ist etwas, was der Mystiker in seiner Seele entwickelt, wenn er sich bereit machen will, hinunterzusteigen in das eigene Innere, ohne in Schamgefühl zu verbrennen.

[ 8 ] Das alles, was da durchzumachen ist, muß selbstverständlich der Mensch im normalen Leben nicht durchmachen, und niemand darf glauben, daß an den gewöhnlichen Menschen das Ansinnen gestellt wird durch irgendeine Geisteswissenschaft, daß er solche Übungen durchmacht. Was hier geschildert wird, ist nicht etwas, was Forderungen aufstellt, sondern es geschieht, um zu erzählen, was diejenigen, die freiwillig eine Summe von solchen Erlebnissen auf sich nehmen, aus ihrer Seele machen können, und was der Mystiker erstrebt; er macht seine Seele fähig, hinunterzusteigen in dieses menschliche Innere. Im normalen Verlauf des Lebens stellt sich aber zwischen das, was man als Mystiker erleben kann im Innern, und das, was man in der äußeren Welt erlebt, der Empfindungsleib des Menschen hinein und behütet den Menschen davor, daß er unvorbereitet in sein Inneres hineinsteigt und sozusagen vor Schamgefühl verbrennen würde. Was es ist, das den Menschen davor behütet, unvorbereitet in sein Inneres hineinzusteigen, kann er natürlich im normalen Verlauf des Lebens nicht erfahren, denn da dringt er schon an die Grenze der geistigen Welt. Diese Grenze muß der Geistesforscher, der das menschliche Innere erforschen will, allerdings überschreiten. Der Geistesforscher muß also hindurchschreiten durch den Strom, der das gewöhnliche, normale menschliche Bewußtsein ablenkt von dem Inneren auf das Äußere. Dieses gewöhnliche, normale menschliche Bewußtsein wird behütet, in einem unreifen Zustand hineinzugelangen in das menschliche Innere, wird behütet davor, im Feuer der eigenen Scham zu verbrennen. Die Macht, welche da den Menschen jeden Morgen beim Aufwachen behütet, hineinzusteigen in das eigene Innere, kann der Mensch nicht sehen. Es ist die erste geistige Wesenheit, welcher der echte, wirkliche Geistesforscher auf dem Wege, der in sein Inneres führt, begegnet. Er muß vorbeikommen an jener Wesenheit, welche im normalen Bewußtsein ihn behütet vor dem innerlichen Verbrennen, vor dem innerlichen Brande. Er muß vorbeikommen an derjenigen Wesenheit, die ablenkt sein Nach-innen-Schauen auf die Außenwelt, auf den äußeren Sinnesteppich. Die Wirkung dieser Wesenheit verspürt das normale Bewußtsein. Sehen kann der Mensch sie nicht, denn es ist schon die erste geistige Wesenheit, an der wir vorbeikommen müssen, wenn wir in die geistige Welt eindringen wollen. Und diese geistige Wesenheit, welche jeden Morgen beim Menschen steht und ihn davor behütet, in unreifem Zustand sein eigenes Innere geistig zu schauen, nennen wir in der Geisteswissenschaft den kleinen Hüter der Schwelle. An diesem kleinen Hüter der Schwelle vorbei führt der Weg in die geistige Welt hinein.

[ 8 ] Das alles, was da durchzumachen ist, muß selbstverständlich der Mensch im normalen Leben nicht durchmachen, und niemand darf glauben, daß an den gewöhnlichen Menschen das Ansinnen gestellt wird durch irgendeine Geisteswissenschaft, daß er solche Übungen durchmacht. Was hier geschildert wird, ist nicht etwas, was Forderungen aufstellt, sondern es geschieht, um zu erzählen, was diejenigen, die freiwillig eine Summe von solchen Erlebnissen auf sich nehmen, aus ihrer Seele machen können, und was der Mystiker erstrebt; er macht seine Seele fähig, hinunterzusteigen in dieses menschliche Innere. Im normalen Verlauf des Lebens stellt sich aber zwischen das, was man als Mystiker erleben kann im Innern, und das, was man in der äußeren Welt erlebt, der Empfindungsleib des Menschen hinein und behütet den Menschen davor, daß er unvorbereitet in sein Inneres hineinsteigt und sozusagen vor Schamgefühl verbrennen würde. Was es ist, das den Menschen davor behütet, unvorbereitet in sein Inneres hineinzusteigen, kann er natürlich im normalen Verlauf des Lebens nicht erfahren, denn da dringt er schon an die Grenze der geistigen Welt. Diese Grenze muß der Geistesforscher, der das menschliche Innere erforschen will, allerdings überschreiten. Der Geistesforscher muß also hindurchschreiten durch den Strom, der das gewöhnliche, normale menschliche Bewußtsein ablenkt von dem Inneren auf das Äußere. Dieses gewöhnliche, normale menschliche Bewußtsein wird behütet, in einem unreifen Zustand hineinzugelangen in das menschliche Innere, wird behütet davor, im Feuer der eigenen Scham zu verbrennen. Die Macht, welche da den Menschen jeden Morgen beim Aufwachen behütet, hineinzusteigen in das eigene Innere, kann der Mensch nicht sehen. Es ist die erste geistige Wesenheit, welcher der echte, wirkliche Geistesforscher auf dem Wege, der in sein Inneres führt, begegnet. Er muß vorbeikommen an jener Wesenheit, welche im normalen Bewußtsein ihn behütet vor dem innerlichen Verbrennen, vor dem innerlichen Brande. Er muß vorbeikommen an derjenigen Wesenheit, die ablenkt sein Nach-innen-Schauen auf die Außenwelt, auf den äußeren Sinnesteppich. Die Wirkung dieser Wesenheit verspürt das normale Bewußtsein. Sehen kann der Mensch sie nicht, denn es ist schon die erste geistige Wesenheit, an der wir vorbeikommen müssen, wenn wir in die geistige Welt eindringen wollen. Und diese geistige Wesenheit, welche jeden Morgen beim Menschen steht und ihn davor behütet, in unreifem Zustand sein eigenes Innere geistig zu schauen, nennen wir in der Geisteswissenschaft den kleinen Hüter der Schwelle. An diesem kleinen Hüter der Schwelle vorbei führt der Weg in die geistige Welt hinein.

[ 9 ] So haben wir zunächst an ganz naheliegenden Erlebnissen des Tages unser Bewußtsein hingeführt bis zu der Grenze, wo wir ahnen können, was der Geistesforscher sieht als den kleinen Hüter der Schwelle. Beschreiben wollen wir diesen kleinen Hüter der Schwelle später, denn wir wollen ausgehen von Bekanntem und allmählich dem Unbekannten uns nähern. Damit also ist auch schon angedeutet, daß wir unser wahres Wesen eigentlich im Tagesbewußtsein, im Wachzustand gar nicht sehen. Und wenn wir unser eigenes Wesen im Sinne der beiden letzten Vorträge den Mikrokosmos nennen, die kleine Welt, dann können wir sagen: Wir sehen den Mikrokosmos eigentlich niemals in seiner wahren geistigen Gestalt, sondern wir sehen nur das, was sich im normalen Zustande von ihm zeigt, nur das Äußere. Es ist also wirklich etwas, was sich vergleichen läßt mit einer Art von Spiegelbild. So wie wir, wenn wir in den Spiegel sehen, unser Bild sehen und nicht uns selber, so sehen wir den Mikrokosmos, das eigentliche Wesen des Menschen, wenn wir im Tagesbewußtsein sind, nicht selber, sondern wir sehen nur sein Spiegelbild; wir sehen den Mikrokosmos im Spiegelbild.

[ 9 ] So haben wir zunächst an ganz naheliegenden Erlebnissen des Tages unser Bewußtsein hingeführt bis zu der Grenze, wo wir ahnen können, was der Geistesforscher sieht als den kleinen Hüter der Schwelle. Beschreiben wollen wir diesen kleinen Hüter der Schwelle später, denn wir wollen ausgehen von Bekanntem und allmählich dem Unbekannten uns nähern. Damit also ist auch schon angedeutet, daß wir unser wahres Wesen eigentlich im Tagesbewußtsein, im Wachzustand gar nicht sehen. Und wenn wir unser eigenes Wesen im Sinne der beiden letzten Vorträge den Mikrokosmos nennen, die kleine Welt, dann können wir sagen: Wir sehen den Mikrokosmos eigentlich niemals in seiner wahren geistigen Gestalt, sondern wir sehen nur das, was sich im normalen Zustande von ihm zeigt, nur das Äußere. Es ist also wirklich etwas, was sich vergleichen läßt mit einer Art von Spiegelbild. So wie wir, wenn wir in den Spiegel sehen, unser Bild sehen und nicht uns selber, so sehen wir den Mikrokosmos, das eigentliche Wesen des Menschen, wenn wir im Tagesbewußtsein sind, nicht selber, sondern wir sehen nur sein Spiegelbild; wir sehen den Mikrokosmos im Spiegelbild.

[ 10 ] Sehen wir denn den Makrokosmos in seiner Wirklichkeit? Wir wollen wiederum ganz naheliegende tägliche Erlebnisse vor unsere Seele hinstellen. Was erlebt der Mensch im Verlaufe von vierundzwanzig Stunden in der sinnlichen Außenwelt? In der sinnlichen Außenwelt erlebt der Mensch auch einen Wandel zwischen Tag und Nacht, wie im Mikrokosmos, nur tritt ihm dieser jetzt in der Außenwelt entgegen. Er erlebt, wie des Morgens die Sonne aufgeht, wie sie des Abends untergeht. Er erlebt, wie ihm das Sonnenlicht zunächst beleuchtet all die Gegenstände um ihn herum. Was ist es denn, was der Mensch vom Sonnenaufgang zum Sonnenuntergang sieht? Im Grunde genommen sieht er gar nicht die Gegenstände, sondern er sieht das Sonnenlicht, das sie ihm zurück werfen. Einen Gegenstand im Finstern sehen wir nicht. Einen Gegenstand in unbeleuchtetem Zustand kann der Mensch nicht sehen. Was für das Auge gilt, können wir auch für die übrigen Sinne sagen, aber wir wollen zunächst beim Auge bleiben. Wenn man in die Sonne sieht, so werden die Augen geblendet. Man kann daher niemals die Sonne selbst wirklich wahrnehmen. Der Mensch nimmt im Grunde genommen die Sonnenstrahlen wahr, die die Außenwelt ihm zurückwirft. Er nimmt nicht die Gegenstände wahr, sondern die reflektierten Sonnenstrahlen. Das geschieht vom Morgen bis zum Abend. Aber der Mensch sieht nur in einer sehr unvollkommenen Art dasjenige, was die Ursache davon ist, daß er die äußeren Dinge sieht, denn dasjenige, dem Sie verdanken, daß Sie überhaupt bei Tag eine äußere Sinneswelt wahrnehmen können, das blendet Sie. Das ist ein Bild, ein Gleichnis. So wie wir uns zur äußeren Sinneswelt verhalten, so verhalten wir uns auch in unserem eigenen Inneren. Die Ursache, warum wir die Dinge wahrnehmen, sehen wir niemals. Wir nehmen die Dinge wahr, können uns aber nicht zu demjenigen erheben, was uns die Dinge wahrnehmbar macht. Das blendet uns wie die Sonne, wenn wir sie als den Grund der Sichtbarkeit der Gegenstände wahrnehmen wollen. So geht es uns mit der äußeren Sonne während des Tages in einer ganz ähnlichen Weise, wie es uns beim Aufwachen mit unserem eigenen Inneren geht. Wir leben in unserem eigenen Inneren. Die Kräfte, die im eigenen Inneren sind, befähigen uns, zu leben und die Außenwelt wahrzunehmen, aber sie verhindern uns auch, uns selbst wahrzunehmen. Es ist ebenso wie mit der Sonne; sie befähigt uns, die Dinge wahrzunehmen, aber sie blendet uns, wenn wir sie selber wahrnehmen wollen.

[ 10 ] Sehen wir denn den Makrokosmos in seiner Wirklichkeit? Wir wollen wiederum ganz naheliegende tägliche Erlebnisse vor unsere Seele hinstellen. Was erlebt der Mensch im Verlaufe von vierundzwanzig Stunden in der sinnlichen Außenwelt? In der sinnlichen Außenwelt erlebt der Mensch auch einen Wandel zwischen Tag und Nacht, wie im Mikrokosmos, nur tritt ihm dieser jetzt in der Außenwelt entgegen. Er erlebt, wie des Morgens die Sonne aufgeht, wie sie des Abends untergeht. Er erlebt, wie ihm das Sonnenlicht zunächst beleuchtet all die Gegenstände um ihn herum. Was ist es denn, was der Mensch vom Sonnenaufgang zum Sonnenuntergang sieht? Im Grunde genommen sieht er gar nicht die Gegenstände, sondern er sieht das Sonnenlicht, das sie ihm zurück werfen. Einen Gegenstand im Finstern sehen wir nicht. Einen Gegenstand in unbeleuchtetem Zustand kann der Mensch nicht sehen. Was für das Auge gilt, können wir auch für die übrigen Sinne sagen, aber wir wollen zunächst beim Auge bleiben. Wenn man in die Sonne sieht, so werden die Augen geblendet. Man kann daher niemals die Sonne selbst wirklich wahrnehmen. Der Mensch nimmt im Grunde genommen die Sonnenstrahlen wahr, die die Außenwelt ihm zurückwirft. Er nimmt nicht die Gegenstände wahr, sondern die reflektierten Sonnenstrahlen. Das geschieht vom Morgen bis zum Abend. Aber der Mensch sieht nur in einer sehr unvollkommenen Art dasjenige, was die Ursache davon ist, daß er die äußeren Dinge sieht, denn dasjenige, dem Sie verdanken, daß Sie überhaupt bei Tag eine äußere Sinneswelt wahrnehmen können, das blendet Sie. Das ist ein Bild, ein Gleichnis. So wie wir uns zur äußeren Sinneswelt verhalten, so verhalten wir uns auch in unserem eigenen Inneren. Die Ursache, warum wir die Dinge wahrnehmen, sehen wir niemals. Wir nehmen die Dinge wahr, können uns aber nicht zu demjenigen erheben, was uns die Dinge wahrnehmbar macht. Das blendet uns wie die Sonne, wenn wir sie als den Grund der Sichtbarkeit der Gegenstände wahrnehmen wollen. So geht es uns mit der äußeren Sonne während des Tages in einer ganz ähnlichen Weise, wie es uns beim Aufwachen mit unserem eigenen Inneren geht. Wir leben in unserem eigenen Inneren. Die Kräfte, die im eigenen Inneren sind, befähigen uns, zu leben und die Außenwelt wahrzunehmen, aber sie verhindern uns auch, uns selbst wahrzunehmen. Es ist ebenso wie mit der Sonne; sie befähigt uns, die Dinge wahrzunehmen, aber sie blendet uns, wenn wir sie selber wahrnehmen wollen.

[ 11 ] Aber wir können auch alles, was mit der Sonne in einer gewissen Weise verbunden ist, was sonst zur Sonne gehört, während des Tages nicht wahrnehmen. Wir nehmen das wahr, was unsere Erde uns zeigt in dem reflektierten Sonnenlichte. Wenn wir in den Weltenraum hinaussehen, so sehen wir auch das nicht, was zu unserem Sonnensystem gehört. Zu unserem Sonnensystem gehört nicht bloß die Sonne, zu ihm gehören auch die Planeten. Ihr Anblick ist uns während des Tages entzogen. Die Sonne blendet uns also nicht nur für sich selbst während des Tages, sondern auch so weit, daß wir die Planeten am Tage nicht sehen können. Wir schauen in den Raum hinaus und wissen: Wenn da draußen auch die Planeten sind, die zu unserem Sonnensystem gehören, sie entziehen sich unserem Anblick. Wir können also sagen: Geradeso wie sich uns bei Tage unser eigenes Innere entzieht, wie sich uns bei Nacht die geistige Welt entzieht, wenn wir im gewöhnlichen Schlafzustand sind, so entziehen sich bei Tag, wenn wir den Blick hinausrichten und den Sinnesteppich überschauen, die Ursachen für unser sinnliches Wahrnehmen. Dasjenige, was eigentlich der Sonne zugrunde liegt, was die Sonne verbindet mit den übrigen Körpern des Sonnensystems, mit den Wesenheiten, die wir sehen in ihrem äußeren Ausdrucke, in demjenigen, was wir Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn und so weiter nennen, was da lebendiges Zusammenwirken ist zwischen der Sonne und diesen Körpern, das entzieht sich uns bei Tage. Was wir wahrnehmen, ist eine Wirkung des Sonnenlichtes. Und wenn wir jetzt diesen Zustand vergleichen mit dem Zustand, in dem die Sinneswelt um uns ist in der Nacht vom Untergang der Sonne bis zu ihrem Aufgange, so können wir dann in einer gewissen Weise wahrnehmen, was zu unserem Sonnensystem gehört. Wir können den Blick auf den wunderbar gestirnten Himmel hinausrichten, wo sich die Planeten unserem Anblick darbieten. Aber während wir die zu unserem Sonnensystem gehörenden Planeten am nächtlichen Himmel sehen können, entzieht sich uns die Sonne selber, ist für uns die Sonne unsichtbar. So daß wir sagen müssen: Dasjenige, was uns bei Tage unsere Sinneswelt sichtbar macht, das nimmt uns in der Nacht die Möglichkeit, es zu betrachten. Es entzieht sich uns, es hüllt nachts unsere ganze Sinneswelt ein in Unwahrnehmbarkeit, und wir erblicken nur dasjenige, was zu unserer Sonne gehört, wir sehen nur die planetarische Welt.

[ 11 ] Aber wir können auch alles, was mit der Sonne in einer gewissen Weise verbunden ist, was sonst zur Sonne gehört, während des Tages nicht wahrnehmen. Wir nehmen das wahr, was unsere Erde uns zeigt in dem reflektierten Sonnenlichte. Wenn wir in den Weltenraum hinaussehen, so sehen wir auch das nicht, was zu unserem Sonnensystem gehört. Zu unserem Sonnensystem gehört nicht bloß die Sonne, zu ihm gehören auch die Planeten. Ihr Anblick ist uns während des Tages entzogen. Die Sonne blendet uns also nicht nur für sich selbst während des Tages, sondern auch so weit, daß wir die Planeten am Tage nicht sehen können. Wir schauen in den Raum hinaus und wissen: Wenn da draußen auch die Planeten sind, die zu unserem Sonnensystem gehören, sie entziehen sich unserem Anblick. Wir können also sagen: Geradeso wie sich uns bei Tage unser eigenes Innere entzieht, wie sich uns bei Nacht die geistige Welt entzieht, wenn wir im gewöhnlichen Schlafzustand sind, so entziehen sich bei Tag, wenn wir den Blick hinausrichten und den Sinnesteppich überschauen, die Ursachen für unser sinnliches Wahrnehmen. Dasjenige, was eigentlich der Sonne zugrunde liegt, was die Sonne verbindet mit den übrigen Körpern des Sonnensystems, mit den Wesenheiten, die wir sehen in ihrem äußeren Ausdrucke, in demjenigen, was wir Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn und so weiter nennen, was da lebendiges Zusammenwirken ist zwischen der Sonne und diesen Körpern, das entzieht sich uns bei Tage. Was wir wahrnehmen, ist eine Wirkung des Sonnenlichtes. Und wenn wir jetzt diesen Zustand vergleichen mit dem Zustand, in dem die Sinneswelt um uns ist in der Nacht vom Untergang der Sonne bis zu ihrem Aufgange, so können wir dann in einer gewissen Weise wahrnehmen, was zu unserem Sonnensystem gehört. Wir können den Blick auf den wunderbar gestirnten Himmel hinausrichten, wo sich die Planeten unserem Anblick darbieten. Aber während wir die zu unserem Sonnensystem gehörenden Planeten am nächtlichen Himmel sehen können, entzieht sich uns die Sonne selber, ist für uns die Sonne unsichtbar. So daß wir sagen müssen: Dasjenige, was uns bei Tage unsere Sinneswelt sichtbar macht, das nimmt uns in der Nacht die Möglichkeit, es zu betrachten. Es entzieht sich uns, es hüllt nachts unsere ganze Sinneswelt ein in Unwahrnehmbarkeit, und wir erblicken nur dasjenige, was zu unserer Sonne gehört, wir sehen nur die planetarische Welt.

[ 12 ] Gibt es nun eine Möglichkeit, sozusagen für den Nachtzustand etwas Ähnliches herzustellen, wie es der Zustand des Mystikers ist für das Hinabsteigen in die Innenwelt, so wie wir es beschrieben haben? Gibt es etwas Ähnliches? Die heutige Menschheit hat nicht viel Bewußtsein von diesem ähnlichen Zustand, aber es gibt so etwas. Es besteht darin, daß der Mensch, wie der Mystiker, gewisse Eigenschaften der Demut und der Ergebenheit und noch gewisse andere Eigenschaften entwickelt, die wir uns dadurch begreiflich machen können, daß wir zunächst die einfachste dieser Eigenschaften uns vor die Seele führen. Wir wollen wiederum von einer ganz einfachen Eigenschaft ausgehen. Der Mensch hat sie im normalen Leben auch, aber nur schwach, geradeso wie das Schamgefühl. Wenn der Mensch dieses Gefühl, das er im gewöhnlichen Leben nur schwach hat und das wir gleich charakterisieren werden, ins Ungeheure vergrößert, dann macht er sich in der Tat bereit, nächtlich etwas ganz anderes zu erleben als im normalen Bewußtsein. Und dieses Gefühl, das der Mensch da in sich entwickeln muß, ist das folgende. Sie wissen alle, daß wir im Frühling anders empfinden können als im Herbst. Eine gesunde Seele wird im Frühling anders empfinden als im Herbst. Es wird eine gesunde Seele anders empfinden, wenn im Frühling die Knospen an den Bäumen hervorsprießen und uns sozusagen das Versprechen geben von der Schönheit und Herrlichkeit des Sommers. Es ist etwas, was sich in unsere Seele gießt von aufwachender Hoffnung, wenn wir den Frühling herankommen sehen. Es ist dieses Gefühl schwach entwickelt bei dem gewöhnlichen normalen Menschen, aber es ist doch vorhanden. Und wenn wir dann dem Herbst zu leben, dann kann dieses Gefühl, das im Frühling da ist als Hoffnung für den Sommer, das wie ein Erwachen der Seele sich ausnimmt, sich verwandeln in ein Wehmutsgefühl, wenn wir die Bäume sich entlauben sehen, wenn wir sehen, wie an die Stelle von Bäumen und Blumen, die uns den Sommer hindurch einen wunderbaren Anblick gezeigt haben, immer mehr kahle Sträucher, besenartige Gebilde treten. Da verwandelt sich unser Seelenleben; es wird durchzogen von dem, was wir nennen können Wehmut des Herzens. Also wir können im Verlaufe des Jahres, wenn wir mitgehen mit den Erscheinungen des äußeren Lebens, einen Kreislauf der Seele im Jahr durchmachen. Und da beim Menschen diese Gefühle, die eben charakterisiert worden sind, diese Frühlings- und Herbstgefühle, im normalen Leben nur schwach entwickelt sind, so fühlt der Mensch auch die Steigerung des Frühlingsgefühles, wenn es dem Sommer zugeht, nicht in entsprechendem Maße, und er fühlt nicht das Verwandeln der Wehmut des Herbstes in ein noch anderes darüber hinaus gehendes Gefühl, wenn die Erde völlig in ihrem Winterkleid um uns herum sich ausbreitet.

[ 12 ] Gibt es nun eine Möglichkeit, sozusagen für den Nachtzustand etwas Ähnliches herzustellen, wie es der Zustand des Mystikers ist für das Hinabsteigen in die Innenwelt, so wie wir es beschrieben haben? Gibt es etwas Ähnliches? Die heutige Menschheit hat nicht viel Bewußtsein von diesem ähnlichen Zustand, aber es gibt so etwas. Es besteht darin, daß der Mensch, wie der Mystiker, gewisse Eigenschaften der Demut und der Ergebenheit und noch gewisse andere Eigenschaften entwickelt, die wir uns dadurch begreiflich machen können, daß wir zunächst die einfachste dieser Eigenschaften uns vor die Seele führen. Wir wollen wiederum von einer ganz einfachen Eigenschaft ausgehen. Der Mensch hat sie im normalen Leben auch, aber nur schwach, geradeso wie das Schamgefühl. Wenn der Mensch dieses Gefühl, das er im gewöhnlichen Leben nur schwach hat und das wir gleich charakterisieren werden, ins Ungeheure vergrößert, dann macht er sich in der Tat bereit, nächtlich etwas ganz anderes zu erleben als im normalen Bewußtsein. Und dieses Gefühl, das der Mensch da in sich entwickeln muß, ist das folgende. Sie wissen alle, daß wir im Frühling anders empfinden können als im Herbst. Eine gesunde Seele wird im Frühling anders empfinden als im Herbst. Es wird eine gesunde Seele anders empfinden, wenn im Frühling die Knospen an den Bäumen hervorsprießen und uns sozusagen das Versprechen geben von der Schönheit und Herrlichkeit des Sommers. Es ist etwas, was sich in unsere Seele gießt von aufwachender Hoffnung, wenn wir den Frühling herankommen sehen. Es ist dieses Gefühl schwach entwickelt bei dem gewöhnlichen normalen Menschen, aber es ist doch vorhanden. Und wenn wir dann dem Herbst zu leben, dann kann dieses Gefühl, das im Frühling da ist als Hoffnung für den Sommer, das wie ein Erwachen der Seele sich ausnimmt, sich verwandeln in ein Wehmutsgefühl, wenn wir die Bäume sich entlauben sehen, wenn wir sehen, wie an die Stelle von Bäumen und Blumen, die uns den Sommer hindurch einen wunderbaren Anblick gezeigt haben, immer mehr kahle Sträucher, besenartige Gebilde treten. Da verwandelt sich unser Seelenleben; es wird durchzogen von dem, was wir nennen können Wehmut des Herzens. Also wir können im Verlaufe des Jahres, wenn wir mitgehen mit den Erscheinungen des äußeren Lebens, einen Kreislauf der Seele im Jahr durchmachen. Und da beim Menschen diese Gefühle, die eben charakterisiert worden sind, diese Frühlings- und Herbstgefühle, im normalen Leben nur schwach entwickelt sind, so fühlt der Mensch auch die Steigerung des Frühlingsgefühles, wenn es dem Sommer zugeht, nicht in entsprechendem Maße, und er fühlt nicht das Verwandeln der Wehmut des Herbstes in ein noch anderes darüber hinaus gehendes Gefühl, wenn die Erde völlig in ihrem Winterkleid um uns herum sich ausbreitet.

[ 13 ] In solchen Gefühlen wurden aber die Geistesschüler erzogen und werden noch heute erzogen —, welche den dem Mystiker entgegengesetzten Weg gehen wollen. Während der Mystiker in sein Inneres hinuntergeführt wird, wird derjenige, der den entgegengesetzten Weg gehen will, hinausgeführt in den Kreislauf der großen Natur und so erzogen, daß er miterlebt die Ereignisse der großen Natur. Seine Seele wird so behandelt, daß er dasjenige, was man im gewöhnlichen Leben schwach fühlt im Frühling, lernt, allmählich in starkem Maße zu fühlen, so daß er mitzuempfinden lernt das ganze Aufsprießen der Vegetation im Frühling. Wenn er sich da ganz hineinzuversetzen vermag, sich selbst zu vergessen vermag und mit der Frühlingsnatur mitzuerleben vermag, dann wird dieses Erleben gegen den Sommer hin etwas ganz Besonderes. Es wird von der erwachenden Hoffnung im Frühling zu einem völligen inneren Aufjauchzen im Sommer. Dazu wird derjenige, der sozusagen ein umgekehrter Mystiker ist, erzogen. Und wiederum, wenn der Mensch so weit ist, daß er in Selbstvergessenheit, ins höchste gesteigert, die Wehmut des Herbstes zu erleben gelernt hat, dann kann er auch fähig werden, die Steigerung des Gefühls zu erleben von der Wehmut des Herbstes bis zum Mitempfinden des Todes der ganzen Natur in der Wintermitte.

[ 13 ] In solchen Gefühlen wurden aber die Geistesschüler erzogen und werden noch heute erzogen —, welche den dem Mystiker entgegengesetzten Weg gehen wollen. Während der Mystiker in sein Inneres hinuntergeführt wird, wird derjenige, der den entgegengesetzten Weg gehen will, hinausgeführt in den Kreislauf der großen Natur und so erzogen, daß er miterlebt die Ereignisse der großen Natur. Seine Seele wird so behandelt, daß er dasjenige, was man im gewöhnlichen Leben schwach fühlt im Frühling, lernt, allmählich in starkem Maße zu fühlen, so daß er mitzuempfinden lernt das ganze Aufsprießen der Vegetation im Frühling. Wenn er sich da ganz hineinzuversetzen vermag, sich selbst zu vergessen vermag und mit der Frühlingsnatur mitzuerleben vermag, dann wird dieses Erleben gegen den Sommer hin etwas ganz Besonderes. Es wird von der erwachenden Hoffnung im Frühling zu einem völligen inneren Aufjauchzen im Sommer. Dazu wird derjenige, der sozusagen ein umgekehrter Mystiker ist, erzogen. Und wiederum, wenn der Mensch so weit ist, daß er in Selbstvergessenheit, ins höchste gesteigert, die Wehmut des Herbstes zu erleben gelernt hat, dann kann er auch fähig werden, die Steigerung des Gefühls zu erleben von der Wehmut des Herbstes bis zum Mitempfinden des Todes der ganzen Natur in der Wintermitte.

[ 14 ] So wurden unter anderem erzogen diejenigen Schüler, welche mitgemacht haben den Empfindungsunterricht in den alten nordischen Mysterien, die heute der Außenwelt schon nur mehr der Tradition nach, nur äußerlich bekannt sind. Da wurden die Schüler so erzogen, daß sie durch besondere Methoden lernten, den jährlichen Gang der Natur in ihrem Empfinden, in ihrer Seele mitzumachen. Und alles das, was der Schüler im Sommer zur Zeit der Johannisnacht erlebte, das bedeutete ein Mitjauchzen mit der ganzen Natur. Die Feuer der Johannisnacht waren etwas wie ein Andeuten der Steigerung des Hoffnungsgefühls im Frühling zu einem Mitjauchzen mit der Natur im Sommer, wenn man den den ganzen Kosmos durchziehenden Lebenshauch miterlebte. Und in der Wintersonnenwende empfand der Schüler in tiefster Seele mit das Hinsterben der Natur, unendlich steigernd das Wehmutsgefühl des Herbstes bis zum Mitempfinden des Todes.

[ 14 ] So wurden unter anderem erzogen diejenigen Schüler, welche mitgemacht haben den Empfindungsunterricht in den alten nordischen Mysterien, die heute der Außenwelt schon nur mehr der Tradition nach, nur äußerlich bekannt sind. Da wurden die Schüler so erzogen, daß sie durch besondere Methoden lernten, den jährlichen Gang der Natur in ihrem Empfinden, in ihrer Seele mitzumachen. Und alles das, was der Schüler im Sommer zur Zeit der Johannisnacht erlebte, das bedeutete ein Mitjauchzen mit der ganzen Natur. Die Feuer der Johannisnacht waren etwas wie ein Andeuten der Steigerung des Hoffnungsgefühls im Frühling zu einem Mitjauchzen mit der Natur im Sommer, wenn man den den ganzen Kosmos durchziehenden Lebenshauch miterlebte. Und in der Wintersonnenwende empfand der Schüler in tiefster Seele mit das Hinsterben der Natur, unendlich steigernd das Wehmutsgefühl des Herbstes bis zum Mitempfinden des Todes.

[ 15 ] So waren die Empfindungserlebnisse, die in der Tat in dieser Stärke kaum mehr von dem heutigen Menschen erlebt werden können. Denn der heutige Mensch ist durch die Fortschritte des intellektuellen Lebens der letzten Jahrhunderte im wesentlichen unfähig zu jenen großen, gewaltigen Erlebnissen, welche die Seele der ursprünglichen Naturvölker des europäischen Festlandes, namentlich der nördlichen und mittleren Gebiete Europas, durchmachten. Dann aber, wenn so etwas durchgemacht worden war, zeigte sich in der Tat für diejenigen Menschen, die so ihre inneren Seelenerlebnisse gesteigert hatten, etwas sehr Eigentümliches. Sie erlangten eine bestimmte Fähigkeit. Wie der Mystiker die Fähigkeit hat, in sein eigenes Inneres hinunterzusteigen, so erlangten sie die Fähigkeit — so sonderbar das auch klingt, es ist aber der Fall, ich schildere nur Dinge, welche unzählige Menschen erlebt haben und noch erleben können —, sie erlangten die Fähigkeit, die Materie zu durchschauen, das heißt, sie konnten nicht bloß das sehen, was man als Oberfläche wahrnimmt, sondern sie konnten durch diese hindurchschauen, vor allen Dingen vermochten sie in der Zeit von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang durch unsere Erde hindurchzuschauen, und durch die durchsichtige Erde hindurch erglänzte ihnen lebendig die Sonne. Das nannte man in den alten Mysterien das Schauen der Sonne um Mitternacht. Allerdings konnte die Sonne in ihrer größten Fülle und Herrlichkeit nur dann geschaut werden, wenn man sich mit seiner Seele in der Zeit der Wintersonnenwende jenem Zustande genähert hatte, wo der ganze äußere Sinnesteppich abgestorben war. Dann hatte man die Fähigkeit errungen, die Sonne zu schauen, jetzt nicht als eine blendende Wesenheit, wie sie bei Tag erscheint, sondern alles Blendende an der Sonne war abgeschwächt; man sah die Sonne nicht mehr als physisches Wesen draußen, sondern als geistiges Wesen. Man schaute den Sonnengeist. Was als physische Wirkung wie eine Blendung wirkte, war ausgelöscht durch die Materie der Erde. Diese war durchsichtig geworden, und sie ließ nur das Geistige der Sonne durch. Aber mit diesem Schauen der Sonne war etwas wesentlich anderes verbunden, mit diesem Schauen der Sonne zeigte sich jetzt etwas höchst Merkwürdiges. Es zeigte sich nämlich jetzt in seiner Wahrheit dasjenige, worauf wir gestern in abstrakter Weise hingedeutet haben, daß tatsächlich eine lebendige Wechselwirkung besteht zwischen all dem, was zu unserem Sonnensystem gehört als Planeten, und der Sonne selber, dadurch, daß fortdauernd Ströme gehen von den Planeten zur Sonne und von der Sonne zu den Planeten. Kurz, es zeigte sich da draußen geistig etwas, was sich vergleichen läßt mit etwas im Leben, was jeder kennt, nämlich mit dem Zirkulieren des Blutes im menschlichen Leibe. Wie das Blut von dem Herzen zu den Organen geht und von den Organen wiederum zurück zum Herzen in lebendigem Kreislauf, wie dieser lebendige Blutkreislauf, so zeigt sich die Sonne als der Mittelpunkt lebendiger Geistesströmungen, welche von der Sonne zu den Planeten und von den Planeten zurück zur Sonne fließen. Das ganze Sonnensystem zeigt sich als lebendiges geistiges System; wir erblicken in der Tat unser Sonnensystem als Geistiges, von dem das Äußere wirklich nur ein Gleichnis ist.

[ 15 ] So waren die Empfindungserlebnisse, die in der Tat in dieser Stärke kaum mehr von dem heutigen Menschen erlebt werden können. Denn der heutige Mensch ist durch die Fortschritte des intellektuellen Lebens der letzten Jahrhunderte im wesentlichen unfähig zu jenen großen, gewaltigen Erlebnissen, welche die Seele der ursprünglichen Naturvölker des europäischen Festlandes, namentlich der nördlichen und mittleren Gebiete Europas, durchmachten. Dann aber, wenn so etwas durchgemacht worden war, zeigte sich in der Tat für diejenigen Menschen, die so ihre inneren Seelenerlebnisse gesteigert hatten, etwas sehr Eigentümliches. Sie erlangten eine bestimmte Fähigkeit. Wie der Mystiker die Fähigkeit hat, in sein eigenes Inneres hinunterzusteigen, so erlangten sie die Fähigkeit — so sonderbar das auch klingt, es ist aber der Fall, ich schildere nur Dinge, welche unzählige Menschen erlebt haben und noch erleben können —, sie erlangten die Fähigkeit, die Materie zu durchschauen, das heißt, sie konnten nicht bloß das sehen, was man als Oberfläche wahrnimmt, sondern sie konnten durch diese hindurchschauen, vor allen Dingen vermochten sie in der Zeit von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang durch unsere Erde hindurchzuschauen, und durch die durchsichtige Erde hindurch erglänzte ihnen lebendig die Sonne. Das nannte man in den alten Mysterien das Schauen der Sonne um Mitternacht. Allerdings konnte die Sonne in ihrer größten Fülle und Herrlichkeit nur dann geschaut werden, wenn man sich mit seiner Seele in der Zeit der Wintersonnenwende jenem Zustande genähert hatte, wo der ganze äußere Sinnesteppich abgestorben war. Dann hatte man die Fähigkeit errungen, die Sonne zu schauen, jetzt nicht als eine blendende Wesenheit, wie sie bei Tag erscheint, sondern alles Blendende an der Sonne war abgeschwächt; man sah die Sonne nicht mehr als physisches Wesen draußen, sondern als geistiges Wesen. Man schaute den Sonnengeist. Was als physische Wirkung wie eine Blendung wirkte, war ausgelöscht durch die Materie der Erde. Diese war durchsichtig geworden, und sie ließ nur das Geistige der Sonne durch. Aber mit diesem Schauen der Sonne war etwas wesentlich anderes verbunden, mit diesem Schauen der Sonne zeigte sich jetzt etwas höchst Merkwürdiges. Es zeigte sich nämlich jetzt in seiner Wahrheit dasjenige, worauf wir gestern in abstrakter Weise hingedeutet haben, daß tatsächlich eine lebendige Wechselwirkung besteht zwischen all dem, was zu unserem Sonnensystem gehört als Planeten, und der Sonne selber, dadurch, daß fortdauernd Ströme gehen von den Planeten zur Sonne und von der Sonne zu den Planeten. Kurz, es zeigte sich da draußen geistig etwas, was sich vergleichen läßt mit etwas im Leben, was jeder kennt, nämlich mit dem Zirkulieren des Blutes im menschlichen Leibe. Wie das Blut von dem Herzen zu den Organen geht und von den Organen wiederum zurück zum Herzen in lebendigem Kreislauf, wie dieser lebendige Blutkreislauf, so zeigt sich die Sonne als der Mittelpunkt lebendiger Geistesströmungen, welche von der Sonne zu den Planeten und von den Planeten zurück zur Sonne fließen. Das ganze Sonnensystem zeigt sich als lebendiges geistiges System; wir erblicken in der Tat unser Sonnensystem als Geistiges, von dem das Äußere wirklich nur ein Gleichnis ist.

[ 16 ] Alles, was der Mensch erleben lernt dadurch, daß er seine Empfindungsfähigkeit steigert, wie es jetzt geschildert worden ist, das entzieht sich als das Geistige des Weltenraumes dem gewöhnlichen Tagesanblicke. Es wird auch dem nächtlichen Anblick verdeckt. Denn was sieht der Mensch in der Nacht mit seinen gewöhnlichen Fähigkeiten, wenn er hinaufsieht in den Himmelsraum? Davon sieht er im Grunde genommen ebenso nur die Außenseite, wie von seinem eigenen Inneren, so daß dasjenige, was wir am Sternenhimmel sehen, der Leib ist eines Geistigen, das ihm zugrunde liegt. Wie wir, wenn wir auf unseren Leib mit unseren Augen sehen, den äußeren Ausdruck des Geistigen in uns sehen, so sieht der Mensch, wenn er des Nachts den gestirnten Himmel sieht, allerdings einen wunderbaren Bau, aber dieser ist der materielle Leib des kosmischen Geistes, der sich durch diesen Leib ausspricht in allen seinen Bewegungen, die uns äußerlich entgegentreten. Und wieder ist es so, daß für das gewöhnliche menschliche Bewußtsein sozusagen ein Schleier vorgezogen wird, ein Schleier sich ausbreitet vor alles das, was der Mensch sehen würde, wenn er geistig durchschauen würde, wie es jetzt geschildert worden ist, was sich ihm im Raume darbietet. Wie wir behütet werden vor unserem eigenen Innern, so werden wir im gewöhnlichen Leben behütet vor dem Schauen des Geistigen, das der äußeren materiellen Welt zugrunde liegt. Wenn wir im gewöhnlichen Leben stehen, so breitet sich das, was wir den Sinnesschleier nennen, aus vor dem, was geistig zugrunde liegt.

[ 16 ] Alles, was der Mensch erleben lernt dadurch, daß er seine Empfindungsfähigkeit steigert, wie es jetzt geschildert worden ist, das entzieht sich als das Geistige des Weltenraumes dem gewöhnlichen Tagesanblicke. Es wird auch dem nächtlichen Anblick verdeckt. Denn was sieht der Mensch in der Nacht mit seinen gewöhnlichen Fähigkeiten, wenn er hinaufsieht in den Himmelsraum? Davon sieht er im Grunde genommen ebenso nur die Außenseite, wie von seinem eigenen Inneren, so daß dasjenige, was wir am Sternenhimmel sehen, der Leib ist eines Geistigen, das ihm zugrunde liegt. Wie wir, wenn wir auf unseren Leib mit unseren Augen sehen, den äußeren Ausdruck des Geistigen in uns sehen, so sieht der Mensch, wenn er des Nachts den gestirnten Himmel sieht, allerdings einen wunderbaren Bau, aber dieser ist der materielle Leib des kosmischen Geistes, der sich durch diesen Leib ausspricht in allen seinen Bewegungen, die uns äußerlich entgegentreten. Und wieder ist es so, daß für das gewöhnliche menschliche Bewußtsein sozusagen ein Schleier vorgezogen wird, ein Schleier sich ausbreitet vor alles das, was der Mensch sehen würde, wenn er geistig durchschauen würde, wie es jetzt geschildert worden ist, was sich ihm im Raume darbietet. Wie wir behütet werden vor unserem eigenen Innern, so werden wir im gewöhnlichen Leben behütet vor dem Schauen des Geistigen, das der äußeren materiellen Welt zugrunde liegt. Wenn wir im gewöhnlichen Leben stehen, so breitet sich das, was wir den Sinnesschleier nennen, aus vor dem, was geistig zugrunde liegt.

[ 17 ] Warum geschieht dies? Es gibt ein Gefühl, das sofort auftreten würde, wenn die Menschen das Geistige so ohne weiteres sehen würden. Wenn der Mensch das Geistige sofort sehen würde, ohne die Vorbereitung und Reife, die er durch das Miterleben der Naturvorgänge erwirbt, so würde er ein Gefühl erleben, das man nur ausdrücken könnte mit dem Wort: verwirrender Schreck, oder schrekkenvollste Verwirrung. Denn die Erscheinungen sind so großartig und gewaltig, daß die menschlichen Begriffe, die wir uns im gewöhnlichen Leben aneignen, wenn wir noch so viel erlernen, wahrhaftig nicht hinreichen, um diesen verwirrenden Anblick zu ertragen; der Mensch würde von einem Gefühle schreckvoller Verwirrung ergriffen werden, von einer ungeheuren Steigerung des Angst- und Furchtgefühles. So wie der Mensch von Scham verbrennen würde, wenn er in sein eigenes Innere hinuntersteigen würde ohne Vorbereitung, so würde er, wenn er in das Geistige der Außenwelt hineinsehen würde ohne Vorbereitung, förmlich erstarren vor Furcht, weil er sich wie in ein Labyrinth geführt empfinden würde. Nur dann, wenn die Seele sich vorbereitet durch solche Begriffe und Vorstellungen, welche sie über das gewöhnliche Erleben hinausführen, dann kann sie nach und nach sich gewöhnen, hinter die Sinneswelt zu schauen. Heute ist es ja durch das intellektuelle Leben nicht möglich — das wurde schon angedeutet —, daß der Mensch das durchmacht, was die Menschen damals in den nordischen Mysterien erlebten. Durch sein intellektuelles Leben kann der Mensch nicht mehr diese Steigerung der Frühlings- und Herbstempfindungen erleben. Heute denken die Menschen ganz, ganz anders als damals. Das Denken war dazumal noch nicht so ausgebildet. Die Intellektualität entwickelte sich erst nach und nach. Und mit der Entwickelung der Intellektualität ging für den Menschen auch die Möglichkeit verloren, solches durchzumachen. Aber der Mensch kann es in einer gewissen Beziehung im Spiegelbilde durchmachen auf eine indirekte Weise, dadurch, daß er diese Empfindungen nicht an den äußeren Naturvorgängen selbst erlebt, sondern an den Schilderungen und Beschreibungen, welche ihm aus geistigem Schauen heraus über die geistige Welt und ihre Zusammenhänge gegeben werden.

[ 17 ] Warum geschieht dies? Es gibt ein Gefühl, das sofort auftreten würde, wenn die Menschen das Geistige so ohne weiteres sehen würden. Wenn der Mensch das Geistige sofort sehen würde, ohne die Vorbereitung und Reife, die er durch das Miterleben der Naturvorgänge erwirbt, so würde er ein Gefühl erleben, das man nur ausdrücken könnte mit dem Wort: verwirrender Schreck, oder schrekkenvollste Verwirrung. Denn die Erscheinungen sind so großartig und gewaltig, daß die menschlichen Begriffe, die wir uns im gewöhnlichen Leben aneignen, wenn wir noch so viel erlernen, wahrhaftig nicht hinreichen, um diesen verwirrenden Anblick zu ertragen; der Mensch würde von einem Gefühle schreckvoller Verwirrung ergriffen werden, von einer ungeheuren Steigerung des Angst- und Furchtgefühles. So wie der Mensch von Scham verbrennen würde, wenn er in sein eigenes Innere hinuntersteigen würde ohne Vorbereitung, so würde er, wenn er in das Geistige der Außenwelt hineinsehen würde ohne Vorbereitung, förmlich erstarren vor Furcht, weil er sich wie in ein Labyrinth geführt empfinden würde. Nur dann, wenn die Seele sich vorbereitet durch solche Begriffe und Vorstellungen, welche sie über das gewöhnliche Erleben hinausführen, dann kann sie nach und nach sich gewöhnen, hinter die Sinneswelt zu schauen. Heute ist es ja durch das intellektuelle Leben nicht möglich — das wurde schon angedeutet —, daß der Mensch das durchmacht, was die Menschen damals in den nordischen Mysterien erlebten. Durch sein intellektuelles Leben kann der Mensch nicht mehr diese Steigerung der Frühlings- und Herbstempfindungen erleben. Heute denken die Menschen ganz, ganz anders als damals. Das Denken war dazumal noch nicht so ausgebildet. Die Intellektualität entwickelte sich erst nach und nach. Und mit der Entwickelung der Intellektualität ging für den Menschen auch die Möglichkeit verloren, solches durchzumachen. Aber der Mensch kann es in einer gewissen Beziehung im Spiegelbilde durchmachen auf eine indirekte Weise, dadurch, daß er diese Empfindungen nicht an den äußeren Naturvorgängen selbst erlebt, sondern an den Schilderungen und Beschreibungen, welche ihm aus geistigem Schauen heraus über die geistige Welt und ihre Zusammenhänge gegeben werden.

[ 18 ] Deshalb müssen heute in unserer Gegenwart allmählich solche Beschreibungen für die Menschen geliefert werden, wie sie zum Beispiel — ich sage das nicht aus Unbescheidenheit, sondern weil es gefordert ist — gegeben werden in meinem eben erschienenen Buch «Die Geheimwissenschaft». Da wird etwas von der Welt geschildert, was man äußerlich nicht wahrnehmen kann, und zwar aus einer Grundlage heraus — wir werden das noch sehen —, aus der so etwas geschildert werden kann; es wird geschildert, was der Welt geistig zugrunde liegt, und was derjenige sehen kann, der sich auf jene Weise vorbereitet hat, welche eben dargestellt worden ist. Ein solches Buch darf nicht gelesen werden wie ein anderes Buch — dazu ist es nicht da —, sondern es soll so gelesen werden, daß die Begriffe und Ideen, die darin enthalten sind, Gefühle auslösen, daß man wirklich in der vollen Stärke das in der Seele empfindet, was da in Begriffen und Ideen gegeben ist. Wenn man das so liest, daß man die stärksten Empfindungserlebnisse durchmacht in der Seele, dann sind diese Empfindungserlebnisse ähnlich, wie diejenigen waren, welche in jenen nordischen Mysterien Europas erlebt worden sind.

[ 18 ] Deshalb müssen heute in unserer Gegenwart allmählich solche Beschreibungen für die Menschen geliefert werden, wie sie zum Beispiel — ich sage das nicht aus Unbescheidenheit, sondern weil es gefordert ist — gegeben werden in meinem eben erschienenen Buch «Die Geheimwissenschaft». Da wird etwas von der Welt geschildert, was man äußerlich nicht wahrnehmen kann, und zwar aus einer Grundlage heraus — wir werden das noch sehen —, aus der so etwas geschildert werden kann; es wird geschildert, was der Welt geistig zugrunde liegt, und was derjenige sehen kann, der sich auf jene Weise vorbereitet hat, welche eben dargestellt worden ist. Ein solches Buch darf nicht gelesen werden wie ein anderes Buch — dazu ist es nicht da —, sondern es soll so gelesen werden, daß die Begriffe und Ideen, die darin enthalten sind, Gefühle auslösen, daß man wirklich in der vollen Stärke das in der Seele empfindet, was da in Begriffen und Ideen gegeben ist. Wenn man das so liest, daß man die stärksten Empfindungserlebnisse durchmacht in der Seele, dann sind diese Empfindungserlebnisse ähnlich, wie diejenigen waren, welche in jenen nordischen Mysterien Europas erlebt worden sind.

[ 19 ] Wir finden in diesem Buche eine Schilderung all der früheren Verkörperungen unserer Erde, finden geschildert einen Saturn-, einen Sonnen- und einen Mondzustand. Wenn Sie das, was als Schilderungen sich da findet, nicht lesen, wie man etwas Theoretisches liest, sondern, wenn Sie mitgehen mit dem, was da geschildert ist, wenn Sie achtgeben, wie da geschildert ist, so finden Sie da einen Unterschied des Stiles bei der Schilderung des alten Saturnzustandes und bei der Schilderung des Sonnenzustandes und bei der des Mondzustandes. Wenn Sie das, was über den Saturn gesagt wird, auf sich wirken lassen, dann können Sie etwas wiederfinden von der Frühlingsstimmung des nordischen Mysterienschülers, und in der Schilderung der Sonne haben Sie etwas, was dem Gefühl ähnlich ist, das den Mysterienschüler ergriff beim Aufjauchzen in der Johannisnacht. Es ist nicht umsonst, daß das Buch so lange hat auf sich warten lassen, denn es ist Wert darauf gelegt, daß die Schilderungen dazu angetan sind, in uns Gefühle wachzurufen, welche ähnlich sind den Stimmungen der Schüler in den nordischen Mysterien. Und wenn wir zu der Schilderung der Erdenentwickelung kommen und alles das beachten, wie dort der ganze Stil geformt ist, dann werden wir eine Stimmung haben, wie sie sein soll, wenn es gegen den Winter zu geht, gegen den 21. Dezember, die Wintersonnenwende. Sie erweckt Todeswehmut, und das geht dann über in die Weihnachtsstimmung. Das kann heute gegeben werden anstelle dessen, was der Mensch heute nicht mehr durchmachen kann, weil er eben von einem Leben in der Empfindung sich erhoben hat zur Intellektualität, zum Denken. Daher muß heute durch den Spiegel des Denkens Gefühl und Empfindung wiederum angeregt werden, die sich ursprünglich an der Natur selber entzündet haben. So müssen heute die geisteswissenschaftlichen Schriften abgefaßt sein, sie müssen abgelesen sein in bezug auf ihre Stimmung dem Jahresgang des Weltenwerdens. Wenn man nur theoretisch schildert, dann ist das ganz sinnlos, dann führt das zu nichts anderem, als daß man die geistigen Dinge sich aneignet wie die Dinge eines Kochbuches. Der Unterschied zwischen geisteswissenschaftlichen und anderen Büchern liegt nicht darin, daß man andere Dinge schildert, sondern hauptsächlich in dem Wie, in demjenigen, wie die Dinge gegeben werden. Daraus werden Sie ersehen, was geisteswissenschaftlichen Büchern zugrunde liegen muß, daß aus gewissen Tiefen heraus die Dinge geholt sind; daß, wie es die Aufgabe unserer Zeit ist, das darin sein muß, was auf dem Umwege durch die Gedanken wiederum die Gefühle entzünden kann.

[ 19 ] Wir finden in diesem Buche eine Schilderung all der früheren Verkörperungen unserer Erde, finden geschildert einen Saturn-, einen Sonnen- und einen Mondzustand. Wenn Sie das, was als Schilderungen sich da findet, nicht lesen, wie man etwas Theoretisches liest, sondern, wenn Sie mitgehen mit dem, was da geschildert ist, wenn Sie achtgeben, wie da geschildert ist, so finden Sie da einen Unterschied des Stiles bei der Schilderung des alten Saturnzustandes und bei der Schilderung des Sonnenzustandes und bei der des Mondzustandes. Wenn Sie das, was über den Saturn gesagt wird, auf sich wirken lassen, dann können Sie etwas wiederfinden von der Frühlingsstimmung des nordischen Mysterienschülers, und in der Schilderung der Sonne haben Sie etwas, was dem Gefühl ähnlich ist, das den Mysterienschüler ergriff beim Aufjauchzen in der Johannisnacht. Es ist nicht umsonst, daß das Buch so lange hat auf sich warten lassen, denn es ist Wert darauf gelegt, daß die Schilderungen dazu angetan sind, in uns Gefühle wachzurufen, welche ähnlich sind den Stimmungen der Schüler in den nordischen Mysterien. Und wenn wir zu der Schilderung der Erdenentwickelung kommen und alles das beachten, wie dort der ganze Stil geformt ist, dann werden wir eine Stimmung haben, wie sie sein soll, wenn es gegen den Winter zu geht, gegen den 21. Dezember, die Wintersonnenwende. Sie erweckt Todeswehmut, und das geht dann über in die Weihnachtsstimmung. Das kann heute gegeben werden anstelle dessen, was der Mensch heute nicht mehr durchmachen kann, weil er eben von einem Leben in der Empfindung sich erhoben hat zur Intellektualität, zum Denken. Daher muß heute durch den Spiegel des Denkens Gefühl und Empfindung wiederum angeregt werden, die sich ursprünglich an der Natur selber entzündet haben. So müssen heute die geisteswissenschaftlichen Schriften abgefaßt sein, sie müssen abgelesen sein in bezug auf ihre Stimmung dem Jahresgang des Weltenwerdens. Wenn man nur theoretisch schildert, dann ist das ganz sinnlos, dann führt das zu nichts anderem, als daß man die geistigen Dinge sich aneignet wie die Dinge eines Kochbuches. Der Unterschied zwischen geisteswissenschaftlichen und anderen Büchern liegt nicht darin, daß man andere Dinge schildert, sondern hauptsächlich in dem Wie, in demjenigen, wie die Dinge gegeben werden. Daraus werden Sie ersehen, was geisteswissenschaftlichen Büchern zugrunde liegen muß, daß aus gewissen Tiefen heraus die Dinge geholt sind; daß, wie es die Aufgabe unserer Zeit ist, das darin sein muß, was auf dem Umwege durch die Gedanken wiederum die Gefühle entzünden kann.

[ 20 ] Was müssen wir nun beachten, um auch heute eine Möglichkeit zu haben, etwas zu finden, das uns aus der Verwirrung wiederum herausbringt, in die die menschliche Seele gerät, wenn sie sich in das Labyrinth der geistigen kosmischen Ereignisse begibt? Nun, wenn der Mensch sich in dieses Labyrinth begibt, so braucht er einen Führer. Das ist etwas, auf das uns prophetisch schon das griechische Volk hingewiesen hat, das zuerst vorbereitet hat das Denken. In der nördlichen elementaren, ursprünglichen Bevölkerung waren noch lange die Fähigkeiten vorhanden, die große Schrift der Natur zu lesen, zu einer Zeit, als die Griechen sich schon zu einem höheren Standpunkt der Intellektualität entwickelt hatten. Und die Griechen mußten dasjenige vorbereiten, was wir heute in höherem Maße ausbilden müssen. Es hätte eine solche «Geheimwissenschaft» zwar in Griechenland noch nicht geschrieben werden können, aber es ist in anderer Weise demjenigen, der sich hineinwagte in das Labyrinth der geistigen kosmischen Welt, durch die Griechen ein Bild gegeben worden für die Möglichkeit, einen Faden zu haben, durch den er sich aus der Verwirrung des Labyrinths wiederum zurückfinden kann. Das wird uns in der Legende von Theseus angedeutet, der sich mit dem Faden der Ariadne in das Labyrinth begibt. Für die heutige Zeit ist dieser Ariadnefaden nichts anderes als ein Bild für die Begriffe, die wir in der Seele über die übersinnliche Welt ausbilden sollen. Es ist das geistige Wissen, das uns geboten wird durch die Geisteswissenschaft, damit wir mit Sicherheit hineingehen können in dieses Labyrinth der geistigen Welt des Makrokosmos. So soll dasjenige, was uns heute in der Geisteswissenschaft gegeben wird, was zunächst nur zur Vernunft spricht, ein Ariadnefaden sein, welcher uns über alle Verwirrung hinweghilft, in die wir kommen könnten, wenn wir unvorbereitet hineinkommen in die geistige Welt des Makrokosmos.

[ 20 ] Was müssen wir nun beachten, um auch heute eine Möglichkeit zu haben, etwas zu finden, das uns aus der Verwirrung wiederum herausbringt, in die die menschliche Seele gerät, wenn sie sich in das Labyrinth der geistigen kosmischen Ereignisse begibt? Nun, wenn der Mensch sich in dieses Labyrinth begibt, so braucht er einen Führer. Das ist etwas, auf das uns prophetisch schon das griechische Volk hingewiesen hat, das zuerst vorbereitet hat das Denken. In der nördlichen elementaren, ursprünglichen Bevölkerung waren noch lange die Fähigkeiten vorhanden, die große Schrift der Natur zu lesen, zu einer Zeit, als die Griechen sich schon zu einem höheren Standpunkt der Intellektualität entwickelt hatten. Und die Griechen mußten dasjenige vorbereiten, was wir heute in höherem Maße ausbilden müssen. Es hätte eine solche «Geheimwissenschaft» zwar in Griechenland noch nicht geschrieben werden können, aber es ist in anderer Weise demjenigen, der sich hineinwagte in das Labyrinth der geistigen kosmischen Welt, durch die Griechen ein Bild gegeben worden für die Möglichkeit, einen Faden zu haben, durch den er sich aus der Verwirrung des Labyrinths wiederum zurückfinden kann. Das wird uns in der Legende von Theseus angedeutet, der sich mit dem Faden der Ariadne in das Labyrinth begibt. Für die heutige Zeit ist dieser Ariadnefaden nichts anderes als ein Bild für die Begriffe, die wir in der Seele über die übersinnliche Welt ausbilden sollen. Es ist das geistige Wissen, das uns geboten wird durch die Geisteswissenschaft, damit wir mit Sicherheit hineingehen können in dieses Labyrinth der geistigen Welt des Makrokosmos. So soll dasjenige, was uns heute in der Geisteswissenschaft gegeben wird, was zunächst nur zur Vernunft spricht, ein Ariadnefaden sein, welcher uns über alle Verwirrung hinweghilft, in die wir kommen könnten, wenn wir unvorbereitet hineinkommen in die geistige Welt des Makrokosmos.

[ 21 ] So sehen wir, daß in der Tat der Mensch, wenn er den Geist in der Außenwelt finden will, ein Gebiet durchschreiten muß, das er im normalen Leben unbewußt durchschreitet; er muß jenen Strom, der ihm das Bewußtsein nimmt, bewußt durchschreiten. Wenn dann der Mensch auf sich wirken läßt entweder das, was wir gezeigt haben als Empfindungen, die aus dem Werden der Natur selber heraus entzündet werden, oder durch Begriffe und Ideen, die wir eben charakterisiert haben, wenn der Mensch sich so entwickelt, dann erlangt er allmählich die Fähigkeit, furchtlos an jene geistige Macht heranzutreten, welche ihm sonst Furcht und Schrecken einflößen müßte. Es ist der große Hüter der Schwelle, der vor der großen geistigen Welt steht, unwahrnehmbar für das gewöhnliche Bewußtsein. Er wird nur wahrnehmbar für den, der sich in der gehörigen Weise vorbereitet. So daß derjenige, der sich vorbereitet hat, hinauszuschreiten in die große geistige Welt, in den geistigen Makrokosmos, furchtlos vor einer jeglichen Verwirrung, die ihn treffen könnte, vorüberkommt an dem großen Hüter der Schwelle, der uns auch zeigt, wie unbedeutend wir noch sind und wie wir neue Organe entwickeln müssen, wenn wir in diese große Welt, in den geistigen Makrokosmos hineinwachsen wollen. Mutlos und verzagt würde der Mensch dastehen, wenn er unvorbereitet an diesen großen Hüter der Schwelle herankäme.

[ 21 ] So sehen wir, daß in der Tat der Mensch, wenn er den Geist in der Außenwelt finden will, ein Gebiet durchschreiten muß, das er im normalen Leben unbewußt durchschreitet; er muß jenen Strom, der ihm das Bewußtsein nimmt, bewußt durchschreiten. Wenn dann der Mensch auf sich wirken läßt entweder das, was wir gezeigt haben als Empfindungen, die aus dem Werden der Natur selber heraus entzündet werden, oder durch Begriffe und Ideen, die wir eben charakterisiert haben, wenn der Mensch sich so entwickelt, dann erlangt er allmählich die Fähigkeit, furchtlos an jene geistige Macht heranzutreten, welche ihm sonst Furcht und Schrecken einflößen müßte. Es ist der große Hüter der Schwelle, der vor der großen geistigen Welt steht, unwahrnehmbar für das gewöhnliche Bewußtsein. Er wird nur wahrnehmbar für den, der sich in der gehörigen Weise vorbereitet. So daß derjenige, der sich vorbereitet hat, hinauszuschreiten in die große geistige Welt, in den geistigen Makrokosmos, furchtlos vor einer jeglichen Verwirrung, die ihn treffen könnte, vorüberkommt an dem großen Hüter der Schwelle, der uns auch zeigt, wie unbedeutend wir noch sind und wie wir neue Organe entwickeln müssen, wenn wir in diese große Welt, in den geistigen Makrokosmos hineinwachsen wollen. Mutlos und verzagt würde der Mensch dastehen, wenn er unvorbereitet an diesen großen Hüter der Schwelle herankäme.

[ 22 ] Nun haben wir geschildert, wie der Mensch sozusagen eingeschlossen ist in zwei Grenzen. Aufmerksam gemacht darauf haben wir schon im letzten Vortrage; heute haben wir genauer geschildert, wie der Mensch eingeschlossen ist zwischen jene zwei Tore. Vor dem einen steht der kleine Hüter der Schwelle und an dem anderen der große Hüter der Schwelle. Das eine Tor führt in das menschliche Innere, in den Geist des Mikrokosmos, das andere in den Geist des Makrokosmos. Nun müssen wir uns aber auch klar darüber sein, daß aus diesem selben Makrokosmos, in den wir also hineingeführt werden, die Kräfte kommen, welche uns selber aufbauen. Woher ist denn das Material genommen für unseren physischen Leib und für unseren Äther- oder Lebensleib? Dasjenige, was unseren physischen Leib aufbaut, was unseren Ätherleib aufbaut, alle die Kräfte, die da zusammenströmen, um dasjenige, was so weisheitsvoll ist, aufzubauen, all das tritt uns wirklich ausgebreitet in der großen Welt entgegen. Da tritt uns, wenn wir vorbeigegangen sind an dem großen Hüter der Schwelle, nicht nur Erkenntnis über den Makrokosmos entgegen. Erkenntnisse kann man sich erwerben. Wenn man aber die Erkenntnisse der großen Welt erworben hat, dann hat man noch nicht seinen Eingang gefunden in die Welt der Wirkungen und Kräfte. Denn aus den Erkenntnissen heraus könnte unser Leib nicht aufgebaut werden; er muß aus Kräften aufgebaut werden. Wir kommen also, wenn wir an dem großen Hüter der Schwelle vorbeigekommen sind, an diesem merkwürdigen geheimnisvollen geistigen Wesen, in eine Welt unbekannter Wirkungen und Kräfte hinein. Von dieser Welt muß man sagen, daß der Mensch zunächst nichts davon weiß, weil sich der Schleier der Sinneswelt davor ausbreitet. Das sind aber die Kräfte, die in uns hineinfließen, aus denen zusammengeronnen sind unser physischer und unser Äther- oder Lebensleib. Dieses ganze Zusammenspiel, die Wechselwirkungen zwischen der großen Welt und der kleinen Welt, von Wirkungen zwischen dem, was da drinnen ist, und dem, was da draußen ist und sich durch den Sinnesschleier verbirgt, sind enthalten in dem verwirrenden Labyrinth. Da treten wir in ein lebendiges Leben hinein. Dieses lebendige Leben ist das, was wir zunächst auch schildern müssen, und wir wollen morgen damit beginnen, daß wir den ersten Einblick erhalten in das, was der Mensch zwar nicht wahrnehmen kann, was sich aber in ihm doch als Wirkungen zeigt, wie wir gesehen haben, wenn er durch das eine oder durch das andere Tor schreitet, wenn er vorbeikommt an dem kleinen Hüter der Schwelle und an dem großen Hüter der Schwelle.

[ 22 ] Nun haben wir geschildert, wie der Mensch sozusagen eingeschlossen ist in zwei Grenzen. Aufmerksam gemacht darauf haben wir schon im letzten Vortrage; heute haben wir genauer geschildert, wie der Mensch eingeschlossen ist zwischen jene zwei Tore. Vor dem einen steht der kleine Hüter der Schwelle und an dem anderen der große Hüter der Schwelle. Das eine Tor führt in das menschliche Innere, in den Geist des Mikrokosmos, das andere in den Geist des Makrokosmos. Nun müssen wir uns aber auch klar darüber sein, daß aus diesem selben Makrokosmos, in den wir also hineingeführt werden, die Kräfte kommen, welche uns selber aufbauen. Woher ist denn das Material genommen für unseren physischen Leib und für unseren Äther- oder Lebensleib? Dasjenige, was unseren physischen Leib aufbaut, was unseren Ätherleib aufbaut, alle die Kräfte, die da zusammenströmen, um dasjenige, was so weisheitsvoll ist, aufzubauen, all das tritt uns wirklich ausgebreitet in der großen Welt entgegen. Da tritt uns, wenn wir vorbeigegangen sind an dem großen Hüter der Schwelle, nicht nur Erkenntnis über den Makrokosmos entgegen. Erkenntnisse kann man sich erwerben. Wenn man aber die Erkenntnisse der großen Welt erworben hat, dann hat man noch nicht seinen Eingang gefunden in die Welt der Wirkungen und Kräfte. Denn aus den Erkenntnissen heraus könnte unser Leib nicht aufgebaut werden; er muß aus Kräften aufgebaut werden. Wir kommen also, wenn wir an dem großen Hüter der Schwelle vorbeigekommen sind, an diesem merkwürdigen geheimnisvollen geistigen Wesen, in eine Welt unbekannter Wirkungen und Kräfte hinein. Von dieser Welt muß man sagen, daß der Mensch zunächst nichts davon weiß, weil sich der Schleier der Sinneswelt davor ausbreitet. Das sind aber die Kräfte, die in uns hineinfließen, aus denen zusammengeronnen sind unser physischer und unser Äther- oder Lebensleib. Dieses ganze Zusammenspiel, die Wechselwirkungen zwischen der großen Welt und der kleinen Welt, von Wirkungen zwischen dem, was da drinnen ist, und dem, was da draußen ist und sich durch den Sinnesschleier verbirgt, sind enthalten in dem verwirrenden Labyrinth. Da treten wir in ein lebendiges Leben hinein. Dieses lebendige Leben ist das, was wir zunächst auch schildern müssen, und wir wollen morgen damit beginnen, daß wir den ersten Einblick erhalten in das, was der Mensch zwar nicht wahrnehmen kann, was sich aber in ihm doch als Wirkungen zeigt, wie wir gesehen haben, wenn er durch das eine oder durch das andere Tor schreitet, wenn er vorbeikommt an dem kleinen Hüter der Schwelle und an dem großen Hüter der Schwelle.