The Revelations of Karma
GA 120
17 May 1910, Hamburg
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Manifestations of Karma, tr. Unknown
Zweiter Vortrag
2. Karma and the Animal Kingdom
[ 1 ] Bevor wir zu unseren eigentlichen menschlichen Karmafragen kommen, wie sie angekündigt sind, sind eine Reihe von Vorbetrachtungen notwendig. Dazu gehört das, was gestern gesagt worden ist: eine Art Beschreibung des Karmabegriffes. Dazu gehört auch das, was heute zu sagen sein wird über Karma und Tierreich. Was man nennen könnte äußere Beweise für die Wirklichkeit der karmischen Gesetzmäßigkeit, das werden Sie im Laufe des Zyklus an denjenigen Stellen finden, wo gerade Veranlassung sein wird, auf diese äußeren Beweise besonders hinzudeuten. Bei diesen Gelegenheiten werden Sie auch die Möglichkeit finden, über die Begründung der Karmaidee zu Außenstehenden zu sprechen, welche Sie, über dies oder jenes als Zweifler an der ganzen Karmaidee, befragen werden. Zu alledem sind aber einige Vorbetrachtungen notwendig.
[ 1 ] Before we come to the question of human karma, a number of preliminary considerations are necessary. Yesterday we gave a kind of description of the conception of karma, and to-day we shall have to say something about karma and the animal kingdom. What might be called external evidence of the reality of karmic law will be found in the course of these lectures in places where there will be occasion specially to point out this external evidence. On these occasions also we can acquire the ability to speak about the foundations of the idea of karma to those outside who may raise questions about one thing or another, or who may question the whole idea of karma. But for all this a few preliminary observations are necessary.
[ 2 ] Was läge denn näher, als zu fragen: Wie verhalten sich tierisches Leben, tierisches Schicksal zu dem, was wir den Verlauf des menschlichen Karma nennen, in dem wir — wie sich zeigen wird — die wichtigsten und tiefeingreifendsten Schicksalsfragen für den Menschen beschlossen finden?
[ 2 ] What is more natural than to ask how animal life and animal fate are related to what we call the course of human karma? In this we shall find included what are, to mankind, the most important and profound questions of destiny.
[ 3 ] Das Verhältnis der Menschen auf der Erde zur Tierwelt ist ja im Laufe der Zeit und auch je nach den verschiedenen Völkern ein verschiedenes. Und es ist gewiß nicht uninteressant, zu sehen, wie bei Völkerschaften, die sich die besten Teile der uralt heiligen Weisheit der Menschheit bewahrt haben, eine weitgehend mitleidvolle, liebevolle Behandlung der Tiere Platz gegriffen hat. Innerhalb der Welt des Buddhismus zum Beispiel, der sich wichtige Teile alter Weltanschauungen bewahrt hat, wie sie die Menschen in ihrer Urzeit hatten, haben wir eine tiefgehend mitleidvolle Behandlung der Tiere, eine Behandlung der Tiere und Gefühle gegenüber der Tierwelt, die in Europa unzählige Menschen noch nicht verstehen können. Aber auch bei andern Völkern — ich erinnere nur an den Araber in bezug auf Behandlung seines Pferdes —, insbesondere wenn diese Völker sich etwas bewahrt haben von den alten Anschauungen, wie sie als alte Erbstücke da und dort auftreten, finden Sie eine Art «Freundschaft» zu den Tieren, etwas wie menschliche Behandlung der Tiere. Dagegen darf man wohl sagen, daß in denjenigen Gegenden, in denen sich eine Art von Weltanschauung der Zukunft vorbereitet, in den abendländischen Gegenden, wenig Verständnis für solches Mitleid mit der Tierwelt Platz gegriffen hat. Und charakteristisch ist es, daß im Verlaufe des Mittelalters und dann auch bis in unsere Zeit hinein gerade in Ländern, in denen die christliche Weltanschauung Ausbreitung gewonnen hat, die Anschauung auftauchen konnte, daß die Tiere überhaupt nicht als Wesen zu betrachten seien mit einem eigentlichen Seelenleben, sondern als eine Art Automaten. Und es ist vielleicht nicht mit Unrecht darauf aufmerksam gemacht worden — wenn auch nicht immer mit einem großen Verständnis —, daß diese Anschauungen, welche von der abendländischen Philosophie vielfach vertreten worden sind, daß die Tiere Automaten seien und ein eigentliches Seelenleben nicht haben, hinuntergesickert sind in die Volkskreise, die kein Mitleid und oft auch keine Grenze kennen in der grausamen Behandlung der Tiere. Ja, die Sache ist so weit gegangen, daß man einen großen Philosophen der Neuzeit, Cartesius, in seinen Gedanken über die Tierwelt recht gründlich hat mißverstehen können.
[ 3 ] The relation of man on the earth to the animal kingdom differs with the various epochs and also with the various peoples. It is certainly not without interest to see that in the case of the peoples who have preserved the best parts of the ancient sacred wisdom of humanity there is a deeply sympathetic and loving treatment of animals. For example, in the Buddhistic world which has preserved important parts of the old conceptions of the world held by mankind in ancient times, we find a very sympathetic treatment of animals, a treatment and a feeling towards the animal kingdom which many people in Europe cannot understand. You will find it among other peoples too, especially where a nation has preserved some of the old conceptions which came to them as heirlooms in one place or another, you will find a kind of friendship, something approaching a human treatment of animals. An instance is the Arab and his treatment of his horse. On the other hand one may say that in those countries in which there is being prepared the future conception of the world, that is, in the west, there is little understanding of such sympathy with the animal kingdom. It is characteristic too that in the Middle Ages and on into our own times, precisely in those countries where Christianity has spread, the idea has arisen that animals cannot be considered as beings having their own special soul life, but rather as something like automata. It has also been pointed out, perhaps not unjustly, although not always with great understanding, that the idea often advanced by western philosophy that the animals are automata and do not really possess a soul, may have been taken up by the common people who have no sympathy for the animals and often know no bounds in their cruel treatment of them. Indeed, the matter has gone so far that the thoughts of a great philosopher of modern times, Descartes, regarding the animal kingdom, have been thoroughly misunderstood.
[ 4 ] Wir müssen uns natürlich klar sein, daß von den eigentlich bedeutenden Geistern der abendländischen Kulturentwickelung diese Anschauung, daß die Tiere nur Automaten seien, niemals vertreten worden ist. Es hat auch Cartesius nicht diese Anschauung vertreten, obwohl Sie in vielen Büchern über Philosophie lesen können, daß Cartesius eine solche Anschauung vertreten habe. Das ist aber nicht wahr; sondern wer Cartesius kennt, der weiß, daß er den Tieren zwar nicht ein solches Seelisches zuschreibt, das sich dazu entwickeln kann, aus dem IchBewußtsein heraus zu einem Beweise für das Dasein Gottes zu kommen, aber er schreibt dennoch dem Tiere zu, daß es durchströmt, durchseelt ist mit den sogenannten Lebensgeistern, die allerdings nicht eine so einheitliche Individualität darstellen wie das Ich des Menschen, aber doch in der tierischen Organisation als Seele wirken. Und es ist gerade das Charakteristische, daß man Cartesius in dieser Beziehung hat gründlich mißverstehen können. Denn das zeigt uns, daß in den verflossenen Jahrhunderten unserer abendländischen Entwickelung die Tendenz vorhanden war, den Tieren etwas bloß Automatisches zuzuschreiben, und diese Tendenz hat man selbst da hineingelesen, wo man sie nicht hätte hineinlesen können, wenn man gewissenhaft zu Werke gegangen wäre, nämlich bei Cartesius. Die abendländische Kulturentwickelung hat das Eigentümliche, daß sie sich herausbilden mußte aus den Elementen des Materialismus. Und man kann sogar sagen: Der Aufgang des Christentums hat sich so vollzogen, daß dieser bedeutungsvolle Impuls der Menschheitsentwickelung zuerst in eine materialistische abendländische Gesinnung hineinverpflanzt worden ist. Der Materialismus der neueren Zeit ist nur eine Folge dessen, daß auch das spirituellste Religionsbekenntnis, das Christentum, zunächst im Abendlande eine materialistische Auffassung hat finden können. Es ist einmal — wenn wir so sagen dürfen — das Menschheitsschicksal der abendländischen Völker, daß sie sich emporarbeiten müssen aus materialistischen Untergründen und gerade in der Überwindung der materialistischen Ansichten und Tendenzen die starken Kräfte werden entfalten müssen zu einem höchsten Spiritualismus. Damit, daß dieses Schicksal, dieses Karma den abendländischen Völkern geworden ist, ist auch bei ihnen jener Zug entstanden, die Tiere nur wie Automaten zu betrachten. Wer nicht gut das Wirken des geistigen Lebens durchschauen kann, wer nur sich halten kann an das, was uns in der sinnlichen Außenwelt umgibt, der wird aus den Eindrücken dieser sinnlichen Außenwelt heraus leicht zu einer Auffassung über die Tierwelt kommen können, welche die Tiere möglichst niedrig stellt. Dagegen haben solche Weltanschauungen, die noch Elemente der alten spirituellen Weltanschauungen der Urweisheit der Menschheit in sich behalten haben, sich eine Art Erkenntnis bewahrt über das, was auch in der Tierwelt geistig ist; und trotz allen Mißverständnissen, trotz all dem, was sich in ihre Weltanschauungen eingeschlichen und deren Reinheit verdorben hat, konnten sie doch nicht vergessen, daß geistige Tätigkeiten, geistige Gesetze an dem Ausleben und Ausgestalten des Tierischen betätigt sind.
[ 4 ] Of course, we must clearly understand that the idea of animals as mere automata has never been put forward by the really eminent souls of recent culture, neither did Descartes hold this view, although in many books on philosophy you may read that he did so. It is true he does not ascribe to the animals a soul which is able to develop to where it can prove, for instance, the existence of God out of its own self-consciousness; nevertheless he does say that the animal is permeated and animated by the so-called Spirits of Life, which, though they do not present such a complete individuality as the Ego of man, do nevertheless work as soul in the animal organisation. It is indeed characteristic that one should have been able to misunderstand Descartes so completely, for this shows us that in past centuries there has been the tendency in our western development to ascribe to the animal something merely automatic. We should not have misunderstood this had we gone to work conscientiously, but we have read it into Descartes. It is the peculiarity of western civilisation that it had to be developed out of the elements of materialism; one may even say that the dawn of Christianity took place in such a way that this important impulse in human evolution was first exercised in a materialistic western spirit. The materialism of modern times is only a consequence of this materialistic conception of Christianity, the most spiritual religion in the west. It is the fate of the peoples of the west—if we may say so—that they have to work up from materialistic foundations, and in the conquering of these materialistic views and tendencies they will develop the forces which will lead to the highest spiritual life. It is a consequence of this destiny, this karma, that the peoples of the West have a tendency to consider the animals only as automata. He who cannot penetrate into the working of spiritual life and can only judge by what surrounds him in the external world of the senses would, from the impressions of that world, easily arrive at an idea about the animal kingdom which places the animals at the lowest scale. On the other hand, conceptions of the world which contain elements of the primordial spiritual truths, the ancient wisdom of humanity, preserved a kind of knowledge of what exists spiritually in the animal kingdom; and in spite of all this misunderstanding, in spite of all that has crept into their views of the world and destroyed their purity, they have not been able to forget that spiritual activities and spiritual laws are active in the life and development of the animal kingdom.
[ 5 ] Wenn wir also auf der einen Seite gerade in dem Mangel geistiger Weltanschauungen ein Unverständnis des Tierisch-Seelischen erblicken müssen, so dürfen wir uns auf der andern Seite nicht darüber täuschen, daß auch das wiederum nur ein Ausfluß einer rein materialistischen Weltanschauung wäre, wenn wir die Karmaidee, wie sie uns dienen wird, menschliches Schicksal und menschliches Karma zu verstehen, ohne weiteres auf die tierische Welt anwenden würden. Das dürfen wir nicht. Es ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß es notwendig ist, den Begriff des Karma ganz genau zu fassen. Und wir würden fehlgehen, wenn wir das, was wir gefordert haben als ein Rückschlagen der Wirkung auf das Wesen, von dem die Verursachung ausgegangen ist, wenn wir das auch in der tierischen Welt suchen würden; denn in einem umfassenderen Maße werden wir die karmische Gesetzmäßigkeit erst dadurch kennenlernen können, daß wir über das einzelne menschliche Leben zwischen Geburt und Tod hinausgehen, den Menschen verfolgen durch die Aufeinanderfolge seiner Wiederverkörperungen und daß wir finden werden, daß jener Rückschlag einer Ursache, welche wir in einem Leben gelegt haben, erst in einem späteren Leben kommen kann, so daß sich die karmische Gesetzmäßigkeit von Leben zu Leben zieht, und die Wirkungen von Ursachen eben nicht einzutreten brauchen — ja, wenn wir Karma im großen betrachten, auch ganz gewiß nicht eintreten in demselben Leben zwischen Geburt und Tod.
[ 5 ] Thus, if, on the one hand, because of our lack of spiritual conceptions we are compelled to admit ignorance concerning the animal soul nature, we must not on the other hand deceive ourselves by applying directly to the animal kingdom that idea of karma which helps to understand human fate and human karma; for this would be the result of a purely materialistic conception This must not be done. We have already pointed out that it is necessary to consider the idea of karma with exactitude, and we should go astray if we sought in the animal kingdom for instances of the recoil of an action on the being from which the cause has proceeded. Now we can only comprehend the vast ramifications of karmic law if we go beyond a single human life between birth and death, and follow man through his consecutive reincarnations; then we shall find that the recoil of a cause which we have set in motion in one life can only come into action in a later one. The regular law of karma stretches from life to life, and the effects of causes need not operate—indeed, when we consider karma on the whole, quite certainly do not operate—in the same life between birth and death.
[ 6 ] Nun wissen wir schon aus den äußeren geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, daß wir beim Tiere von einer solchen Wiederverkörperung, wie sie beim Menschen stattfindet, nicht sprechen können. Für jene menschliche Individualität, welche sich erhält, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes schreitet, welche durchlebt ein besonderes Leben im Geistigen in der Zeit vom Iode bis zur neuen Geburt, um dann durch eine neue Geburt wieder ins Dasein zu treten, für diese menschliche Individualität finden wir etwas Ähnliches oder gar etwas ganz Gleiches in der tierischen Welt durchaus nicht. Wir können nicht in derselben Weise, wie wir den menschlichen Tod auffassen, von dem tierischen Tode sprechen. Denn alles, was wir beschreiben als die Schicksale der menschlichen Individualität, nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes geschritten ist, verhält sich in der Tierwelt nicht in der gleichen Art; und wenn man glauben würde, daß wir in einem tierischen Individuum das wiederverkörperte Wesen eines schon früher auf der Erde vorhanden gewesenen Tieres suchen könnten, wie wir das beim Menschen tun müssen, dann würden wir uns durchaus einem Irrtum hingeben. Heute, wo man gern alles, was sich uns in der Welt darbietet, nur seiner Außenseite nach betrachtet und nicht auf das Innere eingeht, können ja die eigentlichen großen Gegensätze, die wichtigsten Unterscheidungen zwischen Mensch und Tier gar nicht vor Augen treten. Außerlich — rein materialistisch betrachtet — nimmt sich die Erscheinung des Todes bei Mensch und Tier in der gleichen Art aus. Da kann man leicht glauben, wenn man das Leben eines Tieres betrachtet, daß man einzelne Erscheinungen dieses individuellen Lebens des Tieres vergleichen könnte mit einzelnen Erscheinungen des persönlichen Lebens des Menschen zwischen Geburt und Tod. Aber da würde man ganz fehlgehen. Deshalb soll auf die durchgreifenden Unterschiede zwischen dem Tierischen und dem Menschlichen zunächst an einzelnen Beispielen hingedeutet werden.
[ 6 ] Now from the more elementary teaching of Spiritual Science we already know that in the case of animals we cannot speak of a reincarnation such as takes place with man. In the animal kingdom we find nothing resembling that human individuality which is preserved when a person passes through the gate of death and lives a particular life in the spiritual world during the period from death to re-birth in order then to enter existence again by a new birth. We cannot conceive of animal death in the same way as we conceive of human death, for all that we describe as the fate of the human individuality after a person has passed through the gate of death is not the same in the animal kingdom. And if we were to believe that in an individual animal which we have before us we could look for the reincarnated being of an animal which had previously existed on the earth—as we can do in the case of man—we should be entirely wrong. At the present time, when one is inclined to consider all one finds in the world solely from its external side and not from the inner, the great contrasts and most important differences between man and animal remain unperceived. From a purely materialistic point of view the outward phenomenon of death seems to be the same in man as in the animal. So one may easily believe, when observing the life of an animal between its birth and death, that the several phenomena in the individual life of the animal are comparable with those in the personal life of a man between birth and death. But this would be quite wrong. Therefore to begin with we should show by individual examples the essential differences between animal and man.
[ 7 ] Nur derjenige kann sich nämlich diesen Unterschied zwischen Tier und Mensch vollständig klarlegen, der unbefangen nicht nur auf die sich seinem äußeren sinnlichen Anschauen, sondern auch auf die seinem kombinierenden Denken sich ergebenden Tatsachen eingeht. Da finden wir eine Erscheinung, die auch von den Naturforschern hervorgehoben wird, mit der aber die Naturforscher der Gegenwart nichts Rechtes anzufangen wissen, nämlich die Erscheinung, daß der Mensch eigentlich das Allereinfachste erst lernen muß: den Gebrauch der einfachsten Werkzeuge hat der Mensch im Laufe seiner Geschichte lernen müssen, und unsere Kinder müssen heute noch die allereinfachsten Sachen eben lernen, und sie müssen eine gewisse Zeit anwenden, um sie zu lernen. Es kostet Mühe, dem Menschen etwas beizubringen, einfache Handgriffe, Verfertigung von Instrumenten und Werkzeugen und so weiter. Wenn wir dagegen die 'Fiere betrachten, müssen wir sagen: Wieviel besser haben es die Tiere in dieser Beziehung! — Denken wir uns, wie der Biber seinen komplizierten kunstvollen Bau aufführt. Er braucht es nicht zu lernen; er kann es, indem er es mitbringt als eine ihm eingeprägte Gesetzmäßigkeit, wie wir uns als Menschen mitbringen die Möglichkeit, die «Kunst», um das siebente Jahr unsere Zähne zu wechseln. Das braucht auch keiner zu lernen. So bringen sich die Tiere eine solche Fähigkeit mit, wie sie der Biber hat, seinen Bau aufzuführen. Und wenn Sie Umschau halten im Tierreich, werden Sie finden, daß die Tiere sich ganz bestimmte Kunstfertigkeiten mitbringen, durch welche etwas zustande gebracht werden kann, an das menschliche Kunstfertigkeit bei allem, wie wir es so herrlich weit gebracht haben, noch lange nicht heranreicht.
[ 7 ] These differences between man and animal can only be apprehended by one who makes use of the facts which are revealed to him both by his external senses and by his speculative thought. We find a phenomenon to which attention is also drawn by natural investigators but of which those of the present day can make nothing, namely, the phenomenon that man has really to learn the simplest things. In the course of his history man has had to learn the use of the most primitive instruments, and our children have still to learn the simplest things, and have to spend a certain time in order to learn them. Man has to make efforts to produce even the simplest things, or to manufacture his instruments and tools. When, on the other hand, we observe the animals we are obliged to admit how much easier it is for them in this respect. Think how the beaver builds its complicated dwelling. It does not need to learn; it knows how to do it, because it brings the knowledge with it as an indwelling law, just as we human beings bring with us the power of changing our teeth at about seven years of age. No one needs to learn that. In the same way, such animals as the beavers bring with them the capability to build their houses. If you observe the animal kingdom you will find that the animals bring with them definite capacities by which they can achieve things which human art, great as it is, is far from achieving.
[ 8 ] Nun kann die Frage entstehen: Wie kommt es denn eigentlich, daß der Mensch, wenn er geboren wird, unfähiger ist als zum Beispiel ein Huhn oder ein Biber, daß er das, was diese Wesenheiten sich schon mitbringen, erst mühevoll sich aneignen muß? Das ist eine große Frage. Und daß es eine große Frage ist, muß man vor allen Dingen empfinden lernen. Denn es kommt bei dem, was der Mensch für seine Weltanschauung gewinnen muß, viel weniger darauf an, daß man auf wichtige Tatsachen hinweist, als daß man weiß, wo wichtige Fragen zu stellen sind. Tatsachen können richtig sein, brauchen aber nicht immer wertvoll zu sein für unsere Weltanschauung. Nun würde es, obwohl wir noch heute auf die Ursachen dieser Erscheinungen geisteswissenschaftlich eingehen werden, doch zu weit führen, wenn man in allen Einzelheiten zeigen würde, warum das so ist. Aber zunächst kann doch mit ein paar Worten darauf hingewiesen werden.
[ 8 ] The question may now arise: How does it come about that when a human being is born he is more incapable than, for example, a hen, or a beaver; and that he has first, with much pains, to acquire what these creatures already bring with them? For it is much more important for our world-conception that we should be able to put the right question than that we should acquire masses of knowledge. Facts may be right, but they need not always be essential to our conception of the world. Now, although we shall today go into the causes of these phenomena from the standpoint of Spiritual Science, it would carry us too far if we were to show in detail why this is so. But we may, to begin with, refer to it in a few words.
[ 9 ] Wenn wir geisteswissenschaftlich zurückgehen in der menschlichen Entwickelung bis in urferne Vergangenheiten, so werden wir finden, daß diejenigen Kräfte und Elemente, welche sozusagen dem Biber oder einem andern Tiere zur Verfügung stehen, um solche Kunstfertigkeiten mit sich auf die Welt zu bringen, dem Menschen auch zur Verfügung gestanden haben. Der Mensch hat ja nicht gerade in seine Anlage in urferner Vergangenheit bloß die Ungeschicklichkeit aufgenommen und dem Tiere überlassen müssen die primitive Geschicklichkeit. Er hat diese Anlage auch empfangen, ja im Grunde genommen in einem weit reicheren Maße als die Tiere. Denn wenn auch die Tiere gewisse große Kunstfertigkeiten mit auf die Welt bringen, so sind diese doch im Leben einseitig. Der Mensch kann im Grunde genommen gar nichts, wenn er ins Leben tritt, er muß alles erst lernen, was sich auf die äußere Welt bezieht. Das ist etwas radikal ausgedrückt, aber wir werden uns verstehen. Wenn der Mensch aber dann lernt, zeigt sich bald, daß er vielseitiger, daß seine Entwickelung eine reichere werden kann in bezug auf die Ausprägung gewisser Kunstfertigkeiten und dergleichen, als das beim Tiere der Fall ist. Also der Mensch hat reiche Anlagen ursprünglich mitbekommen — und dennoch hat er sie heute nicht. Nun tritt die eigentümliche Erscheinung zutage, daß ursprünglich Mensch und Tier in gleicher Weise ausgestattet waren. Und wenn wir zurückgehen würden bis zur alten Saturnentwickelung, so würden wir finden, daß eine Unterscheidung der menschlichen und tierischen Entwickelung noch gar nicht stattgefunden hatte. Da waren beide vollständig gleich veranlagt. — Was ist nun in der Zwischenzeit geschehen, daß das Tier alle möglichen Geschicklichkeiten mit ins Dasein trägt, während der Mensch ein so ungeschickter Genosse des Weltendaseins ist? Wie hat sich der Mensch eigentlich benommen in der Zwischenzeit, daß er jetzt plötzlich alles das nicht hat, was er mitbekommen hatte? Hat er das im Laufe der Entwickelung sinnlos verschwendet, während es sich die Tiere als sparsame Haushalter bewahrt haben? Diese Frage kann aus dem wirklichen Tatbestand heraus aufgeworfen werden.
[ 9 ] If with the aid of Spiritual Science we go back into human evolution in the primeval past we shall find that the forces which are at the disposal of the beaver or of any other animal, in order that they should bring such artistic powers into the world, were at one time at the disposal of man. It is not that man in a primordial past missed this endowment of capabilities while the animals took them all to themselves; he also received these powers, indeed in a far greater degree than the animals. For although the latter bring a certain great artistic skill into the world with them, this is, however, limited in extent. Fundamentally at birth man can do nothing at all, and he has first to learn everything which concerns the outer world. This is somewhat strongly expressed, but you will understand what I mean. Now, when a man learns, it is soon shown that he can become many-sided, and that as regards the development of certain artistic capacities, etc., this can be far richer than that of an animal. So man originally brought with him more abundant powers, which he does not bring today. The peculiar phenomenon comes to life, that originally man and animal were similarly endowed; and if we were to go back to the old Saturn evolution, we should find that there was absolutely no difference between human and animal development. All these capabilities were common to both. What then has happened in the meantime that the animal now brings with it into existence all sorts of capacities, while man is really a clumsy being when he comes into the world? How has man behaved in the meantime that he now no longer possesses all he once brought with him? Has he foolishly wasted it in the course of evolution, while the animals have preserved it like thrifty house-keepers? These are questions that may be raised on the basis of actual facts.
[ 10 ] Der Mensch hat diese Anlagen, die heute das Tier in äußerer Geschicklichkeit auslebt, nicht verschwendet; er hat sie auch verwendet, aber zu etwas anderem als die Tiere. Die Tiere prägen sie in äußeren Geschicklichkeiten aus; Biber und Wespe bauen ihr Nest. Der Mensch hat dieselben Kräfte, welche die Tiere in dieser Art ausleben, in sich selber hineingetan und verwendet. Und er hat dadurch zustande gebracht, was wir seine höhere menschliche Organisation nennen. Daß der Mensch heute seinen Gang aufrecht hat, daß er das vollkommenere Gehirn, überhaupt eine vollkommenere innere Organisation hat, das bedurfte auch gewisser Kräfte; und das sind dieselben Kräfte, mit denen sich der Biber seinen Biberbau errichtet. Der Biber baut sich sein Nest. Der Mensch hat die Kräfte auf sich verwendet, zu seinem Gehirn, zu seinem Nervensystem und so weiter. Daher hat der Mensch zunächst nichts übrig behalten, um in derselben Weise nach außen zu arbeiten. Also, daß wir heute unter den Tieren schreiten mit einem vollkommeneren Bau, das rührt davon her, daß wir alles, was der Biber draußen verarbeitet, einmal im Laufe der Entwickelung auf unseren inneren Bau verwendet haben. Wir haben drinnen unseren Biberbau und können daher nach außen diese Kräfte nicht mehr in derselben Weise entfalten. Da sehen wir, wenn wir an einer einheitlichen Weltauffassung festhalten, wohin die verschiedenen Anlagen, die in den Wesen vorhanden sind, kommen und wie sie uns heute entgegentreten. Indem der Mensch in seiner Weise diese Kräfte verwendet hat, wurde für ihn in seiner Erdentwickelung eine ganz besondere Einrichtung notwendig, die wir zum Teil schon kennen.
[ 10 ] Man has not wasted these powers which to-day the animal manifests as external capacities; he has only transformed them, but into something which differs from what the animals possess. They have applied them to external works; beavers build their homes and wasps their nests, but man has transformed and incorporated within himself the same forces which the animals manifest outwardly, and by this means he has brought into being what we call his higher human organisation. In order that man should be able to walk upright, in order that he should have a more perfect brain, and, in general, a more perfect inner organisation, certain forces were necessary, and these are the same forces with which the beaver constructs his dwelling. The beaver builds his home, but man has turned the forces inwards upon himself, to his brain, etc., and so he has nothing left over with which to work outwardly. So if we, at the present time move among the animals with a more perfect constitution, it is due to the fact that we have applied inwardly all the forces that the beaver expends in an outward way. We have our beaver-building within us, and therefore we are no longer able to manifest these forces outwardly in the same way. When we take a comprehensive view of the world, we understand the origin of the various capacities which exist in creation, and how they appear to us to-day.
[ 11 ] Warum mußten beim Menschen die Kräfte, von denen jetzt eben gesprochen worden ist und die uns bei den verschiedenen Arten und Gattungen des Tierreiches in äußeren Verrichtungen entgegentreten, auf das Innere der menschlichen Organisation verwendet werden? Weil der Mensch nur dadurch, daß er sich die innere Organisation verschaffen konnte, der Träger dessen werden konnte, was heute das Ich ist, was von Inkarnation zu Inkarnation schreitet. Eine andere Organisation hätte kein solcher Ich-Träger werden können; denn es hängt durchaus von dem äußeren Gehäuse ab, ob eine Ich-Individualität sich im Erdendasein betätigen kann oder nicht. Sie könnte es nicht, wenn die äußere Organisation nicht der Ich-Individualität angemessen wäre. Alles lief also darauf hinaus, die äußere Organisation dieser Ich-Individualität angemessen zu machen. Dazu mußte eine besondere Einrichtung geschaffen werden, und die kennen wir schon ihrer wesentlichen Seite nach.
[ 11 ] Why had man to turn towards an inner organisation the special forces which we see manifested in the external achievements of animals? Because only by acquiring this inner organisation could man become the vehicle of what at the present day is the Ego which progresses from incarnation to incarnation. No other organisation could have become this bearer of the Ego, because it depends altogether upon the external shrine whether an Ego individuality is able to be active in the earthly existence or not. It could not do so if the external organisation were not suited to the Ego-individuality. Everything contributed to making this organisation thus suitable, and to this end a particular arrangement had to be made, the essentials of which we already know.
[ 12 ] Wir wissen, daß unserer Erdentwickelung vorangegangen ist die Mondentwickelung, dieser wieder die Sonnenentwickelung und dieser eine Saturnentwickelung. Als die alte Mondentwickelung zu Ende war, war der Mensch auf einer Stufe in bezug auf sein äußeres Dasein, die man als Tier-Menschlichkeit bezeichnen kann. Aber damals war diese äußere menschliche Organisation noch nicht so weit, daß sie der Träger einer Ich-Individualität hätte werden können. Erst die Erdentwickelung des Menschen hatte die Aufgabe, dieser Organisation das Ich einzuverleiben. Das konnte aber nur dadurch geschehen, daß die Vorgänge unserer Erdentwickelung in einer ganz eigenartigen Weise eingerichtet wurden. — Als die alte Mondentwickelung zu Ende gegangen war, löste sich alles sozusagen in ein Chaos auf. Daraus ging nach einer entsprechenden Zeit kosmischer Dämmerung wieder hervor der neue Kosmos unserer Erdentwickelung. In diesem Kosmos der Erdentwickelung war damals alles enthalten, was heute als unser Sonnensystem mit uns und der Erde verbunden ist. Aus diesem Zusammenhang, aus dieser kosmischen Einheit haben sich dann erst abgespalten alle andern Weltkörper von unserer eigentlichen Erde. Wir brauchen nicht einzugehen auf die Art und Weise, wie sich die andern Planeten, Jupiter, Mars und so weiter, abgespalten haben. Wir müssen nur darauf hinweisen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt der Erdentwickelung sich unsere Erde und unsere Sonne getrennt haben. Als dann schon die Sonne abgetrennt war und ihre Wirkungen von außen auf die Erde hereinsandte, war unsere Erde noch mit dem heutigen Monde verbunden, so daß die Substanzen und geistigen Kräfte, die heute an den Mond gekettet sind, damals noch mit unserer Erde verbunden waren.
[ 12 ] We know that the Moon evolution preceded the Earth evolution. Before that again was the Sun evolution which was preceded by a Saturn evolution. When the ancient Moon evolution came to an end, man was at a stage of development—as regards his external life—which may be described as animal-humanity. At that time this external human organisation had not progressed far enough for it to become the vehicle of an Ego-individuality. It was the Earth evolution of man which had the task of embodying the Ego in this organisation. But this could only come about by regulating our Earth evolution in a very special way. When the old Moon development came to an end, everything dissolved, so to speak, into chaos. Up to a certain time of cosmic dawn, the new cosmos of our Earth evolution came forth. In it was contained everything which, as our solar system, is connected with us and the Earth. From this whole, from this cosmic unity there split off all the other planetary bodies belonging to our special Earth existence. We need not go into the manner in which the other planets, Jupiter, Mars, etc., split off. We have only to point out that at a certain period in our Earth-phase of evolution, our Earth and our Sun separated. While the Sun had already separated and was sending down its activities to the Earth from outside, our Earth was still united with the present Moon, so that the substances and spiritual forces which at the present day belong to the Moon, at that time were still united with the Earth.
[ 13 ] Es ist öfter schon die Frage berührt worden, was geschehen wäre, wenn sich die Sonne nicht abgespalten hätte von der Erde und nicht übergegangen wäre zu jenem Zustande, in dem sie wie heute von außen auf die Erde wirkt. Indem zunächst die Erde noch mit der Sonne verbunden war, waren bei den ganz anders gearteten Verhältnissen noch das ganze kosmische System und auch die Vorfahren der menschlichen Organisation miteinander vereinigt. Es ist natürlich ein Unding, die heutigen Verhältnisse anzuschauen und dann zu sagen: Was ist das für ein Unsinn von den Theosophen; da hätten ja alle die organisierten Wesen verbrennen müssen! — Diese Wesen waren eben so, daß sie unter den damaligen Verhältnissen in dieser ganz anders gearteten kosmischen Einheit bestehen konnten. — Wenn nun die Sonne in Verbindung mit der Erde geblieben wäre, dann wären ganz andere, viel heftigere Kräfte mit der Erde verbunden geblieben, und die Folge wäre gewesen, daß die ganze Entwickelung der Erde mit einer solchen Heftigkeit und Schnelligkeit fortgeschritten wäre, daß es gar nicht möglich gewesen wäre, daß die menschliche Organisation sich hätte so ausleben können, wie sie sich ausleben mußte. Daher war es notwendig, daß der Erde ein langsameres Tempo und dichtere Kräfte zur Verfügung gestellt wurden. Das konnte nur dadurch geschehen, daß die stürmischen, vehementen Kräfte sich herauszogen aus der Erde. So wirkten die Kräfte der Sonne vor allen Dingen dadurch schwächer, daß sie jetzt von außen durch die Entfernung auf die Erde wirkten. Dadurch aber war nun etwas anderes eingetreten. Es war jetzt die Erde in einem Zustande, daß die Menschen wiederum nicht hätten in der richtigen Weise vorwärtskommen können. Die Verhältnisse waren jetzt zu dicht, zu sehr verholzend und verdorrend für alles Leben. Der Mensch hätte wieder nicht zu seiner Entwickelung kommen können, wenn es so geblieben wäre. Abgeholfen wurde dem durch eine besondere Einrichtung, indem nämlich einige Zeit nach dem Sonnenaustritt der heutige Mond die Erde verlassen hat und die verlangsamenden Kräfte, die das Leben hätten zu einem langsamen Tode kommen lassen, mit sich fortgenommen hat. So blieb die Erde zwischen Sonne und Mond zurück, gerade das richtige Tempo wählend für die menschliche Organisation, um ein Ich als einen Träger der Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht, wirklich aufzunehmen. Die menschliche Organisation, wie sie heute ist, war unter gar keinen andern Umständen aus dem Kosmos heraus herzustellen als durch diesen Vorgang zunächst der Sonnen- und dann der Mondentrennung.
[ 13 ] Now we have often touched upon the question as to what would have happened if the Sun had not split away from the Earth, and passed over into that condition in which it works on the Earth from outside as it does now. In the beginning when the Earth was still united to the Sun, the conditions were quite different and the whole cosmic system included the ancestors of the human organisation making one unity. It is absurd to look at modern conditions and say: ‘What nonsense those Anthroposophists talk! If that had been so, all beings would have been burnt up!’ But these beings were so organised that at that time they could exist under conditions quite different from those of this epoch. Now if the Sun had remained in union with the Earth, forces very different and much more violent would have remained with the Earth; and the consequence would have been that the whole evolution of the Earth would have progressed with such violence and speed that it would have been impossible for the human organisation to develop as it should. Therefore it was necessary that the Earth should be given a slower tempo, and denser forces placed at its disposal. This could only be brought about by the withdrawal of the violent and stormy forces from the Earth. The forces of the Sun worked less violently when acting from outside after withdrawal from the Earth. Through this, however, something else took place. The Earth was now in a condition in which mankind could again not progress in the right way. The state of the Earth was now too dense, and it exercised a drying and petrifying action on all life. If conditions had remained so, man would have again been unable to develop. This was remedied by a special arrangement. Some time after the exit of the Sun the present Moon left the Earth, and took away the retarding forces which would have brought all life to a slow death. Thus the Earth remained behind between Sun and Moon, selecting exactly the right tempo for the human organisation, and enabling it to take up an Ego, and to be the bearer of the individuality which goes on from incarnation to incarnation. The human organisation as it exists to-day was produced from the cosmos under no other conditions than through this process—first the separation of the Sun and then that of the Moon.
[ 14 ] Es könnte vielleicht jemand sagen: Wenn ich der Herrgott gewesen wäre, so hätte ich es anders gemacht; ich hätte gleich eine solche Mischung hergestellt, daß die menschliche Organisation in einer solchen Weise hätte fortschreiten können, wie sie hat fortschreiten müssen. Warum nun war es nötig, daß zuerst die Sonne heraustreten mußte und daß dann noch einmal ein Mondaustritt notwendig wurde?
[ 14 ] Someone might perhaps say: ‘If I had been the Almighty I would have done it differently; I would very soon have produced such a combination that the human organisation would have been able to progress in the manner it had to progress! Why was it necessary that the Sun had first to go out and then after a time the Moon?’
[ 15 ] Wer so denkt, denkt viel zu abstrakt. Er denkt nicht daran, daß, wenn in der Weltordnung eine innerliche Mannigfaltigkeit herbeigeführt werden soll, wie es die menschliche Organisation ist, für jeden einzelnen Teil eine besondere Einrichtung notwendig ist und daß man das nicht in die Wirklichkeit umsetzen kann, was sich der menschliche Gedanke spintisierend ausdenkt. In abstracto kann man alles denken; aber in der wirklichen Geisteswissenschaft muß man lernen, konkret zu denken, so daß man sich sagt: Die menschliche Organisation ist ja keine einfache. Sie besteht aus einem physischen Leib, einem ÄÄtherleib und einem astralischen Leib. Diese drei Glieder mußten erst in ein bestimmtes Gleichgewicht gebracht werden, so daß die einzelnen Teile in einem richtigen Verhältnisse zueinander stehen. Das konnte nur durch diesen dreifachen Vorgang stattfinden: Zuerst die Bildung des einheitlichen Kosmos, der ganzen kosmischen Einheit Erde, Sonne und Mond zusammen. Dann mußte vollzogen werden für sich dasjenige, was im menschlichen Ätherleib verlangsamend wirken konnte, weil er sonst zu stürmisch alle Entwickelung verzehrt hätte — und das geschah, indem die Sonne hinausgeführt worden ist. Und dann wieder mußte, weil der astralische Leib sonst die menschliche Organisation zu einem Ersterben gebracht hätte, der Mond hinausgeführt werden. Weil der Mensch in seiner Organisation drei Glieder hat, mußten auch diese drei Vorgänge stattfinden.
[ 15 ] The person who thinks in this way thinks much too abstractly. He does not reflect that when in the universal order so complex a thing as the human organisation is to be produced, a special arrangement is necessary for each single part. One cannot convert into reality what human thought invents and imagines. Abstractly one can think anything, but in true Spiritual Science one has to learn to think concretely so that one says: The human organisation is not a simple thing; it consists of a physical body, an etheric body and an astral body. These three parts had first to be brought into a particular equilibrium, so that the several parts should be correctly related to one another. This could only take place through this threefold process: First, the formation of the unitary cosmos—the entire cosmic unity of Earth, Sun and Moon together. Then something had to be done that would work in a retarding way on the human etheric body which would otherwise have consumed all evolution too fiercely—this was accomplished by the withdrawal of the Sun. Then again the Moon had to be withdrawn, because otherwise through the astral body the human organisation would have died. These three processes had to take place because of man's threefold organisation.
[ 16 ] So sehen wir, daß der Mensch sein Dasein, seine gegenwärtigen Eigenschaften einer komplizierten Einrichtung im Kosmos verdankt. Wir wissen aber auch, daß die Entwickelung aller Naturreiche keineswegs gleichen Schritt halten kann mit der allgemeinen Entwickelung. Wir wissen aus den allgemeinen Betrachtungen der letzten Jahre, daß immer auf den einzelnen planetarischen Verkörperungen unserer Erde gewisse Wesenheiten zurückblieben hinter der allgemeinen Entwickelung, welche dann, wenn die Entwickelung vorwättsschritt, in Zuständen lebten, die der Entwickelung nicht vollständig entsprachen. Wir wissen aber auch, daß alle Entwickelung im Grunde durch solches Zurückbleiben erst richtig in Fluß gebracht werden konnte. Wissen wir doch, daß gewisse Wesen während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind als die «luziferischen Wesenheiten», daß durch sie manches Schlimme verschuldet worden ist, daß wir ihnen aber auch das verdanken, was uns erst das Menschsein möglich macht, nämlich die Möglichkeit der Freiheit, der freien Entfaltung unseres Innenwesens. Ja, wir können sagen: In gewisser Beziehung war das Zurückbleiben der luziferischen Wesenheiten ein Opfer. Sie sind zurückgeblieben, damit sie während des Erdendaseins ganz besondere Tätigkeiten ausüben konnten, nämlich dem Menschen die Leidenschaften verleihen, die mit seiner menschlichen Würde und Selbstbestimmung zusammengehören. — Wir müssen uns eben angewöhnen, ganz andere Begriffe zu gebrauchen, als sie sonst üblich sind, denn aus den gewöhnlichen Begriffen heraus könnte man vielleicht sagen, es hätten die luziferischen Geister gehörig «nachsitzen» müssen, und man wird ihnen ihre Nachlässigkeit nicht verzeihen. Aber es hat sich nicht um eine Nachlässigkeit der luziferischen Wesen gehandelt. Ihr Zurückbleiben ist in gewisser Beziehung ein Opfer gewesen, um durch das, was sie sich durch dieses Opfer angeeignet haben, auf unsere Erdenmenschheit wirken zu können.
[ 16 ] Thus we see that man owes his existence and his present qualities to a complicated arrangement in the cosmos. But we also know that the evolutions of all the kingdoms of nature do not by any means proceed at the same rate as the general evolution. From various lectures given in preceding years, we know that on each of the planetary incarnations of the earth, certain beings have always remained behind the general evolution. Then, as evolution proceeds they live in conditions which do not fully correspond to this evolution. We also know that fundamentally all evolution can only proceed in the right way through the remaining behind of these entities. During the old Moon evolution certain beings remained behind as the luciferic beings, and through them much that is evil has resulted; but to them we also owe what makes human existence possible, namely, the possibility of freedom, of the free development of our inner being. Indeed, we may say that in a certain sense the remaining behind of the luciferic beings was a sacrifice. They remained behind so that during the Earth existence they could exercise certain activities; they could bestow on man the qualities which pertain to his dignity and the ordaining of his destiny. We must accustom ourselves to entirely different ideas from those which are customary; for according to the usual ideas one might perhaps say that the luciferic spirits failed to progress and had to remain behind; and we could not excuse their negligence. But it was not a question of the negligence of the luciferic beings; in a certain sense their remaining behind was a sacrifice, in order that they might be able to work on our earthly humanity through what they acquired by this sacrifice.
[ 17 ] Schon aus den gestrigen Andeutungen wissen Sie, daß nicht nur Wesenheiten, sondern auch Substanzen zurückgeblieben sind und sich Gesetze bewahrt haben, die in früheren planetarischen Zuständen die richtigen waren und die sie dann hineingetragen haben in die spätere Entwickelung. So durchkreuzen sich Entwickelungsphasen von alter Zeit mit Entwickelungsphasen von neuer Zeit, sie gehen durcheinander. Dadurch wird die Mannigfaltigkeit des Lebens eigentlich erst möglich. — So stellen sich uns die verschiedensten Grade dar in der Entwickelung der Wesenheiten. Nicht möglich gewesen wäre es, daß neben dem Menschenreich sich überhaupt ein Tierreich entwickelt hätte, wenn nicht nach der Saturnperiode gewisse Wesen zurückgeblieben wären, um während sich auf der Sonne die Menschen schon zu einer höheren Stufe entwickelt hatten — ein zweites Reich zu bilden und als erste Vorläufer unseres heutigen Tierreiches hervorzukommen. Für die Grundlage späterer Bildungen ist dieses Zurückbleiben durchaus notwendig.
[ 17 ] From the last lecture you already know that not only beings but also substances remained behind and preserved laws which in previous planetary conditions were the right ones, and then carried those laws into the later evolution. Thus phases of evolution belonging to ancient times mingle and interpenetrate with those of modern times. And it is this which brings about such great complexities in life, which offers us degrees of existence [that are] the most diverse. The animal kingdom could never have developed alongside the human kingdom to-day if certain beings had not remained behind at the end of the Saturn period in order, while mankind on the Sun was already developing a stage higher, to form a second kingdom and come forward as the first ancestors of our present animal kingdom. Thus this remaining behind was absolutely necessary as a base for later formations.
[ 18 ] Wenn nun die Frage aufgeworfen wird: Warum müssen Wesenheiten und Substanzen zurückbleiben? — so möchte ich das durch einen Vergleich klarmachen. Die Entwickelung des Menschen sollte vorwärtsschreiten von Stufe zu Stufe. Das konnte sie nur dadurch, daß der Mensch sich immer mehr und mehr verfeinerte. Hätte er immer mit denselben Kräften gewirkt, mit denen er während der Saturnphase wirkte, so wäre er nicht vorwärtsgekommen. Er wäre stehengeblieben. Deshalb mußte er seine Kräfte verfeinern. — Nun nehmen wir, um ein Bild zu haben, einmal ein Glas Wasser an, in welchem irgendein Stoff aufgelöst ist. Da wird alles von oben bis unten in diesem Glas gleiche Färbung zeigen, gleiche Dichtigkeit und so weiter, es wird alles gleich sein. Nehmen wir nun an, es setzen sich die gröberen Stoffe zu Boden, dann bleiben das reinere Wasser und die feineren Substanzen oben. Das Wasser konnte sich also nur dadurch verfeinern, daß es das Gröbere ausgeschieden hat. — So etwas war auch nötig, nachdem die Saturnentwickelung abgelaufen war, es mußte ein solcher Bodensatz entstehen, es mußte die ganze Menschheit etwas ausscheiden und sich die feineren Teile zurückbehalten. Was ausgeschieden worden war, das wurden dann die Tiere, Durch das Ausscheiden konnten sich die andern verfeinern und um einen Schritt höher kommen. Und auf jeder solchen Stufe mußten Wesenheiten ausgeschieden werden, damit der Mensch immer höher und höher kommen konnte.
[ 18 ] Now a comparison may explain why beings and substances had to remain behind. The development of man had to progress by degrees, and it could only do this in the same degree to which man refined himself. Had he always worked with the same forces with which he had worked during the Saturn phase, he would not have progressed, but would have remained behind. For this reason he had to refine his forces. As an illustration, let us suppose we have a glass of water in which some substance is dissolved. Everything in this glass from top to bottom will be of the same colour, the same density, etc. Now let us suppose that the grosser substances settle to the bottom; then the purer water and the finer substances remain above. The water could only be refined by separation of the grosser parts. Something like this was also necessary after the Saturn evolution had run its course, so that such a sediment appeared, and the whole of humanity separated from something, retaining all the finer parts. That which was left formed later the animal kingdom. By means of this separation man was able to refine himself, and rise a stage higher. At each step certain beings have to be separated, in order that man may rise higher and higher.
[ 19 ] Wir haben also eine Menschheit, die nur dadurch möglich geworden ist, daß der Mensch sich befreit hat von denjenigen Wesenheiten, die um uns herum in den untergeordneten Reichen leben. Wir haben diese Wesenheiten mit allen ihren Kräften einmal in dem Strom der Entwickelung darinnen gehabt, sie waren damit verbunden wie in dem Wasser die dichteren Bestandteile. Wir haben sie zu Boden sinken lassen und haben uns daraus emporgehoben. Dadurch ist unsere Entwickelung möglich geworden. Wir sehen also hinunter auf die drei neben uns lebenden Naturreiche und sagen: In alledem sehen wir etwas, was unser Boden hat werden müssen, damit wir uns haben entwickeln können. Diese Wesenheiten sind hinuntergesunken, damit wir haben emporsteigen können. So blicken wir in der richtigen Art auf die untergeordneten Naturreiche.
[ 19 ] Thus we have a humanity which has only become possible through man's freeing himself from the beings which live around him in the lower kingdoms. At one time we were bound up with these beings, with all their forces, in the stress of evolution like the denser constituents in the water. We have uplifted ourselves from them and in this way our development has been made possible. Thus we look down upon the three kingdoms of nature around us, and see in them something which had to become a basis for our development. These beings have sunk in order that we might be able to rise. In this manner we look upon the subordinate kingdoms of nature from the proper aspect.
[ 20 ] Wenn wir nun die Erdentwickelung betrachten, wird sich uns dieser Vorgang noch anschaulicher in seinen Einzelheiten darstellen können. Wir müssen uns klar sein, daß alle Tatsachen innerhalb unserer Erdentwickelung doch gewisse Verhältnisse und Zusammenhänge haben. Nun haben wir gesehen, daß die Abtrennung der Sonne und des Mondes von der Erde eigentlich geschehen ist, damit die menschliche Organisation während der Erdentwickelung hat zu derjenigen Höhe kommen können, um eine Individualität zu werden; das gehörte dazu, um die menschliche Organisation gleichsam zu reinigen. Aber dadurch, daß diese Abtrennungen im Weltenall um des Menschen willen geschahen, ist durch solche eingreifende Veränderung in unserem ganzen Sonnensystem doch auch ein Einfluß auf alle drei andern Naturreiche ausgeübt worden, vor allem auf das Tierreich, das uns zunächst steht. Und wenn wir diesen Einfluß verstehen wollen, der auf das Tierreich durch die Vorgänge der Sonnen- und Mondabspaltung geschah, dann bekommen wir aus der Geistesforschung folgenden Aufschluß.
[ 20 ] The study of the Earth development will help us to understand the details of this process still more clearly. We must quite understand that all the facts in our earthly development have certain relationships and connections. We have seen that the separation of the Sun and Moon from the Earth really came about in order that during the Earth evolution the human organisation might be able to develop to the extent of becoming an individuality; and in conjunction with this the human organisation was made pure. But through this separation in the universe for man's sake, through this great change in our solar system, the other three kingdoms of nature were also affected—especially the animal kingdom. If we wish to understand the influence exercised upon the animal kingdom through the processes of the separation of the Sun and Moon, this is what we arrive at as a result of spiritual investigation:—
[ 21 ] Der Mensch war auf einer gewissen Stufe seiner Entwickelung, als sich die Sonne abgespalten hatte. Hätte er nun diese Stufe beibehalten müssen, die er während der Zeit hatte, als der Mond noch mit der Erde verbunden war, so hätte der Mensch seine gegenwärtige Organisation nicht erlangen können, er hätte einer gewissen Verödung und Verdorrung entgegengehen müssen. Die Mondenkräfte mußten erst herausgehen. Daß diese menschliche Organisation möglich geworden ist, ist aber nur dem Umstande zu verdanken, daß der Mensch während der Zeit, als der Mond noch in der Erde war, sich eine Organisation bewahrt hatte, welche noch erweicht werden konnte; denn es wäre möglich gewesen, daß seine Organisation bereits so hart gewesen wäre, daß das Hinausgehen des Mondes nichts mehr genutzt hätte, Auf dieser Stufe, daß die Organisation noch erweicht werden konnte, standen tatsächlich nur die Menschenvorfahren. — Der Mond mußte also zu einer bestimmten Zeit hinausgehen. Was geschah nun bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mond heraustrat?
[ 21 ] Man was at a certain stage of evolution when the Sun separated. Now had he been obliged to keep to this stage at which he was during the period when the Moon was still united to the Earth, he would not have been able to attain his present organisation; he would have been confronted with a certain wasting and drying up. The Moon forces had first to go out. The possibility of this human organisation we owe only to the circumstance that during the period when the Moon was still part of the Earth, man had preserved an organisation which could still be pliable; for it might have been possible for his organisation to become so set that the exit of the Moon could no longer be of any use. Only the ancestors of humanity were at that pliable stage at which the organisation was still possible. Therefore the Moon had to separate at a particular time. Now what took place up to the time of the exit of the Moon?
[ 22 ] Die menschliche Organisation wurde immer gröber und gröber. Der Mensch hat zwar nicht ausgesehen wie Holz. Das wäre eine zu grobe Vorstellung. Es war die damalige Organisation trotz ihrer Grobheit immer noch feiner, als es die jetzige Organisation ist. Aber für die damalige Zeit war die Organisation des Menschen so grob, daß der geistigere Teil des Menschen, der auch dazumal in einer gewissen Weise abwechselnd mit dem physischen Leib zusammen und ohne ihn gelebt hat, in der Zeit zwischen Sonnen- und Mondaustritt endlich dahin gekommen war, daß er, wenn er wieder hat seinen physischen Leib aufsuchen wollen, diesen Leib durch die Vorgänge der Erde so dicht gefunden hat, daß er keine Möglichkeit mehr hatte, in ihn hineinzuziehen und ihn als Gehäuse zu benutzen. Daher geschah es auch, daß der geistig-seelische Teil vieler Menschenvorfahren von der Erde überhaupt Abschied nahm und für eine gewisse Zeit das Fortkommen suchte auf andern, zu unserem Sonnensystem gehörigen Planeten. Nur ein ganz geringer Teil der physischen Leiber war weiter brauchbar und rettete sich über diese Zeit hinüber. Das habe ich auch schon öfter dargestellt, daß die weitaus größte Zahl der Menschenseelen in den Himmelsraum hinauszogen, daß aber die fortlaufende Entwickelungsströmung festgehalten wurde von einem kleinen Teil, nämlich von denjenigen menschlichen Seelen, die am robustesten waren und das alles ertragen und überwinden konnten, Diese robusten Seelen retteten die Entwickelung über die kritische Periode hinüber.
[ 22 ] The human organisation became grosser and grosser. Man did not, indeed, look like wood—that would be too gross a conception. The organisation at that time in spite of its grossness was still much finer than is our present organisation; but for that period between the exit of the Sun and that of the Moon, the organisation of man was so gross that the more spiritual part of him, which in a certain sense lived alternately within and without the physical body came at length to the crisis that when it wanted to re-enter its physical body it found this so dense, owing to events that had taken place on the earth that it could no longer enter into it as its dwelling. Hence it also came about that the spiritual and soul part of many of our human ancestors departed altogether from the earth, and for a certain time took refuge on other planets belonging to our solar system. Only a small number of the physical bodies could be used and maintain themselves over this time. As I have said, by far the greater number of human souls went out into space, but the onward stream of human evolution was maintained by a small number of those who were more robust and who were able to struggle and conquer. These robust souls carried the evolution over the critical period.
[ 23 ] Während dieses ganzen Vorganges handelte es sich noch nicht eigentlich um das, was wir menschliche Ichheit, menschliche Individualität nennen. Es war noch mehr der Charakter der Gattungsseele vorhanden. Die Seelen gingen, wenn sie sich zurückzogen, auf in die GatrungsSeelenhaftigkeit.
[ 23 ] During the whole of this process the human individuality was still not evolved. There was still more of the character of the species soul, and when some souls withdrew they went into the soul groups.
[ 24 ] Dann kam der Mondaustritt, und damit war wieder die Möglichkeit gegeben, daß die menschliche Organisation verfeinert wurde, so daß sie die Seelen, welche sich früher hinweggeflüchtet hatten, wieder aufnehmen konnte. Und diese Seelen kamen nach und nach — bis in die atlantische Zeit hinein — wieder herunter und bezogen die menschlichen Leiber. Aber es waren immerhin gewisse Organisationen zurückgeblieben, die sich während der kritischen Zeit herausgebildet hatten. Fortgepflanzt hatten sie sich während dieser Zeit, nur konnten sie nicht Träger werden der menschlichen Seelenhaftigkeit. Es waren eben grobe Organisationen. Es hatten sich also dazumal neben jenen Organisationen, die sich später verfeinern konnten, solche erhalten aus der kritischen Erdenperiode. Diese wurden nun die Vorläufer einer gröberen Organisation, und dadurch kam es, daß neben jenen Organisationen, welche Träger von menschlichen Individualitäten werden konnten, auch solche Organisationen sich fortpflanzten, die nicht’ Träger menschlicher Individualitäten werden konnten und die die Nachkommen waren der von menschlichen Seelen verlassenen Organismen aus jener Zeit, als die Sonne schon fort und der Mond noch mit der Erde verbunden war.
[ 24 ] Then came the exit of the Moon which made it possible for the human organisation to be further refined. It could then take up the souls which had previously soared away, and these souls gradually—up to and during the Atlantean Epoch—came down again and entered into the human bodies below. But certain organisms had reproduced themselves during this critical time and they could not become the vehicles of the human soul as they were too gross. Through this it came about that side by side with those organisations which were able to be refined and to become the vehicles of human individuality there had also been propagated organisms which could not, and these were the successors of the organisms which had been abandoned by the human soul during the time when the Sun had already withdrawn and the Moon was still united with the earth.
[ 25 ] Also sehen wir neben dem Menschen sich förmlich herausbilden ein Reich von Organismen, die durch das Beibehalten des Mondcharakters unfähig geworden waren, Träger menschlicher Individualitäten zu sein. Diese Organisationen sind im wesentlichen die, welche die Organisationen unserer heutigen Tiere wurden. Es könnte sonderbar erscheinen, daß diese gröberen Organisationen der heutigen Tiere nun doch wieder gewisse Fähigkeiten haben, welche sogar weisheitsvoll wirken können in der Welt, wie zum Beispiel in dem Biberbau. Das aber kann uns erklärlich werden, wenn wir uns eben die Dinge nicht gar zu einfach vorstellen, sondern uns klar sind, daß gerade die Organisationen dieser Wesenheiten, welche nicht von menschlichen Seelen bezogen worden sind, die äußeren Einrichtungen des tierischen Baues, eines gewissen Nervenbaues und dergleichen ausgebildet hatten, die es möglich machten, sich mit den Gesetzen des Erdendaseins ganz in Einklang zu versetzen. Denn jene Wesenheiten, die nicht fähig geblieben waren, menschliche Seelen aufzunehmen, waren während der ganzen Zeit mit der Erde verbunden geblieben. Die andern Organisationen, die sich später verfeinert haben, so daß sie menschliche Individualitäten aufnehmen konnten, waren zwar auch zusammen mit der Erde; aber weil sie später Veränderungen eingehen mußten, als der Mond draußen war, haben sie gerade, was sie sich bis dahin angeeignet hatten, dadurch verloren, daß sie sich verfeinerten, daß sie diese Veränderungen eingehen mußten.
[ 25 ] Thus side by side with man we see a kingdom of organisms actually developing, which, by preserving the Moon character had become incapable of being the vehicles of human individuality. These organisms are essentially those which have become our present animal kingdom. It may seem curious that the grosser organisms of the present animals have certain capacities whereby they are able to act wisely, as is instanced in the work of the beaver, etc.; but this can be fully explained if we do not think too superficially. It is precisely the organisation of these beings which have not been entered into by human souls, which has developed the external arrangements of the animal structure—a nervous system, etc., that has made it possible for them to place themselves entirely in harmony with the laws of the Earth existence. For those beings which did not evolve the capacity for taking up human souls, remained united with the earth the whole time. The other organisations which later refined themselves, so that they could take in human individualities, certainly were also with them on the earth, but because they had to undergo certain changes later on when the Moon was outside, they lost these capacities, or rather transmuted them in refining themselves, and in having to go through other changes.
[ 26 ] Also merken wir: Als sich der Mond getrennt hatte von der Erde, waren auf der Erde gewisse Organisationen, die sich einfach fortgepflanzt hatten in der geraden Linie, wie sie hatten entstehen müssen, solange der Mond mit der Erde früher verbunden war. Diese Organisationen waren grob geblieben, hatten sich die Gesetze, die sie hatten, bewahrt und waren in sich so fest geworden, daß, als der Mond herausgegangen war, mit ihnen keine Veränderung möglich war. Sie pflanzten sich einfach steif fort. Die andern Organisationen, die Träger von menschlichen Individualitäten wurden, mußten sich verändern, konnten sich nicht steif fortpflanzen. Sie veränderten sich so, daß jetzt hineinwirken konnten die Wesenheiten, die in der Zwischenzeit gar nicht mit der Erde verbunden waren, die ganz woanders waren und sich erst wieder zusammenfügen mußten mit der Erde. — Da haben Sie den Unterschied zwischen jenen Wesenheiten, die den alten steifen Mondcharakter fortbewahrt hatten, und jenen, die sich verändert hatten. Worin bestand nun die Veränderung?
[ 26 ] Thus we notice that when the Moon had separated, there were upon the earth certain organisations which had simply reproduced in themselves the old conditions such as existed when the Moon was formerly united with the Earth. These organisations had remained gross, had preserved the laws which they had before, and had become so set that when the Moon detached itself, no change took place in them. They simply propagated themselves rigidly further. The other organisations which were to become the vehicles of human individualities could not perpetuate themselves rigidly as the grosser organisations did. They had to change themselves in such a way that those beings which meanwhile had not been united with the Earth, and must now return to it, could now work into them. Here we have the difference between the beings which have preserved the old rigid Moon character and those which have changed themselves. Now, in what did the change consist?
[ 27 ] Als die Seelen, die von der Erde fortgegangen waren, wieder zurückkamen und wieder Besitz ergriffen von den Leibern, fingen sie an, das Nervensystem, das Gehirn und so weiter umzubauen. Was sie als Kräfte hatten, das verwendeten sie gleichsam zum inneren Ausbau. An den andern Wesenheiten, die sich versteift hatten, konnte nichts mehr geändert werden. Von diesen letzteren Organisationen nahmen jetzt andere Wesenheiten Besitz, die sich noch nicht darauf einließen, in die Organisation einzugreifen, die noch auf ihren früheren Stufen stehengeblieben waren, die überhaupt nicht so weit kommen, daß sie in die inneren Organisationen hineinwirken, sondern die von außen wirken wie die tierischen Gattungsseelen. So erhielten diejenigen Organisationen, welche dazu geeignet waren, nach dem Mondaustritt die menschliche Seele; und diese Wesenheiten bearbeiteten dann die Organisation so, daß sie zu dem vollkommenen Menschenbau führte. Die während der Mondenzeit steif gebliebenen Organisationen konnten nicht mehr geändert werden. Von denen ergreifen jetzt Besitz jene Seelen, die überhaupt noch nicht so weit waren, in eine Individualität einzuziehen, die auf der Mondenstufe stehengeblieben waren, die alles ausgebildet hatten, was auf der Mondenstufe zu erreichen war, und die daher jetzt als Gattungsseelen von diesen Organisationen Besitz ergriffen.
[ 27 ] When those souls which had gone away from the earth returned, and once more took possession of bodies, they began to make alterations in the nervous system, the brain, etc. They applied their forces, as it were, to inward construction. There could be no change now in the other beings which had hardened. Different beings now took possession of these latter organisms, beings which had remained behind at a previous stage and which were not sufficiently evolved to operate on the organism from within. They worked rather from the outside as the Group-Souls of the animals. Thus the human soul came into possession of the organisations which were suited to them after the exit of the Moon, and these beings then worked up the organisation into what led to a perfect human structure. Those organisations which remained rigid during the Moon period could no longer be changed, certain souls then took possession of these, such souls as had not on the whole developed far enough to set to work in an individuality, but had remained behind at the Moon stage, developing as far as was then possible. They therefore now took possession of these lower organisations as ‘Group-Souls.’
[ 28 ] So erklärt sich uns der Unterschied zwischen Mensch und Tier aus den kosmischen Vorgängen heraus. Gerade durch die kosmischen Vorgänge bei der Erdentwickelung ergeben sich uns zweierlei Organisationen. Hätten wir bei dem Bau der unmittelbar unter dem Menschen stehenden Wesenheiten stehenbleiben müssen, so müßten wir jetzt mit unserem Ich die Erde umschweben, weil die Organisationen zu steif geworden sind. Wir könnten nicht herunter, und obwohl wir vollkommenere Wesen geworden sind, müßten wir da sein, wo die Organisationen der Gattungsseelen der Tiere sind. Da aber unsere Organiisationen sich verfeinern konnten, so konnten wir in sie einziehen und sie als unsere Wohnplätze benutzen, das heißt, wir konnten in fleischliche Verkörperungen bis zur Erde hinuntersteigen. Die Gattungsseelen hatten kein Bedürfnis danach. Sie wirken von der geistigen Welt in die Wesen hinein.
[ 28 ] Thus the difference between man and animal is explained by cosmic events. Through cosmic processes in the Earth's evolution two kinds of organisations have been produced. Had we been obliged to remain with a structure such as that of the beings immediately below mankind we should now be obliged to hover around the earth because our organisation would have been too rigid. We could not, therefore, have come down into them, and although we had become more perfect beings, we should have had to remain where the organisation of the group-souls of the animals are. As, however, our organisations were able to refine themselves, we could enter into them and use them as our dwelling place; that is we could descend into bodily incarnations. The group-souls did not need to do this; they act on these beings from the spiritual world.
[ 29 ] Wir sehen also in dem Tierreich, das uns umgibt, etwas, was wir heute auch wären, wenn wir eben nicht unsere Organisation der geschilderten Einrichtung verdankten. Fragen wir uns jetzt: Wodurch sind denn die unter uns stehenden Tiere mit ihren versteiften Organisationen auf die Erde gekommen? — Durch uns selber sind sie heruntergekommen! Sie sind die Nachkommen jener Körper, die wir nach dem Mondaustritt nicht mehr beziehen wollten, weil sie zu grob geworden waren. Wir haben diese Körper zurückgelassen, um später andere zu finden. Wir hätten später andere nicht finden können, wenn wir damals jene ersten nicht verlassen hätten. Denn wir mußten nach dem Heraustreten der Sonne auf der Erde unser Fortkommen suchen. — Da haben wir gerade den Vorgang, daß wir sozusagen unter uns zurückließen gewisse Wesenheiten, damit wir selber die Möglichkeit finden konnten, höher hinaufzukommen. Um höher zu kommen, mußten wir zu andern Planeten gehen und die Leiber da unten verkommen lassen. Was unten zurückgeblieben ist, dem verdanken wir in gewisser Beziehung das, was wir sind. Ja, wir können dieses «Verdanken» noch viel genauer schildern. Wir können uns fragen: Wie ist es denn überhaupt möglich geworden, daß wir während der kritischen Periode die Erde verlassen konnten? So ohne weiteres geht das ja nicht, daß ein Wesen hingehen kann, wo es will.
[ 29 ] Thus in the animal kingdom surrounding us we see something that we also should have been to-day, if our present organisation had not been transformed. Let us now ask how the animals with their more rigid organisations have appeared on the earth. They came down through us. They are the descendants of the bodies which we no longer wished to occupy after the exit of the Moon. We left those bodies behind in order to find others later and we should not have been able to find others later, if we had not forsaken those at that precise time. For only after the exit of the Sun could we continue our progress on the Earth. We left behind us as it were, certain beings, in order that we ourselves might find the possibility of rising higher. In order to rise higher we had to go to other planets and leave the bodies below to go to ruin, and in a certain sense we owe what we are to what remains below. Indeed, what we owe may be described still more minutely. We may ask how it was possible for us to leave the Earth during the critical period, for a being cannot go just where it likes.
[ 30 ] Da trat während der Erdentwickelung zum ersten Male dasjenige ein, was wir wiederum den luziferischen Geistern verdanken. Die luziferischen Wesenheiten waren unsere Führer, die uns in der kritischen Periode von der Erdentwickelung hinweggenommen haben. Sie haben uns gleichsam gesagt: Da unten kommt jetzt eine kritische Zeit; da müßt ihr die Erde verlassen! — Die luziferischen Geister waren es, unter deren Führung wir die Erde verlassen haben, dieselben luziferischen Geister, die in unseren damaligen astralischen Leib das luziferische Prinzip, den Hang zu allem, was wir die Möglichkeit des Bösen in uns nennen, hineinbrachten, damit zugleich aber allerdings auch die Möglichkeit der Freiheit. Hätten sie uns damals nicht fortgenommen von der Erde, so wären wir immer gekettet geblieben an die Gestalt, die wir damals geschaffen hatten, und wir könnten jetzt die Gestalt höchstens von oben umschweben, würden sie aber niemals beziehen können. So nahmen sie uns fort und verbanden ihr eigenes Wesen mit unserem Wesen.
[ 30 ] During the Earth evolution there came for the first time something we owe to the luciferic spirits. They were our leaders and took us away from the Earth evolution at the critical period. It was as though they said to us: ‘Down below a critical time is now coming and you must leave the Earth.’ We left the Earth under the guidance of the Lucifer spirits, the same beings who brought into our astral body of that time the luciferic principle, the tendency in us to all that we call the possibility of evil; but with it also at the same time came the possibility of freedom. Had they not taken us away from the Earth at that time we should always have been chained to the form that we had then created, and we should now, at the most, only be able to float above that form without ever being able to enter. So they took us away and united their own being with our being.
[ 31 ] Wenn wir das ins Auge fassen, wird es uns jetzt verständlich, daß wir, während wir fortgingen, die luziferischen Einflüsse aufnahmen. Die Organisationen, welche dieses Schicksal nicht teilten, damals in ganz besondere Weltgebiete geführt zu werden, die mit der Erde verbunden blieben, die blieben unten ohne den luziferischen Einfluß. Sie mußten mit uns die Erdenschicksale teilen — konnten aber nicht mit uns unser Himmelsschicksal teilen. Und als wir auf die Erde zurückkamen, hatten wir den luziferischen Einschlag in uns, nicht aber jene andern Wesen, und dadurch wurde es uns möglich, das Leben in einem physischen Körper und doch ein von dem physischen Körper unabhängiges Leben zu führen, so daß wir auch immer mehr und mehr unabhängig von dem physischen Körper werden konnten. Diese andern Wesen aber, die den luziferischen Einschlag nicht in sich hatten, stellten dar, was wir aus ihnen gemacht hatten, was unsere astralischen Leiber waren in der Zwischenzeit zwischen Sonnen- und Mondausrritt, also dasjenige, von dem wir uns befreiten. Wir schauen auf die Tiere und sagen: Alles, was die Tiere darstellen an Grausamkeit, an Gefräßigkeit, an allen tierischen Untugenden, neben der Geschicklichkeit, die sie haben, das hätten wir in uns, wenn wir sie nicht hätten aus uns heraussetzen können! -— Wir verdanken die Befreiung unseres astralischen Leibes dem Umstande, daß alle gröberen astralischen Eigenschaften zurückgeblieben sind im Tierreich der Erde. Und wir können sagen: Wohl uns, daß wir das nicht mehr in uns haben: die Grausamkeit des Löwen, die List des Fuchses, daß es aus uns herausgezogen ist und außer uns ein selbständiges Dasein führt!
[ 31 ] If we bear this in mind we shall understand that during the time we went away we took in the luciferic influences. Those other organisations which did not share in this destiny whereby we were led to certain regions of the world, remained down below without the luciferic influence. They had to share our earthly fate, but they could not share our heavenly fate. And when we came back to the earth we had the luciferic influence in us—but those other beings had not. Thereby it became possible for us to lead a life in a physical body and yet a life independent of it, so that we might become more and more independent of the physical body. But these other beings which had not the luciferic influence represent what our astral bodies were in the interval between the exit of the Sun and that of the Moon, namely that from which we liberated ourselves. We look upon the animals and say: ‘All that the animals manifest in the way of cruelty, voracity, and all animal vices, besides the skill which they have we should have had within us, if we had not been able to eject them. We owe this liberation of our astral bodies to the circumstance that all the grosser astral bodies have remained behind in the animal kingdom and the earth.’ We may, indeed, say that it is well for us that we no longer have the cruelty of the lion, the slyness of the fox, etc., but that these are withdrawn from us and lead an independent existence outside us.
[ 32 ] So haben die Tiere das mit uns gemeinschaftlich, was unser astralischer Leib ist, und haben dadurch die Möglichkeit, Schmerzen empfinden zu können. Aber sie haben gerade durch das, was jetzt gesagt worden ist, nicht die Möglichkeit erlangen können, durch den Schmerz und durch die Überwindung des Schmerzes immer höher und höher zu steigen. Denn sie haben keine Individualität. Dadurch sind die Tiere viel, viel übler daran als wir. Wir müssen die Schmerzen ertragen; aber jeder Schmerz ist für uns ein Mittel zur Vervollkommnung; indem wir ihn überwinden, steigen wir höher durch den Schmerz. Die Tiere haben wir zurückgelassen als etwas, was zwar die Schmerzfähigkeit schon hatte, aber noch nicht das, was sie über den Schmerz erheben konnte, wodurch sie den Schmerz überwinden. Das ist das Schicksal der Tiere. Sie zeigen uns unsere eigene Organisation auf der Stufe,da wir schmerzfähig waren, aber noch nicht durch Überwindung den Schmerz ins Heilsame für die Menschheit umwandeln konnten. So haben wir den Tieren im Laufe der Erdentwickelung unser schlimmeres Teil gegeben, und sie stehen um uns herum als Wahrzeichen dessen, daß wir zu unserer Vervollkommnung kamen. Wir hätten den Bodensatz nicht losbekommen, hätten wir nicht die Tiere zurückgelassen.
[ 32 ] Thus the animals have the astral body in common with us, and are therefore able to feel pain. But from what has now been said we see that they do not possess the power to evolve through pain and through the conquest of pain, for they have no individuality. The animals are on this account much more to be pitied than us. We have to bear pain, but each pain is for us a means to perfection; through overcoming it we rise higher. We have left behind us the animal as something that already has the capacity to feel pain but does not yet possess the power to raise itself above pain, and to triumph by means of it. That is the fate of the animals. They manifest to us our own former organisation when we were capable of feeling pain, but could not yet, through overcoming the pain, transform it into something beneficial for humanity. Thus in the course of our earthly evolution we have left off our worst to the animals, and they stand around us as tokens of how we ourselves came to our perfection. We should not have got rid of the dregs if we had not left the animals behind.
[ 33 ] Solche Tatsachen müssen wir nicht als Theorien betrachten lernen, sondern mit kosmischem Weltengefühl. Wir müssen hinblicken auf die Tiere mit dem Gefühl: Da draußen seid ihr, Tiere. Wenn ihr leidet, leidet ihr etwas, was uns Menschen zugute kommt. Wir Menschen haben die Möglichkeit, das Leiden zu überwinden; ihr müßt das Leiden erdulden. Wir aber haben euch das Leiden gelassen — und uns die Überwindung genommen!
[ 33 ] We must learn to consider such facts, not as theories, but rather with a cosmic world feeling. When we look upon the animals we should feel: ‘You animals are outside. When you suffer, you suffer something of which we reap the benefit. We men, however, have the power to overcome suffering while you must endure it. Having received suffering we have passed it on to you, and are taking to ourselves the power to overcome it.’
[ 34 ] Wenn man dieses kosmische Gefühl aus der Theorie entwickelt, wird es zu dem umfassenden Mitgefühl mit der Tierwelt. Wo daher das kosmische Gefühl aus der Urweisheit der Menschheit entsproß, wo die Menschen sich noch bewahrt hatten eine Erinnerung an das Urwissen, das jedem aus dem dämmerhaften Hellsehen sagte, wie die Dinge einst lagen, da hatte man sich damit auch das Mitgefühl für die Tierwelt bewahrt, und da tritt das Mitgefühl für die Tiere in einem hohen Maße hervor. — Dieses Mitgefühl wird wiederkommen, wenn die Menschen sich angewöhnen werden, spirituelle Weisheit aufzunehmen, wenn die Menschen wiederum einsehen werden, wie das Menschheitskarma mit dem Weltenkarma verbunden ist. In den Zeiten, welche sozusagen Zeiten der Verdunkelung waren, in denen das materialistische Denken Platz griff, hat man von diesen Zusammenhängen keine rechte Ahnung haben können. Da blickte man nur auf das, was im Raume nebeneinander ist, ohne zu berücksichtigen, daß dieses, was nebeneinander im Raume ist, einen einheitlichen Ursprung hat und sich nur in der Entwickelung getrennt hat. Und da fühlte man natürlich auch nicht, was die Menschen mit den Tieren verbindet. Und auf allen Gebieten der Erde, wo man die Mission gehabt hat, zu überdecken das Bewußtsein vom Zusammenhange des Menschen mit der Tierwelt, wo an Stelle dieses Bewußtseins nur ein solches getreten ist, das sich auf den äußeren physischen Raum beschränkt, da hat der Mensch den Tieren das, was er ihnen verdankt, in einer eigenartigen Weise vergolten — indem er sie eben aufgegessen hat.
[ 34 ] If we develop this cosmic feeling out of the theory, we then experience a great and all-embracing feeling of sympathy for the animal kingdom. Hence when this universal feeling sprang from the primeval wisdom of humanity, when mankind still possessed the remembrance of the original knowledge which told each one by a dim clairvoyant vision how things once were, there was preserved with it sympathy for the animal kingdom also, and this to a high degree. This sympathy will come again when people accustom themselves to take up Spiritual Science, and when they again see how the karma of humanity is bound up with the world karma. In the so-called dark ages when materialistic thought held sway, one could not have the right perception of this connection. At that time one observed only what was side by side in space, without taking into consideration the fact that whatever is side by side in space has a common origin, and has only separated in the course of evolution. It was natural that one should cease to feel the connection between man and animal; and in those parts of the earth where it has been the mission to hide the spiritual knowledge of this connection, replacing it by a consciousness concerning itself only with outward physical space, man has paid in a strange fashion his debt to the animals. He has eaten them.
[ 35 ] Diese Dinge zeigen uns aber zugleich, wie Weltanschauungen zusammenhängen mit der menschlichen Empfindungs- und Gefühlswelt. Empfindungen und Gefühle sind letzten Endes Folgen der Weltanschauungen, und wie sich die Weltanschauungen und Erkenntnisse ändern, so werden sich auch die Empfindungen und Gefühle innerhalb des Menschheitszusammenhanges ändern. Der Mensch konnte nicht anders, als sich höher entwickeln; er mußte andere Wesen in den Abgrund stoßen, um selbst höher zu steigen. Er konnte den Tieren nicht geben eine Individualität, die im Karma ausgleicht, was die Tiere leiden müssen; er konnte ihnen nur den Schmerz überliefern, ohne ihnen die karmische Gesetzmäßigkeit des Ausgleiches geben zu können. Was er ihnen aber früher nicht geben konnte, das wird ihnen der Mensch einst geben, wenn er zur Freiheit und zum Selbstlos-Sein seiner Individualität gekommen ist. Dann wird er — in bewußter Weise — auch auf diesem Gebiet die karmische Gesetzmäßigkeit fassen und wird sagen: Den Tieren verdanke ich, was ich bin. Was ich den einzelnen tierischen Wesen nicht mehr geben kann, welche von einem Einzeldasein in ein Schattendasein hinuntergegangen sind, was ich sozusagen einstmals an den Tieren verschuldet habe, das muß ich jetzt an den Tieren wieder gutmachen durch die Behandlung, welche ich ihnen angedeihen lasse! — Daher wird mit dem Fortschreiten der Entwickelung durch das Bewußtsein der karmischen Verhältnisse auch wieder ein besseres Verhältnis des Menschen zum Tierreich eintreten, als es jetzt, besonders im Abendlande, vorhanden ist. Eine Behandlung der Tiere wird kommen, durch welche der Mensch die Tiere, die er hinuntergestoßen hat, wieder heraufzieht.
[ 35 ] These things show us how world conceptions are connected with the human world of perception and feeling. The latter are the consequences of the former and as the conceptions and ideas change, the perceptions and feelings of humanity also change. Man could not do otherwise than evolve. It is due to this that he had to push other beings into the abyss so that he could rise higher himself. He could not give them an individuality which compensates karmically for what the animals have to suffer; he could only give them pain, without being able to give them the karmic compensation. But what he could not give them before, he will give them when he has come to the freedom and selflessness of his individuality. Then he will consciously apprehend the karmic law in this realm and will say ‘It is to the animals that I owe what I have now become. As the animals have fallen from an individual existence to a shadow existence I cannot repay to them what they have sacrificed for me, but I must make this good, so far as is possible, by the treatment I extend to them.’ Therefore with the progress of evolution there will come again through the consciousness of karma a better relationship between man and the animal kingdom than there is now, especially in the west. There will come a treatment of the animals whereby man will again uplift those he has pushed down.
[ 36 ] So sehen wir Karma und Tierreich denn doch in einem gewissen Verhältnis zueinander. Was das Tier als Schicksal erlebt, das können wir, wenn wir nicht alles durcheinanderwerfen wollen, nicht mit dem menschlichen Karma vergleichen. Aber wenn wir die ganze Erdentwikkelung betrachten und was um der Menschheit und ihrer Entwickelung willen geschehen mußte, dann werden wir sehen, daß wir in der Tat von einer Beziehung des Menschheitskarma zu der Tierwelt sprechen können.
[ 36 ] Thus we see that there is a certain relationship, between karma and the animal kingdom, although we cannot, if we wish to avoid the confusion of thought, compare what the animal experiences as its fate, with human karma. But if we consider the whole Earth development, we shall see that we can indeed speak of a relation between the karma of humanity and the animal kingdom.
