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The Rudolf Steiner Archive

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The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 119

23 March 1910, Vienna

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Dritter Vortrag

3. The Inner Path Followed by the Mystic. Experience the Cycle of the Year

[ 1 ] Mit dem gestrigen Vortrage — das möchte ich bemerken, damit kein Mißverständnis entsteht — sollte nichts nach irgendeiner Richtung hin jetzt schon bewiesen werden, sondern es sollte am Schlusse nur darauf hingedeutet werden, daß aus gewissen Wahrnehmungen heraus die Geistesforscher der verflossenen Zeiten sich veranlaßt gesehen haben, mit gleichwertigen Namen gewisse Vorgänge und Dinge des Himmelsraumes oder unseres Planetensystems zu bezeichnen und mit denselben Namen andere Vorgänge in unserem eigenen täglichen und nächtlichen Erleben. Es war also der Vortrag mehr darauf berechnet, sozusagen Begriffe herbeizuschaffen, wie wir sie brauchen werden für unsere nächsten Darstellungen. Überhaupt müssen die Vorträge, die in diesem Zyklus gehalten werden, als ein Ganzes angesehen werden, und die ersten Vorträge sind in weitestem Umfange eigentlich dazu bestimmt, erst die Ideen und Begriffe herbeizutragen für die Erkenntnisse der geistigen Welten, die dann in den folgenden Vorträgen mitgeteilt werden sollen. Auch heute werden wir in gewisser Beziehung noch an Naheliegendes anknüpfen, um allmählich aufzusteigen zu fernerliegenden geistigen Gebieten.

[ 1 ] To obviate any possible misunderstanding, I want to emphasise that the aim of yesterday's lecture was not that of proving anything in particular but merely to point out that certain observations led spiritual investigators of bygone times to designate by similar names certain processes and objects in space and certain processes and happenings in our own daily and nightly experiences. The main purpose of the lecture was to introduce concepts that will be required in our further studies. The lectures given in this Course must be regarded as a whole, and the early lectures are in the widest sense intended to assemble the ideas and conceptions needed for the knowledge of the spiritual worlds that is to be communicated in those that come later. Today, too, we shall take our start from familiar experiences and pass on gradually to more remote realms of spirit.

[ 2 ] Wir haben in den ersten Vorträgen dieses Zyklus gesehen und konnten darüber auch schon einiges aus den beiden öffentlichen Vorträgen entnehmen, daß der Mensch in bezug auf seine innere Wesenheit, also in bezug auf dasjenige, was wir auseinandergelegt haben in das eigentliche Ich und den astralischen Leib des Menschen, in seinem Schlafzustand lebt in einer geistigen Welt und beim Aufwachen zurückkehrt in dasjenige, was während des Schlafzustandes im Bett liegenbleibt, in seinen physischen Leib und in seinen Äther- oder Lebensleib. Nun wird sich ja jedem, der das Leben betrachtet, bald zeigen, daß bei diesem Übergang aus dem schlafenden in den wachenden Zustand eigentlich eine vollständige Änderung des Erlebens eintritt. Dasjenige, was wir erleben im wachenden Zustande, ist ja durchaus nicht eine Anschauung oder eine Erkenntnis, die wir gewinnen von den beiden Gliedern der menschlichen Natur, in die wir beim Aufwachen untertauchen. Wir tauchen unter in unseren Äther- oder Lebensleib und in unseren physischen Leib, aber wir lernen sie während des Wachzustandes durchaus nicht so kennen, daß wir sie etwa von innen aus anschauen. Was weiß denn der Mensch im gewöhnlichen Leben davon, wie sein Äther- oder Lebensleib und sein physischer Leib von innen betrachtet aussehen. Das ist ja gerade das Wesentliche bei den Erlebnissen des Wachzustandes, daß wir unsere eigene Wesenheit, so wie sie in der physischen Welt drinnensteht, von außen betrachten und nicht von innen. Wir sehen unseren eigenen physischen Leib mit denselben Augen von außen an, mit denen wir die übrige physische Welt ansehen. Wir betrachten unser eigenes Wesen während des Wachzustandes niemals von innen, sondern immer nur von außen. Wir lernen uns also selber als Menschen im Grunde genommen nur von außen kennen, durch Anschauung, als ein Wesen der Sinneswelt. Wenn wir den Zustand genau ins Auge fassen, der sich als Übergangszustand vom Schlafen zum Wachen charakterisieren läßt, so müssen wir sagen: Wie wäre es denn, wenn wir nun wirklich beim Untertauchen in den Äther- oder Lebensleib und in den physischen Leib uns von innen betrachten würden? — Wir müßten dann etwas ganz anderes sehen. Was wir dann sehen würden, das würden die intimen Erlebnisse sein, die der Mystiker sucht und auf die wir schon ein wenig hingedeutet haben. Der Mystiker sucht die Aufmerksamkeit von der äußeren Welt abzulenken, sucht zum Schweigen zu bringen alles dasjenige, was auf sein Auge eindringt, sucht wirklich hinunterzusteigen in sein inneres Wesen. Aber wenn wir von diesen Erlebnissen des Mystikers zunächst absehen, so können wir sagen: Wir sind im Leben davor behütet, in dieses unser Inneres hineinzusehen, denn in demselben Moment, wo wir aufwachen, wird unser Blick abgelenkt auf die äußere Welt. — So daß also das Aufwachen so beschrieben werden kann, daß man sagt: Statt daß wir uns von innen anschauen, wird im Moment des Aufwachens unser Blick abgelenkt auf die äußere Welt, auf den Sinnenteppich um uns herum, und unser eigener physischer Leib gehört ja zu diesem äußeren Sinnenteppich, wenn wir ihn im Wachen betrachten. — Es entgeht uns also im wachenden Zustande die Möglichkeit, uns selber von innen aus zu betrachten. Es ist, wie wenn wir durch einen Strom geführt würden: Wenn wir schlafen, sind wir diesseits des Stromes, wenn wir aufgewacht sind, sind wir jenseits des Stromes. Würden wir diesseits des Stromes etwas wahrnehmen können, dann würden wir, wie wir später sehen werden, unseren astralischen Leib und unser Ich wahrnehmen. Aber wir sind davor behütet, dieses unser Inneres im Schlafzustand wahrzunehmen, denn wenn wir einschlafen, erlischt die Möglichkeit des Wahrnehmens, es erlischt das Bewußtsein.

[ 2 ] We have heard in previous lectures that in respect of his inner being, in respect, that is to say, of his astral body and Ego, man lives during the sleeping state in a spiritual world and on waking returns into his physical and etheric bodies. It will be evident to anyone who observes life that when this transition from the sleeping to the waking state takes place, there is a complete change of experience. What we experience in the waking state denotes no actual perception or knowledge of the two members of our being into which we descend on waking. We come down into our etheric and physical bodies but have no experience of them from within. What does a man know in ordinary life about the aspects presented by his physical and etheric bodies when seen from within? The essential fact of experience in the waking state is that we view our own being in the physical world from without, not from within. We view our physical body from outside with the same eyes with which we look at the rest of the world. During waking life we never contemplate our own being from within, but always from without. We really learn to know ourselves as men only from outside, regarding ourselves as beings of the sense-world. There is, of course, an actual state of transition from sleeping to waking life. How, then, would it be if we were really able, on descending into our etheric and physical bodies, to contemplate ourselves from within? We should see something quite different from what we see in the ordinary way: we should know the intimate experiences sought by the mystic. The mystic endeavours to divert his attention entirely from the outer world, to shut out the impressions invading his eyes and other senses and to penetrate into his inmost being. But leaving aside experiences of this kind, we can say that in daily life we are protected from the sight of our inner being, for at the moment of waking our gaze is diverted to the external world around us, to the tapestry presented by the senses—the tapestry of which our physical body, when observed during waking life, is a part. Thus in the waking state the possibility of observing ourselves from within, eludes us. It is as though we had been led unknowingly across a stream: while we sleep we are on this side of the stream, when we are awake, on yonder side. If we were capable of perceiving anything from “this side”, we should be able to perceive our Ego and our astral body as we perceive outer objects in waking life; but again we are protected from perceiving our own inner being in sleep, for at the moment of going to sleep the possibility of perceiving ceases and consciousness is extinguished. Thus between our inner and our outer world a definite boundary is drawn, a boundary which we can cross only at the moments of going to sleep and waking. But we can never cross this boundary without being deprived of something.

[ 3 ] So ist tatsächlich eine scharfe Grenze gezogen zwischen unserer inneren und unserer äußeren Welt. Die überschreiten wir mit dem Einschlafen und Aufwachen, aber keine Grenzüberschreitung können wir machen, ohne daß uns eigentlich etwas entzogen wird. Wenn wir die Grenze überschreiten beim Einschlafen, so hört unser Bewußtsein auf, und wir können die geistige Welt nicht mehr beobachten. Beim Aufwachen wird unser Bewußtsein sogleich auf die äußere Welt abgelenkt, und wir können das Geistige, das uns selber zugrunde liegt, nicht mehr beobachten, denn es wird unser Bewußtsein eben in Anspruch genommen von den äußeren Erlebnissen. Dasjenige, was wir da überschreiten, was uns das Geistige verdunkelt in dem Momente, wo wir aufwachen, was uns dieses Geistige nur erkennen läßt wie durch einen Schleier, das ist nichts anderes als etwas, was sich einschiebt zwischen unsere Empfindungsseele und unseren Äther- oder Lebensleib und unseren physischen Leib. Was die letzteren zwei Glieder verdeckt, was uns sie zudeckt beim Aufwachen, das nennen wir Empfindungsleib. Dieser ist die Ursache, daß wir den äußeren Sinnesteppich sehen. In dem Augenblicke, wo wir aufwachen, wird der Empfindungsleib ganz in Anspruch genommen von dem äußeren Sinnesteppich, und wir können nicht in uns selber hineinschauen. So stellt sich dieser Empfindungsleib wie eine Grenze hin zwischen dem, was geistig der äußeren Sinneswelt zugrunde liegt, und unserem inneren Erleben.

[ 3 ] When we cross the boundary on going to sleep, consciousness ceases and we cannot see the spiritual world. On waking, our consciousness is at once diverted to the outer world and we are unable to perceive the spiritual reality underlying our own being. The boundary that we cross, the boundary that causes the spiritual world to be darkened at the moment of waking is something that interpolates itself between our Sentient Soul and our etheric and physical bodies. The veil that covers these two members on waking, the veil that prevents us from beholding the spiritual reality underlying them, is the Sentient Body, which enables us to see the tapestry presented by the outer world. At the moment of waking the Sentient Body is wholly concerned with the outer world of the senses and we cannot look within our own being. This body, therefore, constitutes a frontier between our life of inner experience and what spiritually underlies the world of the senses.

[ 4 ] Wir werden sehen, daß das notwendig ist für das menschliche Leben, denn dasjenige, was der Mensch sehen würde, wenn er durch diesen Strom bewußt hindurchgehen würde, das darf er im normalen Verlaufe seines Lebens zunächst nicht sehen, weil er es nicht aushalten würde, weil er sich erst vorbereiten muß, es zu sehen. Und die mystische Entwickelung besteht nicht darin, daß man mit Gewalt eindringt in die innere Welt unseres Äther- oder Lebensleibes und unseres physischen Leibes, sondern sie besteht darin, daß man sich erst vorbereitet, daß man sich erst reif macht, dasjenige zu sehen, was man dann sehen kann, wenn man bewußt durch diesen Strom hindurchgeht. Was würde mit dem Menschen geschehen, der unvorbereitet hinabtauchen wollte in sein Inneres, der also beim Aufwachen nicht eine äußere Welt sehen wollte, sondern der eindringen wollte in seine eigene innere Welt, in dasjenige, was geistig unserem Äther- oder Lebensleib und unserem physischen Leib zugrunde liegt? Nun, ein solcher Mensch würde in seiner Seele ein Gefühl mit ungeheurer Stärke erleben, das man im gewöhnlichen Leben nur in ganz geringer Abschwächung kennt. Ein Gefühl, das man im gewöhnlichen Leben nur schwach kennt, das würde den Menschen überkommen, wenn er mit voller Aufmerksamkeit beim Aufwachen in sein Inneres hineinsteigen könnte. Durch eine Art Vergleich werden Sie zunächst — und es soll wieder nichts bewiesen werden, sondern es sollen nur Begriffe gewonnen werden — den Begriff erhalten können von diesem Gefühl.

[ 4 ] We shall realise that this is necessary, for what a man would see if he were to cross this stream consciously is something that must be hidden from him in the course of his normal life, because he could not endure it; he needs to be prepared for the experience. Mystical development does not really consist in penetrating by force into the inner world of the physical and etheric bodies, but in first making oneself fit for the experience and passing through it consciously. What would happen to a man who were to descend unprepared into his own inner being? On waking, instead of seeing an external world, he would enter into his own inner world, into that which spiritually underlies his physical and etheric bodies. In his soul he would experience a feeling of tremendous intensity, known to him in ordinary life in a very faint and weakened form only. That is what would come over a man if he were able, on waking from sleep, to descend into his own inner being. An analogy—without attempting to prove anything—will help you to have an idea of this feeling.

[ 5 ] Es gibt im Menschen dasjenige, was man Schamgefühl nennt. Dieses Schamgefühl besteht ja darin, daß der Mensch, wenn er sich in seiner Seele irgendeiner Sache schämt, die Aufmerksamkeit der anderen ablenken will von dem betreffenden Dinge oder der betreffenden Eigenschaft, deren er sich schämt. Dieses Schamgefühl für etwas, was im Menschen ist und was er nicht zur Offenbarung bringen will, ist eine schwache Andeutung von jenem Gefühl, das zu ungeheuerster Stärke wachsen würde, wenn der Mensch beim Aufwachen bewußt in sein eigenes Innere hineinsehen könnte. Es würde dieses Gefühl sich mit einer solchen Gewalt der menschlichen Seele bemächtigen, daß der Mensch es über alles, was ihm entgegenrtritt, ausgegossen empfinden würde. Er würde ein Erlebnis haben, das sich vergleichen läßt mit dem Gefühl, wie wenn er in Feuer zugrunde gehen würde. Wie eine Art Verbrennen würde dieses Schamgefühl auf ihn wirken. Warum würde es so auf den Menschen wirken? Dieses Schamgefühl würde so auf den Menschen wirken, weil der Mensch in diesem Augenblick empfinden würde, wie eigentlich sein physischer Leib und sein Äther- oder Lebensleib vollkommen sind im Verhältnis zu demjenigen, was er als Seelenwesen ist. Davon, wie der physische Leib und der Äther- oder Lebensleib im Verhältnis zu demjenigen, was der Mensch als Seelenwesen ist, vollkommen sind, kann man sich auch durch gewöhnliche Logik schon einen Begriff machen. Wer rein äußerlich durch die physische Wissenschaft durchdringt den Wunderbau, sagen wir, des menschlichen Herzens oder des menschlichen Gehirns in allen Einzelheiten, ja, wer meinetwillen nur durchdringt ein Stück des menschlichen Knochensystems mit seinem wunderbaren Bau, der wird schon fühlen können, wie unendlich weise und vollkommen dieser menschliche Leib eingerichtet ist. Wenn man nur ein einzelnes Stück Knochen nimmt, zum Beispiel den Oberschenkelknochen, und beobachtet, wie unendlich weise und vollkommen in feinem Netzwerk die Balken so gefügt sind, daß mit dem geringsten Aufwand an Materie die größte Kraft und Tragfähigkeit erzeugt wird, die den Oberleib des Menschen trägt, oder wenn man den wunderbaren Bau des menschlichen Herzens und Gehirns betrachtet, dann kann man schon eine Ahnung erhalten von dem, was man erleben würde, wenn man das Ganze von innen durchschaute, wie es aus Weisheitsurgründen hervorgequollen ist. Vergleicht man damit, was der Mensch als Seelenwesen ist, was er ist in bezug auf seine Genüsse, Leidenschaften und Begierden, so sieht man, wie der Mensch eigentlich darauf aus ist, zu ruinieren den wunderbaren Bau des physischen Leibes. Er entfaltet sein ganzes Leben lang seine Begierden, Triebe und Leidenschaften und geht im Grunde genommen darauf aus, den Wunderbau des physischen Herzens und Gehirns zu ruinieren. Was man im gewöhnlichen Leben beobachten kann, wie der Mensch dadurch, daß er sich dem Genusse dieser oder jener Genußmittel hingibt, sein Herz und sein Gehirn zugrunde richtet, das sind ja sozusagen nur die trivialen Anfänge einer Zerstörungstätigkeit an dem Wunderbau des Menschenleibes. Das alles würde vor der menschlichen Seele lebendig stehen, wenn sie bewußt hinabsteigen würde in ihren Äther- oder Lebensleib und in ihren physischen Leib. Und es würde etwas ungeheuer Niederschmetterndes, etwas Auslöschendes für den Menschen haben, wenn er vergleichen könnte die Unvollkommenheit der menschlichen Seele mit dem Wunderbau des Leibes, wenn er sehen könnte, was in seiner Seele ist, und das vergleichen damit, wie die weise Weltenführung seinen physischen und seinen Ätherleib gemacht hat, in die er jeden Morgen bei dem Aufwachen hinuntertaucht. Darum wird er davor behütet, in bewußter Weise hinunterzusteigen in sein eigenes Inneres, er wird abgelenkt auf das, was sich als äußerer Sinnesteppich vor seinen Sinnen den ganzen Tag über ausbreitet. Er kann nicht hineinschauen in sein Inneres.

[ 5 ] There is in man what is called the sense of Shame, the essence of which is that in his soul he wants to divert the attention of others from the thing or quality of which he is ashamed. This sense of shame in connection with something he does not want to be revealed is a faint indication of the feeling which would be intensified to overpowering strength if he were to look consciously into his own inner being. This feeling would take possession of the soul with such power that it would seem to be diffused over everything encountered in the external world; the man would undergo an experience comparable with that of being consumed by fire. Such would be the effect produced by this feeling of shame. Why should it have this effect? Because at that moment a man would become aware of the perfection of his physical and etheric bodies compared with what he is as a being of soul. It is also possible to form an idea of this by ordinary reasoning. Anyone who with the help of physical science makes a purely external study of the marvelous structure of the human heart or brain, or of each single part of the human skeleton, will be able to feel how infinitely wise and perfect is the arrangement and organisation of the physical body. By taking one single bone, for example the hip bone, which combines the utmost carrying capacity with the least expenditure of effort, or by contemplating the marvelous structure of the heart or brain, it is possible to have an inkling of what would be experienced if one were to behold the wisdom by which this structure was produced and were then to compare with this what man is as a being of soul in respect of passions or desires! All through his life he is engaged in ruining this wonderful physical organism by yielding to his desires, urges, passions and various forms of enjoyment. Activity destructive to the wonderful structure of the physical heart or brain can be observed everywhere in life. All this would come vividly before a man's soul if he were to descend consciously into his etheric and physical bodies. And the soul's imperfection compared with the perfect structure of the sheaths would have an overwhelmingly paralysing effect upon him if he were able to compare what is in his soul with what the wise guidance of the universe has made of his physical and etheric bodies. He is therefore protected from descending into them consciously and is deflected, on waking, by the tapestry of the sense-world outspread around him; he cannot look into his inmost being. It is the comparison of the soul with what it would perceive if it had sight of what spiritually underlies the physical and etheric bodies that would evoke the intense feeling of shame; preparation for this is made in advance through all the experiences undergone by the mystic before he becomes capable of penetrating into his inmost being. To realise for himself the imperfection of his soul, to realise that his soul is weak, insignificant, and has still an infinitely long path to travel, is bound to arouse a feeling of humility and a yearning for perfection, and these qualities prepare him to endure the comparison with the infinitely wise structure into which he penetrates on waking. Otherwise he would be consumed by shame as if by fire.

[ 6 ] Der Vergleich zwischen der menschlichen Seele und demjenigen, was geistig zugrunde liegt dem physischen und Äther- oder Lebensleib, würde Schamgefühl hervorrufen, und diesem Gefühl wird vorgearbeitet durch alle jene Seelenerlebnisse, die der Mystiker durchmacht, bevor er würdig wird, hinunterzusteigen in sein Inneres. Es sind namentlich die Erlebnisse des Mystikers, die in seiner Seele hervorrufen den denkbar stärksten Vorsatz, seine Seele selber als unbedeutend, als schwach zu empfinden, als so zu empfinden, daß sie einen unendlich weiten Weg der Vervollkommnung vor sich hat. Daher muß der Mystiker namentlich die Empfindungen der Demut und der Vervollkommnungssehnsucht in seiner Seele erwecken, damit sie ihn vorbereiten, den Vergleich dadurch auszuhalten, sonst müßte er vor Scham wie im Feuer verbrennen. Der Mystiker macht sich reif dazu durch folgende Gedanken: Gewiß, wenn ich das anschaue, was ich bin, und es vergleiche mit dem, was die weise Weltenlenkung an mir gemacht hat, muß ich einsehen, wie klein, wie schlecht, wie niedrig ich noch bin. — Und das Schamgefühl, das ja äußerlich Schamröte erzeugt, würde sich so auswachsen, daß es wirklich ein versengendes, brennendes Feuer werden könnte, wenn nicht der Mystiker sich sagen könnte: Ja, jetzt fühle ich mich so gering als möglich gegenüber demjenigen, was ich werden kann, aber ich will versuchen, die starken Kräfte in mir zu entwickeln, die mich fähig machen, auch geistig dem zu entsprechen, was die weise Weltenlenkung in meine Leiblichkeit hineingebaut hat. — Dem Mystiker, der in sein Inneres hineinsteigen will, wird begreiflich gemacht von dem geistigen Lehrer, daß er zunächst fühlen muß ein Gefühl der Demut, das sozusagen bis ins Unendliche geht. Dieses Gefühl läßt sich etwa so schildern. Man kann demjenigen, der angehender Mystiker ist, sagen: Sieh dir einmal die Pflanze an. Die Pflanze wurzelt in dem Boden. Der Boden bietet ihr ein Reich dar, das niedriger ist als das Pflanzenreich. Die Pflanze kann aber nicht leben ohne dieses Reich, das zunächst für ein niedrigeres genommen werden muß. Wenn die Pflanze sich hinunterneigt zu dem mineralischen Reich, dann kann sie sagen: Diesem niedrigeren Reich, aus dem ich hervorgewachsen bin, dem verdanke ich mein Dasein. Sie müßte sich in Demut zu dem niedrigeren Reich neigen und sagen: Dir verdanke ich, daß ich bin. Ebenso verdankt das Tier dem Pflanzenreich das Dasein. Es müßte, wenn es seiner Stellung im Weltenbau sich bewußt werden würde, in Demut sich zum niedrigeren Reiche neigen. Und der Mensch, der sich umschaut in der Welt, er müßte sagen: Eigentlich könnte ich diese Stufe nicht erreicht haben, wenn nicht alles dasjenige, was unter mir ist, sich in der entsprechenden Weise entwickelt hätte. — Wenn der Mensch solche Gefühle in seiner Seele entwickelt, dann kommt in sie die Stimmung, daß er eigentlich nicht nur Grund hat, in Dankbarkeit aufzublicken zu dem, was über ihm ist, sondern auch mit Dank zu schauen auf dasjenige, was unter ihm ist. Wenn das so recht in der Seele sich verbreitet, was man die Erziehung zur Demut nennen kann, dann wird die Seele durchflossen und durchdrungen von diesem Demutsgefühl, von dieser Demutsempfindung, daß man noch einen unendlich weiten Weg vor sich hat, um vollkommen zu werden.

[ 6 ] The mystic prepares himself by concentrating on the following thoughts: “When I behold what I am and compare it with what the wise guidance of the universe has made of me, the shame I feel is like a consuming fire.” This feeling gives rise outwardly to the flush of shame. This feeling would intensify to such an extent as to become a scorching fire in the soul if the mystic has not the strength to say to himself: “Yes, I feel utterly paltry in comparison with what I may become, but I shall try to develop the strength that will make me capable of understanding what the wisdom of the universe has built into my bodily nature and to make myself spiritually worthy of it.” The mystic is made to realise by his spiritual teacher that he must have boundless humility. It may be said to him: Look at a plant. A plant is rooted in the soil. The soil makes available to the plant a kingdom lower than itself but without which it cannot exist. The plant can bow to the mineral kingdom, saying: I owe my existence to this lower kingdom out of which I have grown. The animal too owes its existence to the plant kingdom and if it were conscious of its place in the world would in humility acknowledge its indebtedness to the lower kingdom. And man, having reached a certain height, should say: I could not have attained this stage had not everything below me evolved correspondingly. When a man cultivates such feelings in his soul, the realisation comes to him that he has reason not only to look upwards but to look downwards with thankfulness to the kingdoms below him. The soul is then filled with this feeling of humility and realises how infinitely long is the path that leads towards perfection. Such is the training for true humility. What has been described above cannot of course be exhausted by concepts and ideas; if that were the case the mystic would soon have mastered it. It must be experienced, and only one who experiences such feelings over and over again can imbue his soul with the attitude and mood necessary for the mystic. Then, secondly, the would-be mystic must develop another feeling which makes him capable of enduring whatever obstacles may lie in his path as he strives towards perfection. He must develop a feeling of resignation in respect of whatever ordeals he will have to endure in order to reach a certain stage of development. Only by proving himself victorious over pain and suffering for a long, long time can he develop the strong powers needed by his soul to overcome the inevitable sense of inferiority in face of what a wise World-Order has incorporated in the etheric and physical bodies. The soul must say to itself over and over again: ‘Whatever pain and suffering still await me, I will not waver; for if I were willing to experience only what brings joy, I should never develop the strength of which my soul is actually capable.’ Strength is developed only by overcoming obstacles, not by simply submitting to conditions as they are. Forces of soul can be steeled only when a man is ready to bear pain and suffering with resignation. This strength must be developed in the soul of the mystic if he is to become fit to descend into his inner being.

[ 7 ] Alles, was jetzt gesagt worden ist, kann nicht erschöpft werden mit Begriffen und Ideen. Wenn man das könnte, dann wäre der Mystiker bald fertig. Aber es läßt sich nicht erschöpfen mit Begriffen und Ideen, sondern es läßt sich nur erleben. Nur derjenige, der immer wieder und wiederum solche Gefühle erlebt, der verbreitet über seine Seele die Grundstimmung, die notwendig ist für den Mystiker. Wenn der Mensch reif werden will, hinunterzusteigen in sein Inneres, dann muß er jenes Gefühl entwickeln, welches ihn befähigt, dasjenige, was sich ihm in den Weg stellen kann, wenn er vollkommener und immer vollkommener werden will, zu ertragen. Ergebenheitsgefühl muß er dem gegenüber entwickeln, was er ertragen soll, um sich einer gewissen Stufe der Vollkommenheit zu nähern. Es muß durch lange, lange Zeiten hindurch der Mystiker in sich das Gefühl ausbilden, daß man nur durch Überwindung von Leid die starken Kräfte entwickelt, die man braucht, um die Seele aus jenem Zustand herauszubringen, in dem sie sich schwach fühlen muß gegenüber demjenigen, was sich ihr in den Weg stellt. Da muß die Seele auf sich wirken lassen jene Empfindung, durch die sie sich immer wiederum sagt: Wenn auch noch so viel Schmerzen mich treffen werden, ich will aufrecht stehen ihnen gegenüber, ich will nicht wanken; denn wenn ich nur das genießen würde, was mir das Leben an Glück bringt, dann würde ich niemals die starke Kraft entwickeln können, die die menschliche Seele braucht. Kräfte werden durch Widerstand, in der Überwindung von Hindernissen erlangt, nicht dadurch, daß man einen Zustand einfach hinnimmt. Nur dadurch werden die Kräfte gestählt, daß man sie anspannt in der Überwindung von Hindernissen, daß der Mensch bereit ist, Leid und Schmerz mit Ergebung zu ertragen. Das ist etwas, was der Mystiker in seiner Seele entwickelt, wenn er sich bereit machen will, hinunterzusteigen in das eigene Innere, ohne in Schamgefühl zu verbrennen.

[ 7 ] Let nobody imagine that Spiritual Science demands that a man living an ordinary, everyday life shall undergo such exercises for they are beyond his power. What is being described here is simply a narration of what those who voluntarily embark upon such experiences can make of the soul, that is to say, they can make the soul capable of penetrating into their own inmost being. In the course of normal life, however, the Sentient Body intervenes between what it is possible for the mystic to experience inwardly and what is actually experienced in the external world. That is what protects a man from descending into his own inner self without preparation and being consumed by a feeling of shame.

[ 8 ] Das alles, was da durchzumachen ist, muß selbstverständlich der Mensch im normalen Leben nicht durchmachen, und niemand darf glauben, daß an den gewöhnlichen Menschen das Ansinnen gestellt wird durch irgendeine Geisteswissenschaft, daß er solche Übungen durchmacht. Was hier geschildert wird, ist nicht etwas, was Forderungen aufstellt, sondern es geschieht, um zu erzählen, was diejenigen, die freiwillig eine Summe von solchen Erlebnissen auf sich nehmen, aus ihrer Seele machen können, und was der Mystiker erstrebt; er macht seine Seele fähig, hinunterzusteigen in dieses menschliche Innere. Im normalen Verlauf des Lebens stellt sich aber zwischen das, was man als Mystiker erleben kann im Innern, und das, was man in der äußeren Welt erlebt, der Empfindungsleib des Menschen hinein und behütet den Menschen davor, daß er unvorbereitet in sein Inneres hineinsteigt und sozusagen vor Schamgefühl verbrennen würde. Was es ist, das den Menschen davor behütet, unvorbereitet in sein Inneres hineinzusteigen, kann er natürlich im normalen Verlauf des Lebens nicht erfahren, denn da dringt er schon an die Grenze der geistigen Welt. Diese Grenze muß der Geistesforscher, der das menschliche Innere erforschen will, allerdings überschreiten. Der Geistesforscher muß also hindurchschreiten durch den Strom, der das gewöhnliche, normale menschliche Bewußtsein ablenkt von dem Inneren auf das Äußere. Dieses gewöhnliche, normale menschliche Bewußtsein wird behütet, in einem unreifen Zustand hineinzugelangen in das menschliche Innere, wird behütet davor, im Feuer der eigenen Scham zu verbrennen. Die Macht, welche da den Menschen jeden Morgen beim Aufwachen behütet, hineinzusteigen in das eigene Innere, kann der Mensch nicht sehen. Es ist die erste geistige Wesenheit, welcher der echte, wirkliche Geistesforscher auf dem Wege, der in sein Inneres führt, begegnet. Er muß vorbeikommen an jener Wesenheit, welche im normalen Bewußtsein ihn behütet vor dem innerlichen Verbrennen, vor dem innerlichen Brande. Er muß vorbeikommen an derjenigen Wesenheit, die ablenkt sein Nach-innen-Schauen auf die Außenwelt, auf den äußeren Sinnesteppich. Die Wirkung dieser Wesenheit verspürt das normale Bewußtsein. Sehen kann der Mensch sie nicht, denn es ist schon die erste geistige Wesenheit, an der wir vorbeikommen müssen, wenn wir in die geistige Welt eindringen wollen. Und diese geistige Wesenheit, welche jeden Morgen beim Menschen steht und ihn davor behütet, in unreifem Zustand sein eigenes Innere geistig zu schauen, nennen wir in der Geisteswissenschaft den kleinen Hüter der Schwelle. An diesem kleinen Hüter der Schwelle vorbei führt der Weg in die geistige Welt hinein.

[ 8 ] In the normal course of life a man cannot experience what is thus screened from him by the Sentient Body, for there he has already reached the frontier of the spiritual world. A spiritual investigator seeking to explore the inner nature of man must cross this frontier; he must cross the stream which diverts normal human consciousness from the inner to the outer world. This normal consciousness, while insufficiently mature, is protected from penetrating into man's inner self, protected from being consumed in the fire of shame. Man cannot see the Power which protects him from this experience every morning on waking. This Power is the first spiritual Being encountered by one who is about to pass into the spiritual world. He must pass this Being who protects him from being consumed by the inner sense of shame; he must pass this Being who deflects his inward-turned gaze to the external word, to the tapestry of sense-phenomena. Normal consciousness becomes aware of the effect of this Being, but man cannot see him. He is the first Being who must be passed by one who desires to penetrate into the spiritual world. This spiritual Being who every morning stands before man and protects him while he is still immature from sight of his own inner self, is called in Spiritual Science, the Lesser Guardian of the Threshold. The path into the spiritual world leads past this Being.

[ 9 ] So haben wir zunächst an ganz naheliegenden Erlebnissen des Tages unser Bewußtsein hingeführt bis zu der Grenze, wo wir ahnen können, was der Geistesforscher sieht als den kleinen Hüter der Schwelle. Beschreiben wollen wir diesen kleinen Hüter der Schwelle später, denn wir wollen ausgehen von Bekanntem und allmählich dem Unbekannten uns nähern. Damit also ist auch schon angedeutet, daß wir unser wahres Wesen eigentlich im Tagesbewußtsein, im Wachzustand gar nicht sehen. Und wenn wir unser eigenes Wesen im Sinne der beiden letzten Vorträge den Mikrokosmos nennen, die kleine Welt, dann können wir sagen: Wir sehen den Mikrokosmos eigentlich niemals in seiner wahren geistigen Gestalt, sondern wir sehen nur das, was sich im normalen Zustande von ihm zeigt, nur das Äußere. Es ist also wirklich etwas, was sich vergleichen läßt mit einer Art von Spiegelbild. So wie wir, wenn wir in den Spiegel sehen, unser Bild sehen und nicht uns selber, so sehen wir den Mikrokosmos, das eigentliche Wesen des Menschen, wenn wir im Tagesbewußtsein sind, nicht selber, sondern wir sehen nur sein Spiegelbild; wir sehen den Mikrokosmos im Spiegelbild.

[ 9 ] Our consciousness has thus been directed to the frontier where we can dimly divine the existence of the Being known to the spiritual investigator as the Lesser Guardian of the Threshold. Here already is an indication that in waking life we do not see our true being at all. And if we call our own being the Microcosm, we must add that we never see the Microcosm in its pure, spiritual form, but only the part that our own being reveals in the normal state. Just as when a man looks in a mirror he sees an image, a picture, and not himself, so in waking consciousness we do not see the Microcosm itself but a reflected image of it. We see the Microcosm in its mirror image.

[ 10 ] Sehen wir denn den Makrokosmos in seiner Wirklichkeit? Wir wollen wiederum ganz naheliegende tägliche Erlebnisse vor unsere Seele hinstellen. Was erlebt der Mensch im Verlaufe von vierundzwanzig Stunden in der sinnlichen Außenwelt? In der sinnlichen Außenwelt erlebt der Mensch auch einen Wandel zwischen Tag und Nacht, wie im Mikrokosmos, nur tritt ihm dieser jetzt in der Außenwelt entgegen. Er erlebt, wie des Morgens die Sonne aufgeht, wie sie des Abends untergeht. Er erlebt, wie ihm das Sonnenlicht zunächst beleuchtet all die Gegenstände um ihn herum. Was ist es denn, was der Mensch vom Sonnenaufgang zum Sonnenuntergang sieht? Im Grunde genommen sieht er gar nicht die Gegenstände, sondern er sieht das Sonnenlicht, das sie ihm zurück werfen. Einen Gegenstand im Finstern sehen wir nicht. Einen Gegenstand in unbeleuchtetem Zustand kann der Mensch nicht sehen. Was für das Auge gilt, können wir auch für die übrigen Sinne sagen, aber wir wollen zunächst beim Auge bleiben. Wenn man in die Sonne sieht, so werden die Augen geblendet. Man kann daher niemals die Sonne selbst wirklich wahrnehmen. Der Mensch nimmt im Grunde genommen die Sonnenstrahlen wahr, die die Außenwelt ihm zurückwirft. Er nimmt nicht die Gegenstände wahr, sondern die reflektierten Sonnenstrahlen. Das geschieht vom Morgen bis zum Abend. Aber der Mensch sieht nur in einer sehr unvollkommenen Art dasjenige, was die Ursache davon ist, daß er die äußeren Dinge sieht, denn dasjenige, dem Sie verdanken, daß Sie überhaupt bei Tag eine äußere Sinneswelt wahrnehmen können, das blendet Sie. Das ist ein Bild, ein Gleichnis. So wie wir uns zur äußeren Sinneswelt verhalten, so verhalten wir uns auch in unserem eigenen Inneren. Die Ursache, warum wir die Dinge wahrnehmen, sehen wir niemals. Wir nehmen die Dinge wahr, können uns aber nicht zu demjenigen erheben, was uns die Dinge wahrnehmbar macht. Das blendet uns wie die Sonne, wenn wir sie als den Grund der Sichtbarkeit der Gegenstände wahrnehmen wollen. So geht es uns mit der äußeren Sonne während des Tages in einer ganz ähnlichen Weise, wie es uns beim Aufwachen mit unserem eigenen Inneren geht. Wir leben in unserem eigenen Inneren. Die Kräfte, die im eigenen Inneren sind, befähigen uns, zu leben und die Außenwelt wahrzunehmen, aber sie verhindern uns auch, uns selbst wahrzunehmen. Es ist ebenso wie mit der Sonne; sie befähigt uns, die Dinge wahrzunehmen, aber sie blendet uns, wenn wir sie selber wahrnehmen wollen.

[ 10 ] Do we ever see the Macrocosm in its reality? Again we can take our start from familiar experiences, leaving aside for the moment what a man undergoes in the course of the twenty-four hours of the day. We will think of the very simplest experiences that come to a man in the outer world of the senses. In that world he perceives an alternation between day and night-how the Sun rises in the morning and sets in the evening; he perceives how the sunlight illumines all the objects around him. What is it, then, that man sees from sunrise until sunset? Fundamentally speaking he does not see the objects themselves at all, but the sunlight which they reflect. In the dark we cannot see an object without illumination. Let us take the eye as representative of the other senses. What we see during the day are, in reality, the reflected rays of the Sun. This is how things are from morning until evening. But man has only a very imperfect perception of the cause which enables him to see objects in the outer world at all. If we look at the Sun directly, our eyes are dazzled. The very cause to which we owe the faculty of perceiving the outer sense-world, dazzles us. Thus during the day it is the same with the Sun outside as it is on waking with our own inner self. The forces within ourselves enable us to live and to perceive the outer world, but our attention is diverted from our own inner being to the outer world.

[ 11 ] Aber wir können auch alles, was mit der Sonne in einer gewissen Weise verbunden ist, was sonst zur Sonne gehört, während des Tages nicht wahrnehmen. Wir nehmen das wahr, was unsere Erde uns zeigt in dem reflektierten Sonnenlichte. Wenn wir in den Weltenraum hinaussehen, so sehen wir auch das nicht, was zu unserem Sonnensystem gehört. Zu unserem Sonnensystem gehört nicht bloß die Sonne, zu ihm gehören auch die Planeten. Ihr Anblick ist uns während des Tages entzogen. Die Sonne blendet uns also nicht nur für sich selbst während des Tages, sondern auch so weit, daß wir die Planeten am Tage nicht sehen können. Wir schauen in den Raum hinaus und wissen: Wenn da draußen auch die Planeten sind, die zu unserem Sonnensystem gehören, sie entziehen sich unserem Anblick. Wir können also sagen: Geradeso wie sich uns bei Tage unser eigenes Innere entzieht, wie sich uns bei Nacht die geistige Welt entzieht, wenn wir im gewöhnlichen Schlafzustand sind, so entziehen sich bei Tag, wenn wir den Blick hinausrichten und den Sinnesteppich überschauen, die Ursachen für unser sinnliches Wahrnehmen. Dasjenige, was eigentlich der Sonne zugrunde liegt, was die Sonne verbindet mit den übrigen Körpern des Sonnensystems, mit den Wesenheiten, die wir sehen in ihrem äußeren Ausdrucke, in demjenigen, was wir Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn und so weiter nennen, was da lebendiges Zusammenwirken ist zwischen der Sonne und diesen Körpern, das entzieht sich uns bei Tage. Was wir wahrnehmen, ist eine Wirkung des Sonnenlichtes. Und wenn wir jetzt diesen Zustand vergleichen mit dem Zustand, in dem die Sinneswelt um uns ist in der Nacht vom Untergang der Sonne bis zu ihrem Aufgange, so können wir dann in einer gewissen Weise wahrnehmen, was zu unserem Sonnensystem gehört. Wir können den Blick auf den wunderbar gestirnten Himmel hinausrichten, wo sich die Planeten unserem Anblick darbieten. Aber während wir die zu unserem Sonnensystem gehörenden Planeten am nächtlichen Himmel sehen können, entzieht sich uns die Sonne selber, ist für uns die Sonne unsichtbar. So daß wir sagen müssen: Dasjenige, was uns bei Tage unsere Sinneswelt sichtbar macht, das nimmt uns in der Nacht die Möglichkeit, es zu betrachten. Es entzieht sich uns, es hüllt nachts unsere ganze Sinneswelt ein in Unwahrnehmbarkeit, und wir erblicken nur dasjenige, was zu unserer Sonne gehört, wir sehen nur die planetarische Welt.

[ 11 ] It is the same with the Sun; it enables us to perceive objects but dazzles us when we attempt to look at it. Nor during the day can we perceive everything that is connected with the Sun. We see what the Earth reveals to us in the reflected sunlight. Our solar system is composed not only of the Sun but also of the planets. By day the sight of them is denied us; the Sun dazzles our vision not only of itself but also of the planets. We look out into space knowing that although the planets are there, they evade our observation. Just as by day we are prevented from seeing our own inner self and by night the sight of the spiritual world is denied us in ordinary sleep, so, by day, when our gaze is directed outwards, the causes of our sense-perceptions are hidden from us. What lies behind the Sun and connects it with the other bodies belonging to the solar system, with the Beings whose outer manifestations we call Mercury, Venus, Mars, Jupiter, Saturn and so on—whatever living co-operation there is between the Sun and these heavenly bodies is hidden from us by day. What we perceive is the effect of the sunlight. When we compare this state with the state in which the world around us exists by night, from sunset to dawn, we can perceive in a certain way what belongs to our solar system. We can look up to the starry heavens and among other stars behold the planets at times when they are visible; but while we can see them in the night sky, the Sun itself is invisible. We must therefore say what by day makes the sense-world visible to us, by night takes from us the possibility of seeing it. At night the whole of the sense-world is invisible.

[ 12 ] Gibt es nun eine Möglichkeit, sozusagen für den Nachtzustand etwas Ähnliches herzustellen, wie es der Zustand des Mystikers ist für das Hinabsteigen in die Innenwelt, so wie wir es beschrieben haben? Gibt es etwas Ähnliches? Die heutige Menschheit hat nicht viel Bewußtsein von diesem ähnlichen Zustand, aber es gibt so etwas. Es besteht darin, daß der Mensch, wie der Mystiker, gewisse Eigenschaften der Demut und der Ergebenheit und noch gewisse andere Eigenschaften entwickelt, die wir uns dadurch begreiflich machen können, daß wir zunächst die einfachste dieser Eigenschaften uns vor die Seele führen. Wir wollen wiederum von einer ganz einfachen Eigenschaft ausgehen. Der Mensch hat sie im normalen Leben auch, aber nur schwach, geradeso wie das Schamgefühl. Wenn der Mensch dieses Gefühl, das er im gewöhnlichen Leben nur schwach hat und das wir gleich charakterisieren werden, ins Ungeheure vergrößert, dann macht er sich in der Tat bereit, nächtlich etwas ganz anderes zu erleben als im normalen Bewußtsein. Und dieses Gefühl, das der Mensch da in sich entwickeln muß, ist das folgende. Sie wissen alle, daß wir im Frühling anders empfinden können als im Herbst. Eine gesunde Seele wird im Frühling anders empfinden als im Herbst. Es wird eine gesunde Seele anders empfinden, wenn im Frühling die Knospen an den Bäumen hervorsprießen und uns sozusagen das Versprechen geben von der Schönheit und Herrlichkeit des Sommers. Es ist etwas, was sich in unsere Seele gießt von aufwachender Hoffnung, wenn wir den Frühling herankommen sehen. Es ist dieses Gefühl schwach entwickelt bei dem gewöhnlichen normalen Menschen, aber es ist doch vorhanden. Und wenn wir dann dem Herbst zu leben, dann kann dieses Gefühl, das im Frühling da ist als Hoffnung für den Sommer, das wie ein Erwachen der Seele sich ausnimmt, sich verwandeln in ein Wehmutsgefühl, wenn wir die Bäume sich entlauben sehen, wenn wir sehen, wie an die Stelle von Bäumen und Blumen, die uns den Sommer hindurch einen wunderbaren Anblick gezeigt haben, immer mehr kahle Sträucher, besenartige Gebilde treten. Da verwandelt sich unser Seelenleben; es wird durchzogen von dem, was wir nennen können Wehmut des Herzens. Also wir können im Verlaufe des Jahres, wenn wir mitgehen mit den Erscheinungen des äußeren Lebens, einen Kreislauf der Seele im Jahr durchmachen. Und da beim Menschen diese Gefühle, die eben charakterisiert worden sind, diese Frühlings- und Herbstgefühle, im normalen Leben nur schwach entwickelt sind, so fühlt der Mensch auch die Steigerung des Frühlingsgefühles, wenn es dem Sommer zugeht, nicht in entsprechendem Maße, und er fühlt nicht das Verwandeln der Wehmut des Herbstes in ein noch anderes darüber hinaus gehendes Gefühl, wenn die Erde völlig in ihrem Winterkleid um uns herum sich ausbreitet.

[ 12 ] Is it possible to discover, in connection with the nocturnal state, something analogous to the State of the mystic when he descends into his own inner world? In the modern age there is little consciousness of this analogous state, but there is something of the kind. It consists in the fact that, like the mystic, a man develops certain qualities of humility and resignation and other feelings too, the nature of which we can grasp by picturing the simplest of them. Man has these feelings in normal life-in a weak form, like the sense of shame, but nevertheless he has them. By enormously enhancing these feelings he prepares himself to have experiences by night which differ entirely from those of normal consciousness. We all know that our feelings in spring are different from those we have in the autumn. When buds are bursting in spring and giving promise of the beauty and splendour of summer, the feelings of a healthy soul will not be the same as they are in autumn; with the approach of spring we feel the awakening of hope. The feeling is only slightly developed in an ordinary, normal man, but it is present, nevertheless. Towards autumn, the mood of hope and awakening connected with spring will be transformed into one of sadness, of melancholy; when we see the leaves falling, when we see bare, skeleton-like branches instead of the bright flowering shrubs of summer, our souls are steeped in melancholy; there is sadness in our hearts. In the course of the year, if we move in step with the phenomena of outer Nature, we can experience a cycle in our life of soul. But as these feelings are faint and feeble in normal life, man's sensibility to the transformations that take place from spring to summer and autumn and from autumn to winter is only slight.

[ 13 ] In solchen Gefühlen wurden aber die Geistesschüler erzogen und werden noch heute erzogen —, welche den dem Mystiker entgegengesetzten Weg gehen wollen. Während der Mystiker in sein Inneres hinuntergeführt wird, wird derjenige, der den entgegengesetzten Weg gehen will, hinausgeführt in den Kreislauf der großen Natur und so erzogen, daß er miterlebt die Ereignisse der großen Natur. Seine Seele wird so behandelt, daß er dasjenige, was man im gewöhnlichen Leben schwach fühlt im Frühling, lernt, allmählich in starkem Maße zu fühlen, so daß er mitzuempfinden lernt das ganze Aufsprießen der Vegetation im Frühling. Wenn er sich da ganz hineinzuversetzen vermag, sich selbst zu vergessen vermag und mit der Frühlingsnatur mitzuerleben vermag, dann wird dieses Erleben gegen den Sommer hin etwas ganz Besonderes. Es wird von der erwachenden Hoffnung im Frühling zu einem völligen inneren Aufjauchzen im Sommer. Dazu wird derjenige, der sozusagen ein umgekehrter Mystiker ist, erzogen. Und wiederum, wenn der Mensch so weit ist, daß er in Selbstvergessenheit, ins höchste gesteigert, die Wehmut des Herbstes zu erleben gelernt hat, dann kann er auch fähig werden, die Steigerung des Gefühls zu erleben von der Wehmut des Herbstes bis zum Mitempfinden des Todes der ganzen Natur in der Wintermitte.

[ 13 ] Once upon a time—and it is still so today—a pupil of spiritual knowledge who was to take the opposite path to that of the mystic was trained in such feelings; in contrast to the mystic's descent into his own inner being, he was taught to live with the cycle of outer Nature. He learnt to feel with great intensity, no longer faintly as in ordinary life, the awakening of Nature and the sprouting of vegetation in spring; then, when he was able to surrender himself wholly to this experience, the feeling of dawning hope in spring became one of joyful exultation in summer. He was trained to have this experience of exultation. And again, when a man was so far advanced as to experience in complete self-forgetfulness the melancholy of autumn, he could pass on to experience a feeling of winter, intensified into a feeling of the death of all Nature at midwinter.

[ 14 ] So wurden unter anderem erzogen diejenigen Schüler, welche mitgemacht haben den Empfindungsunterricht in den alten nordischen Mysterien, die heute der Außenwelt schon nur mehr der Tradition nach, nur äußerlich bekannt sind. Da wurden die Schüler so erzogen, daß sie durch besondere Methoden lernten, den jährlichen Gang der Natur in ihrem Empfinden, in ihrer Seele mitzumachen. Und alles das, was der Schüler im Sommer zur Zeit der Johannisnacht erlebte, das bedeutete ein Mitjauchzen mit der ganzen Natur. Die Feuer der Johannisnacht waren etwas wie ein Andeuten der Steigerung des Hoffnungsgefühls im Frühling zu einem Mitjauchzen mit der Natur im Sommer, wenn man den den ganzen Kosmos durchziehenden Lebenshauch miterlebte. Und in der Wintersonnenwende empfand der Schüler in tiefster Seele mit das Hinsterben der Natur, unendlich steigernd das Wehmutsgefühl des Herbstes bis zum Mitempfinden des Todes.

[ 14 ] Such were the feelings awakened in the pupils who had undergone training in the old Northern Mysteries, of which only the external side is still known and that merely as tradition. The pupils were trained by special methods to accompany in their own life of feeling the cycle of Nature throughout the year. All the experiences which came to these pupils, for example on Midsummer Night, were indications of the crescendo of hope to exultation shared with Nature. The festival of Midsummer Night was intended to portray the enhancement of the feeling of awakening in spring to that of joyous exultation in the superabundant life of summer. And at the winter solstice the pupil learnt to experience—as an infinitely enhanced feeling of autumn—the decline and death of Nature.

[ 15 ] So waren die Empfindungserlebnisse, die in der Tat in dieser Stärke kaum mehr von dem heutigen Menschen erlebt werden können. Denn der heutige Mensch ist durch die Fortschritte des intellektuellen Lebens der letzten Jahrhunderte im wesentlichen unfähig zu jenen großen, gewaltigen Erlebnissen, welche die Seele der ursprünglichen Naturvölker des europäischen Festlandes, namentlich der nördlichen und mittleren Gebiete Europas, durchmachten. Dann aber, wenn so etwas durchgemacht worden war, zeigte sich in der Tat für diejenigen Menschen, die so ihre inneren Seelenerlebnisse gesteigert hatten, etwas sehr Eigentümliches. Sie erlangten eine bestimmte Fähigkeit. Wie der Mystiker die Fähigkeit hat, in sein eigenes Inneres hinunterzusteigen, so erlangten sie die Fähigkeit — so sonderbar das auch klingt, es ist aber der Fall, ich schildere nur Dinge, welche unzählige Menschen erlebt haben und noch erleben können —, sie erlangten die Fähigkeit, die Materie zu durchschauen, das heißt, sie konnten nicht bloß das sehen, was man als Oberfläche wahrnimmt, sondern sie konnten durch diese hindurchschauen, vor allen Dingen vermochten sie in der Zeit von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang durch unsere Erde hindurchzuschauen, und durch die durchsichtige Erde hindurch erglänzte ihnen lebendig die Sonne. Das nannte man in den alten Mysterien das Schauen der Sonne um Mitternacht. Allerdings konnte die Sonne in ihrer größten Fülle und Herrlichkeit nur dann geschaut werden, wenn man sich mit seiner Seele in der Zeit der Wintersonnenwende jenem Zustande genähert hatte, wo der ganze äußere Sinnesteppich abgestorben war. Dann hatte man die Fähigkeit errungen, die Sonne zu schauen, jetzt nicht als eine blendende Wesenheit, wie sie bei Tag erscheint, sondern alles Blendende an der Sonne war abgeschwächt; man sah die Sonne nicht mehr als physisches Wesen draußen, sondern als geistiges Wesen. Man schaute den Sonnengeist. Was als physische Wirkung wie eine Blendung wirkte, war ausgelöscht durch die Materie der Erde. Diese war durchsichtig geworden, und sie ließ nur das Geistige der Sonne durch. Aber mit diesem Schauen der Sonne war etwas wesentlich anderes verbunden, mit diesem Schauen der Sonne zeigte sich jetzt etwas höchst Merkwürdiges. Es zeigte sich nämlich jetzt in seiner Wahrheit dasjenige, worauf wir gestern in abstrakter Weise hingedeutet haben, daß tatsächlich eine lebendige Wechselwirkung besteht zwischen all dem, was zu unserem Sonnensystem gehört als Planeten, und der Sonne selber, dadurch, daß fortdauernd Ströme gehen von den Planeten zur Sonne und von der Sonne zu den Planeten. Kurz, es zeigte sich da draußen geistig etwas, was sich vergleichen läßt mit etwas im Leben, was jeder kennt, nämlich mit dem Zirkulieren des Blutes im menschlichen Leibe. Wie das Blut von dem Herzen zu den Organen geht und von den Organen wiederum zurück zum Herzen in lebendigem Kreislauf, wie dieser lebendige Blutkreislauf, so zeigt sich die Sonne als der Mittelpunkt lebendiger Geistesströmungen, welche von der Sonne zu den Planeten und von den Planeten zurück zur Sonne fließen. Das ganze Sonnensystem zeigt sich als lebendiges geistiges System; wir erblicken in der Tat unser Sonnensystem als Geistiges, von dem das Äußere wirklich nur ein Gleichnis ist.

[ 15 ] Such feelings can hardly be felt with equal strength by a man today. As a result of the progress of his intellectual life during recent centuries, present-day man has become incapable of undergoing the intense, overpowering experiences which the best representatives of the original peoples of Middle, Northern and Western Europe were able to endure. Having undergone such training, the pupils who had thus intensified their inner experiences found themselves possessed of a particular faculty—however strange this may sound—the faculty of seeing through matter, just as the mystic is able to penetrate into his own inner self. They were able to see not merely surfaces of objects but they were able to gee through the objects, and above all, through the Earth. This experience was called in the ancient Mysteries: seeing the Sun at Midnight. The Sun could be seen in its greatest splendour and glory only at the time of the winter solstice, when the whole external sense-world had so to speak died away. The pupils of the Mysteries had developed the faculty of seeing the Sun no longer as the dazzling power it is by day, but with all its dazzling brilliance eliminated. They saw the Sun, not as a physical but as a spiritual reality, and they beheld the Sun Spirit. The physical effect of dazzling was extinguished by the Earth's substance, for this had become transparent and allowed only the Sun's spiritual forces to pass through. But something else of great significance was connected with this beholding of the Sun. The fact of which only an abstract indication was given yesterday, was then revealed in all its truth, namely, that there is a living interplay between the planets and the Sun inasmuch as streams flow continually to and fro—from the planets to the Sun and from the Sun to the planets. Something was revealed spiritually that may be compared with the circulation of the blood in the human body. As the blood flows in living circulation from the heart to the organs and from the organs back again to the heart, so did the Sun reveal itself as the centre of living spiritual streams flowing to and fro between the Sun and the planets. The solar system revealed itself as a spiritual system of living realities, the external manifestation of which is no more than a symbol. Everything manifested by the individual planets pointed to the great spiritual experience just described, as a clock points to the time of occurrences in external life.

[ 16 ] Alles, was der Mensch erleben lernt dadurch, daß er seine Empfindungsfähigkeit steigert, wie es jetzt geschildert worden ist, das entzieht sich als das Geistige des Weltenraumes dem gewöhnlichen Tagesanblicke. Es wird auch dem nächtlichen Anblick verdeckt. Denn was sieht der Mensch in der Nacht mit seinen gewöhnlichen Fähigkeiten, wenn er hinaufsieht in den Himmelsraum? Davon sieht er im Grunde genommen ebenso nur die Außenseite, wie von seinem eigenen Inneren, so daß dasjenige, was wir am Sternenhimmel sehen, der Leib ist eines Geistigen, das ihm zugrunde liegt. Wie wir, wenn wir auf unseren Leib mit unseren Augen sehen, den äußeren Ausdruck des Geistigen in uns sehen, so sieht der Mensch, wenn er des Nachts den gestirnten Himmel sieht, allerdings einen wunderbaren Bau, aber dieser ist der materielle Leib des kosmischen Geistes, der sich durch diesen Leib ausspricht in allen seinen Bewegungen, die uns äußerlich entgegentreten. Und wieder ist es so, daß für das gewöhnliche menschliche Bewußtsein sozusagen ein Schleier vorgezogen wird, ein Schleier sich ausbreitet vor alles das, was der Mensch sehen würde, wenn er geistig durchschauen würde, wie es jetzt geschildert worden ist, was sich ihm im Raume darbietet. Wie wir behütet werden vor unserem eigenen Innern, so werden wir im gewöhnlichen Leben behütet vor dem Schauen des Geistigen, das der äußeren materiellen Welt zugrunde liegt. Wenn wir im gewöhnlichen Leben stehen, so breitet sich das, was wir den Sinnesschleier nennen, aus vor dem, was geistig zugrunde liegt.

[ 16 ] All that man learns to experience by enhancing his sensibility withdraws, as the spiritual aspect of space, from the ordinary sight of day. It is also concealed by the spectacle presented at night. For what does man see at night with his ordinary Faculties when he looks up to the heavens? He sees only the external side, just as he sees only the external side of his own inner being. The starry sky we behold is the body of spiritual reality lying behind it. Wonderful as is the spectacle of the starry sky at night, it is nothing but the physical body of the cosmic spirit, manifesting through this body in its movements and in its outward effects. Once again for ordinary human consciousness a veil is drawn over everything that man would behold were he able spiritually to see through the spectacle presented to him in space. Just as we are protected in ordinary life from beholding our own inner being, we are also protected from beholding the spirit underlying the outer, material world; the veil of the sense-world is spread over the underlying spiritual reality.

[ 17 ] Warum geschieht dies? Es gibt ein Gefühl, das sofort auftreten würde, wenn die Menschen das Geistige so ohne weiteres sehen würden. Wenn der Mensch das Geistige sofort sehen würde, ohne die Vorbereitung und Reife, die er durch das Miterleben der Naturvorgänge erwirbt, so würde er ein Gefühl erleben, das man nur ausdrücken könnte mit dem Wort: verwirrender Schreck, oder schrekkenvollste Verwirrung. Denn die Erscheinungen sind so großartig und gewaltig, daß die menschlichen Begriffe, die wir uns im gewöhnlichen Leben aneignen, wenn wir noch so viel erlernen, wahrhaftig nicht hinreichen, um diesen verwirrenden Anblick zu ertragen; der Mensch würde von einem Gefühle schreckvoller Verwirrung ergriffen werden, von einer ungeheuren Steigerung des Angst- und Furchtgefühles. So wie der Mensch von Scham verbrennen würde, wenn er in sein eigenes Innere hinuntersteigen würde ohne Vorbereitung, so würde er, wenn er in das Geistige der Außenwelt hineinsehen würde ohne Vorbereitung, förmlich erstarren vor Furcht, weil er sich wie in ein Labyrinth geführt empfinden würde. Nur dann, wenn die Seele sich vorbereitet durch solche Begriffe und Vorstellungen, welche sie über das gewöhnliche Erleben hinausführen, dann kann sie nach und nach sich gewöhnen, hinter die Sinneswelt zu schauen. Heute ist es ja durch das intellektuelle Leben nicht möglich — das wurde schon angedeutet —, daß der Mensch das durchmacht, was die Menschen damals in den nordischen Mysterien erlebten. Durch sein intellektuelles Leben kann der Mensch nicht mehr diese Steigerung der Frühlings- und Herbstempfindungen erleben. Heute denken die Menschen ganz, ganz anders als damals. Das Denken war dazumal noch nicht so ausgebildet. Die Intellektualität entwickelte sich erst nach und nach. Und mit der Entwickelung der Intellektualität ging für den Menschen auch die Möglichkeit verloren, solches durchzumachen. Aber der Mensch kann es in einer gewissen Beziehung im Spiegelbilde durchmachen auf eine indirekte Weise, dadurch, daß er diese Empfindungen nicht an den äußeren Naturvorgängen selbst erlebt, sondern an den Schilderungen und Beschreibungen, welche ihm aus geistigem Schauen heraus über die geistige Welt und ihre Zusammenhänge gegeben werden.

[ 17 ] Why should this be so? If a man were to have direct vision of the spiritual Macrocosm without the preparation that has been described—it is the opposite process to that undergone by the mystic—a feeling of the most terrifying bewilderment would come over him, for the phenomena are so mighty and awe-inspiring that the concepts evolved in ordinary life would be quite incapable of enabling him to endure this utterly bewildering spectacle. He would be overcome by a tremendous enhancement of the fear he otherwise knows only in a weak form. Just as a man would be consumed by shame if, without preparation, he were to penetrate into his own inner being, he would be suffocated by fear if, while still unprepared, he were to confront the phenomena of the outer world; he would feel as though he were being led into a labyrinth. Only when the soul has prepared itself through ideas and thoughts which lead beyond the realm of ordinary experience can it prepare itself to endure the bewildering spectacle. Man's intellectual life today makes it impossible for him to undergo what could at one time be undergone by individuals belonging to an original population of Northern and Western Europe through an intensification of the feeling of spring and autumn. Intellectuality was by no means as general in those times as it is today. Men's thinking is utterly different from what it was in those olden days, when it was far less developed. But with the gradual evolution of intellectuality, the capacity for this experience of Nature was lost. It is, however, possible for man to have it indirectly, as if in reflection, when these feelings can be kindled, not by actual experience of the happenings in external Nature but by accounts and descriptions of the spiritual aspects of the Macrocosm.

[ 18 ] Deshalb müssen heute in unserer Gegenwart allmählich solche Beschreibungen für die Menschen geliefert werden, wie sie zum Beispiel — ich sage das nicht aus Unbescheidenheit, sondern weil es gefordert ist — gegeben werden in meinem eben erschienenen Buch «Die Geheimwissenschaft». Da wird etwas von der Welt geschildert, was man äußerlich nicht wahrnehmen kann, und zwar aus einer Grundlage heraus — wir werden das noch sehen —, aus der so etwas geschildert werden kann; es wird geschildert, was der Welt geistig zugrunde liegt, und was derjenige sehen kann, der sich auf jene Weise vorbereitet hat, welche eben dargestellt worden ist. Ein solches Buch darf nicht gelesen werden wie ein anderes Buch — dazu ist es nicht da —, sondern es soll so gelesen werden, daß die Begriffe und Ideen, die darin enthalten sind, Gefühle auslösen, daß man wirklich in der vollen Stärke das in der Seele empfindet, was da in Begriffen und Ideen gegeben ist. Wenn man das so liest, daß man die stärksten Empfindungserlebnisse durchmacht in der Seele, dann sind diese Empfindungserlebnisse ähnlich, wie diejenigen waren, welche in jenen nordischen Mysterien Europas erlebt worden sind.

[ 18 ] At the present time, therefore, it is necessary for descriptions to be provided such as those contained, for example, in the book, Occult Science—an Outline, which has just been published. I say this without boasting, simply because circumstances make it necessary. Such descriptions are of realities which cannot be outwardly perceived, which underlie the world spiritually and can be seen by one who has undergone the requisite preparation. Let us suppose that such a book is not read in the way that books of another kind are read today, but that it is read—as it should be—in such a way that the concepts and ideas it presents in an unpretentious form induce in the reader feelings which are experienced in the very greatest intensity. Such experiences are then similar to those that were induced in the old Northern Mysteries.

[ 19 ] Wir finden in diesem Buche eine Schilderung all der früheren Verkörperungen unserer Erde, finden geschildert einen Saturn-, einen Sonnen- und einen Mondzustand. Wenn Sie das, was als Schilderungen sich da findet, nicht lesen, wie man etwas Theoretisches liest, sondern, wenn Sie mitgehen mit dem, was da geschildert ist, wenn Sie achtgeben, wie da geschildert ist, so finden Sie da einen Unterschied des Stiles bei der Schilderung des alten Saturnzustandes und bei der Schilderung des Sonnenzustandes und bei der des Mondzustandes. Wenn Sie das, was über den Saturn gesagt wird, auf sich wirken lassen, dann können Sie etwas wiederfinden von der Frühlingsstimmung des nordischen Mysterienschülers, und in der Schilderung der Sonne haben Sie etwas, was dem Gefühl ähnlich ist, das den Mysterienschüler ergriff beim Aufjauchzen in der Johannisnacht. Es ist nicht umsonst, daß das Buch so lange hat auf sich warten lassen, denn es ist Wert darauf gelegt, daß die Schilderungen dazu angetan sind, in uns Gefühle wachzurufen, welche ähnlich sind den Stimmungen der Schüler in den nordischen Mysterien. Und wenn wir zu der Schilderung der Erdenentwickelung kommen und alles das beachten, wie dort der ganze Stil geformt ist, dann werden wir eine Stimmung haben, wie sie sein soll, wenn es gegen den Winter zu geht, gegen den 21. Dezember, die Wintersonnenwende. Sie erweckt Todeswehmut, und das geht dann über in die Weihnachtsstimmung. Das kann heute gegeben werden anstelle dessen, was der Mensch heute nicht mehr durchmachen kann, weil er eben von einem Leben in der Empfindung sich erhoben hat zur Intellektualität, zum Denken. Daher muß heute durch den Spiegel des Denkens Gefühl und Empfindung wiederum angeregt werden, die sich ursprünglich an der Natur selber entzündet haben. So müssen heute die geisteswissenschaftlichen Schriften abgefaßt sein, sie müssen abgelesen sein in bezug auf ihre Stimmung dem Jahresgang des Weltenwerdens. Wenn man nur theoretisch schildert, dann ist das ganz sinnlos, dann führt das zu nichts anderem, als daß man die geistigen Dinge sich aneignet wie die Dinge eines Kochbuches. Der Unterschied zwischen geisteswissenschaftlichen und anderen Büchern liegt nicht darin, daß man andere Dinge schildert, sondern hauptsächlich in dem Wie, in demjenigen, wie die Dinge gegeben werden. Daraus werden Sie ersehen, was geisteswissenschaftlichen Büchern zugrunde liegen muß, daß aus gewissen Tiefen heraus die Dinge geholt sind; daß, wie es die Aufgabe unserer Zeit ist, das darin sein muß, was auf dem Umwege durch die Gedanken wiederum die Gefühle entzünden kann.

[ 19 ] The book gives, for example, an account of the earlier embodiments of the Earth, and if read with inner participation, a difference of style will be recognised in the descriptions of the Old Saturn, Old Sun and Old Moon conditions. By letting what is there said about Old Saturn work upon us, we shall induce a feeling consonant with the mood of spring, and in the description of the Old Sun-evolution there is something analogous to the emotion of exultation once experienced on Midsummer Night. The description of the Old Moon-evolution may evoke the mood of autumn and the whole style of the description of Earth-evolution proper will induce a mood similar to that prevailing when the time of the winter solstice is approaching. At the right place in the description of Earth-evolution an indication is given of the central experience connected with the mood of Christmas. [ See pp. 216-18 in the 1962-3 edition ofOccult Science—an Outline.] This knowledge can be given today in the place of experiences which man is no longer capable of undergoing because he has now risen from an earlier life in feeling to intellectuality, to thinking; hence it is through the mirror of thinking that feelings originally kindled by Nature herself must be influenced. This is how writings should be composed if they are to convey what it is the aim of Spiritual Science to convey, and the moods they generate must be consonant with the course of the year. Theoretical descriptions are quite senseless for they simply lead to spiritual matters being regarded just as if they were recipes in a cookery book! The difference between books on Spiritual Science and other kinds of literature lies not so much in the fact that unusual things are described but mainly in how things are presented. From this you will realise that the contents of Spiritual Science are drawn from deep sources and that in accordance with the mission of our time, feelings must be quickened through thoughts. You will realise then that it is also possible today to find something that can lead again out of the prevailing confusion.

[ 20 ] Was müssen wir nun beachten, um auch heute eine Möglichkeit zu haben, etwas zu finden, das uns aus der Verwirrung wiederum herausbringt, in die die menschliche Seele gerät, wenn sie sich in das Labyrinth der geistigen kosmischen Ereignisse begibt? Nun, wenn der Mensch sich in dieses Labyrinth begibt, so braucht er einen Führer. Das ist etwas, auf das uns prophetisch schon das griechische Volk hingewiesen hat, das zuerst vorbereitet hat das Denken. In der nördlichen elementaren, ursprünglichen Bevölkerung waren noch lange die Fähigkeiten vorhanden, die große Schrift der Natur zu lesen, zu einer Zeit, als die Griechen sich schon zu einem höheren Standpunkt der Intellektualität entwickelt hatten. Und die Griechen mußten dasjenige vorbereiten, was wir heute in höherem Maße ausbilden müssen. Es hätte eine solche «Geheimwissenschaft» zwar in Griechenland noch nicht geschrieben werden können, aber es ist in anderer Weise demjenigen, der sich hineinwagte in das Labyrinth der geistigen kosmischen Welt, durch die Griechen ein Bild gegeben worden für die Möglichkeit, einen Faden zu haben, durch den er sich aus der Verwirrung des Labyrinths wiederum zurückfinden kann. Das wird uns in der Legende von Theseus angedeutet, der sich mit dem Faden der Ariadne in das Labyrinth begibt. Für die heutige Zeit ist dieser Ariadnefaden nichts anderes als ein Bild für die Begriffe, die wir in der Seele über die übersinnliche Welt ausbilden sollen. Es ist das geistige Wissen, das uns geboten wird durch die Geisteswissenschaft, damit wir mit Sicherheit hineingehen können in dieses Labyrinth der geistigen Welt des Makrokosmos. So soll dasjenige, was uns heute in der Geisteswissenschaft gegeben wird, was zunächst nur zur Vernunft spricht, ein Ariadnefaden sein, welcher uns über alle Verwirrung hinweghilft, in die wir kommen könnten, wenn wir unvorbereitet hineinkommen in die geistige Welt des Makrokosmos.

[ 20 ] Now when guided by such principles, a man sets out along the path leading into the labyrinth of happenings in the spiritual Macrocosm, this is something that was prophetically foreshadowed among the original peoples of Northern Europe. The faculties enabling them to read the great script of Nature were still active in these peoples at a time when the Greeks had already reached a high stage of intellectuality. It was the mission of the Greeks to prepare what we today must bring to an even more advanced degree of development. A book such as Occult Science could not have been written in the days of ancient Greece, but Greek culture made it possible, in a different way, for one who ventured into the labyrinth of the spiritual Cosmos to find a thread that would guide him back again. This is indicated in the legend of Theseus who took the Thread of Ariadne with him into the labyrinth. Now what is the Thread of Ariadne today? The concepts and mental pictures of the super-sensible world we form in the soul! It is the spiritual knowledge that is made available to us in order that we may penetrate safely into the Macrocosm. And so Spiritual Science which, to begin with, speaks purely to the intellect, can be a Thread of Ariadne, helping us to overcome the bewilderment that might come if we were to enter unprepared into the spiritual world of the Macrocosm.

[ 21 ] So sehen wir, daß in der Tat der Mensch, wenn er den Geist in der Außenwelt finden will, ein Gebiet durchschreiten muß, das er im normalen Leben unbewußt durchschreitet; er muß jenen Strom, der ihm das Bewußtsein nimmt, bewußt durchschreiten. Wenn dann der Mensch auf sich wirken läßt entweder das, was wir gezeigt haben als Empfindungen, die aus dem Werden der Natur selber heraus entzündet werden, oder durch Begriffe und Ideen, die wir eben charakterisiert haben, wenn der Mensch sich so entwickelt, dann erlangt er allmählich die Fähigkeit, furchtlos an jene geistige Macht heranzutreten, welche ihm sonst Furcht und Schrecken einflößen müßte. Es ist der große Hüter der Schwelle, der vor der großen geistigen Welt steht, unwahrnehmbar für das gewöhnliche Bewußtsein. Er wird nur wahrnehmbar für den, der sich in der gehörigen Weise vorbereitet. So daß derjenige, der sich vorbereitet hat, hinauszuschreiten in die große geistige Welt, in den geistigen Makrokosmos, furchtlos vor einer jeglichen Verwirrung, die ihn treffen könnte, vorüberkommt an dem großen Hüter der Schwelle, der uns auch zeigt, wie unbedeutend wir noch sind und wie wir neue Organe entwickeln müssen, wenn wir in diese große Welt, in den geistigen Makrokosmos hineinwachsen wollen. Mutlos und verzagt würde der Mensch dastehen, wenn er unvorbereitet an diesen großen Hüter der Schwelle herankäme.

[ 21 ] So we see that if a man wishes to find the spirit behind and pervading the outer world, he must traverse with full awareness a region of which in normal life he is unconscious; he must traverse consciously the very stream which in everyday life takes consciousness from him. If then he allows himself to be affected by feelings kindled by the cyclic course of Nature herself or by concepts and ideas such as those referred to, if, in short, he achieves real self-development, he gradually becomes capable of fearlessly approaching that spiritual Power who is at first invisible. Just as the Inner Guardian of the Threshold is imperceptible to ordinary consciousness, so too is this second Guardian, the greater guardian of the Threshold, who stands before the spiritual Macrocosm. He becomes more and more perceptible to one who has undergone due preparation and is making his way along the other path into the spiritual Macrocosm. He must fearlessly and without falling into bewilderment pass this spiritual Being who also shows us how insignificant we are and that we must develop new organs if we aspire to penetrate into the Macrocosm. If a man were to approach this Greater Guardian of the Threshold consciously, but still unprepared, he would be filled with fear and despair.

[ 22 ] Nun haben wir geschildert, wie der Mensch sozusagen eingeschlossen ist in zwei Grenzen. Aufmerksam gemacht darauf haben wir schon im letzten Vortrage; heute haben wir genauer geschildert, wie der Mensch eingeschlossen ist zwischen jene zwei Tore. Vor dem einen steht der kleine Hüter der Schwelle und an dem anderen der große Hüter der Schwelle. Das eine Tor führt in das menschliche Innere, in den Geist des Mikrokosmos, das andere in den Geist des Makrokosmos. Nun müssen wir uns aber auch klar darüber sein, daß aus diesem selben Makrokosmos, in den wir also hineingeführt werden, die Kräfte kommen, welche uns selber aufbauen. Woher ist denn das Material genommen für unseren physischen Leib und für unseren Äther- oder Lebensleib? Dasjenige, was unseren physischen Leib aufbaut, was unseren Ätherleib aufbaut, alle die Kräfte, die da zusammenströmen, um dasjenige, was so weisheitsvoll ist, aufzubauen, all das tritt uns wirklich ausgebreitet in der großen Welt entgegen. Da tritt uns, wenn wir vorbeigegangen sind an dem großen Hüter der Schwelle, nicht nur Erkenntnis über den Makrokosmos entgegen. Erkenntnisse kann man sich erwerben. Wenn man aber die Erkenntnisse der großen Welt erworben hat, dann hat man noch nicht seinen Eingang gefunden in die Welt der Wirkungen und Kräfte. Denn aus den Erkenntnissen heraus könnte unser Leib nicht aufgebaut werden; er muß aus Kräften aufgebaut werden. Wir kommen also, wenn wir an dem großen Hüter der Schwelle vorbeigekommen sind, an diesem merkwürdigen geheimnisvollen geistigen Wesen, in eine Welt unbekannter Wirkungen und Kräfte hinein. Von dieser Welt muß man sagen, daß der Mensch zunächst nichts davon weiß, weil sich der Schleier der Sinneswelt davor ausbreitet. Das sind aber die Kräfte, die in uns hineinfließen, aus denen zusammengeronnen sind unser physischer und unser Äther- oder Lebensleib. Dieses ganze Zusammenspiel, die Wechselwirkungen zwischen der großen Welt und der kleinen Welt, von Wirkungen zwischen dem, was da drinnen ist, und dem, was da draußen ist und sich durch den Sinnesschleier verbirgt, sind enthalten in dem verwirrenden Labyrinth. Da treten wir in ein lebendiges Leben hinein. Dieses lebendige Leben ist das, was wir zunächst auch schildern müssen, und wir wollen morgen damit beginnen, daß wir den ersten Einblick erhalten in das, was der Mensch zwar nicht wahrnehmen kann, was sich aber in ihm doch als Wirkungen zeigt, wie wir gesehen haben, wenn er durch das eine oder durch das andere Tor schreitet, wenn er vorbeikommt an dem kleinen Hüter der Schwelle und an dem großen Hüter der Schwelle.

[ 22 ] We have now heard how with his normal consciousness man is enclosed within the frontiers marked by two portals. At the one stands the Lesser Guardian of the Threshold, at the other, the Greater Guardian of the Threshold. The one portal leads into man's inner being, into the spirit of the Microcosm; the other portal leads into the spirit of the Macrocosm. But now we must realise that from this same Macrocosm come the spiritual forces which build up our own being. Whence comes the material for our physical and etheric bodies? All the forces which there converge and are so full of wisdom, are arrayed before us in the Great World when we have passed the Greater Guardian of the Threshold. We are confronted there not by knowledge only. And that is another point of importance. Until now I have been speaking only of knowledge that can be acquired by man but it does not yet become insight into the actual workings and forces of the Macrocosm. The body cannot be built out of data of knowledge; it must be built out of forces. Once past the mysterious Being who is the Greater Guardian of the Threshold, we come into a world of unknown workings and forces. To begin with, man knows nothing of this realm because the veil of the sense-world spreads in front. But these forces stream into us, have built up our physical and etheric bodies. This whole interplay, the interactions between the Great World and the Little World, between what is within and what is without, concealed by the veil of the sense-world—all this is embraced within the bewildering labyrinth. It is life itself, in full reality, into which we enter and have then to describe. To-morrow we shall begin by taking a first glimpse into that which man cannot, it is true, perceive in its essence, but which is revealed to him as active workings when he passes through the one or the other portal, when he passes the Lesser and the Greater Guardians of the Threshold.