Occult History
Esoteric Reflections on the Karmic Connections
between Personalities and Events in World History
GA 126
29 December 1910, Stuttgart
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Occult History, tr. SOL
Dritter Vortrag
Third Lecture
[ 1 ] Einiges von dem, was bis jetzt als skizzenhafter Einblick in den okkulten Verlauf der menschlichen Entwickelung gesagt worden ist, wird Sie ja schon hinweisen darauf, daß der Verlauf der Inkarnationen, wie er durch den individuellen Charakter und die individuelle Entwickelung der Menschen selbst gegeben ist, durch das Eingreifen geistiger Kräfte aus den höheren Hierarchien modifiziert wird. Reinkarnation ist eben kein ganz so einfaches Geschehen in der Menschheitsentwickelung, wie man es gerne aus einer gewissen theoretischen Bequemlichkeit heraus annehmen möchte. Gewiß, die Tatsache liegt vor, daß der Mensch sich immer wieder verkörpert, daß das, was wir seinen Wesenskern nennen, in immer neuer Inkarnation erscheint; und ebenso ist es wahr, daß ein Ursachenzusammenhang ist zwischen den Leben, die später als Inkarnationen auftreten, und den früheren Leben. Auch das Gesetz des Karma liegt vor, das sozusagen der Ausdruck ist dieses Ursachenzusammenhanges. Darüber hinausgehend aber gibt es etwas anderes, und dieses andere führt uns erst zum Verständnis des historischen Entwickelungsganges der Menschheit. Die Entwickelung der Menschheit würde ganz anders ablaufen, wenn nichts anderes in Betracht käme als die Ursachenzusammenhänge zwischen einer und der nächsten oder zwischen vorhergehenden und’ nachfolgenden Inkarnationen des Menschen. Fortwährend aber greifen in das menschliche Leben in jeder Inkarnation mehr oder weniger — und insbesondere bei historisch führenden Persönlichkeiten — ganz bedeutsame andere Kräfte ein und bedienen sich des Menschen als eines Werkzeuges. Daraus kann geschlossen werden, daß der eigentliche, rein im Menschen selbst liegende karmische Verlauf des Lebens durch die Inkarnationen hindurch modifiziert wird; und das ist auch der Fall.
[ 1 ] Some of what has been said so far as a sketchy insight into the occult course of human development will already have pointed out to you that the course of incarnations, as given by the individual character and individual development of human beings themselves, is modified by the intervention of spiritual forces from the higher hierarchies. Reincarnation is not quite as simple an event in human evolution as one would like to assume out of a certain theoretical convenience. Certainly, the fact remains that human beings incarnate again and again, that what we call their core essence appears in ever new incarnations; and it is equally true that there is a causal connection between the lives that later appear as incarnations and the earlier lives. The law of karma also exists, which is, so to speak, the expression of this causal connection. But beyond this there is something else, and it is this something else that leads us to an understanding of the historical course of human development. The development of humanity would proceed quite differently if nothing else were taken into account than the causal connections between one incarnation of the human being and the next, or between previous and subsequent incarnations. However, in every incarnation, other forces intervene in human life to a greater or lesser extent — and especially in the case of historically leading personalities — and use human beings as instruments. From this we can conclude that the actual karmic course of life, which lies purely within the human being, is modified through the incarnations; and this is indeed the case.
[ 2 ] Nun kann man von einer gewissen Gesetzmäßigkeit sprechen — wir wollen uns zunächst nur auf die nachatlantischen Zeiten beschränken -, von einer Gesetzmäßigkeit, wie in den nachatlantischen Zeiten bis in unsere Gegenwart herein die Einflüsse anderer Welten und das individuelle Karma des Menschen zusammenhängen. Und es geht nicht anders, als durch eine schematische Zeichnung Ihnen klarzumachen, wie diese Einflüsse sich gestalten und wie sie sich zu der Individualität des Menschen stellen. Stellen wir uns einmal vor: Diese hier in der Mitte der Tafel gezeichnete Fläche soll dasjenige sein, was wir gewöhnt sind, das menschliche Ich zu nennen, unseren gegenwärtigen menschlichen Wesenskern. (Siehe Zeichnung S. 47.) Und zeichnen wir nun die anderen Wesensglieder des Menschen ein, indem wir zunächst absehen von der Gliederung der Seele in Empfindungsseele, Verstandesseele und Bewußstseinsseele. Also haben wir hier schematisch dargestellt den Astralleib, den Ätherleib, den physischen Leib.
[ 2 ] Now we can speak of a certain lawfulness — let us limit ourselves for the moment to the post-Atlantean times — of a lawfulness in the way the influences of other worlds and the individual karma of human beings have been connected in the post-Atlantean times up to the present. And there is no other way than to use a schematic drawing to make clear to you how these influences are formed and how they relate to the individuality of the human being. Let us imagine that the area drawn here in the middle of the board is what we are accustomed to calling the human I, our present human core being. (See drawing on p. 47.) And now let us draw in the other elements of the human being, leaving aside for the moment the division of the soul into the sentient soul, the intellectual soul, and the conscious soul. So here we have schematically represented the astral body, the etheric body, and the physical body.
[ 3 ] Nun wollen wir, weil wir bei der nachatlantischen Entwickelung bleiben wollen, uns klarmachen, worin denn die Zukunft des Menschen, nach dem, was wir schon an den verschiedenen Orten besprochen haben, zunächst bestehen wird. Wir wissen ja, daß wir mitten drinnenstehen in der nachatlantischen Entwickelung, die eigentliche Mitte allerdings schon etwas überschritten haben. Es braucht hier nur kurz wiederholt zu werden, was bei anderen Gelegenheiten gesagt worden ist: daß innerhalb der griechisch-lateinischen Kulturepoche vorzugsweise dasjenige zu einer besonderen Entwickelung gekommen ist, was wir nennen die Verstandes- oder Gemütsseele, und daß wir jetzt in der Entwickelung der Bewußtseinsseele stehen. In der babylonisch-ägyptischen Kulturperiode ist die Empfindungsseele zur Entwickelung gekommen, vorher in der persischen Entwickelungsepoche der Empfindungs- oder Astralleib und in der uralt indischen Entwickelung der Atherleib des Menschen. Die Anpassung des physischen Leibes an unsere nachatlantischen irdischen Verhältnisse ist schon in den letzten Epochen vor der großen atlantischen Katastrophe geschehen. So daß, wenn wir jetzt übergehen dazu, auch die anderen Glieder einzuzeichnen, wir sagen können: Es entwickelt sich das Ich innerhalb unserer nachatlantischen Zeit so, daß die Entwickelung während der indischen Periode vorzugsweise im Ätherleib verläuft, die der persischen im Astralleib, die der ägyptisch-chaldäischen in der Empfindungsseele, die der griechischen in der Verstandesseele und unsere Kultur in der Bewußtseinsseele — in dem fünften Gliede des Menschen, wenn wir die einzelnen Seelenglieder rechnen. In einem sechsten Kulturzeitraum werden die Menschen sich weiter hinaufentwickeln, und es wird in gewisser Art hereinwachsen das Seelenhafte des Menschen in Manas. In einer siebenten, der letzten nachatlantischen Kulturepoche, wird dann zur Entwickelung kommen eine Art Hineinwachsen des Menschen in den Lebensgeist oder die Buddhi, während das, was hineinwachsen könnte in Atma, nach der großen Katastrophe, die unsere nachatlantische Zeit abschließen wird, erst in einem späteren Zeitalter sich entwickeln wird.
[ 3 ] Now, because we want to remain with post-Atlantean development, let us clarify what the future of human beings will consist of, according to what we have already discussed in various places. We know that we are in the middle of post-Atlantean development, although we have already passed the actual middle point. It is only necessary to repeat briefly what has been said on other occasions: that during the Greco-Latin cultural epoch, what we call the intellectual or emotional soul underwent a special development, and that we are now in the development of the consciousness soul. In the Babylonian-Egyptian cultural period, the sentient soul developed, preceded by the development of the sentient or astral body in the Persian epoch and the etheric body in ancient Indian development. The adaptation of the physical body to our post-Atlantean earthly conditions already took place in the last epochs before the great Atlantean catastrophe. So that when we now go on to describe the other members, we can say: The I develops within our post-Atlantean time in such a way that during the Indian period the development takes place mainly in the etheric body, during the Persian period in the astral body, that of the Egyptian-Chaldean period in the sentient soul, that of the Greek period in the intellectual soul, and our culture in the consciousness soul — in the fifth member of the human being, if we count the individual soul members. In a sixth cultural epoch, human beings will develop further upward, and in a certain way the soul element of the human being will grow into manas. In a seventh, the last post-Atlantean cultural epoch, a kind of growth of the human being into the life spirit or Buddhi will then come about, while that which could grow into Atma after the great catastrophe that will conclude our post-Atlantean era will only develop in a later age.


[ 4 ] Das sind Dinge, die bekannt sind aus dem Zyklus über die Apokalypse. Jetzt aber müssen wir darauf Rücksicht nehmen, daß für den ersten Zeitraum, den indischen, der Mensch in bezug auf seine Entwickelung noch unterhalb dessen war, worin das Ich lebt; daß im Grunde genommen die altindische, die vorvedische Kultur eine im wesentlichen inspirierte Kultur war, das heißt also eine Kultur, welche gleichsam in die menschliche Seele einfloß ohne jene Arbeit des Ich, welche wir heute als unsere Gedanken- und Vorstellungsarbeit kennen. Der Mensch muß sich seit der ägyptischen Kulturperiode sozusagen aktiv verhalten mit seinem Ich. Er muß sein Ich durch die Sinne herumwenden in dem Umkreis der Außenwelt, damit er Eindrücke empfängt; er muß gewissermaßen bei dem Sich-Fortarbeiten mit seinem eigenen Anteil aktiv dabei sein. Die altindische Kultur war eine mehr passive Kultur, eine Kultur, die sozusagen errungen wurde durch eine Hingabe an das, was wie eine Inspiration in die menschliche Wesenheit hereinfloß. Daher wird es auch begreiflich erscheinen, daß wir diese altindische Kultur auf eine andere Tätigkeit zurückzuführen haben als diejenige, die heute das menschliche Ich ausführt; daß sozusagen die heutige Tätigkeit des Ich für die damalige indische Seele dadurch ersetzt werden mußte, daß sich in die menschliche Wesenheit höhere Wesenheiten hineinsenkten und die menschliche Seele inspirierten. Wenn wir fragen, was damals sozusagen von außen her in diese menschliche Seele hineingebracht wurde, was hineingesenkt wurde von Wesenheiten der höheren Hierarchien, dann können wir sagen: Es ist dasselbe, was später einmal der Mensch erringen wird als seine eigene Tätigkeit, als seine eigene Aktivität, wenn er sich emporgehoben haben wird zu dem, was wir als Atma oder Geistesmensch bezeichnen. Mit anderen Worten, es wird sich in der Zukunft die menschliche Individualität zu einem Einarbeiten in Atma emporheben. Dieses Einarbeiten wird eine Eigenarbeit der menschlichen Seele, des menschlichen Wesenskernes sein, etwas, was mit dem innersten Wesen unmittelbar verbunden ist. Und so wie dann der Mensch selbst in sich arbeiten wird, so arbeiteten Wesenheiten höherer Hierarchien an der indischen Seele. Wenn wir beschreiben wollen, was in den Atherleibern der indischen Seelen vorging, so können wir sagen: Es arbeitete gleichsam noch ein verdunkeltes, im Dämmerschlummer liegendes Ich-Bewußtsein, es arbeitete Atma im Ätherleib. Wir können ganz gut sagen, daß die alte indische Seele ein Schauplatz war, auf dem sich im Grunde genommen eine übermenschliche Arbeit abspielte: ein Arbeiten höherer Wesenheiten innerhalb des Atherleibes der alten Inder. Und das, was da hineinverwoben wurde in den Ätherleib, war eine Arbeit, wie sie der Mensch später in der angedeuteten Weise erreichen wird, wenn Atma am Ätherleib arbeitet. — In der persischen Kultur war es dann so, daß Buddhi oder der Lebensgeist im Astralleib, im Empfindungsleib arbeitete. — Und in der chaldäisch-babylonisch-ägyptischen Kultur arbeitete dann Manas oder Geistselbst in der Empfindungsseele. So also ist in der ägyptisch-babylonisch-chaldäischen Kultur immer noch nicht ausgeprägt ein volles aktives Arbeiten des Ich innerhalb der Seele selbst. Der Mensch ist, wenn auch in geringerem Grade als vorher, doch noch ein passiver Schauplatz für eine Arbeit des Manas in der Empfindungsseele. Erst in der griechisch-lateinischen Zeit tritt sozusagen der Mensch voll aktiv in sein eigenes Seelenleben ein. Wir wissen ja, daß es die Verstandesseele ist, in der sich das Ich als selbständiges inneres menschliches Glied zuerst geltend macht, und wir können deshalb sagen: Innerhalb der griechischen Kultur arbeitet in der Tat das Ich im Ich, das heißt, der Mensch als solcher im Menschen. Wir werden noch sehen im Verlaufe dieser Vorträge, daß innerhalb der griechischen Epoche das Eigenartige der damaligen Kultur gerade dadurch hervortritt, daß das Ich im Ich arbeitet.
[ 4 ] These are things that are known from the cycle on the Apocalypse. Now, however, we must take into account that during the first period, the Indian period, human beings were still below the level of the ego in terms of their development; that, basically, the ancient Indian, pre-Vedic culture was essentially an inspired culture, that is, a culture that flowed into the human soul, as it were, without the work of the ego that we know today as our thinking and imagining. Since the Egyptian cultural period, human beings have had to behave actively with their ego, so to speak. They have had to turn their ego around in the sphere of the outer world through the senses in order to receive impressions; they have had to be actively involved in working on themselves with their own share, so to speak. Ancient Indian culture was a more passive culture, a culture that was achieved, so to speak, through devotion to what flowed into the human being as inspiration. It therefore seems understandable that we must trace this ancient Indian culture back to an activity other than that which the human ego performs today; that, so to speak, the activity of the ego today had to be replaced for the Indian soul of that time by higher beings sinking into the human being and inspiring the human soul. When we ask what was brought into the human soul from outside, so to speak, what was lowered into it by beings of the higher hierarchies, we can say: it is the same thing that human beings will later achieve as their own activity, as their own activity, when they have raised themselves up to what we call the Atma or spiritual human being. In other words, in the future, human individuality will rise to a working into Atma. This working will be the work of the human soul, of the core of the human being, something directly connected with the innermost being. And just as human beings will then work within themselves, so did beings of higher hierarchies work on the Indian soul. If we want to describe what was happening in the etheric bodies of the Indian souls, we can say that a darkened ego consciousness, lying in a twilight slumber, was still at work; Atma was working in the etheric body. We can say quite well that the ancient Indian soul was a theater in which, basically, a superhuman work was taking place: a work of higher beings within the etheric body of the ancient Indians. And what was woven into the etheric body was a work such as human beings will later achieve in the manner indicated when Atma works on the etheric body. — In Persian culture, it was then the case that Buddhi, or the life spirit, worked in the astral body, in the sentient body. — And in the Chaldean-Babylonian-Egyptian culture, Manas, or the spirit self, worked in the sentient soul. Thus, in Egyptian-Babylonian-Chaldean culture, the full active work of the I within the soul itself is still not pronounced. Human beings are still, albeit to a lesser degree than before, a passive arena for the work of Manas in the sentient soul. It is only in the Greek-Latin period that human beings enter fully and actively into their own soul life, so to speak. We know that it is the intellectual soul in which the ego first asserts itself as an independent inner human member, and we can therefore say that within Greek culture, the ego works in the ego, that is, the human being as such works in the human being. We will see in the course of these lectures that within the Greek epoch, the peculiarity of the culture of that time emerges precisely through the fact that the I works in the I.
[ 5 ] Jetzt aber sind wir schon seit geraumer Zeit über diese Kulturepoche hinaus; und während es in der vorgriechischen Zeit so war, daß gewissermaßen höhere Wesenheiten sich hineinversenkten in den menschlichen Wesenskern und darin arbeiteten, haben wir in unserer Zeit eine entgegengesetzte Aufgabe zu erfüllen. Wir müssen das, was wir durch unser Ich erarbeitet haben, was wir imstande sind, durch unsere Aktivität aus den Eindrücken der Außenwelt in uns aufzunehmen, zunächst auf ganz menschliche Art erwerben können. Dann aber dürfen wir nicht stehenbleiben bei dem Standpunkte, bei dem die Menschen der griechisch-lateinischen Zeit stehengeblieben sind, indem wir nur das Menschliche, das reine Menschentum als solches herausarbeiten. Sondern das, was wir uns erarbeiten, müssen wir hinauftragen und es einverweben dem, was da kommen soll, wir müssen sozusagen die Richtung hinauf nehmen nach dem, was später kommen soll: Manas oder Geistselbst. Das ist aber erst in der sechsten Kulturperiode zu erwarten. Jetzt stehen wir zwischen der vierten und sechsten. Die sechste verspricht der Menschheit, daß die Menschheit in der Lage sein werde, hinaufzutragen in höhere Regionen das, was erarbeitet wird durch die äußeren Eindrücke, die das Ich durch seine Sinne empfängt. In unserer fünften Kulturepoche sind wir nur in der Lage, sozusagen den Ansturm zu unternehmen, alles das, was wir uns erarbeiten an äußeren Eindrücken und was wir erlangen durch Verarbeitung dieser Eindrücke, so auszuprägen, daß es die Richtung nach oben empfangen kann. Wir leben in dieser Beziehung wahrhaftig in einer Übergangsepoche, und wenn Sie sich daran erinnern, was gestern über die in der Jungfrau von Orleans wirksame geistige Macht gesagt worden ist, so werden Sie sehen, daß schon in der Jungfrau von Orleans etwas von dem wirkte, was sich in entgegengesetzter Richtung bewegt als die Einwirkungen höherer Mächte in der vorgriechischen Zeit. Wenn, sagen wir, irgendein Angehöriger der persischen Kultur den Einfluß einer übersinnlichen Macht empfing, die sich seiner als Werkzeug bediente, so wirkte eben diese Macht in seinen menschlichen Wesenskern herein; sie lebte sich da aus, und der Mensch schaute, erlebte das, was ihm diese geistige Macht einpflanzte, womit sie ihn inspirierte. Der Mensch unserer Zeit kann, wenn er zu solchen geistigen Mächten in Beziehung tritt, das, was er in der physischen Welt durch die Arbeit seines Ich, durch die Eindrücke seines Ich erlebt, sozusagen hinauftragen, er kann ihm die Richtung nach oben geben. Daher ist es bei solchen Persönlichkeiten wie bei der Jungfrau von Orleans so, daß sich die Kundgebungen, die Manifestationen jener geistigen Mächte, die zu ihr sprechen wollen, zwar in der Sphäre befinden, bis zu welcher sie aufragt, daß sich aber vor diese Offenbarung etwas hinstellt, was zwar nicht die Realität dieser Offenbarungen beeinträchtigt, was ihnen aber eine bestimmte Gestalt gibt; es ist das, was das Ich hier in der physischen Welt erlebt. Mit anderen Worten: die Jungfrau von Orleans hat Offenbarungen, aber sie kann sie nicht so unmittelbar sehen wie die Alten, sondern es stellt sich zwischen sie in ihrer Ichheit und diese objektiven Mächte die Vorstellungswelt hinein, welche die Jungfrau von Orleans aufgenommen hat in der physischen Welt: das Bild der Jungfrau Maria, des Erzengels Michael, so wie sie sie aufgenommen hat aus ihren christlichen Vorstellungen; die stellen sich dazwischen.
[ 5 ] But we have now been beyond this cultural epoch for quite some time; and while in pre-Greek times it was the case that higher beings, so to speak, immersed themselves in the core of the human being and worked there, we have a different task to fulfill in our time. We must first acquire in a wholly human way what we have worked out through our ego, what we are able to take in through our activity from the impressions of the outer world. But then we must not remain at the stage where the people of the Greek-Latin era remained, working out only the human, pure humanity as such. Instead, we must carry what we have worked out upward and weave it into what is to come; we must, so to speak, take the direction upward toward what is to come later: Manas or the spirit self. But this can only be expected in the sixth cultural period. We now stand between the fourth and sixth. The sixth promises humanity that it will be able to carry up into higher regions what is worked out through the external impressions that the I receives through its senses. In our fifth cultural epoch, we are only able, so to speak, to make the initial effort to shape everything we acquire through external impressions and through the processing of these impressions in such a way that it can receive the upward direction. In this respect, we are truly living in a transitional epoch, and if you remember what was said yesterday about the spiritual power at work in the Virgin of Orleans, you will see that something was already at work in the Virgin of Orleans that moved in the opposite direction to the influences of higher powers in pre-Greek times. If, for example, a member of the Persian culture received the influence of a supersensible power that used him as an instrument, this power worked into the core of his human being; it lived out there, and the person saw and experienced what this spiritual power implanted in him, with which it inspired him. When people of our time come into contact with such spiritual powers, they can, so to speak, carry up to them what they experience in the physical world through the work of their ego, through the impressions of their ego; they can give it an upward direction. That is why, in the case of personalities such as the Virgin of Orleans, the manifestations of those spiritual powers that want to speak to her are indeed in the sphere to which she rises, but something stands before this revelation which, although it does not impair the reality of these revelations, gives them a certain form; it is what the ego experiences here in the physical world. In other words, the Maid of Orleans has revelations, but she cannot see them as directly as the ancients did. Instead, between her ego and these objective powers stands the world of ideas that the Maid of Orleans has absorbed in the physical world: the image of the Virgin Mary and the Archangel Michael, as she has absorbed them from her Christian ideas; these stand between them.
[ 6 ] Da haben wir zu gleicher Zeit ein Beispiel, wie wir unterscheiden müssen, wenn es sich um spirituelle Dinge handelt, zwischen der Objektivität einer Offenbarung und der Objektivität eines Bewußtseinsinhaltes. Die Jungfrau von Orleans sah die Jungfrau Maria und den Erzengel Michael in einem gewissen Bilde. Diese Bilder dürfen wir uns nicht unmittelbar in die spirituelle Realität hineindenken; der Gestalt dieser Bilder dürfen wir nicht unmittelbare Objektivität zuschreiben. Wenn aber jemand sagen würde, es sei nur eine Einbildung, so ist das Unsinn. Denn es kommen der Jungfrau Offenbarungen aus der geistigen Welt entgegen, die der Mensch in der Gestalt, wie er sie sehen soll in der nachatlantischen Periode, allerdings erst in der sechsten Kulturepoche, wird sehen können. Aber wenn auch die Jungfrau von Orleans die wahre Gestalt nicht sieht, so senkt sich diese wahre Gestalt doch auf sie nieder. Die Jungfrau von Orleans bringt ihr die religiösen Vorstellungen ihrer Zeit entgegen, sie deckt sie gleichsam zu; es wird aus ihr herausgefordert ihre Vorstellungswelt durch die spirituelle Macht. So ist also die Offenbarung als objektiv anzusprechen. Wenn auch in unserer Zeit irgend jemand nachweisen kann, daß bei einer Kundgebung aus der geistigen Welt subjektive Elemente einfließen, wenn wir das Bild, das sich der Betreffende macht von der spirituellen Welt, nicht als objektiv ansehen können, wenn das auch ein Schleier ist, so dürfen wir deshalb doch nicht die objektiven Offenbarungen als solche Schleier deuten. Sie sind objektiv. Sie zaubern aus unserer eigenen Seele den Inhalt heraus. Wir müssen unterscheiden zwischen der Objektivität des Inhaltes und der der Tatsachen, die aus der geistigen Welt kommen. — Ich mußte das insbesondere deshalb betonen, weil auf diesem Felde sowohl von denen, welche die spirituelle Welt anerkennen, wie auch von den Gegnern zwar entgegengesetzte, aber doch überall Fehler gemacht werden.
[ 6 ] Here we have an example of how we must distinguish between the objectivity of a revelation and the objectivity of the content of consciousness when dealing with spiritual matters. The Virgin of Orleans saw the Virgin Mary and the Archangel Michael in a certain image. We must not imagine these images directly into spiritual reality; we must not attribute immediate objectivity to the form of these images. But if someone were to say that it was only imagination, that would be nonsense. For the Virgin receives revelations from the spiritual world which human beings will be able to see in the form in which they are to be seen in the post-Atlantean period, albeit only in the sixth cultural epoch. But even if the Virgin of Orleans does not see the true form, this true form nevertheless descends upon her. The Virgin of Orleans confronts her with the religious ideas of her time, covering them, as it were; her world of ideas is challenged by the spiritual power. Thus, the revelation must be addressed as objective. Even if someone in our time can prove that subjective elements flow into a manifestation from the spiritual world, even if we cannot regard the image that the person concerned has of the spiritual world as objective, even if it is a veil, we must not interpret objective revelations as such veils. They are objective. They conjure up the content from our own soul. We must distinguish between the objectivity of the content and that of the facts that come from the spiritual world. I had to emphasize this in particular because in this field, both those who recognize the spiritual world and its opponents make mistakes, albeit opposite ones.
[ 7 ] So also stellt uns die Jungfrau von Orleans gleichsam eine historische Persönlichkeit dar, die schon ganz in dem Sinne unserer Epoche wirkt, wo ja zum Geistigen hinaufgerichtet sein muß alles das, was wir sozusagen produzieren können auf Grundlage unserer äußeren Eindrücke. Was heißt das aber, wenn wir es anwenden auf unsere Kultur? Das heißt: Wir mögen den Blick hinauswenden zunächst naiv auf unsere Umgebung. Wenn wir aber dabei bleiben, das Auge bloß auf die äußeren Eindrücke zu richten, dann tun wir nicht unsere Schuldigkeit. Wir tun sie nur dann, wenn wir uns bewußt sind, daß wir die äußeren Eindrücke beziehen müssen auf hinter ihnen stehende geistige Mächte. Wenn wir Wissenschaft treiben und machen es so wie die Gelehrsamkeit, dann tun wir nicht unsere Schuldigkeit. Wir müssen alles das, was wir erfahren können über die Gesetze der Naturerscheinungen, über die Gesetze der Seelenerscheinungen so betrachten, daß wir es wie eine Sprache anschauen, die uns hinaufführen soll in eine göttlich-geistige Offenbarung. Wenn wir das Bewußtsein haben, daß wir alle physikalischen, chemischen, biologischen, physiologischen, psychologischen Gesetze so betrachten sollen, daß wir sie auf etwas Geistiges beziehen, was sich uns offenbart, dann tun wir unsere Schuldigkeit.
[ 7 ] Thus, the Virgin of Orleans presents us, as it were, with a historical figure who already acts entirely in the spirit of our age, where everything we can produce on the basis of our external impressions must be directed toward the spiritual. But what does this mean when we apply it to our culture? It means that we may initially turn our gaze naively toward our surroundings. But if we continue to focus our eyes solely on external impressions, then we are not doing our duty. We only do our duty when we are aware that we must relate external impressions to the spiritual forces behind them. If we pursue science and do it like scholars, then we are not doing our duty. We must view everything we can learn about the laws of natural phenomena and the laws of spiritual phenomena as a language that will lead us up to a divine-spiritual revelation. If we are conscious that we must regard all physical, chemical, biological, physiological, and psychological laws in such a way that we relate them to something spiritual that reveals itself to us, then we are doing our duty.
[ 8 ] So ist es in bezug auf die Wissenschaften unserer Zeit, und so ist es mit der Kunst. Diejenige Kunst, die wir charakterisieren als die griechische Kunst, die sozusagen einfacher auf den Menschen reflektierte, die ganz und gar darstellte das bloß Menschliche, das Arbeiten des Ich mit dem Ich, insoweit sich das Ich im sinnlich-physischen Material ausdrückt, diese Kunst hat ihre Epochen gehabt. In unserer Zeit ist bei den wirklich großen künstlerischen Persönlichkeiten wie instinktiv der Drang entstanden, die Kunst zu einer Art von Opferdienst für die göttlich-geistigen Welten zu gestalten, das heißt das, was zum Beispiel in Töne gekleidet wird, anzusehen als eine Interpretation geistiger Mysterien. So wird man kulturhistorisch-okkult einmal anzuschauen haben bis in alle Einzelheiten hinein Richard Wagner. So wird man gerade ihn anzusehen haben als einen repräsentativen Menschen unseres, des fünften Kulturzeitraumes, der den Drang immer gefühlt hat, auszudrücken in dem, was in ihm in Tönen lebte, den Zug nach der spirituellen Welt, der das Kunstwerk als eine äußere Sprache der spirituellen Welt betrachtete. Und da stehen im Grunde genommen die Überbleibsel der alten Kultur und die Morgenröte einer neuen Kultur scharf, schroff selbst, in unserer Zeit sich gegenüber. Haben wir doch gesehen, wie sozusagen das rein menschliche Weben in den Tönen, die rein formale Musik, die Richard Wagner überwinden wollte, in heftiger Weise von den Gegnern Richard Wagners verteidigt wurde, weil sie nicht imstande waren, zu fühlen, daß gerade bei Richard Wagner ein neuer Impuls instinktiv wie eine Morgenröte aufging.
[ 8 ] This is true of the sciences of our time, and it is true of art. The art that we characterize as Greek art, which reflected more simply on human beings, which depicted entirely what was merely human, the working of the I with the I, insofar as the I expresses itself in sensual-physical material, this art has had its epochs. In our time, the truly great artistic personalities have instinctively felt the urge to make art a kind of sacrificial service to the divine-spiritual worlds, that is, to regard what is clothed in sound, for example, as an interpretation of spiritual mysteries. From a cultural-historical-occult perspective, we will one day have to examine Richard Wagner in all his details. We will have to regard him as a representative figure of our fifth cultural epoch, who always felt the urge to express in sound what lived within him, the pull toward the spiritual world, who regarded the work of art as an outer language of the spiritual world. And there, in our time, the remnants of the old culture and the dawn of a new culture stand sharply, even starkly, opposed to one another. We have seen how the purely human weaving in the tones, the purely formal music that Richard Wagner wanted to overcome, was fiercely defended by Richard Wagner's opponents because they were unable to feel that it was precisely in Richard Wagner that a new impulse was instinctively dawning like a dawn.
[ 9 ] Ich weiß nicht, ob die meisten von Ihnen wissen, daß Richard Wagner lange Zeit hindurch die herbsten, die furchtbarsten Kritiker und Ablehner gefunden hat. Diese Kritiker und Ablehner haben eine gewisse Art von Anführung gehabt in dem außerordentlich geistvollen musikalischen Schaffen Eduard Hanslicks in Wien, der das interessante Büchelchen «Vom musikalisch Schönen» geschrieben hat. Ich weiß nicht, ob Sie wissen, daß damit dem Neuaufgehen einer historischen Morgenröte das Alte sozusagen entgegengestellt war. Dieses Buch «Vom musikalisch Schönen» kann ein historisches Denkmal für die spätesten Zeiten werden. Denn was wollte Hanslick? Er sagt: Man kann nicht in dieser Weise Musik machen wie Richard Wagner; das ist gar keine Musik, denn da nimmt die Musik sozusagen den Anlauf, auf etwas hinweisen zu wollen, was außerhalb des Musikalischen steht, auf etwas Übersinnliches. Musik sei aber «Arabeske in Tönen» — das war ein Lieblingswort des Hanslick. Das heißt, eine arabeskenartige Aneinanderfügung von Tönen, und der musikalisch-ästhetische Genuß kann darin bestehen, sich rein menschlich zu erfreuen an der Art und Weise, wie die Töne ineinander und nacheinander erklingen. Hanslick sagte, Richard Wagner sei überhaupt kein Musiker, er verstehe gar nicht das Wesen des Musikalischen. Das Wesen der Musik müsse liegen in einer bloßen Architektonik des Tonmaterials. - Was kann man über eine solche Erscheinung sagen? Nichts anderes, als daß Hanslick im eminentesten Sinne ein Nachzügler, ein Reaktionär der vierten Kulturepoche war. Da hatte er recht - für diese Kulturepoche; aber was für eine Kulturepoche richtig ist, gilt nicht mehr für die nächste. Man kann von seinem Standpunkt aus sagen, Richard Wagner sei kein Musiker. Dann aber müßte man weiter sagen: Es ist diese Epoche jetzt vorbei, wir müssen uns nun mit dem zufriedengeben, was aus dieser Epoche stammt, wir müssen uns versöhnen damit, daß sich das im Hanslickschen Sinne Musikalische erweitert über sich selbst hinaus zu einem Neuen.
[ 9 ] I don't know if most of you are aware that Richard Wagner had the harshest, most terrible critics and detractors for a long time. These critics and detractors were led in a certain way by the extraordinarily intellectual musical work of Eduard Hanslick in Vienna, who wrote the interesting little book “On the Musical Beautiful.” I don't know if you are aware that this was, so to speak, opposed to the dawn of a new historical era. This book, “On the Beautiful in Music,” may become a historical monument for the latest times. For what did Hanslick want? He says: One cannot make music in the manner of Richard Wagner; that is not music at all, because there music takes a run-up, so to speak, to point to something that lies outside the musical, to something supernatural. Music, however, is “arabesque in tones” — that was one of Hanslick's favorite expressions. That is, an arabesque-like juxtaposition of tones, and the musical-aesthetic enjoyment can consist in purely human delight in the way the tones sound in and after one another. Hanslick said that Richard Wagner was not a musician at all, that he did not understand the essence of music. The essence of music must lie in the mere architecture of the tonal material. What can one say about such a phenomenon? Nothing other than that Hanslick was, in the most eminent sense, a laggard, a reactionary of the fourth cultural epoch. He was right—for that cultural epoch; but what is right for one cultural epoch is no longer valid for the next. From his point of view, one could say that Richard Wagner was not a musician. But then one would have to go on to say: that epoch is now over, we must now be content with what comes from that epoch, we must reconcile ourselves to the fact that, in Hanslick's sense, music expands beyond itself into something new.
[ 10 ] Und so könnten wir auf mancherlei Gebieten diesen Zusammenstoß des Alten und des Neuen gerade in unserer Kulturepoche studieren. Außerordentlich interessant ist das insbesondere in den einzelnen Zweigen der Wissenschaft. Es würde viel zu weit führen, wenn wir zeigen wollten, wie es da überall Reaktionäre gibt und solche, die herausarbeiten aus den einzelnen Wissenschaften, was die Wissenschaft werden soll: der Ausdruck eines hinter den Erscheinungen stehenden Göttlich-Geistigen. Das Grundelement, von dem sich die Gegenwart durchdringen muß, um immer bewußter das Göttlich-Geistige zum Zielpunkte, zum Perspektivpunkt für unsere Arbeit zu machen, das soll eben die Geisteswissenschaft sein, und die Geisteswissenschaft soll überall erwecken die Impulse von unten nach oben; sie soll überall die menschlichen Seelen auffordern zum Opfer, das heißt zum opfern dessen, was wir durch die äußeren Eindrücke erwerben, gegenüber dem, was wir erreichen sollen im Hinaufarbeiten in die Regionen des Geistselbstes, Lebensgeistes und Geistesmenschen.
[ 10 ] And so we could study this clash between the old and the new in many areas, especially in our cultural epoch. This is particularly interesting in the individual branches of science. It would go too far to show how there are reactionaries everywhere and those who work out from the individual sciences what science should be: the expression of the divine-spiritual behind appearances. The fundamental element that must permeate the present in order to make the divine-spiritual more and more conscious as the goal, as the perspective for our work, should be spiritual science, and spiritual science should everywhere awaken the impulses from below to above; it should everywhere call upon the human soul to sacrifice, that is, to sacrifice what we acquire through external impressions in comparison to what we should achieve in working our way up into the regions of the spirit itself, the life spirit, and the spirit human being.
[ 11 ] Wenn wir dieses Bild der menschlichen Geschichte, der okkulten Geschichte uns vor Augen stellen, dann werden wir es begreiflich finden, daß eine Seele, die in der indischen und dann in der persischen Epoche inkarniert war, durchdrungen sein konnte von dem inspirierenden Elemente einer Individualität der höheren Hierarchien; daß dann aber, als sie eintrat in die griechisch-lateinische Zeit, diese Seele mit sich allein war, daß diese Seele so arbeitete, daß das Ich im Ich eben arbeitete. Alles das, was in der vorgriechischen Epoche für alle einzelnen Zyklen der nachatlantischen Kulturen wie eine göttliche Eingebung, wie eine Offenbarung von oben erscheint — und es gilt das auch noch im Beginne der griechischen Kulturperiode für das 9., 10., 11. Jahrhundert der vorchristlichen Zeit -, was sich uns darstellt als eine inspirierte Kultur, in die von außen einfließt, was sie geistig erhalten soll, das gestaltet sich immer mehr und mehr dazu, rein menschlich-persönlich sich darzuleben. Und am stärksten findet das seinen Ausdruck gerade eben im Griechentum. Einen solchen Ausdruck des äußeren Menschen, wie er sich in der physischen Welt darlebt, für das, was der Mensch als auf sich gestellte Ich-Wesenheit ist, hat keine Zeit vorher gesehen und wird keine Zeit nachher wieder sehen können. Das rein Menschlich-Persönliche, das ganz in sich abgeschlossene Menschlich-Persönliche tritt in der antiken Lebensweise des Griechen und in seinen Schöpfungen historisch zutage. Vergleichen wir, wie in seine Göttergestalten der griechische Plastiker hineingeheimnißt hat das Menschlich-Persönliche! Wir können sagen: So wie uns ein griechisches plastisches Kunstwerk entgegentritt, soweit es durch physische Mittel zu erkennen ist, so steht der Mensch ganz als Persönlichkeit vor uns. Und wenn wir bei den Kunstwerken der Griechen nicht vergessen könnten, daß dieser Inkarnation, die uns da ausgedrückt wird, andere Inkarnationen vorangingen: und andere folgen werden, wenn wir nur einen Augenblick denken würden, daß der Apollogestalt und Zeusgestalt nur eine einzelne Inkarnation aus vielen zugrundeliegt, so würden wir nicht richtig empfinden dem griechischen Kunstwerk gegenüber. Da müssen wir vergessen können, daß der Mensch in aufeinanderfolgenden Inkarnationen sich verkörperte. Da ist die Persönlichkeit ganz hineingegossen in die Form der einen Persönlichkeit. Und so war das ganze Leben der Griechen.
[ 11 ] If we keep this picture of human history, of occult history, before our eyes, we will find it understandable that a soul that was incarnated in the Indian and then in the Persian epoch could be permeated by the inspiring elements of an individuality of the higher hierarchies; but that then, when it entered the Greek-Latin epoch, this soul was alone, that this soul worked in such a way that the I worked in the I. Everything that appears in the pre-Greek epoch for all the individual cycles of the post-Atlantean cultures as a divine inspiration, as a revelation from above — and this also applies at the beginning of the Greek cultural period for the 9th, 10th, 11th centuries of the pre-Christian era — what appears to us as an inspired culture into which flows from outside what it is to receive spiritually, this develops more and more into a purely human-personal way of living. And this finds its strongest expression precisely in Greek culture. No previous age has seen such an expression of the outer human being as he lives in the physical world, of what man is as a self-conscious being, and no age after this will ever see it again. The purely human-personal, the human-personal that is completely self-contained, comes to light historically in the ancient way of life of the Greeks and in their creations. Let us compare how the Greek sculptor has imbued his god-figures with the human-personal! We can say: to the extent that a Greek plastic work of art confronts us, insofar as it can be recognized by physical means, the human being stands before us entirely as a personality. And if we could not forget, when looking at Greek works of art, that this incarnation expressed to us was preceded by other incarnations and will be followed by others, if we could think for just a moment that the figures of Apollo and Zeus are based on only one incarnation out of many, we would not feel correctly toward Greek works of art. We must be able to forget that the human being has incarnated in successive incarnations. Here, the personality is completely poured into the form of one personality. And so was the whole life of the Greeks.
[ 12 ] Gehen wir dagegen weiter zurück, da werden die Gestalten symbolisch; da deuten die Gestalten etwas an, was nicht rein menschlich ist, da drücken sie etwas aus, was der Mensch noch nicht in sich selber fühlt. Da konnte er nur in Symbolen ausdrücken, was hereinkam aus göttlich-geistigen Welten. Daher die alte symbolisierende Kunst. — Und sehen wir wiederum, wie die Kunst heraufkommt gerade zu dem Volk, welches das Material hergeben soll zu unserem, zum fünften Kulturzeitraum — wir brauchen uns da nur die ältere deutsche Kunst zu vergegenwärtigen -—, da sehen wir, wie wir es nicht mit einer Symbolik, aber auch nicht mit einer Ausprägung des rein Menschlichen zu tun haben, sondern mit dem in sich vertieften Seelischen; wir sehen, wie da das Seelische sozusagen nicht ganz hineinkann in die Menschengestalt. Wer könnte gerade die Gestalten Albrecht Dürers anders charakterisieren, als daß bei ihnen dasjenige, was nach der übersinnlichen Welt im Menschen verlangt, man möchte sagen, im griechischen Sinne genommen nur einen unvollkommenen Ausdruck findet in der äußeren Ausgestaltung der Körperlichkeit. Daher die Vertiefung nach dem Seelischen, je weiter die Kunst heraufkommt.
[ 12 ] If we go further back, however, the figures become symbolic; they hint at something that is not purely human, they express something that man does not yet feel within himself. He could only express in symbols what came in from the divine-spiritual worlds. Hence the ancient symbolic art. And let us see again how art arises precisely among the people which is to provide the material for our fifth cultural epoch — we need only think of older German art — we see that we are not dealing with symbolism, nor with an expression of the purely human, but with the soul in its deepest depths; we see how the soul cannot, so to speak, enter completely into the human form. Who could characterize Albrecht Dürer's figures other than by saying that in them, what longs for the supersensible world in human beings finds, one might say, in the Greek sense, only an imperfect expression in the outer form of physicality. Hence the deepening toward the soul the further art advances.
[ 13 ] Und jetzt werden Sie es nicht mehr unbegreiflich finden, daß ich in der ersten Stunde sagte: Es erscheint in der physischen Welt das, was früher verkörpert war, wie ein Abbild; in die Individualität flossen herein Wesenheiten der höheren Hierarchien. So daß, wenn wir von einem Menschen der griechischen Welt in früheren Zeiten sagen müssen, er war inkarniert, wir nicht nur diese in sich geschlossene Wesenheit sehen müssen, sondern hinter ihr stehend die Individualität einer höheren Hierarchie. So tritt uns in der griechisch-lateinischen Periode Alexander, so tritt uns Aristoteles gegenüber. Wir verfolgen ihre Individualitäten nach rückwärts. Da müssen wir von Alexander zurückgehen zu Gilgamesch und sagen: Bei Gilgamesch ist diese Individualität, die dann wie auf den physischen Plan herausprojiziert als Alexander erscheint; hinter ihr müssen wir einen Feuergeist sehen, der sich seiner als Werkzeug bedient. Und bei Aristoteles sehen wir, zurückgehend in der Zeit, die Mächte des alten Hellsehens wirken in dem Freunde des Gilgamesch. So also sehen wir sowohl junge wie alte Seelen, hinter denen früher Hellsichtigkeit stand, ganz herausgestellt in der griechischen Zeit auf den physischen Plan. Und so tritt uns das ganz besonders bei der großen Mathematikerin Hypatia entgegen, bei der sozusagen die ganze mathematische und philosophische Weisheit ihrer Zeit als persönliches Können, als persönliche Wissenschaft und Weisheit lebte. Das war abgeschlossen in der Persönlichkeit der Hypatia. Und wir werden noch sehen, wie diese Individualität gerade die weibliche Persönlichkeit annehmen mußte, um eine so weiche Zusammengeschlossenheit alles dessen auszuprägen, was sie früher aufgenommen hatte in den orphischen Mysterien, um alles das als persönliche Wirkungsweise auszuprägen, was sie dort vermittels der Inspiratoren als ein Schüler der orphischen Mysterien aufgenommen hatte.
[ 13 ] And now you will no longer find it incomprehensible that I said in the first lesson: What was formerly embodied appears in the physical world as an image; beings from the higher hierarchies flowed into individuality. So that when we have to say of a person of the Greek world in earlier times that he was incarnated, we must not only see this self-contained being, but behind it the individuality of a higher hierarchy. This is how Alexander appears to us in the Greek-Latin period, this is how Aristotle appears to us. We trace their individualities backwards. We must go back from Alexander to Gilgamesh and say: in Gilgamesh we find this individuality, which is then projected onto the physical plane and appears as Alexander; behind it we must see a fire spirit that uses him as its instrument. And in Aristotle, going back in time, we see the powers of ancient clairvoyance at work in the friend of Gilgamesh. Thus we see both young and old souls, behind whom clairvoyance once stood, fully revealed in the Greek era on the physical plane. And this is particularly evident in the great mathematician Hypatia, in whom, so to speak, all the mathematical and philosophical wisdom of her time lived as personal ability, as personal science and wisdom. This was complete in the personality of Hypatia. And we will see how this individuality had to take on the female personality in order to express the gentle unity of everything she had previously absorbed in the Orphic mysteries, in order to express as her personal mode of activity everything she had absorbed there as a disciple of the Orphic mysteries through her inspirers.
[ 14 ] So sehen wir also, wie in aufeinanderfolgende Menschheitsinkarnationen Einflüsse aus der geistigen Welt modifizierend eintreten. Und nur hinweisen kann ich darauf, daß gerade eine solche Individualität wie diejenige, die als Hypatia inkarniert war, die also mitbrachte die Weisheit der orphischen Mysterien und sie persönlich auslebte, dann in einer nachfolgenden Inkarnation berufen war, nun den umgekehrten Weg einzuschlagen: alle persönliche Weisheit wiederum hinaufzutragen zum Göttlich-Geistigen. Daher erscheint Hypatia ungefähr um die Wende des 12. zum 13. Jahrhundert als ein bedeutender, umfassender, universeller Geist der neueren Geschichte, der einen großen Einfluß hat auf das, was Zusammenfassung des naturwissenschaftlichen und auch des philosophischen Erkennens ist. So also sehen wir, wie hineindringen in die aufeinanderfolgenden Inkarnationen der einzelnen Individualitäten die historischen Mächte.
[ 14 ] So we see how influences from the spiritual world enter in a modifying way in successive human incarnations. And I can only point out that precisely such an individuality as that which was incarnated as Hypatia, who thus brought with her the wisdom of the Orphic mysteries and lived it out personally, was then called upon in a subsequent incarnation to take the opposite path: to carry all personal wisdom back up to the divine-spiritual. This is why Hypatia appears at the turn of the 12th to the 13th century as an important, comprehensive, universal spirit of modern history, who has a great influence on what is the synthesis of scientific and philosophical knowledge. So we see how historical forces penetrate into the successive incarnations of individual beings.
[ 15 ] Wenn wir so den Verlauf der Geschichte betrachten, dann sehen wir wirklich eine Art Niederstieg aus geistigen Höhen bis in die griechischlateinische Zeit und dann wiederum einen Aufstieg: ein Aufsammeln des rein vom physischen Plan zu gewinnenden Materials während der griechischen Zeit — das dauert natürlich herein bis in unsere Zeit —- und ein Wiederhinauftragen in die geistige Welt, zu dem ein Impuls geschaffen werden soll durch die Geisteswissenschaft, und wozu schon einen instinktiven Impuls gehabt hat eine solche Persönlichkeit wie Hypatia, die im 13. Jahrhundert wieder verkörpert war.
[ 15 ] If we look at the course of history in this way, we really see a kind of descent from spiritual heights down to the Greco-Latin period and then an ascent again: a gathering of the material to be gained purely from the physical plane during the Greek period — which of course continues into our time — and a transfer back into the spiritual world, for which an impulse is to be created through spiritual science, and for which an instinctive impulse was already present in a personality such as Hypatia, who was reincarnated in the 13th century.
[ 16 ] Ich möchte an dieser Stelle, meine lieben Freunde, weil die allgemeine Theosophische Gesellschaft in gewisser Beziehung ein Tummelplatz ist von Mißverständnissen, ich möchte hinweisen darauf, daß wirklich unendlich viel von diesen Mißverständnissen wie rein aus den Fingern gesogen ist. So will man gerne dasjenige, was zum Beispiel hier vorgetragen wird innerhalb unserer deutschen Bewegung, in einen gewissen Gegensatz bringen zu dem, was ursprünglich die Offenbarung der theosophischen Bewegung in der neueren Zeit war. Deshalb ergreife ich gerne die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, wie das, was hier aus ursprünglich rosenkreuzerischem Quell gegeben wird, in Harmonie steht mit mancherlei von dem, was gerade ursprünglich der theosophischen Bewegung gegeben worden ist. Und wir haben ja in diesem Augenblick gerade Gelegenheit, auf etwas hinzuweisen, was von dieser Art ist. Es ist also von mir gesagt und ganz unabhängig von Traditionen entwickelt worden, daß gewisse spätere historische Persönlichkeiten gleichsam die Schattenbilder sind von früheren, durch die Mythen dargestellten Persönlichkeiten, hinter denen höhere Hierarchien stehen. Solches darf man nicht in Widerspruch bringen mit denjenigen Manifestationen, die durch H.P. Blavatsky in die Theosophische Gesellschaft hineingebracht worden sind. Denn sonst könnte man durch ein reines Mißverständnis sich sehr wohl in einen Widerspruch versetzen zu den guten alten Lehren, die durch das außerordentliche, brauchbare Instrument von H.P.Blavatsky der theosophischen Bewegung zugeflossen sind. Aber in bezug auf das, was hier entwickelt worden ist, möchte ich Ihnen eine Stelle aus den späteren Schriften der Blavatsky vorlesen, wo sie auf die «Entschleierte Isis», ihr ältestes okkultes Werk, hinweist. Da möchte ich die folgende Stelle Ihnen vorlesen, damit Sie sehen, wie das, was von solchem Widerspruch gesagt wird, im Grunde genommen, ich kann nicht anders sagen, aus den Fingern gesogen ist:
[ 16 ] At this point, my dear friends, because the general Theosophical Society is in a certain sense a playground for misunderstandings, I would like to point out that an infinite number of these misunderstandings are purely fabricated. For example, people like to contrast what is presented here within our German movement with what was originally the revelation of the theosophical movement in modern times. That is why I am happy to take this opportunity to point out how what is given here from originally Rosicrucian sources is in harmony with much of what was originally given to the theosophical movement. And we have the opportunity at this moment to point out something of this nature. I have said, and this has been developed quite independently of traditions, that certain later historical personalities are, as it were, the shadow images of earlier personalities represented by myths, behind whom higher hierarchies stand. This should not be brought into contradiction with the manifestations brought into the Theosophical Society by H.P. Blavatsky. Otherwise, through a mere misunderstanding, one could very well find oneself in contradiction to the good old teachings that flowed into the theosophical movement through the extraordinary and useful instrument of H.P. Blavatsky. But in relation to what has been developed here, I would like to read to you a passage from Blavatsky's later writings, where she refers to “Isis Unveiled,” her oldest occult work. I would like to read the following passage to you so that you can see how what is said about such contradictions is, in essence, I cannot say otherwise, pulled out of thin air:
[ 17 ] «Außer dem beständigen Wiederholen der alten stets bestehenden Tatsache von Reinkarnation und Karma — und zwar in der Art, wie es die älteste Wissenschaft der Welt, nicht der Spiritismus von heute, gelehrt hat — sollten die Okkultisten eine zyklische und mit der Evolution Schritt haltende Reinkarnation lehren: jene Art der Wiedergeburt, geheimnisvoll und noch unverständlich für die vielen, die nichts wissen von jener Geschichte der Welt, auf welche wir vorsichtig hingewiesen haben in der «Entschleierten Isis. Eine allgemeine Wiedergeburt für jedes Individuum mit Zwischenpausen von Kama Loca und Devachan, und eine zyklische bewußte Inkarnation mit einem großen und göttlichen Ziel für Wenige. Jene großen Charaktere, die in der Geschichte der Menschheit gleich Riesen emporragen, wie Siddharta Buddha und Jesus auf geistigem Gebiet, wie Alexander von Mazedonien und Napoleon der Große auf dem Gebiete physischer Eroberungen, sind nichts als widergespiegelte Bilder großer Urbilder, welche existierten — nicht vor zehntausend Jahren, wie in der «Entschleierten Isis> vorsichtig erwähnt wurde -, sondern während Millionen von aufeinanderfolgenden Jahren, vom Beginne des Mänvantara an. Denn wie oben erklärt wurde — mit Ausnahme der wirklichen Avataras sind diese Abbilder ihrer Urbilder, ein jedes entsprechend seiner eigenen ElternFlamme, dieselben ungebrochenen Strahlen (Monaden), genannt Devas, Dhyan Chohans oder Dhyanii Buddhas oder auch Planetengeister und so weiter, die durch äonenlange Ewigkeit gleich ihren Urbildern leuchten. Nach ihrem Bilde werden einige Menschen geboren, und wenn irgendein besonderes humanitäres Ziel in Aussicht genommen ist, werden diese letzteren hypostatisch beseelt von ihren göttlichen Urbildern, die immer wieder hervorgebracht werden durch die geheimnisvollen Mächte, welche die Schicksale der Welt leiten und lenken.»
[ 17 ] “Apart from constantly repeating the ancient and ever-existing fact of reincarnation and karma — in the manner taught by the oldest science in the world, not by today's spiritualism — occultists should teach a cyclical reincarnation that keeps pace with evolution: that kind of rebirth which is mysterious and still incomprehensible to the many who know nothing of that history of the world to which we have cautiously referred in Isis Unveiled. A general rebirth for every individual with intermediate periods of Kama Loka and Devachan, and a cyclical conscious incarnation with a great and divine goal for a few. Those great characters who tower like giants in the history of humanity, such as Siddhartha Buddha and Jesus in the spiritual realm, and Alexander of Macedonia and Napoleon the Great in the realm of physical conquest, are nothing but reflections of great archetypes that existed—not ten thousand years ago, as was cautiously mentioned in The Veils of Isis, but during millions of successive years, from the beginning of the Manvantara. For, as explained above, with the exception of the real avatars, these images of their archetypes, each corresponding to its own parent flame, are the same unbroken rays (monads), called devas, Dhyan Chohans or Dhyanii Buddhas, or even planetary spirits, and so on, which shine like their archetypes through eons of eternity. Some humans are born in their image, and when some special humanitarian goal is in view, the latter are hypostatically animated by their divine archetypes, which are brought forth again and again by the mysterious powers that guide and direct the destinies of the world.”
[ 18 ] «Mehr durfte nicht gesagt werden zu der Zeit, als die «Entschleierte Isis» geschrieben wurde; deshalb blieb das Gesagte beschränkt auf die bloße Bemerkung, daß es keinen hervorragenden Charakter in den Annalen der heiligen oder profanen Geschichte gibt, dessen Urbild wir nicht finden könnten in den halb sagenhaften und halb realen Überlieferungen vergangener Religionen und Mythologien. So wie der Stern, der in der schrankenlosen Unendlichkeit des Himmels in unermeßlicher Entfernung über unseren Häuptern strahlt, sich spiegelt in den stillen Gewässern eines Sees, so wird widergespiegelt das Bild der Menschheit vorsintflutlicher Zeiten in jenen Perioden, die wir mit einem geschichtlichen Rückblick umfassen können...»
[ 18 ] “More could not be said at the time when “The Veil of Isis” was written; therefore, what was said was limited to the mere remark that there is no outstanding character in the annals of sacred or profane history whose archetype we cannot find in the half-legendary and half-real traditions of past religions and mythologies. Just as the star that shines in the boundless infinity of the heavens at an immeasurable distance above our heads is reflected in the still waters of a lake, so the image of humanity in antediluvian times is reflected in those periods that we can encompass with a historical review...”
[ 19 ] Wie gesagt, ich ergreife gerne die Gelegenheit, um die Übereinstimmung dessen, was wir in unmittelbarer Gegenwart erforschen können, mit dem, was in gewisser Beziehung ursprüngliche Offenbarung war, hervorzuheben. Sie wissen ja, daß es Grundsatz hier ist, in gewisser Hinsicht treu festzuhalten an den Traditionen der theosophischen Bewegung; daß aber auch nichts ungeprüft hier wiederholt wird, das betone ich ausdrücklich; darauf kommt es an. Wo eine Übereinstimmung des Erkannten mit anderem betont werden kann, soll es wegen der Kontinuität der Theosophischen Gesellschaft scharf hervorgehoben werden, der Gerechtigkeit gemäß; aber ungeprüft soll nichts einfach wiederholt werden. Das hängt mit der Mission zusammen, die wir gerade innerhalb unserer deutschen theosophischen Bewegung haben — eben den eigenen Einschlag hineinzutragen, den individuellen Einschlag in diese theosophische Bewegung. Aber gerade solche Beispiele können Ihnen ein Bild davon geben, wie unbegründet das Vorurteil ist, das da und dort hervorwächst, als ob wir durchaus in den Dingen immer etwas anderes haben wollten. Wir arbeiten treu weiter, wir kramen nicht sozusagen immerfort die alten Dogmen aus, wir prüfen auch das, was heute von anderer Seite geboten wird. Und wir vertreten das, was mit dem besten okkulten Gewissen gesagt werden kann auf Grundlage der ursprünglichen okkulten Forschungen und der Methoden, die uns überliefert sind durch unsere eigenen heiligen Überlieferungen des Rosenkreuzes.
[ 19 ] As I said, I am happy to take this opportunity to emphasize the correspondence between what we can investigate in the immediate present and what was, in a certain sense, original revelation. You know that it is a principle here to adhere faithfully, in a certain sense, to the traditions of the Theosophical Movement; but I emphasize that nothing is repeated here without being tested; that is what matters. Where a correspondence between what has been recognized and something else can be emphasized, it should be sharply highlighted for the sake of continuity in the Theosophical Society, in accordance with justice; but nothing should be repeated simply without being tested. This has to do with the mission we have within our German Theosophical movement—namely, to bring our own individual contribution to this Theosophical movement. But such examples can give you a picture of how unfounded the prejudice is that arises here and there, as if we always wanted something different in things. We continue to work faithfully; we do not, so to speak, constantly dig up old dogmas; we also examine what is offered today from other sources. And we represent what can be said with the best occult conscience on the basis of the original occult research and methods handed down to us through our own sacred traditions of the Rosicrucians.
[ 20 ] Es ist nun außerordentlich interessant, an einer einzelnen Persönlichkeit zu zeigen, wie gewissermaßen das Alte, das in die Menschheit hereininspiriert worden ist unter dem Einfluß höherer Mächte, sozusagen einen auf den physischen Plan hingeordneten Charakter bei den Menschen des griechisch-lateinischen Zeitalters angenommen hat. Da können wir als ein Beispiel anführen, wie Eabani in derjenigen seiner Inkarnationen, die zwischen der Persönlichkeit des Eabani und des Aristoteles liegt, unter dem Einfluß der alten Mysterienlehren mit ihren aus den übersinnlichen Welten herabkommenden Kräften aufnehmen konnte das, worauf eigentlich in gewissen Mysterienschulen die Fortentwickelung der menschlichen Seele beruht. Wir wollen jetzt nicht wiederholen, was Charaktereigentümlichkeit der verschiedenen Mysterienschulen war, wir wollen auf eine Art derselben unseren geistigen Blick richten, auf jene, wo durch die Erregung ganz bestimmter Gefühle die Seele fortentwickelt wurde, so daß sie eindringen lernte in die überphysische Welt. In solchen Mysterien wurden in der Seele namentlich jene Empfindungen, jene Impulse erregt, die geeignet waren, von Grund aus allen Egoismus auszurotten aus der Seele. Es wurde der Seele klargemacht, wie sie im Grunde genommen immer egoistisch sein muß, wenn sie im physischen Leibe verkörpert ist. Es wurde der ganze Umfang und die ganze Bedeutung des Egoismus für den physischen Plan sozusagen in Impulsen auf die entsprechende Seele abgeladen. Und tief, tief zerknirscht fühlte sich eine solche Seele, die sich sagen mußte: Ich habe bisher nichts anderes gekannt als den Egoismus, ich kann ja im physischen Leibe gar nichts anderes sein als ein Egoist. Ja, weit ist eine solche Seele entfernt worden von dem billigen Standpunkte solcher Menschen, die als jedes zweite Wort im Munde führen: Ich will ja die Sache nicht für mich, sondern für einen anderen. Den Egoismus zu überwinden und den Zug nach dem Allgemein-Menschlichen und Kosmischen sich anzueignen, ist nicht so leicht, wie mancher sich vorstellt. Diesem Aneignen muß vorangehen eine völlige Niederschmetterung der Seele über den Umfang des Egoismus in den Impulsen dieser Seele. Mitleid mit allem Menschlichen, mit allem Kosmischen mußte die Seele lernen in den Mysterien, die ich da meine, Mitleid durch die Überwindung des physischen Planes. Dann konnte man von ihr hoffen, daß sie wieder heruntertragen würde aus den höheren Welten das wahrhafte Mitgefühl für alles Lebendige und alles Seiende.
[ 20 ] It is now extremely interesting to show, using a single personality, how the old, which was inspired into humanity under the influence of higher powers, took on a character that was, so to speak, oriented toward the physical plane in the people of the Greek-Latin age. We can cite as an example how Eabani, in one of his incarnations between the personalities of Eabani and Aristotle, was able to absorb, under the influence of the ancient mystery teachings with their forces descending from the supersensible worlds, that upon which the further development of the human soul is actually based in certain mystery schools. We do not wish to repeat here the characteristics of the various mystery schools, but we do wish to turn our spiritual gaze to one of them, where the soul was developed through the arousal of very specific feelings, so that it learned to penetrate the superphysical world. In such mysteries, those feelings and impulses were aroused in the soul that were capable of eradicating all egoism from the soul. It was made clear to the soul how, in essence, it must always be egoistic when embodied in the physical body. The entire scope and meaning of egoism for the physical plane was, so to speak, unloaded in impulses onto the corresponding soul. And such a soul felt deeply, deeply contrite, having to say to itself: I have known nothing but egoism up to now; I cannot be anything other than an egoist in the physical body. Yes, such a soul has been led far away from the cheap standpoint of those people who say every other word: 'I don't want this thing for myself, but for someone else. ' Overcoming egoism and acquiring the tendency toward the universal human and cosmic is not as easy as some people imagine. This acquisition must be preceded by a complete crushing of the soul over the extent of egoism in the impulses of this soul. The soul had to learn compassion for everything human, for everything cosmic, in the mysteries I am referring to, compassion through the overcoming of the physical plane. Then one could hope that it would bring down from the higher worlds true compassion for all living things and all that exists.
[ 21 ] Aber noch ein anderes Gefühl sollte namentlich entwickelt werden als ein Hauptgefühl neben mancherlei anderem. Wenn der Mensch eindringen soll in die geistige Welt, dann muß er sich klar sein, daß dort alles anders ist als in der physischen Welt. Wie vor einem völlig Unbekannten muß man stehen, wenn man der geistigen Welt Auge in Auge gegenübertritt. Da ist wirklich das Gefühl vorhanden, durch das man in Gefahr gerät, das Gefühl der Furcht vor dem Unbekannten. Und deshalb mußte die Seele in solchen Mysterien durchleben alles, was die Seele des Menschen überhaupt an Furcht und Angst und Schreck und Grauen erleben konnte, um sich abzugewöhnen die Gefühle von Furcht und Angst und Schreck und Grauen. Dann war der Mensch gewappnet, hinaufzusteigen in die ihrem Inhalte nach ihm unbekannte geistige Welt. So mußte also die Seele des Schülers der Mysterien durchgehen durch die Erziehung zum umfassenden universellen Gefühl des Mitleids und zum universellen Gefühl der Furchtlosigkeit. Das machte jede Seele in denjenigen alten Mysterien durch, an denen Eabani teilnahm, als er wieder erschienen war in der Inkarnation, die zwischen Eabani und Aristoteles steht. Das machte auch er durch. Und nun trat das wie eine Erinnerung an frühere Inkarnationen in Aristoteles zutage. Er konnte deshalb die Theorie der Tragödie geben, weil er aus solchen Erinnerungen heraus beim Anschauen der griechischen Tragödie darauf kam, wie in dieser ein Nachklang ist, gleichsam ein äußeres, auf den physischen Plan herausgetragenes Nachspiel der Mysterienerziehung, wo die Seele durch Mitleid und Furcht geläutert wird. So sollte der dramatische Held und der ganze Aufbau einer Tragödie vor den Zuschauern etwas darleben, woran der Zuschauer abgeschwächt erleben kann Mitleid mit dem Schicksal des tragischen Helden und Furcht vor dem Ausgang seines Schicksals, vor dem schauervollen Tod, der ihm winkt. So war hineinverwoben in den dramatischen Fortgang der Tragödie, in das Weben und Leben der Tragödie, was in der Seele des alten Mysten vorging: die Läuterung, die Reinigung, die Katharsis durch Furcht und Mitleid. Und wie ein Nachklang sollte auf dem physischen Plan der Angehörige der griechischen Kulturperiode empfinden den Durchgang durch Furcht und Mitleid. Künstlerisch sollte man erleben, ästhetisch genießen das, was früher ein großes Erziehungsprinzip war. Und als das, was Aristoteles in früheren Inkarnationen gelernt hatte, in seine Persönlichkeit kam, da war er der geeignete Mann, diese eigenartige Definition der Tragödie zu geben, die so klassisch geworden ist und so großartig gewirkt hat, daß sie im 18. Jahrhundert noch von Lessing aufgenommen wurde und durch das 19. Jahrhundert hindurch eine solche Rolle gespielt hat, daß über diese Definition ganze Bibliotheken geschrieben worden sind. Man würde übrigens nicht viel verlieren, wenn der größte Teil dessen, was in den Bibliotheken liegt, verbrannt würde, denn es wurde mit einem vollständigen Verkennen dessen geschrieben, was vorhin gesagt worden ist, daß wir es nämlich damit zu tun haben, daß in die Kunst etwas herunterprojiziert wird, was im Geistigen liegt. Und die das schrieben, ahnten nicht, daß Aristoteles ein altes Mysteriengeheimnis gab, wenn er sagte: Eine Tragödie ist eine Zusammenfügung aufeinanderfolgender Handlungen, die gruppiert werden um einen Helden und die geeignet sind, im Zuschauer das Gefühl von Furcht und Mitleid zu erregen, damit eine Läuterung in der Seele des Zuschauers eintreten könne.
[ 21 ] But another feeling should be developed as a main feeling alongside many others. If human beings are to penetrate the spiritual world, they must be clear that everything there is different from the physical world. One must stand before the spiritual world as before something completely unknown when one comes face to face with it. There is a real feeling of being in danger, a feeling of fear of the unknown. And that is why, in such mysteries, the soul had to experience everything that the human soul could possibly experience in terms of fear, anxiety, terror, and horror, in order to wean itself of these feelings of fear, anxiety, terror, and horror. Then the human being was equipped to ascend into the spiritual world, which was unknown to him in terms of its content. Thus, the soul of the student of the mysteries had to go through an education that led to a comprehensive universal feeling of compassion and a universal feeling of fearlessness. Every soul went through this in the ancient mysteries in which Eabani participated when he reappeared in the incarnation between Eabani and Aristotle. He also went through this. And now this came to light in Aristotle as a memory of earlier incarnations. He was able to give the theory of tragedy because, out of such memories, when he looked at Greek tragedy, he realized how it was an echo, as it were, an external afterplay of the mystery education, carried out on the physical plane, where the soul is purified through compassion and fear. Thus, the dramatic hero and the entire structure of a tragedy were supposed to bring to life before the audience something that the audience could experience in a mitigated form: compassion for the fate of the tragic hero and fear of the outcome of his fate, of the gruesome death that awaited him. Thus, what was going on in the soul of the ancient mystic was woven into the dramatic progression of the tragedy, into the weaving and life of the tragedy: purification, cleansing, catharsis through fear and compassion. And like an echo, the members of the Greek cultural period were supposed to experience the passage through fear and pity on the physical plane. Artistically, one was supposed to experience and aesthetically enjoy what had formerly been a great educational principle. And when what Aristotle had learned in earlier incarnations came into his personality, he was the right man to give this peculiar definition of tragedy, which has become so classic and has had such a magnificent effect that it was still taken up by Lessing in the 18th century and played such a role throughout the 19th century that entire libraries have been written about this definition. Incidentally, we would not lose much if most of what is in the libraries were burned, for it was written with a complete misunderstanding of what has been said earlier, namely that we are dealing with something being projected down into art from the spiritual realm. And those who wrote this did not suspect that Aristotle was revealing an ancient mystery when he said: A tragedy is a combination of successive actions grouped around a hero and capable of arousing feelings of fear and pity in the audience, so that a purification of the soul may take place.
[ 22 ] So sehen wir, daß in einer einzelnen Persönlichkeit, in dem, was sie will und sagt, abschattiert ist, was uns nur dann verständlich wird, wenn wir durch die Persönlichkeit durchblicken auf denjenigen, der dahintersteht, auf den Inspirator. Erst wenn Sie die Geschichte so betrachten, können Sie sehen, was die Persönlichkeit und was die überpersönlichen Mächte für das geschichtliche Leben bedeuten, wie da etwas hereinspielt in die individuellen Inkarnationen, was Frau Blavatsky nennt das Zusammenspiel von persönlichen individuellen Inkarnationen, und dem, was sie schildert, indem sie sagt: «Aber neben der alten stets bestehenden Tatsache von Reinkarnation und Karma sollten die Okkultisten eine zyklische und mit der Evolution Schritt haltende Reinkarnation verkünden» und so weiter. Sie nennt das eine bewußte Reinkarnation, weil für die meisten Menschen doch heute die aufeinanderfolgenden Inkarnationen für das Ich unbewußt bleiben, während die geistigen Mächte, die da von oben hereinwirken, in der Tat mit Bewußtsein ihre Kraft von einem Zeitalter in das andere zyklisch hinübertragen.
[ 22 ] Thus we see that in a single personality, in what it wants and says, there is a shadow of something that only becomes understandable to us when we see through the personality to the one behind it, to the inspirer. Only when you look at history in this way can you see what the personality and the superpersonal forces mean for historical life, how something comes into play in the individual incarnations, what Madame Blavatsky calls the interplay of personal individual incarnations, and what she describes when she says: “But alongside the ancient and ever-existing fact of reincarnation and karma, occultists should proclaim a cyclical reincarnation that keeps pace with evolution,” and so on. She calls this conscious reincarnation, because for most people today, successive incarnations remain unconscious to the ego, while the spiritual forces that work from above do indeed consciously transfer their power from one age to another in a cyclical manner.
[ 23 ] Das also, was da steht als eine Offenbarung dessen, was Blavatsky in ihrer ersten Zeit aus den Rosenkreuzermysterien heraus sagte, das ist durchaus zu kontrollieren und festzustellen durch ursprüngliche Forschungen. Daraus aber werden Sie sehen, daß jene bequeme Art, die eine Inkarnation immer nur als die Wirkung einer vorhergehenden Verkörperung auffaßt, wesentlich modifiziert wird. Und Sie werden begreifen, daß Reinkarnation eine viel kompliziertere Tatsachenwelt ist, als man gewöhnlich annimmt, und daß wir sie vollkommen nur dann verstehen, wenn wir den Menschen angliedern an eine höhere überphysische Welt, die fortwährend in unsere Welt hereinwirkt. Wir können sagen, daß in jenem Zwischenraum, den wir als die griechisch-lateinische Kultur bezeichnen, dem Menschen Zeit gelassen wurde, alles das, was aus höheren Welten in die Seele durch lange Inkarnationenreihen hindurch gelegt worden war, nachzuempfinden, nachklingen zu lassen einmal über einem rein menschlichen Ich. Was die griechisch-lateinische Welt auslebte, war wie ein menschlich-persönliches Ausleben unendlicher Erinnerungen, die früher von höheren Welten in dieselben Individualitäten hineingelegt worden waren. Dürfen wir uns deshalb wundern, wenn die bedeutendsten Geister gerade der griechischen Welt das sich besonders zum Bewußtsein bringen? Sie sagten sich, wenn sie hineinschauten in ihre Innenwelt: Da strömt es heraus, da dehnen sich Welten in unsere Persönlichkeit hinein; die sind aber Erinnerungen an das, was früher von den geistigen Welten hineingegossen worden ist in uns. — Lesen Sie bei Plato, wie er das, was der Mensch erleben kann, zurückführt auf eine Erinnerung der Seele an ihre vergangenen Erlebnisse. Da sehen Sie, wie aus einem tief realen Bewußtsein der vierten nachatlantischen Epoche heraus ein solcher Geist wie Plato geschöpft hat. Wir lernen erst verstehen, was solch ein einzelner Ausspruch einer so markanten Persönlichkeit bedeutet, wenn wir okkult hineinschauen können in den Geist der Epochen.
[ 23 ] So what is written there as a revelation of what Blavatsky said in her early days from the Rosicrucian mysteries can be thoroughly verified and confirmed by original research. From this, however, you will see that the convenient way of always understanding incarnation as merely the effect of a previous embodiment is significantly modified. And you will understand that reincarnation is a much more complicated reality than is usually assumed, and that we can only understand it completely if we connect human beings to a higher, superphysical world that continuously influences our world. We can say that in that intermediate space which we call the Greco-Latin culture, human beings were given time to relive and allow to resonate within themselves, through a long series of incarnations, everything that had been placed in the soul from higher worlds. What the Greek-Latin world lived out was like a human-personal living out of infinite memories that had previously been placed into the same individualities by higher worlds. Should we therefore be surprised when the most significant spirits of the Greek world in particular bring this to consciousness? When they looked into their inner world, they said to themselves: There it flows out, there worlds expand into our personality; but these are memories of what was previously poured into us from the spiritual worlds. Read in Plato how he traces what human beings can experience back to a memory of the soul of its past experiences. There you see how, out of a deeply real consciousness of the fourth post-Atlantean epoch, a spirit such as Plato was able to create. We can only begin to understand what such an individual statement by such a striking personality means when we are able to look occultly into the spirit of the epochs.
